{"id":12247,"date":"1976-12-31T12:00:00","date_gmt":"1976-12-31T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/ein-cartesianischer-diskurs-um-theorie-und-praxis-der-wirtschaftspolitik\/"},"modified":"1976-12-31T12:00:00","modified_gmt":"1976-12-31T11:00:00","slug":"ein-cartesianischer-diskurs-um-theorie-und-praxis-der-wirtschaftspolitik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/ein-cartesianischer-diskurs-um-theorie-und-praxis-der-wirtschaftspolitik\/","title":{"rendered":"Ein cartesianischer Diskurs um Theorie und Praxis der Wirtschaftspolitik?"},"content":{"rendered":"<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 24 (Heft 6\/1976), S. 100-103<\/p>\n<p><i>Wirtschaftspolitik in der Umweltkrise. Strategien der Wachstumsbegrenzung und Wachstumsumlenkung. Herausgegeben von J\u00f6rg Wolff, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1974, 288 Seiten, DM 28.<\/i><\/p>\n<p>Lars Gustafsson hat k\u00fcrzlich die Frage aufgeworfen, wie ein in unseren Tagen entfachter cartesianischer Streit wohl auss\u00e4he, ein Begriffsstreit, der ganze Wissenschaftszweige auf den Kopf stellen und eine radikal neue Art der Ann\u00e4herung an bekannte Probleme er-zwingen w\u00fcrde &#8211; und ob er \u00fcberhaupt stattfinden k\u00f6nne. Jede Zeit habe ihre Diskursverbote, verbotene oder halbwegs verbotene Gespr\u00e4chsthemen, Gebiete, \u00fcber die nur in geschlossenen Zirkeln diskutiert wird, Begriffe, die auf Eis gelegt sind, in Erwartung anderer Zeiten. Mit Hilfe von Reservaten, Zunftregeln, mit ausdr\u00fccklichen Geboten oder Verboten werde das subtile Gleichgewicht, die Stabilit\u00e4t des kollektiven Denkens gewahrt. Lars Gustafsson stellte auch die Frage, wo ein solcher cartesianischer Streit stattfinden k\u00f6nnte und gab als vorsichtige Antwort: vielleicht bei den Volkswirtschaftlern, vielleicht bei den Marxisten, vielleicht bei den Atomphysikern. Was ein Problem der Volkswirtschaftler angeht, so nannte er deren (ziemlich) festgef\u00fcgten Glauben, Arbeitslosigkeit und Inflation seien unvereinbar, weil eine allgemein akzeptierte Theorie es so will, obwohl man tagt\u00e4glich sehen kann, da\u00df das nicht stimmt.<br \/>Gustafsson erw\u00e4hnte nicht den Glauben der Volkswirtschaftler an das Wirtschaftswachstum, nicht die g\u00e4ngige Gleichsetzung von Wirtschaftswachstum und Wohlfahrtssteigerung, was beides auf eine festgef\u00fcgte eindimensionale Theorie menschlichen Handelns zur\u00fcckgeht, obwohl wir tagt\u00e4glich sehen k\u00f6nnen, da\u00df es Grenzen des Wachstums gibt, da\u00df Wachstum keineswegs steigende Wohlfahrt bedeuten mu\u00df, weder f\u00fcr den Einzelnen, noch f\u00fcr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, und da\u00df Wachstumsprozesse in Form der Umweltsch\u00e4den auch die Grundlagen zuk\u00fcnftigen Lebens zerst\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In diesem Themenzusammenhang mu\u00df ein Buch vorgestellt werden mit dem Titel: Wirtschaftspolitik in der Umweltkrise. Strategien der Wachstumsbegrenzung und Wachstumsumlenkung. Es enth\u00e4lt die Referate und Seminarergebnisse des 3. Symposiums f\u00fcr wirtschaftliche und rechtliche Fragen des Umweltschutzes an der Hochschule St. Gallen. (Die Referate und Seminarergebnisse der vorangegangenen Symposien sind dem Leser dieser Zeitschrift bereits vorgestellt worden, vgl. Vorg\u00e4nge 4\/73). Dieses Buch stellt nicht- um es vorweg zu nehmenden von Gustafsson avisierten cartesianischen Diskurs dar, es liefert jedoch in Teilen bemerkenswerte Ans\u00e4tze hierzu.