{"id":19343,"date":"2024-05-24T12:53:49","date_gmt":"2024-05-24T10:53:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19343"},"modified":"2024-05-24T12:54:04","modified_gmt":"2024-05-24T10:54:04","slug":"100-identitaer-die-rechtsextreme-identitaetspolitik-der-identitaeren","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/100-identitaer-die-rechtsextreme-identitaetspolitik-der-identitaeren\/","title":{"rendered":"\u201e100% identit\u00e4r\u201c: Die rechtsextreme Identit\u00e4tspolitik der Identit\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Dass es auch rechtextreme Identit\u00e4tspolitik gibt, zeigt nicht zuletzt die Bewegung der \u201eIdentit\u00e4ren\u201c. Judith Goetz argumentiert, dass die Gruppe nicht nur \u00fcber den Untergang des Abendlandes wegen Multikulturalismus, politische Korrektheit und Feminismus herbeifantasieren, sondern mit dem Konzept des \u201eEthnopluralismus\u201c eine rassistische Ideologie als Identit\u00e4tsangebot propagiert. Dazu rekonstruiert und analysiert Goetz die Geschichte und die Inhalte der \u201eIdentit\u00e4ren\u201c im deutschsprachigen Raum. Sie kommt zum Ergebnis, dass das identit\u00e4re Denken von Identit\u00e4tsentw\u00fcrfen gepr\u00e4gt ist, die auf eine R\u00fcckgewinnung starrer Ordnungsmuster, auf eine Diskriminierung des \u201eAnderen\u201c und auf eine R\u00fcckvereindeutigung der durch Feminismus, Gender-Theorie sowie Egalitarismus und Liberalismus ins Wanken gebrachten normativen Konzepte abzielt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Debatten rund um Identit\u00e4tspolitik, politische Korrektheit, Wokeness oder Diskriminierungsschutz garantieren seit geraumer Zeit \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit, deren Potential zur Verbreitung politischer Propaganda auch die extreme Rechte erkannt hat. Ein n\u00e4herer Blick auf entsprechende Auseinandersetzungen zeigt, dass sich rechtsextreme Akteur*innen auf drei \u2013 unterschiedlichen, wenn auch miteinander verbundenen \u2013 Ebenen beteiligen. So inszenieren sie sich auf drei Arten:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Sie inszenieren sich als Opfer linker und emanzipatorischer Identit\u00e4tspolitiken sowie damit verbundener Bestrebungen, bestehenden Diskriminierungen entgegen zu wirken \u2013 etwa, indem sie sich gegen vermeintliche Sprechverbote oder eine imaginierte Meinungsdiktatur auflehnen. Gleichzeitig adaptieren rechtsextreme Gruppierungen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Identit\u00e4tspolitische Diskurse nutzen f\u00fcr ihre Zwecke, indem sie ihre jeweilige eigene nationale und ethnische Identit\u00e4t als bedroht und ebenso diskriminiert konstruieren, um so Schutz f\u00fcr sich zu beanspruchen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Liefern sie dadurch ein identit\u00e4tspolitisches Angebot, das nicht nur f\u00fcr Sympathisant*innen rechtsextremer Ideologien zunehmend an Attraktivit\u00e4t gewinnt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Am Beispiel der rechtsextremen \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 soll im Folgenden aufgezeigt werden, wie die Gruppe mit Hilfe von Untergangsfantasien ihrer \u201aethnokulturellen Identit\u00e4t\u2018 nicht nur ihre rassistische Ideologie, sondern auch ein scheinbar widerspruchsfreies Identit\u00e4tsangebot propagiert. Daf\u00fcr wird in einem ersten Schritt die Geschichte und Ideologie der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 umrissen, um in weiterer Folge Bezugnahmen der Gruppe auf das Ph\u00e4nomen Identit\u00e4t zu beleuchten. Die Analyse der Bedeutung von Identit\u00e4tspolitik in der Ideologie wie auch der politischen Praxis der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 wird daran ankn\u00fcpfend veranschaulichen, dass Identit\u00e4t einen zentralen Referenzpunkt der Gruppe bildet, mit dem sie einerseits versucht, Antidiskriminierungspolitiken von Rechts zu adaptieren und dadurch auch bestehenden Schutz von strukturell benachteiligten Gruppe zu delegitimieren. Andererseits wird deutlich werden, dass sie sich lediglich neuer Strategien und Begriffe bedienen, um altbekannte, rechtsextreme Denkmuster zu verschleiern.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"neue-strategien-alte-inhalte\">Neue Strategien, alte Inhalte<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In \u00d6sterreich wie auch Deutschland gr\u00fcndeten sich die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> 2012 nach dem franz\u00f6sischen Vorbild der \u201aG\u00e9n\u00e9ration identitaire\u2018, der Jugendsektion des \u201aBloc identitaire\u2018. F\u00fcr einige Jahre erlangte die Gruppe mit spektakul\u00e4ren Aktionen (\u201eBesetzungen\u201c von Parteizentralen, St\u00f6rungen von Veranstaltungen, Klettern auf Hausd\u00e4cher etc.) gro\u00dfes \u00f6ffentliches Aufsehen und wurde zu einer wichtigen Akteurin des au\u00dferparlamentarischen Rechtsextremismus in beiden L\u00e4ndern. Nachdem sie von ihrer anf\u00e4nglichen Behauptung, dass sie weder \u201elinks noch rechts\u201c seien, Abstand genommen hatten, stellten sie sich selbst in die Tradition der sogenannten Neuen Rechten. Damit gaben sie einerseits vor, mit der \u201aAlten Rechten\u2018 und deren affirmativen Bez\u00fcgen auf den Nationalsozialismus gebrochen zu haben. Andererseits erm\u00f6glichte ihnen diese Selbstinszenierung anf\u00e4nglich, sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren. Durch die Verwendung weniger belasteter Begriffe versuchten Mitglieder der Gruppe geschickt, sich harmloser darzustellen als sie es eigentlich waren. So sprachen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 nicht mehr vom \u201eVolkstod\u201c oder der \u201eUmvolkung\u201c sondern vom \u201eGro\u00dfen Austausch\u201c, sie forderten keine Abschiebungen, sondern \u201eRemigration\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a>, und ihren Rassismus verschleierten sie als \u201eEthnopluralismus\u201c. (B\u00f6hm 2010; Goetz 2017a; Grawan 2021; von Olberg, Hans-Joachim 2020) In Anlehnung an den kritischen Arbeitsbegriff von Willibald Holzer (1993), der Rechtsextremismus \u00fcber die dahinter stehenden Ideologien \u2013 allen voran den Antiegalitarismus \u2013 definiert, kann die Gruppierung jedoch klar als rechtsextrem eingestuft werden. Der Kern rechtsextremen Denkens ergibt sich Holzer zufolge aus der Ablehnung der Idee der Gleichheit aller Menschen, der Berufung auf das Prinzip der Natur\/Nat\u00fcrlichkeit sowie undemokratischen und antipluralistischen Einstellungsmustern. Diese Facetten rechtsextremer Ideologe zeigen sich bei den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 sowohl anhand ihres v\u00f6lkischen Weltbilds, als auch an den antifeministischen Rhetoriken, ihrem Antisemitismus sowie den rassistischen Einstellungen. (Aftenberger 2018; Goetz 2017b, 2020b) Ein weiterer Unterschied zur \u201aAlten Rechten\u2018 und klassischen Neonazis ergab sich zudem durch den Auftritt