{"id":12602,"date":"1977-01-28T15:19:00","date_gmt":"1977-01-28T14:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/ueber-ein-gebrochenes-beziehungsweise-ungebrochenes-geschichtsbewusstsein\/"},"modified":"2021-08-24T21:47:12","modified_gmt":"2021-08-24T19:47:12","slug":"ueber-ein-gebrochenes-beziehungsweise-ungebrochenes-geschichtsbewusstsein","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/ueber-ein-gebrochenes-beziehungsweise-ungebrochenes-geschichtsbewusstsein\/","title":{"rendered":"\u00dcber ein &#8222;gebrochenes&#8220; beziehungsweise &#8222;ungebrochenes&#8220; Geschichtsbewu\u00dftsein"},"content":{"rendered":"<p>Aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S.25-32<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"von-konservativer-seite-wird-in-juengster-zeit-immer-wieder-nach-einem-ungebrochenen-geschichtsbewusstsein-gerufen-und-vor-allem-den-sozialdemokraten-vorgeworfen-sie-haetten-nur-ein-gebrochenes-verhaeltnis-zur-deutschen-vergangenheit-aber-fragt-hans-robinsohn-ist-angesichts-der-vielfaeltigen-gebrochenheit-unserer-geschichte-ein-solches-ungebrochenes-bewusstsein-von-ihr-ueberhaupt-erlaubt-und-wahrhaftig\">Von konser&shy;va&shy;tiver Seite wird in j&uuml;ngster Zeit immer wieder nach einem &bdquo;unge&shy;bro&shy;chenen&rdquo; Geschichts&shy;be&shy;wu&szlig;t&shy;sein gerufen und vor allem den Sozial&shy;de&shy;mo&shy;kraten vorgeworfen, sie h&auml;tten nur ein &bdquo;gebro&shy;chenes&rdquo; Verh&auml;ltnis zur deutschen. Vergan&shy;gen&shy;heit. Aber, fragt Hans Robinsohn, ist angesichts der vielf&auml;l&shy;tigen Gebro&shy;chen&shy;heit unserer Geschichte ein solches &bdquo;unge&shy;bro&shy;chenes&rdquo; Bewu&szlig;tsein von ihr &uuml;berhaupt erlaubt und wahrhaftig?<\/span><\/h2>\n<p><b>Geschichte &#8211; &#8222;Sinngebung des Sinnlosen&#8221;<\/b><\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>Wenn heute immer wieder von einem gef\u00e4hrdeten Geschichtsbewu\u00dftsein gesprochen wird, wenn insbesondere bestimmten Kreisen, Personen, Gruppen vorgeworfen wird, sie h\u00e4tten ein &#8222;gebrochenes Geschichtsbewu\u00dftsein&#8221;, sollte einmal untersucht werden, was das eigentlich ist oder sein kann: ein Geschichtsbewu\u00dftsein.<br \/>Geschichte ist ein geistiges Produkt. Es ist die Betrachtung und die Darstellung einer ungeheuren Ansammlung von fr\u00fcherem, von unab\u00e4nderlichem oder als unab\u00e4nderlich empfundenem Geschehen. Dabei wird in solchen Darstellungen oft angenommen, alles Fr\u00fchere l\u00e4ge dem Sp\u00e4teren zugrunde, alles Sp\u00e4tere folge aus dem Fr\u00fcheren. Das ist die Verf\u00fchrung, aus einer Zeitfolge ohne weiteres eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu machen. Kausalit\u00e4tsverkn\u00fcpfungen ergeben sich jedoch nicht aus dem Stoff der Geschichte, also den \u00fcberlieferten Geschehnissen. Sie sind eine notwendige Voraussetzung, wenn man diesen Stoff \u00fcber einen Zeitablauf hinaus geordnet darstellen will. Ein Ereignis, ohne seine Entstehungsgr\u00fcnde und ohne seine Folgen mitgeteilt, ist nicht etwa ein Teilchen von Geschichte. Dazu wird es erst durch einen Zusammenhang mit Fr\u00fcherem und Sp\u00e4terem, mit ganzen Komplexen von Ursachen und Wirkungen. Dieser Zusammenhang ergibt sich vermittels einer Deutung. So trifft der Titel des Buches von Theodor .Lessing: Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen, das Problem genau. Die Unzahl der Ereignisse ist ohne Sinn; der Sinn ergibt sich erst aus der Gewichtung und Ordnung des Materials, was nur durch eine Deutung der Zusammenh\u00e4nge m\u00f6glich wird.