{"id":12284,"date":"1976-04-17T21:00:00","date_gmt":"1976-04-17T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/freiheit-oder-gleichheit\/"},"modified":"2021-08-24T21:46:44","modified_gmt":"2021-08-24T19:46:44","slug":"freiheit-oder-gleichheit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/20-vorgaenge\/publikation\/freiheit-oder-gleichheit\/","title":{"rendered":"Freiheit oder Gleichheit? &#8211; \u00dcberlegungen zu einer falschen Alternative"},"content":{"rendered":"<p>aus vorg\u00e4nge Nr. 20 (Heft 2\/1976), S. 45-57<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"freiheit-wider-gleichheit\">Freiheit wider Gleichheit? <\/span><\/h2>\n<p>I<\/p>\n<p>In einem l\u00e4ngeren Aufsatz schrieb k\u00fcrzlich Kurt Sontheimer: &#8222;Es geh\u00f6rt zum eisernen Bestand linker Demokratietheorie, das einst von Tocqueville am Beispiel Amerikas so meisterhaft analysierte, grundlegende Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen der Idee der Freiheit und der Idee der Gleichheit prinzipiell zu leugnen&#8221; (1).<br \/>Ich sch\u00e4tze Tocqueville als einen un\u00fcbertroffenen Klassiker politisch-sozialer Analyse, und zu den &#8222;linken&#8221; Demokratietheoretikern in dem von Sontheimer gemeinten Sinne z\u00e4hle ich mich eigentlich nicht. Dennoch gibt mir Sontheimers Satz R\u00e4tsel auf. Ich verstehe ihn nicht. Als These formuliert: <i>Freiheit und Gleichheit kann man nur mit-, aber nicht gegeneinander haben.<\/i><\/p>\n<p>Freilich: Da\u00df Freiheit und Gleichheit einander behindern, mindern oder gar ausschlie\u00dfen, d\u00fcrfte zum eisernen Bestand rechter Demokratietheoretiker, genauer gesagt konservativer Politiker und Ideologen geh\u00f6ren. Dieser Meinung gab zum Beispiel Helmut Kohl Ausdruck: &#8222;Wer CDU w\u00e4hlt, w\u00e4hlt die Freiheit, auch um den Preis von weniger Gleichheit &#8211; und wer mehr Gleichheit haben will, mu\u00df wissen, da\u00df er als Preis weniger Freiheit in Kauf nehmen mu\u00df&#8221;\u00a0(2). Kohl d\u00fcrfte damit den von Helmut Schelsky so eindringlich erhobenen Vorwurf ber\u00fccksichtigen, da\u00df der Opposition die Gegenparole &#8222;Mehr Freiheit!&#8221; zu Willy Brandts &#8222;Mehr Demokratie wagen!&#8221; nicht eingefallen sei (3).<br \/>Will man allerdings aus dem Bann der Schlag-Worte herauskommen,\u00a0 die sich im politischen Get\u00fcmmel lediglich als Keulen, made in Neandertal, eignen, so ist Genauigkeit unerl\u00e4\u00dflich. Denn unter &#8222;Freiheit&#8221; und &#8222;Gleichheit&#8221; wird ja sehr Verschiedenartiges verstanden &#8211; und vor allem: vage gef\u00fchlt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-buergerliche-revolution-egalite-und-liberte\">Die b&uuml;rgerliche Revolution: egalit&eacute; und libert&eacute;<\/span><\/h2>\n<p>II<\/p>\n<p>Der Gleichheitsartikel, Art 3 des Grundgesetzes, lautet: &#8222;Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. &#8212; M\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt. &#8212; Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religi\u00f6sen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.&#8221;<\/p>\n<p>Historisch gesehen weist dieser Artikel zur\u00fcck auf das Toleranzprinzip, wie es im 17. Jahrhundert von Roger Williams oder John Locke formuliert wurde. Gleichbehandlung der Konfessionen aber meinte und meint: Freiheit des Bekenntnisses. Als Verallgemeinerung des Prinzips wahrhaft epochemachend &#8211; in Hegels Worten &#8222;weltgeschichtliche Begebenheit&#8221; &#8211; erweist sich dann die Franz\u00f6sische Revolution. Weil sie die st\u00e4ndisch-hierarchische Privilegiengesellschaft aufsprengt, weil sie, wie Hegel es ausdr\u00fcckt, den Menschen &#8222;auf den Kopf&#8221; stellt, das hei\u00dft je als Menschen erfa\u00dft &#8211; und nicht, schicksalhaft und in aller Regel lebenslang vorbestimmt, als Angeh\u00f6rigen einer besonderen Gruppe &#8211;, darum enth\u00e4lt die Proklamation der Menschenrechte, so konsequent wie widerspruchsfrei, egalit\u00e9 und libert\u00e9. &#8222;Es war dieses somit&#8221; &#8211; nochmals Hegel, in der Philosophie der Geschichte, also keineswegs ein jugendlich jakobinisch schw\u00e4rmender, sondern der gereifte Hegel\u00a0 &#8211; &#8222;ein herrlicher Sonnenaufgang. Alle denkenden Wesen haben diese Epoche mitgefeiert&#8221; (4).<\/p>\n<p>Wer die Freiheit polemisch gegen die Gleichheit ausspielt &#8211; oder in offenbar (trotz immer neuer Benennungen) nicht abrei\u00dfender fataler deutscher Tradition: die &#8222;Ideen von 1914&#8221;\u00a0 gegen &#8222;1789&#8221; &#8211;, denunziert daher ausgerechnet die grundlegende Errungenschaft der gro\u00dfen b\u00fcrgerlichen Revolution, der b\u00fcrgerlichen Epoche schlechthin; er spielt so den Antib\u00fcrgern, gleich welchen Vorzeichens, bewu\u00dft oder unbewu\u00dft in die H\u00e4nde: am Ende auch der faschistischen Konterrevolution der Unfreiheit und Ungleichheit.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"freiheit-zum-anderssein\">Freiheit zum Anderssein<\/span><\/h2>\n<p>Um den Sachverhalt etwas anders auszudr\u00fccken: Der Gleichheitsartikel setzt die rechtlich-politische Gleichheit aller Menschen gegen die zum Prinzip erhobene, rechtlich und politisch ausdr\u00fccklich sanktionierte Ungleichheit &#8211; das hei\u00dft gegen eine Gesellschaft, die Freiheit im modernen Sinne eigentlich gar nicht kennt, jedenfalls nicht anerkennt, sondern nur\u00a0 Freiheiten als Privilegien von Familien, St\u00e4nden, Korporationen. Genau darum enth\u00e4lt der Gleichheitsgrundsatz zugleich die Magna Charta der Freiheit: der Freiheit zur Vielfalt, zum Anderssein, das erm\u00f6glicht und gesichert wird &#8211; nicht als &#8222;nat\u00fcrlicher&#8221; Tatbestand, sondern als ein Kunstgriff politischer Kultur &#8211;, indem dieses Anderssein aus dem Bereich des rechtlich und politisch Bedeutsamen und Sanktionierbaren verbindlich ausgeklammert, ausgegrenzt, indem von ihm bewu\u00dft abstrahiert wird.