{"id":11999,"date":"2004-09-20T21:00:00","date_gmt":"2004-09-20T19:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/macht-und-wahrheit-in-struktureller-kopplung\/"},"modified":"2004-09-20T12:00:00","modified_gmt":"2004-09-20T10:00:00","slug":"macht-und-wahrheit-in-struktureller-kopplung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/167-vorgaenge\/publikation\/macht-und-wahrheit-in-struktureller-kopplung\/","title":{"rendered":"Macht und Wahrheit in struktureller Kopplung"},"content":{"rendered":"<p>Wiedergelesen: Hannah Arendts Wahrheit und L\u00fcge in der Politik<\/p>\n<p>aus: Vorg\u00e4nge Nr. 167 ( Heft 3\/2004 ), S. 3-18<\/p>\n<p><i>Hannah Arendt ver\u00f6ffentlichte 1972 in einem schmalen Band unter dem Titel \u00a0Wahrheit und L\u00fcge in der Politik zwei Essays: Den Aufsatz Wahrheit und Politik hatte sie 1967 im New Yorker publiziert; Die L\u00fcge in der Politik war 1971 in der New York Review of Books erschienen. Beide Texte diagnostizieren den Zustand der \u00f6ffentlichen Angelegenheiten, die res publica, in der westlichen Welt. Prim\u00e4r geht es der Autorin zwar um die Vereinigten Staaten, als deren B\u00fcrgerin sie im ,wir` der Teilnehmerperspektive spricht. Aber der Gegenstand, der sie zum Schreiben veranlasst hat, betrifft die damalige westliche Welt im ganzen. Die &#132;Institution gewordene L\u00fcge&#148;, die Arendt an der professionellen Politik ihres Landes beobachtet, ist ihr Exempel f\u00fcr die totalit\u00e4re Tendenz der modernen Gesellschaft \u00fcberhaupt.<\/i><\/p>\n<h5><span id=\"die-moralische-krise-amerikas-150-die-krise-der-modernen-gesellschaft\">Die moralische Krise Amerikas &#150; die Krise der modernen Gesell&shy;schaft<\/span><\/h5>\n<p>In den 1960er Jahren waren die Vereinigten Staaten l\u00e4ngst zum &#132;F\u00fchrungssystem&#148; (Talcott Parsons) der weltgesellschaftlichen Entwicklung geworden. Damals l\u00f6sten der Krieg in Vietnam und die amerikanische B\u00fcrgerrechtsbewegung die erste globale Protestbewegung aus. Wenig sp\u00e4ter folgten die Aff\u00e4re um die Pentagon Papers und der Einbruch von Gangstern, die US-Pr\u00e4sident Nixon pers\u00f6nlich beauftragt hatte, ins Washingtoner Hotel Watergate. Dort befand sich die Zentrale der oppositionellen Demokraten und die Herren des Wei\u00dfen Hauses suchten nach Akten, die geeignet waren, ihnen schwerste Verbrechen gegen den eigenen Staat nachzuweisen. Schlie\u00dflich wurde der kriminelle Charakter der von Nixon und Kissinger gef\u00fchrten Regierung offenbar und h\u00e4tte zur Amtsenthebung und Anklage des Pr\u00e4sidenten gef\u00fchrt, w\u00e4re dieser dem nicht in letzter Sekunde durch R\u00fccktritt zuvor gekommen. Inzwischen ist Nixon verstorben, doch Kissinger wird immer noch von den langsam mahlenden M\u00fchlen der internationalen Justiz verfolgt, haupts\u00e4chlich wegen seiner Beteiligung an der Operation Condor, die den Putsch des chilenischen Milit\u00e4rs 1973 auf den Weg brachte, aber auch wegen des geheimen Bombardements Kambodschas, das im Jahr 1969 begann. Dem Kongress hatte man mit Hilfe gef\u00e4lschter Zielkarten weisgemacht, die Bomben w\u00e4ren in Vietnam abgeworfen worden.<\/p>\n<p>Arendt interpretiert diese Ereignisse als Symptom f\u00fcr den Zustand der modernen Gesellschaft. Ihre Diagnose zieht ihre normative Kraft aus Wurzeln, die tief ins alteurop\u00e4ische Denken zur\u00fcckreichen. Die L\u00fcge, das ist Gegenwart, die Wahrheit, das ist die Vergangenheit. Wahrheit ist als Aletheia der Ursprung, das &#132;Un-Verborgene&#148; (Heidegger), gleicherma\u00dfen das Gegenteil der L\u00fcge wie des Irrtums. Zwar ist das Politische nicht das Reich der Wahrheit, sondern es ist der schwankenden Meinung ausgeliefert und durchaus mit strategischen L\u00fcgen vertr\u00e4glich. Aber eine Politik, die sich