<br \/>Der Historiker als ein Deuter ist dabei allerdings nicht frei, sondern dem Ethos der Wissenschaft verpflichtet, nach Erkenntnis der Wirklichkeit zu streben. Will er diese Erkenntnis durch seine Deutung vermehren, dann darf er nichts verschweigen und nichts zurechtbiegen, um seine These etwa \u00fcberzeugender, seine Folgerungen schl\u00fcssiger zu machen Obwohl es keine historische Wahrheit geben kann &#8211; im Sinne des &#8222;Wie es wirklich gewesen ist&#8221;&#8218; mu\u00df er ein leidenschaftlicher Wahrheitssucher sein; ein sch\u00f6pferischer Wissenschaftler &#8211; kein Politiker!<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"bewusstsein-des-zusammenhangs\">Bewu&szlig;tsein des Zusam&shy;men&shy;hangs<\/span><\/h2>\n<p>2.<\/p>\n<p>Geht man von dieser Auffassung von Geschichte aus, dann ist Geschichts bewu\u00dftsein nichts anderes, als da\u00df einem bewu\u00dft ist, wie das, was fr\u00fcher war, sich fr\u00fcher ereignete, mit dem zusammenh\u00e4ngt, was sp\u00e4ter folgte und was heute ist. Dieses Bewu\u00dftsein bezieht sich meistens auf die Vergangenheit eines Teilgebiets, auf eine Stadt, auf ein Volk, auf einen Staat oder eine Region. Auch bezieht es sich zumeist auf einen einzelnen Zeitabschnitt, wie die zwei oder drei vergangenen Jahrhunderte, oder auf das Zeitalter der Entdeckungen, auf die Renaissance oder auf die Zeit des Absolutismus. Wer sich nun dessen bewu\u00dft wird oder ist, da\u00df er und seine Gruppe, sein Volk oder gar seine Zeitgenossenschaft in die Zusammenh\u00e4nge mit Vergangenem eingebunden ist, der hat ein Geschichtsbewu\u00dftsein.<br \/>Was hat er damit wirklich? Was bringt die Kenntnis der vermuteten Zusammenh\u00e4nge mit sich, die stets nur ann\u00e4herungsweise eine Erkenntnis der Wirklichkeit sein kann? Man wird davon nicht besser, weiser, st\u00e4rker oder zielbewu\u00dfter. Im Gegenteil &#8211; allzu starke Besch\u00e4ftigung mit der Vergangenheit, eine wachsende Hinneigung zu der einen oder anderen Sinngebung, eine \u00fcberhandnehmende Tendenz zum Historismus bringt eher die Gefahr n\u00e4her, handlungsschwach, urteilsunf\u00e4hig zu werden. ( Man lese dazu Nietzsches zweite &#8222;Unzeitgem\u00e4\u00dfe Betrachtung&#8220;!)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"welchen-nutzen-hat-geschichte\">Welchen Nutzen hat Geschichte?<\/span><\/h2>\n<p>Die Frage nach dem Nutzen der Geschichte &#8211; dies Wort von allen seinen kommerziellen Ankl\u00e4ngen befreit &#8211; ist meist irref\u00fchrend und unbefriedigend beantwortet worden. Goethes Wort zum Beispiel, das Beste an der Geschichte sei &#8222;der Enthusiasmus, den sie erzeugt!&#8220;, haftet ganz an Geschichte als Erz\u00e4hlung von gro\u00dfen M\u00e4nnern und Taten, an der, wie Nietzsche formuliert, &#8222;monumentalischen&#8221; Geschichte. Sie mag den Einzelnen erheben, aber mit Geschichtsbewu\u00dftsein ist wohl doch nicht die Anfeuerung des Tatendrangs durch die Besinnung auf gro\u00dfe M\u00e4nner gemeint.<br \/>Durch Geschichtsbewu\u00dftsein soll ein klareres Urteil \u00fcber Politik vermittelt werden. Man soll durch es die Wurzeln seiner Existenz kennen und sch\u00e4tzen lernen, und dadurch an Kraft gewinnen. Aus der Geschichte soll man lernen, wie man politisch zu entscheiden und zu handeln hat. Jedoch &#8211; die Lehren der Geschichte sind die Lehren, die wir in sie hinein-interpretieren. Sie ergeben sich aus den Sinnzusammenh\u00e4ngen, die wir zu erkennen vermeinen und die uns durch &#8222;Deutung&#8221; nahegebracht werden. Es gibt aber stets verschiedene Deutungen, und jeder sucht sich diejenige aus, die ihm einleuchtet, die ihm also gem\u00e4\u00df ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"das-subjektive-element\">Das subjektive Element<\/span><\/h2>\n<p>Die Geschichte lehrt uns also nur das, was