{"id":19466,"date":"2024-08-21T12:15:55","date_gmt":"2024-08-21T10:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19466"},"modified":"2026-09-28T14:42:19","modified_gmt":"2026-09-28T12:42:19","slug":"nachhaltigkeit-und-kuenstliche-intelligenz-das-irrationale-autonome-subjekt-sitzt-mit-am-tisch","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/nachhaltigkeit-und-kuenstliche-intelligenz-das-irrationale-autonome-subjekt-sitzt-mit-am-tisch\/","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit und k\u00fcnstliche Intelligenz: Das irrationale (autonome) Subjekt sitzt mit am Tisch"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-teaser-western\"><em>Ende 2019 proklamierte die Europ\u00e4ische Kommission im Rahmen ihres neuen europ\u00e4ischen Green Deals eine sogenannte duale Transformation und betonte, dass die Bem\u00fchungen zur Dekarbonisierung und Digitalisierung Europas Hand in Hand gehen m\u00fcssen. Doch was machen Dekarbonisierung und Digitalisierung mit dem autonomen Subjekt? Eine Reihe an Autor*innen diagnostizieren, dass das autonome Subjekt, im kantischen Sinne als vern\u00fcnftig verstanden, seine beste Zeit hinter sich hat oder gar anachronistisch ist. Ein tats\u00e4chlich vern\u00fcnftiges autonomes Subjekt war jedoch, so Sarah Kessler, von jeher eine Schim\u00e4re \u2013 deshalb ist auch die Diagnose des Anachronistischwerdens fehlgeleitet. In ihrem Beitrag geht Kessler der Verbindung aus k\u00fcnstlicher Intelligenz und der Bestrebung nach sozial-\u00f6kologischer Nachhaltigkeit nach und versucht dabei, ein realistisches Subjektverst\u00e4ndnis anzubieten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"1-intro\">1. Intro<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In der Ausgabe Nummer 242 der <b>vor<\/b><i>g\u00e4nge<\/i> zum Schwerpunktthema k\u00fcnstliche Intelligenz (KI) haben Werner Koep-Kerstin und Philip Dingeldey ein Interview mit ChatGPT gef\u00fchrt. Darin haben sie den Chatbot auch zum Verh\u00e4ltnis zwischen KI und Nachhaltigkeit befragt. Mit diesem Verh\u00e4ltnis besch\u00e4ftigt sich der vorliegende Beitrag. Genauer gesagt behandelt er die auf das sp\u00e4tmoderne Subjekt einwirkende Wechselwirkung der beiden jeweils mit der KI und der Nachhaltigkeit in Zusammenhang gebrachten \u201egro\u00dfen gesellschaftlichen Transformationen\u201c \u2013 also der erhofften Dekarbonisierung und Digitalisierung der Gesellschaft. Hier ein kurzer Ausschnitt des \u201eDialogs\u201c zwischen Mensch(en) und Maschine:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDas hei\u00dft, ChatGPT ist sch\u00e4dlich f\u00fcr das Klima?<\/p>\n<\/blockquote>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>ChatGPT an sich ist nicht sch\u00e4dlich f\u00fcr das Klima, da es eine Software ist und keine direkte Auswirkung die Umwelt hat. Allerdings erfordert die Nutzung von ChatGPT eine bestimmte Menge an Energie und Ressourcen, insbesondere wenn es auf gro\u00dfen Servern betrieben wird. Dieser Energieverbrauch kann sich auf die Umwelt auswirken, indem er CO2-Emissionen verursacht, je nachdem, wie die Energie erzeugt wird. Es liegt jedoch auch an den Betreibern und Entwicklern, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um diesen Energieverbrauch zu minimieren und nachhaltigere L\u00f6sungen zu finden.\u201c (Koep-Kerstin\/Dingeldey 2023: 119)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Besonders relevant f\u00fcr meine \u00dcberlegungen ist dieser letzte Satz. Der Chatbot weist die eigene Responsibilisierung zur\u00fcck und scheint die Verantwortung f\u00fcr die CO2-Emissionen stattdessen aufzuteilen und sie so teils der Technologienutzung und teils \u201eden Betreibern und Entwicklern\u201c zuzuschreiben. In der Philosophie wird seit jeher dieser Zusammenhang zwischen <i>Verantwortung<\/i> und <i>Autonomie<\/i> diskutiert. Verantwortung kann nur tragen, wer autonom entscheidet. Wenn auch unterschiedliche ethische Traditionen dieses Verh\u00e4ltnis unterschiedlich zentral setzen, ist gerade im westlich modernen Verst\u00e4ndnis<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> dieser Zusammenhang prominent verankert: <i>Wer die Wahl hat, hat die Verantwortung<\/i>. Das bedeutet, nur wer in der Lage ist, zwischen verschiedenen Optionen autonom zu entscheiden, dem kann die Verantwortung attestiert werden. Ergibt es dann Sinn zu fragen, ob der Chatbot klimasch\u00e4dlich ist? Entscheidet er autonom? Was bedeutet \u00fcberhaupt autonom? \u201e[F]u\u0308r Kant [ist] ein autonomes Leben nur durch von der <i>Vernunft<\/i> geleitete Gesetze und Regeln denkbar\u201c (Lindenau\/Kressig 2023: 9; meine Herv.). Beschert die KI der Rationalit\u00e4t, mit der wir Entscheidungen treffen, eine neue Qualit\u00e4t? Tr\u00e4gt der Chatbot jetzt die Autonomie in unserer Gesellschaft? Die Debatte um KI kreist st\u00e4ndig um die Frage, ob Maschinen im Begriff sind, die F\u00e4higkeit zur eigenen Zielsetzung zu entwickeln (<i>artificial general intelligence<\/i> \u2013 AGI) und vor allem, was derzeitige technologische Entwicklungen f\u00fcr einen Einfluss auf die menschliche Autonomie haben.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Wer die Wahl hat, hat die Verantwortung.<\/i> Diesen Satz habe ich auch im Fr\u00fchjahr 2019 kurz vor der damaligen Europawahl auf einem Plakat bei einer der ersten Fridays-for-Future-Demonstrationen in M\u00fcnchen gelesen. Die Wahl zu haben setzt weiterhin voraus, dass man \u00fcber die Alternativen informiert ist, dass man \u00fcber Wissen zu unterschiedlichen Parteiprogrammen und deren Positionierungen zu Nachhaltigkeitsaspekten verf\u00fcgt und \u00fcber das Wissen, welche politischen Ma\u00dfnahmen als wirksam zu werten sind und welche wom\u00f6glich eher propagiert werden, um den \u00f6kologischen Schein zu waren. Um in Bezug auf die Klimafrage <i>vern\u00fcnftig<\/i> abw\u00e4gen zu k\u00f6nnen, ist Klimawissen unumg\u00e4nglich. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Vernunft, Autonomie und Verantwortung ist f\u00fcr beide erhoffte und politisch geforderte gro\u00dfe Transformationen, um die es hier indirekt gehen soll, sowohl f\u00fcr die Dekarbonisierung als auch die Digitalisierung, entscheidend.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Um Transformationen beleuchten zu k\u00f6nnen, muss man sich sowohl die Ausgangslage als auch die Gegenw\u00e4rtigkeit ansehen. Meadows et al. diagnostizierten bereits 1972 die<i> Limits to Growth<\/i>, weshalb ich, beginnend mit der \u00f6kologischen Frage, beim emanzipatorischen und \u00f6kologisch motivierten Aufbruchsgedanken der Neuen Sozialen Bewegungen der 1970ger Jahre ansetze. Hier diskutiere ich zun\u00e4chst die Annahme, dass Autonomie, im Sinne Immanuel Kants auf individueller Vernunft basierend, im Laufe der <i>trente glorieuse<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a><\/i> durch fl\u00e4chendeckende Individualisierung und die daraus geborenen emanzipatorischen Neuen Sozialen Bewegungen zum <i>defining feature<\/i> der westlichen Moderne wurde.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Seither stach jedoch vor allem die dialektisch gewordene Qualit\u00e4t der Autonomie ins Auge \u2013 wir sahen \u201eeher \u201aersch\u00f6pfte\u2018 als autonome Subjekte\u201c (Rosa 2010: 200). Und mehr noch: \u201eDie neuen Technologien des einundzwanzigsten Jahrhunderts k\u00f6nnten [\u2026] die humanistische Revolution umkehren, indem sie die Menschen ihrer Autorit\u00e4t berauben und stattdessen nicht-menschliche Algorithmen erm\u00e4chtigen\u201c (Harari 2017). Heute wiederum, 300 Jahre nach Kant, beobachten wir also sogar vermehrt Diagnosen \u00fcber \u201edas Ende des autonomen Subjekts\u201c (Block\/Dickel 2020: 110). Diese Diagnose will der vorliegende Aufsatz jedoch anzweifeln.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Um diese Diagnose zu widerlegen, gehe ich folgenderma\u00dfen vor: Der n\u00e4chste Abschnitt (Abschnitt 2) beleuchtet zun\u00e4chst noch etwas genauer die in der Soziologie viel debattierten Metamorphosen des autonomen Subjekts unter Bezugnahme auf das thematisierte Dreierverh\u00e4ltnis zwischen Vernunft, Autonomie und Verantwortung. Abschnitt 3 bespricht das autonome Subjekt im Zuge der \u00f6kologischen Frage. Er diskutiert die Diagnose der vermeintlichen Hegemonie der das autonome Subjekt auszeichnenden \u00f6kologischen Vernunft und Verantwortung in den (sp\u00e4ten) 1970er Jahren. Daraufhin besch\u00e4ftigt sich Abschnitt 4 mit dem Einfluss der KI auf das autonome Subjekt. Anhand von Hartmut Rosas Resonanzkonzept diskutiert er die These, dass Selbiges jetzt in der Sp\u00e4tmoderne im Begriff ist, besonders aufgrund der momentanen Proliferation der KI, anachronistisch zu werden. Abschnitt 5 res\u00fcmiert, dass die These des Anachronistischwerdens des autonomen Subjekts auf einer zutiefst unvollst\u00e4ndigen Konzeptionalisierung von Letzteren beruht. Versteht man das autonome Subjekt jedoch als kontingent und resonant, ist sie nicht plausibel. Das autonome Subjekt wird weder durch die fortdauernde Nicht-Nachhaltigkeit und das Ausbleiben ihrer allerorts geforderten Transformation, noch durch die die digitale Revolution revolutionierende KI anachronistisch.