{"id":12375,"date":"1997-06-30T12:00:00","date_gmt":"1997-06-30T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/krieg-oder-vertrag-der-generationen\/"},"modified":"1997-06-30T12:00:00","modified_gmt":"1997-06-30T10:00:00","slug":"krieg-oder-vertrag-der-generationen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-138\/publikation\/krieg-oder-vertrag-der-generationen\/","title":{"rendered":"Krieg oder Vertrag der Generationen?"},"content":{"rendered":"<p>\u00c4ltere Menschen und die Zukunft des Sozialstaates<\/p>\n<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr. 138 (Heft 2\/1997), S. 20-28<\/p>\n<p>Der\u00a0f\u00fcr seine polemischen Darstellungen bekannte Gie\u00dfener Sozialwissenschaftler Reimer Gronemeyer prophezeite bereits Ende der 80er Jahre in seinem Buch &#132;Die Entfernung vom Wolfsrudel&#148; den bevorstehenden &#132;Krieg&#8216; der Generationen&#148; auf politischer und wirtschaftlicher Ebene: &#132;Die Alten haben vorerst gesiegt, sie besetzen die Schl\u00fcsselpositionen, und ihre Zahl w\u00e4chst unaufh\u00f6rlich. Immer mehr Junge m\u00fcssen immer mehr arbeiten, um Renten und Intensivstationen zu bezahlen &#8211; auf Kosten der eigenen Zukunft. Bald werden viele glauben, wir k\u00f6nnten die ganz Alten nicht mehr versorgen, ihr Leben nicht mehr verl\u00e4ngern mit hohem Aufwand. Und: Wann werden die Jungen sich r\u00e4chen f\u00fcr das vergiftete Erbe, das sie anzutreten haben?&#148;<\/p>\n<p>Ungeachtet einer Erl\u00e4uterung der Fragen (Von welchen alten Menschen soll hier die Rede sein? Und: Welche Schl\u00fcsselpositionen sollen alte Menschen wo besetzt haben?) geistern derartige Szenarien durch die Medienlandschaft: Der Spiegel w\u00e4hlte Anfang Februar dieses Jahres den Aufmacher: &#132;Die Rentenreform oder Wie die Alten die Jungen auspl\u00fcndern&#148;. Neben dem stempelartigen Schriftzug &#132;Modellrechnung: Was bleibt wem im Alter&#148; sind &#8211; obwohl der Titeltext zu einer derart einseitigen Fragestellung keinen Anla\u00df gibt &#8211; f\u00fcnf unbekleidete &#150; offensichtlich von den gierigen Alten ausgepl\u00fcnderte bzw. ausgezogene &#8211; junge Menschen zu sehen.<\/p>\n<p>Die Gem\u00fcter erregende Titel wie &#132;Leben wir zu lange?&#148; oder &#132;Altersexplosion&#148; und Reizworte wie &#132;Altenlast&#148; oder &#132;Pflegerisiko Alter&#148; tragen wohl ebenfalls kaum zur Erkl\u00e4rung, geschweige denn zur L\u00f6sung von Problemlagen bei.<\/p>\n<p>Den einstweiligen H\u00f6hepunkt einer lustvoll gef\u00fchrten alten feindlichen Debatte markiert die \u00c4rztin Heidi Sch\u00fcller &#150; ehemalige Leistungssportlerin und Gesundheitsministerin im SPD-Schattenkabinett zur Bundestagswahl 1994 &#150; mit ihrem Vorschlag, &#132;unw\u00fcrdigen Greisen&#148; das Wahlrecht zu nehmen und ihnen teure Operationen zu verweigern. Politikerinnen, die derartige Vorschl\u00e4ge in aller \u00d6ffentlichkeit meinen unterbreiten zu m\u00fcssen, erregen zwar Aufsehen, tragen zur sachlichen Er\u00f6rterung anstehender Handlungsnotwendigkeiten jedoch nicht bei.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der Klassenkampfdiskussion und dem einstweiligen Verstummen des Geschlechterkrieges kommt einigen JournalistInnen, Politikerinnen und WissenschaftlerInnen die angebliche neue Front zwischen den Generationen anscheinend gerade Recht &#150; zumal sie, wie die Journalistin Cora Stephan zurecht feststellt, angesichts der Feminisierung des Alters latent ein Angriff auf die Frauen ist (1996, S.50).<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage: Auf welche Argumente st\u00fctzt sich die These vom &#132;Krieg der Generationen&#148;? Um zun\u00e4chst der polemisierenden Rhetorik vom &#132;Krieg zwischen den Generationen&#148; gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln zu nehmen, sollen Ergebnisse einer Umfrage der Infas Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Verh\u00e4ltnis der Generationen angef\u00fchrt werden: Nach dieser Untersuchung sind 84% der im August und September 1996 befragten 3000 M\u00e4nner und Frauen ab dem 14. Lebensjahr der Meinung, \u00e4ltere Menschen sollten abgesichert sein, weil sie viel f\u00fcr das Land getan h\u00e4tten. 98% der Befragten bezeichneten es als w\u00fcnschenswert, da\u00df alt und jung sich gegenseitig unterst\u00fctzten (Lohse 1996). Nach einer Umfrage des Alterswissenschaftlers Martin Kohli sprachen sich nicht einmal 3% der 18 bis 44j\u00e4hrigen Befragten daf\u00fcr aus, die H\u00f6he der Renten zu k\u00fcrzen (Perina 1996, S.54). Von einem Krieg zwischen den Generationen kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein. Im Gegenteil: Offensichtlich gibt es starke intergenerative Solidarit\u00e4tsbeziehungen. Trotzdem w\u00e4re es unangmessen und vorschnell zu behaupten, das Verh\u00e4ltnis der Generationen sei unbelastet.