wir zu lernen verm\u00f6gen, was uns einsehbar ist und uns \u00fcberzeugt. Geschichtliche Wahrheit als Wiedergabe faktischer Wirklichkeit ist unerreichbar, &#8211; man h\u00e4lt f\u00fcr wahr, was man versteht, und man versteht das am besten, was einem am n\u00e4chsten liegt. Das hat Griliparzer mit dem bei Nietzsche zitierten Satz gemeint: &#8222;Was ist denn Geschichte anders als die Art, wie der Geist des Menschen die ihm undurchdringlichen Begebnisse aufnimmt, das, wei\u00df Gott ob Zusammengeh\u00f6rige verbindet, das Unverst\u00e4ndliche durch etwas Verst\u00e4ndliches ersetzt!&#8221; Auch Schiller erw\u00e4hnt dies subjektive Element, wenn er sagt, da\u00df sich dem Historiker jede Erscheinung &#8222;zu einem \u00fcbereinstimmenden Ganzen &#8211; das freilich nur in seiner Vorstellung vorhanden ist &#8211; als ein passendes Glied einreiht&#8221;.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"was-heisst-ungebrochenes-geschichtsbewusstsein\">Was hei&szlig;t &bdquo;unge&shy;bro&shy;chenes&rdquo; Geschichts&shy;be&shy;wu&szlig;t&shy;sein?<\/span><\/h2>\n<p>3.<\/p>\n<p>Diese die Geschichtserkenntnis relativierende Betrachtungsart schlie\u00dft ein politisierendes Geschichtsbewu\u00dftsein aus, das vorgibt, objektiv richtig und geeignet zu sein, aus ihm politische Konsequenzen zu ziehen. Bezeichnenderweise lassen sich die konservativen Rufer nach Geschichtsbewu\u00dftsein nur wenig \u00fcber den Inhalt dieses Bewu\u00dftseins aus. Was ist ihnen denn bewu\u00dft? Wie sehen sie die Geschichte zum Beispiel des deutschen Volks? Welche Deutung haben sie daf\u00fcr, da\u00df das deutsche Volk viel sp\u00e4ter als seine Nachbarn einen Nationalstaat bildete und ihn nach knapp drei Generationen wieder verlor &#8211; als einziges der europ\u00e4ischen V\u00f6lker? Oder besch\u00e4ftigt sie diese Frage garnicht? (Es ist ja entscheidend, welche Fragen man stellt, wenn man auf Antworten wartet.) Gen\u00fcgt es ihnen daher, affirmativ alles gut zu hei\u00dfen, was gewesen ist, in einer Verpiattung Hegels ein Geschichtsbewu\u00dftsein zu pflegen und anzupreisen, nach dem alles Gewesene wertvoll ist, eben weil es war?<br \/>Nur etwas derartiges kann man sich bei dem Schlagwort vom &#8222;ungebrochenen Geschichtsbewu\u00dftsein&#8221; vorstellen. Wer die Vergangenheit undifferenziert bejaht, wer es ablehnt, sie durch das Prisma der Kritik zu betrachten, der sieht sie eben ungebrochen. Wer dagegen eine pessimistisch-skeptische Einstellung bevorzugt und vorgibt, keine Entwicklung erkennen zu k\u00f6nnen, hat \u00fcberhaupt kein Geschichtsbewu\u00dftsein, weil ihm die geschichtlichen Abl\u00e4ufe als naturhaft vorgegeben erscheinen &#8211; der Mensch ist nun einmal b\u00f6se, Kriege wird es immer geben!<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"patriotismus-ohne-verdraengung-der-eigenen-schattenseiten\">Patri&shy;o&shy;tismus ohne Verdr&auml;ngung der eigenen Schat&shy;ten&shy;seiten<\/span><\/h2>\n<p>Eine so positive Hinwendung zur Vergangenheit des eigenen Volkes, wie sie die Propagandisten eines &#8222;ungebrochenen Geschichtsbewu\u00dftseins&#8221; zu besitzen vorgeben, preisen und f\u00f6rdern wollen, ist jedoch im h\u00f6chsten Ma\u00df k\u00fcnstlich, wirklichkeitsfremd und gerade daher, wor\u00fcber noch zu sprechen sein wird, das Erbe einer schlechten politischen Tradition. Das Vaterlandsgef\u00fchl anderer Nationen beweist sich darin, da\u00df alle Perioden des geschichtlichen Werdens zusammengenommen ein Gef\u00fchl der Zuneigung, des Stolzes und der Bewunderung erzeugen, wobei die Schw\u00e4chen und Fehlleistungen keineswegs unterdr\u00fcckt werden, Franzosen zum Beispiel sch\u00e4tzen das Zeitalter Ludwigs XIV als