<br \/>Da ist zun\u00e4chst der Beitrag von W. A. J\u00f6hr \u00fcber die &#132;Instrumente der Wachstumsbegrenzung und der Wachstumsumlenkung&#148;, in dem eine systematische \u00dcbersicht \u00fcber die vorhandenen und denkbaren Instrumente gegeben wird und in dem eine Antwort auf die Frage nach dem &#132;und\/oder&#148; von Begrenzung und Umlenkung des Wachstums und der entsprechenden Wahl der richtigen Instrumente versucht wird. J\u00f6hr entscheidet sich hier-bei ausdr\u00fccklich f\u00fcr eine wertbezogene Analy3e, im Gegensatz zu vielen Wachstumstheoretikern, die vorgeben, wertfrei zu argumentieren, die Grundentscheidung f\u00fcr Wachstum aber nicht als wertbezogen anerkennen. Wie gewohnt, ist J\u00f6hr sehr pr\u00e4zise in der Formulierung und Definition der Begriffe- auch im Gegensatz zu vielen Wachstumsprotagonisten, die von der Wachstumsnotwendigkeit sprechen, aber nicht sagen, was sie mit Wachstum meinen und f\u00fcr wen sie es meinen. J\u00f6hrs Ausf\u00fchrungen sind jedoch in zweifacher Hinsicht erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftig: in der Konzentration seines Themas auf ein wirtschaftspolitisches Ziel bzw. ein Aktionsfeld der Wirtschaftspolitik, gehen die Bez\u00fcge zu anderen Zielen und Aktionsfeldern teilweise verloren, die trade-offs zwischen den Aktionsfeldern und Instrumentvariablen werden nicht immer sichtbar; die logische Konsequenz seiner Argumentationskette w\u00e4re der Aufbau eines umfassenden \u00f6konometrischen Planungsmodells. Zum anderen aber geht J\u00f6hr von einer Vorstellung vom Staat und seiner wirtschaftspolitischen Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten aus, an der die Marxistische Kritik nicht genagt hat. Die Verfilzung (und das teilweise Zusammenfallen) von wirtschaft-lichem Wachstumsinteresse und politischem Legitimationsinteresse mu\u00df ein Hauptaugenmerk jeder qualitativen \u00c4nderung traditioneller Wirtschaftspolitik und der Theorie der Wirtschaftspolitik sein- auf jeden Fall aber auch Inhalt und Ansatzpunkt eines cartesianischen Diskurses sein.<br \/>Der Beitrag von D. L.1Vleadows \u00fcber &#132;Das Gleichgewicht und seine Verwirklichung&#148; ist in englischer Sprache an anderer Stelle erschienen und zu bekannt, als da\u00df er hier noch vorgestellt werden m\u00fc\u00dfte. Aber auch hier ist anzumerken, da\u00df f\u00fcr ihn die Kritik der Fehleinsch\u00e4tzung der Funktionen und der Funktionsf\u00e4higkeit des Staates ebenfalls zutreffen d\u00fcrfte.<br \/>Zwei Beitr\u00e4ge (E. Batschelet und H. G. Graf) sind den Problemen der Bev\u00f6lkerungsbegrenzung und der Zuwanderungsbegrenzung (zweites Kapitel) gewidmet und f\u00fcr sich sehr lesenswert.<br \/>F\u00fcr au\u00dferordentlich bedeutsam halte ich den Beitrag von H. C. Binswanger\/E. Ledergerber \u00fcber &#132;Bremsung des Energiezuwachses als Mittel der Wachstumskontrolle&#148;. Der entscheidende Fehler, so sagen sie, der traditionellen \u00d6konomie liberaler und marxistischer Pr\u00e4gung ist die Au\u00dferachtlassung der Energie als Produktionsfaktor; ihre Einbeziehung stelle sowohl die Arbeitswertlehre (Smith, Marx) als auch die subjektive Wertlehre (Walras, Neoklassik) in Frage. Da das statistische Material f\u00fcr die meisten L\u00e4nder eine Energie-Elastizit\u00e4t des Bruttosozialprodukts von gleich bzw. gr\u00f6\u00dfer als eins ergibt, d.h. der Energieverbrauch mehr oder weniger proportional zum Bruttosozialprodukt gestiegen ist, sehen die Autoren in der Regulierung des Energiezuwachses den