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt v.a. der finanzpolitischen \u00dcberlegungen zur Rentenversicherung ist vielfach die demographische Entwicklung. Es gibt derzeit mindestens 15 verschiedene Prognosen bez\u00fcglich der Bev\u00f6lkerungsentwicklung. Allen ist eine Plausibilit\u00e4t nicht abzusprechen. Auch wenn angesichts dieser prognostischen Vielfalt das Ergebnis der demographischen Entwicklung nicht sicher voraussagbar ist, so sind doch eindeutig einige nicht nur rentenpolitisch bedeutsame Tendenzen zu erkennen. Es wird in Zukunft immer mehr alte im Vergleich zu immer weniger jungen Menschen geben, wobei die Menschen zudem noch immer \u00e4lter werden (&#132;dreifaches Altem&#8220;).<\/p>\n<p>Die demographische Entwicklung deutet zum einen einen grundlegenden Strukturwandel des Alters an: Die Lebensphase &#132;Alter&#148; dehnt sich aus und dank des medizinischen Fortschritts und des weit vorangetriebenen sozialen Sicherungssystems gewinnt das Alter an Lebensqualit\u00e4t (ich werde sp\u00e4ter auf die Strukturver\u00e4nderungen aus sozial gerontologisch Perspektive zur\u00fcckkommen). Zum anderen hat die Bev\u00f6lkerungsentwicklung finanzpolitisch Auswirkungen auf die Rentenversicherung; Der sogenannte &#132;Rentenquotient&#148; verschlechtert sich: Die Relation von Beitragszahlern zu Leistungsempf\u00e4ngern ver\u00e4ndert sich ung\u00fcnstig Es gibt immer mehr Leistungsempf\u00e4nger, die zudem infolge der steigenden Lebenserwartung immer l\u00e4nger Leistungen beziehen.<\/p>\n<p>Zu beachten ist jedoch, da\u00df die Leistungsf\u00e4higkeit der Rentenversicherung nicht direkt von der demographischen Entwicklung, sondern &#8211; sicherlich in Abh\u00e4ngigkeit von ihr &#8211; vom <i>Verh\u00e4ltnis der Erwerbst\u00e4tigen zu dei Nichterwerbst\u00e4tigen <\/i>abh\u00e4ngt. Das Schrumpfei der Anzahl von Erwerbst\u00e4tigen belastet ma\u00dfgeblich das bestehende Versicherungssystem. Das sozialstaatliche Zentralproblem ist nicht die demographische Entwicklung, die gleichsam als unver\u00e4nderbares Faktum v.a. dem medizinischen Fortschritt geschuldet ist, sondere die hohe Arbeitslosenquote (vgl. Schwanz 1997; B\u00e4cker\/Ebert 1996, S.81). Nicht ein m\u00f6glicher politischer Machtkampf der Generationen bedroht ihr Verh\u00e4ltnis, sondern die Tatsache, da\u00df der Markt weniger und weniger Arbeitskr\u00e4fte aufnimmt. Nicht der Sozialstaat, sondern v.a. die Arbeitslosigkeit ist zu teuer. Mit Cora Stephan l\u00e4\u00dft sich die sozialstaatliche Krise wie folgt pr\u00e4zisieren: Das Gerede vom Generationenkonflikt lenkt ab vom eigentlichen Problem, n\u00e4mlich von der Infragegestellung der Arbeitsgesellschaft (1996, S.53). Die f\u00fcr die Zukunft des Sozialversicherungssystems entscheidende Frage lautet, ob es m\u00f6glich sein wird, die hohe Zahl Arbeitsloser in absehbarer Zeit zu reduzieren.<\/p>\n<p>Die Ausf\u00fchrungen verdeutlichen, da\u00df die Rede vom intergenerativen, sozialstaatlichen Konflikt wohl zu allererst in einer &#132;Zeit der knappen Haushaltskassen&#148; einen Verteilungskonflikt meint: Es geht um die Renten. Ernster als das medial vermittelte Gerede vom &#132;Krieg der Generationen&#8220; aufgrund der wachsenden politischen Macht der alten Menschen ist der finanzpolitische Anschlag auf das soziale Sicherungssystem zu nehmen, u.a. auf das Rentenversicherungssystem &#150; zurecht haben die Kirchen in einem &#132;Sozialwort&#148; die Sozialvertr\u00e4glichkeit der finanzpolitischen Ma\u00dfnahmen eingeklagt.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis der Generationen zueinander l\u00e4\u00dft sich, das haben die bisherigen Ausf\u00fchrungen bereits deutlich gemacht, auf verschiedenen Ebenen beschreiben. Den bisher angesprochenen politischen und wirtschaftlichen Aspekten auf der Grundlage der demographischen Entwicklung lie\u00dfen sich noch weitere Dimensionen hinzuf\u00fcgen, etwa kulturell-normative, intergenerative Unterschiede auf der Grundlage des allgemeinen gesellschaftlichen Wertewandels.