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"2-vernunft-als-vorbedingung-von-autonomie\">2. Vernunft als Vorbe&shy;din&shy;gung von Autonomie?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Um die Proklamation des vermeintlichen Endes des autonomen Subjekts in der Sp\u00e4tmoderne bewerten zu k\u00f6nnen, gilt es zun\u00e4chst, seine bisherige Erfolgsgeschichte nachzuerz\u00e4hlen. In Kants Verst\u00e4ndnis ist Autonomie durch Vernunft gegeben, f\u00fcr Kant ist Vernunft also Vorbedingung von Autonomie:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eAutonomie [ist die] Tauglichkeit der Maxime eines jeden guten Willens, sich selbst zum allgemeinen Gesetze zu machen, ist selbst das alleinige Gesetz, das sich der Wille eines jeden vern\u00fcnftigen Wesens selbst auferlegt, ohne irgend eine Triebfeder und Interesse derselben als Grund unterzulegen.\u201c (Kant 1798: 95)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Obwohl es in Kants Verst\u00e4ndnis neben der Vernunft weitere Faktoren gibt, die menschliches Handeln bestimmen, n\u00e4mlich <i>Neigungen<\/i>, die \u201eauf dem Gef\u00fchl der Lust und Unlust beruhen\u201c und den Menschen dadurch nur zu einem <i>teilvern\u00fcnftigen<\/i> Wesen machen, sind diese jedoch nicht als Teil der menschlichen Autonomie gedacht, sondern vielmehr als St\u00f6rfaktor. Kant versteht den Menschen als autonom, da er sich aus Vernunft <i>gen\u00f6tigt<\/i> sieht, sich einer subjektiven Neigung zu widersetzen und stattdessen autonom dem kategorischen Imperativ folgt \u2013 also seine Handlungsprinzipien selbst ableitet:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eAlle Gegenst\u00e4nde der Neigungen haben nur einen bedingten Werth; denn, wenn die Neigungen und darauf gegr\u00fcndeten Bed\u00fcrfnisse nicht w\u00e4ren, so w\u00fcrde ihr Gegenstand ohne Werth sein. Die Neigungen selber aber, als Quellen der Bed\u00fcrfnis, haben so wenig einen absoluten Werth, um sie selbst zu w\u00fcnschen, da\u00df vielmehr g\u00e4nzlich davon frei zu sein, der allgemein Wunsch eines jeden vern\u00fcnftigen Wesens sein muss.\u201c (Kant 1798: 64f.)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Urspr\u00fcnglich war diese Befreiung von affektiven, irrationalen oder religi\u00f6s bestimmten <i>Neigungen<\/i> und die Besinnung auf die jedem Menschen innewohnende, eigene Vernunft ein enormer emanzipatorischer Gewinn. Diese Kant\u2019sche Norm der Autonomie erlebte jedoch erst in den 1970er Jahren ihre wirkliche <i>time to shine<\/i>: \u201eAutonomie war nun keine emanzipatorische Zielsetzung mehr, sondern Tagesordnung\u201c (Kalke 2024). Das <i>autonome Subjekt<\/i>, das <i>defining feature<\/i> des Projekts der Moderne schlechthin, emanzipierte sich also zunehmend aus den restriktiven Sicherheiten von Tradition und Zugeh\u00f6rigkeit und wurde im Laufe der <i>trente glorieuse<\/i> fl\u00e4chendeckend hegemonial, so lautet gemeinhin die Annahme (vgl. Rosa 2010; Staab 2022; Bl\u00fchdorn 2020; 2024). Allen voran hat Ulrich Beck (1986) beschrieben, wie sich die transformativen, emanzipatorischen Neuen Sozialen Bewegungen als Antwort auf die fundamental neuartigen Herausforderungen der modernen globalen Weltordnung auf Kants Appell <i>sapere aude<\/i> r\u00fcckbesinnt und somit Kants Hommage an die menschliche Vernunft in eine <i>reflexive Vernunft<\/i> und Notwendigkeit zur \u00dcbernahme von (\u00f6kologischer) Verantwortung \u00fcbersetzt haben (vgl. auch Blanke 1986: 416).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Kommen wir nun zur Sp\u00e4tmoderne: <i>Wer die Wahl hat, hat die Verantwortung<\/i> \u2013 dieser Satz hat weiterhin eine f\u00fcr unsere <i>sp\u00e4tmoderne Situation<\/i> zentrale sowie konstituierende Bedeutung und weist nicht zuletzt auf das sogenannte <i>Paradox of Choice<\/i> hin: Dass dies aber nicht ausschlie\u00dflich ein emanzipatorischer Gewinn, sondern im besten Fall ein zweischneidiges Schwert, im schlechtesten einen Pakt mit dem Teufel darstellt, steckt schon im Wort <i>Paradox<\/i><i>on<\/i>. Es gilt nicht nur: Wer die Wahl hat, hat die Verantwortung \u2013 obendrein haben wir auch noch die<i> Qual der Wahl<\/i>: Wer die Wahl hat, hat nicht nur die Verantwortung f\u00fcr die Informationsbeschaffung zur rationalen Abw\u00e4gung der Alternativen, sondern auch noch die Verantwortung, ja sogar die Schuld, f\u00fcr <i>das Verpassen<\/i> der ausgeschlagenen Alternativen. Und hier ist es ganz egal, mit wie viel Vernunft sich das Subjekt das Hirn beim Abw\u00e4gen der Alternativen zermartert hat.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese charakteristisch dialektische Interpretation der Entwicklung der westlichen Moderne, die ihre Wurzeln in der kritischen Theorie Max Horkheimers und Theodor W. Adornos hat und in Schriften wie Hans Jonas\u2019 <i>Das Prinzip Verantwortung<\/i> (1979) oder Robert Jungks <i>Der Atomstaat<\/i> (1977) Anwendung findet, scheint sich heute noch st\u00e4rker zu best\u00e4tigen. Nat\u00fcrlich betrifft diese Entwicklung auch die Autonomie als Leitnorm. So unterstreicht beispielsweise Rosa das Verblassen des prophezeiten Freiheitsgewinns als Teil der abnehmenden Verhei\u00dfungsqualit\u00e4t des Autonomieversprechens, w\u00e4hrend er auf der anderen Seite betont, dass es gleichzeitig in vielerlei Hinsicht so scheint als habe \u201edie sp\u00e4tmoderne Gegenwartsgesellschaft [\u2026] dieses [Autonomie-]Versprechen [\u2026] in historisch einmaliger Weise eingel\u00f6st [\u2026]: Subjekte k\u00f6nnen ihren Beruf, ihren Wohnort, ihren Lebensstil, ihre Religion, ja sogar ihren Stromanbieter, ihren Handytarif und ihre Krankenversicherung, an den \u00e4u\u00dfersten Grenzen sogar ihr Geschlecht und ihren K\u00f6rper, im Rahmen der M\u00f6glichkeiten \u201afrei\u2018 w\u00e4hlen\u201c (Rosa 2010: 200).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Seit Neuestem sind diverse Autor*innen jedoch der \u00dcberzeugung, dass das charakteristisch moderne Verst\u00e4ndnis von Autonomie in der Sp\u00e4tmoderne nicht mehr nur als ambivalent zu bewerten ist, sondern dass es zunehmend in G\u00e4nze verdr\u00e4ngt wird. Es ist also nicht mehr nur von einer Dialektik der Autonomie die Rede, sondern vielerorts sogar von ihrer Abschaffung: Philipp Staab (2022: 32) zufolge stellt die sp\u00e4tmoderne Gesellschaft momentan von einem Credo der Selbstentfaltung auf ein Leitmotiv der Selbsterhaltung um. So sei \u201edie beobachtbare Demontage der Autonomie eine empirische Realit\u00e4t\u201c, wie auch Katharina Block und Sascha Dickel (2020: 109; zit. &amp; \u00fcbers. n. Bl\u00fchdorn 2024: 20) proklamieren. All diesen Autor*innen ist gemein, dass sie diese neueste Metamorphose der Autonomie mit der sich rasant entfaltenden Proliferation der KI in Verbindung bringen: So wertet Shoshana Zuboff (2019) die KI mit ihrer F\u00e4higkeit des Datenscrapings und -analysierens sowie ihren darauf aufbauenden M\u00f6glichkeiten der Vorhersage, Zuschneidung und Manipulation von Nutzer*innen als fundamentale Bedrohung f\u00fcr die menschliche Autonomie und Selbstbestimmung. Block und Dickel (2020: 110) schreiben zudem, dass \u201eim Rahmen eines in gesellschaftlichen Diskursen imaginierten und durch konkrete technische Installation vorangetriebenen Konzeptes einer algorithmisch gesteuerten Gesellschaft [\u2026] die Idee eines humanistischen Subjekts als prim\u00e4ren Quells sozialer Ordnung zunehmend anachronistisch [erscheint]\u201c. Und Ingolfur Bl\u00fchdorn (2024: 150) f\u00fcgt hinzu: \u201eDie digitale Revolution vollendet gewisserma\u00dfen die Abl\u00f6sung des autonomen Subjekts als der modernistischen Zentralnorm\u201c.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"3-die-unzulaenglichkeit-vernunftbasierter-autonomie-fuer-nachhaltigkeitsbestrebungen\">3. Die Unzul&auml;ng&shy;lich&shy;keit Vernunft&shy;ba&shy;sierter Autonomie f&uuml;r Nachhal&shy;tig&shy;keits&shy;be&shy;stre&shy;bungen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ist diese Erz\u00e4hlung plausibel, dass das moderne, durch Vernunft ausgezeichnete, autonome Subjekt zu Zeiten der Neuen Sozialen Bewegungen breit gefordert wurde und diese Forderung heute anachronistisch wird? Wie oben beschrieben basiert Kants Autonomieverst\u00e4ndnis auf universellen Prinzipien, die durch den Einsatz von Vernunft synthetisiert werden. Um jedoch bei solchen <i>allgemeing\u00fcltigen<\/i> Prinzipien herauszukommen, muss das Kollektiv von vornherein mitgedacht werden \u2013 die Anderen sind im kategorischen Imperativ impliziert, er ist <i>relational<\/i>. Was aber nicht mehr mitgedacht wurde, ist, dass das Relationale nicht ausschlie\u00dflich (oder vorrangig) als rational zu verstehen ist: Was hier also fehlt, ist das dem Relationalen innewohnende Nichtrationale, das Irrationale, das Unbegr\u00fcndbare, das Ungreifbare, das Unsichtbare, das Un(ter)bewusste, das Emotionale und Kulturelle.