entscheidenden Ansatzpunkt einer Politik der Begrenzung bzw. Umlenkung des quantitativen Wachstums in Richtung auf qualitatives Wachstum. Von besonderer Bedeutung mu\u00df dabei sein, da\u00df die Bremsung des Energiezuwachses nicht zu Arbeitslosigkeit f\u00fchrt: wohl kann dadurch die Nachfrage nach Arbeit in der Investitionsg\u00fcterindustrie zur\u00fcckgehen, &#132; . . . gleichzeitig wird aber die Nachfrage nach Arbeit in der Konsumg\u00fcterindustrie und bei den Dienstleistungen zunehmen, da die Arbeit ein Ersatz f\u00fcr die knapper werdende Ener-gie ist. Wachstumsbremsung durch Energiekontrolle ist daher Wachstumsbremsung ohne Arbeitslosigkeit&#148; (S 111).<br \/>Ber\u00fccksichtigt man &#8211; was die Verh\u00e4ltnisse in der Bundesrepublik betrifft &#8211; zus\u00e4tzlich den au\u00dferordentlich hohen Anteil der verarbeitenden Industrie an der Erstellung des Bruttosozialprodukts (fast 10 Prozentpunkte h\u00f6her als in allen anderen OECD-L\u00e4ndern), so sind damit wesentliche Ansatzpunkte einer qualitativen Wirtschafts- und Strukturpolitik aufgezeigt: &#132;Die doppelte Problematik der Energie &#8211; ihre Bedeutung als . . . Produktionsfaktor einerseits und die Gefahren, die sich aus den mit ihr verbundenen Immissionen oder der Abw\u00e4rme ergeben &#8211; lassen sie als geeignete Ansatzpolitik einer Wachstumskontrolle erscheinen, ganz abgesehen von allf\u00e4lligen akuten Energiekrisen, die eine zu gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit von der Energie au\u00dferordentlich problematisch machen&#148; (S 116).<br \/>Die zu erwartende Kritik an diesem Vorschlag ist den Autoren klar: &#132;An der Energiefrage scheiden sich die Geister; wer der Meinung ist, da\u00df die Umwelt keine so rapide zunehmende Belastung mehr ertr\u00e4gt, wird den Energiezuwachs als zentralen Ansatzpunkt eines umweltkonformen Wirtschaftens erkennen. Wer hingegen dem quantitativen Wachstum der Wirtschaft weiterhin Priorit\u00e4t einr\u00e4umt und dem Umweltschutz nur eine Funktion zur Dekoration des Wirtschaftswachstums zuerkennt, wird jeden Versuch zur Begrenzung des Energiezuwachses ablehnen&#148; (S 117).<br \/>In einem Anhang attackieren Binswanger\/Ledergerber die herk\u00f6mmliche Praxis, eine prognostizierte &#132;Versorgungsl\u00fccke&#148; zum Gegenstand der Energiepolitik zu machen: Nicht der prognostizierte Bedarf, sondern die \u00f6kologisch zul\u00e4ssige Angebotserweiterung mu\u00df der Ansatzpunkt der Energiepolitik sein&#8220; (S 121).<br \/>Den Wertsetzungen, die den &#132;Bedarf&#148; bestimmen, widmet sich K. M. Meyer-Abich in seinem Beitrag, der mit dem Satz beginnt: &#132;Die industrielle Wirtschaft arbeitet, wie die Umweltprobleme zeigen, in dem Sinne unwirtschaftlich, da\u00df die gesamtwirtschaftlich entstehenden Kosten durch die Ertr\u00e4ge nicht gedeckt werden&#148; (S 126) &#8211; ein Satz, der hier weiter diskutiert werden m\u00fc\u00dfte, wenn dies nicht im Zusammenhang mit den Arbeiten von K. W. Kapp und F. Vilmar in einem fr\u00fcheren Heft schon einmal geschehen w\u00e4re (Vor-g\u00e4nge, 4\/73).<br \/>Kurz, aber verst\u00e4ndlich ist der Beitrag von J. Tinbergen \u00fcber &#132;Die drohende Ersch\u00f6pfung der Energie- und Rohstoffvorr\u00e4te und die sich daraus ergebenden Aufgaben&#148;, ein Thema, zu dem sich die Gruppe um Tinbergen inzwischen ja umfassender ge\u00e4u\u00dfert hat.