{"id":12608,"date":"1975-11-16T12:50:00","date_gmt":"1975-11-16T11:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/wider-die-lobbyisten-der-transzendenz\/"},"modified":"2021-08-28T23:34:17","modified_gmt":"2021-08-28T21:34:17","slug":"wider-die-lobbyisten-der-transzendenz","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/16\/publikation\/wider-die-lobbyisten-der-transzendenz\/","title":{"rendered":"Wider die Lobbyisten der Transzendenz"},"content":{"rendered":"<p>Zum Problem Katholische Kirche und Demokratie, aus: vorg\u00e4nge Nr. 16 (Heft 4\/1975), S. 51-65<\/p>\n<p>Wer derlei \u00fcberhaupt noch zur Kenntnis nimmt, wird sich in der letzten Zeit nicht wenig \u00fcber die verschiedenen Verlautbarungen deutscher Bisch\u00f6fe zu den vergangenen Landtagswahlen gewundert haben. Dabei sollte es selbst einen, der sich kirchlich nicht mehr gebunden f\u00fchlt und der allenfalls die Chancen bestimmter Parteien durch solche Erkl\u00e4rungen der besorgten Kirchenleute gemindert oder erh\u00f6ht sieht, nicht besonders verwundern, da\u00df die Besch\u00f6fe ihr vor\u00fcbergehendes Schweigen wieder aufgegeben haben. Denn zum einen konnte diese Stille nicht so recht befriedigen, zumal die heiligsten G\u00fcter der Nation (zumindest seit dem Jahr 1969!) gef\u00e4hrdet erscheinen mu\u00dften. Andererseits w\u00e4re es wirklich zuviel verlangt gewesen, h\u00e4tte man diese berufenen &#8222;W\u00e4chter&#8221; zu dauerndem Silentium verpflichten wollen. Und eben deswegen reden sie nun eben wieder.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"1-die-kirche-sagt-sie-verstehe-etwas-von-demokratie\">1. Die Kirche sagt, sie verstehe etwas von &bdquo;Demokratie&rdquo;<\/span><\/h2>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"das-sogenannte-waechteramt\">Das sogenannte &bdquo;W&auml;chteramt&ldquo;<\/span><\/h2>\n<p>Das von den genannten Leuten beanspruchte &#8222;W\u00e4chteramt&#8221; wird uns also auch in Zukunft mit den entsprechenden Mahnungen eindecken oder in anderen F\u00e4llen, wo man ein wenig Zivilcourage in der anderen Richtung erwarten k\u00f6nnte (wie etwa einem F. J. Strau\u00df gegen\u00fcber!), beredt schweigen. An Beispielen f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit im Dienste der Demokratie, die sich die kirchlichen Amtstr\u00e4ger da auferlegt haben, fehlt es damit nicht: so werden etwa &#8222;Wohlstand und Sicherheit&#8221;, obgleich nur zum &#8222;Gemeinwohl&#8221; hinauf verallgemeinerte Erfahrungen einer privilegierten Mittelschicht (zu der alle Bisch\u00f6fe nun eben einmal selbst geh\u00f6ren), als Erfolge einer spezifisch &#8222;christlichen&#8221; Politik (vor dem &#8222;ungl\u00fcckseligen&#8221; Jahr 1969!) gepriesen, ohne da\u00df auch nur ein Bischof auf die Idee k\u00e4me, nach der Schrif tgem\u00e4\u00dfheit all dieser Postulate zu forschen. Im Gegenteil, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Julius Kardinal D\u00f6pfner, kommt vielmehr auf den Gedanken, die Angriffe auf das freie Unternehmertum hierzulande stellten gleichzeitig Attacken auf die Freiheit seiner Kirche dar&#8230;<br \/>Nein, an Beispielen f\u00fcr das &#8222;W\u00e4chteramt&#8221; fehlt es beileibe nicht. So haben kirchliche Amtstr\u00e4ger unseren Staat schon deswegen in einen &#8222;Kulturkampf&#8221; schlittern sehen, weil Interessen und Privilegien, die ein r\u00f6misch-katholisches Klassenrecht fr\u00fcherer Zeiten diesem abgemarktet hatte, nun in aller \u00d6ffentlichkeit \u00fcberpr\u00fcft werden sollen &#8212; und niemand von all den nach eigenem Anspruch f\u00fcr das Evangelium des armen Jesus von Nazareth Streitenden wird ob solcher Obsz\u00f6nit\u00e4ten rot. Niemand von diesen Leuten versucht auch, den in Unwissenheit gehaltenen Mitchristen klarzumachen, da\u00df die wahre Kirche Christi nun doch nicht auf derlei gegr\u00fcndet ist, ja nie sein konnte.<br \/>Bestimmte Kreise in der kirchlichen F\u00fchrungsschicht haben es ja bisher nur allzu gut verstanden, ihre eigenen Privilegien als Bestandteile bzw als Ausdrucksformen des &#8222;wahren&#8221; Glaubens auszugeben und eine Bestreitung ebendieser juristischen Konsequenzen als einen Angriff auf den Glauben selbst interpretieren zu lassen, so da\u00df sich eine Mobilisierung der Massen gegen all diese Angriffe ziemlich leicht erreichen lassen konnte. <b>Noch allzu oft werden daher angegriffene Strukturen und Lebensformen als im Glauben vorgegeben, schlie\u00dflich als in der &#8222;Tradition&#8221; begr\u00fcndet verteidigt, bis endlich &#8212; allerdings h\u00e4ufig reichlich sp\u00e4t &#8212; eine Reaktion auf un\u00fcbersehbare Sachzw\u00e4nge erfolgt.<\/b> Um so einsichtiger mag demgegen\u00fcber das Desiderat werden, all die unheilvollen Vermischungen von Glaubensinhalt und rechtlicher Ausdrucksform aufzudecken und die verschwiegenen Vermengungen von Glaube und Politik offenzulegen.<br \/>Ich gebe allerdings zu, da\u00df sich das &#8222;W\u00e4chteramt&#8221; leichter damit tun wird, solche Forderungen &#8212; und seien sie f\u00fcr die Basis der innerkirchlichen Demokraten gemacht &#8212; zu unterdr\u00fccken. Leichter ist es wirklich, all dies in einem Dunstkreis des irgendwie Christlichen verbleiben zu lassen, Analysen zu unterbinden, Aufdeckungen zu verhindern und von der innerkirchlichen &#8222;Demokratisierung&#8221; Abstand zu halten. Denn so, nur so, regiert es sich auch in der Kirche leichter, oder, besser ausgedr\u00fcckt, nimmt die F\u00fcrsorglichkeit der Hirten keinen allzu gro\u00dfen Schaden. Aber: von Moral oder von einem Anspruch auf &#8222;W\u00e4chter-Sein&#8221; sollte man da nicht mehr reden, wo alle Voraussetzungen daf\u00fcr fehlen: wo etwa die wortge\u00fcbten Strategen der Tabuierung und der Immunisierung kirchliche Verfassungsstrukturen derart mystifizieren, da\u00df diese, gleichsam vom gesellschaftlichen Wandel unber\u00fchrt, dem Normalchristen, der einfach zu glauben sich bem\u00fcht, wie unverg\u00e4ngliche Werte erscheinen m\u00fcssen. Wer aber hat den Mut, mitten unter uns, in der Gesellschaft von heute also, den Menschen an der Basis zu erkl\u00e4ren, da\u00df all dies, was als \u00fcberzeitliche Struktur ausgegeben wird, nichts anderes darstellt als ein Konglomerat von Strukturen, welche &#8212; fast unver\u00e4ndert von den Herrschenden des byzantinischen Reiches oder des Mittelalters \u00fcbernommen &#8212; erschreckende Nachholbed\u00fcrfnisse insachen demokratisch fundierter Politik und bare Unf\u00e4higkeiten in Fundamentaldemokratie \u00fcberhaupt bewirkt haben und in Zukunft immer noch bewirken m\u00fcssen?