{"id":19538,"date":"2024-09-10T15:05:23","date_gmt":"2024-09-10T13:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19538"},"modified":"2024-11-25T16:33:01","modified_gmt":"2024-11-25T15:33:01","slug":"charismatische-herrschaft-und-vertrauen-in-neuen-sozialen-bewegungen-demokratietheoretische-probleme-lebensweltliche-erfahrungen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-160\/publikation\/charismatische-herrschaft-und-vertrauen-in-neuen-sozialen-bewegungen-demokratietheoretische-probleme-lebensweltliche-erfahrungen\/","title":{"rendered":"Charismatische Herrschaft und Vertrauen in Neuen Sozialen Bewegungen: Demokratietheoretische Probleme &#8211; lebensweltliche Erfahrungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcndungsgeschichte der modernen Demokratie kann auch als die einer allm\u00e4hlichen rechtlichen Formalisierung und Institutionalisierung von Beteiligungsrechten gelesen werden. Gerade die Herstellung rechtlicher und politischer Gleichheit &#8211; Ziel und zentrales Prinzip aller Demokratisierung von politischen Systemen und Organisationen &#8211; kann nur \u00fcber die <strong>\u201e<\/strong>k\u00fcnstliche<strong>\u201d<\/strong> Schaffung dieser Gleichheit auf dem sich immer wieder reproduzierenden Hintergrund nat\u00fcrlicher und gesellschaftlicher Differenzen und Ungleichheiten erreicht werden. Insofern ist die Geschichte der Demokratisierung immer auch zugleich eine Geschichte der Formalisierung von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen, ihrer \u00c4mterstrukturen mit gewissen begrenzten Rechten einerseits und Mitwirkungs- und Schutzrechten andererseits gewesen. Heute nun scheint, zumeist unter dem Gesichtspunkt effektiver Zielerreichung gerade hinsichtlich staatlicher Politik, eine Phase der Informalisierung eingesetzt zu haben: Typisch hierf\u00fcr sind die Hoffnungen, die von Politikern wie Sozialwissenschaftlern in den <strong>\u201e<\/strong>kooperativen Staat<strong>\u201d<\/strong>\u00a0gesetzt werden, der sich mit nichtstaatlichen Akteuren in <em>public-privat-partnerships<\/em> oder <em>policy-coalitions<\/em> zur effektiven Probleml\u00f6sung vereinbart [1]. In dem Ma\u00dfe, in dem die <em>Neuen Sozialen Bewegungen<\/em> (NSB) [2] in diesen neuen <em>governance-<\/em>Strukturen partizipieren &#8211; inzwischen vor allem auch auf der internationalen Ebene (Wolf 2002) -, werden auch ihre internen politischen Mechanismen und Chancenstrukturen legitimatorisch \u00fcber den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus relevant. F\u00fcr diese inneren Strukturen ist das Fehlen rechtlich und organisatorisch verfestigter Verh\u00e4ltnisse charakteristisch, so dass sich die Frage stellt, auf welche Weise sie stattdessen ihre funktionalen Probleme der Koordination, F\u00fchrungsrekrutierung und Wahrnehmung der F\u00fchrungsfunktionen bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Das Charisma wird von Max Weber im Kontext seiner politischen Soziologie der Herrschaft stets in Abgrenzung zur <strong>\u201e<\/strong>b\u00fcrokratischen<strong>\u201d<\/strong> und <strong>\u201e<\/strong>patriarchalen<strong>\u201d<\/strong> behandelt &#8211; aber eben unzweifelhaft als eine soziologische Form der Herrschaft. <strong>\u201e<\/strong>Im Gegensatz gegen jede Art b\u00fcrokratischer Amtsorganisation kennt die charismatische Struktur weder eine Form oder ein geordnetes Verfahren der Anstellung oder Absetzung, noch der ,Karriere&#8216; oder des ,Avancements&#8216;, noch ein ,Gehalt&#8216;, noch eine geregelte Fachbildung des Tr\u00e4gers des Charisma oder seiner Gehilfen, noch eine Kontroll- oder Berufungsinstanz, noch sind ihr \u00f6rtliche &#8218;Amtssprengel&#8216; oder exklusive sachliche Kompetenzen zugewiesen, noch endlich bestehen von den Personen und dem Bestande ihres rein pers\u00f6nlichen Charisma unabh\u00e4ngige st\u00e4ndige Institutionen nach Art b\u00fcrokratischer Beh\u00f6rden&#8220; (Weber 1972: 655). Fasst man die in dem Zitat enthaltenen Negativbestimmungen positiv, so wird man mit dem Blick auf die heutige politische Wirklichkeit in den meisten politischen Parteien viele jener Merkmale <strong>\u201e<\/strong>b\u00fcrokratischer Amtsorganisation<strong>\u201d<\/strong> wiederfinden. Hier gibt es sowohl die sprichw\u00f6rtlichen Parteikarrieren und \u00c4mterstrukturen wie auch die nach dem Parteiengesetz bestimmten rechtlichen (und b\u00fcrokratischen) Verfahren zur <strong>\u201e<\/strong>Anstellung oder Absetzung<strong>\u201d <\/strong>oder wenigstens doch potenziellen <strong>\u201e<\/strong>Kontrolle<strong>\u201d<\/strong> der politischen F\u00fchrer durch die Mitglieder oder &#8211; man denke an die Pflicht zur \u00f6ffentlichen Rechenschaftslegung aller Einnahmen und Ausgaben &#8211; sogar die politischen Konkurrenten, die \u00d6ffentlichkeit und die Gerichte. Dass man die politische Wirklichkeit der Macht und innerparteilichen Herrschaftsprozesse nur vollst\u00e4ndig durchschauen k\u00f6nnte, wenn man nicht neben den formalen auch die informellen Verh\u00e4ltnisse durchschaute, steht auf einem anderen Blatt &#8211; und d\u00fcrfte sp\u00e4testens seit den Parteispendenskandalen jedem bewusst sein. Jedenfalls k\u00f6nnen aber die informellen Prozesse den formalen Verh\u00e4ltnissen im Falle politischer Parteien nicht \u00f6ffentlich erkennbar widersprechen, ohne dass es f\u00fcr die politische F\u00fchrung problematisch w\u00fcrde und den Mitgliedern formale Rechte zum Widerspruch zu Gebote st\u00fcnden.<\/p>\n<p>Ganz anders verh\u00e4lt es sich, wenn man die Frage nach der charismatischen Herrschaft an die NSB richtet &#8211; eine Frage die in der Vergangenheit in Sozialwissenschaft und Praxis erstaunlich wenig gestellt wurde. Auf den ersten Blick glaubt man zu sehen, dass die in dem Weber-Zitat enthaltenen Negativbestimmungen hier weitgehend erf\u00fcllt sind: NSB kennen keine <strong>\u201e<\/strong>geordneten Verfahren der Anstellung oder Absetzung<strong>\u201d<\/strong>, noch beziehen ihre f\u00fchrenden Akteure regelm\u00e4\u00dfig <strong>\u201e<\/strong>Gehalt<strong>\u201d <\/strong>oder sind ihnen oder einzelnen unter ihnen <strong>\u201e<\/strong>exklusive sachliche Kompetenzen zugewiesen<strong>\u201d<\/strong>. Mit einem Wort: NSB ermangeln <strong>\u201e<\/strong>b\u00fcrokratischer Amtsorganisation<strong>\u201d<\/strong>.