Vorherrschaft franz\u00f6sischer Sprache, Dichtung und Sitten in ganz Europa bis zu fernen Ru\u00dfland. Sie bewundern die gro\u00dfe Revolution mit ihren Ideen von Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit genauso wie die Siegesz\u00fcge Napoleons und seiner Marsch\u00e4lle. Aber man ist in Frankreich weit davon entfernt, die Schattenseiten seiner Geschichte zu verbergen, die schreienden Ungerechtigkeiten und sozialen Mi\u00dfst\u00e4nde w\u00e4hrend der absoluten Monarchie, die Schrecken des Jakobinertums und der kurzen Zeit des Terrors (wenige Monate, verglichen mit zw\u00f6lf Jahren Hitler-Tyrannei!), Man verdr\u00e4ngt dort ebenso wenig die Fassadenherrlichkeit und Korruption der Zeit Napoleon III oder mancher Perioden der dritten Republik, Kurz: Kritik an der Vergangenheit gilt nicht als Nestbeschmutzung!<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-lebensluege-der-konservativen\">Die Lebensl&uuml;ge der Konser&shy;va&shy;tiven<\/span><\/h2>\n<p>4.<\/p>\n<p>Unseren Konservativen hingegen ist ein partielles Geschichtsbewu\u00dftsein zu eigen: Gut war stets nur das, was von den &#8222;Oberen&#8221; kam, seien es nun Lehnsherren und der Adel, oder die Landesf\u00fcrsten, die K\u00f6nige und Herz\u00f6ge, oder schlie\u00dflich die Feldherren und Minister. Die ganze vaterl\u00e4ndische Geschichtsschreibung ist eine ungebrochene Verf\u00e4lschung der Vergangenheit. Dies ungebrochene Geschichtsbewu\u00dftsein existiert nur aufgrund einer Lebensl\u00fcge, die da sagt, da\u00df alle Fehlschl\u00e4ge in der Geschichte des deutschen Volkes von Fremden, von b\u00f6sen Feinden (besonders inneren), von Verschw\u00f6rungen ausw\u00e4rtiger Staaten oder geheimnisvoller M\u00e4chte verursacht waren. Selbstkritik ist ausgeschlossen!<br \/>Auch diese Vergangenheitsbetrachtung ist eine Art der Deutung, aber eine, die geflis-sentlich alles ignoriert, was sich nicht in die konservative Geschichtsauffassung integrieren l\u00e4\u00dft. Ein ungebrochenes Ja zur deutschen Vergangenheit ist nur denkbar bei gr\u00f6\u00dfter Vergewaltigung des Erinnerungsverm\u00f6gens. Denn niemand auf der rechten Seite des politischen Spektrums geht wirklich so weit, auch die Jahre von 1933 bis 1945 \u00fcber-wiegend positiv zu werten. Die deutsche Rechte distanziert sich, von einigen Extremgruppen abgesehen, vom Nationalsozialismus. Sie m\u00f6chte ihn am liebsten aus der Geschichte ausklammern und Hitler sowie alle die Seinen zu historischen &#8222;Unpersonen&#8221; machen. Da das nicht m\u00f6glich ist, versucht man, diese Periode zu verdr\u00e4ngen, aus der Erinnerung auszul\u00f6schen. Entweder bagatellisiert man sie als Betriebsunfall der deutschen Geschichte, was immer das sein mag. Oder man bezeichnet sie als einen r\u00e4tselhaften Akt der Vorsehung, womit man ihr jedwede Rationalit\u00e4t und politische Bedeutung entzieht.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"unkritisches-bwusstsein\">Unkri&shy;ti&shy;sches Bwu&szlig;tsein<\/span><\/h2>\n<p>\u00c4hnliche Techniken wendet man auch auf fr\u00fchere Perioden an. Im Verh\u00e4ltnis zur wilhelminischen Zeit verharrt man gern auf den Thesen aus der Weimarer Zeit. Man leugnet insbesondere das Ausma\u00df der deutschen Verantwortung f\u00fcr das Zustandekommen und den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Man bestreitet die imperialistischen Kriegsziele des Deutschen Reichs. Die geh\u00e4ssige nationalistische Reaktion auf die Forschungs-arbeiten von Fritz Fischer zeigte, wie erstarrt das unkritische Bewu\u00dftsein war und ist. Auch heute wird noch vielfach angenommen und verbreitet, da\u00df Deutschland 1918 &#8222;im Felde unbesiegt&#8221; war. Kritik an der deutschen Kriegf\u00fchrung und Friedenszielpolitik ist dem historisch ungebrochenen Bewu\u00dftsein entzogen.