{"id":11901,"date":"2006-06-03T15:56:00","date_gmt":"2006-06-03T13:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/"},"modified":"2006-06-03T12:00:00","modified_gmt":"2006-06-03T10:00:00","slug":"identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/","title":{"rendered":"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne"},"content":{"rendered":"<p>Kritische Anmerkungen zu Samuel Huntingtons<\/p>\n<p>&#132;Kampf der Kulturen&#147;.<\/p>\n<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 174, (Heft 2\/2006), S.115-129<\/p>\n<p><b>Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, das Zeitalter, in dem wir leben, als Globalisierung zu bezeichnen. Das ist eine zeitliche Phase, in der die Welt, wie es hei\u00dft, immer n\u00e4her zusammenr\u00fcckt, sich Distanzen verringern und die Menschen wie in einem globalen Dorf zusammenleben. Zu Anfang war die Globalisierung von gro\u00dfer Euphorie begleitet. Die Rede war von der one world, in der sich die Menschheitsprobleme wie Armut, Massenarbeitslosigkeit, Umweltzerst\u00f6rung und kriegerische Auseinandersetzungen l\u00f6sen lassen. Man hatte vielerorts gehofft, dass die passende Geisteshaltung zur Globalisierung der Kosmopolitismus w\u00e4re, &#150; und tats\u00e4chlich finden wir bei vielen Menschen auch diese Geisteshaltung. Aber noch viel h\u00e4ufiger kommen Nationalismus und kultureller Chauvinismus, auch religi\u00f6ser Fanatismus zu einer erneuten Bl\u00fcte &#8211; auch auf regierungsamtlichen Seiten. Mittlerweile ist Ern\u00fcchterung eingetreten. Die Menschen werden aus ihren sozialen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen herausgerissen. Die Globalisierung f\u00fchrt nicht zu einer Angleichung und Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse zwischen der ersten und der dritten Welt, sondern versch\u00e4rft die Situation. Ganz offensichtlich kommt aus diesem Grund den Menschen der Kosmopolitismus nicht in den Sinn. Die Globalisierung hat l\u00e4ngst ihre negativen Seiten offenbart. Vielerorts ist von Leitkultur, nationaler, kultureller oder religi\u00f6ser Identit\u00e4t die Rede. Der Begriff der Identit\u00e4t ist vielf\u00e4ltig in Gebrauch; er ist ein Schl\u00fcsselbegriff, dessen Bedeutung oft \u00fcberstrapaziert und missbraucht wird. Wenn von Identit\u00e4t die Rede ist, verbergen sich meistens dahinter ein realer materieller Mangel an Lebenschancen und ein Bed\u00fcrfnis nach kollektiver Identit\u00e4t, gleichsam nach Orientierung und Schutz. Orientierung wird im Vertrauten gesucht, die Gesellschaften schotten sich ab, verschlie\u00dfen sich einem Dialog der Verst\u00e4ndigung und pflegen Vorurteile. Schutz wiederum ist ein Urph\u00e4nomen von Herrschaft, die auf Anerkennung beruht. Und so k\u00f6nnen \u00fcberall politische oder religi\u00f6se Gruppen zur Herrschaft gelangen, wenn sie sich Anerkennung erheischen, indem sie lauthals den Schutz der kulturellen Identit\u00e4t versprechen.<br \/>Hervorhebenswert ist in diesem Zusammenhang, dass nach der urspr\u00fcnglichen Bedeutung die Suche nach Identit\u00e4t im scheinbar Bew\u00e4hrten mit Orientierung \u00fcberhaupt nichts zu tun hat. Das Wort Orientierung entstand im Kontext der okzidentalen Kultur des 18. Jahrhunderts. Etymologisch leitet sich das Wort von oriens (lat.) = Osten, Orient ab und bedeutet sinngem\u00e4\u00df, nach Osten zu schauen, wo die Sonne aufgeht, um die anderen Himmelsrichtungen bestimmen zu k\u00f6nnen. In einem \u00fcbertragenen Sinne orientierte man sich, indem man sich dem (Sonnen-) Licht der Aufkl\u00e4rung zuwandte. In einem daraus abgeleiteten Sinne suchte man im Geiste der Aufkl\u00e4rung nach Orientierung, indem man sich der orientalischen Kultur \u00f6ffnete von der es schon in der Antike viel zu lernen galt, was den Fortschritt der Wissenschaften anbelangte: Immerhin waren hier unter anderem die Schrift und das arithmetische Denken, die Mathematik, entstanden, die von dort ins antike Griechenland hin\u00fcber gelangten und die okzidentale Philosophie anschoben.<br \/>Im 18. Jahrhundert befl\u00fcgelte der Orient die b\u00fcrgerlichen Gesellschaften Europas. Die Faszination gegen\u00fcber dem Orient &#150; Orientalismus, der sich etwa an Marokko, T\u00fcrkei, \u00c4gypten und Indien festmachte, lie\u00dfen auch im 19. Jahrhundert nicht nach. Literaten wie Johann Wolfgang Goethe (West-\u00f6stlicher Divan, 1816) oder Hugo von Hofmannsthal (Das M\u00e4rchen der 672. Nacht, 1895) traten in einen Dialog mit dem Morgenland. Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart machten den Orient zum Thema der Oper (Entf\u00fchrung aus dem Serail, 1782). Maler wie Eug\u00e8ne Delacroix versuchten die Faszination &#150; oft ihre erotischen Phantasien bez\u00fcglich der Haremskultur &#150; bildlich darzustellen. Viele gaben sich mit den Berichten, die aus dem Orient kamen, nicht zufrieden und reisten selbst dorthin, um sich ein eigenes, vermeintlich ungetr\u00fcbtes Bild zu verschaffen &#150; wie etwa Delacroix nach Marokko (Tagebuch der Marokko-Reise, 1832). Die Bibliotheken sind gef\u00fcllt mit Reiseberichten aus dieser Zeit. Oft ging es allerdings wenig realistisch zu, die k\u00fcnstlerischen Darstellungen zeugen von Wunschprojektionen und Sehns\u00fcchten, die die europ\u00e4ische Kultur zu dieser Zeit in keinem besonders paradiesischen Licht erscheinen lassen. Der Orient erf\u00fcllte in Europa die Funktion einer utopischen Gegenwelt. Exotik und Erotik konnten faszinieren, weil es um die Leidenschaft und Sinnlichkeit in Europa offensichtlich nicht allzu gut bestellt waren. Man suchte also auch hier Orientierung, um sich selbst zu befreien. Man schaute freilich nicht so genau hin, inwieweit das Orientbild tats\u00e4chlich der Realit\u00e4t entsprach. Der Orient diente als Quelle der Inspiration. Man suchte Orientierung, um die eigene Kultur besser auszustatten.<br \/>Die Unbefangenheit dieser Orientierung erkl\u00e4rt sich daraus, dass es den Literaten, Komponisten und Malern kaum in den Sinn gekommen w\u00e4re, ihre eigene Kultur national zu buchstabieren. Ist etwa Goethe ein Repr\u00e4sentant der deutschen Kultur? War Goethe ein Deutscher? Heute gibt es keinen Zweifel bei der Beantwortung dieser beiden rhetorischen Fragen. Das deutsche Kulturinstitut tr\u00e4gt Goethes Namen zu Recht. Dennoch haben die beiden Fragen eine Berechtigung. Denn Deutschland gab es zu Goethes Lebzeiten noch gar nicht, und er hat auch gar nicht deutsch gedacht; er hatte vielmehr eine kosmopolitische Orientierung. Erst in der nachkommenden Zeit entstanden im Zuge der Nationalstaaten nationale Identit\u00e4ten, in denen Goethe f\u00fcr die deutsche Kultur eine herausragende Funktion zugedacht wurde, die vermutlich allzu oft nicht in seinem Sinne gewesen ist. Es handelt sich &#150; um ein Wort von Eric Hobsbawm zu bem\u00fchen &#150; um den klassischen Fall einer invention of tradition, wenn ein R\u00fcckbezug auf die Vergangenheit erfolgt, um eine kulturelle Identit\u00e4t im nationalen Rahmen zu schaffen.