{"id":12456,"date":"1997-09-30T00:20:00","date_gmt":"1997-09-29T22:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/weltweite-migration\/"},"modified":"1997-09-30T12:00:00","modified_gmt":"1997-09-30T10:00:00","slug":"weltweite-migration","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-139\/publikation\/weltweite-migration\/","title":{"rendered":"Weltweite Migration"},"content":{"rendered":"<p>Hintergr\u00fcnde &#151; Perspektiven f\u00fcr die Zukunft<\/p>\n<p>aus: vorg\u00e4nge Nr. 139 (Heft 3\/1997), S. 9-16<\/p>\n<p>Migration begleitete immer schon die Geschichte der Menschheit. Sie ist ein &#132;Ph\u00e4nomen menschlicher und gesellschaftlicher Lebensgestaltung, in dem sich Weltoffenheit und Freiheit ebenso manifestieren k\u00f6nnen wie Repressionen und Lebensangst, Zukunftsvorsorge ebenso wie Abenteuerlust, Bildungs- und Arbeitsst\u00e4ttensuche ebenso wie R\u00fcckzug aus dem Arbeitsleben&#148; (Grohmann 1996: 1).<\/p>\n<h5><span id=\"zur-begrifflichkeit\">Zur Begriff&shy;lich&shy;keit<\/span><\/h5>\n<p>Migration ist die Verlagerung von Personen oder Gruppen von einem Land oder Gebiet in ein anderes f\u00fcr die Dauer einer Zeitspanne, die lang genug ist, dort die Entfaltung eines Alltagslebens zu erm\u00f6glichen. Fluchtwanderungen liegen dann vor, wenn der Entschluss zur Migration erzwungen wurde (z.B. durch Missachtung der Menschenrechte, Verfolgung, Bedrohung von Minderheiten, Krieg oder B\u00fcrgerkrieg, absolute Verelendung, Natur- und Umweltkatastrophen). Arbeitswanderungen (oder besser \u00f6konomisch bedingte Wanderungen) liegen vor, wenn durch die Migration das &#150; mehr oder weniger frei bestimmte &#150; Ziel einer Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde durch z.B. Arbeitsaufnahme, Ausbildung oder unternehmerisches Handeln in einem anderen Land oder Gebiet erreicht werden soll. In Folge von Flucht- und Arbeitswanderungen, die zun\u00e4chst tempor\u00e4r geplant waren, sich jedoch zu dauerhafter Niederlassung im Zielland der Migration verfestigten, treten Wanderungen zum Zweck der Familienzusammenf\u00fchrung auf. Remigration ist schlie\u00dflich die tempor\u00e4re oder dauerhafte R\u00fcckkehr in das Herkunftsland.<\/p>\n<h5><span id=\"migrations-und-integrationsprozesse\">Migrations- und Integra&shy;ti&shy;ons&shy;pro&shy;zesse<\/span><\/h5>\n<p>Die m\u00f6glichen Migrationsursachen k\u00f6nnen unterschiedlich sein. Es \u00e4hneln sich jedoch die jeweiligen Migrations- und Integrationsabl\u00e4ufe: Sie bilden ein proze\u00dfhaftes Geschehen, das den Entschlu\u00df, von einem Land oder Gebiet in ein anderes zu wandern, umfasst, dann den Akt des Wanderns selbst, die Wirkungen des \u00dcbergangs in ein fremdes Land oder Gebiet und die Folgen des \u00dcbergangs. Wenn auch Phasen innerhalb dieses Prozesses aufweisbar sind, so ist hiermit dennoch ein kontinuierlicher Differenzierungs- und Reintegrationsvorgang angesprochen. Auf personaler Ebene ver\u00e4ndern sich Existenzweisen (Hettlage-Varjas, A.\/Hettlage R. 1995: 15), auf gesellschaftlicher Ebene werden sozialer Wandel und Neustrukturierungen hervorgerufen.<br \/>In Migration- und Integrationsprozessen begegnen sich oft Menschen mit unterschiedlichem soziokulturellen Hintergrund. Erfolgreiche Integration setzt daher die Anerkennung und Akzeptanz von Verschiedenheiten voraus. F\u00fcr einen sozialen Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland sind dar\u00fcber hinaus aber auch Chancengleichheit (gleichf\u00f6rmige \u00f6konomisch und rechtliche Bedingungen) sowie ein Mindestrepertoire gemeinsam geteilter Normen und Werte unverzichtbar.<\/p>\n<p>R\u00fcsten (1996: 149\/150) empfiehlt zur \u00dcberwindung von Fremdenfeindlichkeit und konflikthafter ethnischer Differenz interkulturelle Kommunikation, der Gleichheit als Prinzip zu Grunde liegt und die ebenso um die wechselseitige Anerkennung von Differenz bem\u00fcht ist. &#132;So k\u00f6nnte auch eine zukunftstr\u00e4chtige Modifikation nationaler ldentit\u00e4t durch den Gesichtspunkt wechselseitiger Anerkennung von kultureller Differenz unter der Voraussetzung menschen- und b\u00fcrgerrechtlicher Gleichheit ein Konstrukt abgeben, dass die Zukunft der Modernisierung f\u00fcr sich h\u00e4tte&#148;.