<\/p>\n<p>In<b> <\/b>der \u00f6ffentlichen Diskussion wird prim\u00e4r der \u00f6konomische Faktor isoliert fokussiert. Eine finanzpolitisch verengte Perspektive \u00fcbersieht jedoch, worum es letztlich geht: das Verh\u00e4ltnis der Menschen unterschiedlicher Generationen zueinander. Die Einbeziehung ausgew\u00e4hlter Ergebnisse der Sozialgerontologie zu der Frage: Wer sind die alten Menschen? vermag den Blick auf die Menschen und deren &#150; letztlich auch wieder finanzpolitisch relevanten &#150; Potentiale zu \u00f6ffnen. Eine Erg\u00e4nzung der Erl\u00e4uterung des Genetationenverh\u00e4ltnisses \u00fcber das Rentenversicherungssystem mit sozialwissenschaftlichen Beschreibungsmodellen zu alten Menschen ist, so werde ich im folgenden aufzuzeigen versuchen, eine gewinnbringende Perspektiverweiterung. Damit ist zugleich der Weg der weiteren Ausf\u00fchrungen vorgegeben: Zun\u00e4chst werden das Rentenversicherungsmodell und Reformvorschl\u00e4ge erl\u00e4utert. An-schlie\u00dfend werden auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Beschreibungsmodellen zu alten Menschen politische Handlungsm\u00f6glichkeiten zur Verbesserung des Genetationenverh\u00e4ltnisses thesenhaft skizziert.<\/p>\n<p>Der Generationenvertrag traditioneller Pr\u00e4gung bestimmte in Deutschland bis ins 19. Jahr-hundert hinein die Beziehungen zwischen den Generationen. Er beruht auf einer stillschweigenden \u00dcbereinkunft dreier Generationen innerhalb einer (Gro\u00df-)Familie: Die jeweils erwerbst\u00e4tige Generation versorgt sowohl die j\u00fcngeren, noch nicht erwerbst\u00e4tigen als auch die \u00e4lteren Menschen aus dem erwirtschafteten Einkommen. Dieser famili\u00e4ren beziehungsweise sozialen Norm lag weder ein expliziter Vertragsabschluss noch ein staatliches Arrangement zugrunde. Es handelte sich um eine historisch begr\u00fcndete wechselseitige Verpflichtung zwischen den Generationen.<\/p>\n<p>Mit Beginn der Industrialisierung wurde aufgrund der massenhaften Verarmung infolge der Landflucht und dem Zerfall der Institution Gro\u00dffamilie ein staatlich geregeltes, kollektives Sicherungssystem notwendig. Die Rentenversicherung wurde 1889 vom Reichskanzler Otto von Bismarck als Ausdruck eines <i>Generationenvertrages moderner Pr\u00e4gung <\/i>neben weiteren Versicherungssystemen gesetzlich fixiert.<\/p>\n<p>Das System der \u00f6ffentlichen sozialen Sicherung ist in der Folgezeit ausgeweitet und vielfach differenziert worden. Es umfa\u00dft drei Bereiche: die Sozialversorgung, die Sozialversicherung und die Sozialf\u00fcrsorge. Die gesetzliche Rentenversicherung ist eine der sogenannten &#132;f\u00fcnf S\u00e4ulen&#148; des Sozialversicherungssystems in Deutschland neben der Arbeitslosenversicherung, der gesetzlichen Krankenversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung und der sozialen Pflegeversicherung. Noch vor der Krankenversicherung beinhaltet die Rentenversicherung die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Ausgabensumme von Sozialleistungen mit 317,7 Milliarden DM im Jahr 1993.<\/p>\n<p>Der heutige, &#132;moderne&#148; Generationenvertrag ist ein staatlich verf\u00fcgtes, weitgehend versicherungsm\u00e4\u00dfig organisiertes Beitrags-Transfersystem, das zwei Generationen umfa\u00dft: Die jeweils erwerbst\u00e4tige und beitragspflichtige Generation finanziert die laufenden Sozialrenten. Diese finanziell einseitige Geber-Nehmer-Beziehung ist gekn\u00fcpft an die staatliche Zusage, da\u00df die durch die Beitragszahlung erworbenen Anwartschaften von der nachwachsenden Generation aus deren Beitr\u00e4gen bedient werden. Das &#132;moderne&#148; intergenerative Sicherungssystem ist im Vergleich zum traditionellen Generationenvertrag halbiert: Die Finanzierung der j\u00fcngeren Generation mu\u00df durch einen Familienlastenausgleich zus\u00e4tzlich sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Die gesetzliche Rentenversicherung basiert zudem auf den folgenden <i>Grunds\u00e4tzen: <\/i>Die H\u00f6he der Renten ist lohn- und beitragsbezogen (\u00c4quivalenzprinzip). Zudem ist sie \u00fcber die &#132;Rentenformel&#148; an das Durchschnittseinkommen gekoppelt. Damit ist sie in ihrer Grundgestalt dynamisch. Die Renten werden finanziert nach dem sogenannten Umlageverfahren, nicht nach dem alternativ denkbaren Kapitaldeckungsverfahren: D.h. die Beitr\u00e4ge der heutigen Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden nicht angespart bis zu ihrer Rente, sondern aus ihnen werden, wie bereits dargestellt, die jetzigen Renten finanziert. Des weiteren gibt es gesetzlich geregelt Leistungsbemessungsgrenzen, die ohne Brechung des \u00c4quivalenzprinzips aus Beitragsbemessungsgrenzen resultieren.