{"id":17540,"date":"2021-12-16T13:21:09","date_gmt":"2021-12-16T12:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=17540"},"modified":"2023-06-19T18:15:28","modified_gmt":"2023-06-19T16:15:28","slug":"bundesverfassungsgericht-klima-revolution-mit-schwaechen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/234-vorgaenge\/publikation\/bundesverfassungsgericht-klima-revolution-mit-schwaechen\/","title":{"rendered":"Bundesverfassungsgericht: Klima-Revolution mit Schw\u00e4chen"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg\u00e4nge Nr. 234 (2\/2021), S. 91 &#8211; 96<\/p>\n<p>Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat am 24. M\u00e4rz 2021 in einer vielbeachteten Entscheidung nicht nur erstmals einen grundrechtlichen Schutz \u201evor den Gefahren des Klimawandels\u201c und eine staatliche Pflicht zur \u201eHerstellung von Klimaneutralit\u00e4t\u201c, sondern auch entsprechende Rechtsanspr\u00fcche k\u00fcnftiger Generationen formuliert. Felix Ekardt, Prozessbevollm\u00e4chtigter einer der erfolgreichen Verfassungsbeschwerden, kommentiert die Entscheidung.<\/p>\n<p>Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat im Fr\u00fchjahr 2021 mit einem regelrechten Paukenschlag die vermutlich weitest gehende Entscheidungi gef\u00e4llt, die bislang ein oberstes Gericht weltweit zum Klimaschutz getroffen hat. Der deutsche Gesetzgeber muss die Klimaziele nach 2030, die im deutschen Klimaschutzgesetz verankert sind, deutlich st\u00e4rker konkretisieren. Und er muss das verbleibende Treibhausgas-Budget fair zwischen den Generationen verteilen. Letzteres zwingt zu deutlich ambitionierteren Klimazielen \u2013 und vor allem Ma\u00dfnahmen \u2013 schon vor 2030.<br \/>\nErstmals war in Deutschland eine Verfassungsklage auf mehr Umweltschutz erfolgreich. Entschieden wurde dabei \u00fcber vier Verfassungsbeschwerden. Die erste wurde 2018 von Einzelkl\u00e4gern wie dem Schauspieler Hannes Jaenicke, dem Energieforscher Volker Quaschning und dem Ex-CSU-Abgeordneten Josef G\u00f6ppel gemeinsam mit dem Solarenergie-F\u00f6rderverein Deutschland (SFV) und Friends of the Earth Germany (BUND) erhoben (vertreten durch die Rechtsanw\u00e4ltin Franziska He\u00df und mich). Der SFV hatte die Klage durch Auftr\u00e4ge f\u00fcr Rechtsgutachtenii an mich seit 2010 vorbereitet (die wiederum auf meiner Habilitationsschrift von 2002 beruhen)iii. Die Verfassungsbeschwerde stie\u00df 2018 in Politik, Jurisprudenz und Medien fast einhellig auf Skepsis. Als sie im August 2019 \u2013 f\u00fcr viele \u00fcberraschend \u2013 vom Verfassungsgericht zur Entscheidung angenommen wurde, \u00e4nderte sich das Bild. Es folgten im Januar 2020 weitere Verfassungsbeschwerden, unter anderem von Aktivistinnen von Fridays for Future und Menschen aus Bangladesch, unterst\u00fctzt von weiteren Umweltverb\u00e4nden.<\/p>\n<h3><span id=\"i-verfassungsgericht-und-modernisiertes-freiheitsverstaendnis\">I. Verfas&shy;sungs&shy;ge&shy;richt und moder&shy;ni&shy;siertes Freiheits&shy;ver&shy;st&auml;ndnis<\/span><\/h3>\n<p>Das BVerfG folgt in zentralen Punkten der von uns vertretenen ersten Beschwerde. Es \u00e4ndert damit in wesentlichen Hinsichten seine Rechtsprechung, ohne dies jedoch zuzugeben. Die Entscheidung zeigt:<\/p>\n<ol>\n<li>Verfassungsklagen auf mehr Umweltschutz k\u00f6nnen erfolgreich sein, und zwar ohne dass der (fast unm\u00f6gliche) Nachweis gef\u00fchrt werden m\u00fcsste, dass jede einzelne existierende Klimaschutzregelung letztlich untauglich ist.<\/li>\n<li>Es gibt ein Grundrecht auf Klimaschutz. Die Grundrechte sch\u00fctzen dabei auch die intertemporale und grenz\u00fcberschreitende Freiheit und ihre elementaren Voraussetzungen, nicht nur die Freiheit hier und heute (Rn. 175 und 182 ff. der Entscheidung). Das ist ein Meilenstein f\u00fcr das Recht.<\/li>\n<li>Es gibt ein Grundrecht auf das \u00f6kologische Existenzminimum.