<\/p>\n<h5><span id=\"erklaerungsmodelle\">Erkl&auml;rungsmodelle<\/span><\/h5>\n<p>Wanderungen k\u00f6nnen politisch, \u00f6konomisch, \u00f6kologisch, demographisch oder soziokulturell veranla\u00dft sein, meist liegt jedoch ein multifaktorielles Ursachengeflecht zu Grunde. Zur Erkl\u00e4rung von bereits stattgefundener oder Absch\u00e4tzung zuk\u00fcnftiger Migration werden in formalen Wanderungsmodellen Wanderungsstr\u00f6me zwischen zwei Regionen in Verbindung mit den dort jeweils vorfindlichen sozialen, \u00f6konomischen oder demographischen Variablen betrachtet. Ereignisse wie Naturkatastrophen oder Kriege werden in formalen Modellen in der Regel nicht ber\u00fccksichtigt, obwohl damit politische und \u00f6kologische Verursachungen von Migration systematisch vernachl\u00e4ssigt werden. Variablen, die den Wanderer aus der Herkunftsregion &#132;absto\u00dfen&#148;, werden als Push -Faktoren, solche, die den Wanderer in das Zielland &#132;ziehen&#148;, als Pull -Faktoren bezeichnet. Es k\u00f6nnen auch intervenierende Variablen bestimmt werden, das sind vor allem &#132;Hindernisse&#148; oder &#132;Vorteile&#148;, die zwischen Herkunfts- und Zielort liegen. Gravitationsmodelle erachten den Wanderungsstrom zwischen zwei Regionen als direkt proportional zur entsprechenden Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe und als umgekehrt proportional zur Entfernung. Andere Modelle nehmen an, dass eine proportionale Beziehung zwischen den Wanderungsstr\u00f6men und den sich in der Zielregion bietenden M\u00f6glichkeiten (z.B. Arbeitsm\u00f6glichkeiten) sowie eine umgekehrt proportionale Beziehung zu intervenierenden Variablen (z.B. den zwischen Herkunfts- und Zielort vorfindliche Arbeitsplatzangebote) bestehen. Wahrscheinlichkeitsmodelle verbinden Migrationsentscheidungen mit verschiedenen pers\u00f6nlichen Eigenschaften der Migranten wie Alter, fr\u00fchere Wanderungen etc.<\/p>\n<h5><span id=\"dimensionen\">Dimensionen<\/span><\/h5>\n<p>Nach Angaben des UN-Hochkommissars f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge (UNHCR) befanden sich 1996 (alle Zahlen UNHCR: 1997) rund 26 Mio. Personen als Fl\u00fcchtlinge aus &#132;begr\u00fcndeter Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalit\u00e4t, Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen \u00dcberzeugung au\u00dferhalb des Landes, dessen Staatsangeh\u00f6rigkeit sie besitzen&#148; (Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention von 1951: Art. I A, 2), oder in einer fl\u00fcchtlings\u00e4hnlichen Situation im jeweiligen Krisengebiet. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der weltweit registrierten Fl\u00fcchtlinge mehr als verdoppelt, in Afrika verdreifacht, in Europa, insbesondere durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im fr\u00fcheren Jugoslawien, verzehnfacht. Es wird gesch\u00e4tzt, dass eine ebenso hohe Anzahl von Fl\u00fcchtlingen durch den UNHCR nicht erfa\u00dft wird.<br \/>Nur ein kleinerer Teil der im Ausland registrierten Fl\u00fcchtlinge findet in den wohlhabenden L\u00e4ndern Zuflucht, da sich die bedrohten Menschen vor allem in den unmittelbaren Nachbarregionen der Krisengebiete aufhalten. Die Zahl der in den Mitgliedsstaaten der EU sowie Schweiz und Norwegen insgesamt gestellten Asylantr\u00e4ge ist bis Anfang der 90er Jahre von rund 150.000 im Jahr 1987 auf knapp 700.000 im Jahr 1992 gestiegen, und hat sich danach bis 1994 wieder mehr als halbiert (328.000). Davon entfielen j\u00e4hrlich ein Drittel bis die H\u00e4lfte auf Deutschland. Die Zahl der Anerkennungen betr\u00e4gt im Durchschnitt rund 10 v.H., in Deutschland liegt sie erheblich unter dem Durchschnitt. Von 1990 bis 1994 konnten insgesamt knapp 200.000 Personen in den europ\u00e4ischen Staaten Asyl er-halten, und etwa ebenso vielen wurde ein Bleiberecht aus humanit\u00e4ren und \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden zuerkannt. \u00dcber 1,5 Mio. Asylantr\u00e4ge wurden abgelehnt (Deutschland: Anerkennungen 68.300, Ablehnungen 995.100).