{"id":19546,"date":"2024-09-12T13:54:18","date_gmt":"2024-09-12T11:54:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19546"},"modified":"2024-11-25T16:38:42","modified_gmt":"2024-11-25T15:38:42","slug":"die-familie-zwischen-neuer-ideologie-und-gesellschaftlicher-realitaet-eine-polemik","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-160\/publikation\/die-familie-zwischen-neuer-ideologie-und-gesellschaftlicher-realitaet-eine-polemik\/","title":{"rendered":"Die Familie zwischen neuer Ideologie und gesellschaftlicher Realit\u00e4t: Eine Polemik"},"content":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich war sie wieder da: Die \u201eFamilie\u201c wurde im Bundestagswahlkampf 2002 f\u00fcr alle Parteien zum zentralen Thema. \u201eKinder\u201c war bei allgemeiner D\u00fcsternis in Wirtschaft und Weltpolitik das einzige positive Stichwort, von dem sich die Parteistrategen R\u00fchrung der W\u00e4hler und W\u00e4hlerinnen erhofften. Es handelte sich zwar genau genommen um eine weitere eigentlich verp\u00f6nte Minderheitenpolitik &#8211; Vater-Mutter-Kind als eine bedrohte Art -, bediente aber menschliche Sehns\u00fcchte. Es war nicht nur Werbegag, sondern politische Ansage zur Zeit.<\/p>\n<p>Auch nach dem 22. September geh\u00f6rte die Familienpolitik zu den wichtigen Stichworten bei Regierung und Opposition. Die rot-gr\u00fcne Regierung nimmt sich im zweiten Anlauf Reformen vor: im Interesse unserer Wirtschaft zwar keine neue, aber mit Hartz eine effiziente und h\u00e4rtere Neuorganisation der noch vorhandenen Arbeit; f\u00fcrs erste keinen weiteren Krieg, daf\u00fcr aber nationalere T\u00f6ne, das \u201eAlle-in-einem-Boot\u201c-Gef\u00fchl w\u00e4hrend der Flut noch im Ged\u00e4chtnis; mit Wolfgang Clement soll Wirtschaft und Arbeit eine automatische Einheit bilden. Nachdem Rot-Gr\u00fcn in seiner ersten Periode vor allem die Aufl\u00f6sung bisheriger politischer Regularien und Programmatiken gelungen war, will man nun neue strukturelle Weichenstellungen. Familien soll es nun auch wirklich besser gehen, Kinderbetreuung wird zum Hit der Saison.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"familie-in-der-krise\">Familie in der Krise<\/span><\/h3>\n<p>Die dramatischen Meldungen hatten sich in j\u00fcngster Zeit \u00fcberschlagen. Die Geburtenrate bewegt sich im Sink-, die Altenrate im Steigflug, Spitzenarbeitskr\u00e4fte sind nicht mehr in Sicht, arme Kinder um so mehr. \u201eGed\u00f6ns\u201c wurde unverhofft wichtig und veranlasste den Kanzler im Sommer 2002 erstmalig zu einer Regierungserkl\u00e4rung, um die Geborgenheit der Familie zu preisen. Diese sei zum \u201eWohlf\u00fchlen\u201c da, f\u00fcr \u201eZusammenhalt und Halt\u201c, das \u201estabile Zentrum der Gesellschaft\u201c. Kinder zu erziehen sei die gro\u00dfartigste und wichtigste Aufgabe, die Gerhard Schr\u00f6der &#8211; so wie einst Helmut Kohl &#8211; sich denken konnte, weshalb er sich Zeit seines Lebens bekanntlich darum riss. Die Gr\u00fcnen machten Politik auf \u201eKinderh\u00f6he\u201c. Die CDU f\u00fchlte sich endlich wieder daheim und alle gaben ihr recht. Die SPD verk\u00fcndete, mit einem neuen Gesellschaftsvertrag die Familie retten zu wollen, Gro\u00dforganisator Franz M\u00fcntefering setzte pl\u00f6tzlich auf die \u201ekleinen Einheiten\u201c. Sollte die heilige Familie von Rot-Gr\u00fcn die letzte \u00d6lung