{"id":12044,"date":"1976-12-31T11:30:00","date_gmt":"1976-12-31T10:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/berufliche-bildungschancen-von-frauen\/"},"modified":"1976-12-31T12:00:00","modified_gmt":"1976-12-31T11:00:00","slug":"berufliche-bildungschancen-von-frauen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/berufliche-bildungschancen-von-frauen\/","title":{"rendered":"Berufliche Bildungschancen von Frauen"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 24 (Heft 6\/1976), S.103-107<\/p>\n<p><i>Ursula Linnhoff\/Brunhilde Sauer: Berufliche Bildungschancen von Frauen, Verlag Otto Schwartz, G\u00f6ttingen, 318 S, 28 DM.<\/i><\/p>\n<p>Die neu erschienene Untersuchung von Linnhoff\/ Sauer: Berufliche Bildungschancen von Frauen, eine Studie f\u00fcr die Kommission f\u00fcr wirtschaftlichen und sozialen Wandel (G\u00f6ttingen), besch\u00e4ftigt sich mit einem bis jetzt immer noch selten ausf\u00fchrlich und detailliert untersuchten Thema, das weder ein aktueller Gegenstand der Bildungsforschung noch <br \/>der Berufsforschung wurde. Der gesellschaftlichen Bedeutung des Themas wurde damit <br \/>in Forschung und Wissenschaft nicht Rechnung getragen. Auch von kritischer Seite kommen nur wenig Beitr\u00e4ge. Die meisten enthalten nur quantitative, globale Daten oder Ergebnisse von Sozialdatenerhebungen (Einstellung zu Bildung und Beruf)(1). Von marxistischer Seite wurde haupts\u00e4chlich die Lage der Industriearbeiterin untersucht oder auf die klassenspezifische Unterprivilegierung in Bildungssituationen hingewiesen(2). Es besteht im allgemeinen die Tendenz, die Bildungs-und Berufssituation der Frau sowie die Lohnsituation als klassen- bzw. schichtenspezifisches Problem zu betrachten. Die Frage des Bildungs- und Berufsstatus der Frau ist jedoch kein Problem, das im Rahmen marxistischer Klassenanalyse schon ausreichend untersucht w\u00e4re. Wer Daten zur Berufsstruktur kennt und \u00fcber Lohnunterschiede genauer informiert ist, wei\u00df, da\u00df z.B. die Differenzen zwischen M\u00e4nner- und Frauenl\u00f6hnen auf h\u00f6heren Qaulifikationsstufen gr\u00f6\u00dfer sind als auf den unteren. Nach letzten Angaben betragen die Lohnunterschiede in der Manufakturindustrie der BRD f\u00fcr die unqualifizierten Arbeiterinnen 21,8%, f\u00fcr die halbqualifizierten 25,6 % und f\u00fcr die qualifizierten 26,8%. In der Textilindustrie betr\u00e4gt die Lohndifferenz im Durchschnitt 20,5 %. Jedoch betreffen diese Lohnunterschiede nicht nur die Industriearbeiterinnen, auch Diplomchemikerinnen werden in der Industrie bis zu 22% geringer entlohnt als Chemiker(3).<br \/>Man kann den gesellschaftlichen Status der Frau nur richtig beurteilen, wenn man ihre Bildungs-und Berufssituation im ganzen untersucht. Gerade in den qualifizierten Berufen spielt sich der sch\u00e4rfste Kampf zwischen Emanzipation und Gegenemanzipation ab, wie Marguerita von Brentano (Lehrstuhl an der FU Berlin) in einem Aufsatz \u00fcber &#132;Die Situation der Frauen und das Bild der Frau an der Universit\u00e4t&#8220;(4) einmal richtig bemerkte. Ausf\u00fchrliche Untersuchungen zur Bildungs- und Berufsstruktur und ihrer Entwicklung sowie zu ihren polit\u00f6konomischen und sozialen Ursachen und Bedingungen stehen bis jetzt nicht zur Verf\u00fcgung.