{"id":19464,"date":"2024-08-21T12:05:14","date_gmt":"2024-08-21T10:05:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19464"},"modified":"2024-08-21T12:06:33","modified_gmt":"2024-08-21T10:06:33","slug":"soziologische-zeitenwende-aufbruch-aus-der-oeko-emanzipatorischen-komfortzone","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/soziologische-zeitenwende-aufbruch-aus-der-oeko-emanzipatorischen-komfortzone\/","title":{"rendered":"Soziologische Zeitenwende: Aufbruch aus der \u00f6ko-emanzipatorischen Komfortzone"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Sind Degrowth, Postkapitalismus oder kollektive Selbstbegrenzung noch transformative Leitbegriffe? Werden die Fragen nach dem Recht auf eine saubere Umwelt oder dem guten Leben f\u00fcr alle in der Sp\u00e4tmoderne anachronistisch? Die Klima- und Nachhaltigkeitsdebatte steht vor der Notwendigkeit, sich auf eine neue Konstellation einzustellen, in der die modernistischen Normen des \u00f6ko-emanzipatorischen Projekts an Kraft verlieren und auch die kritisch-transformativen Ans\u00e4tze der Soziologie zunehmend ungeeignet scheinen, die Besonderheit sp\u00e4tmoderner Gesellschaften zu erfassen. Unbemerkt, so Ingolfur Bl\u00fchdorn in seinem Beitrag, hat das \u00f6ko-emanzipatorische Projekt seine eigenen normativen Grundlagen ausgezehrt.<\/em><\/p>\n<p class=\"v-teaser-western\"><em>Seine eigene Unhaltbarkeit und die der ins Wanken geratenen gesellschaftlichen Ordnung w\u00fcrde einer neuen Moderne den Weg ebnen: einer Moderne jenseits des Liberalismus, der Demokratie, b\u00fcrgerschaftlicher M\u00fcndigkeit und universeller Menschenrechte. F\u00fcr die kritische Soziologie und die transformativ ambitionierte Nachhaltigkeitsforschung bedeute das eine schwierige Herausforderung.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"1-einleitung\">1. Einleitung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nach Jahrzehnten der Transformationsmobilisierung, des zun\u00e4chst von den Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er Jahre ausgehenden und dann schrittweise institutionalisierten <i>Aufbruchs in eine andere Gesellschaft<\/i> (Brand et al. 1983), finden sich sp\u00e4tmoderne Gesellschaften unerwartet in einer grundlegend ver\u00e4nderten Konstellation. Schien noch unl\u00e4ngst der Punkt gekommen, an dem hartn\u00e4ckige Kampagnen umweltpolitischer Aufkl\u00e4rung, Bewusstseinsbildung, Verantwortlichkeit und Vernunft zusammen mit den sich zuspitzenden \u00f6kologischen Problemlagen endlich eine s<i>ozial-\u00f6kologische Transformation<\/i> (im Folgenden: S\u00d6T) der Gesellschaft in Gang bringen w\u00fcrden, so ist pl\u00f6tzlich partei\u00fcbergreifend die entschiedene Verteidigung der etablierten Strukturen und des gesellschaftlichen Wohlstandes das klare Priorit\u00e4tsprojekt. Zwar sind die wissenschaftlichen Daten zur Klimaerw\u00e4rmung, zum Artenverlust, zum Fl\u00e4chenverbrauch oder zur Verm\u00fcllung der Ozeane reichhaltiger und klarer denn je, aber kaum jemand glaubt noch an die Einhaltung der in Paris vereinbarten Klimaziele, die Verkehrswende, die Agrarwende, die Renaturierung zerst\u00f6rter Fl\u00e4chen oder an den europ\u00e4ischen Green Deal, den Ursula von der Leyen 2019 noch als Europas <i>Man-on-the-Moon-<\/i>Moment gepriesen hatte. Die Win-Win-Versprechen der <i>\u00f6kologischen Modernisierung<\/i> \u2013 Gewinn f\u00fcr Wirtschaft und Wohlstand sowie Gewinn f\u00fcr die Umwelt \u2013 klingen zunehmend unglaubw\u00fcrdig; ebenso die Erz\u00e4hlungen von Degrowth, Postkapitalismus und dem wahren Gl\u00fcck jenseits des Massenkonsums (z. B. Jackson 2021). Wer glaubt noch im Ernst an eine sozial-\u00f6kologische Transformation, die ein <i>gutes Leben f\u00fcr alle<\/i> erm\u00f6glichen wird? Vielmehr ist offensichtlich, dass die Sicherung des Erreichten ein Exklusionsprojekt ist: Grenzziehung, Abgrenzung, Ausgrenzung und Abschiebung sind innergesellschaftlich wie zwischengesellschaftlich bestimmende Themen. Konservative Stichwortgeber sprechen erleichtert vom \u201eEnde der gr\u00fcnen Hegemonie\u201c (R\u00f6dder 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Politische Parteien von der AfD \u00fcber die Unionsparteien und die FDP bis hin zum neuen B\u00fcndnis Sarah Wagenknecht machen Kampagne gegen die Agenda \u00f6kologisch-emanzipatorischer Bewegungen, die nun verbreitet als <i>elit\u00e4res<\/i> <i>Minderheitenprojekt<\/i> und gr\u00fcne <i>Bevormundung<\/i> bek\u00e4mpft wird (Kielmansegg 2023). Umfassende Lockerungen \u00f6kologischer Auflagen werden eingefordert \u2013 f\u00fcr die Landwirtschaft, im Verkehrssektor, in der Bauwirtschaft, bei den Lieferketten, bei Genehmigungsverfahren. Allzu \u00f6kologische und soziale Ideale, so hei\u00dft es, bedrohten den gesellschaftlichen Wohlstand, die wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit und seien f\u00fcr wesentliche Teile der Gesellschaft schlicht unbezahlbar. \u00d6ko-emanzipatorische Bewegungen haben demgegen\u00fcber immer weniger die Kraft, die etablierte Ordnung der Nicht-Nachhaltigkeit ernsthaft in Frage zu stellen und wirksam f\u00fcr eine Transformation zu mobilisieren. Sie werden ihrerseits zum politischen Hauptgegner weit \u00fcber das rechtspopulistische Lager hinaus. Themen, von denen einmal angenommen wurde, dass sie als Gesellschafts- und Menschheitsthemen integrative und konsensstiftende Kraft h\u00e4tten, werden stattdessen zu Triggerpunkten f\u00fcr polarisierende Debatten. Ihre Akteure werden als selbstgerecht und verlogen kritisiert (Wagenknecht 2022). Deren Selbstverst\u00e4ndnis als aufgekl\u00e4rte Avantgarde einer am Ende gesamtgesellschaftlichen Transformation wird radikal in Zweifel gezogen \u2013 eine traumatische Erfahrung f\u00fcr all die, die sich bisher als Vorreiter verstanden haben, als moralisch und kognitiv \u00fcberlegen, als informiert, reflektiert, verantwortungsvoll und besonders m\u00fcndig. Nicht nur ein Selbstverst\u00e4ndnis bricht f\u00fcr sie zusammen, sondern eine ganze Welt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u00d6kologische Bewegungen und die eher aktivistische Literatur reagieren auf die ver\u00e4nderte Situation, indem sie ihre Kampagnen noch einmal intensivieren und mit noch drastischeren Aktionen versuchen, ihre Themen, ihre Werte, ihre Ziele auf der Agenda zu halten \u2013 und ihre Identit\u00e4t zu retten: Die Datenlage ist \u00fcberw\u00e4ltigend; die Bedrohungs- und Untergangsszenarien sind real; das \u00dcberleben der Menschheit steht auf dem Spiel! Die kritische Soziologie teilt wesentlich den normativen Horizont der \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen und deren Projekt des Aufbruchs in eine andere Gesellschaft. Jenseits ihrer transformativen Agenda hat sie aber auch eine diagnostisch-analytische Verpflichtung. Sie h\u00e4tte zu kl\u00e4ren, ob die ver\u00e4nderte Lage nur eine kurzfristige Stimmung ist oder eine sich verfestigende Konstellation, und m\u00fcsste gegebenenfalls deren Ursachen und Implikationen bestimmen. Sie m\u00fcsste unterscheiden zwischen dem Zusammenbruch der \u00f6ko-emanzipatorischen Vorstellungswelt, der viele engagierte B\u00fcrger*innen derzeit fundamental verunsichert und politisch entwurzelt, und dem Untergang der Welt \u00fcberhaupt. Sie m\u00fcsste reflektieren, dass die vermeintlich absoluten Normen, die den \u00f6ko-emanzipatorischen Diagnosen und Forderungen zugrunde liegen, einen historischen Kern haben und fragen, wie und warum sich die normativen Vorzeichen, unter denen umweltpolitische Fragestellung in der Sp\u00e4tmoderne gerahmt und verhandelt werden, so irritierend verschieben. Wenn sie stattdessen vor allem ihre vertrauten Analysen, Bekenntnisse