{"id":12397,"date":"1991-10-31T08:00:00","date_gmt":"1991-10-31T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/licht-am-ende-des-tunnels\/"},"modified":"1991-10-31T12:00:00","modified_gmt":"1991-10-31T11:00:00","slug":"licht-am-ende-des-tunnels","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/113-vorgaenge\/publikation\/licht-am-ende-des-tunnels\/","title":{"rendered":"Licht am Ende des Tunnels?"},"content":{"rendered":"<p>Von sozialer Ausgrenzung zum neuen kulturellen Modell<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 113 (Heft 5\/1991), S. 96-114<\/p>\n<p>Diese Gesellschaft &#8211; zumal die alte Bundesrepublik Deutschland &#8211; hat sich auch unterhalb des Zentralereignisses in den achtziger Jahren, der staatlichen Vereinigung, wohl entwickelt: und als ob eine Politgrafik Klaus Staecks aus dem Bundestagswahlkampf 1972 &#8211; Die Reichen m\u00fcssen noch reicher werden &#8211; nun wirtschaftspolitisch ins Werk gesetzt wurde, zeichneten sich im vergangenen Jahrzehnt in der Tat die Umrisse einer Zweidrittelgesellschaft ab: (1) jener zwei Drittel, die wohl leben k\u00f6nnen. Und jenes unteren Drittels, das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel hat. Und auch wenn diese Gesellschaft heute empirisch noch keine Zweidrittel -, sondern eine Vierf\u00fcnftel gesellschaft ist: die sozialen Gr\u00e4ben zwischen den Reichen, den gut und besserverdienenden einerseits und den &#8211; alten oder neuen &#8211; Armen, den wenig oder gar nicht verdienenden, sind breiter geworden.<br \/>Nat\u00fcrlich sind heute schon unterhalb der gro\u00dfen Menschheits- und \u00dcberlebensprobleme &#8211;\u00a0 Weltkriegsgefahr, atomarem Holocaust, einer zu mehr als zwei Dritteln hungernden Weltbev\u00f6lkerung und der \u00f6kologischen Umweltkatastrophe &#8211; sowohl im deutschen Westen als auch im neuen deutschen Osten neue Konflikte, Probleme und Spaltungslinien sichtbar. Insofern wirft auch das Jahr Zweitausend seine innergesellschaftlichen Schatten: es geht um Armut und Arbeitslosigkeit, um soziale Ungerechtigkeiten, erhebliche Einkommensunterschiede, Bev\u00f6lkerungs-, Versorgungs- und Rentenprobleme infolge zunehmender Veralterung, sinkender Nachkommenschaft und damit grunds\u00e4tzlich angelegter Generationsverwerfungen. (2) Es ging &#8211; und geht &#8211; um berechtigte Anspr\u00fcche von Frauen auf erf\u00fclltes ganzes Leben. Und auch die Wanderungsbewegungen von Millionen Fl\u00fcchtlingen werden, als typische Notwanderungen von arme in reiche Gesellschaften, um die erweiterte Bundesrepublik keinen Bogen machen. Sondern zus\u00e4tzlich zu weiteren Binnenwanderungen von Deutschland Ost nach Deutschland West voraussichtlich dramatisch anwachsen.<br \/>Nicht nur weltweit &#8211; auch in der Bundesrepublik Deutschland selbst hat die Arbeitslosigkeit &#8211; genauer: Erwerbslosigkeit in Verbindung mit Unterbesch\u00e4ftigung &#8211; zugenommen. Doch Arbeitslosigkeit &#8211; Massenarbeitslosigkeit zumal &#8211; scheint in der alten Bundesrepublik nach wie vor kein die \u00f6ffentliche Diskussion dominierendes Thema. Auch, wenn sie hierzulande seit gut 15 Jahren im Gefolge der weltweiten \u00d6lkrise fortdauert. Und nun auch millionenfach und schneller als zun\u00e4chst erwartet in die f\u00fcnf neuen L\u00e4nder einziehen wird: Von vier Millionen bis zum Jahresende 1991 ist inzwischen die Rede &#8230; In den alten L\u00e4ndern gibt es aktuell knapp zwei Millionen Betroffene. Wird das Dunkelfeld, die amtlich Verschwiegenen, einbezogen, sind zwischen drei und vier Millionen Menschen arbeitslos: ein gesellschaftliches Skandalon ersten Ranges. Denn auch wenn sie massenhaft und millionenfach auftritt: Arbeitslosigkeit hei\u00dft noch immer Ausschlu\u00df in mehrfacher Weise. Ausschlu\u00df von Arbeit, von Konsum, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung, Isolation, famili\u00e4re Konflikte, verminderte Ausbildungs-, Handlungs- und Lebenschancen. Auch ist diese Gesellschaft nicht nur Konsumgesellschaft und schon gar kein Konsumparadies f\u00fcr alle. Sie ist nach wie vor eine privatwirtschaftlich verfa\u00dfte &#8211; auch kapitalistisch genannte &#8211; Arbeitsgesellschaft &#8211; selbst wenn ihr zunehmend die Arbeit ausgeht. Erwerbsarbeit, haupts\u00e4chlich bezahlte Lohnarbeit, steht im Zentrum und bestimmt auch das gesellschaftliche System von Werten, Tugenden, Normen und Einrichtungen. Und wesentlich die M\u00f6glichkeiten &#8211; oder Unm\u00f6glichkeiten &#8211; der Teilhabe aller einzelnen am gesellschaftlichen Reichtum. Damit auch Ansehen, Rang, Prestige, kurz: sozialen Status. Wer keine Arbeit hat &#8211; meinen Betroffene -, hat das Leben auch schnell satt: ohne Moos nix los.<br \/>Arbeitslosigkeit meint nicht nur weniger und wenig Geld zum Leben. Arbeitslosigkeit ist, weil jede industrielle Markt- und Konsumgesellschaft immer schon eine entwickelte arbeitsteilig organisierte Erwerbsgesellschaft ist, Ausschlu\u00df von bezahlter Arbeit und setzt so eine soziale Ausgrenzungsspirale in Gang, deren Endpunkt noch lange nicht das Sozialamt oder die Obdachlosigkeit sein mu\u00df.<br \/>&#132;Kein Eigentum haben&#148;, schrieb die politische Philosophin Hannah Arendt vor 30 Jahren \u00fcber die soziale Ordnung der mittelalterlichen St\u00e4ndegesellschaft, &#132;hie\u00df, keinen angestammten Platz in der Welt sein eigen zu nennen, also jemand zu sein, den die Welt nicht vorgesehen hatte.&#8220; (3) Diese Kennzeichnung gilt auch f\u00fcr jede industriell entwickelte Gesellschaft &#8211; nur da\u00df es nicht zum Eigentum, sondern um bezahlte Erwerbsarbeit geht. Und hier und heute als jemand, der arbeiten will, keine Arbeit zu haben &#8211; das hei\u00dft: keinen angemessenen Platz in der Welt zu haben, also jemand zu sein, den diese Arbeitsgesellschaft nicht vorgesehen hat.<\/p>\n<p>Der politische Umgang mit der Arbeitslosigkeit best\u00e4tigt diese These, zumal Arbeitslose keine starke Lobby haben und Politik gegen Arbeitslosigkeit hierzulande typischerweise Politik gegen die Arbeitslosen war und ist; mit erweiterten Zumutbarkeitsregelungen, Leistungsk\u00fcrzungen, Aussonderungen aus dem Kreis von Leistungsempf\u00e4ngern. (4) Diese Politik gegen Betroffene wird auch im letzten &#132;Datenreport&#148; des Statistischen Bundesamtes deutlich: &#132;Von den Arbeitslosen, die Ende September 1988 gemeldet waren, bezogen 39,1 Prozent Arbeitslosengeld und 22,2 Prozent Arbeitslosenhilfe. Damit betrug der Anteil der Leistungsberechtigten unter den Arbeitslosen im September 1988 rund 69 Prozent. 1982 lag die Quote der Leistungsberechtigten noch bei 76 Prozent. Insgesamt hat also fast jeder dritte beim Arbeitsamt registrierte Arbeitslose weder Anspruch auf Arbeitslosengeld noch Arbeitslosenhilfe. Hinzuzurechnen ist die gesamte &#132;stille Reserve&#148;, die sich in dem Bewu\u00dftsein, keine Leistungen beanspruchen zu k\u00f6nnen, erst gar nicht beim Arbeitsamt meldet. Unter diesen Personen sind viele Berufsanf\u00e4nger, die noch keine Gelegenheit hatten, durch Beitragszahlungen Leistungsanspr\u00fcche zu erwerben. Sie sind entweder auf die Unterst\u00fctzung durch Angeh\u00f6rige oder auf Sozialhilfe angewiesen.&#8220;<\/p>\n<p>Nur folgerichtig, wenn es an anderer Stelle dieses amtlichen Berichts aus der alten Bundesrepublik zur Sozialhilfe hei\u00dft: &#132;Von 1970 bis 1987 stieg die Zahl der Sozialhilfeempf\u00e4nger um 110 Prozent. In den letzten Jahren kamen vor allem Arbeitslose hinzu, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder -hilfe (mehr) haben.&#148; Und weiter: &#132;1987 wurden 27,6 Milliarden DM im Rahmen der Sozialhilfe ausgegeben, darunter 25,2 Milliarden DM f\u00fcr die Sozialhilfe im engeren Sinn (nach dem Bundessozialhilfegesetz). Die Sozialhilfe im engeren Sinn umfa\u00dft die Hilfe zum Lebensunterhalt sowie die Hilfe in besonderen Lebenslagen. Bezogen auf die Gesamtbev\u00f6lkerung erhielten 1987 von den m\u00e4nnlichen Einwohnern 4,7 Prozent, von den weiblichen Einwohnern 5,5 Prozent Sozialhilfe. Von den 3,1 Millionen Sozialhilfeempf\u00e4ngern waren 862000 unter 18, 390000 18 bis 24, 1 249 000 25 bis 59 Jahre und 635000 60 Jahre und \u00e4lter. Die 2,3 Millionen Empf\u00e4nger laufender Hilfe zum Lebensunterhalt verteilten sich 1987 auf insgesamt 1,4 Millionen Haushalte. Damit wurde 1987 jedem 19. Haushalt mindestens f\u00fcr einen Monat Sozialhilfe gew\u00e4hrt; 1975 war es nur jeder 37. Haushalt. Als haupts\u00e4chliche Ursache f\u00fcr die Inanspruchnahme von Sozialhilfe gaben 1987 31,5 Prozent der Haushalte Arbeitslosigkeit an. 1980 waren es erst knapp 10 Prozent.