<br \/>Je mehr heute sich in Europa die nationalstaatlichen Grenzen aufl\u00f6sen oder zumindest durchl\u00e4ssiger werden, wird Goethe im Rahmen der europ\u00e4ischen Kultur gesehen, wo er &#150; wie auch zum Beispiel Shakespeare &#150; eher hingeh\u00f6rt. Ich erw\u00e4hne dies etwas ausf\u00fchrlicher, weil nach der von den Deutschen verursachten Katastrophe der beiden Weltkriege und des Massenmordes vor allem an den Juden die Entwicklung in Europa nicht selbstverst\u00e4ndlich ist. Die Auswirkungen waren zwar in der ganzen Welt zu sp\u00fcren, in Europa aber waren die Verw\u00fcstungen am schlimmsten und haben bis an den Rand des Niedergangs der b\u00fcrgerlichen Kultur gef\u00fchrt. Kriege zwischen europ\u00e4ischen Staaten sind heute undenkbar geworden. Die ehemaligen Erzfeinde Frankreich und Deutschland stehen in freundschaftlicher Verbundenheit sehr eng beieinander und begreifen sich als Wegbereiter der europ\u00e4ischen Integration. In diesem \u00fcber das Nationale hinausgehenden Kontext versucht man nun eine europ\u00e4ische Identit\u00e4t zu schaffen, in der Goethe und Shakespeare eine zentrale kulturelle Rolle spielen. Die Entwicklung stellt sich ganz sicher mit R\u00fcckblick auf das Vergangene als Fortschritt dar, aber im Blick nach vorne und im globalen Zusammenhang wiederum erweist sie sich als eine neue, erweiterte Abschottung. &#150; In Marokko wei\u00df man sicher sehr gut, was die Festung Europa im Alltag bedeutet, wenn die aus vielen Teilen Afrikas durch die W\u00fcste gekommenen Menschen vor den Toren Europas brutal abgewiesen werden, im Stacheldraht verenden oder im Mittelmeer ertrinken.<br \/>Im Zeitalter der Globalisierung nimmt das Bed\u00fcrfnis nach Abschottung wieder zu. Ein Begriff macht in den Sozialwissenschaften seit l\u00e4ngerem schon die Runde, mit dem versucht wird, die gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen und die unangenehmen Begleiterscheinungen, die sich auf der Suche nach kollektiver Identit\u00e4t ergeben, zu erkl\u00e4ren. Es geht um den Begriff der Identit\u00e4tspolitik. Die Globalisierung verst\u00e4rkt ganz offensichtlich die Tendenz der identit\u00e4tspolitischen Abschottung kultureller Traditionen, die dann aufgrund einer mangelhaften Verst\u00e4ndigung in Konflikt miteinander geraten k\u00f6nnen.<br \/>Man findet eine identit\u00e4tspolitische Abschottung nicht nur entlang der Scheidelinie Gewinner-Verlierer der Globalisierung, &#150; auch wenn das nahe zu liegen scheint. Die Scheidelinie verl\u00e4uft auch nicht zwischen Erster und Dritter Welt, bzw. zwischen reich und arm in diesen. Das gibt es zwar auch, weil das \u00f6konomische Motiv der Effizienz eine Triebkraft f\u00fcr die Identit\u00e4tspolitik durchaus darstellt, etwa wenn reiche Gebiete eines Landes sich von den armen abzuspalten gedenken (Separatismus), wie es im ehemaligen Jugoslawien geschehen ist. Im Falle Osama bin Ladens, der in der westlichen Welt seit dem 11. September 2001 zum am meisten gef\u00fcrchteten Terroristen avanciert ist, verh\u00e4lt es sich anders. Er geh\u00f6rt zu einer geprellten, aber wohlhabenden Herrschaftselite in seinem Herkunftsland; er ist kein Verlierer der Globalisierung. Ihm geht es um soziokulturelle Dominanz und Herrschaft in seiner eigenen Kultur. Er sucht in der Auseinandersetzung mit den dortigen Herrschaftseliten die Konfrontation mit dem Westen, will scheinbar einen Kampf der Kulturen bef\u00f6rdern, um seine Anh\u00e4ngerschaft zu vergr\u00f6\u00dfern und zu radikalisieren; er instrumentalisiert dabei seine Anh\u00e4ngerschaft genauso, wie er die islamische Religion zu diesem Zwecke missbraucht.<br \/>Ich beziehe mich im Folgenden zentral auf ein Buch des Dortmunder Politikwissenschaftlers Thomas Meyer, das den Titel &#132;Identit\u00e4tspolitik. Vom Missbrauch kultureller Unterschiede&#147; tr\u00e4gt und in Deutschland 2002 erschienen ist.1 Thomas Meyer zeigt in diesem Buch auf, dass es nicht die kulturellen Differenzen sind, die zur Konfrontation f\u00fchren, sondern einzig der Umgang mit ihnen. Es sind soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Faktoren, &#150; es sind Machtinteressen, die in einer (fundamentalistischen) Identit\u00e4tspolitik m\u00fcnden.<\/b><\/p>\n<h5><span id=\"fundamentalismus-in-allen-kulturen-der-welt\">Funda&shy;men&shy;ta&shy;lismus in allen Kulturen der Welt <\/span><\/h5>\n<p>Ich denke, ich muss nicht sagen, dass der 11. September 2001 kein heroischer Tag in einem vermeintlichen Befreiungskampf gegen die Welthegemonie der USA gewesen ist, sondern dass sich an diesem Tag ein Massenmord besonderer Qualit\u00e4t ereignete. Im Westen werden diese terroristischen Anschl\u00e4ge in einem Zusammenhang mit islamistischem Fundamentalismus gesehen, der die Z\u00fcge eines globalen Terrorismus angenommen hat. Die Motive dieses Terrorismus werden im Westen nicht richtig verstanden, wenn sie im Nihilismus und dem B\u00f6sen gesehen werden. So irrational ist dieser Terrorismus keineswegs. Vor allem erleichtert eine solche schlichte Interpretation es dem Westen, in aller Sch\u00e4rfe dagegen vorzugehen, ohne die eigene Verstrickung und Schuld reflektieren zu m\u00fcssen. Immerhin hat der Westen in der Vergangenheit immer wieder fundamentalistische, insbesondere islamistische Kr\u00e4fte unterst\u00fctzt, ja sogar &#150; wie in Afghanistan gegen die Sowjetunion &#150; regelrecht aufgebaut, um sie gegen Regierungen, die den westlichen Interessen nicht Folge leisten wollten, ins Feld zu f\u00fchren. <br \/>Die Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 haben eine Signatur, die im Widerspruch zu den von der Welt\u00f6ffentlichkeit vorgetragenen Beweggr\u00fcnden von Al Qaida steht. Zwei Passagierflugzeuge wurden in das World Trade Center gelenkt; ein drittes Flugzeug ins Pentagon, und eine vierte Maschine sollte vermutlich das Wei\u00dfe Haus treffen. Der Friedens- und Konfliktforscher Johann Galtung wies unmittelbar nach den Anschl\u00e4gen darauf hin, dass das WTC f\u00fcr das \u00f6konomische, das Pentagon f\u00fcr das milit\u00e4rische und das Wei\u00dfe Haus f\u00fcr das politische Amerika stehen. Alle drei Geb\u00e4ude stehen symbolisch f\u00fcr den Weltmachtanspruch der USA. Warum aber, wenn es tats\u00e4chlich um einen Kampf der Kulturen ginge, wurde nicht symbolisch das kulturelle Amerika attackiert, f\u00fcr das die Freiheitsstatue steht? In der Auswahl der tats\u00e4chlichen Anschlagsziele offenbart sich eine instrumentelle Rationalit\u00e4t, die darauf verweist, dass es darum ging, den \u00f6konomischen, milit\u00e4rischen und politischen Geltungsanspruch der USA zur\u00fcckzudr\u00e4ngen &#150; vor allem in der arabischen Welt und in bin Ladens Herkunftsland Saudi-Arabien, wo er f\u00fcr sich beansprucht, zur Herrschaftselite zu geh\u00f6ren. Er zieht das religi\u00f6se Ticket, um eine Massenbasis f\u00fcr sein pseudorevolution\u00e4res Ansinnen zu schaffen. In dem Augenblick aber, in dem er sein Ziel erreicht, w\u00fcrde er die Massen, die ihn bef\u00f6rdert haben, seinerseits vermutlich ebenso prellen, wie er von der Herrschaftselite in Saudi-Arabien geprellt wurde. Keine Frage, Osama bin Laden ist ein prophet of decease, ein Prophet des Untergangs, der die Welt zu retten vorgibt, um nur sich selbst zu retten. Aber ihn zum absoluten B\u00f6sen zu stilisieren, macht die gesamte Situation, in der wir uns befinden, noch gef\u00e4hrlicher, als sie ohnehin schon ist. Denn wie sollte der Westen auf ein absolutes B\u00f6ses, das ihn bedroht, anders reagieren als mit aller Sch\u00e4rfe? Und so erleben wir, wie mit dem Krieg in Afghanistan und im Irak, vermutlich bald auch gegen den Iran, eine Serie von Kriegen gegen den Terror entsteht, die man vielleicht in ein paar Jahren einmal als Dritten Weltkrieg bezeichnen wird, der mit dem 11. September 2001 begonnen wurde. Sicher, dass es nicht so sein wird, kann man sich jedenfalls nicht sein. Wann beginnt ein Krieg? Wann der Vorkrieg?