<br \/>Das Ver\u00f6ffentlichungsbild zum Thema Bildung, das sich bietet, ist im ganzen unkritisch und museal. Eine Reihe von Beitr\u00e4gen ohne Informationswert befa\u00dft sich noch mit der sogenannten M\u00e4dchenbildung. Die Bezeichnung &#132;M\u00e4dchen&#148; findet sich sogar in kritischen Ver\u00f6ffentlichungen f\u00fcr Studentinnen, ohne da\u00df jemals eine m\u00e4nnliche Parallelbezeichnung zu lesen w\u00e4re (vgl. Gerstein, Studierende M\u00e4dchen, 1965)(5). Traditionelle Diskriminierungen in Beitr\u00e4gen, deren kritischer Gegenstand die Unterprivilegierung ist: es mag ein Zusammenhang gesehen werden zwischen dem Status der Frau im Bildungs- und Berufssektor in der Bundesrepublik und dem R\u00fcckstand von Forschung und Kritik auf diesem Gebiet. So wurde z.B. in Frankreich zu diesen Themen sehr viel mehr ver\u00f6ffentlicht als bei uns (wie dort \u00fcberhaupt mehr zur Frauenfrage geschrieben wurde).<br \/>Im Rahmen internationaler Vergleichsuntersuchungen schneidet die Bundesrepublik auf dem Bildungs- und Berufssektor, was die Situation der Frau betrifft, im allgemeinen schlecht ab. So kommt Helge Pross in ihrem letzten Beitrag &#132;Gleichberechtigung im Beruf?&#148; (1973) zu dem Ergebnis: &#132;Soweit den Daten entnehmbar, stellen Italien und die Bundesrepublik hinsichtlich des Bildungs- und Ausbildungsstandes der abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigten Frauen innerhalb der EWG die Schlu\u00dflichter dar&#8220;(6) Auch ein j\u00fcngerer Vergleich der Lohndifferenzen der Industriearbeiterinnen weist der Bundesrepublik nur einen Platz nach Frankreich und Italien zu (vgl. Anm. 3).<br \/>Linnhoff\/Sauer kommen in ihrer Vergleichsstudie \u00fcber die beruflichen Bildungschancen von Frauen in 6 L\u00e4ndern: der BRD, Frankreich und Schweden und 3 sozialistischen L\u00e4ndern: der DDR, UdSSR und CSSR zu einem \u00e4hnlich negativen Ergebnis, n\u00e4mlich, da\u00df zur F\u00f6rderung beruflicher Bildungschancen &#132;in der BRD die Situation am ung\u00fcnstigsten ist&#148; (175). F\u00fcr die direkten Ansatzstellen zur F\u00f6rderung der beruflichen Bildungschancen werden bei LinnhofflSauer f\u00fcr die Bundesrepublik besonders folgende r\u00fcckschrittliche Tatsachen genannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Im Familienrecht der BRD wird das Hausfrauenleitbild vertreten; BGB \u00a7 \u00a7 1356\/1360, <br \/>\u00a7 1356: &#132;Die Frau f\u00fchrt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbst\u00e4tig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.&#148;<\/li>\n<li>Die Lohngleichheit wird nicht speziell garantiert, sondern nur indirekt durch Art 3, Abs. 3 des Grundgesetzes (GG), also durch den allgemeinen Gleichberechtigungsartikel.<\/li>\n<li>Die Lohndifferenzen sind in der BRD am ausgepr\u00e4gtesten; vor allem Leichtlohngruppen sind ein spezielles Problem in der BRD.<\/li>\n<li>Die sozialen Einrichtungen zur Kinderbetreuung sowie Serviceeinrichtungen sind hier am schlechtesten ausgebaut.