{"id":12327,"date":"1978-12-16T17:30:00","date_gmt":"1978-12-16T16:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/grenzen-der-intensivmedizin\/"},"modified":"2021-08-24T21:47:24","modified_gmt":"2021-08-24T19:47:24","slug":"grenzen-der-intensivmedizin","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/36-vorgaenge\/publikation\/grenzen-der-intensivmedizin\/","title":{"rendered":"Grenzen der Intensivmedizin"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge 36 (Heft 6\/1978), S. 65-73<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"technische-errungenschaften-ermoeglichen-sterbensverlaengerung\">Technische Errun&shy;gen&shy;schaften erm&ouml;glichen Sterbens&shy;ver&shy;l&auml;n&shy;ge&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>Die moderne Medizin wird im Grenzbereich des Sterbens zunehmend bestimmt von technischen M\u00f6glichkeiten, Leben, auch in seiner \u00e4u\u00dfersten Bedrohung infolge ausgefallener lebenswichtiger K\u00f6rperfunktionen, zu erhalten. Technische Errungenschaften sind wertfrei. Sie erm\u00f6glichen eine Lebensverl\u00e4ngerung auch dann, wenn diese, bezogen auf die unbehandelbare Grundkrankheit, einer Sterbensverl\u00e4ngerung gleichkommt. In der Sterbensverl\u00e4ngerung wird aber der todgeweihte Mensch um sein Recht auf den eigenen Tod gebracht und in seiner menschlichen W\u00fcrde verletzt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"moderne-intensivmedizin\">Moderne Inten&shy;siv&shy;me&shy;dizin<\/span><\/h2>\n<p>Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich in der modernen Intensiv- Medizin. Intensivmedizin umfasst Behandlung, \u00dcberwachung und Pflege von Patienten, bei denen die f\u00fcr das Leben notwendigen sogenannten vitalen &#8211; oder elementaren &#8211; Funktionen von Atmung, Kreislauf, Hom\u00f6ostase (das ist Aufrechterhalten einer optimalen Zusammensetzung der K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten) &#8211; und Stoffwechsel lebensgef\u00e4hrlich bedroht oder gest\u00f6rt sind, mit dem Ziel, diese Funktionen zu erhalten, wiederherzustellen oder zu ersetzen, um Zeit f\u00fcr die Behandlung des Grundleidens zu gewinnen.<br \/>Die Techniken, mit denen der Intensivmediziner zum Wohle seines Patienten arbeitet, sind zum gro\u00dfen Teile invasiv, dh sie dringen in den K\u00f6rper des Patienten ein, sie versehren ihn. Im allgemeinen sind sie desto invasiver, je wirksamer sie sind. Das gilt nicht nur f\u00fcr Behandlungstechniken sondern auch f\u00fcr \u00dcberwachungstechniken.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"intensiv-techniken\">Intensiv Techniken<\/span><\/h2>\n<p>Intensivtechniken sind: die k\u00fcnstliche maschinelle Beatmung, die \u00dcberwachung von Atmung, Kreislauf, Temperatur, S\u00e4ure -Basen- Haus halt und Stoffwechsel, der Einsatz sogenannter technischer Medikamente (das sind Medikamente, die nur durch hohen technischen Einsatz herzustellen sind, also teure Medikamente), die H\u00e4mo- und Peritonealdialyse, Massivtransfusionen und Austauschtransfusionen, die Extrakorporale Oxygenation mit Membranoxygenatoren (dh. die Beladung des Blutes mit Sauerstoff au\u00dferhalb des K\u00f6rpers), die assistierte Zirkulation mit in die Hauptschlagader, die Aorta, eingesetzten Ballonpumpen, das tempor\u00e4re k\u00fcnstliche Herz und schlie\u00dflich die Herz-Lungen-Wiederbelebung, deren Technik jedem Autofahrer und erst recht jedem Arzt gel\u00e4ufig sind oder doch sein sollten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"sterbensverlaengerung-oft-mit-qualen-verbunden\">Sterbens&shy;ver&shy;l&auml;n&shy;ge&shy;rung oft mit Qualen verbunden<\/span><\/h2>\n<p>Der Einsatz dieser eingreifenden therapeutischen und diagnostischen M\u00f6glichkeiten hat es mitsichtgebracht, dass viele Patienten, die noch vor f\u00fcnfzehn Jahren aufgrund ihrer Erkrankung oder ihres Unfalls, infolge des Ausfalls lebensnotwendiger K\u00f6rperfunktionen dem sicheren Tod geweiht waren, heute \u00fcberleben und neu weiterleben k\u00f6nnen. Er hat es aber auch mitsichtgebracht, dass viele Patienten, deren Lebensuhr nach alten Ma\u00dfst\u00e4ben abgelaufen war, am Weiterleben, richtiger: am Sterben, gehindert werden k\u00f6nnen. Dabei bringt der Einsatz so vieler Techniken, die st\u00e4ndige Manipulation an und mit dem Patienten es mit sich, dass nicht nur die Lebensverl\u00e4ngerung, sondern auch die Sterbensverl\u00e4ngerung h\u00e4ufig mit Qualen verbunden sind.