{"id":12609,"date":"1970-01-01T23:00:00","date_gmt":"1970-01-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/widerstand-und-widerstandsrecht-replik-und-frage-an-fritz-bauer\/"},"modified":"1970-01-01T12:00:00","modified_gmt":"1970-01-01T11:00:00","slug":"widerstand-und-widerstandsrecht-replik-und-frage-an-fritz-bauer","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/1-1969\/publikation\/widerstand-und-widerstandsrecht-replik-und-frage-an-fritz-bauer\/","title":{"rendered":"Widerstand und Widerstandsrecht. Replik und Frage an Fritz Bauer"},"content":{"rendered":"<p>aus: vorg\u00e4nge 1\/1969, S. 27 &#8211; 28<\/p>\n<p>Fritz Bauer hat mit seiner letzten Rede am 21. Juni 1968 in M\u00fcnchen (abgedruckt in &#132;Vorg\u00e4nge&#148; 8&#151;9\/68) eine aufr\u00fcttelnde, \u00fcberaus wertvolle und gediegene Wegmarkierung gesetzt. Er stellt uns jenseits aller fragenden, um eine Antwort oft verlegenen Rechtswissenschaft den &#132;Widerstand&#148; als ein p\u00e4dagogisches Leitbild &#151; mehr ein p\u00e4dagogisches denn ein juristisches &#151; dar, das unser pers\u00f6nliches Engagement fordert. Und wenn wir nicht schon so d\u00e4chten, &#151; Bauer w\u00e4re bei uns ein brillanter Anwalt seiner Sache.<br \/>Da\u00df nun Fritz Bauer nicht mehr unter den Lebenden weilt, ist mir besonders schmerzlich, weil ich das dringende Verlangen f\u00fchle, mich mit ihm \u00fcber die Auswirkung seiner &#151; unserer Gedanken in der politischen Gegegenwart eindringlich zu unterhalten. Ich bin restlos einer Meinung mit ihm, da\u00df das Widerstandsrecht ein \u00fcbergesetzliches Recht eines Menschen oder eines Volkes ist, &#151; durch die Jahrtausende hin, und da\u00df es auch heute noch unbedingte G\u00fcltigkeit hat.<br \/>Ich selber war Nationalsozialist. Bauer wu\u00dfte es. Ich habe mich unter diesem Aspekt \u00fcber andere Dinge mit ihm ausgesprochen. Aber im Hintergrund stand schon damals die Frage, die ich nun leider nicht mehr mit ihm selbst behandeln kann. Ich hoffe, da\u00df ein anderer an seine Stelle tritt und die notwendige und n\u00fctzliche Diskussion fortsetzt; denn so klar die Grundlinien erscheinen, &#151; der Teufel sitzt im Detail. Und wenn wir das Problem auch nicht l\u00f6sen, verkriechen sollten wir uns vor ihm nicht; das, so meine ich, w\u00fcrde auch Fritz Bauer sagen.<br \/>Ich war eben zwanzig Jahre alt geworden, als ich 1929 in die NSDAP eintrat. Man wird mir glauben m\u00fcssen, da\u00df ich es nicht tat, weil es Mode war, nicht tun Geld zu verdienen, und schon gar nicht, um einem Tyrannen zu huldigen. Wenn ich damals Hitler Gefolgschaft und Treue versprach (ohne \u00e4u\u00dfere Formalit\u00e4t, nur durch meinen papierenen Beitritt zur Partei), so geschah das aus eben den Motiven, die hier von Bauer angesprochen werden und mit denen meine ganze damalige seelische Verfassung wieder vor mir aufsteht:<br \/>&#8230; Wenn unertr\u00e4glich wird die Last, greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ewgen Rechte &#8230;Ich entschlo\u00df mich also zum Widerstand. Und wenn ich dabei dem Prinzip der gew\u00e4hlten Diktatur (nicht der usurpierten Gewalt!) meinen Tribut entrichtete, dann geschah das nicht aus grunds\u00e4tzlicher Ablehnung der Demokratie, sondern aus dem Gef\u00fchl der Notwehr, wie ich denn auch aus der Schule wu\u00dfte, da\u00df dies Prinzip bereits im republikanischen Rom Geltung hatte.