<\/p>\n<p>In einer mobilen Welt vielf\u00e4ltiger &#8222;Gemengelagen&#8221;, in der Menschen, V\u00f6lker, Rassen, Weltanschauungen sich immer weniger kraft &#8222;nat\u00fcrlicher&#8221; Grenzen voneinander absondern k\u00f6nnen, ist die Freiheit und Vielfalt von Individuen, ihrer Anschauungen und Lebensformen, \u00fcberhaupt nur noch unter dem Vorzeichen des Gleichheitsprinzips m\u00f6glich. Mehr noch: Die &#8222;k\u00fcnstlichen&#8221; Ausgrenzungen der Unterschiede werden zur Bedingung des zivilisierten \u00dcberlebens, wenn nicht des \u00dcberlebens schlechthin. Welche Barbarei entsteht, sobald man Gemengelagen gewaltsam zu bereinigen versucht, haben Verfemungen, Vertreibungen, Vernichtungsaktionen in unserem Jahrhundert zur Gen\u00fcge demonstriert &#8211; und demonstriert jede Art von &#8222;Apartheid&#8221; als praktizierte Unfreiheit und Ungleichheit t\u00e4glich neu.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"buergerlicher-formalismus\">&bdquo;B&uuml;rger&shy;li&shy;cher Formalismus&rdquo;? <\/span><\/h2>\n<p>Der Einwand liegt nahe &#8211; oft genug wird er als Anklage formuliert und als Entlarvung verstanden &#8211;, das Gleichheitsprinzip sei ein &#8222;nur forma les&#8221; oder &#8222;formaldemokratisches&#8221;, es handle sich um einen Schwindel, um &#8222;b\u00fcrgerliche Formalismen und Fiktionen&#8221;. Zugegeben: Norm und Wirklichkeit sind zweierlei; zwischen ihnen klaffen oft Abgr\u00fcnde. Man denke etwa an die Gleichberechtigung oder vielmehr Diskriminierung der Frau. Aber das spricht doch wohl weniger gegen die Norm, als da\u00df es dazu antreiben sollte, sie endlich voll zu verwirklichen, sie zur praktischen Moral zu machen, die sich am Ende von selbst versteht. Im \u00fcbrigen zeigen gerade die konkreten Beispiele praktizierter Ungleichheit, der Diskriminierung von Frauen, Farbigen, Gastarbeitern und so fort, da\u00df es sich zugleich auch immer um die Sanktionierung handfester Unfreiheit handelt. Wo man nicht formalisiert, nicht von den Unterschieden der Geschlechter, der Hautfarben, der Herkunft, Anschauung, Lebensart abstrahiert &#8211; Unterschiede, die es, gottlob, ja gibt! &#8211;, wo man einzelne oder Gruppen auf ihr Anderssein als Schicksal gleichsam festnagelt, da eben sind die Freiheit wie die Gleichheit am Ende, und die Unterdr\u00fcckung beginnt. Das Recht und alle Menschenrechte haben das Formale, das Absehen vom Anderssein zum Fundament. Deshalb ist die modische Abwertung des Formalen &#8211; ausgerechnet im Zeichen &#8222;linker&#8221;, emanzipatorischer Programme &#8211; t\u00f6richt, um nicht zu sagen gemeingef\u00e4hrlich. Mit Tocqueville zu reden:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#8222;Es gibt nichts Beklagenswerteres als die hochm\u00fctige Geringsch\u00e4tzung der meisten unserer Zeitgenossen f\u00fcr die Fragen der Form; denn die kleinsten Formfragen haben heute eine fr\u00fcher nicht gekannte Bedeutung erlangt&#8230; Die Menschen, die in den demokratischen Zeiten leben, sehen den Nutzen der Formen nicht leicht ein; sie begegnen ihnen mit instinktiver Geringsch\u00e4tzung&#8230; Die Formen erregen ihre Verachtung, oft sogar ihren Ha\u00df. Da sie gew\u00f6hnlich nur auf bequemen und sofortigen Genu\u00df aus sind, st\u00fcrzen sie sich leidenschaftlich auf jeden Gegenstand ihrer W\u00fcnsche; die geringste Verz\u00f6gerung bringt sie au\u00dfer sich. Diese ungeduldige Haltung, die sie auch auf das politische Leben \u00fcbertragen, nimmt sie gegen die Formen ein, durch die sie immer-fort in ihren Pl\u00e4nen aufgehalten und behindert werden. &#8211; Genau dies aber, was die Menschen der Demokratien f\u00fcr den Nachteil der Formen halten, macht diese f\u00fcr die\u00a0 Freiheit so n\u00fctzlich, denn ihr Hauptverdienst liegt darin, da\u00df sie als Schranke zwischen die Starken und die Schwachen treten, um die einen aufzuhalten und den anderen Zeit zur Besinnung zu geben. Die Formen sind um so notwendiger, je t\u00e4tiger und m\u00e4chtiger die Staatsgewalt ist und je gleichg\u00fcltiger und schw\u00e4cher die einzelnen wer-den. So ben\u00f6tigen die demokratischen V\u00f6lker die Formen mehr als die anderen V\u00f6lker &#8211; und naturgem\u00e4\u00df achten sie sie geringer&#8221;\u00a0 (5).<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-grenzendes-formalen\">Die Grenzendes Formalen&nbsp;&nbsp;<\/span><\/h2>\n<p>III<\/p>\n<p>Erst dort also, wo man vorab das Prinzip des Formalisierens, des Abstrahierens von &#8222;nat\u00fcrlichen&#8221; Unterschieden akzeptiert hat, kann man zugleich und mit Recht \u00fcber Grenzen des Formalen diskutieren. Dort allerdings mu\u00df man es auch tun: Da\u00df die Formen als Schranke zwischen\u00a0 den Starken und den Schwachen nicht gen\u00fcgen, ist offensichtlich. Schon im 17. Jahrhundert hat Thomas Hobbes den &#8222;Idealtypus&#8221; der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft erfa\u00dft und in das ebenso gro\u00dfartige wie erschreckende Bild des Krieges oder Wettrennens aller gegen alle gefa\u00dft: &#8222;Von diesem Wettrennen aber m\u00fcssen wir annehmen, da\u00df es kein anderes Ziel, keinen anderen Siegeskranz kennt, als: der Erste zu sein&#8230; Und das Rennen aufgeben hei\u00dft sterben&#8221; (6).