{"id":12170,"date":"1977-01-28T14:19:00","date_gmt":"1977-01-28T13:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-bewusstmachung-freiheitlicher-geschichtegeschichte-aus-der-sicht-der-unterdrueckten\/"},"modified":"2021-08-24T21:47:05","modified_gmt":"2021-08-24T19:47:05","slug":"die-bewusstmachung-freiheitlicher-geschichtegeschichte-aus-der-sicht-der-unterdrueckten","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/die-bewusstmachung-freiheitlicher-geschichtegeschichte-aus-der-sicht-der-unterdrueckten\/","title":{"rendered":"Die Bewu\u00dftmachung freiheitlicher Geschichte\/Geschichte aus der Sicht der Unterdr\u00fcckten"},"content":{"rendered":"<p>Gustav Heinemann und das Rastatter Freiheitsmuseum<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S. 89-92<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"geschichte-aus-der-sicht-der-untersdrueckten\">Geschichte aus der Sicht der Unters&shy;dr&uuml;ckten<\/span><\/h2>\n<p>Am 26. Juni 1974 wurde vom damaligen Bundespr\u00e4sidenten Gustav W. Heinemann in Rastatt die st\u00e4ndige &#8222;Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte&#8221; er\u00f6ffnet. Heinemann hatte seit seinem Amtsantritt &#8211; aus Anla\u00df des 20. Juli 1969 in Berlin-Pl\u00f6tzensee, vor dem Landtag in Stuttgart am 3. 11. 1969, bei der Bremer Schaff ermahlzeit drei Monate sp\u00e4ter, schlie\u00dflich 1971 zum 100. Jahrestag der Reichsgr\u00fcndung &#8211; immer wieder einen zentralen Gedanken betont: Geschichte wird von den Sie-gern geschrieben &#8211; zu Lasten der Besiegten; und von den Herrschenden &#8211; gegen die Interessen der Unterdr\u00fcckten. Gegen diese Tatsache setzte Heinemann die Forderung &#8211; von ihm stets als Aufforderung an seine Mitb\u00fcrger formuliert -&#8218; die eigene Geschichte neu zu begreifen, sich der eigenen demokratischen Traditionen bewu\u00dft zu werden, denn, so Heinemann:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">Traditionen geh\u00f6ren nicht &#8222;in die alleinige Erbpacht von Reaktion\u00e4ren, obgleich diese am lautst\u00e4rksten von ihnen reden &#8230; Einer demokratischen Gesellschaft, so meine ich, steht es schlecht zu Gesicht, wenn sie auch heute noch in aufst\u00e4ndischen Bauern nichts anderes als meuternde Rotten sieht, die von der Obrigkeit schnell gez\u00e4hmt und in die Schranken verwiesen wurden .. . Es ist Zeit, da\u00df ein freiheitlich-demokratisches Deutschland unsere Geschichte bis in die Schulb\u00fccher hinein anders schreibt&#8220;(1).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Heinemanns systematische Bestrebungen, zu solcher Bewu\u00dftwerdung Ansto\u00df zu geben, fanden am Ende seiner Amtszeit ihren materiellen Ausdruck in der Schaffung der Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"heinemanm-keine-neue-heldengalerie\">Heinemanm: &bdquo;Keine neue Helden&shy;ga&shy;lerie&rdquo;<\/span><\/h2>\n<p>Das Projekt, das seither von \u00fcber 80000 Personen besucht wurde, stellt den Versuch dar, die demokratisch-republikanische und revolution\u00e4re Tradition Deutschlands in das zeitgen\u00f6ssische Bewu\u00dftsein zu heben. Im Rastatter Schlo\u00df, das die Ausstellung beherbergt, fand 1 849 das letzte Gefecht der revolution\u00e4ren Truppen gegen die milit\u00e4rische \u00dcbermacht der preu\u00dfischen Konterrevolution\u00e4re statt. Unter den Opfern der Volkserhebung befand sich auch ein Vorfahre Gustav Walter Heinemanns, der Elberfelder Carl Walter Heinemann. In seiner Er\u00f6ffnungsrede erinnerte Heinemann daran, da\u00df die Verfassung der Paulskirche die einzige in Deutschland ist, die von einer Volksbewegung mit Waffen verteidigt wurde. \u00dcber