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"intensivtherapie-auch-ein-psychologisches-problem\">Inten&shy;siv&shy;the&shy;rapie auch ein psycho&shy;lo&shy;gi&shy;sches Problem<\/span><\/h2>\n<p>Ich muss hier aber darauf aufmerksam machen, dass sich das Gef\u00fchl, Intensivtherapie bedeute Qual f\u00fcr den Patienten, im wesentlichen nur dem Zuschauer stellt, besonders dem Angeh\u00f6rigen und dem, der so wenig krank ist, dass er Intensivtherapie im Grunde nicht braucht. Der wahrhaft Kranke hat auch bei der Intensivtherapie nur das Gef\u00fchl, dass ihm geholfen wird, und die Patienten in extremer Bedrohung und die Sterbenden sind ohnehin meist ohne Bewusstsein. Die Ansicht von der Intensivtherapie ist nicht zuletzt auch ein psychologisches Problem.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-faszination-des-technisch-machbaren\">Die Faszination des technisch Machbaren<\/span><\/h2>\n<p>Das Auswuchern der Technik, bei der der Patient, der Mensch, von Schl\u00e4uchen, Dr\u00e4hten, \u00dcberwachungs- und Beatmungsger\u00e4ten schier erdr\u00fcckt wird, unter denen er zum Teil gar nicht mehr zu sehen, im \u00fcbertragenen Sinne gar nicht mehr als Mensch wahrzunehmen ist, f\u00fchrt nur zu leicht dazu, dass sich auch das Patient &#8211; Arzt &#8211; Verh\u00e4ltnis bei solcher Therapie sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert, dass auch der Arzt immer mehr der Faszination des technisch Machbaren verf\u00e4llt, und der Patient als ein patiens, als ein Leidender, vor der Aufgabe, sein Leben mit allen Mitteln zu erhalten, nicht mehr gesehen wird. Der Einsatz so vieler lebensverl\u00e4ngernder Techniken f\u00fchrt nur zu h\u00e4ufig zu einer Degradierung des Patienten zum Fall, zur Nummer, ja zur Aufgabe, an der sich der Therapeut als &#8222;K\u00f6nner&#8221; best\u00e4tigen kann. So sinnvoll der Einsatz der medizinischen Techniken bei Patienten ist, die dadurch dem Weiterleben in Gesundheit zur\u00fcckgegeben werden, so fragw\u00fcrdig wird dieser Einsatz dort, wo eine Lebensverl\u00e4ngerung nicht mehr m\u00f6glich und vielleicht auch dort, wo nur noch eine quantitative und keine qualitative Lebensverl\u00e4ngerung mehr m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"leben-erhalten-oder-leiden-mindern\">Leben erhalten oder Leiden mindern?<\/span><\/h2>\n<p>Betrifft dieser Einsatz aller Mittel, diese Auffassung, das heute technisch Machbare auch in jedem Falle anzuwenden, einen ohnehin todgeweihter Patienten, so muss diese Einstellung am \u00e4rztlichen Auftrag (wie er in de Berufsordnung f\u00fcr die deutschen \u00c4rzte niedergelegt ist) n\u00e4mlich: neben den Aufgaben Leben zu erhalten, Gesundheit zu sch\u00fctzen und wiederherzustellen, auch Leiden zu mindern, vorbeigehen. Ist n\u00e4mlich Leben nicht zu erhalten, Gesundheit nicht wiederherzustellen, so ist die h\u00f6chste Aufgabe des Arztes, das Leiden zu mindern.<br \/>Nat\u00fcrlich liegt die Schwierigkeit darin, zu wissen, wann Leben nicht mehr zu erhalten ist. Angesichts der Tatsache, dass Erfahrung im Biologischen nur Erfahrungen statistischer Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten sind, die f\u00fcr den Einzelfall sehr wenig aussagen, wird die Entscheidung, wann das Gebot, Leiden zu mildern, vorrangig ist vor dem, das Leben zu erhalten, zur gr\u00f6\u00dften Problematik der Intensivtherapie.