{"id":19463,"date":"2024-08-21T11:41:58","date_gmt":"2024-08-21T09:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19463"},"modified":"2025-08-14T14:35:48","modified_gmt":"2025-08-14T12:35:48","slug":"eine-nachhaltige-demokratie-zum-freiheitsverstaendnis-des-gruenen-republikanismus","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/eine-nachhaltige-demokratie-zum-freiheitsverstaendnis-des-gruenen-republikanismus\/","title":{"rendered":"Eine nachhaltige Demokratie? Zum Freiheitsverst\u00e4ndnis des gr\u00fcnen Republikanismus"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Unter den demokratietheoretischen Modellen zur Frage, wie demokratische Freiheit und das Bek\u00e4mpfen des Klimawandels vereint werden k\u00f6nnen, gibt es derzeit eine diskursive Hegemonie von deliberativ-demokratischen Ans\u00e4tzen. Dies gilt auch in Bezug auf den gegenw\u00e4rtigen \u00f6kologischen Republikanismus, so Philip Dingeldey in seinem Beitrag. Dabei w\u00e4re der gr\u00fcne Republikanismus f\u00fcr die b\u00fcrgerrechtliche Positionsbildungen vor allem deswegen bedeutsam, weil er das in der vorherrschende Verst\u00e4ndnis der Grundrechte als Freiheitsrechte des Individuums gegen den Staat erweitern oder ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, um zur Bildung eines allgemeinverbindlichen demokratischen Willens zur Durchsetzung einer sozial-\u00f6kologischen Transformation beizutragen. Doch genau ein solches positives Freiheitsverst\u00e4ndnis einer radikalen Demokratie verpasst der gr\u00fcne Republikanismus, indem er seine Tradition verk\u00fcrzt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"vier-staatstheoretische-modelle-gegen-die-klimakrise\">Vier staats&shy;the&shy;o&shy;re&shy;ti&shy;sche Modelle gegen die Klimakrise<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Im \u00f6kologischen politischen Denken haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vier demokratietheoretische Ans\u00e4tze entwickelt. Sie besch\u00e4ftigen sich mit der Frage, ob und wenn ja, wie demokratische Staaten auf die \u00f6kologische Krise reagieren k\u00f6nnen, ohne demokratische Verfahren und subjektive Freiheiten einzuschr\u00e4nken oder aufzuheben.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der erste Ansatz ist der <i>Konvivialismus<\/i>, der auf eine gemeinschaftliche Nutzung der Umwelt, materieller und immaterieller Produkte sowie Dienstleistungen im Zusammenleben zielt. Er intendiert eine \u201epostneoliberale\u201c Gesellschaft von freiwilliger M\u00e4\u00dfigung jenseits von Staat und Markt und einer Postwachstumsgesellschaft mit einem nachhaltigem Lebensstil privater Kooperationen. Das bleibt politisch weitgehend unkonkret, denn die Konvivialist*innen kritisieren vor allem die neoliberale Wirtschaft und Politik und stellen sozialpolitische und \u00f6kologische Forderungen an den Staat. Sie behandeln die Demokratie in ihrem ersten Manifest (Les Convivialistes 2014; van Dyk 2016: 246-264; Acksel et al. 2015: 133-145) noch antiinstitutionell und beziehen sich in der Neufassung des Manifestes unkonkret auf Loskammern, deliberative Foren und Minipublics (Les Convivialistes 2020; vgl. Adloff\/Caill\u00e9 2022). Eine luxusablehnende M\u00e4\u00dfigung ist danach eine politische, \u00f6ffentliche Tugend die sich nicht nur auf den privaten Umgang, sondern sich vor allem auf das politische Gemeinwesen bezieht.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das zweite, inzwischen eher marginalisierte Modell, der <i>\u00d6koautoritarismus<\/i>, pl\u00e4diert \u2013 in einem elit\u00e4ren Affekt und einem Ressentiment gegen\u00fcber der Vernunft des <i>demos<\/i> \u2013 f\u00fcr die politische Kompetenz von Expert*innen und argumentiert gegen die Demokratie. Die Vertreter*innen des \u00d6koautoritarismus sehen einen Widerspruch zwischen dem Imperativ, gr\u00fcne Prinzipien durchzusetzen und der demokratischen Entscheidungsfindung. Die moderne repr\u00e4sentative Demokratie, verbunden mit individueller Freiheit und materieller Stabilit\u00e4t, habe einen anormalen Wohlstand geschaffen, der die \u00f6kologische Krisen erst verursacht h\u00e4tte. Ein autorit\u00e4res System k\u00f6nne dagegen per Zwang die Selbstbeschr\u00e4nkung der Subjekte durchsetzen und mit Expert*innen an der politischen Spitze effektiver und schneller als eine Demokratie einen \u00f6kologischen Staat generieren. (Heilbroner 1974; Ophuls 1992)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das dritte Modell des <i>gr\u00fcnen liberalen oder deliberativ-demokratischen Staates <\/i>argumentiert dagegen. \u00d6kologisches Management m\u00fcsse sich nicht nur an Wissenschaft und Expertise orientieren, sondern auch demokratisch sein. Dazu wird die liberale Demokratie \u00f6kologisiert und mit gr\u00f6\u00dferen Kontrollmechanismen gegen\u00fcber politischen Eliten ausgestattet. Die Anh\u00e4nger*innen eines \u00f6kologischen Liberalismus grenzen sich gerne vom Neoliberalismus ab und betonen neben den deliberativen Elementen, dass es Verbote auch in liberalen Systemen gab und gibt, weswegen \u00f6kologische Verbote und Beschr\u00e4nkungen und Liberalismus sich nicht ausschlie\u00dfen w\u00fcrden (vgl. Lepenies 2022). Die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die die Klimakrise verursacht, wird dabei aber nicht hinterfragt. Die Output-Legitimation komme vom deliberativen Charakter begr\u00fcndet durch J\u00fcrgen Habermas\u2018 (1991: 123) \u00dcberzeugung des \u201ezwanglosen Zwangs des besseren Arguments\u201c und der kooperativen Wahrheitssuche im Sinne einer kommunikativen Vernunft in einem rationalen Diskurs, womit dieser Demokratietheorie ein epistemischer Wert zugeschrieben wird. Deliberative Institutionen (wie B\u00fcrgerr\u00e4te und B\u00fcrgerjurys) k\u00f6nnen in einem solchen Diskurs, so Michael Jacobs (1997: 219-227), eine Reflektion der \u00f6kologischen Normen erm\u00f6glichen. (Vgl. auch Fischer 2017: 92-117; Dobson 1996: 133-146) Dabei m\u00fcsse ein Ausgleich zwischen Umweltschutz und sozialen Fragen ermittelt werden. Ingolfur Bl\u00fchdorn (2013: 235-258; Bl\u00fchdorn et al. 2020) sieht die Grenzen dieser Demokratietheorie darin, dass dominante Teile der Bev\u00f6lkerung ihren Wohlstand, ihre Lebensstile und Selbstverwirklichungsformen beibehalten oder ausbauen wollen, anstatt eine demokratische \u00d6kologie zu verfolgen. Emanzipatorisch-progressive Bestrebungen erzeugten eher ein Geflecht zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft \u2013 mit hegemonialen Selbstimperativen, die schlie\u00dflich zur postdemokratischen Nichtnachhaltigkeit f\u00fchren.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> Zudem bleibe die deliberative Demokratietheorie, die sich als rational und partizipatorisch darstelle, mit ihrem Verst\u00e4ndnis einer Demokratie \u2013 als Rekrutierung der Elite durch das Wahlvolk \u2013 in der Eliteherrschaft verhaftet. Bei der Deliberation gehe es um die Rationalisierung von Meinungen und Positionen, weniger um den Eigenwert der gleichberechtigten politischen Partizipation. Deshalb gelte schon als demokratisch, was nur einen geringen Beteiligungsgrad der B\u00fcrgerschaft aufweist, wodurch, wie im herk\u00f6mmlichen modernen Repr\u00e4sentativsystem, die Output-Legitimation der rationalen Beschlussfassung die partizipatorische Komponente der Input-Legitimation verdr\u00e4nge (J\u00f6rke 2011: 15-17). Die \u00f6kologisch-liberale oder -deliberative Demokratie bleibt ein Lippenbekenntnis mit geringf\u00fcgigen Anpassungen oder Simulationen von Partizipation einer klimafreundlichen Gesellschaft als Ganzes.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das vierte Modell, die <i>\u00f6kologisch-republikanischen Demokratietheorie,<\/i> unterscheidet sich vom Liberalismus. F\u00fcr gew\u00f6hnlich zeichnet sich der Republikanismus dadurch aus, dass er von einer positiven Freiheit zur politischen Partizipation ausgeht. Er betont kollektive Autonomie, ein gemeinschaftlich gesetztes Gut und wird h\u00e4ufig als Mischverfassung zwischen dem Volk und den Wenigen (Reiche, \u00f6konomische Eliten oder Adel) verstanden. Im prim\u00e4r angels\u00e4chsisch gepr\u00e4gten <i>gr\u00fcnen Republikanismus, \u00f6kologischen Republikanismus<\/i> oder <i>Nachhaltigkeitsrepublikanismus<\/i><a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> gibt es aber eine Verengung und Reduktion traditioneller republikanischer Ans\u00e4tze. Der neue \u00f6kologische (neor\u00f6mische) Republikanismus betont weniger die politische Partizipation oder das gemeinsame politische Gut, wie den verantwortungsvollen Natur- und Ressourcenumgang, den Umweltschutz etc. und versteht Freiheit nicht positiv, sondern als Nichtbeherrschung (mehr dazu unten).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Unter den vier Modellen gibt es eine diskursive Hegemonie von deliberativ-demokratischen Ans\u00e4tzen. Der im Folgendem behandelte gr\u00fcne Republikanismus ist f\u00fcr die b\u00fcrgerrechtliche Positionsbildungen vor allem deswegen bedeutsam, weil es das in der B\u00fcrgerrechtsbewegung vorherrschende Verst\u00e4ndnis der Grundrechte als Freiheitsrechte des Individuums gegen den Staat um Rechte zur Bildung eines allgemeinverbindlichen Willens zur Durchsetzung der \u00f6kologischen Transformation erweitert.