und Forderungen wiederholt, ist das m\u00f6glicherweise orientierungsstiftend und identit\u00e4tssichernd, blockiert aber den Zugriff auf die faktische Transformation der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft. Eine solche Soziologie kann ihrer diagnostisch-analytischen Aufgabe nicht mehr gerecht werden. Dazu bed\u00fcrfte es einer <i>soziologischen Zeitenwende<\/i>, eines <i>Aufbruchs aus der \u00f6ko-emanzipatorischen Komfortzone<\/i>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Interesse einer solchen Zeitenwende wird im Folgenden zun\u00e4chst die ver\u00e4nderte Konstellation noch einmal beleuchtet (Abschnitt 2). Abschnitt 3 f\u00fchrt dann aus, dass die kritische Soziologie und die transformative Nachhaltigkeitsforschung dieser neuen Konstellation im Moment noch wenig gerecht werden. Abschnitt 4 thematisiert unter dem Stichwort <i>traumatische Siegkrise<\/i> des \u00f6ko-emanzipatorischen Projekts die besonderen Herausforderungen, denen eine sp\u00e4tmoderne Soziologie der Nachhaltigkeit sich stellen m\u00fcsste. Und abschlie\u00dfend wird das Dilemma skizziert, dass die kritische Soziologie die Besonderheit der Sp\u00e4tmoderne nur erfassen kann, wenn sie \u00fcber ihre hergebrachte Normativit\u00e4t hinausgeht, dass sie genau damit aber Gefahr l\u00e4uft, den Ma\u00dfstab ihrer Kritik zu verlieren.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"2-unhaltbarkeit\">2. Unhalt&shy;bar&shy;keit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Als Grund und Ausl\u00f6ser der neuen Konstellation m\u00f6gen zun\u00e4chst die Corona-Pandemie und Russlands Krieg gegen die Ukraine erscheinen. Im Herbst 2019 legte der durchschlagende Mobilisierungserfolg der Fridays-for-Future-Bewegung die Vermutung nahe, dass die Zeit f\u00fcr einschneidende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den Klimaschutz nun endlich gekommen w\u00e4re. Doch dann machten die Pandemie beziehungsweise die Ma\u00dfnahmen zu ihrer Eind\u00e4mmung, ganz ohne dass dies umweltpolitisch motiviert gewesen w\u00e4re, erstmals gesamtgesellschaftlich konkret, was Umwelt- und Klimabewegungen bereits seit Jahrzehnten gefordert hatten: ernsthafte Begrenzungen und Beschr\u00e4nkungen. Das war eine schmerzhafte Erfahrung und kein gutes Vorzeichen f\u00fcr das Projekt einer sozial-\u00f6kologischen Transformation. Kurz darauf erhob Russlands Angriff auf die Ukraine die entschiedene Verteidigung und Sicherung sogenannter <i>westlicher Werte und Interessen<\/i> ausdr\u00fccklich zur obersten Priorit\u00e4t. Bundeskanzler Olaf Scholz verk\u00fcndete daf\u00fcr eine Zeitenwende, die mit der von Bewegungen und Wissenschaft geforderten Transformation der Gesellschaft allerdings nichts gemein hat, sondern ihr vielmehr klar entgegensteht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Tats\u00e4chlich liegen die Ursachen f\u00fcr die ver\u00e4nderte Konstellation aber nicht nur zeitlich weit vor Corona und dem Ukrainekrieg, sondern auch sehr viel tiefer als diese Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze es nahelegen: Sp\u00e4tmoderne Gesellschaften sind sowohl strukturell als auch kulturell l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage, eine S\u00d6T zu bewerkstelligen. Sie befinden sich in einem Krisenstrudel, in dem sie kaum mehr f\u00fcr die Zukunft planen k\u00f6nnen, sondern stark gegenwartsfixiert permanent darum bem\u00fcht sind, die jeweils unmittelbaren Folgen der immer schneller aufeinander folgenden Notlagen wenigstens halbwegs im Griff zu behalten. Dabei m\u00fcssen sie immer gr\u00fcndlicher abw\u00e4gen, ob es sich lohnt, die verf\u00fcgbaren Mittel f\u00fcr langfristige Projekte der S\u00d6T zu investieren oder f\u00fcr die kurzfristige Bek\u00e4mpfung der jeweils akuten Katastrophenfolgen. Gerade in der Demokratie werden l\u00e4ngerfristige Transformationsprojekte politisch immer schwerer umsetzbar, denn demokratische Mehrheiten f\u00fcr derartige Projekte sind nicht leicht zu mobilisieren und noch schwerer zu stabilisieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine sozial-\u00f6kologische Transformation, die ein gutes Leben f\u00fcr alle sichert, w\u00fcrde zudem eine massive Verminderung des Konsums, eine Beschr\u00e4nkung der Anspr\u00fcche und Erwartungen in praktisch allen Lebensbereichen erfordern, weit hinaus \u00fcber das, was heutige B\u00fcrger*innen als notfalls entbehrlichen Luxus empfinden. Doch sp\u00e4tmoderne Gesellschaften sind festgelegt auf Infrastrukturen und Praktiken, auf Verst\u00e4ndnisse von Freiheit und Selbstbestimmung, und auf konsum- und erlebnisbasierte Muster der Selbstkonstitution und Selbsterfahrung, die jede Form von Reduktion zur extremen Belastung machen. Gerade durch den Siegeszug des Neoliberalismus haben sich Verst\u00e4ndnisse von Freiheit und Selbstverwirklichung verfestigt, die jede politische Regulierung als inakzeptable Einmischung in die Sph\u00e4re des Privaten erscheinen lassen. Und nach Jahrzehnten des Marktliberalismus ist eine Nachhaltigkeitswende auch nicht nur durch staatliche Interventionen kaum mehr zu erreichen, sondern auch nicht vermittels sogenannter <i>ehrlicher Preise<\/i>, das hei\u00dft \u00fcber die Internalisierung bisher externalisierter sozialer und \u00f6kologischer Kosten \u00fcber den Markt<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a>. Denn gerade f\u00fcr die neue flexibilisierte und prek\u00e4re Unterschicht (Reckwitz 2019: 63ff.) w\u00e4ren \u00f6kologisch und sozial nachhaltige Preise unmittelbar mit einem deutlichen Abbau des Lebensstandards und mit sozialer Exklusion verbunden. Selbst f\u00fcr Besserverdienende w\u00fcrden sozial-\u00f6kologische Preise einen erheblichen Einbruch ihres gewohnten Lebensstandards bedeuten. Begrenzung, Schrumpfung und Verzicht sind jedoch ein Tabu; eine absolute Reduktion etwa des Mobilit\u00e4ts-, Elektronik-, Wohnraum- oder Energiebedarfs steht jenseits sehr marginaler Gruppen nicht zur Debatte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zus\u00e4tzlich erschweren die Vielfalt und innere Widerspr\u00fcchlichkeit individueller Wertepr\u00e4ferenzen die gesamtgesellschaftliche Problembestimmung und stabile Priorit\u00e4tensetzung; und die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Logiken der gesellschaftlichen Funktionssysteme \u2013 Recht, Gesundheit, Wirtschaft, Medien, Politik etc. \u2013 bedeutet eine gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr die koordinierte und konsequente Probleml\u00f6sung. Die Pandemie hat das j\u00fcngst eindrucksvoll illustriert (vgl. Nassehi 2021). Und schlie\u00dflich steht die Bew\u00e4ltigung der vielf\u00e4ltigen Krisen auch noch zunehmend im Schatten des neuen geopolitischen Gro\u00dfkonflikts zwischen China und dem Westen beziehungsweise des Wettbewerbs zwischen liberal-demokratischen und autokratisch-autorit\u00e4ren Systemen um die globale Vorherrschaft.