<\/li>\n<li>Die BRD hat den niedrigsten Studentinnenanteil mit 31 % gegen\u00fcber Schweden mit 40% und Frankreich mit 45,8% (1968). <\/li>\n<li>Hinzukommen: Verbot der Nachtarbeit, Besch\u00e4ftigungsverbote, eine schlechte Berufsberatung und ein geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztere Tatsachen sind jedoch nicht nur f\u00fcr die Bundesrepublik charakteristisch, sondern auch f\u00fcr Frankreich. Schlie\u00dflich sind dar\u00fcber hinaus feminisierte Berufe und geringe Beteiligung an Berufsfortbildung in allen drei sogenannten Westl\u00e4ndern zu finden. Trotz relativer \u00c4hnlichkeiten der Situationen kommen Linnhoff\/Sauer zu dem Ergebnis, &#132;da\u00df es im Vergleich zur BRD und Frankreich in Schweden in allen angesprochenen Bereichen die meisten und besten konkreten Ans\u00e4tze zur F\u00f6rderung beruflicher Bildungschancen von Frauen gibt&#148; (179\/180). Es bleibt jedoch zu betonen, da\u00df auch in Frankreich die Si-tuation besser ist als in der Bundesrepublik. Die Franz\u00f6sin hat im allgemeinen eine bessere Qualifikationsstruktur und einen gleichberechtigteren sozialen Status. Vor allem wird in Frankreich, wie schon erw\u00e4hnt, seit Jahren viel ausf\u00fchrlicher, detaillierter und kritischer \u00fcber diese Fragen wissenschaftlich und politisch gearbeitet als bei uns. Auch sind die Voraussetzungen f\u00fcr umfangreiche statistische Informationen in Frankreich sehr viel besser. In der Bundesrepublik dagegen sind demographische und statistische Angaben f\u00fcr die Frauenerwerbsarbeit erst etwa seit 1960 vollst\u00e4ndig.<br \/>Will man, abgesehen von der Best\u00e4tigung des R\u00fcckstandes in der Bundesrepublik auf diesem Gebiet, eine gesellschaftliche Perspektive entwickeln, mu\u00df man nach den gemeinsamen Merkmalen fragen, die sich \u00fcberall finden: Der geteilte Arbeitsmarkt, feminisierte Berufe, Lohndifferenzen, Doppelrolle, Sozialisationsdefizite etc. bestimmen auch in sozialistischen Staaten das Bild. Fazit Linnhoff\/Sauer: &#132;Die berufliche Situation der Frauen ist in . allen L\u00e4ndern durch eine schlechte Aufstiegs- und Lohnsituation charakterisiert.&#148; In sozialistischen L\u00e4ndern hat die Frau prinzipiell eine qualifiziertere Position im Bildungs- und Berufssektor und F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen sind in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe vorhanden und werden auch h\u00e4ufiger wahrgenommen; in Schweden wird noch am ehesten der geteilte Arbeitsmarkt erkannt und es wurden Ma\u00dfnahmen zur Nivellierung der Arbeitsteilung der Geschlechter eingeleitet.<br \/>Bleibt also am Schlu\u00df zu fragen, ob Schweden oder die sozialistischen Staaten Orientierungen bieten f\u00fcr Reformvorschl\u00e4ge. Die Situation in Schweden scheint sich unter den Vergleichsl\u00e4ndern noch am progressivsten auszunehmen. Die Autorinnen ziehen jedoch keine weiteren Schlu\u00dffolgerungen. Die Untersuchung will vorerst nur Situationsbeschreibung und -bewertung der 6 L\u00e4nder sein, eine Vorstudie f\u00fcr daran anschlie\u00dfende &#132;vertiefende Untersuchungen zu den einzelnen gesellschaftspolitischen Bereichen, die f\u00fcr die F\u00f6rderung der beruflichen Bildungschancen der Frau direkt oder indirekt relevant werden k\u00f6nnen&#148; (Einleitung VI). Die wesentliche Kritik der Studie ist die an nicht eingel\u00f6sten Rechten sowie an einschr\u00e4nkenden Gesetzen und fehlenden Reformma\u00dfnahmen. Es fragt sich gerade auf dem Hintergrund der l\u00fcckenhaften Literatur, welchen Informations- und Kritikwert die Studie von Linnhoff\/Sauer hat, die faktenreiches Material zu Rechtsnormen, Gesetzen, sozialen Ma\u00dfnahmen etc. bis hin zu Steuersystemen enth\u00e4lt. Wichtige Fakten zur Bildungs- und Berufsstruktur jedoch enth\u00e4lt sie nur