{"id":12176,"date":"1970-06-01T21:30:00","date_gmt":"1970-06-01T20:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-diffamierung-der-215-professoren\/"},"modified":"1970-06-01T12:00:00","modified_gmt":"1970-06-01T11:00:00","slug":"die-diffamierung-der-215-professoren","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/6-1965-vorgaenge\/publikation\/die-diffamierung-der-215-professoren\/","title":{"rendered":"Die Diffamierung der 215 Professoren"},"content":{"rendered":"<p>Vorg\u00e4nge 6\/1965, S. 264-266<\/p>\n<p>(vg) Die folgende Dokumentation behandelt am Beispiel der Behandlung des Notstandsappells von 215 Professoren (s. vg 5\/65, 214 f) einen Fall politischer Diffamierung. Das, was Rechtsanwalt Heinrich Hannover in der 1962 erschienenen Brosch\u00fcre &#132;Politische Diffamierung der Opposition im freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat\u00ab noch als eine von den Regierungsparteien gegen\u00fcber der SPD angewandte Methode beschreiben konnte, wird heute, das zeigt die Dokumentation, leider auch von einigen Sozialdemokraten gegen\u00fcber einer ihr unbequemen au\u00dferparlamentarischen Opposition angewandt.<\/p>\n<p>Am 15. April 1965 erkl\u00e4rte der Marburger Ordinarius f\u00fcr Soziologie, Professor Dr. Heinz Maus auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main, da\u00df er einige Tage zuvor an den Deutschen Gewerkschaftsbund, die dem DGB angeschlossenen Gewerkschaften und an die Gewerkschaft der Polizei einen Appell gesandt habe, sich den beabsichtigten Notstandsgesetzen zu widersetzen, &#132;die an die Fundamente unserer demokratischen Ordnung r\u00fchren und die Existenz unseres Volkes aufs Spiel setzen&#148;. Er verteilte den Text des Appells und eine Namensliste von insgesamt 215 Hochschullehrern, die bis zu diesem Zeitpunkt den Aufruf unterzeichnet hatten. Am 14. Mai gab er bekannt, da\u00df die Zahl auf \u00fcber 250 Professoren angestiegen sei.<br \/>Die Namensliste ist deshalb interessant, weil sie &#8211; wie schon der Appell der Humanistischen Union an die Bundestagsabgeordneten im Herbst 1964\u00a0&#8211; im wesentlichen die Namen von<br \/>Hochschullehrern enthielt, die sonst nicht jeden Aufruf unterschreiben. Acht der Unterzeichner waren auf dem Karlsruher Parteitag der SPD im Herbst 1964 als wissenschaftliche Berater Willy Brandts bezeichnet worden; etwa zwanzig sind nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen Mitglieder der SPD. Von den 215 Professoren hatten lediglich 9 den aus dem DFU-Umkreis stammenden Aufruf der &#8222;Angeh\u00f6rigen des Kultur- und Geisteslebens&#8220; gegen die Notstandsgesetzgebung aus dem Jahre 1963 unterschrieben, den damals insgesamt 53 Professoren unterzeichnet hatten.<br \/>Mit dem Datum &#8222;Mitte April 1965&#8220; verbreitete die Deutsche Volkszeitung, eine vom Bund der Deutschen herausgegebene Wochenzeitung, auf einem &#8222;Extrablatt&#8220; den Aufruf mit der gesamten Liste der Unterzeichner. Einger\u00fcckt und besonders umrandet steht in diesem Text unter der \u00dcberschrift &#8222;Letzte Meldung&#8220; ein Bericht \u00fcber die von Professor Maus veranstaltete Pressekonferenz. Beim fl\u00fcchtigen Lesen kann diese Anordnung zu dem &#8211; sicher beabsichtigten &#8211; Eindruck f\u00fchren, es handele sich um eine Aktion der Deutschen Volkszeitung. Der Kenner solcher in der Politik einflu\u00dfloser Gruppen wei\u00df allerdings, da\u00df diese journalistische Praxis zu den Methoden der-artiger Gruppierungen geh\u00f6rt, durch die sie ihre Unbedeutendheit zu \u00fcberspielen versuchen.