{"id":12260,"date":"1976-12-31T05:30:00","date_gmt":"1976-12-31T04:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/eine-kulturpolitische-gesellschaft-fuer-die-bundesrepublik\/"},"modified":"1976-12-31T12:00:00","modified_gmt":"1976-12-31T11:00:00","slug":"eine-kulturpolitische-gesellschaft-fuer-die-bundesrepublik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/eine-kulturpolitische-gesellschaft-fuer-die-bundesrepublik\/","title":{"rendered":"Eine Kulturpolitische Gesellschaft f\u00fcr die Bundesrepublik"},"content":{"rendered":"<p>Aus:vorg\u00e4nge Nr. 24(Heft 6\/1976), S. 117-120<\/p>\n<p>(vg) Im Juni 1976 wurde in Hamburg eine &#132;Kulturpolitische Gesellschaft eV&#148; gegr\u00fcndet, die den Proze\u00df der kulturellen Demokratisierung vorantreiben, die Trennung zwischen der scheinbar unpolitischen Welt des Geistes und den Realit\u00e4ten des Alltags \u00fcberwinden helfen, kulturelle Alternativen und Innovationen erm\u00f6glichen will etc. Mehr als 150 Pers\u00f6nlichkeiten des sogenannten kulturellen Lebens waren ihre Gr\u00fcndungsmitglieder. Pr\u00e4sident der Gesellschaft wurde der Bundestagsabgeordnete Olaf Schwencke, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Alfons Spielhoff. Das Themaheft \u00fcber &#132;die Rolle der Kultur&#148; gibt uns Anla\u00df, das &#132;Grundsatzpapier&#148; dieser Vereinigung bekanntzumachen.<br \/>1. Allgemeine Problemstellung<br \/>Es besteht Einigkeit dar\u00fcber, da\u00df die Kultur (Methode des menschlichen Zusammenlebens) die humane Identit\u00e4t einer ganzen Gesellschaft abbildet und damit entscheidend ihr sozial-politisches Niveau mitbestimmt. Zunehmend wird auch erkannt, da\u00df Kultur nicht reiner \u00dcberbau ist, blo\u00dfe Verzierung des Alltags, ideologische Idealisierung von Lebenszusammenh\u00e4ngen durch die Beschw\u00f6rung des Guten, Wahren und Sch\u00f6nen, vielmehr selbst ein produktives Element gesellschaftlicher Zust\u00e4nde sein kann: Offensichtlich gilt immer noch, da\u00df die Gesellschaft die Kultur hat, die sie verdient. Dabei geht Kultur nie v\u00f6llig in der \u00e4sthetischen Reproduktion vorhandener gesellschaftlicher Zust\u00e4nde auf. In ihren individualisierenden oder utopischen oder kritischen Elementen produziert sie auch st\u00e4ndig Alternativen zur Alltagsroutine, mit der wir unsere Umwelt nur noch wahrnehmen k\u00f6nnen.<br \/>Die Industriegesellschaft braucht deshalb Kultur dringender als jede Gesellschaft vor ihr. Vom Deutschen St\u00e4dtetag ist in Dortmund 1973 &#132;Kultur f\u00fcr alle&#8220;&#150;Soziokultur, mit einem anderen Wort &#150; mit Recht als kommunale Gemeinschaftsaufgabe proklamiert worden: &#132;Kulturarbeit mu\u00df der Entfaltung und Entwicklung der sozialen, kommunikativen und \u00e4sthetischen M\u00f6glichkeiten und Bed\u00fcrfnisse aller B\u00fcrger dienen&#148; (Wege zur menschlichen Stadt, Deutscher St\u00e4dtetag, K\u00f6ln 1973, S99).