<br \/>Ich k\u00f6nnte viel berichten, um diese meine damalige Situation n\u00e4her zu erl\u00e4utern, jedoch w\u00fcrde es den Rahmen einer Erwiderung sprengen. Es gen\u00fcgt, eines anzuf\u00fchren, und zwar die Tatsache, da\u00df der Weimarer Staat ein Zerrbild der Demokratie allein darum sein mu\u00dfte, weil er auf der mit Erpressung und Drohung bewirkten Unterschrift der deutschen Regierung unter das &#132;Alleinschuld&#8220;Bekenntnis beruhte, einer Unterschrift, die zur permanenten Knebelung und Ausbeutung unseres Volkes f\u00fchren sollte und f\u00fchrte. (Ich halte diesen Vorgang \u00fcbrigens f\u00fcr das moralisch verwerflichste Geschehen seit den Hexenprozessen.) Hier, 1919, hat aber auch das deutsche Volk und seine Regierung versagt. Wie h\u00e4tte die Weimarer Demokratie dagestanden, wenn sie sich in ihrer Geburtsstunde nach dem Vorbild der franz\u00f6sischen Republik von 1870 im Widerstand bew\u00e4hrt h\u00e4tte. &#132;Eure Schuld und meine Tragik&#148;, sagte Stresemann kurz vor seinem Tode (1929) einem Engl\u00e4nder. Aber es war nicht nur Schuld der Engl\u00e4nder und ihrer Mitsieger, &#151; es war nicht minder die vers\u00e4umte Pflicht. zum Widerstand, insgesamt ein furchtbares, irreparables Debakel aller verantwortlichen Demokraten jener Tage mit Wilson an der Spitze. Mir klingt es wie blutiger Hohn, wenn heute von den &#132;golden twenties&#148; die Rede ist. Ich habe sie nie gesehen.<br \/>Ich hatte also, wenn anders ich nicht \u00fcberhaupt ohne Meinung und unt\u00e4tig dahinleben wollte, keine andere Wahl; denn f\u00fcr den Kommunismus hatte ich damals noch kein Verst\u00e4ndnis. Ich wurde Nationalsozialist mit allen Konsequenzen. Ich war \u00fcberzeugt, da\u00df hinter der Not und dem zunehmenden Chaos eine dem Einflu\u00df und Zugriff des demokratischen Staates entzogene internationale Machtgruppierung (das &#132;Bank- und B\u00f6rsenkapital&#148;) die Ausbeutung der besiegten V\u00f6lker plane und organisiere, &#151; eine unsichtbare und darum besonders verabscheuensw\u00fcrdige Spezies der Tyrannei! So ganz falsch war der Gedanke wohl nicht, selbst wenn Goebbels ihn als wirkungsvolle Propagandaparole handhabte. Da\u00df Propaganda nicht unbedingt immer Wahrheit sei, war mir schon damals klar, war aber eine Sache, die nach jeder Richtung hin bedacht werden mu\u00dfte. Auch menschliche Minderwertigkeiten, das wu\u00dfte ich, hatte man \u00fcberall in Kauf zu nehmen.<br \/>Auf jeden Fall war mein Vertrauen zur NSDAP gr\u00f6\u00dfer als das zu den gegenl\u00e4ufigen Propagandakl\u00e4ngen. (Die Gewichte der Fakten, wie sie in jener Zeit wirkten, werden, das ist au\u00dfer Zweifel, in der gegenw\u00e4rtigen Presse und Literatur zugunsten der heutigen Siegerm\u00e4chte tendenzi\u00f6s verschoben.) F\u00fcr mich jedenfalls als &#132;Nazi&#148; von 1929 und 1933 war der Fall des Widerstandes gegeben. Ich meldete meine Menschenrechte an.<br \/>Mit meiner Hilfe kam Hitler an die Macht. Ich h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen, da\u00df er ein Tyrann war, und h\u00e4tte Widerstand leisten sollen? O ja, es gab Momente, wo ich nahe daran war: Die R\u00f6hm-Aff\u00e4re, und die heute so genannte &#132;Kristallnacht&#148;. Letztere vor allem hat mich in eine erste Vertrauenskrise gef\u00fchrt.