<\/p>\n<p>Historisch gesehen folgt die Sprengung von St\u00e4ndeprivilegien, die Niederrei\u00dfung von Mauern rechtlich sanktionierter Ungleichheit &#8212; seien dies nun Zunftordnungen, Leibeigenschaft, Sklaverei oder was immer &#8212; keineswegs nur aus hohen ethischen Motiven, sondern entscheidend aus der Logik \u00f6konomischer Leistungsrationalit\u00e4t auf dem Wege vom Fr\u00fchkapitalismus zur Industriegesellschaft. Die moderne Leistungsrationalit\u00e4t setzt Konkurrenz und damit die formelle Gleichheit aller Beteiligten voraus; es gibt keinen Leistungsvergleich, keine Konkurrenz zwischen dem Herrn und dem Knecht, weil in Leistungsvergleich und Konkurrenz beide zun\u00e4chst einmal auf eine Stufe gestellt w\u00fcrden. Die Proklamation der Menschenrechte hat es daher nicht nur, nicht einmal in erster Linie mit einer pl\u00f6tzlich \u00fcberhand nehmenden Menschenfreundlichkeit der Herrschenden, der zuvor Privilegierten zu tun, sondern mit der Dynamik von b\u00fcrgerlich-kapitalistischem Leistungsprinzip und Konkurrenz, die anders als auf dem Boden formeller Freiheit und Gleichheit sich nicht entfalten k\u00f6nnen. In den Auswirkungen handelt es sich sogar um einen Vorgang von \u00e4u\u00dferster sozialer H\u00e4rte: Die patriarchalischen Sicherungen und F\u00fcrsorgepflichten, die zuvor den Unterschichten zugute kamen, entfallen. Wie Tocqueville es bereits Jahrzehnte vor dem amerikanischen Sezessionskrieg so lapidar wie treffend formuliert hat: &#8222;Man hebt in den Vereinigten Staaten die Sklaverei nicht zum Vorteil der Neger auf, sondern zum Vorteil der Wei\u00dfen&#8221; (7).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"soziale-gleichheit\">Soziale Gleichheit <\/span><\/h2>\n<p>Damit betreten wir ein Gebiet, auf dem heute vor allem die Polarisierungen betrieben werden und die Hysterien sich ausbreiten: das problemreiche Feld\u00a0 sozialer Gleichheit. Die Problematik hat viele Dimensionen; nur weniges kann hier angedeutet werden. Zuerst geht es um die Entwicklung sozialer Sicherungssysteme, die die Risiken individueller Freisetzung im Leistungs-Konkurrenz-Gef\u00fcge abfangen, mindestens in Grenzen halten sollen. Anfangs nur f\u00fcr besonders bedrohte &#8211; und als bedrohlich empfundene &#8212; Gruppen entworfen, werden die \u00f6ffentlichen Sicherungssysteme st\u00e4ndig weiterentwickelt, bis sie praktisch die Gesamtbev\u00f6lkerung erfassen. Dabei handelt es sich nicht nur um Renten- und Versicherungssysteme, sondern mehr und mehr wird die gesamte staatliche Wirtschafts-, Konjunktur- und Strukturpolitik zu einem stets weiter auszweigenden, zunehmend auch vorbeugenden Interventions- und Steuerungsinstrument gesellschaftlicher Stabilisierung mit politischem Verpflichtungscharakter ausgebaut.<\/p>\n<p>Es ist deutlich, da\u00df es sich anders als bei der Rechtsgleichheit, die jedenfalls im Grundsatz ein einziger revolution\u00e4rer Akt hervorbringen kann, um einen vielschichtigen, langfristigen, nach vorn offenen Entwicklungsproze\u00df handelt, in dem immer neue Schwierigkeiten, Ungleichgewichte, Aufgaben auftauchen und dessen Resultate fast immer hinter den anf\u00e4nglichen Erwartungen entt\u00e4uschend zur\u00fcckbleiben. Nach wie vor gibt es ja in allen Industriel\u00e4ndern, gleich welcher Pr\u00e4gung im einzelnen, klaffende soziale Unterschiede. Blickt man aber vergleichend um ein Jahrhundert oder sogar nur um einige Jahrzehnte zur\u00fcck, so zeigt sich, wie weit der Proze\u00df schon fortgeschritten ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"dynamische-system-stabilisierung\">Dynamische &bdquo;System&ldquo;-Stabi&shy;li&shy;sie&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>Es ist jedoch auch deutlich, da\u00df jeder Schritt vorw\u00e4rts von Unheils- und\u00a0 Untergangsprophetien begleitet wird &#8211; obwohl es sich eigentlich um Ma\u00dfnahmen dynamischer &#8222;System&#8220;-Stabilisierung handelt &#8211;, da\u00df also nichts erreicht werden kann ohne die \u00dcberwindung massiven Widerstandes im politischen Konflikt. Ob deshalb soziale Gleichheit als Prinzip bereits allgemein anerkannt worden ist, bleibt trotz aller einschl\u00e4gigen Lippenbekenntnisse fraglich. Man denke an die Frage wirtschaftlicher Verf\u00fcgungsgewalt, an den Streit um die Mitbestimmung.<\/p>\n<p>Oder um ein anderes, aktuelles Beispiel anzuf\u00fchren: Die Forderung der Gewerkschaft \u00d6TV, L\u00f6hne und Geh\u00e4lter nicht linear, sondern um einen einheitlichen Betrag zu erh\u00f6hen, begegnet entr\u00fcsteter Ablehnung, wird als &#8222;Gleichmacherei&#8221; denunziert, obwohl es sich doch um einen h\u00f6chst bescheidenen Schritt handelt, der noch dazu damit begr\u00fcndet werden kann, da\u00df durch Inflation und viele Formen indirekter Besteuerung die Bezieher niedriger Einkommen weit \u00fcberproportional betroffen werden. Die &#8222;Gerechtigkeit&#8221; und &#8222;Rationalit\u00e4t&#8221; \u00fcberkommener Entlohnungshierarchien bleibt ohnehin uner\u00f6rtert 8. Warum mu\u00df eigentlich Arbeit, die k\u00f6rperlich anstrengend, schmutzig oder monoton ist &#8211; oder alles dies zusammen &#8211;, grunds\u00e4tzlich weit geringer bezahlt werden, als eine T\u00e4tigkeit, die vielseitig ist, Entscheidungsbefugnisse einschlie\u00dft, vielleicht sogar individuelle Neigungen zur Entfaltung kommen l\u00e4\u00dft?<br \/>Thomas Jefferson, der das f\u00fcr die Vereinigten Staaten zum Modell gewordene Gesetz zur Herstellung religi\u00f6ser Freiheit in Virginia verfa\u00dfte und durchsetzte, schrieb einmal: &#8222;Es stiehlt mir kein Geld aus der Tasche und bricht mir kein Bein, wenn mein Nachbar behauptet, da\u00df es zwanzig G\u00f6tter gibt &#8211; oder gar keinen Gott.&#8221; Verh\u00e4lt es sich mit der sozialen Gleichheit so viel anders? Welche Freiheit wird denn durch ein Mehr an sozialer Gleichheit gef\u00e4hrdet, vernichtet oder auch nur eingeschr\u00e4nkt &#8211; sofern man insgeheim die eine, unteilbare Freiheit nicht wieder in Freiheiten als Privilegien verkehrt? Was wird mir gebrochen, wenn der Mann, der meine M\u00fclltonne leert, nicht weniger verdient als ich? Eine freilich abgr\u00fcndige Frage; auf sie wird noch zur\u00fcckzukommen sein.