{"id":12001,"date":"2004-09-20T19:00:00","date_gmt":"2004-09-20T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/eine-kleine-rehabilitierung-der-luege\/"},"modified":"2004-09-20T12:00:00","modified_gmt":"2004-09-20T10:00:00","slug":"eine-kleine-rehabilitierung-der-luege","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/167-vorgaenge\/publikation\/eine-kleine-rehabilitierung-der-luege\/","title":{"rendered":"Eine kleine Rehabilitierung der L\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p>aus: Vorg\u00e4nge Nr.  167 ( Heft 3\/2004 ), S. 39-46<\/p>\n<p><i>&#132;Der Ruf des Tadelnswerten eilt der L\u00fcge voran, w\u00e4hrend der Leumund ihrer sauberen Schwester, der Wahrheit, als unbefleckt gilt. Es scheint an der Zeit, eine Rehabilitierung der L\u00fcge voranzutreiben.&#148; (Sommer 1992: lOf.) So schreibt der Anthropologe Volker Sommer zu Beginn seines Buches Lob der L\u00fcge, in welchem er vielf\u00e4ltige Verschleierungen und T\u00e4uschungsman\u00f6ver im Tierreich dokumentiert. Es ihm gleich zu tun und nun alle L\u00fcgner in Menschengestalt loben zu wollen, w\u00e4re provokant. Denn gemeinhin halten wir das L\u00fcgen nicht f\u00fcr r\u00fchmlich, sondern f\u00fcr tadelnswert. Viele L\u00fcgen richten erheblichen Schaden an, sind moralisch verwerflich und kaum entschuldbar. Manche L\u00fcgen sind sogar gesetzlich verboten, und kein Apologet der L\u00fcge sollte diese guthei\u00dfen oder auch nur versuchen, sie zu rehabilitieren. Wird aber gefragt, ob sich die einseitig negative Konnotation des Begriffs ,L\u00fcge` argumentativ st\u00fctzen l\u00e4sst, ob dem L\u00fcgen nicht auch positive Seiten zuzusprechen sind, und wann eine L\u00fcge erlaubt oder gar geboten ist, dann kann dies zumindest zu einer kleinen Rehabilitierung der L\u00fcge f\u00fchren. Ein schlaglichtartiger Blick auf die Geschichte der L\u00fcge und ihrer Bewertung mag dies verdeutlichen.<\/i><\/p>\n<h5>Historische Bewertungen der L&uuml;ge<\/h5>\n<p><i>Theologische Reflexionen<\/i><\/p>\n<p>Dass die L\u00fcge durch und durch abscheulich sei, empfand bereits K\u00f6nig David. Zu Gott betend w\u00fcnschte er im f\u00fcnften Psalm, die L\u00fcgner mit dem Tode zu bestrafen: &#132;Du vernichtest die L\u00fcgner. [&#8230;] Aus ihren M\u00e4ulern kommt kein wahres Wort [&#8230;]. Und wie sieht es drinnen aus? Dort ist das Reich der Verderbnis. Ihr Rachen ist ein offenes Grab. Auf ihrer Zunge rutscht man aus. Lass sie es b\u00fc\u00dfen, oh Herr&#148;. Woher die L\u00fcge stamme, dar\u00fcber l\u00e4sst die Bibel keinen Zweifel: Ihr Vater sei der Satan selbst (vgl. Johannes 8,44). Und so k\u00e4me jede L\u00fcge einem teuflischen Abstammungszeugnis gleich: Alle L\u00fcgner w\u00e4ren Ausgeburten des Leibhaftigen &#150; und jeder F\u00fcrsprecher der L\u00fcge ein Advocatus Diaboli. Auch das Dekaloggebot best\u00e4tigt die Verderbtheit der L\u00fcge. In der Luther-\u00dcbersetzung des Alten Testaments lautet es: &#132;Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.&#8220;(2 Mose\/Ex20; 5 Mose\/Dtn 5) Umso erstaunlicher ist es da, dass dieses Gebot gar nicht vom Ideal der Ehrlichkeit an sich handelt, sondern urspr\u00fcnglich nur auf spezifische Aussagen vor Gericht Bezug nahm. Hervorgegangen ist es aus der alten israelitischen Rechtsprechung, die keinen Staatsanwalt kannte, der offiziell Anklage erhob. Stattdessen war jedermann in der Lage, ein Verfahren in Gang zu bringen. Unter diesen Umst\u00e4nden war es leicht, ungerechtfertigter Weise in Rechtsstreitigkeiten verwickelt zu werden, und ein falsches Zeugnis konnte viel schneller mit der Verurteilung eines Unschuldigen