<br \/>Ja, &#132;wenn eine lange Reihe von Mi\u00dfbr\u00e4uchen und \u00dcbergriffen die Absicht erkennen l\u00e4\u00dft, die B\u00fcrger absolutem Despotismus zu unterwerfen&#148; (Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der USA), &#151; wenn es so gewesen w\u00e4re, &#151; aber f\u00fcr mich und die \u00fcberwiegende Mehrheit der Deutschen war es nicht so. Ich erinnere mich sehr lebhaft der grotesken Tatsache, wie meine Beklemmungen angesichts der &#132;Macht\u00fcberhandnahme&#148; im Fr\u00fchling 1933 durch die erkl\u00e4rte Zustimmung der Kirche im Hitler-Konkordat sich l\u00f6sten, trotz oder vielleicht gerade wegen meiner sonstigen traditionellen Vorurteile gegen\u00fcber dem Katholizismus. Vor allem aber meine Hemmungen bez\u00fcglich der brutalen Ma\u00dfnahmen gegen die Juden wurden immer wieder beschwichtigt durch \u00c4u\u00dferungen aus den Reihen der katholischen Kirche und der sogenannten &#132;Bekennenden Kirche&#148;.<br \/>Wohin ich blickte, das Positive \u00fcberwog in meinen Augen. Das Negative reichte nicht zum Widerstand. Man denke: Hitler hatte das Sudetenland befreit, &#151; durch Verhandlungen, &#151; es fiel kein Schu\u00df! Nicht er war der erste, der etwa &#132;mit brutaler Waffengewalt&#148; dem Volk dort seinen tyrannischen Willen aufzwang, \u2015 die ersten waren vielmehr, genau zwanzig Jahre fr\u00fcher, im Dezember 1918, die tschechischen Regimenter gewesen, die den erkl\u00e4rten Volkswillen der deutschen \u00d6sterreicher und das soeben pathetisch verk\u00fcndete &#132;Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker&#129;h mit Milit\u00e4rstiefeln traten, und zwar nach Abschlu\u00df des Waffenstillstands, im Namen Wilsons, im Namen Englands, Frankreichs, Italiens und der gesch\u00e4ndeten Demokratie. 54 unbewaffnete Demonstranten wurden damals von tschechischem Milit\u00e4r erschossen. &#132;Mit Rebellen verhandeln wir nicht&#129;h, erkl\u00e4rte man dem deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten Josef Seliger.<br \/>Und Hitlers Einmarsch 1939 in Prag? Er ging mir &#132;auf die Nieren&#148;. Nicht wegen vieler Toter, denn die gab es nicht, &#151; auch nicht wegen eines dramatischen Widerstandes der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, denn den gab es auch nicht. Mir ging es um das echte, ehrliche Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker. Ich beruhigte mich schlie\u00dflich bei Goebbels&#8216; Propagandaargumenten, die genau denen entsprachen, mit denen heute die Russen in Prag und die Amerikaner in Vietnam auftreten. Immerhin ist der Unterschied frappierend, wenn man den Widerstand der Bev\u00f6lkerung im Prag von damals und heute vergleicht. Aber davon schreiben die Zeitungen nicht.<br \/>Dann kam der Krieg. Nur die notwendige Beschr\u00e4nkung der Diskussion hindert mich, auch hier\u00fcber zu sprechen.<br \/>Und wie steht es heute mit dem Recht der S\u00fcdtiroler zu Ungehorsam und Widerstand und Gewaltakten? Darf nicht auch hier Jeffersons Brief gelten, da\u00df ,;der Baum der Freiheit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen aufgefrischt werden&#148; mu\u00df? Vertreten nicht die Widerstandsk\u00e4mpfer dort, wie vor 1918 die Italiener in ihrem Land, das alte &#132;gute Recht&#148;, das nach ihrer nicht unbegr\u00fcndeten Auffassung von Staats wegen mit Gesetzen planm\u00e4\u00dfig und systematisch gebeugt wird? Dar\u00fcber m\u00f6chte ich wohl gern alternierende Ansichten aus der HU h\u00f6ren. ,;Frankreich hatte seine Revolution&#8220;, schreibt Fritz Bauer. &#132;Es bekannte sich zu den Menschenrechten. Hierzu wurde sofort das Recht auf r\u00e9sistance gez\u00e4hlt. Anders in Deutschland. Die deutschen Philosophen machten im Kielwasser des autorit\u00e4ren Staates dem Widerstandsrecht der Jahrtausende den Garaus.&#129;h Und dann folgt ein peinliches Zitat von Kant.