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"behandlung-um-jeden-preis-entwuerdigt-den-patienten\">Behandlung um jeden Preis entw&uuml;rdigt den Patienten<\/span><\/h2>\n<p>Die Behandlung um jeden Preis, der gedankenlose Einsatz aller technischer Mittel, hindert den Patienten am Sterben und zwar auch dann, wenn das Sterben vom Sterbenden her nicht als simples organisches Verl\u00f6schen, sondern im positiven, existentiellen Sinne als Abschluss eines erf\u00fcllten Lebens zu sehen ist. So nimmt eine falsch verstandene Intensivtherapie dem Patienten das Recht auf seinen Tod und entw\u00fcrdigt seine Pers\u00f6nlichkeit.<br \/>Aus der hier aufgezeigten Problematik wird klar, dass die popul\u00e4re Ansicht, der Arzt m\u00fcsse in erster Linie alles tun, um Leben zu erhalten, und das hie\u00dfe f\u00fcr den Intensivtherapeuten: alle seine technischen M\u00f6glichkeiten einsetzen bis zum Eintritt des Hirntodes, so nicht gelten kann.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"drei-forderungen\">Drei Forderungen<\/span><\/h2>\n<p>Es ergeben sich drei Forderungen: Drei Forderungen<\/p>\n<ol>\n<li>Das Handeln des Arztes wird bisher vor allem gepr\u00e4gt von der Ehrfurcht vor dem Leben. Aber die Ehrfurcht vor dem Leben muss durch die Ehrfurcht vor dem Sterben erg\u00e4nzt werden.<\/li>\n<li>Daher ist auch das heute weithin akzeptierte Recht auf menschenw\u00fcrdiges Leben durch ein Recht auf menschenw\u00fcrdiges Sterben zu erg\u00e4nzen.<\/li>\n<li>Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen wir \u00c4rzte \u00dcberlegungen anstellen, was wir von dem, was heute medizinisch-technisch machbar ist, auch humanit\u00e4r-\u00e4rztlich, also menschlich, noch verantworten k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"oekonomische-grenzen-der-intensivmedizin-noch-nicht-erreicht\">&Ouml;konomische Grenzen der Inten&shy;siv&shy;me&shy;dizin noch nicht erreicht<\/span><\/h2>\n<p>Noch sind die \u00f6konomischen Grenzen der Intensivmedizin nicht erreicht. Die Intensivtherapie allein beeinflusst die Kostenexplosion in der Medizin nur minimal. Nur 3 bis 5 % aller Krankenhausbetten sind Intensivbetten, sodass selbst die \u00fcbrigens nur selten erreichten Pflegekostens\u00e4tze von 1000 bis 1500 DM pro Tag f\u00fcr Intensivpatienten in unseren Gesamtaufwendungen f\u00fcr Gesundheit nur wenig zu Buche schlagen. Das \u00dcbel der Kostenexplosion liegt auf dem Weg, den die Medizin heute zur technischen Perfektionierung eingeschlagen hat und dem Weg der Verbraucher hin zur Verteilungsgesellschaft. Eine Nutzen-Kosten-Analyse der Intensivtherapie w\u00fcrde sehr wahrscheinlich einen \u00dcberschuss an Nutzen ergeben, \u00e4hnlich wie in der Notfallmedizin jeder der besonders kostenintensiven Rettungshubschrauber pro Jahr das zehnfache seines Aufwandes durch Rettung von Menschenleben und Abwendung von Invalidit\u00e4t wieder einspielt. Es ist auch kein Zweifel, dass die Vorhalt-Kosten f\u00fcr die Intensivmedizin rechtens sind und dass die Intensivmedizin notwendig ist f\u00fcr alle die, die ein Weiterleben in v\u00f6lliger Gesundheit erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"probleme-der-behandlungsauswahl\">Probleme der Behand&shy;lungs&shy;aus&shy;wahl<\/span><\/h2>\n<p>Zur Problematik der \u00f6konomischen Grenzen geh\u00f6ren die Fragen der Behandlungsauswahl bei Patienten, f\u00fcr die, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, ausreichende Behandlungsm\u00f6glichkeiten nicht zur Verf\u00fcgung stehen. Bekannt, aber nie in breiter \u00d6ffentlichkeit diskutiert wurde das Problem in Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung der k\u00fcnstlichen Niere, als wegen anfangs fehlender Dialysepl\u00e4tze nur einem Bruchteil der Patienten, die behandelbar waren, damit das Leben gerettet werden konnte.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ist-leben-gleich-leben\">Ist Leben gleich Leben?