&#148;<br \/>Diese Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz mit seinem Leitmotto &#132;Hilfe zur Selbsthilfe&#148; werden nach von Betroffenen als entw\u00fcrdigend empfundenen sogenannten Bed\u00fcrftigkeitspr\u00fcfungen &#132;gew\u00e4hrt&#148; &#8211; wobei dieses verwaltungsb\u00fcrokratische W\u00f6rtchen nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen kann, da\u00df auf Sozialhilfe, sei&#8217;s zum Lebensunterhalt, sei\u00b4s zur Unterst\u00fctzung in besonderen Lebenslagen, jeder einzelne und jede einzelne einen einklagbaren Rechtsanspruch hat. Dabei soll die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt die Grundbed\u00fcrfnisse des allt\u00e4glichen Lebens befriedigen &#8211; zum Beispiel, wenn Renten, Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe allein dies nicht verm\u00f6gen. Hilfe in besonderen Lebenslagen hingegen dient der aktuellen Unterst\u00fctzung in besonderen sozialen Notf\u00e4llen. Sozialhilfe soll als Unterst\u00fctzungsform f\u00fcr Bed\u00fcrftige also verhindern, da\u00df betroffene Arme absolut verelenden. Wer sich freilich die auch von den Wohlfahrtsverb\u00e4nden seit Jahren als zu niedrig bewerteten konkreten Regels\u00e4tze anschaut, wei\u00df oft wirklich nicht, wie hier ohne private oder verwandtschaftliche Zusatzhilfe oder sogenannte Schwarzarbeit ein \u00dcberleben ohne weitere Verarmung und schlie\u00dfliche Verelendung m\u00f6glich sein kann. Konkret gesprochen: die Regels\u00e4tze zum Lebensunterhalt spannten vom Spitzensatz von monatlich 424 DM f\u00fcr den Haushaltsvorstand &#8211; in Berlin &#8211; bis zum Schlusslicht Saarland mit monatlich 403 DM 1988. Im gewichteten Mittel der damaligen Bundesl\u00e4nder also 411 DM. Dazu k\u00e4men beispielsweise bei einer vierk\u00f6pfigen Familie f\u00fcr die Ehefrau und Mutter im Bundesdurchschnitt 329, f\u00fcr ein Kind \u00e4lter als 12 Jahre 308 DM und ein kleineres zweites Kind 267 DM monatlich, macht zusammen 1315 DM pro Monat &#8211; zum Leben. Dazu kann sowohl die Miete \u00fcbernommen werden als auch in Einzelf\u00e4llen gelegentlich ein Zuschu\u00df, zum Beispiel f\u00fcr Kinderkleidung im Winter, beantragt und &#132;gew\u00e4hrt&#148; werden.<br \/>Die amtlichen Zahlen k\u00f6nnen nat\u00fcrlich nicht die subjektive Seite der Betroffenheit Sprechen machen. Sie verdeutlichen aber &#8211; als Zahlen -, da\u00df allein von 1975 bis 1987 die Haushalte, die Hilfe zum Lebensunterhalt bekamen, verdoppelt wurden.<\/p>\n<p>Diese seitdem weiter anhaltende Entwicklung von Armut ist gewi\u00df kein Zufall. Sondern auch Ergebnis einer neu-liberalen Wirtschaftspolitik und insofern in der Marktlogik selbst angelegt &#8211; geht es doch um Freisetzung der Marktkr\u00e4fte und R\u00fcckzug des Staates aus dem Wirtschaftsleben. Der letzte sozialdemokratische Bundeskanzler nannte diese Politik Ende der siebziger Jahre griffig: Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitspl\u00e4tze von \u00fcbermorgen. Aber: Dieses marktradikale M\u00e4rchen klang denn doch zu sch\u00f6n, um wahr zu werden. Wohl gab es steigende Unternehmensgewinne, Export- und Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse, schlie\u00dflich hohe Kapitalexporte &#8211; aber in Sachen Massenarbeitslosigkeit keine Wende. Und die im letzten Jahrzehnt geschaffenen neuen Arbeitspl\u00e4tze waren nicht selten befristet, untertariflich bezahlt oder Stundenjobs ohne Lohnsteuerkarte und Sozialabsicherung (bis heute 490 DM pro Monat). Und auch wenn sich in den letzten beiden Jahrzehnten bei Abnahme der gesellschaftlichen Arbeitsmenge um ein F\u00fcnftel das Bruttosozialprodukt etwa verdoppelte &#8211; 1988 etwa 32 000 US-Dollar pro Kopf -, so haben die sozialen Kluften nicht ab-, sondern zugenommen. Die Einkommensschere zwischen Besser- und Schlechterverdienenden auch innerhalb der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, der Arbeitnehmerschaft, ist immer gr\u00f6\u00dfer geworden. Und die Einkommen derer, die von Armut und Verelendung, Wohnungsnot und Dauererwerbslosigkeit betroffen sind, sinken im Verh\u00e4ltnis zu den anderen vier F\u00fcnftel der Erwerbsbev\u00f6lkerung seit Jahren.<br \/>Dabei sind die Ende 1990 knapp vier Millionen Sozialhilfeempf\u00e4nger nur etwa die H\u00e4lfte aller, die bed\u00fcrftig sind und berechtigt w\u00e4ren, Sozialhilfe als st\u00e4ndige oder gelegentliche Unterst\u00fctzung zu beantragen. Die Dunkelziffer betr\u00e4gt auch heute noch &#8211; so der Freiburger Sozialwissenschaftler Baldur Blinkert zutreffend in einer Modellrechnung &#8211; etwa 50 Prozent. Und die bundesdeutsche Armut und Verelendung ist vor allem weiblich. Das merkt Frau, wenn sie geschieden ist und, ohne erwerbst\u00e4tig werden zu k\u00f6nnen, Kinder zu erziehen hat. (5)<\/p>\n<p>Gesellschaftspolitisch bedeutet dies: da\u00df immer dann, wenn das zweite haupts\u00e4chliche Armutsrisiko &#8211; Scheidung &#8211; auftritt, auch gesicherte Mittelst\u00e4nde bed\u00fcrftig und arm werden k\u00f6nnen. Und inzwischen wird hierzulande jede Dritte Ehe br\u00fcchig und schlie\u00dflich geschieden. Was Armut in einer reichen Gesellschaft f\u00fcr Betroffene konkret bedeutet ist in den letzten beiden Jahren von zwei Forschergruppen ausf\u00fchrlich dokumentiert worden: die Studie des Deutschen Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbandes hei\u00dft ,,&#8230; wessen wir uns sch\u00e4men m\u00fcssen in einem reichen Land &#8230;&#8220; (6), die Studie einer mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund zusammenarbeitenden Forschergruppe tr\u00e4gt den Titel &#132;Armut im Wohlstand&#8220;. (7) Bei den Materialien unterliegt ein sozialwissenschaftliches Verst\u00e4ndnis von Armut: es geht nicht um absolute Verelendung wie zu fr\u00fchkapitalistischen Zeiten. Sondern um soziale Bed\u00fcrftigkeit und Ausgrenzung. Um relative Armut also, die immer an den vorhandenen gesellschaftlichen M\u00f6glichkeiten gemessen wird &#8211; um relative Deprivation. Der britische Armutsforscher Peter Townsend hat sie so beschrieben: &#132;Mangel oder Knappheit an Nahrungsmitteln, Annehmlichkeiten, Verf\u00fcgungsrechten, Dienstleistungen oder Teilhabechancen, die sonst in der Gesellschaft allgemein verbreitet sind und daher als allt\u00e4glich gelten. Sobald die finanziellen oder andere Mittel fehlen und dadurch Menschen gehindert werden, als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu leben, leben sie in Armut.&#8220; (8)<br \/>Und f\u00fcr die Betroffenen gilt, was der Politikwissenschaftler Claus Offe vor 20 Jahren in einem Beitrag zur &#132;politischen Herrschaft&#148; beschrieb: ihre &#8211; berechtigten &#8211; Interessen sind schwer organisations- und gewi\u00df nicht konfliktf\u00e4hig: &#132;Eine Reihe von Status- und Funktionsgruppen&#148; &#8211; so Offe &#8211; &#132;ist zwar organisationsf\u00e4hig, aber nicht konfliktf\u00e4hig, jedenfalls nicht in den Grenzen des institutionell vorgesehenen Konfliktverhaltens. Beispiele sind die Gruppen der Hausfrauen, der Sch\u00fcler und Studenten, der Arbeitslosen, der Pension\u00e4re, der Kriminellen und Geisteskranken und der ethnischen Minirit\u00e4ten. Die Bed\u00fcrfnisse dieser Gruppen sind mit verminderter Durchsetzungskraft ausgestattet, weil sie am Rande oder au\u00dferhalb des Leistungsverwertungsprozesses stehen und ihnen daher das Sanktionsmittel einer ins Gewicht fallenden Leistungsverweigerung nicht zur Verf\u00fcgung steht.&#8220; (9)<\/p>\n<p>Dies trifft jedenfalls f\u00fcr die Interessenvertretung arbeitslos gemachter Menschen zu: es gab und gibt, nicht nur in Deutschland, keine selbstbewu\u00dfte gemeinschaftliche Interessenvertretung von Erwerbslosen. Versuche, diese im Osten Deutschlands zu schaffen, d\u00fcrften an der strukturellen Erfolglosigkeit einer sozialen Bewegung von Arbeitslosen wenig \u00e4ndern. Zumal &#8211; h\u00fcben wie dr\u00fcben &#8211; die Betroffenen infolge ihrer zwangsweisen Ausgrenzung alle Kraft aufs \u00dcberleben und ihre Alltagsbew\u00e4ltigung richten m\u00fcssen, eine l\u00e4ngerfristige politische Perspektive so nicht entwickelt werden kann und schlie\u00dflich die gro\u00dfe Gruppe Arbeitsloser in sich vielf\u00e4ltig geschichtet ist und immer weiter unterschichtet wird. (10)\u00a0 Kein Wunder, da\u00df mit Ausnahme einiger Langzeitarbeitsloser mit gewerkschaftlichen oder politischen Handlungserfahrungen die weitaus meisten Betroffenen versuchen, sich als einzelne an den Arbeitsmarkt &#8211; einen K\u00e4ufermarkt &#8211; anzupassen, um wieder Anstellungen zu finden. Das meint freilich: die Krise des Arbeitsmarktes wird individualisiert und die Ausgrenzungsspirale mu\u00df individuell ausgehalten werden, oft mit den bekannten und zuletzt in zwei neuen sozialwissenschaftlichen Studien in Erinnerung gerufenen Folgen von Angst, Verunsicherung, Isolation, Selbstzweifeln, Aggressivit\u00e4t, Alkoholismus, Resignation, Verzweiflung, Mutlosigkeit, schlie\u00dflich pers\u00f6nlichen und famili\u00e4ren Identit\u00e4tskrisen und psychischen oder somatischen Erkrankungen. Und da\u00df dies auch heute noch f\u00fcr diejenigen von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen gilt, die sich nach wie vor auf die Arbeitsgesellschaft ausrichten und glauben, ohne Arbeit nichts wert zu sein und als Arbeitslose nicht leben zu k\u00f6nnen, verdeutlichen die Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber &#132;Famili\u00e4re Konsequenzen \u00f6konomischer Deprivation&#148; von Sabine Walper (11) und zum &#132;Familienleben in der Arbeitslosigkeit&#8220;, herausgegeben von Hans Schindler, Ali Wacker und Peter Wetzels. (12) Gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse aus Arbeitsmarkt und Erwerbsleben und besonders die soziale Ausschlie\u00dfung in Form des Erst-Gar-Nicht -Hereinlassens ins Arbeitsleben (13) sind f\u00fcr alle Betroffenen existentiell: abh\u00e4ngige Arbeit zur Lebenssicherung und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung wird objektiv ein knappes wirtschaftliches Gut und subjektiv zunehmend schwieriger, prek\u00e4r, unm\u00f6glich; Selbstverwirklichung \u00fcber bezahlte Lohnarbeit uneinl\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Dies ist die subjektive Seite von Arbeitslosigkeit. Sie betrifft im besonderen heute F\u00fcnfundzwanzig- bis Drei\u00dfigj\u00e4hrige, also die, die auch Kinder der Mitte der 70er Jahre beginnenden und bis heute anhaltenden Arbeitsmarktkrise genannt werden &#8211; eine verlorene Generation?