{"id":12127,"date":"1977-01-28T13:34:00","date_gmt":"1977-01-28T12:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/"},"modified":"1977-01-28T12:00:00","modified_gmt":"1977-01-28T11:00:00","slug":"der-literarische-maulwurf-ix","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/","title":{"rendered":"Der literarische Maulwurf (IX)"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S.114-117<\/p>\n<p>Den Kassandrarufen von der Krise des Taschenbuchs zum trotz sind zwei neue Reihen anzuzeigen.<br \/>Unter dem Titel &#132;Motive Texte Materialien&#148; erscheint im C. F. M\u00fcller Verlag eine neue Paperback-Reihe, die sich mit aktuellen rechtspolitischen Themen befa\u00dft. Als Band 1 wurden, erstmals in deutscher Sprache, die am 19. 10. 1973 als Anhang zu einer Resolution des Ministerkomitees des Europarats verabschiedete Neufassung der <i>Mindestgrunds\u00e4tze f\u00fcr die Behandlung der Gefangenen &#8211; Europ\u00e4ische Fassung<\/i> (so auch der Titel, 99 Seiten, Kart. DM 12) ver\u00f6ffentlicht, und zwar in synoptischer Gegen\u00fcberstellung zum englischen und franz\u00f6sischen Originaltext. Die Mindestgrunds\u00e4tze gehen zur\u00fcck auf eine Entschlie\u00dfung des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen von 1955. Als besonders wichtige Punkte seien hervorgehoben: das Gebot, die Menschenw\u00fcrde des Gefangenen zu achten (Ziffer 5 Abs3), Anforderungen an Hygiene und Ausstattung von Zellen und Arbeitspl\u00e4tzen (Ziffer 8 ff) sowie an die Einrichtung eines \u00e4rztlichen Dienstes (Ziffer 21 ff), das Verbot von Kollektivstrafen als Disziplinarma\u00dfnahmen (Ziffer 27 Abs2) und das Gebot, vom Beginn des Strafvollzugs an die Zukunft des Gefangenen nach der Entlassung in Betracht zu ziehen (Ziffer 80). Das am 1.1.1 977 inkraft getretene Strafvollzugsgesetz entspricht zwar diesen Forderungen, jedoch noch nicht die Praxis. Die Mindestgrunds\u00e4tze k\u00f6nnen daher auch dazu dienen, die neuen Vorschriften des Strafvollzugsgesetzes zu kommentieren. Solange Anstaltsleitungen weiterhin den reinen Verwahrvollzug betreiben &#8211; und das d\u00fcrfte in der Praxis immer noch die \u00fcberwiegende Anzahl sein -&#130; werden auch in der Bundesrepublik die Mindestgrunds\u00e4tze f\u00fcr die Behandlung der Gefangenen nicht beachtet.<\/p>\n<p>In Band 2 der Reihe ver\u00f6ffentlicht Edmund Brandt mit einer Einleitung von Hans Mommsen unter dem Titel <i>Die politische Treuepflicht<\/i> 63 Dokumente zur Geschichte des deutschen Berufsbeamtentums (256 Seiten, kart, DM 19,80). In einem Anhang werden u.a. der volle Wortlaut des Sozialistengesetzes von 1878 sowie ausf\u00fchrliche Ausz\u00fcge aus dem &#132;Radikalenbeschlu\u00df&#148; des Bundesverfassungsgerichts von 1975 abgedruckt. Dieser wird von Mommsen, der in seiner Einleitung historisch die Beziehungen des Beamtentums zum demokratischen Verfassungsstaat untersucht, einer herben Kritik unterzogen, Man kann Mommsen nur beipflichten, wenn er feststellt, da\u00df die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts &#132;weder mit den sozialen Realit\u00e4ten des \u00f6ffentlichen Dienstes noch mit den Notwendigkeiten einer umfassenden Verwaltungsreform, die eine schrittweise Ver\u00e4nderung des \u00f6ffentlichen Dienstrechts voraussetzt, vereinbar erscheint. Die Hervorhebung der politischen Treuepflicht ist geeignet, der Beamtenschaft erneut eine Sonderstellung in Staat und Gesellschaft einzur\u00e4umen, die mit ihren realen Funktionen, abgesehen vom Ministerialbereich, kaum in \u00dcbereinstimmung gebracht werden kann&#148; (S 36). Zum gleichen Thema ist im \u00fcbrigen ein rororo-aktuell-Band mit dem <i>Titel Weimar ist kein Argument, oder: Brachten Radikale im \u00f6ffentlichen Dienst Hitler an die Macht?<\/i> (205 Seiten, DM 5,80) erschienen, der au\u00dfer drei Originalbeitr\u00e4gen leider nur Ausz\u00fcge aus fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen bringt.