<br \/>Wenn im Westen seit dem 11. September 2001 verst\u00e4rkt von einem islamistischen Fundamentalismus die Rede ist, so wird gerne \u00fcbersehen, dass der Fundamentalismus2 nicht ein Ph\u00e4nomen ist, das einzig in der islamischen oder allgemeiner in der orientalischen Kultur anzutreffen ist. Im Westen ist man schnell dabei zu unterschlagen, dass es auch dort Fundamentalismus gibt, mehr noch: dass der Fundamentalismus seinen Geburtsort sogar im Westen gehabt hat. <br \/>Das Wort Fundamentalismus trat zum ersten Mal in Erscheinung in einer religi\u00f6sen Schriftenreihe (1910-1915), die in den USA unter dem Titel The Fundamentals und mit dem Untertitel A Testimony to Truth (Ein Zeugnis der Wahrheit) erschienen ist. Protestantische Christen waren die Herausgeber; sie gr\u00fcndeten 1919 eine weltweit agierende Organisation namens World\u00b4s Christian Fundamentals Association. <br \/>Vier urspr\u00fcngliche Merkmale kennzeichneten die Fundamentals: 1) die \u00dcberzeugung einer &#132;buchst\u00e4bliche[n] Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift&#147;; 2) alle Wissenschaft, Theologie etc. sei nichtig, wenn sie der Bibel widerspricht (z.B. die Evolutionstheorie von Charles Darwin, die auch heute noch an vielen us- amerikanischen Schulen in Frage gestellt wird); 3) niemand k\u00f6nne ein &#132;wahrer Christ&#147; sein, der der Bibelauslegung der Fundamentals widerspricht; 4) Missachtung von (staatlicher, gesellschaftlicher oder individueller) Autorit\u00e4t, wenn Interessen oder politisch-rechtliche Fragen mit der Ethik der Fundamentals kollidieren; Kirche und christliche Religion gelten als h\u00f6here Instanzen als Staat und Recht. (Vgl. 54)<br \/>Das Wort Fundamentalismus fand seine Verbreitung also zun\u00e4chst im Westen und in einem christlichen Kontext. Erst danach fand das Wort seine Verallgemeinerung und Anwendung auf andere Kulturbereiche. Heute wird im Westen damit haupts\u00e4chlich islamistischer Fanatismus assoziiert. Gegen\u00fcber dem eigenen Fundamentalismus ist man weitgehend blind. Fundamentalismus ist aber ein globales Ph\u00e4nomen. Es gibt protestantischen Fundamentalismus in den USA, Hindu-Fundamentalismus in Indien, evangelikanischen Fundamentalismus in Guatemala, j\u00fcdischen Fundamentalismus in Israel, buddhistischen Fundamentalismus auf Sri Lanka, islamischen Fundamentalismus z.B. im Iran oder in Algerien, konfuzianischen Fundamentalismus in S\u00fcdostasien, r\u00f6misch-katholischen Fundamentalismus in Europa und den USA. (Vgl. 29f.)3<br \/>Fundamentalismus ist ein \u00e4tzender Stoff, der die kulturellen Verh\u00e4ltnisse vergiftet; aber er ist nicht das Gift, das einseitig f\u00fcr Spannungen zwischen Okzident und Orient verantwortlich ist. Die Gegen\u00fcberstellung Okzident-Orient verstellt die Sicht auf das eigentliche Problem: Der Fundamentalismus ist &#132;eine Begleiterscheinung aller Kulturreligionen der gegenw\u00e4rtigen Welt als Folge unbew\u00e4ltigter oder scheiternder Modernisierungsbestrebungen und der mit ihnen verbundenen kollektiven Erfahrungen von Entwurzelung, Verunsicherung, Ausweglosigkeit, Degradation und Kr\u00e4nkung.&#147; (10f.) &#150; So fasst Thomas Meyer seine zentrale These zusammen. <br \/>Der Fundamentalismus nimmt den Charakter einer politischen Ideologie an und steht in einem direkten Zusammenhang mit krisenhaft verlaufenden Modernisierungsprozessen. Die traditionellen Kulturen werden im Affekt gegen die Moderne absolut gesetzt und politisiert. Sie sollen in der Regel als offiziell verbindliche Ethik des gesellschaftlichen Zusammenlebens &#132;gegen die politischen Institutionen moderner Gesellschaften f\u00fcr das Gemeinwesen verbindlich&#147; (47) gemacht werden. Anerkennung sucht dieser Fundamentalismus in den jeweiligen Bev\u00f6lkerungen durch den &#132;Anspruch, die Ursachen der Modernisierungskrisen zu erkl\u00e4ren und Auswege aus ihnen zu weisen, deren Erfolge so sicher seien wie die absoluten Gewissheitsanspr\u00fcche, mit denen er sie begr\u00fcndet&#147; (ebd.).<br \/>Fundamentalismus ist demnach ein Produkt der Moderne; er verspricht in einer un\u00fcbersichtlich gewordenen Welt rasanter Entwicklung einen vermeintlich sicheren Halt, feste Identit\u00e4t, Sicherheit und Orientierung durch ein Festhalten an den kulturellen Traditionen, wodurch Ungewissheit, Un\u00fcbersichtlichkeit und moderne Offenheit, die als pers\u00f6nliche Bedrohung wahrgenommen werden, \u00fcberwunden werden sollen. (Vgl. 52) Dabei werden die Traditionen und kulturellen Werte auf ein geheiligtes Fundament gestellt, das als ewige Basis f\u00fcr einen politischen Herrschaftsanspruch eines geschlossenen und autorit\u00e4ren Systems von Zucht und Ordnung dient &#150; meistens zum Vorteil einzig einer Clique, die diesen Fundamentalismus propagiert. <br \/>Hier handelt es sich um die abstrakten Gemeinsamkeiten s\u00e4mtlicher Fundamentalismen, ob sie nun religi\u00f6s oder weltlich-profan motiviert sind. Es ist &#132;derselbe Stil des verfeindeten Umgangs mit kulturellen Unterschieden, eine Strategie vormacht orientierter Politisierung der eigenen Kultur gegen die Kultur der Anderen&#147; (30). Der Andere wird zum Feind der heimischen Kultur sowohl im Innern eines Staates als auch au\u00dferhalb erkl\u00e4rt. &#132;Kulturelles Selbstbewusstsein wird zum Hebel f\u00fcr politische Verfeindung um der kulturellen Dominanz oder der politischen Macht willen.&#147; (Ebd.)<\/p>\n<h5><span id=\"die-geburt-einer-ideologie-150-huntingtons-kulturkampftheorem\">Die Geburt einer Ideologie &#150; Huntingtons Kultur&shy;kampf&shy;the&shy;orem<\/span><\/h5>\n<p>Der amerikanische Politikwissenschaftler und Berater des US-Pr\u00e4sidenten Samuel Huntington publizierte im Sommer 1993 seinen kurzen Aufsatz &#132;Kampf der Kulturen?&#147;4, der umgehend in der gesamten Welt einen Paradigmenwechsel (mit-) bef\u00f6rdert, zumindest aber f\u00fcr Furore gesorgt hat. Bei seinen Bef\u00fcrwortern genauso wie bei seinen Gegnern war die Resonanz so gro\u00df, dass man davon ausgehen muss, dass Huntington nur pr\u00e4gnante Worte f\u00fcr das gefunden hat, was \u00fcberall schon vorbewusst im Schwange war. War der Titel des Aufsatzes noch mit einem Fragezeichen versehen, verschwand dieses Fragezeichen im Titel seines kurze Zeit sp\u00e4ter nachgeschobenen Buches, in dem er das Kulturkampftheorem ausbreitete.5 <br \/>Was steht in diesem Aufsatz und Buch? Hinter Huntingtons Kulturkampftheorem steht die grunds\u00e4tzliche Pr\u00e4misse, dass jede Kultur der Welt aus sozialen und politischen Normen besteht, die mit denen der anderen Kulturen unvereinbar sind. Eine friedliche Koexistenz war nur so lange m\u00f6glich, wie r\u00e4umliche Distanz vorhanden war. Da wir im Zeitalter der Globalisierung in Nahverh\u00e4ltnissen zueinander kommen, gleichsam wie in einem globalen Dorf leben, jedenfalls die geographischen Distanzen keinen Schutz mehr bieten oder eine friedliche Koexistenz zulie\u00dfen, sei ein Kampf der Kulturen unvermeidlich.6 Die Welt des 21. Jahrhunderts werde zu einer Arena von Kulturk\u00e4mpfen. Der H\u00f6hepunkt dieses zun\u00e4chst kalten, dann hei\u00dfen Zusammenpralls der Kulturen k\u00f6nnte eine Entscheidungsschlacht in Form eines Weltkrieges sein. Dabei geht es nicht &#150; wie noch in der Phase des Imperialismus Anfang des 20. Jahrhunderts &#150; um Landnahmen durch Krieg, sondern um kulturelle Hegemonieanspr\u00fcche, gleichsam um Identit\u00e4tsfragen im Sinne der Selbstbehauptung. In allen Kulturen werde ein Fundamentalismus die Macht ergreifen und dazu f\u00fchren, dass das Bewusstsein f\u00fcr die kulturellen Unterschiede gr\u00f6\u00dfer als das f\u00fcr die Gemeinsamkeiten werde. &#132;The rest against the west.