<br \/>Was daraus f\u00fcr Lebenspl\u00e4ne folgen kann, hat eine Bremer Forschungsgruppe um Rainer Zoll schon in 1984 bis 1986 durchgef\u00fchrten und jetzt ver\u00f6ffentlichten Interviews mit um 1960 geborenen jungen Leuten erfahren. Die paradoxen gesellschaftlichen und pers\u00f6nlichen Lebenslagen, die sich aus der Krise der Arbeitsgesellschaft und der Arbeitsmarktlage ergeben, deuten, so der Untertitel des Buchs &#132;Nicht so wie unsere Eltern!&#8220; (14) auf eine Unterstr\u00f6mung hin, die als neues kulturelles Modell gilt: aus den dort publizierten Interviewteilen wird anschaulich, da\u00df &#8211; und warum &#8211; alte Formen von Arbeitsorientierung, Beruf, Lebensweise, Lebenssinn und Lebensplan nicht mehr greifen k\u00f6nnen. Und da\u00df f\u00fcr diese &#8211; gewi\u00df &#8211; Minderheiten innerhalb der jungen Generation gesellschaftliche Teilhabe als Vergesellschaftung \u00fcber bezahlte abh\u00e4ngige Arbeit und Berufsorientierung nicht mehr wirksam ist. Die Interviews zeigen in dichter Beschreibung den Umri\u00df einer Gruppe junger Erwachsener im Umbruch. F\u00fcr sie scheint lediglich eines noch zu gelten: &#132;Die Normalit\u00e4t der Herausbildung einer Lohnarbeiteridentit\u00e4t gibt es tendenziell nicht mehr.&#8220; (15) Und damit gilt auch nicht mehr, was in den \u00e4lteren Generationen immer schon griff und, auch heute noch, f\u00fcr die Mehrheit der J\u00fcngeren gilt: das Hauptsache-Ich-habe-mein-Arbeit-Prinzip. (16)<\/p>\n<p>Aufl\u00f6sung der Normalarbeit meint auch in der Arbeitsgesellschaft Aufl\u00f6sung der Normalbiographie: die durch Arbeitsmarktindividualisierung, Rationalisierung und Automatisierung, schlie\u00dflich durch neue Technikanwendung bei bestehender Ungleichverteilung von Eingangsvoraussetzungen und Arbeitsmenge beg\u00fcnstigte Aufl\u00f6sung von Normalit\u00e4t der Erwerbsgesellschaft deutet auf ein neues kulturelles Modell hin, in dem neue Lagen, Interessen und Bed\u00fcrfnisse aufscheinen; in diesem Neuen Kulturellen Modell &#8211; so die Kernthese der Bremer Forscher &#8211; steht nicht mehr das alte Leistungs- und Arbeitsethos mit Disziplin und Verzicht, also jene dem Geist des Kapitalismus entsprechende protestantisch-calvinistische Askeseethik im Mittelpunkt &#8211; sondern: ein anderer, eher lustvoll-ichbezogener Sozialtyp, der von Bed\u00fcrfnissen nach Kommunikation, Selbstverwirklichung und Ich-Selbst-Sein-Wollen bestimmt ist. Die ersten Umrisse dieses alternativen Lebenstyps finden sich bei &#8211; noch relativ kleinen &#8211; Gruppen der seit 1960 geborenen.&#8220; (17)<\/p>\n<p>Was zun\u00e4chst und oberfl\u00e4chlich als Wiederaufleben der alten Boheme erscheinen mag &#8211; Max Weber nannte diesen Typus ebenso ver\u00e4chtlich wie unzutreffend Kaffeehausliteraten -, ist aber eher ein neuer Individualismus. Er ist zun\u00e4chst aus der Not der Arbeitsgesellschaft, der zunehmend die Arbeit ausgegangen ist und die gerade junge Menschen ausschlie\u00dft, geboren. Inzwischen erscheint die Not aber immer mehr J\u00fcngeren zugleich als Tugend und Hoffnung auf neue M\u00f6glichkeiten menschlicher Existenz und pers\u00f6nlicher Identit\u00e4t jenseits der arbeitsgesellschaftlichen Zw\u00e4nge: Kommunikation und Alltagssolidarit\u00e4t, so Rainer Zoll, sind die Medien der Verwirklichung. Der amerikanische Volkss\u00e4nger Pete Seeger ironisierte unter dem Beifall der damals sensiblen Teile heute 40 bis 50-J\u00e4hriger die vorgestanzten Karriereschritte im Leben der Mittelklasse als ,Little boxes: Heute, eine Generation sp\u00e4ter, reden Jugendliche ver\u00e4chtlich vom ,rate race` &#8211; jenem gnadenlosen beruflichen Konkurrenzkampf in der industriell hochentwickelten Erwerbsgesellschaft, an dem sie zunehmend weniger teilnehmen wollen oder k\u00f6nnen. Es ist als habe die Mitte der sechziger Jahre angesagte gro\u00dfe Verweigerung nun neue &#8211; weniger politische als individuelle &#8211; Ankn\u00fcpfungspunkte und Ausdrucksformen gefunden und entwickelt.<br \/>Einer Nur -Arbeitslosigkeitsforschung, die sich vorwiegend mit Fragen wie Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf Familie, Ehe, Kinder etc. besch\u00e4ftigt, werden diese neuen Trends entgehen. Sobald aber die subjektive Seite der Erwerbslosigkeit &#8211; und damit auch die sehr vielf\u00e4ltigen Formen des Bew\u00e4ltigungshandelns in depravierten Lebenslagen &#8211; ernst genommen wird -, dominiert nicht mehr die blo\u00dfe Opfersicht. Das wird auch in einer \u00f6sterreichischen Studie \u00fcber individuelle Strategien und famili\u00e4re Verarbeitungsmuster von Arbeitslosigkeit deutlich: neben Gef\u00e4hrdungen &#8211; Statusverlust, Identit\u00e4tskrisen, dem Zerfall von Zeitstruktur und tiefer Entt\u00e4uschung &#8211; in seelischer und Einschr\u00e4nkungen in finanzieller Hinsicht bei der Mehrheit der arbeitsgesellschaftlich orientierten Betroffenen gab es auch Mitte der achtziger Jahre in \u00d6sterreich eine kleinere Gruppe, vielleicht eine wachsende Minderheit aller, die zwischen 25 und 40 Jahre alt, berufserfahren und relativ gut ausgebildet, vor\u00fcbergehend ausstiegen und unter reduzierten Lebensbedingungen das versuchten, was sie immer schon machen wollten. Dieses Teilergebnis der Studie von Rainer M\u00fcnz und Monika Pelz im Auftrag des Bundesministers f\u00fcr Wissenschaft und Forschung zeigt damit, da\u00df der neue hedonistische Sozialtyp keine neue deutsche Besonderheit ist. (18)<\/p>\n<p>Wenn nun der subjektive Lebenssinn und die individuelle Lebensperspektive nicht mehr oder noch nicht im Streben nach bezahlter Erwerbsarbeit liegen wie bei einigen Befragten der Bremer Studie &#8211; dann macht dieses neue kulturelle Modell nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv einen Sinn. Denn gerade f\u00fcr die besondere Risikogruppe der sogenannten Langzeitarbeitslosen ist die Wegorientierung auf bezahlte &#8211; wenn und weil doch noch nicht oder nicht mehr erreichbare &#8211; Lohnarbeit, Besch\u00e4ftigung und Anstellung ein wesentlicher Schutzwall, der zum \u00dcberleben beitr\u00e4gt. Mit der sozialwissenschaftlichen Stre\u00dfforschung gesprochen: &#132;Aus der Sicht des einzelnen bilden \u00fcberkommene Werte und Verhaltensorientierungen Herausforderungen oder Belastungen, insbesondere wenn, durch rapiden sozialen Wandel bedingt, soziokulturelle Inkonsistenzen oder Widerspr\u00fcche zwischen weithin akzeptierten Werten und tats\u00e4chlich abgeforderten Verhaltensweisen entstehen. In einem solchen Widerspruch sind zum Beispiel die Arbeitslosen einer ,Arbeitsgesellschaft` gefangen. Die Schaffung eigener ,alternativer&#8216; Subkulturen und informeller Beziehungsnetze k\u00f6nnen unter diesen Bedingungen stre\u00dftheoretisch als kollektive Schutz- und Bew\u00e4ltigungsversuche zur interpersonellen Stabilisierung abweichender ldentit\u00e4ten gedeutet werden. Vorhandensein oder Schaffung einer selbstwertstabilisierenden sozialen Umwelt ist eine wichtige Bedingung pers\u00f6nlichen Selbstvertrauens.