<\/p>\n<p>Band 3 der Reihe &#132;Motive Texte Materialien&#148; befa\u00dft sich mit einem seit Jahrhunderten aktuellen und noch niemals gel\u00f6sten Thema: <i>Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten zwischen Gericht und B\u00fcrger<\/i> (80 Seiten, DM 12). Es handelt sich um eine Modellstudie des Rechtssoziologischen Arbeitskreises Hannover. Anhand einer Untersuchung von 1251 Akten eines nieders\u00e4chsischen Amtsgerichts wurde u.a. festgestellt, da\u00df in einem relativ hohen Prozentsatz der F\u00e4lle der Richter, gemessen an dem hypothetischen Verhaltensmodell der nicht durch einen Rechtsanwalt vertretenen Parteien unrichtig reagiert hat, obwohl eine kompensatorische Reaktion im Rahmen des Gesetzes m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ob eine reale Aussicht besteht, dieses Hindernis der Chancengleichheit zu beseitigen, ist zu bezweifeln. Arbeitsdruck, Beschleunigungsgebot hinsichtlich des Verfahrens (nach einer am 1.7.1977 inkraft tretenden Novelle zur Zivilproze\u00dfordnung) sowie die Entwicklung computergerechter Zahlungsbefehle und deren Umbenennung in Mahnbescheide lassen die Chancen f\u00fcr den Abbau von Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten zwischen Gericht und B\u00fcrger nicht eben steigen.<\/p>\n<p>Auch die Reihe &#132;Recht &#8211; Justiz &#8211; Zeitgeschehen&#148; des C. F. M\u00fcller Verlags erscheint weiterhin. 1975 sind folgende B\u00e4nde auf den Markt gekommen: <i>Friedrich-Christian Schroeder, Das neue Sexualstrafrecht <\/i>(86 Seiten, DM 14,80) analysiert und kritisiert diese &#132;Reform&#148;. Das B\u00e4ndchen ist nach Text und Anlage eher f\u00fcr den Fachjuristen bestimmt. Gleiches gilt f\u00fcr <i>Karl Peters, Der neue Strafproze\u00df<\/i> (212 Seiten, DM 28). <i>Dagegen richtet sich der Band Selbstmord und Selbstmordverhinderung von Joachim Wagner <\/i>(169 Seiten, DM 22) an einen gr\u00f6\u00dferen Leserkreis. Er behandelt auch die Frage der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Zwangsern\u00e4hrung beim Hungerstreik. Der Band <i>Freiheit in der sozialen Demokratie<\/i> (388 Seiten, DM 28) schlie\u00dflich enth\u00e4lt eine Dokumentation zum 4. Rechtspolitischen Kongre\u00df der SPD 1975 mit den Themen: Freiheitssicherung gegen\u00fcber gesellschaftlicher Macht, Soziale Sicherung als neue Form freiheitsverb\u00fcrgenden Eigentums, Freie Entfaltung der Arbeitnehmerpers\u00f6nlichkeit im Betrieb, Beteiligung des B\u00fcrgers an Verwaltungsentscheidungen, insbesondere an der Planung. Der Band, herausgegeben von Justizminister Posser und OLG-Pr\u00e4sident Wassermann, enth\u00e4lt alle Fachreferate.<\/p>\n<p>Mit einem ganz anderen Themenkreis besch\u00e4ftigt sich die neue Taschenbuchreihe des Ferdinand Enke Verlags in Stuttgart &#132;Kunst &#038; Gesellschaft&#147;. Die von Alphons Siliermann, Rene K\u00f6nig, Leo Lowenthal und Abraham Moles herausgegebene Reihe befa\u00dft sich mit Themen der Kunstsoziologie und Sozialpsychologie der Kunst. Bisher liegen 7 B\u00e4nde vor. Kunstsoziologie befa\u00dft sich mit der Frage nach Entstehung und Funktion von Kunstwerken innerhalb der Gesellschaft, der Verbreitung und Verwendung aus gesellschaftswissenschaftlicher, nicht aus kunsttheoretischer Sicht. Die Besch\u00e4ftigung der Gesellschaftswissenschaft mit Fragen der Kreativit\u00e4t reicht kaum vor die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts zur\u00fcck. In der Reihe &#132;Kunst &#038; Gesellschaft&#148; werden&#8216; neben Neuerscheinungen wichtige \u00e4ltere Texte wieder zug\u00e4nglich gemacht, zum Teil \u00dcbersetzungen.