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">All dies bedeutet nicht, dass es in sp\u00e4tmodernen Gesellschaften f\u00fcr \u00f6kologische Reformen keinerlei Spielraum g\u00e4be. Doch f\u00fcr den grundlegenden Strukturwandel, den Klimabewegungen und viele Wissenschaftler*innen f\u00fcr unumg\u00e4nglich halten, f\u00fcr ein Aussetzen der Logik von Wachstum, Wettbewerb, Ausbeutung und Zerst\u00f6rung, f\u00fcr eine umfassende Begrenzung und Reduktion der Anspr\u00fcche, Erwartungen, Bed\u00fcrfnisse, und f\u00fcr eine entschiedene soziale Umverteilung, die ein gutes Leben f\u00fcr alle erm\u00f6glichen w\u00fcrde, wird es tats\u00e4chlich eng. An die Stelle des einstigen Glaubens an die <i>Machbarkeit des Notwendigen<\/i> (Eppler 1975) tritt in der Sp\u00e4tmoderne das Syndrom der <i>\u00f6kologischen Unregierbarkeit<\/i>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u00d6kologische Unregierbarkeit ist das fundamentale Gegenst\u00fcck zum selbstbewussten Bewegungsglauben an die vern\u00fcnftige, m\u00fcndige, demokratische Gestaltbarkeit und kollektive Selbstbegrenzung. Dieses Syndrom umfasst die \u00dcberforderung und L\u00e4hmung der Politik durch die funktionale Differenzierung moderner Gesellschaften ebenso wie die <i>demokratische Sklerose<\/i>, die sich im Zuge der Pluralisierung, Singularisierung, Dynamisierung und kompromisslosen Selbstzentrierung in der Sp\u00e4tmoderne stetig zuspitzt. Zu den Indikationen geh\u00f6ren weiter die Spannung zwischen verschiedenen Dimensionen des <i>\u00f6ko-emanzipatorischen Projekts<\/i> (im Folgenden: \u00d6EP) \u2013 etwa zwischen den Idealen der Begrenzung und der Befreiung \u2013 sowie die Konkurrenz verschiedener Ziele innerhalb derselben Dimension, etwa zwischen dem Natur- und Artenschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Schlie\u00dflich zielt der Begriff auch auf die Repolitisierung und systematische Diskreditierung des \u00d6EP und seiner Akteur*innen, wie sie im Zusammenhang mit den Aktionen von \u201eLetzte Generation\u201c oder den Antisemitismusvorw\u00fcrfen gegen Greta Thunberg, politische Intellektuelle und den gesamten kritischen Kulturbetrieb zu beobachten sind. In ihrem Zusammenwirken f\u00fchren diese Faktoren in eine <i>Hyperpolitik<\/i> (J\u00e4ger 2023), die bestehende Institutionen destabilisiert und zerst\u00f6rt, aber kaum mehr die Ressourcen hat, die subpolitische Energie ins Konstruktive zu wenden und eine S\u00d6T zu initiieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Treffender noch l\u00e4sst sich die neue Konstellation aber mit dem Begriff <i>Unhaltbarkeit<\/i> fassen. Er kn\u00fcpft an das Konzept der <i>nachhaltigen Nicht-Nachhaltigkeit<\/i> (Bl\u00fchdorn 2020a) an, erweitert die Perspektive jedoch \u00fcber die \u00f6kologische Thematik hinaus, die auch beim Begriff der <i>\u00f6kologischen Unregierbarkeit<\/i> im Zentrum steht. Ebenso weist er \u00fcber das Optionale, n\u00f6tigenfalls Aufschiebbare hinaus, das dem Nachhaltigkeitsbegriff anhaftet: Unhaltbarkeit ist definitiver. Zudem bezieht der Begriff auch das \u00d6EP selbst mit ein und verschiebt den Fokus von der normativ geforderten Transformation der Gesellschaft auf die faktische, die sich in der Sp\u00e4tmoderne un\u00fcbersehbar entfaltet. Unhaltbar und in einem alltagspraktisch beobachtbaren Zerfallsprozess begriffen sind in der Sp\u00e4tmoderne (a) die etablierte Ordnung der Nicht-Nachhaltigkeit, die bisher immer noch notd\u00fcrftig stabilisiert werden konnte, (b) die Glaubenss\u00e4tze und Narrative des \u00d6EP selbst, das die Fehlentwicklungen und Nebenwirkungen der industriellen Moderne und des Konsumkapitalismus zu korrigieren versprach, nun aber seinerseits entschieden politisiert wird, (c) die kritische Soziologie und Nachhaltigkeitsforschung, deren Krisendiagnosen und Transformationsszenarien in der Gegenwartsgesellschaft immer weniger Resonanz finden; und (d) letztlich die modernistischen Selbstverst\u00e4ndnisse und Selbstbeschreibungen westlicher Gesellschaften insgesamt, die im Sinne Immanuel Kants davon ausgingen, dass die universalistischen Werte der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung den Weg zur <i>m\u00fcndigen, kosmopolitischen Gesellschaft<\/i> und zum <i>ewigen Frieden<\/i> weisen w\u00fcrden. Dabei umfasst das Pr\u00e4dikat <i>unhaltbar<\/i> eine zeitliche Dimension \u2013 im Sinne von <i>veraltet, abgelaufen<\/i> und <i>\u00fcberholt<\/i> \u2013, eine wahrheitsbezogene \u2013 im Sinne von <i>aus der Luft gegriffen, haltlos<\/i> und <i>spekulativ<\/i> \u2013, sowie auch eine moralische, im Sinne von <i>unertr\u00e4glich, unzumutbar<\/i> und <i>inakzeptabel<\/i>. \u00d6ko-politisch gesprochen bedeutet die mehrfache Unhaltbarkeit, anders als die apokalyptischen Narrative nahelegen, die von aktivistischer Seite bis in die Gegenwart gepflegt werden, nicht prim\u00e4r den Untergang der Menschheit oder die Unbewohnbarkeit des Planeten, sondern zun\u00e4chst vor allem den Zerfall der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rungserz\u00e4hlung, die die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen noch einmal aktualisiert und auf eine neue normative Grundlage gestellt hatten. Und dieser Untergang ist mit einer Metamorphose der Gesellschaft und Moderne verbunden, die mit dem Aufbruch der \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen seit den 1970er Jahren nicht mehr viel zu tun hat.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"3-am-soziologischen-stammesfeuer\">3. Am sozio&shy;lo&shy;gi&shy;schen Stammes&shy;feuer<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Umweltsoziologie und die kritische Soziologie insgesamt sind einstweilen noch schlecht darauf eingestellt, diese Zeitenwende, diese Metamorphose der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft, zu bearbeiten und begreifen. In guten Teilen betreiben sie weiterhin den <i>Aufbruch in eine andere Gesellschaft<\/i>, den emanzipatorische Bewegungen und ihre sozialwissenschaftliche Begleitung schon seit Jahrzehnten beschw\u00f6ren. Sie fragen \u2013 rhetorisch \u2013 <i>Wie wollen wir in Zukunft leben?<\/i> <i>In was f\u00fcr einer Welt wollen wir leben?<\/i> \u2013 so, als w\u00e4re die Zukunft offen, als w\u00e4ren sie selbst noch nicht festgelegt und als w\u00e4re die Gesellschaft frei gestaltbar. Sie verstehen sich als die Wegweiser in eine wahrhaft moderne Gesellschaft, in der die \u00f6ko-politisch aktualisierten Versprechen der Moderne voll realisiert sein werden. Sie reden von pr\u00e4figurativer Politik und der transformativen Kraft angeblicher Pioniere und Avantgarden, deren experimentelle Politik schon heute erprobe, was k\u00fcnftig zum gesamtgesellschaftlichen Standard werden k\u00f6nnte. Sie vertrauen auf die Demokratisierung der Demokratie, Degrowth, Postkapitalismus und kollektive Selbstbegrenzung, \u00fcbergehen dabei aber, dass sp\u00e4tmoderne Gesellschaften sich faktisch von den Annahmen und Glaubenss\u00e4tzen der \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen und ihrem Projekt der S\u00d6T immer mehr verabschieden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ver\u00e4ngstigt und paralysiert von dem Blick in den Abgrund, der sich auftut, wenn die <i>heiligen Basisprinzipien<\/i> (Beck 1993; 2017) der bisherigen Moderne und Modernisierung \u2013 Freiheit, Selbstbestimmung, M\u00fcndigkeit, Demokratie, Menschenrechte, Inklusion, Rechtsstaatlichkeit \u2013 ins Wanken geraten, insistiert diese Literatur mit moralisierend-kritischer Attit\u00fcde, dass der Klimawandel \u201edas dr\u00e4ngendste Problem dieses Jahrhunderts\u201c sei, dass die Soziologie es immer noch viel zu wenig ber\u00fccksichtige (vgl. Diekmann 2024), und dass insbesondere die von der Politik ergriffenen Gegenma\u00dfnahmen bisher vollst\u00e4ndig unzureichend seien (vgl. Radtke\/Renn 2022). Dabei \u00fcbergeht sie die Frage, aus welcher Perspektive und auf der Grundlage welcher Normen derartige Aussagen eigentlich gemacht werden und welche G\u00fcltigkeit sie in einer Zeit und in Gesellschaften f\u00fcr sich in Anspruch nehmen k\u00f6nnen, in denen es kategorische Imperative und eine transzendentale Vernunft nicht mehr gibt. Sie \u00fcbersieht, dass es zwar wissenschaftliche Erkenntnisse \u00fcber die Klimaerw\u00e4rmung, ihre Ursachen und ihre bereits eintretenden und noch zu erwartenden Folgen gibt, nicht aber einheitliche und stabile Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr deren Bewertung und