enden, als dies heutzutage der Fall ist. Das Dekaloggebot gew\u00e4hrte hier Rechtsschutz im elementaren Sinne, denn es forderte die Ehrlichkeit vor Gericht. Ein universelles L\u00fcgenverbot jedoch war urspr\u00fcnglich nicht intendiert. Die Ausweitung vom spezifischen Wahrheitsgebot vor Gericht hin zur allgemeinen Aufforderung, niemals zu l\u00fcgen, trieb vornehmlich Kirchenvater Aurelius Augustinus voran. Ihn interessierten zun\u00e4chst epistemologische Aspekte der L\u00fcge. Denn die Reflexionen antiker griechischer Denker \u00fcber die Unwahrheit, auf die seine Arbeit an den beiden Monographien \u00dcber die L\u00fcge und Gegen die L\u00fcge h\u00e4tte zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, waren von der Tatsache bestimmt, dass die altgriechische Sprache keine unmissverst\u00e4ndlichen Begriffe f\u00fcr ,L\u00fcge`, ,l\u00fcgen`, ,l\u00fcgnerisch` etc, besitzt. So wird unter pseudos zugleich Irrtum und L\u00fcge verstanden, und das Verb pseudesthai steht gleicherma\u00dfen f\u00fcr ,sich t\u00e4uschen&#8216; und ,l\u00fcgen`. Das moralische Problem der L\u00fcge jedoch entsteht vollends erst durch die lateinische Scheidung von error (Irrtum) und mendacium (L\u00fcge), da ein L\u00fcgner in der Absicht zu t\u00e4uschen handelt, die dem Irrenden typischerweise fehlt. Der altgriechische Meister der L\u00fcge, Odysseus, war seiner Zeit offenbar weit voraus.<\/p>\n<p>Augustinus wegweisende Definition der L\u00fcge, die sich heute in allen philosophischen Begriffsw\u00f6rterb\u00fcchern findet, akzentuiert eben diese T\u00e4uschungsabsicht als ma\u00dfgebliches Charakteristikum: &#132;Eine unwahre, mit der Absicht zu t\u00e4uschen gemachte Aussage ist unstreitig eine L\u00fcge&#148; (Augustinus 1953: 7). Ihre moralische Verwerflichkeit erkl\u00e4rt der Kirchenvater aus der g\u00f6ttlichen Bestimmung der Sprache. Da diese nicht geschaffen sei, um Menschen zu t\u00e4uschen, sondern damit der eine dem anderen seine Gedanken vermitteln k\u00f6nne, vergehe sich der L\u00fcgner nicht blo\u00df am Angelogenen, dem er die Wahrheit vorenth\u00e4lt, sondern vor allem an der Vollkommenheit Gottes. Denn er verwendet Sprache nicht zum Zwecke, zu dem sie geschaffen ward und vers\u00fcndigt sich folgerichtig. In Augustinus&#8216; Augen w\u00e4re es sogar verboten zu l\u00fcgen, wenn dies das einzige Mittel w\u00e4re, um Unschuldige vor der ungerechten Hinrichtung durch B\u00f6sewichte zu retten. Denn: &#132;Der Tod [&#8230;] t\u00f6tet ja nicht die Seele, sondern den Leib, [&#8230;] der l\u00fcgenhafte Mund hingegen t\u00f6tet nicht den Leib, sondern die Seele&#148; (Augustinus 1953: 15). Demnach w\u00e4re es nur allzu unklug, das kurze irdische Leben durch eine L\u00fcge retten zu wollen und dies mit dem Verlust der unsterblichen Seele zu bezahlen. Die Ambivalenz von rigoroser theoretischer Verdammung und gelegentlicher praktischer Zufluchtnahme zur L\u00fcge blieb freilich auch Augustinus nicht verborgen. In seiner Autobiographie Bekenntnisse gesteht er freim\u00fctig, dass auch er in jungen Jahren das eine oder andere Mal gelogen habe (vgl. Augustinus 1979: 53, 92, 151f., 237f., 316f.), distanziert sich sp\u00e4ter aber ausdr\u00fccklich von diesen Taten.