&#8220; (19)<\/p>\n<p>So gesehen, wird auch die subjektive Seite von Arbeitslosigkeit &#8211; gerade langanhaltender &#8211; angesprochen und sinnvoll gedeutet. Dies meint auch die Absage an das vorherrschende Paradigma naturwissenschaftlicher Pr\u00e4gung: denn nat\u00fcrlich reagieren wir als Menschen nicht wie Ratten mechanisch auf vorgegebene Objekte. Und auch Arbeitslose sind keine Organismen oder Objekte, die als Reaktionsdeppen nur versorgt oder beforscht werden wollen, sondern als &#8211; wenn auch depravierte &#8211; Menschen mit Bewu\u00dftsein ausgestattete und zu vielschichtigem Empfinden, Planen und Handeln grunds\u00e4tzlich f\u00e4hige Individuen. Jede Opfersicht, auch wenn sie sich mit wohlmeinenden Appellen an die Regierenden oder wen auch immer wendet, verkennt diesen Zusammenhang: denn Menschen m\u00fcssen sich nicht nur reaktiv zu Objekten verhalten, sondern k\u00f6nnen entsprechend ihrer anthropologischen Ausstattung als Gattungswesen aktiv &#8211; und manchmal sogar produktiv &#8211; Wirklichkeit aneignen, ver\u00e4ndern &#8211; und so neue Wirklichkeit schaffen. (20)<\/p>\n<p>Die bereits erw\u00e4hnte Studie von Rainer Zoll und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern veranschaulicht Br\u00fcche in der Erwerbsgesellschaft. Dadurch, da\u00df sie die um 1960 Geborenen ausf\u00fchrlich zu Wort kommen l\u00e4\u00dft und das, was sie sagen und wie sie es sagen, als Ausdruck f\u00fcr absichtsvolles und sinnhaftes Handeln deutet, werden spurenhaft neue Aneignungsweisen von Lebenswirklichkeiten und Lebensformen deutlich, die \u00fcber die herk\u00f6mmliche Ausrichtung aufs blo\u00dfe \u00dcberleben und damit die Fragestellung der traditionellen Arbeitslosenforschung hinausgehen. Damit steht &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; das arbeitsgesellschaftliche System selbst im Mittelpunkt. Dies nun hei\u00dft, da\u00df das System des in sich vielf\u00e4ltig zerkl\u00fcfteten Arbeitsmarktes und damit die sozial genannte Marktwirtschaft selbst zunehmend ihre eigene tiefgehende Sinn- und Strukturkrise geschaffen hat. Das ist nicht zuf\u00e4llig bei den heute 25 bis 30J\u00e4hrigen sp\u00fcrbar und verweist auf neue lebensweltliche Anspr\u00fcche und Handlungsfelder innerhalb dieser Alters- und Generationsgruppen.<br \/>Insofern kann die Studie auch als Herausforderung an die Gesellschaft und ihre \u00f6ffentliche Sozialwissenschaft verstanden werden. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob die Deutung der Forscher nicht in einer Hinsicht unzul\u00e4ssig verallgemeinert: denn was als neues kulturelles Modell erscheint &#8211; ist zun\u00e4chst Ausdruck einer tiefliegenden Krise des alten Lebensmodells von Normalarbeit und Normalbiographie. Im Interviewmaterial jedoch wird deutlich, da\u00df es der Bremer Forschergruppe gelungen ist, etwas zu versuchen, das die grande dame der internationalen Arbeitslosigkeitsforschung, Marie Jahoda, einmal so ausdr\u00fcckte: &#132;to make invisible things visible&#148; &#8211; das Unsichtbare sichtbar machen&#8220; (21)<\/p>\n<p>Wenn nun die schon zu Beginn der achtziger Jahre sichtbaren Entwicklungsprozesse der neuen Techniken im Produktions-, Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich und ihre zunehmend beschleunigte praktische Anwendung im beginnenden Jahrzehnt angemessen beschrieben worden sind, dann entwickelt sich eine Doppeltendenz oder Polarisierung immer weiter: einmal zur Erh\u00f6hung der T\u00e4tigkeitsbereiche und -anforderungen bei Besch\u00e4ftigten. Und zum anderen &#8211; und gleichzeitig &#8211; die weitere Automatisierung gering qualifizierter T\u00e4tigkeiten. (22) Was zur Substitution gering qualifizierter Arbeit durch weitere Automatisierung entsprechender T\u00e4tigkeiten f\u00fchrt. Erwerbslosigkeit in doppelter Weise: erstens Entlassung &#8211; vorwiegend \u00e4lterer &#8211; Besch\u00e4ftigter. Und zweitens Nichtbesch\u00e4ftigung &#8211; vorwiegend j\u00fcngerer &#8211; Unterbesch\u00e4ftigter, best\u00e4tigt also den Proze\u00df der Ausgrenzungsspirale aus der bezahlten Arbeit in der marktwirtschaftlich verfa\u00dften Erwerbsgesellschaft &#8211; wodurch sich im \u00fcbrigen in der entwickelten industriellen Gesellschaft marktwirtschaftlichen Typs die Tendenz der immer weiter fortschreitenden Ersetzung von lebendiger Arbeit durch vergegenst\u00e4ndlichte Arbeit in Form von Maschinen, Automaten und neue &#8211; rationalisierende, also lebendige Arbeit einsparende &#8211; Technik verst\u00e4rkt durchsetzt. Und sofern nicht politisch bewu\u00dftes Eingriffshandeln in die Marktprozesse ver\u00e4ndert ein &#8211; genauer: das &#8211; allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd&#8216; feiert: &#132;Je gr\u00f6\u00dfer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierend Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Gr\u00f6\u00dfe des Proletariats&#148; &#8211; so Karl Marx -, &#132;desto gr\u00f6\u00dfer die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt, wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Gr\u00f6\u00dfe der industriellen Reservearmee w\u00e4chst also mit den Potenzen des Reichtums. Je gr\u00f6\u00dfer aber diese Reservearmee, desto massenhafter die konsolidierte \u00dcberbev\u00f6lkerung, deren Elend im umgekehrten Verh\u00e4ltnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je gr\u00f6\u00dfer endlich die Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto gr\u00f6\u00dfer der offizielle Pauperismus. Das ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation. Es wird gleich allen Gesetzen in seiner Verwirklichung durch mannigfaltige Umst\u00e4nde modifiziert.&#8220; (23)<\/p>\n<p>Resultat dieses allgemeinen Prozesses sind dann gewi\u00df zun\u00e4chst jene bekannten jugendlichen &#132;Warteschleifen&#148;: Aber sie k\u00f6nnen &#8211; auf Dauer &#8211; nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df das Krisengeschehen allgemeiner und tiefgreifender ist. Denn Folge der Akkumulationsentwicklung selbst ist gerade f\u00fcr einen &#8211; tendenziell gr\u00f6\u00dfer werdenden &#8211; Teil der nachr\u00fcckenden Generationen mit begrenztem Arbeitsverm\u00f6gen der dauerhafte Ausschlu\u00df aus der Arbeitsgesellschaft \u00fcberhaupt. Dies w\u00e4re dann in der Tat eine &#132;Klasse der von der Arbeit erfolgreich abgedr\u00e4ngten Unm\u00fcndigen&#148; (Lars Clausen) (24) &#8211; oder wenn man sozial-p\u00e4dagogischen Erfahrungsberichten folgt: &#132;eine wachsende Schicht von Jugendlichen, f\u00fcr deren Verm\u00f6gen es keine entsprechende Arbeit mehr gibt&#148; (Hermann Giesecke). (25) Diesem neuen sozialen Tatbestand ist auch nicht dauerhaft mit einer wie immer ausgelegten sogenannten &#132;Qualifizierungsoffensive&#148; zu begegnen: denn einmal war und ist das Ausbildungssystem &#132;nicht nur ein Qualifikations-, sondern auch ein Selektionsproze\u00df. Umgekehrt garantiert Bildung nicht in gleichem Ma\u00dfe wie fr\u00fcher ad\u00e4quate Positionen&#148; im Erwerbsleben. (26) Und zum anderen ist der &#132;Proze\u00df der relativen Entwertung von Bildungseinrichtungen und -g\u00e4ngen, deren Mechanismen zur Zugangs- und Abgangsrationierung nicht mehr ausreichend gut funktionieren, so da\u00df nunmehr lediglich notwendige Bedingung einer privilegierten gesellschaftlichen Position ist, was bisher hinreichende Bedingung war&#8220; (27) in den Arbeitsmarkt der Marktwirtschaft strukturell eingelagert und insofern ein grundlegendes Dilemma f\u00fcr alle nachr\u00fcckenden Generationen jenseits aktueller konjunktureller Entwicklungen.<\/p>\n<p>Dies ist der entscheidende Grund f\u00fcr die &#8211; objektive und subjektive &#8211; Entwertung des alten kulturellen Modells der Arbeitsgesellschaft. Insofern gibt das seit Mitte der achtziger Jahre spurenhaft aufscheinende neue kulturelle Modell mit seinen konturenhaften Anspr\u00fcchen auf erf\u00fclltes Leben auch bei Nichterwerbsarbeit Doppelsinn: subjektiv f\u00fcr Betroffene, die zu Recht vom Arbeitsmarktsystem wenig oder \u00fcberhaupt nichts mehr erwarten &#8211; zumal auch denkbare gr\u00f6\u00dfere Umbauaktionen des Erwerbssystems, die diesen Namen verdienen, nicht in Sicht oder politisch durchsetzbar scheinen: also radikale Umverteilung von bezahlter Arbeit bis hin zur Vier-Tage-Woche mit 20-Stunden-Regelarbeitszeit als aktuelle Forderung. Ein neues, wie auch immer im einzelnen ausgepr\u00e4gtes kulturelles Lebensmodell, das sich aus der Falle der alten Arbeitsgesellschaft befreit, macht auch Sinn mit Blick auf die in jeder real-existierenden Gesellschaft notwendigen Vergesellschaftungsprozesse: und wenn f\u00fcr zunehmende Betroffenengruppen Vergesellschaftung \u00fcber bezahlte Lohnarbeit in der Erwerbsgesellschaft nicht mehr m\u00f6glich ist und zuk\u00fcnftig noch weniger m\u00f6glich wird &#8211; dann sind in der Tat alternative Formen der Organisation von Gesellschaft \u00fcberhaupt n\u00f6tig. Und damit auch andere Werte und Tugenden au\u00dferhalb des Komplexes der protestantischen Verzichtsethik und neue Normen und Einrichtungen bis hin zur radikalen Neubewertung von unbezahlter und Nichtarbeit n\u00f6tig (28) &#8211; es sei denn um den Preis weiterer Ausgrenzung und noch gr\u00f6\u00dferen Ausschlusses wachsender Betroffenengruppen und damit einhergehender zunehmender sozialer Spaltungen, die vermutlich eine soziale Klasse neuer Paupers schafft &#8211; &#132;aufgeschlossen f\u00fcr Brot und Spiele.