<br \/>Rund doppelt so hoch wie die Anzahl registrierter Fl\u00fcchtlinge ist die Zahl der Migrantinnen und Migranten, die auf der Suche nach Arbeit innerhalb und zwischen Regionen beziehungsweise Kontinenten wandern, wobei die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Zwang flie\u00dfend sind. Nach Angaben der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration (IOM) in Genf halten sich 1997 insgesamt rund 130 Mio. Menschen oder 2,2 v.H. der Weltbev\u00f6lkerung im Ausland auf: rund 45 Mio. &#132;legale&#148; Arbeitsmigrantinnen und -migranten, schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Nordamerika, Westeuropa, den bev\u00f6lkerungsarmen Golfstaaten sowie in den Wachstumsregionen Ost- und S\u00fcdostasiens. Rund ein Viertel der weltweit im Ausland lebenden Migrantinnen und Migranten (30 Mio.) h\u00e4lt sich nach Sch\u00e4tzungen, die auf selektiven Feldstudien basieren, &#132;illegal&#148; (die UN sprechen in ihrem neuen World Population Monitoring von &#132;documented&#148; und &#132;undocumented migrants&#148;, um eine normative Konnotation zu vermeiden; vgl. UN Commission on Population and Development 1997: 134 und 155) in den Ziell\u00e4ndern auf. Allein f\u00fcr die USA wird eine Zahl von ungef\u00e4hr 3,4 Mio. angenommen. Die weltweite Arbeitsmigration setzt sich aus zwei sehr unterschiedlichen Gruppen zusammen: zum einen die Gruppe der Experten, hochqualifizierter Spitzenkr\u00e4fte, Manager, Forscher und Techniker, zum anderen Hilfskr\u00e4fte in Landwirtschaft und Baugewerbe, f\u00fcr schmutzige, gef\u00e4hrliche und anstrengende T\u00e4tigkeiten und einfache Dienstleistungen in wohlhabenden L\u00e4ndern.<br \/>Die j\u00e4hrlichen Wanderungsstr\u00f6me aus Entwicklungsl\u00e4ndern sind nach Angaben der Weltbank (1995: 60ff.) derzeit im Verh\u00e4ltnis zur Gesamtbev\u00f6lkerung nicht gr\u00f6\u00dfer als in den fr\u00fchen siebziger Jahren, etwa ein Migrant pro 1000 Einwohner. Dennoch stieg die (absolute) Anzahl der Migrantinnen und Migranten Mitte der 90er Jahre auf einen historischen H\u00f6chst-stand. Insgesamt leben ungef\u00e4hr 2 v.H. der in Entwicklungsl\u00e4ndern geborenen Menschen nicht in ihrem Heimatland. Ungef\u00e4hr 2 bis 3 Mio. neuer Migrantinnen und Migranten wandern derzeit j\u00e4hrlich (legal und illegal) aus Entwicklungsl\u00e4ndern aus, von denen etwa die H\u00e4lfte in Industriel\u00e4nder geht. F\u00fcr die Industriel\u00e4nder bedeutet dies durchschnittlich 1,5 Einwanderer aus Entwicklungsl\u00e4ndern pro 1000 Einwohner im Jahr, genauso viel wie 1970. Zielgebiete innerhalb der Entwicklungsl\u00e4nder sind insbesondere die sogenannten &#132;Schwellenl\u00e4nder&#148; mit expandierenden \u00d6konomien und die bev\u00f6lkerungsarmen \u00d6lf\u00f6rder-L\u00e4nder des Mittleren Ostens (hier sind 60 bis 90 v.H. der arbeitenden Bev\u00f6lkerung ausl\u00e4ndischer Herkunft). In den G7-Staaten leben rund ein Drittel aller Migrantinnen und Migranten. Aufgrund der niedrigen Geburtenraten in den Industriestaaten geht ein wesentlicher Anteil des dort dennoch zu verzeichnenden, schwachen Anstiegs der Bev\u00f6lkerung auf Einwanderung zur\u00fcck (in Deutschland ist das Anwachsen der Bev\u00f6lkerung sogar ausschlie\u00dflich auf diesen Umstand zur\u00fcckzuf\u00fchren). Die Wanderungen zwischen den Industriel\u00e4ndern haben sich seit 1970 von 2,5 Migrantinnen und Migranten pro 1000 Einwohner auf 1,5 Migrantinnen und Migranten im Jahr 1990 vermindert.<br \/>Noch sind die internationalen Wanderungsbewegungen \u00fcberwiegend keine globale Angelegenheit. Die meisten Migrantinnen und Migranten verbleiben innerhalb ihrer Herkunftsregionen: Afrikanische Migrantinnen und Migranten ziehen gr\u00f6\u00dftenteils aus dem Inneren des Kontinents in andere afrikanische L\u00e4nder an den K\u00fcsten, w\u00e4hrend Arbeitskr\u00e4fte aus Asien nach Japan, Taiwan und Malaysia oder in den Mittleren Osten gehen. Nach Europa kommen Einwanderer aus ehemaligen Kolonien, aus Osteuropa und Nordafrika. In die USA wandern nicht nur Menschen aus dem benachbarten Mexiko und Zentralamerika, sondern aus einer Vielzahl weit entfernter L\u00e4nder, wie z.B. Philippinen, Korea, Vietnam, Indien oder China. Insgesamt sind derzeit etwa 45 Mio. Arbeitsmigrantinnen und -migranten au\u00dferhalb ihrer Herkunftsl\u00e4nder besch\u00e4ftigt, darunter allein rund 10 Mio. Russen in GUS-Staaten. Hinzu kommen insgesamt \u00fcber 50 Mio. Familienangeh\u00f6rige.