<\/li>\n<li>Eine Grundrechtsbetroffenheit besteht auch, wenn wie beim Klimawandel sehr viele betroffen sind (Rn. 110). Auch das ist ein Bruch mit der bisherigen Logik des deutschen Rechts.<\/li>\n<li>Der Sache nach \u2013 ohne es zu sagen \u2013 wird endlich das Vorsorgeprinzip auf die Grundrechte angewendet (Rn. 129 ff.). Es kommt also nicht allein darauf an, ob hier und heute der Beschwerdef\u00fchrer bereits verletzt ist; es sind auch kumulative, unsichere und langfristige Grundrechtsbeeintr\u00e4chtigungen denkbar. Dies ist \u00fcberzeugend, weil die Grundrechte bei drohenden irreversiblen Sch\u00e4den sonst leerlaufen. Genau das erkennt auch das Verfassungsgericht.<\/li>\n<li>Es geht mit dem Klimaschutz um die Freiheitsrechte insgesamt (Rn. 127), und zwar in zweifacher Hinsicht: Sowohl der Klimawandel als auch der Klimaschutz sind f\u00fcr die Freiheit relevant. F\u00fcr den Aspekt \u201eFreiheitsschutz vor dem Klimawandel\u201c hatten wir dem Gericht sowohl eine Argumentation \u00fcber das Recht auf die elementaren Freiheitsvoraussetzungen Leben, Gesundheit und Existenzminimum als auch eine Argumentation \u00fcber die Freiheit insgesamt in Verbindung mit dem Staatsziel Umweltschutz (Art. 20a GG) angeboten. Das Gericht folgt in eigener Diktion letztlich der zweiten Linie, erw\u00e4hnt allerdings den unterst\u00fctzenden Charakter der ersten Linie.<\/li>\n<li>Dass Artikel 2 des Paris-Abkommens letztlich auf dem Weg ist, ein verfassungsrechtlich gebotener Mindeststandard zu werden, und zwar mit dem Bem\u00fchen der Begrenzung auf 1,5 Grad, nicht nur auf deutlich unter 2 Grad, folgt teilweise unserem Argument, dass schon jetzt mindestens die 1,5-Grad-Grenze geboten istiv (Rn. 235). Das Gericht erkennt zutreffend, dass das Paris-Abkommen nicht mehr von \u201ezwei Grad\u201c spricht \u2013 und dass die Staaten versuchen m\u00fcssen, 1,5 Grad einzuhalten, wie sich aus dem Wortlaut des Artikels 2 ergibt. Emissions-Neutralit\u00e4t wird dabei zum verfassungsrechtlichen Gebot.<\/li>\n<li>Politik muss den aktuellen Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zugrunde legen. Das bedeutet, dass die Tatsachen sorgf\u00e4ltig ermittelt werden m\u00fcssen, auch wenn diesbez\u00fcglich L\u00fccken bestehen (womit das BVerfG in fr\u00fcheren Entscheidungen oft sehr lax war).<\/li>\n<li>Das Gericht statuiert: Heutige Generationen greifen in die Freiheitsrechte zuk\u00fcnftiger Generationen ein, indem sie sich bis 2030 zu viele Treibhausgasemissionen zugestehen: Das Klimaschutzgesetz hat Reduktionslasten in unzul\u00e4ssiger Weise auf die Zukunft verschoben. Die Ziele f\u00fcr die Zeit nach 2030, letztlich wegen des bis dahin schon aufgebrauchten Budgets aber auch schon vor 2030, m\u00fcssen deutlich nachgesch\u00e4rft werden. Dies greift in eigenen Worten unseren Ansatz der Grenzen des Abw\u00e4gens auf, die der Gesetzgeber beachten muss.<\/li>\n<li>Das Parlament muss alle wesentlichen Entscheidungen selbst treffen. Das hat es nicht getan. Auch insoweit haben wir Recht bekommen. Diesbez\u00fcglich und bez\u00fcglich der Emissionsreduktionspfade (siehe soeben) muss der Gesetzgeber bis Ende 2022 nachbessern.<\/li>\n<li>Klimaschutz kann nicht einfach im Ausland oder durch riskante Geoengineering-Ans\u00e4tzev u.\u00e4. erbracht werden (Rn. 226 f.).<\/li>\n<li>Jeder Staat muss seinen fairen Anteil \u00fcbernehmen (Leitsatz 2c).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dass die gesamte deutsche Politik \u00fcber dieses Urteil jubelt, ist bemerkenswert und zugleich grotesk: Denn die Schrifts\u00e4tze von Bundesregierung und Bundestag aus dem Prozess dokumentieren, dass sie die Klage massiv ablehnten und keinesfalls begr\u00fc\u00dften.