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ergeben sich zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder man argumentiert, dass es sich bei NSB um <strong>\u201e<\/strong>herrschaftsfreie<strong>\u201d <\/strong>Sozialgebilde handle, so dass sich die Frage nach dem Typus der Herrschaft &#8211; charismatisch oder anders &#8211; g\u00e4nzlich er\u00fcbrigt, oder aber man pr\u00fcft empirisch genauer, ob der an obigem Zitat entstehende erste Eindruck sich bewahrheitet. Dabei k\u00f6nnte sich die Vermutung, NSB wiesen charismatische Herrschaftsverh\u00e4ltnisse auf, best\u00e4tigen oder aber zu einer weiteren Differenzierung des Herrschaftsbegriffs um einen neuen Typus f\u00fchren. Soweit die prinzipiellen M\u00f6glichkeiten, die sich eine gr\u00f6\u00dfere, vor allem auch empirische Untersuchung der Frage zur Aufgabe stellen k\u00f6nnte. Mir geht es in dieser kleinen Gedankenskizze eher um erste Anregungen und Fragestellungen als bereits um letzte Antworten, an denen sich andere versuchen m\u00f6gen.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"neue-soziale-bewegungen-ein-herrschaftsfreier-raum\">Neue Soziale Bewegungen &ndash; ein herrschafts&shy;freier Raum?<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr den Zeitgenossen der NSB seit den sp\u00e4ten 1960er Jahren ist seit langem auff\u00e4llig, in welchem Ma\u00dfe die Antwort nicht nur der in der Praxis wirkenden Akteure, sondern auch der ja nicht eben raren sozialwissenschaftlichen Literatur der ersten Hypothese zuneigt. Danach stellt sich die Frage nach inneren Herrschaftsverh\u00e4ltnissen zwar in allen anderen politischen Organisationen, insbesondere in Parteien und Verb\u00e4nden, nicht aber in NSB. Die Abschlussarbeiten und Dissertationen zum Thema <strong>\u201e<\/strong>innerparteiliche Demokratie<strong>\u201d <\/strong>seit Ulrich Lohmars Pionierstudie (Lohmar 1963) Anfang der 1960er Jahre sind Legion; immer geht es dabei um die Chancen und Mitwirkungs-, Kontroll- und Abwehrrechte der einfachen Mitglieder &#8211; also um die innerparteiliche Herrschaftsstruktur? [3] Seit den 1970er Jahren steht &#8211; und das eben nicht nur mit antigewerkschaftlichem Impetus &#8211; die politische und wissenschaftliche Forderung nach einem Verb\u00e4ndegesetz im Raum, das analog zum Parteiengesetz die Forderung nach innerverbandlicher Demokratie rechtlich festschreiben sollte (vgl. Alemann\/Heinze 1979). In einer politischen Situation, in der immer mehr Verb\u00e4nde, das hei\u00dft praktisch: ihre Vorst\u00e4nde oder Beauftragten, als Partner des sogenannten <strong>\u201e<\/strong>kooperativen Staates<strong>\u201d <\/strong>in sogenannten<em> policy-networks<\/em> an der autoritativen (fr\u00fcher h\u00e4tte man gesagt: hoheitlichen) Regulierung sozialer Prozesse teilnehmen und sich die Frage nach ihrer Legitimierung genauso wie bei der staatlichen Seite stellt, hat diese Forderung sogar zunehmend politische Brisanz gewonnen.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend diese Debatten gef\u00fchrt werden, schien und scheint sich die analoge Frage nach den inneren Verh\u00e4ltnissen von NSB nur selten zu stellen. Und wenn doch, dann nicht unter dem Herrschaftsgesichtspunkt, sondern unter dem der <strong>\u201e<\/strong>funktional notwendige(n) Arbeitsteilung<strong>\u201d <\/strong>und <strong>\u201e<\/strong>effiziente(n) Funktionserf\u00fcllung<strong>\u201d <\/strong>(Raschke 1985: 218). Unter der immerhin bemerkenswerten Kapitel\u00fcberschrift <em>F\u00fchrer und Aktive<\/em> schreibt Joachim Raschke: <strong>\u201e<\/strong>Bewegungen sind nichts ohne eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Aktiven, sie entfalten sich aber auch nicht ohne Menschen, die Leitungsfunktionen \u00fcbernehmen [&#8230;]. Es gibt keine f\u00fchrerlosen Bewegungen [&#8230;]. Mitgliedschaft in sozialen Bewegungen ist prek\u00e4r, F\u00fchrung (relativ) stabil<strong>\u201d <\/strong>(ebd.: 214). Gerade wenn man die in diesen S\u00e4tzen zusammengefassten allgemeinen Erkenntnisse \u00fcber die Notwendigkeit von Leitungs- und F\u00fchrungsfunktionen (auch) in NSB f\u00fcr richtig h\u00e4lt, dann wird das Erstaunen dar\u00fcber vielleicht verst\u00e4ndlich, warum eine ansonsten herrschaftssensible Sozialwissenschaft gerade bei diesem Forschungsgegenstand der kritischen Nachfrage auszuweichen scheint. [4] Denn die Herrschaftsrechtfertigung \u00fcber die Notwendigkeit von Leitungsfunktionen ist ungeachtet ihrer partiellen Wahrheit zugleich die \u00e4lteste Legitimationsideologie von Herrschaft \u00fcberhaupt, die ihre wissenschaftliche und ideologische Rationalisierung seit der feudalistischen Formel <strong>\u201e<\/strong>Schutz (der oft Ausbeutung einschloss, M.G.) gegen Treue<strong>\u201d <\/strong>bis zu neueren <strong>\u201e<\/strong>Theorie der Herrschaft<strong>\u201d <\/strong>(Hondrich 1973) immer wieder gefunden hat.[5] Die Erf\u00fcllung gesellschaftlich oder organisatorisch notwendiger Leitungsfunktionen gibt deren Inhabern immer auch Chancen zur \u00fcber diese unmittelbaren Notwendigkeiten hinausgehender Herrschaftsaus\u00fcbung: zur Wahrnehmung von Direktionsgewalt und zur Aneignung oder Ausbeutung von Ressourcen zu pers\u00f6nlichen Zwecken. [6] Warum sollten diese Chancen und die damit an die entsprechenden Individuen oder Leitungszirkel gestellten Versuchungen a priori in NSB weniger wirksam sein als in allen anderen sozialen Gebilden?<\/p>\n<p>Das Argument, das sich auch bei Joachim Raschke findet, d\u00fcrften viele zumindest unreflektiert teilen. Danach wollen, wie er schreibt im Falle von NSB <strong>\u201e<\/strong>Aktive und F\u00fchrer [\u2026] im wesentlichen das gleiche&#8220; und im \u00dcbrigen sei der ,,, exit&#8216; leicht bewerkstelligt und gegen\u00fcber ,voice&#8216; fehlt es h\u00e4ufig an wirksamen Sanktionen<strong>\u201d <\/strong>(Raschke 1985: 217f.). Nun trifft der erste Sachverhalt unzweifelhaft auch auf Parteien und insbesondere Verb\u00e4nde zu, denen man ja gerade wegen der Zustimmung zu den Verbandszielen oder der \u00dcbereinstimmung der Interessen beitritt. \u00dcber die Frage, ob die motivationale Schwelle f\u00fcr einen Partei- oder Verbandsaustritt wirklich gr\u00f6\u00dfer ist als &#8211; nehmen wir ein in der bundesdeutschen Geschichte nicht gerade irrelevantes Beispiel &#8211; bei einer Distanzierung von der bis dahin erkennbar unterst\u00fctzen Friedensbewegung, mag man trefflich streiten. Beide Formen des exits d\u00fcrften ehemals Engagierten schwer fallen und sie gegen\u00fcber ihren ehemaligen Genossen oder in ihrem pers\u00f6nlich-politischen Kontaktfeld unter Rechtfertigungsdruck bringen. Zusammengefasst sind beide Argumente kaum so \u00fcberzeugend, um von vorne herein auszuschlie\u00dfen, dass mit der offenkundig unvermeidbaren Struktur <strong>\u201e<\/strong>Aktive und F\u00fchrer<strong>\u201d <\/strong>und den als ebenso unvermeidbar unterstellten funktionalen Erfordernissen der Leitung keine Herrschaftsprozesse verbunden seien.