<br \/>Perspektiven f\u00fcr die Zukunft<br \/>Mittelfristig erwartet das IIASA -Institut, Laxenburg, (IIASA 1996) einen Anstieg auf rund 4 Mio. Migrantinnen und Migranten j\u00e4hrlich, von denen etwa die H\u00e4lfte (knapp 2 Mio.) aus Asien abwandert, haupts\u00e4chlich nach Nordamerika und Japan\/Ozeanien, aber auch in GUS-L\u00e4nder und andere (ost-)europ\u00e4ische L\u00e4nder. F\u00fcr die L\u00e4nder der GUS und Osteuropa werden bis 2010 j\u00e4hrlich circa 500.000 Auswanderer erwartet, die haupts\u00e4chlich nach Westeuropa wandern d\u00fcrften; nach 2010 ist zu erwarten, da\u00df diese Region selbst zu einem (Netto-)Einwanderungsgebiet wird. Afrikanische Migrantinnen und Migranten (rund 1 Mio. j\u00e4hrlich) werden haupts\u00e4chlich nach West- und Osteuropa, rund ein F\u00fcnftel nach Nordamerika gehen. Die USA erwarten danach haupts\u00e4chlich Migrantinnen und Migranten aus Mittel-und S\u00fcdamerika (ungef\u00e4hr 1 Mio. j\u00e4hrlich) sowie aus Asien.<br \/>Insgesamt ist die Datenlage zu grenz\u00fcberschreitender Migration sehr unsicher, abweichende Sch\u00e4tzungen die Regel und die vermutete &#132;Dunkelziffer&#148; hoch. Wanderungen auf Grund von Familienzusammenf\u00fchrung sind, neben Flucht- und Arbeitsmigration, in vielen Ziell\u00e4ndern derzeit schon quantitativ am bedeutendsten (OECD 1995: 16); ihre Bedeutung d\u00fcrfte in Zukunft noch zunehmen, da in einem typischen Wanderungsmuster zun\u00e4chst Einzelpersonen (z.B. zur Arbeitsaufnahme) in ein anderes Gebiet oder Land wandern, mit Verfestigung des Aufenthaltes im Zielgebiet der Migration dann Familienangeh\u00f6rige nachgeholt werden oder auch im Herkunftsland nach Ehepartnern gesucht wird. Ebenfalls hoch d\u00fcrfte zuk\u00fcnftig der Umfang von R\u00fcckwanderungen sein, insbesondere bei urspr\u00fcnglich erzwungener Migration (Fluchtwanderungen).<br \/>Wanderungsbewegungen werden voraussichtlich weiterhin in gro\u00dfem Umfang stattfinden. Sie werden die soziale, \u00f6konomische und kulturelle Entwicklung in den Herkunfts- und Zielregionen wesentlich beeinflussen. Die Betroffenheit einzelner Regionen vom weltweiten Migrationsgeschehen kann allerdings erheblich variieren. Die Mitgliedsstaaten der EU insgesamt sind auf Grund ihrer geographischen Lage insbesondere von Wanderungen aus Mittelmeeranrainerstaaten (Maghreb, T\u00fcrkei) und aus Osteuropa betroffen. Die Wanderungsverflechtungen Deutschlands sind zus\u00e4tzlich durch die R\u00fcckwanderung &#8222;Volksdeutscher&#148; (Sp\u00e4taussiedler) aus Osteuropa gepr\u00e4gt.<\/p>\n<h5><span id=\"determinanten-zukuenftiger-wanderungsbewegungen\">Deter&shy;mi&shy;nanten zuk&uuml;nftiger Wande&shy;rungs&shy;be&shy;we&shy;gungen<\/span><\/h5>\n<p>Neben den bereits bestehenden Wanderungsverflechtungen zwischen einzelnen Regionen d\u00fcrften folgende Rahmenbedingungen das zuk\u00fcnftige Migrationsgeschehen bestimmen:<\/p>\n<p>1. Der Abstand zwischen Regionen mit hohem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Bev\u00f6lkerung und Regionen mit niedrigem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Bev\u00f6lkerung wird aller Voraussicht nach mittelfristig zunehmen.<br \/>Das Sozialprodukt und die Verteilung des Volkseinkommens klaffen im Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsl\u00e4ndern weit auseinander. Das Weltbruttosozialprodukt von rund 6000 Mrd. US-Dollar verteilte sich 1975 im Verh\u00e4ltnis von 4:1 auf Industrie- und Entwicklungsl\u00e4nder. Inzwischen hat es sich fast verdreifacht. Dabei wird die Kluft &#151; gerechnet pro Kopf der Bev\u00f6lkerung &#151; immer breiter. In den Industriestaaten werden pro Kopf der Bev\u00f6lkerung \u00fcber 20000 US-Dollar erwirtschaftet, in vielen L\u00e4ndern Afrikas und Asiens dagegen kaum 500 US-Dollar. Der Abstand zwischen dem reichsten und dem \u00e4rmsten F\u00fcnftel der Weltbev\u00f6lkerung hat sich von 30:1 im Jahre 1960 auf 61:1 im Jahre 1991 vergr\u00f6\u00dfert (UN Development Program 1994). Zwar verzeichnen einige Schwellenl\u00e4nder Asiens derzeit ein enormes Wirtschaftswachstum, doch nimmt der Abstand der \u00e4rmsten L\u00e4nder noch zu. Auch die OECD best\u00e4tigt diese Ungleich Entwicklung: In die Entwicklungsl\u00e4nder str\u00f6mt zwar insgesamt mehr Kapital aus den Industriestaaten, die \u00e4rmsten L\u00e4nder profitieren davon jedoch am wenigsten. So sind 1995 insgesamt etwa 239 Mrd. US-Dollar in die Entwicklungsl\u00e4nder geflossen (davon ungef\u00e4hr zwei Drittel privates Kapital), zu 80 v.H. allerdings in die zw\u00f6lf dynamischsten Schwellenl\u00e4nder. Gleichzeitig ist die staatliche Entwicklungshilfe der 21 im entwicklungspolitischen Ausschu\u00df der OECD vertretenen Industriel\u00e4nder real gesunken: Sie betr\u00e4gt derzeit nur noch 0,27 v.H. des BSP, den niedrigsten Wert seit Bestehen der Statistik (OECD 1997).