<\/p>\n<p>Aus der Rentenversicherung werden neben dem durch die Beitragszahlungen abgedeckten Lebensunterhalt im Alter die folgenden Leistungen mitfinanziert: arbeitsmarktbedingte Erwerbs- und Berufsunf\u00e4higkeitsrenten, vorgezogene Altersrenten, Berufsbildungszeiten und Anrechnungszeiten des Studiums, Krankenversicherung der Rentner, Kindererziehungszeiten sowie Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Ostrenten. Diese Aufz\u00e4hlung verdeutlicht, da\u00df viele Leistungen entgegen dem \u00c4quivalenzprinzip nicht zuvor durch Beitragszahlungen erworben wurden. Als Ausgleich f\u00fcr die zu finanzierenden sogenannten &#132;versicherungsfremden Leistungen&#148; wird die Rentenversicherung nicht nur von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern parit\u00e4tisch, sondern zudem vom Bund aus Steuermitteln finanziert &#150; zu bedenken ist jedoch da\u00df nicht eindeutig gekl\u00e4rt ist, welche Leistungen als &#132;versicherungsfremd&#148; einzustufen sind.<\/p>\n<p>Die demographischen Ver\u00e4nderungen &#8211; d.h. f\u00fcr die Finanzierung der Rentenversicherung: die Verschlechterung des Verh\u00e4ltnisse: der Anzahl von Beitragszahlern zu Leistungsempf\u00e4ngern, die steigende Lebenserwartung und die damit einhergehende l\u00e4ngere Inanspruchnahme von Rentenbez\u00fcgen &#150; sowie das im Durchschnitt niedrige Rentenzugangsalter (59 Jahre) f\u00fchrten 1992 zur <i>Rentenreform. <\/i>Ziel dieser Reform ist es, sprunghaft ansteigende Beitragszahlungen zu verhindern. Dies soll neben einigen anderen Ma\u00dfnahmen vornehmlich erreicht werden durch eine Anhebung der Altersgrenze. Diese Ma\u00dfnahme hat einen doppelten Entlastungseffekt: Die Zahl der Beitragszahler steigt bei gleichzeitig sinkender Zahl der Rentenempf\u00e4nger. Zweitens wird der Rentenanspruch bei vorzeitiger Pensionierung pro Jahr um 3,6 Prozent verringert. Bei gleichzeitigem Interesse der Unternehmen, junge Arbeitnehmer zu besch\u00e4ftigen, geht diese Ma\u00dfnahme auf Kosten der dem formellen und informellen Druck ausgesetzten und \/ oder Fr\u00fchinvaliden Erwerbst\u00e4tigen. (Zu alternativen Modellen der Neuorganisation der Alterserwerbst\u00e4tigkeit s. B\u00e4cker \/ N\u00e4gele 1993.) Schlie\u00dflich hat drittens die Nettolohnbezogenheit der Rente einen nicht unerheblichen &#132;Schatteneffekt&#148; zur Folge. Sie tr\u00e4gt zur Herabsetzung der Rentenbez\u00fcge bei, wenn entweder die Lohnsteuer oder die Sozialbeitr\u00e4ge der Arbeitnehmer erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>Trotz der Reformbem\u00fchungen ist ein neuerliches Reagieren auf die Progression der Rentenbeitr\u00e4ge notwendig geworden. Ende des letzten Jahres setzte die Bundesregierung eine Rentenreformkommission unter der Leitung des Bundesministers f\u00fcr Arbeit und Soziales, Norbert Bl\u00fcm, ein. Ohne die Details der Er\u00f6rterungen der Rentenkommission aufzuz\u00e4hlen, lassen sich un\u00fcbersehbar zentrale Entwicklungstendenzen ausmachen: Die Lebensarbeitszeit soll zum einen fr\u00fcher als in der Rentenreform 1992 vorgesehen heraufgesetzt werden, um einerseits den Rentenquotienten zu verbessern und andererseits einem m\u00f6glichen Arbeitnehmermangel ab dem Jahr 2010 fr\u00fchzeitig vorzubeugen. Zum zweiten ist eine deutliche Schlechterstellung k\u00fcnftiger Rentenbezieher unter den bestehenden Bedingungen zu erwarten: Die heutigen jungen Erwerbst\u00e4tigen zahlen mehr in die Rentenkasse ein und werden sp\u00e4ter weniger Rente herausbekommen im Vergleich zur jetzigen Rentenh\u00f6he. Der Auszahlungsbetrag soll von 70% des Nettolohnes auf ca. 63% im Jahr 2030 sinken. Bedenkt man zudem, da\u00df immer weniger Arbeitnehmer die Mindestzahl von 45 Beitragsjahren zum Erhalt der vollen Rente aufweisen k\u00f6nnen, so wird deutlich, da\u00df betriebliche und private Versicherungen in Zukunft als Erg\u00e4nzung zur gesetzlichen Rentenversicherung an Bedeutung gewinnen werden. Eine private Vorsorge wird jedoch um so schwerer, je gr\u00f6\u00dfer die Steuerbelastungen werden. Setzt die Rentenkommission ganz offensichtlich auch auf private Vorsorgem\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Alter, so ist es erforderlich, da\u00df die Steuer- und die Rentenpolitik aufeinander abgestimmt werden. Belasten beide die Erwerbst\u00e4tigen, so sinkt das Rentenniveau unaufhaltsam und geht f\u00fcr viele auf das Sozialhilfeniveau zu.