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"chancengleichheit\">Chancengleichheit<\/span><\/h2>\n<p>IV<\/p>\n<p>Einen Sonderfall sozialer Gleichheit bildet das Prinzip der Chancengleichheit. Da\u00df es in unserer Zeit ganz besonders umstritten ist, d\u00fcrfte kein Zufall sein. Denn in dem Ma\u00dfe, in dem der Status des einzelnen in der entfalteten Industriegesellschaft immer weniger von physischen Eignungen bestimmt wird, immer mehr dagegen von psychischen und geistigen Qualifizierungen, r\u00fcckt notwendig die Frage ins Zentrum, welche Chancen eigentlich das Bildungssystem vermittelt &#8211; oder abschneidet. Je st\u00e4rker die individuellen M\u00f6glichkeiten von Ausbildung und Bildung bestimmt werden, die vom Familienverband &#8211; \u00e4hnlich wie die soziale Sicherheit im engeren Sinne &#8211; immer weniger und \u00fcberdies nur im Sinne krasser sozialer Ungleichheit erbracht werden k\u00f6nnen, desto mehr wird das \u00f6ffentliche Bildungswesen zu einem sozial- und strukturpolitischen Instrument ersten Ranges &#8211; und die Erm\u00f6glichung oder Blockierung der Chancengleichheit zu einem zentralen Legitimationsproblem der jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Gesamtordnung. Von westlichen Kritikern wird zum Beispiel hartn\u00e4ckig \u00fcbersehen, da\u00df die Legitimationskraft politischer Herrschaft in der Sowjetunion und in anderen sozialistischen Staaten nicht zum geringsten Teil auf dem hohen Rang beruht, der dort der Entwicklung des Bildungswesens zugemessen wird. Dadurch sind traditionell benachteiligten Schichten &#8211; zum Beispiel den Frauen &#8211; Aufstiegschancen und Berufsm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet worden, die sie zuvor nicht besa\u00dfen und in westlichen L\u00e4ndern zum Teil heute noch nicht besitzen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"befreiung-von-vorgegebenen-zwaengen\">Befreiung von vorge&shy;ge&shy;benen Zw&auml;ngen<\/span><\/h2>\n<p>Wichtig, ja entscheidend f\u00fcr die Beurteilung des Sachverhalts ist nun die\u00a0 Tatsache, da\u00df auch das Prinzip der sozialen Gleichheit &#8211; insofern wie das der Rechtsgleichheit, auf dem es historisch und systematisch aufbaut &#8211; grunds\u00e4tzlich auf das Individuum als Individuum sich bezieht; dies bedeutet, da\u00df von den besonderen Herkunfts- und Gruppenbeziehungen gerade abstrahiert wird. &#8222;Ohne Ansehen der Person&#8221; nach allgemeinen, formalisierten Kriterien zu urteilen &#8212; des Alters, der Erwerbsf\u00e4higkeit oder -unf\u00e4higkeit, des objektivierten Leistungsnachweises und so fort &#8211;: das ist das Ethos des Gleichheitsprinzips. Seine Moral ist es, nicht zu moralisieren, nicht die arische oder proletarische Gro\u00dfmutter oder sonst irgendeine Abkunft und Zugeh\u00f6rigkeit ins Treffen zu f\u00fchren; genau darum meint Gleichheit ja auch Befreiung des Menschen als Menschen von vorgegebenen, schicksalhaft-&#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Unterschieden und Zw\u00e4ngen. Wo dagegen &#8212; wie weithin noch immer in Japan &#8212; nicht in erster Linie das Individuum als solches Bezugspunkt ist, sondern die konkrete Gruppe, in die es eingebunden bleibt, da entwickelt sich folgerichtig auch der Sozialstaat nur sehr z\u00f6gernd und fragmentarisch (9).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"begabung-ein-scheinproblem\">&bdquo;Begabung&rdquo;&nbsp; &ndash; ein Schein&shy;pro&shy;blem<\/span><\/h2>\n<p>Um den schwierigen und oft mi\u00dfverstandenen Sachverhalt wieder an einem Bildungsproblem anschaulich zu machen: Mit weltanschaulich aufgeladenem Fanatismus streitet man um den Begriff der Begabung. Viele Vork\u00e4mpfer einer auf mehr Chancengleichheit zielenden Bildungsreform meinen, da\u00df Begabung ausschlie\u00dflich oder doch weit \u00fcberwiegend durch das Milieu bestimmt werde, besonders durch die fr\u00fchkindlichen Anregungen und Trainingsm\u00f6glichkeiten. Eine Reihe von Forschern &#8211; vor allem in den Vereinigten Staaten und in England &#8211; haben demgegen\u00fcber nachzuweisen versucht, da\u00df Begabung in erster Linie als ein Erbfaktor angesehen werden mu\u00df. Diese Forscher sind deshalb teils heftig angegriffen und als &#8222;Faschisten&#8221; geschm\u00e4ht, teils triumphierend vorgewiesen worden, um das Prinzip der Chancengleichheit als Hirngespinst von Utopisten abzutun (10). Nun mag es gewi\u00df interessant und f\u00fcr die p\u00e4dagogische Praxis wichtig sein zu wissen, in welchem Verh\u00e4ltnis Milieu- und Erbfaktoren bei Begabungen sich mischen 11. F\u00fcr das Prinzip der Chancengleichheit aber folgt daraus gar nichts; es handelt sich schlicht um eine unsinnige Fragestellung falscher Konkretheit. Chancengleichheit soll jedem optimale Entfaltungsm\u00f6glichkeiten seiner Anlagen und Neigungen sichern; mit Zielgleichheit aber oder gar mit Gleichschaltung, wie es von dem einen oder anderen Lager offenbar unterstellt wird, hat dies nichts oder nur im Sinne strikter Gegens\u00e4tzlichkeit etwas zu tun.<\/p>\n<p>Bildung ist, mit Dahrendorf zu sprechen, ein B\u00fcrgerrecht, noch genauer ein Menschenrecht, das als ein materielles Rechtsprinzip vom Intelligenzquotienten oder anderen Faktoren des einzelnen ebenso abstrahiert, wie der Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes die Unterschiede des Geschlechts, der Rasse, der Herkunft usw ausgrenzt.