{"id":19333,"date":"2024-05-24T10:56:24","date_gmt":"2024-05-24T08:56:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19333"},"modified":"2024-05-24T10:56:24","modified_gmt":"2024-05-24T08:56:24","slug":"potenziale-und-grenzen-der-identitaetspolitik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/potenziale-und-grenzen-der-identitaetspolitik\/","title":{"rendered":"Potenziale und Grenzen der Identit\u00e4tspolitik"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Identit\u00e4tspolitik ist ein Reizthema. Doch was ist Identit\u00e4tspolitik eigentlich? Wie ist sie entstanden, welche Probleme, welche Potenziale hat sie in welchen Hinsichten? J\u00f6rg Scheller geht in seinem Beitrag diesen allgemeinen Fragen der Identit\u00e4tspolitik nach und liefert somit eine Einf\u00fchrung.<\/em><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"1-einleitung\">1. Einleitung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Identit\u00e4tspolitik ist ein Reizthema. In der angloamerikanischen und europ\u00e4ischen Medien\u00f6ffentlichkeit ist es, als betrete man unausweichlich vermintes Gel\u00e4nde, sobald man sich zu ihr \u00e4u\u00dfert. Gerade in den sozialen Netzwerken werden Diskussionen \u00fcber Identit\u00e4tspolitik mit harten Bandagen ausgetragen. Aber auch in den herk\u00f6mmlichen Medien und in der Wissenschaft scheiden sich die Geister in aller Sch\u00e4rfe. \u201eIdentit\u00e4tspolitik ist keine Politik\u201c, meint etwa der US-amerikanische Politikwissenschaftler Mark Lilla in einem Beitrag f\u00fcr die <i>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a><\/i>. Zu einem noch h\u00e4rteren Urteil kommt der deutsche Psychologe und Autor Ahmad Mansour 2021 auf Twitter: \u201e#Identit\u00e4tspolitik, die leider in Deutschland den #Antirassismuskampf f\u00fchrt, ist selbst rassistisch! Weil sie Menschen nach #Hautfarbe einteilt, kategorisiert, gegen andere Sichtweisen #Intoleranz zeigt, und dazu neigt, ihren Gegnern jegliche Legitimation abzusprechen!\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> Andere sehen die Probleme vor allem auf Seiten der Kritiker von Identit\u00e4tspolitik, etwa die US-amerikanische Soziologin Suzanna Danuta Walters in ihrem Aufsatz \u201eIn Defense of Identity Politics\u201c (2018). Obwohl es sich um einen Text in einem wissenschaftlichen Journal der University of Chicago Press handelt, liest sich die Einf\u00fchrung wie ein Debattenbeitrag f\u00fcr ein Publikumsmagazin: \u201eDas Problem liegt nicht in den Handlungen und W\u00fcnschen der Marginalisierten und D\u00e4monisierten, sondern vielmehr im anhaltenden Aufstieg der \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, der m\u00e4nnlichen und wei\u00dfen Vorherrscher, die sowohl ihre Interessen als auch ihre Universalit\u00e4t unaufh\u00f6rlich bekr\u00e4ftigen.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Mansours und Walters Beispiele zeigen, wie umstritten Identit\u00e4tspolitik sowohl hierzulande als auch im internationalen Diskurs ist, wie verh\u00e4rtet die (ver\u00f6ffentlichten und \u00f6ffentlichkeitswirksamen) Fronten sind, wie emotionalisiert, ja kriegerisch die Auseinandersetzung mit dem Thema oft verl\u00e4uft: Auf Angriff erfolgt Verteidigung. Oft werden die Gegenst\u00e4nde von Diskussionen allerdings im Zuge der Diskussionen bis zur Unkenntlichkeit durch weltanschauliche Instrumentalisierungen verzerrt, aber auch durch erregungsf\u00f6rderliche Algorithmen in sozialen Netzwerken wie Twitter, deren Pr\u00e4gekraft sich auch herk\u00f6mmliche Medien nicht entziehen k\u00f6nnen oder wollen \u2013 am Ende diskutiert man \u00fcber Abziehbilder von Abziehbildern von Abziehbildern. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, einen Schritt zur\u00fcckzutreten und sich ein paar n\u00fcchterne Fragen zu stellen: Was war, was ist Identit\u00e4tspolitik eigentlich? Wie ist sie entstanden, welche Probleme, welche Potenziale hat sie in welchen Hinsichten? Schauen wir also zur\u00fcck auf die Anf\u00e4nge der Identit\u00e4tspolitik, um zu verstehen, warum und wie sie entstand, was sie einmal sein sollte und was sie geworden ist. So lassen sich, in einem zweiten Schritt, die mit ihr verbundenen Chancen und Risiken besser einordnen. Abschlie\u00dfend soll der Frage nachgegangen werden, ob sich rechte und linke Identit\u00e4tskonzepte und Identit\u00e4tspolitiken tats\u00e4chlich \u00e4hneln.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"2-identitaet\">2. Identit&auml;t<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wer sich mit Identit\u00e4tspolitik auseinandersetzt, sollte zun\u00e4chst den Begriff \u201eIdentit\u00e4t\u201c (von lat. \u201eidem\u201c, \u201edasselbe\u201c) zumindest in seinen j\u00fcngeren historischen Konturen umrei\u00dfen. Zwar war er in Philosophie und Psychologie durchaus g\u00e4ngig, aber bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fristete er ein recht unscheinbares Dasein im \u00f6ffentlichen Diskurs westlicher Gesellschaften. Mit Blick auf politische, soziale oder ethnische Kollektive standen Begriffe wie \u201eNation\u201c, \u201eKlasse\u201c oder \u201eKultur\u201c im Vordergrund. Selbst in Adolf Hitlers Reden zwischen 1932 und 1945, in denen man Formulierungen wie \u201edeutsche Identit\u00e4t\u201c doch erwarten k\u00f6nnte, taucht der Begriff kaum je auf, und wenn, dann an marginalen Stellen auf unspezifische Weise.