der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 als junge, modern-konservative, intellektuelle hippe und gleichzeitig patriotische und wehrhafte Jugendbewegung, die besonders junge Menschen ansprechen wollte. (vgl. u. a. Grigori\/Trebing 2018) Seit ihres Bestehens spielen Bezugnahmen auf die unterschiedlichen Facetten einer nationalen und ethnischen Identit\u00e4t eine zentrale Rolle in der Ideologie der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018. Bis heute inszeniert sich die Gruppe in ihren fatalistischen Bedrohungs- und Untergangsfantasien als die \u201eletzte Generation\u201c, die den durch die dekadente Moderne und die Zuwanderung verursachten \u201eGro\u00dfen Austausch der Kulturen\u201c und damit auch den Verlust der europ\u00e4ischen Identit\u00e4t verhindern k\u00f6nne. (vgl. u. a. Goetz 2020; Goetz\/Winkler 2020) Der imaginierte Verfall der europ\u00e4ischen Gesellschaft und die Probleme einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft werden somit in altbekannter Manier externalisiert und einzig auf \u201eEinwanderer*innen\u201c projiziert. Dadurch wird auch deutlich, dass es vor allem neue Strategien sind, mit denen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 Politik machen wollen, nicht jedoch neue Inhalte. (vgl. u .a. Boehnke 2019; Goetz 2017, 2019)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Neben ihren Kontakten zu extrem rechten Parteien wie der AfD oder der FP\u00d6, pflegte die Gruppe au\u00dferdem internationale Beziehungen sowohl zu Ablegern in anderen L\u00e4ndern sowie auch zu bekannten Figuren des Rechtsextremismus (Bruns et al. 2016; Goetz et al. 2017; Havertz 2021; Nissen 2022). Eine Spende jenes Rechtsterroristen, der in Christchurch (Neuseeland) 2019 \u00fcber 50 Menschen ermordet hatte, an einen \u00f6sterreichischen Kader sowie die Namensgleichheit seines Manifests mit einer langj\u00e4hrigen Kampagne der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 zogen jedoch nicht nur Distanzierungen, sondern auch eine Welle der Repression nach sich. (vgl. u. a. Goetz\/Winkler 2020, 2023) So verk\u00fcndete selbst der rechtsextreme Verleger G\u00f6tz Kubitschek gegen Ende 2019, dass die Marke \u201aIdentit\u00e4re\u2018 \u201enun bis zur Unber\u00fchrbarkeit kontaminiert\u201c sei. W\u00e4hrend die ,Identit\u00e4ren\u2018 in \u00d6sterreich seit Ende 2019\/Beginn 2020 zunehmend von ihrem Label Abstand nahmen und stattdessen versuchten, eine B\u00fcrger*innenbewegung namens ,Die \u00d6sterreicher\u2018 zu etablieren, war es auch um die ,Identit\u00e4ren\u2018 in Deutschland, abseits kleineren Skandalen rund um Verbindungen zu AfD Politiker*innen, ruhiger geworden. Von Beginn an unterschieden sich ,Die \u00d6sterreicher\u2018 inhaltlich kaum von den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018, lediglich die Sprache und Zielgruppe wurden ein wenig ver\u00e4ndert. So geben sie sich weiterhin patriotisch, behaupten, nicht rechtsextrem zu sein und argumentieren in ethnopluralistischer Manier, nicht rassistisch sein zu wollen. Anstelle des propagierten \u201eGro\u00dfen Austauschs\u201c sind sie dazu \u00fcbergegangen, sich gegen eine imaginierte \u201eErsetzungsmigration\u201c oder \u201eErsetzung\u201c zu engagieren (Goetz 2022), sie organisierten keine Stammtische mehr, sondern \u201eB\u00fcrgertreffpunkte\u201c und richten ihr politisches Programm nicht mehr vorrangig an Jugendliche. Trotz ihrer \u201eTarnversuche\u201c wurden die Symbole beider Gruppen 2020 in \u00d6sterreich verboten, was \u00f6ffentliche Auftritte mit Wiedererkennbarkeitswert seitdem deutlich erschwert. Die mediale Berichtserstattung wie auch Rechtsextremismus-Expert*innen prognostizieren den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 schon seit einiger Zeit keine bedeutsame Zukunft mehr. Kurzzeitigen Aufwind beziehungsweise Sichtbarkeit konnten die unterschiedlichen Ableger der Gruppe in deutschsprachigen L\u00e4ndern noch im Zuge der Proteste gegen Covid-19 Ma\u00dfnahmen erlangen. Mit Parolen wie \u201eVolksschutz statt Mundschutz\u201c nutzte sie die Demonstrationen f\u00fcr ihre rassistische Agenda und beteiligte sich zudem an der Verbreitung von Verschw\u00f6rungsnarrativen. Ihre j\u00fcngsten Versuche, gemeinsam mit christlichen Fundamentalist*innen und Corona-Verharmloser*innen gegen Lesungen von Dragqueens zu mobilisieren, erwiesen sich ebenfalls als wenig mobilisierungsf\u00e4hig, wenngleich sie dadurch vermehrt \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit bekamen. Dennoch scheinen sie nicht mehr an ihre Erfolge der ersten Jahre ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. Gerade der sinkende Bedarf an au\u00dferparlamentarischen rechtsextremen Organisierungsformen in Zeiten starker und einflussreicher rechtsextremer Parteien verhei\u00dft ihnen weiterhin keine allzu relevante Zukunft. Dennoch haben sie mit ihrer Propaganda rechtsextreme Diskurse und Politiken nachhaltig ideologisch beeinflusst, weshalb sich Analysen ihres Gedankenguts auch nach wie vor von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr ein fundiertes Verst\u00e4ndnis des modernisierten Rechtsextremismus erweisen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"identitaere-identitaetsverstaendnisse\">Identit&auml;re Identi&shy;t&auml;ts&shy;ver&shy;st&auml;nd&shy;nisse<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die zentrale Bedeutung, die dem Identit\u00e4tsbegriff in der Ideologie wie auch politischen Praxis der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 zukommt, zeigt sich bereits bei der Namensgebung der Gruppe, die auf das franz\u00f6sische Vorbild zur\u00fcckgeht. Der Gebrauch dieses, bislang politisch weniger belasteten Begriffs hat vor allem zwei Vorteile: Zum einen erm\u00f6glicht es ihnen die Bezugnahme auf \u201aIdentit\u00e4t\u2018, ihren Rassismus zu verschleiern; zum anderen handelt es sich um einen umk\u00e4mpften Begriff, dessen Bedeutung die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 in ihrem Sinne neu auszugestalten versuchen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hinweise darauf, was Identit\u00e4t im Verst\u00e4ndnis der Gruppe ausmacht, fanden sich in der Vergangenheit unter anderem in den FAQs auf der Homepage der \u201aIdentit\u00e4ren Bewegung Deutschlands\u2018 (IBD) in der Beantwortung der Frage: \u201eWas hei\u00dft f\u00fcr euch eigentlich \u201aIdentit\u00e4t\u2018?