<br \/>Ebenso unkritisch wird auch die These weiter aufrechterhalten, der Versailler Vertrag sei ein, wenn nicht der alleinige Hauptfaktor f\u00fcr die Entwicklung zum Dritten Reich. Schlie\u00dflich r\u00fchmt man die unvergleichlichen milit\u00e4rischen Leistungen der deutschen Armeen in zwei Weltkriegen. H\u00e4tten wir nur ein ganzes Rudel von Rudeln gehabt, wer wei\u00df, dann w\u00e4re vielleicht der Zweite Weltkrieg gar nicht verloren worden.<br \/>Sieht man genauer hin, enth\u00fcllt sich, wie unecht dies Geschichtsbewu\u00dftsein ist. Da sucht man sich aus, was einem pa\u00dft, und verarbeitet die Geschehnisse der Vergangenheit unbek\u00fcmmert und gewaltt\u00e4tig, indem man einfach alles umdeutet oder wegl\u00e4\u00dft, was nicht zu dem deutschnationalen Weltbild pa\u00dft.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"geschichtsbewusstsein-fuer-politische-zwecke-propaganda\">Geschichts&shy;be&shy;wu&szlig;t&shy;sein f&uuml;r politische Zwecke &ndash; Propaganda<\/span><\/h2>\n<p>5.<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigung mit Geschichte, Sinngebung der Vergangenheit ist notwendig. Ohne sie fehlt eine wesentliche Orientierungsm\u00f6glichkeit. Aber wir brauchen ein Geschichts-bewu\u00dftsein, das nicht &#8222;von der Parteien Gunst und Ha\u00df verwirrt&#8221; ist, oder das als Argumentenkiste f\u00fcr politische Zwecke funktioniert. Wer z.B. heute das Ende der Weimarer Republik nicht dem Rechtsradikalismus, sondern mitentscheidend dem Linksradikalismus zur Last legt, argumentiert politisch, jedoch mit dem Anspruch, damit eine geschichtlich &#8222;wahre&#8221; Erkenntnis zu vertreten. Ja, wenn es so einfach w\u00e4re! Die Ursachen eines so komplexen Ph\u00e4nomens, wie es die faktische Abl\u00f6sung eines liberalen Staatswesens durch eine autorit\u00e4re Tyrannei ist, sind entsprechend vielf\u00e4ltig, und nur eine bis zur F\u00e4lschung gehende Vereinfachung kann es sich so leicht machen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"erkenntnis-und-kritik\">Erkenntnis und Kritik<\/span><\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu solchen historisch kost\u00fcmierten Propagandast\u00fccken Erkenntnis steht ein Geschichtsbewu\u00dftsein, das sich um Erkenntnis bem\u00fcht, und das und Kritik garnicht anders als kritisch sein kann, wenn es mit der F\u00fclle vorhandener Materialien, wirklichen und behaupteten Fakten konfrontiert ist. Nur eine Orientierung durch viele verschiedene Quellen, vermittels h\u00f6chst verschiedener Methoden, unter Heranziehung auch der Erkenntnism\u00f6glichkeiten vieler anderer Wissenschaften, wie z.B. der Soziologie und der Psychologie, nur eine Zusammenschau mannigfacher Geschichtsdeutungen kann zu einem Geschichtsbewu\u00dftsein f\u00fchren, das so vielf\u00e4ltig gebrochen ist, da\u00df alle Seiten und Facetten unserer Geschichte darin aufblitzen und leuchten.<br \/>Jede Sinngebung der deutschen Geschichte wird in gewissem Ausma\u00df subjektiv sein und keine kann beanspruchen, zu zeigen, wie es wirklich gewesen ist. Besch\u00e4ftigung mit der Vergangenheit ist innig verwoben mit dem Beurteilen und Ausw\u00e4hlen dessen, was wichtig ist &#8211; und die Kriterien dieser Auswahl liegen beim Betrachter. Jeder Betrachter stellt die Frage, auf die er Antwort haben m\u00f6chte. So schreibt Golo Mann in seiner Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">&#8222;Die zentrale Frage einer deutschen Geschichte scheint mir zu sein: was haben die Deutschen aus der Tatsache ihres Daseins und Zusammenlebens gemacht? Unter sich selber, und mit anderen, gegen andere Nationen? Durch welche Kan\u00e4le wurden ihre Kr\u00e4fte als Nation gef\u00fchrt, gef\u00f6rdert, zur\u00fcckgedr\u00e4ngt? Zu welchen Zwecken ihre \u00fcbersch\u00fcssigen Energien gebraucht?