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"sozialwissenschaftliche-verklaerungen-des-bewegungsbegriffs\">Sozial&shy;wis&shy;sen&shy;schaft&shy;liche Verkl&auml;&shy;rungen des Bewegungs&shy;be&shy;griffs<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr das erstaunliche Ph\u00e4nomen, dass nach den inneren Herrschaftsverh\u00e4ltnissen und demokratischen Strukturen von NSB so selten gefragt wird, und zwar bei ihren Anh\u00e4ngern ebenso wie bei einer ihnen zumeist recht unkritisch gegen\u00fcberstehenden Sozialwissenschaft (Greven 1988), [7] d\u00fcrfte letztlich aber ein unreflektiert verbreitetes Vorurteil verantwortlich sein: Bei diesen Bewegungen und Mobilisierungsprozessen m\u00fcsse es sich schon allein wegen ihrer positiven Ziele per se um demokratische Einrichtungen handeln, bei denen solche Fragen obsolet seien. Wer sich \u00f6ffentlich und friedlich f\u00fcr Frieden, Umwelt und Gerechtigkeit engagiert, dem werden ebenso wie den Bewegungen, die dadurch entstehen, offenkundig auch der pers\u00f6nliche demokratische Charakter und damit die angebliche Obsoletheit des Herrschaftsproblems kreditiert. Das kann aber im Einzelfall ein ziemlicher Fehlschluss sein, denn von normativ generell als positiv bewerteten Zielen, die Einzelne oder soziale Bewegungen verfolgen, l\u00e4sst sich sozialwissenschaftlich nicht auf die innere Struktur sozialer Gebilde r\u00fcckschlie\u00dfen. Denn auch hier gilt selbstverst\u00e4ndlich der demokratische Grundsatz: Der Zweck heiligt nicht die Mittel (in diesem Fall die Organisations- und Mobilisierungsmittel). Diese m\u00fcssen sich auch im Falle von als positiv angesehenen Zielen den \u00fcblichen herrschaftskritischen Fragen stellen und ihre inneren Strukturen und Prozesse nach demokratischen Prinzipien rechtfertigen. So wie die grundgesetzlich normierte Parteiendemokratie konsequent die Forderung nach innerparteilicher Demokratie nach sich zog, so wird gerade derjenige, der f\u00fcr die Beteiligung von NSB an <em>governance<\/em> pl\u00e4diert, sich der Forderung nach ihrer inneren Demokratisierung nicht entziehen k\u00f6nnen. Und auch wenn alle beteiligten Individuen pers\u00f6nlich \u00fcber demokratische Einstellungen und eine entsprechende Wertorientierung verf\u00fcgten, so m\u00fcssten sie doch, gerade wenn es um die Entscheidungsfindung und Ressourcenverwendung bei gro\u00dfen Zahlen geht, ihre Verh\u00e4ltnisse untereinander so regeln, dass den pers\u00f6nlichen Dispositionen die objektiven Verh\u00e4ltnisse entsprechen k\u00f6nnen. Kurz gesagt: Auch das Zusammenhandeln von Demokraten verlangt demokratische Strukturen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt das Problem, dass auch eine sich bestimmten NSB verbunden f\u00fchlende Sozialwissenschaft eines Tages zugestehen musste, dass sich Organisationsformen und Mobilisierungsprozesse h\u00f6chst unsympathischer Art im \u00e4u\u00dfersten rechten und manchmal auch ziemlich linken politischen Spektrum ebenfalls als NSB deuten lassen. Sp\u00e4testens damit war klar geworden: Der NSB-Begriff musste sozialwissenschaftlich seiner vormals unproblematisierten normativen Implikationen entkleidet werden. Er stand nunmehr als Analyseinstrument auf der Tagesordnung, etwa im Zusammenhang mit ausl\u00e4nderfeindlichen Mobilisierungsprozessen oder, vor allem im Ausland, im Zusammenhang mit neopopulistischen Bewegungen. Daneben wurde er auch als Selbstkennzeichnung der Aktiven unter dem Gesichtspunkt der inneren Herrschaftsproblematik wichtig. Wer es f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt, bei <strong>\u201e<\/strong>rechten<strong>\u201d<\/strong>\u00a0NSB herrschaftskritisch die inneren Verh\u00e4ltnisse zu beleuchten, der sollte die Frage auch bei den \u00fcbrigen NSB nicht aus rein begrifflichen, methodischen und erst recht nicht aus politischen Motiven ausschalten.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"charismatische-herrschaft-in-neuen-sozialen-bewegungen\">Charis&shy;ma&shy;ti&shy;sche Herrschaft in Neuen Sozialen Bewegungen<\/span><\/h3>\n<p>Wenn man nun in Ersatzvornahme aussagekr\u00e4ftiger Empirie zun\u00e4chst auf der Ebene von Ph\u00e4nomenen nach jenen Indizien und Anl\u00e4ssen fragt, die in den anderen genannten politischen und sozialwissenschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen bei Parteien und Verb\u00e4nden herrschaftsrelevant w\u00e4ren, so k\u00f6nnte man \u2014ohne den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit zu erheben &#8211; einigen der folgenden Hinweisen nachgehen.<\/p>\n<p>Herrschaft, insbesondere charismatische Herrschaft, hat stets ein personales Element. Letztere ist ohne jene F\u00fchrungsgestalten nicht denkbar, denen das Charisma von ihren Anh\u00e4ngern und, heute f\u00fcr die Mobilisierungsprozesse sozialer Bewegungen in der Massengesellschaft von besonderer Bedeutung, von den Medien zugeschrieben wird. Das Charisma existiert &#8211; jedenfalls wenn man den Begriff (herrschafts- oder religions-)soziologisch verwendet &#8211; stets nur als Attribution: als zugeschriebene, von Anh\u00e4ngern geglaubte Eigenschaft oder Qualit\u00e4t einer Person, der deswegen ohne formales Amt oder prozedurale Rekrutierung eine F\u00fchrungsrolle zugestanden wird. [8] Die bei Journalisten so wohlfeile Formulierung vom <strong>\u201e<\/strong>gew\u00e4hlten charismatischen F\u00fchrer<strong>\u201d <\/strong>ist im Sinne der Herrschaftssoziologie Webers unsinnig. Denn das Charisma ist weniger (wie im Zuge der gerade in der Parteien- und Wahlsoziologie heute intensiv gef\u00fchrten Personalisierungsdebatte erkennbar) eine Ursache f\u00fcr Wahlerfolge, sondern im Gegenteil der wesentliche Legitimationsgrund von nichtgew\u00e4hlten politischen F\u00fchrern. Diese sind eben typisch f\u00fcr NSB, aber nicht f\u00fcr die \u00fcbrigen demokratischen Organisationen und Systeme. Also muss man streng zwischen diesem herrschaftssoziologischen Gebrauch des Begriffes und der heute \u00fcblichen Verwendung unterscheiden, bei der damit lediglich die Beliebtheit, Anerkennung oder Popularit\u00e4t einer Person zum Ausdruck gebracht werden soll.