<br \/>Was besagt es also, da\u00df man nicht jeden, selbst bei noch so sorgf\u00e4ltiger und fr\u00fchzeitiger Ausbildung, zu einem Einstein wird programmieren k\u00f6nnen? Es gibt ja auch unterschiedliche k\u00f6rperliche Anlagen, dicke und d\u00fcnne, gro\u00dfe und kleine, blonde, schwarzhaarige und glatzk\u00f6pfige Leute, und nicht jeden kann man zum Weltmeister im Hammerwerfen trainieren, ohne da\u00df man deshalb auf den Gedanken verfiele, nur Auserw\u00e4hlte h\u00e4tten das Recht auf die optimale Entfaltung ihrer k\u00f6rperlichen M\u00f6glichkeiten. Die Anw\u00e4lte der Chancengleichheit sollten sich deshalb vor der falschen Konkretheit h\u00fcten, mit der sie ungewollt ihren Gegnern nur Argumente zuspielen. <i>Weil Chancengleichheit ein soziales Grundlagenprinzip meint, nicht aber ein Zielprinzip, ist es zugleich in der modernen Gesellschaft ein Fundament der Freiheit.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-numerus-clausus\">Der &bdquo;Numerus clausus&rdquo; <\/span><\/h2>\n<p>Vielleicht kann man die Zusammenh\u00e4nge an einem besonders aktuellen Thema noch weiter veranschaulichen: am Numerus clausus. Da\u00df die wachsenden Zulassungsbeschr\u00e4nkungen der Hochschulen\u00a0 unter den gegebenen Rahmenbedingungen verheerend sich auswirken, bedarf kaum der Er\u00f6rterung. Sie z\u00fcchten Konformismus, Versagensangst, Konkurrenzverhalten, lassen den fremdbestimmten Leistungsdruck st\u00e4ndig anwachsen; man n\u00e4hert sich dem Gegenpol dessen, was man mit allen institutionellen und inhaltlichen Bildungsreformen eigentlich erreichen wollte. Zu den gegebenen Rahmenbedingungen aber geh\u00f6rt eine traditionsbestimmte, hierarchisch gegliederte Gesellschaft, in der wie in kaum einer anderen der akademische Beruf und das akademisch vorgebildete Staatsbeamtentum entscheidende Mittel waren und sind, um zu materieller Sicherheit und sozialem Ansehen zu gelangen. Daher, durchaus verst\u00e4ndlich, die Gier nach dem akademischen Status und die Angst, ihn nicht zu erreichen.<\/p>\n<p>H\u00e4tten wir andere, weniger hierarchische Rahmenbedingungen, so w\u00fcrde\u00a0 man vielleicht einen anderen Aspekt nicht g\u00e4nzlich aus dem Auge verlieren und auch keine vergleichbaren Verw\u00fcstungen im gesamten Bildungssystem bef\u00fcrchten m\u00fcssen. Der Numerus clausus ist doch auch Ausdruck der Tatsache, da\u00df es endlich gelungen ist, den Weg zur Bildung f\u00fcr Menschen und Schichten etwas leichter begehbar zu machen, denen er bisher versperrt war. Wir besa\u00dfen bis vor kurzem im Bildungsbereich beinahe noch eine St\u00e4ndeordnung aus der Zeit vor 1789; wie es f\u00fcr die einen, die Privilegierten, selbstverst\u00e4ndlich war, ihre Privilegien zu vererben &#8211; da\u00df ihre S\u00f6hne, sei es selbst mit Ziehen und Pressen studieren konnten und \u00c4rzte wurden, weil sie selbst schon \u00c4rzte waren &#8211;, so war es den anderen in aller Regel vorbestimmt, als Schuster bei ihrem Leisten zu bleiben. In-sofern k\u00f6nnte der Numerus clausus Ausdruck daf\u00fcr sein, da\u00df materielle Schichtenkriterien durch formale Auslesekriterien abgel\u00f6st werden m\u00fcssen. Und dies k\u00f6nnte wiederum ein positives Zeichen daf\u00fcr sein, da\u00df Freiheit und Gleichheit gegen\u00fcber den Freiheiten als Privilegien und der Ungleichheit Fortschritte zu machen beginnen. Nur eben: Es zeigt sich die Komplexit\u00e4t des Problems; so wenig, wie man ein Slumviertel allein durch die wohlmeinende Erstellung eines Jugendheims sanieren kann, so wenig kann man eine Gesellschaft allein von ihrem Bildungswesen her reformieren.<\/p>\n<p>Allenfalls kann man bestehende Mi\u00dfverh\u00e4ltnisse blo\u00dflegen.<\/p>\n<p>Da\u00df im \u00fcbrigen jeder Wandel Betroffenheit und Abwehrreaktionen ausl\u00f6st, ist verst\u00e4ndlich; die Franz\u00f6sische Revolution ri\u00df die Aristokratie auch nicht durchweg zu Beifallsst\u00fcrmen hin. Allerdings mutet es &#8211; gelinde gesagt &#8211; seltsam an, wenn ausgerechnet ein P\u00e4dagoge schreibt: &#8222;Wenn man einen freiheitlichen Rechtsstaat durch einseitig individualistische Auslegung seiner eigenen Grunds\u00e4tze von innen her zu Fall bringen will, dann gibt es kaum ein wirksameres Mittel dazu, als eine riesige Menge von h\u00f6heren Sch\u00fclern, Studenten und Akademikern mit Berufs-, Einkommens- und Prestigeanspr\u00fcchen zu schaffen, die unerf\u00fcllbar sind&#8220; 12. Soll man etwa gegen die &#8222;einseitig individualistische&#8221; Auslegung der Grunds\u00e4tze des freiheitlichen Rechtsstaates wieder kollektive, korporative, gruppen- und schichtenbezogene Barrieren aufrichten? W\u00e4re es nicht vielleicht angebrachter, in der Gegenrichtung die \u00fcberkommenen Berufs-, Einkommens- und Prestigehierarchien kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"gleichschaltung\">Gleichschaltung<\/span><\/h2>\n<p>V<\/p>\n<p>Verfolgt man die soeben angedeutete Alternative noch um einige Schritte weiter, so gelangt man statt zu Freiheit und Gleichheit zur\u00a0 Gleichschaltung. Dies ist bekanntlich ein faschistischer Begriff; er entstammt dem Bannkreis einer Konterrevolution der Ungleichheit. Es geht darum, bedrohte hierarchische Ordnungen neu zu festigen oder, wo ihre Aufl\u00f6sung bereits begonnen hat, diese r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, indem man alle &#8222;Fermente der Dekomposition&#8221; r\u00fccksichtslos &#8222;ausmerzt&#8221;. Ungleichheit soll zementiert, jede Freiheit zum Anderssein vernichtet werden. Damit wird ex negativo noch einmal die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Freiheit und Gleichheit demonstriert.