{"id":11906,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/editorial-12\/"},"modified":"2006-03-01T12:00:00","modified_gmt":"2006-03-01T11:00:00","slug":"editorial-12","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/173-vorgaenge\/publikation\/editorial-12\/","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 173 (Heft 1\/2006), S. 1-2<\/p>\n<p>Als vor f\u00fcnf Jahren J\u00fcrgen Habermas in seiner Dankesrede f\u00fcr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels den Glauben als gesellschaftliche Macht entdeckte, \u00fcberraschte der Theoretiker der Moderne damit seine Zuh\u00f6rer in der Frankfurter Paulskirche. Dennoch trafen seine Worte vier Wochen nach dem 11. September 2001 den Nerv der Zeit. Seither erleben wir hierzulande eine permanente Diskussion \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge von Religion, Politik und \u00d6ffentlichkeit, in Deutschland, im Verh\u00e4ltnis zu islamisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern, aber auch in der Selbstbefragung westlicher Gesellschaften. Kopftuch und Karikaturen, der Papst und die Pr\u00e4ambel der gescheiterten EU-Verfassung: Die Religion scheint in den s\u00e4kular-aufgekl\u00e4rten Gesellschaften des Westens mitnichten den langsamen Tod gestorben zu sein, der ihr viele Jahrzehnte prophezeit wurde. Doch kann man angesichts dieser zahllosen &#8211; oft medial inszenierten &#8211; Ph\u00e4nomene von einer Renaissance der Religion sprechen? Vieles spricht eher daf\u00fcr, dass das gesellschaftliche Subsystem Glauben heute, in einer ansonsten ideologiearmen Zeit, in den \u00f6ffentlichen Debatten einspringen muss, um den Auseinandersetzungen prinzipielle W\u00fcrde zu verleihen. Dennoch: Religion als politischer Faktor wurde hierzulande zu lange ignoriert, in abgekl\u00e4rt aufkl\u00e4rerischer Manier. Doch welche Macht darf sie in einer Demokratie bekommen, ohne diese zu gef\u00e4hrden?\u00a0 <br \/>\u00a0 Die vorg\u00e4nge, die mit diesem Thema auch einen zentralen Impuls ihrer Gr\u00fcnderzeit vor vier Jahrzehnten aufgreifen, stellen die Gretchenfrage: Wie h\u00e4lt es die moderne Gesellschaft mit dem Glauben? Der Historiker (und Pastorensohn) Paul Nolte pl\u00e4diert &#150; nach Betrachtungen \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Bedeutung von Religion &#8211; f\u00fcr einen religionsfreundlichen Staat, der die B\u00fcrgergesellschaft auf diese Weise f\u00f6rdern solle. Der Beitrag des Soziologen Markus Schroer zeigt, wie fragw\u00fcrdig die Rede von der R\u00fcckkehr der Religion ist: vielmehr unterliege sie einem permanenten Formwandel. Einen soziologischen Grundbegriff analysiert Matthias Pohlig kritisch aus der Sicht des Historikers: Auch die S\u00e4kularisierung, Bestandteil fast jeder Gro\u00dftheorie \u00fcber gesellschaftliche Modernisierungsprozesse, ist real schwer nachzuweisen. Der Philosoph Gunnar<br \/>Hindrichs interpretiert die R\u00fcckkehr der Religion vor allem als deren Politisierung auf der Grundlage eines s\u00e4kularen Staatsverst\u00e4ndnisses: Der Glauben wird politisiert, zumindest in den USA. Anders im Iran: Wahied Wadhat-Hagh pr\u00e4sentiert die dort herrschende Verbindung von islamistisch-theokratischer Herrschaft und politischer Diktatur als Form von Totalitarismus. Gewichtige Unterschiede innerhalb der Religiosit\u00e4t junger Migranten in Deutschland hat der Soziologe Jan Fuhse festgestellt: Mit zunehmender Anerkennung und Integration verliert sie ihre Bedeutung als Identit\u00e4tsressource. F\u00fcr eine st\u00e4rkere Beachtung des Grundrechts der Religionsfreiheit als Minderheitenrecht pl\u00e4diert die Juristin Kirsten Wiese in der Kopftuchdebatte: Gesetzliche Kopftuchverbote w\u00fcrden dieses Recht zu stark einschr\u00e4nken. Auch die moderne Kunst hat den Glauben wiederentdeckt, wie die Kunsthistorikerin Maren Ziese anhand zweier deutscher Ausstellungen vorf\u00fchrt. Ulrich Finckh, Pfarrer im Ruhestand und seit langen Jahren Redaktionsmitglied, verfolgt die verschlungenen Pfade, die die Religion im Laufe der Jahrtausende genommen hat, Verbrechen und Irrt\u00fcmer inklusive. Der Journalist Carl-Wilhelm Macke erinnert sich an seine katholische Kindheit und sp\u00e4tere Besch\u00e4ftigung mit Glaubensfragen, w\u00e4hrend am Ende des Thementeils eine ganz pers\u00f6nliche R\u00fcckkehr der Religion &#150; oder eben gerade nicht? &#8211; steht: das Pilgertagebuch des ehemaligen Bertelsmann-Mitarbeiters Philipp Schw\u00f6rbel, verfasst auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.<br \/>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Essay von Gesine Schwan engagiert sich f\u00fcr den zunehmend an Boden verlierenden aufkl\u00e4rererischen Journalismus. In den Kommentaren und Kolumnen ver\u00f6ffentlichen wir Aphorismen unseres im vergangenen Jahr verstorbenen Redaktionsmitglieds J\u00fcrgen Seifert aus dem Jahr 1958 sowie eine kritische Analyse des Historikers Martin Kohlrausch zum politischen Amtsverst\u00e4ndnis von Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler.<br \/>Anregende Lekt\u00fcre w\u00fcnschen aus Berlin\u00a0<br \/>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Alexander Cammann und Dieter Rulff<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[184],"publikationen":[1082],"class_list":["post-11906","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-humanistische-union","publikationen-173-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Editorial - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/173-vorgaenge\/publikation\/editorial-12\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Editorial - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg\u00e4nge Nr. 173 (Heft 1\/2006), S. 1-2 Als vor f\u00fcnf Jahren J\u00fcrgen Habermas in seiner Dankesrede f\u00fcr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels den Glauben als gesellschaftliche Macht entdeckte, \u00fcberraschte der Theoretiker der Moderne damit seine Zuh\u00f6rer in der Frankfurter Paulskirche. 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