<\/p>\n<p>2. Die den Weltbev\u00f6lkerungszuwachs bestimmenden Faktoren lassen sich aller Voraussicht nach nur mittel- bis langfristig in relevantem Ma\u00dfe beeinflussen, so da\u00df weiterhin mit einer rasch steigenden Weltbev\u00f6lkerung gerechnet werden mu\u00df, die sich regional zunehmend ungleicher verteilt.<br \/>Diese Entwicklung ist fast unvermeidlich, wie vor allem die Altersstruktur der Weltbev\u00f6lkerung zeigt: Die bereits erfolgten Geburten in vielen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas haben zur Folge, da\u00df in diesen Regionen derzeit fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung j\u00fcnger als 18 Jahre ist, also das f\u00fcr k\u00fcnftige Geburten relevante Alter erst noch erreicht. In Indien z.B. erh\u00f6hte sich die Zahl der Menschen innerhalb von zwei Generationen um \u00fcber das Vierfache: von etwa 200 Mio. 1930 auf rund 400 Mio. 1960, auf etwa 600 Mio. 1973, auf gegenw\u00e4rtig (1996) knapp 950 Mio. mit steigender Tendenz (nat\u00fcrliche Wachstumsrate 1,9 v.H.\/Jahr) in Richtung einer Milliarde nach der Jahrtausendwende. Die Weltbev\u00f6lkerung insgesamt wird aller Voraussicht nach weiter anwachsen: 1950 lebten auf der Erde rund 2,5 Mrd. Menschen, gegenw\u00e4rtig (1996) sind es knapp 5,8 Mrd. und bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts wird sich die Weltbev\u00f6lkerung auf gesch\u00e4tzte 9,4 Mrd. erh\u00f6hen, so die neueste Sch\u00e4tzung der UN Population Division, mittlere bzw. wahrscheinlichste Variante, vom November 1996. In der h\u00f6chsten Variante wird &#151; bei einem langsameren R\u00fcckgang der Fruchtbarkeitsrate &#151; im Jahr 2050 eine Bev\u00f6lkerungszahl von 11,1 Mrd. erwartet, in der niedrigen Variante 7,7 Mrd. Derzeit leben rund 85 v.H. der Weltbev\u00f6lkerung in Entwicklungsl\u00e4ndern; ihr Anteil wird in den n\u00e4chsten Jahrzehnten auf \u00fcber 90 v.H. ansteigen. In den L\u00e4ndern mit hohem Einkommen ist kaum nat\u00fcrliches Bev\u00f6lkerungswachstum mehr zu verzeichnen, sondern Stagnation und langfristig R\u00fcckgang. Tendenziell nimmt die Bev\u00f6lkerung in den wohlhabenden L\u00e4ndern ab, sie wird \u00e4lter und reicher und ist mit immer mehr Technik und Kapital ausgestattet; die Armen nehmen an Zahl weltweit zu, werden mittelfristig noch j\u00fcnger und im Vergleich zur wohlhabenden Bev\u00f6lkerung der Industriel\u00e4nder \u00e4rmer. Die Verkn\u00fcpfung dieser sozio\u00f6konomischen und demographischen &#132;Teilwelten&#148; durch Migrationsbewegungen ist wahrscheinlich.<\/p>\n<p>3. Die globale Informations- und Kommunikationsgemeinschaft f\u00fchrt tendenziell zur Aufhebung herk\u00f6mmlicher kultureller Grenzziehungen und die Verdichtung infrastruktureller (Verkehrs-)Netze erm\u00f6glicht zunehmende Mobilit\u00e4t.<br \/>Bev\u00f6lkerungswachstum, Armut, Kriege und Katastrophen k\u00f6nnen als wesentliche Push-Faktoren der gegenw\u00e4rtigen Wanderungsbewegungen betrachtet werden. Umgesetzt wer-den Wanderungsabsichten jedoch erst, wenn gewisse kulturelle und infrastrukturelle Voraussetzungen vorhanden sind. Menschen sind erst f\u00e4hig, ihre Region und Heimat zu verlassen, wenn die mentalen Voraussetzungen gegeben und Verkehrsmittel vorhanden sind. Das galt z.B. auch f\u00fcr die gro\u00dfen Auswanderungen aus Europa: die Verhei\u00dfung von Gl\u00fcck, Reichtum und Freiheit in Amerika war ebenso grundlegend wie der Ausbau der Schifffahrtslinien (Nicklas 1996: 179ff.). Nuscheler stellt diesbez\u00fcglich fest: &#132;Wir erleben au\u00dferdem (neben der Globalisierung der Finanz- und G\u00fcterm\u00e4rkte sowie der Agrar- und Dienstleistungsm\u00e4rkte) eine Globalisierung der