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aber genau darin verbirgt sich das bisher \u00fcberall verzweifelt gesuchte Puzzleteil, das das Paradox der <i>nachhaltigen Nicht-Nachhaltigkeit<\/i> (vgl. Bl\u00fchdorn et al. 2020) aufl\u00f6sen kann<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a>. Dieses oft identifizierte Paradox, die viel zitierte <i>value-action-gap<\/i> (vgl. Blake 1999), liegt n\u00e4mlich genau in \u201e[der] Gleichzeitigkeit eines nie dagewesenen Wissensstandes \u00fcber \u2013 und \u00f6ffentlichen Bewusstseins von \u2013 \u00f6kologische(n) und klimatische(n) Ver\u00e4nderungen, ihre(n) Ursachen und ihre(n) Auswirkungen einerseits und der entschiedenen Verteidigung von Strukturen und Lebensweisen andererseits, die bekannterma\u00dfen \u00f6kologisch und sozial zerst\u00f6rerisch sind\u201c (Bl\u00fchdorn 2020: 66). <i>Die Aufl\u00f6sung verbirgt sich in der Einsicht, dass das Appellieren an \u00f6kologische Vernunft auf Basis von rationalen, faktenbasierten wissenschaftlichen Erkenntnissen schon seit jeher zum Scheitern verurteilt ist, auch bereits zu Zeiten der Neuen Sozialen Bewegungen.<\/i> Denn wie Gergen (1985: 270) schreibt, ist \u201eWissen [\u2026] nicht etwas, das die Menschen in ihren K\u00f6pfen haben, sondern etwas, das die Menschen gemeinsam tun\u201c. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind zwar essenziell f\u00fcr den Umgang mit \u00f6kologischen Herausforderungen \u2013 der Trugschluss liegt aber in der Annahme, dass sie (fast) alles sind, worauf es ankommt. Hier schreibt Dan Sarewitz (2017): \u201e[U]nsere Erwartungen an die aufkl\u00e4rerischen Ideale der angewandten Rationalit\u00e4t sind selbst irrational. Wir verlangen von der Wissenschaft das Unm\u00f6gliche: Ein wissenschaftlich koh\u00e4rentes und politisch vereinheitlichendes Verst\u00e4ndnis von Problemen zu finden, die von Natur aus offen, unbestimmt und umstritten sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Autonomie also rein oder auch nur haupts\u00e4chlich auf Vernunft basierend zu verstehen, ist daher reduktionistisch und in vielerlei Hinsicht fatal. Die Vernunftannahme (und mit ihr die Autonomieannahme im aufkl\u00e4rerischen Verst\u00e4ndnis) wird n\u00e4mlich schon allein davon untergraben, dass Menschen tats\u00e4chlich oft v\u00f6llig <i>irrational<\/i> handeln, was jedoch aufgrund der Zentralit\u00e4t und des Stellenwerts des Rationalit\u00e4tsanspruchs in moderner Politik und Wirtschaft gerne \u00fcbersehen wird. John Maynard Keynes ([1936] 2018) war nach der Wirtschaftskrise der 1920ger Jahre bereits \u00fcberzeugt, dass aufgrund omnipr\u00e4senter <i>Unsicherheit<\/i> vernunftbasiertes Abw\u00e4gen \u00fcbersch\u00e4tzt wird. Keynes folgt hier David Hume, der wiederum 1748 erkannte, dass wir, da wir nicht deduktiv bestimmen k\u00f6nnen, was wir nicht erleben, auf \u201eGewohnheit oder einen gewissen Instinkt unserer Natur [&#8230;] zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen \u2013 Gewohnheit [&#8230;] ist der gro\u00dfe Lotse menschlichen Lebens\u201c (Hume 1748). Es scheint fast in allen Teilen der Gesellschaft fraglich, ob \u00f6kologische Vernunft jemals in der Lage sein wird, die der Nicht-Nachhaltigkeit zu Grunde liegenden, in der Gesellschaft tief verwurzelten Gewohnheiten der sp\u00e4tmodernen Subjekte zu durchbrechen. War das zu Zeiten der Neuen Sozialen Bewegungen grundlegend anders? Herrschte damals das regulative Ideal der \u00f6kologischen Vernunft? Hier folge ich Daniel Hausknost (2017) in der Interpretation, dass auch damals keine weit internalisierte \u00f6kologische Vernunft vorlag. Eher w\u00fcrde ich sagen, dass die der Industrialisierung entspringenden Gewohnheiten nicht-nachhaltigen Handelns weniger lange und weniger umfangreich in der Gesellschaft verankert waren als sie es heute sind.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Da wir heute aber nun im <i>Zeitalter der Unsicherheit<\/i> (Bauman 2015) leben, das mit seinen immer schneller aufeinanderfolgenden Multikrisen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit nach der anderen aushebelt, ist vernunftbasiertes Abw\u00e4gen sogar noch aussichtsloser geworden. Rosa (2013) schreibt in diesem Zusammenhang, dass die Beschleunigung der modernen Welt die Autonomie der Subjekte untergraben kann, indem sie sie dazu zwingt, sich den Anforderungen der beschleunigten Welt anzupassen, anstatt gem\u00e4\u00df ihren eigenen Werten und \u00dcberzeugungen zu handeln. Aber auch bereits zu Zeiten der Neuen Sozialen Bewegungen herrschte eine nie dagewesene, die damalige Situation erstmals charakterisierende Unsicherheit, die Beck \u00fcberhaupt erst zum Anlass f\u00fcr sein ber\u00fchmtes Buch <i>Die Risikogesellschaft<\/i> nahm. Rationales, vernunftbasiertes Handeln war bereits damals aufgrund der Neuartigkeit und vor allem neuerlichen Globalit\u00e4t der Risiken \u00e4hnlich heikel wie heute. Deshalb scheint es mir auch nicht plausibel, dass hier eine \u00f6kologische kollektive Vernunft \u00fcberhaupt gelten konnte, die das gute Leben f\u00fcr alle im Rahmen einer intakten Umwelt propagierte. Vielmehr waren die gr\u00f6\u00dftenteils lokalen \u00f6kologischen Gewinne damals politisch f\u00fcr die Aufrechterhaltung der staatlichen Legitimit\u00e4t notwendig, wie Hausknost (2017: 3) schreibt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bl\u00fchdorn sieht den \u201eGlaube[n] an unverhandelbare \u00f6kologische Imperative, \u00f6kologische Vernunft und Verantwortung\u201c als konstitutiv f\u00fcr die Hochzeit des \u00f6ko-emanzipatorischen Projekts der 1970er und 1980er Jahre. \u00d6kologische Vernunft ist jedoch viel komplexer, als es zun\u00e4chst scheint: Die Erdsystemwissenschaft \u2013 man k\u00f6nnte sagen: die <i>Ausgeburt rationaler Vernunft<\/i> \u2013 liefert solide Erkenntnisse zum sich beschleunigenden und \u00fcberall manifestierenden Klimawandel. Der Irrtum liegt jedoch in der Annahme, dass diese Erkenntnisse \u201enur noch\u201c in die Tat umgesetzt werden m\u00fcssen und es hier politisch und gesellschaftlich rein gar nichts mehr zu diskutieren gibt (vgl. Bl\u00fchdorn\/Kessler 2023). Es gibt in Wahrheit bei Fragen rund um Heizungsgesetz und Tempolimit allerhand zu diskutieren, auch wenn die dazugeh\u00f6rigen wissenschaftlichen Erkenntnisse eindeutig sein m\u00f6gen. Dass dieses \u201enaturalistische Missverst\u00e4ndnis\u201c (Beck 1988: 62), welches die Realit\u00e4t von gesellschaftlichen Begebenheiten und politischen Prozessen verkennt, von Beck bereits in den 1980er Jahren identifiziert wurde, deutet darauf hin, dass ein \u00f6kologischer Konsens auch damals nicht existierte. Auch damals machten sich solche Annahmen \u201edes Vergessens von Gesellschaft schuldig\u201c (Beck 1988: 68). Auch damals gab es kein fl\u00e4chendeckend internalisiertes Ideal hinsichtlich \u00f6kologischer Vernunft und Verantwortung, und auch damals existierten gegen\u00fcber der \u00f6kologischen Frage fundamental unterschiedliche gesellschaftliche Standpunkte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u00d6kologische Vernunft ist folglich, damals wie heute, als kulturell konstituiert<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> und damit fundamental <i>kontingent<\/i> zu verstehen (vgl. Haderer 2021: 184) \u2013 ihr Imperativ ist nur einer unter vielen, und er ist mitnichten unstrittig, weder damals noch heute (letzteres belegen aktuelle empirische Untersuchungen zur gesellschaftlichen klimakulturellen Diversit\u00e4t; vgl. Kessler\/Rau 2022; 2023; Kessler 2024). Au\u00dferdem treffen Menschen ihre Entscheidungen keineswegs haupts\u00e4chlich auf der Grundlage von rationalen Informationen \u2013 beispielsweise, weil einige davon nicht verf\u00fcgbar sind und es unm\u00f6glich ist, alle Informationen zu verarbeiten, bevor eine Entscheidung getroffen werden muss. Gerade bei der \u00f6kologischen Vernunft ist es au\u00dferdem besonders problematisch, dass man \u00e4u\u00dferst oft mit <i>widerspr\u00fcchlichen Informationen<\/i> konfrontiert ist \u2013 man denke nur an die ber\u00fchmte Biogurke, die aber in Plastik verpackt zum Verkauf angeboten wird. Mit der modernen Rationalit\u00e4t hat das sp\u00e4tmoderne Subjekt auch dar\u00fcber hinaus eine nicht eindeutige Beziehung \u2013 was es sich nicht gerne eingesteht: Man will als rational agierend, hinreichend wissenschaftlich bewandert und unemotional wahrgenommen werden und sich auf gar keinen Fall von irgendetwas \u201eframen\u201c \u2013 lies: emotional manipulieren \u2013 lassen (vgl. Kessler 2024: 217). Der fl\u00e4chendeckende (sp\u00e4t-)moderne Appell an die Vernunft tr\u00e4gt jedoch selbst signifikant zur Aufrechterhaltung der Nicht-Nachhaltigkeit bei. Bisher waren Verantwortungszuschreibungen an das Individuum, gr\u00fcner zu konsumieren, deswegen kaum erfolgreich, da sie nicht in der Lage waren, die Menschen <i>emotional<\/i> zu erreichen \u2013 eine Anforderung, die nicht nur die Zunft des Marketings, sondern auch die politische Neue Rechte schon lange erkannt und zu ihrem Vorteil genutzt haben.