<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"waechter-ohne-legimitation\">&bdquo;W&auml;chter&ldquo; ohne Legimi&shy;ta&shy;tion<\/span><\/h2>\n<p>Ob sich also die &#8222;Legitimation&#8221; der selbsternannten &#8222;W\u00e4chter&#8221; unter uns nicht doch ganz anders ausnimmt? Ob man sie nicht doch einmal von Grund auf auf ihre demokratische Effizienz hin untersuchen m\u00fc\u00dfte? Vielleicht k\u00e4me man dann zu einigen erschreckenden Ergebnissen. Man sollte sich, unternimmt man eine derartige Untersuchung, jedenfalls nicht abschrecken lassen von der Bem\u00fchung einiger Kirchenleute, sich die \u00f6ffentliche Meinung durch lautstarke Larmoyanz gef\u00fcgig zu machen. Vielmehr sollte man darauf hinweisen, und das in aller \u00d6ffentlichkeit &#8211; und eben auch als Insider &#8211;, da\u00df st\u00e4ndig Einzelinhalte der Glaubenslehre, und seien sie noch so wichtig, geradezu eifernd zum Schibboleth hinauf gelobt werden, nur um ungeliebte Parteien treffen zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend zur gleichen Zeit andere, nicht weniger zentrale Aussagen des Christentums, nur weil sie von den &#8222;unchristlichen&#8221; Politikern vertreten werden, weder im Wahlkampf noch im politischen Alltagsgesch\u00e4ft zur Sprache kommen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kirchliche-doppelmoral\">Kirchliche Doppelmoral<\/span><\/h2>\n<p>Was ist in diesem Zusammenhang von der Moral einer Kirche zu halten, welche den Schwarzen Peter in der Frage einer Reform etwa des \u00a7 218 geradezu aufreizend l\u00e4ssig dem &#8222;Staat&#8221; zuschiebt, w\u00e4hrend sie selbst nichts unternimmt, um in ihrem eigenen Gesetzbuch die augenf\u00e4llige Diskriminierung der unehelich Geborenen, also eine Folgelast des \u00a7 218, zu unterbinden? Wie steht es, so k\u00f6nnte man weiter fragen, um den moralischen Anspruch so vieler kirchlicher Amtstr\u00e4ger, welche sich nach au\u00dfen, etwa in sozialen Fragen, ausgesprochen \u00f6ffentlichkeitswirksam gerieren, schon um an ihrem Image zu polieren, w\u00e4hrend sie nach innen, in der Verwaltung ihrer eigenen Di\u00f6zese, nichts tun, um \u00fcber den inquisitorischen Zustand, wie man ihn im Mittelalter zu favorisieren schien, hinauszugelangen? Haben solche Leute, die innerkirchlich alles andere als freiheitliche Demokraten sind (wie wir noch sehen werden), denn nicht einfach jeden Anspruch verwirkt, dem Staat Anweisungen f\u00fcr dessen demokratisches Handeln zu erteilen? D\u00fcrfen sie sich zu allem \u00dcberflu\u00df denn noch immer als die eigentlich &#8222;Verfolgten&#8221; aufspielen? Sind nicht vielmehr sie es, die auch unser Land in einer schrecklich subtilen Weise besetzt halten? Und w\u00e4re es nicht viel moralischer vonseiten derer, die die \u00f6ffentliche Moral hierzulande gepachtet zu haben scheinen, auf solche Einzelheiten in den staatskirchenrechtlichen Regelungen der BRD hinzuweisen, welche den Kirchen und deren amtlichen Vertretern bzw deren Privatauffassungen unangefochtene Privilegien, und das Tag f\u00fcr Tag, einr\u00e4umen? W\u00e4re nicht dies ein Ausdruck von Moral, wenn sich diese Leute endlich daran machten, in aller \u00d6ffentlichkeit zuzugeben, da\u00df diese Privilegien einmalig sind, so da\u00df andere Kirchen &#8211; in Ost und West! &#8211; davon nicht einmal zu tr\u00e4umen wagen? <b>Es ist zwar immer angenehmer, M\u00e4rtyrerrollen zu \u00fcbernehmen und \u00fcber (fremdes) Leid zu klagen, schon weil sich dieses besser in ein bestimmtes &#8222;Image&#8221; von der Kirche einf\u00fcgen l\u00e4\u00dft, als offen und ehrlich zuzugeben, da\u00df die Kirche der BRD, was ihre eigenen Privilegien betrifft, in nichts den Herrschenden dieser Welt nachsteht: nur, moralisch ist es eben nicht.<\/b><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-zwitterstellung-der-kirche\">Die Zwitter&shy;stel&shy;lung der Kirche<\/span><\/h2>\n<p>Das &#8222;W\u00e4chteramt&#8221; der Nicht-Demokraten in der Kirche \u00fcber das kirchliche Restvolk wie \u00fcber die Rest-Gesellschaft erscheint also immer fragw\u00fcrdiger &#8212; und dies schon deshalb, weil seine Legitimationsbasis innerkirchlich wie au\u00dferkirchlich mehr und mehr bestritten wird. Ich meine sogar, die Amtstr\u00e4ger und ihre Privilegien sowie ihr Bestreben, ihren mittelalterlichen Besitzstand m\u00f6glichst detailliert auch in das 21. Jahrhundert hin\u00fcberzuretten, basierten auf einem merkw\u00fcrdigen &#8222;T h e o r i e-D e f i z i t&#8221;, \u00fcber welches sich die Betroffenen selbst noch nicht einmal klar geworden sind. Ausgef\u00fcllt wird dieser Mangel durch die Betonung einer komplizierten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Z w i t t e r s t e\u00a0ll u n g\u00a0 d e r\u00a0 K i r c h e: diese Leute werden ja nicht m\u00fcde, jede Gelegenheit wahrzunehmen, um auf die substantielle Andersartigkeit der Kirche hinzuweisen. Die Kirche differiert also grunds\u00e4tzlich von allen \u00fcbrigen gesellschaftlich bedeutsamen Verb\u00e4nden. So kann man es selbst in den Regierungserkl\u00e4rungen der sozial-liberalen Koalition nachlesen. Auf der anderen Seite werden dieselben Leute, die nun eben auf ihr besonderes und unantastbares Selbstverst\u00e4ndnis hingewiesen haben, ebenso wenig m\u00fcde, sich genau so zu gerieren wie die Lobbyisten eben dieser Verb\u00e4nde, von denen sie sich doch &#8222;theologisch&#8221; unterscheiden wollen. Also partizipiert diese Art von Kirche ohne Abstriche an eben dieser modernen Gesellschaft, falls es sich zu partizipieren lohnt (Kirchensteuersystem!).<br \/><b>Es liegt also der Verdacht nahe, und niemand tut etwas, um ihn zu entkr\u00e4ften, da\u00df diese &#8222;W\u00e4chter&#8221; immer dann, wenn es in ihr kirchenpolitisches Kalk\u00fcl pa\u00dft, nicht mehr von dieser Welt sind, schon um den Rest von einer besonderen Warte aus be- und verurteilen zu k\u00f6nnen. Andererseits erscheinen sie jedesmal dann, wenn es ihnen opportun erscheint, nahezu hemmungslos um all das besorgt, was die soeben so verachteten Kinder dieser Welt an Verg\u00fcnstigungen anzubieten haben.<\/b> So vergleichen sie stets ihre Rechte mit denen anderer Gruppen, um ja nie zu kurz zu kommen. So lassen sie sich aber ihre Sonderrechte niemals antasten, um ihre behauptete, doch prinzipiell unbeweisbare Unvergleichlichkeit zu erhalten.