erhalten? Vorschl\u00e4ge reihten sich an Vorschl\u00e4ge: Die taz sprach von der Einbindung in den Generationenrhythmus und Feminismus durch die Hintert\u00fcr. Die <em>FAZ<\/em> lie\u00df das Abendland daran leiden, dass \u201eEltern und Kinder einander nicht mehr brauchen\u201c. F\u00fcr den Verfassungsrechtler Paul Kirchhof wurden M\u00fctter zu \u201eGaranten der Humanit\u00e4t\u201c. Die Regierung grub in konservativen Ideen vom Humanverm\u00f6gen und so darf die Familie getrost gesellschaftlichen Anspruch stellen, aber in privater Verf\u00fcgung bleiben. Die regierungsamtliche Familien-Werbekampagne malte die Mutter zum Kanzler, die immer noch daheim sitzt, aber selbstredend ganz emanzipativ: ein M\u00fctter-Matriarchat, das alle anderen zu Kindern macht, clean, adrett, wohlanst\u00e4ndig, normal, versorgt, ohne eine Spur von Problemen, unerotisch, artig &#8211; die Bild\u00e4sthetik der modernsten Werbung f\u00fcr eine Produkt wie einst von Dr. Oetker. Der Kanzler kr\u00f6nt das Werk mit der Ernennung Renate Schmidts zur &#8211; nach der \u201eFrauen-\u201c nun wieder &#8211; \u201eFamilienministerin\u201c, die rechtzeitig vor der Wahl <em>SOS<\/em> Familie gefunkt hatte.<\/p>\n<p>Freilich: Je liberaler der Markt, desto weniger Liberalit\u00e4t soll f\u00fcr die Familie gelten. Obwohl jede Partei den kulturellen Lebenswandel verinnerlicht haben will, die CDU-Vorsitzende gleich nach dem Wahltag ihrer Partei noch mehr praktische \u00dcbung darin verordnete, setzte mit der Ank\u00fcndigung der &#8222;Abschmelzung&#8220; des Ehegattensplittings durch die Gr\u00fcnen ein erneuter Glaubenskrieg ein, der postwendend zum Verzicht auf das Vorhaben f\u00fchrte. Was sich jenseits der geordneten Kleinfamilie befindet, sollte angeblich nur Notl\u00f6sung mit garantierten lebenslangen Besch\u00e4digungen sein. Die oberen Mittelschichten sollten bis zur totalen Kinderlosigkeit der oberen Gesellschaftsetagen geschr\u00f6pft werden. Nicht nur die Familie, auch die Ehe und die Freiheit ihrer inneren Ordnung, welche Frauen vor dem Hintergrund der \u00e4u\u00dferen Arbeits- und Werteordnung im Zweifel auf die inferiore Position verweist, sollten durch das GG unver\u00e4nderlich gesch\u00fctzt sein. F\u00fcr neue elterliche Erziehung und Ordnung ward schon lange gefochten und Singles wurden schwer in Verruf gebracht, unterstellte man ihnen doch die Verweigerung von sozialen Pflichten. Das Individuum war schon verabschiedet.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde der j\u00fcngsten Familieneuphorie liegen in der Wirtschaftsflaute. Bis vor kurzem hie\u00df es \u201eFlexibilisierung\u201c all\u00fcberall, von Stund an sind via die Bande der Natur Sicherheit und Bestand an der Reihe. Vom Ich-Ego-Kult wechseln wir zum Aufgehobensein im Anderen. <em>McKinsey Deutschland<\/em> sagt, ihre wichtigsten Leute seien 32 Jahre, im Familiengr\u00fcndungsalter und die gr\u00f6\u00dfte Reserve die Frauen. Inhuman sei es, diese alternativ zwischen Beruf und Familie entscheiden zu lassen. Wo beides zusammen sich doch erst rechnet. Geburtenrate und Wirtschaftsstandort oder, anders gesagt, die Suche nach der besten Humanressource treiben uns an und lassen nach \u201eReproduktion\u201c von Mensch und Gesellschaft fragen.