<br \/>Der Vorsitzende des DGB Ludwig Rosenberg best\u00e4tigte am 23. April 1965 dankend den Empfang des Appells, wies darauf hin, da\u00df der DGB auch den politischen Parteien gegen\u00fcber wiederholt seine ablehnende Haltung begr\u00fcndet habe und er-kl\u00e4rte, da\u00df sich der DGB &#8222;auch weiterhin mit dieser Frage besch\u00e4ftigen werde&#8220;. Der Vorsitzende der IG Metall, Otto Brenner, begr\u00fc\u00dfte auf einer Bezirkskonferenz in Stuttgart den Appell. Nach einer Meldung des IG-Metall-Organs Metall vom 4. Mai 1965 sagte er: &#8222;Es ist unbestreitbar, da\u00df die Professoren gleich uns von tiefer Sorge um die weitere demokratische Entwicklung der Bundesrepublik erf\u00fcllt sind. Schon ein-mal haben sich Wissenschaftler gegen die Gefahren gewandt, die der Menschheit durch die Entfesselung der atomaren Kr\u00e4fte drohen. Auch die G\u00f6ttinger Achtzehn haben seinerzeit ihre Mahnung vor allem an die Gewerkschaften gerichtet. Dieses Vertrauen ehrt uns, und wir haben uns bem\u00fcht, es zu rechtfertigen. Wir sind uns unserer Verantwortung f\u00fcr die Erhaltung der Demokratie in unserem Lande durchaus bewu\u00dft. Wir sind allerdings keine politische Partei und k\u00f6nnen den Politikern ihre Verantwortung nicht abnehmen &#8211; genauso wenig, wie uns jemand unsere Verantwortung abnehmen kann. Wir k\u00f6nnen nur unseren Beitrag dazu leisten, da\u00df alle demokratischen Kr\u00e4fte sich des Ernstes der Situation bewu\u00dft werden und daf\u00fcr sorgen, da\u00df aus der von der Bundesregierung geplanten Notstandsgesetzgebung nichts wird!&#8220;<br \/>In einem Interview mit dem K\u00f6lner Stadtanzeiger (4. Mai 1965) bemerkte er: &#8222;Der Aufruf der 215 ist uns nicht gelegen gekommen. Aber er wurde von uns durchaus begr\u00fc\u00dft. Wir verstehen auch sehr gut, warum sich diese Leute an uns wenden. Wir sind doch im Grunde die gr\u00f6\u00dfte demokratische Organisation, die die Notstandsgesetzgebung entschieden ablehnt.&#8220; Brenner begr\u00fc\u00dfte auch die \u00c4u\u00dferung von Professor Eugen Kogon, der als einer der Mit-Initiatoren des Appells in einem Interview in derselben Zeitung (1. Mai 1965) zu der Frage, ob die Gewerkschaften sich den Appell zu eigen machen w\u00fcrden, geantwortet hatte: &#8222;Ich habe keine Illusionen. Aber die Gewerkschaften haben hier eine Initiative, die ihr eigenstes Daseinsgef\u00fchl ber\u00fchren mu\u00df. Die Arbeiter haben hier die Chance einer wirklich ernstgemeinten geistigen \u00dcbereinkunft von Intellektuellen und Arbeitern in einer Lebensfrage unserer Demokratie, des Staatsb\u00fcrgers im einzelnen. Daran kann das Parlament nicht vorbei, denke ich. Man kann sp\u00e4ter, in der n\u00e4chsten Legislaturperiode \u00fcber diesen Gesetzeskomplex ruhig und im Geiste der Verfassung reden. Aber jetzt noch durchpeitschen<br \/>&#8211;\u00a0das darf nicht sein.