{"id":11948,"date":"2005-12-01T12:10:00","date_gmt":"2005-12-01T11:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/der-lange-schatten-der-macht\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:01","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:01","slug":"der-lange-schatten-der-macht","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/171-172\/publikation\/der-lange-schatten-der-macht\/","title":{"rendered":"Der lange Schatten der Macht"},"content":{"rendered":"<p>George W. Bush, der Supreme Court und die Zukunft der B&uuml;rgerrechte in den USA<\/p>\n<p>aus: Vorg&auml;nge Nr.171\/172 ( Heft 3-4\/2005),  S.260-269<\/p>\n<p><i>&bdquo;The President, who exercises a limited power,<br \/>may err without causing great urischief in the<br \/>State. Congress may decide anriss without de-<br \/>stroying the Union, because the electoral body in<br \/>which Congress originates may cause it to retract<br \/>its decision by changing its members. But if the<br \/>Supreme Court is euer composed of imprudent<br \/>men or bad citizens, the Union may be plunged<br \/>into anarchy or civil war.&rdquo;<\/i><\/p>\n<p><i>Alexis de Tocqueville, Democracy in America<\/i><\/p>\n<p>Die Nominierung von Richtern f&uuml;r das oberste Verfassungsgericht geh&ouml;rt in den USA zu den entscheidenden M&ouml;glichkeiten eines Pr&auml;sidenten, weit &uuml;ber die eigene Amtszeit hinaus Einfluss auf die politische Realit&auml;t des Landes zu nehmen. Die Ernennungen f&uuml;r das oberste Verfassungsgericht erfolgen dort, im Gegensatz zu Deutschland, auf Lebenszeit und ohne Pensionsgrenze. Entsprechend &uuml;ben die meisten Richter ihr Amt bis ins hohe Alter aus. Der heutige liberale Grandseigneur des <i>Supreme <\/i>Court, Richter John Paul Stevens, Jahrgang 1920, wurde z.B. 1975 noch von Gerald Ford nominiert. Personalentscheidungen, die heute getroffen werden, k&ouml;nnen also mehr als ein Vierteljahrhundert die Praxis der Verfassungsrechtsprechung pr&auml;gen.<\/p>\n<p>In seiner ersten Amtsperiode hatte George W. Bush keinen einzigen obersten Verfassungsrichter nominieren k&ouml;nnen, auch wenn der Fernsehprediger Pat Robertson 2003 &ouml;ffentlich daf&uuml;r beten lies, Gott m&ouml;ge drei der liberalen Verfassungsrichter abberufen. Vieles sprach in den letzten Jahren daf&uuml;r, dass Gott doch kein Republikaner ist. Trotzdem nahm Bush bereits in seiner ersten Amtsperiode erheblichen Einfluss auf die k&uuml;nftigen Geschicke der Justiz: er nominierte eine gro&szlig;e Zahl von Richtern f&uuml;r die Berufungsgerichte und f&uuml;r die Bezirksgerichte auf Bundesebene. Diese Richter werden ebenfalls auf Lebenszeit ernannt. Sie entscheiden ungleich mehr F&auml;lle als die obersten Verfassungsrichter, sie erproben, was sp&auml;ter h&auml;ufig verfassungsgerichtliche Praxis wird und sie sind der Pool, aus dem sp&auml;ter die obersten Verfassungsrichter gew&auml;hlt werden. Bush konnte bereits rund ein Viertel dieser Richter ausw&auml;hlen, und auch wenn er nicht mit allen seinen Nominierungen durchsetzen konnte, sind seine Richter doch alle durchweg konservativ, unter ihnen entschiedene Abtreibungsgegner und Kritiker von Minderheitenf&ouml;rderung und B&uuml;rgerrechten sowie ehemalige Lobbyisten f&uuml;r Bergbau und Industrie.<\/p>\n<p>Im Juli 2005 war es dann endlich soweit: Sandra Day O&#8217;Connor, seit 1981 Richterin am obersten Verfassungsgericht, k&uuml;ndigte Anfang Juli nach 24 Jahren Amtszeit an, zuriickzutreten, sobald ein Nachfolger gefunden sei. Zum ersten Mal seit 11 Jahren war eine Neubesetzung am Supreme Court m&ouml;glich. Als dann noch im September der oberste Verfassungsrichter William Rehnquist (81) seinem Krebsleiden erlag, war der Weg frei f&uuml;r die lang ersehnte Neuausrichtung. Beide Neubesetzungen wurden in der amerikanischen &Ouml;ffentlichkeit lange diskutiert, aber in unterschiedlicher Intensit&auml;t: Der Tod William Rehnquists bot Bush lediglich die Gelegenheit einen alten Konservativen gegen einen jungen auszutauschen; die Nachfolge von O&#8217;Connor dagegen k&ouml;nnte die Urteilssprechung des Supreme Court einschneidend ver&auml;ndern: O&#8217;Connor war h&auml;ufig die entscheidende Stimme, die swing vote, umk&auml;mpfter Urteile des <i>Supreme Courts<\/i>. Manchmal stimmte O&#8217;Connor mit dem konservativen Block &ndash; z.B. in der Entscheidung des obersten Verfassungsgerichts im Jahr 2000, die Nachz&auml;hlung der W&auml;hlerstimmen in Florida zu stoppen und damit Bush zum Pr&auml;sidenten zu machen oder bei der Frage der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Exekution Minderj&auml;hriger. In vielen F&auml;llen aber hat O&#8217;Connor mit der liberalen Fraktion im Supreme Court gestimmt: Ihre Stimme war entscheidend f&uuml;r die Aufrechterhaltung der Abtreibungsrechtsprechung oder in Fragen der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Minderheitenf&ouml;rderung. Im Hinblick auf die Trennung von Staat und Kirche hatte sie noch in der Woche vor ihrem R&uuml;cktritt mit entschieden, dass das Aufh&auml;ngen der Zehn Gebote in einem Gerichtssaal verfassungswidrig sei.