<\/span><\/h2>\n<p>F\u00fcr die Intensivtherapie Beatmung hat k\u00fcrzlich R. Zimmermann aus juristischer Sicht ein fiktives Beispiel diskutiert: Auf eine Intensivstation, auf der mit dem einzigen zur Verf\u00fcgung stehenden Beatmungsger\u00e4t ein 70-j\u00e4hriger Patient beatmet wird, kommt eine 30-j\u00e4hrige Mutter von mehreren Kindern, die ebenfalls zur Erhaltung ihres Lebens beatmet werden muss. Die Mutter, so Zimmermann, d\u00fcrfe dann nicht auf kosten des bereits behandelten alten Mannes behandelt werden, weil Leben und Leben als prinzipiell gleichrangige und absolut h\u00f6chstwertige Rechtsg\u00fcter nicht rechtfertigend gegeneinander abgewogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"abwaegung-des-erfolgs-notwendig\">Abw&auml;gung des Erfolgs notwendig<\/span><\/h2>\n<p>Hier werden wir \u00c4rzte widersprechen m\u00fcssen. Leben ist nur prinzipiell gleich Leben. F\u00fcr den praktischen Therapeuten geht in die Behandlungs\u00fcberlegung immer der m\u00f6gliche Behandlungserfolg wertend mit ein. Jede Therapie wird abgewogen in ihrem m\u00f6glichen Erfolg gegen\u00fcber ihren m\u00f6glichen Nachteilen und Risiken. Jedoch nicht der Wert eines Kranken kann Ma\u00dfstab sein, denn da liegt immer Gleichwertigkeit vor, sondern dessen Restitutionsf\u00e4higkeit, dessen Heilungsaussicht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"auswahl-nach-ueberlebens-und-heilungschancen\">Auswahl nach &Uuml;berlebens- und Heilungs&shy;chancen<\/span><\/h2>\n<p>\u00dcberdeutlich wird der Selektionsvorgang, der vom Arzt st\u00e4ndig verlangt wird, allerdings nur dann, wenn mehrere Kranke gleichzeitig zur Versorgung anstehen, die vorhandenen Mittel aber nicht zur Versorgung aller ausreichen, z.B. im Katastrophen all. Hier erlaubt auch der Jurist dem Arzt die Auswahl nach \u00dcberlebens- bzw. Heilungschancen. Der schon behandelte alte Mann und die junge zur Behandlung anstehende Mutter sind aber nicht anders zu bewerten, eben weil die Wertung in jedem Fall nie die Gleichwertigkeit von Leben und Leben oder Person und Person infragestellt, sondern nur die Wahrscheinlichkeit des gr\u00f6\u00dferen Behandlungserfolges betrifft.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-biologischen-grenzen\">Die biolo&shy;gi&shy;schen Grenzen<\/span><\/h2>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen wird deutlich, dass die Grenzen der Intensiv Medizin ganz wesentlich von biologischen Gegebenheiten bestimmt wer den. Die Grenzen betreffen die Behandlungsf\u00e4higkeit. Unserer Therapie sind nicht so sehr technische Grenzen gesetzt, sondern der kranke Organismus setzt sie uns. Es sind biologische Grenzen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"biologisches-alter-vorrangig-vor-dem-zeitlichen-alter\">Biolo&shy;gi&shy;sches Alter vorrangig vor dem zeitlichen Alter<\/span><\/h2>\n<p>Die Grenzen der Behandlungsf\u00e4higkeit werden vor allem gesetzt durch das Alter. Die Restitutionskraft des Organismus nimmt mit zunehmendem Alter sehr schnell ab. Da der Alterungsprozess aber individuell verschieden schnell abl\u00e4uft, wenn auch in relativ engen zeitlichen Grenzen, ist biologisches Alter vorrangig vor dem zeitlichen. Diesem Alterungsprozess sind alle Organsysteme in gleicher Weise unterworfen, nicht nur dasjenige, das &#8211; etwa aufgrund seines Alters akut erkrankt ist und die Behandlung \u00fcberhaupt erst erforderlich macht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-nicht-direkt-betroffenen-organsysteme\">Die nicht direkt betroffenen Organ&shy;sys&shy;teme<\/span><\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Alter f\u00fcr sich kein Grund f\u00fcr die Bewertung der Behandlungsf\u00e4higkeit, aber es geht im Zusammenhang mit anderen Faktoren in die Bewertung ein. Von denen ist der n\u00e4chstwichtigste Faktor die Beschaffenheit der Organsysteme, die nicht unmittelbar von der Krankheit betroffen sind, insbesondere die Organsysteme von Kreislauf und Atmung. Das ausgefallene Organsystem Lunge, z.B. die chronische respiratorische Insuffizienz im Endzustand, f\u00fchrt f\u00fcr sich trotz aller Intensivtherapie, trotz langdauernder, teurer und eventuell qualvoller Beatmung unaufhaltsam zum Tode. Eine allgemeine hochgradige Arteriosklerose beschr\u00e4nkt die Lebenserwartung in Zusammenhang mit einer anderen Krankheit entschieden. Vor allem aber bestimmen auch Art und Schwere der Grundkrankheit, also