<br \/>Kulturarbeit kann in der Industriegesellschaft nur wirkungsvoll sein, wenn sie organisiert wird. Das ist die Aufgabe der Kulturpolitik, und zwar \u00fcber die regionale und kommunale Ebene hinaus, wenn sie mehr schaffen will als provinzielle Kultur. Parteipolitik und politische \u00d6ffentlichkeit haben sich dieser Aufgabe bisher nur z\u00f6gernd oder gar nicht gestellt. Nur wenige Politiker und engagierte B\u00fcrger beteiligen sich an der Erarbeitung einer neuen, mit den gesellschaftspolitischen Aufgaben gewachsenen Kulturpolitik. Anders als Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik st\u00f6\u00dft Kulturpolitik bisher auf kein breites \u00f6ffentliches Interesse, obgleich dieses Interesse nach den Ergebnissen des K\u00fcnstlerberichts der Bundesregierung in den erstaunlich breit gestreuten kulturellen Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung latent vorhanden ist. Darin gleicht Kulturpolitik anderen politischen Problemen wie Umweltschutz, Denkmalschutz oder Frauenfragen, die scheinbar ganz pl\u00f6tzlich ins Zentrum \u00f6ffentlichen Bewu\u00dftseins und der politischen Auseinandersetzung getreten sind.<br \/>Noch f\u00fchlen sich nur wenige B\u00fcrger von kulturpolitischen Entscheidungen betroffen. Das ist vor allem damit zu erkl\u00e4ren, da\u00df die tradierte &#150; und in unseren Kulturinstituten fixierte &#150; problematische Einengung des Kultur-Begriffs noch nicht \u00fcberwunden ist. So finanzieren zwar alle Steuerzahler \u00f6ffentliche Kultur &#150; aber h\u00e4ufig in Formen, an denen sie selbst gar nicht teilnehmen, w\u00e4hrend alternative Formen einer &#132;Kultur f\u00fcr alle&#148; nicht akzeptiert, \u00fcbersehen, auf jeden Fall nicht hinreichend gef\u00f6rdert werden.<br \/>Der Anla\u00df zur Gr\u00fcndung einer Kulturpolitischen Gesellschaft (KG) konkret:<br \/>&#151;\u00a0eklatante kulturpolitische Defizite in \u00d6ffentlichkeit und Parteipolitik<br \/>&#151; \u00a0mangelnde Reflexion des Kulturbegriffs, und als Folge davon:<br \/>&#8211;\u00a0mangelnde Unterst\u00fctzung kultureller Initiativen<br \/>&#8211;\u00a0zu wenige und nur gering unterst\u00fctzte kulturelle Innovationen<br \/>&#8211;\u00a0Vernachl\u00e4ssigung der &#132;Kultur-Forschung&#148;<br \/>&#151;\u00a0Fehlen kulturpolitischer Konzepte in Kommunen, bei Parteien, Gewerkschaften, Verb\u00e4nden etc<br \/>&#151;\u00a0permanente Benachteiligung der Kulturpolitik gegen\u00fcber anderen Sektoren mit der Folge<br \/>&#8211;\u00a0st\u00e4ndiger finanzieller Unterprivilegierung kultureller Initiativen<br \/>&#151;\u00a0Isolierung kulturpoIitischer Planungen von anderen gesellschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen, insbesondere der Bildungs- und Sozialpolitik sowie auch der Au\u00dfenpolitik (&#132;Ausw\u00e4rtige Kulturpolitik&#8220;)<br \/>&#151;\u00a0\u00dcberpr\u00fcfung von Aufgaben und Zielen deutscher (europ\u00e4ischer) ausw\u00e4rtiger Kulturpolitik.<br \/>All dies sind Anl\u00e4sse, die die Notwendigkeit einer kulturpolitischen Gesellschaft evident machen.<\/p>\n<p>II. Wo mu\u00df eine Kulturpolitische Gesellschaft ansetzen? Kulturpolitische Alternativen zu wollen bedeutet nicht, vorhandene kulturelle Einrichtungen zu verneinen. Sie geh\u00f6ren in ein Entwicklungskonzept von Kulturpolitik zweifellos ebenso hinein wie neue Formen kultureller Initiativen. Der KG geht es prim\u00e4r darum, kulturellen Professionalismus wieder mit kulturellen Bed\u00fcrfnissen breiter Kreise der Bev\u00f6lkerung zu verbinden und auf diese Weise das kulturelle Spektrum in unsrem Lande zu erweitern. Das wiederum mu\u00df auch auf die deutsche (europ\u00e4ische) ausw\u00e4rtige Kulturpolitik Auswirk\u00fcngen haben.