&#8220;<br \/>Auch die Vorst\u00e4nde anderer Gewerkschaften haben den Appell begr\u00fc\u00dft. In dem Pressedienst Schlagzeilen und Stichworte. \u00dcbersicht \u00fcber die wichtigsten Pressemitteilungen aus Ost-Berlin vom 6. Mai 1965, die vom DGB\u00a0&#8211; Abteilung Vorsitzender<br \/>&#8211;\u00a0herausgegeben werden, war dagegen in Nr. 6\/65 auf Seite 1 folgende Notiz zu finden: &#8222;Zwei \u00fcberraschende Ereignisse im April gaben der SED und ihren Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet eine unvorhergesehene Sch\u00fctzenhilfe. 1. Mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit vom &#8222;Bund der Deutschen&#8220; organisiert, erfolgte an den Hochschulen eine Umfrage zur Notstandsgesetzgebung. 215 Professoren setzten ihre Unterschrift unter eine an den DGB-Bundesvorstand adressierte Aufforderung, angesichts der bevor-stehenden Notstandsgesetzgebung alles zu tun, ,um die Demokratie ernsthaft zu verteidigen. Die SED und ihre Anh\u00e4nger im Bundesgebiet setzen ihre bisherigen Bem\u00fchungen in der Frage der Notstandsgesetze unver\u00e4ndert, jedoch in der Weise fort, da\u00df sie jetzt behaupten, die Sache der 215 Professoren zu vertreten. . . .&#8220;<br \/>In einem am 8. Juni 1965 vom K\u00f6lner Stadtanzeiger ver\u00f6ffentlichten Interview griff Bundesinnenminister H\u00f6cherl diese Notiz auf und stellte die Frage, man wisse ja nicht, ob die Umfrage nicht vom Bund der Deutschen veranstaltet worden sei. Die K\u00f6lnische Rundschau folgte am 11. Mai 1965 mit einem &#8222;Is&#8220; gezeichneten Beitrag der Landesredaktion D\u00fcsseldorf. Der Artikel war \u00fcberschrieben mit dem Titel: &#8222;Die Professoren und ihre Hinterm\u00e4nner. Protest gegen Notstandsgesetze wurde mit der roten Tinte des ,Bundes der Deutschen&#8216; geschrieben&#8220;:<br \/>&#8222;215 Hochschulprofessoren appellierten unl\u00e4ngst in einem offenen Brief an den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Notstandsgesetze zu verhindern. Es besteht kein Zweifel, da\u00df diese Gelehrten nicht wu\u00dften, wer den Brief, den sie so bereitwillig unterschrieben, aufgesetzt hatte. Inzwischen ist jedoch offenbar geworden, wer die Briefsteller und Brieftr\u00e4ger, wer also die Hinterm\u00e4nner dieser Aktion sind. Verdacht mu\u00dfte man bereits sch\u00f6pfen, da\u00df ausgerechnet die in D\u00fcsseldorf erscheinende ,Deutsche Volkszeitung&#8216; den Professoren-Appell in einem Extrablatt mit einer Auflage von \u00fcber einer halben Million unter das Volk brachte. Das vom Ex-Reichskanzler Joseph Wirth gegr\u00fcndete Wochenblatt gab das Schreiben der Gelehrten in Ausz\u00fcgen wieder und nannte jeden der 215 Unterzeichner in alphabetischer Reihenfolge (von Professor Abel bis Professor Zw\u00f6lfer) beim Namen. Die ,Deutsche Volkszeitung&#8216; steht dem &#8222;Bund der Deutschen&#8220; nahe. Der BdD ist bereits 1958 von dem damaligen Bundesinnenminister vor dem Bundestag unverbl\u00fcmt als kommunistische Hilfs- und Tarnorganisation bezeichnet worden. Derselbe BdD hat, wie inzwischen durchgesickert ist, in Gemeinschaftsarbeit mit dem Marburger Professor Dr. phil. Heinz Maus das Schreiben an den DGB entworfen. Der BdD selbst hat alsdann daf\u00fcr gesorgt, da\u00df der Entwurf zusammen mit einem Begleitbrief von Professor Maus in die H\u00e4nde von einigen tausend Hochschullehrern in der Bundesrepublik gelangte. Auch der sp\u00e4tere Versand des von 215 Gelehrten unterschriebenen Briefes erfolgte durch den BdD. Diesmal mit Hilfe der ,Deutschen Friedens-Union&#8216;. Die DFU leistete schlie\u00dflich auch wertvolle Dienste bei der Verbreitung des Extrablatts der Deutschen Volkszeitung.