Kommunikation, die Informationen, Bed\u00fcrfnis- und Konsummuster bis hin zu Modetrends und Essgewohnheiten in die letzten Winkel der Erde transportiert; sie droht als Transportmittel einer ,Allerweltskultur&#8216; alle kulturellen Identit\u00e4ten zu \u00fcberrollen und die Menschheit um den gr\u00f6\u00dften Reichtum ihrer kulturellen Evolution zu bringen. Die Globalisierung der Kommunikation transportiert Bed\u00fcrfnisse, animiert die ,Revolution der steigen-den Erwartungen&#8216; und schafft gewollte Konsum- und Kaufanreize, aber auch ungewollte Migrationsanreize, die durchaus vern\u00fcnftigen Wahlentscheidungen entspringen&#148; (Nuscheler 1995: 7). Betrachtet man z.B. die Entwicklung der Transport- und Kommunikationskosten im 20. Jahrhundert als Indikator f\u00fcr weltweite Kommunikation und Mobilit\u00e4t, so ist ein erheblicher Preisverfall festzustellen: G\u00fcter, Kapital, Menschen und Ideen bewegen sich heute schneller und billiger als je zuvor. Die Kosten f\u00fcr Seetransporte betrugen im Jahr 1960 weniger als ein Drittel ihres Niveaus von 1920, und sie sind seither weiter gefallen. Die Geb\u00fchren eines internationalen Telefongespr\u00e4chs sanken von 1940 bis 1970 um das Sechsfache und in den Jahren von 1970 bis 1990 nochmals um das Zehnfache.<\/p>\n<p>4. Das politische Ordnungsgef\u00fcge der internationalen Beziehungen ist nach der \u00dcberwindung des bipolaren Weltsystems in einer Phase der Neustrukturierung, die mittelfristig keine Abnahme von kriegerischen Konflikten erwarten l\u00e4\u00dft.<br \/>Die meisten der etwa 50 aktuell ausgetragenen bewaffneten Konflikte sind formell &#132;innerstaatliche&#148; Konflikte (Antiregime-Kriege) oder sind aus inneren Konflikten entstanden (Separationskriege) (Brock 1996: 27). Hinsichtlich der Ausl\u00f6sung von Flucht- und Zwangswanderungen sind ihre Folgen den zwischenstaatlichen Konflikten allerdings vergleichbar: Der Gro\u00dfteil der rund 50 Mio. Fl\u00fcchtlinge und Vertriebenen, die 1996 innerhalb von oder in andere Staaten gefl\u00fcchtet sind oder vertrieben wurden, sind unmittelbare Kriegsopfer. Obwohl der &#132;klassische&#148;, zwischenstaatliche Krieg eher selten geworden ist, dominiert dieser in den sicherheitspolitischen Konzepten.<\/p>\n<p>5. Neben einer Zunahme der Handels- und Kapitalstr\u00f6me zeichnet sich &#132;Globalisierung&#148; auch durch internationale Arbeitskr\u00e4ftewanderungen aus.<br \/>Diese haben nach Einsch\u00e4tzung der Weltbank einen hohen potentiellen Nutzen, sowohl f\u00fcr die Herkunfts- wie f\u00fcr die Ziell\u00e4nder der Migration: Zuwanderer erh\u00f6hen im Zielland oft die Produktivit\u00e4t und senken die Arbeitskosten. Au\u00dferdem transferieren sie Geld an zur\u00fcckgebliebene Verwandte und erh\u00f6hen so die Einkommen im (gew\u00f6hnlich \u00e4rmeren) Herkunftsland. Arbeitsmigrantinnen und -migranten senden etwa 75 Milliarden Dollar im Jahr nach Hause, was rund einem Drittel der Nettokapitalstr\u00f6me in die Herkunftsl\u00e4nder entspricht.<\/p>\n<h5><span id=\"handlungsansaetze\">Handlungsans&auml;tze<\/span><\/h5>\n<p>In Anbetracht der beschriebenen Dimensionen weltweiter Wanderungen und des zu erwartenden weiterhin hohen Umfangs internationaler Migration sind politische Bew\u00e4ltigungsstrategien dringend geboten, die zun\u00e4chst eine realistische Lagebeurteilung erfordern. Dazu geh\u00f6rt z.B. die Bereitschaft, zur Kenntnis zu nehmen, da\u00df, auch wenn sich der Anteil von Migranten an der Weltbev\u00f6lkerung nicht erh\u00f6ht, ihre absolute Anzahl bis zum Jahr 2010 auf mindestens 140 Mio., bis 2025 auf etwa 170 Mio. zunehmen wird. Davon wird ein steigender Anteil &#132;illegal&#148; in den Ziell\u00e4ndern leben, insbesondere wenn der Tatsache weltweiter Migration allein mit versch\u00e4rften Restriktionen begegnet werden sollte, und weiterf\u00fchrende Strategien ausgespart bleiben. Grunds\u00e4tzlich kann der weltweiten Migration auf zwei Ebenen begegnet werden: Zum einen kann versucht werden, pr\u00e4ventiv Migrationsanreize und -ursachen zu vermindern. Dazu geh\u00f6rt zuerst der Stop, perspektivisch ein Ausgleich der wachsenden sozio\u00f6konomischen Disparit\u00e4ten; es kann dazu auch erforderlich sein, traditionelle \u00d6konomien zu