\u201c (IBD o. J. a)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a>. Dort war von drei Ebenen der Identit\u00e4t die Rede, die sich durch eine regionale (gepr\u00e4gt durch Dialekte, Br\u00e4uche, Sitten des jeweiligen Herkunftsorts), eine nationale (gekennzeichnet durch die Bindung des Individuums zum eigenen \u201eVolk\u201c und den dort vorherrschenden sozialen, sprachlichen und kulturellen Regelsystemen) und eine europ\u00e4ische (im Sinne eines \u201eEuropas der Vaterl\u00e4nder\u201c, das jedoch ein gemeinsames Erbe und Schicksal teilt) ergeben. Der zentrale Begriff im identit\u00e4ren Denken ist jedoch bis heute jener der <i>ethnokulturellen Identit\u00e4t<\/i>, die in engem Zusammenhang mit dem Konzept des \u201e<i>Ethnopluralismus<\/i>\u201c steht. Dieses gibt vordergr\u00fcndig vor, dass jedes \u201eVolk\u201c respektive jede \u201eEthnie\u201c oder \u201eKultur\u201c gleich an Wert und in ihrer Differenz grunds\u00e4tzlich erhaltenswert sei \u2013 jedoch nur so lange diese auch auf dem f\u00fcr sie anberaumten Territorium bleiben. Jedes \u201eVolk\u201c \u2013 so auch das deutsche \u2013 h\u00e4tte folglich eine einzigartige, besch\u00fctzenswerte \u201eethnokulturelle Identit\u00e4t\u201c, f\u00fcr deren Verteidigung sich die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 stark machen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hinter diesem Gedankenkonstrukt verbirgt sich jedoch im Grunde genommen nichts anderes als das Ideal einer \u201eglobalen Apartheid\u201c (Holzer 1993: 40), die weltweit alle \u201eV\u00f6lker\u201c oder \u201eKulturen\u201c territorial klar voneinander trennen soll. \u201eVerwischungen\u201c oder \u201eVermischungen\u201c zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen sollen in dieser Logik unter dem Vorwand der \u201eErhaltung des Eigenen\u201c verhindert werden. Die territoriale Trennung dient dabei als beste M\u00f6glichkeit, die vermeintlichen Differenzen aufrecht zu erhalten. Abgesehen davon, dass diese Vorstellung die \u00fcber Jahrhunderte vollzogene Migrationsgeschichte ignoriert, negiert sie auch Differenzen innerhalb der Gemeinschaften und die durch gesellschaftliche Interaktion entstehende Dynamik, die mit der M\u00f6glichkeit auf Ver\u00e4nderung verbunden ist. Zwar gibt es, den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 zufolge, auch eine individuelle Komponente der Identit\u00e4t, jedoch seien die \u201eindividuelle und kollektive Identit\u00e4t unaufl\u00f6sbar miteinander verbunden\u201c, hie\u00df es bei der IBD (o. J. b) au\u00dferdem. Indem einer \u201eMasse von Menschen ein unver\u00e4nderlicher gemeinsamer Charakter unterstellt [wird], dem sich der Einzelne nicht entziehen kann\u201c (Winkler 2017: 62), bleibt dem Individuum letztlich nichts anderes \u00fcbrig, als sich \u201edem Kollektiv\u201c unterzuordnen. Mit anderen Worten: Das Individuum wird im identit\u00e4ren Denken von seiner \u201eethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c so stark gepr\u00e4gt und vorherbestimmt, dass es kein Entkommen geben kann, keine M\u00f6glichkeit auf Ver\u00e4nderung. Identit\u00e4t wird somit zum Schicksal, das Individuum \u2013 rechtsextremen Denkweisen entsprechend \u2013 zum Teil einer Schicksalsgemeinschaft.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"0-rassistisch-100-identitaer\">&bdquo;0% rassistisch, 100% identit&auml;r&ldquo;?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">\u00c9tienne Balibar (2014 [1990]) sprach bereits Anfang der 1990er von einem \u201eRassismus ohne Rassen\u201c in Bezug darauf, dass die rassistische Vorstellung von k\u00f6rperlich-biologischen Unterschieden durch das Konstrukt einer vermeintlich un\u00fcberwindbaren \u201ekulturelle Differenz\u201c abgel\u00f6st wurde. Weil inzwischen nicht mehr so einfach von \u201eRassen\u201c gesprochen werden kann, ist nun von \u201ekulturellen Unterschieden\u201c die Rede, die mit anderen Kulturen nicht zusammenpassen w\u00fcrden. Genauer betrachtet handelt sich in erster Linie um eine sprachliche Neuerung und strategisch eingesetzte rhetorische Mittel, weniger jedoch um eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Ideologie des Rassismus. Wo einst den Individuen bestimmter Herkunft biologische Eigenschaften zugeschrieben wurden, sind es heute kulturelle. In diesem Sinne ist auch das Konstrukt der \u201eethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 als Verschleierung des identit\u00e4ren Rassismus zu deuten. Wenn die Gruppe somit von ethnisch und kulturell vorbestimmten und erhaltenswerten Unterschieden spricht, die weder ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen noch sollen, wird dem altbekannten Rassismus lediglich ein moderneres Antlitz verpasst. \u201eDer Begriff der \u201aIdentit\u00e4t\u2018 ist bei den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 weiterhin ein v\u00f6lkischer, der jedoch kulturalistisch umschrieben wird\u201c (Winkler 2017: 63). Die Behauptung der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018, dass sie \u201e0% rassistisch, 100% identit\u00e4r\u201c seien, ist entsprechend zu hinterfragen. Schlie\u00dflich wird Identit\u00e4t einerseits \u00fcber die Homogenisierung von ethnisch beziehungsweise kulturell konstruierten Kollektiven und andererseits \u00fcber den Ausschluss vermeintlich Anderer hergestellt.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"identitaetsverlust\">Identit&auml;tsverlust<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Im Vordergrund identit\u00e4rer Politiken steht der Kampf f\u00fcr die \u201eBewahrung der ethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c, denn \u201e[j]edes Volk\u201c h\u00e4tte, so die identit\u00e4re Logik, \u201eauch das Recht, diese Eigenschaften und Merkmale seiner ethnokulturellen Identit\u00e4t zu bewahren und zu verteidigen\u201c (IBD o. J. a). Bedroht wird diese Identit\u00e4t in den identit\u00e4ren Fantasien auf vielf\u00e4ltige Art und Weise. Auf der bereits erw\u00e4hnten Homepage der IBD hie\u00df es: \u201eUrsachen f\u00fcr den Verlust unserer Identit\u00e4t gibt es viele: Verwestlichung und Vereinheitlichung der Sitten und Br\u00e4uche, liberaler Individualismus, Zerst\u00f6rung der Sprache, Konsumzwang, Materialismus, fehlendes Geschichtsbewusstsein, Ethnomasochismus, etc.\u201c (IBD o. J. b). Neben der bereits erw\u00e4hnten \u201eVermischung\u201c aufgrund von \u201eZuwanderung\u201c sehen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 ihre \u201eethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c vor allem durch Egalitarismus und Liberalismus, Multikulturalismus und Gender-Theorie sowie auch durch die Moderne und die Globalisierung bedroht. Anders formuliert: \u201eBeklagt wird ein angeblicher Identit\u00e4ts- und Werteverlust, der bruchst\u00fcckhaft \u00fcber antifeministische und sexistische, antisemitische und rassistische Bilder und Rhetoriken der Bedrohung hergeleitet wird\u201c (Mokros et al. 2021: 247).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Was den Multikulturalismus, Diversit\u00e4t und die Gender-Theorie betrifft, so werfen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 der politischen Linken und der diesbez\u00fcglich sozial engagierten Zivilgesellschaft vor, damit die Zerst\u00f6rung der Identit\u00e4t voranzutreiben. Die \u201ekranke Ideologie der Gleichheit\u201c, so der Kopf der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 in \u00d6sterreich in einem Video-Blog von 2013, w\u00fcrde Gleichwertigkeit und Gleichheit ebenso wie Gleichheit und Gerechtigkeit in eins setzen und auf diesem Wege versuchen, die Menschheit zu \u201evereinheitlichen\u201c. Dadurch entst\u00fcnde letzten Endes ein \u201eEinheitsmensch\u201c. Das Gleichheits- und Gleichbehandlungsgebot aller Menschen wird in dieser Logik zur Ausmerzung von Unterschieden zwischen Menschen umgedeutet. In dieser Vorstellung gebe es in weiterer Folge keine \u201eauthentischen\u201c Vertreter*innen der \u201eethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c und auch \u201ekeine echten M\u00e4nner und keine Frauen mehr\u201c (Sellner 2013).