<br \/>Im &#8222;Bund der Deutschen&#8220; und in der &#8222;Deutschen Friedens-Union&#8220; sind also die Hinterm\u00e4nner zu suchen, denen etliche Professoren nichtsahnend auf den Leim gegangen waren. Der Adressat des Schreibens jedoch hatte den Leim beizeiten gerochen. Der DGB wu\u00dfte, mit wessen roter Tinte der Brief geschrieben war, und reagierte herausfordernd k\u00fchl.&#8220;<br \/>&#8222;Normalerweise h\u00e4tte der Deutsche Gewerkschaftsbund die protestierenden Professoren als willkommene Bundesgenossen in die Arme geschlossen. Auf dem letzten ordentlichen Bundeskongress 1962 in Hannover hatte der DGB in einer Entschlie\u00dfung ,jede zus\u00e4tzliche gesetzliche Regelung des Notstandes und Notdienstes&#8216; abgelehnt, weil beide Vorhaben geeignet sind, elementare Grundrechte &#8230; einzuschr\u00e4nken und die demokratischen Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik zu schw\u00e4chen. Ungeachtet dieser \u00dcbereinstimmung in der Sache erteilt der DGB den Professoren und ihren obskuren Hinterm\u00e4nnern auf diplomatische Weise eine deutliche Abfuhr: Wir best\u00e4tigen dankend den Empfang Ihres offenen Briefes, hei\u00dft es h\u00f6flich, aber k\u00fchl in der knappen Antwort an Professor Maus. Im \u00fcbrigen werden die Professoren dar\u00fcber belehrt, da\u00df die politischen Parteien im Bundestag ,allein nach dem Grundgesetz f\u00fcr die Entscheidung in dieser Frage zust\u00e4ndig sind&#8216;. Der DGB verspricht abschlie\u00dfend, da\u00df die zust\u00e4ndigen Organe, Bundesvorstand und Bundesausschu\u00df, sich auch weiterhin mit dieser Frage besch\u00e4ftigen w\u00fcrden. Hochachtungsvoll pp. Auch mit der Antwort an Professor Maus haben sich die zust\u00e4ndigen Organe des DGB besch\u00e4ftigt. Bevor der Brief frankiert und aufgegeben wurde, fand er die Billigung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Bundesvorstandes. Nachtr\u00e4glich wurde noch die Zustimmung des Gesamtvorstandes eingeholt. In diesem Gremium sitzt auch Otto Brenner, Vorsitzender der IG Metall und einer der energischen K\u00e4mpfer gegen Notstandsgesetze. In einem Zeitungsinterview hatte Brenner offenbar nur in Unkenntnis der Hintergr\u00fcnde die 215 gelehrten Widerstandsk\u00e4mpfer gegen Notstandsgesetze zun\u00e4chst gelobt. Aufgekl\u00e4rt \u00fcber die Mitwirkung der DFU und des BdD, lie\u00df der IG-Metall-Vorsitzende durch seinen Stellvertreter im DGB-Vorstand sp\u00e4ter jedoch mitteilen, da\u00df er nichts dagegen einzuwenden habe, den Professoren eine Abfuhr zu erteilen. Da\u00df es sich tats\u00e4chlich um eine Abfuhr handelt, best\u00e4tigte der Leiter der DGB-Pressestelle, Walter Fritze. Auf Anfrage der K\u00f6lnischen Rundschau stellte er fest: Mit diesem Aufruf der Professoren identifizieren wir uns nicht.