&#8220; (29)<\/p>\n<p>Und genau dies ist die heute schon absehbare Botschaft, die als Herausforderung, auch an politisches Eingriffshandeln, im sogenannten neuen kulturellen Modell aufscheint. Hier wird nicht nur &#8211; wenn auch zun\u00e4chst nur spurenhaft &#8211; der auch von einer G\u00f6ttinger Forschungsgruppe im Projekt &#132;Jugend und Krise&#148; hervorgehobene &#132;grunds\u00e4tzliche Entwicklungsbruch im Vergesellschaftungsmodus&#148; mit seinen auch in die Arbeitswelt \u00fcberstrahlenden neuen Subjekt- und Sinnanspr\u00fcchen sichtbar, (30) sondern auch, wenn und insofern gerade bei Jugendlichen mit weniger Handlungskompetenzen und Lebenschancen nicht erwartet werden kann, da\u00df diese sich mit dem M\u00fcnchhausen Effekt selbst helfen k\u00f6nnen, die Erfordernis sozialp\u00e4dagogischer Handlungsermutigungen deutlich. (31)\u00a0 So gesehen, ist die gerade Jugendliche treffende Krise der Arbeitsgesellschaft auch die Stunde von P\u00e4dagogen, die nicht entsprechend dem alten Modell abrichtend zu erziehen sondern vielmehr unterst\u00fctzend zu ermutigen haben. Und da\u00df hier sowohl materielle als auch ideelle Unterst\u00fctzungen n\u00f6tig sind gerade f\u00fcr jene &#132;da unten&#148; d\u00fcrfte ebenso einsichtig sein wie der sonst wirksame Matth\u00e4i-Effekt, der da lautet: &#132;Denn wer da hat, dem wird gegeben, da\u00df er F\u00fclle habe. Wer aber nicht hat, dem wird genommen, was er hat.&#8220; (32)<br \/>Einer der P\u00e4dagogen, der einerseits die Gunst der Stunde nutzen will und andererseits die Not der Arbeitsgesellschaft ohne Arbeit auch als Chance f\u00fcr neue, ganzheitliche Lebensentw\u00fcrfe versteht, ist der fr\u00fchere Bildungsreferent des nordrhein-westf\u00e4lischen Landesjugendrings und heutige Professor f\u00fcr Erziehungswissenschaft an der Bremer Hochschule, Franz Josef Krafeld. Auch er bewertet die bisherige Forschung zur Arbeitslosigkeit im allgemeinen und zur Jugendarbeitslosigkeit im besonderen als defizit\u00e4r: sie pr\u00e4sentiere n\u00e4mlich immer wieder eine Palette von Negativwirkungen und trage nichts zur besseren Lebensbew\u00e4ltigung der Menschen, die von Erwerbslosigkeit bedroht oder betroffen sind, bei. Im Gegenteil: diese Forschung &#132;verst\u00e4rkt die Eindr\u00fccke von Ausweglosigkeit und untermauert gleichzeitig die Bindung an das berufszentrierte Lebensmodell&#8220;. (33)<br \/>Dem setzt der Autor ein neues lebens-, betroffenen und subjektgerichtetes Alternativkonzept von Anders-Leben, von &#132;Erfahrungsproduktion als subjektgeleitetem Proze\u00df&#148; entgegen. Und weil sich, so Krafeld, das &#132;Ende der berufsfixierten Epoche der industriellen Arbeitsgesellschaft&#148; unwiderruflich abzeichnet &#8211; soll sein neues p\u00e4dagogisches Modell, ohne erhobenen Zeigefinger und festes Zukunftswissen, subjektzentrierte Such- und Erprobungsprozesse in Gang setzen, die eigene Erfahrungsproduktion von Jugendlichen erm\u00f6glichen und durch Austausch untereinander zur St\u00e4rkung der eigenen St\u00e4rken und zu-gleich zur Schw\u00e4chung der eigenen Schw\u00e4chen bei der praktischen Lebens- und Zukunftsbew\u00e4ltigung beitragen helfen. (34)<\/p>\n<p>Dieser alternative p\u00e4dagogische Ansatz wurde erstmalig in einem Modellversuch in der Arbeit mit Bremer Arbeitslosen und Arbeitsloseninitiativen erprobt: im Mittelpunkt stand die Bew\u00e4ltigung eines arbeitsgesellschaftlich besch\u00e4digten Lebens, in dem f\u00fcr die Betroffenen zumindestens auf absehbare Zeit keine Erwerbsarbeit vorhanden ist, \u00fcber die ihr Leben gesichert, ihr Alltag strukturiert und ihrer Existenz Sinn gegeben werden kann. Dies f\u00fchrt zu einem &#132;ganzheitlichen&#148; Ansatz, bei dem nicht mehr das Hauptproblem ist, da\u00df bezahlte Erwerbsarbeit fehlt, sondern: es geht um Versuche, auch ohne Arbeit wo und wie immer m\u00f6glich bewu\u00dft zu leben, also auch arbeitslos das Alltagsleben zu bew\u00e4ltigen und nach pers\u00f6nlicher Selbstverwirklichung zu suchen. (35) Die zahlreichen organisierten Treffs waren Kommunikationsorte f\u00fcr Erfahrungsaustausch betroffener Arbeitsloser. Es ging um Alltagslernen und darum &#8211; so der Autor -, &#132;da\u00df Menschen lernen, ihre eigene Lebensrealit\u00e4t, ihren eigenen Lebensalltag besser zu begreifen und daraus subjektgeleiteter und selbstbewu\u00dfter eigene Handlungsm\u00f6glichkeiten zu entfalten.&#8220; (36) Das entscheidende Erfolgskriterium war aber nicht die Leute, wie auch immer, wieder in Lohn und Brot zu bringen, sondern den Arbeitslosenalltag mit seinen vielen Ausgrenzungs-, Versagens- und Entbehrungserfahrungen als neuen, selbst\u00e4ndigen Lebens- und Handlungszusammenhang zu verstehen, der auch in depravierter Lage eigenst\u00e4ndige Lern-, Entwicklungs- und Entfaltungsprozesse erm\u00f6glicht. Dies setzt nat\u00fcrlich voraus, da\u00df die Betroffenen ihre Lage als Arbeitslose anerkennen und sich mit ihr aktiv als Subjekte auseinandersetzen, da\u00df sie sich also, p\u00e4dagogisch ausgedr\u00fcckt, auf ihre Arbeitslosigkeit einlassen.<br \/>Freilich: auch dort, wo die praktische Hilfe zur lebensbew\u00e4ltigenden Selbsthilfe in sozial schwieriger Lage gelang, wollten die Betroffenen, so Franz Josef Krafeld zusammenfassend, &#132;im Prinzip am liebsten wieder voll in das konventionelle Muster von Erwerbsarbeit integriert werden, wenn sich nur eine entsprechende M\u00f6glichkeit dazu bietet.&#148; Und weiter: &#132;Insofern ist ein ,Abschied von Erwerbsarbeit&#8216; als allgemeines Ph\u00e4nomen sicherlich nicht festzustellen, sondern zeigen sich ,lediglich` unterschiedliche Elemente einer wachsenden Br\u00fcchigkeit von der bedingungslosen und v\u00f6llig unkritischen Unterwerfung unter s\u00e4mtliche Anforderungen und Maximen herrschender Muster von Erwerbsarbeit.&#8220; (37)<\/p>\n<p>Die lebensweltliche Ausrichtung auf das System Arbeitsgesellschaft also erscheint weitgehend ungebrochen. Lediglich ihre teilweise Relativierung ist das neue, aber noch nicht aufs subjektive Ende der Arbeitsgesellschaft hinweisende Moment. Und dies kann im Grunde auch gar nicht anders sein, weil die subjektiven Orientierungen immer noch an die objektiven Strukturen gebunden sein m\u00fcssen, ihnen also nicht vorauseilend weglaufen k\u00f6nnen. M\u00f6glich hingegen ist eine letztlich auch durch die Krise der Arbeitsgesellschaft bedingte Flexibilisierung und Verfl\u00fcssigung der Lebensweisen und Lebenspl\u00e4ne. Und diese ist vor allem dann n\u00f6tig &#8211; und sinnvoll -, wenn Arbeitslosigkeit von den Betroffenen praktisch bew\u00e4ltigt werden mu\u00df &#8211; zumal es hier gilt, wenigstens zeitweilig die Fixierung auf Lohnarbeit und Anstellung abzubauen. Oder in den Worten eines Betroffenen: &#132;da\u00df es einfach auf Dauer nix bringt, sich zehn oder zwanzig Jahre lang dreimal die Woche zu bewerben und drei Mal in der Woche &#8217;ne Ablehnung zu riskieren.&#8220; (38)<br \/>Das sozialwissenschaftlich wichtige Hauptergebnis der Bremer Projektstudie verweist auf einen Widerspruch: einerseits trifft &#8211; gleichsam objektiv &#8211; zu, da\u00df das &#132;Ende der berufsfixierten Epoche der industriellen Arbeitsgesellschaft&#148; heute schon absehbar ist. Andererseits ist &#8211; auf der subjektiven Seite und auch bei von Arbeitslosigkeit betroffenen j\u00fcngeren &#8211; noch heute ein &#132;,Abschied von Erwerbsarbeit&#8216; als allgemeines Ph\u00e4nomen sicherlich nicht festzustellen&#148;. Dieser Widerspruch mag verstanden werden gleicherma\u00dfen als Ergebnis der weitgehend ungebrochenen Vorherrschaft des Systems ,Arbeitsgesellschaft` \u00fcber die Lebenswelt ,Arbeitslosigkeit` und f\u00fchrt, so gesehen, die immer noch wirksame ,systemische Kolonialisierung` der Lebenswelt vor. (39) Zugleich verbietet dieser empirische Befund nat\u00fcrlich die so naheliegende wie verf\u00fchrerische Verallgemeinerung des Neuen Kulturellen Modells als heute schon praktisch einl\u00f6sbarer Lebensweise. Der Widerspruch selbst \u00e4ndert aber nichts daran, da\u00df der bundesdeutsche Arbeitsmarkt wie in anderen entwickelten industriellen Erwerbsgesellschaften eine Erosionskrise der Arbeitsgesellschaft selbst geschaffen hat und die zunehmende Aufl\u00f6sung von Normalarbeitsbiographie und damit biographischer Normalit\u00e4t \u00fcberhaupt hervorbringt. (40)<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber auch: im Sinne zuk\u00fcnftiger selbstbewu\u00dfter Erfahrungsproduktion ist eine Zukunfswerkstatt &#8218;Neues Kulturelles Lebensmodell&#8216; so nutzlos nicht. Geht es doch heute schon um Beitr\u00e4ge, die \u00fcber die breite empirische Vorherrschaft von Arbeitsgesellschaft als System hinausweisen k\u00f6nnen. Oder, mit Robert Jungk: um Entw\u00fcrfe f\u00fcr eine &#132;neue Zivilisation.