Sinn und Funktion der Erinnerungsst\u00e4tte sagte Heinemann:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#8222;Sie soll kein totes Museum sein, sondern eine lebendige St\u00e4tte der Anschauung und Begegnung. Was es in unserer Geschichte an Freiheitsbewegung gegeben hat, soll hier in jeweils neuer Form anschaulich gemacht werden, und alle sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen, zumal die Jugend mit eigenen Beitr\u00e4gen und eigener Kritik .. . Eine stumme Heldengalerie, ein Walhalla deutscher Freiheit ist nicht beabsichtigt. Schweigende Verehrung wird nicht erwartet &#8230; Hier sollen weniger Antworten gegeben als Fragen gestellt werden. Dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch diejenige nach den Ursachen des Scheiterns von so vielen Freiheitsbewegungen, nach den Kr\u00e4ften, die ihnen entgegenstanden, und nach deren Beweggr\u00fcnden. Nur so wird Geschichte als lebendige Kraft erlebt. Wer dies sagt, sagt auch, da\u00df ausgew\u00e4hlt werden mu\u00df. Die .Auswahl gilt hier den deutschen Freiheitsbewegungen. Damit zeichnen sich die Schwerpunkte ab. Was, abgesehen vom Bauernkrieg um 1525, zun\u00e4chst vereinzelt auftrat, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem machtvollen Strom, der eine Zeitlang die uralten D\u00e4mme der Herrschaft von wenigen \u00fcbersp\u00fclte. Wir denken an die deutschen Jakobiner, an die b\u00fcrgerlichen Liberalen, an die radikalen Demokraten. Wir denken an die Studenten auf dem Wartburgfest 1817, an die Volksfeier auf dem Hambacher Schlo\u00df 1832, an das gro\u00dfe Aufbegehren von 1848 und insbesondere von 1849&#8220;(2).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenn Heinemann anschlie\u00dfend darauf hinweist, die deutsche Freiheitsbewegung sei danach &#8222;vor allem in der entsagungsvollen, unerm\u00fcdlichen Selbstbefreiung der Arbeiterschaft,, weitergetragen worden, und in diesem Zusammenhang zu Recht vermerkt, das 1871 &#8222;von oben&#8221; begr\u00fcndete Reich habe Einheit gerade nicht mit Freiheit verbunden, dann sind damit Tatbest\u00e4nde markiert, die einflu\u00dfreiche Gruppen und Teile der \u00d6ffentlichkeit nach wie vor nicht wahrhaben wollen. Da\u00df Heinemanns Initiative in Rastatt auch f\u00fcr solche Einsichten in die deutsche Geschichte steht, macht sie in diesen Kreisen umstritten. \u00dcber die daraus hervorgehenden Kontroversen wird abschlie\u00dfend noch ein Wort zu sagen sein.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anlage-und-aufbau-des-museums\">Anlage und Aufbau des Museums<\/span><\/h2>\n<p>Tr\u00e4ger der st\u00e4ndigen Ausstellung ist das Bundesarchiv Koblenz. An Finanzmitteln standen dem Bundesarchiv als Erstausstattung f\u00fcr das Rastatter Projekt nur DM 100 000 zur Verf\u00fcgung. Seit diesem Zeitpunkt hat die Ausstellung einen j\u00e4hrlichen Etat von DM 15000. 1977 soll nach Angaben des Bundesarchivs ein Betrag von DM 75 000 zur Verf\u00fcgung gestellt werden. (Zum Vergleich: F\u00fcr die Ausstellung im ehemaligen Reichstagsgeb\u00e4ude in West-Berlin &#8222;1871-1971: Fragen an die deutsche Geschichte&#8221; brachte der Bund etwa 2 Millionen DM auf.)