{"id":17947,"date":"2022-04-27T16:12:18","date_gmt":"2022-04-27T14:12:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/sars-cov-2-pandemie-lessons-to-learn-fuer-deutschland-copy\/"},"modified":"2023-06-14T15:40:44","modified_gmt":"2023-06-14T13:40:44","slug":"sars-cov-2-pandemie-lessons-to-learn-fuer-deutschland-copy","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/235-vorgaenge\/publikation\/sars-cov-2-pandemie-lessons-to-learn-fuer-deutschland-copy\/","title":{"rendered":"SARS-CoV-2-Pandemie: Lessons to learn f\u00fcr Deutschland"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Die vergangenen zwei Jahre waren auch f\u00fcr die Einrichtungen des Bev\u00f6lkerungs- und Katastrophenschutzes eine gro\u00dfe Herausforderung. Unser Autor schildert aus der Innenansicht des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge die gr\u00f6\u00dften Probleme. Defizite sieht er vor allem bei den in den letzten Jahren eingesparten Vorsorgema\u00dfnahmen, in der mangelnden Ber\u00fccksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie der unzureichenden (und nicht zielgruppenorientierten) Krisenkommunikation.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die SARS-CoV-2-Pandemie stellt f\u00fcr Deutschland eine der gr\u00f6\u00dften bev\u00f6lkerungsschutzrelevanten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte dar. Seit der weltweiten Ausbreitung der Covid-19-Erkrankungen Ende 2019 und Anfang 2020 sind alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen und oftmals durch Ma\u00dfnahmen eingeschr\u00e4nkt. Dadurch ist deutlich geworden, dass es sich bei der Pandemie nicht nur um eine rein virologische Problemstellung handelt, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Deutschland war bereits in der Vergangenheit von Krisen- und Katastrophenereignissen betroffen. Diese unterschieden sich jedoch durch ihre r\u00e4umlichen und zeitlichen Dimensionen deutlich von der SARS-CoV-2-Pandemie. F\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der deutschen Bev\u00f6lkerung stellt die Pandemie die erste direkte Krisenerfahrung dar. Aber auch f\u00fcr erfahrene Expert:innen im Bereich des Risiko- und Krisenmanagements ist die aktuelle Krise eine neue Erfahrung. Vergleichbare Lagen aufgrund eskalierender Infektionskrankheiten sind seit der Influenza-Pandemie (\u201eSpanische Grippe\u201c) vor \u00fcber hundert Jahren nicht mehr aufgetreten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Deutschland hat ein komplexes System des Bev\u00f6lkerungsschutzes mit aufgeteilten Verantwortlichkeiten und Aufgaben. Dieses System hat sich in der Vergangenheit in einer Vielzahl von Lagen, wie beispielsweise durch Naturgefahren ausgel\u00f6ste Krisen und Katastrophen, entwickelt und vielfach bew\u00e4hrt. Bei der Bew\u00e4ltigung der SARS-CoV-2-Pandemie konnte das Gesamtsystem jedoch nur bedingt auf bew\u00e4hrte Verfahrensweisen zur\u00fcckgreifen und es zeigten sich Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es stellt sich daher die Frage, welche Lehren wir aus der aktuellen Pandemie f\u00fcr zuk\u00fcnftige Krisen und Katastrophen ziehen k\u00f6nnen, um uns als Gesellschaft resilienter aufzustellen. Wie auch Martin Voss (2021), der in einem umfangreichen Papier Aspekte f\u00fcr die Zukunft des Bev\u00f6lkerungsschutzes in Folge der Pandemieerfahrung zusammengefasst hat, erscheint es dem Autor noch zu fr\u00fch, um von \u201e<i>lessons learned<\/i>\u201c zu sprechen. Einerseits ist die pandemische Lage noch nicht beendet und der Lernprozess noch nicht abgeschlossen. Andererseits sind Erfahrungen und Wissenszugewinne noch nicht in handlungsorientiertes Wissen eingegangen und von allen Beteiligten institutionalisiert. Es erscheint daher angemessener von \u201e<i>lessons to learn<\/i>\u201c zu sprechen um damit auf Schwachstellen und L\u00fccken des Bev\u00f6lkerungsschutzes als Ganzes zu verweisen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Folgenden werden einige der \u201elessons to learn\u201c f\u00fcr Deutschland dargestellt und beschrieben. Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und basiert auf der subjektiven Einsch\u00e4tzung des Autors. Zudem ist zu erwarten, dass sich im Laufe der kommenden Monate und Jahre, sowie im Zuge weiterer Aufarbeitungen der Corona-Bew\u00e4ltigung die Schwerpunkte verschieben werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"wir-muessen-lernen-mit-risiken-zu-leben\">Wir m&uuml;ssen lernen, mit Risiken zu leben<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Erfreulicherweise war Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr von einer nationalen Krisen- oder Katastrophenlage betroffen. Es gab selbstverst\u00e4ndlich eine Reihe von Katastrophenereignissen, wie beispielsweise die Hamburger Sturmflut 1962 (He\u00dfler and Kehrt, 2014) mit 340 Toten, die \u201eJahrhunderthochwasser\u201c von 2002 und 2013 mit Sch\u00e4den von etwa 11,6 Mrd. EUR bzw. 8,2 Mrd. EUR (Deutsches Komitee f\u00fcr Katastrophenvorsorge, 2015) oder die Flutkatastrophe im Juli 2021, welche vorrangig Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz betraf. Diese Ereignisse waren im Gegensatz zur Covid-19 Pandemie r\u00e4umlich und zeitlich begrenzt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch der Verteidigungsfall, also der Zustand, dass die Bundesrepublik Deutschland milit\u00e4risch angegriffen wird, ist seit dem Fall des \u201eEisernen Vorhangs\u201c kein Szenario mehr, welches bei der Bev\u00f6lkerung oder der Politik eine zentrale Rolle spielt. So wurden f\u00fcr den Verteidigungsfall bereitgehaltene Infrastrukturen wie Schutzbunker und Sirenenanlagen zu gro\u00dfen Teilen zur\u00fcckgebaut und entfernt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese gef\u00fchlte Sicherheit hat gewiss dazu beigetragen, dass Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen in den Hintergrund getreten sind und f\u00fcr nicht notwendig erachtet wurden. Zugleich scheint sich eine Erwartungshaltung an den Staat etabliert zu haben, dass dieser im Krisenfall unterst\u00fctzt, hilft und die Verantwortung \u00fcbernimmt (AFP, 2018). So zeigte sich die deutsche Boulevardpresse emp\u00f6rt (BILD, 2016, Raupach 2016), als im Zuge der Ver\u00f6ffentlichung der Konzeption Zivile Verteidigung (Bundesministerium des Innern, 2016) erneut Hinweise zur Eigenvorsorge (vgl. auch Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2019) publiziert wurden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die in der Bev\u00f6lkerung nur wenig ausgepr\u00e4gte Eigenvorsorge sowie die gesellschaftlich empfundene Sicherheit werden mitunter als \u201eVollkaskomentalit\u00e4t\u201c zusammengefasst. Eine Lehre aus der Corona-Pandemie ist daher sicher, dass wir uns von der Vollkaskomentalit\u00e4t trennen m\u00fcssen. Es existieren Risiken und es ist nicht m\u00f6glich, alle Risiken zu kontrollieren und zu vermeiden. Daher ist es notwendig, Pr\u00e4vention zu f\u00f6rdern und in die Vorsorge zu investieren. Gleichwohl darf dies nicht als Argument gegen die Solidargemeinschaft missverstanden werden. Sie bleibt unabdingbar.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"wir-leben-in-einer-weltrisikogesellschaft\">Wir leben in einer Weltri&shy;si&shy;ko&shy;ge&shy;sell&shy;schaft<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die SARS-CoV-2-Pandemie hat zudem verdeutlicht, dass wir in einer globalisierten Welt leben und Katastrophenereignisse nicht vor Staatsgrenzen haltmachen. Insbesondere stark vernetzte L\u00e4nder, die auf den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Personen angewiesen sind, k\u00f6nnen sich nicht abschotten. Ans\u00e4tze und Ma\u00dfnahmen des Risiko- und Krisenmanagements bei uns haben einen direkten Einfluss auf die globale Lage und vice versa.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass globale Herausforderungen wie die SARS-CoV-2 Pandemie oder auch der Klimawandel nur ad\u00e4quat adressiert werden k\u00f6nnen, wenn die internationale Kooperation verst\u00e4rkt wird und ein abgestimmtes Vorgehen vereinbart und eingehalten wird.