&#147; (41) Dies hat, parallel zum vorgestellten Projekt &#132;Leben ohne Arbeit&#148;, Franz Josef Krafeld in seinem Buch &#132;Anders leben lernen. Von berufsfixierten zu ganzheitlicheren Lebensorientierungen&#148; versucht. (42)\u00a0 Diskutiert werden wenigstens erste allgemeine Umrisse neuer Lebensentw\u00fcrfe f\u00fcr eine Zukunft, in der der Arbeitsgesellschaft, auch wenn es viel zu tun g\u00e4be, die bezahlte Erwerbsarbeit zunehmend ausgeht. Und da\u00df diese lebensweltlichen Zukunftsentw\u00fcrfe sicherlich nicht heute oder morgen im Ganzen praktisch lebbar sein k\u00f6nnen, verdeutlicht schon die Nuance des Autors im Untertitel: nicht um ganzheitliche &#8211; sondern um ganzheitlichere Lebensorientierungen geht es. Sein engagiertes Pl\u00e4doyer f\u00fcr neue, ganzheitlichere Lebensentw\u00fcrfe nimmt die Diskussion um die Struktur- und Erosionskrise von Arbeitsmarkt und Arbeitsgesellschaft auf, b\u00fcndelt die allgemeine marktwirtschaftliche Entwicklungstendenz als &#132;sinkenden Bedarf an nachwachsenden &#8211; verwertbaren &#8211; Arbeitskr\u00e4ften&#148; und betont den vollzogenen Bruch zwischen Ausbildungs- und Besch\u00e4ftigungssystem: &#132;Ohne qualifizierenden Abschlu\u00df ist die berufliche Zukunft nicht nur unsicher, sondern nahezu g\u00e4nzlich verbaut. Ausbildungsabschl\u00fcsse sind einerseits immer weniger hinreichend daf\u00fcr, andererseits aber immer notwendiger, um sich biographische Optionen auf Integration ins Erwerbsleben zu erschlie\u00dfen. Die statuszuteilende Funktion von Ausbildung hat sich entscheidend ver\u00e4ndert. Sie ebnet nicht mehr Wege, sondern er\u00f6ffnet lediglich unsichere Chancen. (43)<\/p>\n<p>Und die kritische Durchmusterung der Ergebnisse bundesdeutscher Arbeitslosenforschung gibt erste Hinweise auf eine m\u00f6gliche Folge dieser neuen Betroffenenlage f\u00fcr die da drau\u00dfen vor der T\u00fcr der bezahlten Erwerbsarbeit. Ihnen, den j\u00fcngeren, spricht Krafeld nicht nur die F\u00e4higkeit zu sinnvollem Leben zu. Der Autor will vielmehr gerade denen, die bisher vor allem als Opfer der Arbeitsgesellschaft beforscht und verwaltet wurden, eine optimistische, aktive, ganzheitlichere Lebensperspektive jenseits des berufsfixierten Modells auf den Weg bringen. So gesehen, kann Arbeitslosigkeit auch zur Handlungschance werden &#8211; auch wenn dies selbst von den Betroffenen nicht gesehen oder abgelehnt wird. Denn die j\u00fcngeren Arbeitslosen, auch wenn sie wie die \u00e4lteren mehrheitlich auf bezahlte Erwerbsarbeit ab- und ausgerichtet sind, &#132;haben f\u00fcr sich selbst bisher nie erfahren, ob dieses Lebenskonzept f\u00fcr sie auch tats\u00e4chlich tragf\u00e4hig ist. Sie stehen vielmehr heute vor der Frage, ob oder wann sie sich jemals stabil auf dieses Lebenskonzept st\u00fctzten k\u00f6nnen und ob \u00fcberhaupt mit eigenen Bem\u00fchungen noch eine stabile Realisierung dieses Lebenskonzepts gesichert werden kann.&#147; (44) Und im Gegensatz zu jenen \u00e4lteren, die nicht mehr gebraucht werden, haben diese j\u00fcngeren, die noch nicht gebraucht wurden, &#132;durchweg bisher kein auf Erwerbst\u00e4tigkeit gegr\u00fcndetes Pers\u00f6nlichkeitsbild, keine soziale und personale Identit\u00e4t im Rahmen berufsfixierter Wertvorstellungen erfolgreich entwickeln&#148; k\u00f6nnen. (45)<br \/>Damit liegt in der Tat die Frage nahe: ob Erwerbsarbeit und Beruf denn im Leben wirklich alles sein k\u00f6nnen. (46) Und diese Sinnfrage stellt sich immer dann, wenn junge Leute auf die Schattenseite der Zwei-Drittel-Gesellschaft abgedr\u00e4ngt werden in Form von lebensweltlichen, alltagsbezogenen Suchprozessen in einer &#8211; so Krafeld &#8211; &#132;nach wie vor v\u00f6llig ungebrochen berufsfixierten \u00d6ffentlichkeit, in der junge Menschen zunehmend zwischen Sinnmangel und Anpassungsdruck eingekeilt werden.&#8220; (47) Die erfahrungsbezogenen Suchprozesse, f\u00fcr die der Autor pl\u00e4diert, k\u00f6nnen dabei nicht nur gegenwartsorientiert, sondern m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus auch zukunftsbezogen sein, weil die Zukunft dieser Betroffenen &#132;immer weniger die Verl\u00e4ngerung vergangener Tendenzen&#148; sein kann und auch die Subjektivierung sozialer Probleme (&#132;Umdefinition gesellschaftlicher Problemlagen zum Problem Jugendlicher&#147;)(48) an Grenzen st\u00f6\u00dft. Dies meint, da\u00df alle neuen Formen von Erfahrungsbildung und Suchen nach lebbaren Alternativen &#132;die Lebensbew\u00e4ltigung riskanter&#148; macht und auch &#132;riskantere Verhaltensweisen&#148; erfordert. (49)<br \/>Bevor Franz Josef Krafeld dann im einzelnen thesenhafte Zug\u00e4nge zum Lebenlernen mit neuen &#132;bruchhaften Lebensverl\u00e4ufen&#148; skizziert &#8211; macht der Autor auf einen Widerspruch aufmerksam, der auch schon bei der Szenen und Alternativbewegung der siebziger und achtziger Jahre sichtbar wurde, den Mittelstandsbonus: &#132;Ein gesteigerter Existenzsicherungsdruck erschwert solche Suchprozesse gerade in unteren sozialen Schichten. Denn diese sind dauernd von Marginalisierung bedroht, haben nicht wie privilegierte b\u00fcrgerlicher Schichten ein Ensemble sozialer, materieller und qualifikationsm\u00e4\u00dfiger Auffangnetze im Hintergrund. Das f\u00fchrt zu dem scheinbaren Paradox, da\u00df heute diejenigen Schichten Jugendlicher am ehesten weiterhin auf berufsfixierte Lebenskonzepte ausgerichtet sind, bei denen eine entsprechende Integration am st\u00e4rksten grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrdet ist, w\u00e4hrend sich eher ganzheitliche Lebensentw\u00fcrfe am ehesten bei solchen Schichten herausbilden, die aufgrund ihrer sozialen Lage und ihrer Bildung davon ausgehen, sich jedenfalls im Notfall immer noch erfolgreich z.B. mit Jobben u.\u00e4. durchschlagen zu k\u00f6nnen.&#8220; (50)<br \/>So gesehen, erscheint gerade mit Blick auf die wichtigsten Adressaten, ,die da unten`, die Entwicklung und Erprobung alternativer neuer Lebensorientierungen wie das Einfache, das so schwer zu machen ist. An der Dringlichkeit, auch f\u00fcr sie eine Perspektive von individueller (\u00dcber-)Lebensf\u00e4higkeit und gemeinschaftlicher Gesellschaftsf\u00e4higkeit zu entwickeln &#8211; also Soziabilit\u00e4t zu stiften -, h\u00e4lt Franz Josef Krafeld fest. Und wei\u00df nat\u00fcrlich, da\u00df gerade heute Lebensf\u00e4higkeit und Gesellschaftsf\u00e4higkeit in depravierter Milieus und Gruppen zunehmend auseinanderfallen. (51)<\/p>\n<p>Die folgenden Thesen des Autors, denen Hinweise auf erste praktische Ans\u00e4tze und Erfahrungen aus den Bremer Arbeitslosenprojekte folgen, (52) versuchen den gesetzten Anspruch, oft tastend in jedem Fall meist empirisch ungesch\u00fctzt, in Form eines thesenhaften Zugangs als Lernziele im Alltag und zur Bew\u00e4ltigung des Alltags mit Lebenslauffragmenten einzuholen und im Sinne einer praxisbezogenen &#132;Lebenswissenschaft&#148; zu profilieren. Im Mittelpunkt der hier im einzelnen nicht zu diskutierenden Hinweise, Anregungen und Denkanst\u00f6\u00dfe steht dabei die Abwendung von einer zunehmend perspektivloser gewordenen und immer weiter sinnloser werdenden Berufsfixierung und die Hinwendung zu neuen subjekt- und alltagszentierten Handlungsstrategien. Ein &#8211; vielleicht das wichtigste &#8211; &#132;Lernziel&#148; d\u00fcrfte dabei der Risikokomplex sein: also zu lernen, in dieser wunden Welt der Br\u00fcche Risiken zu erkennen, zu bewerten, abzuw\u00e4gen und sie schlie\u00dflich aktiv zu bew\u00e4ltigen. Es d\u00fcrfte dies zugleich wohl das praktisch schwierigstes Lernfeld sein &#8211; scheint doch der allgemeine Individualisierungsdruck unserer Zeit immer auch mit dem Sicherheitsbed\u00fcrfnisdruck ein herzugehen. (53)\u00a0 Aber gerade wenn und weil dies so ist &#8211; k\u00f6nnte sich gerade in diesem Feld die Bedeutsamkeit des Anders-Leben-Lernen-Pl\u00e4doyers von Franz Josef Krafeld erweisen.\u00a0 <br \/>Die so begr\u00fcndeten und angerissenen Konturen eines neuen Lebensmodells sind damit vorgestellt. Ob, wie, wann und in welchen Formen sich diese &#8211; oder vergleichbare &#8211; Entwicklungen, Perspektiven und Vorhaben werden verwirklichen lassen &#8211; das ist weder eine sozialwissenschaftliche noch eine sozialp\u00e4dagogische Frage. Sondern eine eminet praktische Angelegenheit sowohl f\u00fcr die Betroffenen als auch f\u00fcr die Gesellschaft \u00fcberhaupt.<br \/>So wenig sich sozialer Fortschritt im gesellschaftlichen Durchschnitt vollziehen kann &#8211; ist im Jetzt und Hier ein rascher und gesellschaftliche durchgreifender Paradigmenwechsel von Lebensmodellen und Lebenspraxen Vieler zu erwarten. So da\u00df mehrheitlich denn wohl auch kaum berufsfixierte von ganzheitlichen Lebensperspektiven und Lebensmodellen abgel\u00f6st werden (k\u00f6nnen). Zu erwarten sind eher &#8211; auch in Franz Josef Krafeld Wortkonstruktion: ganzheitlicher aufgespeicherte &#8211; Zwischenformen und Zwischenlagern, die, oft auch zeitlich verschoben, mehr oder weniger flexibel das eine mit dem anderen und das alte (berufsfixierte) mit dem neuen (ganzheitlichen) verbinden, mixen oder amalgieren.<br \/>Ohne da\u00df wie bisher &#8211; und dies scheint mir entscheidend &#8211; das eine (alte) gegen das andere (neue) kulturelle Lebensmodell ausgespielt wird. Und wenn das zuk\u00fcnftig wenigstens eine wichtige gesellschaftliche Unterstr\u00f6mung w\u00fcrde &#8211; k\u00f6nnte auch drohenden und absehbar erweiterten sozialen Spaltungstendenzen (der &#132;Zweidrittelgesellschaft&#147;) wirksam begegnet werden.