<\/p>\n<p>Bei allen diskutierten Ma\u00dfnahmen geht es letztlich um die K\u00fcrzung der (zuk\u00fcnftigen) Renten und um die Erh\u00f6hung der Beitragssumme insgesamt durch eine Anhebung der Anzahl der Einzahlenden und \/ oder eine Anhebung des Beitragssatzes f\u00fcr jeden einzelnen.<\/p>\n<p>Trotz der aufgezeigten Misere spricht in einer individualisierten Gesellschaft vieles daf\u00fcr, die gesetzliche Rentenversicherung in ihren Grundz\u00fcgen aufrechtzuerhalten. Sie garantiert im Alter Sicherheit und entpflichtet die j\u00fcngere Generation moralisch von ihrer F\u00fcrsorgepflicht. Das bestehende System mu\u00df jedoch reformiert werden, wenn es finanzierbar bleiben soll: es besteht un\u00fcbersehbar Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>In der Diskussion um die Rentenversicherung werden &#150; ungeachtet der bereits herausgestellten arbeits- und rentenpolitischen Priorit\u00e4t, die hohe Arbeitslosenzahl zu verringern &#150; verschiedene Reformvorschl\u00e4ge kontrovers er\u00f6rtert. Es gibt jedoch keine bedenkenlos umsetzbare Globall\u00f6sung. Einige Vorschl\u00e4ge sollen im folgenden kurz angesprochen werden: Die Diskussion um &#132;versicherungsfremde Leistungen&#148; ist voranzutreiben, um diese Leistungen nicht der Rentenversicherung und damit den Beitragszahlern weiterhin unhinterfragt aufzub\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Renten k\u00f6nnten sich dar\u00fcber hinaus st\u00e4rker personenunabh\u00e4ngig aus der Wertsch\u00f6pfung der Betriebe ergeben. Das h\u00e4tte den Vorteil, dass personenintensive Bereiche, wie z.B. der Dienstleistungsbereich, finanziell entlastet und produktionsorientierte und maschinenintensive Betriebe st\u00e4rker an der Rentenfinanzierung beteiligt w\u00fcrden. Erh\u00f6ht w\u00fcrde mit dieser Ma\u00dfnahme jedoch die Wahrscheinlichkeit, da\u00df noch mehr Betriebe ins Ausland abwandern.<\/p>\n<p>Weiterhin w\u00e4re es m\u00f6glich, mittels einer bev\u00f6lkerungsdynamischen Rente die Anzahl der Kinder zu ber\u00fccksichtigen. So k\u00f6nnte verhindert werden, dass Frauen, die zwar viele Kinder gro\u00dfgezogen haben, jedoch keine Rentenbeitr\u00e4ge einzahlen konnten, eine Rente unter Sozialhilfeniveau erhalten. Im Zusammenhang mit der Anerkennung von Erziehungsjahren f\u00fcr die Rente ist hier zu denken an die Einf\u00fchrung einer &#132;Familienkasse&#148;.<\/p>\n<p>Des weiteren wird \u00fcber die Finanzierung der Pensionen von Beamten zu diskutieren sein. Auch sie werden einen Beitrag zur Finanzierung ihrer eigenen Ruhegelder leisten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zudem wird die steigende Lebenserwartung und die damit einhergehende l\u00e4ngere Inanspruchnahme der Rente in die Rentenformel eingerechnet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Quer zu den Reformen auf der Basis der Prinzipien des bestehenden Versicherungssystems wird auch die M\u00f6glichkeit einer steuerfinanzierten Grundrente gekoppelt mit einer privaten Altersvorsorge, die nach dem Kapitaldeckungsverfahren funktioniert, er\u00f6rtert (vgl. Miegel, in: FR, 6.2.1997). Zu bedenken ist jedoch bei einem Systemwechsel, dass die derzeitigen Beitragszahler einer doppelten Belastung ausgesetzt werden: Sie m\u00fcssen das staatliche Versprechen einl\u00f6sen, die bestehenden Rentenanspr\u00fcche zu sichern, und zugleich ihre eigene Rente (privat) finanzieren.<\/p>\n<p>Bei allen Vorschl\u00e4gen ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die zu erzielenden Einsparungen, um nichts anderes geht es letztlich, sozialvertr\u00e4glich bleiben. Ziel der Ma\u00dfnahmen mu\u00df es m.E. sein, die Bed\u00fcrftigen quer zu den Generationen zu entlasten. Nicht die Rente der verwitweten alten Frau, die am Sozialhilfeniveau lebt &#150; und davon gibt es nicht wenige &#150;, darf in Frage gestellt und weiter gesenkt werden, wohl aber die H\u00f6he der Bez\u00fcge derjenigen alten Menschen, die nicht wissen, wie sie ihren finanziellen, f\u00fcr ihren Lebensunterhalt unn\u00f6tigen \u00dcberschuss am effektivsten anlegen sollen. Angesichts einer angeblichen &#132;Diskussion ohne Tabus&#148; zur Sicherung der Finanzierbarkeit des sozialen Sicherungssystems ist es doch erstaunlich, da\u00df z.B. der Vorschlag, die Beitragsbemessungsgrenzen aufzuheben und zugleich die H\u00f6he der Renten nach oben zu begrenzen, um nicht finanzierbare Rentenanspr\u00fcche zu verhindern, kaum er\u00f6rtert wird.