<\/p>\n<p>Der von Bush zun&auml;chst nominierte Nach folger John Roberts, Richter am Berufungsge rieht in Washington D.C, schien ein ideale Kandidat. Roberts war &ouml;ffentlich nie beson ders hervorgetreten, hatte wenig publiziert schien keiner bekannten konservativen Orga nisation anzugeh&ouml;ren und hatte zudem dis Bilderbuchkarriere eines Juristen hinter sich &#8211; Ausbildung in Harvard, Referendariat am Su preme Court, Mitarbeiter im Beraterstab de Regierung, Posten bei der Generalstaatsan waltschaft. Kommentatoren wie David Brooke in der New York Times stellten Roberts als fachlich hervorragenden und politisch zur&uuml;ck haltenden Juristen dar, dessen Nominierun&euro; nur auf seinen tats&auml;chlichen Qualifikationen beruhe und lediglich die Linke versuchte, dar aus eine politische Kontroverse zu machen Nur m&uuml;hsam kam die Bewegung gegen Roberts in Gang &#8211; zun&auml;chst war da nicht mehr als ein tiefes Misstrauen, dass etwas an ihn faul sein m&uuml;sse, wenn seine Nominierung vor den Konservativen, die einen politischer Wechsel im <i>Supreme Court <\/i>herbeif&uuml;hren, wollten, so einhellig gutgehei&szlig;en wurde.<\/p>\n<p>Dennoch wurde Bushs Ank&uuml;ndigung im September 2005, Roberts nun nicht als Nachfolger O&#8217;Connors, sondern als Nachfolger f&uuml;g Rehnquist einsetzen zu wollen, von Seiten der Demokraten begr&uuml;&szlig;t. Dass der neue oberste Richter ein Konservativer sein w&uuml;rde, war unzweifelhaft; wichtig schien nur die Frage, welcher Typus von Konservativem es sein w&uuml;rde. Im Bereich des Verfassungsrechts lassen sich hier in den USA unterschiedliche Positionen ausmachen:<i> Originalist Conservatives <\/i>(manchmal auch als <i>Textualists<\/i> bezeichnet),die meinen, man habe sich an den urspr&uuml;nglichen Absichten der Verfassungsv&auml;ter zu orientieren (im derzeitigen Supreme Court durch Antonin Scalia vertreten); <i>Libertarian Conservatives<\/i>, die f&uuml;r individuelle Freiheitsrechte und gegen staatliches Handeln sind (vertreten durch Clarence Thomas); Traditionalist Conservatives, deren Rechtsauffassung sich an der bisherigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtes orientiert (David Souter); Pragmatic Conservatives, die weniger an der Geschichte der Rechtsprechung oder dem Buchstaben der Verfassung interessiert sind als an pragmatischen Entscheidungen; und<i> Deferential Conservatives, <\/i>die meinen, das Verfassungsgericht solle sich nach M&ouml;glichkeit nicht in die Regierungsgesch&auml;fte der Bundesregierung und der Einzelstaaten einmischen.<\/p>\n<p>Roberts galt &ndash; wie auch sein Vorg&auml;nger Rehnquist &ndash; eher als <i>pragmatischer <\/i>Konservativer und wurde daher am 29. September mit gro&szlig;er Mehrheit best&auml;tigt. Dass Roberts im Verlauf seiner Karriere Berater von Reagan und Mitarbeiter im B&uuml;ro des Generalstaatsanwaltes Kenneth Starr in der Regierung von Bush Senior war, bevor ihn Bush Junior 2003 als Richter an das Berufungsgericht in Washington D.C. berief &ndash; all dies z&auml;hlte nichts mehr angesichts der Erleichterung, dass es sich bei ihm zumindest nicht um einen religi&ouml;sen Fundamentalisten handelte, dass er also kein <i>extreme Supreme <\/i>sei und sich mit seiner Wahl die Mehrheitsverh&auml;ltnisse nicht entscheidend ver&auml;nderten.<\/p>\n<h5><span id=\"bushs-debakel-harriet-miers\">Bushs Debakel: Harriet Miers<\/span><\/h5>\n<p>Anfang Oktober 2005 hat unter der F&uuml;hrung des neuen Obersten Richters John Roberts die neue Sitzungsperiode des <i>Supreme Courts <\/i>begonnen. Der neue<i> Roberts Court <\/i>&ndash; dem zur Zeit bis zur Best&auml;tigung ihres Nachfolgers auch noch O&#8217;Connor angeh&ouml;rt &ndash; wird dabei F&auml;lle h&ouml;ren, die sich u.a. mit Abtreibung, Religion, Meinungsfreiheit und der Todesstrafe besch&auml;ftigen. Derweil ist die Auseinandersetzung um die Nachfolge O&#8217;Connors noch heftiger entflammt. Bush nominierte zun&auml;chst Anfang Oktober Harriet Miers, Rechtsberaterin im Wei&szlig;en Haus, als zuk&uuml;nftige Nachfolgerin Sandra Day O&#8217;Connors. Miers Kandidatur war von Anbeginn an heftiger Kritik von allen Seiten ausgesetzt. Man warf ihr mangelnde Erfahrung, unzureichende Kenntnisse des Verfassungsrechts und eine zu gro&szlig;e N&auml;he zum Pr&auml;sidenten vor. Von der religi&ouml;sen Rechten wurde Miers trotz ihrer Loyalit&auml;t zu Pr&auml;sident Bush abgelehnt, weil ihre Haltung zur Abtreibungsfrage nicht eindeutig genug schien. Ende September zog Miers ihre Kandidatur zur&uuml;ck und einen Monat sp&auml;ter nominierte Bush Samuel Alito, einen konservativen Bundesrichter am Bundesberufungsgericht f&uuml;r den 3. Gerichtskreis, dessen Anh&ouml;rung f&uuml;r An-fang Januar 2006 geplant ist.