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-verengung-der-republikanischen-tradition-im-gruenen-republikanismus\">Die Verengung der republi&shy;ka&shy;ni&shy;schen Tradition im gr&uuml;nen Republi&shy;ka&shy;nismus<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In der langen ideengeschichtlichen Tradition des Republikanismus haben sich verschiedene Kernelemente des Republikanismus herausgebildet. Dazu geh\u00f6ren insbesondere: Kleinr\u00e4umigkeit (politische Partizipation ist vor allem in kleinen politischen Gebilden m\u00f6glich), soziale Homogenit\u00e4t (die B\u00fcrgerschaft oder das Volk hat \u00e4hnliche Interessen f\u00fcr die Gemeinschaft), Freihandelskritik, Frugalit\u00e4t, starke politische Partizipation, positive Freiheit\/kollektive Autonomie, politische Gleichheit, eine B\u00fcrgertugend, das gemeinsame politische Gut und die Vulnerabilit\u00e4t politischer Systeme (jede Regierungsform verf\u00e4llt irgendwann, wobei der Republikanismus eine relative Stabilit\u00e4t und politische Nachhaltigkeit verspricht). W\u00e4hrend die Vulnerabilit\u00e4t sich im gr\u00fcnen Republikanismus sehr deutlich widerspiegelt \u2013 denn in Anbetracht der Klimakrise sind die Natur, die Menschheit und politische Ordnungsformen ausgesprochen vulnerabel \u2013, spielen andere Kernelemente kaum noch eine Rolle oder werden abgeschw\u00e4cht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Innerhalb der republikanischen Tradition gibt es konkurrierende Ans\u00e4tze oder verschiedene Klassifizierungen: etwa neor\u00f6mischer versus neoathenischer Republikanismus, italoamerikanischer versus franz\u00f6sisch-deutscher Republikanismus, b\u00fcrgerlicher versus demokratischer Republikanismus oder auch aristokratischer versus demokratischer Republikanismus (vgl. zu diesen Unterteilungen Dingeldey 2023). Diese Heterogenit\u00e4t des Republikanismus geht aber im gegenw\u00e4rtigen gr\u00fcnen Republikanismus verloren, in dem \u2013 bis auf wenige Ausnahmen \u2013 ein neor\u00f6mischer Republikanismus hegemonial ist. Als neor\u00f6misch wird ein Republikanismus bezeichnet, der sich historisch auf die antike r\u00f6mische Republik bezieht, aber eine Republik nach r\u00f6mischem Vorbild auf den Aspekt der Gesetzesherrschaft, die als Mittel gegen personalisierte Willk\u00fcrherrschaft betrachtet wird und die der freiheitsverb\u00fcrgenden Rolle politischer Institutionen einen zentralen Stellenwert zuweist, reduziert. Die politische Teilhabe tritt in dieser Variante hinter die Pflege der institutionellen Bestandsgarantie f\u00fcr die Republik zur\u00fcck. Diesem Republikanismus k\u00f6nnen insbesondere Philip Pettit und Quentin Skinner zugerechnet werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese Hegemonie ist keine politiktheoretische Marginalie. Denn, so meine These, neor\u00f6mische Ans\u00e4tze im gr\u00fcnen Republikanismus reduzieren das republikanische Freiheits- und Demokratieverst\u00e4ndnis und deklinieren stattdessen nur liberale oder deliberativ-demokratische Ans\u00e4tze in einer (vermeintlich) republikanischen Version<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a>. Gerade ein republikanisches Freiheitsverst\u00e4ndnis k\u00f6nnte aber in der Lage sein, starke politische Freiheiten und den Verzicht auf Wachstum, Ma\u00dflosigkeit und somit Umweltzerst\u00f6rung effektiver als andere demokratische Ans\u00e4tze zu vereinen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Daher sollen im Folgenden vier Dimensionen \u2013 das Freiheitsverst\u00e4ndnis, die politische Partizipation, die B\u00fcrgertugend und das gemeinsame Gut \u2013 des gegenw\u00e4rtigen Nachhaltigkeitsrepublikanismus betrachtet werden. Damit wird gezeigt, dass der gr\u00fcne Republikanismus die notwendige demokratische Alternative zum Liberalismus in der Klimakrise leider nicht bietet.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"positive-freiheit-versus-freiheit-als-nichtbeherrschung\">Positive Freiheit versus Freiheit als Nicht&shy;be&shy;herr&shy;schung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Traditionell unterscheiden sich Liberalismus und Republikanismus durch ihr Freiheitsverst\u00e4ndnis. W\u00e4hrend der Liberalismus f\u00fcr eine negative Freiheit des Individuums (wie die Freiheit von staatlicher Repression und Willk\u00fcr) steht, geht es dem Republikanismus mit einer positiven Freiheit (wie die Freiheit zur politischen Partizipation) eher um ein starkes Gemeinwesen (vgl. Berlin [1958] 2006). Der Republikanismus differenziert sich aber mit dem neor\u00f6mischen Republikanismus aus, indem insbesondere Pettit (1997; 2012) f\u00fcr die Unterscheidung von <i>freedom as non-interference<\/i> und <i>freedom as non-domination<\/i> argumentiert. Bei Ersterer existiere zwar eine Herrschaft \u00fcber das Individuum (oder auch Unterdr\u00fcckung), aber die Nichtinterferenz tritt dort ein, wo die Herrschaft sich nicht in die Angelegenheiten oder die T\u00e4tigkeit des Subjekts einmischt. Ein \u00fcbliches Beispiel neor\u00f6mischer Republikaner*innen f\u00fcr die <i>freedom as non-interference<\/i> w\u00e4ren Sklav*innen, die beherrscht und geknechtet werden, aber im Falle einer Nichteinmischung des Herren in die allt\u00e4gliche Arbeit sogar diese sehr reduzierte Freiheit besitzen w\u00fcrden. Diesem Freiheitsverst\u00e4ndnis steht die Nichtbeherrschung gegen\u00fcber. Diese Freiheit bedeutet die Freiheit von Beherrschung und somit auch von Repressionen wie der Sklaverei, Imperialismus und Kolonialismus. (Lovett 2022) Die neor\u00f6mische Freiheit als Nichtbeherrschung meint damit eine strukturelle Unabh\u00e4ngigkeit und nicht der Untertan von einer unkontrollierten Macht zu sein. Demnach besitzt eine Person oder Gruppe A die Freiheit als Nichtbeherrschung, wenn Person oder Gruppe B (etwa durch rechtsstaatliche Begrenzungen oder ein Machtgleichgewicht) nicht in der Lage ist, sich willk\u00fcrlich in die Angelegenheiten von A einzumischen. <i>Domination<\/i> meint in diesem Kontext somit willk\u00fcrliche und unkontrollierte Gewalt. Damit ist die <i>freedom as non-domination<\/i> \u2013 hergeleitet aus einer spezifischen Machiavelli-Interpretation \u2013 zwar mehr als die rein negative Freiheit, aber geht nicht so weit wie eine positive Freiheit, da es immer noch die Freiheit von Beherrschung, statt die gemeinsame Freiheit zur politischen Macht ist. Denn indem die <i>freedom as non-interference<\/i> eine extrem eingeschr\u00e4nkte Freiheitsform ist, die f\u00fcr ein rechtsstaatliches Verst\u00e4ndnis schlicht nicht ausreicht und damit hinter der negativen Freiheit zur\u00fcckbleibt, kann diese mit der <i>freedom as non-domination<\/i> kontrastiert werden, wobei die Nichtbeherrschung so auch hinter der positiven Freiheit zur\u00fcckbleibt und eher die Unabh\u00e4ngigkeit von Individuen oder Kollektiven meint. Durch diese Kontrastierung der Freiheitsbilder der Nichteinmischung und Nichtbeherrschung kann sich der neor\u00f6mische Republikanismus allgemein auch mit der <i>rule of law<\/i> zufriedengeben, ohne eine st\u00e4rkere Partizipation betonen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine dezidiert positive Freiheit als republikanische Freiheit findet sich im gr\u00fcnen neor\u00f6misch gepr\u00e4gten Republikanismus kaum. Stattdessen wird fast \u00fcberall die liberale <i>freedom as non-interference<\/i> mit der vermeintlich republikanischen <i>freedom as non-domination<\/i> kontrastiert (so etwa bei Dodsworth 2023; Dodsworth 2021: 713f.