<\/p>\n<p>Jean Duvignaud befa\u00dft sich in seiner Untersuchung Zur <i>Soziologie der k\u00fcnstlerischen Sch\u00f6pfung<\/i> (1975, VIII + 120 Seiten, DM 16,80; Originalausgabe 1967) mit allgemeinen Fragen der Kunstsoziologie, die er abzugrenzen versucht von Kunstphilosophie und philosophischer \u00c4sthetik und deren Verfahren er darin sieht, &#132;die operationellen Ideen zu pr\u00e4zisieren, die weder intellektuelle Voraussetzungen noch dogmatische Definitionen sind, sondern Werkzeuge, die der Analyse dienen, ohne im voraus deren Grenzen oder Inhalte zu bestimmen&#147;. Das Werk stellt eine vorallem gut lesbare Einf\u00fchrung in die Kunstsoziologie allgemein dar.<\/p>\n<p>Mit unterschiedlichen Bereichen der Kunstsoziologie besch\u00e4ftigt sich der von Robert N. Wilson herausgegebene Sammelband <i>Das Paradox der kreativen Rolle. Soziologische und sozial-psychologische Aspekte von Kunst und K\u00fcnstler <\/i>(1975, VIII + 232 Seiten, DM 19,80; Originalausgabe USA 1964). Aus den 8 Beitr\u00e4gen sei besonders einer herausgegriffen. Leo Lowenthals Analyse &#132;Die Auffassung des Dostojewskijschen Werkes in Deutschland: 1880&#150;1920&#148; wurde bereits im Jahre 1934 geschrieben. Die Dostojewskij-Rezeption in Deutschland wird anhand der \u00fcber das Werk des russischen Schriftstellers erschienenen Kritiken untersucht. Nach Lowenthal rekrutierte sich die Leserschaft Dostojewskijs aus dem mittleren und kleinen B\u00fcrgertum. Die Rezeption habe von Anfang an im Zeichen der ldeologie und des Mythos gestanden. Seine Aufnahme durch die Leser sei weniger eine Angelegenheit der literarischen Kritik als eine der gl\u00e4ubigen und bereiten Hinnahme gewesen. In Dostojewskijs Person wie in seine Werke seien Gehalte gelegt worden, die jede nachpr\u00fcfbare Faktizit\u00e4t transzendieren, die insbesondere au\u00dfergeschichtlichen Charakter tragen, d.h. vollkommen beziehungslos zum gesellschaftlichen Proze\u00df stehen oder den Anspruch erheben, im Gegensatz zu aller immanenter Geschichtstheorie, zu aller Konstruktion von gesellschaftlicher Gesetzlichkeit das soziale Leben von sich aus sinnhaft zu konstituieren. Lowenthal weist darauf hin, da\u00df in der Person Dostojewskijs und seinem Werk die Vereinigung von gemeinhin als widerspruchsvoll empfundenen Tatbest\u00e4nden gesehen wurde. Aus dem Werk Dostojewskijs sei ein nationaler, v\u00f6lkischer Mythos vom Wesen des russischen Volkes entwickelt worden, der in v\u00f6lliger Unbestimmtheit blieb und sich &#132;weitgehend als Mythos der Gemeinschaft&#148; darstellte.<\/p>\n<p>Ein weiterer Band enth\u00e4lt f\u00fcnf in den Jahren zwischen 1930 und 1960 entstandene Beitr\u00e4ge von <i>Leo Lowenthal: Notizen zur Literatursoziologie<\/i> (1975, VIII + 104 Seiten, DM 12,80). Der Autor &#150; manchen vielleicht besser unter seinem deutschen Namen Leo L\u00f6wenthal bekannt &#150; geh\u00f6rte seit 1926 dem Frankfurter Institut f\u00fcr Sozialforschung an und widmete sich damals bereits vor allem literatursoziologischen Untersuchungen \u00fcber Massenkultur. Der in dem angezeigten B\u00e4ndchen enthaltene Essay &#132;Individuum und Gesellschaft im Naturalismus&#148; wurde gegen Ende der drei\u00dfiger Jahre im inzwischen nach New York \u00fcbersiedelten Institut f\u00fcr Sozialforschung geschrieben. Er ist ein Versuch, aufzuzeigen, wie in der Literatur der Mechanismus der Bedrohung, ja Zerst\u00f6rung individueller Integrit\u00e4t und W\u00fcrde, legitimen Anspruchs auf Gl\u00fcck und Sinnlichkeit durch die verblassende offizielle liberale Ideologie und die Realit\u00e4t des \u00f6konomischen Materialismus sich im einzelnen in den literarischen Kunstwerken manifestiert. Der Aufsatz &#132;Die Debatte \u00fcber kulturelle Standards im England des 19. Jahrhunderts&#148; enth\u00e4lt eine Analyse der Situation von Intellektuellen im Rahmen des sozialen Wandels ihrer Zeit.