<\/p>\n<p>In NSB finden sich aber, so die These, starke Indizien f\u00fcr die Existenz, m\u00f6glicherweise sogar in vielen F\u00e4llen Unvermeidbarkeit charismatischer Herrschaft. Sie liegen immer dann vor, wenn Personen, die durch keine formellen Prozesse oder Institutionen wie Wahlen oder \u00c4mter legitimiert sind, bei der Bestimmung von Handlungszielen, Strategien und der Verwendung von Ressourcen so handeln und entscheiden k\u00f6nnen, dass sie auch weiterhin Gefolgschaft oder gar Gehorsam finden. Insbesondere gilt dies dann, wenn bestimmte identifizierbare Personen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum und bei den entsprechenden Anl\u00e4ssen wiederholt erfolgreich eine F\u00fchrungsfunktion auszu\u00fcben verm\u00f6gen. Sp\u00e4testens an dieser Stelle muss an den genauen Inhalt des hier verwendeten Herrschaftsbegriffs erinnert werden. An der Weberschen Definition <strong>\u201e<\/strong>Herrschaft sei die Chance, f\u00fcr einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden<strong>\u201d <\/strong>(Weber 1972: 28), befremdet heute mehr die Terminologie (Befehl, Gehorsam) als die Sache selbst. Bei dem hier verwendeten Herrschaftsbegriff geht es also immer um die Motive der F\u00fcgsamkeit oder die Gr\u00fcnde der Legitimit\u00e4t f\u00fcr die Anerkennung von F\u00fchrung. Anders als bei der Macht, die sich <strong>\u201e<\/strong>auch gegen Widerstreben durchzusetzen<strong>\u201d<\/strong> in der Lage sieht (ebd.: 28), geht es bei der Herrschaft nicht zuerst um die (Macht-)Ressourcen der F\u00fchrerpers\u00f6nlichkeiten. Letztere sind ja in sozialen Bewegungen zun\u00e4chst kaum vorhanden &#8211; und wenn, dann in Abh\u00e4ngigkeit von Herrschaftspositionen. Vielmehr geht es um die Masse der Anh\u00e4nger oder Mobilisierbaren, die auf die kommunizierten Signale und Inhalte zun\u00e4chst nur potenzieller F\u00fchrungsfiguren in NSB mit der Zuschreibung des Charisma, also der Anerkennung einer F\u00fchrungsrolle reagieren.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"herrschaftspraxis-in-neuen-sozialen-bewegungen\">Herrschaft&shy;s&shy;praxis in Neuen Sozialen Bewegungen<\/span><\/h3>\n<p>Sucht man nach konkreten politischen Beispielen, wie so etwas funktioniert, so wird man besonders in lokalen, auf konkreten interpersonalen Kommunikationen beruhenden Beziehungen vor allem auf zwei Faktoren achten m\u00fcssen: transferierbare Reputation und demagogische Qualit\u00e4t. Beide sind \u00fcber die Massenmedien auch translokal auszuweiten. Wo immer sich <strong>\u201e<\/strong>spontan<strong>\u201d <\/strong>Anlass zu Protest und erste Ans\u00e4tze zur Mobilisierung ergeben hatten &#8211; zum Beispiel in den 1990er Jahren wegen antisemitischer oder ausl\u00e4nderfeindlicher \u00dcbergriffe oder fr\u00fcher angesichts der Ende der 1970er Jahre geplanten Dislozierung amerikanischer Mittelstreckenwaffen -, da konnte man h\u00e4ufig den Reputationstransfer und seine Rolle bei der Mobilisierung von NSB einerseits, bei der Herausbildung von asymmetrischen Herrschaftsstrukturen andererseits beobachten. F\u00fcr die Mobilisierung zun\u00e4chst der Aufmerksamkeit, dann auch der Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an Protest und Aktion, spielte die bereits vorhandene, zumeist im Berufsleben erworbene und sich in der Wertsch\u00e4tzung bestimmter Titel ausdr\u00fcckende \u00f6ffentliche Reputation derjenigen, die sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dferten, stets eine wichtige Rolle. Alain Touraine, der unter dem Eindruck des <strong>\u201e<\/strong>Pariser Mai<strong>\u201d <\/strong>1968 seine oben bereits angesprochenen objektivistischen Bewegungsvorstellungen vorsichtig revoziert, spricht in diesem Zusammenhang als Entstehungsbedingung von (neuen) sozialen Bewegungen die <strong>\u201e<\/strong>Verbindung zwischen einer fordernden Elite und Unterprivilegierten<strong>\u201d <\/strong>(Touraine 1976: 188) an. Hierbei k\u00e4me es allerdings mehr auf die Rolle von Eliten an als auf die gerade in den NSB oft weiter gehegte, aber vergebliche Hoffnung, dass sich ihnen gerade <strong>\u201e<\/strong>unterprivilegierte<strong>\u201d <\/strong>anschlie\u00dfen w\u00fcrden. Die ber\u00fchmten <em>G\u00f6ttinger Sieben<\/em> standen Ende der 1950er Jahre zwar nicht am Anfang der bundesdeutschen Anti-Atombewegung, sie schufen aber ein wichtiges Handlungsmuster, dem sp\u00e4ter zahlreiche Professoren, \u00c4rzte, Pfarrer und sogar Schauspieler folgten. Wenn es dann darum ging, <strong>\u201e<\/strong>zentrale<strong>\u201d <\/strong>Protestveranstaltungen auszurichten, ihre Parolen und thematischen Inhalte zu bestimmen, dann standen einige von ihnen stets genauso parat wie dann als Redner auf den Podien und Demonstrationen. Sp\u00e4testens hier kommt, wenn er sich nicht schon intern in kleinerem Rahmen wie zum Beispiel auf studentischen Vollversammlungen oder Gewerkschaftsfortbildungen ausgebildet hat, der zweite Faktor ins Spiel: Demagogische F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen, daf\u00fcr gibt es seit der Antike gen\u00fcgend Beispiele, Herrschaft begr\u00fcnden &#8211; insbesondere dann, wenn keine formalen Rekrutierungsverfahren und \u00c4mterstrukturen vorhanden sind.