\/718; Dodsworth\/Honohan 2021: 670f.; Cannav\u00f2 2019: 72f.; Cannav\u00f2 2021: 704-706; Pellizoni 2021; Slaughter 2008: 25f.; Slaughter 2005: 211-218; Curry 2000: 1061). Genaue Argumente, warum sich die Autor*innen auf Pettits Klassifikation von Freiheiten beschr\u00e4nken und keine positivere Freiheit (inklusive politischer Partizipation und kollektiver Autonomie) betonen, finden sich nur selten: Jorge Pinto (2021) erkl\u00e4rt immerhin die positive Freiheit als politisch zu anspruchsvoll. Auch Richard Dagger (2006: 201-204) lehnt die Unterscheidung von positiver und negativer Freiheit ab, da eine Trennung in komplexen sozialen Situationen mit zahlreichen Interdependenzen nicht analytisch trennscharf durchf\u00fchrbar w\u00e4re und beide Freiheitsformen sich bedingen w\u00fcrden. Das mag zun\u00e4chst plausibel wirken, da die Unterscheidung dieser Freiheitsformen nat\u00fcrlich vereinfacht ist. Im n\u00e4chsten Schritt kommt auch er aber doch zur <i>freedom as non-domination<\/i>, die von der <i>freedom as non-interference<\/i> getrennt wird, indem er, statt negative und positive Freiheit, <i>option<\/i>&#8211; und <i>agency-freedom<\/i> unterscheidet. Eine Erkl\u00e4rung, warum nun diese Unterscheidungen ad\u00e4quater und nicht zu vereinfacht sein sollten als die traditionelle positive und negative Freiheit, spart er aus. Ein Gro\u00dfteil der gr\u00fcn-republikanischen Literatur setzt jedoch einfach auf das neor\u00f6mische Freiheitsverst\u00e4ndnis, ohne eine Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Trotz der diskursiven Hegemonie des neor\u00f6mischen Denkens im gr\u00fcnen Republikanismus, gibt es einige Republikaner*innen, deren Freiheitsverst\u00e4ndnis zwar nicht rein positiv ist, aber sich auch nicht ausschlie\u00dflich der <i>freedom as non-domination<\/i> zuordnen l\u00e4sst. Zu diesen Sonderf\u00e4llen geh\u00f6ren John Barry (2012: 215-221) und Terence Ball (2006). Barry versteht eine Wirtschaftsdemokratie zumindest als kollektive positive Freiheit, obgleich er im Staatlichen die <i>freedom as non-domination<\/i> wiederum als ausreichend betrachtet, um \u00f6konomische Sicherheit und wirtschaftliche Regulation durch den Staat zu erm\u00f6glichen. Ball will die menschliche Freiheit in eine Biokratie einordnen (zwischen den Interessen und Freiheiten der nichtmenschlichen Teile der Natur gegen\u00fcber denen von Menschen), will sich aber weder f\u00fcr die positive Freiheit noch die <i>freedom as non-domination<\/i> entscheiden. Eine weitere Ausnahme ist Barrys Sch\u00fclerin Anne Fremaux (siehe unten). Zumindest Felix Heidenreich (2023) macht im politisch-\u00f6kologischen Diskurs einen republikanischen Punkt f\u00fcr die positive Freiheit, um dem Dilemma aus individueller Freiheit und \u00f6kologischer Notwendigkeit zu entgehen. Allein auf weiter Flur im gr\u00fcnen Republikanismus argumentiert er gegen die individuelle Ungebundenheit des Liberalismus mit einer Freiheit als kollektive Selbstbindung. Diese Freiheitsform sei selbst nachhaltig und erlaube eine \u00f6kologische Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieses Freiheitsverst\u00e4ndnis belegt die Hegemonie der neor\u00f6mischen Version im \u00f6kologischen Republikanismus. Das geht einher mit weitgehender Schweigsamkeit gegen\u00fcber anderen Spielarten der republikanischen Tradition. Die Idee einer positiven Freiheit eines demokratischen Kollektivs, sich autonom Regeln der Selbstbeschr\u00e4nkung im Sinne des Naturschutzes zu geben, verstanden als eine sittliche Freiheit (fundiert durch eine B\u00fcrgertugend), die der negativen Freiheit \u00e0 la \u201eFreie Fahrt f\u00fcr freie B\u00fcrger\u201c entgegensteht, ist hier (wie im neor\u00f6mischen Republikanismus generell) v\u00f6llig marginal gegen\u00fcber der blo\u00dfen Nichtbeherrschung als Unabh\u00e4ngigkeit. Vereinzelte Elemente einer positiven Freiheit finden sich in nur seltenen Ausnahmef\u00e4llen oder in unterschiedlichen Interpretationen der Freiheit als Nichtbeherrschung. Die Chance wird verpasst, aus der vereinfachten Dichotomie aus liberal-negativer Freiheit des Individuums versus staatlicher Repression auszubrechen und mit einer positiv-sittlichen Freiheit etwas in der Klimakrise dazwischenzusetzen, das sowohl Freiheit als auch Beschr\u00e4nkung egoistischer Motive f\u00fcr die Gemeinschaft und Natur kennt. Zwar kann man im Sinne der Nichtbeherrschung daf\u00fcr argumentieren, dass un\u00f6kologische Entscheidungen willk\u00fcrliche Herrschaft \u00fcber Menschen aus\u00fcben und die Betroffenen in ihrer Unabh\u00e4ngigkeit durch Vernichtung der Lebensgrundlagen verletzt werden. Aber dies sagt nichts dar\u00fcber aus, wie B\u00fcrger*innen in einem \u00f6kologischen Staat partizipieren sollen. Inwiefern dies die Idee eines starken demokratischen und gr\u00fcnen Republikanismus unterminiert, zeigt sich beim Blick auf die demokratietheoretische Ausformulierung dieses Freiheitsverst\u00e4ndnis: der politischen Partizipation.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"demokratische-beteiligung\">Demokra&shy;ti&shy;sche Beteiligung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wie der Freiheitsbegriff ist die politische Partizipation f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen gr\u00fcnen Republikanismus ein zentrales Element der gr\u00fcnen Demokratietheorie. Selbst Autor*innen, die diese Dimensionen nicht zentral behandeln, kommen nicht umhin, irgendeine b\u00fcrgerschaftliche Partizipation \u2013 im Sinne der Nichtbeherrschung \u2013 zumindest zu fordern (vgl. Dodsworth\/Honohan 2021: 670; Cannav\u00f2 2019: 72-75; 2021: 702-704). Dagegen erscheint es f\u00fcr diese Denker*innen m\u00f6glich, die r\u00e4umliche Dimension von Demokratie oder die Frugalit\u00e4t zu verschweigen, was etwas \u00fcber deren Priorisierungen aussagt. Denn gerade die Frage, auf welcher politischen Ebene in welchem Ma\u00dfe die B\u00fcrgerschaft welche Mitbestimmung hat und wie gro\u00df die partizipierende B\u00fcrgerschaft ist, ist ein zentrales Thema des Republikanismus und auch relevant f\u00fcr das \u00f6kologische politische Denken (globales Problem des Klimawandels versus besseres Verst\u00e4ndnis der lokalen B\u00fcrgerschaft f\u00fcr lokale \u00f6kologische Probleme). Zudem lehnt kaum ein*e gr\u00fcne*r Republikaner*in \u2013 abgesehen von Marcel Wissenburg (2021: 785f.) \u2013 eine starke politische Partizipation als republikanisches Element ab. Teilweise ergibt sich die Notwendigkeit der Partizipation hier auch aus der Kritik an internationalen Organisationen, die vielen Republikaner*innen zufolge von egoistischen Akteur*innen dominiert werden und undemokratisch sind. Hinzu kommt die Kritik gr\u00fcner Republikaner*innen an technokratischen oder \u00f6komodernistischen L\u00f6sungen. Denn generell kritisieren gr\u00fcne Republikaner*innen den Kapitalismus, da er undemokratisch und inegalit\u00e4r sei. (Hurell 2006: 175f.; Fremaux\/Barry 2019: 13) Das republikanische Gegenmodell m\u00fcsse folglich \u2013 zusammen mit der Kapitalismuskritik \u2013 die egalit\u00e4re Partizipation im politischen oder auch \u00f6konomischen Kollektiv betonen (McIlroy\/Brennan\/Barry 2022: 421-423). Fraglich bleibt aber, wie sich die demokratische Mitbestimmung entfalten solle, und hier unterscheiden sich die Ans\u00e4tze st\u00e4rker voneinander. Ich unterscheide drei Str\u00e4nge.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wird die Form der b\u00fcrgerlichen Beteiligung ausformuliert, so nimmt diese im gr\u00fcnen Republikanismus h\u00e4ufig die Form einer Mischung aus Repr\u00e4sentation und Deliberation in B\u00fcrgerforen an. Eine proportionale Repr\u00e4sentation, die mit einer Deliberation angereichert wird, ist die Mehrheitsposition (Barry 2012). Explizit wird eine Verbindung aus deliberativer Demokratietheorie und gr\u00fcnem Republikanismus verdeutlicht (Bohn 2021: 761f.). So machen viele Republikaner*innen klar, dass die Mischung aus Repr\u00e4sentantenwahl und \u00f6ffentlichem Dialog oder Deliberation ausreichend f\u00fcr die <i>freedom as non-domination<\/i> sei. Doch auch Heidenreich (2023: insb. 144-165), der Verteidiger der positiven Freiheit im gr\u00fcnen Republikanismus, nennt vor allem Expertenbeir\u00e4te und B\u00fcrgerr\u00e4te als m\u00f6gliche Strategie der positiven Freiheit und politischen Partizipation f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit und eine erh\u00f6hte Input-Legitimation durch Regelausweitungen. Somit bleibt auch diese Auslegung der positiven Freiheit, bei der Beir\u00e4te oder B\u00fcrgerr\u00e4te beraten, aber deren Ergebnisse unverbindlich f\u00fcr politische Amtstr\u00e4ger*innen sind, im Ansatz der deliberativen Demokratie verhaftet und f\u00e4llt hinter die demokratisch-republikanische Freiheitsvorstellung zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Insbesondere bei Steven Slaughter (2005: 218-221; 2008: 27f.) schlie\u00dft daran \u2013 insbesondere auf der internationalen Ebene \u2013 das <i>all-affected-principle<\/i> an. Diesem Prinzip zufolge sollen diejenigen, die vom Ergebnis betroffen sind, an einer politischen Entscheidung mitwirken. Dies mag eine gewisse Plausibilit\u00e4t haben, beinhaltet aber in der Praxis das Problem, dass sich im Einzelfall nur schwer beurteilen l\u00e4sst, wer in welchem Grad betroffen sein wird und wer das verbindlich feststellt. Dies kann beim globalen Problem des Klimawandels zu einer globalen Demokratie gedacht werden \u2013 dies w\u00e4re aber mit einem Republikanismus, der die Kleinr\u00e4umigkeit betont (so etwa Aristoteles, Charles de Montesquieu und Jean-Jacques Rousseau), kaum denkbar: Denn je gr\u00f6\u00dfer die politische Entscheidungsebene wird, desto weniger wird eine b\u00fcrgerschaftliche Partizipation, eine Interessens\u00e4hnlichkeit der Abstimmungsberechtigten oder eine Kontrolle politischer Amtsinhaber*innen m\u00f6glich (vgl. generell J\u00f6rke 2019; Dingeldey 2019; 2022: 37-61\/135-142). Slaughter (2005: 207f.) zufolge hat zwar auch der neor\u00f6mische Republikanismus seine Grenzen, was eine <i>global environmental governance<\/i> betreffe, aber in ihm liege zumindest die M\u00f6glichkeit dazu.