<\/p>\n<p>Die \u00dcberlegung, da\u00df es in etwa auch ein Zeichen von &#8222;Christlichkeit&#8221; sein k\u00f6nnte, auf Rechte zu verzichten, selbst wenn andere Gruppierungen in der pluralistischen Gesellschaft solche hundertfach f\u00fcr sich erjagen und erhalten, mu\u00df dieser Art von &#8222;W\u00e4chtern&#8221; fremd bleiben. Sie wachen jedenfalls auch in Zukunft \u00fcber ihre Interessen &#8212; und sch\u00e4men sich nicht einmal, diese f\u00fcr diejenigen der &#8222;Basis&#8221; auszugeben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"klerikale-betreuungsindustrie\">Klerikale Betreu&shy;ungs&shy;in&shy;dus&shy;trie<\/span><\/h2>\n<p>Denn die Verquickung von Interessen der Herrschenden und von &#8222;Bed\u00fcrfnissen&#8221; der Beherrschten ist ja nun so neu nicht, schon gar nicht in der Kirche. Zwar hatte sich solches Tun zun\u00e4chst auf eine Materie beschr\u00e4nken d\u00fcrfen, die man noch in etwa als &#8222;theologisch&#8221; klassifizieren konnte, doch weiteten sich die Interessengebiete der &#8222;Kleriker&#8221; immer mehr aus. Schlie\u00dflich konnte sich die Vorstellung durchsetzen, es m\u00fc\u00dften alle Regungen eines Christenlebens von den klerikalen Besserwissern im Beamtenstand zun\u00e4chst seismographisch exakt und zweifelsfrei konstatiert und endlich, als Norm gegen alle Eventualit\u00e4ten, geregelt werden. Der Weg, gepflastert mit Ideologien aller Art, bis hin zur euphorischen Selbstbest\u00e4tigung, nun alles und jedes perfektionistisch lenken zu k\u00f6nnen und zu d\u00fcrfen, war nicht eben beschwerlich. Bald aber war das Leben eines Christenmenschen umschlossen von einem Netz subtiler und kasuistischer Normen. Ein handliches Instrumentarium ward erfunden, steril war es ohnehin, also konnte es, je nach Lust und Laune der jeweiligen Au\u00dfendarsteller der Kirche, eingesetzt werden. Der solcherma\u00dfen l\u00fcckenlos umsorgte Christ war nur noch darauf hinzuweisen, da\u00df er &#8222;von oben&#8221;, falls notwendig, von der Betreuungsindustrie also, jederzeit Hilfe erhalten w\u00fcrde, und sei es, um aktueller zu werden, in Form von mundgerechten bisch\u00f6flichen Erkl\u00e4rungen zu allen &#8222;Fragen der Zeit&#8221;. Schlie\u00dflich war es nur nbch eine Kleinigkeit, die zu erw\u00e4hnen ich beinahe vergessen h\u00e4tte, bis der Christ im Glauben daran erzogen war, da\u00df er, wollte er ein wirklich guter Vertreter seines Standes sein und bleiben, auf diese Stimme aus der H\u00f6he auch zu h\u00f6ren habe, und sei es sp\u00e4testens am Wahlsonntag.\u00a0.<br \/><b>So entwickelte sich, gleichsam \u00fcber Nacht, durch einseitige, wenn auch nie ganz unangefochtene Ausweitung der Gesch\u00e4ftsgrundlage aus einer exklusiv theologischen Kompetenz die Zust\u00e4ndigkeit eines wie immer auch gearteten Lehr- und W\u00e4chteramtes selbst in h\u00f6chst weltlichen Bereichen.<\/b> Und schon schnappte die Falle zu: der sogenannte &#8222;Laie&#8221;, in urspr\u00fcnglich theologischer Definition der &#8222;Nicht-Kleriker&#8221;, wurde per definitionem auch der Nicht-Fachmann, und dies sogar in seinem ureigensten Bereich, in Ehefragen etwa oder eben auch in der Politik.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ausufern-der-theologischen-kompetenz\">Ausufern der theolo&shy;gi&shy;schen Kompetenz<\/span><\/h2>\n<p>Man wende nun nicht ein, nach dem letzten Konzil habe sich dieser Zustand grundlegend ge\u00e4ndert. Die Verlautbarungen etwa der westdeutschen Bisch\u00f6fe seither sprechen eine klare Sprache. Dabei will ich die reichlich unangenehmen Erfahrungen aus der j\u00fcngsten Zeit garnicht nennen, die Anfechtungen vor den Wahlen etwa bis hin zur Uraltfrage aus dem Kaiserreich, wer denn nun wen w\u00e4hlen d\u00fcrfe und wen denn nun aus welchen Gr\u00fcnden nicht. Ich nenne auch die Lust so mancher nicht, gleichsam ex cathedra Unbedenklichkeitsbescheinungen f\u00fcr politische Parteien oder f\u00fcr deren Kandidaten auszustellen, nur um die Unm\u00fcndigkeit der katholischen Basis nun ja vor aller Augen blo\u00dfzustellen. Auch sollen nicht die st\u00e4ndigen Versuche genannt werden, gewi\u00dfe bisch\u00f6fliche Denkans\u00e4tze in politicis zu verabsolutieren und sie so mit dem Zuckergu\u00df der noch \u00fcbriggebliebenen Unfehlbarkeit zu umkleiden, da\u00df das Restvolk schon b\u00f6swillig sein m\u00fc\u00dfte, h\u00f6rte es diese Nachtigallen nicht trapsen . . .<br \/>Welch ein Ausma\u00df an innerer Unfreiheit dieses Gouvernantensystem, diese Deformation biblisch fundierter Hirtensorge, in sich schlie\u00dfen konnte, verr\u00e4t allein ein Blick auf die nicht selten in Perfektion anzutreffende und erst neuerdings abbr\u00f6ckelnde Sucht weitester Kreise in der Kirche, nun &#8222;von unten&#8221; nichts anderes als eine unbestimmbare Erwartungshaltung, eine Hoffnung auf Patentrezepte gegen\u00fcber denen da oben aufzubringen, der dann amtlicherseits eine nicht minder vollkommene &#8222;Kodifikationsmanie&#8221; entsprechen durfte. Ja, noch mehr: &#8222;die da oben&#8221; sahen sich zunehmend gezwungen, selbst eine real nicht vorhandene Spannung und Entscheidungssituation vorzut\u00e4uschen, eine ideologische Freund-Feind-Stellung in allen Lebensbereichen also, die es erm\u00f6glichte, st\u00e4ndig f\u00fcr &#8222;die da unten&#8221; zwischen Gut und B\u00f6se, zwischen Drinnen und Drau\u00dfen mitzuentscheiden. Allzu schnell konnten damit aber auch die politischen Wirklichkeiten in den Kategorien eines wie immer gepr\u00e4gten religi\u00f6sen &#8222;Heilsbezuges&#8221; des Gegners interpretiert werden. Man konnte n\u00e4mlich jetzt wieder den politischen Gegner auch zum religi\u00f6sen Mangelwesen abstempeln, ja zu einem Menschen, der um sein Heil zu f\u00fcrchten hatte, der einfach schon deswegen auf der falschen kirchlichen Seite zu stehen schien, weil er politisch anders orientiert war. Die vielen -ismen tauchten also wieder auf, unseligen Angedenkens die meisten von ihnen; der politische Gegner war pl\u00f6tzlich wieder, fast v\u00f6llig losgel\u00f6st von seinem Wollen und Tun, die personifizierte Antikirchlichkeit und damit der Katholischen Nachrichtenagentur und der Eigenpresse zum Fra\u00df freigegeben. Die &#8222;Antikommunisten&#8221; waren wieder unter sich, ihre Kreuzzugsideologen und Scharfmacher zumal.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"2-die-kirche-irrt-wenn-sie-etwas-von-demokratie-zu-verstehen-meint\">2. Die Kirche irrt, wenn sie etwas von Demokratie zu verstehen meint<\/span><\/h2>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"bastion-der-unfreiheit-in-der-neuzeitlichen-gesellschaft\">Bastion der Unfreiheit in der neuzeit&shy;li&shy;chen Gesell&shy;schaft<\/span><\/h2>\n<p>Soll man aber eine solche Entwicklung, wie sie in der Kirche sich ereignen durfte, nun pl\u00f6tzlich unter Demokraten absegnen? Kann man ein Gebilde, welches derlei erm\u00f6glichte, ja f\u00f6rderte, denn noch als &#8222;Heimat der Demokraten&#8221; bezeichnen? Oder verst\u00e4rkt sich nicht der Voreindruck so vieler Demokraten hierzulande, diese Altkirche sei von ihrem Wesen her zuinnerst undemokratisch und daher auch nicht kontaktf\u00e4hig, auch im Urteil der Kirchenkritiker &#8222;von innen&#8221; mehr und mehr? Versteht diese Kirche wirklich etwas von &#8222;Demokratie&#8221; &#8212; oder viel mehr von Aristokratie und Oligarchie? Kann man sich mit ihr und ihren Hauptvertretern denn als Demokrat noch solidarisieren?