<\/p>\n<p>Eine initiative kulturpolitische Praxis sollte<br \/>&#151;\u00a0die vielf\u00e4ltigen Interessen und Bed\u00fcrfnisse unterschiedlicher Bev\u00f6lkerungsgruppen unterst\u00fctzen und dort, wo sich solche Anspr\u00fcche nicht oder noch nicht artikulieren k\u00f6nnen, sie antizipieren oder durch Ma\u00dfnahmen der Kreativierung bewu\u00dft machen<br \/>&#151;\u00a0einerseits kommunikative und \u00e4sthetische Innovationen im Rahmen professioneller Spitzenleistungen f\u00f6rdern, andererseits zugleich die Partizipation nichtprofessioneller Individuen und Gruppen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund an kreativer Arbeit unterst\u00fctzen<br \/>&#151;\u00a0von einem auszuarbeitenden Prinzip der &#132;B\u00fcrgern\u00e4he&#148; ausgehen, wobei der Kulturvermittlung und der Anregung zur Entwicklung kultureller Alternativen ein besonderer Vorrang einger\u00e4umt wird<br \/>&#151;\u00a0der ldeologie von der &#132;Gesellschaftsenthobenheit der Kultursph\u00e4re&#148; ebenso entgegentreten wie der zunehmenden Vermarktung kultureller Angebote nach privatwirtschaftlichen Rentabilit\u00e4tsnormen, vor allem im Rahmen der sogenannten &#132;Freizeitindustrie&#148;<br \/>&#151;\u00a0sich einsetzen f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Freiheitsrechte der Kulturberufe<br \/>&#151;\u00a0einerseits f\u00fcr eine entschiedene inhaltliche und formale Angebotsvielfalt eintreten, andererseits diese aber nicht als sammelsurisch-beliebigen Pluralismus verstehen, sondern von den gesellschaftlichen Gebrauchswerten kultureller Angebote ausgehen<br \/>&#151;\u00a0die Bed\u00fcrfnisse nach &#132;popul\u00e4ren&#148;, &#132;allt\u00e4glichen&#148; oder unterhaltenden Inhalten und Formen akzeptieren und au\u00dferallt\u00e4gliche, spirituelle und rituelle Erfahrungen nicht vernachl\u00e4ssigen<br \/>&#151;\u00a0der immer vorhandenen Tendenz zur inhaltlichen, formalen und institutionellen &#132;Festschreibung&#148; entgegen-wirken<br \/>&#151;\u00a0in ,kulturellem Fortschritt&#8220; einen dauernden Proze\u00df ohne vorprogrammierbares Endergebnis sehen, f\u00fcr den finanziell institutionelle Freir\u00e4ume und Sicherheiten ebenso notwendig sind wie die bewu\u00dfte F\u00f6rderung von Innovationen<br \/>&#151;\u00a0die Solidarit\u00e4t aller an kulturellen Fragen Interessierten gegen\u00fcber Versuchen des &#132;Kulturabbaus&#148; und der Kontrolle kultureller Arbeit unterst\u00fctzen, zumal Kulturschaffende mit gesellschaftskritischem Anspruch nach g\u00e4ngiger Rechtsauffassung im Ernstfall als Individuen einen vergleichsweise geringeren Schutz nach Art 5.3 GG (Kunstvorhalt) erwarten d\u00fcrfen<br \/>&#151;\u00a0die in der K\u00fcnstler-Enquete der Bundesregierung erh\u00e4rtete Tatsache beachten, da\u00df in nahezu allen Gruppen der Kulturberufe mehrheitlich eine st\u00e4rker gesellschaftsbezogene Arbeit gefordert oder bef\u00fcrwortet und die bisherige Aus- und Fortbildungspraxis lebhaft kritisiert wird<br \/>&#151;\u00a0in der Einsicht, da\u00df herk\u00f6mmliche wie alternative kulturpolitische Praxis auf das Potential der vorhandenen und derzeit ausgebildeten K\u00fcnstler und Autoren angewiesen ist, daf\u00fcr Sorge tragen, da\u00df die kulturellen Arbeitsm\u00f6glichkeiten verbessert, auch eine soziale und berufliche Sicherung gew\u00e4hrleistet wird<br \/>&#151;\u00a0bei allen Ma\u00dfnahmen von der Voraussetzung ausgehen, da\u00df Kultur nicht ein ausdifferenziertes gesellschaftliches System mit professioneller Struktur ist, sondern durch den gesamten kommunikativen Stil einer Gesellschaft gepr\u00e4gt wird: die &#132;Kultur im engeren Sinn&#148; ist einbeschrieben einer &#132;Kultur im weiteren Sinn&#148;, wie sie etwa von der Kulturanthropologie, -ethnographie oder Ethnomethodologie erforscht wird.