nicht nur in strategischen Machtspielen der &#151; in diesem Fall sogar gebotenen &#151;T\u00e4uschung bedient, sondern das \u00f6ffentliche Leben im Ganzen mit der L\u00fcge affiziert und die T\u00e4uschung der andern zur Selbstt\u00e4uschung radikalisiert, verliert ihre Autonomie gegen\u00fcber der Wahrheit. Die Wahrheit wird der Macht gef\u00e4hrlich und in solcher Gefahr selbst zur politischen Waffe, zur &#132;Waffe der Kritik&#148; (Marx). Politisch wird die Wahrheit n\u00e4mlich im Widerspruch zum verlogenen Zustand der \u00f6ffentlichen Angelegenheiten. So gewinnt sie, obgleich ihrem Wesen nach dem Politischen fremd, eine Politik bewegende, die Gegenwart ergreifende und &#8211; auf die Zukunft gerichtet &#8211; ver\u00e4ndernde Kraft. Zun\u00e4chst wird im folgenden die Zeitdiagnose kommentiert, anschlie\u00dfend Arendts Begriff der Wahrheit analysiert.<\/p>\n<h5><span id=\"organisierte-politische-luege-und-die-identitaet-des-gemeinwesens\">Organi&shy;sierte politische L&uuml;ge und die Identit&auml;t des Gemein&shy;we&shy;sens<\/span><\/h5>\n<p>Die Pentagon Papers waren geheim, aber sie wurden, wie so viele Geheimnisse, ausgeplaudert: eines Tages standen sie in der New York Times. Die Papiere waren eine von Verteidigungsminister McNamara 1967 angeordnete Auftragsstudie zur Kriegspolitik der Pr\u00e4sidenten Kennedy und Johnson, die den Krieg begonnen und ausgeweitet hatten. Sie sollte deren Fehler offen legen und, als instrumentelle Wahrheitssuche im Dienst der Regierung und ihrer Kriegsziele, dazu beitragen, solche Fehler k\u00fcnftig zu vermeiden. Zugleich aber handelte es sich um einen politisch hochbrisanten Text, zeigte er doch, dass die politisch herrschende Klasse seit dem ersten Kriegstag ihr Wahlvolk und seine Repr\u00e4sentanten belogen, get\u00e4uscht und ausgetrickst hatte. Geheim waren die Pentagon Papers nicht nur aus dem verfassungsgem\u00e4\u00dfen Grund, ihre operativ verwertbaren Informationen vor dem Zugriff des \u00e4u\u00dferen Feindes zu sch\u00fctzen, sondern geheim waren sie auch, und wie sich herausstellen sollte, in erster Linie aus dem verfassungswidrigen Grund, die eigene B\u00fcrgerschaft, deren gesetzgebende Repr\u00e4sentativgewalt und die Gerichte \u00fcber die wahren Ziele, Gr\u00fcnde und Ausma\u00dfe der milit\u00e4rischen Operationen zu t\u00e4uschen. Die &#132;organisierte politische L\u00fcge&#148; war zur Bedingung der M\u00f6glichkeit, den Krieg im fernen Vietnam zu f\u00fchren, geworden (Arendt 1987: 76).<\/p>\n<p>Staatsgeheimnisse sind Wahrheiten, deren instrumentelle Effekte an T\u00e4uschung und L\u00fcge gebunden sind. Das Staatsgeheimnis kann nur gewahrt werden, wenn die Regierung der \u00d6ffentlichkeit etwas anderes erz\u00e4hlt als das, was sie deshalb geheim h\u00e4lt, weil es wahr ist oder doch in ihren Augen f\u00fcr wahr gilt. Das widerstreitet zwar dem \u00f6ffentlichen Charakter der Wahrheit, ihrer Unverborgenheit. Wahrheit war schon nach antikem, philosophischem Verst\u00e4ndnis universell und f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen g\u00fcltig; und nach modernem, wissenschaftlichem Verst\u00e4ndnis kann der Anspruch von S\u00e4tzen, wahr zu sein, nur so lange aufrechterhalten werden, wie sie der \u00f6ffentlichen Kritik standhalten. &#132;Die Wahrheit selber ist kommunizierend, sie verschwindet und kann au\u00dferhalb der Kommunikation nicht konzipiert werden [&#8230;]. Nur in der Kommunikation zwischen Zeitgenossen oder zwischen Lebenden und Toten enth\u00fcllt sich die Wahrheit&#148; (Arendt 1989: 104). Der innere Zusammenhang mit der Kommunikation macht ihre elit\u00e4re &#132;\u00dcberheblichkeit&#148; zunichte und &#132;verbindet sie mit dem t\u00e4glichen Leben der Menschen&#148; (ebd.): keine Wahrheit ohne \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Aber