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren interessiert man sich wissenschaftlich f\u00fcr den industriell gefertigten Wandschmuck, die Kaufhaus-Kunst. Unter dem Titel &#132;Die Bilderfabrik&#148; ging 1973\/74 eine Wanderausstellung durch die Bundesrepublik. Walter Nutz befa\u00dft sich mit dem Thema in <i>Soziologie der trivialen Malerei <\/i>(Reihe Kunst &#038; Gesellschaft, 1975, X+ 118 Seiten, DM 16,80). Der Autor setzt sich im Einleitungskapitel mehr polemisch als wissenschaftlich &#150; und mit geringem Wert f\u00fcr den Leser &#150; mit Vertretern anderer Disziplinen aus-einander. Sein Versuch einer Abgrenzung von 99Kulturkritik&#8220;, philosophischer \u00c4sthetik und &#150; von ihm so genannter &#150; &#132;pseudomarxistischer&#148;, &#132;auchmarxistischer&#148; oder &#132;vulg\u00e4rmarxistischer&#148; Kunsttheorie mi\u00dflingt. Denn Nutz f\u00fchrt die Kontroverse mit nicht viel anderen Mitteln, als denen, die er bei seinen Gegnern tadelt: mit ideologischer statt wissenschaftlicher Argumentation. Der \u00fcbrige Inhalt des Werks entspricht leider dem unbefriedigenden Beginn. Das liegt vorallem daran, da\u00df Nutz &#150; wiewohl er das Problem anspricht &#150; die Definition seines Themas mi\u00dflingt. Er geht von einem formalen Trivialbegriff aus, der so verwaschen ist, da\u00df sich mit ihm nicht arbeiten l\u00e4\u00dft. Er versteht unter trivialer Malerei jene Produkte, die reproduzierbar sind, reproduziert werden, auf einen Konsumentenkreis &#132;zugemalt&#148; werden, \u00fcber einen Warenartikel-Charakter verf\u00fcgen und mit oder ohne Zustimmung des Sch\u00f6pfers in den Reproduktionsproze\u00df aufgenommen werden. Die Unbestimmtheit der verwendeten Begriffe (auf einen Konsumentenkreis &#132;zugemalt&#148;; &#132;Warenhaus-Charakter&#148;) und die Tatsache, da\u00df Nutz sich dann haupts\u00e4chlich mit den Produkten der Mayschen Bilderfabriken befa\u00dft, l\u00e4\u00dft erkennen, da\u00df die Definition ihrerseits von Vor-Urteilen ausgeht, was der Autor eben gerade den Vertretern der &#132;Kulturkritik&#148; vorwirft. Andere Ph\u00e4nomene werden kaum einbezogen. Der Kult mit Fotos von Film- und Sportstars wird zwar erw\u00e4hnt, aber nicht eigentlich zum Gegenstand der Untersuchung gemacht. Hummel-Bilder, die Kreuzstich-Wandbeh\u00e4nge unserer Gro\u00dfeltern, Pseudo-Folklore-Erzeugnisse, Disney-Figuren, die moderne Posterwelle, Wachszierate (vom Relief mit dem heiligen Christophorus bis zur Zierkerze mit D\u00fcrers S\u00fcndenfall) werden nicht erw\u00e4hnt. Auch vermi\u00dft man die Verfolgung historischer Entwicklungen: wann, auf welche Weise, durch wen, aus welchen Motiven wurden Werke von C. D. Friedrich (Kreuz im Gebirge), Millet, Segantini (Ave Maria), Leonardo (Abendmahl), D\u00fcrer (Hase, Betende H\u00e4nde) zu Gegenst\u00e4nden der Trivialkunst?<\/p>\n<p>Hans Peter Thurn unternimmt den Versuch einer <i>Kritik einer marxistischen Kunsttheorie<\/i> (Reihe &#132;Kunst &#038; Gesellschaft&#148;, 1976, VIII + 240 Seiten, DM 19,80), die jedoch daran krankt, da\u00df sie den Marxisten vorwirft, Marxisten zu sein, wenn der Autor feststellt: &#132;Die marxistische Kunsttheorie hat sich in dem Ma\u00dfe der M\u00f6glichkeit einer kompetenten Erforschung der Sinnentfaltungsprozesse, die vom K\u00fcnstler aus sich in die Gesellschaft hinein ereignen, sowie der Wirklichkeit, mit der sie fusionieren, selbst beraubt, als sie an ihrem historisch fixierten Weltbild festhielten und ihre Kategorien nicht der gewandelten Wirklichkeit anpa\u00dfte.&#148;<\/p>\n<p>Ferner sind in der hier angezeigten Reihe &#132;Kunst &#038; Gesellschaft&#148; noch erschienen: <i>eine Sozialpsychologie der Musik von Paul R. Farnsworth<\/i> (1976, X+ 217 Seiten, 22 Tabellen, DM 19,80) sowie von <i>Julius Bab: Das Theater im Lichte der Soziologie <\/i>(1974, IXX + 227 Seiten, DM 16,80; unver\u00e4nderter Nachdruck der Ausgabe von 1931, mit einem Geleitwort von Alphons Silbermann). Nach dem bisherigen Programm darf man auf die folgenden Titel neugierig sein.