<\/p>\n<p>In der &ouml;ffentlichen Diskussion um Alitos Nominierung spielt die Abtreibungsfrage ebenfalls eine gro&szlig;e Rolle. Seit langer Zeit ist es erkl&auml;rtes Ziel der Konservativen in den USA, die Entscheidung <i>Roe v. Wade<\/i>, die seit 1973 die Grundlage legaler Abtreibungen bildet, zu revidieren. Die Roe v. Wade begr&uuml;ndete kein gerichtlich festgestelltes Recht auf Schwangerschaftsabbruch, sondern stellte fest, dass die Entscheidung eine Schwangerschaft auszutragen oder zu beenden eine so private, in die intimsten Lebensbereiche eingreifende ist, dass der Staat kein Recht habe, sich einzumischen.[1] Seit vielen Jahren gibt es Versuche, <i>Roe v. Wade <\/i>wenn nicht vollst&auml;ndig zu revidieren, so doch zumindest einzuschr&auml;nken. Das ist in einigen F&auml;llen auch gelungen (z.B. Webster v. Casey), aber das grunds&auml;tzliche Recht auf Abtreibungen besteht weiterhin &ndash; zum &Auml;rger der religi&ouml;sen Rechten.<\/p>\n<h5><span id=\"kampf-um-die-auslegung-der-neuen-sicherheitsgesetze\">Kampf um die Auslegung der neuen Sicher&shy;heits&shy;ge&shy;setze<\/span><\/h5>\n<p>Auch wenn sich das &ouml;ffentliche Interesse in den USA prim&auml;r daran festmachte, dass eine Neubesetzung des <i>Supreme Courts <\/i>mit Alito ein Ende der bisherigen Abtreibungspraxis bzw. der Rechtsprechung hierzu bedeutet[2], stehen doch auch ganz andere Fragen zur Diskussion. Sandra Day O&#8217;Connor spielte n&auml;mlich auch wegen ihrer Haltung zu B&uuml;rgerrechten in Zeiten der Terrorismusbek&auml;mpfung eine wichtige Rolle. Sie war es, die die Urteilsbegr&uuml;ndung des <i>Supreme Courts <\/i>formulierte, als dieser im letzten Jahr entschied, dassder Pr&auml;sident amerikanische B&uuml;rger nicht ohne rechtliches Verfahren als &bdquo;feindliche K&auml;mpfer&rdquo; klassifizieren und unbegrenzt in Haft halten k&ouml;nne. O&#8217;Connor stellte klar, dass B&uuml;rgerrechte auch in Kriegszeiten zu gelten haben und dass &bdquo;state of war is not a blank check for the President&rdquo; (Urteilsbegr&uuml;ndung Hamdi v. Rumsfeld). O&#8217;Connor wies darauf hin, dass gerade in Kriegszeiten dem Schutz der B&uuml;rgerrechte eine besondere Bedeutung zukommt: &bdquo;It is during our most challenging and uncertain moments that our nation&#8217;s commitment to due process is most severely tested, and it is in those times that we must preserve our commitment at home to the principles for which we fight abroad&rdquo; (ebd.).<\/p>\n<p>Due process, das Recht auf ein ordentliches Verfahren, ist aber nicht das einzige Grundrecht, das in den USA seit Beginn des War on Terror in Gefahr geraten ist. Die im sog. PATRIOT Act (<i>Provide Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism<\/i>) geb&uuml;ndelten Sicherheitsgesetze, die sechs Wochen nach den Anschl&auml;gen 2001 verabschiedet wurden, enthalten eine Vielzahl von problematischen Erweiterungen staatlicher &Uuml;berwachungsbefugnisse (vgl. R&uuml;rup 2002; R&uuml;rup 2003; R&uuml;rup 2004a; R&uuml;rup 2004b).[3] Noch hat es keine Verfahren vor dem Supreme Court aus diesem Rechtsbereich gegeben. Anders als in Deutschland nimmt das Oberste Verfassungsgericht in den USA keine Normenkontrollfunktion wahr, d.h. Gesetze werden nicht auf ihre Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit gepr&uuml;ft, sondern es muss ein konkreter Fall durch die Instanzen gehen, bis er schlussendlich beim Supreme Court angelangt, der dann pr&uuml;ft, ob das angewendete Gesetz verfassungskonform ist. Es gibt also grunds&auml;tzlich eine zeitliche Verz&ouml;gerung, bis Streitfragen vor dem Supreme Court entschieden werden. Langsam aber bewegen sich die anh&auml;ngigen Verfahren aus dem Anwendungsbereich des PATRIOTAct vorw&auml;rts durch die Instanzen.[4]<\/p>\n<p>Zu den Teilen der Sicherheitsgesetze, die sich auf dem Weg durch die Instanzen befinden, geh&ouml;ren die erweiterte Durchsuchungsund &Uuml;berwachungsm&ouml;glichkeiten durch die National Security Letters. Bereits vor 2001 enthielten alle Gesetze in den USA, die die Privatsph&auml;re vor staatlichen &Uuml;bergriffen sch&uuml;tzen, Ausnahmeregelungen, die dem FBI unter Berufung auf die nationale Sicherheit den Zugriff auf vertrauliche Daten erm&ouml;glichten. Grundlage daf&uuml;r waren die sog. National Security Letters, eine Art au&szlig;erordentlicher Durchsuchungsbefehle. Im PATRIOTAct wurde in Abschnitt 505 (Removing Obstacles to Investigating Terrorism) die Ausstellung und der Geltungsbereich dieser National Security Letters neu geregelt. Nun k&ouml;nnen National Security Letters nicht nur vom Generalstaatsanwalt ausgestellt werden, sondern auch von einfachen FBI-Beamten. Die Unterlagen m&uuml;ssen auch nicht mehr im Kontext einer konkreten Ermittlung stehen, sondern es reicht, dass sie &bdquo;relevant&rdquo; sind f&uuml;r eine &bdquo;authorized investigation to protect against international terrorism or clandestine intelligence.