<\/p>\n<h3><span id=\"ii-schwaechen-des-urteils\">II. Schw&auml;chen des Urteils<\/span><\/h3>\n<p>All das schlie\u00dft nicht aus, dass die Entscheidung auch erhebliche Schw\u00e4chen hat:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Verfassungsgericht greift den Ansatz des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und \u2013 darauf aufbauend \u2013 des Sachverst\u00e4ndigenrats f\u00fcr Umweltfragen der Bundesregierung (SRU) auf, die die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze in Treibhausgas-Budgets berechnen. Die Schw\u00e4chen des IPCC-Budgets, das als Ergebnis eines Konsensgremiums mit optimistischen Annahmen (etwa zur Klimasensitivit\u00e4t) arbeitet, werden vom Gericht \u00fcbergangen. Ebenso \u00fcbergangen werden rechtliche Kritikpunkte am IPCC-Budget,vi das ja als Konkretisierung einer Rechtsnorm gedacht ist, n\u00e4mlich des Artikels 2 Absatz 1 des Pariser Klima-Abkommens. Diese Norm ist rechtsverbindlich,vii wie das Gericht selbst voraussetzt (das ergibt sich etwa aus Artikel 3 und 4 Absatz 1 des Paris-Abkommens). Dann aber gen\u00fcgt es nicht, die 1,5 Grad nur mit 67% Wahrscheinlichkeit anzustreben, wie es der IPCC tut. Ferner bezieht sich Artikel 2 des Paris-Abkommen auf den Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Daf\u00fcr kann man aber nicht wie die vom IPCC zugrunde gelegten naturwissenschaftlichen Studien als Basisjahr ein Jahr in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts w\u00e4hlen. Denn die Industrialisierung begann schon etwa 1750. Das Gericht \u00e4u\u00dfert insoweit f\u00e4lschlich (Rn. 223), wir h\u00e4tten eine solche Kritik nie ge\u00e4u\u00dfert. Selbst das SRU-Budget als Weiterentwicklung des IPCC-Budgets reicht deshalb nicht aus f\u00fcr Art. 2 Abs. 1 Paris-Abkommen. Es f\u00e4llt f\u00fcr Deutschland zwar kleiner aus, als es aus den IPCC-Daten f\u00fcr Deutschland sonst h\u00e4ufiger geschlussfolgert wird. Doch liegt das allein an der (rechtlich allerdings \u00fcberzeugenden) Weichenstellung, dass der SRU den Menschen in Deutschland pro Kopf nicht mehr Emissions-Rechte zugesteht als etwa Menschen in Afrika (der IPCC legt sich dazu nicht fest).<\/li>\n<li>Der Umgang des BVerfG mit der doppelten Freiheitsgef\u00e4hrdung kann nicht befriedigen, weil die gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr die Freiheit der Klimawandel und nicht eine radikale Klimapolitik ist. Beim BVerfG liest es sich teilweise eher umgekehrt. Dazu tr\u00e4gt auch bei, dass das Gericht neben seinen Klimaschutzanforderungen aus den Freiheitsrechten insgesamt in Verbindung mit Artikel 20a GG gleichzeitig betont, dass das Recht auf Leben und Gesundheit allein die Klage nicht trage (Rn. 182 ff.). Die von uns, neben dem Ansprechen der Freiheitsrechte insgesamt und des Artikels 20a GG, ge\u00e4u\u00dferte Kritik an diesem \u00fcberholten Verst\u00e4ndnis ignoriert das BVerfG vollst\u00e4ndig. So kommt es in der Entscheidung zu einem kuriosen Kompromiss: Einerseits gibt es jetzt ein Grundrecht auf mehr Klimaschutz, andererseits wird die \u00fcberholte restriktive Lehre von der Schutzdimension der Grundrechte beibehalten. Dabei wird verkannt, dass das Grundgesetz die abwehrende und die sch\u00fctzende Dimension in Artikel 1 Absatz 1 Satz 2 und in Artikel 2 Absatz 1 als gleichrangig anspricht. Ferner wird immer noch \u00fcbersehen, dass es bei Schutz-Klagen nicht um einen \u201eAnspruch auf Gesetzgebung\u201c geht. Es geht vielmehr wie bei Abwehrklagen nur darum, durch eine gerichtliche Feststellung eine \u00e4u\u00dfere Grenze zu ziehen \u2013 also \u201eso jedenfalls nicht\u201c, nicht \u201etu genau das\u201c. Unter dem Gesichtspunkt der Gewaltenteilung unterscheiden sich beide Dimensionen der Grundrechte daher nicht. F\u00fcr die Freiheitsrechte insgesamt und den Artikel 20a erfasst das Gericht das richtig \u2013 es m\u00fcsste jedoch auch f\u00fcr das Recht auf die elementaren Freiheitsvoraussetzungen Leben und Gesundheit gelten.<\/li>\n<li>Beim Gesundheitsschutz benennt das Gericht ernsthaft auch Anpassungsma\u00dfnahmen in weiten Teilen als zul\u00e4ssige Strategie (Rn. 169 ff.), obwohl allein schon wegen drohender Klimakriege u.\u00e4. diese wohl kaum mit der Emissionsvermeidung auf einer Stufe stehen.