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bedroht wird die identit\u00e4re Vorstellung von \u201eIdentit\u00e4t\u201c zudem, weil sie sich nicht entfalten k\u00f6nne, wie sie wolle und auch nicht als das anerkannt werde, was sie sei. Dass es in Deutschland und \u00d6sterreich im Vergleich zu anderen Staaten nicht m\u00f6glich sei, einen \u201egesunden Patriotismus\u201c zu entwickeln und zu vertreten, sehen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 im Zusammenhang mit der sogenannten \u201ePolitik der Schuld\u201c. Diese reduziere die Geschichte des deutschen \u201eVolkes auf seine dunkelsten Perioden\u201c \u2013 die Shoah \u2013 und verhindere somit, positive Bez\u00fcge auf \u201eVolk\u201c, Geschichte und Tradition. Entsprechend geht es den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 auch darum, einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus zu ziehen, um wieder stolz auf Deutschland sein und sich mit vollem Einsatz der Erhaltung der \u201edeutschen Identit\u00e4t in ihrer Einzigartigkeit\u201c widmen zu k\u00f6nnen. \u201eGesunder Patriotismus\u201c als scheinbar naturhafter Instinkt zur \u201eVerteidigung des Eigenen\u201c w\u00fcrde keine \u201eMasseneinwanderung\u201c zulassen und k\u00f6nnte dem identit\u00e4ren Denken zufolge vermutlich auch den imaginierten \u201eGro\u00dfen Austausch\u201c zur\u00fcckdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zudem beklagen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018, dass seit der Moderne \u201eder Einzelne [\u2026] immer mehr gezwungen [wird], die Entscheidungen bez\u00fcglich seiner Identit\u00e4t selbst zu treffen\u201c (IBD o. J. b). So wird von den Mitgliedern der Gruppierung die Ausweitung der M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Individuum betrauert, die eigene Identit\u00e4t so auszugestalten, wie es dies m\u00f6chte. Den eigenen Identit\u00e4tsentwurf selbst w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, l\u00e4sst die Bedeutung vermeintlicher (\u201eethnischer\u201c, \u201ekultureller\u201c oder \u201egeschlechtlicher\u201c) Vorherbestimmung in den Hintergrund treten. Den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 geht es folglich nicht darum, selbst gew\u00e4hlt verschieden sein zu k\u00f6nnen, sondern um die Pflicht, bestimmten Differenzkategorien wie Herkunft oder Kultur entsprechend, verschieden sein zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"rechtsextremer-identitaetsschutz\">Rechts&shy;ex&shy;tremer Identi&shy;t&auml;ts&shy;schutz<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Identit\u00e4t zum zentralen Politikum zu machen, bietet sich folglich als vor allem deshalb an, weil es sich hierbei um einen nicht klar (vor-)definierten, inhaltlich oder ideologisch wenig gefestigten Begriff handelt. Seine Bedeutung ist von einem permanenten Aushandlungsprozess gekennzeichnet, in dem auch die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 wie auch ihre Nachfolgeorganisation \u201aDie \u00d6sterreicher\u2018 mitmischen will. So nahm Identit\u00e4t auch in ihrem \u201eF\u00fcnf Schritte f\u00fcr \u00d6sterreich\u201c-Programm (Die \u00d6sterreicher o. J.) von Beginn an eine wichtige Rolle ein, beispielsweise in den Bezugnahmen auf das Erbe einer 1000 Jahre alten \u00f6sterreichischen Identit\u00e4t sowie auch in Forderungen, den Schutz dieser Identit\u00e4t in die Verfassung aufzunehmen. St\u00e4rker als noch zu Zeiten der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 versucht die Gruppe identit\u00e4tspolitische Rhetoriken von Rechts zu adaptieren und f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. \u00dcber die Selbstinszenierung als Opfer einer politisch korrekten \u2013 kulturmarxistischen, feministischen oder woken \u2013 Elite, die der Mehrheit der B\u00fcrger*innen ihre Vorstellungen sowie Denkverbote aufzwingen wolle, versuchen \u201aDie \u00d6sterreicher\u2018 nicht nur Diskriminierungsschutz oder rechtliche Verbesserungen f\u00fcr benachteiligte Gruppen zu delegitimieren. Fernholz erkennt in dieser Selbstviktimisierung auch die M\u00f6glichkeit der Abwehr von Kritik, da diese \u201ewie eine Art Blitzableiter\u201c funktioniere, \u201edie Angriffe auf die \u00fcberh\u00f6hte eigene Position stets als Erlebnis erneuter Unterdr\u00fcckung begreift und damit in moralisches Kapital umwandelt\u201c (Fernholz 2022: 279). Gleichzeitig beg\u00fcnstigt, wie Marie Michel (2022: 287f.) betont, \u201edie narrative Selbstinszenierung dieser \u201aRechten\u2018 als ohnm\u00e4chtiges Opfer und Feindbild der vermeintlich m\u00e4chtigen \u201aLinken\u2018\u201c verbindende Einigkeit innerhalb eines doch sehr heterogenen Spektrums herzustellen und einen \u201ekollektiven Akteur [zu] beschw\u00f6ren\u201c. Damit geht sowohl eine Aufwertung des Kollektivs als auch der individuellen gesellschaftlichen Position einher und gerade die vielseitig betonte Dringlichkeit zu handeln, birgt zudem gro\u00dfes Mobilisierungspotential. So meint auch Fernholz, dass die kollektive Identit\u00e4t \u201eden Aktivist*innen und den Unterst\u00fctzer*innen der Bewegung zu dem Gef\u00fchl [verhilft], an einem gemeinsamen politischen Projekt teilzuhaben\u201c (Fernholz 2022: 281).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Sinne der beschriebenen Selbstviktimisierung meinte beispielsweise ein aktuell f\u00fchrender Kader der \u201a\u00d6sterreicher\u2018 in einem Interview mit dem rechten Freilich Magazin 2021: \u201eWir versuchen damit [ihrer Arbeit] aufzuzeigen, dass ein gesunder, selbstbewusster Zugang zur eigenen Herkunft und Identit\u00e4t von der herrschenden Ideologie nicht mehr toleriert wird. Das muss sich \u00e4ndern!