<br \/>Nicht dem Begriff nach, wohl aber in der Sache, die &#8222;Gleichschaltung&#8221;\u00a0 meint, geht es freilich um viel mehr, als um die grobschl\u00e4chtigen und nur vordergr\u00fcndig-kurzfristig erfolgreichen, im Ergebnis sogar den Intentionen widerstreitenden Praktiken des Dritten Reiches. Denn die Tendenzen zur Freiheitsvernichtung durch Gleichschaltung treten in unserer Epoche unter vielen Vorzeichen auf, unter den &#8222;rechten&#8221; von Ruhe, Ordnung und Staatssicherheit und unter den &#8222;technokratischen&#8221; von Schlagkraft und Effizienz ebenso wie unter den angeblich &#8222;linken&#8221; eines zur dogmatischen Heilslehre heruntergekommenen, verkrusteten und b\u00fcrokratisch-autorit\u00e4r verwalteten Marxismus.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"harich-antidemokratische-egalitaet\">Harich: antide&shy;mo&shy;kra&shy;ti&shy;sche Egalit&auml;t<\/span><\/h2>\n<p>Um dies wieder an einem zentralen Thema anschaulich zu machen: Der Ostberliner Philosoph Wolfgang Harich hat aus der Diskussion um die &#8222;Grenzen des Wachstums&#8221; die Schlu\u00dffolgerung gezogen, da\u00df ein Kommunismus der Askese statt des \u00dcberflusses, der Stabilit\u00e4t statt des Wachstums, ein Kommunismus, der die anarcho-libert\u00e4ren Vorstellungen vom &#8222;Absterben des Staates&#8221; als Kinderkrankheiten endg\u00fcltig abstreift, gerade dann zum Zuge kommen kann, wenn \u00f6kologische Zw\u00e4nge jedes weitere Wachstum verbieten. Wichtige Voraussetzungen sieht Harich bereits erf\u00fcllt: &#8222;Ausgeschaltet sind alle St\u00f6rfaktoren, die sich im Westen aus dem System der pluralistischen Demokratie, dem Parlamentarismus, der institutionellen Opposition und so weiter ergeben.&#8221; Und der zentralistisch-autorit\u00e4re sozialistische Staat kann die Bed\u00fcrfnislenkung erzwingen, &#8222;falls n\u00f6tig, durch rigorose Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen, &#8230; und f\u00fcr die Einzelnen gibt es Rationierungskarten, Bezugsscheine, damit basta&#8220; 13. So barbarisch das vorerst klingen mag, so ungewohnt auch im bisherigen Verhei\u00dfungshorizont sozialistischer Systeme, Harich beansprucht die h\u00f6here Rationalit\u00e4t, die tiefere Humanit\u00e4t f\u00fcr sich: die Gleichheit aller in erzwungener Askese als Alternative zur Menschheitskatastrophe.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"keine-gleichheit-ohne-freiheit\">Keine Gleichheit ohne Freiheit <\/span><\/h2>\n<p>Die Notwendigkeit, bisherige Wachstumsideologien in West und Ost kritisch zu \u00fcberdenken, ist nicht zu bestreiten. Allerdings d\u00fcrfte es f\u00fcr die Diskussion kaum f\u00f6rderlich sein, wenn man sie von vornherein antidemokratisch stilisiert (14). Vor allem jedoch \u00fcberspringt Harich das zentrale Problem seiner Konstruktion: Wer entscheidet eigentlich, nach welchen Legitimationskriterien der Entscheidungsbefugnisse, \u00fcber Bed\u00fcrfnisse und Zuteilungen? In der Situation des verwalteten Mangels wird &#8211; eine Elementarerkenntnis poIitischer \u00d6konomie &#8211; Herrschaft nicht etwa beseitigt, sondern im Gegenteil angeeignet, und konsequent genug will Harich ja die Illusion verabschieden, es k\u00f6nne die autorit\u00e4re Staatsgewalt abgeschafft oder auch nur gemildert werden. Mu\u00df aber die Gleichheit ohne Freiheit deshalb nicht unausweichlich in neue, radikale Ungleichheit einm\u00fcnden? Mu\u00df es nicht zu einem perfekten System b\u00fcrokratischer Hierarchisierung oder Klassenherrschaft kommen &#8211; und mit ihm, statt zur erhofften, bescheidenen Idylle, im Schatten der Macht, zu neuen, b\u00f6sartigen innergesellschaftlichen wie zwischenstaatlichen Konflikten? Schl\u00e4gt, um hiermit halbwegs fertig zu werden, die erhoffte Gleichheit nicht notwendig in die gewaltsame Gleichschaltung um, die in der einseitig von &#8222;oben&#8221; diktierten Bed\u00fcrfnislenkung ebenso ihren Ausdruck findet wie in deren ideologisch-dogmatischer Bem\u00e4ntelung?<br \/>Es zeigt sich: <i>Wo immer man auf Freiheit leichthin verzichtet, um wenigstens die Gleichheit zu retten, verf\u00e4llt man einer Illusion, weil man Freiheit und Gleichheit nicht gegen-, sondern nur miteinander haben kann.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"keine-freiheit-ohne-gleichheit\">Keine Freiheit ohne Gleichheit <\/span><\/h2>\n<p>Dies gilt nat\u00fcrlich auch und erst recht in der Gegenrichtung, \u00fcberall dort, wo man unter dem Vorwand der Freiheitsverteidigung die Gleichheit\u00a0 denunziert, um unter solcher Maskierung Privilegien zu erhalten oder neu zu errichten. Denn wenn die rechtliche und die soziale Gleichheit als Fundamente der Freiheit auf der einen, die Gleichschaltung als Freiheitszerst\u00f6rung auf der anderen Seite die Alternative unserer Epoche bezeichnen, dann l\u00e4uft die angebliche Freiheitsverteidigung, sobald sie zur Verteidigung von Ungleichheit mi\u00dfr\u00e4t, in Wahrheit zugleich auf die Freiheitsvernichtung in der festgeschriebenen, hierarchisch &#8222;geordneten&#8221; Gleichschaltung hinaus.<\/p>\n<p>Um es noch etwas anders zu formulieren: Gleichschaltung ist nicht die Fortsetzung der Gleichheit mit nur etwas anderen, vergr\u00f6berten Mitteln,\u00a0 sondern deren Todfeind. Denn sie zerlegt die Menschheit in zwei abgr\u00fcndig voneinander geschiedene und zu dieser Scheidung vorbestimmte Teile: in die Wissenden und die Unwissenden, die Gerechten und die Ungerechten, die Kinder des Lichts und die Kinder der Finsternis; sie schafft also oder setzt voraus die radikale, f\u00fcr un\u00fcberbr\u00fcckbar erkl\u00e4rte Ungleichheit &#8211; und eben damit auch die radikale Unfreiheit &#8211; von Freund und Feind.<\/p>\n<p><i>Gleichschaltung ist die Aggression, als deren \u00dcberwindung sie sich ausgibt. <\/i>Unter dem falschen Schein der &#8222;Gemeinschaft&#8221; zielt sie auf die \u00dcberw\u00e4ltigung und Einebnung von Freiheit und Vielfalt, alles dessen, was &#8222;anders&#8221; ist. Gleichheit dagegen macht als formalisierende Rechtsgleichheit die Freiheit zum Anderssein erst m\u00f6glich, als soziale Gleichheit erst praktikabel.