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"wir-muessen-uns-auf-neue-gefahren-einstellen\">Wir m&uuml;ssen uns auf neue Gefahren einstellen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Pandemie war f\u00fcr Deutschland ein neues Krisenereignis auf welches das Gesamtsystem des Bev\u00f6lkerungsschutzes inklusive der Bev\u00f6lkerung nicht ausreichend vorbereitet war. Gleichzeitig existieren weitere Risiken und Bedrohungen, welche sich bislang noch nicht manifestiert haben. In Berichten wie dem Wei\u00dfbuch der Bundeswehr (Bundesregierung, 2016) und der Konzeption Zivile Verteidigung (Bundesministerium des Innern, 2016) wird eindrucksvoll dargestellt, welchen neuen Bedrohungen Deutschland ausgesetzt ist. Hierzu z\u00e4hlen u.a. Cyber-Angriffe auf kritische Infrastrukturen, welche insbesondere durch ihre komplexe Vernetzung und direkten Abh\u00e4ngigkeiten untereinander verwundbar sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aber auch weitere Gefahren, u.a. durch den Klimawandel direkt verursacht oder verst\u00e4rkt, betreffen Deutschland bereits. Beispiele hierf\u00fcr sind u.a. Tornados, mehrj\u00e4hrige D\u00fcrren oder Vegetationsbr\u00e4nde auf munitionsbelasteten Fl\u00e4chen. Bei solchen Gefahren, f\u00fcr die es keine oder nur wenig direkte Pr\u00e4zedenz in Deutschland gibt, kann nur bedingt auf bew\u00e4hrtes und einge\u00fcbtes Wissen zur\u00fcckgegriffen werden. Eine Vorbereitung ist dementsprechend schwierig, insbesondere, wenn &#8211; wie auch bei pandemischen Lagen &#8211; die Eintrittswahrscheinlichkeit f\u00fcr niedrig gehalten wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie auch bei der SARS-CoV-2 Pandemie, werden sich auch zuk\u00fcnftig Risiken manifestieren, welche wir nicht erwartet haben und auf die wir nicht ideal vorbereitet sind. Hierbei werden auch komplexe Zusammenh\u00e4nge uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"die-risikokommunikation-muss-effizienter-werden\">Die Risiko&shy;kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;tion muss effizienter werden<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Risikokommunikation strebt an, \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren im Vorhinein zu informieren, um damit ad\u00e4quate Vorsorgema\u00dfnahmen und Notfallpl\u00e4ne implementieren zu k\u00f6nnen. In Deutschland werden j\u00e4hrliche Risikoanalysen durch das Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) durchgef\u00fchrt und dem Bundestag vorgelegt (BBK, 2021). Daneben werden mit L\u00dcKEX (L\u00e4nder- und Ressort\u00fcbergreifende Krisenmanagement Exercice) regelm\u00e4\u00dfige Krisenmanagement-\u00dcbungen durchgef\u00fchrt, um daraus Erkenntnisse f\u00fcr zuk\u00fcnftige Ereignisse zu gewinnen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Risikoanalyse von 2012 (Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2013) sowie die L\u00dcKEX von 2007 (Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2008) befassten sich beide mit pandemischen Lagen und haben deutlich aufgezeigt, dass das deutsche Bev\u00f6lkerungsschutzsystem nicht ad\u00e4quat auf eine solche Krise vorbereitet ist. Dennoch haben die Auswertungen der Szenarien weder in der Politik noch in der allgemeinen Bev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dferen Widerhall erfahren.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"krisenmanagement-braucht-wissenschaft\">Krisen&shy;ma&shy;na&shy;ge&shy;ment braucht Wissen&shy;schaft<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Um Krisen effizient managen zu k\u00f6nnen, insbesondere solche, bei denen (wie auch bei der SARS-CoV-2 Pandemie) die Risiken und weiteren Entwicklungen schwer einsch\u00e4tzbar sind, braucht es wissenschaftliche Expertise. Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Fachbereiche haben fortlaufend ihre Einsch\u00e4tzungen \u00fcberarbeitet und der Politik zur Verf\u00fcgung gestellt. Dennoch wurden oftmals Krisenmanagemententscheidungen getroffen, die wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprachen. Ein bekanntes Beispiel hierf\u00fcr sind die Modellierungen des zuk\u00fcnftigen Infektionsgeschehens, welche nicht immer ber\u00fccksichtigt wurden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"die-krisenkommunikation-muss-zielgruppengerechter-werden\">Die Krisen&shy;kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;tion muss zielgrup&shy;pen&shy;ge&shy;rechter werden<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Bei der Krisenkommunikation steht der Austausch von Informationen w\u00e4hrend einer Krise im Vordergrund. Sie zielt darauf ab, Sch\u00e4den zu verhindern oder zu begrenzen (Bundesministerium des Innern, 2014). In Bezug auf die Pandemie bedeutet dies, dass \u00fcber zielgerichtete Kommunikation erreicht werden soll, dass die Bev\u00f6lkerung die beschlossenen Ma\u00dfnahmen mittr\u00e4gt und unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dass Verbesserungsbedarf in diesem Bereich besteht, kann bei Betrachtung der in Teilen der Gesellschaft vertretenden Ablehnung gegen\u00fcber den staatlichen Ma\u00dfnahmen zum Management der SARS-CoV-2 Pandemie kaum bestritten werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Selbstverst\u00e4ndlich ist es eine gro\u00dfe Herausforderung, mit Krisenkommunikation die Bev\u00f6lkerung an Bord zu holen, wenn die Ma\u00dfnahmen so massiv das gesellschaftliche Leben einschr\u00e4nken. Dennoch k\u00f6nnte zielgruppengerechtere Kommunikation und Informationsbereitstellung dazu beitragen, mehr Verst\u00e4ndnis und Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung zu erzeugen. Vor allem in Bezug auf Impfungen wird dies in den vergangenen Wochen bereits deutschlandweit praktiziert, beispielsweise \u00fcber mehrsprachige Informationsflyer und mobile Impfteams in sozial benachteiligten Quartieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieses der gesellschaftlichen Diversit\u00e4t Rechnung tragende Krisenmanagement sowie die damit einhergehende zielgruppenorientierte Kommunikation sind Beispiele f\u00fcr <i>best practices<\/i>, welche auch f\u00fcr andere Risiken \u00fcbernommen werden sollten. Dabei k\u00f6nnte der Bev\u00f6lkerung auch noch verst\u00e4rkt eine aktivere Rolle beigemessen werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"praevention-und-resilienz-als-gesellschaftliches-ziel\">Pr&auml;vention und Resilienz als gesell&shy;schaft&shy;li&shy;ches Ziel<\/span><\/h3>\n<h4 class=\"v-absatz-ohne-western\"><span id=\"wie-aber-soll-sich-unsere-gesellschaft-nun-verhalten-um-sich-auf-zukuenftige-risiken-vorzubereiten\">Wie aber soll sich unsere Gesell&shy;schaft nun verhalten, um sich auf zuk&uuml;nftige Risiken vorzu&shy;be&shy;rei&shy;ten?<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im internationalen Umfeld hat sich hierzu in den letzten Jahren das Konzept der Resilienz etabliert. Das Resilienzkonzept ist nicht neu, sondern wird in unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen seit \u00fcber 100 Jahren verwendet (Sudmeier-Rieux, 2014; Thiebes and Hemmers, 2019). Resilienz hat sich in den letzten Jahren als zentrales Leitmotiv und Ziel internationaler Rahmenwerke wie dem Pariser Klimaabkommen (United Nations, 2015a), dem Sendai Rahmenwerk f\u00fcr Katastrophenvorsorge 2015-2030 (UNDRR, 2015), den Nachhaltigen Entwicklungszielen (United Nations, 2015b) und der New Urban Agenda (UN Habitat, 2016) etabliert. Hierbei unterscheiden sich die Verst\u00e4ndnisse von Resilienz, jedoch wird auf Ebene der Vereinten Nationen an einer Vereinheitlichung gearbeitet (UNDP, 2020). Resilienz wird dabei nicht nur als reine Widerstandskraft betrachtet, sondern betont die F\u00e4higkeiten und Kapazit\u00e4ten einer lernf\u00e4higen Gesellschaft, die eine Anpassung und Transformation erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Praxis bedeutet dies, dass der Bev\u00f6lkerungsschutz in Deutschland sich flexibel aufstellen und bereit sein muss, aus Erfahrungen zu lernen. Krisen- und Katastrophenereignisse m\u00fcssen aufgearbeitet werden, um daraus zu lernen und um sich verbessern zu k\u00f6nnen. Weiterhin erh\u00e4lt die Vorsorge einen hohen Stellenwert gegen\u00fcber der reinen Reaktion auf Krisenereignisse. Es ist daher erforderlich, dass Strukturen geschaffen und erhalten werden, welche f\u00fcr eine Vielzahl von m\u00f6glichen Risiken nutzbar sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Querschnittlichkeit von Resilienz fordert auch die Schaffung von Synergien, die zwischen unterschiedlichen Handlungsbereichen wie beispielsweise der Anpassung an den Klimawandel, dem Umweltschutz und der Raumplanung hergestellt werden. In diesem Sinne fordert Resilienzst\u00e4rkung auch gesamtgesellschaftliches Engagement ein. Resilienz ist nicht die alleinige Aufgabe der Verwaltung, sondern ist als gesellschaftliches Leitbild zu verstehen. Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und operativer Katastrophenschutz m\u00fcssen zusammenarbeiten und gemeinsam Erfahrungen austauschen, nach Ma\u00dfnahmen suchen, die Synergien erzeugen und gesellschaftliche Ziele erreichbarer machen. Daneben ist die Einbindung der breiten Gesellschaft notwendig, um diese als aktive Akteur:innen einbinden zu k\u00f6nnen. Hierf\u00fcr m\u00fcssen entsprechende Formate f\u00fcr einen fach\u00fcbergreifenden und vertrauensvollen Austausch geschaffen werden. Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV) m\u00f6chte sich als interdisziplin\u00e4re Plattform und Vernetzer zwischen Wissenschaft, operativer Praxis und Politik einbringen und den Austausch, das gemeinsame Lernen und den Wissenstransfer aktiv mitgestalten.<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\">Benni Thiebes, geb. 1980 in Siegburg, Dr. rer. nat., Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beim Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV). Er studierte Geographie in Bonn und hat sich in seiner Doktorarbeit an der Universit\u00e4t Wien mit Fr\u00fchwarnsystemen f\u00fcr Naturgefahren befasst. Er war wissenschaftlich in Europa und dem Asien-Pazifikraum aktiv und hat als Berater f\u00fcr die Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die United Nations Economic and Social Commission for Asia and the Pacific (UNESCAP) gearbeitet. Seit 2018 ist er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beim Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV) in Bonn.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">AFP, 2018. Sozialstaat: St\u00e4dtebund will weg von deutscher \u201eVollkaskomentalit\u00e4t\u201c. <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Gentium Book Basic;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">F<\/span><\/span><\/span><\/span>az.net v. 25.12.2018. URL: <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/mehr-wirtschaft\/sozialstaat-staedtebund-gegen-vollkaskomentalitaet-15958563.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/mehr-wirtschaft\/sozialstaat-staedtebund-gegen-vollkaskomentalitaet-15958563.html<\/a> (9.7.21).<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">BBK, 2021. Risikoanalysen Bund und L\u00e4nder [WWW Document]. Bundesamt F\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz Katastrophenhilfe. URL <a href=\"https:\/\/www.bbk.bund.de\/DE\/Themen\/Risikomanagement\/Risikoanalysen-Bund-Laender\/risikoanalysen-bund-laender_node.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.bbk.bund.de\/DE\/Themen\/Risikomanagement\/Risikoanalysen-Bund-Laender\/risikoanalysen-bund-laender_node.html<\/a> (9.7.21).<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">BILD, 2016. Opposition kritisiert Regierungspl\u00e4ne f\u00fcr Zivilschutz \u2013 Was soll der Quatsch mit den Hamsterk\u00e4ufen?. bild.de v. 22.8.2016. URL <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/thomas-de-maiziere\/zivilschutz-was-soll-der-quatsch-mit-den-hamster-kaeufen-47439602.bild.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/thomas-de-maiziere\/zivilschutz-was-soll-der-quatsch-mit-den-hamster-kaeufen-47439602.bild.html<\/a> (9.7.21).<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2019. Ratgeber f\u00fcr Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2013. Bericht zur Risikoanalyse im Bev\u00f6lkerungsschutz 2012. BT-Drucksache 17\/12051 v. 3.1.2013.