<\/p>\n<p><b>Zu: Letzte Ausgabe der &#132;Neuen Rheinischen Zeitung&#148; vom 19. Mai 1849 (Text zu S 21):<\/b><\/p>\n<p><b>An die Arbeiter K\u00f6lns.<\/b> Wir warnen Euch schlie\u00dflich vor jedem Putsch in K\u00f6ln. Nach der milit\u00e4rischen Lage K\u00f6lns w\u00e4ret ihr rettungslos verloren. Ihr habt in Elberfeld gesehen, wie die Bourgeoisie die Arbeiter ins Feuer schickt und sie hinterher aufs Niedertr\u00e4chtigste verr\u00e4t. Der Belagerungszustand in K\u00f6ln w\u00fcrde die ganze Rheinprovinz demoralisiren und der Belagerungszustand w\u00e4re die notwendige Folge jeder Erhebung von Eurer Seite in diesem Augenblicke. Die Preu\u00dfen werden an Eurer Ruhe verzweifeln.<br \/>Die Redakteure der Neuen Rheinischen Zeitung danken Euch beim Abschiede f\u00fcr die ihnen bewiesene Teilnahme. Ihr letztes Wort wird \u00fcberall und immer sein: E m a n z i p a t i o n\u00a0 \u00a0d e r\u00a0 \u00a0a r b e i t e n d e n\u00a0 \u00a0K l a s s e !<\/p>\n<p><b>Deutschland.<\/b> &#150; K\u00f6ln, 18. Mai. Vor einiger Zeit wurde von Berlin aus an eine hiesige Beh\u00f6rde die Forderung gestellt, abermals den Belagerungszustand \u00fcber K\u00f6ln zu verh\u00e4ngen. Man bezweckte die standrechtliche Beseitigung der &#132;Neuen Rheinischen Zeitung&#148;, aber man stie\u00df auf unerwarteten Widerstand. Sp\u00e4ter wandte sich die K\u00f6lnische Regierung an das hiesige Parket, um denselben Zweck durch willk\u00fcrliche Verhaftungen zu erreichen. Sie scheiterte an dem juristischen Bedenken des Parkets, wie sie schon zweimal an dem gesunden Menschenverstand der rheinischen Geschworenen gescheitert war. Es blieb nichts anderes \u00fcbrig, als zu einer Polizeifinte seine Zuflucht zu nehmen und man hat f\u00fcr den Augenblick seinen Zweck erreicht. D i e\u00a0 \u00a0N e u e\u00a0\u00a0 R h e i n i s c h e\u00a0\u00a0 Z e i t u n g\u00a0\u00a0 h \u00f6 r t\u00a0 \u00a0e i n s t w e i\u00a0l e n\u00a0 \u00a0a u f\u00a0 \u00a0z u\u00a0 \u00a0e r s c h e i n e n. Am 16. Mai wurde ihrem Redakteurenchef C a r l M a r x folgender Regierungswisch mitgeteilt:<br \/>&#132;In ihren neuesten St\u00fccken (!) tritt die N. Rh. Z. mit der Aufreizung zur Verachtung der bestehenden Regierung, zum gewaltsamen Umsturz und zur Einf\u00fchrung der sozialen Republik immer entschiedener hervor. Es ist daher ihrem Redakteurenchef, dem Dr. Karl Marx, das Gastrecht (!), welches er so schm\u00e4hlich verletzt, zu entziehen, und da derselbe eine Erlaubnis zum ferneren Aufenthalt in den hiesigen Staaten nicht erlangt hat, ihm aufzugeben, dieselben binnen 24 Stunden zu verlassen. Sollte er der an ihn ergehenden Aufforderung nicht freiwillig Gen\u00fcge leisten, so ist derselbe zwangsweise \u00fcber die Grenze zu bringen.&#148; &#150; K\u00f6ln, den 11. Mai 1849. K\u00f6nigl. Regierung. Moeller. An den K\u00f6nigl. Polizeidirektor Herrn Geiger hier.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[356],"publikationen":[1311],"class_list":["post-12127","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sieghart-ott","publikationen-26-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S.114-117 Den Kassandrarufen von der Krise des Taschenbuchs zum trotz sind zwei neue Reihen anzuzeigen.Unter dem Titel &#132;Motive Texte Materialien&#148; erscheint im C. F. M\u00fcller Verlag eine neue Paperback-Reihe, die sich mit aktuellen rechtspolitischen Themen befa\u00dft. Als Band 1 wurden, erstmals in deutscher Sprache, die am 19. 10. 