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zur menschlichen Rationalit\u00e4t l\u00e4sst sich zusammenfassend bisher Folgendes sagen: Sie ist weder immer das, worauf menschliches Handeln basiert, noch sollte man sich genau das w\u00fcnschen<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a>. Folglich ist es auch weder m\u00f6glich noch sinnvoll, menschliche Autonomie rein auf Basis von <i>vern\u00fcnftigem Abw\u00e4gen<\/i> zu konzipieren: \u201eEmotionen dienen als Klebstoff, der uns an Normen [und] die Aus\u00fcbung gesellschaftlich sanktionierter Rollen [&#8230;] bindet\u201c (Ford\/Norgaard 2019: 221). Vielleicht l\u00e4sst sich der mangelnde Fortschritt beim Klimaschutz viel besser durch Nicht-F\u00fchlen anstelle von Nicht-Wissen erkl\u00e4ren, da der Fokus auf \u00f6kologische Vernunft die Bedeutung der affektiven, emotionalen und auch <i>k\u00f6rperlichen<\/i> Aspekte des Wissens ignoriert (vgl. Lidskog et al. 2020). Es gilt, Wissen st\u00e4rker als <i>verk\u00f6rpert<\/i> (im Englischen <i>embodied<\/i>) und nicht nur als rein kognitiv und zerebral zu verstehen. So betont Silvia Gherardi (2008: 517) in diesem Zusammenhang:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eWissen ist nicht das, was im Kopf eines Menschen oder in B\u00fcchern oder Datenbanken steht. Wissen bedeutet, in der Lage zu sein, mit der erforderlichen Wissenskompetenz am komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Menschen, materiellen Artefakten und Aktivit\u00e4ten teilzunehmen. Aus dieser Definition folgt, dass Wissen in der Praxis immer eine praktische Leistung ist.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Menschliches Handeln basiert au\u00dferdem zu einem erheblichen Teil auf Gewohnheit oder auf der Notwendigkeit, im Angesicht fundamentaler Unsicherheit <i>irgendwie nach vorne zu fl\u00fcchten<\/i>, so dass wir manchmal, wenn wir \u201ealle Rechtfertigungen ersch\u00f6pft [&#8230;] und den Grundstein erreicht haben\u201c, vielleicht einfach Wittgenstein (1953: 72) folgen und akzeptieren m\u00fcssen, dass \u201edies einfach das ist, was ich tue\u201c. Vollst\u00e4ndig auf die Vernunft zu bauen, reduziert die Vernunft <i>ad absurdum<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a><\/i>, ist also bisweilen unvern\u00fcnftig. Manchmal ist es vern\u00fcnftig, irrational zu sein und einfach loszulegen, ohne jegliche Grundlage, denn es ist noch irrationaler, unt\u00e4tig zu bleiben, nur weil in manchen F\u00e4llen keine logische oder numerische Rechtfertigung geliefert werden kann. Wie k\u00f6nnten wir uns jemals zu etwas entschlie\u00dfen, wenn wir bei jeder Bewegung die Garantie br\u00e4uchten, dass dies auf jeden Fall das Beste ist, was wir tun k\u00f6nnen? Auch Keynes behauptete, dass die meisten allt\u00e4glichen Entscheidungen nicht von mathematischen oder gar vern\u00fcnftigen Berechnungen abh\u00e4ngen, sondern von unserem angeborenen \u201espontanen Drang zum Handeln statt zum Nichthandeln\u201c ([1936] 2018: 141). Vielleicht ist es also gar nicht so falsch, aus einer Laune heraus zu w\u00e4hlen oder aus dem Instinkt heraus zu handeln? Die n\u00fctzlichen Teile des unterbewussten Denkens sind vielleicht gerade durch nat\u00fcrliche Selektion erhalten geblieben.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auf Basis dieser \u00dcberlegungen scheint es mir nicht plausibel, der Zeit der Neuen Sozialen Bewegungen einen Autonomiebegriff zuzuordnen, der auf einer damals vermeintlichen Hegemonie der \u00f6kologischen Rationalit\u00e4t und Verantwortung basiert. Es gibt erstens nicht <i>die eine<\/i> \u00f6kologische Vernunft \u2013 was sich nicht nur durch immer wieder auftauchendes und zurecht irritierendes widerspr\u00fcchliches Wissen zeigt. Es zeigt sich auch durch die Tatsache, dass nicht nur diverse gesellschaftliche Gruppen eklatante klimakulturelle Unterschiede vorweisen, sondern wird auch darin deutlich, dass sogar unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen mit unterschiedlichen Rationalit\u00e4ten operieren \u2013 sie sprechen sozusagen unterschiedliche Sprachen und daher gerne aneinander vorbei. Zweitens, selbst wenn es eine \u00f6kologische Vernunft g\u00e4be, w\u00fcrde diese nicht zwangsl\u00e4ufig in entsprechendem Handeln resultieren (vgl. Kessler 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nun theoretisiert Bl\u00fchdorn, dass sich seit den Neuen Sozialen Bewegungen eine gesellschaftsweite <i>Emanzipation zweiter Ordnung<\/i> vollzogen hat, die im Abstreifen der Norm der vermeintlichen \u00f6kologischen Vernunft und Verantwortung besteht und so sp\u00e4tmoderne Autonomieanspr\u00fcche rekonfiguriert. Diese Theorie der Autonomierekonfiguration setzt jedoch voraus, dass Autonomieanspr\u00fcche \u00fcber den Aspekt der Vernunft hinausgehen beziehungsweise etwas anderes als diese enthalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Weiterhin ist aus meiner Sicht ein solches Verdr\u00e4ngen des spezifisch <i>modernen<\/i>, vern\u00fcnftigen, autonomen Subjekts als zentraler Bezugspunkt der westlichen Moderne durch eine solche Emanzipation nicht \u00fcberzeugend \u2013 denn es gab nie ein autonomes Subjekt, das dem Ideal der \u00f6kologischen Vernunft und Verantwortung entsprach. Versteht man die menschliche Autonomie jedoch von vornherein als <i>kontingent<\/i>, n\u00e4mlich als kulturell beeinflusst und \u00fcber das Kognitive hinausgehend, dann existiert es weiterhin.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"4-ki-kann-aber-nur-rationalitaet\">4. KI kann aber nur Ratio&shy;na&shy;lit&auml;t<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ist es nun jedoch plausibel, anzunehmen, dass \u201edie digitale Revolution diese Ankernorm der Moderne [das vernunftbasierte autonome Subjekt] endg\u00fcltig [verabschiedet] und [\u2026] die k\u00fcnstliche Intelligenz an ihre Stelle [setzt]\u201c (Bl\u00fchdorn 2024: 150)? Da \u201eperfekte Rationalit\u00e4t eine Schim\u00e4re ist, weil niemand die geistigen F\u00e4higkeiten besitzt, alle f\u00fcr eine schwierige Entscheidung relevanten Informationen in seinem Kopf zusammenzutragen\u201c (Matthews 1991: 114), m\u00fcssen wir uns mit dem zufrieden geben, was <i>gut genug<\/i> ist. Herbert Simon ([1956] 1997) hatte dies mit seinem Konzept des <i>satisficing<\/i> angedeutet \u2013 die menschliche Rationalit\u00e4t ist notwendigerweise \u201ebegrenzt\u201c (<i>bounded rationality<\/i>), und zwar weil die <i>Rechenf\u00e4higkeiten<\/i> begrenzt sind: Wir k\u00f6nnen immer nur einen Bruchteil der tats\u00e4chlichen Informationen unserer Umgebung verarbeiten. Heben die digitale Revolution und die rapide fortschreitende Proliferation der KI diese Begrenzung der menschlichen Rechenf\u00e4higkeiten nun erstmalig auf?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In diesem Zusammenhang fordern Block und Dickel (2020: 126): \u201eDie Soziologie sollte sich demnach Denkm\u00f6glichkeiten schaffen, das \u201aAbseits\u2018 des autonomen Subjekts nicht nur als dystopisches Szenario zu bef\u00fcrchten oder resignativ als deterministische Folge von Technik hinzunehmen, sondern tats\u00e4chlich auch analytisch zu erschlie\u00dfen\u201c. Befinden wir uns nun tats\u00e4chlich in einer trans- oder posthumanistischen \u00c4ra? Bl\u00fchdorn widmet sich genau dieser Forderung von Block und Dickel und schreibt, dass die heutigen<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201elernenden, voll kommunikationsf\u00e4higen Chatbots [in] dem Weltwissen, auf das sie zuru\u0308ckgreifen, ihrem Tempo und meist auch in ihrer Artikulationsf\u00e4higkeit [&#8230;] natu\u0308rlichen Personen l\u00e4ngst u\u0308berlegen [sind]. Sp\u00e4testens seit der Markteinfu\u0308hrung der ChatGPT-Software ist es irrational, ineffizient und unverantwortlich, bei der Bew\u00e4ltigung g\u00e4ngiger Aufgaben [&#8230;] nicht auf derartige Programme zuru\u0308ckzugreifen.\u201c (Bl\u00fchdorn 2024: 149)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Mit dieser Annahme der (in Bl\u00fchdorns Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Subjekt <i>willkommenen<\/i>) \u00dcbertragung der menschlichen Autonomie auf die KI besch\u00e4ftigt sich nun der folgende Abschnitt. Solch eine \u00dcbertragung ist jedoch nur konzeptionalisierbar, wenn man das autonome Subjekt rein auf kognitiver Vernunft basierend begreift. Versteht man es hingegen als kontingent, so wie von mir vorgeschlagen, l\u00e4sst sich diese Diagnose nicht halten. Solch ein kontingentes Verst\u00e4ndnis von menschlicher Autonomie entlarvt Bl\u00fchdorns Diagnose als voreiligen <i>Anthropomorphismus<\/i>, denn die KI und Algorithmen sind mitnichten in der Lage, wirkliche, echte menschliche Autonomie (die eben \u00fcber rationale Vernunft und individuelle Agency hinausgeht) zu ersetzen. Daher ist es auch nicht <i>irrational<\/i> oder <i>unverantwortlich<\/i>, auf sie zu verzichten. Oder man k\u00f6nnte sagen, dass wir es hier genau mit einem der F\u00e4lle zu tun haben, in dem es rational ist, das vermeintlich <i>Irrationale<\/i> zu tun und der KI, zumindest in manchen Situationen, zu entsagen. Weder die These, dass das autonome Subjekt in der sp\u00e4tmodernen Konstellation im Ringen um Nachhaltigkeit anachronistisch wird, noch, dass es die technologische Entwicklung der KI ist, die ihm den finalen Todessto\u00df versetzt, \u00fcberzeugen letztendlich.