politisches Handeln ist einem anderen Kreis von Funktionen zugeordnet als die wissenschaftliche oder die philosophische Forschung. Politik sieht sich oft gen\u00f6tigt, im Verborgenen zu agieren. Ihr Telos ist nicht nur der kommunikative Streit um universelle Verst\u00e4ndigung, sondern auch der strategisch kalkulierte Erfolg. Deshalb kommt sie ohne Geheimhaltung nicht aus. Bis heute gibt es kein Regime, das g\u00e4nzlich auf sie und die zugeh\u00f6rigen Geheimagenten verzichten mag. Gerechtfertigt wird solch wahrheitswidriger Gebrauch von der Wahrheit mit den Imperativen der Selbsterhaltung.<\/p>\n<p>Im Hobbesschen Staat rechtlich geordneter Herrschaft ist alles erlaubt, was der Selbsterhaltung der B\u00fcrger dient. Das aber ist in demokratischen Rechtsstaaten nicht mehr der Fall. Verfassungen wie die amerikanische Constitution oder das Grundgesetz verbieten Selbsterhaltung, wenn sie deren fundamentale Normen verletzt. Als h\u00f6chster Ausdruck des Volkswillens und als Erm\u00f6glichungsgrund individueller und kollektiver Selbstbestimmung definiert die Verfassung, was das Gemeinwesen ist und sein will und wie es sich selbst versteht.<\/p>\n<p>Das setzt der Selbsterhaltung un\u00fcbersteigbare und der Geheimhaltung \u00fcberdies enge Grenzen. F\u00fcr den Verfassungsstaat gibt es schlimmeres als den Tod, und das ist die Vernichtung der M\u00f6glichkeitsbedingungen individueller und kollektiver Selbstbestimmung. Genau deswegen ist die derzeitige Debatte \u00fcber die Verrechtlichung der Folter so uns\u00e4glich. Denn die Selbsterhaltung des Staats darf das demokratische, menschenrechtliche und rechtsstaatliche Selbst nicht zerst\u00f6ren und die verfasste Identit\u00e4t des Gemeinwesens nicht durch eine andere ersetzen. Die Verfassung, die amerikanische nicht anders als die deutsche oder die franz\u00f6sische, kennt keinen Staat hinter dem Recht, der &#8211; als Subjekt eines rechtlich ungebundenen Willens &#8211; ohne und gegen sie agieren k\u00f6nnte (vgl. Brunkhorst 2003). \u00dcberschreitet der Einsatz f\u00fcr die Selbsterhaltung die Schranke verfassungsrechtlicher Prinzipien, dann besch\u00e4digt er das demokratische Gemeinwesen so eklatant, dass es den Einsatz zu dessen Erhaltung nicht mehr lohnt (M\u00f6llers 2001: 267).<\/p>\n<p>Genau diesen Fall, in dem die L\u00fcge den Zweck hat, tragende Prinzipien der Verfassung zu vernichten, hat Hannah Arendt im Auge. Die im Fall der Pentagon Papers offenbar werdende Besch\u00e4digung der Verfassung durch L\u00fcge, Betrug und Selbstbetrug ist kein rechtlich heilbarer und deshalb harmloser Fall von Korruption, sondern kommt in der Qualit\u00e4t des Verbrechens einem Staatsstreich gleich. Was auf dem Spiel steht, ist die \u00f6ffentliche Identit\u00e4t des Gemeinwesens als demokratischer Rechtsstaat.<\/p>\n<p>Unter der organisierten politischen L\u00fcge versteht Arendt aber nicht nur die bewusste L\u00fcge, die von Kennedy \u00fcber Johnson bis Nixon einen nicht nur v\u00f6lkerrechtswidrigen, sondern auch verfassungsbrechenden Krieg erm\u00f6glichte. Die organisierte politische L\u00fcge ist auch deshalb so gef\u00e4hrlich, weil sie die L\u00fcge zum &#132;verlogenen Selbstbetrug&#148; steigert (Arendt 1987: 92). Wer am Ende an seine eigenen L\u00fcgen glaubt, verliert die F\u00e4higkeit, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Wer aber wahr und falsch nicht mehr unterscheiden kann, verliert die F\u00e4higkeit zur individuellen und kollektiven Selbstbestimmung ebenso die F\u00e4higkeit zur instrumentellen Selbsterhaltung. Der &#132;menschliche Orientierungssinn&#148; wird durch den Selbstbetrug &#132;vernichtet&#148;, so dass schlie\u00dflich auch &#132;das in der Politik so wichtige Unterscheidungsverm\u00f6gen zwischen Freund und Feind [&#8230;] nicht mehr funktionieren&#148; kann (Arendt 1987: 83, 81).