<\/p>\n<p>Wie immer ein sich abzeichendes Neues Kulturelles Modell mit st\u00e4rker ganzheitlichen Lebensperspektiven im einzelnen bewertet werden mag &#8211; wichtig scheint mir, da\u00df hier antizipierendes Bewu\u00dftsein, das immer schon\u00a0 zur anthropologischen Grundausstattung des Menschen als Gattungswesen geh\u00f6rt, mobilisiert wird, um eine neue und andere Zivilisation vorzustellen. In diesem Sinn enth\u00e4lt, was mit neuem kulturellen Modell und mit ganzheitlichen Lebensorientierungen gemeint ist, etwas, das der \u00f6sterreichische Romancier Robert Musil in der Schl\u00fcsselmetaphar &#8222;M\u00f6glichkeitssinn&#8220; beschrieb. Es kann n\u00e4mlich auch (fast) alles anders sein: &#8222;Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, [&#8230;] dann mu\u00df es auch etwas geben, dass man M\u00f6glichkeitssinn nennen kann. Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, mu\u00df geschehen; sondern er erfindet: Hier k\u00f6nnte, sollte oder m\u00fc\u00dfte geschehen [&#8230;]. So lie\u00dfe sich der M\u00f6glichkeitssinn geradezu als die F\u00e4higkeit definieren, alles, was ebenso gut sein k\u00f6nnte, zu denken, und das was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.&#8220; (54)<br \/>Antizipierendes Bewu\u00dftsein (Ernst Bloch) ist gerade in Umbruchzeiten als Mobilisator f\u00fcr Handlungen jenseits von Tradition und Gewohnheit nicht zu untersch\u00e4tzen. Es ist grunds\u00e4tzlich offen. Und es ist immer dann gefragt, wenn &#8211; so die Lageskizze Franz Josef Krafelds &#8211; &#8222;die Br\u00fcchigkeit bisher als stabil geltender Handlungs- und Lebenskonzepte zwar herausgearbeitet, aber kein neues ,ganzheitliches` Konzept angeboten werden kann.&#8220; (55)<\/p>\n<p><b>Verweise<\/b><\/p>\n<p>1 vgl. Friedrich Hengsbach, Beteiligungdefizite im nationalen Einigungsproze\u00df. In: Symposium\u00b490. Markt und Kultur, hrg. von\u00a0\u00a0 <br \/>Heinrich A. Henkel. Regensburg 1991 ( = K\u00f6lner Schriften zur Sozial- und Wirtschaftspolitik 15), S. 59 &#8211; 80<br \/>2 vgl. genauer Franz-Xaver Kaufmann, Zukunft der Familie. Stabilit\u00e4t und Stabilisit\u00e4tskrisen und Wandel der famili\u00e4ren <br \/>Lebensformen sowie ihre gesellschaftlichen und politischen Bedingungen. M\u00fcnchen 1990 ( = Perspektiven und Orientierungen. <br \/>Schriftenreihe des Bundeskanzleramtes 10), hier S. 73ff.<br \/>3 Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom t\u00e4tigen Leben. M\u00fcnchen-Z\u00fcrich 5. Auflage 1987 ( = Serie Piper 217), S. 60<br \/>4 vgl. Eckart Reidegeld, 15 Jahre Arbeitslosenversicherung und Arbeitsmarktpolitik bei Massenarbeitslosigkeit &#8211; R\u00fcckblick auf <br \/>einen Leidensweg. In: Zentralblatt f\u00fcr Sozialversicherung, Sozialhilfe und Versorgung, 44 (1990) 5, S. 129 &#8211; 137, sowie grundlegend die Beitr\u00e4ge von Christoph B\u00fcchtemann, Rolf G. Heinze (Hrg.), Arbeitslosigkeit in der Arbeitsgesellschaft. Ffm. 1984 ( = edition suhrkamp 1 212), S. 53 &#8211; 188<br \/>5 vgl. Baldur Blinkert, &#8222;Familienanalytische Studie&#8220;. Eine Untersuchung \u00fcber die zunehmende Belastung des Stadtgebiets von<br \/>Freiburg mit sozialen Problemen. Forschungsbericht des Freiburger Instituts f\u00fcr angewandte Sozialwissenschaft, Freiburg \/ Br. <br \/>1988; sowie zusammenfassend und pointiert ders., Kriminalit\u00e4t als Modernisierungsrisiko? Das &#8222;Hermes&#8220;-Syndrom der <br \/>entwickelten Industriegesellschaften. In: Soziale Welt, 39 (1988) 4, S. 397 &#8211; 412<br \/>6 Ulrich Schneider u.a., &#8222;&#8230; wessen wir uns sch\u00e4men m\u00fcssen in einem reichen Land &#8230;&#8220; &#8211; Armutsbericht des Parit\u00e4tischen\u00a0\u00a0 <br \/>Wohlfahrtsverbandes f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland. In: Bl\u00e4tter f\u00fcr Wohlfahrtspflege, 11 \/ 12, 1989<br \/>7 Dieter D\u00f6ring u.a. (Hrg.), Armut im Wohlstand. Ffm. 1990 ( = edition suhrkamp 1595)<br \/>8 Peter Townsend, Poverty in the United Kingdom. Harmondsworth 1979; vgl. Richard Albrecht, Not macht erfinderisch und <br \/>Hunger macht skrupellos. \u00dcber Armut und Sozialpolitik. In: Sozialer Fortschritt, 39 (1990) 10, S. 241 &#8211; 244<br \/>Claus Offe, Politische Herrschaft und Klassenstruktur. Zur Analyse sp\u00e4tkapitalistischer Gesellschaftssysteme. In: Gisela Kress \/ <br \/>Dieter Senghaas (Hrg.), Politikwissenschaft. Eine Einf\u00fchrung in ihre Probleme. Ffm. 1969 ( = kritische Studien zur <br \/>Politikwissenschaft), S. 155 &#150; 189<br \/>9 Claus Offe, Politische Herrschaft und Klassenstruktur. Zur Analyse sp\u00e4tkapitalistischer\u00a0 Gesellschaftssysteme. In: Gisela Kress \/ Dieter Senghaas (Hrg.), Politikwissenschaf. Eine Einf\u00fchrung in ihre Probleme. Ffm. 1969 ( = kritische Studien zur Politikwissenschaft),\u00a0\u00a0\u00a0 S. 155 &#150; 189<br \/>10 vgl. Ali Wacker, Massenarbeitslosigkeit als Politisierungspotiential &#150; der schwierige Lebensprozess. In: Probleme des Klassenkampfs, 35 \/ 1979, S. 49 &#150; 66; sowie grundlegend B\u00fcchtemann, op. Cit.;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0S. 53 &#150; 105<br \/>11 Sabine Walper, Familiere Konsquenzen \u00f6konomischer Deprivation. M\u00fcnchen-Weinheim 1988 ( = Fortschritte der psychologischen Forschung 2); vgl. dies. \/ Rainer K. Silbereisen, Arbeitslosigkeit und Familie. Auswirkungen \u00f6konomischer Deprivation durch Arbeitslosigkeit auf die Familie und Entwicklungsperspektiven ihrer Mitglieder. In: Rosemarie Nave-Herz \/ Manfred Markefka (Hrg.), Handbuch der Familien- und Jugendforschung. Bd. I: Familienforschung. Neuwied-Ffm. 1989, S. 535 &#150; 557; Hans Schindler u.a., Die Familie in der Arbeitslosigkeit. Bremen o.J. [1988] ( = Schriftenreihe der Angestelltenkammer Bremen); sowie Bernhard Blanke u.a., Gro\u00dfstadt und Arbeitslosigkeit. Ein Problemsyndrom im Netz lokaler Sozialpolitik. Opladen 1987 ( = Studie zur Sozialwissenschaft 73)<br \/>12 Hans Schindler \/ Ali Wacker \/ Peter Wetzels (Hrg.), Familienleben in der Arbeitslosigkeit. Ergebnisse neuer europ\u00e4ischer Studien. M. e. Vorwort v. Marie Jahoda. Heidelberg 1990<br \/>13 vgl. Klaus Hurrelmann, Warteschleifen? Keine Berufs- und Zukunftsperspektiven f\u00fcr Jugendliche? Weinheim-Basel 1989 ( =<br \/>Reihe P\u00e4dagogik); Hans Bertram u.a., Bericht \u00fcber Bestrebungen und Leistungen der Jugendhilfe (Achter Jugendbericht), Bonn 1990<br \/>14 Rainer Zoll u. a., ,,Nicht so wie unsere Eltern!&#8220; Ein neues kulturelles Modell? Opladen 1989; ders., Neuer Individualismus und Alltagssolidarit\u00e4t. Bemerkungen zur Krise der individuellen Identit\u00e4t. In: Hans Leo Kr\u00e4mer\/ Claus Leggewie (Hrsg.), Wege ins Reich der Freiheit. Andre Gorz zum 65. Geburtstag. Berlin 1989 (= Rotbuch Rotationen), S. 174-187<br \/>15 Zoll u.a., op.cit., S. 216. &#151; Auch Zoll schlie\u00dft nat\u00fcrlich an die These des Individualisierungsdrucks an, vgl. Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Ffm. 1986 (= edition suhrkamp 1365); Wolfgang Zapf u.a., Individualisierung und Sicherheit. Untersuchung zur Lebensqualit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland: M\u00fcnchen 1987 (= Perspektiven und Orientierungen. Schriftenreihe des Bundeskanzleramtes 4)<br \/>16 vgl. Rainer Zoll (Hrsg.), &#132;Hauptsache, ich habe meine Arbeit&#148; Ffm. 1984 (= edition suhrkamp 1228) <br \/>17 vgl. zusammenfassend Rainer Zoll, Neuer Individualismus und Alltagssolidarit\u00e4t. In: J\u00fcrgen Hoffmann u.a. (Hrsg.) Jenseits der Beschlu\u00dflage. Gewerkschaft als Zukunftswerkstatt. K\u00f6ln 1990 (= HBSForschung 1), S. 58-69<br \/>18 vgl. Rainer M\u00fcnz \/ Monika Pelz, Die subjektive Seite der Arbeitslosigkeit. Individuelle Strategien und famili\u00e4re Verarbeitungsmuster. Eine Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Projektserie ,Mechanismen der Krisenverarbeitung&#8216;. Wien 1986; sowie die Kurzfassung durch dies. in: Rudolf Burger u.a. (Hrg.) Verarbeitungsmechanismen der Krise. Wien 1988, S. 391-417<br \/>19 Bernhard Badura \/ Holger Pfaff, Stress, ein Modernisierungsrisiko? Makro- und Mikroaspekte soziologischer Belastungsforschung im \u00dcbergang zur postindustriellen Zivilisation. In: K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie, 41 (1989) 4, S. 644-668, hier S. 650-651<br \/>20 vgl. Klaus Hurrelmann, Das Modell des produktiv realit\u00e4tsverarbeitenden Subjekts in der Sozialisationsforschung. In: Zeitschrift f\u00fcr Sozialisationsforschung und Erziehungssoziologie, 3 (1983) 2, S. 91-103; b\u00fcndig formuliert von Klaus Horn: &#8222;&#8230; Wir erinnern, da\u00df Verhalten nur die Aktivit\u00e4t oder Reaktion eines Organismus meint, da\u00df Verhalten seiner Herkunft nach ein behavioristischer Begriff ist &#8230; Wir ziehen den Begriff Handeln vor, insofern er das Spezifikum menschlicher Aktivit\u00e4t hervorruft, da\u00df n\u00e4mlich absichtsvoll und sinnhaft gehandelt wird.