\u201c (Freilich Magazin 2021) Wie eine solche \u00c4nderung aussehen k\u00f6nnte, verr\u00e4t unter anderem das bereits erw\u00e4hnte F\u00fcnf Schritte f\u00fcr \u00d6sterreich-Programm, in dem nicht nur in Punkt \u201e3. Leitkultur und De-Islamisierung\u201c die Bewahrung des Erbes \u201eder mehr als 1000 Jahre alte[n] Identit\u00e4t\u201c (Die \u00d6sterreicher o. J.) gefordert wird. Punkt 5 widmet sich dar\u00fcber hinaus g\u00e4nzlich dem \u201eIdentit\u00e4tsschutz\u201c, der sogar in die Verfassung aufgenommen werden sollte. \u201aIdentit\u00e4t\u2018 wird dabei nicht nur \u201eals unser wichtigstes Gut\u201c konstruiert, sondern auch als ein bedrohtes Territorium abgesteckt, das gesch\u00fctzt werden m\u00fcsse: \u201eWie der Erhalt der Umwelt muss der Erhalt unserer Identit\u00e4t zum demokratischen Grundkonsens werden\u201c (Die \u00d6sterreicher o. J.). Mit scheinbar harmlos anmutenden Formulierungen wie dieser zielen identit\u00e4re Rhetoriken darauf ab, Sinnzusammenh\u00e4nge und Bedeutungen zu konstruieren. So beinhaltet die genannte Formulierung durch die Analogisierung von Umwelt und Identit\u00e4t eine Naturalisierung von Identit\u00e4tsvorstellungen als etwas Naturgegebenes und damit auch scheinbar Unver\u00e4nderbares. Damit geht gleichzeitig auch die bereits beschriebene Homogenisierung und Essentialisierung der beschworenen Kollektividentit\u00e4t \u201ader \u00d6sterreicher*innen\u2018 einher, die unterstellt, dass es eine homogene nat\u00fcrliche \u00f6sterreichische Identit\u00e4t geben w\u00fcrde. Im Zentrum dieser steht kein universales Verst\u00e4ndnis von Zugeh\u00f6rigkeiten, das all jene umfasst, die sich damit identifizieren k\u00f6nnen und wollen, sondern die erw\u00e4hnte ethnisch beziehungsweise nationale und dadurch essentialistisch bestimmte Gemeinschaft, die sich durch bestimmte Eigenheiten, Merkmale und Traditionen auszeichnen und die \u201eLeitkultur\u201c ausmachen w\u00fcrde. Die Zugeh\u00f6rigkeit des Gro\u00dfteils der in \u00d6sterreich lebenden Menschen zu diesem scheinbar naturgegebenen Zwangskollektiv beruht folglich nicht auf Freiwilligkeit, sondern ergibt sich der identit\u00e4ren Ideologie zufolge aufgrund von Geburt oder Abstammung. Den Angeh\u00f6rigen der konstruierten Gemeinschaft w\u00fcrden zudem bestimmte gesellschaftliche Privilegien zustehen, w\u00e4hrend andere in \u00d6sterreich lebende Menschen von selbigen ausgeschlossen bleiben sollten, weil sie die \u201eReinheit\u201c und Homogenit\u00e4t selbiger gef\u00e4hrden w\u00fcrden. Es zeigt sich also, dass entsprechende Vorstellungen immer auf Ausschl\u00fcssen basieren, weil sie einerseits von Normen abweichende Identit\u00e4tsvorstellungen und Lebensentw\u00fcrfe abwerten, delegitimieren und teilweise sogar als Bedrohung konstruieren, andererseits aber auch ganze Personengruppen aufgrund ihrer Herkunft g\u00e4nzlich von der konstruierten Gemeinschaft ausschlie\u00dfen. In dieser Hinsicht l\u00e4sst sich der in der genannten Formulierung ebenfalls konstruierte Zusammenhang zwischen \u201eIdentit\u00e4tsschutz\u201c und Demokratie als diskursive Strategie zur Legitimierung der eigenen antidemokratischen Ideologie entlarven, zumal sich die Forderung gegen zentrale Bestandteile der demokratischen Verfasstheit einer Gesellschaft richtet: Egalitarismus und Pluralismus.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"identitaetsschutz-als-aufrechterhaltung-von-ungleichheitsverhaeltnissen\">Identi&shy;t&auml;ts&shy;schutz als Aufrecht&shy;er&shy;hal&shy;tung von Ungleich&shy;heits&shy;ver&shy;h&auml;lt&shy;nissen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die von der Nachfolge- beziehungsweise Tarnorganisation der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 propagierte Ideologie bleibt jedoch nicht bei der Forderung nach Schutz der konstruierten \u00f6sterreichischen Identit\u00e4t stehen. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, zielt ihre Politik darauf ab, \u201e\u00d6sterreicher*innen\u201c selbst als bedrohte und benachteiligte Minderheit zu inszenieren, um auf diesem Wege politische Strategien der Antidiskriminierung f\u00fcr sich zu beanspruchen. In diesem Sinne fordern \u201aDie \u00d6sterreicher\u2018 beispielsweise die Ausweitung der im Artikel 7 des \u00f6sterreichischen Staatsvertrags festgeschriebenen Minderheitenrechte auf \u00d6sterreicher*innen. Die Grundlage f\u00fcr die Beanspruchung des Minderheitenstatus beschr\u00e4nkt sich dabei auf die Behauptung, dass \u201e\u00d6sterreicher [&#8230;] in manchen Gegenden selbst zur Minderheit werden oder es in Schulen und Kinderg\u00e4rten bereits sind\u201c (Die \u00d6sterreicher o. J.). In eine \u00e4hnliche Richtung argumentiert zudem das im Juni 2023 in \u00d6sterreich gestartete \u201eHeimatschutz-Volksbegehren\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a>, das aufgrund der sprachlichen und argumentativen \u00c4hnlichkeiten aus der selben Ecke stammen d\u00fcrfte. Gefordert wird darin neben der Implementierung einer Pr\u00e4ambel zum \u201eSchutz der Identit\u00e4t des Staatsvolkes\u201c in \u00f6sterreichischen Verfassungstexten, die Umwandlung des Kulturministeriums in ein \u201eMinisterium f\u00fcr Leitkultur &amp; Identit\u00e4t\u201c, mit dem Ziel der \u201eF\u00f6rderung der heimischen Kultur und eine[r] St\u00e4rkung des Patriotismus, des Zusammenhalts und des positiven Bezugs zur ethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c (Heimatschutz-Volksbegehren 2023). Konkret hei\u00dft es: \u201eAuch die Einheimischen stellen, im Zuge des Bev\u00f6lkerungsaustausch in einer \u201aMultiminorit\u00e4tengesellschaft\u2018 immer deutlicher, eine solche Volksgruppe dar und haben Anspruch auf die Wahrung ihres Volkstums\u201c (Heimatschutzvolksbegehren 2023). Rechtsextreme Akteur*innen wie die Initiator*innen des Volksbegehrens versuchen sich mit entsprechenden Rhetoriken als Bewahrer*innen einer vermeintlich bedrohten nationalen Identit\u00e4t zu inszenieren. Die in beiden Beispielen vollzogene diskursive Umkehrung, bei der ohnehin gesellschaftlich bevorteilte Angeh\u00f6rige der Dominanzgesellschaft zu vermeintlich Benachteiligten stilisiert werden, zielt nicht auf den Abbau von Benachteiligung, sondern vielmehr auf den Erhalt bestehender Macht- und Privilegiensysteme sowie die Fortsetzung des Ausschlusses aller Nichtangeh\u00f6rigen ab. Insofern bedeutet die Benachteiligung, die von den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 respektive \u201a\u00d6sterreichern\u2018 hier imaginiert wird, letztlich nichts Anderes als die Infragestellung ihrer Vormachtstellung, die durch wirksamen Minderheitenschutz und -f\u00f6rderung, Affirmative-Action-Programme sowie Antidiskriminierungsgesetzgebungen ins Wanken gebracht wurde. Politiken und Ma\u00dfnahmen, die tats\u00e4chliche gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen vorantreiben, sollen jedoch, so liest sich zwischen den Zeilen eines weiteren Anliegens des \u201eHeimatschutz-Volksbegehrens\u201c, als verfassungswidrig eingestuft werden, da sie von den Initiator*innen der Petition vermutlich zu jenen Politiken gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, die den Schutz der beschworenen Identit\u00e4t unterminieren w\u00fcrden (Heimatschutz Volksbegehren 2023). Im Mittelpunkt rechtsextremer Adaptionen von Antidiskrimininerungs- und Minderheitenschutznarrativen steht folglich immer auch die Delegitimation des Schutzes tats\u00e4chlich benachteiligter Gruppen, da die Aufrechterhaltung bestehender Privilegiensysteme nicht mit dem Abbau struktureller Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse vereinbar ist. W\u00e4hrend linke Identit\u00e4tspolitik, wie beispielsweise Lea Susemichel und Jens Kastner (2019) herausstreichen, \u201ein der Regel eine Reaktion auf Diskriminierung\u201c ist und darauf reagiert, \u201edass einem vermeintlichen Kollektiv bestimmte \u2013 nicht unweigerlich ausschlie\u00dflich negative \u2013 Eigenschaften zugeschrieben werden\u201c, setzt rechtsextreme Identit\u00e4tspolitik genau bei der essentialisierenden Konstruktion von ethnischen Kollektiven an, reagiert damit jedoch nicht auf Benachteiligung, sondern auf bef\u00fcrchteten oder tats\u00e4chlichen Privilegienverlust.