&rdquo;<\/p>\n<p>In einem Verfahren, das die American Civil Liberties Union (ACLU) gegen das NSLStatut angestrengt hat, urteilte ein Bundesgericht, dass die National Security Letters in ihrer jetzigen Form den ersten und vierten Verfassungszusatz verletzen (ACLU v. John Ashcroft). Die amerikanische Regierung ging in Berufung und im November 2005 kam der Fall vor das Bundesberufungsgericht des Zweiten Gerichtskreises.[5] Im n&auml;chsten Jahr k&ouml;nnte der Fall vor dem Supreme Court verhandelt werden und die Entscheidung (auch) von O&#8217;Connors Nachfolger abh&auml;ngen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Themenbereich aus dem Zusammenhang des <i>PATRIOT Act, der sicherlich in n&auml;herer Zukunft vor dem Supreme Court verhandelt wird, ist die &Uuml;berwachung und Durchsuchung nach dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA)<\/i>. W&auml;hrend der Regierung Nixon hatte der Supreme Court klargestellt, dass auch der Pr&auml;sident kein Recht hat, die Privatsph&auml;re seiner B&uuml;rger zu verletzen, Nixon hatte behauptet, er habe das Recht, jeden elektronisch &uuml;berwachen zu lassen, den er als &bdquo;Feind&rdquo; definiere, was durch das Gericht abgelehnt wurde,6 Gleichzeitig stellte das Gericht aber auch fest, dass der Auslandsgeheimdienst eine Ausnahme darstelle und also sehr viel geringere H&uuml;rden f&uuml;r die Genehmigung von Abh&ouml;raktionen oder Durchsuchungen n&ouml;tig seien, wenn es sich nicht um straf-rechtliche Ermittlungen, sondern lediglich um nachrichtendienstliches Sammeln von Informationen &uuml;ber Agenten fremder M&auml;chte handelt. Durch die Erweiterung der Definition dessen, was es hei&szlig;t, im Dienst einer fremden Macht zu stehen, kann FISA jetzt auch bei regul&auml;ren Ermittlungen im War on Terror ein-gesetzt werden. Die Standards hierbei sind weitaus niedriger als die regul&auml;ren &mdash; so sind z.B. Durchsuchungen und Lauschangriff m&ouml;glich ohne nachgewiesenen &bdquo;hinreichenden Verdacht&rdquo;. Auch in diesem Bereich sind einige Verfahren anh&auml;ngig, die u.U, in naher Zukunft vor dem<i> Supreme Court <\/i>verhandelt werden.<\/p>\n<h5><span id=\"der-umgang-mit-den-enemy-combatants\">Der Umgang mit den Enemy Combatants<\/span><\/h5>\n<p>Von entscheidender Bedeutung werden auch die F&auml;lle sein, die sich mit der Internierung der enemy combatants und den Befugnissen des Pr&auml;sidenten im <i>War on Terror <\/i>besch&auml;ftigen. Einer der wichtigsten F&auml;lle betrifft jedoch nicht die in Guantanamo (oder anderswo) inhaftierten Angeh&ouml;rigen unterschiedlicher Nationen, sondern den US-Staatsb&uuml;rger Jose Padilla. Padilla war 2002 in Chicago festgenommen worden, unter dem Vorwurf, er habe eine radioaktiv verseuchte Bombe (dirty bomb) z&uuml;nden wollen. Als er seine Inhaftierung vor einem Gericht in New York anfechten wollte, wurde er flugs zum enemy combatant erkl&auml;rt und der Jurisdiktion der zivilen Gerichte entzogen. Seither sitzt er in Isolationshaft auf einem Schiff der US-Marine. 2004 wurde ein Verfahren vor dem <i>Supreme Court <\/i>aus formalen Gr&uuml;nden abgewiesen &mdash; die Klage h&auml;tte nicht in New York, wo Padilla zun&auml;chst inhaftiert war, sondern in South Carolina, wo das Schiff, auf dem er inhaftiert ist, ihren Heimathafen hat, eingereicht werden m&uuml;ssen. Nun ist das Verfahren wieder auf dem Weg durch die Instanzen. Zwei untere Gerichte haben festgestellt, dass Bush Padilla nicht als enemy combatant einstufen d&uuml;rfe; das Bundesberufungsgericht des vierten Gerichtsbezirkes hat im September einstimmig Bushs Recht best&auml;tigt, Padilla als enemy combatant in Milit&auml;rgewahrsam zu halten; als n&auml;chster Schritt stand das neue Verfahren vor dem Supreme Court an. Im letzten &mdash; abgelehnten &mdash; Verfahren vor dem Supreme Court hatten f&uuml;nf Richter angedeutet, dass sie zu Gunsten Padillas entschieden h&auml;tten, und die Regierung Bush war nicht erpicht auf eine Niederlage vor dem Supreme Court. Prompt wurde Padilla jetzt wieder einem zivilen Gericht &uuml;ber-antwortet, das jetzt aber nicht mehr &uuml;ber dirty bombs, sondern nur noch &uuml;ber Unterst&uuml;tzung einer terroristischen Organisation entschieden soll. Das Berufungsgericht will aber dem nicht zustimmen, weil der berechtigte Eindruck entstanden ist, dass sich die US-Regierung hier ausschlie&szlig;lich nach taktischen Gesichtspunkten verh&auml;lt und zudem nicht auszuschlie&szlig;en ist, dass die Regierung ihn zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt erneut zum <i>enemy combatant <\/i>erkl&auml;rt.