&#8220; (ders. u.a., Gesundheitsverhalten und Krankheitsgewinn. Zur Logik von Widerst\u00e4nden gegen gesundheitliche Aufkl\u00e4rung. Opladen 1983, S. XVII, Anm. 2); &#151; das Konzept der Aneignung als Schl\u00fcsselkategorie einer sozialpsychologischen Handlungstheorie und Leitelement der ,subjektiven` Sozialstruktur (der &#132;angeeigneten Form gesellschaftlicher Strukturprinzipien&#148;) entwickeln und erproben Wolfgang Buchholz und Mitarbeiter \/ innen, vgl. ders. \/Florian Straus, Lebensweltliche Strukturen familialer Probleme. In: Heinrich Keupp \/ Dod\u00f6 Rerrich, Psychosoziale Praxis &#151; gemeindepsychologische Perspektiven. Ein Handbuch in Schl\u00fcsselbegriffen. M\u00fcnchen 1982, S. 63 -74; ders., Lebensweltanalyse. Sozialpsychologische Beitr\u00e4ge zur Untersuchung von krisenhaften Prozessen in der Familie. M\u00fcnchen 1984; ders. u.a., Lebenswelt und Familienwirklichkeit. Studien zur Praxis der Familienberatung. M.e. Geleitwort v. Heiner Keupp. Ffm. &#151; N .Y. 1984<br \/>21 Marie Jahoda, The Psychology of the Invisible: An Interview. In: New Ideas in Psychology, 4 (1986) 1, pp. 107 -118<br \/>22 vgl. Horst Kern \/ Michael Schumann, Das Ende der Arbeitsteilung? Rationalisierung in der industriellen Produktion. M\u00fcnchen 1984, 2. Aufl. 1985<br \/>23 Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen \u00d6konomie. Band I. Berlin 1962 ( = Marx-Engels Werke 23), S. 673 \/674; vgl. dazu Albrecht, Not macht erfinderisch und Hunger macht skrupellos, op.cit., S. 242\/243: &#132;Der \u00fcbersch\u00fcssigen lebendigen Arbeit, die ihre Arbeitskraft nicht \u00fcber den Arbeitsmarkt und seine Teilsegmente verkaufen kann, bleiben &#8230; nur Randformen des wirtschaftlichen \u00dcberlebens, weil sie &#151; so Marx in Randnotizen (&#132;Theorien \u00fcber den Mehrwert&#148;) &#151; nicht nur reell, sondern nicht einmal formell unters Kapital subsumiert ist. Und was historisch in der Phase der Herausbildung und Festigung des Kapital- und Akkumulationsverh\u00e4ltnisses galt &#151; gilt aktuell in der Phase der sogenannten ,dritten industriellen Revolution&#8216; mit ihrer metropolen \u00dcberbev\u00f6lkerungsproduktion ebenso: Gerade in diesen erwerblichen Randbereichen ist die ,Exploitation der Arbeit&#8216;, also die Ausbeutung und nicht selten Auszehrung der lebendigen Arbeit, ,am gr\u00f6\u00dften&#8216; (Karl Marx). Dies gilt f\u00fcr alle erwerbswirtschaftlichen \u00dcberlebensversuche der Armutsbev\u00f6lkerung&#8220; &#151; Zu den geschichtlichen Armuts-\u00dcberlebens-Formen vgl. Norbert Preu\u00dfer, Not macht erfinderisch. \u00dcberlebensstrategien der Armenbev\u00f6lkerung in Deutschland seit 1807. M\u00fcnchen 1989 ( = AG Spak M 93)<br \/>24 Lars Clausen, Hinweise zu einer unn\u00fctzigen Generation. In: Demokratische Erziehung, 1 \/ 1982, S. 38-41<br \/>25 Hermann Giesecke, Neue Sozialisationswege als Reaktion von Jugendlichen auf ihre Lebensbedingungen. In: Materialien zur Heimerziehung, 1 \/ 1990, S. 5-8<br \/>26 Gerhard Schmidtchen, Schritte ins Nichts. Selbstsch\u00e4digungstendenzen unter Jugendlichen. Opladen 1989,\u00a0\u00a0\u00a0 S. 114<br \/>27 Burkhart Lutz, Bildungsexpansion und soziale Ungleichheit. Eine historisch-soziologische Skizze. In: Reinhard Kreckel (Hrg.), Soziale Ungleichheiten. G\u00f6ttingen 1983 (= Soziale Welt SH 2), S. 221-245<br \/>28 in diesem Zusammenhang steht die Diskussion um gesellschaftlich garantiertes Grundeinkommen vgl. Michael Opielka \/ Ilona Ostner (Hrg.), Umbau des Sozialstaats. Essen 1987 ( = Perspektiven der Sozialpolitik 2); Barbara Riedm\u00fcller \/ Marianne Rodenstein (Hrg.), Wie sicher ist die soziale Sicherung? Ffm. 1989 (= edition suhrkamp 1568); zum arbeitsunabh\u00e4ngigen Grundeinkommen vgl. auch zusammenfassend: Bodo Blinkert, Familienanalytische Studie, op.cit., S. 41-44<br \/>29 Clausen, Hinweise zu einer unn\u00fctzen Generation, op.cit., S. 41<br \/>30 Horst Baethke u.a. , Jugend: Arbeit und Identit\u00e4t. Lebensperspektiven und Interessenorientierung von Jugendlichen. Eine\u00a0 Studie des Soziologischen Forschungsinstituts G\u00f6ttingen (SOFI). Opladen 1988 1 Giesecke, Neuer Sozialisationswege, op.cit., S. 7-8<br \/>31 Giesicke, Neuer Sozialationswege, op.cit., S. 7 &#8211; 8<br \/>32 Evangelium (M\u00e4tth\u00e4us 13 \/ 12 und \u00f6fter)<br \/>33 Franz Josef Krafeld, Ganzheitliche Lebensentw\u00fcrfe. In: neue praxis, 3\/1988, S. 251-255<br \/>34 Franz Josef Krafeld, Erfahrungsproduktion und Lebensbew\u00e4ltigung. In: deutsche jugend, 1 \/ 1986, S. 9-17<br \/>35 Franz Josef Krafeld, Leben ohne Arbeit &#151; wie geht das? Eine Untersuchung des Beitrags von Arbeitslosenprojekten zur Lebensbew\u00e4ltigung Arbeitsloser. Forschungsbericht, Hochschule Bremen, Bremen 1989; ders. Ohne Arbeit leben lernen. Der Beitrag von Arbeitslosenprojekten zur Lebensbew\u00e4ltigung Arbeitsloser. In: neue praxis, 3 \/ 1990, S. 260-267<br \/>36 Krafeld, Ohne Arbeit leben lernen, op.cit., S. 263<br \/>37 Krafeld, op.cit., S. 265<br \/>38 Krafeld, op.cit., S. 263<br \/>39 vgl. J\u00fcrgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns. Zwei B\u00e4nde. Ffm. 1981 (Suhrkamp) hier Bd. 2, S. 452<br \/>40 Andre Gorz, Wege ins Paradies. Berlin 1983; Oskar Negt, Lebendige Arbeit, enteignete Zeit. Politische und kulturelle\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dimensionen des Kampfes um die Arbeitszeit. Ffm. &#151; N.Y. 1984; Claus Offe, Arbeitsgesellschaft. Strukturprobleme und\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zukunftsperspektiven. Ffm: N.Y. 1984; Lothar B\u00f6hnisch \/ Werner Schefold, Lebensbew\u00e4ltigung. Soziale und p\u00e4dagogische\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verst\u00e4ndigungen an den Grenzen der Wohlfahrtsgesellschaft. Weinheim-M\u00fcnchen 1985; sowie pointiert zusammenfassend\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Klaus K\u00f6rber, Krise der Gesellschaft &#151; Krise des Individuums. In: Widerspr\u00fcche, 32 \/ 1989, S. 71-83<br \/>41 Robert Jungk \/ Norbert M\u00fcllers, Zukunftswerkst\u00e4tten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation. M\u00fcnchen 1989 (2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00fcberarbeitete Taschenbuchauflage); zuletzt ,Nichts entwickelt sich gradlinig&#8216;. Gespr\u00e4ch mit dem Zukunftsforscher Robert\u00a0Jungk. In: Publizistik &#038; Kunst, 2\/1991, S. 12 -16<br \/>42 Franz Josef Krafeld, Anders leben lernen. Von berufsfixierten zu ganzheitlichen Lebensorientierungen. Weinheim-Basel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1989 (= Edition Sozial)<br \/>43 Krafeld, Anders leben lernen, op.cit., S. 51<br \/>44 Krafeld, Anders leben lernen, op.cit., S. 29<br \/>45 Krafeld, op.cit., S. 30<br \/>46 der ehemalige ,Pflasterstrand`-Scene-Autor Matthias Horx hat in seinem letzten Buch erinnert, wie ,alternative Lebensformen` im gro\u00dfst\u00e4dtisch-studentischen Frankfurter Milieu etwa von Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre zu leben versucht wurden &#151; und erinnert so nostalgisch wie melancholisch wie und f\u00fcr welchen Preis dies zeitweilig gehn konnte (vgl. Aufstand im Schlaraffenland. Selbsterkenntnisse einer rebellischen Generation. M\u00fcnchen 1989)<br \/>47 Krafeld, Anders leben lernen, op.cit., S. 58<br \/>48 Krafeld, op.cit., S. 61<br \/>49 Krafeld, ebenda, S. 59<br \/>50 Krafeld, op.cit., S. 59 \/ 60<br \/>51 Krafeld, op.cit., S. 65<br \/>52 Krafeld, op.cit., S. 71 ff. [und] S. 81 ff.<br \/>53 vgl. Wolfgang Zapf u.a., Individualisierung und Sicherheit, op.cit., S. 138<br \/>54 Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften. Hbg. 1952, S. 16. &#151; Es ist mir theoretisch bewu\u00dft, da\u00df hier die Grenzen empirischer Sozialforschung angesprochen sind &#151; zumindest in ihrer derzeitigen Gestalt: denn ,M\u00f6glichkeitsinn` meint immer auch intellektuelle Autonomie. Empirisch-wissenschaftlich ,erforschbar` erscheint bisher nur das, was M\u00f6glichkeiten und M\u00f6glichkeitssinn beschr\u00e4nkt, was also determinierbar und bestimmbar (also abh\u00e4ngig und nicht autonom) ist<br \/>55 Krafeld, Anders leben lernen, op.cit., S. 71. &#151; Soziologen nennen diese Umbruchslagen seit Emile Durkheim Anomie [1897: Le Suicide].<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[719,667],"autoren":[423],"publikationen":[1249],"class_list":["post-12397","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-ausgrenzung","tag-vorgaenge-artikel","autoren-richard-albrecht","publikationen-113-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Licht am Ende des Tunnels? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/113-vorgaenge\/publikation\/licht-am-ende-des-tunnels\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Licht am Ende des Tunnels? 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