<br \/>Ich will Frankreich nichts von seinem Ruhm abschneiden bez\u00fcglich der Theorie der Menschenrechte, kann aber nicht umhin, darauf hinzuweisen, da\u00df mit der Verk\u00fcndigung der Theorie des neuen Evangeliums alsbald der Kreuzzug anhob. Auch mu\u00df ich sagen, da\u00df eben dieses revolution\u00e4re Frankreich zugleich mit den &#132;Menschenrechten&#148; die Anbetung der eigenen Nation nicht nur praktizierte, sondern durch Parlamentsbeschlu\u00df zum Staatsgesetz erhob. Niemals seit Richelieu und dem Sonnenk\u00f6nig hat der franz\u00f6sische Imperialismus und Weltbegl\u00fcckungswahn solche blutigen Bl\u00fcten getrieben wie im Zeichen der hehren Revolution mit ihrer Theorie der Menschenrechte. Das waren &#151; man darf es nicht \u00fcbersehen &#151; die Fr\u00fcchte der resistance.<br \/>&#132;Frankreich hatte seine Revolution&#148;, sagt Bauer, &#132;es bekannte sich zu den Menschenrechten.&#148; Deutschland aber, so meine ich, und zwar das Volk, nicht die F\u00fcrsten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#151; hatte seine Erhebung gegen die franz\u00f6sische Vergewaltigung, die mit Gloire und Patrie die Welt f\u00fcr die franz\u00f6sische Freiheit erobern wollte. Es war der Widerstand gegen die Einverleibung in jenen Staat, der noch heute den gro\u00dfen Empereur zu seinen bedeutendsten M\u00e4nnern z\u00e4hlt, der sich in seinen Spuren mit Freiheit, Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit an die Spitze aller imperialistischen M\u00e4chte zu setzen bem\u00fchte und auch heute nur von den noch gr\u00f6\u00dferen und brutaleren Vork\u00e4mpfern dieser Ideale in Washington und Moskau an weiterer Entfaltung gehindert wird. &#151; So kann man die Dinge auch sehen.<br \/>In der Bereitwilligkeit gegenw\u00e4rtiger Deutscher zur Annahme einer den elementarsten deutschen und damit europ\u00e4ischen Interessen widerstrebenden Geschichtsdeutung kann ich nur einen Ausdruck jener kritiklosen Unterw\u00fcrfigkeitstendenzen sehen, die Bauer mit Recht tadelt. Ich jedenfalls werde unter Aufbietung meines Verstandes (sapere aude!) und meiner Lebenskraft intensiven Widerstand und Ungehorsam gegen solche Repression zeigen. Auf Grund nicht unerheblicher Sachkenntnis bin ich der \u00dcberzeugung, da\u00df die deutsche Geschichte sp\u00e4testens seit Luther mit guten Gr\u00fcnden als ein immer neu durch raffinierte Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und gesetzliche Fesselung erzwungener Ungehorsam und Widerstand gegen vielfach gr\u00f6\u00dfere und m\u00e4chtigere Gewalten begriffen werden kann, gegen Nachbarn, die es stets vorz\u00fcglich verstanden, ihre Macht und Finanzinteressen mit idealen Theorien wie Christentum, Menschenrecht und Sozialismus in Gleichklang zu bringen.<br \/>Es ist doch wohl zu sehr vereinfacht, dies neue Weltbild von dem Frankreich der hehren Menschenrechte und dem Deutschland der unterw\u00fcrfigen Philosophen.<br \/>Einen faden Geschmack im Munde empfindet man vollends, wenn man einen sp\u00e4ten Sch\u00fcler der hochmoralischen franz\u00f6sischen Revolution, Robert Kennedy, &#132;unser Recht auf die moralische F\u00fchrerschaft auf diesem Planeten&#148; verk\u00fcnden h\u00f6rt. Dabei ist Kennedy kein romantischer Poet aus dem vorigen Jahrhundert wie Geibel, nach dessen Worten &#132;am deutschen Wesen die Welt genesen&#148; sollte. Wir Deutschen sind gewi\u00df keine Engel, aber sind es &#132;die Franzosen&#148;, &#132;die Amerikaner&#148;?