{"id":12197,"date":"1985-03-31T19:00:00","date_gmt":"1985-03-31T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-kunst-kein-querulant-zu-sein\/"},"modified":"1985-03-31T12:00:00","modified_gmt":"1985-03-31T10:00:00","slug":"die-kunst-kein-querulant-zu-sein","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/74-vorgaenge\/publikation\/die-kunst-kein-querulant-zu-sein\/","title":{"rendered":"Die Kunst kein Querulant zu sein"},"content":{"rendered":"<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 74, Heft 2\/1985, S. 36-39<\/p>\n<p><b>I.<\/b><\/p>\n<p>Das Wort \u00bbQuerulant\u00ab ist ein Kampfbegriff. Man kann dies schnell daran erkennen, dass sich kein Querulant selbst als Querulant bezeichnet. Einige spielen zwar mit dieser Vokabel. Dies ist jedoch ein sicheres Anzeichen daf\u00fcr, dass sie es nicht sind, denn sie verm\u00f6gen noch, sich \u00fcber sich selbst und den Streit, in den sie verwickelt sind, mit ihren Gedanken zu erheben. Das Wort \u00bbQuerulant\u00ab wird verwandt, um den Gegner zu treffen, selten im unmittelbaren Angriff, sondern eher mittelbar, um die Zuschauer des Konflikts davon zu \u00fcberzeugen, dass der Gegner nicht ernst zu nehmen sei, dass man nicht auf ihn zu h\u00f6ren brauche. Gelingt es, die Zuschauer davon zu \u00fcberzeugen, dass der Gegner ein Querulant ist, wird er wehrlos. Jedes von ihm gebrachte Argument bekr\u00e4ftigt nur noch den Vorwurf der Querulanz.<\/p>\n<p>Wenn man versucht, den Begriff des Querulanten seines diskriminierenden Beiwerks zu entkleiden, so wird man den Querulanten als einen Menschen kennzeichnen k\u00f6nnen, der ein wirkliches oder vermeintliches Recht mit dem Anspruch auf eine h\u00f6here Moral und einem dem Anlass nicht angemessenen Einsatz durchzusetzen sucht.<\/p>\n<p>Am Anfang der Querulanz steht eine misslungene Konfliktl\u00f6sung. Fr\u00fcher, in der guten alten Zeit wurden Konflikte durch die \u00dcbermacht des einen Kontrahenten \u00fcber den anderen und letztlich durch Gewalt entschieden und sei es auch nur der im Duell sublimierten Gewalt. Da der Gewalt keine Moral innewohnt, konnte diese Streitentscheidung auch keine moralischen Grunds\u00e4tze verletzen.<\/p>\n<p>Heute ist die Gewalt domestiziert. Der Staat hat f\u00fcr sich ein Gewaltmonopol errichtet und verwaltet es nach allein von ihm aufgestellten Regeln mit dem Anspruch auf Gerechtigkeit durch seine Abgeordneten, Beamten und Richter.<\/p>\n<p>Dieser Anspruch auf Gerechtigkeit aber kann nur selten eingel\u00f6st werden. Die Regeln, in ein oft schwer \u00fcberschaubares System von Gesetzen und Verwaltungsanordnungen eingebaut, sind nicht gerecht und k\u00f6nnen es nicht sein. Der Satz, dass derjenige, der das Kreuz in der Hand h\u00e4lt, sich zu allererst selbst segnet, gilt noch heute. So denken die Architekten der Gesetze und Verordnungen zu allererst an sich selbst. In der parlamentarischen Demokratie grapschen zwar viele H\u00e4nde nach dem ihre Interessen segnenden Kreuz, der Segen verteilt sich deshalb auch auf mehr K\u00f6pfe, aber eine gleichm\u00e4\u00dfige Gerechtigkeit ist in niemandes Sinn.