<br \/>Ich meine, der genannte Voreindruck vieler Menschen in unserem Lande, die Kirche stelle einen erratischen Block in der neuzeitlichen Gesellschaft dar, korrespondiere fast v\u00f6llig mit der Vorfindlichkeit, wie sie Insidern Tag f\u00fcr Tag begegnet. Und dies nun, wie gesagt, nicht wegen der prophetischen Unzeitgem\u00e4\u00dfheit einer Kirche, die &#8222;nicht von dieser Welt&#8221; sein kann und will. Nein, im Gegenteil. Diese Kirche pa\u00dft nicht zu uns, weil sie sich oft und gern an fr\u00fchere Formen angepa\u00dft hat. Sie hat den urspr\u00fcnglichen Auftrag, sich nicht allzu sehr anzupassen, schon l\u00e4ngst aufgegeben &#8212; und verteidigt just in dem Moment, da man von ihr demokratisches Bewu\u00dftsein und demokratisches Fingerspitzengef\u00fchl nach innen und au\u00dfen verlangen zu k\u00f6nnen glaubt, ihre Nicht-Anpassung, die doch nicht viel anderes darstellt als eine durchg\u00e4ngige Adaptation an Vergangenes. <b>Der vielbeklagte &#8222;Zeitgeist&#8221; ist also bereits Mittelpunkt dieser Kirche &#8212; allerdings der Geist fr\u00fcherer Epochen. Und gerade deshalb mu\u00df sie notgedrungen all die Reformvorschl\u00e4ge, die ihr gemacht wer-den, ablehnen. Und gerade deswegen bleibt sie unrettbar hinter der menschlichen Freiheitsgeschichte zur\u00fcck: ein erratischer Block par excellence.<\/b><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kiche-und-staaat-ein-unmoralischesverhaeltnis\">Kiche und Staaat: ein unmora&shy;li&shy;sches&nbsp;Verh&auml;ltnis<\/span><\/h2>\n<p>Ich kann mich also v\u00f6llig einig erkl\u00e4ren mit all den vielen, die eine solche Entwicklung und die Petrefakten, die an deren Ende stehen m\u00fcssen, beklagen. Diese Kirche hat ihr Leben verpf\u00e4ndet und aufgegeben. An Beispielen f\u00fcr die Ungleichzeitigkeit der beschriebenen Art fehlt es auch heute kaum: das Klassenrecht, welches Amtstr\u00e4ger und &#8222;Laien&#8221; in der beschriebenen Weise fein s\u00e4uberlich voneinander trennt und die Privilegien entsprechend aufteilt (selbst die Konkordate der BRD sind nachwievor voll davon!); die Klassenjustiz, strikt am Kirchenvolk vorbei, welches, unaufgekl\u00e4rt wie es ist und bleibt, nichts davon versteht und doch etwa bis in seine Ehen hinein derlei unterworfen ist. Hinzu kommen Beispiele genug aus dem Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche in der BRD, welche ich schlichtweg als &#8222;unmoralisch&#8221; bezeichnen mu\u00df, in H\u00fclle und F\u00fclle, wie jeder wei\u00df (vgl Horst Herrmann, Ein unmoralisches Verh\u00e4ltnis. Bemerkungen eines Betroffenen zur Lage von Staat und Kirche in der BRD. D\u00fcsseldorf 1974). Und all dies wird von kirchenamtlicher Seite mit er-schreckend prostituierenden Formen der Argumentation vorgetragen und abgesegnet: die Beweisf\u00fchrung geht gerade hier schon lange auf den Strich, ganz nach Lust und Laune der in dieser Kirche M\u00e4chtigen. Zugest\u00e4ndnisse m\u00fcssen dieser Kirche abgetrotzt, je abgemarktet werden und gelten dann immer noch als eine Art von Bonus und von Gnadenerweis der demokratischen Gesellschaft gegen\u00fcber.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-antivolkskirche\">Die Antivolks&shy;kirche<\/span><\/h2>\n<p>Schaut man jedoch hinter die Kulissen &#8212; und ein solcher Blick w\u00e4re so manchem anzuraten, der bereits alles, positiv oder negativ, \u00fcber die Kirche zu wissen glaubt &#8212;, so kann man mit Fug und Recht feststellen, da\u00df die Amtstr\u00e4ger das, was sie \u00fcberhaupt noch zu tragen scheint, die sogenannte &#8222; V o l k s k i r c h e&#8221; n\u00e4mlich, seit Jahrhunderten ungeschm\u00e4lert zur Anti-Volkskirche ausgebaut haben. <b>Alle Kennzeichen der Basisvergessenheit und -feindlichkeit, alle Merkmale des Desinteresses an demokratischen Spielregeln sind anzutreffen. <\/b>Wer wundert sich da eigentlich noch, wenn es in einer solchen Kirche von Rechts wegen weder eine Gewaltenteilung noch eine Gleichheit der Glieder vor dem Gesetz noch Rechenschafts- und Begr\u00fcndungspflichten der Amtstr\u00e4ger noch eine institutionalisierte Diskussionsbasis geben kann? Um so mehr verst\u00e4rkt sich der Eindruck, da\u00df doch alles klar sei, auch ohne Schwarzmalerei,<br \/>und da\u00df es sich deswegen kaum mehr lohne, sich ernsthaft noch mit derlei abzugeben.<\/p>\n<p>Andererseits lohnt es sich f\u00fcr eine &#8222;Altkirche&#8221;, wie ich dieses Konglomerat an Interessenvertretungen und Privilegienwahrungen nenne, kaum noch, die moderne Gesellschaft und den neuzeitlichen Staat wirklich ernstzunehmen. <b>Den Profis der Altkirche ist es schon lange zur zweiten Natur geworden, in der Attit\u00fcde von &#8222;Superstaatsm\u00e4nnern&#8221; den Laien auf dem Gebiet politischen Verhaltens Zensuren zu erteilen. <\/b>Zudem ist man, wie gesagt, selbst insachen Demokratie erfahren genug und ben\u00f6tigt keinen Hinweis mehr auf all die schrecklichen Vorgegebenheiten im eigenen Lager: auf das Unverm\u00f6gen etwa, sich den demokratischen Herausforderungen unserer Tage ohne Flucht in das warmgehaltene St\u00fcbchen des eigenen &#8222;Dogmas&#8221; zu stellen; auf das l\u00e4cherliche Unterfangen, durch prinzipielle Lehrlinge insachen Demokratie andere diese lehren und demokratische Grundwerte bewahren zu wollen; auf die gewollte Entm\u00fcndigung der eigenen &#8222;Basis&#8221; \u00fcberhaupt; auf die Versuche, spezifisch &#8222;katholische&#8221; Werte am Gemeinwohl vorbei in die Politik einzuschmuggeln; auf den Anspruch &#8222;freier&#8221; Tr\u00e4gerschaft im Sozialwesen auch, \u00fcber deren wirkliche Freiheit wohl erst noch \u00f6ffentlich zu diskutieren w\u00e4re; auf all die genannten Vermengungen von Glaubensanspruch und rechtlicher Konsequenz.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-politische-ergebenheit-des-kirchenvolkes\">Die politische Ergebenheit des Kirchen&shy;volkes<\/span><\/h2>\n<p>Es scheint also wirklich so, als habe sich da mitten unter uns ein Gebilde entwickeln d\u00fcrfen, welches &#8222;Demokratie&#8221; nur vom H\u00f6rensagen kennt, gleichwohl aber stets dar\u00fcber in autorit\u00e4rster Weise redet. Wie aber steht es um den kirchengebundenen Menschen? Der Katholik, nach kirchlicher Lehre in einem hierarchischen Gef\u00fcge beheimatet, in welchem f\u00fcr ihn in der beschriebenen Weise gesorgt wird, ist so ganz nebenbei auch noch Staatsb\u00fcrger, und dies, f\u00fcr manche leidvoll genug, in einer Demokratie neuzeitlicher Pr\u00e4gung. Wie aber soll er, der B\u00fcrger zweier Welten, die Gratwanderung zwischen Monarchie und Demokratie, die ihm, falls er glaubt, was ihm t\u00e4glich von seiner Altkirche gesagt wird, auferlegt ist, bestehen? Im Staat darf er w\u00e4hlen, in seiner Kirche kaum. Im Staat kann er mitbestimmen, in seiner Kirche nicht einmal in Ans\u00e4tzen. Das Besch\u00e4mendste aber f\u00fcr ihn wird es sein, da\u00df man ihm einzureden sucht, dieser vordemokratische Zustand seiner Kirche sei eben eines der Kennzeichen f\u00fcr die &#8222;wahre&#8221; Stiftung Jesu Christi.