<\/p>\n<p><i>Lockerungen des Wahrheitsgebotes<\/i><\/p>\n<p>Es fiel mitunter schwer, v\u00f6llig ohne L\u00fcgen zu leben, sodass verschiedentlich versucht wurde, das Wahrheitsgebot aufzuweichen und den s\u00e4kularen Bed\u00fcrfnissen anzugleichen. Bei grunds\u00e4tzlicher Aufrechterhaltung des Verbots der L\u00fcge wurden so manche L\u00fcgen als verzeihlicher angesehen und nachsichtiger bewertet als andere. Doch mit der tendenziellen Verzeihbarkeit von L\u00fcgen ergaben sich neue Probleme: Wie oft wurden L\u00fcgen vergeben? Durfte die Vergebung mit in ein T\u00e4uschungsman\u00f6ver eingeplant werden? Da ein Irrtum in solchen Fragen die ewige Bestrafung nach dem Tode bedeuten konnte, waren diese Fragen durchaus interessant. Ein anderer Versuch, das L\u00fcgenverbot zu umgehen, bestand in der Zulassung von Mantelreservationen. Hiernach ist eine L\u00fcge entschuldbar, wenn der L\u00fcgner im Stillen, in Gedanken, seiner Aussage eine Einschr\u00e4nkung hinzuf\u00fcgt, die die L\u00fcge entsch\u00e4rft. Dies war besonders vor Gericht von Belang, wo Schw\u00fcre in Gottes Namen abgelegt wurden. Denn jedermann musste Angst haben, dass Gott diejenigen erschlagen werde, die in seinem Namen L\u00fcgen deckten. Wer aber im Geiste eine Einschr\u00e4nkung machte, die nur der Allwissende erfuhr, nicht jedoch der Richter, der brauchte sich nicht zu f\u00fcrchten. Also konnte ein M\u00f6rder ruhig schw\u00f6ren, die Tat nicht begangen zu haben, wenn er in Gedanken eine falsche Orts- oder Zeitangabe anf\u00fcgte. Noch heute wird sich gelegentlich der Mentalreservation bedient, z.B. wenn ein leicht fiebriger Hypochonder nach seiner Temperatur fragt. Dann wird ein verst\u00e4ndiger Arzt antworten, sie sei ganz normal, und in Gedanken hinzuf\u00fcgen: &#132;f\u00fcr dieses Krankheitsbild&#148;. Da auf diese Weise alle L\u00fcgen insgeheim zurechtgebogen werden k\u00f6nnen, eignet sich diese Methode offenbar nicht, um gute und b\u00f6se L\u00fcgen zu trennen.<\/p>\n<p><i>Philosophische Reflexionen<\/i><\/p>\n<p>Auch Niccol\u00f6 Machiavelli bem\u00fchte sich kaum um die Unterscheidung von guten und weniger guten L\u00fcgen. Weltlich n\u00fcchtern sah er in der Selbsterhaltung und Machtsteigerung des Staates das vorderste Ziel des politischen Handelns, zu dessen Erreichen sich der versierte Staatsmann aller Mittel bedienen m\u00fcsse, also moralischer ebenso wie unmoralischer. Eingedenk der Schlechtheit und Einf\u00e4ltigkeit der Menschen k\u00f6nne und d\u00fcrfe ein kluger Herrscher Treu \u00a0und Glaube nicht halten, sofern ihm Nachteile daraus erw\u00fcchsen, oder die Gr\u00fcnde nicht mehr vorhanden sind, aus denen er ein Versprechen ablegte. Gleichwohl r\u00e4t er dem F\u00fcrsten, die Rolle des L\u00fcgners geschickt zu bem\u00e4nteln und im Heucheln und Verstellen erfahren zu sein (vgl. Machiavelli 1841: 102f.; zu Machiavelli vgl. den Beitrag von Marc Schweska in diesem Heft). Hierin kommt er dem Pseudoch\u00e4us erstaunlich nahe, mit dem Erasmus von Rotterdam einen durchweg unsympathischen L\u00fcgner zeichnet. Pseudoch\u00e4us treibt es auf die Spitze und empfiehlt seinem wahrheitsliebenden Dialogpartner kaltschn\u00e4uzig, mit der lumpigen Wahrheit ein schiefes Maul zu ziehen, derweilen er selbst durch seine L\u00fcgen ein angenehmes Dasein f\u00fchren werde. Auf dessen Einwand, dem Menschen sei die Zunge gegeben, damit dieser die Wahrheit rede, erwidert Pseudoch\u00e4us: &#132;Vielmehr das zu reden, was ihm etwas ein-bringt, und es schaut meistens nicht viel dabei heraus, wenn man die Wahrheit sagt.