<\/p>\n<h5><span id=\"die-wahrung-der-rechte-von-nicht-statsbuergern\">Die Wahrung der Rechte von Nicht-&shy;Stats&shy;b&uuml;r&shy;gern<\/span><\/h5>\n<p>Padillas Fall ist ungew&ouml;hnlich, weil es sich um einen US-Staatsb&uuml;rger handelt, w&auml;hrend die Mehrzahl der F&auml;lle, z.B. in Guantanamo, Angeh&ouml;rige anderer Staaten betrifft. In den hier laufenden Prozessen geht es also um die Rechte von Nicht-Staatsb&uuml;rgern. G&auml;ngige Rechtsauffassung in den USA &mdash; die seit den 1970er Jahren auch verschiedentlich vom Supreme Court best&auml;tigt wurde &mdash; ist, dass verfassungsm&auml;&szlig;ige Rechte nicht nur f&uuml;r Staatsb&uuml;rger, sondern auch f&uuml;r alle sich legal im Landeaufhaltenden Ausl&auml;nder gelten. Der Verfassungsrichter Harry Blackmun schrieb 1971 in der Urteilsbegr&uuml;ndung eines Falles, indem es um Sozialhilfe f&uuml;r Nicht-Staatsb&uuml;rger ging: &bdquo;classifications based on alienage, like those based on nationality or race, are inherently suspect&rdquo; (in der Urteilsbegr&uuml;ndung Graham v. Richardson). In den 1980er Jahren ging der Supreme Court noch weiter und stellte fest, dass grundlegende Verfassungsgarantien, wie der gleiche Schutz vor dem Gesetz und das Recht auf ein ordentliches Verfahren, f&uuml;r alle Menschen unabh&auml;ngig von ihrem Einwanderungsstatus g&auml;lte, also auch f&uuml;r sich illegal im Land Aufhaltende <i>(z. B. Plyler v. Doe 1982<\/i>). Diese Rechtsauffassung wird von der US-Regierung in den Guantanamo-F&auml;llen in Frage gestellt. Im Fall Rasul v. Bush stellte der Supreme Court fest, dass ausschlaggebend lediglich die Frage sei, ob Guantanamo amerikanischer Jurisdiktion unterliege (was der Supreme Court best&auml;tigte), nicht jedoch, ob die Inhaftierten die amerikanische Staatsb&uuml;rgerschaft bes&auml;&szlig;en. &bdquo;They are not nationals of countries at war with the United States, and they deny that they have engaged in or plotted acts of aggression against this country; they have never been afforded access to any tribunal, much less charged with and convicted of wrongdoing.&rdquo; (John Paul Stevens in der Urteilsbegr&uuml;ndung) Das Gericht urteile daher, dass die Gefangenen in Guantanamo ein Recht h&auml;tten, ihre Internierung gerichtlich anzufechten.<\/p>\n<p>Seither hat es aber neue Prozesse gegeben und die wichtigste Entscheidung im Hinblick auf das Ma&szlig; pr&auml;sidialer Macht und im Hin-blick auf die Zukunft der Internierten in Guntanamo ist die im Juli 2005 gef&auml;llte Entscheidung des District Court in Washington, im Fall Hamdan v. Rumsfeld. Das Hamdan-Urteil best&auml;tigte das Recht des Pr&auml;sidenten, Gefangene au&szlig;erhalb der Jurisdiktion der zivilen Gerichte und ohne Schutz durch Milit&auml;rgerichte unter Missachtung der Genfer Konventionen festzuhalten. Das Gericht unter F&uuml;hrung von John Roberts stellte die Nichtzust&auml;ndigkeit der US-Gerichte fest.<\/p>\n<p>Bei Hamdan wie bei Padilla geht es ma&szlig;geblich um die Machtbefugnisse des Pr&auml;sidenten in Kriegszeiten. Hier gilt eben nicht nur O&#8217;Connors Aussage, dass es keinen Blankoscheck f&uuml;r den Pr&auml;sidenten g&auml;be, sondern auch Feststellungen wie die von Rehnquist, der schrieb &bdquo;In time of war, presidents may act in ways that push their legal authority to its outer limits, if not beyon.&rdquo; (zit, nach Hentoff 2003). Die Besetzungen, die Bush jetzt vornimmt, werden alle Hamdan-, Hamdi- und Padilla-F&auml;lle der kommenden Jahre oder Jahrzehnte entscheiden. Das ist der Kern der gegenw&auml;rtig ausgetragenen Konflikte.<\/p>\n<h5><span id=\"buergerrechte-in-kriegszeiten\">B&uuml;rger&shy;rechte in Kriegs&shy;zeiten<\/span><\/h5>\n<p>Die Tatsache, dass der Kongress und die Exekutive in Kriegs- und Krisenzeiten im Namen der nationalen Sicherheit Ma&szlig;nahmen ergreifen, die die Machtbefugnisse der Regierung vergr&ouml;&szlig;ern und die Rechte der B&uuml;rger ein-schr&auml;nken, ist an sich nichts Neues (vgl. Ignatieff 2004). Auch dass die Gerichte ihrer Funktion als Kontrollinstanz gegen Machtmissbrauch von Exekutive oder Legislative nur mangelhaft nachkommen, ist bereits h&auml;ufiger vorgekommen. Das bekannteste Beispiel ist die Zustimmung des Supreme Court zur Internierung der Amerikaner japanischer Herkunft durch die Executive Order 9066 w&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges (z.B. in Korematsu v. United States, 1944). Bisher jedoch hat der Supreme Court zumeist nach Ende der akuten Bedrohungen seine Entscheidungen korrigiert.