<\/p>\n<p>Das Alles w\u00e4re leichter zu ertragen, wenn unsere Gesetzgebungsmaschinerie nicht von einer Weihrauchwolke der Selbstgerechtigkeit umgeben w\u00e4re. Die Propagandisten unseres Staates glauben ihm zu dienen, wenn sie den Deutschen Bundestag mit der Gloriole von Weisheit und Gerechtigkeit umgeben, obwohl jedermann wei\u00df, dass er sie nicht verdient hat und vielleicht nicht einmal erstreben sollte, wenn er seiner politischen Aufgabe gerecht werden will. Das Pathos des Oberkonsistorialrats a.D. Gerstenmeier und die \u00d6lspur des Gerichtsreferendars a.D. Barzel m\u00f6gen als ungute Beispiele gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Mehrzahl unserer B\u00fcrger h\u00e4lt es wie die deshalb auch von ihnen gew\u00e4hlten Abgeordneten. Sie wei\u00df, dass Klappern zum Handwerk geh\u00f6rt und durchschaut mit wissendem L\u00e4cheln zufrieden das System. Sie wei\u00df ihre Vorteile zu nutzen. Eine ganze Industrie von Rechtsanw\u00e4lten, Steuerberatern und Experten aller Art hilft ihr dabei; die Gro\u00dffirmen haben eigene Abteilungen zu diesem Zweck eingerichtet.<\/p>\n<p><b>II.<\/b><\/p>\n<p>Doch bei nicht wenigen f\u00e4llt der \u00f6ffentliche Anspruch auf Gerechtigkeit auf fruchtbaren Boden und l\u00e4sst ihr Gef\u00fchl f\u00fcr Gerechtigkeit sprie\u00dfen; ob ins Kraut oder ins Unkraut ist oft nur eine Frage des Standpunkts. Allemal verlassen diese Menschen den Kreis der Masse, der sich, in dem aus Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit gemischten System stets den eigenen Vorteil suchend, behaglich eingerichtet hat, &#151; sie werden zu Au\u00dfenseitern. Von diesen Au\u00dfenseitern lebt die Gesellschaft. Sie sind es, die immer wieder den Anspruch der Gesellschaft auf Gerechtigkeit einklagen, so verhindern, dass die allgemeine Selbstsucht \u00fcberhand nimmt und so &#151; oft ohne es zu wissen &#151; das von ihnen kritisierte System stabilisieren. Viele gro\u00dfe politische und k\u00fcnstlerische Leistungen haben hier, in dem Kampf f\u00fcr Gerechtigkeit und eine bessere Welt ihren Ursprung.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist ohne die Idee der sozialen Gerechtigkeit nicht zu denken. Die Tatsache, dass eine <i>Idee <\/i>die Triebfeder war, erkl\u00e4rt, dass es nicht als Widerspruch empfunden wurde, wenn viele hervorragende Pers\u00f6nlichkeiten der Arbeiterbewegung &#151; Marx, Engels, Lassale &#151; selbst keine Arbeiter waren. Dieser Ursprung der Arbeiterbewegung erkl\u00e4rt auch die Schwierigkeiten, die sich mit ihrem zunehmendem Erfolg einstellten und die sonst paradox erscheinen m\u00fcssten. Der Abbau der sozialen Ungerechtigkeiten und die Integration der Arbeiterbewegung in das System des Staates m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig ihre Schubkraft mindern.<\/p>\n<p>Die Kunst des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts ist bis in die Gegenwart hinein ein Kampf f\u00fcr eine bessere Welt. Sicherlich gab es auch eine von den M\u00e4chtigen gekaufte Kunst; doch sie will uns heute fade erscheinen und ist weitgehend vergessen. Geblieben ist eine Kunst, die nach neuen Ufern ausschaut und ein Lebensgef\u00fchl ausdr\u00fcckt, das nicht das ihrer Zeit war. Heute m\u00fcssen wir schon daran erinnert werden, dass die Maler der \u00bbBr\u00fccke\u00ab oder die Maler in Worpswede &#151; um wahllos Beispiele zu nennen &#151; in ihrer Zeit Au\u00dfenseiter waren. Die \u00bbverbrannten Dichter\u00ab erscheinen uns heute schon als Klassiker der Moderne.<\/p>\n<p>Diese zwei Beispiele m\u00f6gen gen\u00fcgen, um die Unentbehrlichkeit der Au\u00dfenseiter f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung aufzuzeigen. Ich brauche kaum zu belegen, dass vergleichbare Auseinandersetzungen auch heute stattfinden und dass die Inhaber staatlicher Macht zwar in Sonntagsreden sich in die Tradition der Au\u00dfenseiter von gestern stellen, gleichzeitig aber auf Kritik der Au\u00dfenseiter von heute d\u00fcnnh\u00e4utig reagieren. Noch harmlos hat dies Bundeskanzler Kohl ausgedr\u00fcckt, wenn er sagt, er lasse sich seine Lebensfreude nicht durch Kritik verg\u00e4llen. Das Abrei\u00dfen von Plakaten des Graphikers Klaus Staeck in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn durch den jetzigen Bundestagspr\u00e4sidenten Jenniger erinnert dagegen schon peinlich an die j\u00fcngste Vergangenheit.