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"eindeutige-identitaet\">Eindeutige Identit&auml;t<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Den beschriebenen imaginierten Bedrohungen ihrer ethnokulturellen Identit\u00e4t versuchen die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 und ihre Nachfolgeorganisation mit einem scheinbar widerspruchsfreien, eindeutigen Identit\u00e4tsangebot zu begegnen. Gerade durch ihren Fokus auf Nat\u00fcrlichkeit, Eindeutigkeit und Stabilit\u00e4t bieten rechtsextreme Identit\u00e4tsangebote vermeintliche Sicherheit vor den inszenierten Bedrohungen. Ihre Ideologie liefert dadurch nicht nur ein vereindeutigtes Identit\u00e4tsangebot, sondern erm\u00f6glicht ihnen auch, Identit\u00e4tspolitik von Rechts zu betreiben. Gerade der Umstand, dass Untergangsnarrative durchwegs auch in der Mitte der Gesellschaft Geh\u00f6r finden, lie\u00dfen, wie Fernholz (2022: 284) betont, rechtsextreme Identit\u00e4tspolitik auch \u201ezu einem plausiblen Angebot zur Verteidigung eines autorit\u00e4r (b\u00fcrgerlichen) Dominanzanspruchs werden\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie dargelegt, setzen sich die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 (und \u201aDie \u00d6sterreicher\u2018) f\u00fcr den Erhalt einer scheinbar organisch gewachsenen, homogenen Gemeinschaft \u2013 samt ihrer Traditionen und Br\u00e4uche oder Dialekte \u2013 ein. Identit\u00e4t speist sich in dieser Vorstellung aus ethnischen und kulturellen Elementen und fungiert als Ausdruck einer nat\u00fcrlich gewachsenen, gesellschaftlichen Ordnung, die auch mit bestimmten Anspr\u00fcchen verbunden ist. Weil die \u201eKulturen\u201c unterschiedlich seien, m\u00fcssten sie auch unterschiedlich behandelt werden. Denn Gerechtigkeit k\u00f6nne nur hergestellt werden, wenn dem unterschiedlichen Wesen durch Ungleichbehandlung nachgekommen w\u00fcrde. Die \u201eethnokulturelle Identit\u00e4t\u201c soll folglich nicht nur erhaltet und verteidigt werden, sie sichert dem Individuum auch auf einen bestimmten Platz in der Gesellschaft und dem mit diesem verbundenen Kollektiv einen Rang in der Weltordnung. In diesem Sinne meint auch Fernholz (2022: 178), dass sich das rechtsextreme Identit\u00e4tsangebot \u201enicht nur durch empowernde \u201a\u00dcberlegenheitsgef\u00fchle\u2018 gegen\u00fcber anderen aus[zeichnet], sondern [&#8230;] diese \u00dcberlegenheit als objektive Gegebenheit ideologisch voraus[setzt]\u201c. So l\u00e4sst sich aus der identit\u00e4ren Logik ein Vorrecht ableiten, an einem bestimmten Ort leben und die eigene \u201eethnokulturelle Identit\u00e4t\u201c als Norm gegen das \u201eAndere\u201c verteidigen zu d\u00fcrfen. Um an dieser Vormachtstellung teilhaben zu d\u00fcrfen, wird vom Individuum jedoch die Unterordnung unter die normativen Zw\u00e4nge des Kollektivs abverlangt. Dies geschieht einerseits \u00fcber den Einsatz vertrauter, identit\u00e4tsstiftender Begriffe wie <i>Heimat<\/i>, <i>Sprache<\/i> und <i>Tradition<\/i>, mit denen Identifikationsmomente hergestellt werden. Auf der anderen Seite bringt das in identit\u00e4ren Kreisen verbreitete Identit\u00e4tskonzept f\u00fcr das Individuum bestimmte Anreize und Vorteile mit sich. Dazu z\u00e4hlt das Versprechen klarer Vorgaben beziehungsweise Antworten auf die Anforderung, die eigene Identit\u00e4t selbst ausgestalten zu m\u00fcssen. Gerade f\u00fcr jene, die diese Anforderung als \u00dcberforderung erleben, \u201ebieten Ideologien kollektiver Identit\u00e4t, deren wirkungsm\u00e4chtigste Kategorien aktuell \u201aKultur\u2018, \u201aGeschlecht\u2018 und Nation sind, eine quasi vorpolitische und scheinbar nat\u00fcrliche Identit\u00e4tsbegr\u00fcndung, mit der sozial-politische Rechte und Privilegien durch den Ausschluss der \u201aAnderen\u2018 gerechtfertigt werden k\u00f6nnen. Je tiefer und \u201averwurzelter\u2018 diese Identit\u00e4tsbegr\u00fcndung, desto unumst\u00f6\u00dflicher scheint sie.\u201c (Winkler 2017: 70) In diesem Sinne setzen auch die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 in ihrer Ideologie neben der \u201aethnokulturellen\u2018 Facette der Identit\u00e4tskonstruktion, auf einen biologistisch argumentierten, komplement\u00e4r und hierarchisch konstruierten Geschlechterdualismus, der ausschlie\u00dflich zwei (authentische) Geschlechter als zul\u00e4ssige Norm anerkennt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Anstatt die eigene Identit\u00e4t nach den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen und individuellen M\u00f6glichkeiten zu begr\u00fcnden und selbst auszugestalten sowie die Widerspr\u00fcchlichkeit dieser Anforderungen zwischen Zwang und Selbstverwirklichung eigenst\u00e4ndig zu bew\u00e4ltigen, werden von den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 klare, scheinbar nat\u00fcrliche und unver\u00e4nderbare Kategorien (wie \u201eGeschlecht\u201c, \u201eKultur\u201c, \u201eEthnie\u201c) als zentrale Eckpfeiler der Identit\u00e4t vorgegeben. Sie erzeugen auf diese Weise die Illusion von Halt und Orientierung. Die Vorstellungen von Vielfalt und die M\u00f6glichkeit, verschieden sein zu k\u00f6nnen, werden auf vermeintlich naturhafte Unterschiede (zwischen den \u201eGeschlechtern\u201c und den \u201eKulturen\u201c) reduziert, f\u00fcr deren Erhalt sich die \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 einsetzen und als deren Retter*innen sie sich inszenieren. Durch diese Grenzziehungen wird die geschlechtliche wie die \u201eethnokulturelle Identit\u00e4t\u201c aktiv hergestellt und gleichzeitig von all dem, was sie nicht sein darf, abgegrenzt. Gleichzeitig werden spezifische, homogenisierende Vorstellungen auch dem vermeintlichen \u201eAnderen\u201c zugeschrieben. Im damit verbundenen Reinheitsgedanken, der \u201eVerwischungen\u201c und \u201eVermischungen\u201c von \u201eEthnien\u201c oder \u201eKulturen\u201c oder Geschlechtern ablehnt, spiegelt sich nicht nur das Bed\u00fcrfnis nach strengen Ordnungskonzepten wider, die Orientierung verschaffen sollen, sondern auch die Angst vor Widerspr\u00fcchen, Ambivalenzen und Ambiguit\u00e4ten. Dem rigiden Geschlechterdualismus und der ver\u00e4nderungsresistenten, \u201eethnokulturellen Identit\u00e4t\u201c kommt somit eine Schutzfunktion zu, die vor all jenen Zumutungen bewahren soll, die durch Pluralisierungen und Veruneindeutigungen in der Gesellschaft entstehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">So