<\/p>\n<h5><span id=\"luege-selbsttaeuschung-und-expertenmacht\">L&uuml;ge, Selbst&shy;t&auml;u&shy;schung und Exper&shy;ten&shy;macht<\/span><\/h5>\n<p>Arendt glaubt, dass die selbst destruktive Steigerung der organisierten L\u00fcge zur Selbstt\u00e4uschung eng mit der Verwissenschaftlichung der Politik verschr\u00e4nkt ist. L\u00fcge, Selbstt\u00e4uschung und Verwissenschaftlichung verst\u00e4rken sich wechselseitig. Die &#132;Spieltheorien und Systemanalysen&#148; des Verteidigungsministeriums, die damals en vogue und deren &#132;streng ,wissenschaftliche` Methoden&#148; auch f\u00fcr die Verfasser der Pentagon Papers leitend waren, haben ebenso wie die statistisch exakten Wahlanalysen und jeweils neuesten Techniken der &#132;Image-Pflege&#148; die Funktion, die Politik gegen die Tatsachen zu immunisieren und den Schein zu erzeugen, das &#132;beunruhigende Moment der Zuf\u00e4lligkeit&#148; lie\u00dfe sich aus dem \u00f6ffentlichen Leben entfernen (ebd.: 12ff., 37). Statt die Theorien dem Test der Wirklichkeit auszusetzen, soll die Wirklichkeit den Theorien an-gepasst werden (ebd.: 14). Was die wissenschaftsgl\u00e4ubige Politik &#132;mit den direkten L\u00fcgen gemeinsam hat, ist das Bestreben, die Tatsachen beiseite zu schieben&#148;, indem man die Hintergrundanalysen der Systemanalytiker, International Relation-Spezialisten und V\u00f6lkerrechtsexperten daf\u00fcr verwendet, einen offensichtlichen Angriffskrieg in einen Verteidigungskrieg umzudefinieren, &#151; damals in Vietnam nicht anders als heute im Irak (ebd.: 15). Die Theorie, der die Wirklichkeit angepasst wird, war damals die Dominotheorie, heute ist es die des preemptive war (ebd.: 24). Die Praxis, die dem folgte, war damals die gef\u00e4lschte Zielkarte, heute sind es die verfeinerten Methoden des embeddedjournalism.<\/p>\n<p>Auch noch in anderer Hinsicht sind die \u00dcberlegungen Arendts zur wissenschaftlich immunisierten Selbstt\u00e4uschung aktuell. Der Siegeszug des neoliberalen Paradigmas, das die fortschreitende Globalisierung seit zwei Jahrzehnten begleitet, ist das beste Beispiel. Eine ehrenwerte wissenschaftliche Theorie, deren Wahrheit, anders als die unzerst\u00f6rbare der antiken Philosophen, zerbrechlich ist, wird deshalb mit unumst\u00f6\u00dflicher Gewissheit f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen, weil alle theoretischen Alternativen, an denen sie scheitern und aus denen sie lernen k\u00f6nnte, von vornherein aus dem politischen Diskurs ausgeschlossen und nicht mehr ernsthaft diskutiert werden. Der hegemonial geschlossene Diskurs erm\u00f6glicht es seinen Protagonisten, &#132;in einer von Tatsachen unbehelligten Welt zu leben&#148; (ebd.: 33). Das ist, strukturell gesehen, im Fall des offiziellen Marxismus unter Stalin nicht anders als im Fall des neoliberalen Paradigmas, das vom soft law der OECD-Berichte \u00fcber die Agenda 2010 bis zu den Staatssekret\u00e4ren unserer Wissenschaftsminister die K\u00f6pfe kolonisiert. Die Sabine-Christiansen-Welt zwischen Glos und Westerwelle, Clement und Bulmahn, Hundt und Henkel l\u00e4sst sich nicht einmal mehr durch die f\u00fcr Berufspolitiker lebensbedrohliche Tatsache sinkender Popularit\u00e4tswerte beeindrucken. Der Glaube an die Wahrheit einer Theorie ist st\u00e4rker als das Vertrauen in gesicherte Umfragedaten.