entsprechend auch weder objektive Problemdiagnosen noch kategorische Imperative, die sich aus der wissenschaftlichen Faktenlage ableiten lie\u00dfen. Sie geht dar\u00fcber hinweg, dass der Klimawandel, der Artenverlust oder das Mikroplastik im Ozean und in der Nahrungskette empirisch f\u00fcr wesentliche Teile der Gesellschaft offensichtlich weder das gr\u00f6\u00dfte Problem noch die oberste Priorit\u00e4t sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Gerade die Nachhaltigkeitsliteratur verbleibt \u2013 wenn sie auf die Objektivit\u00e4t ihrer Diagnosen und die kategorische G\u00fcltigkeit ihrer Imperative pocht \u2013 in ihrer <i>Komfortzone<\/i> (vgl. Bl\u00fchdorn 2022a) oder, um einen Ausdruck aus der Erdsystemwissenschaft zu adaptieren, in ihrem <i>safe operating space<\/i> (Rockstr\u00f6m et al. 2009). Sie pflegt ihre Orientierung und Sicherheit gebenden Narrative vom \u00f6kologischen Kollaps, dem Untergang der Menschheit und der Unbewohnbarkeit des Planeten. Sie sieht den \u201eKapitalismus am Limit\u201c, entwirft Szenarien f\u00fcr eine \u201esolidarische Lebensweise\u201c (Brand\/Wissen 2024) und erkennt bereits eine \u201eGesellschaft der Nachhaltigkeit\u201c (Neckel et al. 2018). Sie schwadroniert von <i>Rationierung<\/i> (Herrmann 2022), versichert, die Gesellschaft <i>k\u00f6nne auch anders<\/i> (G\u00f6pel 2022) und verspricht <i>All you need is less<\/i> (Folkers\/Paech 2022)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a>. Unverdrossen setzt sie auf die Ausweitung demokratischer Partizipationsm\u00f6glichkeiten und \u201ekollektive Selbstbegrenzung\u201c (Brand et al. 2021). Soziologische Diagnosen der <i>Singularisierung<\/i> (Reckwitz 2017) und <i>Demokratied\u00e4mmerung<\/i> (Selk 2023) kann sie nur ignorieren. Ebenso die Thesen der \u00f6ko-politischen Selbst\u00fcberforderung und der sp\u00e4tmodernen Abl\u00f6sung der Emanzipation als gesellschaftliches Leitprinzip durch die Norm der <i>Anpassung<\/i> (Staab 2022). Noch weniger kann sie mit dem Verdacht umgehen, dass das \u00f6ko-emanzipatorische Projekt weder nur von seinen Feinden, den Kapitalisten, unterdr\u00fcckt (z. B. Herrmann 2022), noch blo\u00df von der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften blockiert (z. B. Nassehi 2021) wird, sondern dass es in der Sp\u00e4tmoderne gewisserma\u00dfen <i>emanzipatorisch<\/i> \u00fcberschritten wird und aus sich selbst heraus Gegenkr\u00e4fte mobilisiert, die es zu Fall bringen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Gestus der \u00dcberlegenheit und Rechtschaffenheit kritisiert diese Literatur, dass der anti-demokratische und anti-\u00f6kologische Rechtspopulismus sich in die gute alte Zeit zur\u00fcckw\u00fcnscht und am identit\u00e4ren <i>Stammesfeuer<\/i> (Bauman 2017) W\u00e4rme, Trost und Gemeinschaft sucht. Dabei bemerkt diese Literatur nicht, dass sie selbst es nur wenig anders h\u00e4lt. Denn auch sie erz\u00e4hlt vor allem die guten, alten Geschichten vom Aufbruch in eine andere Gesellschaft, die in der Sp\u00e4tmoderne aber l\u00e4ngst ihre Kraft verloren haben und kein transformatives Feuer mehr entfachen k\u00f6nnen, sondern bestenfalls noch ein wenig Restw\u00e4rme f\u00fcr die abgeben, die sich von den alten Bewegungsidealen noch nicht l\u00f6sen m\u00f6gen. An ihrem eigenen Stammesfeuer zelebriert die aktivistische Nachhaltigkeitssoziologie \u2013 in \u00e4ngstlicher Verweigerungshaltung \u2013 ihre hergebrachten Normen und ihre Welt des W\u00fcnschens und Hoffens, verfehlt dabei aber weitgehend den Zugriff auf die Realit\u00e4t und die unterscheidenden Merkmale der Sp\u00e4tmoderne beziehungsweise jener ganz anderen Moderne, die sich im Zeichen von deren Krise (Reckwitz\/Rosa 2022) l\u00e4ngst herausbildet.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine solche Soziologie und Nachhaltigkeitsforschung wird in allen drei oben unterschiedenen Hinsichten unhaltbar: historisch \u00fcberholt, empirisch unbegr\u00fcndet und normativ zweifelhaft. Um dem zu entgehen, m\u00fcsste sie unterscheiden zwischen ihren hergebrachten Idealen einer <i>besseren<\/i> Gesellschaft und der faktischen Metamorphose in eine <i>andere<\/i> Gesellschaft. Sie m\u00fcsste die Erz\u00e4hlung aufgeben, die Menschen entfalteten ein immer st\u00e4rkeres \u00f6kologisches Bewusstsein, seien immer eher bereit, <i>ehrliche Preise<\/i> zu zahlen, und w\u00fcrden angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels und zunehmender Umweltzerst\u00f6rung letztlich ganz sicher einsehen, dass eine sozial-\u00f6kologische Wende unumg\u00e4nglich ist. Die Soziologie und Nachhaltigkeitsforschung d\u00fcrften sich nicht l\u00e4nger als die Wissenschaft vom Wandel zur befreiten, demokratischen und \u00f6kologischen, <i>wahrhaft modernen<\/i> Gesellschaft verstehen. Denn die <i>n\u00e4chste Gesellschaft<\/i> und die ganz andere Moderne, die sich bereits entfalten, liegen jenseits dieses Denkhorizonts. Zu deren Verst\u00e4ndnis tr\u00e4gt eine (Nachhaltigkeits-)Soziologie, die weiter das Projekt betreibt, das Ulrich Beck (1986; 1993) einst als die <i>reflexive Modernisierung<\/i> der modernen Gesellschaft beschrieben hatte, und das in einer <i>zweiten Moderne<\/i> die noch nicht erf\u00fcllten Versprechen der ersten verwirklichen sollte, wenig bei. Und mit ihren beruhigenden Geschichten von innovativen Technologien und den Pionieren des Wandels wirkt sie auch nicht im intendierten Sinne transformativ, sondern bestenfalls insofern, als sie weiter die Logik befeuert, mit der die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen, ohne dies zu bemerken, ihre eigenen normativen Grundlagen zersetzen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"4-traumatische-siegkrise\">4. Trauma&shy;ti&shy;sche Siegkrise<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Eine Soziologie der Sp\u00e4tmoderne respektive der <i>n\u00e4chsten Gesellschaft<\/i> kann daher keine Soziologie der Nachhaltigkeit mehr sein, sondern nur noch eine Soziologie der Unhaltbarkeit. Oder aus der Perspektive der Umweltsoziologie formuliert: Die Soziologie der Nachhaltigkeit kann in der Sp\u00e4tmoderne nur noch als Soziologie der Unhaltbarkeit fortgef\u00fchrt werden. Statt zu hoffen, zu w\u00fcnschen und zu tr\u00e4umen, statt sich als Akteurin einer S\u00d6T zu verstehen, muss die Soziologie sich dem Syndrom der \u00f6kologischen Unregierbarkeit stellen und sich diagnostisch-analytisch mit einer Moderne und Gesellschaft befassen, die zu den Werten des \u00d6EP ein offen und tiefgreifend ambivalentes Verh\u00e4ltnis entwickelt hat. Sie muss erkunden, wie es zu dieser Ambivalenz gekommen ist, wie diese Werte nicht blo\u00df kapitalistisch unterdr\u00fcckt und strukturell marginalisiert, sondern auch emanzipatorisch \u00fcberschritten, aufgegeben und rekonfiguriert worden sind. Sie muss untersuchen, wie die Bewegungen selbst im Vollzug ihrer eigenen Logik diese Werte \u2013 oft unter Beibehaltung des jeweiligen Begriffs \u2013 inhaltlich neu ausbuchstabiert haben. Aufbauend auf Boltanskis und Chiapellos <i>Der neue Geist des Kapitalismus<\/i> (2003) und dem eher kultursoziologischen Theorem der \u201eEmanzipation zweiter Ordnung\u201c (Bl\u00fchdorn 2013: 143ff.) muss sie das Zusammenspiel, die \u201eunheilige Allianz\u201c (Fraser\/Monticelli 2021), die \u201eKomplizenschaft\u201c (Nachtwey 2016) aufarbeiten, die \u00f6ko-emanzipatorische Akteure in die <i>Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit<\/i> (Bl\u00fchdorn 2020b) verstrickt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Becks Begriff der <i>Siegkrise<\/i> bietet daf\u00fcr einen hilfreichen Einstiegspunkt. Beck wollte mit ihm zum Ausdruck bringen, dass die <i>zweite, reflexive Moderne<\/i>, in der die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen seit den 1970er Jahren sich daranmachten, die unerwarteten Nebenfolgen der industriellen Moderne zu adressieren und gleichzeitig die bisher noch nicht eingel\u00f6sten Versprechen der Moderne durchzusetzen, nicht als Folge des Scheiterns der <i>ersten, industriellen Moderne<\/i> verstanden werden darf, sondern die Konsequenz von deren Erfolg ist (Beck 1993). Denn ohne die industrielle Moderne h\u00e4tten sich weder die mit dem Wertewandel der <i>stillen Revolution<\/i> (Inglehart 1977) entstandenen neuen Ma\u00dfst\u00e4be der Wahrnehmung von \u00f6kologischen und sozialen Krisen breitenwirksam herausgebildet, noch die sogenannten Neuen Sozialen Bewegungen, also das Subjekt der \u00f6ko-emanzipatorischen Politisierung und Umgestaltung der industriellen Moderne und ihrer Institutionen. Es sei \u201egerade die Modernisierung selbst\u201c, schrieb Beck (1993: 31), \u201edie die Koordinaten der Modernisierung verschiebt\u201c, und das geschehe \u201eunreflektiert, ungewollt, ungesehen\u201c \u2013 gleichwohl aber h\u00f6chst folgenreich, denn \u201eModernisierung untergr\u00e4bt Modernisierung\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">50 Jahre sp\u00e4ter l\u00e4sst sich genau das auf die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen selbst und auf ihr \u00d6EP \u00fcbertragen. Diese Bewegungen standen der industriellen Moderne kritisch gegen\u00fcber, blieben aber \u2013 entgegen dem fundamentalen Missverst\u00e4ndnis derer, die heute erleichtert das <i>Ende der gr\u00fcnen Hegemonie<\/i> verk\u00fcnden \u2013 selbst fest in der Tradition der Aufkl\u00e4rung, deren Programm sie \u00f6kologisch erweitern und aktualisieren wollten. Diese Bewegungen haben Gro\u00dfes erreicht. Sie haben \u00f6kologische und emanzipatorische Belange fest und breit im \u00f6ffentlichen Bewusstsein und auf der politischen Agenda verankert, sie institutionalisiert und vielf\u00e4ltige Fortschritte erk\u00e4mpft. Gleichzeitig haben sie aber, ganz wie Beck es beschrieb, auch ihre eigenen normativen Fundamente untergraben: \u201eunreflektiert, ungewollt, ungesehen\u201c, aber doch so wirkm\u00e4chtig, dass die <i>Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit<\/i> heute fester etabliert und eine S\u00d6T unwahrscheinlicher ist denn je. Ohne dass sie dies gewollt oder bemerkt h\u00e4tten, haben die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen zum sp\u00e4tmodernen Syndrom der \u00f6kologischen Unregierbarkeit, des \u201eunheilbaren Unbehagen[s] an der Gesellschaft\u201c (Nassehi 2021: 92) und der \u201egekr\u00e4nkten Freiheit\u201c (Amlinger\/Nachtwey 2023) selbst einen erheblichen Beitrag geleistet. Aber ebenso wie im Fall von Becks <i>Risikogesellschaft<\/i> war das \u201ekeine Option, die im Zuge politischer Auseinandersetzungen\u201c h\u00e4tte \u201egew\u00e4hlt oder verworfen\u201c werden k\u00f6nnen, sondern die Folge \u201everselbst\u00e4ndigter, folgenblinder, gefahrentauber Modernisierungsprozesse\u201c (Beck 1993: 36). Genau das muss eine Soziologie der Unhaltbarkeit ausleuchten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wenn man etwas vereinfachend (a) die \u00d6kologisierung der modernen Gesellschaft, (b) die volle Demokratisierung der liberalen, repr\u00e4sentativen Demokratie und (c) die Verwirklichung des <i>wahrhaft freien<\/i>, selbstbestimmten Subjekts als die drei wesentlichen inhaltlichen S\u00e4ulen des \u00d6EP betrachtet,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> l\u00e4sst sich dieser \u00f6ko-emanzipatorische Beitrag zur Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit und zum Syndrom der \u00f6kologischen Unregierbarkeit als eine dreifache Dialektik begreifen, die nicht nur die normativen Grundlagen des \u00d6EP zersetzt, sondern einer Gesellschaft den Weg ebnet, die dessen Werten radikal widerspricht und \u00f6kologische, emanzipatorische sowie demokratische Anliegen unter deutlich ver\u00e4nderten Vorzeichen formuliert und verhandelt. Denn in allen drei Dimensionen verkehrt die Logik des \u00d6EP selbst die Ausrichtung dieses Projekts in das Gegenteil dessen, worauf es urspr\u00fcnglich gezielt hatte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u00d6ko-politisch liegt die Dialektik darin, dass das mit dem Erdgipfel von Rio hegemonial gewordene umweltpolitische Leitbild der Nachhaltigkeit, von dem man sich eigentlich erhofft hatte, dass es der \u00f6kologischen Politik jenseits ihrer notorisch schwachen fr\u00fcheren Grundierungen \u2013 \u00e4sthetisch, religi\u00f6s, verantwortungsethisch, antikapitalistisch etc. \u2013 endlich einen festen normativen Boden und einen zugkr\u00e4ftigen Motor verschaffen w\u00fcrde, vielmehr die normativen Grundlagen der S\u00d6T zerst\u00f6rte und stattdessen eine ganz andere Transformation beg\u00fcnstigte. Denn das auf Verwissenschaftlichung und Entpolitisierung vertrauende Nachhaltigkeitsparadigma klammerte normative Fragen \u2013 die \u00f6ko-politisch gleichwohl immer der Dreh- und Angelpunkt bleiben \u2013 gezielt aus; es lie\u00df der Entfaltung des neoliberalen Wertewandels damit freien Lauf und wurde so zum Steigb\u00fcgelhalter der Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit, die ihre Freiheit, ihren Wohlstand und ihre emanzipatorischen Errungenschaften heute ungeachtet ihrer bestens bekannten sozial-\u00f6kologischen Implikationen bedingungslos verteidigt (vgl. auch Bl\u00fchdorn 2022b).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der emanzipatorischen Dimension des \u00d6EP liegt die Dialektik darin, dass progressive Bewegungen auf der Suche nach <i>echter<\/i> Emanzipation und <i>wahrhafter<\/i> Selbstbestimmung jede Vorstellung eines Allgemeinen und angeblich kategorisch Verpflichtenden unter Herrschaftsverdacht und kritisch in Frage gestellt haben. Sie haben sich stetig neue Subjekt- und Selbstverst\u00e4ndnisse jenseits des disziplinierten, selbstbeherrschten Vernunftsubjekts erschlossen \u2013 auch, indem sie sich von den hoch gesteckten Anspr\u00fcchen und Anforderungen, die in den Begriffen der <i>\u00f6kologischen Vernunft, Verantwortlichkeit<\/i> und <i>M\u00fcndigkeit<\/i> liegen, befreiten. Vor allem \u201eliberale Str\u00f6mungen emanzipatorischer sozialer Bewegungen\u201c, hei\u00dft es bei Nancy Fraser, haben \u201egehaltarme, meritokratische, marktfreundliche Interpretationen von Gleichheit und Freiheit \u00fcbernommen\u201c (Fraser\/Jaeggi 2020: 263). Unbemerkt hat diese kontinuierliche Aktualisierung vorherrschender Verst\u00e4ndnisse von Autonomie und Emanzipation die Aussichten f\u00fcr eine gesellschaftliche Transformation im Sinne des \u00d6EP grundlegend ver\u00e4ndert. Denn Freiheit und Selbstbestimmung haben in der Sp\u00e4tmoderne eine ganz andere Bedeutung als das \u00d6EP sie einst voraussetzte, und die Verst\u00e4ndnisse von Subjektivit\u00e4t, Autonomie und M\u00fcndigkeit, die f\u00fcr das \u00d6EP konstitutiv waren, erscheinen in der Sp\u00e4tmoderne fundamentalistisch, unzumutbar, moralinsauer und reaktion\u00e4r: als Grundlage f\u00fcr eine <i>Verbotspolitik<\/i> und <i>\u00d6kodiktatur<\/i>. Was heute hingegen als <i>unsere Freiheit, unsere Werte<\/i> und <i>unsere Selbstbestimmung<\/i> firmiert, ist eine tragende S\u00e4ule der Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Dialektik der Demokratie schlie\u00dflich ist eine wesentliche Ursache dessen, was aktuell als die Krise der Demokratie und die autokratisch-autorit\u00e4re Wende diskutiert wird, in aller Regel aber auf die Logik des Kapitalismus, den Rechtspopulismus oder die Globalisierung zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Die Rede von der Dialektik der Demokratie betont demgegen\u00fcber, dass die Demokratie nicht nur von au\u00dfen, von ihren Feinden, bedroht wird, sondern ganz wesentlich auch von ihrer eigenen Logik und inneren Dynamik, also dem stetigen Streben nach weiterer Demokratisierung. So belastet etwa die Ausweitung partizipatorischer M\u00f6glichkeiten in verschiedener Hinsicht die Effizienz demokratischer Verfahren. Agenden der Pluralisierung und Diversit\u00e4t bef\u00f6rdern die Vermehrung von Veto-Spielern und die <i>demokratische Sklerose<\/i>. Auch besteht in der Forschung inzwischen Einigkeit, dass die <i>partizipatorische Revolution<\/i> (Kaase 1982) vor allem ohnehin schon privilegierte Teile der Gesellschaft beg\u00fcnstigt und die politische Gleichheit zu Lasten anderer Gruppen verzerrt hat (vgl. Sch\u00e4fer\/Z\u00fcrn 2021). Die Bem\u00fchungen um die Demokratisierung der Demokratie sind so selbst zur Ursache f\u00fcr eine mehrfache Dysfunktionalit\u00e4t der Demokratie und eine zunehmende Unzufriedenheit geworden (Manow 2020).