<\/p>\n<p>Die Rede vom &#132;Krieg der Generationen&#148; lenkt ab vom eigentlich anstehenden Verteilungskampf quer zu den Generationen: das voranschreitende Auseinanderfallen der Schere zwischen Reichen und Armen ist zu verhindern.<\/p>\n<p>Ein Generationenvertrag, der f\u00fcr eine solidarische Verteilung der Rentenbez\u00fcge Sorge tr\u00e4gt, ist notwendig. Zwar gibt es rentenpolitischen Handlungsbedarf, aber es mu\u00df angesichts des bestehenden Ver\u00e4nderungsdrucks nicht zum Zusammenbruch des System kommen. Zur L\u00f6sung der anstehenden Probleme ist es notwendig, dass Konfliktpotential n\u00fcchtern ins Auge zu fassen und Dramatisierungen, die das Diskussionsklima unn\u00f6tig anheizen, zu vermeiden. Die Anstrengungen k\u00f6nnen nur gemeinsam, und das hei\u00dft in diesem Zusammenhang intergenerativ, erfolgreich unternommen werden. Die gewagte konstruktive Auseinandersetzung schafft Kultur. Politik in einer alternden Gesellschaft ist Politik f\u00fcr alle Lebensalter: Das Kapital der Solidarit\u00e4tsbeziehungen sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, sondern im Gegenteil Ausgangspunkt der \u00dcberlegungen sein.<\/p>\n<p>Die medizinische Beobachtung des k\u00f6rperlichen Abbaus im Alter und die genetische Begr\u00fcndung der Abnahme k\u00f6rperlicher Leistungsf\u00e4higkeit haben sehr fr\u00fch in der gerontologischen Theoriebildung zum sogenannten Defizit-Modell gef\u00fchrt: Im Vergleich zum jungen Erwachsenenalter nehme die Leistungsf\u00e4higkeit auf geistiger und k\u00f6rperlicher Ebene mit zunehmendem Alter ab. Diese These steht in engem Zusammenhang mit der Annahme da\u00df der R\u00fcckzug alter Menschen aus der Gesellschaft sowohl ihnen zur gew\u00fcnschten Ruhe verhelfe und der Vorbereitung auf den Tod diene, als auch f\u00fcr das Fortbestehen und die Weiterentwicklung der Gesellschaft notwendig sei (Disengagement). Diese \u00dcberlegungen konnten durch die Bonner Altersforschung ir den 70er\/80er Jahren eindeutig widerlegt werden. Diese wies in einer L\u00e4ngsschnittstudie nach, da\u00df auch gr\u00f6\u00dfere k\u00f6rperliche und sensorische Einschr\u00e4nkungen kompensiert werden k\u00f6nnen. So ist es durchaus m\u00f6glich, im gerontologischen Sinn &#132;erfolgreich zu altem&#148; (Kompetenzmodell). Im Anschlu\u00df an die Bonner Altersforschung wird u.a. die <i>Differenziertheit des Alters <\/i>betont: &#132;Den&#148; alten Menschen gibt es nicht. Vielmehr lassen sich biographisch und sozialisatorisch bedingte, geschlechts- und auch schichtspezifische Unterschiede des Lebens im Alter ausmachen. Altem als Proze\u00df ist demnach zu unterscheiden nach unterschiedlichen Entwicklungsverl\u00e4ufen zwischen unterschiedlichen Personen (interpersonal), zudem auch nach unterschiedlichen Potentialen verschiedener Funktionsbereiche innerhalb einer Person (intrapersonal) und schlie\u00dflich nach dem Lebensalter. Die Berliner Altersstudie hat die These des englischen Historikers Peter Laslett vom Entstehen des &#132;dritten Lebensalters&#148; best\u00e4tigt und inhaltlich erg\u00e4nzt um ein &#132;viertes Lebensalter&#148; (Mayer\/-Baltes u.a. 1996, S.631). Die meisten alten Menschen erfreuen sich einer relativ stabilen Gesundheit bei einer guten finanziellen Absicherung bis zum 80.\/ 85. Lebensjahr. Mit dem &#132;dritten Lebensalter&#148;, das, so Laslett, der Selbsterf\u00fcllung des Menschen auf der Grundlage seiner finanziellen und pers\u00f6nlich-sozialen Errungenschaften diene, ist im Alter eine Lebensphase mit einer neuen Lebensqualit\u00e4t entstanden.