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> Was aber meint \u201eIdentit\u00e4t\u201c eigentlich?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Kurz gesagt, ist Identit\u00e4t die Summe der wesentlichen Eigenschaften, die ein Lebewesen oder ein Ding, aber auch abstrakte Ph\u00e4nomene ausmacht. Das impliziert die Unterscheidbarkeit von anderen Dingen, Lebewesen oder abstrakten Ph\u00e4nomenen. In der Tat basieren individuelle wie auch Gruppenidentit\u00e4ten auf reflektierter Differenz: eine Identit\u00e4t besteht, wenn sie sich von anderen Identit\u00e4ten unterscheiden l\u00e4sst und als solche reflektiert wird. Wer daraus jedoch ableitet, Identit\u00e4ten schl\u00f6ssen einander aus, missachtet eine einfache philosophische Regel: Bei einer Unterscheidung muss spezifiziert werden, in welcher <i>Hinsicht<\/i> unterschieden wird. So k\u00f6nnen sich etwa die Identit\u00e4ten sozialer und biologischer Gruppen in einer Hinsicht unterscheiden (beispielsweise \u201eMann\u201c \/ \u201eFrau\u201c, \u201eblond\u201c \/ \u201eschwarzhaarig\u201c), doch in anderer Hinsicht gleichen (beispielsweise \u201ewohlhabend\u201c \/ \u201ewohlhabend\u201c, \u201eschlank\u201c \/ \u201eschlank\u201c). Menschliche Identit\u00e4t setzt sich notwendigerweise aus mehreren Elementen zusammen, denn Menschen sind komplexe soziale Wesen (\u201eMann, wohlhabend, gebildet, links\u201c, etc.). Damit ist es \u2013 je nachdem, welche Absichten bestehen oder was rechtfertigungsbed\u00fcrftig ist \u2013 stets m\u00f6glich, in einer Hinsicht Verbindendes, in anderer Hinsicht Trennendes zu finden bzw. auf Ersteres oder Letzteres zu fokussieren. Identit\u00e4t ist somit <i>relational<\/i>. Sie beruht auf reflektierten Ungleichheits<i>beziehungen<\/i> wie auch Gleichheits<i>beziehungen<\/i> in jeweils bestimmten Hinsichten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wenn sich die (soziale) Umwelt wesentlich ver\u00e4ndert, wird Identit\u00e4t explizit. Dann justieren Menschen in der Regel ihre Identit\u00e4t (bewusst oder unbewusst) neu. Solange die Verh\u00e4ltnisse stabil sind und kein Anlass besteht, sie in Frage zu stellen, bleibt Identit\u00e4t hingegen \u00fcberwiegend unbewusst (implizit), abgesehen von unausweichlichem entwicklungspsychologischem Identit\u00e4tswandel. Somit stehen Identit\u00e4t und Krise in einem engen und oft urs\u00e4chlichen Zusammenhang. Vor diesem Hintergrund mag verst\u00e4ndlich werden, warum gerade nach dem Zweiten Weltkrieg die Auseinandersetzung mit Identit\u00e4t in der Entwicklungs- und Sozialpsychologie an Fahrt gewinnt, wie der Philosoph Kwame Anthony Appiah in seinem Buch <i>The Lies That Bind: Rethinking Identity<\/i> (2018) festh\u00e4lt.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> Die Verheerungen der Weltkriege hatten viele vermeintliche Gewissheiten ins Wanken gebracht. Die \u00c4ra der &#8222;gro\u00dfen Beschleunigung&#8220;<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> (Hibbard et al.) durch den avancierten Kapitalismus in den Konsumkulturen seit den 1950er Jahren trug das \u00dcbrige dazu bei.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zu starken sozialen Ver\u00e4nderungen kam es in Europa und Amerika in den 1960er und 1970er Jahren auch durch die Gegen- und Subkulturen, die Studentenunruhen, die B\u00fcrgerrechtsbewegung, den Neoliberalismus und nicht zuletzt durch die pluralistische \u00c4ra der \u201ePostmoderne\u201c. F\u00fcr diese pr\u00e4gte der franz\u00f6sische Philosoph Jean-Fran\u00e7ois Lyotard die Formulierung vom Ende des Glaubens an die \u201egro\u00dfen Erz\u00e4hlungen\u201c.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a> Er stellte fest, dass in postindustriellen Gesellschaften nicht mehr nur wenige \u201eMeta-Narrative\u201c die soziale Wirklichkeit organisieren (etwa die der Wissenschaft oder der Staatspolitik), sondern viele Mikro-Erz\u00e4hlungen vieler Mikro-Gruppen koexistieren. In diesem Lichte erscheint es plausibel, dass, je mehr Differenz man begegnet, desto h\u00e4ufiger die eigene Identit\u00e4t reflektiert wird, da sie nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich erscheint. Pluralismus pluralisiert somit auch die Identit\u00e4tsfrage und die Intensit\u00e4t der Auseinandersetzung mit Identit\u00e4ten. Die neuen Medien, so k\u00f6nnte man hinzuf\u00fcgen, verst\u00e4rkten diese Entwicklung: \u201eIn einer elektronischen Informationsumwelt k\u00f6nnen Minorit\u00e4ten nicht mehr ausgegrenzt \u2013 ignoriert \u2013 werden. Zu viele Menschen wissen zu viel voneinander.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> (Marshall McLuhan) Die sozialen Medien des 21. Jahrhunderts setzen diese Entwicklung fort.