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine weitere Gruppe verweilt in der politischen Repr\u00e4sentation, aber ohne deliberative Elemente. Diese Autor*innen befassen sich eher mit der Frage, wie nichtmenschliche Wesen oder k\u00fcnftige Generationen repr\u00e4sentiert werden k\u00f6nnen (Ball 2006: 141). Wie man sich bei der neor\u00f6mischen Deliberation fragen kann, wo die politische Abgrenzung zur deliberativen Demokratietheorie vorliegt, so kann man sich hier fragen, wo die Abgrenzung zum Liberalismus liegt. Eher wird hier der Liberalismus erweitert. Diese Repr\u00e4sentation der nichtmenschlichen Natur basiert auf einer multiplen Repr\u00e4sentation mit einer neuen Interpretation der Natur, die etwas verstiegen neue Repr\u00e4sentationsmodi freischalten soll. Diese neue Repr\u00e4sentation, die nicht an einen Wahlakt der Repr\u00e4sentierten gekoppelt sein k\u00f6nnte, k\u00f6nnte sich konkretisieren mit B\u00fcrgerjurys, lokalen Foren oder einer Parlamentskammer f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen und die nichtmenschlichen Teile der Natur (Saward 2006: 191-197). Oder aber sie schreiben die Autonomie nur dem Menschen zu, verorten ihn aber in der Natur (Dagger 2006: 209-212)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a>. Hier stellt sich die Frage, wie ein Naturparlament, in dem nur lebende Menschen als Ombudspersonen agieren k\u00f6nnen, rekrutiert wird und wem es rechenschaftspflichtig ist. Bei einer solchen Institution, an der die nichtmenschliche Natur weder selbst teilhaben k\u00f6nnte noch diese w\u00e4hlen k\u00f6nnte, w\u00fcrde es sich in keiner Demokratietheorie um eine demokratische Einrichtung handeln.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein letzter Strang betont die Mischung aus lokaler direkter Demokratie sowie konventioneller Repr\u00e4sentation auf der Ebene des Nationalstaates. Dies erlaube dem Menschen nicht nur, politisch t\u00e4tig zu sein und sich f\u00fcr die Natur zu engagieren, sondern erm\u00f6gliche auch eine lokale gr\u00fcne Kultur und Gemeinschaft (Eckersley 2006; Dobson 2006; vgl. auch Barak 2020).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">An diesen graduellen Unterschieden der drei Ans\u00e4tze bez\u00fcglich der politischen Partizipation zeigt sich, dass der \u00f6kologische Republikanismus an Profil verliert, da er sich zum gro\u00dfen Teil an die deliberative Demokratietheorie oder den Liberalismus (trotz teils fundamentaler Kapitalismuskritik) ann\u00e4hert. Eine radikaldemokratische Variante des Republikanismus \u2013 ein Staat als starkes politisches Kollektiv, das sich autonom sozial-\u00f6kologische Werte, Gesetze und Verbote gibt \u2013 konzipieren die meisten gr\u00fcnen Republikaner*innen nicht, obwohl gerade dies ein eigenst\u00e4ndiges politiktheoretisches und ideengeschichtlich fundiertes Profil bedeuten w\u00fcrde. Die demokratische Legitimation durch Beteiligung w\u00e4re hier au\u00dferordentlich hoch und erh\u00f6hte die Chancen, die sozial-\u00f6kologische Krise zu bew\u00e4ltigen. Der <i>demos<\/i> behielte seine Autonomie sowie positive Freiheit und k\u00f6nnte sich selbst per demokratischen Mehrheitsbeschluss beschr\u00e4nken und einen wachstumsbasierten Kapitalismus und dem naturausbeuterischen Egoismus deutlicher im Sinne sozial-\u00f6kologischen Nachhaltigkeit eine Absage erteilen. Momentan st\u00e4rkt der gr\u00fcne Republikanismus hingegen die Hegemonie von Liberalismus und Deliberationstheorie.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"buergertugend\">B&uuml;rgertugend<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Erstaunlicherweise widmet sich die Mehrheit der gr\u00fcnen Republikaner*innen der B\u00fcrgertugend nicht, obwohl diese im <i>civic republicanism<\/i> ein essenzielles Element ist. Anders als eine private Tugend ist die B\u00fcrgertugend eine dezidiert politische Tugend, die \u201egute B\u00fcrger*innen\u201c ausmache. Die B\u00fcrgertugend soll als Verhaltensregulation wirken. Sie nimmt im gr\u00fcnen Republikanismus verschiedene Formen an. Als sozial-\u00f6kologische B\u00fcrgertugend soll die Natur als \u00f6ffentliches Gut gelten, welches durch Habitus und Erziehung gesch\u00fctzt wird (Dobson 2006: 222-224; Biro 2015). B\u00fcrgertugenden sind meist relationale Werte, die sich eine Gemeinschaft gibt \u2013 im Sinne eines gemeinsam konstruierten Gemeinwohls statt des reinen Eigeninteresses. Diese Werte leben die B\u00fcrger*innen dann habituell, zum Beispiel, indem sie sich freiwillig selbst beschr\u00e4nken, auf Luxus verzichten, einander respektvoll begegnen, Formen der Solidarit\u00e4t praktizieren etc. Allgemein fungieren solche gr\u00fcn-republikanischen B\u00fcrgertugenden als Gegenpol zum wirtschaftlichen Egoismus und der Korrumption der Gesellschaft (Cannav\u00f2 2019: 77f.). Als politisches Ethos sind sie auch Bedingungen f\u00fcr diskursive Positionen, die den Klimawandel bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bei Barry (2012: 208\/225-228) etwa nimmt die B\u00fcrgertugend verschiedene Formen an: Einerseits ist sie eher auf den Menschen \u2013 statt den*die B\u00fcrger*in \u2013 gerichtet und soll einen Zustand zwischen Konsumexzess und totalem Verzicht bedeuten, und sie soll vor allem sozial-\u00f6kologisch nachhaltig sein. Im Politischen wird sie dann zur kreativen, kollektiven Leistungsf\u00e4higkeit, die zur politischen Partizipation im Umgang mit der Umwelt bef\u00e4higen soll (Barry 2021: 728-732). Insgesamt steht diese Tugend gegen ein technisch-instrumentelles Naturbild. Stattdessen soll die Natur als Selbstzweck betrachtet und der menschliche Chauvinismus negiert werden (Barry 2001: 388f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieser Gesamtentwurf verschiedener Tugendethiken wird von anderen Republikaner*innen nur vereinzelt \u00fcbernommen. Patrick Curry (2000: 1062-1069) sieht zum Beispiel eine Tugend in der Nichtausbeutung der Natur und im Drang, die Natur durch politische Deliberation zu erhalten. Slaughter (2008: 26f.) ist damit d\u2019accord: Die B\u00fcrgertugend sei ein \u00f6ffentliches Verantwortungsgef\u00fchl f\u00fcr die Natur und die Gemeinschaft und k\u00f6nne \u00fcber \u00f6ffentliche Deliberation erzieherisch geformt werden. Insbesondere den Mittelweg zwischen Konsumismus und totalem Verzicht als Tugend forciert auch Fremaux (2019: 191-198\/241): Diese eher private Einstellung sei keine Verhaltensregulation von au\u00dfen, sondern komme vom Individuum selbst. Wesentlich weiter im tugendhaften Umgang mit der Natur geht Ball (2006: 142-144): F\u00fcr ihn bestehe die Tugend in der F\u00e4higkeit, der Natur zuzuh\u00f6ren und ihre Interessen durch biotische Inklusion und biophile Naturerziehung wahrzunehmen. Dabei bleibt unklar, wie dieses Zuh\u00f6ren bewerkstelligt und die Kommunikationsh\u00fcrde zwischen Mensch und Nichtmensch \u00fcberbr\u00fcckt werden soll. Es bleibt bei einigen Ans\u00e4tzen fraglich, was \u00f6kologische Tugend als B\u00fcrgertugend konkret bedeutet. Geht es um gute B\u00fcrger*innen oder gute Menschen, geht es um eine private oder eine politische Ethik? Damit verpasst es der gr\u00fcne Republikanismus, der vagen Privattugendvorstellung des Konvivialismus eine \u00fcberzeugendere republikanische B\u00fcrgertugend entgegenzusetzen oder den Konvivialismus dadurch zu bereichern.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Insgesamt gilt die B\u00fcrgertugend als Bef\u00e4higung zur Autonomie und zur Naturverbundenheit durch eine sozial-\u00f6kologische Erziehung zu einem \u00f6ffentlichen Verantwortungsgef\u00fchl. Abgesehen von der Unklarheit der genauen Verortung der b\u00fcrgerlichen Tugend, ist es erstaunlich, dass \u2013 verglichen mit den republikanischen Dimensionen der politischen Freiheit und Partizipation \u2013 die Tugend nur wenig im \u00f6kologischen Republikanismus behandelt wird. Denn dadurch zeigen die politisch partizipierenden B\u00fcrger*innen ihren (bestenfalls konsensualen) Sinn f\u00fcr die politische und \u00f6kologische Gemeinschaft. Gerade die B\u00fcrgertugend bietet sich also f\u00fcr einen gr\u00fcnen Republikanismus geradezu an. Denn eben eine solche Tugend kann ein sittliches Freiheitsverst\u00e4ndnis fundieren, das dann der Freiheit zum Egoismus (verstanden als nichtaufgekl\u00e4rtes Eigeninteresse) entgegenliefe. Andererseits ist die Nichtbeachtung der politischen Tugend durch viele Nachhaltigkeitsrepublikaner*innen plausibel, da wir davon sprechen, dass eine gemeinschaftlich gepr\u00e4gte Tugendvorstellung der Selbstbeschr\u00e4nkung die Solidarit\u00e4t f\u00fcr Mitmenschen und Umwelt (wie auch die positive Freiheit) bewirken soll, was von Vulgoliberalen als Paternalismus ausgelegt wird, da sie nur den Gegensatz von negativer Freiheit und staatlicher Repression kennen \u2013 und nichts dazwischen, wodurch auch jede Form von Kollektivismus, Kollektivierung oder Gemeinschaftlichkeit unter Generalverdacht steht. So jedenfalls wird das Spannungsverh\u00e4ltnis von positiver, sittlicher und negativer Freiheit, dass es politiktheoretisch und b\u00fcrgerrechtlich im Republikanismus zu diskutieren gelte, von vielen \u00f6kologischen Republikaner*innen schlicht ignoriert.