{"id":19334,"date":"2024-05-24T11:30:56","date_gmt":"2024-05-24T09:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19334"},"modified":"2026-03-20T15:01:32","modified_gmt":"2026-03-20T14:01:32","slug":"der-politische-hasseffekt","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/der-politische-hasseffekt\/","title":{"rendered":"Der politische Hasseffekt"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Hass als negative Emotion hat weder einen eindeutigen politischen Inhalt noch eine ideologische Bedeutung. Dieses Gef\u00fchl ist h\u00e4ufig eine Reaktion auf eine relative Benachteiligung und kann als ein Warnsignal f\u00fcr liberale Demokratien dienen, da sie auf gesellschaftliche Konflikte und soziale Benachteiligungen verweist. Veith Selk und Olaf Jann argumentieren, dass die \u00fcber lange Zeit vorherrschende positive Gef\u00fchlskultur und die Moralisierung von Hass \u2013 nicht zuletzt durch Identit\u00e4tspolitiken \u2013 in der \u00d6ffentlichkeit jedoch dazu gef\u00fchrt haben, dass \u201eHass\u201c als eine Metapher f\u00fcr alle Arten moralischen Fehlverhaltens verwendet wurde und wird. Diese Art des Umgangs mit Hass bef\u00f6rdert nicht den zivilen Umgang mit Konflikten, sondern steigert das Aggressionspotential im politischen Leben.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a><\/em><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"einleitung-hass-als-ein-factum-brutum\">Einleitung: Hass als ein factum brutum<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der \u201eliterarische Hass-Effekt\u201c (Bohrer 2019) ist als ein gesch\u00e4tztes Mittel zur Erzeugung von intensiver Affektivit\u00e4t weder aus der sch\u00f6nen Literatur noch aus der Unterhaltungskultur wegzudenken. In Politik und Gesellschaft hingegen erscheint Hass als ein Problem (Jensen 2017; Nussbaum 2019: 86ff.). Sein gegenw\u00e4rtiges Vordringen ruft nicht nur zahlreiche \u201eGegen den Hass\u201c-Kampagnen hervor, sondern f\u00fchrt auch zu einem Bedarf nach sozialwissenschaftlicher Reflexion \u00fcber die Bedeutung von Hass und anderen negativen Emotionen in Gesellschaft und Demokratie.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Innerhalb der Soziologie steht hierf\u00fcr seit l\u00e4ngerer Zeit eine weit fortgeschrittene emotionssoziologische Forschung \u00fcber negative Emotionen bereit, allerdings hat diese Hass bislang kaum gesellschaftlich kontextualisiert<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a>. Und auch in der Politischen Theorie und der Demokratietheorie bleibt Hass unterbelichtet, sieht man von der Auseinandersetzung mit dem sprichw\u00f6rtlichen \u201eWutb\u00fcrger\u201c einmal ab (Vorl\u00e4nder 2011), der auch weiterhin im \u00f6ffentlichen Diskurs pr\u00e4sent ist. Allerdings hatte sich der \u201eWutb\u00fcrger\u201c im Kontext der Berichterstattung \u00fcber die zum Jahreswechsel einsetzenden Proteste der Landwirt*innen zwischenzeitlich in den \u201eWutbauern\u201c transformiert. So fragte beispielsweise die <i>Bild<\/i> nach der Blockade einer F\u00e4hre, mit der Wirtschaftsminister Robert Habeck auf Urlaubsreise unterwegs gewesen war: \u201eNach Attacke auf Habeck: Wie gef\u00e4hrlich werden die Wut-Bauern noch?\u201c (Bild 2024). Und der <i>Nordkurier<\/i> wies auf ein weiteres waghalsiges Protestman\u00f6ver der trotz ihrer Wut v\u00f6llig gef\u00fchllos vorgehenden Landwirt*innen hin: \u201eSo eiskalt umfahren die Wut-Bauern eine Polizeisperre\u201c (Nordkurier 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr die wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit dieser Semantik ist zu beachten, dass der durch einen breit rezipierten Essay eines <i>Spiegel<\/i>-Journalisten (Kurbjuweit 2010) ausgel\u00f6ste Wutb\u00fcrger-Diskurs prim\u00e4r eine Abwertung von B\u00fcrgerprotest darstellt und keine empirisch wie theoretisch tragf\u00e4hige Diagnose beinhaltet (Frankenberg 2013). In diesem Diskurs herrscht eine reduktionistische Pathologisierung von affektivem Protest vor. Eine solche Pathologisierung, so erl\u00e4utert St\u00fcrmer (2011: 15), wird \u201einsbesondere dadurch erreicht, dass der Fokus der Analyse auf individuellen psychologischen Reaktionen und Empfindungen liegt, w\u00e4hrend der soziale Kontext und die Strukturen, die diese Reaktionen ausl\u00f6sen, ausgeblendet oder ignoriert werden\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieses Muster kennzeichnet in Teilen auch den \u00f6ffentlichen Diskurs \u00fcber Hass. So findet sich beispielsweise in dem <i>Stern<\/i>-Artikel \u201e<i>Du St\u00fcck Schei\u00dfe, du geh\u00f6rst vergast\u201c<\/i>, der sich mit den \u201eHassmails\u201c und Bedrohungen befasst, mit denen Claudia Roth (Gr\u00fcne) konfrontiert ist, eine Darstellung der zahlreichen Beschimpfungen und Gewaltandrohungen gegen\u00fcber der Politikerin (Gerwien 2016). Der Beitrag illustriert die Darstellung insbesondere mit der Schilderung emotionaler Stimmungslagen. Der Schwerpunkt der Analyse liegt, wie von St\u00fcrmer bereits mit Blick auf den Wutb\u00fcrger-Diskurs kritisch angemerkt, auf individuellen psychologischen Reaktionen und Empfindungen. So beschreibt der Text Roth als eine \u201eFrau, die Angst hat\u201c; sie erlebe \u201eWut und Hass in nicht gekannter Dimension\u201c, ja, eine \u201eOrgie von Hass\u201c. Die Frage nach den strukturellen Entstehungsbedingungen dieser \u201eOrgie\u201c wird, abgesehen von der unvermittelten Erw\u00e4hnung einer vermeintlichen Ursache wie \u201edem Einsetzen der gro\u00dfen Fl\u00fcchtlingswelle\u201c, jedoch nicht gestellt. Stattdessen zeichnet der Beitrag katastrophische Szenarien: \u201eEin Hauch von Weimar weht durch die Republik\u201c; es habe sich eine \u201edunkle Parallelgesellschaft rassistischer Hetzer und Gewaltfanatiker [\u2026] breitgemacht\u201c, und wir seien mit \u201eeinem bis zum offenen Hass gesteigerten Kulturkampf\u201c (Gerwin 2016) konfrontiert. Der Artikel mag von der vermeintlich gut gemeinten Absicht getragen sein, vor existierenden antidemokratischen Tendenzen politischer Gewalt zu warnen. Die Lekt\u00fcre soll zu Gef\u00fchlen der Betroffenheit und Bedrohung f\u00fchren, doch unverst\u00e4ndlich bleibt, wie es zu dieser Bedrohung kommen konnte. Hass erscheint als ein <i>factum brutum<\/i>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Soll ein solcher antiaufkl\u00e4rerischer Reduktionismus beim Sprechen \u00fcber Hass vermieden werden, d\u00fcrfen Hass und verwandte negative Emotionen nicht ausschlie\u00dflich selbst als Probleme oder als ein unerkl\u00e4rbares Faktum behandelt werden. Sie sind Resultat einer gesellschaftlich bedingten \u201eemotionalen Matrix\u201c (Fromm 1980 [1941]: 380) und m\u00fcssten als Indikatoren ernst genommen werden, die auf gesellschaftliche Probleme verweisen, die ihrerseits einer Erkl\u00e4rung bed\u00fcrfen, sollen sie politisch gel\u00f6st werden. Im Folgenden wollen wir in thesenhaft-zugespitzter Form eine solche nichtpathologisierende Perspektive auf negative Emotionen umrei\u00dfen, wobei wir uns insbesondere auf Hass als einen Illustrationsfall konzentrieren<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a>. Unsere These lautet, dass Hass ein aus gesellschaftlichen Konfliktlagen und sozialen Umschichtungsprozessen einer Konkurrenzgesellschaft erwachsendes Reaktionsph\u00e4nomen ist, das missverstanden wird, wenn ihm eine eindeutige politische Bedeutung unterlegt und es als politische Metapher instrumentalisiert wird. Das Vorurteil \u00fcber den Hass, so unsere These, resultiert aus der Moralisierung von Politik<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> und der Vorherrschaft einer Selbstverwirklichungskultur positiver Gef\u00fchle, die ihre eigenen Beschr\u00e4nkungen nicht reflektiert. Hass ist die Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten in einer Positivkultur der Emotionen, welche die Grenzen des Sagbaren ideologisch definiert.