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"aggression-und-verteidigung-von-privilegien\">Aggression und Vertei&shy;di&shy;gung von Privilegien<\/span><\/h2>\n<p>VI<\/p>\n<p>Aggression: das ist kaum zuf\u00e4llig ein Stichwort unserer Zeit. Aggression aber macht als Gier nach Gleichschaltung, nach Verfemung, Vertreibung, Vernichtung derer, die &#8222;anders&#8221; sind, die Herausforderung durch Freiheit und Gleichheit in der Tiefendimension sichtbar. Da\u00df einzelne oder Gruppen, die \u00fcber Privilegien und Entscheidungsmonopole verf\u00fcgen, diese Privilegien und Monopole erbittert verteidigen\u00a0 und sich aggressiv gegen jeden wenden, der sie bedroht oder zu bedrohen scheint, ist allerdings verst\u00e4ndlich. Man kann das einmal mehr an den verh\u00e4ngnisvollen Wendungen der neueren deutschen Geschichte ablesen. Dahrendorf hat vom &#8222;Kartell der Angst&#8221; deutscher F\u00fchrungseliten gesprochen, Erich Fromm von der &#8222;Flucht vor der Freiheit&#8221;; Eva Reichmann hat Antisemitismus und Judenverfolgung als &#8222;Flucht in den Ha\u00df&#8221; analysiert (15).<\/p>\n<p>Es l\u00e4uft gewisserma\u00dfen ein lernpathologischer Verdummungsproze\u00df, ein wahnhafter Realit\u00e4tsverlust ab: Statt durch Reformen \u00fcberst\u00e4ndige Privilegien Schritt f\u00fcr Schritt abzubauen, verst\u00e4rkt eine bedrohte Machtelite\u00a0 nur ihre ideologischen und materiellen Abwehrmechanismen und lenkt &#8212; im Namen des Volkes und der gleichgeschalteten &#8222;Volksgemeinschaft&#8221; &#8211; die aufgestauten Spannungen auf Minderheiten im Innern und fiktive \u00e4u\u00dfere Feinde ab. Sie entfernt sich damit immer mehr von den Bedingungen der entfalteten Industriegesellschaft und ger\u00e4t schlie\u00dflich in Entwicklungssackgassen, an deren Ende die Katastrophe wartet.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-mensch-braucht-ansehen\">Der Mensch braucht &bdquo;Ansehen&rdquo;<\/span><\/h2>\n<p>Aber es hie\u00dfe den Sachverhalt nur vordergr\u00fcndig betrachten und unzul \u00e4ssig vereinfachen, wollte man einzig die materiellen Privilegien und Entscheidungsmonopole sehen. Ohnehin bliebe dann unverst\u00e4ndlich, wie Angst und Aggressivit\u00e4t auf die Massen der nichtprivilegierten Gefolgschaft &#8211; gegen deren Interessen! &#8211; \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Das Hinwegerkl\u00e4ren eines hartn\u00e4ckig &#8222;falschen Bewu\u00dftseins&#8221; mittels der &#8222;Manipulations&#8220;-Hypothese macht es sich zu einfach, ganz abgesehen davon, da\u00df diese Hypothese immer in der Gefahr steht, auf primitive &#8222;Verschw\u00f6rungs&#8220;-Klischees zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>In der Tiefendimension geht es wohl um existentielle Probleme des menschlichen Selbstbewu\u00dftseins. Der Mensch ist ja das einzige, einzig artige Wesen, das ein &#8211; prinzipiell immer labiles, offenes, gef\u00e4hrdetes &#8212; Verh\u00e4ltnis zu sich hat. Darum braucht der Mensch &#8222;Ansehen&#8221;, ein sozial vermitteltes und abgest\u00fctztes Selbst-Bewu\u00dftsein &#8211; und darum kann oder sogar mu\u00df der Mensch, nur er, auf die Besch\u00e4digung oder Zerst\u00f6rung dieses Ansehens mit Selbstmord oder Mord reagieren. In der ehrw\u00fcrdig unheimlichen Geschichte von Kain und Abel, diesem Urmythos von der Aggression, antwortet Kain auf den Entzug &#8222;gn\u00e4digen Ansehens&#8220; durch Jehova nicht etwa mit Auflehnung, schon gar nicht mit Achselzucken, sondern mit der Jagd auf den S\u00fcndenbock, mit dem Brudermord. Die Geschichte hat, leider, noch kaum etwas von ihrer Aktualit\u00e4t verloren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"selbstbewusstsein-auf-hierarchischer-grundlage\">Selbst&shy;be&shy;wu&szlig;t&shy;sein auf hiera&shy;r&shy;chi&shy;scher Grundlage<\/span><\/h2>\n<p>Wenn aber, wie in dieser Geschichte &#8211; oder wie in Hegels tiefsinnigem Kapitel &#8222;Herrschaft und Knechtschaft&#8221; in der Ph\u00e4nomenologie des Geistes &#8211; das Selbstbewu\u00dftsein &#8222;vertikal&#8221; auf \u00dcber- und Unterordnung, auf Herrschaft und Hierarchie gr\u00fcndet und unvordenklich gegr\u00fcndet war, dann bedeuten Freiheit und Gleichheit, als Wendung in die &#8222;horizontale&#8221; Dimension, eine elementare Infragestellung dieses Selbstbewu\u00dftseins: eine Infragestellung, die beim geringsten Anla\u00df Panik und Aggression ausl\u00f6sen kann. Und das gilt nicht nur f\u00fcr die Herrschenden, sondern eben auch f\u00fcr die Beherrschten, sofern deren Selbstbewu\u00dftsein von der Anerkennung durch die Herrschenden und durch die Identifikation mit ihnen bestimmt war und bestimmt wird.<br \/>\u00a0Dazu braucht man allerdings zugleich &#8222;die da unten&#8220;, von denen man sich unterscheidet. Was mir also gebrochen wird, wenn der Mann, der meine M\u00fclltonne leert, weder mehr durch das Einkommen noch durch andere grobe oder subtile Statussymbole von mir distanziert w\u00e4re, ist das Wichtigste, wor\u00fcber ich verf\u00fcge: mein herk\u00f6mmliches Selbstwerterlebnis. Zu seinem Gl\u00fcck fand der ehemalige Herrenmensch inzwischen den T\u00fcrken, dem durch das &#8222;Du!&#8221;, mit dem er so buchst\u00e4blich wie doppelsinnig angeherrscht wird, nicht etwa Gleichheit und Solidarit\u00e4t, sondern Ungleichheit und Unterwerfung signalisiert wird. &#8211; Dringend zu w\u00fcnschen w\u00e4re eine Sozialgeschichte des Selbstbewu\u00dftseins, vor allem der Misere deutscher B\u00fcrgerlichkeit, der die politische und gesellschaftliche Durchsetzung aus eigener Kraft historisch mi\u00dfriet und die daher auf jede Form von egalit\u00e4rer Infragestellung mit Verfolgungswahn und Verfolgung reagiert.