&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das sind viele Fragen, die neutral gefa\u00dft sind und nicht die Frage zu enthalten scheinen, warum und wieso es so kam, wie es gekommen ist, &#8211; dennoch kann die Antwort nicht ohne Sinngebung gefunden werden. Und Golo Manns Darstellung ist &#8211; abgesehen davon, da\u00df in seinem Werk &#8222;die Geschichte&#8221; (also personalisiert) wandelt und handelt &#8211; voller Urteile \u00fcber Personen, Schichten, St\u00e4nde und Parteien.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"distanz-und-interesse\">Distanz und Interesse<\/span><\/h2>\n<p>Das kann nicht anders sein &#8211; eine wertfreie Geschichte w\u00e4re die Darstellung der Sinnlosigkeit. Eine sinnvolle Geschichtsdarstellung mu\u00df nicht nur Urteile enthalten, sondern auch Tendenzen aufweisen und \u00c4hnlichkeiten wie Entsprechungen feststellen Auch das ist ein Ergebnis des Sichtens, Ausw\u00e4hlens, Vergleichens und Beurteilens durch den Betrachter.<br \/>Soll seine sich aus alledem ergebende Deutung brauchbar und \u00fcberzeugend sein, dann mu\u00df er Distanz zum Stoff haben und darf nicht etwas beweisen wollen, woran er politisch interessiert ist. Man kann weder von ihm noch von denen, die sich durch ihn informieren, verlangen, Geschichte jenseits von Gut und B\u00f6se, gewisserma\u00dfen mit dem Auge Gottes, zu betrachten. Aber man kann ein Interesse im Sinn des &#8222;Interesse&#8221;, des Dazwischen- und Dabei-Sein-Wollens, der seelischen Anteilnahme erwarten. Das schlie\u00dft politische Standpunkte nicht aus, wohl aber Zweckentfremdung der Geschichte zur F\u00f6rderung politischer \u00dcberzeugungen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"nietzsches-drei-arten-von-geschichtsbetrachtung\">Nietzsches drei Arten von Geschichts&shy;be&shy;trach&shy;tung<\/span><\/h2>\n<p>6.<\/p>\n<p>Nietzsche unterscheidet drei Arten von Geschichtsbetrachtung: die monumentalische, die schon erw\u00e4hnt wurde, die antiquarische und die kritische. Die antiquarische ist die des Konservators, des Menschen, der die Vergangenheit, ihre Gewohnheiten und Werte liebt, bewundert und zu bewahren sucht. Hier liegt die Verbindung zum Konservatismus nahe. Politisch gesprochen, wird vorallem aus einer solchen Anh\u00e4nglichkeit zur Vergangenheit ein reaktion\u00e4res Geschichtsbewu\u00dftsein entstehen und so in die Politik hineinwirken.<br \/>Von der kritischen Betrachtungsart sagt Nietzsche, der Mensch m\u00fcsse &#8222;die Kraft haben und von Zeit zu Zeit anwenden, eine Vergangenheit zu zerbrechen und aufzul\u00f6sen, um leben zu k\u00f6nnen; dies erreicht er dadurch, da\u00df er sie vor Gericht zieht, peinlich inquiriert und endlich verurteilt&#8221;, kurz, ohne Nietzsches Bildersprache, indem er sie kritisch betrachtet. Wenig sp\u00e4ter hei\u00dft es: &#8222;Die Kenntnis der Vergangenheit (ist) zu allen Zeiten nur im Dienst der Zukunft und der Gegenwart begehrt, . . . nicht zur Schw\u00e4chung der Gegenwart, nicht zur Entwurzelung einer lebenskr\u00e4ftigen Zukunft . . .&#8221;<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"fragen-an-die-vergangenheit-um-der-zukunft-willen\">Fragen an die Vergan&shy;gen&shy;heit &ndash; um der Zukunft willen<\/span><\/h2>\n<p>In diesem Sinne sind Fragen an die Vergangenheit zu stellen, um einer lebenskr\u00e4ftigen Zukunft willen.