wenig, besonders f\u00fcr die Bundesrepublik, die meisten noch zu Frankreich. Eine Analyse der Bildungs- und Berufsstruktur h\u00e4tte au\u00dferdem die empirischen Daten im Kontext einer polit\u00f6konomischen und soziologischen Analyse auszuwerten. Hier f\u00fcllt die Untersuchung von Linnhoff\/Sauer keine Informationsl\u00fccke. Die Bildungs- und Berufsstruktur der Frau bleibt immer noch unbefriedigend untersucht, vor allem was ihre Entwicklung betrifft. Die bei Linnhoff\/Sauer untersuchten direkten Ansatzstellen sind haupts\u00e4chlich \u00dcberbaufaktoren. Positiv bleibt zu vermerken, da\u00df das Thema Bildung! Beruf \u00fcberhaupt untersucht wird und da\u00df es sich um eine breit angelegte internationale Vergleichsstudie handelt, denn erst internationale Vergleiche erm\u00f6glichen Schlu\u00dffolgerungen und Ver\u00e4nderungsperspektiven. Neu sind die Informationen \u00fcber Schweden. Es bleibt weiter positiv festzuhalten, da\u00df hier mit den sozialistischen Staaten nicht so unkritisch verfahren wird, wie es sonst bei Vergleichen h\u00e4ufig der Fall ist, die nur quantitative Daten ber\u00fccksichtigen, nicht aber die qualitativen Faktoren des Bildungs-, Berufs- und sozialen Status der Frau(7). Der R\u00fcckstand der BRD auf diesem Sektor wird noch einmal best\u00e4tigt: Wirtschafts-Riese &#8211; Bildungszwerg, besonders was die Qualifikationsstruktur der Frauen betrifft.<br \/>Die kritische Perspektive geht jedoch \u00fcber den juristisch-gesetzgeberischen Bereich, in dem Reformma\u00dfnahmen realisiert werden k\u00f6nnten, nicht hinaus. Es ist aber zu fragen, ob staatliche Reformma\u00dfnahmen auf dieser Ebene tief greifende Ver\u00e4nderungen in Bezug auf den sozialen Status der Frau einleiten k\u00f6nnen und ob es \u00fcberhaupt ihrer Funktion als solcher entspricht. Die Frage der Gleichberechtigung, des sozialen Status, wird nicht auf dem Sektor von Rechtsnormen und Gesetzen entschieden, der prinzipiell \u00dcberbau zur \u00f6konomischen Entwicklung und zur sozialen Realit\u00e4t ist, sie wird vielmehr in der sozialen Wirklichkeit entschieden. Da\u00df weder in sozialistischen L\u00e4ndern noch in Schweden die soziale Wirklichkeit den fortgeschrittenen Normen und sogenannten Leitbildern entspricht, sondern dahinter zur\u00fcckf\u00e4llt, mag kritisch stimmen gegen\u00fcber Reformperspektiven rechtlicher und gesetzlicher Art an einzelnen direkten Ansatzstellen im Bildungs- und Berufssektor und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung innerhalb von Systemen, deren Motor die \u00f6konomische Entwicklung und die arbeitsmarktpolitische Entscheidung ist. Der rechtlich-gesetzliche Bereich ist nicht Initiator der Entwicklung der Bildung- und Berufsstruktur und des sozialen Status der Frau, allenfalls formaler Garant. Ihre gesellschaftliche Position ist vielmehr Ergebnis ihrer Integration in den Arbeitsmarkt, Resultat der \u00f6konomischen Entwicklung und arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen in den westlichen kapitalistischen Staaten wie in den sozialistischen Staaten(8). Insofern ist die Frage der Bildung- und Berufschancen prim\u00e4r eine \u00f6konomische und soziale Frage, eine Perspek-tive, die in der Linnhoff\/Sauer-Studie fehlt, die aber schlie\u00dflich f\u00fcr den rechtlich-gesetzlichen Bereich entscheidend ist, wie f\u00fcr soziale Reformma\u00dfnahmen \u00fcberhaupt. Neben direkten Ansatzstellen werden bei Linnhoff\/Sauer die i n d i r e k t e n Ansatzstellen wie schulische und famili\u00e4re Sozialisation eingangs kurz erw\u00e4hnt sowie das vom Staat definierte sogenannte Leitbild. Es fragt sich, ob nicht gerade diese Bereiche in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe die soziale Realit\u00e4t und ihre Folgen bestimmen als die direkten Ansatzstellen im Berufssektor selbst, Die Autorinnen gehen jedoch auf diese Problematik nicht ein, sondern belassen es bei einem komplexen Verursachungszusammenhang: &#132;Der Verursachungszusammenhang, in dem die beruflichen Bildungschancen der Frau steht, ist sehr komplex und h\u00e4ngt entscheidend von der Rolle der Frau in dieser Gesellschaft ab&#148; (1); eine Art circulus vitiosus, wie es scheint. Diese sogenannte Rolle kann jedoch nur untersucht werden auf ihre \u00f6konomischen und sozialen Ursachen hin, sie ist Resultat der \u00f6konomischen und historischen Entwicklung. Da\u00df sie nicht, objektivistisch gesehen, allein Ergebnis dieser Entwicklung ist, sondern da\u00df die Entwicklung von den Frauen ebenfalls gef\u00f6rdert und sogar oft stabilisiert wurde und wird, steht au\u00dfer Frage.<br \/>Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen nur von denen eingeleitet werden, um deren Rechte es geht. Es von denjenigen zu erwarten, die bis jetzt vorwiegend die Entwicklung gegenemanzipatorisch lenkten, ist illusion\u00e4r (vor allem, wenn man bedenkt, da\u00df in der Bundesrepublik noch nicht einmal die Fristenl\u00f6sung als Reform des \u00a7 218 legalisiert wurde). Gleichberechtigung kann zwar durch Reformma\u00dfnahmen etwas g\u00fcnstigere Bedingungen erhalten, aber sie kann nicht durch sie erreicht werden. Sie ist das Ergebnis einer anderen gesellschaftlichen Identit\u00e4t der Frau, ihrer gesellschaftlichen und polit\u00f6konomischen Konsequenzen. Ob es Gleichberechtigung gibt oder nicht, wird in der sozialen Realit\u00e4t ent-schieden, auch auf dem Bildung- und Berufssektor.<br \/>Die soziale Wirklichkeit unabh\u00e4ngig von staatlichen Normen zu bestimmen und zu beherrschen, bezeichnet man als Emanzipation- das ist die &#132;von-unten-Perspektive&#148;, die letztlich entscheidend ist. In den westlichen L\u00e4ndern, wo Emanzipationstendenzen und -Debatten sich haupts\u00e4chlich auf den sexuellen Bereich konzentrieren, w\u00e4re zu betonen, da\u00df Bildung- und Berufschancen auch weiterhin den gesellschaftlichen Status der Frau bestimmen werden. Der sch\u00e4rfste Kampf zwischen Emanzipation und Gegenemanzipation wird sich auch in Zukunft in den qualifizierten Berufen abspielen, vor allem im produk-tiven und sch\u00f6pferischen Bereich; auch schlie\u00dflich in dem des politischen Engagements.<\/p>\n<p>(1) Vgl Hans Hofbauer: Ausbildungs- und Qualifikationsstruktur der erwerbst\u00e4tigen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland in: Gewerkschaftliche Monatshefte 11\/72, S 700: &#132;Der Mangel an Arbeitskr\u00e4ften in der Bundesrepublik Deutschland hat in besonderer weise dazu beigetragen, da\u00df Frauenerwerbst\u00e4tigkeit heute sehr stark unter quantitativen Gesichtspunkten diskutiert wird.