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-herausforderung-der-gleichheit\">Die Heraus&shy;for&shy;de&shy;rung der Gleichheit<\/span><\/h2>\n<p>In solcher Perspektive &#8211; und nur in ihr &#8211; wird die moderne Revolution der Gleichheit als eine ungeheure Herausforderung verst\u00e4ndlich; es wird verst\u00e4ndlich, warum Tocqueville, der gr\u00f6\u00dfte Analytiker dieser Herausforderung, in der Einleitung zu seiner Demokratie in Amerika sagen konnte: &#8222;Das vorliegende Buch ist v\u00f6llig unter dem Eindruck einer Art religi\u00f6sen Schauders geschrieben, welche der Anblick dieser unwiderstehlichen Revolution im Herzen des Verfassers hervorgerufen hat.&#8221;<\/p>\n<p>Doch wenn die Revolution der Gleichheit wirklich &#8222;unwiderstehlich&#8221; ist,\u00a0 dann in dem Sinne, da\u00df es zu ihr keine tragf\u00e4hige Alternative gibt: da\u00df sie die Basis bildet ebenso f\u00fcr die Befreiung des Menschen aus Untert\u00e4nigkeit, Rechtlosigkeit, Ausbeutung, Armut und Unwissenheit, wie f\u00fcr seine geistige Freiheit und die Vielfalt seiner M\u00f6glichkeiten zur Selbstverwirklichung. Dann freilich kann der Herausforderung der Gleichheit nicht begegnet werden durch Zur\u00fcckweichen, das die Gier zur Aggression erst weckt und st\u00e4ndig wachsen l\u00e4\u00dft, sondern einzig durch die entschlossen voranschreitende Verwirklichung der Gleichheit, die das sozial vermittelte &#8222;Ansehen&#8221;, die Best\u00e4tigung des Selbst-Bewu\u00dftseins aus der &#8222;vertikalen&#8221; in die &#8222;horizontale&#8221; Dimension der Solidarit\u00e4t, christlich gesprochen der Br\u00fcderlichkeit wendet. Gewi\u00df handelt es sich um einen sehr langwierigen und schmerzhaften, nicht zuletzt in seiner institutionellen Umsetzung h\u00f6chst komplizierten, schwerlich durch Gewaltstreich abzuk\u00fcrzenden Entwicklungsproze\u00df. Aber es gibt eben, au\u00dfer dem Brudermord, keine Alternative.<br \/>\u00a0Um am Ende zum Ausgangspunkt zur\u00fcckzukehren und mit Sontheimer noch einmal Tocqueville zu zitieren, allerdings dabei den Satz hinzuf\u00fcgend, den er auslie\u00df: &#8222;Es geht nicht mehr darum, die besonderen Vorteile zu retten, die die Ungleichheit der gesellschaftlichen Bedingungen den Menschen verschafft, sondern das neue Gute zu sichern, das ihnen die Gleichheit zu bieten vermag. Unser Ziel kann nicht darin bestehen, unseren V\u00e4tern gleich zu werden, sondern wir m\u00fcssen um die Art von Gr\u00f6\u00dfe und Gl\u00fcck k\u00e4mpfen, die uns angemessen ist&#8221;. (16)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h2>\n<p>1 Der Streit um die wahre Demokratie &#8211; Bilanz einer Theoriedebatte, in: Die Zeit, 9. Januar\u00a0 1976, Nr 3, S 40.<br \/>2 Rede in Witten, zit nach: Die Welt, 8.12.1975.<br \/>3 Siehe von Schelsky: Mehr Demokratie oder mehr Freiheit? &#8211; Der Grundsatzkonflikt der &#8222;Polarisierung&#8221; in der Bundesrepublik, zuerst in: FAZ, 20.1.1973, Nr 17, S 7 f; sp\u00e4ter in: System\u00fcberwindung&#8211;Demokratisierung &#8211; Gewaltenteilung, M\u00fcnchen 1973, S 47 ff.<br \/>4 Vierter Teil, Dritter Abschnitt, Drittes Kapitel.<br \/>5 \u00dcber die Demokratie in Amerika, II, Stuttgart 1962, S 349 f.<br \/>6 Human Nature, Kap 9, Abschn 21; English Works, ed Molesworth, IV, S 53.<br \/>7 A a O, I, Stuttgart 1959, S 399.<br \/>8 Siehe dazu Claus Offe, Leistungsprinzip und industrielle Arbeit &#8211; Mechanismen der Statusverteilung in Arbeitsorganisationen der industriellen &#8222;Leistungsgesellschaft&#8221;, Frankfurt a M 1970.<br \/>9 Siehe dazu v Verf: Feudalismus und Managerherrschaft &#8211; Japan, in: Soziale Kontrolle und autorit\u00e4re Gewalt, M\u00fcnchen 1971, S 137 ff.<br \/>10 Einschl\u00e4gig besonders die Arbeiten von Hans-J\u00fcrgen Eysenck: Vererbung, Intelligenz und Erziehung &#8211; Zur Kritik der p\u00e4dagogischen Milieutheorie, Stuttgart 1975; ders: Die Ungleichheit der Menschen, M\u00fcnchen 1975.<br \/>11 Zur Darstellung der kontroversen Literatur sei verwiesen auf: H. Roth (Hrsg), Begabung und Lernen &#8211; Ergebnisse und Folgerungen neuer Forschungen, Stuttgart 1969; D. E. Zimmer, Der Streit um die Intelligenz&#8211; IQ: ererbt oder erworben? M\u00fcnchen 1975.<br \/>12 Wolfgang Brezinka: Chancengleichheit &#8211; Wundertaler ohne Kurs, in: Die Welt, 24.11.1975.<br \/>13 Kommunismus ohne Wachstum? &#8211; Babeuf und der &#8222;Club of Rome&#8221;, Reinbek 1975, S 135, 179, 167.<br \/>14 Eine in diesem Sinne problematische Tendenz zeigt auch das Buch des CDU-Abgeordneten<br \/>Herbert Gruhl: Ein Planet wird gepl\u00fcndert &#8211; Die Schreckensbilanz unserer Politik, Frankfurt aM 1975.<br \/>15 R. Dahrendorf, Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, M\u00fcnchen 1965, S 297 ff; E. Fromm, Die Flucht vor der Freiheit, Z\u00fcrich 1945; E. Reichmann, Flucht in den Ha\u00df, 4. Aufl Frankfurt aM 1964.<br \/>16 A a O, II, S 357 f.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[761,667],"autoren":[460],"publikationen":[1317],"class_list":["post-12284","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-gleichheit","tag-vorgaenge-artikel","autoren-christian-graf-von-krockow","publikationen-20-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Freiheit oder Gleichheit? - \u00dcberlegungen zu einer falschen Alternative - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/20-vorgaenge\/publikation\/freiheit-oder-gleichheit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Freiheit oder Gleichheit? - \u00dcberlegungen zu einer falschen Alternative - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus vorg\u00e4nge Nr. 20 (Heft 2\/1976), S. 45-57 Freiheit wider Gleichheit? 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