zielen die das identit\u00e4re Denken pr\u00e4genden Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe letzten Endes auf eine R\u00fcckgewinnung starrer Ordnungsmuster und auf eine R\u00fcckvereindeutigung der durch Feminismus, Gender-Theorie sowie Egalitarismus und Liberalismus ins Wanken gebrachten normativen Konzepte ab. Insofern weist die Identit\u00e4tspolitik der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 zwar einen Ausweg aus bestehenden gesellschaftlichen Problemen, jedoch keine Antwort oder L\u00f6sung, zumal auch der Ausweg nur einer sehr privilegierten gesellschaftlichen Gruppe vorbehalten ist und nicht ohne den diskriminierenden Ausschluss vermeintlich \u201eAnderer\u201c auskommt. Gerade weil es den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 um die Schaffung einer \u201eethnisch relativ homogenen Gemeinschaft\u201c geht, die unter den Voraussetzungen einer durch Migration gepr\u00e4gten Gesellschaft nur mit massiver Gewalt durchzusetzen w\u00e4re, bleibt ihre Ideologie brandgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Judith Goetz<\/strong> ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin, Rechtsextremismus-Expertin und Gender-Forscherin. Sie hat zahlreiche Sammelb\u00e4nde zu Rechtsextremismus mitherausgegeben, darunter auch Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 (2017).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Aftenberger, Ines<\/em> 2017: Die \u201aidentit\u00e4re\u2018 Beseitigung des Anderen. Der gar nicht mehr so neue Neorassismus der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018, in: Goetz, Judith\/Sedlacek, Joseph Maria\/Winkler, Alexander: <em>Untergangster des Abendlandes<\/em>, Hamburg, S. 203-226.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Balibar, \u00c9tienne\/Wallerstein, Immanuel Maurice<\/em> 2014: Rasse, Klasse, Nation: ambivalente Identit\u00e4ten, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Boehnke, Lukas<\/em> 2019: Rechter Kulturkampf heute: Identit\u00e4tskonstruktion und Framing-Strategien der Identit\u00e4ren Bewegung, in: Boehnke, Lukas\/Thran, Malte\/Wunderwald, Jacob (Hrsg.): <em>Rechtspopulismus im Fokus: Theoretische und praktische Herausforderungen f\u00fcr die politische Bildung<\/em>, Wiesbaden, S. 89\u2013114.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>B\u00f6hm, Michael<\/em> 2010: Vom Rassismus zum Ethnopluralismus. Kontinuit\u00e4t und Wandel im Denken von Alain de Benoist, in.: Jesse, Eckhard\/Niedermeier, Hans-Peter (Hrsg.): <em>Politischer Extremismus und Parteien<\/em>, Berlin, S. 23-44.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bruns, Julian\/Gl\u00f6sel, Kathrin\/Strobl, Natascha<\/em> 2016: Die Identit\u00e4ren: Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, M\u00fcnster.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fernholz, Tobias<\/em> 2022: Die rechtsradikale Bewegung und ihr digitaler Kampf um Identit\u00e4t: Inhalte, Dynamiken und Resonanzr\u00e4ume rechtsradikaler Alternativ-\u00d6ffentlichkeiten, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith<\/em> 2017a: \u201e&#8230; in die mediale Debatte eindringen\u201c \u2013 \u201aIdentit\u00e4re\u2018 Selbstinszenierungen und ihre Rezeption durch \u00f6sterreichische Medien, in: Goetz, Judith\/Sedlacek, Joseph Maria\/Winkler, Alexander: <em>Untergangster des Abendlandes,<\/em> Hamburg, S. 91\u2013112.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith<\/em> 2017b: \u201eAber wir haben die wahre Natur der Geschlechter erkannt\u2026\u201c: Geschlechterpolitiken, Antifeminismus und Homofeindlichkeit im Denken der ,Identit\u00e4ren\u2018, in: Goetz, Judith\/Sedlacek, Joseph Maria\/Winkler, Alexander: <em>Untergangster des Abendlandes<\/em>, Hamburg, S. 253\u2013284.<\/p>\n<p align=\"justify\">Goetz, Judith 2019: \u201eUnsere Waffen sind ausschlie\u00dflich gute Argumente und deren Verbreitung\u201c Die \u00f6sterreichischen \u201eIdentit\u00e4ren\u201c beim Wort genommen, in: Heinemann, Alisha M.B.\/Khakpour, Natascha (Hrsg.): <em>P\u00e4dagogik sprechen\u202f: Die sprachliche Reproduktion gewaltvoller Ordnungen in der Migrationsgesellschaft<\/em>, Stuttgart, S. 99\u2013114.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith<\/em> 2020a: Der Gro\u00dfe Austausch\u2018\u2013 Rechtsextreme Reproduktions- und Bev\u00f6lkerungspolitik Am Beispiel Der ,Identit\u00e4ren, in: <em>Femina politica<\/em>, Jg. 29, H. 2, S. 37\u201349.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith<\/em> 2020b: Postergirls und White-Power Barbies. Zur ambivalenten Sichtbarkeit identit\u00e4rer Frauen*, in: Beck, Dorothee\/Henninger, Annette (Hrsg.): <em>Konkurrenz f\u00fcr das Alpham\u00e4nnchen\u202f: politische Repr\u00e4sentation und Geschlecht<\/em>, Ro\u00dfdorf, S. 199\u2013217.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith<\/em> 2022: \u201eDie gro\u00dfe R\u00e4cherin\u201c. Die Wut der Identit\u00e4ren auf die \u00f6sterreichische Justizministerin, in: <em>Psychologie &amp; Gesellschaftskritik<\/em>, H. 181-182, S. 85-109.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith\/Sedlacek, Joseph Maria\/Winkler, Alexander<\/em> 2017: Untergangster des Abendlandes: Ideologie und Rezeption der rechtsextremen \u201eIdentit\u00e4ren\u201c, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith\/Winkler, Alexander<\/em> 2020: Der Mythos vom \u201eGro\u00dfen Austausch\u201c, in: BdWi et al. (Hrsg.): <em>Wissenschaft von rechts II. Rechter Kulturkampf in Hochschule und Bildung<\/em>, Marburg, S. 12\u201314.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Goetz, Judith\/Winkler, Alexander<\/em> 2023: \u201eTerror mit Ansage\u201c \u2013 Das Naheverh\u00e4ltnis der Identit\u00e4ren zum Rechtsterrorismus, in: Coester, Marc et al. (Hrsg.): <em>Rechter Terrorismus: international \u2013 digital \u2013 analog<\/em>, Wiesbaden, S. 203\u2013230.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grawan, Florian<\/em> 2021: Repr\u00e4sentationen von Ethnopluralismus am Beispiel der Identit\u00e4ren Bewegung, in: <em>Sprache \u2013 Bildung \u2013 Geschlecht<\/em>, Wiesbaden, S. 299\u2013310.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grigori, Eva\/Trebing, Jerome<\/em> 2018: Jugend an die Macht \u2013 Zugriffe neurechter Bewegungen auf die Jugendarbeit am Beispiel der Gruppen \u201eIdentit\u00e4re Bewegung\u201c und \u201eKontraKultur, in: <em>Rechtspopulismus im Fokus<\/em>, Wiesbaden, S. 135\u2013156.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Havertz, Ralf <\/em>2021: Radical Right Populism in Germany: AfD, Pegida, and the Identitarian Movement, Milton.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Holzer, Willibald I.<\/em> 1993: Rechtsextremismus: Konturen, Definitionsmerkmale und Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze, Wien.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Michel, Marie<\/em> 2022: Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld: Mit Linken leben, in: Meiering, David (Hrsg.): <em>Schl\u00fcsseltexte der \u201aNeuen Rechten\u2018: Kritische Analysen antidemokratischen Denkens<\/em>, Wiesbaden, S. 281\u2013292.