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich finden in allen Mobilisierungen einige Akteure, darunter am leichtesten die mit bereits vorhandenem Reputationskapital, immer mehr Aufmerksamkeit der Medien, [9] die schon aufgrund ihrer eigenen internen Logiken (u.a. Personalisierung, die es ja nicht nur im Parteienwettbewerb gibt), einigen dann zu dem Titel <strong>\u201e<\/strong>Sprecher<strong>\u201d <\/strong>oder <strong>\u201e<\/strong>Sprecherin<strong>\u201d <\/strong>der jeweiligen Bewegung verhalfen. [10] Das wiederum blieb und bleibt auch in den internen Kommunikations- und Abstimmungsprozessen der NSB nicht ohne politische Auswirkungen. Medienpr\u00e4senz und die damit privilegierten \u00f6ffentlichen Artikulations- und Mobilisierungsm\u00f6glichkeiten lassen sich in Herrschaftsressourcen (nicht nur [11]) in NSB transferieren. Auf diese Weise werden, idealtypisch gesehen, charismatische F\u00fchrer und F\u00fchrerinnen in NSB gefunden, die schlie\u00dflich ma\u00dfgeblich jene Funktionen wahrnehmen, von denen auch Joachim Raschke zugesteht, dass sie notwendig seien. Er unterscheidet zum Beispiel den <strong>\u201e<\/strong>Zielspezialisten<strong>\u201d<\/strong> mit seinem entscheidenden Einfluss darauf, was die schlie\u00dflich artikulierten Mobilisierungs- und Protestziele en Detail jeweils sind, [12] den organisatorisch begabten und kommunikationsf\u00e4higen <strong>\u201e<\/strong>Mobilisator<strong>\u201d <\/strong>und den langfristig und konzeptionell denkenden <strong>\u201e<\/strong>Strategen<strong>\u201d <\/strong>(Raschke 1985: 216). Sp\u00e4testens hier ist es f\u00fcr den teilnehmenden Zeitgenossen eine gro\u00dfe Versuchung, jeweils konkrete Namen ins Ged\u00e4chtnis zu rufen; aber das m\u00f6gen die Lesenden zun\u00e4chst f\u00fcr sich selbst in ihrem eigen Erfahrungs- und Erinnerungsraum ausprobieren, der sich ja auf ganz verschiedene Phasen und Str\u00e4nge der im Einzelnen sehr unterschiedlichen NSB beziehen kann. Teil dieser Erinnerungsarbeit oder gegenw\u00e4rtigen Erfahrungsreflexion sollte die Frage sein, inwiefern in der Praxis von NSB oder den ihnen angelagerten, inzwischen keineswegs nur noch lokalen, sondern auch national und transnational arbeitenden &#8222;Bewegungsnetzwerken&#8220; des &#8222;Bewegungssektors&#8220; [13] die Erfahrung von Fremdbestimmung durch die Dominanz einiger herausgehobener F\u00fchrungspersonen gemacht wird. Zumindest bei nationalen und transnationalen NSB wie zum Beispiel <em>attac<\/em> stellen sich ja die klassischen Fragen der Repr\u00e4sentation: Proportionalit\u00e4t, Kontrolle, Abberufung und Verwendung der Mittel. Kaum glaubhaft, dass diese und andere Fragen mit dem einfachen Hinweis auf die \u00dcbereinstimmung von <strong>\u201e<\/strong>F\u00fchrern<strong>\u201d <\/strong>und &#8222;Aktiven&#8220; in den grunds\u00e4tzlichen Zielen bereits gel\u00f6st sind.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind alle diese Fragen nicht nur wegen der mit der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen unvermeidlich verbundenen Organisations- und Direktionsgewalt, also unter dem Gesichtspunkt der Fremdbestimmung, demokratierelevant, sondern auch deswegen, weil NSB, wie wiederum die Erfahrung zeigt, in erstaunlichem Ma\u00dfe die F\u00e4higkeit besitzen, materielle Ressourcen zu mobilisieren, \u00fcber deren Verwendung im Einzelnen dann oft von informellen F\u00fchrungszirkeln entschieden wird. Ob es sich um die lange Zeit jede studentische Vollversammlung, aber auch einige Gewerkschaftstagungen oder sogar den Evangelischen Kirchentag flankierende <strong>\u201e<\/strong>spontane<strong>\u201d <\/strong>Spendensammlung <strong>\u201e<\/strong>Waffen f\u00fcr Nicaragua<strong>\u201d<\/strong>, f\u00fcr den ANC oder andere heute l\u00e4ngst vergessene <strong>\u201e<\/strong>Befreiungsbewegungen<strong>\u201d <\/strong>handelte &#8211; bei der niemand jemals genau wusste oder darauf achtete, wer eigentlich die Kollekte einsammelte und anschlie\u00dfend auf einem oft nur mit einer &#8218;c\/o-Adresse&#8216; versehenen Konto verwaltete &#8211; oder aber die zahlreichen Aufrufe unterschiedlichster Bewegungsorganisationen und -akteure bei Gro\u00dfdemonstrationen oder aus Anlass bestimmter Kongresse oder Veranstaltungen oder zu bestimmten Zwecken handelt: Nicht immer entspricht offenkundig dem Ausma\u00df der mobilisierten Mittel auch eine Kontrolle erm\u00f6glichende und Legitimit\u00e4t erzeugende Mitwirkungsstruktur.<\/p>\n<p>Hier sind nat\u00fcrlich die strukturbedingten Differenzen zu formalen Organisationen wie Vereinen, Verb\u00e4nden oder gar den Parteien mit ihren rechtlich fixierten und institutionalisierten Rechenschafts- und Offenlegungsverpflichtungen besonders gro\u00df. Auch innerhalb des Bewegungssektors d\u00fcrfte die empirische Analyse ein weites Spektrum an Strukturen und Verh\u00e4ltnissen aufzeigen, denn in vielen Zusammenh\u00e4ngen haben sich die NSB, genauer: Gruppen von Akteuren innerhalb der NSB gerade deswegen und in bester Absicht teilinstitutionalisiert, um die angesprochenen Probleme zu l\u00f6sen. Aber nicht jedes <strong>\u201e<\/strong>Spendenkonto<strong>\u201d <\/strong>unter einem Aufruf ist in eine solche demokratische Struktur eingebunden und nicht in allen im Kontext von Bewegungen existierenden Vereinen oder Verb\u00e4nden entsprechen die inneren Verh\u00e4ltnisse wirklich demokratischen Ma\u00dfst\u00e4ben. Nicht selten bestehen zwischen Vorst\u00e4nden, Angestellten oder Sprecherr\u00e4ten einerseits und <strong>\u201e<\/strong>Kassenpr\u00fcfern<strong>\u201d <\/strong>oder \u00e4hnlichen Beauftragten andererseits derart enge politische Beziehungen, dass von einer echten Kontrolle kaum die Rede sein kann und ihre Wahrnehmung als l\u00e4stige Verpflichtung empfunden wird; f\u00fcr Mitgliederversammlungen und Wahlen nach dem Vereinsgesetz gilt \u00e4hnliches. Generell gibt es vermutlich gerade im Kontext von NSB und ihren <strong>\u201e<\/strong>Bewegungsorganisationen<strong>\u201d <\/strong>eine weit verbreitete politische Teilkultur der Informalit\u00e4t. Diese Kultur empfindet die Durchf\u00fchrung gesetzlich vorgeschriebener Prozeduren weniger als Chance der Legitimierung und Kontrolle, denn als fremdbestimmten <strong>\u201e<\/strong>Formalkram<strong>\u201d<\/strong>, den es f\u00fcr das vereinsrechtlich notwendige Protokoll m\u00f6glichst schnell zu veranstalten gilt, bevor man zur eigentlichen Politik zur\u00fcckkehren kann.