st\u00e4rken und an bestehende soziale und kulturelle Strukturen anzukn\u00fcpfen. Dar\u00fcber hinaus l\u00e4\u00dft die Verschr\u00e4nkung der sozio\u00f6konomischen und demographischen Entwicklungen eine Abschw\u00e4chung des Bev\u00f6lkerungszuwachs nur erwarten, wenn sich die Lebensbedingungen in Staaten mit jungen Altersstrukturen und hohen Geburtenraten gleichm\u00e4\u00dfig verbessern. Die &#132;Pr\u00e4mien&#148; auf die Erweiterung der Familienarbeitskraft sowie auf die oftmals einzige Chance auf Sicherung im Alter lassen nach wie vor die Geburt von Kindern in verelendeten, st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Schichten zahlreicher Entwicklungsl\u00e4ndern als eine rationale, individuelle \u00dcberlebensstrategie erscheinen (K\u00f6\u00dfler, R.\/Schiel, T. 1996). Weiterhin ist die Beeinflussung des reproduktiven Verhaltens in Regionen mit hohen Geburtenzahlen dringlich. Hierbei sind Familienplanungsprogramme verst\u00e4rkt auf M\u00e4nner als Zielgruppe auszurichten (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr die Vereinten Nationen 1995: 40). Wie aus Befragungen in L\u00e4ndern mit sehr hohen Geburtenzahlen deutlich wird, k\u00f6nnte in diesen L\u00e4ndern die Geburtenzahl um ein Viertel bis die H\u00e4lfte niedriger sein, wenn die Kinderzahlen von Frauen und M\u00e4nnern nur gleich w\u00e4ren. Insgesamt ist eine St\u00e4rkung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Position von Frauen zu f\u00f6rdern sowie Kinderarbeit konsequent zu bek\u00e4mpfen. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten derzeit weltweit 73 Mio. Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren regelm\u00e4\u00dfig; bei Ber\u00fccksichtigung der Besch\u00e4ftigung im h\u00e4uslichen Rahmen d\u00fcrfte diese Zahl bei \u00fcber 100 Mio. liegen. Die Einbindung von Kindern, insbesondere auch von M\u00e4dchen, in (Aus-)Bildungssysteme ist zu erh\u00f6hen. So erhalten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den 69 \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt nur ungef\u00e4hr 15 bis 30 v.H. der Heranwachsenden eine weiterf\u00fchren-de Schulbildung, davon sind lediglich rund 10 v.H. M\u00e4dchen. Eine Migrationsursachen vorbeugende Sicherheitspolitik ist einerseits auf die Einhaltung von Menschenrechten zur Erh\u00f6hung der inneren Herrschaftslegitimation auszurichten (denn illegitime Herrschaftssysteme behindern die jeweilige nationale Integration), andererseits sind im Krisenfalle wirkungsvolle Sanktion &#8211; und Interventionsmittel der Weltgemeinschaft notwendig, um pr\u00e4ventiv eingreifen zu k\u00f6nnen.<br \/>Dennoch wird es zu weiteren, auch ungew\u00fcnschten, Wanderungen kommen. Daher sind solche Ma\u00dfnahmen zur Verhinderung von Migrationsursachen und zur Verminderung von Migrationsanreizen zu erg\u00e4nzen um Regelungen, welche erm\u00f6glichen, die bestehenden und zu erwartenden Migrationsbewegungen sowohl f\u00fcr die betroffenen Migranten ertr\u00e4glich als auch den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in den Ziell\u00e4ndern ad\u00e4quat zu gestalten.<br \/>Die Bev\u00f6lkerungskonferenz in Kairo (1994) hat deutlich gemacht, da\u00df zu hohes Bev\u00f6lkerungswachstum, vor allem in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern, eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren ausreichender Entwicklung ist. Trotz der einvernehmlich verabschiedeten Resolution besteht allerdings die Gefahr, dass aufgrund fehlender internationaler Kontroll- und Sanktionsgewalt die wichtigsten Ma\u00dfnahmen gegen das Bev\u00f6lkerungswachstum in den einzelnen Staaten nicht umgesetzt werden. Auch die Beschl\u00fcsse des Weltgipfels f\u00fcr soziale Entwicklung in Kopenhagen (1995) \u00e4hneln eher einem Wunschprogramm denn konkreter Politik. Weder Industrie- noch Entwicklungsl\u00e4nder haben sich zu Ma\u00dfnahmen verpflichtet, mit denen die Ursachen von Migration, Kriegen und Umweltzerst\u00f6rung zu beseitigen w\u00e4ren. Dies gilt sicherlich auch f\u00fcr die praktischen Ergebnisse der Menschenrechtskonferenz in Wien (1993), auf welcher der Gedanke universeller Menschenrechte zwar ausf\u00fchrlich diskutiert und prinzipiell anerkannt wurde, was jedoch bislang nicht an konkreten Fortschritten bei der Eind\u00e4mmung von Menschenrechtsverletzungen zu erkennen ist. So res\u00fcmiert Hauchler (1996: S. 14) &#132;Die globalen Konferenzen der vergangenen Jahre waren ein Schritt in die richtige Richtung. Ihre Wirkung aber ist zweischneidig. Sie haben weltweit das Bewu\u00dftsein der globalen Risiken verst\u00e4rkt. Aber immer neue Resolutionen, die das Richtige sagen, jedoch unverbindlich bleiben, bergen die Gefahr, dass die Menschen das Vertrauen verlieren, die globalen Probleme seien noch zu l\u00f6sen und Staaten wieder zunehmend in nationalen Alleing\u00e4ngen Zuflucht suchen.