<\/li>\n<li>\u00a0Zuletzt wird \u00fcbergangen, dass die meisten Emissionen nicht durch Deutschland allein, sondern durch EU-Gesetzgebung geregelt sind. Deshalb hatten wir explizit beantragt festzustellen, dass Deutschland auf EU-Ebene nicht ausreichend zugunsten des Klimaschutzes t\u00e4tig geworden ist. Darauf ist das BVerfG nicht eingegangen. Es wird in der weiteren Umsetzung des Urteils aber eine zentrale Rolle spielen. Dies gilt umso mehr, als das BVerfG eine wesentliche Feststellung dann doch ganz deutlich trifft: Es erw\u00e4hnt zwar die EU nicht, aber es statuiert, dass Klimaschutz in wesentlichen Teilen international erfolgen muss. Und dass Deutschland sich dabei nachdr\u00fccklich einbringen muss.<\/li>\n<\/ol>\n<h3><span id=\"iii-politische-konsequenzen\">III. Politische Konse&shy;quenzen<\/span><\/h3>\n<p>Klimapolitisch ergeben sich aus alledem eine Reihe von Folgerungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Eine \u00c4nderung des Klimaschutzgesetzes f\u00fcr die Zeit ab 2031 reicht nicht. Es muss auch das Budget bis dahin gerechter verteilt werden. Erste Signale der Bundesregierung gingen sofort dahin, dass die Ziele nachgesch\u00e4rft werden. Die erfolgten Nachsch\u00e4rfungen gen\u00fcgen jedoch bei weitem nicht, denn immer noch w\u00fcrde der Gro\u00dfteil des Budgets bis 2030 aufgebraucht \u2013 selbst nach den optimistischen IPCC-Budgetberechnungen.<\/li>\n<li>Ob die Nachsch\u00e4rfung auch f\u00fcr Ma\u00dfnahmen geschieht, ist bislang offen. Eine \u00c4nderung des Klimaschutzgesetzes allein reicht jedoch nicht, denn ohne Umsetzung sind Ziele sinnlos. Auf den Pr\u00fcfstand geh\u00f6ren damit s\u00e4mtliche Gesetze etwa des Energierechts und des Agrarrechts.<\/li>\n<li>Wichtiger und wirksamer w\u00e4ren indes \u00c4nderungen auf EU-Ebene, also eine nicht mehr bremsende, sondern antreibende Rolle Deutschlands in der EU. Denn rein deutsche L\u00f6sungen sind nicht nur \u00f6konomisch oft problematisch unter dem Gesichtspunkt der Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Sie sind vor allem \u00f6kologisch oft suboptimal, weil sie r\u00e4umliche und sektorale Verlagerungseffekte beg\u00fcnstigen. Sinnvoll w\u00e4re etwa eine Integration aller fossilen Brennstoffe in den EU-Emissionshandel, verbunden mit einer Streichung aller Altzertifikate und einem Cap null bis sp\u00e4testens 2035 (wissenschaftlich eher sogar 2030). Die EU-Kommission wird in diesen Tagen ohnehin wohl Vorschl\u00e4ge in dieser Richtung vorlegen. Geht die EU einen solchen Schritt, wird der deutsche Kohleausstieg 2038 pulverisiert \u2013 er kommt dann viele Jahre fr\u00fcher. Die Rolle, die die alte und neue Bundesregierung in der EU spielt, d\u00fcrfte also wichtiger sein als die \u00c4nderung deutscher Gesetze.<\/li>\n<li>Hintergrund der geplanten EU-Rechtsakte sind die neuen EU-Klimaziele f\u00fcr 2030. Diese weisen in die gleiche Richtung wie das Gerichtsurteil. Damit entsteht von zwei Seiten Druck auf eine deutlich andere deutsche \u2013 und europ\u00e4ische \u2013 Klimapolitik. Das ist auch n\u00f6tig. Denn wenn das Paris-Abkommen zeitnahe Nullemissionen nahelegt, dann impliziert das null fossile Brennstoffe bei Strom, Geb\u00e4uden, Mobilit\u00e4t, Landwirtschaft, Kunststoffen und Zement \u2013 und eine stark reduzierte Tierhaltungviii (erg\u00e4nzt durch einige ungef\u00e4hrliche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Negativ-Emissionen durch Forst- und Moor-Management zur Kompensation von Residual-Emissionen aus Industrie und Landwirtschaft). Gemessen daran liegt noch ein weiter Weg vor der EU und Deutschland.