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ein-gemeinsames-oeffentliches-gut\">Ein gemeinsames &ouml;ffent&shy;li&shy;ches Gut<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die gemeinsame Vorstellung vom Guten wird dagegen von vielen gr\u00fcnen Republikaner*innen betont. Denn gerade darin liegt die g\u00e4ngige republikanische Kritik am Liberalismus als wertneutral und auf das Individuum fokussiert. Insbesondere auf der lokalen Ebene in einer kleinen Gemeinschaft wird das gemeinsame Gut als m\u00f6glich betrachtet (Eckersley 2006).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Jedoch besteht hier, wie Peter Cannav\u00f2 (2019: 72-76) herausgearbeitet hat, eine Spannung zwischen Kommunitarismus und kontestatorischer demokratischer Politik, das hei\u00dft, ob ein gemeinsames Gut autorit\u00e4r vorgegeben oder demokratisch gebildet wird oder ob das politische Gut in der Nichtbeherrschung selbst liegt. Gerade die gr\u00f6\u00dften Pettit-Fans erheben die <i>freedom as non-domination<\/i> quasireligi\u00f6s zum gemeinsamen Gut. In Bezug auf den gr\u00fcnen Republikanismus wird die Nichtbeherrschung aber immerhin um vage Werte angereichert: ob es sich um Nichtbeherrschung und Inklusion des Nichtmenschlichen (Curry 2000: 1064-1066) oder Nichtbeherrschung und Verfassungspatriotismus (Slaughter 2005: 214) oder um Nichtbeherrschung, die auf der internationalen Ebene durchgesetzt werden muss, handelt (Hurell 2006: 170f.). Diese Freiheitsform selbst zum alleinigen gemeinsamen Gut zu machen, ist aber weder dezidiert \u00f6kologisch noch republikanisch. So w\u00fcrden Liberale auch ihre Freiheitsvorstellung zum gemeinsamen Gut erkl\u00e4ren, da die Grundrechtsordnung eine gemeinsame Werteordnung ist. Damit widersprechen Liberale nicht einmal der allgemeinen Wertneutralit\u00e4t des liberalen Staates gegen\u00fcber den Grundrechtstr\u00e4ger*innen. Wenn die Freiheit als Nichtbeherrschung also das einzige gemeinsame Gut ist und darauf keine inhaltliche Bestimmung folgt, wie dies dem Gemeinwohl oder der Natur dienen soll, dann geht dieses Verst\u00e4ndnis von Freiheit und gemeinsam gesetzten Gut so gut wie gar nicht \u00fcber die liberale Demokratietheorie hinaus. Denn gerade der Liberalismus fordert als Werte eine individuelle Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit von Willk\u00fcrherrschaft. Ein gr\u00fcner Republikanismus, der kein \u00f6kologisch-politisches Gut setzt, ist weder sonderlich \u00f6kologisch noch republikanisch.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr einige andere gr\u00fcne Republikaner*innen ist die Nichtbeherrschung zwar die Basis, aber nicht selbst das gemeinsame Gut. Die deliberationstheoretischen Republikaner*innen sehen dabei das Gut aber nicht als vorbestimmt. Dieses m\u00fcsse sich im Deliberationsprozess erst herausbilden (Cannav\u00f2 2021: 695-697). Dies sei ein gemeinsames sozial-\u00f6kologisches Weltgenerieren. (Barry 2021) Diese Verbindung aus Deliberation und republikanischen Gut ist auch ein Grund, warum die deliberative Demokratietheorie im \u00f6kologischen politischen Denken von der republikanischen Demokratietheorie rezipiert wird. Gleichwohl handelt es sich um eine Verwischung konzeptueller Unterschiede. Zudem bleibt dieses \u00f6ffentliche Gut unbestimmt und k\u00f6nnte hypothetisch \u2013 falls das Ideal, dass sich das vern\u00fcnftigste (oder moralischste) Argument in der Deliberation diskursiv durchsetzt, nicht erf\u00fcllt wird \u2013 auch un\u00f6kologisch definiert werden und somit dem Sinn des gemeinsamen Guts, dem Wert f\u00fcr ein Gemeininteresse, verfehlen, indem es demselben und der Umwelt schadet.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Insbesondere im gr\u00fcnen Republikanismus wird h\u00e4ufig kein substanzielleres Konzept des gemeinsamen Guts vordefiniert. Dies muss aber erf\u00fcllt sein, um im politisch-\u00f6kologischen Sinne von einem gemeinsamen Gut reden zu k\u00f6nnen. Diese kommunitaristische Definitionen bleiben auch zuweilen vage. So ist das gemeinsame Gut bei Andrew Biro (2015: 20-26) lediglich das richtige Zusammenleben von Mensch und Natur im Anthropoz\u00e4n, und bei Andrew Dobson (2006: 222) und Cannav\u00f2 (2010: 369) werden Nachhaltigkeit und Umweltschutz zum Gut. Ein wenig konkreter wird es bei Barry (2021: 730f.; 2012: 163f.\/258f.): Ihm geht es um Gl\u00fcck und Wohlbefinden des Menschen in Gemeinschaft und in der Natur, indem die Natur nicht nur zur Ressource reduziert wird, sondern auch f\u00fcr das Wohlbefinden durch einen \u00e4sthetischen und intrinsischen Wert bedeutsam wird (vgl. auch Gray\/Curry 2020). Daraus ergibt sich eine Abkehr vom wirtschaftlichen Wachstum. In dieser Postwachstumstheorie denkt auch Fremaux (2019: 16-22). In ihrer Theorie des Postanthropoz\u00e4ns sind Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft in die Natur eingebettet, weshalb letztere einen Eigenwert und einen Wert f\u00fcr die Menschheit \u2013 \u00fcber das \u00d6konomische hinaus \u2013 hat. Dieser Wert wird zum gemeinsamen \u00f6kologischen (nichtkapitalistischen) Gut.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">W\u00e4hrend also die B\u00fcrgertugend im gr\u00fcnen Republikanismus eher marginalisiert wird, wird das gemeinsame \u00f6ffentliche Gut zwar betont, aber nur wenige konkretisieren, wie dies sozial-\u00f6kologisch zu deklinieren ist, dies m\u00fcsse sich erst in einem Aushandlungsprozess ergeben. Seltsam ist, dass aus einem solchen gemeinsamen Gut, das die politische Gemeinschaft sich setzen w\u00fcrde, nicht f\u00fcr alle gr\u00fcne Republikaner*innen die dazugeh\u00f6rige B\u00fcrgertugend, die diesen Wert leben sollte, folgt. Diese w\u00e4re der Ausgangspunkt f\u00fcr die Verfolgung gemeinsamer Interessen, mit umf\u00e4nglichen politischen Partizipationsm\u00f6glichkeiten. Dies erkl\u00e4rt sich aus dem widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnis des Republikanismus zum Liberalismus.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ein-sonderfall-anne-fremaux\">Ein Sonderfall: Anne Fremaux<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wesentlich weiter in ihrer Argumentation als andere \u00f6kologische Republikaner*innen geht Anne Fremaux in ihrer Dissertation <i>After the Anthropocene<\/i>. Sie legt einen radikaldemokratischen Entwurf vor, der gesonderte Aufmerksamkeit verdient. Sie versucht Theoriestr\u00e4nge \u2013 wie die kritische Theorie, den Poststrukturalismus und den Republikanismus \u2013 zu vereinen. Die Kontroversen um den Anthropoz\u00e4n versus Kapitoloz\u00e4n, projiziert sie auf die wachsende soziale Ungleichheit und Demokratiedefizite in der Postdemokratie. Ihr Befund der Mehrfachkrise in der \u00f6kologischen Krise ist platt, aber richtig. Jedoch ist ihr theoretisches Konzept widerspr\u00fcchlich. Diese Widerspr\u00fcchlichkeit durchzieht das Werk insgesamt, besonders, wenn wir den Blick auf die politische Partizipation und die republikanische Freiheit richten. An dieser inneren Widerspr\u00fcchlichkeit scheitert ihre radikaldemokratische Argumentation.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Trotz ihrer Kapitalismuskritik als Ausbeutung von Mensch und Natur und der Ablehnung des Menschenbilds eines <i>homo oeconomicus<\/i> als egoistisch, atomistisch und un\u00f6kologisch, erkennt sie den politischen Liberalismus, da ihr Republikanismus postliberal, nicht antiliberal sei, zun\u00e4chst als wertvoll f\u00fcr den gr\u00fcnen Republikanismus an. Gleichwohl kritisiert sie den \u00f6konomischen Liberalismus als umweltzerst\u00f6rerisch und ausbeuterisch. (Fremaux 2019: 6-10)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> Trotzdem trennt Fremaux das liberale vom republikanischen Freiheitsverst\u00e4ndnis (Fremaux 2019: 10-12). Zudem kritisiert sie den \u00f6konomischen Liberalismus als repressiven Konsumismus, der undemokratisch auch ein gemeinsames Gut diktiere (den Konsum oder das Wirtschaftswachstum). Das Gegenteil davon sei die <i>freedom as non-domination<\/i>, die sie mit der Gew\u00e4hrleistung von Autonomie und der M\u00f6glichkeit, ein gemeinsames Gut, das nicht der Freiheit widerspreche, demokratisch zu entwickeln, identifiziert (Fremaux 2019: 212-215). Diese Freiheit m\u00fcsse auch die Freiheit der Natur umfassen. Dieses neor\u00f6mische Verst\u00e4ndnis konkretisiert sich in der politischen Partizipation. Die relationale <i>freedom as non-domination<\/i> bedeute Autonomie, in dem Sinne, dass es Selbstregierung und Selbstbeschr\u00e4nkung erm\u00f6gliche. Diese Autonomie\/Freiheit gehe vom Individuum aus. Dar\u00fcber hinaus bezieht sich dies auch auf politische Systeme, die die Macht zur Regulation und zum Umweltschutz ben\u00f6tigen. Dadurch wird die inhaltliche Selbstbeschr\u00e4nkung der Individuen (per demokratischen Beschluss) im Sinne der relationalen Freiheit und dem Naturschutz zum gemeinsamen Gut. (Fremaux 2019: 223f.) Das politische System solle dazu eine <i>mixed constitution<\/i> werden. Das bedeutet eine lokale demokratische Partizipation mit einem republikanischen <i>constitutional framework<\/i> als Begrenzung des demokratisch Beschlie\u00dfbaren. Gleichzeitig solle es immer noch eine freie