die eigentlich zur Behandlung anstehende Krankheit, die Grenzen der Behandlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"juristische-grenzen\">Juristische Grenzen<\/span><\/h2>\n<p>Der Tod begrenzt jede Behandlung. Als ausreichende Todesgewissheit gilt heute schon der Nachweis des irreversiblen Ausfalls des Gesamthirns, also der &#8222;Partialtod&#8221; des Gehirns. Auf den &#8222;Totaltod&#8221;, das Sistieren s\u00e4mtlicher Lebensvorg\u00e4nge, braucht nicht mehr gewartet zu werden. Dies ist wichtig f\u00fcr alle beatmeten Patienten insbesondere nach schwerem Sch\u00e4del-Hirn-Trauma und nach schwerer intracranieller Blutung aus anderer Ursache.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"einwilligung-des-patienten-unerlaesslich\">Einwil&shy;li&shy;gung des Patienten unerl&auml;ss&shy;lich<\/span><\/h2>\n<p>Die Behandlung des Arztes ist auch in der Intensivmedizin an die Patienten zur Behandlung gebunden. Versagt der Patient seine <br \/>Einwilligung, so erf\u00fcllt jeder Eingriff den Tatbestand der K\u00f6rperverletzung. Einwilligung wie auch Versagen der Einwilligung muss aus freiem Willen erfolgen. Aber B. Sporken hat in anderem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Zustimmung noch keine freie Entscheidung sei. Man kann immer nur insoweit zustimmen, wie einem Entscheidungsgr\u00fcnde bekannt sind. Im Zusammenhang mit Fragen, deren Antwort Leben oder Tod bedeuten, m\u00fcssen wir entschieden strengere Anforderungen an unsere Patienten-Aufkl\u00e4rung legen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"mangelhafte-patienten-aufklaerung\">Mangelhafte Patien&shy;ten&shy;-Auf&shy;kl&auml;&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>Unsere jetzt noch weit verbreiteten Praktiken, bei denen man Patienten lediglich sagt, was man mit ihm vorhabe, nicht aber die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Behandlungsentscheidung offen legt, mit der Aufforderung, der Patient m\u00f6ge ruhig fragen, wenn er noch Fragen habe, sind unw\u00fcrdig. Was soll ein Patient denn fragen, der von den Schwierigkeiten des Entscheidungsprozesses im Abw\u00e4gen der Behandlungsm\u00f6glichkeiten angesichts der Vielzahl entscheidungsbeeinflussender Gegebenheiten nichts wei\u00df. Gegebenheiten wie: der Grad der Notwendigkeit und Dringlichkeit der \u00e4rztlichen Hilfe, das Ausma\u00df und die Dauer der Wirksamkeit der infragegestellten Behandlungsmethode und etwaige negative Nebenwirkungen davon, aber auch sein Zustand, k\u00f6rperlich und geistig, sein Alter, auch die Gr\u00f6\u00dfe des Aufwandes im Vergleich zum Nutzen, sein Wunsch, der Wunsch seiner Angeh\u00f6rigen, seine soziale Situation (in welches Leben wird er denn entlassen und wie wird er dahinein entlassen, falls er geheilt wird), welche Hilfen, sein Leben zu leben, bleiben ihm mit und welche ohne Behandlung.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fruehere-willenserklaerungen-des-patienten-fuer-den-arzt-nicht-bindend\">Fr&uuml;here Willens&shy;er&shy;kl&auml;&shy;rungen des Patienten f&uuml;r den Arzt nicht bindend<\/span><\/h2>\n<p>Der Wille des urteilsf\u00e4higen Patienten, der \u00fcber die Erkrankung, deren Behandlung, die damit verbundenen Erfolgsaussichten und Risiken aufgekl\u00e4rt worden ist, bindet den Arzt. Andererseits wird aber immer wieder darauf hingewiesen, dass es nahezu unm\u00f6glich sei festzustellen, ob einer Eingriffsverweigerung ein freier und verantwortlicher Wille zugrunde liege. Ein vorabgefasster Wille (in gesunden Tagen im Vollbesitz der geistigen Kr\u00e4fte abgefasst), also eine fr\u00fchere Willenserkl\u00e4rung in juristisch noch so einwandfreier Form, die bei einem bewusstlosen Patienten gefunden wird, bindet den Arzt jedoch nicht. Fr\u00fcher getroffene Entscheidungen sind deshalb nicht rechtskr\u00e4ftig, weil sie jederzeit widerrufen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-gegenwaertige-mutmassliche-wille-des-patienten-ist-entscheidend\">Der gegen&shy;w&auml;r&shy;tige mutma&szlig;liche Wille des