<br \/>&#8222;Die st\u00e4ndige Ausstellung ist in acht R\u00e4umen auf einer Fl\u00e4che von 385 qm untergebracht. Sie zeigt auf 150 Stellw\u00e4nden und in acht Vitrinen 567 Exponate, davon 287 Bilder, 258 geschriebene oder gedruckte Dokumente, 21 Karten und Graphiken und eine Fahne. Hinzu kommen zwei flurartige R\u00e4ume. Dort befindet sich neben einer Filmvorf \u00fchranlage mit 60 Sitzpl\u00e4tzen eine Einrichtung, \u00fcber welche die Besucher &#8211; maximal jeweils 12 &#8211; Freiheitslieder und -gedichte vom Tonband abh\u00f6ren k\u00f6nnen. In einem Benutzerraum (Lesesaal) stehen den Interessenten rund 1000 B\u00e4nde zur Verf\u00fcgung; neben allgemeinen historischen Darstellungen wichtige Quellenpublikationen zur Geschichte der Freiheitsbewegungen und entsprechende Monographien, ferner publizistische Quellen aus dem 19. Jahrhundert, die nicht dauernd ausgestellt sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen rund 700 Arbeiten von Sch\u00fclergruppen zur Geschichte der Revolution 1848\/49 eingesehen werden, die im Wettbewerb um den Gustav-Heinemann-Preis f\u00fcr die Schuljugend 1974 eingerichtet wurden&#8220;(3).<br \/>Im einzelnen ist die Ausstellung folgenderma\u00dfen aufgebaut:<\/p>\n<ol>\n<li>Vom Absolutismus zum Deutschen Bund.<\/li>\n<li>Vorm\u00e4rz: a) soziale Entwicklung im Vorm\u00e4rz, b) Sammlung der politischen Kr\u00e4fte.<\/li>\n<li>Revolution 1848\/49: a) M\u00e4rzrevolution; b) Volksvertretungen; c) Volksbewegungen.<\/li>\n<li>Kampagne f\u00fcr die Reichsverfassung im Fr\u00fchsommer 1849.<\/li>\n<li>Die Reaktion in den 50er Jahren.<\/li>\n<li>Von der Reichsverfassung von 1849 zum Grundgesetz von 1949.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Quellentexte und Bilder werden durch Zwischentexte in den historischen Kontext gestellt. Auffallend f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse ist: der sozialistische Beitrag zur demokratischen Bewegung wird nicht diffamiert, sondern einigerma\u00dfen angemessen dargestellt. Freilich mit der Kehrseite, da\u00df auf der Schlu\u00dftafel 150 &#8222;Weimarer Verfassung und Grundgesetz&#8221; &#8222;politische K\u00f6pfe&#8221; von Lassalle bis Adenauer undifferenziert nebeneinander gestellt sind und die Bundesrepublik verfehlterweise im Sinne unmittelbarer historischer Kontinuit\u00e4t als h\u00f6chster Ausdruck der Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte erscheint. In der Darstellung treten allerdings die ausl\u00f6senden sozialen Bewegungen &#8211; einschlie\u00dflich ihrer Demonstrationen, Streiks und K\u00e4mpfe, ihrer Frauen- und Kinderarbeit &#8211; h\u00e4ufig hinter die Darstellung politischer H\u00f6hepunkte und hinter der reichlichen Wiedergabe von Verfassungstexten zur\u00fcck. Knappe, thesenartige Zuspitzung, deutliche Schwerpunktsetzung und klare Gliederung des Wesentlichen fehlen h\u00e4ufig oder lassen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"um-die-zukunft-der-erinnerungsstaette\">Um die Zukunft der Erinne&shy;rungs&shy;st&auml;tte<\/span><\/h2>\n<p>Der Diskussion dieser Fragen, dem Ziel, die Konzeption der st\u00e4ndigen Ausstellung kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen, diente ein erstes Kolloquium, mit 47 Teilnehmern (Politikern, Historikern, P\u00e4dagogen, Museumsfachleuten und Archivaren), das auf Anregung Gustav Heinemanns am 19. 6. 1976 in Rastatt stattfand.<br \/>Von Heinemann, der selbst wegen Krankheit von einer Teilnahme absehen mu\u00dfte, wurde ein Gru\u00dfwort verlesen, in dem es hie\u00df:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#8222;Als die Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte er\u00f6ffnet wurde, war allen Beteiligten klar, da\u00df hier mehr als lediglich ein Museum entstehen sollte. Die Aufgabe einer Verlebendigung der freiheitlichen Vorg\u00e4nge deutscher Geschichte war mit der Gr\u00fcndung nicht abgeschlossen, sondern erst begonnen worden. Es bleibt zu pr\u00fcfen . . . &#8218; wie die Erinnerungsst\u00e4tte fortentwickelt, verlebendigt und damit einer breiteren \u00d6ffentlichkeit nahegebracht werden kann&#8220;(4).