<\/p>\n<p>Bieten die Parteien deshalb nun neue Perspektiven? Die Grundbehauptungen und strukturpolitischen Ans\u00e4tze bestehen in dieser Form seit dem 19. Jahrhundert, zusammengesetzt aus Industriegesellschaft, Kleinfamilie und Sozialstaat. Hat sich nichts wirklich ge\u00e4ndert?<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"vom-heilsamen-verlust-einer-illusion\">Vom heilsamen Verlust einer Illusion<\/span><\/h3>\n<p>Die Politik wird von einer Notlage verfolgt, deren Ursachen weit zur\u00fcck reichen und die sie selbst erst richtig geschaffen hat. Angezeigt vom Gott Geld, glaubt die Politik sie auch mit Geld l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Was jedoch zum Scheitern verurteilt ist, denn Geld ist nicht da und wenn es da w\u00e4re &#8211; Kinder lie\u00dfen sich damit nicht kaufen. Bleibt als Alternative noch der technisch gez\u00fcchtete Mensch, an dem zeitgleich laboriert wird. Doch auch er ist eine Illusion, so wie er es schon in den Jahrhunderten zuvor war. Aber der Mann h\u00e4tte, ausgehend von seinem Lebensmodell, mit der \u00fcblichen Methode die Probleme wegdelegiert. Und die Protagonisten \u201eproduktiver Zerst\u00f6rung\u201c, die mit demokratieentzogener Globalisierung, Flexibilisierung und Individualisierung die sch\u00f6ne Zukunft versprachen, dr\u00fcckten sich vor der Verantwortung f\u00fcr die Folgen ihrer Eingriffe. Wo sie diese erstmals selbst zu sp\u00fcren bekommen, zeigen sie lieber auf andere: Kinderlose, Alleinerziehende, Geschiedene, Doppelverdiener \u2026 &#8211; jene, die nur die Kehrseite der bis eben herrschenden Norm des autonom-rundum-verf\u00fcgbaren Berufsmenschen nach altm\u00e4nnlicher Herrlichkeit darstellen. Kinderlose lebten auf Kosten der Familien und Kinder, hei\u00dft es. Dabei produzieren sie im jetzigen System das Geld f\u00fcr Kinderg\u00e4rten, Schulen, Universit\u00e4ten, Sozialsysteme, landen Alleinstehende &#8211; mehrheitlich geringer verdienende Frauen &#8211; automatisch in Steuerklasse I, m\u00fcssen sie f\u00fcr den Zugang zu geldwerten sozialen Machtnetzen weit mehr aufwenden etc. Dass \u201eNutzen sozialisiert, Kosten privatisiert\u201c werden, mag im Einzelfall passen. Das Problem der systemisch und durch gesellschaftliche Wertsetzungen geschaffenen Paradoxien, Diskrepanzen und Machtgef\u00e4lle trifft es nicht: Wir sollen uns zwar auf eine globale Welt(markt)gemeinschaft einstellen, aber die Familie soll in ihrem sozialen Raum eng, arm und stupid bleiben. So viel die einen an Erwerbsarbeit zu viel auf einmal haben, so viel haben die anderen zu wenig und so viel unbezahlte und \u201eunbezahlbare\u201c Arbeit bleibt gleichzeitig liegen. Eine Gesellschaft, die nur die Hochintelligenten zu brauchen glaubt, sitzt einem fundamentalen Irrtum auf. In Technik werden Milliarden investiert, Soziales wird einfach zum Fenster herausgeschmissen. Benutzt wird ein Bruchteil der Technik, Menschen finden zuhauf keinen Nutzen in ihrem Dasein. W\u00e4hrend die Familie Wohlstandsattribut und Machtressource f\u00fcr die einen geworden ist, wurde sie den anderen zur einzigen Sinn- und Existenzbasis, Sozial- und Altersversicherung. Angebliche oder tats\u00e4chliche Selbstbehauptungsunf\u00e4higkeit vor einer ver\u00e4nderten Welt, das Altern und das Aussterben hierzulande stehen global \u201e\u00dcberbev\u00f6lkerung\u201c und \u201eGeburten\u00fcberschuss\u201c anderenorts gegen\u00fcber. \u201eFamilie\u201c funktioniert dort h\u00f6chstens als Seilschaft von Eliten; namentlich <em>junge<\/em> M\u00e4nner ohne jede gesellschaftliche Perspektive probieren sich zuhauf in Verwahrlosung, Gewalt und Terrorismus. Gibt es etwa doch wechselseitige Abh\u00e4ngigkeiten und Zusammenh\u00e4nge, die aber nicht (an-)erkannt und \u201ein Rechnung\u201c gestellt werden, es sei denn durch die Hintert\u00fcr?