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aus meiner Sicht liegt bei der Frage, <i>ob das autonome Subjekt durch die KI anachronistisch wird<\/i>, die Krux eben in der oben in Zusammenhang mit der \u00f6kologischen Frage problematisierten Kant\u2019schen Emporhebung der menschlichen Vernunft. So schreibt Bl\u00fchdorn (2024: 144): \u201e[\u2026] [I]n der digitalen Gesellschaft sind als autonome Subjekte verstandene, nat\u00fcrliche Personen, denen nach modernistischer Tradition Vernunft und Moralit\u00e4t und eine unantastbare W\u00fcrde zugesprochen wird, nicht mehr der relevante Bezugspunkt\u201c. Sarah Spiekermann spricht in diesem Kontext von \u201eder <i>klassischen<\/i> Unterscheidung von Vernunft und Intelligenz\u201c (Spiekermann 2020: 2; Herv. im Orig.). Mir scheint hier aber der Begriff der <i>Intuition<\/i> passender als der der <i>Intelligenz<\/i>. So soll das, was ich bisher als <i>kognitive Rationalit\u00e4t<\/i> oder <i>Vernunft<\/i> bezeichnet habe, dem Begriff <i>Vernunft<\/i> entsprechen und das, was ich als das dem Relationalen innewohnende Nichtrationale, das Irrationale, das Unbegr\u00fcndbare, das Ungreifbare, das Unsichtbare, das Un(ter)bewusste, das Emotionale und das Kulturelle beschreibe, als <i>Intuition<\/i> verstanden werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nigel Thrift schreibt in diesem Zusammenhang, dass das menschliche Bewusstsein weitestgehend eine evolution\u00e4re Sackgasse darstellt. Ihm zufolge hat die Forschung gezeigt, dass das Gehirn zum Gro\u00dfteil bereits vor dem Spracherwerb programmiert ist, was bedeutet, dass wir zu den meisten Gedanken keinen Zugang haben, weil sie unbewusst ablaufen. \u201eDiese aufgew\u00fchlte Masse von Nervensalven bereitet den K\u00f6rper so auf Handlungen vor, dass Absichten oder Entscheidungen getroffen werden, bevor das bewusste Ich sich ihrer \u00fcberhaupt bewusst ist\u201c (Thrift 2007: 7). Nun basieren k\u00fcnstlich-intelligente Technologien wie ChatGPT auf <i>Large Language Models<\/i>, die allein auf Basis von Sprachprinzipien operieren \u2013 sie k\u00f6nnen also, wenn \u00fcberhaupt, nur die sprachbezogenen und bewussten Aspekte der F\u00e4higkeiten des autonomen Subjekts ersetzen: \u201eZumindest die bislang verf\u00fcgbaren KI-Systeme verf\u00fcgen nicht \u00fcber die [f\u00fcr die menschliche Urteilspraxis] relevanten F\u00e4higkeiten des Sinnverstehens, der Intentionalit\u00e4t und der Referenz auf eine au\u00dfersprachliche Wirklichkeit\u201c (Deutscher Ethikrat 2023: 16). Zudem k\u00f6nnen sie menschliche Sprache niemals verstehen, sondern immer nur simulieren: \u201eDigitale Zust\u00e4nde und Prozesse <i>simulieren<\/i> mentale Zust\u00e4nde und Prozesse, sind aber nicht mit ihnen identisch, selbst wenn diese Simulation perfekt w\u00e4re. Nichts deutet darauf hin, dass mentale Zust\u00e4nde und Prozesse durch digitale Prozesse realisiert werden k\u00f6nnen. Simulation darf nicht mit Realisierung verwechselt werden\u201c (Nida-R\u00fcmelin\/Weidenfeld 2022: 17).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Weiterhin k\u00f6nnen wir oft nicht exakt rekapitulieren, was wir im Austausch mit anderen gesagt haben, eher bleibt ein bestimmtes Gef\u00fchl, eine <i>Intuition,<\/i> zur\u00fcck \u2013 das Gesagte (die Information selbst) bleibt nur schwer greifbar. Spiekermann bezieht sich dabei auf Bruno B\u00e9rard (2018), der schreibt:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eWenn es in der Philosophie ein \u201avor und nach Immanuel Kant\u2018 (1724-1804) gibt, dann deshalb, weil er die Bedeutung von Intelligenz [SK: Intuition in meinem Verst\u00e4ndnis] und Vernunft, wie sie von allen vorangegangenen Philosophen [\u2026] verstanden wurde, auf den Kopf gestellt hat, da sie alle einer Illusion unterlagen, die nur er erkennen und aufl\u00f6sen konnte! Im Einklang mit seiner \u00dcberzeugung, dass Intelligenz [Intuition] nur vern\u00fcnftig oder empirisch sein kann, erhob er die Vernunft in den h\u00f6chsten Rang unter den kognitiven F\u00e4higkeiten, die angeblich in der Lage sind, synthetische, systematische, universelle und vereinheitlichte Intelligenz zu liefern. Daher wurde die Intelligenz [&#8230;] [Intuition] der Vernunft untergeordnet: Ein sekund\u00e4res Verm\u00f6gen, das sich mit der Verarbeitung von Abstraktionen befasst, das Sinneserfahrung eine begriffliche Form verleiht und die daraus resultierenden Begriffe zu einer koh\u00e4renten Struktur verbindet &#8211; bis es schlie\u00dflich zu diskursivem Wissen, also zur \u201aVernunft\u2018 wird.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Spiekermann (2020: 3) betont auch, wie ich es oben in Zusammenhang mit der \u00f6kologischen Frage bereits getan habe, dass Intuition (die sie <i>Intelligenz<\/i> nennt) k\u00f6rperlich erlebt wird \u2013 in bestimmten (besonders in sozialen, relationalen) Situationen reagieren unsere K\u00f6rper, indem sie beispielsweise schwitzen oder rot anlaufen:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eMenschliche Vernunft ist stets als verleiblichte Vernunft zu begreifen. Praktische Vernunft ist zudem nicht aus einer rein individualistischen Perspektive zu verstehen. Da jeder Mensch Teil einer sozialen Mitwelt und kulturellen Umgebung ist, die sich nachhaltig auf seine Sozialisation auswirkt, m\u00fcssen auch \u00fcberindividuelle kulturelle Faktoren in die Deutung der praktischen Vernunft einbezogen werden.\u201c (Deutscher Ethikrat 2023: 17)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr meine \u00dcberlegungen besonders entscheidend ist, dass Spiekermann schreibt, dass Intuition (respektive Intelligenz) \u201e\u2013 im Gegensatz zur Vernunft \u2013 in der klassischen Lehre als \u201a<i>no\u00fbs<\/i>\u2018 bezeichnet wird; das gleiche Wort wie das franz\u00f6sische \u201anous\u2018, was zu Deutsch \u201awir\u2018 hei\u00dft. Die geteilte Wortwurzel weist darauf hin, dass Intelligenz [Intuition] etwas mit <i>Gemeinschaftlichkeit<\/i> zu tun hat\u201c (Spiekermann 2020: 3; meine Herv.). Genau dieser Aspekt der Gemeinschaftlichkeit ist auch f\u00fcr meine \u00dcberlegungen im Rahmen der unterschiedlichen Klimakulturen in der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft zentral. Man kann die beharrliche Nicht-Nachhaltigkeit nur erkl\u00e4ren, wenn man ein solch deutlich breiteres, geteilte und unterbewusste Elemente mit einschlie\u00dfendes Wissenskonzept (das aus Vernunft und Intuition besteht) anwendet und dieses gleichzeitig als fundamental kontingent versteht. Genau dieses Verst\u00e4ndnis, das auf relationalem Wissen beruht, ist auch zentral f\u00fcr eine Analyse, die verstehen will, wie die digitale Revolution die sp\u00e4tmoderne Gesellschaft ver\u00e4ndert. Spiekermann (2020: 3) schreibt weiter, dass man oft sagt, dass man mit etwas \u201enichts anfangen\u201c kann, wenn es eben genau nicht gelingt, mit jemandem, oder in Relation zu etwas, solch ein relationales Verst\u00e4ndnis aufzubauen:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eMan meint damit, dass man keine Intuition hat, wie man mit der gegebenen Sache umgehen soll. F\u00fcr das Verstehen des Unterschieds zwischen menschlicher und k\u00fcnstlicher Intelligenz scheint dieses \u201esich mit etwas verbinden\u201c zentral. Es ist konstitutiv f\u00fcr den Unterschied zwischen Vernunft und Intelligenz [SK: Intuition]: Die Vernunft zerlegt eine Sachlage v\u00f6llig neutral in Einzelteile, analysiert diese n\u00fcchtern ohne k\u00f6rperliche Reaktion und trifft m\u00f6glichst Punkt-f\u00fcr-Punkt nachvollziehbare Entscheidungen. Die Intelligenz [Intuition] hingegen erfordert, dass man sich mit einer Sache verbindet, dass man etwas mit ihr anfangen kann.\u201c (Spiekermann 2020: 96f.)