<br \/>Auf hohem theoretischen Niveau, damit aber weniger gut verst\u00e4ndlich f\u00fcr den Nichtfachmann, ist der Beitrag von R. L. Frey\/H. Br\u00fcngger \u00fcber &#132;Wachstumslenkung durch Infrastrukturpolitik&#148;, der sich mit der Bedarfsermittlung, den Alternativen zum Bedarfskonzept, dem Zuteilungs- und dem Investitionsproblem auseinandersetzt. Die wesentlichen Anreize zur Befolgung einer umweltgerechten Infrastrukturpolitik sehen die Autoren (jedoch nicht ohne Selbstironie) in der Anwendung bzw. Umgestaltung des Preismechanismus: &#132;Techniker und Planer sehen bei auftretenden Engp\u00e4ssen meist nur eine L\u00f6sung, n\u00e4mlich diejenige, f\u00fcr die sie ausgebildet worden sind: bauliche Investitionen. Juristen neigen zu Verboten und Geboten, \u00d6konomen . . . zur Preisl\u00f6sung. Jede andere L\u00f6sung w\u00fcrden sie als Eingest\u00e4ndnis eigener Unf\u00e4higkeit empfinden und daher ablehnen&#148; (S 186). Nicht alle \u00d6konomen allerdings w\u00fcrden diesen letzten Satz unterschreiben, auch nicht alle \u00d6konomen, die in diesem Band zu Wort kommen. Beispielsweise pl\u00e4diert R. M\u00fcller- Wenk f\u00fcr die Mengenl\u00f6sung, im Sinne der Festlegung von Umweltbelastungs-Kontingenten.<br \/>In diesem 4. Kapitel \u00fcber &#132;Infrastruktur: Prognose oder Planung&#148; finden sich zwei weitere Beitr\u00e4ge, von denen der erste (A. Nydegger: &#132;Infrastrukturpolitik und Input-Output-Ana-lyse&#148;) hier und an dieser Stelle unmittelbar einleuchtet, w\u00e4hrend der zweite (D. Schr\u00f6der: &#132;Zw\u00e4nge und M\u00f6glichkeiten staatlicher Strukturpolitik&#148;) alles m\u00f6gliche anschneidet, aber nur wenig pr\u00e4zise ist; interessant ist nur der Titel.<br \/>Erfreulicherweise kommen neben den Sozialwissenschaftlern auch einige Naturwissenschaftler zu Wort, A. P. Speiser: &#132;Umweltschutz und technischer Fortschritt&#148;, F. Vester: &#132;Prinzip und Bedeutung kybernetischer Technologien&#148;. Speisers Beitrag bleibt indes sehr vage. Er spricht des \u00f6fteren von fundierter Betrachtung, liefert diese. aber nicht selbst. Am Ende gibt er auf die Frage, was die Technik zum Umweltschutz beitragen k\u00f6nne, die Antwort &#132;nichts&#148;, mit dem Hinweis, die Technik sei ja nur ein Instrument in der Hand des Menschen . . .<br \/>Dagegen ist F. Vesters Beitrag ein hervorragendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Lernen aus Prinzipien lebender Systeme, eine lesenswerte Attacke gegen die fach disziplinorientierte Methode der Behandlung der Umweltproblematik, gegen das punktuelle Vorgehen, das sich in Hunderten von Beispielen belegen l\u00e4\u00dft. Entsprechend sieht er den Richtung gebenden L\u00f6sungsversuch der Umweltproblematik in kybernetischen und bionischen Ans\u00e4tzen, die die Wechselbeziehungen zwischen Gebieten, das Recycling, die Kombination von Technologien bisher getrennter Bereiche, die Nutzung von Symbiosen, die Umlenkung der Arbeitskraft aus der Produktionst\u00e4tigkeit in die Dienstleistungen, Organisation und Steuerungst\u00e4tigkeit in Betracht ziehen.<br \/>Nimmt man die in der Natur zu beobachtenden biologischen Funktionen als Modell, so kann man nur hoffen, nicht aber mit Gewi\u00dfheit sagen, da\u00df das Krisenstadium der Umweltproblematik schnell \u00fcberwunden wird, da\u00df der \u00dcbergang von der station\u00e4ren Phase \u00fcber die Phase des exponentiellen und logarithmischen Wachstums in eine kybernetisch vernetzte Phase h\u00f6herer Dichte rasch genug erfolgt, als da\u00df die eintretenden Sch\u00e4den \u00fcberhand nehmen und unhantierbar werden. Seine Forderungen unterstreicht er mit Beispielen und konkreten Vorschl\u00e4gen f\u00fcr den St\u00e4dtebau, die Nahrungsmittelversorgung. Er warnt zugleich davor, die L\u00f6sung des Umweltproblems in Verboten und Kontrollen zu sehen. &#132;Statt mit Vorschriften die Privatinitiative zu hemmen, sollten wir \u00fcberlegen, wie man die sch\u00f6pferische Kraft des Profitstrebens unserer Marktwirtschaft f\u00fcr den Ausweg aus der Umweltmisere einsetzen kann&#148; (5 243). Wie dies geschehen kann, sagt Vester allerdings nicht.