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Immer mehr Gruppen, die bis dahin keine oder nur eine leise Stimme gehabt hatten, dr\u00e4ngten in die Medien\u00f6ffentlichkeit, um f\u00fcr ihre Anliegen zu lobbyieren. Diese Anliegen betrafen nicht mehr nur bin\u00e4r strukturierte Gro\u00dfgruppen wie \u201eArbeiter und Kapitalisten\u201c oder \u201eM\u00e4nner und Frauen\u201c. Stattdessen machten z. B. ab 1974 die Aktivistinnen des Combahee River Collective \u2013 einer Gruppe lesbischer schwarzer Frauen aus Boston, USA \u2013 auf ihre spezifische Situation aufmerksam: Diese sei nicht identisch mit der Situation wei\u00dfer heterosexueller Frauen, aber auch nicht mit der Situation m\u00e4nnlicher Schwarzer aus der Mittelschicht, etwa mit Blick auf Arbeitsverh\u00e4ltnisse oder Behandlung vor Gericht. Genau diese Verschiebung des Fokus\u2019 von \u2013 nur vordergr\u00fcndig homogenen \u2013 Gro\u00dfgruppen wie \u201eFrauen\u201c oder \u201eSchwarze\u201c auf kleinere Subgruppen durch linksprogressiven Aktivismus (das Combahee River Collective bezeichnete sich als revolution\u00e4r-sozialistisch und berief sich auf Karl Marx) ist die Geburtsstunde dessen, was man \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c nennt.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"3-identitaetspolitik\">3. Identi&shy;t&auml;ts&shy;po&shy;litik<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Aktivistinnen des Combahee River Collective entwickelten in den 1970er Jahren eine Sicht auf die Wirklichkeit, die heute l\u00e4ngst \u00fcber den urspr\u00fcnglichen Kontext hinausgewachsen ist und einen Marsch durch die Parlamente, Firmenzentralen und Bildungseinrichtungen vollzogen hat. Als sie 1977 ihr Combahee River Collective Statement ver\u00f6ffentlichten, sah das anders aus.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a> Der Text zirkulierte zun\u00e4chst nur in US-amerikanischen Aktivisten- und Akademikerkreisen. Fast alle Begriffe, an denen sich heute die eingangs genannten hitzigen Diskussionen und Kulturk\u00e4mpfe entz\u00fcnden, standen schon im Statement: Feminismus, Rassismus, Inklusion, Patriarchat \u2013 und eben \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c. Entscheidend ist dabei die Akzentverschiebung von der individuell-psychologischen Identit\u00e4t auf die Identit\u00e4t sozialer Kleingruppen und ihre \u00e4u\u00dferen Bedingungen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Aktivistinnen forderten, kritisch auf eine k\u00fcnftige Allgemeinheit hin-, statt (affirmativ) von der bestehenden Allgemeinheit her zu denken. Politik sollte sich nicht mehr nur prim\u00e4r nach denen richten, die zu dem z\u00e4hlen, was man \u201eMehrheitsgesellschaft\u201c nennt \u2013 in den USA waren das, zumindest was die obersten Machtpositionen betraf, die (m\u00e4nnlichen) W.A.S.P.S.: <i>White Anglo-Saxon Protestants<\/i> (\u201eWei\u00dfe angels\u00e4chsische Protestanten\u201c). Stattdessen sollte sich Politik auch an den Bed\u00fcrfnissen prek\u00e4r lebender, stigmatisierter, marginalisierter und diskriminierter Gruppen orientieren. Zu diesen z\u00e4hlten in besonderem Ma\u00dfe sie selbst \u2013 schwarze, lesbische Frauen. Aus dieser Diagnose entwickelte die US-amerikanische Juristin Kimberl\u00e9 Crenshaw sp\u00e4ter das Konzept \u201eIntersektionalit\u00e4t\u201c als Analyse und Kritik von Mehrfachdiskriminierungen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch wenn es die eigene Lebenswirklichkeit \u2013 mithin die eigene Identit\u00e4t \u2013 ins Zentrum r\u00fcckte, wollte sich das Combahee River Collective deshalb nicht gleichsam zum Nabel der Welt erkl\u00e4ren, sondern im Sinne anderer Marginalisierter, Diskriminierter oder Unterdr\u00fcckter auf konkrete Probleme aufmerksam machen. Die Autorinnen waren sich bewusst, dass die Betonung der eigenen Gruppenidentit\u00e4t die Gefahr des Essenzialismus in sich barg; also die Fehlannahme, Identit\u00e4t sei etwas Unver\u00e4nderliches, wom\u00f6glich biologisch Determiniertes. Sie grenzten sich deshalb von jeglichem Biologismus ab und sprachen von \u201estrategischem Essenzialismus\u201c: Das Insistieren auf einer spezifischen Identit\u00e4t, die nicht zuletzt erst infolge der Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft entstanden war, sollte nur tempor\u00e4r zum Einsatz kommen, bis die Macht auf &#8222;nicht-hierarchische&#8220; Weise verteilt worden sei.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Frauen betonten \u00fcberdies, dass sie sich nicht gegen andere Gruppen richteten, auch wenn sie unter anderem schwarze M\u00e4nner und wei\u00dfe Frauen f\u00fcr mangelnde Solidarit\u00e4t kritisierten. Eine Ausnahme machten sie dann aber doch: Vermittels eines Zitats der Feministin Robin Morgan legten sie am Ende des Textes nahe, dass wei\u00dfe, heterosexuelle M\u00e4nner keine revolution\u00e4re Rolle spielen k\u00f6nnten, verk\u00f6rperten diese doch die reaktion\u00e4re Macht und deren Interessen \u2013 eine Behauptung, die f\u00fcr viele wei\u00dfe, heterosexuelle M\u00e4nner, die sich in Sklaven- und Bauernaufst\u00e4nden, anarchistischen Kommunen, liberalen und linken Parteien oder schlicht in ihrem Familienalltag gegen die Macht anderer wei\u00dfer, heterosexueller M\u00e4nner aufgelehnt hatten, eine Herabw\u00fcrdigung bedeuten musste. In der deutschen \u00dcbersetzung des Statements im von Natasha A. Kelly herausgegebenen Sammelband <i>Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte<\/i> fehlt das inhaltlich relevante Zitat von Morgan, ohne dass ein Hinweis auf die Entfernung oder eine Begr\u00fcndung eingef\u00fcgt worden w\u00e4re. Auf Anfrage erkl\u00e4rt der Unrast-Verlag, in der Version, die man \u00fcbersetzt habe, sei der Satz nicht enthalten gewesen. Warum das so sei, wisse man nicht.