&#148;<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>Aktionsprogramm der Internationalen Konferenz \u00fcber Bev\u00f6lkerung und Entwicklung (ICPD) (1994): hrsg. v. Deutsche Gesellschaft f\u00fcr die Vereinten Nationen, Bonn<br \/>Brock, L. (1996): Gewalt in den internationalen Beziehungen, in: Meyer, B. (Hrsg.), Eine Welt oder Chaos? Frankfurt a. M.<br \/>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr die Vereinten Nationen (1995): Weltbev\u00f6lkerungsbericht 1995, Bonn<br \/>Grohmann, K(1996): Einf\u00fchrung zur 66. Jahreshauptversammlung der Deutschen Statistischen Gesellschaft, in: Allgemeines Statistisches Archiv, 1\/96, G\u00f6ttingen<br \/>Haedrich, M.\/Ruf, W. (Hrsg.)(1996): Globale Krisen und europ\u00e4ische Verantwortung &#151; Visionen f\u00fcr das 21. Jahrhundert, Baden-Baden<br \/>Hauchler, L (Hrsg.)(1995): Globale Trends 1996, Frankfurt a.M.<br \/>Heitmeyer, W. (Hrsg.)(1996): Die bedr\u00e4ngte Toleranz, Frankfurt a.M.<br \/>Hettlage-Varjas, A.\/Hettlage, R. (1995): \u00dcbergangsidentit\u00e4ten im Migrationsproze\u00df, in: Zeitschrift f\u00fcr Frauenforschung, 3\/95, Bielefeld<br \/>Internationale Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung\/Weltbank (1995): Weltentwicklungsbericht 1995, Arbeitnehmer im weltweiten Integrationsprozess, Bonn<br \/>International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) (1996): J\u00e4hrliche Wanderungen 1990-2030, Laxenburg<br \/>International Organization for Migration (IOM) (1997): Schriftliche Auskunft vom 11.04. 1997, Genf<br \/>K\u00f6\u00dfler, R.\/Schiel, T. (1996): Auf dem Weg zu einer kritischen Theorie der Modernisierung, Frankfurt a.M.<br \/>Meyer, B. (Hrsg.) (1996): Eine Welt oder Chaos? Frankfurt a.M.<br \/>Nicklas, H. (1996): Das Phantom des &#132;Kampfs der Kulturen&#148;, in: M. Haedrich\/4V. Ruf (Hrsg.), Globale Krisen und europ\u00e4ische Verantwortung-Visionen f\u00fcr das 21. Jahr-hundert, Baden-Baden<br \/>Nuscheler, F. (1995): Von der Globalisierung der M\u00e4rkte zu neuen Weltordnungen? &#151; M\u00f6glichkeiten der Zivilisierung von Konflikten-Chancen einer Co-evolution der Kulturen (Vortrag zum 7. Kempfenhausener Gespr\u00e4ch, 19. bis 21. Mai 1995) Kempfenhausen<br \/>OECD (1995): SOPEMI &#151; Trends in international migration, Paris<br \/>OECD (1997): Bericht des entwicklungspolitischen Ausschusses, Paris<br \/>R\u00fcsen, J. (1996): Kollektive Identit\u00e4t und ethnischer Konflikt im Proze\u00df der Modernisierung, in: Die bedr\u00e4ngte Toleranz, hrsg. von W. Heitmeyer u.a., Frankfurt a.M.<br \/>UN Commission on Population and Development (in Vorbereitung): World Population Monitoring 1997, New York<br \/>UN Development Program (1994): Human Development Report, New York<br \/>UNHCR (1997): Statistik, Bonn<br \/>UN Population Division (1996): 1996 Revision, New York<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[817,667],"autoren":[415],"publikationen":[1044],"class_list":["post-12456","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-migrantinnen","tag-vorgaenge-artikel","autoren-kai-uwe-beger","publikationen-vorg-139"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Weltweite Migration - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-139\/publikation\/weltweite-migration\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Weltweite Migration - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Hintergr\u00fcnde &#151; Perspektiven f\u00fcr die Zukunft aus: vorg\u00e4nge Nr. 139 (Heft 3\/1997), S. 9-16 Migration begleitete immer schon die Geschichte der Menschheit. 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