&#147; &#150; Huntington appelliert sogleich an den Westen. Dieser sei aufgerufen, sich auf diesen Kampf gut vorzubereiten (R\u00fcstung), um in einem bevorstehenden Krieg nicht der Unterlegene zu sein.<br \/>W\u00fcrde man annehmen, dass Huntington selbst von diesen Annahmen tats\u00e4chlich \u00fcberzeugt ist, so k\u00e4me man nicht umhin, ihm einen gewissen Verfolgungswahn und Identit\u00e4tswahn zu bescheinigen. Viel eher aber denke ich, es handelt sich bei dem Kulturkampftheorem um eine Legitimationsideologie f\u00fcr ein imperiales Handeln des Westens, das dadurch verschleiert wird. Jede Eskalation wie der so genannte Karikaturenstreit, die das Theorem wom\u00f6glich auch noch verifiziert, w\u00e4re der weiteren Verschleierung imperialen Handelns f\u00f6rderlich.<br \/>Huntingtons beraterische T\u00e4tigkeit f\u00fcr den US-Pr\u00e4sidenten wird etwas durchschaubarer, wenn man seine Ausf\u00fchrungen in einen geopolitischen Kontext stellt. Als Westen wird von ihm Europa und die USA zusammengefasst. Gerade diese beiden Machtbereiche, die w\u00e4hrend des Kalten Krieges und der bipolaren Weltordnung vorgaben, gleichsam unverbr\u00fcchlich in der NATO Seite an Seite zu stehen, gerieten nach der Aufl\u00f6sung ihres gemeinsamen ideologischen Gegners, des Warschauer Paktes, zunehmend &#150; zwar nicht in ideologische Konfrontation, aber zumindest in harte Konkurrenz zueinander. Der Westen wird nicht als gemeinsame zivilisatorische Grundlage, aber als politisches Gebilde von der EU zunehmend in Frage gestellt. Europa versucht sich in Gestalt der EU gegen\u00fcber den USA als eine \u00f6konomische und milit\u00e4rische Weltmacht zu behaupten, verliert deshalb das Interesse an der NATO und schafft sich mit einer EU-Armee auch ein unabh\u00e4ngiges milit\u00e4risches Droh- und Eingreifpotential, um eigenst\u00e4ndig handeln zu k\u00f6nnen, wenn ein Konflikt mit den Interessen der USA aufzukommen droht. Das alles geschieht deshalb, weil der Imperialismus nach dem Kalten Krieg nicht obsolet sondern im Gegenteil in der Gestalt der Konkurrenz um den Zugang zu Energieressourcen in der Welt sehr aktuell geworden ist. In diesem Kontext kann man in Huntingtons Kulturkampftheorem auch einen strategischen Zweck erkennen, der auf Europa ausgerichtet ist: die gemeinsame zivilisatorische Grundlage des Westens nicht in Frage zu stellen, weil man noch aufeinander angewiesen sei, um sich gegen den Rest der Welt, der seinen Teil vom energetischen Kuchen verlangt, zu behaupten &#150; vor allem gegen das wirtschaftlich erstarkende China. <br \/>Sp\u00e4testens seit dem 11. September 2001 k\u00f6nnte man zu der Ansicht gelangen, Huntington habe Recht behalten, und wir befinden uns bereits mitten in einem Kampf der Kulturen an der Stelle, wo er von seiner kalten zur hei\u00dfen Phase \u00fcbergegangen ist. Ganz unstrittig liegen die Rauchschwaden des Krieges in der Luft. Aber es ist ein Krieg, der nur als Legitimationsvorwand auf das Theorem vom &#132;Kampf der Kulturen&#147; zur\u00fcckgreift, um imperiale Interessen der Weltm\u00e4chte zu maskieren und die Schuldfrage f\u00fcr einen m\u00f6glichen Fl\u00e4chenbrand von sich zu weisen.<br \/>Huntington selbst &#150; als w\u00e4re ihm wie Goethes Zauberlehrling bewusst geworden, dass er die Geister, die er rief und die gro\u00dfen Unheil anstiften, nicht mehr loswird &#150; distanzierte sich nach dem 11. September 2001 von seinem eigenen Kulturkampftheorem. Er warnte regelrecht davor, die aktuellen Konflikte durch die Brille eines Kulturkampfes zu betrachten. Und man sieht, dass Huntington nicht mehr Herr seines Theorems ist. Die Diskussion darum rei\u00dft nicht mehr ab, spitzt sich zu wie zuletzt im Karikaturenstreit. Die Gazetten bersten vom \u00bbKampf der Kulturen\u00ab wie das Haus des Hexenmeisters vom Wasser, das der verhexte Besen unerm\u00fcdlich heranschleppt. Huntingtons Theorem hat tats\u00e4chlich \u00bballe Aussicht, die Wirklichkeit zu pr\u00e4gen, und zwar auch dann, wenn sein sachlicher Kern nicht der Wahrheit entspricht. Denn viele beginnen zu handeln, als tr\u00e4fe das Modell zu, jeder w\u00e4hnt sich gut beraten, mit der in ihm beschriebenen Wirklichkeit zu rechnen, auch weil die Anderen sich gleichfalls entsprechend den Prognosen verhalten.\u00ab (23) Es ist offenbar der Fall einer self-fulfilling prophecy, die aus den Beraterzimmern von den Kommandoh\u00f6hen der Weltpolitik bis ins Fundament der Gesellschaften hineinwirkt und dort auf den kolossalen Verst\u00e4rker eines Massenresonanzbodens st\u00f6\u00dft, der es den Regierungen der Weltm\u00e4chte erlaubt, nur noch entschiedener ihren imperialen Interessen nachzugehen, ohne daf\u00fcr belangt zu werden, weil die Massen nach Schutz und Identit\u00e4t verlangen und den Krieg f\u00fcr unausweichlich halten k\u00f6nnten. Was sich hier wom\u00f6glich tats\u00e4chlich ank\u00fcndigt, ist ein Weltkrieg, in dem es auf jeder Seite nicht um den Schutz der Menschen geht, sondern auf der einen Seite um die Sicherung des Wohlstands der westlichen Welt, deren Teilhabe dem Rest der Welt verwehrt bleiben soll, und auf der anderen Seite um das Recht auf eine eigene Moderne der orientalischen Welt, das allerdings religi\u00f6s verschleiert daherkommt und als Krieg der Kulturen erscheint.<\/p>\n<p>&#132;O du Ausgeburt der H\u00f6lle!<br \/>Soll das ganze Haus ersaufen?<br \/>Seh ich \u00fcber jede Schwelle<br \/>doch schon Wasserstr\u00f6me laufen.<br \/>Ein verruchter Besen,<br \/>der nicht h\u00f6ren will!<br \/>Stock, der du gewesen,<br \/>steh doch wieder still!&#147;7<\/p>\n<p>Huntington hat sich aus guten Gr\u00fcnden von seinem Theorem distanziert. Schaut man genauer hin, dann ist Huntingtons Theorem tats\u00e4chlich selbst vom Un-Geist des Fundamentalismus angetrieben. Es ist die &#132;spiegelbildliche Variante einer scheinbar reaktiven &#155;westlichen&#139; Identit\u00e4tspolitik Huntingtonscher Art&#147; (9), die in der politischen Praxis auf dasselbe hinausl\u00e4uft, denn &#132;es legitimiert, und sei es wider Willen, den Missbrauch kultureller Argumente f\u00fcr die Entfachung und Rechtfertigung von Konflikten, deren Ursache entgegen dem ersten Anschein gerade nicht in der prinzipiellen Unvertr\u00e4glichkeit unterschiedlicher Kulturen zu finden ist&#147; (12).<br \/>Huntington hat Fakten &#132;nach Ma\u00dfgabe der eigenen Interessen&#147; (24) zusammengestellt und andere, die sein Theorem widerlegt h\u00e4tten, unterschlagen. &#132;So zugerichtet, kann es dann zur Rechtfertigung von Vormachts &#8211; und Herrschaftsinteressen dienen, die bei einem fairen und unbefangenen Blick auf die Welt nichts \u00dcberzeugendes f\u00fcr sich ins Feld f\u00fchren k\u00f6nnten.