<\/p>\n<p>Die T\u00e4uschung wird in all diesen F\u00e4llen durch eine &#132;Umkehr&#148; des &#132;normalen Prozesses der Selbstt\u00e4uschung&#148;, bei dem jemand so lange l\u00fcgt, bis er am Ende selbst dran glaubt, invisibilisiert (ebd.: 33). Nicht die T\u00e4uschung schl\u00e4gt in Selbstbetrug um, sondern der Selbstbetrug steht gleich am Anfang des \u00f6ffentlichen Handelns. Tony Blair und der amerikanische Au\u00dfenminister Powell haben vor Beginn des letzten Irak-Kriegs vermutlich noch nicht einmal gelogen. Alles spricht im Gegenteil daf\u00fcr, dass sie auf ihre eigene Theorie der rough states hereingefallen sind und die d\u00fcrftigen und, wie sich herausstellte, auch noch gef\u00e4lschten Daten als willkommenen Beweis ihrer Evidenz begr\u00fc\u00dft haben, so dass sie die vielen anders lautenden Informationen verleugnen konnten. Blair und Powell haben sich einfach davon leiten lassen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Aus &#132;unbewiesenen Theorien&#148; werden &#132;Tatsachen&#148; und anders lautende &#132;Erfahrungen&#148; verfallen der &#132;Verachtung&#148; (ebd.: 40).<\/p>\n<p>So plausibel und aktuell Arendts Diagnose der organisierten politischen L\u00fcge ist, so wenig \u00fcberzeugt ihre Alternative, der R\u00fcckzug aufs nationale Interesse und die Urteilskraft des guten Staatsmanns. Das eine passt nicht mehr in eine Gesellschaft, die sich der rasanten Evolution poststaatlicher und postnationaler Organisationsformen von Recht und Politik ausgesetzt sieht, und das andere passte noch nie zur egalit\u00e4ren Massendemokratie, die Arendt freilich immer verachtet hat. Das h\u00e4ngt mit den Ambivalenzen ih-res Wahrheitsverst\u00e4ndnisses zusammen.<\/p>\n<h5><span id=\"wahrheit-und-welt-fiat-veritas-et-pereat-mundus\">Wahrheit und Welt: Fiat veritas, et pereat mundus?<\/span><\/h5>\n<p>Ihre Reflexionen \u00fcber Wahrheit und Politik beginnt Arendt mit der alten Sentenz Fiat iustitia, et pereat mundus &#151;&#132;Es herrsche Gerechtigkeit, auch wenn die Welt dar\u00fcber zugrunde gehen mag&#8220;. Diese \u00dcbersetzung des auch von Kant an prominenter Stelle in seiner Schrift Zum ewigen Frieden zitierten Satzes legt das Missverst\u00e4ndnis nahe, es ginge hier um den Untergang der gesamten menschlichen und politischen Welt (mundus). Gemeint ist aber nicht der Weltuntergang, sondern der Untergang einer bestimmten Welt: der an der Schwelle zur Moderne so genannten &#132;guten Gesellschaft&#148;. Und das war im 17. und 18. Jahrhundert die h\u00f6fische Welt des Absolutismus. In den inzwischen etwas angestaubt wirkenden Redewendungen ,ein Mann von Welt&#8216; oder ,sich in guter Gesellschaft befinden&#8216; schwingt die alte, vor soziologische, letztlich auf den Aristotelismus zur\u00fcckgehende Bedeutung von mundus und Gesellschaft noch mit. Die &#132;gute Gesellschaft&#148; der h\u00f6fischen Welt war den Aufkl\u00e4rern des 18. Jahrhunderts aber schon lange keine gute Gesellschaft mehr; in deren Machenschaften sahen sie die einer unrechtm\u00e4\u00dfig herrschenden Halb- und Unterwelt.<\/p>\n<p>Deshalb konnte Kant dem alten Spruch die unverf\u00e4ngliche und keineswegs moralfundamentalistische, aber &#132;kritisch-revolution\u00e4re&#148; (Marx) Bedeutung geben: &#132;Der zwar etwas rennomistisch klingende [,,.], aber wahre Satz: fiat iustitia, pereat mundus&#148; hei\u00dfe &#132;zu deutsch: ,es herrsche Gerechtigkeit, die Schelme dieser Welt m\u00f6gen auch insgesamt dar\u00fcber zugrunde gehen.&#148; (Kant 1977: 241)&#8216; Mit den Schelmen meinte Kant &#151; ganz \u00e4hnlich wie die gleichaltrigen Autoren der amerikanischen Declaration of Independence 1776 &#151; die herrschende Klasse, die Tyrannen und absoluten Regenten, die das \u00f6ffentliche Leben okkupiert hatten (in der Declaration war es der englische K\u00f6nig, der sich der &#132;Usurpation&#148; und des &#132;absolute Despotism&#148; schuldig gemacht habe), nicht aber das Volk und die neu entstehende Welt der auf politische Selbstorganisation dr\u00e4ngenden B\u00fcrgerschaften Europas und Amerikas (in der Declaration die &#132;good people of these colonies&#148;, die sich gerade von der schlechten Gesellschaft alteurop\u00e4ischer F\u00fcrstenh\u00e4user verabschieden).