Patienten ist entschei&shy;dend<\/span><\/h2>\n<p>Entscheidend ist dann der gegenw\u00e4rtige mutma\u00dfliche Wille, der nur aufgrund einer sorgf\u00e4ltigen Abw\u00e4gung aller Umst\u00e4nde des Falles gefunden werden kann. Soweit m\u00fcsste stets danach gefragt werden, ob der Patient die Erkl\u00e4rung im gegenw\u00e4rtigen Augenblick vern\u00fcnftigerweise widerrufen w\u00fcrde oder nicht. Die fr\u00fchere Willenserkl\u00e4rung kann aber als wesentlicher Anhaltspunkt f\u00fcr die Annahme einer mutma\u00dflichen Einwilligung dienen. Auch Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen den mutma\u00dflichen Willen des Patienten erl\u00e4utern. Sie k\u00f6nnen dem Arzt jedoch sein Handeln nicht vorschreiben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-rolle-der-angehoerigen\">Die Rolle der Angeh&ouml;rigen<\/span><\/h2>\n<p>Genauso wie der Arzt den Patienten nicht behandeln kann, solange er ihn nicht zur Behandlung \u00fcbergeben worden ist, k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige den Arzt die Behandlungsm\u00f6glichkeit nehmen dadurch, dass sie den Patienten aus dessen Behandlungsumkreis entfernen und den Patienten aus den Krankenhaus, aus der Intensivstation, beispielsweise wieder Nachhaus und in die Obhut des Hausarztes verbringen.<br \/>Es muss hierbei jedoch bedacht werden, dass bei Notf\u00e4llen &#8211;\u00a0und jeder Intensivpatient stellt insofern einen Notfall dar &#8211;\u00a0jeder, auch der Nichtarzt, nach \u00a7 333 c StGB zur allgemeinen Hilfeleistung verpflichtet ist und sich bei vors\u00e4tzlichem Unterlassen der Hilfeleistung strafbar macht. Hierbei ist unerheblich, ob das pflichtgem\u00e4\u00dfe Verhalten den Hilfsbed\u00fcrftigen h\u00e4tte retten k\u00f6nnen. Aber ebenso wie der Arzt beim bewusstlosen Patienten in seiner Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ohne Auftrag zuallererst einmal Hilfe zum Leben leisten muss, darf &#8211; so meine ich &#8211; der Angeh\u00f6rige, in seiner gewiss kenntnisreicheren Bewertung des Patientenwunsches Hilfe im Sterben leisten, indem er den Angeh\u00f6rigen dem sich zur Lebensverl\u00e4ngerung verpflichtet vermeidenden Arzt entzieht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ethische-grenzen\">Ethische Grenzen<\/span><\/h2>\n<p>Dem griechischen Arzt war es verboten, Patienten mit infauster Prognose zu behandeln. Heutige Berufsordnungen, so auch noch die soeben in Kraft getretene Berufsordnung f\u00fcr die nordrheinischen \u00c4rzte fordern vom Arzt das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu sch\u00fctzen und wiederherzustellen, sowie Leiden zu lindern.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ehrfurcht-vor-dem-sterben\">Ehrfurcht vor dem Sterben<\/span><\/h2>\n<p>Unser \u00fcberkommenes Sittengesetz wird noch immer bestimmt von der Ehrfurcht vor dem Leben. Der T\u00fcbinger Moraltheologe Auer hat an anderem Ort gesagt, dass eine ethische Norm dann sinnvoll ist, wenn sie geeignet erscheint, menschliche Freiheit und W\u00fcrde zu entfalten. Ich meine, die Ehrfurcht vor dem Leben alleine gen\u00fcgt daf\u00fcr nicht. Es muss die Ehrfurcht vor dem Sterben dazukommen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"lebensverlaengerung-kann-die-menschenwuerde-verletzen\">Lebens&shy;ver&shy;l&auml;n&shy;ge&shy;rung kann die Menschen&shy;w&uuml;rde verletzen<\/span><\/h2>\n<p>Wenn es in den Forderungen der ethischen Norm um die Menschlichkeit geht, so kann damit nicht das Mitleid gemeint sein, sondern die Forderung, unser Handeln auszurichten auf die Ehrfurcht vor der Pers\u00f6nlichkeit des Menschen, auf seine W\u00fcrde. &#8222;Die Menschenw\u00fcrde ist dann verletzt, wenn einem schwer leidenden Patienten gegen seinen Willen durch Anwendung medizinischer Mittel eine Pflicht zum Leben aufgezwungen wird. Sie ist es aber auch dann, wenn ein Mensch, der zu keiner Willens\u00e4u\u00dferung mehr f\u00e4hig ist, zum Objekt medizinischer M\u00f6glichkeiten herabgew\u00fcrdigt wird. Diese Betrachtungsweise &#8211; so schreibt Frau Trube-Becker &#8211; zwingt zu dem Schluss, dass in solchen F\u00e4llen eine Lebensverl\u00e4ngerung nicht geboten sein kann, selbst wenn diese von den Angeh\u00f6rigen des Sterbenden verlangt wird.