Repr\u00e4sentation auf nationaler Ebene geben. Zwar sei dies die Nichtbeherrschung, aber in Fremaux\u2018 Theorie ist diese Freiheitsform ein Mittelweg zwischen neor\u00f6mischer und neoathenischer Freiheit, die sich in der <i>mixed constitution<\/i> realisiere. (Fremaux 2019: 224-231) Die <i>mixed constitution<\/i> ist somit eine Mischung aus lokaldemokratischer Erm\u00e4chtigung, aber auch motiviert von der Angst davor, dass eine reine Mehrheitsherrschaft zur P\u00f6belherrschaft werde. Letzteres zeigt sich insbesondere in Fremaux\u2018 Rezeption der <i>Federalist Papers<\/i>, die in der Ratifikationsdebatte der USA Ende des 18. Jahrhunderts f\u00fcr die Verfassung argumentierten und die die Repr\u00e4sentation aus elitetheoretischen Motiven der direkten Partizipation vorzogen. (Fremaux 2019: 245)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aus dieser Konzeption ergeben sich mehrere Probleme, die f\u00fcr den <i>Sonderfall Fremaux<\/i> stehen: Erstens ist nicht klar, wo in ihrer Staatstheorie die Machtaufteilung liegt. Welche Kompetenzen h\u00e4tten lokale (direktdemokratische) Institutionen innerhalb des konstitutionellen Rahmens? Und welche Themen, vom Umweltschutz abgesehen, seien dem demokratischen Mehrheitsentscheid entzogen? Wie weit d\u00fcrfe die Einschr\u00e4nkung der politischen Autonomie lokaler <i>demoi<\/i> gehen? Dies sind Fragen, die in jeder Verfassungsordnung im staatsorganisatorischen Teil minuti\u00f6s geregelt sind. Wie die Staatsorganisation in einer von Fremaux gedachten idealen \u00f6kologischen Republik genau aussehe, erfahren wir aber nicht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zweitens, welche Rolle n\u00e4hmen die nationalstaatlichen Repr\u00e4sentant*innen ein? Wozu brauche es diese im Mehrebenensystem, wenn die Entscheidungsbefugnis bei den lokaldemokratichen Einrichtungen und der konstitutionellen Beschr\u00e4nkung derselben liegen solle? Kurz gesagt: Wie und wo genau l\u00e4ge die Kompetenzunterteilung zwischen direkter Demokratie und freier, distinktiver Repr\u00e4sentation? Diese Fragen beantwortet Fremaux nicht, doch genau daran w\u00fcrde sich ablesen lassen, welche Macht die B\u00fcrger*innen tats\u00e4chlich in ihrer Theorie haben sollten und wieweit die politische Gleichheit und Freiheit tats\u00e4chlich ginge, wie weit ihre Lesart der Nichtbeherrschung zur positiven Freiheit f\u00fchren kann. So bleibt der demokratische Gehalt aber unklar.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Daran schlie\u00dft drittens das Problem an, dass eine Mischung aus verschiedenen republikanischen Traditionen vorliegt, die sich konzeptuell nicht ohne Weiteres kombinieren lassen, was zu Widerspr\u00fcchlichkeit f\u00fchrt. Einerseits lobt sie den Federalist James Madison f\u00fcr seine Ablehnung des <i>demos<\/i>, den er als fakti\u00f6s und repressiv sieht, Madison lehnt dementsprechend die Demokratie ab, etwa um Umverteilung durch das Volk zu vermeiden (was im Grunde Fremaux widerspricht) und um das Volk von inhaltlichen Entscheidungen fernzuhalten (vgl. zu dieser Madison-Interpretation beispielsweise Dingeldey 2022: 116-135). Andererseits bezieht sie sich auf einen radikalen lokaldemokratischen Republikanismus nach Rousseau, n\u00e4mlich eine lokale Volksversammlung, die mit einer positiven starken politischen Freiheit des Kollektivs im Sinne des Gemeinwillens arbeitet. Diese beiden republikanischen Theorien sind schwer kombinierbar, da sie die Rolle und F\u00e4higkeit des Volkes (und die Legitimit\u00e4t von Volksabstimmungen) komplett unterschiedlich interpretieren. Eine kann dem demokratischen Republikanismus zugeordnet werden (Rousseau), eine kann dem aristokratischen Republikanismus zugeordnet werden (die Federalists, welche sich auch selbst als aristokratische Republikaner klassifizierten). Diese konzeptuelle Spannung steht f\u00fcr die Vagheit und Unentschlossenheit von Fremaux\u2018 republikanischen Staatsverst\u00e4ndnis. Traut sie dem Volk nun zu, \u00f6kologisch und gemeinwohlorientiert zu beraten und abzustimmen oder nicht?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Viertens besteht bei der St\u00e4rkung einer elitetheoretisch fundierten Repr\u00e4sentation das Problem, dass sich eine Aristokratie, Expertokratie oder gar Technokratie auf nationaler Ebene bilden k\u00f6nne. Dieser Republikanismus k\u00f6nnte dorthin f\u00fchren, wovon Fremaux eigentlich weg m\u00f6chte: vermeintlichen technischen L\u00f6sungen f\u00fcr \u00f6kologische Probleme und einem Primat des Kapitals ohne demokratische Fundierung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Fremaux\u2018 gr\u00fcner Republikanismus ist so in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall: Erstens geht ihre Kritik am Kapitalismus und Neoliberalismus weiter als jene anderer gr\u00fcner Republikaner*innen<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a>. Zweitens ist ihr Freiheitsverst\u00e4ndnis zwar dem Namen nach an Pettits Konzept orientiert, stellt aber tats\u00e4chlich eine Mischung aus positiver Freiheit und <i>freedom as non-domination<\/i> dar und auch aus elitetheoretischen und partizipatorischen Elementen. Gerade in dieser Konzeption ergibt sich die Besonderheit, die anderen neor\u00f6mischen Republikaner*innen widerspricht: Denn w\u00e4hrend andere gr\u00fcne Republikaner*innen es entweder bei der Repr\u00e4sentation mit freiem Mandat belassen wollen oder diese um deliberativ-demokratische Elemente anreichern wollen, sieht Fremaux tendenziell partizipatorischer eine Mischung aus Repr\u00e4sentation und direkter Demokratie vor, da sich die herrschende Klasse nicht wegdeliberieren lie\u00dfe. Drittens ergeben sich daraus aber weitere konzeptuelle Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Sicherlich ist eine Kombination aus Repr\u00e4sentation mit freiem Mandat und direkter Demokratie solider als die Repr\u00e4sentation alleine \u2013 wahlweise angereichert um das Feigenblatt der Deliberation \u2013 und k\u00f6nnte auch als Mischverfassung aus demokratischen und aristokratischen Elementen (sprich als Republik) gelesen werden. Durch die inneren Widerspr\u00fcche und Ungenauigkeiten des staatstheoretischen Teils von Fremaux\u2018 Buch bleibt dieser Sonderfall aber an vielen Stellen vage, unklar und oberfl\u00e4chlich.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Trotz einer beschr\u00e4nkten Diversit\u00e4t der Ideen zur demokratischen Partizipation ist der gr\u00fcne Republikanismus der vergangenen zwei Jahrzehnte eine neor\u00f6mische Verengung der republikanischen Tradition hin zu einer Freiheit als Nichtbeherrschung im Sinne der Unabh\u00e4ngigkeit. Ihre Demokratietheorie ist weitgehend deliberativ oder liberal. Damit verlieren sie innerhalb der \u00f6kologischen Demokratietheorien an Profil. Sie wirken eher wie eine graue Kopie, garniert mit einigen Brisen Kapitalismuskritik und zuweilen eines Appells, ein gemeinsames Gut zu definieren, was aber nicht zum vorherrschenden politischen Liberalismus innerhalb des Republikanismus passt. Diese neor\u00f6mische Betrachtung des Republikanismus als Herrschaft der Gesetze (so als ob Gesetze nicht von Menschen gemacht w\u00fcrden) und der Nichtbeherrschung als Unabh\u00e4ngigkeit von Willk\u00fcrherrschaft ist bequem und symptomatisch, insofern dadurch viele gr\u00fcne Republikaner*innen (etwa abgesehen von Barry oder Fremaux) keine allzu starken tugendbasierten Selbstbeschr\u00e4nkungen, einen R\u00fcckgang des \u00f6konomischen Standards fordern oder illiberale Demokratieanspr\u00fcche erheben m\u00fcssen. Nur wird damit eine (sicherlich unbequeme) Chance verpasst, eine Theorie zu liefern, um demokratisch eine sozial-\u00f6kologische Transformation gesamtgesellschaftlich angehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Was das \u00f6kologische Demokratieverst\u00e4ndnis betrifft, kann man also drei Demokratieformen unterscheiden: eine <i>partizipatorische Umweltgovernance<\/i>, die bestehende Repr\u00e4sentativsysteme um deliberative Elemente f\u00fcr Umweltfragen erweitert, eine <i>\u00f6kologische Demokratie<\/i>, in der die Repr\u00e4sentation und Deliberation auf auf Nichtmenschen und k\u00fcnftige Generationen erweitert wird, und eine <i>direkte Umweltdemokratie,<\/i> in der B\u00fcrger*innen dezentral ihre eigenen \u00f6kologischen Angelegenheiten bestimmen (Gottschlich\/Pichler 2022: 342f.). Der gegenw\u00e4rtige Republikanismus beschr\u00e4nkt sich weitgehend auf die ersten beiden Varianten und beschr\u00e4nkt so das eigene demokratische Freiheitsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Andrew Scerri (2023) zufolge sollen stattdessen demokratisch-republikanische Aktionen widerst\u00e4ndige Mehrheiten mobilisieren, um un\u00f6kologische Regierungsentscheidungen (republikanisch die Wenigen gegen die Vielen) anzugreifen, und dies solle einer Kritik an privatwirtschaftlichen klima- und umweltschadenden Eliten nutzen. Dies w\u00fcrde es einer \u00f6kologisch-republikanischen Demokratiebewegung erm\u00f6glichen, auf die oft konstatierte Krise der Demokratie und der Nichtnachhaltigkeit