&#147; (ebd.)<br \/>Heute wird das Kulturkampftheorem verengt auf Spannungen zwischen Okzident und Orient. Das macht das Theorem aber nicht weniger falsch und gef\u00e4hrlich. Je mehr die Konfrontation auch noch auf das Verh\u00e4ltnis zum Islam fokussiert wird, kommt zum Vorschein, dass es um handfeste materielle Ausbeutungsinteressen geht. Es ist gleichsam das historische Pech der Araber, auf einem \u00d6lsee zu leben, der von der ganzen Welt begehrt und beansprucht wird. Man kann sagen, dass dieses \u00d6l der Grund ist, warum die arabische Welt in der Vergangenheit immer wieder darin behindert wurde, sich zu modernisieren, da oft mit Gewalt in die Modernisierungsprozesse eingegriffen wurde, um den Zugang zu den \u00d6lressourcen zu sichern. Wenn von Spannungen vornehmlich zwischen Okzident und Orient &#150; vor allem seit dem 11. September 2001 &#150; die Rede ist, sitzt man h\u00e4ufig &#150; auch im Westen &#150; einem Missverst\u00e4ndnis auf. Der Orient wird mit Tradition und Vormoderne verbunden, der Okzident dagegen mit der Kultur der Moderne gleichgesetzt, h\u00e4ufig auch mit &#132;westlichem Lebensstil&#147;, der dekadent und einzig am Konsum orientiert sowie ohne traditionelle Werte sei.<\/p>\n<h5><span id=\"kultur-der-moderne-versus-traditionelle-kulturen\">Kultur der Moderne versus tradi&shy;ti&shy;o&shy;nelle Kulturen?<\/span><\/h5>\n<p>Die Kultur der Moderne ist, so Meyer, nicht identisch mit der traditionellen Kultur des Westens, wenngleich diese aus jener etwa seit dem 17. und 18. Jahrhundert in Form eines tief greifenden Transformationsprozesses (Entstehung des Kapitalismus) hervorgegangen ist. Aber in diesem Transformationsprozess fand ein Bruch mit der Kultur des Westens statt. <br \/>Die Kultur des Westens entfaltete sich im achten und neunten Jahrhundert in Europa auf dem Boden der antiken Klassik und der christlichen Religion. In diesem Zeitrahmen entstanden gesellschaftliche und politische Institutionen, die das gesellschaftliche Zusammenleben zu regeln begannen &#150; durch ein Ma\u00df an Rechtlichkeit, Trennung von geistlicher und weltlicher Macht, politisch-gesellschaftliche Repr\u00e4sentativorgane f\u00fcr heterogene Gruppen (Interessenvertretungen) und Individualismus, der bereits in der christlichen Religion angelegt war. Diese Instanzen waren zun\u00e4chst nur Bausteine, die sich im Mittelalter noch nicht zusammenf\u00fcgten. Im Mittelalter f\u00fcgen sie sich in ein rigides, autorit\u00e4res System ein, das \u00fcber den Geltungsanspruch eines weltlichen und religi\u00f6sen Despotismus noch nicht hinausgelangte. (Vgl. 26) <br \/>Was war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr diesen tief greifenden Transformationsprozess? Historisch gingen dem in Europa im 16. und 17. Jahrhundert tiefe &#150; wenn man so will &#150; Identit\u00e4tskrisen voraus, die in Religionskriegen m\u00fcndeten. Die Kultur der Moderne setzte sich erst am Ende dieser politischen Krisen nahezu in allen Gesellschaften des alten Europas durch und transformierte die westliche Tradition von Grund auf. (Vgl. 27)<br \/>Ein entscheidendes historisches Datum war diesbez\u00fcglich das Jahr 1555, in dem es zum so genannten Augsburger Religionsfrieden kam. In diesem Friedensschluss hie\u00df es: &#132;cuius regio, eius religio&#147; (wessen Land, dessen Religion). Das war ein erster Schritt zu mehr Toleranz, zun\u00e4chst nur unter den Landesf\u00fcrsten, die nun die offizielle Religion frei w\u00e4hlen konnten, die dann aber f\u00fcr die Untertanen des F\u00fcrsten verbindlich waren. F\u00fcr die Untertanen gab es in diesem Sinne noch keine religi\u00f6se Freiheit oder Toleranz. Dennoch war es ein erster Schritt, der aus der Einsicht gewonnen war, dass es so nicht weiter gehen konnte. Hier dr\u00e4ngten die sich wandelnden Verh\u00e4ltnisse zum Gedanken; die b\u00fcrgerliche Zivilisation war im Begriff zu entstehen; \u00d6ffentlichkeit fasste die Bev\u00f6lkerung zusammen.<br \/>Erst mit der Entstehung einer b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit, einer b\u00fcrgerlichen Zivilisation und mit den b\u00fcrgerlichen Revolutionen f\u00fcgten sich die oben erw\u00e4hnten Bausteine zu einem Ganzen zusammen und entfalteten eine moderne Kultur, die schlie\u00dflich im entstehenden Nationalstaat ihren k\u00fcnstlichen Rahmen fand. Die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht wurde im s\u00e4kularen Nationalstaat institutionalisiert; das b\u00fcrgerliche Recht in verbindliche Gesetze gekleidet und universalisiert, das hei\u00dft, es sollte f\u00fcr alle Menschen gleicherma\u00dfen gelten. Die staatliche Gewalt wurde geteilt.<br \/>Die Kultur der Moderne ist im Gegensatz zur Kultur des Westens universal ausgelegt. Ihre Ausbreitungskraft liegt in der Abstraktheit oder Allgemeinheit, das hei\u00dft, sie stellt gerade nicht von au\u00dfen als Konfrontation die besonderen traditionellen Werte in Frage, sondern entwickelt sich von innen heraus auf Basis der besonderen traditionellen Werte, die in ihr aufgehoben werden; sie schafft einen Spielraum, in dem sich die jeweiligen kulturellen R\u00e4ume auf ihre je eigene Weise modernisieren. Die je eigene Weise bestimmt sich durch die Besonderheit der kulturellen Tradition, auf deren Resonanzboden sie sich entfaltet. Jede traditionelle Kultur hat also ihr eigenes Potential der Moderne, das unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sein kann, weshalb in manchen Kulturen sich die Moderne leichter, zumindest schneller durchsetzen kann als in anderen Kulturen, in denen die traditionell bedingten Gegenkr\u00e4fte eine Modernisierung behindern. So besehen kommt es zu einer Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigkeit in der Welt, die sich also nicht ganzheitlich entwickelt. <br \/>Die Kultur der Moderne ist gerade nicht Eigentum des Westens, &#150; auch wenn der Eindruck entstehen mag, weil sie dort zum ersten Mal in der Geschichte sich herausgebildet hat. Die Kultur der Moderne hat einen reflexiven und immanenten Charakter, das hei\u00dft, sie kann sich auch nur von innen heraus entwickeln; sie ist nicht von au\u00dfen zu erzwingen. &#150; Das wird den Amerikanern und Briten gerade im Irak auf schmerzliche Weise deutlich. Reflexiv ist die Kultur der Moderne auch deshalb, weil mit ihr eine Besinnung &#132;auf die Legitimit\u00e4t prinzipieller Unterschiede in der Fortschreibung \u00fcberlieferter Deutungen gesellschaftlicher Ordnung, privater Lebensweisen und pers\u00f6nlicher Glaubens\u00fcberzeugungen [erfolgt], wenn sich einheitliche Antworten auf diese Lebensfragen nicht l\u00e4nger zwanglos ergeben&#147; (27f.). <br \/>Die Kultur der Moderne ist demnach also eine &#132;Rahmenkultur f\u00fcr unterschiedliche Lebensweisen und Weltsichten, aber nicht selbst eine besondere Lebensweise&#147; (ebd.) Man \u00fcbernimmt nicht die Kultur der Moderne und verabschiedet sich von der eigenen traditionellen Kultur, wenn sich die Moderne ausbreitet. Auf diese Unterscheidung kommt es an. Was aber mit der modernen Kultur beginnt, ist die Reflexion auf den Umgang mit kulturellen Unterschieden im Geltungsbereich der traditionellen