<br \/>Kann man da nicht verstehen, da\u00df er, des st\u00e4ndigen Hin und Her \u00fcberdr\u00fcssig, schlie\u00dflich resigniert? Wie anders soll man die ungebrochene Staatsunlust so vieler Katholiken erkl\u00e4ren? Kann man von derart Indoktrinierten, von auch politisch seit eh und je Umsorgten im Ernst bereits jetzt etwas anderes erwarten als eine auch politisch eingef\u00e4rbte Allianz gegen alles Neue, gegen alle Experimente und Reformen? Ist es nicht allzu verst\u00e4ndlich, da\u00df der Normalkatholik ohne gro\u00dfe Anstrengung seinen CDU\/CSU-lastigen Oberhirten folgt, w\u00e4hrend erst ein paar Aufgekl\u00e4rtere unter seinesgleichen anderen politischen Fahnen zu folgen wagen? M\u00fcssen nicht so viele Desiderate und Kampfparolen der neuen Zeit auf ihn, den typischen Christen der gestrigen Ordnung, der sein Mandat auch in politischen Dingen an seinen Pastor abgetreten hat, wirken wie ein Sturmangriff auf dieses &#8222;sein&#8221; Christentum, welches doch immer mehr zu einem Synonym f\u00fcr bourgeoise Vorstellungsmodelle herabsinkt? Kann man es ihm da verdenken, wenn er den zu keiner Zeit fehlenden Propheten glaubt, die ihm suggerieren, da\u00df &#8222;seit 1969&#8221; ein sittlicher Verfall in der BRD zu beobachten sei, da\u00df &#8222;Kindesm\u00f6rder&#8221; am Werke seien, da\u00df Ehe und Familie zerr\u00fcttet w\u00fcrden, da\u00df die &#8222;Totalpolilisierung&#8221; aller Lebensbereiche f\u00fcr Christen ein Greuel, die &#8222;Demokratisierung&#8221; aller gesellschaftlichen Teilbereiche nur die Ausgeburt innerweltlicher Erl\u00f6sungstheorien darstellten? Kann man denn auf diesem Hintergrund seine Lieblingsthesen nicht verstehen, das Abendland gehe unter, die sittlichen Grundwerte seien, &#8222;seit 1969&#8221; wohlbemerkt, bedroht, der &#8222;Bolschewismus&#8221; stehe vor der T\u00fcr, der &#8222;Terrorismus&#8221; nehme \u00fcberhand?<br \/>Ich meine, man m\u00fcsse ihn, den Durchschnittlichen, auch insoweit verstehen, da\u00df er dasjenige, was ihm seine Kirchenzeitung vorlegt, als Evangelium weitergibt. <b>Und so wird er, der Unaufgekl\u00e4rte, immer noch der Meinung sein, die in der Altkirche fehlende Chancengleichheit sei gottgewollt; <\/b>Ausschl\u00fcsse von Frauen, unehelich Geborenen und verheirateten Geistlichen etwa seien schriftgem\u00e4\u00df; das Fehlen der individuellen Autonomie, der Mitbestimmung, der Gewaltenteilung, der Transparenz der Entscheidungsprozesse, der Institutionalisierung einer Oppositionsbasis, des \u00d6ffentlichkeits- und des Mehrheitsprinzips, eines hinl\u00e4nglichen Rechtsschutzes, einer passablen Verfassungs- und Verwaltungsgerichtsbarkeit, eines nicht nur am &#8222;Gehorsam&#8221; orientierten Dienstrechtes, kurz <b>der Mangel an beinahe allem, was eine Demokratie erst ertr\u00e4glich machen kann, sei so &#8212; und nicht anders &#8212; von Gott angeordnet.<\/b><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kirchliche-demokratisierung-den-kirchenoberen-ein-greuel\">Kirchliche Demokra&shy;ti&shy;sie&shy;rung &ndash; den Kirchen&shy;o&shy;beren ein Greuel<\/span><\/h2>\n<p>Bei dieser Sach- und Rechtslage nimmt es zwar kaum wunder, da\u00df in einer Welt, die vom neuzeitlichen Freiheitsverst\u00e4ndnis gepr\u00e4gt erscheint, die st\u00e4rksten Impulse zur Demokratisierung in Freiheit nicht innerhalb, sondern au\u00dferhalb der Kirche aufgebrochen sind. Es verwundert auch nicht, da\u00df nicht wenige dieser Umschichtungsprozesse, f\u00fcr die sich nun doch auch vielleicht einige evangelische Legitimationen finden lie\u00dfen, an der Altkirche vorbei, ja gegen sie gerichtet vor sich gehen mu\u00dften und m\u00fcssen. Nur eines verwundert: die Unverfrorenheit, mit der der geschilderte Status quo als gottgewollt und menschengem\u00e4\u00df ausgegeben wird, obwohl es doch immer einsichtiger geworden sein m\u00fc\u00dfte, da\u00df die Mittel, auf welche sich die Kirchenleitungen st\u00fctzen, dem s\u00e4kularen Bereich (von ehedem!) und nicht dem Evangelium entliehen wurden.<br \/>Oder gibt es etwa noch einen ernstzunehmenden Theologen, der die innerkirchliche Ablehnung noch so kleiner Schritte auf eine anf\u00e4ngliche Demokratie hin, all diese gro\u00dfinquisitorischen Denkfaulheiten und Kurzschl\u00fcsse, wie sie immer noch propagiert zu werden pflegen, auf die Schrift zu st\u00fctzen wagt? Nein, stattdessen gibt es allenfalls noch Funktion\u00e4re des altkirchlichen Systems, welche sich ihrer nicht selten faschistoiden Denk- und Sprechweise nicht sch\u00e4men und einfach so vor sich hin argumentieren: ein &#8222;F\u00fchrertum&#8221; sei, vor allem innerkirchlich, da biblisch begr\u00fcndet, jeder &#8222;Demokratisierung&#8221; vorzuziehen, jedes Wahlrecht in der Kirche beruhe auf Konzessionen der Obrigkeit, ja, jeder demokratische Zug in der Verfassung der Kirche sei lediglich als Zugest\u00e4ndnis, als Selbstbeschr\u00e4nkung der Amtstr\u00e4ger zu verstehen, Mitbestimmung schw\u00e4che die kirchlichen F\u00fchrungsenergien, Gleichheit sei Nivellierungssucht, R\u00e4te beg\u00fcnstigten die Flucht aus der Verantwortung, Kabinettspolitik sei im eigentlichen volksnah, Information stelle eine bessere geistige Vergewaltigung dar, die Autorit\u00e4tskrise lasse sich durch &#8222;F\u00fchrung&#8221; und durch nichts anderes l\u00f6sen, zumal die Mehrheit der Gl\u00e4ubigen ohnehin keinerlei Bed\u00fcrfnis nach Demokratie, sondern nach Befehlserteilung und Gehorsam versp\u00fcre, kurz, Demokratie sei schon f\u00fcr den Staat und die Gesellschaft als Krisenherd suspekt, f\u00fcr die Kirche jedoch v\u00f6llig abwegig, und dies, weil Gott selbst es so und nicht anders gewollt habe.