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Editorische Eingriffe hin oder her: Mit Blick auf Kollektivkategorien wie \u201eM\u00e4nner\u201c oder \u201eFrauen\u201c, \u201eLesben\u201c oder \u201eHeterosexuelle\u201c, \u201eSchwarze\u201c oder \u201eWei\u00dfe\u201c scheint ein Problem auf, das im n\u00e4chsten Abschnitt behandelt wird. Denn das eigensinnige Individuum droht \u00fcber eine oft viel zu grob gestrickte und nicht zwingend selbst gew\u00e4hlte, von anderen unterstellte Gruppenzugeh\u00f6rigkeit vergessen zu gehen. Grunds\u00e4tzlich aber richtete sich das <i>Statement<\/i> aus einer spezifischen Erfahrung heraus mit guten Gr\u00fcnden gegen einen Universalismus, der zwar die Gleichheit beziehungsweise Gleichberechtigung aller Menschen betont, aber angesichts real existierender Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten seinem eigenen Anspruch nicht gerecht wird. Sogar der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der fr\u00fcher zu den konservativen Kritikern der Identit\u00e4tspolitik z\u00e4hlte und mittlerweile erkl\u00e4rterma\u00dfen nach links ger\u00fcckt ist, schreibt in seinem Buch <i>Identit\u00e4t<\/i> (2019): \u201eDie \u00dcbernahme der Identita\u0308tspolitik war sowohl verst\u00e4ndlich als auch notwendig, denn die gelebten Erfahrungen von Identita\u0308tsgruppen unterscheiden sich und m\u00fcssen oftmals auf spezifische Weise behandelt werden. [&#8230;] Eigentlich gibt es an der Identita\u0308tspolitik als solcher wenig zu bem\u00e4ngeln \u2013 sie stellt eine nat\u00fcrliche und unvermeidliche Reaktion auf Ungerechtigkeiten dar.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote11sym\" name=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"4-chancen-und-risiken\">4. Chancen und Risiken<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Fukuyamas Einsch\u00e4tzung bringt auf den Punkt, was der Vorteil von Identit\u00e4tspolitik ist: Sie wird dort konkret und spezifisch, wo andere Zug\u00e4nge zur Wirklichkeit nebul\u00f6s bleiben. Dass aktivistische Gruppen ihre spezifische Identit\u00e4t betonen, geht mitunter nicht auf ihre eigenen Pr\u00e4ferenzen zur\u00fcck, sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass sie zuvor von Anderen in Schubladen gesteckt wurden. Nicht alle Schwarzen wollten als \u201eschwarz\u201c wahrgenommen werden, doch Rassengesetze und rassistische Diskurse sorgten daf\u00fcr, dass diese Wahrnehmung institutionalisiert wurde. Nicht alle M\u00e4nner oder Frauen wollen immer und \u00fcberall als M\u00e4nner oder Frauen identifiziert werden, doch \u00fcber weite Strecken ihres Alltags werden sie durch diese Identit\u00e4tsbrille betrachtet. Und weil das so ist, wird es konkret benannt \u2013 je st\u00e4rker die Abwertung von Identit\u00e4ten, desto h\u00f6her die Wahrscheinlichkeit, dass diese irgendwann demonstrativ hervorgehoben werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Indem sie das Spezifische stark macht, bildet Identit\u00e4tspolitik ein Korrektiv zu einem Feigenblatt-Universalismus, der den Soll-Zustand mit dem Ist-Zustand verwechselt oder davon ausgeht, dass sich im Laufe der Geschichte alle Probleme ohne weiteres politisches Zutun schon irgendwie von selbst l\u00f6sen. Als Analyseinstrument sch\u00e4rft Identit\u00e4tspolitik den Blick f\u00fcr das Partikulare bzw. damit verbundene Ungerechtigkeiten. Und durch das Bewusstsein f\u00fcr Mehrfachdiskriminierungen l\u00e4sst sich ein ber\u00fchmter, Gustav Heinemann (1969 bis 1974 Bundespr\u00e4sident der Bundesrepublik Deutschland) zugeschriebener Satz in seiner ganzen Tragweite erschlie\u00dfen: \u201eMan erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schw\u00e4chsten ihrer Glieder verf\u00e4hrt.\u201c Identit\u00e4tspolitik zeigt \u00fcberdies, wie die \u2013 vermeintlich \u2013 Schw\u00e4chsten der Gesellschaft ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen k\u00f6nnen. Das n\u00e4mlich war die Wahrnehmung des Combahee River Collective: Die anderen, seien es wei\u00dfe feministische Frauen oder schwarze M\u00e4nner aus der B\u00fcrgerrechtsbewegung, setzen sich nicht ausreichend f\u00fcr uns ein oder behindern uns sogar. Also m\u00fcssen wir selbst aktiv werden. Und daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns stolz so pr\u00e4sentieren, wie und wer wir sind. Diese Bejahung der Eigeninitiative verbindet den Aktivismus des Combahee River Collective mit liberalen und anarchistischen Traditionen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Konsequent angewendet, k\u00f6nnte Identit\u00e4tspolitik Fortschritt im Sinne des Wegbereiters des Anarchismus William Godwin (1756\u20131836) bef\u00f6rdern: \u201eDer wahre Politiker schr\u00e4nkt weder seine Erwartungen noch seine W\u00fcnsche innerhalb bestimmter Grenzen ein; er hat sich eine unabschlie\u00dfbare Arbeit vorgenommen. Er sagt nicht: \u201aLasst mich so viel erreichen, dann werde ich zufrieden sein; ich werde nicht mehr verlangen; ich werde der bestehenden Ordnung der Dinge nicht mehr zuwiderhandeln; ich werde diejenigen, die sie unterst\u00fctzen, nicht mehr behelligen.\u2018 Im Gegenteil, sein gesamtes Leben ist der F\u00f6rderung von Innovation und Reform gewidmet.