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hass kann auch noch vieles mehr sein \u2013 etwa ein Ansatzpunkt f\u00fcr politische Demagogie oder ein eigendynamischer Faktor innerhalb gewaltsamer Auseinandersetzungen. Mit Blick auf demokratische Politik jedoch kann \u00f6ffentlich artikulierter Hass, wird er als ein Reaktionsph\u00e4nomen erkannt, eine wichtige Signalfunktion \u00fcbernehmen und politisches Lernen ansto\u00dfen. Dies wird jedoch blockiert, wenn der Ausdruck von Hass und anderen negativen Emotionen pathologisiert und moralisiert wird. Die unbedingte Pathologisierung negativer Emotionen und die kategorische moralische Abwertung ihres Ausdrucks sind kontraproduktiv, da sie nur deren Ausdruck tabuisieren, nicht aber \u00fcber die Entstehungsgr\u00fcnde aufkl\u00e4ren. Zudem f\u00fchren sie zu Gegenreaktionen: K\u00f6nnen die negativen Emotionen nicht mehr im demokratischen Register ausgetragen werden, sucht sich die negative Affektenergie andere Ventile und Expressionsregister. Wir schlie\u00dfen mit der Diagnose, dass gegenw\u00e4rtig genau das geschieht: Es bringen sich zwei Aggressionsmoralen in Stellung, die den Ausdruck von negativen Emotionen legitimieren. Sie deuten auf eine zuk\u00fcnftig intensivierte und zugleich st\u00e4rker aggressive Moralisierung von Politik hin.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"hass-als-reaktionsphaenomen-und-problemindikator\">Hass als Reakti&shy;onsph&auml;&shy;nomen und Proble&shy;min&shy;di&shy;kator<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Hass ist ein Relevanzverst\u00e4rker und Aufmerksamkeitsgenerator, wenn auf einen Sachverhalt, ein als h\u00e4sslich empfundenes Objekt oder eine Person geh\u00e4ssig reagiert wird. Der Gegenseite wird symbolisch der Fehdehandschuh hingeworfen. Hass ist damit nicht nur eine Alltagsemotion, sondern auch eine agonale Provokation, sofern dieser denn \u00f6ffentlich artikuliert wird und nicht in Form des Grolls (Neckel 2021) im Verborgenen g\u00e4rt und die Entstehung von Ressentiment bef\u00f6rdert (vgl. Scheler 1955).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hass ist nicht unabh\u00e4ngig von Ideen und Weltbildern, die ihn orientieren, aber er stellt im Kern eine Abwehrreaktion gegen\u00fcber einer Bedrohung dar. Hass ist \u201ereaktiv\u201c (Fromm 2004 [1947]: 166)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a>. Dabei kann er sich sowohl auf einzelne Personen und Gruppen als auch auf Institutionen und soziale Verh\u00e4ltnisse richten. \u00d6ffentlich artikulierter Hass zielt auf \u201ewilde Justiz\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a>. Dies soll Aufmerksamkeit f\u00fcr ein Unrecht generieren, Angst abwehren, ein Kommunikationsangebot machen, Subversion in Gang setzen, Ohnmacht andeuten, ein expressives emotionales Ventil \u00f6ffnen; als Racheakt weist er aber vor allem auf als ungerecht empfundene Kr\u00e4nkungen, Herablassungen und Verletzungen hin.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Ursache von Hass ist dabei meist die Bedrohung oder Kr\u00e4nkung des eigenen Selbstwert- und W\u00fcrdegef\u00fchls. Im Unterschied zum Dominanzaffekt der Verachtung ist Hass ein Benachteiligungsaffekt, der mit einem \u201eKampf um Anerkennung\u201c (Honneth 2003) im Kontext relativer Deprivation (Gurr 1972) verkn\u00fcpft ist und somit einem subjektiv empfundenen Grad individueller oder kollektiver Schlechterstellung, Dem\u00fctigung und Kr\u00e4nkung entspricht<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a>. Tendenzen relativer Deprivation sind besonders in Zeiten anzutreffen, wie wir sie gegenw\u00e4rtig erleben: Zeiten, in denen ein Gemeinwesen eine \u00f6konomische, soziale, kulturelle, technologische und ideologische Transformation durchmacht, und in deren Zuge die sozialen Beziehungen, Anerkennungsstrukturen und traditionellen Normen an Wert verlieren (Gurr 1972: 31ff.; Reddig 2007: 291ff.; Siegrist 2018: 213ff).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">So betrachtet, ist Hass ein Seismograph sozialer Problemlagen und politischer Konfliktspannung, der durch Aufrufe zur Repression von Hassgef\u00fchlen und mittels Pathologisierung negativer Emotionen zeitweilig unterdr\u00fcckt, aber nicht zum Verschwinden gebracht werden kann. Wie Hans-Peter Kr\u00fcger (2006: 880) im Anschluss an Scheler gezeigt hat, l\u00f6st gerade die Unterdr\u00fcckung von Hassgef\u00fchlen die verst\u00e4rkte Bildung von Ressentiments aus; sie f\u00fchrt zur Versch\u00e4rfung des jeweiligen Konflikts und in letzter Instanz zur Gewalt. Hass sollte mithin nicht als ein isoliertes Ph\u00e4nomen im Fokus der politischen Aufmerksamkeit stehen. Vielmehr m\u00fcssten die gesellschaftlich bedingten Konfliktlagen und Verletzungen beachtet werden, die ihn hervorbringen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-veraenderung-der-affektiven-grundstimmung-und-die-moralisierung-der-politik\">Die Ver&auml;nderung der affektiven Grund&shy;stim&shy;mung und die Morali&shy;sie&shy;rung der Politik<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Unterhalb der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeits- und Artikulationsgrenze schwelt bereits seit einer Dekade ein gro\u00dfes Reservoir an Hassgef\u00fchlen, die \u2013 aufgrund der Entstehung offener digitaler Kommunikationskan\u00e4le \u2013 nun lediglich besser sichtbar geworden sind und medial leichter kommuniziert werden k\u00f6nnen. Infolgedessen scheint das Pendel der affektiven Grundstimmung in der Gesellschaft st\u00e4rker in Richtung des negativen Pols der Emotionen zu schwingen, wovon die \u00f6ffentliche Artikulation von Hass der sinnf\u00e4lligste Ausdruck ist. Neu ist hingegen, dass Hass gerade gegen\u00fcber (vermeintlichen wie realen) Eliten, Machtgruppen und einflussreichen \u00f6ffentlichen Personen st\u00e4rker offensiv ge\u00e4u\u00dfert wird. Im Unterschied zu schwachen Minderheiten, die seit jeher der Gefahr der Alltagsdem\u00fctigung unterworfen waren, mussten Machtgruppen in vordigitalen Zeiten den in der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Hass nur peripher zur Kenntnis nehmen. Doch der affektive <i>cordon sanitaire<\/i> gegen\u00fcber den negativen Gef\u00fchlen der Zukurzgekommenen und Gedem\u00fctigten erodiert. Unter den digitalen Verh\u00e4ltnissen k\u00f6nnen diese nicht nur mith\u00f6ren, sondern auch mitreden (Diederichsen 2021).