&#148; (Erasmus 1947: 54) Auch der franz\u00f6sische Staatsmann Charles Maurice de Perigord-Talleyrand zeigte sich wenig \u00fcberzeugt, dass die Funktion der Sprache genuin in der \u00dcbermittlung der Wahrheit liege. Als der spanische Gesandte Iszquierdo ihn an fr\u00fchere Versprechen zugunsten Karls IV, von Spanien erinnerte, verdutzte ihn der Franzose bekanntlich mit dem Hinweis, dass der Mensch die Sprache erhalten habe, um seine Gedanken verbergen zu k\u00f6nnen. Tr\u00e4fe dies zu, und alle Menschen w\u00e4ren tats\u00e4chlich L\u00fcgner, so wie Psalm 116 uns lehrt, dann w\u00e4ren Aussagen in hohem Grade unzuverl\u00e4ssig, und niemand k\u00f6nnte sich auf die Informationen seiner Mitmenschen verlassen. Nicht einmal \u00fcberlebensnotwendigen Botschaften wie Warnungen vor verseuchtem Trinkwasser k\u00f6nnte getraut werden. Und auch die Gewissheit, einem L\u00fcgner ausgesetzt zu sein, w\u00fcrde kaum ausreichen, um die Wahrheit indirekt erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Denn die Kehrseite der Wahrheit sind hunderttausend Erscheinungsformen, sodass nicht schlicht das Gegenteil der L\u00fcge angenommen werden k\u00f6nnte, wie Michel de Montaigne betont. Er schreibt \u00fcber die L\u00fcgner: &#132;In Wahrheit ist das L\u00fcgen ein verfluchtes Laster. [&#8230;] Wenn uns Schwere und Abscheulichkeit dieses Lasters bewusst w\u00e4ren, w\u00fcrden wir es berechtigter mit Feuer und Schwert verfolgen als andere Schandtaten.&#148; (Montaigne 2002: 56) Doch sogleich schr\u00e4nkt er sein Werturteil ein: &#132;Wenn ich freilich jemals in die Lage k\u00e4me, mich aus einer offenkundig t\u00f6dlichen Gefahr durch eine dreiste, in aller Form vorgebrachte L\u00fcge retten zu k\u00f6nnen, bin ich nicht sicher, ob ich stark genug w\u00e4re, dieser Versuchung zu widerstehn.&#148; (ebd.: 57)<\/p>\n<p>Montaigne war sich bewusst, dass das Wahrheitsgebot mit anderen Geboten konfligieren und durch sie eingeschr\u00e4nkt werden kann. Dies sei bereits immer dann der Fall, so Hugo Grotius, wenn dem Gegen\u00fcber das Recht fehlt, die Wahrheit zu erfahren. Dann sei es nicht verwerflich, ihn mit einer Falschaussage zu t\u00e4uschen (vgl. Dietz 2002: 134-139). Zu diesem Schluss kommt auch Benjamin Constant. Er behauptet, der moralische Grundsatz, immer die Wahrheit sagen zu m\u00fcssen, mache jedes menschliche Zusammenleben unm\u00f6glich. Dennoch sei es eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Doch was sind Pflichten? Constant: &#132;Die Idee der Pflicht ist von der des Rechts nicht zu trennen. Eine Pflicht ist das, was in dem einen Wesen den Rechten des anderen Gen\u00fcge tut. Wo es keine Rechte gibt, gibt es auch keine Pflichten. Die Wahrheit zu sagen, ist eine Pflicht also nur denjenigen gegen\u00fcber, die ein Recht auf Wahrheit haben. Nun aber hat kein Mensch ein Recht auf die Wahrheit, die einem anderen schadet.&#148; (Constant 1986: 24) Mit diesem Gedanken erregte Constant insbesondere Immanuel Kant, einen der wortm\u00e4chtigsten Gegner der L\u00fcge. Dieser zitiert in einer seiner Schriften anfangs Chrysippos &#132;in seiner stoischen Kraftsprache: ,Die Natur hat dem Schwein statt Salzes eine Seele beigegeben, damit es nicht verfaule&#148;. (Kant: Verk\u00fcndigung A485) Kant erg\u00e4nzt: &#132;Die L\u00fcge [&#8230;] ist der eigentlich faule Fleck in der menschlichen Natur&#148; (ebd.: A504). Was einen Mensch auszeichnet, der eine Seele besitzt, l\u00e4sst sich folglich erahnen: Er l\u00fcgt nicht. Kant vermutet katastrophale Folgen, falls geringste Ausnahmen des L\u00fcgenverbotes zugestanden w\u00fcrden. Wahrhaftigkeit sei eine formale Pflicht, und ihre Nichtbefolgung f\u00fchre zwangsl\u00e4ufig zum Anwachsen der Unglaubhaftigkeit bis schlie\u00dflich &#132;Aussagen (Deklarationen) \u00fcberhaupt keinen Glauben finden, mithin auch alle Rechte, die auf Vertr\u00e4gen gegr\u00fcndet werden wegfallen und ihre Kraft einb\u00fc\u00dfen; welches ein Unrecht ist, das der Menschheit \u00fcberhaupt zugef\u00fcgt wird&#148;. (Kant: Vermeintes Recht A305) Nicht einmal jemand, der offensichtlich