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Diskussion \u00fcber die Konzeption und die Wirkung der Ausstellung wurde unter drei Gesichtspunkten gef\u00fchrt:<\/p>\n<ol>\n<li>Wurden die Gr\u00fcndungsabsichten erf\u00fcllt?<\/li>\n<li>Wie kann und soll die Erinnerungsst\u00e4tte erg\u00e4nzt und ausgebaut werden?<\/li>\n<li>Wie kann ihre Wirkung in der \u00d6ffentlichkeit gesteigert werden?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Als Kernpunkt der Debatte sch\u00e4lte sich die Forderung heraus, eine didaktische Konzeption der Ausstellung zu entwickeln, Aussagekraft der Texte und Bilder zu steigern sowie die Aktualit\u00e4t des Ringens um Freiheitsrechte deutlich zu machen. Wenn es um die Darstellung von Volksbewegungen in der deutschen Geschichte geht, dann kann nicht der Aufbau einer allgemeinen historischen Ausstellung &#8211; mit notwendigerweise verwirrender inhaltlicher Vielfalt &#8211; das Ziel sein, sondern vielmehr eine Akzentuierung der Ausstellung auf thematische Schwerpunkte hin, die zur Diskussion und Auseinandersetzung reizen und durchaus auch Widerspruch herausfordern. In der bereits oben erw\u00e4hnten Tafel 150 wird eine Verbindungslinie von dem Widerstandsrecht in der 1849er Verfassung zum Widerstandsrecht im Bonner Grundgesetz &#8211; beziehungsweise anl\u00e4\u00dflich der Verabschiedung der Notstandsgesetze in das Grundgesetz geschobene Widerstandsrecht &#8211; gezogen. Auf solche Verbindungslinien sollte man lieber verzichten, da hier die Gefahr der Falschm\u00fcnzerei besteht. Wenn man schon historische Kontinuit\u00e4t von Freiheitsbewegungen beziehungsweise von reaktion\u00e4ren Gegenstr\u00f6mungen darstellen will, dann etwa von den Karlsbader Beschl\u00fcssen zum Radikalenerla\u00df &#8211; siehe die Rede von Gustav Heinemann in Hamburg im Oktober 1975 anl\u00e4\u00dflich der Verleihung des Lessing-Preises -&#8218; oder zu bestimmten Ereignissen w\u00e4hrend der Studentenbewegung und dem Kampf gegen die Notstandsgesetze, z.B. in Form einiger markanter S\u00e4tze aus der Rede von Werner Maihofer auf dem vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und der Industriegewerkschaft Metall organisierten Kongre\u00df gegen die Notstandsgesetze im Mai 1965 in der Bonner Universit\u00e4t(5).<br \/>Noch ist fraglich, ob die Ausstellung in ihrer gegenw\u00e4rtigen Form die vielbeschworene junge Generation wirklich erreicht, ob sie dem Betrachter &#8222;unter die Haut geht&#8221;, und ob sie sich zur anschaulichen Untermauerung des schulischen Geschichts- und Sozialkundeunterrichts eignet. Eine neue Konzeption der Ausstellung w\u00fcrde sicherlich mehr Raum (der im S\u00fcdteil des Schlo\u00dfmittelbaus zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fc\u00dfte) und betr\u00e4chtlich h\u00f6here Mittel erfordern &#8211; von 1,5 bis 2 Millionen DM war die Rede. Insbesondere aber k\u00e4me man dann um den Zusammenhang nicht herum, der von den Historikern Eberhard Kolb und Reinhard R\u00fcrup formuliert wurde: die Schaffung einer wirklichen Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr liberal-b\u00fcrgerliche und sozialistische Freiheitsbewegungen ist nicht m\u00f6glich ohne entschiedene &#8222;Parteilichkeit&#8221; im Sinne der von Gustav Heinemann formulierten grunds\u00e4tzlichen Anspr\u00fcche.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"das-rastatter-projekt-in-der-kontroverse\">Das Rastatter Projekt in der Kontroverse<\/span><\/h2>\n<p>Bedenkt man dies, dann nimmt es nicht wunder, da\u00df in die Kontroversen, die Heinemanns Bem\u00fchungen um mehr Freiheit und soziale Demokratie seit seiner Wahl zum Bundespr\u00e4sidenten ausl\u00f6sten, auch die Erinnerungsst\u00e4tte hineinger\u00e4t. Der Rheinische Merkur behauptete am 17. 