<br \/>Einiges dazu findet man indes im abschlie\u00dfenden Kapitel \u00fcber Unternehmenspolitik, insbesondere in den Beitr\u00e4gen von F. Kern \u00fcber: &#132;Struktur\u00e4nderungen zur Wachstums-beschr\u00e4nkung&#148; und R. M\u00fcller-Wenk: &#132;Ein Vorschlag aus einzelwirtschaftlicher Sicht zur Realisierung einer umweltkonformen Wirtschaft&#148;.<br \/>Kern macht sich Gedanken zu den Elementen einer mit einer Gleichgewichtswirtschaft kompatiblen Unternehmensstrategie und n\u00e4hert sich dabei gelegentlich Vorstellungen und Vorschl\u00e4gen, wie sie von H. E. Daly (Toward a Steady-State Economy, San Francisco 1973), in Weiterentwicklung der fr\u00fchen \u00dcberlegungen von John Stuart Mill vorgebracht worden sind.<br \/>R. M\u00fcller- Wenk widmet sich der Entsch\u00e4rfung des unternehmerischen Dilemmas (Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens versus Erhaltung der nat\u00fcrlichen Umwelt). Interessant und weiter verfolgenswert sind seine Vorschl\u00e4ge einer \u00f6kologischen Buchhaltung auf einzelwirtschaftlicher Ebene, die Einf\u00fchrung von Umweltbelastungskontingenten, der Re-Definition von Begriffen f\u00fcr wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.<br \/>Verb\u00e4nde man diese in diesem Band und vor allem an dieser Stelle vorgebrachten mikro\u00f6konomisch orientierten Vorschl\u00e4ge mit den Ideen, Vorschl\u00e4gen und Modellen, die inzwischen &#8211; vor allem in den USA und in Japan &#8211; unter den Stichworten &#132;Social Auditing&#148;, &#132;Sozialbilanz&#148; entwickelt worden sind und erg\u00e4nzte man sie durch verwandte Vorgehensweisen auf der makro\u00f6konomischen Ebene (&#132;Wohlfahrtsorientiertes Sozialprodukt&#8220;, &#132;Sozialindikator&#8220;), so h\u00e4tte man nicht nur eine tragf\u00e4hige Perspektive f\u00fcr die Behandlung und L\u00f6sung von Krisenerscheinungen von Wirtschaft und Umwelt. Man h\u00e4tte dann auch eine Perspektive f\u00fcr einen neuen wissenschaftlichen Diskurs &#8211; sicherlich nicht mit einer vergleichbaren Reichweite wie die von Descartes, aber vielleicht doch in einem Ausma\u00df, das Hoffnung g\u00e4be.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[2406],"publikationen":[1313],"class_list":["post-12247","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-udo-ernst-simonis","publikationen-24-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Ein cartesianischer Diskurs um Theorie und Praxis der Wirtschaftspolitik? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/ein-cartesianischer-diskurs-um-theorie-und-praxis-der-wirtschaftspolitik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ein cartesianischer Diskurs um Theorie und Praxis der Wirtschaftspolitik? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Aus: vorg\u00e4nge Nr. 24 (Heft 6\/1976), S. 100-103 Wirtschaftspolitik in der Umweltkrise. Strategien der Wachstumsbegrenzung und Wachstumsumlenkung. Herausgegeben von J\u00f6rg Wolff, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1974, 288 Seiten, DM 28. 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