ein Verbrechen ver\u00fcben m\u00f6chte, d\u00fcrfte durch eine L\u00fcge daran gehindert werden, so Kant. Denn der L\u00fcgner w\u00e4re sonst f\u00fcr s\u00e4mtliche Folgen seines Tuns verantwortlich. Und es k\u00f6nnte ja gerade so sein, dass durch die L\u00fcge das Verbrechen erst erm\u00f6glicht wird. Fragt ein M\u00f6rder etwa, ob sein Opfer in spe zu Hause sei, und es wird ihm ehrlich mit Ja geantwortet, dann kann das Opfer doch unbemerkt ausgegangen sein und so seiner Ermordung entgehen. Wird jedoch gelogen, dass es nicht zu Hause sei, und es ist tats\u00e4chlich unbemerkt ausgegangen und l\u00e4uft dem M\u00f6rder nun in die Arme, dann sollte der L\u00fcgner als Urheber des Verbrechens, dass er durch seine L\u00fcge erm\u00f6glicht hat, angeklagt werden, so fordert Kant. Kein edelm\u00fctiges Motiv und nicht einmal lebensbedrohliche Situationen k\u00f6nnten in seinen Augen eine L\u00fcge entschuldigen. Diese Position hat den Vorteil der Klarheit und Eindeutigkeit, doch werden wir ihr nur ungern zustimmen.<\/p>\n<p><i>Wider den Rigorismus<\/i><\/p>\n<p>Denn offensichtlich ist es nicht unter allen Umst\u00e4nden richtig, die Wahrheit zu sagen, und es ist nicht immer verkehrt zu l\u00fcgen. H\u00e4ufig gilt es zu ber\u00fccksichtigen, dass Wahrhaftigkeit mit anderen Werten und Normen kollidieren kann, so etwa mit der in westlichen Gesellschaften allgemein anerkannten Pflicht, nach M\u00f6glichkeit unschuldige Personen vor gro\u00dfen Sch\u00e4den zu bewahren. Eine exponierte Stellung der Ehrlichkeit lie\u00dfe sich dort nicht rechtfertigen. Denn schlie\u00dflich enthielte die Bereitschaft, alle anderen Werte der Wahrhaftigkeit zu opfern, implizit eine Hierarchie, nach der die L\u00fcge schlimmer w\u00e4re als der Tod. Vor allem Arthur Schopenhauer wandte sich gegen Kant und dessen rigorose Ablehnung der L\u00fcge: &#132;Kants bei jeder Gelegenheit zur Schau getragener, unbedingter und grenzenloser Abscheu gegen die L\u00fcge beruht entweder auf Affektation, oder auf Vorurteil: in dem Kapitel seiner ,Tugendlehre` von der L\u00fcge schilt er diese zwar mit allen ehrenr\u00fchrigen Pr\u00e4dikaten, bringt aber gar keinen eigentlichen Grund f\u00fcr ihre Verwerflichkeit bei; welches doch wirksamer gewesen w\u00e4re.&#148; (Schopenhauer 1988: 582) Schopenhauer hielt es f\u00fcr vern\u00fcnftiger, in manchen Situationen dem Menschen ein Recht zur L\u00fcge zuzusprechen. So sei das L\u00fcgen vorzugsweise dann gestattet, wenn es gelte, eine List zu kontern, unbefugte Fragen abzuwehren oder einer Notwehrlage zu entkommen. Mit Friedrich Nietzsche erreicht die Apologie der L\u00fcge schlie\u00dflich ihren H\u00f6hepunkt. Anstelle jedoch Vorz\u00fcge der L\u00fcge zu preisen, stellt er vollends die Wahrheit und deren Wertsch\u00e4tzung in Frage: &#132;Der Intellekt, als ein Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkr\u00e4fte in der Verstellung [.,.]. Im Menschen kommt diese Verstellungskunst auf ihren Gipfel: hier ist die T\u00e4uschung, das Schmeicheln, L\u00fcgen und Tr\u00fcgen, das Hinter-dem-R\u00fccken-Reden, das Repr\u00e4sentieren, das im er borgten Glanzes Leben, das Maskiert sein, die verh\u00fcllende Konvention, das B\u00fchnenspiel vor Anderen und vor sich selbst, kurz das fortw\u00e4hrende Herumflattern um die eine Flamme Eitelkeit so sehr die Regel und das Gesetz, das fast nichts unbegreiflicher ist, als wie unter den Menschen ein ehrlicher und reiner Trieb zur Wahrheit aufkommen konnte.