<br \/>Arendt war sich dieser alten Bedeutung von mundus nat\u00fcrlich bewusst. Aber sie misstraut dem Satz trotzdem, um an seine Stelle einen andern, freilich noch provozierender klingenden zu setzen: Fiat veritas, et pereat mundus. Es mag zun\u00e4chst \u00fcberraschen, dass sie sich so vehement f\u00fcr die Wahrheit dieses Satzes \u00fcber die Wahrheit ins Zeug legt, obwohl sie doch die Wahrheit immer f\u00fcr eine zutiefst &#132;unpolitische Idee&#148; gehalten und in allen ihren Schriften den gr\u00f6\u00dften Wert darauf gelegt hatte, die funktionale Differenz zwischen der Macht der politischen Welt und der Wahrheit des theoretischen Diskurses nicht zu verwischen.<\/p>\n<p>Indem sie in der alten Sentenz iustitia durch veritas ersetzt, grenzt sie sich zun\u00e4chst von Kants Idee praktischer Wahrheit, die diese mit dem deontologischen Sollen universeller Gerechtigkeit identifiziert, ab, um dann den Begriff der theoretischen Wahrheit f\u00fcr die Politik zu rehabilitieren. Aber wie immer bei Arendt ist auch das Argument, mit dem sie die \u00f6ffentlichen Angelegenheiten an den Begriff der Wahrheit bindet, gegen die platonische Unterwerfung der politischen Welt unter das Diktat unumst\u00f6\u00dflichen Wissens gerichtet.<\/p>\n<p>Die Wahrheit soll die Politik nicht kolonialisieren, ist aber eine notwendige Voraussetzung jeder gelingenden politischen Praxis. Sie ist der Politik nicht vorgeordnet, und ihre Erkenntnis bleibt unabh\u00e4ngig von der Politik und eine durch und durch &#132;unpolitische&#148; Angelegenheit (Arendt 1987: 46). Die Wahrheit ist jedoch, so k\u00f6nnte man den Arendtschen Gedanken im systemtheoretischen Vokabular Niklas Luhmanns reformulieren, mit der Macht strukturell gekoppelt &#150; und zwar sowohl mit ihrer strategischen Seite, die Arendt als &#132;Gewalt&#148; bezeichnet, als auch mit der kommunikativen Macht des &#132;acting in concert&#8220;.[2]<\/p>\n<p>Die Grenzen, die das Operationsfeld der Macht von dem der Wahrheit trennen, sind im Falle struktureller Kopplung gesichert und m\u00fcssen keine ernsthafte Verletzung f\u00fcrchten; genau das erm\u00f6glicht den Austausch zwischen Politik und Erkenntnis. Die Politik steigert ihre Unabh\u00e4ngigkeit vom &#132;Leben des Geistes&#148; (Arendt 1979) und der Wissenschaft dadurch, dass sie sich vom systematischen R\u00fcckgriff auf Erkenntnisse abh\u00e4ngig macht. Umgekehrt die Wissenschaft: Sie steigert ihre Unabh\u00e4ngigkeit von der Hauke Brunkhorst: Macht und Wahrheit in struktureller Kopplung Politik durch wachsende Abh\u00e4ngigkeit vom Staatshaushalt, der mittlerweile sogar Philosophen n\u00e4hrt. Durch die gleichzeitige Steigerung von Abh\u00e4ngigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit wird die selbstreferenziell geschlossene Autonomie des politischen Handel ebenso gesichert wie die des theoretischen Diskurses. Was die Philosophen seit Aristoteles eingesehen haben &#151; politische, und das hei\u00dft f\u00fcr Arendt wie f\u00fcr Marx, die weltver\u00e4ndernde Praxis ist nur m\u00f6glich, wenn sie sich nicht an unzerst\u00f6rbare Wahrheit klammert &#151;, mussten seit den Verfassungsrevolutionen des 18. Jahrhunderts auch\u00a0 Politiker akzeptieren: &#132;Woran Plato nie auch nur im Traum gedacht hat, ist Wirklichkeit geworden: Die M\u00e4chte innerhalb des politischen Raumes haben eingesehen, dass sie St\u00e4tte bed\u00fcrfen, die au\u00dferhalb des eigenen Machtbereichs liegt.