[7] So befand er 1866 in Ex parte Milligan nach Ende des amerikanischen B&uuml;rgerkrieges, dass die zeitweilige Aussetzung des <i>Habeas Corpus Gesetzess [8]<\/i>durch Pr&auml;sident Lincoln w&auml;hrend des B&uuml;rgerkrieges, die dazu f&uuml;hrte, dass ca. 38.000 B&uuml;rger ohne Haftbefehl inhaftiert wurden, verfassungswidrig gewesen sei. &mdash; Ex parte Milligan wird in den letzten Jahren h&auml;ufiger zitiert, weil der Supreme Court in seiner Urteilbegr&uuml;ndung fest-stellte, dass Milit&auml;rtribunale, dort wo &bdquo;the courts are open and their process unobstructed&rdquo;, nicht zul&auml;ssig seien. Und noch sehr viel grunds&auml;tzlicher stellt der Supreme Court fest, dass die Verfassung auch f&uuml;r die Herrschenden g&auml;lte und dass sie in Kriegs- wie in Friedenszeiten gleicherma&szlig;en Anwendung finde: &bdquo;The Constitution of the United States is a law for rulers and people, equally in war and in peace, and covers with the shield of its protection all classes of men, at all times, and under all circumstances.&rdquo; (Richter Davis in der Urteilsbegr&uuml;ndung Ex Parte Milligan) Das tats&auml;chlich Neue an der jetzigen Bedrohung ist, dass ihr Ende nicht abzusehen ist. Wir k&ouml;nnen also nicht vom &bdquo;normalen&rdquo; Pendelschlag zwischen restriktiverer Gesetzgebung und Auslegung der Gesetze in Kriegszeiten und der Revision und Wiederherstellung der B&uuml;rgerrechte in der Zeit nach den Konflikten ausgehen. Der War on Terror ist zeitlich unbefristet und es ist nicht vermessen anzunehmen, dass er die gesamte Amtszeit von John Roberts andauern wird.<\/p>\n<h5><span id=\"die-nominierung-des-neuen-verfassungsrichters\">Die Nominierung des neuen Verfas&shy;sungs&shy;rich&shy;ters<\/span><\/h5>\n<p>Anfang Januar begannen die Anh&ouml;rungen im Justizausschuss des Senates, nachdem sich dessen Mitglieder versucht haben, sich ein m&ouml;glichst umfassendes Bild von Samuel Alito zu machen. Die Demokraten begannen damit, m&ouml;glichst viele Unterlagen aus Alitos beruflicher Vergangenheit anzufordern und durchzuarbeiten. Jedes Gutachten, jedes interne Memo und jede Urteilsbegr&uuml;ndung, die er verfasst hat, wurde untersucht. Zwar hat Alito in seiner Zeit als Richter keinen Fall entschieden, der eindeutig aus sensiblen Themenbereichen wie B&uuml;rgerrechte oder innere Sicherheit stammt, aber es gibt durchaus einige F&auml;lle in seiner Karriere, die mit den Rechten von Einwanderern und Ausl&auml;ndern zu tun hatten. Seit Mitte November begannen auch B&uuml;rgerrechtsgruppen, die Auseinandersetzung mit Alitos Kandidatur &uuml;ber die Abtreibungsfrage hinaus zu suchen. Zu dieser Allianz geh&ouml;ren Gruppen wie People for the American Way, die Gewerkschaft A.F.L.-C.LO., B&uuml;rgerrechtsorganisationen wie National Association f&uuml;r the Advancement of Colored People, die ACLU und der Sierra Club.<\/p>\n<p>Die Demokraten k&ouml;nnen &mdash; auch wenn sie nicht &uuml;ber Mehrheiten im Kongress verf&uuml;gen, um Wechsel am Supreme Court aufzuhalten &mdash; zumindest einzelne Kandidaten f&uuml;r den Richterstuhl durch &bdquo;Filibuster&rdquo; verhindern. &bdquo;Filibustem&rdquo; nennt man das Blockieren der Gesetzgebung durch endlose Debatten, z.B. redete Senator Strom Thurmond 1957 geschlagene 24 Stunden und 18 Minuten, um die Verabschiedung des Civil Rights Acts zu blokkieren. Die Filibuster der Demokraten in den letzten Jahren waren weniger dramatisch: es wurden weder Bibelverse zitiert noch Telephonb&uuml;cher vorgelesen; es gab keine schlafenden Abgeordneten und keine unrasierten, &uuml;bern&auml;chtigten Redner. Dennoch haben die Demokraten zehn von 200 Kandidaten Bushs f&uuml;r Richter&auml;mter effektiv verhindert &mdash; zum &Auml;rger der Republikaner, die nun damit drohen, die Verfahrensordnung zu &auml;ndern, um solche Blockaden zuk&uuml;nftig zu verhindern. Die Republikaner sehen sich offensichtlich langfristig in der Mehrheitsrolle &mdash; sonst w&uuml;rden sie kaum das wirkungsm&auml;chtigste Mittel der Opposition abschaffen wollen. Es ist aber fraglich, ob die Demokraten tats&auml;chlich wegen der Meinungsverschiedenheiten &uuml;ber den War on Terror eine Totalblockade riskieren w&uuml;rden: Bei der Abtreibungsfrage w&uuml;ssten sie wenigstens, dass sie daf&uuml;r in der W&auml;hlergunst punkten; bei der inneren Sicherheit ist das fraglich. Aller Wahrscheinlichkeit nach &mdash; sollten nicht noch unerwartete Dinge aus den Akten auftauchen &mdash; werden die Demokraten Alito best&auml;tigen, wie sie zuvor Roberts best&auml;tigt haben.