<\/p>\n<p>III. Aufgaben und Ziele der KG<br \/>Im folgenden werden Aufgaben und Ziele genannt, die der Illustration eines Arbeitsprogramms der KG dienen und zugleich derzeitige kulturpolitische Defizite darstellen:<br \/>1. Dokumentationen alternativer kultureller Aktivit\u00e4ten, die auch als organisierte oft nur regional bekannt sind. Noch weniger wei\u00df man \u00fcber Konzepte, Ziele und Erfahrungen nicht-kulturell etablierter Initiativen, zu denen geh\u00f6ren k\u00f6nnen<br \/>&#151;\u00a0Kommunikations- und Aktionszentren<br \/>&#151;\u00a0Aktionen zum Umweltschutz<br \/>&#151;\u00a0Bem\u00fchungen zur Bewahrung historisch gewachsener Stadtkerne und Bauten<br \/>&#151;\u00a0die Unterst\u00fctzung von Altbau-Sanierungsprogrammen<br \/>&#151;\u00a0Aktivit\u00e4ten im Rahmen der Denkmalspflege usf. Ebenfalls kaum dokumentiert sind die Aktivit\u00e4ten der zahlreichen, auch in der BRD inzwischen arbeitenden Videogruppen<br \/>&#151;\u00a0die Erfahrungen mit Kindertheater, Modalit\u00e4ten der Zusammenarbeit zwischen Massenmedien und kommunalen Kulturinstitutionen, usf.<br \/>2. Die Abstimmung regionaler Kulturpolitik mit der von Nachbarregionen ist nicht nur aus \u00f6konomisch-finanzpolitischen Gr\u00fcnden bedeutsam, sondern auch aus Gr\u00fcnden gegenseitiger Anregung. Bis heute gibt es auch keine Abstimmung kultureller Initiativen und ihrer kulturpolitischen Betreuung auf Bundesebene.<br \/>3. Die F\u00f6rderung internationaler Kontakte. Die KG sollte grunds\u00e4tzlich europ\u00e4isch bzw international ausgerichtet sein. Sie sollte vor allem bi- und multilaterale Kulturbeziehungen f\u00f6rdern und pflegen: die Arbeit der internationalen (Unesco), der europ\u00e4ischen (Council for Cultural Cooperation des Europarats) sowie nationaler Gremien (zB St\u00e4dtetag) unterst\u00fctzen und kritisch beobachten.<br \/>4. Der Zusammenhang von Kulturpolitik und Bildungspolitik ist zu reflektieren und wiederherzustellen. Es gen\u00fcgt nicht, Sch\u00fcler ab und zu in eine Stadttheaterauff\u00fchrung zu f\u00fchren oder im Rahmen des Volkshochschulprogramms eine Spielgruppe anzubieten. Hier ist sehr viel mehr gegenseitige Anregung und F\u00f6rderung m\u00f6glich.<br \/>5. Die Kooperation (die Konflikte nicht ausschlie\u00dfen mu\u00df) von<br \/>Kulturpolitikern verschiedener Provenienzen von der kommunalen Ebene bis zum Bund<br \/>von Kultur-Administratoren in der Verwaltung<br \/>von Wissenschaftlern und Experten an den Hochschulen und Ausbildungsst\u00e4tten<br \/>von Kunstproduzierenden (Malern, Schriftstellern, Komponisten usf)<br \/>von Kunstreproduzierenden (Mitarbeitern in Theatern, Museen, Orchestern etc)<br \/>von Kunstpublizisten<br \/>ist herzustellen und zu f\u00f6rdern. Aus allen genannten Gruppen sollten daher Mitarbeiter f\u00fcr die KG gewonnen werden.<br \/>6. Die Unterst\u00fctzung interdisziplin\u00e4rer Aktivit\u00e4ten und damit der Verzicht auf die Gr\u00fcndung von Fach-Sektionen (Theater, Oper usf) ergibt sich aus den allgemeinen Vor\u00fcberlegungen. Interdisziplin\u00e4re Projekte sollten gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt werden, etwa Stadtteilprojekte, die die Aktivit\u00e4ten allgemeiner und politischer Bildung, sozialer Betreuung und kultureller Anregung zusammenfassen.