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote12sym\" name=\"sdendnote12anc\"><sup>xii<\/sup><\/a> Identit\u00e4tspolitik w\u00e4re so betrachtet die Fortsetzung linksprogressiver und linksliberaler Politik unter US-amerikanischen und postmodernen Vorzeichen; eine Ausdifferenzierung des Klassenkonflikts im Kontext der multikulturellen, sozial fragmentierten Verh\u00e4ltnisse der USA, deren Aufstieg auch auf Sklavenarbeit, der Ausbeutung und Ungleichbehandlung der schwarzen Bev\u00f6lkerung beruht(e).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">W\u00e4hrend manche Kommentatoren argumentieren w\u00fcrden, um die Gleichberechtigung von M\u00e4nnern und Frauen sei es heute doch ziemlich gut bestellt, es g\u00e4be da im Grunde nichts oder nicht mehr viel zu tun, w\u00fcrde ein identit\u00e4tspolitischer Ansatz immer noch feine Unterschiede erkennen \u2013 \u201eMikro-Aggressionen\u201c sind denn auch ein wiederkehrendes Thema im aktuellen identit\u00e4tspolitischen Aktivismus. Die einen erkennen darin nicht mehr als eine Spitzfindigkeit, Wehleidigkeit, Wohlstandsverwahrlosung (Stichwort \u201eSnowflakes\u201c), im R\u00fcckgriff auf Godwin lie\u00dfe es sich aber auch als schl\u00fcssige Weiterf\u00fchrung emanzipatorischen Fortschritts deuten. Der Sinn eines solchen Fortschritts best\u00fcnde dann nicht darin, sogenannte \u201eLuxusprobleme\u201c abzuschaffen, sondern im Gegenteil darin, m\u00f6glichst viele in den Genuss von Luxusproblemen zu bringen. Und was w\u00e4re ein Fortschritt, der nicht mehr fortschreitet, und sei es im Kleinen?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zu den Nachteilen der Identit\u00e4tspolitik z\u00e4hlt indes, dass zwischen Theorie und Praxis oft eine L\u00fccke klafft. Identit\u00e4tspolitik ist dort konstruktiv, wo sie die Wirklichkeit analysiert, um basierend darauf politische Ma\u00dfnahmen zu fordern. Sie ist dort destruktiv, wo sie ihrerseits Menschen vorschnell in vorgefertigte Gruppenidentit\u00e4tsschubladen einsortiert und, entgegen der eigenen Pr\u00e4missen, Mikro-Unterschiede ignoriert. \u201eWei\u00dfe M\u00e4nner\u201c beispielsweise gelten dann per se als \u201eprivilegiert\u201c, w\u00e4hrend sie in der Realit\u00e4t z. B. in der Schulbildung oder in Sorgerechtsstreitigkeiten gegen\u00fcber \u201ewei\u00dfen Frauen\u201c benachteiligt sein k\u00f6nnen, wom\u00f6glich zur verarmten sozialen Unterklasse z\u00e4hlen oder vielleicht aus osteurop\u00e4ischen Staaten stammen, die selbst Opfer von Kolonialismus, Besetzung und Genoziden durch westeurop\u00e4ische Staaten, Russland oder das Osmanische Reich wurden (bezeichnend dabei ist die etymologische N\u00e4he zwischen den W\u00f6rtern \u201eSklave\u201c von \u201eSlawe\u201c). Wer argumentiert, die Nationalsozialisten h\u00e4tten die Slawen, die sie zu unterjochen versuchten, ja nicht als \u201eWei\u00dfe\u201c eingestuft, \u00fcbernimmt die rassifizierende Klassifikation des NS. Ausschlaggebend in diesen Zusammenh\u00e4ngen sollte stets die Eigenidentifikation von Gruppen, insbesondere von benachteiligten sein, nicht die Zuschreibungen Anderer \u2013 schon gar nicht die von Rassisten und Nationalsozialisten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch geht mitunter vergessen, dass Mehrfachdiskriminierte in anderer Hinsicht bevorteilt sein k\u00f6nnen. Die US-amerikanische Vizepr\u00e4sidenten Kamala Harris etwa z\u00e4hlt als Frau, Migrantin und dunkelh\u00e4utige Indo-Amerikanerin mit afroamerikanischem Familienhintergrund nominell zu den Mehrfachdiskriminierten, stammt aber aus einer reichen Akademiker-Familie der privilegierten Kaste der Tamilischen Brahmanen, ist selbst Akademikerin und verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfe Macht. Eine erweitere Intersektionalit\u00e4tstheorie w\u00fcrde auch diese Fakten ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Identit\u00e4tspolitik ist auch dort destruktiv, wo sie nurmehr Gruppen statt auch Individuen sieht. Je l\u00e4nger man \u201estrategischen Essenzialismus\u201c betreibt, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr, dass gewohnheitsm\u00e4\u00dfiger daraus wird. Dass Menschen als soziale Wesen qua Geburt irgendeiner Gruppe angeh\u00f6ren, bedeutet nicht, dass sie sich mit diesen Gruppen identifizieren oder in ihnen schwimmen wie Fische im Wasser. Sie fremdeln vielmehr oft mit ihnen und identifizieren sich mit anderen Kulturen, wie etwa die fr\u00fchen Skinheads in England mit \u201eBlack Culture\u201c.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote13sym\" name=\"sdendnote13anc\"><sup>xiii<\/sup><\/a> Gerade in den dynamischen modernen \u201eMultioptionsgesellschaften\u201c (Peter Gross) sind Identit\u00e4tswechsel an der Tagesordnung. Das beste Beispiel ist Chirlane McCray, Mitglied des Combahee River Collectives und Autorin des 1979 erschienenen Aufsatzes \u201eI am a Lesbian\u201c: Heute lebt sie in einer heterosexuellen Beziehung mit dem ehemaligen New Yorker B\u00fcrgermeister Bill de Blasio und ist Mutter zweier Kinder. Identifizierte sie sich in den 1970er Jahren stolz als lesbisch, so sagt sie heute, sie lehne Etiketten (\u201eLabels\u201c) ab.