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Rosa (2017) schreibt in diesem Zusammenhang, dass \u201edas Autonomiekonzept [\u2026] nur die eine H\u00e4lfte der Resonanz [sieht]. Das alleinige Streben nach Autonomie kann am Ende das gute Leben auch verhindern\u201c. Deshalb pl\u00e4diert er stattdessen f\u00fcr die Idee der <i>Resonanz<\/i>, denn sie verlangt \u201eauf der anderen Seite auch, dass starke Werte im Sinne von Charles Taylor erfahren werden\u201c (Rosa 2017)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a>. Zwar hat Kant bestimmte Werte in seinem Autonomieverst\u00e4ndnis bereits mitgedacht \u2013 seine Rationalit\u00e4t ist ja relational zu verstehen. Rosas Resonanzbegriff ist ebenfalls fundamental relational gedacht, nur geht dieser \u00fcber (auf Basis von kognitiver Vernunft gewonnene) <i>universelle<\/i> Werte hinaus (er ist also ebenfalls als <i>kontingent<\/i> zu verstehen), indem er auch Aspekte umfasst, die schwer fassbar und emotional sind. Indem er die Intuition mitdenkt, schafft es Rosas Resonanzbegriff \u2013 im Gegensatz zu Bl\u00fchdorns Autonomiebegriff \u2013 eben auch das Irrationale und Ungreifbare zu fassen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein Beispiel daf\u00fcr stellt die Resonanz gegen\u00fcber Kunstwerken dar: Ein Gem\u00e4lde oder ein Musikst\u00fcck kann bei Betrachtenden oder Zuh\u00f6rerenden eine starke emotionale Reaktion hervorrufen, die schwer in rationale Worte zu fassen ist. Diese Resonanz beruht oft auf einem tieferen Verst\u00e4ndnis oder einer intuitiven Verbindung mit dem Kunstwerk. Auch k\u00f6nnen bestimmte Naturerlebnisse oder spirituelle Erfahrungen eine tiefe Resonanz in uns hervorrufen, obwohl wir diese Erfahrungen nicht vollst\u00e4ndig verstehen oder erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Rosa betont, dass Resonanz und Autonomie sich gegenseitig st\u00e4rken k\u00f6nnen: Resonanz erm\u00f6glicht es den Menschen, ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche besser zu verstehen und authentische Beziehungen zu ihrer Umwelt einzugehen, w\u00e4hrend Autonomie es ihnen erm\u00f6glicht, diese Beziehungen aktiv zu gestalten und gem\u00e4\u00df ihren eigenen \u00dcberzeugungen zu handeln. In einer resonanten Umgebung k\u00f6nnen Individuen ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sich selbst und ihre Umwelt entwickeln, was es ihnen erleichtert, autonom zu handeln und ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Gleichzeitig k\u00f6nnen autonome Handlungen dazu beitragen, resonante Beziehungen zu f\u00f6rdern und zu vertiefen, indem sie es den Menschen erm\u00f6glichen, authentisch und aufrichtig auf andere zuzugehen und sich mit ihnen zu verbinden (vgl. Rosa 2016; 2018).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"5-nur-vernunftbasierte-autonomie-wird-durch-den-algorithmus-anachronistisch\">5. Nur Vernunft&shy;ba&shy;sierte Autonomie wird durch den Algorithmus anachro&shy;nis&shy;tisch<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">An dieser Stelle ist es wichtig, anzuerkennen, dass wir umgekehrt auch nicht nur einfach das Ergebnis von Sozialisierung und Erziehung sind, sondern wir sind \u201eaktiv an der Bildung unseres Charakters beteiligt\u201c (Nida-R\u00fcmelin\/Weidenfeld 2022: 22). \u201eNat\u00fcrlich sind Erfahrung und Gewohnheit wichtig f\u00fcr die Entwicklung von Tugenden. Aber der Mensch ist in der Lage, seine \u00dcberzeugungen zu \u00e4ndern und bewusste Entscheidungen zu treffen, seine Einstellungen in Zukunft zu \u00e4ndern\u201c (Nida-R\u00fcmelin\/Weidenfeld 2022: 22). Im Gegensatz zur KI ver\u00e4ndert sich unsere \u201eSoftware\u201c<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> also mit der Zeit im Rahmen des Spannungsfelds von Intentionalit\u00e4t und Intuition. Besonders erstaunlich ist jedoch, dass sich sogar die menschliche \u201eHardware\u201c ver\u00e4ndern kann, was neueste Forschung zur Neuroplastizit\u00e4t des menschlichen Gehirns zeigt: \u201eNeuroplastizit\u00e4t bezieht sich auf die F\u00e4higkeit des Gehirns, sich \u201aneu zu erfinden\u2018, n\u00e4mlich sich zu ver\u00e4ndern und sich in einer anderen Form zu formen, als Anpassung an neue Erfahrungen. Unsere Gehirne k\u00f6nnen sich transformieren, um sich an die Umgebung anzupassen\u201c (Cr\u0103ciun 2023: 122). Dass die rapide Weiterentwicklung der KI sie eines Tages so potent werden l\u00e4sst, dass sie sich als starke KI vom Menschen l\u00f6st und sich (lies: ihre Software <i>und<\/i> Hardware) ebenfalls selbst erfindet, ist in Technologiekreisen ein breit diskutiertes Szenario (vgl. H\u00fcgel 2023: 6-10), das auch Steven Hawking bereits vor zehn Jahren zu denken gab: \u201eSie w\u00fcrde sich eigenst\u00e4ndig abl\u00f6sen und sich immer schneller selbst re-designen\u201c (Hawking 2014). F\u00fcr wie realistisch man diese Prophezeiung h\u00e4lt, muss jede*r selbst entscheiden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Rosa betont, dass Resonanz nicht vollst\u00e4ndig kontrollierbar ist und dass wir nicht immer vorhersagen k\u00f6nnen, was in uns resonieren wird. Man kann zwar bestimmte Bedingungen schaffen, die die Wahrscheinlichkeit von Resonanzerlebnissen erh\u00f6hen, aber letztendlich bleibt Resonanz eine offene und dynamische Beziehung zwischen dem Individuum und seiner Umwelt. Resonanz wird so zu einem vielschichtigen Konzept, das sowohl rationale als auch emotionale, bewusste und unbewusste Elemente umfasst. Resonanz kann auch auf implizites Wissen oder intuitive Einsichten zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Manchmal f\u00fchlen wir uns von etwas angezogen oder abgesto\u00dfen, ohne genau zu wissen, warum. Diese Resonanz kann sich auf unmittelbare und unvermittelbare Erfahrungen beziehen, die nicht immer durch rationale Analyse erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Resonanz bezeichnet f\u00fcr Rosa somit nicht nur eine rationale Zustimmung oder \u00dcbereinstimmung, sondern auch eine tiefe emotionale Verbundenheit und Resonanzf\u00e4higkeit gegen\u00fcber der das Subjekt umgebenden Welt<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Rosas Resonanzkonzept ist folglich hilfreich, um den Unterschied zwischen menschlicher und k\u00fcnstlicher Intelligenz zu verdeutlichen: Menschliche Intelligenz inkludiert kognitive Vernunft ebenso wie relationale, resonanzbasierte Intuition. Algorithmen der KI k\u00f6nnen aber nur mathematische, numerische Kalkulationen vornehmen, ihnen fehlt die <i>Resonanzf\u00e4higkeit<\/i>. Deswegen ist es auch nicht plausibel, dass das autonome Subjekt als Zentralnorm der westlichen Moderne aufgrund der digitalen Revolution und der Proliferation der KI anachronistisch wird. Denn diese Diagnose ist den beiden von Kate Crawford (2021: 4f.) identifizierten Mythen aufgesessen:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDer erste Mythos ist, dass nicht-menschliche Systeme [&#8230;] als analog zum menschlichen Geist verstanden werden k\u00f6nnen. Diese Sichtweise geht davon aus, dass mit ausreichendem Training oder gen\u00fcgend Ressourcen eine menschen\u00e4hnliche Intelligenz aus dem Nichts geschaffen werden kann, ohne die grundlegende Art und Weise zu ber\u00fccksichtigen, in der Menschen verk\u00f6rpert sind, in Beziehungen stehen und in gr\u00f6\u00dfere \u00d6kologien eingebunden sind. Der zweite Mythos besagt, dass Intelligenz etwas ist, das unabh\u00e4ngig von sozialen, kulturellen, historischen und politischen Kr\u00e4ften existiert, als w\u00e4re sie etwas Nat\u00fcrliches und von diesen getrennt.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dass die Resonanzf\u00e4higkeit aufgrund von <i>fortgesetzter Individualisierung<\/i> (Beck 1986), noch mehr aufgrund einer die Sp\u00e4tmoderne charakterisierende <i>Singularisierung<\/i> (Reckwitz 2017) abnimmt, mag stimmen. Dass die Digitalisierung und vor allem die Algorithmisierung im Zuge der Ausweitung von KI-Anwendungen diese Tendenzen nochmals verst\u00e4rkt, mag ebenfalls stimmen:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eKein Nutzer wei\u00df, was er alles nicht angezeigt bekommt, und die systematische Ausblendung bestimmter Inhalte kann zu einer verzerrten Weltsicht fu\u0308hren, wie von den Metaphern der Filterblase und Echokammer beschrieben. Hierbei geht es nicht nur um politische Inhalte, sondern Ideologien und extreme Ansichten aller Art ko\u0308nnen zur Keimzelle einseitiger Informationsumgebungen werden.\u201c (Stark\/Margin\/J\u00fcrgens 2019: 305)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Unter dieser Abnahme der Resonanzf\u00e4higkeit eine Verminderung der menschlichen Autonomie zu verstehen, weist jedoch nur einmal mehr darauf hin, dass wahrhaftige menschliche Autonomie von vornherein als relational, kontingent und resonant konzeptionalisiert werden muss. Gem\u00e4\u00df einem solchen Verst\u00e4ndnis wird auch die Annahme von praktischer \u00c4quivalenz zwischen der Autonomie von Mensch und Maschine implausibel. Die \u00dcberlegung, dass \u201eku\u0308nstliche Intelligenz [\u2026] eine neue Variante von <i>evidenzbasiertem<\/i> Entscheiden, Verwalten und Regieren [erm\u00f6glicht]\u201c (Bl\u00fchdorn 2024: 147; Herv. im Orig.), wird so hinf\u00e4llig. Dar\u00fcber hinaus ist solch angeblich objektives, evidenzbasiertes Entscheiden letztlich jedoch genauso eine Schim\u00e4re wie v\u00f6llig rationale Vernunft. So unterstreicht Simon Lindgren (2023): \u201eDie KI hat, wie andere Technologien auch, eine gewisse ideologische Macht, da ihre Aura der maschinellen Objektivit\u00e4t dazu beitr\u00e4gt, (in der Tat ideologische) Auffassungen als unpolitisch, nat\u00fcrlich und objektiv darzustellen\u201c. Auch in der Welt der KI ist die Wahrheit nicht objektiv oder evidenzbasiert, sie ist fundamental kontingent, sowie mit ihr auch die menschliche Autonomie.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es mag zu guter Letzt auch stimmen, dass die omnipr\u00e4sente Anforderung, sich im Privaten wie Professionellen Profile zu erstellen und diese permanent zu kuratieren, dazu f\u00fchrt, dass das autonome Subjekt noch st\u00e4rker fragmentiert, noch weniger zentralisiert und in sich gefestigt zur\u00fcckbleibt. Dennoch l\u00e4sst sich daraus nicht schlussfolgern, dass zu Zeiten der Neuen Sozialen Bewegungen ein gefestigte(re)s und autom(er)es Subjekt existierte, das heute, besonders aufgrund der KI und Algorithmisierung zerf\u00e4llt (wie oben bei der \u00f6kologischen Frage gezeigt).