<\/p>\n<h5><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h5>\n<p>Wie weitreichend werden die Auswirkungen der Neubesetzung des Supreme Court auf die k&uuml;nftige Lage der B&uuml;rgerrechte in den USA tats&auml;chlich sein? In der jetzigen politischen Situation, in der die Republikaner Senat und Abgeordnetenhaus kontrollieren, schien h&auml;ufig allein der Supreme Court dem Abbau b&uuml;rgerlicher Freiheitsrechte Einhalt gebieten zu k&ouml;nnen. Auch wenn der Supreme Court (im Durchschnitt der letzten zehn Jahre) nur 82 F&auml;lle pro Jahr entscheidet und viele dieser F&auml;llen politisch nicht umstritten sind und da-her einstimmig entschieden werden (2003 immerhin 36 Prozent), ist sein Einfluss auch auf die Rechtsprechung der unteren Instanzen nicht zu untersch&auml;tzen.<\/p>\n<p>Eine gewisse Hoffnung besteht darin, dass Richter keineswegs immer den Erwartungen derjenigen gerecht werden, die sie nominiert haben. Sandra Day O&#8217;Connor beispielsweise wurde von Reagan nominiert, wie auch Anthony Kennedy, der 1989 im Fall Texas v. Johnson daf&uuml;r stimmte, dass das Verbrennen der amerikanischen Flagge durch den ersten Verfassungszusatz (das Grundrecht auf Meinungsfreiheit) gesch&uuml;tzt sei &mdash; zum Entsetzen aller Konservativen. Ein anderer, aktueller Fall ist Henry F. Floyd, von Pr&auml;sident Bush 2003 nominierter Richter am Bezirksgericht auf Bundesebene in South Carolina, der im Februar 2005 urteilte, dass Pr&auml;sident Bush amerikanische B&uuml;rger nicht zu feindlichen K&auml;mpfern erkl&auml;ren k&ouml;nne.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt aber ist, dass die Gerichte &mdash; und also auch der Supreme Court &mdash; nicht in einem gesellschaftlichen Vakuum operieren, weil Urteile des Verfassungsgerichtes auch kodifizieren, was denn nun nach Auffassung der Gesellschaft recht und billig sei, also teilweise einen nachholenden Charakter haben, der die rechtliche Wirklichkeit der gesellschaftlichen anpasst. Insoweit hat Tocqueville mit seiner Beobachtung recht: &bdquo;[The Supreme Court Judges&#8216;] power isenormous, but it is the power of public opinion. They are all-powerful as long as the people respect the law; but they would be impotent against popular neglect or contempt of the law. The force of public opinion is the most intractable of agents, because its exact limits cannot be defined; and it is not less dangerous to exceed than to remain below the boundary prescribed.&rdquo;<\/p>\n<p>[1] Das ist die &uuml;bliche Praxis bei Supreme-Court-Verfahren: die Beteiligten versuchen jeweils einen m&ouml;glichst erfolgsversprechenden Rahmen f&uuml;r ihre Anliegen zu finden, auch wenn die rechtliche Konstruktion mit dem eigentlichen Anliegen nicht viel zu tun hat. Zum Beispiel sind die meisten Auseinandersetzungen um die Trennung von Staat und Kirche in den letzten Jahren eingekleidet in den Kontext verfassungsm&auml;&szlig;iger Garantien f&uuml;r die Meinungsfreiheit, deren Aus&uuml;bung Konservative durch das Verbot der Religionsaus&uuml;bung in &ouml;ffentlichen R&auml;umen bedroht sehen.<\/p>\n<p>[2] Eine m&ouml;gliche Lesart der Fokussierung auf den Fall Roe v. Wade und die Abtreibungsfrage ist, dass Umfragen immer wieder zeigen, dass eine Mehrheit der Amerikaner f&uuml;r Roe ist und sich daher mit der Zuspitzung darauf Stimmen gewinnen lassen. Wenn man also Alito nachweisen kann, eindeutig gegen Roe v. Wade zu sein, kann man damit Mehrheiten gegen ihn mobilisieren, die bei Fragen der inneren Sicherheit sonst so nicht gegeben w&auml;ren.<br \/>[3] Aber in den n&auml;chsten Jahren steht genau das an, wahrscheinlich noch wichtiger als bisher angenommen, weil gerade die besonders problematischen Teile des PATRIOT Act, die nach Einw&auml;nden von B&uuml;rgerrechtlern bis 2001 befristet worden waren. Ende 2005 sollten diese entfristet werden.<br \/>[4] Eine &Uuml;bersicht aller Verfahren im Zusammenhang mit dem Patriot Act in: Chang 2004.<br \/>[5] W&auml;hrend der Diskussionen im Kongress &uuml;ber die Entfristung des Patriot Acts auf Er-suchen der Regierung ausgesetzt.<br \/>[6] Angesichts neuer Enth&uuml;llungen &uuml;ber von Pr&auml;sident Bush angeordnete &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen und seine Verteidigung dersel-<br \/>268&nbsp;vorg&auml;nge Heft 3-4\/2005, S. 260-269&nbsp;Katharina Sophie R&uuml;rup: Der lange Schatten der Macht&nbsp;2t<br \/>ben wird deutlich, dass seine Rechtsauffassung in diesem Punkt der von Richard Nixon n&auml;her ist als der Rechtsprechung des Supreme Court &ndash; oder der Verfassung.<br \/>[7] Auch die ungl&uuml;ckliche Korematsu-Entscheidung wurde zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt revidiert (Korematsu v. United States 1984).<br \/>[8] Der Habeas Corpus Act ist das aus dem englischen Recht stammende verfassungsm&auml;&szlig;ig verankerte Recht eines jeden B&uuml;rgers, nicht ohne gerichtliche Untersuchung in Haft gehalten zu werden, und das Recht, den Grund der Verhaftung zu erfahren.