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eliten und Machtgruppen reagieren auf dieses Problem unter anderem mit einer \u201epolitics of moralizing\u201c (Bennett\/Shapiro 2002), die durch juristische Instrumente wie die P\u00f6nalisierung von \u201eHassreden\u201c unterst\u00fctzt wird, aber selbst prim\u00e4r aus einer Selbstbeschreibung als Opfer, der Diagnose einer Verrohung und eines Werteverfalls sowie eines Appells an den Anstand besteht. Diese Strategie der Moralisierung von oben und die sie begleitende passiv-aggressive Selbstinszenierung als Opfer zwecks Eind\u00e4mmung des Zorns von unten betrifft vor allem die Artikulation negativer Gef\u00fchle wie Zorn, Ekel, Emp\u00f6rung und eben Hass (Duncan 2017). Sie werden per se als ungeh\u00f6rig, irrational, zersetzend, aufwiegelnd und ordnungsgef\u00e4hrdend delegitimiert und erscheinen folglich als unmoralisch und nicht anerkennungsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Gegenw\u00e4rtig besteht, insbesondere seitens spezifischer Milieus gr\u00fcner Bourgeoisie, die Tendenz eine als \u201emoralisch richtig\u201c definierte Gesinnung durch die Androhung von gesellschaftlicher \u00c4chtung durchzusetzen. Hierdurch werden Gruppen oder Positionen aus dem \u00f6ffentlichen Raum verdr\u00e4ngt, wenn es gelingt, sie als moralisch minderwertig oder unerw\u00fcnscht zu klassifizieren. Wir bezeichnen dies als moralische Gentrifizierung, in Analogie zur r\u00e4umlichen Gentrifizierung, welche die Verdr\u00e4ngung einkommensschw\u00e4cherer Bewohner*innen aus innerst\u00e4dtischen Quartieren durch wohlhabendere Bewohner*innen bezeichnet. Diese f\u00fchrt ebenso zu einer Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft. Ein wesentlicher Unterschied jedoch ist, dass hierdurch eine Dialektik in Gang gesetzt wird: die Moralisierung der Politik f\u00fchrt unweigerlich zur Politisierung der Moral.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Durch Moralisierung weiten sich die Geltungsbereiche moralischer Kodizes auf leidenschaftlich gef\u00fchrte politische Diskurse und die Artikulation negativer Emotionen aus. Folglich werden auch im politischen Diskurs \u201eDeutungsmuster und Narrative zusehends vorhersagbar und p\u00e4dagogisch [\u2026], und zwar entlang der moralischen Linie von Gut und B\u00f6se\u201c (Knobloch 2018: 110). Moralisierung f\u00fchrt jedoch nicht zur sozialen Integration, vielmehr ruft sie weitere negative Emotionen und Dissoziationsmotive hervor. Die \u201eWeltreichweitenvergr\u00f6\u00dferung\u201c (Rosa 2018: 4) der Anstandsmoral erscheint im Kontext der heute dominanten \u201eKultur positiver Emotionen\u201c (Reckwitz 2019: 215) plausibel, aber sie provoziert Gegenreaktionen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Man kann die Moralisierung als einen Versuch zur Zivilisierung des Zusammenlebens deuten. In der Praxis geht sie jedoch auf Kosten der integrativen Funktion von Politik. Sie schr\u00e4nkt die Konfliktrepr\u00e4sentation ein und grenzt insbesondere diejenigen Positionen aus, die sich oppositionell zum Status quo verhalten, insoweit deren zugrundeliegende Interessen, Werte und Ansichten in der positiven oft identit\u00e4tspolitischen Leitmoral dominanter Milieus und Gruppen keinen Platz finden (Stegemann 2018). Wer sie dennoch begr\u00fc\u00dft, verkennt die Funktion demokratischer Politik in einer antagonistischen Gesellschaft. Ihre Aufgabe ist die Behandlung der \u201eaufgestauten Probleme einer andernorts versagenden funktionalen, moralischen oder ethischen Integration\u201c (Habermas 1992: 389). Wo die notwendig partikulare, milieuspezifische Moral versagt, muss Politik einspringen und durch politisches Lernen den begrenzten Horizont ethischer Maximen, funktionaler Ma\u00dfgaben und moralischer Urteile erweitern. Wird Politik selbst moralisiert, schrumpft ihr eigener Horizont auf das Aufeinandertreffen von \u201eGut gegen B\u00f6se\u201c ein, wodurch sie bei der Integration durch das Treffen legitimer allgemeinverbindlicher Entscheidungen versagt. Moralisierung evoziert deshalb weitergehende Konflikte in einer polarisierten \u00d6ffentlichkeit pluralistischer Interessen und separierter Milieus, die emotional offensiv ausgetragen werden und auf andere Themen ausstrahlen (vgl. Back et al. 2021).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Je diverser eine Gesellschaft ist, je individueller die Lebensentw\u00fcrfe ausbuchstabiert werden, je differenter die Erfahrungshintergr\u00fcnde und Sozialr\u00e4ume der Milieus sich gestalten, desto konfliktbehafteter wird soziale Integration. Und umso wahrscheinlicher kommt es zu \u201eUnverst\u00e4ndnis, auch zu Wut und sogar Hass\u201c (Scholz 2021), sobald die Politik als ein funktionales \u00c4quivalent zur sozialen Integration eines Gemeinwesens ausf\u00e4llt. Hinzu kommt, dass individualistische Werte der Selbstentfaltung und -verwirklichung in der Politik an Bedeutung gewonnen haben. Da Interessen von den jeweiligen Milieus verst\u00e4rkt mit dem Anspruch auf Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung begr\u00fcndet sind, werden Abweichungen von der eigenen Weltsicht nur ungern ausgehalten. Diese \u201eEmanzipation zweiter Ordnung\u201c (Bl\u00fchdorn 2016: 56) schw\u00e4cht die demokratischen Erfordernisse des Perspektivwechsels und der Selbstrelativierung. Die im Moralisierungsdiskurs vorgebrachten Imperative, welche die Freiheit des Subjekts im Namen \u00fcbergeordneter Normen, aber im Sinne spezifischer Milieus einzuschr\u00e4nken und Gesellschaften normativ auf einen vermeintlichen Moralkanon zu verengen versuchen, werden vor diesem Hintergrund leicht als Bevormundung angesehen oder als symbolische Macht erlebt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Auseinandertreten von Selbstverwirklichungserwartung und Alltagsfrustration infolge scheiternder Erwartungsrealisation produziert Ohnmachtsgef\u00fchle, die eine Spirale negativer Emotionen antreiben (Merton 1968). Da nicht alle Milieus \u00fcber die anerkannten Sprachspiele verf\u00fcgen, mit denen das eigene Unbehagen kultursensibel ausgedr\u00fcckt werden kann, suchen Angeh\u00f6rige nichthegemonialer Milieus oftmals Zuflucht zur affektiven Notwehrartikulation eines Ressentiments, das den Imaginationen machtvoller multiprivilegierter Bev\u00f6lkerungsgruppen konfrontativ und dissonant gegen\u00fcbergestellt wird. Wie Koschorke in Anlehnung an Thompson angemerkt hat, erwachsen diese Ressentiments (Koschorke spricht von Vulgarit\u00e4t) \u201eaus dem Gef\u00fchl lange w\u00e4hrender Benachteiligung und einem dadurch motivierten, zutiefst moralischen Aufbegehren\u201c (Koschorke 2021: 238). Auch die Artikulation von Hass speist sich demnach aus einem Gef\u00fchl \u201emoralischer Entr\u00fcstung\u201c (Koschorke 2012: 238) von Menschen, die sich hinsichtlich ihrer Kapitalausstattung und ihrer Lebensumst\u00e4nde auf \u201esinkenden sozialen Flugbahnen bewegen\u201c (Koschorke 2021: 240).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"hass-als-metapher-der-selbstverwirklichungskultur-positiver-gefuehle\">Hass als Metapher der Selbst&shy;ver&shy;wirk&shy;li&shy;chungs&shy;kultur positiver Gef&uuml;hle<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Im medial dominanten Anti-Hass-Diskurs (Grohn 2021) wird Hass jedoch nur selten auf seine strukturellen Gr\u00fcnde und problemindikativen Gehalte befragt. Dieser behandelt \u201eHass\u201c prim\u00e4r als eine politische Metapher. Sie steht f\u00fcr das, was nicht in das Imago der leitenden \u201eSelbstverwirklichungskultur\u201c als einer \u201eKultur positiver Emotionen\u201c (Reckwitz 2019: 215) hineinpasst: Rechtsradikalismus, Irrationalit\u00e4t, Menschenverachtung sowie Ablehnung von Rechtsstaat und Demokratie. Gleichsam als Nebenfolge wird der Ausdruck von Hass, nebst anderen negativen Emotionen wie dem Zorn, hierdurch im Sinne einer politischen Anstandsmoral als illegitim markiert. Dies verwischt jedoch nicht nur den Unterschied zwischen expressivem Sprechen und effektivem Verhalten (Butler 2006: 43), sondern es geht auch das Bewusstsein davon verloren, dass Hass, wie alle politischen Emotionen, nicht auf eine Identit\u00e4tsform, Ideologie, Programmatik oder ein politisches Lager hin festgelegt ist.