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Digitalisierung singularisiert nicht nur, sie vernetzt auch. Wird die Autonomie des Subjekts nicht mehr nur <i>kontingent<\/i>, sondern dar\u00fcber hinaus auch <i>resonant<\/i> verstanden, wird sie von der digitalen Revolution vielleicht sogar an manchen Stellen erweitert \u2013 und nicht ausschlie\u00dflich zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. In dieser dialektischen Spannung liegt wohl, einmal mehr, die Krux. Kontingent und resonant verstanden wird das autonome Subjekt also nicht anachronistisch, weder durch die fortdauernde Nicht-Nachhaltigkeit und das Ausbleiben ihrer allerorts geforderten Transformation noch durch die digitale Revolution.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. Sarah Kessler<\/strong> ist Sozialwissenschaftlerin am Institut f\u00fcr Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien. Sie promovierte in der Anthropogeographie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t (LMU) M\u00fcnchen und arbeitet zu Themen aus den Bereichen Umweltsoziologie, Nachhaltigkeitsforschung, Sozialtheorie, sozialer Wandel und soziale Bewegungen. Derzeit besch\u00e4ftigt sie sich zudem vor allem mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von k\u00fcnstlicher Intelligenz und deren Interrelation mit Nachhaltigkeitsfragen. Im M\u00e4rz 2024 ist ihr Buch Competing Climate Cultures in Germany bei transcript erschienen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Adorno, T. W.\/Horkheimer, M.<\/em> [1941] 1997: Dialektik der Aufkl\u00e4rung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bauman, Z.<\/em> 2015: \u201eDie Zeit ist aus den Fugen\u201c, in: <em>ORF <\/em>vom 19.11.2015; online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/sciencev2.orf.at\/stories\/1764698\/index.html\">https:\/\/sciencev2.orf.at\/stories\/1764698\/index.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.<\/em> 1986: Risikogesellschaft, Frankfurt am Main<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.<\/em> 1988: Das naturalistische Mi\u00dfverst\u00e4ndnis der \u00d6kologiebewegung. Umweltkritik als Gesellschaftskritik, in: Beck, U.: <em>Gegengifte. Die organisierte Unverantwortlichkeit<\/em>, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beck, U.\/Beck-Gernsheim, E.<\/em> 1994: Riskante Freiheiten: Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Be\u0301rard, B.<\/em> 2018: Unmasking \u201eAI\u201c, in: <em>The Philos-Sophia Initiative<\/em> vom 22.02.2018; online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/philos-sophia.org\/unmasking-ai\/\">https:\/\/philos-sophia.org\/unmasking-ai\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Blake, J.<\/em> 1999: Overcoming the \u2018value-action gap\u2019in environmental policy: Tensions between national policy and local experience, in: <em>Local Environment<\/em>, Jg. 3, H. 4, S. 257\u2013278.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Blanke, T. <\/em>1986: Autonomie und Demokratie, in: <em>Kritische Justiz<\/em>, Jg. 19, H. 4, S. 406-422.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Block, K.\/Dickel, S.<\/em> 2020: Jenseits der Autonomie: Die De\/Problematisierung des Subjekts in Zeiten der Digitalisierung, in: <em>Behemoth: A Journal on Civilisation<\/em>, Jg. 13, H. 1, S. 109-131.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I.<\/em> 2024: Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bl\u00fchdorn, I. et al. <\/em>2020: Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die \u00f6kologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Blu\u0308hdorn, I.\/Kessler, S<\/em>. 2023: O\u0308kologische Wende und Soziale Frage, in: Caritas Schweiz (Hrsg.): <em>Sozialalmanach 2024<\/em>, Luzern, S. 129-142.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cr\u0103ciun, I. C.<\/em> 2023: F\u00f6rderung der Entwicklung im mittleren und h\u00f6heren Lebensalter, Cham. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-031-44679-5_6\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-031-44679-5_6<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Crafts, N.\/Toniolo, G.<\/em> (2012). Les Trente Glorieuses: From the Marshall Plan to the Oil Crisis, in: Stone, D. (Hrsg.): <em>The Oxford Handbook of Postwar European Histo<\/em>ry, online edition; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1093\/oxfordhb\/9780199560981.013.0018\">https:\/\/doi.org\/10.1093\/oxfordhb\/9780199560981.013.0018<\/a>, aufgerufen am 10.06.2024.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Crawford, K.<\/em> 2021: The atlas of AI: Power, politics, and the planetary costs of artificial intelligence, New Haven.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Deutscher Ethikrat<\/em> 2023: Mensch und Maschine \u2013 Herausforderungen durch Ku\u0308nstliche Intelligenz. Stellungnahme, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gherardi, S.<\/em> 2008: Introduction: The critical power of the practice lens. London.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Haderer, M.<\/em> 2022: Does emancipation devour its children? Beyond a stalled dialectic of emancipation, in: <em>European Journal of Social Theory<\/em>, Jg. 25, H. 1, S. 172-188.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Harari, Y. N.<\/em> 2017: Homo Deus \u2013 A Brief History of Tomorrow, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hausknost, D.<\/em> 2017: There never was a categorical ecological imperative: a response to Ingolfur Bl\u00fchdorn, in:<em> Global Discourse<\/em>, Jg. 7, H. 1, S. 62-65.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>H\u00fcgel, S.<\/em> 2023: \u201eMein Leben wird ganz wunderbar\u201c \u2013 Chancen und Risiken der k\u00fcnstlichen Intelligenz, in: <em>vorg\u00e4nge. Zeitschrift f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gesellschaftspoliti<\/em>k, Nr. 242 = Jg. 62, H. 2, S. 5-21.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hawking, S.<\/em> 2014: Interview by BBC Technology Corresponden Rory Cellan-Jones. Stephen Hawking warns artificial intelligence could end mankind, in: <em>BBC <\/em>vom 02.12.2014; online abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-30290540\">https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-30290540<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hume, D.<\/em> 1748: An Enquiry concerning Human Understanding, online abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/davidhume.org\/texts\/e\/full\">https:\/\/davidhume.org\/texts\/e\/full<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jonas, H.<\/em> 1979: Das Prinzip Verantwortung, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jungk, R.<\/em> 1977: Der Atomstaat: Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit, Reinbek.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kalke, K.<\/em> 2024: Eine Frage der Autonomie, in: <em>makronom.de<\/em> vom 08.01.2024; <a href=\"https:\/\/makronom.de\/eine-frage-der-autonomie-45593\">https:\/\/makronom.de\/eine-frage-der-autonomie-45593<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kant, Immanuel<\/em> 1798: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Original ver\u00f6ffentlicht von J. F. Hartknoch, online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.google.at\/books\/edition\/Grundlegung_zur_Metaphysik_der_Sitten\/f3MPAAAAQAAJ?hl=en&amp;gbpv=0\">https:\/\/www.google.at\/books\/edition\/Grundlegung_zur_Metaphysik_der_Sitten\/f3MPAAAAQAAJ?hl=en&amp;gbpv=0<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kessler, S.\/Rau, H.<\/em> 2022: Capturing climate-cultural diversity: A comparison of climate change debates in Germany, in: Heimann, T. et al. (Hrsg.):<em> Climate Cultures in Europe and North America<\/em>, New York, S. 49-70.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kessler, S.\/Rau, H.<\/em> 2023: Worte ohne Taten? Die Kluft zwischen Verantwortung und Wirksamkeit als Dilemma der Nachhaltigkeit, in Henkel, A.\/Gruber, H. (Hrsg.): <em>Dilemmata der Nachhaltigkeit<\/em>, Baden-Baden, S. 127-149.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kessler, S.<\/em> 2024: Competing Climate Cultures in Germany: Variations in the Collective Denying of Responsibility and Efficacy, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Keynes, J. M.<\/em> [1936] 2018: The General Theory of Employment, Interest and Money, Cambridge.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Koep-Kerstin, Werner\/Dingeldey, Philip<\/em> 2023: Zwischen Falschinformation, menschenrechtlichen Problemen und kreativer Denkleistung. Ein Interview mit dem Chatprogramm ChatGPT, in: <em>vorg\u00e4nge. Zeitschrift f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gesellschaftspolitik<\/em> Nr. 242 = Jg. 62, H. 2, S. 107-119.