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"freiheitsberaubung-am-kirchenvolk\">Freiheits&shy;be&shy;rau&shy;bung am Kirchenvolk<\/span><\/h2>\n<p>Scheint man sich somit an die schmerzliche Beobachtung gew\u00f6hnen zu m\u00fcssen, da\u00df solche Argumentationsformen lediglich vergr\u00f6bert das auszudr\u00fccken suchen, was als uneingestandener Anspruch durch nicht wenige kirchliche Amtsstuben geistert, so bringt man doch vielleicht auch mehr Verst\u00e4ndnis auf f\u00fcr die Aussage, <b>da\u00df das Pochen auf eine solche &#8222;Satzung&#8221; im innersten einem Raub am Volk und an seinen verb\u00fcrgten Freiheiten gleichkomme, einem Vergehen also, welches sich nicht besch\u00f6nigen lasse durch die nachkonziliaren &#8222;R\u00e4tesysteme&#8221; und formalen Demokratismen in der Altkirche <\/b>(wie etwa nach Art des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, um ein besonders absurdes Beispiel zu nennen). Man m\u00fc\u00dfte dann ebenfalls in aller Offenheit darauf hinweisen, da\u00df der in Sachen Demokratie solcherma\u00dfen verspielte Kredit der Altkirche weder aufgrund eines (im innersten doch recht &#8222;klerikalen&#8221;) Konzils erneuert werden k\u00f6nne noch unter Hinweis auf Einzelf\u00e4lle demokratischer Gesinnung, die zudem stets innerhalb des kirchlichen Systems angesiedelt sein m\u00fcssen, um legal zu sein. Nein, man kann einen solchen Kredit allein durch eine prinzipielle \u00c4nderung des Bestehenden erreichen, durch ein striktes Abr\u00fccken also von den Folgen jener konstantinischen Urwahl zugunsten der je M\u00e4chtigen, wie sie von der Kirche in deren unvergleichlicher Sensibilit\u00e4t f\u00fcr wahre Macht get\u00e4tigt worden war. Wie jedoch eine derart festgelegte Kirche, deren Verlautbarungen immer nur in der Verteidigung der eigenen Bastionen und Privilegien bestehen, ein solches Desiderat erf\u00fcllen soll, mu\u00df schleierhaft bleiben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"infizierung-der-gesellschaft-mit-dem-kirchlichen-konservatismus\">Infizierung der Gesell&shy;schaft mit dem kirchlichen Konser&shy;va&shy;tismus<\/span><\/h2>\n<p>Und so wird man sich auch in Zukunft ungestraft damit abfinden d\u00fcrfen, da\u00df diese Kirche in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis gefangen bleibt, welches seine konservative Vorstellungswelt (geistliches F\u00fchrungsamt, Klerikerausbildung, Disziplinierung der Opposition, Ablehnung jeglicher &#8222;Demokratisierung&#8221;, Freund-Feind-Schema, Orthodoxie-Vorbehalte, Block-Denken) immer noch nach bew\u00e4hrtem Muster und mit der engagierten Hilfe politisch f\u00fcgsamer Gruppierungen auf die Gesellschaft und auf den Staat zu \u00fcbertragen sucht. Als einziges Beispiel sei nur die Frage nach der Herkunft der &#8222;Radikalenerlasse&#8221; und der &#8222;Berufsverbote&#8221; in diesem Zusammenhang angeschnitten: es steht f\u00fcr mich au\u00dfer Frage, da\u00df unser Staat und unsere Gesellschaft, die auf diesem Gebiet gegenw\u00e4rtig mehr als t\u00e4tig sind, sich im nachhinein noch als Erben einer bestimmten Weltanschauung erweisen. Denn Erlasse dieser Art sind in der r\u00f6misch-katholischen Kirche seit Jahrhunderten an der Tagesordnung. Und wer immer noch meint, es gebe sie neuerdings nicht mehr, der lasse sich \u00fcber die innerkirchlichen Realit\u00e4ten von heute aufkl\u00e4ren: t\u00e4glich werden von westdeutschen Bisch\u00f6fen und Kirchenoberen Religionslehrer wegen dogmatischer Unzuverl\u00e4ssigkeit oder Geistliche wegen ihrer Absicht, eine kirchlich g\u00fcltige Ehe einzugehen, in ihrer beruflichen Existenz gesch\u00e4digt und ihrer Grundrechte beraubt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"kirchliche-berufsverbote\">Kirchliche &bdquo;Berufs&shy;ver&shy;bote&ldquo;<\/span><\/h2>\n<p>Hat man aber schon geh\u00f6rt, da\u00df sich all diejenigen, die zur Zeit so laut-stark gegen die bundesrepublikanischen &#8222;Berufsverbote&#8221; zu Felde ziehen (und das zu Recht!), einmal f\u00fcr diejenigen Mitb\u00fcrger eingesetzt h\u00e4tten, die seit langem schon mitten unter uns solchen Verboten unterliegen? Ich meine dabei nun aber nicht die spektakul\u00e4ren F\u00e4lle, sondern die &#8222;einfachen&#8221;, von denen man nicht viel h\u00f6rt. Es st\u00fcnde jedenfalls allen wirklichen Demokraten gut zu Gesicht, wenn sie sich auch einmal kr\u00e4ftiger als bisher f\u00fcr solche Leute einsetzen w\u00fcrden, denen &#8212; nicht selten unter tatkr\u00e4ftiger Mithilfe staatlicher Instanzen (jeglicher parteipolitischer Couleur \u00fcbrigens!) &#8212; demokratische Grundrechte wie diejenigen auf Meinungsfreiheit und auf Ehe und Familie entzogen werden, weil &#8222;Gott&#8221; das so will&#8230; Ich vermag n\u00e4mlich nicht einzusehen, weshalb man diese kirchengebundenen Leute aus der Solidarit\u00e4t der Demokraten entlassen soll. Gerade sie ben\u00f6tigen diese Mithilfe, zumal ein bestimmtes antidemokratisches Potential in der Altkirche, welches sich bei bestimmten Anl\u00e4ssen immer wieder &#8222;von oben&#8221; mobilisieren l\u00e4\u00dft, mit seinen autorit\u00e4ren Erwartungshaltungen und anerzogenen Gehorsamsmustern dem amtskirchlichen Wollen &#8222;von unten&#8221; entgegenkommt und eine Eliminierung der Abweichler verlangt. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang ja schon etwa ein \u00f6ffentlicher Aufruf des Bischofs von M\u00fcnster an alle Eltern, Lehrer und Sch\u00fcler seines Bistums, ihm detailliert \u00fcber Vorg\u00e4nge im Religionsunterricht zu berichten bzw etwaige Abweichungen zu denunzieren (,&#8218;Der Bischof fragt unsere Leser&#8220;, in: Kirche und Leben vom 4.5.1975, S 7). Wieder einmal scheintdas Zusammenspiel der<br \/>Unaufgekl\u00e4rten zu klappen &#8212; auf der Strecke aber bleiben Kreativit\u00e4t und Freiheit.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"3-die-kirche-schliesst-sich-selbst-aus-der-solidaritaet-der-demokraten-aus-sie-ist-zu-einer-partnerschaft-nicht-faehig\">3. Die Kirche schlie&szlig;t sich selbst aus der Solidarit&auml;t der Demokraten aus: sie ist zu einer &bdquo;Part&shy;ner&shy;schaft&rdquo; nicht f&auml;hig.<\/span><\/h2>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-unabhaengige-mensch-hinter-dem-unrechtssystem\">Der unabh&auml;ngige Mensch hinter dem Unrechts&shy;system<\/span><\/h2>\n<p>Trotz all unserer Bedenken gegen das &#8222;Demokratieverst\u00e4ndnis&#8221; der Altkirche, welches wir eher als ein schlichtes &#8222;Nichtwissen&#8221; charakterisieren konnten, bleibt der Hauptgrund, sich mit &#8222;Kirche&#8221; \u00fcberhaupt noch zu befassen, die Tatsache, da\u00df hinter diesem Unrechtssystem der in vielf\u00e4ltiger unbewu\u00dfter Abh\u00e4ngigkeit gehaltene kirchengebundene Mensch steht, der ein evangelisches Recht auf Befreiung aus diesen Zw\u00e4ngen hat. Ich frage also nochmals all diejenigen, die in all dem, was mit Kirche zu tun hat, nur noch ein Epiph\u00e4nomen sehen wollen, ein f\u00fcnf trangiges Problem also, welches sich zudem von selbst l\u00f6se: wer denn nun soll den kirchlich gebundenen Menschen zu sich selbst befreien helfen? Wer bringt das bi\u00dfchen Verst\u00e4ndnis und Sachwissen f\u00fcr die Probleme desjenigen Christen auf, welcher in den meisten F\u00e4llen seine eigene Lage gar nicht als solche erkennt? Wer hat &#8212; richtig verstandenes &#8212; Mitleid mit all den vielen unter uns, die glauben