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2008. Auswertung der dritten l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Krisenmanagement\u00fcbung \u201eL\u00dcKEX 2007\u201c der Projektgruppe L\u00dcKEX.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesministerium des Innern, 2016. Konzeption Zivile Verteidigung (KZV).<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesministerium des Innern, 2014. Leitfaden Krisenkommunikation.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Bundesregierung, 2016. Wei\u00dfbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr. Berlin: Bundesregierung.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Deutsches Komitee f\u00fcr Katastrophenvorsorge (Hrsg.), 2015. Das Hochwasser im Juni 2013: Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr das Hochwasserrisikomanagement in Deutschland (Schriftenreihe des DKKV). Bonn.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">He\u00dfler, M., Kehrt, C., 2014. Die Hamburger Sturmflut von 1962: Risikobewusstsein und Katastrophenschutz aus zeit-, technik- und umweltgeschichtlicher Perspektive. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Raupach, A., 2016a. Vorr\u00e4te f\u00fcr den Katastrophenfall \u2013 Hamsterk\u00e4ufe? Das brauchen Sie wirklich. bild.de v. 22.8.2016. URL <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/bild-plus\/ratgeber\/verbrauchertipps\/verbrauchertipps\/neues-gesetz-fuer-zivilschutzgesetz-wie-soll-man-wasser-fuer-vierzehn-tage-lagern-47440682.bild.html\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.bild.de\/bild-plus\/ratgeber\/verbrauchertipps\/verbrauchertipps\/neues-gesetz-fuer-zivilschutzgesetz-wie-soll-man-wasser-fuer-vierzehn-tage-lagern-47440682.bild.html<\/a> (9.7.21).<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Sudmeier-Rieux, K.I., 2014. Resilience \u2013 an emerging paradigm of danger or of hope? Disaster Prev. Manag. 23, 67\u201380. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1108\/DPM-12-2012-0143\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1108\/DPM-12-2012-0143<\/a><\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Thiebes, B., Hemmers, J., 2019. Steigerung der gesellschaftlichen Resilienz \u2013 Beitr\u00e4ge des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge. Informationen zur Raumentwicklung, 4, 138\u2013147.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">UN Habitat, 2016. New Urban Agenda.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">UNDP, 2020. UN Common Guidance on Helping Build Resilient Societies.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">UNDRR, 2015. Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015 &#8211; 2030.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">United Nations, 2015a. Paris Agreement.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">United Nations, 2015b. The 2030 Agenda for Sustainable Development. Springer Publishing Company, New York, NY.<\/p>\n<p class=\"v-literaturverzeichnis-western\">Voss, M., 2021. Lessons to learn \u2013 Zustand und Zukunft des Bev\u00f6lkerungsschutzes in Deutschland vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie (KFS Working Paper, 20). Ka-tastrophenforschungsstelle, Berlin.<\/p>\n<p class=\"v-zwischen\u00fcberschrift-2-western\">\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2949],"tags":[],"autoren":[2988],"publikationen":[2986],"class_list":["post-17947","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-corona","autoren-benni-thiebes","publikationen-235-vorgaenge"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>SARS-CoV-2-Pandemie: Lessons to learn f\u00fcr Deutschland - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/235-vorgaenge\/publikation\/sars-cov-2-pandemie-lessons-to-learn-fuer-deutschland-copy\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"SARS-CoV-2-Pandemie: Lessons to learn f\u00fcr Deutschland - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die vergangenen zwei Jahre waren auch f\u00fcr die Einrichtungen des Bev\u00f6lkerungs- und Katastrophenschutzes eine gro\u00dfe Herausforderung. 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