Kultur. Minderheiten erhalten einen legitimen Anspruch auf gesellschaftliche Anerkennung und Achtung. (Vgl. 28)<br \/>Das h\u00f6rt sich nun freilich so an, als k\u00f6nne die Kultur der Moderne ein geselliges Paradies auf Erden versprechen und dieses tats\u00e4chlich auch einl\u00f6sen. Die Kultur der Moderne ist zwar ihrem eigenen Anspruch nach eine Kultur des Umgangs mit Differenzen,8 diesen Anspruch kann sie aber nicht wirklich einl\u00f6sen. Sie hat eine Schattenseite, die ich als Dialektik der Moderne bezeichne. Die Schattenseite ist zutiefst destruktiv, ihr H\u00f6hepunkt in der europ\u00e4ischen Vergangenheit war Auschwitz. Es ist alles andere als f\u00f6rderlich, wenn man die destruktive Seite der Kultur der Moderne unterschl\u00e4gt. Gerade weil es einen Affekt gegen die Moderne gibt, der im extremsten Fall zum Fundamentalismus wird, muss man verstehen wollen, woher dieser Affekt kommt und pr\u00fcfen, ob nicht ein rationaler Kern darin enthalten ist, der, weil er nicht begriffen ist, in falschen und verheerenden Bahnen sich bewegt. Versteht man nicht den Affekt gegen die Moderne, bringt man kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr auf, oder l\u00e4sst es nicht zu, dass an der Moderne etwas ist, das die Menschen ganz zu Recht intuitiv aufhorchen l\u00e4sst und Unbehagen &#150; ein Unbehagen in der Moderne &#150; ausl\u00f6st, treibt man die Intuitiven und Unbehaglichen ins fundamentalistische Lager, gleichsam dorthin, wo sie nicht hingeh\u00f6ren. <br \/>Man darf Anspruch und Wirklichkeit der modernen Kultur nicht durcheinander bringen und einer naiven Illusion aufsitzen. Die moderne Kultur ist sehr ambivalent, gleichsam doppelz\u00fcngig im Umgang mit ihren eigenen Werten. &#150; Darin unterscheidet sie sich allerdings auch nicht von jeder besonderen traditionellen Kultur. <br \/>Die Kultur der Moderne ist ein Rahmen und als solcher mehr als nur eine Kultur. Sie verbreitet sich im Zuge der Kapitalisierung auf der ganzen Welt und transformiert die traditionalen Kulturen. Sie ist also ebenso eine politische Rahmen\u00f6konomie. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Gegengift &#150; wenn man so will: nach dem &#132;Wort, worauf am Ende [der Besen] das wird, was er gewesen&#147; &#150; blendet die Welt\u00f6ffentlichkeit einen zentralen Erkl\u00e4rungsansatz aus, der innerhalb der Frankfurter Schule, wie sie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer begr\u00fcndet wurde, entstanden ist: <br \/>Dem Kapitalismus wohnt eine Dialektik der Gleich-G\u00fcltigkeit inne. Die Menschen begegnen sich auf dem Markt abstrakt als Gleiche und sind, wenn sie Waren tauschen wollen, dazu verpflichtet, sich gegenseitig als Personen anzuerkennen. Insofern wird \u00fcber den Kapitalismus das emanzipative Moment der Gleichheit realisiert. Indem sich aber die Menschen auf dem Markt nicht nur als tauschende Warenbesitzer gegenseitig anerkennen, sondern sich auch verdingen, d.h. ihre Arbeitskraft in Beziehung zu den Waren setzen, sich selbst als Ware Arbeitskraft verdingen, kommt ein nicht-emanzipatives Moment der Gleich-G\u00fcltigkeit von Mensch und Ding (Ware) hinzu, dass der gegenseitigen Anerkennung im Wege steht, die Anerkennung wieder zur\u00fccknimmt und in Verdinglichung enden l\u00e4\u00dft.9 Das verdinglichte Individuum ist kalt &#150; in gewisser Hinsicht ist es sozial abgestorben. Adorno und Horkheimer nennen dieses Ph\u00e4nomen b\u00fcrgerliche K\u00e4lte und sind der Ansicht, dass Auschwitz ohne diese b\u00fcrgerliche K\u00e4lte nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Darum hei\u00dft es bei Horkheimer sinngem\u00e4\u00df, dass wer den Kapitalismus nicht kritisieren wolle, zu Auschwitz schweigen solle. <br \/>Wir finden dieses Ph\u00e4nomen der b\u00fcrgerlichen K\u00e4lte bereits in der Franz\u00f6sischen Revolution von 1789 &#150; in der Phase der Schreckensherrschaft von Maximilian de Robespierre (1793\/94) &#150; in der das Fallbeil (urspr\u00fcnglich ein zynisches Symbol der Freiheit) zum sichtbarsten Zeichen einer neuen Unterdr\u00fcckung wurde, weil ihr ohne gro\u00dfe menschliche Regung gro\u00dfe gesellschaftliche Gruppen, die der Konterevolution verd\u00e4chtigt wurden, zum Opfer fielen und die \u00d6ffentlichkeit diesem schaurigen Vorgang mit Gleichg\u00fcltigkeit beiwohnte. Hegel vergleicht diesen bedeutungslosen Tod mit dem kalten und platten &#132;Durchhauen eines Kohlhauptes oder ein Schluck Wassers&#147;10. Die Enthauptung von Ludwig XVI. l\u00f6ste in den deutschen L\u00e4ndern die Gegenbewegung zur Franz\u00f6sischen Revolution, die Romantik, aus, in der ein R\u00fcckbezug auf die traditionelle Kultur erfolgte, die romantisch verkl\u00e4rt wurde. Diese antimoderne Reaktion k\u00f6nnte man durchaus mit dem gegenw\u00e4rtigen Ph\u00e4nomen des Fundamentalismus vergleichen.11 Die politische Romantik verhinderte eine b\u00fcrgerliche Revolution in den deutschen L\u00e4ndern und die zeitgem\u00e4\u00dfe Bildung eines deutschen Nationalstaates. Statt einer selbstbewussten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft entstand 1870\/71 ein Obrigkeitsstaat, der unter der unseligen Dominanz Preu\u00dfens in nahezu direkter Verbindung zum deutschen Faschismus stand und erst nach 1945 mit Hilfe der Siegerm\u00e4chte des Zweiten Weltkrieges beseitigt wurde. <br \/>In Auschwitz haben die deutschen Nationalsozialisten mit derselben b\u00fcrgerlichen K\u00e4lte den Massenmord auf die absolute und bisher einzigartige Spitze getrieben. Vor allem die europ\u00e4ischen Juden wurden in den Gaskammern ohne Affekte und Emotionen, gleichsam fabrikm\u00e4\u00dfig mit Registriernummer ermordet &#150; mit einer an den Tag gelegten Gleichg\u00fcltigkeit, als h\u00e4tte man \u00fcbersch\u00fcssige Waren entwertet. Dieselbe Gleichg\u00fcltigkeit zeigt sich heute, wenn ein Waren\u00fcberschuss an Lebensmitteln einfach vernichtet wird, um einen Preisverfall zu verhindern, statt die Lebensmittel einfach an hungernde Menschen in der Welt zu verschenken. Jedes Jahr sterben 20 bis 30 Millionen Menschen in der Welt an Hunger und Unterern\u00e4hrung. Das ist Barbarei, da wir heute imstande w\u00e4ren, alles N\u00f6tige zu organisieren, damit niemand auf der Welt an Hunger leiden muss. <br \/>Wir finden diese verdinglichte K\u00e4lte auch in der Sowjetunion w\u00e4hrend der stalinistischen S\u00e4uberungswellen, als Stalin k\u00fchl kalkulierend s\u00e4mtliche Personen der kommunistischen Herrschaftsclique, die ihm seine Macht h\u00e4tten streitig machen k\u00f6nnen, aus dem Weg r\u00e4umen und ermorden lie\u00df.12 Und ebenso im Gulag, wo in der Zeit des Stalinismus ca. 18-20 Millionen Menschen\u00a0 als vermeintliche Gegner des Kommunismus gefangen gehalten und ermordet wurden. <br \/>Wir finden die b\u00fcrgerliche K\u00e4lte auch am 6. August 1945 beim Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und wenige Tage sp\u00e4ter auf Nagasaki. Die St\u00e4dte wurden zuvor absichtlich von konventionellen Bombardements verschont, damit man die Destruktionskraft einer nuklearen Explosion auf eine Gro\u00dfstadt testen konnte.