<br \/>Wie kam es zu der versp\u00e4teten Entwicklung des deutschen Volks? Wieso hielt man im Mittelalter und noch sp\u00e4ter so z\u00e4he fest an dem Gedanken eines \u00fcbernationalen Reichs als Erbe des Imperium Romanum, dessen konkrete Gestaltung die deutsche Vorherrschaft in nichtdeutschen L\u00e4ndern mit sich brachte? Wie kam es, da\u00df nur in Deutschland sich Jahr-hunderte hindurch keine Zentralautorit\u00e4t bildete, sondern Partikular&#8211;gewalten das deutsche Volk zersplitterten? Wie kam es schlie\u00dflich &#8211; um die Frage zu wiederholen &#8211; zum einzig dastehenden Verlust der nationalen Einheit, als sie, sp\u00e4t genug, einmal erreicht worden war?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"deutsche-wirklichkeitsverkennung\">Deutsche Wirklich&shy;keits&shy;ver&shy;ken&shy;nung<\/span><\/h2>\n<p>Besch\u00e4ftigt man sich mit solchen Fragen, kommt man nicht an dem Element der Wirklichkeitsverkennung vorbei, das in der deutschen Geschichte eine so gro\u00dfe Rolle spielt. Ganz auffallend oft hat man in Deutschland die Welt, so wie sie ist, mit der Welt verkannt, wie sie sein soll. Und auffallend oft sollte sie so sein, wie sie &#8211; angeblich &#8211; einmal gewesen war. Ein Geschichtsbewu\u00dftsein &#8211; r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt &#8211; von Wirklichkeitserkenntnis nicht gebrochen &#8211; hat m\u00f6glicherweise zu einer viele Generationen z\u00e4hlenden Verz\u00f6gerung der Entwicklung beigetragen. Eine Anh\u00e4nglichkeit an das Gewesene mag den Blick f\u00fcr das Zuk\u00fcnftige getr\u00fcbt haben.<br \/>Sehr oft hat diese Wirklichkeitsverkennung eine Beziehung zu irgend einem Idealismus &#8211; man vertiefe sich in die ersten Auftritte von Demokraten Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in West- und S\u00fcddeutschland, man denke an die Politik der Liberalen um 1848! Manchmal auch ist die Weltverkennung willensgl\u00e4ubig. Man glaubt, mit Willenskraft Berge versetzen und siegen zu k\u00f6nnen, weil man siegen mu\u00df.<br \/>Man kann solche Fragen und die Andeutung ihrer Beantwortung verwerfen. Man kann andere Fragen stellen &#8211; sinnvoll sind sie nur, wenn ihre Beantwortung zu einer Orientierung in der Gegenwart zu f\u00fchren vermag und damit auch kritisch auf politische Zielsetzungen einwirkt. Da\u00df dabei das Ethos der Wissenschaftlichkeit gewahrt werden mu\u00df, ist eine Forderung, an die zu erinnern heute, wie es scheint, nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"uebernationale-geschichtsbetrachtung\">&Uuml;berna&shy;ti&shy;o&shy;nale Geschichts&shy;be&shy;trach&shy;tung<\/span><\/h2>\n<p>7.<\/p>\n<p>Geschichtsbewu\u00dftsein zu wecken ist in erster Linie eine Sache der Schulbildung. Dar\u00fcber im einzelnen sich auszulassen, ist hier nicht der Ort. Auch ist ein Nichtp\u00e4dagoge daf\u00fcr kaum zust\u00e4ndig. Sicher scheint mir je. doch zu sein, da\u00df Interesse f\u00fcr Geschichte in heutiger Zeit, in der alle Kulturkreise und V\u00f6lker aufeinander sehr direkt einwirken und aufeinander angewiesen sind, nicht erweckt werden kann durch Hochglanzbilder aus der deutschen Vergangenheit. Eine nationalzentrische Geschichtsbetrachtung ist nicht mehr am Platz. Wenn Kenntnisse der Vergangenheit vermittelt und erworben werden sollen, dann m\u00fcssen Beziehungen zwischen den V\u00f6lkern und Kulturkreisen aufgedeckt werden. Ein Geschichtsbewu\u00dftsein ist nur etwas wert, wenn es Wertbewu\u00dftsein bildet. Dazu geh\u00f6rt jedoch Distanz, \u00dcberblick und kritische Auseinandersetzung. Letztere mu\u00df grunds\u00e4tzlich den Unterricht begleiten und gerade zu Selbstkritik beim Einzelnen und zu kritischer Einstellung der eigenen Vergangenheit gegen\u00fcber f\u00fchren. Das Geschichtsbewu\u00dftsein, das von Konservativen und Nationalisten gew\u00fcnscht wird, kann durch &#8222;vaterl\u00e4ndischen