<\/p>\n<p>Auch die Beschreibung des Strukturwandels des Alters durch den Soziologen Hans Peter Tews legt eine Differenzierung des Alters u.a. nach Lebensabschnitten nahe. Tews charakterisiert die Ver\u00e4nderungen des Alters mit den Begriffen: Verj\u00fcngung, Hochaltrigkeit, Feminisierung, Singularisierung und Entberuflichung. Niemand k\u00e4me auf die Idee, alle Menschen zwischen dem 1. und 30. Lebensjahr soziologisch unter einen Sammelbegriff zu subsumieren. Die Differenziertheit des Alters rechtfertigt eine derartige Kategorie auch nicht f\u00fcr Menschen vom 60. bis 90. Lebensjahr. Das Leben ab dem 60. Lebensjahr hat sich nicht nur in quantitativer, sondern v.a. auch in qualitativer Hinsicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Historisch gesehen ist grundlegend neu, da\u00df es f\u00fcr relativ viele Menschen ab dem 60.\/65. Lebensjahr eine Phase gibt, in der sie k\u00f6rperlich und geistig vergleichsweise leistungsstark, finanziell abgesichert und zudem von gesellschaftlichen, beruflichen und sozialen Verpflichtungen frei sind oder sich freimachen k\u00f6nnen, ca. 25% der Menschen im Alter von 60-75 Jahren machen diese Gruppe der <i>&#132;neuen Alten&#148; <\/i>aus: Sie begegnen uns beispielsweise als Reiselustige im Ausland, als Studierende an den Universit\u00e4ten oder als sozial Engagierte.<\/p>\n<p>Die &#132;neuen Alten&#148; unterstreichen, da\u00df traditionelle Sichtweisen vom Alter &#151; alte Menschen seien hinf\u00e4llig und pflegebed\u00fcrftig, l\u00e4stig und unproduktiv &#151; gr\u00fcndlich korrigiert werden m\u00fcssen. Ausgangspunkt der \u00dcberlegungen zum Verh\u00e4ltnis zwischen jungen und alten Menschen mu\u00df ein neues Altenbild sein. Alte Menschen sind nicht nur Leistungsempf\u00e4nger, deren Not durch staatliche oder karitative Einrichtungen gelindert werden mu\u00df, sondern auch kompetente B\u00fcrgerInnen und KonsumentInnen, die ihre Lebenslage selbst bestimmen und zwischen verschiedenen M\u00f6glichkeiten der Lebensf\u00fchrung w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Sie bringen sich nicht nur als W\u00e4hler, sondern auch als kulturelle Mitgestalter und nicht zuletzt als Geldgeber und Erblasser ins Spiel.<\/p>\n<p>Angesichts der Diskrepanz zwischen der einseitigen Betrachtung alter Menschen unter sozial\u00f6konomischen Gesichtspunkten auf der einen Seite und der vielf\u00e4ltigen, unbeachteten ehrenamtlich inner- und au\u00dferfamilialen Aktivit\u00e4ten alter Menschen auf der anderen Seite titelte die tageszeitung am 19.2.97: &#132;Eins ist sicher: Die Rentner sind sauer. RentnerInnen arbeiten auch: Ehrenamtlich und engagiert. Mehr noch als die Rentenk\u00fcrzungen \u00e4rgert sie, da\u00df sie als Last der Gesellschaft diskriminiert werden.&#148;<\/p>\n<p>Unsere Gesellschaft braucht m.E. die Potentiale alter Menschen. Dazu bedarf es neuer Formen demokratischer Beteiligung bis ins Alter hinein. Ein Vorbild k\u00f6nnte diesbez\u00fcglich D\u00e4nemark sein. Dort ist die Mitbestimmung von alten Menschen in Seniorenbeir\u00e4ten seit Januar 1996 gesetzlich geregelt.<\/p>\n<p>Die Rhetorik vom &#132;Krieg der Generationen&#148; ist wahrscheinlich nur m\u00f6glich, weil es keine kulturellen, geschweige denn gesetzlich geregelten, intergenerativen, demokratischen Aushandlungsverfahren gibt. Hierbei ist jedoch weniger an eine Verl\u00e4ngerung ausge\u00fcbter Funktionen einzelner politisch Aktiver bis ins hohe Alter hinein zu denken &#151; beispielsweise in Seniorenabteilungen der Parteien oder in Stadtbeir\u00e4ten. Vielmehr k\u00f6nnen <i>politische Aktivb\u00fcrgerschaften <\/i>der Gesellschaft Impulse geben (vgl. Kohli\/Neckel\/Wolf 1997, S.22): neue Formen des intergenerativen Austausches und der Aktivit\u00e4t alter Menschen m\u00fcssen ortsbezogen, proze\u00dfhaft, dialogisch, kreativ, themen- und projektbezogen und gleichsam basispolitisch gefunden werden (vgl. auch Schmidt\/Schweppe 1995).<\/p>\n<p>Die Angst vor der \u00dcbermacht alter Menschen und das Gerede vom &#132;Krieg der Generationen&#148; sind nicht nur faktisch in dieser Einseitigkeit unbegr\u00fcndet, sie verstellen auch &#151; und das ist folgenreicher &#151; den Weg f\u00fcr die Vorstellung eines intergenerativ gestalteten, d.h. nicht nur Jugend fixierten Gemeinwesens. Denn in der Tat: Das kulturelle und soziale Potential alter Menschen ist durch die einseitige gesellschaftliche Wertsch\u00e4tzung \u00f6konomisch verwertbarer Leistungen noch gar nicht ins Blickfeld geraten. Eine \u00d6ffnung der \u00f6konomisch und leistungs- fixierten Interpretation von Produktivit\u00e4t wird eine vertiefte Wertsch\u00e4tzung der F\u00e4higkeiten alter Menschen zur Folge haben. &#132;Man w\u00fcnscht dem Thema (der Beziehung zwischen den Generationen, H.M.) endlich unverstellte Neugier und Wahrnehmungsfreude, denn es reizt doch eigentlich ungemein, sich eine Gesellschaft vorzustellen, die nicht mehr Jugend fixiert und altersvergessen, sondern anders ist&#148; (Stephan 1996, S.53).