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hass ist auch nicht, wie es eine verballhornte Totalitarismustheorie will, kennzeichnend f\u00fcr totalit\u00e4r regierte Gesellschaften. Im Gegenteil, Hass ist im totalit\u00e4ren Politikansatz mit seinem umfassenden Herrschafts- und Kontrollanspruch eine potentiell dysfunktionale Gr\u00f6\u00dfe. Deshalb galt f\u00fcr die nationalsozialistischen und stalinistischen Machthaber: \u201eHass war ein subversives Gef\u00fchl, das unterdr\u00fcckt werden musste\u201c (Bartov 2021). F\u00fcr die sogenannte \u201eHasskriminalit\u00e4t\u201c wiederum gilt, dass diese Bezeichnung in der mit ihr befassten Forschung nahezu einhellig als irref\u00fchrend und missgl\u00fcckt betrachtet wird (Brudholm 2018: 54). Hass ist in der Mehrzahl der F\u00e4lle von \u201etargeted hostility\u201c (Hardy 2017: 50) kein Motiv oder Antrieb f\u00fcr die Tat. Die Bezeichnung Hasskriminalit\u00e4t ist damit oftmals sachlich unbegr\u00fcndet. Sie hat eine metaphorische Funktion, die je nach politischer Pr\u00e4ferenz instrumentalisiert werden kann<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Allgemein kann man sagen, dass die Bek\u00e4mpfung von Hass vor dem Hintergrund politischer Interessen, Strategien und Machtkalk\u00fcle erfolgt und oftmals durch einen T\u00e4ter-Opfer-Diskurs beziehungsweise ein \u201eGut gegen B\u00f6se\u201c-Schema gerahmt wird. Eine verbreitete Sichtweise dabei ist, dass nicht jede Gruppe durch \u201eHate Speech\u201c betroffen sein kann. Die Kehrseite hiervon ist, dass es zuweilen sogar fast erw\u00fcnscht scheint, Menschen aufgrund ihrer \u00dcberzeugungen oder auch askriptiver Identit\u00e4tsmerkmale zu hassen oder sozial zu vernichten; wenn es nur die angeblich Richtigen trifft. Wer zu den Richtigen gez\u00e4hlt wird, unterliegt dabei historisch ver\u00e4nderlichen Machtverh\u00e4ltnissen und Opportunit\u00e4tserw\u00e4gungen (Liessmann 2023). Wenn beispielsweise gegen Positionen und Personen Hass verbreitet wird, die keine zivilgesellschaftliche oder parteipolitische Machtbasis hinter sich haben, selbst wenn diese die Mehrheitsmeinung in der Bev\u00f6lkerung widerspiegeln, dann scheint dies wenig anst\u00f6\u00dfig. Gleichzeitig wird manche vermeintliche Mikroaggression aus dem deutschen Alltag wie ein schwerwiegendes Hassverbrechen behandelt. Kurzum, in der \u00d6ffentlichkeit zeigt sich eine durch Diskursmacht gepr\u00e4gte Selektivit\u00e4t in der Konstruktion dessen, was als Hass und damit als b\u00f6se gilt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wird \u201eHass\u201c als eine Metapher f\u00fcr alles \u201eb\u00f6se\u201c verstanden, dann ger\u00e4t aus dem Blick, dass Hass eine ambivalente Emotion ist. Die Ambivalenz des Hasses besteht in dessen Verbindung von Anerkennungsstreben einerseits und Dissoziationsimpuls andererseits (Kolnai 2007: 111)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a>. Ob das Streben nach Anerkennung oder der Dissoziationswunsch dominiert, muss anhand des Einzelfalls bestimmt werden und h\u00e4ngt von den jeweiligen Interaktionskonstellationen ab: Hass ist nicht gleich Hass. Bei der Beurteilung gilt es deshalb den jeweiligen praktischen und institutionellen Kontext, die ideologischen Begr\u00fcndungen sowie die konkreten Hinsichten zu beachten, in der Hass ge\u00e4u\u00dfert und anschlie\u00dfend intersubjektiv verhandelt wird. In jedem Fall reicht eine isolierte Betrachtung von \u201ehasserf\u00fcllten\u201c Aussagen anhand eines <i>Index verbum prohibitorum<\/i> nicht aus: \u201eUm die Frage zu entscheiden, was eine Drohung ist oder was ein verwundendes Wort, reicht es nicht, die W\u00f6rter einfach zu pr\u00fcfen.\u201c (Butler 2006: 27)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Selbstverwirklichungskultur positiver Affekte wird Hass als eine eindeutige Negativmetapher benutzt. Harmonie, Konsens, Verst\u00e4ndnis, Liebesf\u00e4higkeit und Freundschaft hingegen werden als zu erwartende Normalit\u00e4t dargestellt. Folglich gelten Aggression, Gegnerschaft und Hass als Anomalie und Devianz, die es zu bestrafen oder zu therapieren gilt. Subkutan scheint dahinter die Vorstellung einer Welt zu stehen, der zufolge es offen ge\u00e4u\u00dferten Hass in unserer Gesellschaft gar nicht geben kann und darf. Wo sich Hass zeigt, provoziert er folglich Betroffenheit, die sich paradoxerweise oft selbst mit Hass, Emp\u00f6rung oder Verachtung verbindet. Als ein metapolitisches Signalwort und \u201easymmetrischer Gegenbegriff\u201c (vgl. hierzu Koselleck 1989) genutzt, ist \u201eHass\u201c die Leitmetapher eines Diskurses, der mittels anstandsmoralischer Codierungen zu emotionalen Reinigungsprozessen und der Aufhellung der gesellschaftlichen Gesamtstimmungslage f\u00fchren soll.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In Wirklichkeit sind Gesellschaften von negativen Gef\u00fchlen wie Angst, Hass und Aggression, von positiv-verbindenden Emotionen wie Hoffnung, Liebe und Zuneigung sowie von deren historisch ver\u00e4nderlichen \u00dcberlagerungen und Mischungsverh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt. Die gesellschaftliche Wirklichkeit besteht mithin aus einem Zusammenspiel assoziativer und dissoziativer Prozesse, die eine affektive T\u00f6nung aufweisen (vgl. Simmel 1992 [1908]: 284ff.). Bereits die individuelle Introspektion zeigt, dass sich hinter den positiven Gef\u00fchlsfassaden zur Pr\u00e4sentation des Selbst in der Gesellschaft, auch zahlreiche negative Emotionen und die mit ihnen verbundenen Handlungsvorstellungen verbergen. In der empirischen Emotionsforschung wird Hass deshalb als eine Alltagsemotion beschrieben. Dieser allt\u00e4gliche Hass gilt zumeist Personen aus dem sozialen Nahbereich und dem pers\u00f6nlichen Umfeld. Kontr\u00e4r zur Suggestion des Anti-Hass-Diskurses, stellt \u201eFernstenhass\u201c, das hei\u00dft, Hass gegen\u00fcber fremden oder nur medial vertrauten Personen, den selteneren Typ von Hass dar (Aumer-Ryan\/Hatfield 2007). Auch in diesem Lichte betrachtet, nimmt es wirklichkeitsfremde Z\u00fcge an, wenn die Normalit\u00e4t von Alltagshass verleugnet wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Mehr noch, die Selbstverwirklichungskultur positiver Gef\u00fchle wirkt aufgrund ihres Partikularismus und ihrer Exklusivit\u00e4t selbst als ein \u201eGenerator negativer Emotionen\u201c (Reckwitz 2019: 219). Denn w\u00e4hrend sich in der alten Mittel- und Unterklasse eine Erfahrung der \u201eubiquity of loss\u201c (Jackson\/Grusky 2018: 1097) ausbreitet, geh\u00f6ren vor allem die Milieus der neuen akademischen Mittelklasse zu den Profiteuren des postindustriellen Kapitalismus. Als professionalisierte Symbolproduzenten verf\u00fcgen sie aufgrund der sie erm\u00e4chtigenden Strukturen \u00fcber \u201einstitutionell abgest\u00fctzte Deutungskulturen\u201c (Rohe 1994: 9), die ihnen die Chance verleihen, Deutungsangebote zu produzieren, Spielregeln zu behaupten und Stilmuster des universal guten Lebens zu pr\u00e4gen (vgl. auch Rudolf 2020: 247f.). Diese Milieus, die eine \u201e\u00e4hnliche Weltsicht und Lebenspraxis\u201c (Reckwitz 2021: 46) eint, sind die Treiber, Repr\u00e4sentanten und Proponenten der Positivkultur der Affekte, so dass sich durch sie ein neues \u201eEmotionsregime\u201c (Reddy 2001: 124) mit spezifischen sozialen Emotionsnormen (positiv, optimistisch, achtsam, aktiv, bunt, nachhaltig, kreativ) etabliert hat, welche als wahrhaftig vorgeben und als moralisch angemessen honoriert werden. Die \u201erichtige\u201c moralische Haltung und ein fein austariertes emotionales Branding zu haben, sind hierbei Kriterien, um nicht nur im \u00f6ffentlichen Diskurs Anerkennung zu finden, sondern auch die eigene berufliche Laufbahn zu bef\u00f6rdern. Sie dienen als Karrierefaktor. \u201eThink positive and be concerned!