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Tats\u00e4chlich werden entdemokratisierte Governance-Formen zunehmend als notwendig akzeptiert und \u2013 mitunter auch von Klimaaktivist*innen \u2013 geradezu eingefordert (vgl. Bl\u00fchdorn 2020c). In sp\u00e4tmodernen Gesellschaften ist die Entproblematisierung des Demokratieverlustes und der autokratisch-autorit\u00e4ren Wende weit fortgeschritten. Aktuelle Demonstrationen gegen rechts m\u00f6gen das Gegenteil nahelegen, aber sie signalisieren weder die pl\u00f6tzliche Wiederentdeckung der politischen Gleichheit, der materiellen Umverteilung und des guten Lebens f\u00fcr Alle noch eine neue F\u00e4higkeit und Bereitschaft, die Belastungen, Verpflichtungen und Verantwortung zu schultern, die mit dem Ideal demokratischer Selbstregierung notwendig einhergehen. Sehr viel plausibler ist der Verdacht, dass die Gewinner der Demokratisierung \u2013 freilich ohne es selbst so zu deuten \u2013 hier die Privilegien verteidigen, die die Demokratie ihnen sichert, und dabei gleichzeitig ihre Angst vor der Rache derer artikulieren, die von der demokratisierten Demokratie an den Rand gedr\u00e4ngt wurden. Und wenn die, die jetzt das Ende der \u201egr\u00fcnen Diskurshoheit\u201c und \u201eDeutungshegemonie\u201c (R\u00f6dder 2024) begr\u00fc\u00dfen, nun endlich die \u201eMacht der Minderheit\u201c (Kielmansegg 2023) gebrochen sehen, wird noch einmal deutlicher, wie sich die Demokratie vom wichtigsten Mittel einer S\u00d6T in ein Instrument der Politik der Nicht-Nachhaltigkeit verkehrt hat (Bl\u00fchdorn 2020d).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Gemeinsam bewirken die drei Dialektiken, die hier freilich nur angerissen werden konnten (vgl. dazu gr\u00fcndlicher Bl\u00fchdorn 2024: 255ff.), dass das \u00d6EP letztlich in jeder seiner Dimensionen \u2013 und zwar in allen besprochenen Hinsichten \u2013 unhaltbar wird; es wird emanzipatorisch \u00fcberholt. Im Vollzug ihres eigenen Projekts haben die Akteure des \u00d6EP unter Beibehaltung ihrer normativen Referenzbegriffe deren Inhalte neu ausbuchstabiert. Ohne dies intendiert und bemerkt zu haben, sind sie selbst zu einem wesentlichen Motor und Stabilisator der Nicht-Nachhaltigkeit geworden. F\u00fcr die Soziologie der Nachhaltigkeit liegt dieser Gedanke nicht nur jenseits ihrer Komfortzone, sondern er ist traumatisch. Dabei geht es hier ausdr\u00fccklich nicht darum zu behaupten, dass die \u00f6ko-emanzipatorischen Bewegungen nichts erreicht h\u00e4tten und keine weiteren Fortschritte mehr m\u00f6glich seien. Ebenso wenig geht es darum, die \u201edie \u00f6kologische Linke kritisch ins Visier\u201c zu nehmen (Hartmann 2024) oder sie \u2013 wom\u00f6glich gar allein \u2013 f\u00fcr die sp\u00e4tmoderne Gesellschaft der Nicht-Nachhaltigkeit und das Syndrom der \u00f6kologischen Unregierbarkeit verantwortlich zu machen. All das w\u00e4re verfehlt! Vielmehr geht es darum, eine differenziertere Erkl\u00e4rung f\u00fcr die nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit sp\u00e4tmoderner Gesellschaften anzubieten als die Soziologie der Nachhaltigkeit es einstweilen tut, zu beleuchten, wie die Akteure des \u00d6EP \u2013 statt der S\u00d6T \u2013 eine ganz andere Transformation der Moderne beg\u00fcnstigt haben, und zu verstehen, wie und warum sich die Vorzeichen ver\u00e4ndert haben, unter denen \u00f6kologische, emanzipatorische und demokratische Fragen in der heraufziehenden ganz anderen Moderne gerahmt und verhandelt werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"5-zwischen-soziologischer-redlichkeit-und-affirmation\">5. Zwischen sozio&shy;lo&shy;gi&shy;scher Redlichkeit und Affirmation<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die \u00c4ra des \u00d6EP und der S\u00d6T ist also vor\u00fcber. Mochte man nach der Finanzkrise und unmittelbar vor der Covid-Pandemie noch glauben, dieses mit der <i>stillen Revolution<\/i> gestartete Aufbruchsprojekt komme nun endlich zum Durchbruch, so ist inzwischen ein deutlicher Umbruch erkennbar, der wohl nicht nur kurzfristiger Natur ist. Zur konservativen Siegerpose gibt das allerdings keinerlei Anlass. Denn die Unhaltbarkeit des \u00d6EP restituiert nicht die Haltbarkeit der Ordnung, die dieses Projekt transformieren \u2013 und dadurch auch retten \u2013 wollte. Gerade das ist das Wesen der <i>doppelten<\/i> Unhaltbarkeit, das die Siegerpose v\u00f6llig \u00fcbersieht. Die Soziologie wiederum steht nun vor der Aufgabe, eine Transformation sp\u00e4tmoderner Gesellschaften und ihrer Naturverh\u00e4ltnisse theoretisieren zu m\u00fcssen, die sie aus dem Horizont ihrer etablierten Normen nicht erfassen kann. Auch ihre Grundlagen werden unhaltbar. Denn die n\u00e4chste Gesellschaft und die sich bereits entfaltende neue Moderne verabschieden sich von ihren hergebrachten Idealen der Freiheit, Demokratie, Gleichheit, M\u00fcndigkeit, Inklusion, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit. Der kritischen Soziologie erscheint das als regressiv. Aber die <i>dritte Moderne<\/i> (Bl\u00fchdorn 2013; 2024: 159ff.\/242ff.) entsteht eben nicht blo\u00df aus der Unterdr\u00fcckung und Negation dieser Ideale, sondern ganz wesentlich auch aus ihrer emanzipatorischen \u00dcberschreitung. Sie ist das Ergebnis ihrer Siegkrise.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das wirft die Frage auf: Darf und soll die Soziologie so etwas wirklich denken? Sind solche \u00dcberlegungen verantwortlich und verantwortbar? Diskreditieren sie die kritische Soziologie? Fallen sie \u00f6kologischen, demokratischen und egalit\u00e4ren Bewegungen in den R\u00fccken? Ist eine Soziologie der Unhaltbarkeit nicht notwendig affirmativ und reaktion\u00e4r? Tr\u00e4gt sie dazu bei, etwas herbeizureden oder zu beschleunigen, was zweifellos bereits erkennbar ist, was aber vielleicht wenigstens noch abgebremst oder abgemildert werden k\u00f6nnte? Liegt in diesem \u2013 dem eigenen Verst\u00e4ndnis nach vor allem analytischen \u2013 Ansatz m\u00f6glicherweise mehr versteckte Normativit\u00e4t als er explizit macht? Bef\u00f6rdern, normalisieren und legitimieren derartige \u00dcberlegungen letztlich vielleicht die autokratisch-autorit\u00e4re Wende? Entl\u00e4sst die Rede von der unkontrollierbaren Dialektik nicht all die aus der Verantwortung, die immer schon gegen Demokratisierung, \u00d6kologisierung und Emanzipation waren? Bef\u00f6rdert eine Soziologie der Unhaltbarkeit m\u00f6glicherweise die Ansicht, es sei umweltpolitisch nun ohnehin zu sp\u00e4t und man k\u00f6nne aller Nicht-Nachhaltigkeit jetzt freien Lauf lassen?