<\/p>\n<p>Angesichts des unbestreitbaren Ausma\u00dfes an idealistischem Engagement d\u00fcrfen diese Fragen und Hinweise keineswegs als ein Generalverdacht auf Missbrauch von Direktionsgewalt und Ressourcen durch die Inhaber von F\u00fchrungsfunktionen in NSB verstanden werden. Sie m\u00fcssen vielmehr im Kontext meiner Problemstellung sowie der Beobachtung gesehen werden, dass diese und andere Fragen, die in vergleichbaren sozialen Gebilden nicht nur durchaus \u00fcblicherweise gestellt werden, sondern in der Regel auch institutionalisierte Antworten gefunden haben, bei NSB dagegen so sehr im Schlagschatten \u00f6ffentlicher und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit verbleiben.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"vertrauen-als-kategorie-von-herrschaft-und-sozialer-interaktion\">Vertrauen als Kategorie von Herrschaft und sozialer Interaktion<\/span><\/h3>\n<p>Eine entscheidende Voraussetzung von Informalit\u00e4t ist Vertrauen. Charismatische Herrschaft basiert auch auf Vertrauen, das den F\u00fchrungspersonen entgegengebracht wird. Diese Strukturbeziehung ist in informellen Massenbewegungen mit ihrer nur mittelbaren Kommunikation zwischen <strong>\u201e<\/strong>F\u00fchrern<strong>\u201d <\/strong>und <strong>\u201e<\/strong>Aktiven<strong>\u201d <\/strong>zu einem gewissen Grad offenkundig unvermeidbar und funktional. In den unmittelbaren Beziehungen der informellen F\u00fchrungskreise scheint Vertrauen hingegen aber auch ohne Charisma auszukommen &#8211; im Gegenteil ruft es hier offenkundig Spannung und Konkurrenz hervor.<\/p>\n<p>Soziologisch betrachtet scheint deshalb <strong>\u201e<\/strong>Vertrauen<strong>\u201d<\/strong> als funktionales \u00c4quivalent der \u00fcblichen formellen Strukturen und Institutionalisierungen zur Mitwirkung und Kontrolle in demokratischen Organisationen in den fluideren und informeller strukturierten NSB zu \u00fcberwiegen. Traditionen eher angels\u00e4chsischer Provenienz, die Misstrauen in die Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen geradezu als demokratische Tugend begreifen, treffen jedenfalls in deutschen NSB offenkundig auf spiegelbildliche Alternativen einer \u00fcber gemeinsame Ziele vermittelten Gemeinschaftsvorstellung [14]. In Massenbewegungen ohne direkte interpersonale Kontaktm\u00f6glichkeiten aller mit allen d\u00fcrfte sich das Vertrauen in <strong>\u201e<\/strong>Sprecher<strong>\u201d <\/strong>und andere Inhaber von F\u00fchrungsfunktionen vor dem Hintergrund solcher kulturellen Traditionsbest\u00e4nde zum Teil aus dem bereits angesprochenen Reputationstransfer, zum Teil aus angesammelten Erfahrungen mit diesem Personal bei fr\u00fcheren politischen Anl\u00e4ssen und Aktionen speisen. Solches Vertrauen h\u00e4ngt in seiner Belastbarkeit, also u.a. der aus ihm sich begr\u00fcndenden Folgebereitschaft, auch von dem Ausma\u00df an inhaltlicher Kontinuit\u00e4t von Bewegungsthemen und Aktionsformen ab. Innovationen, insbesondere wenn sie <strong>\u201e<\/strong>von oben<strong>\u201d <\/strong>initiiert werden, stellen besondere Belastungen dieser generalisierten Vertrauensbeziehungen dar. Hier ist dann wirklich massenwirksames Charisma einzelner Personen gefragt, wie es zeitweise in Phasen der Zuspitzung politischer Proteste und Konflikte zum Tragen kommt.[15] Die wichtigste strukturelle Vertrauensgrundlage f\u00fcr die informalen Binnenverh\u00e4ltnisse und Netzwerke, da ist sich die Soziologie ungeachtet aller Schulstreitigkeiten ziemlich einig, liegt aber in der Stabilit\u00e4t unmittelbarer personaler Verh\u00e4ltnisse. <strong>\u201e<\/strong>Freundschaft<strong>\u201d<\/strong>\u00a0ist ein Typ solcher personalen Vertrauensbeziehungen, die ihre Stabilit\u00e4t nicht zuletzt aus ihrer Dauer bezieht. Eine Untersuchung von personalen Kontinuit\u00e4ten des F\u00fchrungspersonals in verschiedenen NSB und ihrer zeitlichen Dauer k\u00f6nnte hier sehr aufschlussreich sein und mit einiger Wahrscheinlichkeit eklatante Widerspr\u00fcche zu zeitweise auch in einigen NSB kursierenden <strong>\u201e<\/strong>basisdemokratischen<strong>\u201d<\/strong>\u00a0Zielvorstellungen wie \u00c4mterrotation usw. aufweisen. [16] Alle eigene Erfahrung spricht daf\u00fcr, dass gerade langj\u00e4hrige Vertrauensbeziehungen und mehr oder weniger politisch begr\u00fcndete Freundschaften sich bei einer empirischen Pr\u00fcfung im Bewegungszentrum vieler NSB nachwiesen lie\u00dfen. Sie stehen zweifelsfrei in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zu den charismatischen Au\u00dfenbeziehungen Einzelner und d\u00fcrften damit f\u00fcr die ungeachtet aller Freundschaften f\u00fcr diese sozialen Gebilde ebenso notorischen internen Konkurrenzbeziehungen und Eifers\u00fcchteleien mitverantwortlich sein. Aber zugleich verb\u00fcrgen sie in den angesprochenen Binnenbeziehungen funktional auch nach au\u00dfen hin die Wahrnehmung, dass an der Spitze der Bewegung alles mit rechten Dingen zugeht.<\/p>\n<p>Die politischen Freundschaften und ihre Dauer sind aber auch eine Hauptursache langfristiger politischer Patronagebeziehungen, die es nicht nur in politischen Parteien gibt (vgl. Luhmann 2002: 407ff.): Auch im Kontext von NSB werden angesichts ihrer teilweisen Professionalisierung Posten und Auftr\u00e4ge vergeben. So ist es nicht verwunderlich, dass zu dem mehr oder weniger institutionalisierten <strong>\u201e<\/strong>Bewegungssektor<strong>\u201d<\/strong>\u00a0inzwischen auch die Figur des Bewegungsunternehmers geh\u00f6rt; schlie\u00dflich m\u00fcssen Millionen von Pal\u00e4stinensert\u00fcchern, Tausende lila Halst\u00fccher mit Friedenstaube oder Sticker mit Sonnenblumen, schlie\u00dflich Embleme wie Plakate ebenso gedruckt und hergestellt werden, wie die umfangreiche Brosch\u00fcrenliteratur im Kontext einzelner Bewegungen. Hier werden ebenso wie im Spendensektor ganz betr\u00e4chtliche Ums\u00e4tze gemacht und bekanntlich verdanken ja nicht nur einige heute bekannte Verlage und Zeitschriften, sondern auch Druckereien, Buchl\u00e4den, Fuhrunternehmen und sogar Reiseb\u00fcros ihre Gr\u00fcndung und Herkunft solchen Bewegungskontexten. Die Finanz- und Wirtschaftsgeschichte des Bewegungssektors in Deutschland seit den sp\u00e4ten 1950er Jahren ist noch nicht geschrieben &#8211; und angesichts der vielfach informellen Verh\u00e4ltnisse wohl auch nur sehr schwer zu rekonstruieren. [17] Angesicht des geringen Grades funktionaler Differenzierung und der vorhandenen Verschr\u00e4nkung politischer, organisatorischer und wirtschaftlicher Funktionswahrnehmung in den