1973 als [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Humanistische Union\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@humunion\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"11\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-literarische-maulwurf-ix\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-literarische-maulwurf-ix\\\/\",\"name\":\"Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"1977-01-28T12:34:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-literarische-maulwurf-ix\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-literarische-maulwurf-ix\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/publikation\\\/der-literarische-maulwurf-ix\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Publikationen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"vorg\u00e4nge\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"vorg\u00e4nge 26\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/publikationen\\\/vorgaenge\\\/26-vorgaenge\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Der literarische Maulwurf (IX)\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"Humanistische Union\",\"description\":\"\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#organization\",\"name\":\"Humanistische Union e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/09\\\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg\",\"width\":1000,\"height\":536,\"caption\":\"Humanistische Union e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.humanistische-union.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/x.com\\\/humunion\",\"https:\\\/\\\/mastodon.social\\\/@humunion\",\"https:\\\/\\\/bsky.app\\\/profile\\\/humanistischeunion.bsky.social\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union","og_description":"aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S.114-117 Den Kassandrarufen von der Krise des Taschenbuchs zum trotz sind zwei neue Reihen anzuzeigen.Unter dem Titel &#132;Motive Texte Materialien&#148; erscheint im C. F. M\u00fcller Verlag eine neue Paperback-Reihe, die sich mit aktuellen rechtspolitischen Themen befa\u00dft. Als Band 1 wurden, erstmals in deutscher Sprache, die am 19. 10. 1973 als [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/","og_site_name":"Humanistische Union","twitter_card":"summary_large_image","twitter_site":"@humunion","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"11\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/","name":"Der literarische Maulwurf (IX) - Humanistische Union","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"1977-01-28T12:34:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/der-literarische-maulwurf-ix\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Publikationen","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"vorg\u00e4nge","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"vorg\u00e4nge 26","item":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Der literarische Maulwurf (IX)"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","name":"Humanistische Union","description":"","publisher":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#organization","name":"Humanistische Union e.V.","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/HU-LOGO-blau_RGB-high-scaled-e1704725806773.jpg","width":1000,"height":536,"caption":"Humanistische Union e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/x.com\/humunion","https:\/\/mastodon.social\/@humunion","https:\/\/bsky.app\/profile\/humanistischeunion.bsky.social"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation\/12127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikation"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/types\/publikation"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/media?parent=12127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/categories?post=12127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/tags?post=12127"},{"taxonomy":"autoren","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/autoren?post=12127"},{"taxonomy":"publikationen","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/publikationen?post=12127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}