&#8220; (Nietzsche: KSA 1.876) Nietzsche ist ebenso extrem wie Kant, doch genauso wie jener vermag dieser uns nicht zu \u00fcberzeugen. Denn auch Nietzsche geht zu weit, etwa wenn er behauptet, dass Wahrheiten nichts anderes w\u00e4ren als Illusionen, von denen man nur vergessen habe, dass sie Illusionen seien (vgl. KSA 1.880f.). Demnach g\u00e4be es \u00fcberhaupt keine Wahrheit. Dieser Satz jedoch (&#132;Es gibt keine Wahrheit!&#8220;) muss falsch sein. Denn entweder ist der Satz wahr, so dass es offenbar doch Wahrheit geben muss. Oder aber er ist falsch, so dass es erst recht Wahrheit gibt.<\/p>\n<h5>Gute und sch&ouml;ne L&uuml;gen<\/h5>\n<p><i>Diskrepanz des Wahren, Sch\u00f6nen und Guten<\/i><\/p>\n<p>Die Wahrheit muss nicht beseitigt werden, um die Rehabilitierung der L\u00fcge voranzubringen. Den Wert von wahrhaftigen Botschaften zu schm\u00e4lern gen\u00fcgt v\u00f6llig. Vielleicht reicht es schon aus zu sehen, dass das Wahre nicht per se mit dem Sch\u00f6nen und Guten zusammenf\u00e4llt und auch nicht wie jene intrinsisch wertvoll ist. Zwar bewundern wir das Sch\u00f6ne ob seiner Sch\u00f6nheit und das Gute, weil es gut ist. Das Wahre aber, wie es uns die t\u00e4glichen Schreckensmeldungen der Nachrichten nahe bringen, halten wir h\u00e4ufig weder f\u00fcr sch\u00f6n noch f\u00fcr gut. Das Wahre um seiner Wahrheit willen positiv zu bewerten ist also unangebracht (vgl. Rott 2003: 19f.). Nicht die Wahrheit f\u00fchrt h\u00e4ufig zu et-was Sch\u00f6nem und Gutem, sondern die L\u00fcge. Manche Patienten z.B. werden von Medizinern mit Placebo-Medikamenten versorgt, die nichts anderes enthalten als Kochsalzl\u00f6sung. Der Arzt aber erz\u00e4hlt, es handle sich um hocheffiziente Wirkstoffe &#151; und den Patienten geht es sogleich viel besser. Mit Placebos kann der Arzt Ergebnisse erzielen, die normalerweise ausschlie\u00dflich durch die Gabe aktiv wirksamer Medikamente erreicht werden. Starke Schmerzen, heftige Beschwerden und andere Symptome k\u00f6nnen auf diese Weise gelindert werden. Placebos k\u00f6nnen sogar zu Erfolgen f\u00fchren, wo es keine wirklich effektive Therapie gibt: Sie k\u00f6nnen Gef\u00fchle wie Zuversicht und Geborgenheit hervorrufen und dazu beitragen, \u00c4ngste, Hoffnungs- und Hilflosigkeit zu bek\u00e4mpfen. Wer wollte solche T\u00e4uschungsman\u00f6ver verteufeln?<\/p>\n<p><i>Makel der Ehrlichkeit<\/i><\/p>\n<p>Ehrlichkeit kann \u00e4u\u00dferst r\u00fccksichtslos und verletzend sein. Viele L\u00fcgen dagegen wer-den in bester Absicht getan, z.B. um jemanden gl\u00fccklich zu machen, den die Wahrheit betr\u00fcbt, um Sorge und Kummer zu vertreiben, um Kr\u00e4nkung zu ersparen oder angeknackstes Selbstbewusstsein zu schonen. Paradigmatische F\u00e4lle solcher L\u00fcgen sind besch\u00f6nigende Antworten auf die Frage &#132;Wie gef\u00e4llt dir meine neue Frisur?&#148;, ein beruhigendes &#132;Ich bin mir sicher, es wird alles gut gehen&#148;, wenn das Kind vor dem morgigen Mathe test nicht einschlafen kann, unrealistische Ermutigungen von Kranken etc. Andere L\u00fcgen er-m\u00f6glichen Privatsph\u00e4re oder sichern ein Geheimnis, wo blo\u00dfes Schweigen schon die Antwort w\u00e4re, z.B. wenn die schwatzhafte Nachbarin fragt, ob wir wirklich so wenig verdienen oder tats\u00e4chlich so viel Bargeld in der Wohnung haben. Wieder andere L\u00fcgen sind der sozialen Intelligenz geschuldet, denn viele Menschen m\u00f6chten in Gesellschaft gar nicht wissen, was die anderen tats\u00e4chlich von ihnen halten und \u00fcber sie denken. Hier gilt das kaukasische Sprichwort: Wer die Wahrheit sagt, sollte die Pferde gesattelt lassen.