<\/p>\n<p>Wenn ja, wo liegen die Ursachen daf\u00fcr? Und ist es so tragisch, dass es weniger Kinder gibt, die Einzelnen mehr Individualit\u00e4t leben und die klassische Kleinfamilie auf eine maximal 15- bis 20-j\u00e4hrige Lebensphase f\u00fcr jene geschrumpft ist, bei denen und solange die kollektive Beziehungsstiftung gewollt ist und gelingt? Ist genau das nicht ein Zeichen von Qualit\u00e4t und Wohlstand, der \u00dcberwindung sch\u00e4dlichen Zwangs, von Missbr\u00e4uchen und Gewalt, des heilsamen Verlustes der Illusion von der Familienidylle und ergo nicht das eigentliche Problem? Und wenn Familie wieder &#8218;in&#8216; ist &#8211; handelt es sich um nostalgische Flucht, einen Trend vom Egoismus zum Altruismus, eine Nutzen-Kosten-Kalkulation oder eine positive Lebenserwartung und Emanzipation innerhalb der Familie?<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"die-folgen-veraenderter-geschlechterverhaeltnisse\">Die Folgen ver&auml;nderter Geschlech&shy;ter&shy;ver&shy;h&auml;lt&shy;nisse<\/span><\/h3>\n<p>Von den Frauen (und M\u00e4nnern), die im Zweifelsfall Familien gr\u00fcnden, ist auffallend wenig die Rede. Obwohl es zun\u00e4chst noch immer um sie geht, die mit dem b\u00fcrgerlichen Zeitalter zur Hauptsache in die Kleinfamilie verpflanzt worden sind. Die bisherige \u201eweibliche\u201c Arbeit, die Hingabe und Sorge f\u00fcr das Wohlergehen anderer und f\u00fcr menschliche Bindung, \u201ef\u00fcllt\u201c Frauen nicht mehr \u201eaus\u201c; sie stellt keine (wenigstens mittelbare) Existenzsicherung mehr dar. Die Frauenbesch\u00e4ftigung w\u00e4chst so oder so unaufhaltsam weltweit, oft schon sind Frauen die Hauptern\u00e4hrerinnen. Frauen wie Wirtschaft w\u00fcnschen dies so sehr wie sie es m\u00fcssen, weil die \u00f6konomischen Ressourcen f\u00fcr beide nicht reichen. Noch immer denken alle, alles andere k\u00f6nne mehr oder weniger so bleiben wie es war. Damit sind f\u00fcr den Tag zwar ein paar Reserven gewonnen. Doch die Wirtschaft verliert ihre bisherige Voraussetzung, treibt Individualisierung auf absurde Spitzen und frisst ihre eigene Existenzgrundlagen. Und was die Frauen gegen\u00fcber M\u00e4nnern im neueren sozialen Wandel begehrt macht, soziale Kompetenz und Multidimensionalit\u00e4t im Weltbild etwa, setzen diese aufs Spiel, indem sie es nur verbrauchen lassen. Beide Bewegungen ergeben einen negativen Synergieeffekt, der die Sache unproduktiv macht und einen gravierenden Qualit\u00e4tsverlust bringt. Sie vernichten soziales Kapital, von dem sie beide leben. Beide \u00fcbergehen, unterschiedlich in Vorzeichen und Massen, im vermeintlich privaten Lebensort die Produktionsst\u00e4tte des Sozialen und der dazugeh\u00f6rigen \u201ebetrieblichen\u201c Haushalte, einschlie\u00dflich der Arbeit, die f\u00fcr sie gemacht, und der Kosten, die daf\u00fcr aufgebracht werden m\u00fcssen. Weil die Arbeit am Menschen nichts kostet, ist sie auch nichts wert &#8211; also wird sie weit unter Preis gehandelt, verschleudert und stirbt aus, weil ihre Produktionsbedingungen <em>peu a peu<\/em> entfallen &#8211; sofern es keinen Ersatz f\u00fcr sie gibt.