<br \/>Auf der Normenebene, der Ebene der Ideale und des Marktes ist die Kultur der Moderne eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung und des Umgangs mit Differenzen, der Toleranz. Aber in den Tauschverh\u00e4ltnissen und -beziehungen steckt ebenso die destruktive und nihilistische Kraft, die die Unterschiede ausl\u00f6scht, das Nicht-Identische liquidiert und eine Tendenz zum Totalitarismus erkennen l\u00e4sst. Diese destruktive Kraft hat durch das gesamte 20. Jahrhundert gew\u00fctet und in Auschwitz ihren H\u00f6hepunkt gefunden. Sie ist immer noch in der Welt &#150; nicht als ein barbarischer, vormoderner Zug, sondern als eine Dialektik der Moderne. <br \/>Insofern ist der Aufschrei gegen diese Moderne durchaus rational, solange er sich nicht gegen die Moderne als Ganzes, sondern gegen die nihilistische Tendenz, gegen den Mechanismus der Verdinglichung, gegen die der kapitalistischen Moderne innewohnende b\u00fcrgerliche K\u00e4lte wendet. Es ist ein Unterschied zwischen absoluter Ablehnung der Moderne und der bestimmten Negation moderner Aspekte, die Modernisierungskritik von fundamentalistischem Antimodernismus unterscheidet. W\u00e4hrend dieser in einem reaktion\u00e4ren Sinne aus der Moderne zur\u00fcck in die Tradition fl\u00fcchten m\u00f6chte,13 will jene um der Moderne willen nicht zur\u00fcck noch \u00fcber sie hinaus, sondern sie in einem dialektischen Sinne aufheben: die Mechanismen der Verdinglichung negieren und damit die Moderne auf eine neue qualitative Stufe heben. <br \/>Die Kritik am Kapitalismus war nach der Aufl\u00f6sung der bipolaren Weltordnung weltweit verstummt. Die marxistisch-leninistischen Ideologien haben vielerorts Leerstellen hinterlassen, die vom identit\u00e4tspolitischen Fundamentalismus eingenommen wurden. Die fundamentalistische Instrumentalisierung kultureller Unterschiede sch\u00f6pft aus dem Niedergang der utopischen Energien ihre Wirkmacht; sie ist gleichsam eine Ersatzreligion.<\/p>\n<h5><span id=\"die-utopie-einer-kosmopolitischen-ordnung-zur-loesung-der-menschheitsprobleme\">Die Utopie einer kosmo&shy;po&shy;li&shy;ti&shy;schen Ordnung zur L&ouml;sung der&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mensch&shy;heits&shy;pro&shy;bleme <\/span><\/h5>\n<p>Identit\u00e4tspolitische Abschottung, die stets auf einen &#132;kulturellen Rassismus&#147;14 hinausl\u00e4uft, kann niemals eine politische L\u00f6sung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Menschheitsprobleme sein. Es w\u00e4re ein &#132;selbstm\u00f6rderisches Unterfangen&#147; (31), wenn weiterhin kulturelle Unterschiede zum Zwecke der Anfeindung politisiert werden, weil man glaubt, dadurch tief greifende Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Es w\u00e4re nicht nur das Zusammenleben innerhalb jeder Kultur massiv bedroht, sondern &#132;am Ende auch die Grundlagen des \u00dcberlebens der menschlichen Zivilisation&#147; (ebd.). Wenn wir den Frieden haben und sichern wollen, wenn wir unsere nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen bewahren und unsere wirtschaftlichen Beziehungen solidarisch gestalten und pflegen wollen, ben\u00f6tigen wir eine kosmopolitische Orientierung, die uns gegen die Instrumentalisierung kultureller Unterschiede zu Herrschaftszwecken, von welcher Seite sie auch politisiert wird, immunisiert. <br \/>Eine globale, internationale Ordnung, deren Notwendigkeit wohl kaum ein vern\u00fcnftig denkender Mensch abstreiten kann, bedarf, damit sie auch funktioniert, allgemein, das hei\u00dft universal g\u00fcltiger Werte und Normen, die von allen anerkannt werden k\u00f6nnen. Jedenfalls kann man eine solche Ordnung nicht mit Gewalt erzwingen. Wie sieht es aus mit den M\u00f6glichkeiten elementarer Gemeinsamkeiten? &#150; Sie m\u00fcssten in den verschiedenen Kulturen abstrakt zu finden sein. Sie w\u00e4ren Aspekte einer modernen Kultur, die herauszuarbeiten w\u00e4ren. Wir m\u00fcssen uns anstrengen, die Ankn\u00fcpfungspunkte in den kulturellen Traditionen zu finden, die es gestatten, in einen gemeinsamen kulturellen Dialog zum Zwecke der Verst\u00e4ndigung und des gemeinsamen Handelns einzutreten, bevor die ganze Welt in Flammen steht. Verst\u00e4ndigung und gemeinsames Handeln m\u00fcssten zu dem Zwecke erfolgen, die herrschenden M\u00e4chte daran zu hindern, die eigenst\u00e4ndige aber ungleichzeitige Entwicklung der Moderne in allen L\u00e4ndern der Welt zu behindern, weil man vormoderne Gesellschaften besser in Abh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den fortgeschrittensten Industriestaaten halten kann. Dasselbe gilt auch f\u00fcr traditionelle Herrschaftscliquen, die ihre Herrschaft nur in vormodernen Gesellschaften zu halten imstande sind.\u00a0\u00a0\u00a0 <br \/>Ein solches gemeinsames Handeln ginge einher mit der allgemeinen Anerkennung einer modernen Norm: die Anerkennung des Diskriminierungsverbots. (Vgl. 35) In dieser Norm finden sich die Ideale der Gleichheit und Gleichberechtigung, der Freiheit und der gesellschaftlichen Solidarit\u00e4t wieder. Gegenseitige Anerkennung und Achtung schlie\u00dfen keineswegs politische K\u00e4mpfe aus; nur d\u00fcrfen diese nicht \u00fcber das Ziel der Gleichberechtigung hinausschie\u00dfen, gleichsam die Unterdr\u00fcckung der vormaligen Unterdr\u00fccker zur Absicht haben. Antidiskriminierungspolitik bedeutet auch religi\u00f6se Freiheit und Toleranz f\u00fcr alle Angeh\u00f6rigen einer Gesellschaft &#150; ob Mann oder Frau &#150; ohne Bedingung der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer religi\u00f6sen oder politischen Gruppe. Jeder Mensch muss sich in der Gesellschaft, in der er lebt, frei entfalten k\u00f6nnen, &#150; freilich ohne die pers\u00f6nliche Freiheit der anderen einzuschr\u00e4nken. Die allgemeine Anerkennung des Diskriminierungsverbots stellt erst die Gemeinsamkeit aller an Emanzipation interessierten Menschen \u00fcber unterschiedliche Kulturen hinweg her. Erst auf diese Weise kann ein gemeinsames Handeln zur Entsch\u00e4rfung der Weltkonflikte m\u00f6glich werden. <br \/>Im Zentrum der Antidiskriminierungspolitik stehen also die Menschenrechte, deren Einhaltung wir auch den Herrschenden abverlangen m\u00fcssen. Identit\u00e4tspolitik ist dagegen Diskriminierungspolitik, die kulturelle Identit\u00e4t als Waffe benutzt, um andersartige Menschen auszugrenzen und f\u00fcr politische Zwecke und Herrschaftsinteressen zu missbrauchen. Dazu d\u00fcrfen wir uns nicht verf\u00fchren lassen. <br \/>\u00a0 <br \/>1\u00a0\u00a0 Thomas Meyer: Identit\u00e4tspolitik. Vom Missbrauch kultureller Unterschiede, Frankfurt am Main 2002. &#150; Seitenangaben im Text beziehen sich auf dieses Buch.<br \/>2\u00a0\u00a0\u00a0 &#132;Fundamentalismus ist eine moderne politische Ideologie mit ethisch-religi\u00f6sem, mitunter auch areligi\u00f6s-weltanschaulichem Anspruch. Er kombiniert auf widerspruchsvoll-pragmatische Weise Elemente der sp\u00e4ten Moderne mit R\u00fcckgriffen auf dogmatisierte Best\u00e4nde vormoderner Traditionen, um die von ihm als Bedrohung der eigenen Identit\u00e4t erfahrenen Grundlagen und Folgen der Kultur der Moderne auf moderne Weise und mit modernen Mitteln desto wirkungsvoller bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen&#147; (47) &#150; Fundamentalismus ist demzufolge also eine politische Ideologie, die \u00bbgegen die Moderne mit modernen Mitteln zur Herrschaft zu gelangen\u00ab (ebd.) versucht. <br \/>3\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe Realtypen (z.B. in Indien und den USA) und Idealtypen des Fundamentalismus &#150; (55ff. und 59ff.).