\u201c \u2013 diese Parole ist das kulturelle Leitmotiv. Die damit eingeforderten positiven Affekte, die mit der individuellen und sozialen Realit\u00e4t keineswegs \u00fcbereinstimmen m\u00fcssen, fungieren als Chiffre eines \u201emoralischen Hochwertprogramms\u201c (Knobloch 2018, 6) der progressiven Identit\u00e4tspolitik.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Parallel zur Positivkultur der Affekte und der damit verbundenen individuellen und gesellschaftlichen Optimierungs- und Anforderungsexpansionen lassen sich steigende Zahlen von individualisierten Depressionserkrankungen (Fuchs et al. 2018), eine zunehmend genervt-aggressive Grundstimmung in der Gesellschaft (vgl. Binkert 2023) und episodische, zumeist im Kontext \u00f6ffentlicher Skandale auftretende, negative Emotionseruptionen beobachten. Diese werden im Kontext der affektiven Positivkultur und im Sinne der Anstandsmoral tendenziell als pathologischer Missgriff, als ein selbstverschuldetes Problem oder als ein Haltungsfehler beschrieben. Angesichts einer auch als Verlust oder Bedrohung erfahrenen gesellschaftlichen Transformation, die sich in den differenten Gef\u00fchlshaltungen der Bev\u00f6lkerung spiegeln, kann es jedoch nicht \u00fcberraschen, wenn Meinungs\u00e4u\u00dferungen und Proteste trotzdem eruptiv, hochemotional, narzisstisch, simplifizierend und aggressiv verlaufen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ausblick-das-hufeisen-zweier-aggressionsmoralen\">Ausblick: Das Hufeisen zweier Aggres&shy;si&shy;ons&shy;mo&shy;ralen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Selbstverwirklichungskultur positiver Emotionen erzeugt zwar \u201eKonsensfassaden\u201c (Althoff 2004), aber der Pendelschlag negativer Emotionen hat diese mittlerweile ins Wanken gebracht. Der Einsatz der Anstandsmoral, in der Hass als Negativmetapher fungiert, mag kurz- und mittelfristig als eine <i>containment<\/i>-Strategie wirksam sein, jedoch suchen sich die anschwellenden negativen Emotionen langfristig ihre Artikulationswege. Hierf\u00fcr werden gegenw\u00e4rtig zwei politische Aggressionsmoralen in Stellung gebracht, die Gegenprogramme zum positiven Emotionsregime beinhalten und mit kollektiven Identit\u00e4ten verbunden sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Kollektive Identit\u00e4ten beruhen darauf, dass sich Individuen mit einer Gruppe, ihren Normen, Werten, Institutionen, Traditionen, Orientierungen, Hoffnungen und Lebensweisen identifizieren und diese f\u00fcr wertvoll in Relation zu anderen Gruppen ansehen. Wie Straub (1999: 104) feststellt ist kollektive Identit\u00e4t damit eine Chiffre f\u00fcr das, was Individuen in ihrer eigenen Selbstbeschreibung miteinander verbindet. Die Gesamtheit dieser Prozesse k\u00f6nnen als Wir-Gruppen-Prozesse bezeichnet werden (Elwert 1989: 440). Die Wir-Gruppen Konstruktion ist ein System, das ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl begr\u00fcndet, sich als moralische Instanz konstituiert und Teilhabe an der Macht anstrebt. Die Fragen personaler und sozialer Identit\u00e4t sind daher zugleich eng mit einer Perspektive nach der Ausgestaltung der Gesellschaft verkn\u00fcpft, da es bei der Frage kultureller Identit\u00e4t um die spezifischen Grundlagen der Alltagsproduktion und um die F\u00e4higkeit geht, die soziale Verfassung einer Gesellschaft dominant zu beeinflussen. Ich-Identit\u00e4t und Wir-Identit\u00e4t beinhalten dabei immer wertende Gef\u00fchle, die Zustimmung oder Ablehnung graduell kommentieren. Auf diese Weise wird festgelegt, wer ich bin und wer ich nicht bin, zu wem ich geh\u00f6re und zu wem ich nicht geh\u00f6ren m\u00f6chte (vgl. dazu ausf\u00fchrlich Jann 2020).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die beiden identit\u00e4r aufgeladenen Aggressionsmoralen suchen die bislang dominante Anstandsmoral als eine hypokritische Manipulationsstrategie zu entlarven. Vor allem aber nehmen sie andersgeartete Moralisierungen vor, mit denen sie alternative kommunikative Angebote zur Artikulation negativer Emotionen bereitstellen. Von ihren Proponent*innen werden sie genutzt, um das Hassreservoir anzuzapfen, Verachtungsbed\u00fcrfnisse zu befriedigen und negative Emotionen in der \u00d6ffentlichkeit zur Geltung zu bringen. Wesentlich ist hierbei, dass in ihnen negative Affektenergien und Aggressionsmotive nicht unterdr\u00fcckt, sondern ausgedr\u00fcckt, legitimiert und verst\u00e4rkt werden. Es sind politische Moralen, denn sie bieten eine Rechtfertigung f\u00fcr die Expression negativer Gef\u00fchle und sie teilen den politischen Raum ebenfalls mittels eines \u201eGut gegen B\u00f6se\u201c-Schemas auf. Von politischen Akteur*innen werden sie eingesetzt, um eine aggressive Form der Meinungs- und Willensbildung zu forcieren, die sich ihrerseits eines hochmoralischen Registers bedient<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auf der einen Seite befindet sich das kulturelle Milieu einer wertkonservativen <i>common-sense<\/i>-Moral. Negative Emotionen wie Wut, Angst und Hass k\u00f6nnen hier eine populistische Aufwertung als vermeintliche Antworten auf eine subjektiv erlebte, von Eliten in Allianz mit Minderheiten ausgehende, politische, \u00f6konomische und kulturelle Entwertung erfahren. Auf der anderen Seite befindet sich das Milieu der <i>woke-justice<\/i>-Moral, deren Leitbegriff das Privileg ist. Die Gesellschaft wird von ihr als eine Diskriminierungsmaschine gegen\u00fcber marginalisierten Minderheiten beschrieben, die durch historisches Unrecht entstanden sind und systematisch Privilegien f\u00fcr eine mit den Eliten verb\u00fcndete Mehrheitsgesellschaft reproduziert. Negative Emotionen erfahren hierbei eine Aufwertung als Reaktion auf eine (wei\u00dfe, m\u00e4nnliche) vorgebliche T\u00e4ter-Mehrheitstyrannei.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese beiden Betroffenheitsangebote zur Artikulation negativer Emotionen unterliegen einer wechselseitigen Kontrastdramaturgie und nehmen eine kontr\u00e4re moralische Sortierung der Gesellschaft vor. Sie teilen aber das Selbstverst\u00e4ndnis, dass sie eine legitime wie notwendige Emp\u00f6rungsreaktion auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, kulturelle Entw\u00fcrdigung und politische Repr\u00e4sentationsdefizite seien. Dabei profitieren sie von dem Authentizit\u00e4tspathos und der Wahrheitsaura des Hasses. Sie bilden gewisserma\u00dfen ein Hufeisen zur moralischen Rechtfertigung von negativen Emotionen. An beiden Enden des Hufeisens gelten die eigene negativ-emotionale Betroffenheit und Emp\u00f6rung als Geltungsbelege und Rechtsfertigungsblankette f\u00fcr diskursive wie praktische Aggression. Politisch laufen sie auf eine Entwertung der Institution demokratischer Staatsb\u00fcrgerschaft hinaus, die als eine Verschleierungsformel f\u00fcr systemische Diskriminierung beziehungsweise institutionelle Korruption entlarvt wird. Ihr Vormarsch zeigt, dass die Konsensillusion der Positivkultur der Emotionen am Ende ist, der Kampf um die affektiv unterlegte Moralisierung der Politik hingegen gerade erst begonnen hat.