<\/p>\n<p>Gleichberechtigung aber gibt es mitnichten: Die Ungleichheit liegt heute nur in abstrakten sozialen Strukturen der Existenzsicherung bzw. der ungleichen Verteilung von Geld, Zeit, Macht, also von Freiheit, auf deren Unterseite Arbeit am Mensch und an konkrete Menschen gebundene Kreativit\u00e4t ausgebeutet werden. Sie liegt in gesellschaftlichen Denkparadigmen von Wirtschaft, Arbeit, Leben, Familie, die aus dem vorigen Jahrhundert stammen. Au\u00dferdem liegt sie in politischen Machtverh\u00e4ltnissen, die anonymisiert dem (f\u00fchrenden) Mann die gesellschaftliche Definitionsmacht von Werten und Mitteleins\u00e4tzen l\u00e4sst, mit der er \u00fcber Geld und Technik, ein historisches Amalgam, die Gesellschaft kontrolliert. Gegen diese Ungleichberechtigung streiken viele, namentlich die gebildeteren Frauen heimlich oder unbewusst: Sie versagen sich ihre eigenen Kinderw\u00fcnsche, k\u00fcndigen die \u201eUmsonst-Arbeit\u201c auf und betreiben mit durchaus eigenen Methoden erfolgreich ihre Selbstbehauptung auf dem Markt. Singles, Kinderlose, anspruchsvolle Frauen, bei denen Beruf und Privates Hand in Hand gehen, die mit einem \u201eM\u00e4nnersystem\u201c nicht mehr kompatibel sind, zeigen epochale Ver\u00e4nderungen an.<\/p>\n<p>Auf dieser (Problem-)Ebene aber reagier(t)en die normsetzenden M\u00e4nner selten und wenn, dann meistens zu sp\u00e4t. Sie bevorzugen es bis heute, die Marktkriege um ein weiteres zu versch\u00e4rfen, und sei es mit Terror. Noch die letzte (systemische) soziale Verantwortung in Gestalt paternalistischer F\u00fcrsorge haben sie abgeworfen, f\u00fcr sich selbst weder m\u00fcndig noch demokratief\u00e4hig. Nur dem f\u00fchrenden Wirtschaftsmann, dem Gewinner schlechthin, wird&#8217;s langsam brenzlig, denn die Grenze dieser Methode ist erreicht. Derweil schreitet der soziale Wandel munter weiter voran. Von der neuen Arbeit wird die alte Familie unterwandert, von den Folgen des damit bef\u00f6rderten demographischen Wandels werden neue Arbeit und anderes Leben nur beschleunigt. Unter der Hand haben Frauen die M\u00e4nner als gesellschaftlich f\u00fchrende Norm l\u00e4ngst abgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Familie als solche existiert nat\u00fcrlich wie eh und je, wo und wie es passt, abh\u00e4ngig von den Zw\u00e4ngen, unter denen sie sich bewegen muss. Aufgek\u00fcndigt wurden und werden nur ihre alten Formen und Regeln: Die Leute schlugen sich ins Freie. Nun versucht die Politik den Prozess mit vereinten Kr\u00e4ften wieder einzufangen &#8211; entsprechend den neuen sozialen und politischen Machtverh\u00e4ltnissen, die sich zwischenzeitlich eingestellt haben. Das wird zur neuen Klientelpolitik in dieser oder jener Variante &#8211; aber an der Lage der Familien wird dies noch nichts Wesentliches ver\u00e4ndern: Die Frauen werden sich nicht heimholen lassen. Keine noch so sch\u00f6ne V\u00e4terkampagne konnte M\u00e4nnern vormachen, dass es sich lohnte, ihren Platz einzunehmen, obwohl M\u00e4nner als (moderne) V\u00e4ter wirklich gebraucht w\u00fcrden. Von ihrer Leidenschaft, Kinder zu bekommen und das Dasein mit ihnen zu teilen, ganz zu schweigen. Die traditionelle Kleinfamilie kann weder die individuellen noch die gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse mehr befriedigen, ihre Kinderziehung ist unprofessionell und ihre h\u00e4uslichen Arbeitsweisen sind unproduktiv. Die Delegation des Problems der \u201eVereinbarkeit von Beruf und Familie\u201c an Frauen ist undemokratisch, sie macht die Arbeitsb\u00fcrger unm\u00fcndig und unselbst\u00e4ndig.