m\u00fcssen, alles sei gerade so recht und in Ordnung, mit all den vielen auch, denen eine nachkonziliare Euphorie nur Surrogatl\u00f6sungen f\u00fcr ihr Grundproblem angedient hat? Denn all diese Menschen &#8212; wir sollten uns selbst nicht vorschnell ausnehmen &#8212; sind ja auf eine spezifische Weise indoktriniert. Man sagt ihnen, &#8222;von oben&#8221; nat\u00fcrlich, es gehe um den Bestand ihrer angestammten Kirche, in manchem auch um die Grundwerte des Rechtsstaates. Man sagt ihnen jedoch all das &#8212; bewu\u00dft oder unbewu\u00dft &#8212; nicht, was wir aufgewiesen haben: da\u00df n\u00e4mlich seit langem eine ungeheure Anma\u00dfung im Schwange ist, eine Vermengung von Glaube und Recht, von G\u00fcltigem und Zeitbedingtem, eine Vermischung, deren Taktiker die Hauptschuld an der gegenw\u00e4rtigen Situation der Teilaufgekl\u00e4rten zu tragen haben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"undurchsichtige-kirchliche-caritas\">Undurch&shy;sich&shy;tige kirchliche Caritas<\/span><\/h2>\n<p>Und so d\u00fcrfen eben diese Zyniker mit ihrer Taktik ungest\u00f6rt damit fortfahren, um nur ein Beispiel zu nennen, die &#8222;Caritas&#8221; und ihre Leistungen als un\u00fcberbietbar gut darzustellen und von diesem Fundament aus ein Fortbestehen der altkirchlichen Privilegien in der BRD zu postulieren. Niemand aber sagt offen genug, da\u00df eine genaue und wirklich einsichtige Statistik dar\u00fcber immer noch aussteht, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer. Niemand widerlegt auch den in aller \u00d6ffentlichkeit erhobenen Vorwurf, die kirchlichen Sozialleistungen seien so gewaltig nicht, da\u00df sie das gegenw\u00e4rtige Steuersystem rechtfertigen, ja sie betr\u00fcgen insgesamt &#8212; entgegen dem in der Kirchenpresse immer wieder erweckten Eindruck &#8212; ohnehin nur etwa 15 % des gesamten Kirchensteueraufkommens und lie\u00dfen sich deshalb vom Staat allein schon mit Hilfe der durch eine Streichung der Absetzbarkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe von der Einkommen- und Lohnsteuer gewonnenen Mittel ersetzen. Niemand stellt sich auch der Frage, ob &#8222;Caritas&#8221; schlechthin das Kriterium der wahren Kirche sei oder ob nicht die Kirche selbst daran interessiert sei, sich &#8212; auf dem Umweg \u00fcber subventionierte Sozialeinrichtungen &#8212; ein Monopol in unserer Gesellschaft zu errichten.<br \/>Ich meine aber, jeder Demokrat sollte sich auf eben diesem Gebiet mehr als bisher \u00fcber die kirchliche T\u00e4tigkeit informieren. Denn man h\u00f6rt doch gerade auf diesem Ohr immer wieder dasselbe, selbst von Mitgliedern der Bundesregierung: der Staat brauche die Kirche als &#8222;Partnerin&#8221; f\u00fcr den Dienst am Menschen. Und schon deshalb sei eine Solidarit\u00e4t mit der Kirche selbstverst\u00e4ndlich, auch wenn es in Einzelf\u00e4llen hapere.<br \/>Gerade diese Argumentation, so verbreitet und so eing\u00e4ngig sie sein mag, halte ich aber f\u00fcr ausgesprochen uneinsichtigt und kurzschl\u00fcssig. <b>Zum einen wird hier wieder &#8222;vermengt&#8221;: eine (notwendige) Mithilfe auf caritativem Gebiet kann nicht als Fundament f\u00fcr Sonderrechte auf anderen Gebieten dienen. Die Privilegierung der Altkirche darf also nicht von dieser Hilfe einer Einwilligung bzw einer Verweigerung in Sachen &#8222;Caritas&#8221; erpre\u00dft werden. Andererseits l\u00e4\u00dft das Wort &#8222;Partnerschaft&#8221; gef\u00e4hrliche Assoziationen zu: nicht wenige Kirchenvertreter interpretieren die t\u00e4gliche Partnerschaft mit dem Staat im Sinne einer institutionellen Gleichordnung der beiden &#8222;M\u00e4chte&#8221;, wie sie im Mittelalter \u00fcblich war. <\/b>Von daher gesehen, sollte man, um alle Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse schon im Keim zu ersticken, den Begriff meiden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-partnerschaftsideologie\">Die Partner&shy;schaft&shy;s&shy;ideo&shy;logie<\/span><\/h2>\n<p>Hinzu kommt, da\u00df es unter den Demokraten aller weltanschaulichen Lager noch durchaus keinen Konsens dar\u00fcber zu geben scheint, ob man die Altkirche wirklich als einen gleichberechtigten Gespr\u00e4chs- und Aktionspartner akzeptieren k\u00f6nne. Um es gleich vorweg zu sagen, ich selber halte die Solidarit\u00e4tsfrage in diesem Fall f\u00fcr gar nicht mehr offen:<b> Die Altkirche in der beschriebenen Form ist f\u00fcr wirkliche Demokraten nicht partnerschaftsf\u00e4hig. Was es mit einer Institution dieser Machart bislang allein geben kann, sind taktische \u00dcbereink\u00fcnfte. Grunds\u00e4tzlich aber sollte man sich weigern, mit Leuten zu verhandeln, die in Bezug auf ihre eigene Institution, in welcher sie schalten und walten k\u00f6nnen, wie sie gerade wollen, ein undemokratisches System aufrechterhalten.<\/b> Solange also die genannten demokratiefeindlichen Entwicklungen andauern, kann ich mir nicht vorstellen, da\u00df irgendjemand diese Altkirche noch im Ernst eine &#8222;Partnerin&#8221; nennt &#8212; es sei denn aus unumg\u00e4nglichen diplomatischen R\u00fccksichten.<br \/>Solange die Kirche unter Demokraten von heute f\u00fcr sich nicht eben viel mehr ins Feld f\u00fchren kann als die Tatsache, eine Organisationsform zu favorisieren und diese auch noch detailliert in ihrem eigenen Gesetzbuch festzuschreiben, welche noch nicht einmal der Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen entspricht, darf sie sich nicht schmeicheln, von ihrer Umwelt ernstgenommen zu werden. Vielmehr mu\u00df sie sich, schmerzlich genug, damit bescheiden, die eigentlich &#8222;christlichen&#8221; Chancen verspielt zu haben. Sie wird sich zudem damit abfinden m\u00fcssen, nach Lage der Dinge, ohne sichtbare Vorleistungen in Sachen Demokratie also, in der Weltfamilie der Demokraten zumindest nur als ein unbestimmbar unzeitgem\u00e4\u00dfes Etwas toleriert zu werden, auf das man nur aus bestimmten (juristischen!) Gr\u00fcnden vorerst noch nicht ganz verzichten kann.<br \/>Von daher gesehen, ist der Status eines &#8222;Beobachters&#8221;, wie ihn etwa der &#8222;Heilige Stuhl&#8221; einnimmt, ausgesprochen passend: mehr als dies kann gegenw\u00e4rtig von der Kirche innerhalb der Vereinten Nationen nicht erwartet werden, mehr leistet sie einfach nicht. Der Begriff &#8222;Partnerschaft&#8221;, den man heute in der BRD immer noch zu favorisieren scheint, ist demgegen\u00fcber einfach zu hoch gegriffen. Er ist, nach Lage der Dinge, ebenso unpassend wie wenn man ihn auf \u00e4hnlich totalit\u00e4re Systeme anwenden w\u00fcrde. Bevor also nicht dezidiert Schlu\u00df gemacht wurde mit all den Amoralit\u00e4ten der Altkirche in Sachen Demokratie, wird man dieser Kirche allenfalls das Pr\u00e4dikat einer &#8222;Wolfsgesellschaft&#8221; zuerkennen d\u00fcrfen &#8212; und alle, die mit ihren Vertretern zu tun haben, tun, von Einzel-f\u00e4llen nat\u00fcrlich abgesehen, gut daran, sich an diese Bezeichnung f\u00fcr die &#8222;Lobbyisten der Transzendenz&#8221; zu erinnern.