&#148; (Arendt 1987: 87)<\/p>\n<p>Die entscheidende \u00dcbereinstimmung Arendts mit Luhmann besteht darin, dass Po tik und Wissenschaft\/Philosophie trotz wechselseitiger Abh\u00e4ngigkeit und Interpeneti tion nur \u00e4u\u00dferlich aufeinander bezogen sind. Auch wenn sich Arendts Begriff komm nikativer Macht deutlich vom funktionalistischen Machtbegriff Luhmanns abhebt, si; sich beide doch darin einig, dass die Wahrheit unpolitisch und der Macht \u00e4u\u00dferlich i Die Sprache der Macht l\u00e4sst sich nicht in die der Wahrheit und die Sprache der Wal heit nicht in die der Macht \u00fcbersetzen. Die Wahrheit hat zwar \u00f6ffentlichen Charakter geh\u00f6rt aber wie die Stadtmauern, das Milit\u00e4r und das positive Recht zu den vor politischen Fundamenten und Umgrenzungen der res publica. W\u00e4hrend die Welt des Politischen intern im performativen Vollzug weltver\u00e4ndernder Praxis besteht, sichert d Wahrheit den externen Bestand dieser Welt (ebd.: 54, 74). Nur im Konfliktfall richl sich die Wahrheit &#132;anti politisch&#148; gegen eine zu &#132;l\u00fcgendem Selbstbetrug&#148; degenerieri auf strategisches Handeln reduzierte Politik und gewinnt dann als widersprechen Stimme in der \u00f6ffentlichen Meinung &#151; wie zu Zeiten des Watergate-Skandals &#151; f\u00fcr einen Moment politische Kraft (ebd.: 86f., 92).<\/p>\n<h5><span id=\"zwischen-platon-und-heidegger-grenzen-in-hannah-arendts-konzeption\">Zwischen Platon und Heidegger: Grenzen in Hannah Arendts Konzeption<\/span><\/h5>\n<p>Diesen Gedanken, der im Unterschied zu Luhmann und zur funktionalistischen Sozilogie auf einen internen Punkt der Vernetzung von kommunikativer Macht und praktischer Wahrheit zul\u00e4uft, f\u00fchrt Arendt jedoch nicht weiter. Grund hierf\u00fcr ist ihre Fixierung auf ein rein kognitivistisches Wahrheitsverst\u00e4ndnis. Wahrheit ist f\u00fcr sie entweder evidente \u00dcbereinstimmung des Denkens mit unzerst\u00f6rbaren Ideen &#150; das ist die Wahn des philosophischen Lebens &#150;, oder sie ist empirische \u00dcbereinstimmung mit den Tatsachen &#150; das ist die Wahrheit der Wissenschaft (ebd.: 50). Beide Begriffe der Wahr \u00a0haben in den wissenschaftlichen Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, auch durc die destruktive Leistung von Arendts Lehrer Heidegger, erheblich an Plausibilit\u00e4t verloren und sind, wie bei Putnam oder Habermas, durch ein praktisches und kommunikatives Wahrheitsverst\u00e4ndnis ersetzt oder ganz abgeschafft und, wie bei Rorty, in priva Ironie und \u00f6ffentlich nutzbare Technik aufgel\u00f6st worden (Rorty 1989).<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte es im Falle Arendts nahe gelegen, den Vorsto\u00df Heideggers zu eine Wahrheitsverst\u00e4ndnis, das nicht mehr kognitivistisch auf \u00dcbereinstimmung von Denk und gedachter Sache verengt ist, mit dem kommunikativen Machtbegriff seiner Sch\u00fclerin zu integrieren. Denn die philosophische Glanzleistung Arendts bestand doch darin, Heideggers postmetaphysische, aber unpolitische Begrifflichkeit ins Politische zu \u00fcber-setzen: statt des unerdenklichen Seins die demokratische Polis als Ursprung des abendl\u00e4ndischen Denkens, statt H\u00f6lderlin und Hitler als Dichter und Staatengr\u00fcnder Brecht und Jefferson.<\/p>\n<p>Obwohl Arendt sofort erkannt hat, dass Heideggers Verst\u00e4ndnis von Wahrheit als &#132;Unverborgenheit&#148; sich von der elit\u00e4ren &#132;\u00dcberhebung&#148; &#132;\u00fcber das t\u00e4gliche Leben der Menschen&#148;, die ihre Angelegenheiten \u00f6ffentlich, eben im &#132;unverborgenen Raum des politischen Streits unter Gleichen&#148;, erledigen m\u00fcssen, abl\u00f6sen und mit dem Begriff der kommunikativen Macht verbinden l\u00e4sst, bleibt es bei der eingangs zitierten Andeutung eines nicht nur externen, sondern auch internen Zusammenhangs von Wahrheit und politischer Kommunikation (Arendt 1989: 104). Diesen Gedanken auszuf\u00fchren h\u00e4tte den begrifflichen Rahmen eines Denkens gesprengt, f\u00fcr das der platonische Gegensatz von Wahrheit und Meinung zeitlebens konstitutiv blieb.