<\/p>\n<p><i>Der Wert der L\u00fcge[1]<\/i><\/p>\n<p>Wer auch solche gute L\u00fcgen verurteilen will, muss auf abstrakte Sch\u00e4digungen zur\u00fcck-greifen: Entt\u00e4uschte Erwartungshaltungen, der Missbrauch von Vertrauen und die Beschr\u00e4nkung der Selbstbestimmung des Belogenen sind aussichtsreiche Kandidaten, um noch die beste aller L\u00fcgen zum Wohle der Menschheit zu diskreditieren. Warum aber sollte man erwarten, unter allen Umst\u00e4nden die Wahrheit gesagt zu bekommen? Wieso halten wir auch v\u00f6llig fremde Menschen, die uns einen Gebrauchtwagen verkaufen oder immer famosere Wahlversprechen geben, f\u00fcr vertrauensw\u00fcrdig? Ein Blick auf die evolution\u00e4ren Urspr\u00fcnge von Ehrlichkeit und Verlogenheit mag da helfen: In kleinen Gruppen von J\u00e4gern und Sammlern war es \u00fcberlebenswichtig, dass jeder Zugeh\u00f6rige ad\u00e4quate Informationen lieferte. Wenn ein L\u00fcgner seine Kumpane \u00fcber Ort, Anzahl und die offenbare Kampfkraft von Tieren oder Feinden belog, dann konnte dies fatale Konsequenzen haben und wom\u00f6glich den Tod vieler Angeh\u00f6riger bedeuten. Die Existenz der eigenen Gruppe wurde also umso besser gesichert, je mehr ehrliche Informationen \u00fcber potenzielle Gefahren und Nahrungsquellen weitergegeben wurden (vgl. Wuketits 1993: 208f.). Da aber Menschen unterschiedlichen Gemeinschaften angeh\u00f6ren, die ganz unterschiedliche Arten und Auspr\u00e4gungen der Kooperation, des Konflikts und der Konkurrenz ausbilden, w\u00e4re das Aufkommen eines Gebotes nach blinder Ehrlichkeit v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Zwar ist die Forderung nach Wahrhaftigkeit ohne weiteres nachvollziehbar im Rahmen von Freundschaft und Zusammenarbeit. Keineswegs aber w\u00e4re es verst\u00e4ndlich, warum ich auch meinem Gegner oder gar Feinde die Wahrheit schulden sollte (vgl. Mackie 1983: 233f.). Nicht umsonst betrachtet die Entwicklungspsychologie die L\u00fcge als eine Art Intelligenztest. Denn die F\u00e4higkeit zu l\u00fcgen gilt dort als Indikator f\u00fcr Abstraktionsverm\u00f6gen vom eigenen Wissen. Die moderne Evolutionsbiologie geht sogar einen Schritt weiter und konstatiert, dass L\u00fcgen und andere T\u00e4uschungsman\u00f6ver einen enormen Selektionsdruck f\u00fcr die Entwicklung von Bewusstsein, Intelligenz und Moralit\u00e4t dargestellt haben. Ein Gro\u00dfteil der psychischen Grundausstattung von Menschen, z.B. die Neigung zu Vorurteilen, Misstrauen, Sympathie und Antipathie, Schuldgef\u00fchle und Dankbarkeit, scheint durch die nat\u00fcrliche Auslese in unseren Gehirnen herangez\u00fcchtet worden zu sein, damit wir Betr\u00fcger entlarven und selber besser vermeiden k\u00f6nnen, bei Betrugsman\u00f6vern aufzufallen (vgl. Dawkins 2001: 303). Demnach w\u00e4re die L\u00fcge eine treibende Kraft zur Entwicklung von Geist, Sprache und Kultur. Benutzen wir also unsere geistige Grundausr\u00fcstung und lernen aus unseren Erfahrungen. Es lohnt sich, auf der Hut zu sein, vor gemeinen L\u00fcgnern, die uns schaden und \u00fcbert\u00f6lpeln wollen. Ihnen wird niemand einen Freibrief f\u00fcr ihre Hinterh\u00e4ltigkeiten ausstellen wollen. Gehen wir aber auch davon aus, dass es um uns herum viele aufgekl\u00e4rte Kulturwesen gibt, die ihre Intelligenz dazu verwenden, um gute und sch\u00f6ne Ziele zu verwirklichen, was ihnen zuweilen nur mit einer L\u00fcge gl\u00fccken kann. Solche L\u00fcgen undifferenziert als Erz\u00fcbel abzuurteilen w\u00fcrde bedeuten, eventuell heilbringende Wirkungen von L\u00fcgen und gleichfalls eventuell schaden bringende Wirkungen von Wahrhaftigkeit zu \u00fcbergehen. Deshalb m\u00fcssen bei der moralischen Beurteilung kontextuelle Faktoren, wie Motiv und Konsequenz der L\u00fcge verrechnet werden. Einige