<br \/>Wem der gebrauchte Ausdruck zu hart erscheint, der m\u00f6ge mit mir, dem Theologen und Priester, daran denken, da\u00df es dieser Altkirche bis zum heutigen Tag noch immer ausgesprochen schwer gefallen ist, \u00f6ffentlich die eigene Schuld zuzugeben. <b>Die fast v\u00f6llige Abwesenheit von \u00f6ffentlicher Demut, von Bekenntnissen, da\u00df man verz\u00f6gerte Glaubens- und Rechtsentwicklungen (wie etwa in Sachen Geburtenregelung, Mischehe, Laisierung) und das aus diesen resultierende Leid von Millionen von Mitchristen zu verantworten hatte und hat, geh\u00f6rt zu den erschreckendsten Erfahrungen, die eine junge Generation heute mit der Altkirche machen mu\u00df. <\/b>Viel weniger erschreckend ist demgegen\u00fcber die Erfahrung mit der interessierten Depression von Amtstr\u00e4gern, welche um dieses ihr System f\u00fcrchten.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"demokratische-solidaritaet-der-christen-gegen-die-altkirche\">Demokra&shy;ti&shy;sche Solidarit&auml;t der Christen gegen die Altkirche<\/span><\/h2>\n<p>Da\u00df wir trotz dieser Vorg\u00e4nge uns nicht in die Resignation fl\u00fcchten, sondern uns zu der Solidarit\u00e4t mit den Demokraten bekennen, liegt mit daran, da\u00df wir der Sache Jesu noch immer eine Chance geben. Und aus eben diesem Grund erheben wir auch die Forderung, das Adjektiv &#8222;christlich&#8221; nicht mehr wie bisher f\u00fcr Institutionen in Kirche und Staat zu reservieren, sondern es f\u00fcr die Menschen (in allen Kirchen und Parteien) offenzuhalten. Wir werden ja diesen unseren Namen von denen zur\u00fcckzufordern wissen, die ihn besetzt halten wollen und mit dieser ihrer Beute sogar noch auf Stimmenfang ausziehen. Mehr noch: <b>Nicht wenige der &#8222;Christenworte&#8221; m\u00fcssen heute und in Zukunft, und zu Recht auch von Nichtchristen, denen die bisherigen Vorstellungen altkirchlicher<br \/>Moral einfach zuwider sind, gegen die herrschenden Christenmentalit\u00e4ten gebraucht werden.<br \/><\/b>Die politischen Parteien aber sind vor die Frage gestellt, ob sie sich eher wie bisher mit der institutionalisierten Form des kirchlichen Christentums identifizieren oder ob sie sich den aufgekl\u00e4rten Menschen der &#8222;Sache Jesu&#8221; zuwenden wollen. Diese Grundentscheidung ist gerade in der BRD noch kaum gef\u00e4llt worden. Noch immer lavieren einflu\u00dfreiche Politiker zwischen taktischem Interesse f\u00fcr die m\u00e4chtige Institution und ihre Vertreter und einem &#8222;Herzensbed\u00fcrfnis&#8221; f\u00fcr die &#8222;anderen&#8221;. Ich meine nun aber, die geforderte Entscheidung, wer sich mit wem solidarisieren wolle und m\u00fcsse, k\u00f6nne zumindest dort, wider alles bessere Wissen, nicht mehr so schwer fallen wie bisher, wo es den &#8222;anderen&#8221; gelingt, in zunehmendem Ma\u00dfe die herrschenden altkirchlichen Autorit\u00e4ten moralisch zu disqualifizieren und deren &#8222;strukturelle Obsz\u00f6nit\u00e4ten&#8221; vor aller Augen offenzulegen. Wer dann noch glaubt, er k\u00f6nne sich mit solchen &#8222;Partnern&#8221; sehen lassen, der ist selber schuld.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>&#8230; Die Christen begegnen in der Welt anderen Menschen, deren sie zur Verwirklichung der Br\u00fcderlichkeit bed\u00fcrfen, die genauso wie sie oder besser als sie Br\u00fcderlichkeit verwirklichen. Von ihrem Glaubenssinn her d\u00fcrfen und k\u00f6nnen Christen diese Verwirklichung durchaus auch als verwirklichtes Christentum begreifen, obwohl es gerade nicht kirchliches Christsein ist. Aber schon das ist ein weltanschaulicher Aspekt, der zur konkreten Aufgabe nichts hinzutut. Er besagt nur, da\u00df die alte dogmatische Position, es k\u00f6nne nicht zum Heil gelangen, wer nicht zur Kirche geh\u00f6rt, wer also nicht auf irgendeine, wenn auch noch so kasuistisch erweiterte Weise<br \/>i d e o\u00a0l o g i s c h e Zustimmung zur Lehre leistet, l\u00e4ngst dahingeschwunden ist. &#8230; Sie ist zusammengebrochen vor der Realit\u00e4t, d\u00e4\u00df Menschen &#8222;Christentum&#8221; verwirklichen, ohne Christen zu sein, und da\u00df Christen nicht Christentum, sondern nur Egoismus oder auch nur Kirchentum, nur katholische Selbstbehauptung verwirklichen, obwohl sie doch Christen sind. Das Radium des Christentums wird nicht aus dem Depositum der Kirche, sondern aus der Pechblende der Welt gewonnen.<br \/>Die Christen werden also in der Welt Menschen begegnen, die Humanit\u00e4t verwirklichen, ohne doch die christlichen Normen anzuerkennen oder auch ohne nach ihnen zu leben. Zwischen dem Menschen, der sie nicht anerkennt, und dem Christen, der sie anerkennt, kann f\u00fcr die gemeinsame gesellschaftliche-humane Aufgabe nicht die weltanschauliche Normenforderung als Trenrrendes stehen. Die Norm ist keine Kategorie des weltlichen Handelns, sondern eine Kategorie der Anschauung der Welt. Anschauungen trennen, die Forderung gemeinsamen menschlichen Handelns aber eint. Und so wird dieser Christ zusammen mit and$ren Menschen unter Umst\u00e4nden gar daf\u00fcr eintreten, da\u00df nicht seine &#8222;christliche&#8221; Anschauung einer Sache zur verbindlichen Norm f\u00fcr alle gemacht werde. Das Gesetz in dem Christen und der gestirnte Himmel \u00fcber ihm sind schon l\u00e4ngst nicht mehr Gesetz und Himmel aller Menschen \u00fcberhaupt. Gesetz aller Menschen aber ist die Erm\u00f6glichung von Menschlichkeit,<\/p>\n<p><i>Gerd Hirschauer<\/i>, 1966, in: &#8222;Der Katholizismus vor dem Risiko der Freiheit. Nachruf auf ein Konzil&#8221;, S 289.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[656,667],"autoren":[648],"publikationen":[856],"class_list":["post-12608","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-religion","tag-vorgaenge-artikel","autoren-horst-herrmann","publikationen-856"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wider die Lobbyisten der Transzendenz - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/16\/publikation\/wider-die-lobbyisten-der-transzendenz\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wider die Lobbyisten der Transzendenz - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Zum Problem Katholische Kirche und Demokratie, aus: vorg\u00e4nge Nr. 16 (Heft 4\/1975), S. 51-65 Wer derlei \u00fcberhaupt noch zur Kenntnis nimmt, wird sich in der letzten Zeit nicht wenig \u00fcber die verschiedenen Verlautbarungen deutscher Bisch\u00f6fe zu den vergangenen Landtagswahlen gewundert haben. 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