<\/p>\n<p>Uns interessiert an dieser Stelle aber kaum die Befindlichkeit der kritisierten M\u00e4chtigen, sondern die Frage, wie sich die Au\u00dfenseiter der Gesellschaft in ihrer Rolle zurechtfinden. Wie verm\u00f6gen sie als Au\u00dfenseiter zu leben, ohne Querulanten zu werden, sie, die allemal den Keim der Querulanz in sich tragen. Es sind zwei Dinge, die Schutz gew\u00e4hren, der Glaube, f\u00fcr eine h\u00f6here Idee zu stehen und die Einbettung in Partnerschaft und Freundschaft.<\/p>\n<p>Der Einsatz f\u00fcr eine h\u00f6here Idee ist ein entscheidendes Kriterium und der Punkt, an dem sich der Au\u00dfenseiter deutlich vom Querulanten unterscheidet. Die Idee lebt nur aus der Kraft derer, die sie in die Welt hinaustragen. Gleichzeitig hilft sie ihnen, den Blick zu den Sternen zu erheben. Die Schar der Gegner schrumpft schnell in den dann sichtbaren Weiten. Gleichzeitig immunisiert die Idee gegen die Schmerzen der Wunden, die die Gegner zu schlagen wissen. Die religi\u00f6sen M\u00e4rtyrer aus l\u00e4ngst vergessenen Jahrhunderten bis zu den von der Nazijustiz ermordeten Zeugen Jehovas m\u00f6gen als Beleg dienen.<\/p>\n<p>Ein zweiter Schutzwall um den Au\u00dfenseiter, der ihn vor dem Abgleiten in die Querulanz sch\u00fctzt, wird von Partnerschaft und Freundschaft gezogen. Oft erkennt man diese Einbindung in Partner- und Freundschaft erst auf den zweiten Blick. In Krisensituationen wird sie jedoch allemal sichtbar. Viele Abschiedsbriefe der von den Nazis Hingerichteten m\u00f6gen hier als ersch\u00fctternder Beleg dienen.<\/p>\n<p>Freundschaft und Partnerschaft haben eine doppelte Funktion:<\/p>\n<p>Kaum ein Au\u00dfenseiter ist so stark, dass er allein bestehen k\u00f6nnte. Gerade seine oft \u00fcbergro\u00dfe Sensibilit\u00e4t braucht die Best\u00e4tigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Es gibt nur wenige, die ihren Weg allein zu gehen verm\u00f6gen. Die Betonung der Solidarit\u00e4t in der Arbeiterbewegung und das genossenschaftliche \u00bbDu\u00ab &#151; von Au\u00dfenstehenden oft verlacht &#151; sind sicherlich ebenso wenig ein Zufall, wie die fr\u00fcher zahlreichen Arbeitervereine, vom Arbeiterbildungsverein bis zum Arbeitersportverein. Die Lebensl\u00e4ufe von Malern sind gekennzeichnet von dem Zusammenschluss in zahlreichen B\u00fcnden. Bei den Gr\u00fcnen unserer Tage k\u00f6nnen wir wiederum das anr\u00fchrende Suchen nach menschlicher N\u00e4he unter dem Druck \u00e4u\u00dferer Ablehnung beobachten und als Gegenst\u00fcck ihre Angst vor den Regularien einer systemimmanenten Partei. Das regelm\u00e4\u00dfige Treffen \u00bblinker\u00ab Richter im \u00bbRichterratschlag\u00ab habe ich zu beobachten und in diesem Sinne zu werten immer wieder Gelegenheit gehabt. Ich selbst verdanke ihm viel.