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"das-gesamtwohl-des-patienten-als-massstab-fuer-den-arzt\">Das Gesamtwohl des Patienten als Ma&szlig;stab f&uuml;r den Arzt<\/span><\/h2>\n<p>Die Erhaltung des Lebens um jeden Preis, kann nicht h\u00f6chstes Ziel \u00e4rztlicher Behandlung sein. Leben hat nicht nur Bedeutung in seiner Quantit\u00e4t, sondern auch in seiner Qualit\u00e4t. Sein Wert kann nur im Zusammenhang mit anderen existentiellen Werten und Bed\u00fcrfnissen des Menschen, mit seiner Freiheit, mit seiner W\u00fcrde, seiner Selbstverwirklichung, gesehen werden. Leben kann auch nicht gesehen werden ohne die ihm seinsm\u00e4\u00dfig immanente Endlichkeit. Unsere Therapie hat sich immer am Gesamtwohl des Patienten zu orientieren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"praktische-grenzen\">Praktische Grenzen<\/span><\/h2>\n<p>Wie H. Menzel k\u00fcrzlich an einer Reihe eindrucksvoller Kasuistiken aus der Intensivtherapie gezeigt hat, liegen die Grenzen des noch Erreichbaren und nicht mehr zu Erreichenden in der Intensivtherapie so eng beieinander, dass sie in vielen F\u00e4llen nur retrospektiv erkannt werden k\u00f6nnen. Jeder Patient stellt ein Einzelschicksal dar, f\u00fcr den im nachhinein nur der effektive Ausgang Bedeutung hat, nicht die statistische Wahrscheinlichkeit des Ausgangs.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"intensivtherapie-als-restitutionshilfe\">Inten&shy;siv&shy;the&shy;rapie als Resti&shy;tu&shy;ti&shy;ons&shy;hilfe<\/span><\/h2>\n<p>Es ist unstreitig, dass immer dann alle uns zur Verf\u00fcgung stehenden Therapiem\u00f6glichkeiten eingesetzt werden m\u00fcssen, solange noch Ungewissheit \u00fcber den Ausgang der Krankheit besteht. Der bewusstlos in die Intensivstation eingelieferte Patient muss sofort behandelt werden, dies mit allen M\u00f6glichkeiten der technischen Medizin. Bei der Mehrheit unserer Intensivpatienten l\u00e4sst sich erst durch den Behandlungsversuch kl\u00e4ren, ob bei ausgefallenen Vitalfunktionen der kranke Organismus zu einer Restitution der Funktionen in der Lage ist. Intensivtherapie ist also nur zu sehen als Hilfe f\u00fcr den Organismus, seine Organfunktionen zu restituieren. Ist diese Restitution nicht mehr m\u00f6glich, was sich meist schon innerhalb kurzer Behandlungszeiten zeigt, so ist Intensivtherapie nicht nur nicht geboten, sondern nicht mehr erlaubt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"normtherapie-und-maximaltherapie\">Normthe&shy;rapie und Maximal&shy;the&shy;rapie<\/span><\/h2>\n<p>So muss sich die Therapie auf unseren Intensivstationen als Stufentherapie darstellen, in deren Mittelpunkt die Normtherapie steht, um vitale Funktionen zu erhalten. Das ist die Therapie, die auch auf jeder Allgemeinstation angewandt w\u00fcrde. Sind die vitalen Funktionen durch nur norm-therapeutische Bem\u00fchungen nicht zu erhalten, so werden die besonders eingreifenden und aufwendigen therapeutischen M\u00f6glichkeiten der Maximaltherapie eingesetzt, sofern sie (m\u00f6glicherweise auch durch zeitweiligen Ersatz vitaler Funktionen) zu einer Wiederherstellung der Eigenfunktion f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-minimaltherapie\">Die Minimal&shy;the&shy;rapie<\/span><\/h2>\n<p>Ist die M\u00f6glichkeit der Wiederherstellung der vitalen Funktionen von vornherein nicht gegeben, beispielsweise bei einem aufgrund einer Krebskrankheit moribunden Patienten, so ist auch die Anwendung maximaltherapeutischer M\u00f6glichkeiten nicht angezeigt. Im Gegenteil, sind bei einem solchen Patienten auch normtherapeutische Ma\u00dfnahmen nicht aus-reichend, die vitalen Funktionen zu erhalten, so scheint mir aus humanit\u00e4ren Erw\u00e4gungen die R\u00fcckstufung der Therapie auf die Minimaltherapie, die sogenannte humanit\u00e4re Therapie, notwendig. Sie soll nur noch