&#148;<br \/>Die Zeitung mu\u00dfte am 14. Mai 1965 folgende Richtigstellung der IG Metall bringen: &#8222;Bezugnehmend auf Ihre Ausgabe vom 11. Mai 1965, in der Sie einen Artikel &#8222;Die Professoren und ihre Hinterm\u00e4nner&#8220; ver\u00f6ffentlicht haben, bitte ich unter Hinweis auf Paragraph 11 des Reichspressegesetzes um folgende Richtigstellung:<\/p>\n<p>1. Es ist falsch, da\u00df Herr Brenner in seinem Interview mit dem K\u00f6lner Stadtanzeiger die 215 Professoren, die zur Ablehnung der Notstandsgesetze aufgerufen haben ,nur in Unkenntnis der Hintergr\u00fcnde&#8216; gelobt hat. Richtig ist, da\u00df Herr Brenner von irgendwelchen Hintergr\u00fcnden nichts gewu\u00dft hat, und da\u00df er nur aus sachlichen Gr\u00fcnden dem Appell der Professoren zustimmt.<\/p>\n<p>2. Es ist unrichtig, da\u00df Herr Brenner \u00fcber die Mitwirkung der Deutschen Friedens-Union (DFU) und des Bundes der Deutschen aufgekl\u00e4rt worden sei. Richtig ist, da\u00df Herr Brenner am 3. Mai nach den USA gereist ist. Vor diesem Datum hat kein Gespr\u00e4ch \u00fcber die angebliche Mitwirkung der DFU und des Bundes der Deutschen mit Herrn Brenner stattgefunden.<\/p>\n<p>3. Es ist unrichtig, da\u00df Herr Brenner durch seinen Stellvertreter im DGB-Bundesvorstand mitteilen lie\u00df, da\u00df er nichts dagegen einzuwenden habe, den Professoren eine Abfuhr zu erteilen. Richtig ist, da\u00df Herr Brenner einen derartigen Auftrag an seinen Stellvertreter, Herrn Alois W\u00f6hrle, nicht erteilt hat, und da\u00df Herr W\u00e4hle im DGB-Vorstand keine derartige Erkl\u00e4rung abgegeben hat. Vielmehr hat der Vorstand der IG Metall noch am 11. Mai in Recklinghausen seine \u00dcbereinstimmung mit dem Appell der Professoren erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Professor Maus schickte an die K\u00f6lnische Rundschau folgende Gegendarstellung: &#8222;Unter Bezugnahme auf den obengenannten Artikel bitte ich unter Hinweis auf \u00a7 11 des Reichspressegesetzes folgende Gegendarstellung zu bringen:<\/p>\n<p>1. Es ist falsch, da\u00df die &#8222;Deutsche Volkszeitung&#8220; dank einer besonderen Verbindung zu mir in der Lage war, die Namen der Unterzeichner zu ver\u00f6ffentlichen. Vielmehr sind die Namen der Unterzeichner in alphabetischer Reihenfolge mitsamt dem Wortlaut des Briefes an die Gewerkschaften am 15. April in der Pressekonferenz in Frankfurt allen dort anwesenden Pressevertretern \u00fcberreicht worden, u. a. auch an die DVZ. Im \u00fcbrigen sind sie auch in der den Gewerkschaften nahestehenden Zeitung &#8222;Atomzeitalter&#8220; ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p>2. Es ist unrichtig, da\u00df der Appell vom ,Bund der Deutschen&#8216; in Zusammenarbeit mit mir aufgesetzt worden ist. Richtig ist vielmehr, da\u00df ich den offenen Brief mit Kollegen und Freunden beriet. Mein Entwurf wurde von mir den Kollegen Kogon, Scheuch und Flechtheim mit der Bitte um Stellungnahme und Korrektur vorgelegt. Den Entschlu\u00df, unverz\u00fcglich unseren Appell einem gr\u00f6\u00dferen Kreis von Hochschullehrern zu unterbreiten, fa\u00dfte ich zusammen mit Herrn Kogon auf einer wissenschaftlichen Tagung der IG Metall, als bekannt geworden war, da\u00df die Notstandsgesetzgebung doch noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden sollte.<\/p>\n<p>3. Es ist unrichtig, da\u00df der &#8222;Bund der Deutschen&#8220; den Text an einige tausend Hochschullehrer versandt hat. Richtig ist vielmehr, da\u00df der Versand durch mich erfolgte.