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die kritische Soziologie hat ein transformatives Bed\u00fcrfnis, aber auch eine Verpflichtung zur sozialwissenschaftlichen Redlichkeit. Sie will Gesellschaft beschreiben und auch ver\u00e4ndern. Bisher haben die Soziologie und die Nachhaltigkeitsforschung ihr transformatives Bed\u00fcrfnis \u00fcber die deskriptiv-analytische Verpflichtung gestellt. Sie haben die Gesellschaft und die Welt so beschrieben, wie sie sein m\u00fcsste, damit sie sie ver\u00e4ndern k\u00f6nnen: mit klaren Unterscheidungen zwischen richtig und falsch, Gut und B\u00f6se, Schuldigen und Rettern. Das war vergleichsweise komfortabel. In der Sp\u00e4tmoderne ist allerdings klar, dass die Diagnosen und Gesellschaftsbeschreibungen der (Nachhaltigkeits-)Soziologie falsch waren \u2013 oder zumindest unzureichend und nicht im intendierten Sinne transformativ. Die \u00f6ko-emanzipatorische Komfortzone wird damit zur Ideologie. Jetzt geh\u00f6rt es zu den Aufgaben und zur Bringschuld der kritischen Sozialwissenschaft, dass sie nicht mehr haltbare Sinnerz\u00e4hlungen, Theorieangebote und Transformationsans\u00e4tze klar als unhaltbar ausweist, auch wenn das ihre eigenen heiligen Basisprinzipien ins Wanken bringt. Dabei lohnt es sich, daran zu erinnern, dass der Niedergang der Demokratie und die Stabilit\u00e4t der Ordnung der Nicht-Nachhaltigkeit ihre Ursache nicht etwa in den Erkl\u00e4rungs- und Theorieangeboten der Soziologie haben, sondern darin, dass sich in der Sp\u00e4tmoderne die kulturellen und materiellen Bedingungen in einer Weise ver\u00e4ndert haben, dass hergebrachte Verst\u00e4ndnisse von Autonomie, Demokratie und Nachhaltigkeit ihre gesellschaftliche Resonanz und Anschlussf\u00e4higkeit verlieren, w\u00e4hrend sich neue Verst\u00e4ndnisse herausbilden. Bei der Soziologie der Sp\u00e4tmoderne und Unhaltbarkeit geht es also nicht darum, <i>anti<\/i>-\u00f6kologisch, <i>anti<\/i>-emanzipatorisch und <i>anti<\/i>-demokratisch zu sein \u2013 auch diese Kategorien zerfallen. Sondern es geht darum, die Ver\u00e4nderung vorherrschender Verst\u00e4ndnisse von Nachhaltigkeit, Emanzipation und Demokratie zu verstehen, aufzuzeigen, welche Implikationen diese Ver\u00e4nderungen in der Praxis haben, und dabei die Voraussetzungen f\u00fcr neue Transformationsprojekte auszuloten. Denn die Soziologie der Unhaltbarkeit ist nicht nur eine Soziologie des Zerfalls, sondern auch eine des Neuen, das aus diesem Zerfall hervorgeht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bezugnehmend auf den Terroranschlag der Hamas im Oktober 2023 sagte Judith Butler: \u201eHistorisch zu verstehen, warum es zu dieser Gewalt kam, ist nicht gleichbedeutend mit der Billigung von Gewalt. Eine Geschichte darzustellen und ein moralisches Urteil zu f\u00e4llen, ist nicht dasselbe\u201c (Butler 2023). Unabh\u00e4ngig davon, wie man generell zu Butlers Aussagen \u00fcber den Gaza-Konflikt und die Hamas steht und ob diese wirklich nur vom Verstehen-Wollen gepr\u00e4gt sind, l\u00e4sst sich die zitierte Aussage uneingeschr\u00e4nkt auf die Soziologie der Unhaltbarkeit \u00fcbertragen: Historisch zu verstehen, warum es zur nachhaltigen Nicht-Nachhaltigkeit, zur autokratisch-autorit\u00e4ren Wende und zur <i>dritten Moderne<\/i> gekommen ist, ist nicht gleichbedeutend mit der Billigung oder gar moralischen Rechtfertigung des Ergebnisses. Und Butler f\u00e4hrt fort: \u201eIch denke, dass die Philosophie eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung der Voraussetzungen politischer und moralischer Argumentationsformen spielt, und dass wir alle die Pflicht haben, Ansichten zu vertreten, die auf nachweisbarem Wissen beruhen\u201c. Auch diese Aussage l\u00e4sst sich auf den sozial-\u00f6kologischen Kontext \u00fcbertragen: Ich denke, dass die Soziologie eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung der Voraussetzungen politischer und moralischer Argumentationsformen spielt, und dass Soziolog*innen und Nachhaltigkeitsforscher*innen die Pflicht haben, Ansichten zu vertreten, die ihre Annahmen und Voraussetzungen transparent machen und kritisch \u00fcberpr\u00fcfen. Nur so lassen sich die Voraussetzungen f\u00fcr neue normativ attraktive und politisch transformative Ideen schaffen. Die Glaubenss\u00e4tze und <i>heiligen Basisprinzipien<\/i> der liberalen Moderne legitimieren sich nicht aus einer transzendentalen Vernunft, sondern sind unter ganz bestimmten historischen Bedingungen entstanden, von denen ihre G\u00fcltigkeit und Haltbarkeit abh\u00e4ngen. Wenn diese Bedingungen zerfallen, und insbesondere, wenn die emanzipatorische Logik selbst eine Ursache daf\u00fcr ist, sind auch diese Ideale nicht mehr haltbar. Angesichts der fundamentalen Verunsicherung, die das bedeutet, ist es freilich kaum verwunderlich, dass (sich) in der Sp\u00e4tmoderne die verschiedensten gesellschaftlichen Akteure fanatisch an angeblich sicheren Werten und kategorischen Imperativen festhalten, die ihr eigenes Selbstverst\u00e4ndnis und ihre Welt stabilisieren, und dabei alles andere als radikal, extremistisch und totalit\u00e4r zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof <\/strong><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Ingolfur Bl\u00fchdorn<\/strong> ist Professor f\u00fcr soziale Nachhaltigkeit und Leiter des Instituts f\u00fcr Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit (IGN) an der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gesellschaftswandel, Nachhaltigkeit, soziale Bewegungen, emanzipatorische Politik sowie Gesellschafts- und Demokratietheorie. Zuletzt von ihm erschienen: Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp, Berlin 2024.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Amlinger, C.\/Nachtwey, O.<\/em> 2023: Gekr\u00e4nkte Freiheit. Aspekte des libert\u00e4ren Autoritarismus, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bauman, Z<\/em>. 2017: Retrotopia, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.<\/em> 1986: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.<\/em> 1993: Die Erfindung des Politischen, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.<\/em> 2017: Die Metamorphose der Welt, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2013: Simulative Demokratie. Neue Politik nach der postdemokratischen Wende, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2020a: Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die \u00f6kologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet. Mit Beitr\u00e4gen von F. Butzlaff, M. Deflorian, D. Hausknost und M. Mock, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I<\/em>. 2020b: \u201eDie Gesellschaft der Nichtnachhaltigkeit: Skizze einer umweltsoziologischen Gegenwartsdiagnose\u201c, in ders.: <em>Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit<\/em>, Bielefeld, S. 83-160.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2020c: The legitimation crisis of democracy: Emancipatory politics, the environmental state and the glass ceiling to socio-ecological transformation, in: <em>Environmental Politics<\/em>, Jg. 29, H. 1, S. 38-57.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2020d: Demokratie der Nicht-Nachhaltigkeit: Begehung eines umweltsoziologischen Minenfeldes, in ders.: <em>Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit<\/em>, Bielefeld, S. 303-343.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2022a: Planetary boundaries, societal boundaries, and collective self-limitation: Moving beyond the post-Marxist comfort zone, in: <em>Sustainability: Science, Practice, and Policy<\/em>, Jg. 18, H. 1, S. 576-589.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2022b: Sustainability: Buying time for consumer capitalism, in: Pellizzoni, L.