<\/p>\n<p>Partnerschaft und Freundschaft haben indessen noch eine zweite Funktion. Sie sind die Br\u00fccke zur Welt der Mehrheit. Jeder Au\u00dfenseiter ist in der Gefahr der Selbstisolierung und der Isolierung von au\u00dfen. Vorbedingung des Erfolges ist die Konzentration des Au\u00dfenseiters auf seine notwendig begrenzte Gedankenwelt. Deshalb wird die Isolierung von Au\u00dfenseitern bewusst oder unbewusst gesucht. Die Isolierung ist aber auch eine Strategie der Au\u00dfenwelt, um ihr gef\u00e4hrliche Gedanken in Quarant\u00e4ne zu halten. Selbst- und Au\u00dfenisolierung verst\u00e4rken sich gegenseitig und k\u00f6nnen schnell zu einer ernsten Gefahr werden. Entfernt sich der Au\u00dfenseiter zu weit von der Gedankenwelt seiner Mitmenschen, schwindet seine Wirkung auf die Gegenwart; vielleicht wird er zum Propheten einer k\u00fcnftigen Zeit &#151; oder er wird vergessen. Hier haben Partner und Freunde eine lebensrettende Aufgabe. Der Gedankenwelt drau\u00dfen und des Au\u00dfenseiters gleicherma\u00dfen verbunden und von seinem Vertrauen getragen k\u00f6nnen allein sie die Br\u00fccke schlagen. Auch hier wiederum ein Beleg: Der Terrorismus der RAF ist ohne diese Isolierung nicht erkl\u00e4rbar. Darum ist ihre Isolierung auch noch in der Haft gerade der verkehrte Weg, wenn man dem Terrorismus begegnen will.<\/p>\n<p><b>III.<\/b><\/p>\n<p>Ich habe bisher fast nur von Au\u00dfenseitern gesprochen und h\u00e4tte doch von Querulanten sprechen sollen. Doch mir schien die zugegeben lange Vorrede notwendig, weil Querulanten aus dem Gleichgewicht geratene Au\u00dfenseiter sind. Mit den Au\u00dfenseitern gemeinsam haben sie die (Selbst)isolierung und die Konzentration auf ihre Gedankenwelt. Mit vielen von ihnen gemeinsam haben sie die fehlende Bereitschaft, oft auch die Unf\u00e4higkeit, aus der Isolierung, aus dem Kreis ihrer Gedanken auszubrechen.<\/p>\n<p>Von den Au\u00dfenseitern, von denen ich sprach, trennt sie die Konzentration auf einen Punkt meist sehr pers\u00f6nlichen Interesses und ihre Unf\u00e4higkeit, ihn in allgemeinen Zusammenh\u00e4ngen zu sehen. Sie lassen sich hereinziehen in den Apparat, den der Staat zur Konfliktregelung bereith\u00e4lt, ohne seine Mechanismen zu \u00fcberblicken und betreiben ihren Kampf mit einer Flut von Eingaben und Beschwerden. Die Angegriffenen und die Angreifer machen Fehler, meist eher auf der formellen Ebene. Es werden falsche Begr\u00fcndungen gegeben, ein ungl\u00fcckliches Wort zuviel geschrieben, Fristen und Formalien nicht eingehalten und bald ist in dem Wust von Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen der Kern der Sache kaum noch zu erkennen; der Schauplatz des Kampfes bildet Metastasen. Der Au\u00dfenstehende sieht nur noch ein w\u00fcstes Kn\u00e4uel, wie bei einer Hundebei\u00dferei. In der Endphase eilen in unserer wissenschaftlich orientierten Welt Psychiater in wei\u00dfen Kitteln herbei und stellen Diagnosen.<\/p>\n<p>Der Querulant vermag nicht zu erkennen, dass er auf einen Trick der Gesellschaft hereingefallen ist; sie hat ihm eine Apparatur f\u00fcr seinen Kampf angeboten, in dem er, zu guter letzt selbst zermahlen dem Spott und den Gerichtskosten zum Opfer f\u00e4llt. Darum aber ist Spott gegen Querulanten v\u00f6llig fehl am Platz, Hilfe juristischer Art, der den Armen nur noch tiefer in dem Mahlwerk verschwinden l\u00e4sst, keine wahre Hilfe.<\/p>\n<p>Ist die Diagnose richtig, liegt die Therapie auf der Hand. An erster Stelle muss das Eingest\u00e4ndnis von der Ungerechtigkeit der Welt stehen, die man mildern, aber nicht aus der Welt zu verbannen vermag, &#151; weder mit einem gro\u00dfen Schlag noch mit vielen Nadelstichen. Auf die Zaren folgte Stalin, auf den sozialdemokratischen der christdemokratische Filz. Ich will diese resignative Feststellung keineswegs als Aufruf verstanden wissen, auch die s\u00fc\u00dfen Fr\u00fcchte des Unrechts zu genie\u00dfen, wenn die Sonne