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"das-kapital-der-neue-zusammenhalt\">Das Kapital: der neue Zusam&shy;men&shy;halt<\/span><\/h3>\n<p>Es geht l\u00e4ngst zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen, und das ganz von allein. Dennoch wird es Familie als autonome Produktionseinheit bzw. heile Erwerbs- und Versorgungsgemeinschaft (wenn es sie denn je gab) nicht mehr geben. Davor steht das globale Kapital, das die Familie viel zu sehr braucht und sich deshalb l\u00e4ngst eine entsprechende Last aufgeb\u00fcrdet hat. Kollektiven Zusammenhang und Einheit stiftet nicht mehr die Nation, der Staat, die Klasse, die Tarifpartner, die Familie o.\u00e4., sondern das Kapital, das sich und die Menschen mehr oder weniger komplett von den bisherigen Spielregeln freigesetzt hat. Das Leben organisiert sich da herum. Das Kapital will die beste Arbeitskraft. Die beste ist nicht eine, die Kummer hat, \u201elern- oder leistungsgest\u00f6rt\u201c ist. Also bezahlt es f\u00fcr die, auf die es nicht verzichten kann, die Kreativen. In dem, was Gesellschaft ausmacht, stehen sich Mensch und Kapital mehr und mehr sehr direkt gegen\u00fcber &#8211; und sehen, was sie miteinander aushandeln k\u00f6nnen. Je wertvoller die Arbeitskraft, desto mehr gibt es f\u00fcr ein reichhaltiges soziales Leben als neuer Ressource statt Konsum und Freizeit. Menschen verbinden sich, wo sie sich treffen. Das geschieht vornean im \u00f6konomischen Austausch, denn da sind sie wer. Ehen werden gestiftet werden, weil es gut f\u00fcr die eigene Arbeitskraft, die Gesundheit, das \u201eSelbstunternehmen\u201c ist. Auch f\u00fcr dieses gilt es, die beste Rendite durch umfassende Eigenkapitalentwicklung zu sichern. Jede, jeder wird auf die Selbstvermarktung angewiesen sein. Es gibt keine extraordin\u00e4ren Strukturen oder Inseln mehr, die kontr\u00e4r zur Wirtschaftsgesellschaft funktionieren. Nischen gibt es nur jenseits einer normalen Existenz &#8211; einzeln oder in neu pauperisierten Regionen. Ehe und Familie werden Teil der \u201eFirma\u201c, in der der Unterschied zwischen privater und \u00f6ffentlicher Arbeit aufgehoben ist, in der Intimit\u00e4t, Privatheit, Liebesideal als Grundlage und Sozialstaat als \u00e4u\u00dferer Rahmen entfallen. Kapital wird Familien (inkl. sexueller Reproduktion) vernetzen, flexibilisieren, restlos offen kapitalisieren und vergesellschaften und zu einem untrennbaren Teil von Wirtschaftsgesellschaft machen. Deshalb wird das Kapital im eigenen Interesse Familie auch \u00f6konomisch und politisch eingemeinden m\u00fcssen. Von den inneren Wertbez\u00fcgen und Spielregeln der Wirtschaftsgesellschaft wird alles abh\u00e4ngen.