zu reagieren. Eine solche Spielart eines demokratischen (klassenk\u00e4mpferischen) Republikanismus finden wir kaum im aktuellen gr\u00fcnen Republikanismus, obwohl dies eine Alternative zu liberaler oder deliberativer Demokratietheorie sein k\u00f6nnte, die Freiheit der Vielen, Vulnerabilit\u00e4t und \u00d6kologie zusammendenkt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein weiterer denkbarer \u00f6kologisch-republikanischer Ansatz, der im neor\u00f6mischen Denken nicht vorkommt, k\u00f6nnte eine Gesellschaft mit Interessens\u00e4hnlichkeit, Gemeinwohlorientierung, b\u00fcrgerlicher Tugend, eine sittlich-positiver Freiheit und eine direktere Demokratie fordern, wobei das Volk sich selbst verbindliche Werte und Gesetze gibt und dabei auf Luxus verzichtet und Ungleichheit sowie Wirtschaftswachstum kritisiert. Ein solcher demokratischer Republikanismus w\u00fcrde die vereinfachte Kontrastierung von individueller Freiheit versus Klimaschutz mit den Werten der positiven Freiheit und freiwilligen Selbstbeschr\u00e4nkung durch die kollektive Autonomie kritisieren und so versuchen, sozial-\u00f6kologische Nachhaltigkeit und demokratische Freiheit zu kombinieren, statt nur beide Werte gegeneinander abzuw\u00e4gen. Das Fundament w\u00e4re hier das gemeinsame Gut des Lebens mit und in der Natur und eine entsprechende umfangreichere Solidarit\u00e4t, die zu einer Ordnung der Gleichheit f\u00fchren w\u00fcrde, statt zu einer Ordnung des umweltzerst\u00f6rerischen Egoismus.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dass die beiden grob skizzieren und \u00e4hnliche politische Ans\u00e4tze (wie die direkte Umweltdemokratie) selten vorkommen \u2013 oder sich dabei in einem wilden Eklektizismus in Widerspr\u00fcche verstrickt wird, wie bei Fremaux \u2013, ist ein strukturelles Problem der gegenw\u00e4rtigen \u00f6kologischen Demokratietheorie. Dabei ist es auch eine Aufgabe des normativen politischen Denkens, Alternativen zum Bestehenden (hier: der postdemokratischen Nichtnachhaltigkeit) zu entwickeln, was der gr\u00fcne Republikanismus \u2013 auf Kosten seines eigenen Profils und einer fundamentalen Kritik einer nichtnachhaltigen Klima- und Umweltpolitik \u2013 unterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. Philip Dingeldey<\/strong> ist seit April 2023 einer von zwei Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer*innen der Humanistischen Union und hauptamtlicher Redakteur der <b>vor<\/b>g\u00e4nge. Dingeldey hat in Politikwissenschaft an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt promoviert. Seine Forschungsinteressen sind Demokratietheorie, Rechtstheorie und -philosophie, kritische Theorie, Republikanismus, Liberalismus, \u00f6kologisches politisches Denken und politische Ideengeschichte. Zuletzt von ihm erschienen: Von unmittelbarer Demokratie zur Repr\u00e4sentation. Eine Ideengeschichte der gro\u00dfen b\u00fcrgerlichen Revolutionen (Transcript: Bielefeld 2022).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Acksel, Britta et al. <\/em>2015: Commoning. Zur Konstruktion einer konvivialen Gesellschaft, in: Adloff, Frank\/Hein, Volker (Hrsg.): <em>Konvivialismus. Eine Debatte<\/em>, Bielefeld, S. 133-145.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Adloff, Frank\/Caill\u00e9, Alain<\/em> (Hrsg.) 2022: Convivial Futures. Views from a Post-Growth Tomorrow, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ball, Terence<\/em> 2006: Democracy, in: Eckersley, Robyn\/Dobson, Andrew (Hrsg.): P<em>olitical Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge, S. 131-147.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Barak, Nir <\/em>2020: Ecological city-zenship, in: <em>Environmental Politics<\/em>, Jg. 29, H. 3, S. 479-499<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Barry, John <\/em>2001: Justice, nature, and political economy, in: <em>Economy and Society<\/em>, Jg. 30, H. 3, S. 381-394.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Barry, John<\/em> 2012: The Politics of Actually Existing Unsustainability, Human Flourishing in a Climate Changed, Carbon Constrained World, Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Barry, John<\/em> 2021: Green Republicanism and a \u2018Just Transition\u2019 from the tyranny of economic growth, in: <em>Critical Review of International Social and Political Thought<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 725-742.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Berlin, Isaiah<\/em> [1958] 2006: Freiheit. Vier Versuche, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, Ingolfur <\/em>2013: Simulative Demokratie. Neue Politik nach der postdemokratischen Wende, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, Ingolfur et al. <\/em>2020: Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die \u00f6kologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bohn, Carolin<\/em> 2021: Preference transformation through \u2018green political judgement formation\u2019? Rethinking informal deliberative citizen participation processes, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 761-778.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cannav\u00f2, Peter F.<\/em> 2010: To the thousandth generation: timelessness, Jeffersonian republicanism and environmentalism, in: <em>Environmental Politics<\/em>, Jg. 19, H. 3, S. 356-373.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cannav\u00f2, Peter F. <\/em>2019: Environmental Political Theory and Republicanism, in: Gabrielson, Teena et al. (Hrsg.): <em>The Oxford Handbook of Environmental Political Theory<\/em>, Oxford, S. 72-88.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cannav\u00f2, Peter F.<\/em> 2021: Vulnerability and non-domination: a republican perspective on natural limits, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 693-709.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Curry, Patrick<\/em> 2000: Redefining community: towards an ecological republicanism, in: <em>Biodiversity and Conversation<\/em>, Jg. 9, S. 1059-1071.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dagger, Richard<\/em> 2006: Freedom and rights, in: Eckersley, Robyn\/Dobson, Andrew (Hrsg.): <em>Political Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge, S. 200-215.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dingeldey, Philip <\/em>2019: A fourth transformation of democracy? Liquid democracy, supra-national democracy, and the fate of participation, in: <em>Law, Democracy &amp; Development<\/em>, Jg. 28, H. 4, S 181-201.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dingeldey, Philip<\/em> 2022: Von unmittelbarer Demokratie zur Repr\u00e4sentation. Eine Ideengeschichte der gro\u00dfen b\u00fcrgerlichen Revolutionen, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dingeldey, Philip<\/em> 2023: Machiavellis populistischer Republikanismus, in: <em>vorg\u00e4nge. Zeitschrift f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gesellschaftspolitik<\/em>, Nr. 241 = Jg. 62, H. 1, S. 151-155.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dobson, Andrew<\/em> 1996: Democratising Green Theory: Preconditions and Principles, in: Doherty, Brian\/Geus, Marius de (Hrsg.): <em>Democracy and Green Political Thought. Sustainability, rights, and citizenship<\/em>, London\/New York, S. 132-150.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dobson, Andrew<\/em> 2006: Citizenship, in: Dobson, Andrew\/Eckersley, Robyn (Hrsg.): <em>Political Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge 2006, S. 216-231.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dodsworth, Ashley\/Honohan, Iseult<\/em> 2021: Introduction, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 667-675.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dodsworth, Ashley<\/em> 2021: Republican Environmental Rights, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosoph<\/em>y, Jg. 24, H. 5, S. 710-724.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dodsworth, Ashley<\/em> 2023: Climate Change and Republicanism, in: Pellegrino, Gianfranco\/Paola, Marcello Di (Hrsg.): <em>Handbook of the Philosophy of Climate Change<\/em>, Cham, S. 1193-1211.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Eckersley, Robyn<\/em> 2006: Communitarianism, in: Eckersley, Robyn\/Dobson, Andrew (Hrsg.): <em>Political Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge, S. 91-108.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fischer, Frank<\/em> 2017: Climate Crisis and the Democratic Prospect. Participatory Governance in Sustainable Communities, Oxford et al.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fremaux, Anne\/Barry, John<\/em> 2019: The \u201cGood Anthropocene\u201d and Green Political Theory: Rethinking Environmentalism, Resisting Ecomodernism, in: Biermann, Frank\/L\u00f6vbrand, Eva (Hrsg.): <em>Anthropocene Encounters: New Directions in Green Political Thinking<\/em>, Cambridge, S. 171-190.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fremaux, Anne<\/em> 2019: After the Anthropocene. Green Republicanism in a Post-Capitalist World, London.