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieser Kampf wird zuk\u00fcnftig verst\u00e4rkt jenseits demokratischer Verfahren und Register ausgetragen werden. Denn gegenw\u00e4rtig erf\u00e4hrt die identit\u00e4tspolitische Aufladung von askriptiven Merkmalen eine neotribalistische Renaissance. Dies schl\u00e4gt sich auch in der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung und Forschung nieder, insoweit hier kritische Sozialwissenschaft mit einer unreflektierten Parteinahme f\u00fcr eine politische Richtung oder Identit\u00e4t verwechselt wird. Dahinter steht ein weitverbreitetes Problem sozialwissenschaftlicher Praxis: die unbewusst selektive Wirklichkeitsdeutung bei der Auseinandersetzung mit identit\u00e4r besetzten Themen, die in einem \u201eGut gegen B\u00f6se\u201c-Schema gedeutet werden. F\u00fcr diese Wirklichkeitsverzerrung und die damit verbundene Bildung von Fehlurteilen sind insbesondere Akademiker*innen anf\u00e4llig (Stanovich 2021). Dieser <i>myside bias<\/i> kann durch formale Bildung nicht beseitigt werden, sondern nur durch kritische Selbstreflexion. Gleicht sich die Sozialwissenschaft dem identit\u00e4tspolitischen <i>myside<\/i>-Denken an, so f\u00e4llt sie hinter den Anspruch zur\u00fcck, die strukturellen Gr\u00fcnde und Bedingungsfaktoren sozio-politischen Handelns aufzukl\u00e4ren und f\u00fcgte sich einem gesellschaftlichen Betroffenheitskult und Trend hin zur Moralisierung der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">PD <\/strong><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Veith Selk<\/strong> ist Privatdozent am Institut f\u00fcr Politikwissenschaft der TU Darmstadt und Senior Fellow beim Point Alpha Research Institut in Geisa. Er arbeitet prim\u00e4r zu Fragen der politischen Theorie. Thematische Schwerpunkte seiner Forschung sind u.a. Demokratie und Populismus. Dar\u00fcber hinaus ist er in der politischen Erwachsenenbildung sowie, gemeinsam mit Olaf Jann, im Wissenschaftstransfer t\u00e4tig. Eine aktuelle Publikation ist Demokratied\u00e4mmerung. Eine Kritik der Demokratietheorie, die 2023 im Suhrkamp Verlag erschienen ist.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Olaf Jann<\/strong> ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universit\u00e4t Siegen; vormals Lehrt\u00e4tigkeiten an den Universt\u00e4ten in Duisburg, Essen, M\u00fcnster, Marburg und Basel. Arbeitsgebiete und Forschungsschwerpunkte in der Politischen Soziologie: Sozialwissenschaftliche Konfliktforschung, Analyse gesellschaftlicher Transformationsprozesse, Macht-, Elite- und Demokratietheorien; Durchf\u00fchrung b\u00fcrgerwissenschaftlicher Wissenstransferworkshops. Letzte Publikationen (mit Veith Selk): Moralische Gentrifizierung. Soziologische Zeitdiagnostik und politische Theorie negativer Emotionen. Frankfurt am Main 2023: Campus Verlag.<\/em><\/p>\n<h3><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Althoff, G.<\/em> 2004: Freiwilligkeit und Konsensfassaden. Emotionale Ausdrucksformen in der Politik des Mittelalters, in: Herding, K.\/Stumpfhaus, B. (Hrsg.): <em>Pathos, Affekt, Gef\u00fchl. Die Emotionen in den K\u00fcnsten<\/em>, Berlin\/New York, S. 145-161.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Aumer-Ryan, K.\/Hatfield, E.<\/em> 2007: The Design of Everyday Hate: A Qualitative and Quantitative Analysis, in: <em>Interpersona<\/em>, Jg. 1, H. 2, S. 143-172.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Back, M. et al.<\/em> 2021: Working Report. Von Verteidigern und Entdeckern: Ein Identit\u00e4tskonflikt um Zugeh\u00f6rigkeit und Bedrohung. <a href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.17879\/97049506223\">https:\/\/dx.doi.org\/10.17879\/97049506223<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bacon, F.<\/em> 1625: Of Revenge. <a href=\"https:\/\/www.textlog.de\/3480.html\">https:\/\/www.textlog.de\/3480.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bartov, O.<\/em> 2021: Blinde Flecke, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung <\/em>vom 13.10.2021.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beichelt, T.<\/em> 2021: Homo Emotionalis. Zur Systematisierung von Gef\u00fchlen in der Politik, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bennett, J.\/Shapiro, M.<\/em> (Hrsg.) 2002: The Politics of Moralizing, New York\/London.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bild <\/em>2024: Nach Attacke auf Habeck: Wie gef\u00e4hrlich werden die Wut-Bauern noch?, in: <em>Bild.de<\/em> vom 05.01.2024, <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/nach-angriff-auf-robert-habeck-wie-gefaehrlich-werden-die-wut-bauern-noch-86648684.bild.html\">https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/nach-angriff-auf-robert-habeck-wie-gefaehrlich-werden-die-wut-bauern-noch-86648684.bild.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Binkert, H.<\/em> 2023: Jeder dritte Deutsche sieht sich als \u201eWutb\u00fcrger\u201c, in: <em>The European<\/em> vom 13.05.2023, <a href=\"https:\/\/www.theeuropean.de\/politik\/insa-exklusiv-umfrage-1\">https:\/\/www.theeuropean.de\/politik\/insa-exklusiv-umfrage-1<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2016: Das Postdemokratische Diskursquartett. Kommunikative Praxis in der simulativen Demokratie, in: <em>psychosozial<\/em>, Jg. 143, H. 1, S. 51-68.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bohrer, K.<\/em> 2019: Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass-Effekt, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brudholm, T.<\/em> 2018: Hatred Beyond Bigotry, in: Brudholm, T.\/Schepelern J. (Hrsg.): <em>Hate, Politics, Law: Critical Perspectives on Combating Hate<\/em>, Oxford, S. 53-75.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Butler, J.<\/em> 2006: Ha\u00df spricht. Zur Politik des Performativen, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Demmerling, C.\/Landweer, H.<\/em> 2007: Philosophie der Gef\u00fchle. Von Achtung bis Zorn, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Diederichsen, D.<\/em> 2021: Am Stammtisch der Sachlichkeit. Markiertes Sprechen in Deutschland, in: <em>Merkur<\/em>, Jg. 75, H. 868, S. 5-18.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Duncan, P.<\/em> 2017: The Uses of Hate: On Hate as a Political Category, in: <em>M\/C Journal<\/em>, Jg. 20, H. 1., <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5204\/mcj.1194\">https:\/\/doi.org\/10.5204\/mcj.1194<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Elwert, G.<\/em> 1989: Nationalismus und Ethnizit\u00e4t. \u00dcber die Bildung von Wir-Gruppen, in: <em>K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie<\/em>, Jg. 41, S. 440-464.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Frankenberg, G.<\/em> 2013: Ann\u00e4herungen an den Wutb\u00fcrger, in: <em>Kritische Justiz<\/em>, Jg. 45, S. 396-408.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fromm, E.<\/em> 1980 [1941]: Die Furcht vor der Freiheit, in: <em>Gesamtausgabe, Bd. 1: Analytische Sozialpsychologie<\/em>, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fromm, E.<\/em> 2004 [1947]: Den Menschen verstehen. Psychoanalyse und Ethik, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fuchs, T.\/Iwer, L.\/Micali, S.<\/em> (Hrsg.) 2018: Das \u00fcberforderte Subjekt. Zeitdiagnosen einer beschleunigten Gesellschaft, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gerwien, T.<\/em> 2016: \u201eDu St\u00fcck Schei\u00dfe, du geh\u00f6rst vergast\u201c, in: <em>Stern.de<\/em> vom 16.10.2016. <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/claudia-roth-im-shitstorm---du-stueck-scheisse--du-gehoerst-vergast--7101302.html\">https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/claudia-roth-im-shitstorm&#8212;du-stueck-scheisse&#8211;du-gehoerst-vergast&#8211;7101302.