<\/p>\n<p>Die vielf\u00e4ltigen Produktivit\u00e4tspotentiale der &#132;neuen&#148; Alten geben allen Grund, Demokratisierungsbem\u00fchungen voranzutreiben bis ins hohe Alter. Die sozial gerontologischen Ausf\u00fchrungen und die rentenpolitischen Er\u00f6rterungen laufen auf einen gemeinsamen Zielpunkt hinaus: Es wird wichtig sein, L\u00f6sungen <i>mit <\/i>den alten Menschen gemeinsam zu finden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p><i>B\u00e4cker, Gerhard\/Naegele, Gerhard: <\/i>Geht die Entberuflichung des Alters zu Ende? &#150; Perspektiven einer Neuorganisation der Alterserwerbsarbeit. In: Naegele, Gerhard\/ Tews, Hans Peter (Hrsg.): Lebenslagen im Strukturwandel des Alters. Alternde Gesellschaft &#150; Folgen f\u00fcr die Politik. Westdeutscher Verlag: Opladen 1993, S.135-15<\/p>\n<p><i>B\u00e4cker, Gerhard\/Ebert, Thomas: <\/i>Zukunft des Sozialstaates. Defizite und Reformbedarf in ausgew\u00e4hlten Bereichen der sozialen Sicherung. Hrsg. vom Ministerium f\u00fcr Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, satz+druck gmbh: D\u00fcsseldorf 1996<\/p>\n<p><i>Behrend, Christoph: <\/i>Krieg der Generationen statt Generationenvertrag &#150; ein realisitisches Szenario?. In: Sozialer Fortschritt 11, 1996, S.264-268<\/p>\n<p>&#132;Eine Grundversorgung widerspricht dem Leistungsprinzip&#148;. Vorschl\u00e4ge der Kommission &#132;Fortentwicklung der Rentenversicherung&#148; und ein Sondervotum. In: Frankfurter Rundschau 31, 6. Februar 1997, S.12<\/p>\n<p><i>Gronemeyer, Reimer: <\/i>Die Entfernung vom Wolfsrudel. \u00dcber den drohenden Krieg der Jungen gegen die Alten. Claassen: D\u00fcsseldorf, 2. Auflage 1989<\/p>\n<p><i>Kohli, Martin\/Neckel, Sighard\/Wolf, J\u00fcrgen: <\/i>Krieg der Generationen? Die politische Macht der \u00c4lteren. In: Studienbrief 7 zum Funkkolleg Altern, TC Druck: T\u00fcbingen 1997, Studieneinheit 20<\/p>\n<p><i>Lohse, Eckart: <\/i>&#132;Gib mir eine Zukunft, Opa, und ich bezahle deine Rente&#148;. In der jungen Generation greift Angst um sich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 1.11.1996<\/p>\n<p><i>Mayer, Karl Ulrich\/Baltes, Paul <\/i><b>B. u.a.: <\/b>Wissen \u00fcber das Alter(n): Eine Zwischenbilanz der Berliner Altersstudie. In: Dies. (Hrsg.): Die Berliner Altersstudie. Akademie Verlag Berlin 1996, S.599-634<\/p>\n<p><i>Perina, Udo: <\/i>Der konstruierte Konflikt. In: ZeitPunkte. Keine Angst vor dem Alter. Der Krieg der Generationen findet nicht statt. Zeitverlag 1, 1996, <i>S.54-56<\/i><\/p>\n<p><i>R\u00fcrup, Bert: <\/i>H\u00e4lt der Generationenvertrag? Soziale Sicherung im Alter. In: Studienbrief 6 zum Funkkolleg Altern, TC Druck: T\u00fcbingen 1997, Studieneinheit 16<\/p>\n<p><i>Schmidt, Roland\/Schweppe, Cornelia: <\/i>Zur Entwicklung und Profilierung Sozialer Altenarbeit im offenen Bereich. In: <i>Hedtke-Becker, Astrid\/Schmidt, Roland: <\/i>Profile Sozialer Arbeit mit alten Menschen. &#132;Wei\u00dfe Reihe&#148; des Deutschen Zentrums f\u00fcr Altersfragen e.V.: Berlin; Frankfurt am Main 1995, 5.135-157<\/p>\n<p><i>Schwartz, Rolf Dietrich: <\/i>Junge Menschen in der Gesellschaft der Greise? Arbeitslose und Erwerbst\u00e4tige bestimmen die Rentenproblematik weit mehr als die Alterspyramide. In: Frankfurter Rundschau, 31, 1997<\/p>\n<p><i>Stephan, Cora: <\/i>Droht ein Krieg der Generationen? In: ZeitPunkte. Keine Angst vor dem Alter. Der Krieg der Generationen findet nicht statt. Zeitverlag 1, 1996, S.50-53<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[821,816,667],"autoren":[416],"publikationen":[1045],"class_list":["post-12375","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-generationen","tag-sozialstaat","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hugo-mennemann","publikationen-vorg-138"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Krieg oder Vertrag der Generationen? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-138\/publikation\/krieg-oder-vertrag-der-generationen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Krieg oder Vertrag der Generationen? 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