Schmerzen lindern, Durst und eventuelle Atemnot nehmen. Eine H\u00f6herstufung bzw. R\u00fcckstufung der therapeutischen Bem\u00fchungen ist nur abh\u00e4ngig zu machen von dem Erfolg, mit dem der Organismus auf die angewandte Therapiestufe antwortet, also inwieweit er seine Restitutionskraft zeigt. Die Entscheidung, welche Therapiestufe angewandt werden muss, kann dabei nicht dem jungen Assistenzarzt, kann sicherlich nicht den Pflegekr\u00e4ften \u00fcberlassen bleiben, sie muss von einem Gremium erfahrener \u00c4rzte, die jeden Einzelfall als Individualfall \u00fcberdenken, getroffen werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"absoluter-vorrang-der-schmerzlinderung\">Absoluter Vorrang der Schmerz&shy;lin&shy;de&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>Ist der Arzt nicht mehr f\u00e4hig, den Tod abzuwenden, so muss er das Leiden des Patienten lindern und ihm helfen. Der Arzt ist aus seiner <br \/>Garantenpflicht heraus, seinem Patienten die bestm\u00f6gliche Hilfe angedeihen zu lassen, auch verpflichtet, ihm dann auch das Sterben zu erleichtern. Nach h\u00f6chstrichterlicher Rechtssprechung hat dabei die Schmerzlinderung absoluten Vorrang vor allen anderen Formen der Sterbehilfe. Sie ist selbst dann erforderlich, wenn sie mit einem lebensverk\u00fcrzenden Risiko verbunden ist. &#8222;Da es in unserer Rechtsordnung bisher weder ein Recht auf den Tod noch auf T\u00f6tungshilfe gibt, kommt dem Sterbenlassen durch Verzicht bzw. Abbau von lebensverl\u00e4ngernden Ma\u00dfnahmen um so gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zu, besonders dann, wenn diese lebensverl\u00e4ngernden Ma\u00dfnahmen mit Qualen verbunden sind&#8221; (A. Eser).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fuer-den-todkranken-da-sein\">F&uuml;r den Todkranken da sein<\/span><\/h2>\n<p>Dem Todkranken helfen bedeutet aber auch, ihn nicht allein lassen, und gerade hier sind wir Intensivtherapie\u00e4rzte und sind insbesondere die Intensivstationen \u00fcberfordert. Auf diesen Stationen ist h\u00e4ufig weder Zeit f\u00fcr den Mitmenschen noch, wegen oft unsinniger oder doch zu strenger Hygiene-Vorschriften, Besuchsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Freunde oder auch f\u00fcr den Pfarrer gegeben. Dem Todkranken helfen bedeutet aber vor allem, f\u00fcr ihn da sein, bei ihm sein. Aus vielen Berichten schwer-kranker Intensivbehandelter wissen wir, dass die blo\u00dfe Anwesenheit von jemandem, der ihm in gesunden Tagen nahegestanden hat, gen\u00fcgt, um ihm Ruhe und Mut zu geben und die Angst zu nehmen in seiner Krankheit.<\/p>\n<p>Wer dies bedenkt, muss zu der \u00dcberzeugung kommen, dass die Minimaltherapie im Grunde keine Therapie f\u00fcr die Intensivstation ist, ja nicht einmal f\u00fcr die Allgemeinstation, und wir alle w\u00e4ren, wenn wir sterben m\u00fcssen, besser dran, wenn wir, wie unsere Gro\u00dfeltern, im Kreis der Familie sterben d\u00fcrften. Doch die Zeiten sind nicht mehr danach.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[2537,667],"autoren":[2442],"publikationen":[1064],"class_list":["post-12327","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-sterbehilfe-positionen","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joachim-schara","publikationen-36-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Grenzen der Intensivmedizin - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/36-vorgaenge\/publikation\/grenzen-der-intensivmedizin\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Grenzen der Intensivmedizin - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"aus: vorg\u00e4nge 36 (Heft 6\/1978), S. 65-73 Technische Errun&shy;gen&shy;schaften erm&ouml;glichen Sterbens&shy;ver&shy;l&auml;n&shy;ge&shy;rung Die moderne Medizin wird im Grenzbereich des Sterbens zunehmend bestimmt von technischen M\u00f6glichkeiten, Leben, auch in seiner \u00e4u\u00dfersten Bedrohung infolge ausgefallener lebenswichtiger K\u00f6rperfunktionen, zu erhalten. 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