schon \u00fcber Gerechten und Ungerechten scheint. Nur darf man bei dem Kampf gegen Unrecht weder im Himmel noch auf Erden ein \u00fcberm\u00e4chtiges Prinzip der Gerechtigkeit vermuten, das den Erfolg garantiert. Sonst zerst\u00f6rt der nicht eben unwahrscheinliche Misserfolg die Seele des K\u00e4mpfers f\u00fcr die Gerechtigkeit. Die schlauen Priester aller Religionen versprechen deshalb die Belohnung auch erst im unkontrollierbaren Jenseits. Trost kann allein die Erkenntnis spenden, dass diese Welt unbewohnbar w\u00fcrde, wenn nicht immer wieder Frauen und M\u00e4nner gegen das Unrecht aufstehen w\u00fcrden. Der Einsatz f\u00fcr eine gerechte Sache tr\u00e4gt den Wert in sich, auch wenn er vergeblich ist. Wer den Erfolg entscheiden l\u00e4sst, gibt die Entscheidung \u00fcber den Wert des eigenen Einsatzes aus der Hand.<\/p>\n<p>Zum zweiten gilt es, den Teufelskreis von Isolierung und Selbstisolierung zu durchbrechen. Wer in die Isolierung geraten ist, ist verloren! Hier bietet gegenw\u00e4rtig der politische Kampf der Konservativen in diesem unseren Lande gegen die Gr\u00fcnen reiches Anschauungsmaterial mit dem wenig logischen Versuch, sie gleichzeitig durch den Vergleich mit den Feindbildern der Nazis und Kommunisten in die Ecke zu stellen (Geisler). Damit korrespondieren Bestrebungen in einem Teil dieser Partei (Bahro), sich freiwillig in das Abseits zu begeben. Wenn auch die Isolierung so gro\u00dfer Gruppen, wie der Gr\u00fcnen, kaum gelingen kann und nur zu ihrer Solidarisierung beitr\u00e4gt, so wird doch deutlich, dass sie f\u00fcr kleine Gruppen und Einzelne schnell zum Verh\u00e4ngnis werden kann<\/p>\n<p>Die dritte Gegenstrategie liegt in der sinnvollen Auswahl der Ziele und dem rationellen Einsatz der Ressourcen. Nur gro\u00dfe Ziele lohnen einen gro\u00dfen Einsatz. Ein verbissener Kampf um die Stellen hinter dem Komma kann nicht sinnvoll sein. Hier muss man ohne Bedauern auch Gel\u00e4nde opfern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und die schwierigste Frage: wie gehen wir mit Menschen um, bei denen Vorsorge zu sp\u00e4t kommt, die schon zu \u00bbQuerulanten\u00ab geworden sind? Das menschlich N\u00e4chstliegendste, sie von den querulantenhaften Z\u00fcgen ihres Tuns zu \u00fcberzeugen und so zu heilen, ist aussichtslos. Es gilt, einerseits die Tatsache anzuerkennen, dass Gedanken sich festfressen k\u00f6nnen und andererseits, sich nicht anstecken zu lassen. Als Erste Hilfe ist sicherlich die solidarische Begleitung geboten, die darauf bedacht ist; eine Selbstsch\u00e4digung abzuwenden. Langfristig kann nur der Versuch helfen, die eingetretene Isolierung langsam, aber zielstrebig aufzubrechen und das verfolgte Ziel in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang zu stellen. Niemals aber darf Hochmut aufkommen. Die rechte Balance zwischen Teilnahme und N\u00fcchternheit scheint mir das Problem des Helfers.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[222],"publikationen":[1276],"class_list":["post-12197","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-ulrich-vultejus","publikationen-74-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Kunst kein Querulant zu sein - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/74-vorgaenge\/publikation\/die-kunst-kein-querulant-zu-sein\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Kunst kein Querulant zu sein - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Aus: vorg\u00e4nge Nr. 74, Heft 2\/1985, S. 36-39 I. 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