NSB w\u00e4re sie aber aus der Sicht einer herrschaftssensiblen Demokratiegeschichte auch des au\u00dferparlamentarischen Sektors w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h3>\n<p>Die vorstehenden \u00dcberlegungen und Beispiele geben wohl Anlass, die unkritische Hintergrundannahme von der inneren Herrschaftslosigkeit von NSB aufzugeben und mit den \u00fcblichen Fragen einer kritischen politischen Soziologie empirisch nachzuforschen. Dabei w\u00e4re davon auszugehen, dass wie \u00fcberall in Politik und Gesellschaft gegebene <em>opportunity structures<\/em> auch ein gewisses Ma\u00df von Missbrauch und Dysfunktionalit\u00e4t im Sinne der jeweiligen Bewegungsziele erm\u00f6glichen. Mag dieses Ma\u00df angesichts der ganz \u00fcberwiegend rational oder idealistisch motivierten Anh\u00e4ngerschaft der meisten NSB auch geringer sein als in vergleichbaren formalen Organisationen, so rechtfertigte das doch nicht das bisherige Desinteresse der Sozialwissenschaften und eben leider auch nicht jedes gespendete politische Vertrauen ihrer Anh\u00e4nger. Relevant ist diese Frage aber \u00fcber die Binnenbeziehung hinaus heute in dem Ma\u00dfe geworden, in dem NSB als NRO an Herrschaftsfunktionen politischer Systeme unmittelbar teilhaben. Dass ihre dabei agierenden Repr\u00e4sentanten schw\u00e4cheren mitgliedschaftlichen Partizipations- und Kontrollrechten ausgesetzt sind, besch\u00e4digt damit nicht nur ihre eigenen Legitimationsgrundlagen, sondern die Legitimit\u00e4t von Regieren in <em>public-private-governance-networks<\/em> \u00fcber die bereits bekannten Ma\u00dfe hinaus. Solange man in diesen sich ausbreitenden informellen Strukturen auf Seiten der NRO nur die jeweils eigenen gesteigerten Partizipationsrechte und auf Seiten der formal legitimierten Regierungen nur die vermeintlichen Effektivit\u00e4tsgewinne im Auge hat, befindet sich die eingangs angesprochene langfristige Entwicklungstendenz der Demokratisierung zur Zeit in einer eigenartigen Regression.<\/p>\n<p>Zusammen mit dem als Personalisierung und Mediatisierung der Parteipolitik breit diskutierten R\u00fcckgang an innerparteilicher Demokratie k\u00f6nnten somit die Aspekte charismatischer und lediglich intern auf pers\u00f6nlichem Vertrauen basierender F\u00fchrungsstrukturen in den NSB insgesamt derzeit an einem Wandel der politischen Kultur mit strukturellen Auswirkungen teilhaben, dessen Entwicklungsfluchtpunkt noch nicht recht erkennbar ist. Die paradoxe Tendenz der Relativierung gleichberechtigter formaler Mitwirkungsrechte durch Ausweitung der Partizipation von NSB in allen Phasen des politischen Prozesses scheint aber langfristig eindeutig zu sein.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<p>1 Ich kn\u00fcpfe hier an fr\u00fchere \u00dcberlegungen an, die aber auf die durch Informalisierung bedingten Ver\u00e4nderungen des Regierens und nicht die inneren Strukturen von Neuen Sozialen Bewegungen abzielten, siehe Greven 2000.<\/p>\n<p>2 Die unterschiedliche Bezeichnung als NRO und NSB schuldet sich &#8211; wie bei anderen Autoren &#8211; dem jeweiligen Kontext; dass heute politikwissenschaftlich mehr von NRO als NSB die Rede ist, spiegelt die politische Einbindung sozialer Bewegungen in policy-coalitions und die an sie gerichteten Erwartungen rationalen Mitregierens sowie den momentanen Abschwung fundamentaler Opposition unbewu\u00dft, aber realistisch wider.<\/p>\n<p>3 Auch (innerparteiliche) Demokratie ist eine Herrschaftsstruktur &#8211; nur eben eine auf politischer Gleichheit und Partizipationsrechten beruhende.<\/p>\n<p>4 Bei Joachim Raschke wird sie immerhin in der angesprochenen Weise, anders als in zahlreichen von mir \u00fcberpr\u00fcften wichtigen Werken zu NSB, aufgeworfen; auf das f\u00fcr ihn wohl entscheidende Argument, warum es sich hier &#8222;eher&#8220; nicht um &#8222;Herrschaft&#8220; handle (Raschke 1985: 218), komme ich im Text noch zu sprechen.<\/p>\n<p>5 Pr\u00e4gnante Beispiele zur &#8222;Substitution von &#8218;Herrschaft&#8216; durch &#8218;F\u00fchrung&#8220;&#8218; in dem von Dietrich Nilger verfassten Unterkapitel des Stichworts &#8222;Herrschaft&#8220; in den Geschichtlichen Grundbegriffen (Hilger 1982). Bezeichnenderweise spricht Joachim Raschke dort, wo er das Thema Charisma in NSB kurz ber\u00fchrt, vom &#8222;charismatischen F\u00fchrungstyp&#8220; (Raschke 1985: 218) und setzt es mit einem &#8222;charismatisch-autorit\u00e4ren&#8220; oder gar &#8222;-totalit\u00e4rem Modell&#8220; (ebd.: 219) gleich.<\/p>\n<p>6 In der Kritischen Theorie findet sich f\u00fcr diesen Sachverhalt die dialektische Formel von der &#8222;Surplus-Herrschaft&#8220;: als einem funktionalen Zuviel an Herrschaft und dem Gewinn, den ihre Inhaber daraus ziehen, z.B. Marcuse 1969.<\/p>\n<p>7 Heute scheint diese unkritische Haltung sich von fr\u00fcherer NSB-Emphase in die neuere NGO-governance-Diskussion verschoben zu haben &#8211; so etwa bei Klaus Dieter Wolf, der glaubt, das Legitimationsproblem mitregierender NGO lasse sich durch den Hinweis auf deren &#8222;Reputation&#8220; umgehen, und bei dem die hier thematisierten inneren Probleme als legitimationsbed\u00fcrftig gar nicht erst auftauchen (Wolf 2002).<\/p>\n<p>8 Hier ist nicht der Raum, alternative Konzepte von &#8222;F\u00fchrung&#8220; in der Bewegungstheorie zu diskutieren, z.B. das von Alain Touraine &#8211; allerdings noch auf dem Hintergrund der Klassenanalyse entwickelte &#8211; Konzept der &#8222;Berufung&#8220;, das &#8222;von der virtuellen Gegenwart des historischen Subjekts im Individuum ausgeht&#8220;, woraus sich eine F\u00fchrungsrolle ergeben kann (Touraine 1974: 276f.). Genau hier zeigt sich der &#8222;moderne&#8220; Charakter von Webers attributions- und handlungstheoretischem Ansatz, der sich vor allen Bewegungstheorien marxistischer Provenienz durch das Fehlen jeglicher Geschichtsmetaphysik auszeichnet und der im Unterschied zu einigen neueren Ans\u00e4tzen der Bewegungstheorie ohne Evolutionsannahmen auskommt.<\/p>\n<p>9 &#8222;Was Dutschke als &#8222;totale Personalisierung&#8220; durch die b\u00fcrgerlichen Massenmedien anprangerte, beschrieb eine unaufl\u00f6sliche Verstrickung der Bewegung insgesamt&#8220; (Koenen 2001: 36).