<br \/>7. Der Mensch ist das Subjekt, nicht das Objekt st\u00e4dtebaulicher Planung. Die KG betrachtet Ma\u00dfnahmen der Stadtplanung, weil alle B\u00fcrger davon betroffen sind, als architektonisch-kulturelle Aktivit\u00e4t von kommunal-politisch h\u00f6chster Bedeutung. Sie wird daher diesem Aspekt gro\u00dfe Aufmerksamkeit schenken m\u00fcssen.<br \/>8. Die Ausleerung und Tristesse gro\u00dfst\u00e4dtischer Innenst\u00e4dte ab 18 Uhr erfordert die Entwicklung von Programmen, die den abendlich-kulturellen Raum der Innenstadt f\u00fcr alle B\u00fcrger attraktiv und nutzbar machen.<br \/>9. Die Unterst\u00fctzung regionaler und lokaler Kultur auf professioneller, semiprofessioneller und spontaner Ebene bedarf der besonderen F\u00f6rderung, Die Wohnreviere m\u00fcssen wieder lebenswert werden dadurch, da\u00df Nachbarschaftsbeziehungen gef\u00f6rdert, die Wohnlichkeit der Stra\u00dfen erh\u00f6ht, kurz: psychogeographisch libidin\u00f6s besetzte Orte bereitgestellt werden, die der Privatisierung des Lebens und seiner Stereotypisierung entgegenwirken.<br \/>10. Wichtig ist die Untersuchung und F\u00f6rderung der Medien-Kultur. Die \u00f6ffentlich-rechtlichen Massenmedien Rundfunk und Fernsehen m\u00fcssen vor einer Kontrolle durch Parteienproporz ebenso bewahrt werden wie vor einer wachsenden B\u00fcrokratisierung. Gleichzeitig sind Alternativen experimentell zu erproben: etwa die Nutzung kabelverbundener Informationssysteme in Stadtteilen.<br \/>11. Die Kulturf\u00f6rderung in den deutschen Mittel- und Kleinst\u00e4dten ist besonders notwendig. Hier gibt es vor allem jugendliche Aktivit\u00e4ten, die oft auf Unverst\u00e4ndnis sto\u00dfen und behindert werden. Hier ist zum einen Aufkl\u00e4rungsarbeit notwendig, zum anderen sind Mittel und Wege zu suchen, das offizielle Kulturangebot breiter zu machen und im Niveau zu verbessern.<br \/>12. Es gibt eine breite Jugend-Szene, die von vor allem musik-kulturellen Aktivit\u00e4ten bestimmt wird. Noch heute werden Pop-, Rock- oder Beat-Initiativen von Jugendlichen, die in dieser Musik ein legitimes und genuines Ausdrucksmittel sehen, als &#132;nicht kulturell&#148; eingestuft und entsprechend wenig gef\u00f6rdert. Es gibt eine Vielzahl von kulturellen Alternativen, deren Authentizit\u00e4t f\u00fcr bestimmte Altersgruppen und Adressaten zu untersuchen und &#151; bei positivem Ergebnis &#151; auch gesamtgesellschaftlich als bedeutsam betrachtet werden kann.<br \/>13. Kultur mu\u00df als Me\u00dfeinheit in den Index f\u00fcr die Darstellung unseres Lebensstandards aufgenommen werden. Ihre zutiefst humane Wirkm\u00f6glichkeit ist nicht gegen, sondern nur durch und mit Politik zu entfalten.<br \/>14. Organisation, Produktion, Verbreitung, Rezeption und Wirkung von Kultur ist hierzulande noch kaum untersucht. Die KG sollte Untersuchungsprogramme entwickeln und f\u00f6rdern, die sich mit den eben genannten Fragen besch\u00e4ftigen. Studien zur &#132;Kreativit\u00e4t der Massen&#148;, Entwicklung von Konzepten f\u00fcr allt\u00e4gliche und festliche Begegnungen der B\u00fcrger, Initiativen zur Entwicklung einer gruppenauthentischen Sprache und Fragen der Entwicklung eines Kultur-Curriculums sind Aufgaben, die wissenschaftlicher Grundlegung bed\u00fcrfen, bei ihrer Realisation wissenschaftliche Begleitung fordern mit dem Zweck, da\u00df die wissenschaftliche Auswertung Ergebnisse an die Hand gibt, die die Qualit\u00e4t kultureller Initiativen verbessern helfen.