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote14sym\" name=\"sdendnote14anc\"><sup>xiv<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Tat besteht das Risiko identit\u00e4tspolitischen Aktivismus&#8216; darin, Menschen auf Identit\u00e4ts-Etiketten zu reduzieren. Je \u00f6fter von \u201eden Schwarzen\u201c, \u201eden Wei\u00dfen\u201c, \u201eden Frauen\u201c oder \u201eden Nonbin\u00e4ren\u201c die Rede ist, desto st\u00e4rker k\u00f6nnte es scheinen, als <i>m\u00fcsse<\/i> man sich identifizieren und eindeutig benennen k\u00f6nnen, zu welcher Gruppe man geh\u00f6rt. Doch genau das m\u00f6chten manche Menschen nicht, etwa die 2021 verstorbene Musikerin und Produzentin Sophie, die sich 2017 nach Jahren des Versteckspiels mit dem Publikum als transgender zu erkennen gab, sich aber gegen den Begriff \u201eComing-Out\u201c verwehrte und betonte, dass derlei Etikettierungen f\u00fcr sie eigentlich keine Rolle spielten,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote15sym\" name=\"sdendnote15anc\"><sup>xv<\/sup><\/a> oder die Schauspielerin Kristen Stewart. Letztere wurde oft in Interviews aufgefordert, ihre sexuelle Orientierung zu benennen. Genau dagegen verwehrt sich Stewart: \u201eDass ich sie jetzt nicht definiere, ist die eigentliche Grundlage dessen, worum es mir geht. Wenn du das nicht verstehst, habe ich keine Zeit f\u00fcr dich.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote16sym\" name=\"sdendnote16anc\"><sup>xvi<\/sup><\/a> Ambiguit\u00e4t sei ihr \u201efavorite thing\u201c, vor allem in der Sexualit\u00e4t. Angesichts jenes Drangs zur \u201eVereindeutigung der Welt\u201c (Thomas Bauer), die Ziel fundamentalistischer, extremistischer und populistischer Gruppen ist, sind Ambiguit\u00e4tskompetenz und Ambiguit\u00e4tstoleranz nicht zu untersch\u00e4tzende Komponenten einer offenen Gesellschaft \u2013 d.h. das Aushalten und den Umgang mit komplexen und widerspr\u00fcchlichen Lebenswirklichkeiten. Denn wo das <i>Imaginieren<\/i> hinter das <i>Identifizieren<\/i> (angeblich) harter Tatsachen tritt, geht der Mensch als vielf\u00e4ltiges, fantasiebegabtes M\u00f6glichkeitswesen verloren, das sich nicht so einfach kategorisieren-klassifizieren l\u00e4sst: \u201eDer Versuch, Eindeutigkeit in einer uneindeutigen Welt wenigstens dadurch herzustellen, dass man die Vielfalt in der Welt m\u00f6glichst pr\u00e4zise in K\u00e4stchen einsortiert, innerhalb derer gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Eindeutigkeit herrscht, ist eher dazu geeignet, Vielfalt zu verdr\u00e4ngen als sie zu f\u00f6rdern.\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote17sym\" name=\"sdendnote17anc\"><sup>xvii<\/sup><\/a> Identit\u00e4tspolitik gelingt deshalb dort, wo aus der kritischen Beschreibung von Identit\u00e4ten keine unkritische Zuschreibung von Identit\u00e4ten wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Last but not least ist die \u201eMehrheitsgesellschaft\u201c l\u00e4ngst nicht so homogen, wie aktivistische Kritik mitunter nahelegt \u2013 noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren etwa gemischtkonfessionelle Ehen in christlichen L\u00e4ndern ein Tabu. Und dar\u00fcber, was und wer als \u201ewei\u00df\u201c gelten darf, besteht gerade unter \u201eWei\u00dfen\u201c chronischer Dissens, man denke nur an Slawenfeindlichkeit.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"5-beruehrungspunkte-zwischen-links-und-rechts\">5. Ber&uuml;h&shy;rungs&shy;punkte zwischen links und rechts?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Was die in der Einleitung skizzierten medien\u00f6ffentlichen Diskussionen betrifft, so ger\u00e4t \u00fcber deren Fixierung auf linksprogressive Identit\u00e4tspolitik in Vergessenheit, dass das Betonen von Gruppenidentit\u00e4ten traditionell ein Merkmal rechter und rechtsradikaler Gruppen ist. Rechtes politisches Denken basiert auf klar voneinander unterschiedenen Identit\u00e4tskonstrukten, die etwa nationalistisch (nicht zu verwechseln mit national), biologistisch (nicht zu verwechseln mit biologisch) oder kulturalistisch (nicht zu verwechseln mit kulturell) begr\u00fcndet und gegeneinander ausgespielt werden. Dass das Combahee River Collective in den 1970er Jahren den Begriff \u201eIdentit\u00e4t\u201c stark machte, war insofern heikel, als sich die radikale Neue Rechte schon 1968 mit der Gr\u00fcndung des Groupement de recherche et d&#8217;\u00e9tudes pour la civilisation europ\u00e9enne (ein Theoriezirkel der franz\u00f6sischen extremen Rechten) \u201eIdentit\u00e4t\u201c auf die Fahnen schrieb.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote18sym\" name=\"sdendnote18anc\"><sup>xviii<\/sup><\/a> Vor diesem Hintergrund w\u00e4re es vielleicht besser gewesen, nicht von \u201eIdentit\u00e4tspolitik\u201c zu sprechen, sondern einen alternativen Begriff zu pr\u00e4gen \u2013 wobei ein solcher Begriff nat\u00fcrlich trotzdem von der Neuen Rechten h\u00e4tte kopiert werden k\u00f6nnen. Denn deren Strategie besteht schon seit dem italienischen Faschismus darin, Linken und Liberalen Distinktionsmerkmale zu entwenden und im eigenen Sinne zu interpretieren. So gesehen k\u00f6nnte man in der R\u00fcckschau die Verwendung des Begriffs \u201eIdentit\u00e4t\u201c durch Linksprogressive auch dahingehend deuten, dass man ihn nicht Rechtsradikalen \u00fcberlassen und ihnen so die Deutungshoheit geben wollte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch die Kritik des Universalismus ist ein traditionell rechter Topos, man denke nur an den NS-Juristen Carl Schmitt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch Alain de Benoist \u2013 Vordenker der hybriden Neuen Rechten, die sich auf den vor- oder metapolitischen Raum, mithin Kultur und Wissenschaft, verlegt hat \u2013, der den Kampf gegen den politischen Universalismus als zentral f\u00fcr seine Bewegung ansieht. Die Linke, aber vor allem der Liberalismus als erkl\u00e4rter Hauptfeind der Neuen Rechten l\u00f6se kulturelle Gruppenidentit\u00e4ten auf und homogenisiere die globale Bev\u00f6lkerung unter \u00f6konomistischen Vorzeichen.