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lidskog, R. et al.<\/em> 2020: Cold science meets hot weather: Environmental threats, emotional messages and scientific storytelling, in: <em>Media and Communication<\/em>, Jg. 8, H. 1, S. 118-128.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lindenau, M.\/Kressig, M. M.<\/em> (Hrsg.) 2023: Autonomie: Ma\u00dfstab, Ideal oder Illusion? Vadian Lectures, Bd. 9, Bielefeld.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lindgren, S.<\/em> 2023: Critical theory of AI, Hoboken.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Meadows, D. H. et al.<\/em> 1972: The Limits to Growth, New Heaven.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Matthews, R. <\/em>1991: Animal Spirits, Chapter 7, in: Meeks, G. T. (Hrsg.): <em>Thoughtful Economic Man: Essays on Rationality, Moral Rules and Benevolence<\/em>, Cambridge, S. 103-125.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nida-R\u00fcmelin, J.\/Weidenfeld, N.<\/em> 2022: Digital Humanism: For a Humane Transformation of Democracy, Economy and Culture in the Digital Age, Cham.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Reckwitz, A.<\/em> 2017: Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten: Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2010: Autonomieerwartung und Authentizit\u00e4tsanspruch: Das Versprechen der Aufkl\u00e4rung und die Orientierungskrise der Gegenwart, in: Breidbach, O.\/Rosa, H. (Hrsg.): <em>Laboratorium Aufkl\u00e4rung<\/em>, M\u00fcnchen, S. 199-216.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2013: Beschleunigung und Entfremdung: Entwurf einer kritischen Theorie sp\u00e4tmoderner Zeitlichkeit, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2016: Resonanz \u2013 Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2017: Das Grundbed\u00fcrfnis nach Religion wird bleiben. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Soziologen Hartmut Rosa, in: <em>Herder Korrespondenz Hefte<\/em>, H. 10; online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/hk\/hefte\/archiv\/2017\/10-2017\/das-grundbeduerfnis-nach-religion-wird-bleiben-ein-gespraech-mit-dem-soziologen-hartmut-rosa\/\">https:\/\/www.herder.de\/hk\/hefte\/archiv\/2017\/10-2017\/das-grundbeduerfnis-nach-religion-wird-bleiben-ein-gespraech-mit-dem-soziologen-hartmut-rosa\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rosa, H.<\/em> 2018: Hartmut Rosa \u00fcber Resonanz, in: <em>Die Presse<\/em> vom 17.03.2018.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sarewitz, D.<\/em> 2017: Stop Treating Science Denial like a Disease, in: The Guardian vom 21.08.2017; online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/science\/political-science\/2017\/aug\/21\/stop-treating-science-denial-like-a-disease\">https:\/\/www.theguardian.com\/science\/political-science\/2017\/aug\/21\/stop-treating-science-denial-like-a-disease<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Simon, H. A.<\/em> 1956: Rational Choice and the Structure of the Environment, in: <em>Psychological Review<\/em>, Jg. 63, H. 2, S. 129\u2013138. CiteSeerX 10.1.1.545.5116. doi:10.1037\/h0042769. PMID 13310708. S2CID 8503301.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Simon, H. A. <\/em>1997: Models of bounded rationality: Empirically grounded economic reason, Vol. 3, Cambridge<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Spiekermann, S.<\/em> 2020: Zum Unterschied zwischen ku\u0308nstlicher und menschlicher Intelligenz und den ethischen Implikationen der Verwechselung, in: O\u0308sterreichischer Rat fu\u0308r Forschung &amp; Technologieentwicklung (Hrsg.): <em>Ethische Herausforderungen im Zeitalter des Digitalen Wandels<\/em>, Wien, S. 94-125.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Staab, P.<\/em> 2022: Anpassung: Leitmotiv der n\u00e4chsten Gesellschaft, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Stark, B.\/Magin, M\/Ju\u0308rgens, P.<\/em> 2019: Ma\u00dflos u\u0308berscha\u0308tzt. Ein U\u0308berblick u\u0308ber theoretische Annahmen und empirische Befunde zu Filterblasen und Echokammern, in: Eisenegger, M. et al. (Hrsg.): <em>Digitaler Strukturwandel der O\u0308ffentlichkeit: Historische Verortung, Modelle und Konsequenzen<\/em>, Wiesbaden, S. 303-321.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Thrift, N.<\/em> 2007: Non-Representational Theory, Space, Politics, Affect, Milton Park.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wittgenstein, L.<\/em> 1953: Philosophical Investigations, Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zuboff, S<\/em>. 2019: The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power, New York.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Abgesehen von einer geringen Abweichung im Konsequentialismus, zu dem auch der Utilitarismus geh\u00f6rt: Hier wird Verantwortung auch f\u00fcr unvorhergesehene Nebenfolgen zugeschrieben \u2013 f\u00fcr die man per Definition, also da sie unvorhergesehen sind, nicht die (autonome) Wahl getroffen haben kann.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Gemeint sind damit die ersten 30 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, aus denen auch das deutsche Wirtschaftswunder hervorging (vgl. Crafts\/Toniolo 2012).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Vgl. zur nachhaltigen Nicht-Nachhaltigkeit und Unhaltbarkeit auch den Beitrag von Ingolfur Bl\u00fchdorn in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Dieses Argument habe ich an anderer Stelle (vgl. Kessler\/Rau 2022; 2023; Kessler 2024) umfangreich erl\u00e4utert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Siehe beispielsweise die instrumentelle Rationalit\u00e4t w\u00e4hrend des NS-Regimes (Adorno\/Horkheimer [1941] 1997).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Wie das Gedankenexperiment des Esels aus Buridan verdeutlicht: Ein Esel ist ebenso durstig wie hungrig und befindet sich zwischen einer Portion Hafer und einem Eimer Wasser. Unter perfekter und reiner Anwendung seiner Rationalit\u00e4t kann er sich beim besten Willen nicht entscheiden und stirbt letzten Endes (vgl. B\u00e9rard 2018).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>Solche Werte spiegeln tiefere, \u00fcberindividuelle (aber eben nicht universelle) Prinzipien und \u00dcberzeugungen wieder.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Bild ebenfalls anthropomorphisiere, das nehme ich aber <i>for the sake of argument<\/i> in Kauf.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix <\/a>\u00c4hnlich schreibt Spiekermann (2020: 109): \u201eDie ganze aristotelische Tugendlehre besch\u00e4ftigt sich mit dieser Thematik des Menschen, ein gesundes Ma\u00df zu halten und in der Art seiner Entscheidungen weder durch ein Zuviel noch ein Zuwenig negativ in seine Gruppe hinein zu wirken. Was ihn oder sie jedoch dazu motivieren kann, dieses Ma\u00df zu halten, ist die Verletzbarkeit; etwa von der eigenen Gruppe nicht anerkannt zu werden, ausgesto\u00dfen zu werden, allein zu sein. An genau dieser Stelle unterscheidet sich die gelebte menschliche \u201aAutonomie\u2018 ganz ma\u00dfgeblich von der \u201aAutonomie\u2018 eines KI-Systems. Zweitere n\u00e4mlich wird vor allem als M\u00f6glichkeit verstanden, nach eigenem Kalk\u00fcl eine Aktion anzusto\u00dfen, ohne eine Best\u00e4tigung vom Operator einzuholen. Soziale Erw\u00e4gungen spielen dabei f\u00fcr die Maschine keine Rolle, denn sie ist nicht verletzlich. Es ist ihr egal, ob sie keinen Strom mehr bekommt oder abgeschossen wird, denn die Idee des Todes ist ihr im menschlichen Sinne nicht vermittelbar.\u201c<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2976,2952],"tags":[3347,3707,3708,3397,3164,3204,3385,3705,3706,3703,3704,667],"autoren":[3702],"publikationen":[3668],"class_list":["post-19466","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-klima","category-kuenstliche-intelligenz","tag-chatgpt","tag-dekarbonisierung","tag-digitalisierung","tag-klimagerechtigkeit","tag-klimawandel","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-nachhaltigkeit","tag-rationales-subjekt","tag-rationalitaet","tag-subjekt","tag-subjekttheorie","tag-vorgaenge-artikel","autoren-sarah-kessler","publikationen-vorg-245"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Nachhaltigkeit und k\u00fcnstliche Intelligenz: Das irrationale (autonome) Subjekt sitzt mit am Tisch - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-245\/publikation\/nachhaltigkeit-und-kuenstliche-intelligenz-das-irrationale-autonome-subjekt-sitzt-mit-am-tisch\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Nachhaltigkeit und k\u00fcnstliche Intelligenz: Das irrationale (autonome) Subjekt sitzt mit am Tisch - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ende 2019 proklamierte die Europ\u00e4ische Kommission im Rahmen ihres neuen europ\u00e4ischen Green Deals eine sogenannte duale Transformation und betonte, dass die Bem\u00fchungen zur Dekarbonisierung und Digitalisierung Europas Hand in Hand gehen m\u00fcssen. 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