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mokros, Nico\/Rump, Maike\/K\u00fcpper, Beate<\/em> 2021: Antigenderismus: Ideologie einer\u202f \u201enat\u00fcrlichen Ordnung\u201c\u202foder Verfolgungswahn? In: Zick, Andreas\/K\u00fcpper, Beate\/Schr\u00f6ter, Franziska f\u00fcr die Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): <em>Die geforderte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegef\u00e4hrdende Einstellungen in Deutschland<\/em> 2020\/21, S. 246\u2013261.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nissen, Anita<\/em> 2022: Europeanisation of the Contemporary Far Right: Generation Identity and Fortress Europe, Milton.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Olberg, Hans-Joachim von <\/em>2020: Identit\u00e4re gegen Demokratie: Kritik der Erziehung zum Ethnopluralismus, in: <em>Gesellschaft, Wirtschaft, Politik<\/em>, Jg. 69, H. 2, S. 246-254.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Susemichel, Lea\/Kastner, Jens<\/em> 2019: Zur Geschichte linker Identit\u00e4tspolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, H. 9-11.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"quellen\">Quellen<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Die \u00d6sterreicher<\/em> o.J.: F\u00fcnf Schritte f\u00fcr \u00d6sterreich. Online abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230531104102\/https:\/\/die-oesterreicher.at\/fuenf-punkte-plan\/\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20230531104102\/https:\/\/die-oesterreicher.at\/fuenf-punkte-plan\/<\/a> (Zugriff 06.11.2023)<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Heimatschutz-Volksbegehren<\/em> 2023: Forderungen. Online abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.heimatschutz-volksbegehren.at\/inhalt\/\">https:\/\/www.heimatschutz-volksbegehren.at\/inhalt\/<\/a> (Zugriff 06.11.2023).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Identit\u00e4re Bewegung Deutschland<\/em> o. J. A: Was hei\u00dft f\u00fcr euch eigentlich Identit\u00e4t? Online abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.identitaere-bewegung.de\/faq\/was-heisst-fuer-euch-eigentlich-identitaet\/\">https:\/\/www.identitaere-bewegung.de\/faq\/was-heisst-fuer-euch-eigentlich-identitaet\/<\/a> (Zugriff 30.07.2018).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Identit\u00e4re Bewegung Deutschland<\/em> o.J. b: \u00dcber Identit\u00e4t. Online abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.identitaere-bewegung.de\/blog\/ueber-identitaet\/\">https:\/\/www.identitaere-bewegung.de\/blog\/ueber-identitaet\/<\/a> (Zugriff 30.07.2018).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Freilich Magazin<\/em> 2021: Drei Fragen an: Jakob Gunacker (DO5) zum Symbolegesetz. Online abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.freilich-magazin.com\/politik\/drei-fragen-an-jakob-gunacker-do5-zum-symbolegesetz\">https:\/\/www.freilich-magazin.com\/politik\/drei-fragen-an-jakob-gunacker-do5-zum-symbolegesetz<\/a> (Zugriff 06.11.2023)<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sellner, Martin<\/em> 2013: Vlog Identit\u00e4r 8 &#8211; Gleichheit vs Gleichwertigkeit. Online abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OV5WTXpvaps\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OV5WTXpvaps<\/a> (Zugriff 30.07.2018).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Der korrekte Eigenname w\u00fcrde eigentlich \u201aIdentit\u00e4re Bewegung\u2018 (IB) lauten. Da es sich auch beim Gruppennamen jedoch um eine Selbstbezeichnung handelt, die nicht zuletzt auch die Strategie verfolgt, sich gr\u00f6\u00dfer darzustellen als es real der Fall ist, wird hier von den \u201aIdentit\u00e4ren\u2018, nicht jedoch von einer \u201aBewegung\u2018 die Rede sein.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Der Begriff <i>Remigration<\/i> wird von rechtsextremen Gruppen wie den Identit\u00e4ren verwendet, um eine politische Forderung nach der massenhaften Deportation von Menschen zu besch\u00f6nigen. Urspr\u00fcnglich aus der NS-Exilforschung stammend und die R\u00fcckkehr von vor dem Nationalsozialismus Geflohenen beschreibend, wird der Begriff durch die Identit\u00e4ren umgedeutet und im politischen Diskurs als Synonym f\u00fcr Massenabschiebungen genutzt. Eine im Januar 2024 ver\u00f6ffentlichte Recherche von <i>Correctiv<\/i> enth\u00fcllte, dass rechtsextreme Akteur*innen bei einem geheimen Treffen nahe Potsdam zum Thema \u201eRemigration\u201c einen Plan zur Vertreibung von Millionen Menschen diskutierten.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Die meisten Internetseiten und Social-Media-Accounts der \u201aIdentit\u00e4ren\u2018 sind inzwischen nicht mehr online.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>In \u00d6sterreich stellen Volksbegehren ein demokratisches Instrument im Sinne von \u201eVolkspetitionen\u201c dar, mit denen die Behandlung eines Gesetzesvorschlags im Nationalrat erwirkt werden kann, wenn mindestens 100.000 g\u00fcltige Unterschriften von wahlberechtigten B\u00fcrger*innen vorgelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":19339,"template":"","categories":[3004,37,47,2982],"tags":[3570,3574,761,3571,3533,3569,3540,3528,3087,3573,3572,710,3128,667],"autoren":[3568],"publikationen":[3527],"class_list":["post-19343","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-asylpolitik","category-europa-internationales","category-lebensweisen-pluralismus","category-neonazis","tag-ethnopluralismus","tag-extremismus","tag-gleichheit","tag-gleichwertigkeit","tag-identitaere","tag-identitaere-bewegung","tag-identitaet","tag-identitaetspolitik","tag-migration","tag-neue-rechte","tag-oesterreich","tag-rechtsextremismus","tag-ungleichheit","tag-vorgaenge-artikel","autoren-judith-goetz","publikationen-vorg-244"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u201e100% identit\u00e4r\u201c: Die rechtsextreme Identit\u00e4tspolitik der Identit\u00e4ren - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-244\/publikation\/100-identitaer-die-rechtsextreme-identitaetspolitik-der-identitaeren\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201e100% identit\u00e4r\u201c: Die rechtsextreme Identit\u00e4tspolitik der Identit\u00e4ren - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Dass es auch rechtextreme Identit\u00e4tspolitik gibt, zeigt nicht zuletzt die Bewegung der \u201eIdentit\u00e4ren\u201c. 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Judith Goetz argumentiert, dass die Gruppe nicht nur \u00fcber den Untergang des Abendlandes wegen Multikulturalismus, politische Korrektheit und Feminismus herbeifantasieren, sondern mit dem Konzept des \u201eEthnopluralismus\u201c eine rassistische Ideologie als Identit\u00e4tsangebot propagiert. 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