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote19sym\" name=\"sdendnote19anc\"><sup>xix<\/sup><\/a> Auf den ersten Blick scheint es, als best\u00fcnde tats\u00e4chlich eine N\u00e4he zwischen de Benoists Sicht auf Identit\u00e4ten und linker Identit\u00e4tspolitik: argumentieren nicht beide partikularistisch statt universalistisch? Kritisieren nicht beide die kapitalistische Wirtschaft? Doch w\u00e4hrend de Benoist den Partikularismus als solchen verteidigt und f\u00fcr das Nebeneinander von Kulturen in Form eines \u201eEthnopluralismus\u201c pl\u00e4diert, nimmt die linksprogressive Identit\u00e4tspolitik, zumindest in der Theorie, das Partikulare als Ausgangs- statt als Ziel- und Endpunkt. Weil sich im Laufe der Geschichte spezifische Gruppenidentit\u00e4ten herausgebildet haben \u2013 oft unter Zwang und gegen den Willen der Individuen oder Gruppen \u2013, mussten und m\u00fcssen diese aus Sicht des Combahee River Collective oder sp\u00e4ter aus Sicht von Black Lives Matter die Basis f\u00fcr politische Analyse und politischen Aktivismus bilden. Der Universalismus \u2013 also die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Identit\u00e4ten, als M\u00f6glichkeit gar ihre Hybridisierung \u2013, kann trotz der Betonung spezifischer Gruppen und ihrer Bed\u00fcrfnisse Horizont des linksprogressiven Aktivismus sein. De Benoists Identit\u00e4tsverst\u00e4ndnis ist normativ, das des Combahee River Collectives und von Black Lives Matter (prim\u00e4r) empirisch.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Somit sind Diagnosen, denen zufolge linke und rechte Identit\u00e4tspolitik identisch sind (vergleichbar zur aus der Link hat Extremismustheorie bekannten \u201eHufeisentheorie\u201c) nicht schl\u00fcssig. Rechte und linke Identit\u00e4tspolitik vertreten in Tat und Wahrheit unterschiedliche Auffassungen von Identit\u00e4t. Dessen ungeachtet ist es m\u00f6glich, dass linke Identit\u00e4tspolitik gleichsam rechte Wirkungen zeitigt, wenn sie sich aus der offenen, kritischen Analyse der Wirklichkeit verabschiedet und, sei es auch auf unfreiwillige Weise, Identit\u00e4ten gegeneinander verschlie\u00dft, statt sie f\u00fcreinander zu \u00f6ffnen. Eine offene Gesellschaft kann es ohne offene Identit\u00e4ten nicht geben.<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">J\u00f6rg Scheller<\/strong> Kunstwissenschaftler, Journalist und Musiker und lehrt an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste. Er ist einer der Experten f\u00fcr das Thema Identit\u00e4tspolitik. Wichtige Buchver\u00f6ffentlichung: (Un)Check Your Privilege. Wie die Debatte um Privilegien Gerechtigkeit verhindert, Stuttgart: S. Hirzel Verlag, 2022.<\/em><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Mark Lilla, Identit\u00e4tspolitik ist keine Politik. Die Linksliberalen in den USA h\u00e4tten sich im Spiegelsaal der Identit\u00e4tspolitik verirrt, konstatiert Mark Lilla: \u201eStatt Interessengruppen zu hofieren, m\u00fcssten sie sich auf ihre Kernanliegen besinnen\u201c, in: <i>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/i>, 26.11.2016, online abgerufen auf: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/mark-lilla-ueber-die-krise-des-linksliberalismus-identitaetspolitik-ist-keine-politik-ld.130695?reduced=true\">https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/mark-lilla-ueber-die-krise-des-linksliberalismus-identitaetspolitik-ist-keine-politik-ld.130695?reduced=true<\/a> (aufgerufen am 17.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/AhmadMansour__\/status\/1351919584719331328\">https:\/\/twitter.com\/AhmadMansour__\/status\/1351919584719331328<\/a> (aufgerufen am 17.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Suzanna Danuta Walters, &#8222;In Defense of Identity Politics&#8220;, in: Signs, Volume 43, Nr. 2, Winter 2018, online abgerufen auf: <a href=\"https:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/pdfplus\/10.1086\/693557\">https:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/pdfplus\/10.1086\/693557<\/a> (aufgerufen am 17.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Vgl. Max Domarus, <i>Hitler. Reden und Proklamationen 1932 \u2013 1945<\/i>. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen, Leonberg: Pamminger &amp; Partner Verlagsgesellschaft mbH, 1988.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Kwame Anthony Appiah, <i>The Lies That Bind: Rethinking Identity<\/i>, New York\/London: 2018, Kapitel \u201eTalking Identity\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Siehe Kathy A. Hibbard\/Paul J. Crutzen\/Eric F. Lambin et al., \u201eDecadal interactions of humans and the environment\u201c, in: Robert Costanza\/Lisa J. Graumlich\/Will Steffen (Hg.), <i>Integrated History and Future of People on Earth<\/i>.<i> Dahlem Workshop Report <\/i>96, 2006, S. 341\u2013375.