<\/p>\n<p>Der von Arendt nur (aristotelisch) umgedeutete, alte platonische Dualismus von Wahrheit und Meinung ist in j\u00fcngster Zeit als liberales Grundmotiv ihrer Totalitarismuskritik missverstanden worden (z.B. Heuer 1992, Vollrath 1993, Greven 1993). In Wahrheit verdankt es sich einem elit\u00e4ren Vorbehalt gegen die Massendemokratie und die mit ihr intern verbundene, deshalb aber keineswegs identische, moderne Wissenschaft, die jede Wahrheit in fallible Meinung zur\u00fcckverwandelt. Wenn Wissenschaft auch nur Meinung, gleichwohl aber universalistisch strukturiert ist, dann gibt es, anders als bei Arendt und Luhmann, keine Meinung mehr, die dem wissenschaftlichen Diskurs schlechthin \u00e4u\u00dferlich w\u00e4re. Deshalb wird das kommunikative Kontinuum wahrheitsfunktionaler und wahrheitsanaloger \u00c4u\u00dferungen durch die funktionale Differenzierung von Politik und Wissenschaft auch nicht gesprengt. Aber der politische Streit der Meinungen bleibt von den egalit\u00e4ren Bedingungen ihrer Wahrheit und G\u00fcltigkeit ebenso abh\u00e4ngig wie der wissenschaftliche und der philosophische. Der interne Bezug der praktischen Wahrheit zur kommunikativen Macht \u00e4ndert nichts an der Notwendigkeit ihrer funktionalen Differenzierung, aber er rettet den von Kant explizit gemachten, unverf\u00e4nglichen und kritischen Sinn jener alten Worte f\u00fcr unser politisches Leben: Fiatiustitia, et pereat mundus.<\/p>\n<p>[1] Kant 1977: 241. Dem hat Kant dann noch den unmissverst\u00e4ndlichen, von Arendt auch zitierten Satz hinzugef\u00fcgt: &#132;Die Welt wird keineswegs dadurch untergehen, dass der b\u00f6sen Menschen weniger wird&#148; (ebd.: 242).<br \/>[2] Arendt 1981: 171ff.; Arendt 1970; zum Begriff der &#132;kommunikativen Macht&#148; im Anschluss an Arendt: Habermas 1981: 228ff.; zur &#132;strukturellen Kopplung&#148; Luhmann 1990; Luhmann 1997: 92ff.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Arendt, Hannah 1970: Macht und Gewalt, M\u00fcnchen<br \/>Arendt, Hannah 1979: Vom Leben des Geistes, Bd. 1: Das Denken, M\u00fcnchen Arendt, Hannah 1981: Vita activa, M\u00fcnchen<br \/>Arendt, Hannah 1987 [1972]: Wahrheit und L\u00fcge in der Politik, M\u00fcnchen [Die L\u00fcge in der Politik S. 7-43, Wahrheit und Politik S. 44-92]<br \/>Arendt, Hannah 1989: Menschen in finsterer Zeit, M\u00fcnchen<br \/>Brunkhorst, Hauke 2003: Der lange Schatten des Staatswillenspositivismus; in: Leviathan, 31. Jg., H. 4, S. 362-381<br \/>Greven, Michael Th. 1993: Hannah Arendt &#150; Pluralit\u00e4t und die Gr\u00fcndung der Freiheit; in: Kemper, Peter (Hg.): Die Zukunft des Politischen, Frankfurt\/Main, S. 69-96<br \/>Habermas, J\u00fcrgen 1981: Politisch-Philosophische Profile, Frankfurt\/Main<br \/>Heuer, Wolfgang 1992: Pers\u00f6nliche Integrit\u00e4t und politisches Handeln, Berlin<br \/>Kant, Immanuel 1977 [1795]: Zum ewigen Frieden, in: Ders.: Werke XI, Frankfurt\/Main<br \/>Luhmann, Niklas 1990: Verfassung als evolution\u00e4re Errungenschaft; in: Rechtshistorisches Journal, 9. Jg., 5.176-220<br \/>Luhmann, Niklas 1997: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt\/Main<br \/>M\u00f6llers, Christoph 2001: Staat als Argument, M\u00fcnchen<br \/>Rorty, Richard 1989: Kontingenz, Ironie und Solidarit\u00e4t, Frankfurt\/Main<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2303],"publikationen":[1086],"class_list":["post-11999","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hauke-brunkhorst","publikationen-167-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Macht und Wahrheit in struktureller Kopplung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/167-vorgaenge\/publikation\/macht-und-wahrheit-in-struktureller-kopplung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Macht und Wahrheit in struktureller Kopplung - 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