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grohn, M.<\/em> 2021: Hass von oben, Hass von unten. Klassenkampf im Internet, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gurr, T.<\/em> 1972: Rebellion. Eine Motivationsanalyse von Aufruhr, Konspiration und innerem Krieg, Wien.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Habermas, J.<\/em> 1992: Faktizit\u00e4t und Geltung. Beitr\u00e4ge zur Diskurstheorie des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hardy, S.<\/em> 2017: Everyday Multiculturalism and ,Hidden\u2018 Hate, London.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Heidenreich, F.<\/em> 2021: Moralisierung, in: <em>Merkur<\/em>, Jg. 75, H. 868, S. 32-42.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Honneth, A.<\/em> 2003: Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jackson, M.\/Grusky, D.<\/em> 2018: A Post-Liberal Theory of Stratification, in: <em>The British Journal of Sociology<\/em>, Jg. 69, H. 4, S. 1096-1133.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jann, O.<\/em> 2020: &#8222;You can check out, but you can never leave.&#8220; Identit\u00e4tsr\u00e4ume zwischen Entgrenzung und Begrenzung, in: Bizeul, Y.\/Rudolf, D. B. (Hrsg.): <em>Gibt es eine kulturelle Identit\u00e4t?<\/em> Baden-Baden, S. 99-124.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jann, O.\/Selk, V.<\/em> 2023: Moralische Gentrifizierung. Soziologische Zeitdiagnostik und politische Theorie negativer Emotionen, Frankfurt am Main\/New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jensen, U.<\/em> 2017: Zornpolitik, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Knobloch, C.<\/em> 2018: Das sogenannte Gute. Zur Selbstmoralisierung der Meinungsmacht, Siegen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kolnai, A.<\/em> 2007: Ekel, Hochmut, Hass. Zur Ph\u00e4nomenologie feindlicher Gef\u00fchle, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Koschorke, A.<\/em> 2021: Anpassung nach unten? Versuch \u00fcber Vulgarit\u00e4t, in: <em>Leviathan<\/em>, Jg. 49, H. 2, S. 231-243.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Koselleck, R.<\/em> 1989: Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe, in: Koselleck, R.: <em>Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten<\/em>, Frankfurt am Main, S. 211-258.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kr\u00fcger, H.<\/em> 2006: Hassbewegungen. Im Anschluss an Max Schelers sinngem\u00e4\u00dfe Grammatik des Gef\u00fchlslebens, in: <em>Deutsche Zeitschrift f\u00fcr Philosophie<\/em>, Jg. 54, H. 6, S. 867-883.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kurbjuweit, D.<\/em> 2010: Der \u201eWutb\u00fcrger\u201c. Stuttgart 21 und die Sarrazin-Debatte: Warum die Deutschen so viel protestieren, in: <em>Der Spiegel<\/em>, H. 41, S. 26f.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Liessmann, K. P.<\/em> 2023: Hass. Anatomie eines elementaren Gef\u00fchls, in: <em>philosophie Magazin<\/em> vom 28.02.2023. <a href=\"https:\/\/www.philomag.de\/artikel\/hass-anatomie-eines-elementaren-gefuehls\">https:\/\/www.philomag.de\/artikel\/hass-anatomie-eines-elementaren-gefuehls<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Luhmann, N.<\/em> 1990: Paradigm lost. \u00dcber die ethische Reflexion der Moral, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Merton, R.<\/em> 1968: Social Structure and Anomie, in: Merton, R.: <em>Social Theory and Social Structure<\/em>, New York, S. 185-214.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Neckel, S.<\/em> 2021: Eingesperrt: der Groll, in: <em>Merkur<\/em>, Jg. 75, H. 864, S. 81-87.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nordkurier<\/em> 2023: Protest gegen Ampel-Regierung: So eiskalt umfahren die Wut-Bauern eine Polizeisperre, in: <em>Nordkurier<\/em> vom 22.12.2023. <a href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/panorama\/so-eiskalt-umfahren-die-wut-bauern-eine-polizeisperre-2148113\">https:\/\/www.nordkurier.de\/panorama\/so-eiskalt-umfahren-die-wut-bauern-eine-polizeisperre-2148113<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nussbaum, M.<\/em> 2019: K\u00f6nigreich der Angst. Gedanken zur aktuellen politischen Krise, Darmstadt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2018: Entwertung und Entt\u00e4uschung. Zur Produktion negativer Affekte in der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft, in: <em>WestEnd. Neue Zeitschrift f\u00fcr Sozialforschung<\/em>, H. 1, S. 45-65.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2019: Das Ende der Illusionen. Politik, \u00d6konomie und Kultur in der Sp\u00e4tmoderne. Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2021: Auf der Suche nach der neuen Mittelklasse. Replik auf Nils Kumkar und Uwe Schimank, in: <em>Leviathan<\/em>, Jg. 49, H. 1, S. 33-61.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reddig, M.<\/em> 2007: Deprivation, Globalisierung und globaler Dschihad, in: Kron, T.\/Reddig, M. (Hrsg.): <em>Analysen des transnationalen Terrorismus. Soziologische Perspektiven<\/em>, Wiesbaden, S. 280\u2013309.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reddy, W.<\/em> 2001: The Navigation of Feeling. A Framework for the History of Emotions, Cambridge.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rohe, K.<\/em> 1994: Politische Kultur: Zum Verst\u00e4ndnis eines theoretischen Konzepts, in: Niedermayer, O.\/ von Beyme, K. von (Hrsg.): <em>Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland<\/em>, Berlin, S. 1-21.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2018: Die Quelle aller Angst und die Nabelschnur zum Leben: Erich Fromms Philosophie aus resonanztheoretischer Sicht. Erich-Fromm-Lecture 2018. <a href=\"https:\/\/www.fromm-gesellschaft.eu\/images\/pdf-Dateien\/Fromm-Preis_2018\/2018-11_EF-Lecture.pdf\">https:\/\/www.fromm-gesellschaft.eu\/images\/pdf-Dateien\/Fromm-Preis_2018\/2018-11_EF-Lecture.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rudolf, D.<\/em> 2020: Analyse und Vergleich politischer Mythen. Ein systematischer Theorierahmen f\u00fcr Demokratien und Autokratien, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scheler, M.<\/em> 1955: Das Ressentiment im Aufbau der Moralen (\u00dcber Ressentiment und moralisches Werturteil), in: Scheler, M. (Hrsg.): <em>Gesammelte Werke, Bd. 3<\/em>, Bern, S. 33-147.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scholz, L.<\/em> 2021: F\u00fcr radikale Meinungsfreiheit, in: <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> vom 12.06.2021, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/demokratische-streitkultur-fuer-radikale-meinungsfreiheit-ld.1624506\">https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/demokratische-streitkultur-fuer-radikale-meinungsfreiheit-ld.1624506<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Siegrist, J.<\/em> 2018: \u00dcberforderung in der Arbeitswelt. Macht sie krank? In: Fuchs, T.\/Iwer, L.\/Micali, S. (Hrsg.): <em>Das \u00fcberforderte Subjekt. Zeitdiagnosen einer beschleunigten Gesellschaft<\/em>, Berlin, S. 210-226.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Simmel, G.<\/em> 1992 [1908]: Soziologie. Untersuchungen \u00fcber die Formen der Vergesellschaftung. Gesammelte Schriften, Bd. II, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Somek, A.<\/em> 2021: Moral als Bosheit. Rechtsphilosophische Studien. T\u00fcbingen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sponholz, L.