<br \/>4\u00a0\u00a0\u00a0 Samuel P. Huntington: &#147;Clash of Civilizations?&#148; in: Foreign Affairs, H. 3, 1993, S. 22-49.<br \/>5\u00a0\u00a0 Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen.\u00a0 The Clash of Civilizations.\u00a0 Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, M\u00fcnchen 1996. <br \/>6\u00a0\u00a0\u00a0 Sieben Kulturen macht Huntington aus, die aller Wahrscheinlichkeit miteinander in Konflikt geraten w\u00fcrden: den Westen, Islam, Konfuzianismus (Sinismus), die japanische Zivilisation, den Hinduismus, die orthodox-slawische Zivilisation, Lateinamerika und Afrika.<br \/>7\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Wolfgang Goethe: Der Zauberlehrling.<br \/>8\u00a0\u00a0 &#132;Sie [die Kultur der Moderne; MH] musste nun statt der Sicherheiten der \u00dcberlieferung die Allgegenwart von Differenzen in der Auffassung des Gleichen anerkennen und um des eigenen \u00dcberlebens willen Normen begr\u00fcnden, die dennoch den Gemeinschaftsfrieden, das Zusammenleben aller und den Zusammenhang des Ganzen zu wahren vermochten, nachdem die religi\u00f6sen B\u00fcrgerkriege vor Augen gef\u00fchrt hatten, welche Folgen sonst drohten.&#147; (27)<br \/>9\u00a0\u00a0\u00a0 In der orientalischen Kultur kennt man noch eine traditionell \u00fcberlieferte und praktizierte Form der variablen Festlegung von Warenwerten. Die Ware hat gleichsam keinen durchschnittlich festen Wert, der sich etwa durch das Quantum der in ihr vergegenst\u00e4ndlichten Arbeitszeit und allgemein der Produktionskosten bestimmen l\u00e4sst und den Preis einer Ware festlegt. Das Feilschen um den Preis ist in der orientalischen Kultur eine kulturelle Handlung, in der Verhandlungsgeschick, Charisma und Zauber, sowie der soziale Status der Handelnden den Preis variieren. In Teilbereichen d\u00fcrfte sich im Spiel des Feilschens eine Form von Gegengift gegen die verdinglichende Gleichg\u00fcltigkeit von Ware und Mensch (als Ware Arbeitskraft), wie er ein wesentliches Moment des Kapitalismus ausmacht, bewahrt haben, dem im Westen kaum mehr Beachtung geschenkt wird. <br \/>10\u00a0 G.W.F. Hegel: Ph\u00e4nomenologie des Geistes, Frankfurt am Main 1986, S. 436. <br \/>11\u00a0 &#132;Die Romantik ist eine Kritik der Aufkl\u00e4rung, aber auch die Aufkl\u00e4rung l\u00e4sst sich als eine (vorweggenommene) Kritik der Romantik verstehen. Wer die Kulturen &#150; wie die Romantiker &#150; als &#132;nat\u00fcrliches&#147; Element des Menschen akzeptiert, will nicht wahrhaben, dass sie sich selbst geschaffen haben. Wer ihre Autorit\u00e4t von vornherein anerkennt, negiert die Freiheit des Menschen vor seinen Werken. Doch auch die Kritik der Romantik an der Philosophie der Aufkl\u00e4rung kann G\u00fcltigkeit beanspruchen. Autonomie, die zum Selbstzweck wird, wirkt zweifellos &#155;entmenschlichend&#139;&#147; &#150; Daniel Cohen: Fehldiagnose Globalisierung. Die Neuverteilung des Wohlstands nach der dritten industriellen Revolution, aus den Franz\u00f6sischen von Bodo Schulze, Frankfurt am Main\/New York 1998, S. 117.<br \/>12\u00a0 Siehe Maurice Merleau-Ponty: Die Abenteuer der Dialektik (Paris 1955), Frankfurt am Main 1968. &#150; Merlau-Ponty schreibt seine Analyse auf der Grundlage des Romans von Arthur K\u00f6stler Sonnenfinsternis, in dem dieser die stalinistischen Schauprozesse gegen Bucharin und Sinowjew literarisch aufarbeitete. &#150; Vgl. Arthur K\u00f6stler: Sonnenfinsternis, Hamburg, Wien 2000 (Neuauflage).<br \/>13\u00a0 Was faktisch v\u00f6llig unm\u00f6glich ist. Aus der politischen Rahmen\u00f6konomie und der modernen Rah-\u00a0 menkultur ist nicht so ohne weiteres auszubrechen &#150; jedenfalls nicht r\u00fcckw\u00e4rts. Selbst der Widerstand gegen die Moderne bewegt sich innerhalb moderner Parameter, auch wenn ein R\u00fcckbezug auf traditionelle Werte erfolgt. Der R\u00fcckbezug kann sich nur als Mischung mit der Moderne realisieren als Restauration. Das Moderne im Widerstand gegen die Moderne ist wie ein Vexierbild und bewegt sich innerhalb der modernen Ambivalenz der Gleichg\u00fcltigkeit. <br \/>14\u00a0 Der Begriff stammt von Wolfgang Welsch: \u00bbTranskulturalit\u00e4t &#150; die ver\u00e4nderte Verfassung heutiger Kulturen\u00ab, in: Stiftung Weimarer Klassik (Hg.): Sichtweisen. Die Vielheit in der Einheit, Frankfurt am Main 1994.<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1890],"publikationen":[2815],"class_list":["post-11901","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-marcus-hawel","publikationen-174-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Kritische Anmerkungen zu Samuel Huntingtons &#132;Kampf der Kulturen&#147;. Aus: vorg\u00e4nge Nr. 174, (Heft 2\/2006), S.115-129 Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, das Zeitalter, in dem wir leben, als Globalisierung zu bezeichnen. Das ist eine zeitliche Phase, in der die Welt, wie es hei\u00dft, immer n\u00e4her zusammenr\u00fcckt, sich Distanzen verringern und die Menschen wie in einem globalen [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"36\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/publikation\\\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/publikation\\\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\\\/\",\"name\":\"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2006-06-03T13:56:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/publikation\\\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/publikation\\\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/publikation\\\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge Nr. 174: Die Grenzen Europas?\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/174-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union","og_description":"Kritische Anmerkungen zu Samuel Huntingtons &#132;Kampf der Kulturen&#147;. Aus: vorg\u00e4nge Nr. 174, (Heft 2\/2006), S.115-129 Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, das Zeitalter, in dem wir leben, als Globalisierung zu bezeichnen. Das ist eine zeitliche Phase, in der die Welt, wie es hei\u00dft, immer n\u00e4her zusammenr\u00fcckt, sich Distanzen verringern und die Menschen wie in einem globalen [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"36\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/","name":"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2006-06-03T13:56:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/publikation\/identitaetspolitik-und-die-kultur-der-moderne\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge Nr. 174: Die Grenzen Europas?","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/174-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Identit\u00e4tspolitik und die Kultur der Moderne"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation\/11901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/media?parent=11901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/categories?post=11901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/tags?post=11901"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/autoren?post=11901"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikationen?post=11901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}