<\/p>\n<p>10 Eigent\u00fcmlich selbstverst\u00e4ndlich b\u00fcrgerte sich auch der Begriff &#8222;Studentenf\u00fchrer&#8220; oder &#8222;F\u00fchrer der Studentenbewegung&#8220; oder &#8222;APO-F\u00fchrer&#8220; (z.B. Rudi Dutschke) ein, zuerst wohl durch die Medien, schlie\u00dflich aber auch in den Bewegungskontexten (man denke an Petra Kelly) selbst und sogar in der sozialwissenschaftlichen Literatur. Dabei taucht das Adjektiv &#8222;charismatisch&#8220; nicht selten als Personenkennzeichen auf, ohne dass die hier diskutierten Fragen gestellt w\u00fcrden; im Zusammhang mit der heutigen attac k\u00f6nnte man angesichts der globalen Pr\u00e4senz einiger Personen geradezu von &#8222;Starrummel&#8220; sprechen, der sicherlich auch eine \u00f6konomische Relevanz besitzt.<\/p>\n<p>11 Man denke an die Art, wie Joschka Fischer bis heute in seiner Partei erfolgreich &#8218;herrscht&#8216;, ohne die entsprechenden \u00c4mter inne zu haben.<\/p>\n<p>12 Nat\u00fcrlich waren in der Friedensbewegung alle f\u00fcr den Frieden engagiert &#8211; aber ob sich die n\u00e4chste Gro\u00dfdemonstration nur gegen die amerikanischen Pershing II oder auch zugleich gegen die sowjetischen SS-20 richten sollte, das war doch manchmal in sehr kleinen Kreisen auszuhandeln.<\/p>\n<p>13 Roland Roth kommt das Verdienst zu, mit diesen Begriffen die &#8222;Gegeninstitutionalisierungen&#8220; der von einigen immer noch nur als &#8222;bewegt&#8220; begriffenen NSB zum Thema gemacht zu haben &#8211; allerdings findet sich in dem ganzen Buch nicht ein Hinweis darauf, dass sich in den Strukturbildungen der &#8222;Demokratie von unten&#8220; wiederum die klassischen Demokratiefragen stellen lassen: Roth 1994.<\/p>\n<p>14 Nach meinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen stammen nicht wenige der \u00e4lteren Engagierten in NSB aus fr\u00fcheren Kontexten der demokratischen und sozialistischen Jugendbewegung.<\/p>\n<p>15 Man denke an die Rolle Daniel Cohn-Bendits im Pariser Mai 1968 &#8211; und das Reputationskapital, das sich f\u00fcr ihn daraus (bis heute?) ergab; vgl. Gilcher-Holtey 1995.<\/p>\n<p>16 Hier finden \u00dcberlegungen in der Weber-Literatur ihren Ansatz, die die auf personalen Verh\u00e4ltnissen beruhenden charismatischen Herrschaftsbeziehungen wie zum Beispiel in NSB im Gegensatz zur modernisierungsbedingten &#8222;Rationalisierung&#8220; aller Lebensverh\u00e4ltnisse und der Politik sehen, die sich in formalisierten Prozeduren niederschl\u00e4gt; siehe dazu Breuer 1994: 144ff.<\/p>\n<p>17 F\u00fcr die K-Gruppen gibt es Ans\u00e4tze dazu bei Koenen 2001, die zeigen welche Ressourcen in politischen Gruppen und Bewegungen zeitweise mobilisiert werden konnten &#8211; und welche Verm\u00f6gensbest\u00e4nde bei ihrem politischen Niedergang \u00fcbrig bleiben. \u00c4hnliche Ausma\u00dfe wird man in den viel informelleren Strukturen der meisten NSB und ihrer Bewegungsorganisationen allerdings nicht erwarten d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p><em>Alemann, Ulrich von\/Heinze, Rolf G<\/em>. (Hgg.) 1979: Verb\u00e4nde und Staat, Opladen<\/p>\n<p><em>Breuer, Stefan<\/em> 1994: B\u00fcrokratie und Charisma, Darmstadt<\/p>\n<p><em>Gilcher-Holtey, Ingrid<\/em> 1995: Die Phantasie an die Macht, Frankfurt\/Main<\/p>\n<p><em>Greven, Michael Th<\/em>. 2000: Die Beteiligung von Nicht-Regierungs-Organisationen als Symptom wach-<br \/>\nsender Informationalisierung des Regierens; in: <em>vorg\u00e4nge<\/em> 151 (Heft 3\/2000 \u2014 September), S. 3-12<\/p>\n<p><em>Greven, Michael Th<\/em>. 1988: Zur Kritik der Bewegungswissenschaft; in: <em>Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen<\/em>, 4\/1988, S. 51-60<\/p>\n<p><em>Hilger, Dietrich<\/em> 1982: Die Substitution von &#8218;Herrschaft&#8216; durch &#8218;F\u00fchrung&#8216;: in: <em>Geschichtliche Grundbegriffe<\/em>, Bd. 3, Stuttgart, S. 94-98<\/p>\n<p><em>Hondrich, Karl Otto<\/em> 1973: Theorie der Herrschaft, Frankfurt\/Main<\/p>\n<p><em>Koenen, Gerd<\/em> 2001: Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977, K\u00f6ln<\/p>\n<p><em>Lohmar, Ukrich<\/em> 1963: Innerparteiliche Demokratie, Stuttgart<\/p>\n<p><em>Luhmann, Niklas<\/em> 2002: Organisation und Entscheidung, Opladen<\/p>\n<p><em>Marcuse, Herbert<\/em> 1969: Versuch \u00fcber die Befreiung, Frankfurt\/Main<\/p>\n<p><em>Raschke, Joachim<\/em> 1985: Soziale Bewegungen, Frankfurt\/Main u. New York<\/p>\n<p><em>Roth, Roland<\/em> 1994: Demokratie von unten, K\u00f6ln<\/p>\n<p><em>Touraine, Alain<\/em> 1974: Soziologie als Handlungswissenschaft, Darmstadt\/Neuwied<\/p>\n<p><em>Touraine, Alain<\/em> 1976: Soziale Identit\u00e4t und soziale Bewegung; in: Ders.: Was n\u00fctzt die Soziologie?, Frankfurt\/Main, S. 176-207<\/p>\n<p><em>Weber, Max<\/em> 1972 [1921\/22]: Wirtschaft und Gesellschaft, 5. rev. Ausg., T\u00fcbingen<\/p>\n<p><em>Wolf, Klaus Dieter<\/em> 2002: Zivilgesellschaftliche Selbstregulierung: ein Ausweg aus dem Dilemma des internationalen Regierens?; in: <em>Jachtenfuchs, Markus\/Knodt, Mich\u00e9le<\/em> (Hgg.): Regieren in internationalen Institutionen, Opladen, S. 183-214<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[3781,3294,3784,3780,3720,680,3783,667],"autoren":[157],"publikationen":[1210],"class_list":["post-19538","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-charisma","tag-demokratietheorie","tag-herrschaft","tag-macht","tag-neue-soziale-bewegungen","tag-pluralismus","tag-vertrauen","tag-vorgaenge-artikel","autoren-michael-th-greven","publikationen-vorg-160"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Charismatische Herrschaft und Vertrauen in Neuen Sozialen Bewegungen: Demokratietheoretische Probleme - lebensweltliche Erfahrungen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-160\/publikation\/charismatische-herrschaft-und-vertrauen-in-neuen-sozialen-bewegungen-demokratietheoretische-probleme-lebensweltliche-erfahrungen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Charismatische Herrschaft und Vertrauen in Neuen Sozialen Bewegungen: Demokratietheoretische Probleme - lebensweltliche Erfahrungen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Gr\u00fcndungsgeschichte der modernen Demokratie kann auch als die einer allm\u00e4hlichen rechtlichen Formalisierung und Institutionalisierung von Beteiligungsrechten gelesen werden. 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