\/Leonardi, E\/Asara, V. (Hrsg.): <em>Handbook of Critical Environmental Politics<\/em>, Cheltenham, S. 141-155.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2023: Recreational experientialism at the abyss: Rethinking the sustainability crisis and experimental politics, in: <em>Sustainability: Science, Practice, and Policy<\/em>, Jg. 19, H. 1, S. 46-60.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2024: Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Boltanski, L.\/Chiapello, E.<\/em> 2003: Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brand, K. W.\/B\u00fcsser, D.\/Rucht, D.<\/em> 1983: Aufbruch in eine andere Gesellschaft. Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brand, U.\/Wissen, M.<\/em> 2024: Kapitalismus am Limit. \u00d6ko-imperiale Spannungen, umk\u00e4mpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brand, U. et al.<\/em> 2021: From planetary to societal boundaries: an argument for collectively defined self-limitation, in: <em>Sustainability: Science, Practice and Policy<\/em>, Jg. 17, H. 1, S. 265\u2013292.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Butler, J.<\/em> 2023: Philosophin Judith Butler im Interview \u00fcber Israel und Hamas, in: <em>Frankfurter Rundschau<\/em> vom 17.11.2023.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Diekmann, A.<\/em> 2024: Klimawandel \u2013 Kein Thema f\u00fcr die Soziologie?, in: <em>Zeitschrift f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 53, H. 1, S. 3-7.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Eppler, E.<\/em> 1975: Ende oder Wende. Von der Machbarkeit des Notwendigen, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Folkers, M.\/Paech, N.<\/em> 2020: All you need is less. Eine Kultur des Genug aus \u00f6konomischer und buddhistischer Sicht, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fraser, N.\/Jaeggi, R.<\/em> 2020: Kapitalismus. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Kritische Theorie, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fraser, N.\/Monticelli, L.<\/em> 2021: Progressive Neoliberalism isn\u2019t the solution. We need a radical counter-hegemonic and anti-capitalist alliance. A conversation with Nancy Fraser, in: <em>Emancipations: A Journal of Critical Social Analysis<\/em>, Jg. 1, H. 1.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>G\u00f6pel, M.<\/em> 2022: Wir k\u00f6nnen auch anders. Aufbruch in die Welt von morgen, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hartmann, M.<\/em> 2024: \u201eNachhaltige Nichtnachhaltigkeit\u201c, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 14.05.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Herrmann, U. <\/em>2022: Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind \u2013 und wie wir in Zukunft leben werden, K\u00f6ln.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Inglehart, R. <\/em>1977: The Silent Revolution. Changing Values and Political Styles among Western Publics, Princeton.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jackson, T.<\/em> 2021: Wie wollen wir leben? Wege aus dem Wachstumswahn, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>J\u00e4ger, A.<\/em> 2023: Hyperpolitik. Extreme Politisierung ohne politische Folgen, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kaase, M.<\/em> 1982: Partizipatorische Revolution \u2013 Ende der Parteien?, in: Raschke, J. (Hrsg.): <em>B\u00fcrger und Parteien: Ansichten und Analysen einer schwierigen Beziehung<\/em>, Bonn, S. 173-189.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kielmansegg, P.<\/em> 2023: Die Macht der Minderheit, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 25.09.2023.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Manow, P<\/em>. 2020: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nachtwey, O.<\/em> 2016: Die Abstiegsgesellschaft. \u00dcber das Aufbegehren in der regressiven Moderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nassehi, A. <\/em>2021: Unbehagen. Theorie der \u00fcberforderten Gesellschaft, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Neckel, S. et al<\/em>. 2018: Die Gesellschaft der Nachhaltigkeit, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Radtke, J.\/Renn, O.<\/em> 2022: \u201eQuo vadis, Deutschland? Stand und Perspektiven der Nachhaltigkeitspolitik\u201c, in: Zilles, J.\/Drewing, E.\/Janik, J. (Hrsg.): <em>Umk\u00e4mpfte Zukunft. Zum Verh\u00e4ltnis von Nachhaltigkeit, Demokratie und Konflikt<\/em>, Bielefeld, S. 33-62.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2017: Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2019: Das Ende der Illusionen. Politik, \u00d6kokomie und Kultur in der Sp\u00e4tmoderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.\/Rosa, H.<\/em> 2021: Sp\u00e4tmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie? Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rockstr\u00f6m, J. et al.<\/em> 2009: A Safe Operating Space for Humanity, in: <em>Nature<\/em>, Nr. 461, S. 472\u2013475.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>R\u00f6dder, A.<\/em> 2024: Das Ende der gr\u00fcnen Hegemonie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07.01.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sch\u00e4fer, A.\/Z\u00fcrn, M<\/em>. 2021: Die demokratische Regression, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Selk, V.<\/em> 2024: Demokratied\u00e4mmerung. Eine Kritik der Demokratietheorie, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Staab, P.<\/em> 2022: Anpassung. Leitmotiv der n\u00e4chsten Gesellschaft, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wagenknecht, S. <\/em>2022: Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm \u2013 f\u00fcr Gemeinsinn und Zusammenhalt, Frankfurt am Main.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Der Beitrag vertieft Grundgedanken aus <i>Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne<\/i> (Bl\u00fchdorn 2024).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Vgl. zu ehrlichen Preisen auch den Beitrag von Andreas Sanders in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Vgl. hierzu auch den Beitrag von Niko Paech in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Vgl. dazu ausf\u00fchrlicher Bl\u00fchdorn 2024: 253ff.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Vgl. zur Dialektik der liberalen Demokratie auch den Beitrag von Philip Dingeldey in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":19441,"template":"","categories":[2949,2976,47],"tags":[3165,3241,3397,3696,3164,3700,3385,3701,3697,3108,3699,3698,667],"autoren":[2203],"publikationen":[3668],"class_list":["post-19464","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-corona","category-klima","category-lebensweisen-pluralismus","tag-klima","tag-klimaaktivismus","tag-klimagerechtigkeit","tag-klimakatstrophe","tag-klimawandel","tag-moderne","tag-nachhaltigkeit","tag-neue-soziale-bewegung","tag-nichtnachhaltigkeit","tag-sozialtheorie","tag-soziologie","tag-unhaltbarkeit","tag-vorgaenge-artikel","autoren-ingolfur-bluehdorn","publikationen-vorg-245"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Soziologische Zeitenwende: Aufbruch aus der \u00f6ko-emanzipatorischen Komfortzone - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/soziologische-zeitenwende-aufbruch-aus-der-oeko-emanzipatorischen-komfortzone\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Soziologische Zeitenwende: Aufbruch aus der \u00f6ko-emanzipatorischen Komfortzone - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Sind Degrowth, Postkapitalismus oder kollektive Selbstbegrenzung noch transformative Leitbegriffe? 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