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>Siehe Jean-Fran\u00e7ois Lyotard, <i>Das postmoderne Wissen<\/i>, Wien: Passagen Verlag, 1986.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>Marshall McLuhan\/Quentin Fiore, <i>Das Medium ist die Massage<\/i>, Stuttgart: Tropen, 2011, S. 24.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix <\/a>The Combahee River Collective, \u201eEin Schwarzes feministisches Statement\u201c, in: Natasha A. Kelly (Hg.), <i>Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte<\/i>, Mu\u0308nster: Unrast, 2019, S. 47\u201360.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x <\/a>E-Mail-Konversation mit Marie Bickmann vom Unrast Verlag, 16.11.2022.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote11\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote11anc\" name=\"sdendnote11sym\">xi <\/a>Francis Fukuyama, <i>Identita\u0308t. Wie der Verlust der Wu\u0308rde unsere Demokratie gefa\u0308hrdet<\/i>, Hamburg: Hoffmann und Campe, 2019, S. 135.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote12\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote12anc\" name=\"sdendnote12sym\">xii <\/a>William Godwin, <i>Enquiry Concerning Political Justice<\/i>, Kitchener: Batoche Books, 2001, S. 164. Zitat vom Autor ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote13\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote13anc\" name=\"sdendnote13sym\">xiii <\/a>Jugendliche in East London wuchsen in den 1960er und 1970er Jahren mit afrobritischen und britisch-karibischen \u201eRude Boys\u201c auf, h\u00f6rten Reggae oder Ska und rasierten sich die K\u00f6pfe kahl. Was die Skinheads und die Rude Boys verband, war die Ablehnung der britischen Mehrheitsgesellschaft und die Suche nach Alternativen zu den bereits etablierten Gegen- und Jugendkulturen wie den Hippies.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote14\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote14anc\" name=\"sdendnote14sym\">xiv <\/a>Siehe Elizabeth Daley, \u201eAre We Beyond Sexual Labels? NYC First Lady Says Yes\u201c, 3.6.2016, auf: <a href=\"https:\/\/www.advocate.com\/bisexuality\/2016\/6\/03\/are-we-beyond-sexual-labels-nyc-first-lady-says-yes\">https:\/\/www.advocate.com\/bisexuality\/2016\/6\/03\/are-we-beyond-sexual-labels-nyc-first-lady-says-yes<\/a> (aufgerufen am 21.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote15\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote15anc\" name=\"sdendnote15sym\">xv <\/a>Vgl. J\u00f6rg Scheller, <i>Identit\u00e4t im Zwielicht. Perspektiven f\u00fcr eine offene Gesellschaft<\/i>, M\u00fcnchen: Claudius Verlag, 2021, S. 190.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote16\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote16anc\" name=\"sdendnote16sym\">xvi <\/a>Marissa G. Muller, \u201eKristen Stewart Says Ambiguity Is Her Favorite Thing Ever, Especially Sexual Ambiguity\u201c, in: WM Magazine, 9.5.2018, online abgerufen auf: <a href=\"https:\/\/www.wmagazine.com\/story\/kristen-stewart-on-sexual-ambiguity\">https:\/\/www.wmagazine.com\/story\/kristen-stewart-on-sexual-ambiguity<\/a> (aufgerufen am 21.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote17\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote17anc\" name=\"sdendnote17sym\">xvii <\/a>Thomas Bauer, <i>Die Vereindeutigung der Welt. \u00dcber den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt<\/i>, Ditzingen: Reclam, 2018, S. 81.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote18\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote18anc\" name=\"sdendnote18sym\">xviii <\/a>Siehe St\u00e9phane Fran\u00e7ois, \u201eManipulation m\u00e9diatique et obsession identitaire chez Alain de Benoist\u201c, in: <i>Cahiers de Psychologie Politique,<\/i> Nr. 38, Januar 2021, online abgerufen auf: <a href=\"https:\/\/cpp.numerev.com\/articles\/revue-38\/1643-manipulation-mediatique-et-obsession-identitaire-chez-alain-de-benoist\">https:\/\/cpp.numerev.com\/articles\/revue-38\/1643-manipulation-mediatique-et-obsession-identitaire-chez-alain-de-benoist<\/a> (aufgerufen am 21.11.2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote19\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote19anc\" name=\"sdendnote19sym\">xix <\/a>Siehe Alain de Benoist, <i>Gegen den Liberalismus. Die Gesellschaft ist kein Markt<\/i>, Dresden: Jungeuropa Verlag, 2021.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[47,2982],"tags":[3086,761,3533,3528,3072,680,710,667],"autoren":[3532],"publikationen":[3527],"class_list":["post-19333","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-lebensweisen-pluralismus","category-neonazis","tag-diversitaet","tag-gleichheit","tag-identitaere","tag-identitaetspolitik","tag-inklusion","tag-pluralismus","tag-rechtsextremismus","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joerg-scheller","publikationen-vorg-244"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Potenziale und Grenzen der Identit\u00e4tspolitik - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/potenziale-und-grenzen-der-identitaetspolitik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Potenziale und Grenzen der Identit\u00e4tspolitik - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Identit\u00e4tspolitik ist ein Reizthema. 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