<br \/>Ich. bin Schleswig-Holsteiner\u00b9 und wei\u00df aus dem Leben meiner Vorv\u00e4ter, denen niemand eine Fehlprogrammierung durch den verderblichen preu\u00dfischen Kommi\u00df nachsagen kann, nur zu gut, wie sich ein wildgewordener demokratischer Nationalismus h\u00f6hnisch \u00fcber uns erhob, unsere Autonomie scheibchenweise planm\u00e4\u00dfig abbaute, uns eine fremde Sprache und eine fremde Fahne aufn\u00f6tigte oder aufn\u00f6tigen wollte und das \u00fcberkommene Recht autorit\u00e4r beseitigte. Meine Landsleute taten, was Bauer verlangt. Sie leisteten Widerstand, und 1848, angeregt durch die neue Revolution in Paris, erhoben sie sich gegen die. staatliche Autorit\u00e4t.<br \/>Was war die Antwort der nordischen Demokraten? Milit\u00e4r! Besetzung! Kriegsrecht! Gewalt!. Trotz vorangegangenen eigenen Rechtsbruches beriefen sie sich auf die sch\u00e4ndlichen Prinzipien, die noch Fritz Bauer als Student an der M\u00fcnchner Universit\u00e4t h\u00f6rte und gelehrt bekam: &#132;Der Staat ist rechtlich durch keine Schranke gebunden. Selbst brutale Gewaltakte w\u00fcrden, wenn sie in der Form des Gesetzes auftreten, f\u00fcr Gerichte, Verwaltungsbeh\u00f6rden, Untertanen verbindliche sein.&#148;<br \/>&#132;Die Deutschen&#148;, so Bauer, &#132;waren grunds\u00e4tzlich gesetzesgl\u00e4ubig&#148;. Waren es wirklich nur die Deutschen? Hier stimmt doch etwas nicht in seiner Rechnung. Denn die ersten Besatzer hier waren demokratische D\u00e4nen, nicht \u00d6sterreicher und Preu\u00dfen. Die ersten Heimatvertriebenen in diesem Land durch 14 traurige Jahre waren demokratische Deutsche, nicht aber D\u00e4nen. \u2015<br \/>Ich bin nicht von ungef\u00e4hr Mitglied der Humanistischen Union, bin es nicht nur, weil sie gegen klerikale Anma\u00dfungen und unhumane Prinzipien auftritt, &#151; ich stehe vielmehr ganz allgemein zu ihren Grunds\u00e4tzen, und zwar als Einzelner, als Mensch, als Glied meiner Familie, meines Volkes und der Menschheit. Da\u00df ich auch die Interessen meines besiegten und durch eigene und fremde Schuld schwer gepr\u00fcften Volkes vertrete, soll man mir nicht verwehren. Da\u00df ich es tue, und da\u00df ich es tun darf, rechne ich zu dem &#132;\u00fcbergesetzlichen Recht eines Menschen und eines Volkes&#148;, das &#132;au\u00dferhalb jeder Diskussion&#148; stand und noch steht.<br \/>Eine peinliche Frage aber will mir bei aller Begeisterung f\u00fcr den Widerstand nicht aus dem Sinn: Wenn das Recht zum Widerstand die Mauer der Gesetze einrei\u00dft, wo ist dann Rettung vor dem \u00dcberma\u00df der Willk\u00fcr und des Unrechts? Ob franz\u00f6sische, ob russische, ob nationalsozialistische Revolution, &#151; sie alle gipfelten in Tyrannei, Blutrausch und Imperialismus. &#151; Ich bin freilich 59 Jahre alt. Die Jugend mag weniger Skrupel empfinden. Auch ich war einmal 20.<\/p>\n<p>Fritz Castagne, Kiel<\/p>\n<p>1) Man mi\u00dfverstehe dies nicht in dem Sinne, als wollte ich alte Wunden, die heute vernarbt sind, neu aufrei\u00dfen. Ich spreche hier ausschlie\u00dflich von gl\u00fccklicherweise \u00fcberwundenen Gegens\u00e4tzen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[758,667],"autoren":[2521],"publikationen":[1078],"class_list":["post-12609","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-unrecht-widerstand","tag-vorgaenge-artikel","autoren-fritz-castagne","publikationen-1-1969"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Widerstand und Widerstandsrecht. 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