<\/p>\n<p>4. Es ist falsch, da\u00df der ,Bund der Deutschen&#8216; oder die &#8222;Deutsche Friedensunion&#8220; bei der Weitergabe des Briefes, dem bis dahin bereits 215 Kollegen zugestimmt hatten, an den DGB und die angeschlossenen Gewerkschaften Hilfe geleistet haben. Richtig ist, da\u00df er von mir weitergeleitet wurde. &#8211; Die &#8222;Hinterm\u00e4nner&#8220; des Aufrufes sind somit weder der Bund der Deutschen noch die DFU. Es gibt keine Hinterm\u00e4nner! Ich darf in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, da\u00df ich seit Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bin.&#8220;<br \/>Im Namen der DGB-Pressestelle schrieb Walter Fritze (der in dem Artikel der K\u00f6lnischen Rundschau genannt worden war) am 18. Mai 1965 an Professor Heinz Maus: &#8222;Ich m\u00f6chte Ihnen versichern, da\u00df von der Bundespressestelle des DGB niemals unterstellt worden ist, da\u00df die Ausarbeitung und Verbreitung des von Ihnen aufgesetzten &#8222;Professoren Briefes&#8220; zur Frage der Notstandsgesetzgebung im Zusammenwirken mit dem ,Bund der Deutschen&#8216; bzw. der &#8222;Deutschen Volkszeitung&#8220; erfolgt w\u00e4re. Wenn die &#8222;K\u00f6lnische Rundschau&#8220; und die Agentur ,dmt&#8216; solche Behauptungen aufgestellt haben, dann sind sie allein daf\u00fcr verantwortlich. Ebensowenig ist von unserer Pressestelle jemals erkl\u00e4rt worden, da\u00df der DGB dem Appell der Hochschul-Professoren eine Absage erteilt h\u00e4tte. Wenn die &#8222;K\u00f6lnische Rundschau&#8220; die Ihnen zugegangene und von uns seinerzeit ver\u00f6ffentlichte Antwort des DGB-Vorsitzenden, Herrn Rosenberg, als eine &#8222;deutliche Abfuhr&#8220; bezeichnete, dann ist das eine Auslegung, die dem Inhalt in keiner Weise entspricht. Genauso verh\u00e4lt es sich mit der Behauptung, da\u00df ich angeblich pers\u00f6nlich auf Anfrage eine solche Abfuhr best\u00e4tigt h\u00e4tte. Ich habe<br \/>vielmehr darauf hingewiesen, da\u00df f\u00fcr die Gewerkschaften der vom Bundeskongre\u00df in Hannover gefa\u00dfte Beschlu\u00df f\u00fcr eine Ablehnung der Notstandsgesetzgebung nach wie vor ma\u00dfgebend ist und wir daf\u00fcr auch eine eigene Begr\u00fcndung haben, so da\u00df wir uns insofern nicht mit dem Inhalt des Aufrufes der Professoren identifizieren.&#8220;<br \/>Professor Maus erkl\u00e4rte am 14. Mai 1965 in einer Stellungnahme zu den Vorg\u00e4ngen unter anderem: &#8222;Weil der Brief der Professoren ernstgenommen wird und in der breiten \u00d6ffentlichkeit endlich eine Diskussion \u00fcber den Zweck einer Notstandsverfassung ausgel\u00f6st hat, wird uns neuerdings vorgeworfen, wir h\u00e4tten uns politisch falsch verhalten und seien auf &#8222;kommunistische Drahtzieher&#8220; hereingefallen,\u00a0&#8211; eine perfide Verleumdung! Nichts leichter \u00fcbrigens, als ,&#8220;Hintergrundmaterial&#8220; bereitzustellen, aus dem sich jede Behauptung, also auch diese, belegen lie\u00dfe. Vermutlich ist die Hauptabsicht dabei nicht einmal so sehr, die Initiatoren des Appells zu treffen; sie soll wohl mehr den Zweck haben, in der \u00d6ffentlichkeit und besonders in Gewerkschaftskreisen Unsicherheit zu erzeugen. Was die Unterzeichner des ,Offenen Briefes&#8216; angeht\u00a0&#8211; und hier darf ich wohl im Namen aller sprechen -, ist es, gelinde gesagt, eine Unversch\u00e4mtheit, anzunehmen, da\u00df Universit\u00e4tslehrer des Lesens unkundig seien und nicht w\u00fc\u00dften, was sie und warum sie unterschreiben.