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Bolton, Alexander 2005: GOP focus on war powers; in: The Hill vom 15.11. (<a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/http%3A\/www\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www<\/a>. hillnews.comlthehilllexportJTheHill\/News\/ Frontpage\/1 1 1505\/newsl html)<br \/>Brooks, David 2005: A Competent Conservative; in: New York Times vom 21. Juli<br \/>Chang, Nancy 2004: A Summary of Recent Court Rulings on Terrorism Related Matters Having Civil Liberties Implications; hrsg. vom Center for Constitutional Rights, New York; <a href=\"http:\/\/www.ccr-ny.orglv2\/legal\/september\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ccr-ny.orglv2\/legal\/september<\/a>_ l lthl docslsummaryofcases2-4-04.pdf.<br \/>Cole, David 2004: Uncle Sam is Watching You; in: New York Review of Books vom 18. November<br \/>Dahl, Robert A. 2002: How Democratic is the American Constitution? New Haven, London<br \/>Dworkin, Ronald 2003: Terror &amp; the Attack on<br \/>Civil Liberties; in: New York Review of<br \/>Books, Jg. 50, Nr. 17 vorn 6. November Dworkin, Ronald 2004: What the Court Really<br \/>Said; in: New York Review of Books vom 11.<br \/>August, S. 26-29<br \/>Hentoff, Nat 2003: Liberty Vanishes While the Press Sleeps; in: Village Voice vom 13. April<br \/>Hentoff, Nat 2005: The Real John Roberts &ndash; Justice O&#8217;Connor ruled Bush can&#8217;t get `a blank check&#8216; but her successor will give him one; in: Village Voice vom 02. September<br \/>Ignatieff; Michael 2004: The Lesser Evil: Politi-<br \/>cal Ethics in an Age of Terror, Princeton<br \/>Lithwick, Dahlia 2005: Getting to Yes, Why Alito needs to talk to us about the war on terror; in: Slate vom 5. Dezember; http:\/\/ <a href=\"http:\/\/www.slate.com\/id\/21313741\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.slate.com\/id\/21313741<\/a><br \/>Rosen, Jefferey 2005: Stare Decisis; in: The New Republic;<br \/><a href=\"http:\/\/www,tnr.com\/doc.mhtml?i=20050919\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www,tnr.com\/doc.mhtml?i=20050919<\/a> &amp;s=rosen091905<br \/>Rosen, Jefferey 2005: Ideas and Trends: Storm Watch; So What&#8217;s the `Right&#8216; Pick?&#8220;; in: The New York Times vom 3. Juni<br \/>Rosen, Jefferey 2005: Roberts v. the Future; in: The New York Times vom 28. August<br \/>R&uuml;rup, Katharina Sophie 2002: B&uuml;rgerrechte Ade? Die Gesetzgebung in den USA nach dem 11. September; in: vorg&auml;nge 159, 41 (H. 3), S. 52-60<br \/>R&uuml;rup, Katharina Sophie 2003: Sicherheit ohne Freiheit; in: Anspr&uuml;che. Forum demokratischer Juristen und Juristinnen, 11 (H. 1), S. 24-29<br \/>R&uuml;rup, Katharina Sophie 2004a: Die bedrohte Freiheit. Eine Neuerscheinung zur amerikanischen Grundrechtspraxis; in: vorg&auml;nge 164, 43 (H. 3), 5.109-111<br \/>R&uuml;rup, Katharina Sophie 2004b: Big Brother&#8217;s Gesch&auml;ftspartner: Privatheit und &Uuml;berwachung in den USA nach dem 11. 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Ashcroft, 2004 WL 218557 1 (SDNY) (Sept. 28, 2004)<br \/>Die Supreme-Court-Urteile, Urteilsbegr&uuml;ndungen und Minderheitenvoten finden sich alle unter<br \/><a href=\"http:\/\/www.supremecourtus.gov\/opinions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.supremecourtus.gov\/opinions<\/a>. Die meisten Urteile anderer Instanzen k&ouml;nnen &uuml;ber http:\/llawcrawler.findlaw.com, http;\/lwww.law.uchicago.edu oder <a href=\"http:\/\/www.law.cornell,edu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.law.cornell,edu<\/a> erschlossen werden. Die zitierten Gesetze finden sich unter <a href=\"http:\/\/thomas.loc.gov\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/thomas.loc.gov<\/a><br \/>Zitierte Gesetze:<br \/>Uniting and Strengthening America by Providi<br \/>Appropriate Tools Required to Intercept a<br \/>Obstruct Terrorism (USA PATRIOT) ~<br \/>(2001). Pub. L. No. 107-56, 115 Stat. 272 FISA &ndash; Foreign Intelligence Surveillance Act<br \/>1978 (1978). Pub. L. No. 95- 511<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1671],"publikationen":[1430],"class_list":["post-11948","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-katharina-sophie-ruerup","publikationen-171-172"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der lange Schatten der Macht - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/171-172\/publikation\/der-lange-schatten-der-macht\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der lange Schatten der Macht - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"George W. 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