&#148; &#150; Vgl. auch Eckart Thumm: Einstellungen der Eltern zur Rolle der Frau und die Schullaufbahn, M\u00fcnchen 1972 (Forschungsbericht Deutsches Jugendinstitut); Gertraud Reitz: Einstellungen von M\u00e4dchen zur Rolle der Frau und ihre Schullaufbahn, M\u00fcnchen 1973 (Forschungsbericht Deutsches Jugendinstitut). &#150; Eine nur globale Darstellung ist auch der Beitrag von Helge Pross: \u00dcber die Bildungschancen von M\u00e4dchen, Frankfurt 1969, 3. Aufl 1970.<br \/>(2) Vgl. Gisela Brandt\/Johanna Kootz\/Gisela Steppke: Zur Frauenfrage im Kapitalismus, Frankfurt 1973.<br \/>(3) Evelyne Sullerot, l&#8217;egailte de remuneration entre hommes et femmes dans les etats d&#8217;europe membres de la CEE (Lohngleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen in den europ\u00e4ischen Mitgliedstaaten der EG) in: Revue internationale du travail, vol 112, aug-sept, Genf 1975 S 108\/109. &#150; Die Lohndifferenzen in Frankreich betragen in der Manufakturindustrie bei den unqualifizierten Arbeiterinnen 15,6%, f\u00fcr die halbqualifizier-ten 19,4% und f\u00fcr die qualifizierten 25,8%; in der Textilindustrie betragen sie in Frankreich im ganzen 17%.<br \/>(4) Marguerita von Brentano: Die Situation der Frauen und das Bild der Frau an der Universit\u00e4t, in: Universit\u00e4t und Universalit\u00e4t. Universit\u00e4tstage Berlin 1963.<br \/>(5) Vgl. Hannelore Gerstein, Studierende M\u00e4dchen, Zum Problem des vorzeitigen Abgangs von der Universit\u00e4t, M\u00fcnchen 1965. &#150; Vgl auch Helga Deppe-wolfinger\/Jutta von Freyberg: Materialien zur sozialen Lage der Frauen in der BRD und der DDR, in: Vergleich der Gesellschaftssysteme, K\u00f6ln 1971, S 323: &#132;In der DDR w\u00e4hlten die M\u00e4d-chen bisher \u00fcberwiegend die gleichen Fachrichtungen wie bei uns, n\u00e4mlich Sprachwissenschaften, P\u00e4dagogik und Medizin. 1966 waren dort unter den Mathematikstudenten 16% M\u00e4dchen vertreten .,.&#148; &#132;M\u00e4dchenbildung hinkt nach&#148;, Artikel in &#132;informationen f\u00fcr die frau&#148;, Juni 1976, S 9, Hrg: Deutscher Frauenrat. Bonn-Bad Godesberg.<br \/>(6) Helge Pross: Gleichberechtigung im Beruf? Eine Untersuchung mit 7000 Arbeitnehmerinnen in der EWG, Frankfurt 1973, S 37 (Enquete \u00fcber die Arbeitsbedingungen).<br \/>(7) Vgl Florence Herve: Studentinnen in der BRD. Eine soziologische Untersuchung, K\u00f6ln, 1973; hier wird auf eine &#132;vorbildliche Stellung der Frau&#148; in sozialistischen L\u00e4ndern hingewiesen, S 142.<br \/>(8) Magdalena Sokolowska: Frauenemanzipation und Sozialismus Das Beispiel Polen, Reinbek 1973. (\u00dcbers aus dem Polnischen.) Die Frauenarbeit wird auch in sozialistischen Staaten von der staatlichen Arbeitsmarktplanung gelenkt; das wird in dem Beitrag nicht unkritisch ausgeklammert.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2338],"publikationen":[1313],"class_list":["post-12044","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-traute-richter","publikationen-24-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Berufliche Bildungschancen von Frauen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/berufliche-bildungschancen-von-frauen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Berufliche Bildungschancen von Frauen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg\u00e4nge Nr. 24 (Heft 6\/1976), S.103-107 Ursula Linnhoff\/Brunhilde Sauer: Berufliche Bildungschancen von Frauen, Verlag Otto Schwartz, G\u00f6ttingen, 318 S, 28 DM. 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