5. 1974: &#8222;Im Bundesarchiv hie\u00df es angesichts der Akkordarbeiten, die f\u00fcr Rastatt zu leisten sind, recht bissig: ,Es ist nicht vorauszusehen, ob sich in Zukunft noch ein Gremium findet, das weitere Mittel f\u00fcr die Launen des abgetretenen Bundespr\u00e4sidenten bereitstellt`.&#8221; Obwohl diese angebliche \u00c4u\u00dferung vom Bundesarchiv als falsch zur\u00fcckgewiesen und mit einer Gegendarstellung gekontert wurde, wiederholte die Wochenzeitung in einem Artikel vom 6. 2. 1976 ihre Falschmeldung in versch\u00e4rfter Form. Unter der \u00dcberschrift: &#8222;Das ,tote Kind` von Gustav Heinemann&#8221; stand nunmehr: &#8222;Vom Geldmangel und den Kompetenzschwierigkeiten abgesehen, hie\u00df es im Koblenzer Bundesarchiv, das f\u00fcr die Gestaltung des Museums verantwortlich zeichnete, schon fr\u00fchzeitig: ,Wir glauben kaum, da\u00df es nach dem Abtritt des Bundespr\u00e4sidenten noch wesentliche Geldmittel f\u00fcr seine Marotten gibt&#8221;.<br \/>Diese \u00c4u\u00dferungen einer konservativen Presse stehen freilich nicht isoliert. Sie spiegeln eine anhaltende Bewu\u00dftseinsspaltung in der ver\u00f6ffentlichten Meinung, aber auch in Teilen der Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik wider, die abschlie\u00dfend durch zwei Beispiele verdeutlicht werden soll. In der Erinnerungsst\u00e4tte liegt ein G\u00e4stebuch aus. Darin kann man beispielsweise lesen: &#8222;Wir haben die Verfolgung von Demokraten und Sozialisten noch nicht \u00fcberwunden, siehe Berufsverbote.&#8221; Darin befindet sich aber auch der Satz: &#8222;Das Milit\u00e4rmuseum ist leider viel zu klein im Gegensatz zu dieser Erinnerungsst\u00e4tte&#8221;(6).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"verweise\">Verweise<\/span><\/h2>\n<p>1 Gustav W. Heinemann: Reden und Interviews. Hrsg: Bundespr\u00e4sidialamt, Bonn 1970, S 77 ff.<br \/>2 Gustav W. Heinemann: Reden und Interviews (V). Hrsg: Bundespr\u00e4sidialamt, Bonn 1974, S 162 ff.<br \/>3 Ivan Pfaff: Das Rastatter Freiheitsmuseum, in: Das Parlament Nr 22\/29, Mai 1976.<br \/>4 Anlage 1 des Protokolls des Kolloquiums \u00fcber die Ausgestaltung der Erinnerungsst\u00e4tte f\u00fcr die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte am 19. Juni 1976 im Schlo\u00df Rastatt, Hrsg: Bundesarchiv, Koblenz 1976.<br \/>5 Vgl Werner Maihofer: Die Demokratie vor dem Notstand, Protokoll des Bonner Kongresses gegen die Notstandsgesetze am 30. Mai 1965. Hrsg: Bundesvorstand des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), Frankfurt 1965.<br \/>6 Ebenfalls im Rastatter Schlo\u00df befindet sich ein Milit\u00e4rmuseum, Tr\u00e4ger ist der Bundesminister f\u00fcr Verteidigung.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2377],"publikationen":[1311],"class_list":["post-12170","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-juergen-treulieb","publikationen-26-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Bewu\u00dftmachung freiheitlicher Geschichte\/Geschichte aus der Sicht der Unterdr\u00fcckten - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/die-bewusstmachung-freiheitlicher-geschichtegeschichte-aus-der-sicht-der-unterdrueckten\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Bewu\u00dftmachung freiheitlicher Geschichte\/Geschichte aus der Sicht der Unterdr\u00fcckten - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gustav Heinemann und das Rastatter Freiheitsmuseum aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S. 89-92 Geschichte aus der Sicht der Unters&shy;dr&uuml;ckten Am 26. 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