<\/em> 2021: Hass mit Likes: Hate Speech als Kommunikationsform in den Social Media, in: Wachs, S.\/Koch-Priewe, B.\/Zick, A. (Hrsg.): <em>Hate Speech \u2013 Multidisziplin\u00e4re Analysen und Handlungsoptionen<\/em>, Wiesbaden, S. 15-37.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Stanovich, K. E.<\/em> 2021: The Bias That Divides Us. The Science and Politics of Myside Thinking, Cambridge.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Stegemann, B.<\/em> 2018: Die Moralfalle. F\u00fcr eine Befreiung linker Politik, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Stegemann, B.<\/em> 2021: Wutkultur, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Straub, J.<\/em> 1998: Personale und kollektive Identit\u00e4t. Zur Analyse eines theoretischen Begriffs, in: Assmann, A.\/Friese, H. (Hrsg.): <em>Erinnerung, Geschichte, Identit\u00e4t,<\/em> Frankfurt am Main, S. 73-104.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>St\u00fcrmer, S.<\/em> 2011: Soziale Repr\u00e4sentation von B\u00fcrgerprotesten: Der Wutb\u00fcrger \u2013 soziale Realit\u00e4t, Feuilleton-Chim\u00e4re oder politischer Kampfbegriff? In: <em>Politische Psychologie<\/em>, Jg. 1, H. 1, S. 9-18.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vorl\u00e4nder, H.<\/em> 2011: Der Wutb\u00fcrger &#8211; Repr\u00e4sentative Demokratie und kollektive Emotionen, in: Bluhm, H.\/Fischer, K.\/Llanque, M. (Hrsg.): <em>Ideenpolitik: Geschichtliche Konstellationen und gegenw\u00e4rtige Konflikte<\/em>, Berlin, S. 467-478.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Der Essay ist im Rahmen des Forschungsprojekts \u201eWahrer Hass. Emotionsdisziplinierung und Politisches Lernen\u201c entstanden. Gef\u00f6rdert wurde das Projekt von der VolkswagenStiftung. Projektbeteiligte: Dr. Olaf Jann (Sozialwissenschaften) und PD Dr. Veith Selk (Politikwissenschaft); unter zeitweiliger Mitarbeit von Janine Wetzel. F\u00fcr Anregungen danken wir Dirk J\u00f6rke. Mittlerweile ist dazu eine Monographie im Campus Verlag unter dem Titel Moralische Gentrifizierung. Soziologische Zeitdiagnostik und politische Theorie negativer Emotionen erschienen (Jann\/Selk 2023). Das Folgende greift auf diese Publikation zur\u00fcck.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>F\u00fcr die Sozial- und Kulturwissenschaften sind die Analysen zur \u201eProduktion negativer Affekte\u201c von Reckwitz (Reckwitz 2018) diagnostisch von besonderer Relevanz und anschlussf\u00e4hig f\u00fcr unsere Diskussion.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Die Ausdr\u00fccke <i>Emotion<\/i>, <i>Affekt<\/i> und <i>Gef\u00fchl<\/i> werden im Folgenden synonym verwendet.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Allgemein verstehen wir unter Moralisierung die Reduktion eines komplexen gesellschaftlich bedingten Problems auf moralrelevante (meist identit\u00e4tspolitische) Aspekte und die Verwendung einer dichotomen Gut-gegen-B\u00f6se-Rhetorik mit der Achtung entzogen beziehungsweise zugesprochen wird. Siehe hierzu Luhmann (1990); weiterf\u00fchrend und mit einem emanzipatorischen Erkenntnisinteresse Somek (2021) und Stegemann (2018). Der Begriff der Moralisierung zielt ausdr\u00fccklich <i>nicht<\/i> darauf ab, Moral aus politischen Auseinandersetzungen zu verbannen, sondern er richtete sich kritisch gegen die Verabsolutierung von Moral. Zur \u201ekonservativen\u201c Moralisierungskritik, die hingegen eine Tendenz zur \u201eAmoralit\u00e4t\u201c hat, siehe Heidenreich (2021).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Fromm unterscheidet \u201ereaktive[n], rationale[n] Hass\u201c von dem \u201eirrationalen, \u201acharakterbedingten\u2018 Hass\u201c. W\u00e4hrend reaktiver Hass eine das Leben sch\u00fctzende Funktion habe und auf eine Bedrohung reagiere, sei irrationaler Hass destruktiv und projektiv. Allerdings enth\u00e4lt nach Fromm auch der irrationale Hass ein reaktives Moment, da das ihm zugrundeliegende Destruktionsmotiv aus der frustrierenden Blockade von menschlichen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten resultiert. Es ist die \u201eFolge ungelebten Lebens\u201c (Fromm 2004 [1947]: 168).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>\u201eRevenge is a kind of wild justice; which the more man\u2019s nature runs to it, the more ought law to weed it out\u201c (Bacon 1625).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>\u00c4hnlich Demmerling\/Landweer (2007: 296ff.), die darauf hinweisen, dass Hass und Verachtung begrifflich unterschieden werden m\u00fcssen, sich aber empirisch \u00fcberlagern k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>Das zeigt sich bei Sponholz (2021), die mit Blick auf \u201eHate Speech\u201c darlegt: \u201eDas \u201aHate\u2018 im Namen bezieht sich nicht auf eine Emotion, sondern stellt eine Analogie dar, wie dies auch bei Hate Crimes der Fall ist.\u201c (Sponholz 2021: 17) Sie definiert \u201eHate Speech\u201c als \u201eeine Form der kommunikativen Herstellung menschlicher Minderwertigkeit\u201c (Sponholz 2021: 18) zu deren Opfer ausschlie\u00dflich \u201e<i>historically oppressed groups<\/i>\u201c (Sponholz 2021: 17) werden k\u00f6nnten. <i>Hate Speech<\/i> liegt dieser Definition zufolge also nur dann vor, wenn es die \u201erichtigen\u201c Opfer trifft. Wer z\u00e4hlt hierzu? Keine der von Sponholz angef\u00fchrten Referenzen erl\u00e4utert den Begriff der \u201ehistorically oppressed group\u201c. Sie selbst schreibt: \u201eHate Speech betrifft aber nicht jede \u201aGruppe\u2018. Die Kategorie oder das Merkmal muss mit einer benachteiligten Machtposition korrelieren\u201c (Sponholz 2021: 17).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix <\/a>F\u00fcr eine differenzierte Konzeptualisierung von \u201eWutpolitik\u201c, die eine \u00e4hnlich gelagerte Ambivalenz ins Zentrum stellt, siehe Beichelt (2021: 151f.). Das produktive Potential von Wut besteht im \u201eBereithalten thymotischer Ventile, die Benachteiligungen anzeigen\u201c, ihr destruktives Potential ist das \u201eEntstehen gesellschaftlicher Gr\u00e4ben bei fortdauernder Nicht-Anerkennung.\u201c (Beichelt 2021: 152) Welche der beiden M\u00f6glichkeiten realisiert wird, h\u00e4nge im Wesentlichen vom Ausgang der Anerkennungsk\u00e4mpfe ab.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x <\/a>F\u00fcr eine \u00e4hnlich gelagerte Beschreibung und ausf\u00fchrlichere Analyse \u201elinker\u201c und \u201erechter\u201c \u201eWutpolitik\u201c vgl. Stegemann (2021).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[47],"tags":[3086,3537,3538,3536,3535,3540,3528,3541,680,3539,667],"autoren":[3534],"publikationen":[3527],"class_list":["post-19334","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-lebensweisen-pluralismus","tag-diversitaet","tag-emotion","tag-emotivismus","tag-gefuehle","tag-hass","tag-identitaet","tag-identitaetspolitik","tag-moralisierung","tag-pluralismus","tag-politische-gefuehle","tag-vorgaenge-artikel","autoren-veith-selk-olaf-jann","publikationen-vorg-244"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Der politische Hasseffekt - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/der-politische-hasseffekt\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Der politische Hasseffekt - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Hass als negative Emotion hat weder einen eindeutigen politischen Inhalt noch eine ideologische Bedeutung. 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