<br \/>15. Leitbegriffe der bildungspolitischen und kulturpolitischen Diskussionen wie<br \/>&#151;\u00a0Emanzipation<br \/>&#151;\u00a0Kreativit\u00e4t<br \/>&#151;\u00a0Partizipation<br \/>&#151;\u00a0Kommunikation<br \/>&#151;\u00a0Humanisierung<br \/>&#151;\u00a0Identit\u00e4tsfindung<br \/>sind in konkreten kulturpolitischen Konzepten zu operationalisieren und auf ihre Brauchbarkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Zur L\u00f6sung dieser Aufgabe ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis unabdingbar.<br \/>Dieser Katalog stellt Arbeitsm\u00f6glichkeiten und Arbeitsrichtungen der KG dar. Auf eine systematische Ordnung und Taxonomisierung ist verzichtet worden, weil die Arbeit der KG nicht von einem starren Programm ausgehen kann, sondern sich auf aktuelle Angebote, Anl\u00e4sse und Initiativen beziehen mu\u00df.<\/p>\n<p>Die genannten 15 Punkte dienen dazu, das Profil der Gesellschaft zu verdeutlichen.<br \/>IV. Mittel zur Erreichung der Ziele der Gesellschaft:<br \/>&#151;\u00a0Information &#151; durch Kolloquien zur F\u00f6rderung der Kommunikation<br \/>&#151;\u00a0Dokumentation und Ausstellungen<br \/>&#151;\u00a0Analyse<br \/>&#151;\u00a0Organisation<br \/>&#151;\u00a0Innovationsforschung<br \/>&#151;\u00a0Strategienentwicklung<br \/>&#151;\u00a0Kulturentwicklungsforschung (und Statistik).<br \/>Die KG sieht mannigfache M\u00f6glichkeiten, kulturpolitische Initiativen zu f\u00f6rdern. Insgesamt geht es ihr um die Herstellung eines kulturpolitischen Forums, das sich darstellen kann<br \/>&#151;\u00a0in einer &#132;Zeitschrift f\u00fcr Kulturpolitik&#148;, die von der Gesellschaft getragen wird und \u00fcber Theorie und Praxis kultureller Arbeit berichtet<br \/>&#151; in kulturpolitischen Veranstaltungen mit Vertretern unterschiedlicher, im Kulturbereich t\u00e4tiger Gruppen in Bildungsst\u00e4tten<br \/>&#151;\u00a0durch die Darstellung der Arbeit und der ausgegebenen Anregungen durch Massenmedien<br \/>&#151;\u00a0durch die Unterst\u00fctzung kultureller Innovationen durch Preisausschreiben<br \/>&#151;\u00a0durch konkrete Anregung und Unterst\u00fctzung kulturpolitischer Initiativen durch die KG als Organ oder auch durch einzelne Mitglieder der Gesellschaft, die wegen ihrer Kompetenz um Hilfe angerufen werden.<br \/>Die KG ist nicht darauf aus, allein die Kulturpolitik in unserem Lande zu repr\u00e4sentieren und zu vertreten. Vielmehr will sie anregen, ermuntern, in bestimmten F\u00e4llen auch Schutz geben durch Problematisieren, Nachfragen, Forschen. Ihre wesentlichen Mittel werden auf dem Gebiet der Kommunikation liegen; ihr Handeln kann sich in kulturpolitischen Stellungnahmen ausdr\u00fccken.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[208],"publikationen":[1313],"class_list":["post-12260","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-vg","publikationen-24-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine Kulturpolitische Gesellschaft f\u00fcr die Bundesrepublik - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/24-vorgaenge\/publikation\/eine-kulturpolitische-gesellschaft-fuer-die-bundesrepublik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Eine Kulturpolitische Gesellschaft f\u00fcr die Bundesrepublik - 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