Unterricht&#8221; nur verfehlt werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kritisches-ja-zur-eigenen-geschichte\">Kritisches Ja zur eigenen Geschichte<\/span><\/h2>\n<p>Nur wer auch Nein zu diesem oder jenem aus der eigenen Geschichte sagen darf, nur der kann mit Vernunft und Gef\u00fchl auch Ja zur Geschichte seines Volks sagen! Und nur, wer bei der Bildung seines Geschichtsinteresses lernt, sorgsam und vorurteilsfrei zu urteilen, wird dabei auch lernen, in der Gegenwart und f\u00fcr die Zukunft Stellung zu beziehen, &#8222;mit Leidenschaft und Augenma\u00df zugleich!&#8221;<\/p>\n<p>______________________________________________________<\/p>\n<p>Wollte man an den deutschen status quo selbst ankn\u00fcpfen, wenn auch in einzig ange-messener Weise, d.h. negativ. Immer bliebe das Resultat ein Anachronismus. Selbst die Verneinung unserer politischen Gegenwart findet sich schon als bestaubte Tatsache in der historischen Rumpelkammer der modernen V\u00f6lker. Wenn ich die gepuderten Z\u00f6pfe verneine, habe ich immer noch die ungepuderten Z\u00f6pfe. Wenn ich die deutschen Zust\u00e4nde von 1843 verneine, stehe ich , nach franz\u00f6sischer Zeitrechnung, kaum im Jahre 1789, noch weniger im Brennpunkt der Gegenwart.<br \/>Ja, die deutsche Geschichte schmeichelt sich einer Bewegung, welche ihr kein Volk am historischen Himmel weder vorgemacht hat noch nachmachen wird. Wir haben n\u00e4mlich die Restaurationen der modernen V\u00f6lker geteilt, ohne ihre Revolutionen zu teilen. Wir wurden restauriert, erstens weil andere V\u00f6lker eine Revolution wagten, und zweitens, weil andere V\u00f6lker eine Konterrevolution litten, das eine Mal, weil unsere Herren Furcht hatten, und das andere Mal, weil unsere Herren keine Furcht hatten. Wir, unsere Hirten an der Spitze, befanden uns immer nur einmal in der Gesellschaft der Freiheit, am Tag ihrer Beerdigung &#8230;<br \/>Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbstt\u00e4uschung und Resignation zu g\u00f6nnen. Man mu\u00df den wirklichen Druck noch dr\u00fcckender machen, indem man ihm das Bewu\u00dftsein des Drucks hinzuf\u00fcgt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. (&#8230;) Man mu\u00df diese versteinerten Verh\u00e4ltnisse dadurch zum Tanzen zwingen, da\u00df man ihnen ihre eigene Melodie vorsingt! Man mu\u00df das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen &#8230;<\/p>\n<p><i>Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung (1843).<\/i><\/p>\n<p>______________________________________________________<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[353],"publikationen":[1311],"class_list":["post-12602","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-hans-robinsohn","publikationen-26-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u00dcber ein &quot;gebrochenes&quot; beziehungsweise &quot;ungebrochenes&quot; Geschichtsbewu\u00dftsein - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/26-vorgaenge\/publikation\/ueber-ein-gebrochenes-beziehungsweise-ungebrochenes-geschichtsbewusstsein\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u00dcber ein &quot;gebrochenes&quot; beziehungsweise &quot;ungebrochenes&quot; Geschichtsbewu\u00dftsein - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Aus: vorg\u00e4nge Nr.26 (Heft 2\/1977), S.25-32 Von konser&shy;va&shy;tiver Seite wird in j&uuml;ngster Zeit immer wieder nach einem &bdquo;unge&shy;bro&shy;chenen&rdquo; Geschichts&shy;be&shy;wu&szlig;t&shy;sein gerufen und vor allem den Sozial&shy;de&shy;mo&shy;kraten vorgeworfen, sie h&auml;tten nur ein &bdquo;gebro&shy;chenes&rdquo; Verh&auml;ltnis zur deutschen. 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