&#8220;<br \/>Die Sache k\u00f6nnte als einer der \u00fcblichen Diffamierungsversuche abgetan werden, wenn nicht der Vorsitzende der SPD, Willy Brandt, am 30. Mai 1965 die Angelegenheit erneut aufgegriffen h\u00e4tte. Eine dpa-Meldung (30. 5. 1965\/1025 kl) berichtet \u00fcber die SPD-Frauenkonferenz in Koblenz: &#8222;An die Unterzeichner des Appells von \u00fcber 200 Hochschullehrern gegen Notstandsrechte f\u00fcr die Bundesregierung appellierte der Kanzlerkandidat der SPD, sich nicht mit Kr\u00e4ften zu verbinden, ,die mit der Demokratie nichts Gutes im Sinn haben. Brandt nannte den &#8222;Bund der Deutschen&#8220; als &#8222;notorische kommunistische Tarnorganisation&#8220;. Anders seien die meisten besorgten Stimmen aus den Gewerkschaften zu beurteilen &#8230;&#8220;<br \/>Es ist von dem Regierenden B\u00fcrgermeister Berlins und von dem Vorsitzenden der SPD nicht zu erwarten, da\u00df er die hier dargelegten Vorg\u00e4nge verfolgt hat. Es ist ihm jedoch\u00a0&#8211; ebenso wie dem Vorsitzenden des DGB &#151; zuzumuten, da\u00df er denjenigen, der seine Reden aufsetzt (bzw, denjenigen, der im Namen des DGB \u00c4u\u00dferungen abgibt) sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlt. An dieser Sorgfalt bei der Auswahl haben es jedoch Brandt und Rosenberg fehlen lassen. Beide \u00c4u\u00dferungen enthalten nicht einmal eine Sachbehauptung, die zu \u00fcberpr\u00fcfen ist, sondern eine pauschale Diffamierung, die sich\u00a0&#8211; nach der eindeutigen Darstellung von Professor Maus\u00a0&#8211; auf nichts anderes st\u00fctzen kann als auf den Abdruck des Appells in einem Extrablatt der Wochenzeitung des Bundes der Deutschen. Wer das als beweiskr\u00e4ftig f\u00fcr die Beziehung zwischen den Unterzeichnern des Appells und dem Bund der Deutschen ansieht, mu\u00df Konrad Adenauer zubilligen, da\u00df er sich vergleichsweise bei seinem Urteil \u00fcber den &#8222;Abgrund von Landesverrat&#8220; noch auf Tatsachen st\u00fctzen konnte. Im \u00fcbrigen m\u00fc\u00dfte dann die ausgesprochene Verd\u00e4chtigung auch f\u00fcr den Bundesvorstand des DGB gelten: Die Deutsche Volkszeitung druckte bereits am 30. April unter dem Titel &#8222;Kriegshysterie und Kriegsgefahr bannen!&#8220; den die Notstandsgesetzgebung ber\u00fchrenden Text der ,&#8220;Rededisposition des DGB-Bundesvorstandes f\u00fcr die Maifeiern 1965&#8243;.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[208],"publikationen":[2847],"class_list":["post-12176","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-vg","publikationen-6-1965-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Diffamierung der 215 Professoren - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/6-1965-vorgaenge\/publikation\/die-diffamierung-der-215-professoren\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Diffamierung der 215 Professoren - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Vorg\u00e4nge 6\/1965, S. 264-266 (vg) Die folgende Dokumentation behandelt am Beispiel der Behandlung des Notstandsappells von 215 Professoren (s. vg 5\/65, 214 f) einen Fall politischer Diffamierung. 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