<\/li>\n<li>Auch im Rahmen der geltenden Gesetze wird sich das Urteil auf die Auslegung des Rechts auswirken, etwa im Bergrecht und im Naturschutzrecht. Der massive Stra\u00dfenausbau fr\u00fcherer Jahre wird beispielsweise der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Felix Ekardt Jurist, Philosoph und Soziologe; war ab 2002 Professor an der Uni Bremen und ist seit Anfang 2009 Gr\u00fcnder und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin. Seit 2009 ist er auch an der Universit\u00e4t Rostock (Juristische und Interdisziplin\u00e4re Fakult\u00e4t) Professor f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht und Rechtsphilosophie und Mitglied des Leibniz-Wissenschaftscampus Phosphorforschung Rostock. Er forscht seit 1997 zu Recht, Politik, Ethik und Transformationsbedingungen der Nachhaltigkeit.<\/em><\/p>\n<h3><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">1<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">BVerfG, Beschluss v.24.3.2021 &#8211; 1 BvR 2656\/18.<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">2<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\"><a href=\"https:\/\/www.sfv.de\/publikationen\/gutachten.\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.sfv.de\/publikationen\/gutachten.<\/a><\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">3<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Aktualisiert auf Englisch<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Ekardt: Sustainability, 2019, Springer: Cham.<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">4<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Ekardt\/Wiedling\/Zorn 2018: Paris Agreement, Precautionary Principle and Human Rights: Zero <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Emissions in Two Decades? in: Sustainability 10(8).<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">5<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Wieding\/Stubenrauch\/Ekardt 2020: Human Rights and Precautionary Principle: Limits to Geoengi<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">neering, SRM, and IPCC Scenarios. in: Sustainability 12(21).<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">6<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Dazu Ekardt\/Wiedling\/Zorn 2018: Paris Agreement, Precautionary Principle and Human Rights: <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Zero Emissions in Two Decades? in: Sustainability 10(8).<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">7<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Wieding\/Stubenrauch\/Ekardt 2020: Human Rights and Precautionary Principle: Limits to Geoengi<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">neering, SRM, and IPCC Scenarios. in: Sustainability 12(21).<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">8<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Weishaupt\/Ekardt\/Garske\/Stubenrauch\/Wieding 2020: Land Use, Livestock, Quantity Governance, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">and Economic Instruments\u2014Sustainability Beyond Big Livestock Herds and Fossil Fuels. In: Su<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">stainability 12 (5).<\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2972,2976,16],"tags":[3171,3165,3170,3164,667],"autoren":[1962],"publikationen":[854,2954],"class_list":["post-17540","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-bundesverfassungsgericht","category-klima","category-rechtspolitik","tag-bundesverfassungsgericht","tag-klima","tag-klimaneutral","tag-klimawandel","tag-vorgaenge-artikel","autoren-felix-ekardt","publikationen-vorgaenge","publikationen-234-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Bundesverfassungsgericht: Klima-Revolution mit Schw\u00e4chen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/234-vorgaenge\/publikation\/bundesverfassungsgericht-klima-revolution-mit-schwaechen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bundesverfassungsgericht: Klima-Revolution mit Schw\u00e4chen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg\u00e4nge Nr. 234 (2\/2021), S. 91 &#8211; 96 Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat am 24. 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