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gray, Joe\/Curry, Patrick<\/em> 2020: Ecodemocracy and Political Representation for Non-human Nature, in: Kopnina, Helen\/Washington, Haydn (Hrsg.): <em>Conservation. Integrating Social and Ecological Justice<\/em>, Cham, S. 155-166.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gottschlich, Daniela\/Pichler, Melanie<\/em> 2022: Demokratie, in: Gottschlich, Daniela et al. (Hrsg.): <em>Handbuch politische \u00d6kologie. Theorien, Konflikte, Begriffe, Methoden<\/em>, Bielefeld, S. 341-350.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Habermas, J\u00fcrgen<\/em> 1991: Erl\u00e4uterungen zur Diskursethik, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Heidenreich, Felix<\/em> 2023: Nachhaltigkeit und Demokratie. Eine politische Theorie, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Heilbroner, Robert<\/em> 1974: An Inquiry into the Human Prospect, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hurell, Andrew<\/em> 2006: The State, in: Eckersley, Robyn\/Dobson, Andrew (Hrsg.): <em>Political Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge, S. 165-182.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jacobs, Michael<\/em> 1997: Environmental valuation, deliberative democracy, and public decision-making institutions, in: Bellamy Foster, John (Hrsg.): <em>Valuing Nature? Economics, Ethics and Environment<\/em>, London\/New York, S. 232-247.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>J\u00f6rke, Dirk<\/em> 2011: Demokratie in neuen R\u00e4umen. Ein theoriegeschichtlicher Vergleich, in: <em>\u00d6sterreichische Zeitschrift f\u00fcr Politikwissenschaft<\/em>, Jg. 40, H. 1, S. 7-19.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>J\u00f6rke, Dirk<\/em> 2019: Die Gr\u00f6\u00dfe der Demokratie. \u00dcber die r\u00e4umliche Dimension von Herrschaft und Partizipation, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Larmore, Charles<\/em> 2001: A Critique of Philip Pettit\u2019s Republicanism, in: <em>Social, Political, and Legal Philosophy<\/em>, Jg. 11, S. 229-243.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lepenies, Philipp<\/em> 2022: Verbot und Verzicht. Politik aus dem Geiste des Unterlassens, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Les Convivialistes<\/em> 2014: Das konvivialistische Manifest. F\u00fcr eine neue Kunst des Zusammenlebens, hrsg. von Adloff, Frank, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Les Convivialistes<\/em> 2020: Das zweite konvivialistische Manifest. F\u00fcr eine post-neoliberale Welt, hrsg. von Adloff, Frank, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lovett, Frank<\/em> 2022: Republicanism, in: Stanford Encyclopedia of Philosophy, <a href=\"https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/republicanism\/\">https:\/\/plato.stanford.edu\/entries\/republicanism\/<\/a> (aufgerufen am 23.04.2024).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>McIlroy, Damian\/Brennan, Se\u00e1n\/Barry, John<\/em> 2022: Just transition: a conflict transformation approach, in: Death, Carl (Hrsg): <em>Handbook of critical environmental politics<\/em>, New York, S. 415-429.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mich\u00e9a, Jean-Claude<\/em> 2014: Das Reich des kleineren \u00dcbels. \u00dcber die liberale Gesellschaft, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Michelsen, Danny\/Walter, Franz<\/em> 2015: Taking politics seriously. Gedanken zu einer republikanischen B\u00fcrgersolidarit\u00e4t, in: Adloff, Frank\/Hein, Volker (Hrsg.): <em>Konvivialismus. Eine Debatte<\/em>, Bielefeld, S. 33-44.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ophuls, William<\/em> 1992: Ecology and the Politics of Scarcity Revisited: The Unraveling of the American Dream, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pettit, Philip<\/em> 1997: Republicanism: A Theory of Freedom and Government, Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pettit, Philip<\/em> 2012: On the People\u2019s Terms: A Republican Theory and Model of Democracy, Cambridge.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pellizzoni, Luigi<\/em> 2021: Reconfiguring non-domination: green politics from pre-emption to inoperosity, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 743-760.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pinto, Jorge<\/em> 2021: Freedom and ecological limits, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy<\/em>, Jg. 24, H. 5, S. 676-692.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Saward, Michael <\/em>2006: Representation, in: Eckersley, Robyn\/Dobson, Andrew (Hrsg.): <em>Political Theory and the Ecological Challenge<\/em>, Cambridge 2006, S. 183-198.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scerri, Andrew<\/em> 2023: Green Republicanism and the \u2018crises of democracy\u2019, in: <em>Environmental Politics<\/em>, Jg. 33, H. 3, S. 465-485.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Slaughter, Steven<\/em> 2005: The Republican State: An Alternative Foundation for Global Environmental Governance, in: Barry, John\/Eckersley, Robyn (Hrsg.): <em>The State and Global Ecological Crisis<\/em>, Cambridge, S. 207-227.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Slaughter, Steven<\/em> 2008: The Republican State and Global Environmental Governance, in: <em>The Good Society<\/em>, Jg. 17, H. 2, S. 25-31.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Van Dyk, Silke<\/em> 2016: Vorw\u00e4rts in die Vergangenheit: Postwachstum als Gemeinschaftsprojekt? Zur Wiederentdeckung des Gemeinsinns, in: AK Postwachstum (Hrsg.): <em>Wachstum \u2013 Krise und Kritik. Die Grenzen der kapitalistisch-industriellen Lebensweise<\/em>, Frankfurt am Main\/New York, S. 245-267.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wissenburg, Marcel<\/em> 2021: The Anthropocene and the republic, in: <em>Critical Review of International Social and Political Philosophy,<\/em> Jg. 24, H. 5, S. 779-796.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>So wurde kritisiert, dass die Ziele des Konvivialismus mit einer republikanischen B\u00fcrgertugend kompatibler und koh\u00e4renter w\u00e4ren als mit der agonistisch-kapitalistischen Form (Michelsen\/Walter 2015: 36-43).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Vgl. hierzu auch den Beitrag von Ingolfur Bl\u00fchdorn in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii<\/a> Alle drei Begriffe werden im Folgenden synonym verwendet.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>So kritisiert auch Charles Larmore (2001), dass Pettits Staatstheorie keine genuin republikanische sei, da sie sich nur minimal vom Liberalismus unterscheide und prim\u00e4r die individuelle Unabh\u00e4ngigkeit betone.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v<\/a> Zum Sprechen f\u00fcr die Natur und Institutionen, die Natur und k\u00fcnftige Generationen repr\u00e4sentieren vgl. auch den Beitrag von Bernd S\u00f6hnlein in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Schon diese Einordnung kann man mit Jean-Claude Mich\u00e9a (2014: insb. Kap. 1) kritisieren. Mich\u00e9a zufolge sind der \u00f6konomische und politische Liberalismus gleichurspr\u00fcnglich, und das Freiheitskonzept beider liberalen Str\u00e4nge identisch. Daraus folgt f\u00fcr Kritiker*innen des \u00f6konomischen Liberalismus, dass auch der politische Liberalismus (und seine negative Freiheit) problematisch werden kann, etwa wenn diese Freiheit zur \u00f6kologischen Katastrophe f\u00fchrt. Ein dunkelgr\u00fcner Republikanismus kann also antiliberal oder illiberal sein.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>Dies geht teilweise aber so weit, dass sie neoliberalen Akteur*innen verschw\u00f6rungstheoretisch die Konspiration gegen Volk und Natur attestiert, was Fremaux\u2018 Ideologiekritik (fundiert unter anderem durch die fr\u00fche kritische Theorie) massiv widerspricht.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":19441,"template":"","categories":[21,2976,47,16],"tags":[3294,693,3694,3397,3678,3385,3692,3693,3695,3690,3691,3303,667],"autoren":[3207],"publikationen":[3668],"class_list":["post-19463","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-demokratisierung","category-klima","category-lebensweisen-pluralismus","category-rechtspolitik","tag-demokratietheorie","tag-direkte-demokratie","tag-gruener-republikanismus","tag-klimagerechtigkeit","tag-klimakatastrophe","tag-nachhaltigkeit","tag-nichtbeherrschung","tag-oekologische-krise","tag-oekologisches-politisches-denken","tag-politische-theorie","tag-positive-freiheit","tag-republikanismus","tag-vorgaenge-artikel","autoren-philip-dingeldey","publikationen-vorg-245"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Eine nachhaltige Demokratie? 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Dies gilt auch in Bezug auf den gegenw\u00e4rtigen \u00f6kologischen Republikanismus, so Philip Dingeldey in seinem Beitrag. 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