Vorschl\u00e4ge zur tendenziellen Evaluierung der L\u00fcge: Je hochwertiger die konkurrierenden Werte sind, mit denen das Wahrheitsgebot kollidiert, desto eher ist es erlaubt zu l\u00fcgen. Je weniger Schaden eine L\u00fcge hervorruft, desto eher ist sie akzeptabel. Je weniger Anspruch auf Ehrlichkeit der Kommunikationspartner besitzt, desto weniger verwerflich ist die L\u00fcge. Je trivialer die Situation ist, je weniger ernst, desto verzeihlicher ist es zu l\u00fcgen. Je weniger Alternativen zur L\u00fcge zur Verf\u00fcgung stehen, desto eher ist die L\u00fcge erlaubt. Manche L\u00fcge w\u00e4re auf diese Weise rehabilitiert.<\/p>\n<p>[1] Diese \u00dcberschrift wurde entlehnt bei Dietz 2002.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Augustinus, Aurelius 1953 [395\/420 n. Chr.]: Die L\u00fcge und Gegen die L\u00fcge, W\u00fcrzburg Ders. 1979 [ca. 400 n. Chr.]: Bekenntnisse, Stuttgart<br \/>Constant, Benjamin 1986 [1797]: \u00dcber politische Reaktion; in: Geismann, Georg\/Oberer, Hariolf (Hg.): Kant und das Recht der L\u00fcge, W\u00fcrzburg, S. 23-25<br \/>Dawkins, Richard 2001: Das egoistische Gen, Reinbek<br \/>Dietz, Simone 2002: Der Wert der L\u00fcge. \u00dcber das Verh\u00e4ltnis von Sprache und Moral, Paderborn Erasmus von Rotterdam 1947 [1519]: Die Kunst zu l\u00fcgen; in: Ders.: Vertraute Gespr\u00e4che, K\u00f6ln, S. 53-59 Kant, Immanuel 1968 [1796]: Verk\u00fcndigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden<br \/>in der Philosophie; in: Ders.: Werke in zw\u00f6lf B\u00e4nden, hg. v. Wilhelm Weischedel, Bd. 6, Frank-<br \/>furtlMain, S. 403-416<br \/>Ders. 1968 [1797]: \u00dcber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu l\u00fcgen; in: Ders.: Werke in zw\u00f6lf B\u00e4nden, hg. v. Wilhelm Weischedel, Bd. 8, Frankfurt\/Main, S. 635-643<br \/>Machiavelli, Niccol\u00f6 1841 [1532]: Der F\u00fcrst, Darmstadt<br \/>Mackie, John Leslie 1983: Ethik. Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen, Stuttgart Montaigne, Michel de 2002 [1580]: \u00dcber die L\u00fcgner; in: Ders.: Essais, Bd. 1, Frankfurt\/Main, S. 52-60 Nietzsche, Friedrich 1999 [1873]: Ueber Wahrheit und L\u00fcge im aussermoralischen Sinne; in: Ders.:<br \/>S\u00e4mtliche Werke. Kritische Studienausgabe (KSA) hg. v. Giorgio Colli u. Mazzino Montinari,<br \/>Bd.l, M\u00fcnchen, S. 873-890<br \/>Rott, Hans 2003: Der Wert der Wahrheit; in: Mayer, Mathias (Hg.): Kulturen der L\u00fcge, K\u00f6ln, S. 7-34 Schopenhauer, Arthur 1988 [1840]: Preisschrift \u00fcber die Grundlage der Moral; in: Arthur Schopenhauers Werke in f\u00fcnf B\u00e4nden, hg. v. Gerd Haffmanns, Bd. 3, Z\u00fcrich, S. 459-632<br \/>Sommer, Volker 1992: Lob der L\u00fcge, M\u00fcnchen<br \/>Wuketits, Franz M. 1993: Verdammt zur Unmoral? Zur Naturgeschichte von Gut und B\u00f6se, M\u00fcnchen<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2305],"publikationen":[1086],"class_list":["post-12001","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-gerit-hoppe","publikationen-167-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine kleine Rehabilitierung der L\u00fcge - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/167-vorgaenge\/publikation\/eine-kleine-rehabilitierung-der-luege\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Eine kleine Rehabilitierung der L\u00fcge - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: Vorg\u00e4nge Nr. 167 ( Heft 3\/2004 ), S. 39-46 &#132;Der Ruf des Tadelnswerten eilt der L\u00fcge voran, w\u00e4hrend der Leumund ihrer sauberen Schwester, der Wahrheit, als unbefleckt gilt. 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