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"standortfaktor-individualitaet\">Stand&shy;ort&shy;faktor Indivi&shy;du&shy;a&shy;lit&auml;t<\/span><\/h3>\n<p>Die gravierendste Ver\u00e4nderung im sozialen Wandel zur Dienstleistungs-, Informations-, Wissens- und Mediengesellschaft sind nicht die neuen Techniken als solche. Sie machen materielle Produktionen nicht \u00fcberfl\u00fcssig, sie ver\u00e4ndern sie jedoch. Sie f\u00fchren auch nicht in eine virtuelle Welt, die die Wirklichkeit au\u00dfer Kraft setzt, sie bringen aber eine zus\u00e4tzliche Spiegelungsebene. Entscheidend ist die \u201eFl\u00fcssigkeit\u201c und Komplexit\u00e4t der neuen Arbeitsverh\u00e4ltnisse und -mittel. Sie machen die Orte, Zeiten, Rhythmen und Einteilungen der Arbeit beweglich. Sie machen wertm\u00e4\u00dfige, definitorische, r\u00e4umliche etc. Trennungen und Hierarchien zwischen Familien- und Berufsarbeit, (wertlosem) Privatem und (statusf\u00f6rderlichen) \u00d6ffentlichem, unbezahlt-Reproduktiven und bezahlt-Produktiven, Kopf und Hand, Technik und Mensch \u00fcberfl\u00fcssig, sogar unm\u00f6glich. Sie lassen diese Arbeitsteilungen verflie\u00dfen, verflachen und anders verschmelzen. Der weitere Ersatz k\u00f6rperlicher Arbeit durch Technik st\u00e4rkt noch einmal mehr die Bedeutung des Faktors Mensch. Vor allem l\u00f6st sich die geschlechtliche Arbeitsteilung, in der sich die Teilungen geb\u00fcndelt haben, bis in ihre Restbestandteile auf. In ihr sind die Teilung zwischen Ober- und Unterbau der Gesellschaft, das gespalten-verzerrte Menschsein und die halbierte Demokratie am offenkundigsten kontraproduktiv geworden. Bewegliches Arbeiten, bewegliches Leben, bewegliche und komplexe Sozialbeziehungen werden die Zukunft bestimmen. Familien als fruchtbare Sozialgef\u00fcge und Lebenseinheiten werden von der Stabilit\u00e4t, der Verbindungsf\u00e4higkeit und Beweglichkeit von Kapital in jeder Form abh\u00e4ngig sein. Und der Mensch ist umso mehr sein eigenes Kapital, je weniger er andere Kapitalien hat. Halt findet der oder die Einzelne nur in seiner eigenst\u00e4ndigen Existenzbasis, Selbsterfindung und Selbstorientierung innerhalb eines sozialen Gef\u00fcges, in seiner Einbindung in Gesellschaft durch ein (Lebens-)Werk. Familie wird, wenn sie ihre Funktion erf\u00fcllt, hierarchielos um den Einzelnen herum stattfinden oder bei jenen, die sich am meisten Familie kaufen k\u00f6nnen. Wer Familien st\u00fctzen will, muss den Einzelnen in seinem Lebenswerk und seiner Beziehungsf\u00e4higkeit, das Hineinwachsen in eine offene und entwicklungsf\u00e4hige Welt st\u00fctzen.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"neue-herausforderungen-fuer-staat-und-gesellschaft\">Neue Heraus&shy;for&shy;de&shy;rungen f&uuml;r Staat und Gesell&shy;schaft<\/span><\/h3>\n<p>Diese fundamentale Ver\u00e4nderung fordert Gesellschaften als Kollektive und den Staat als Medium des Politischen heraus, sofern sie nicht alles dem Kapital allein \u00fcberlassen wollen.<\/p>\n<ol>\n<li>Wo der einst zur privaten Liebessache erkl\u00e4rte Hauptort der Produktion des Sozialen ausf\u00e4llt, soziale Ressourcen nicht mehr einfach da sind, muss vom Geboren-werden bis zum Sterben die <em>Arbeit am Menschen<\/em> Teil des Gesellschaftlichen werden. Dann stellt sich die Frage: Wer macht diese Arbeit k\u00fcnftig? Welche Leistung steckt in ihr? Wer bezahlt sie?<\/li>\n<li>Wo die Marktwirtschaftsgesellschaft so sehr die \u201eHumanressource\u201c nachfragt, werden deren Verbraucher f\u00fcr sie einen Preis bezahlen m\u00fcssen, mit dessen Ertrag sie hergestellt werden kann. Deshalb wird jede\/r und jede Wirtschaftseinheit f\u00fcr soziale Bildung, Sozialkapitalbildung und Gesellschaftsf\u00e4higkeit k\u00fcnftig mehr Geld auf den Tisch legen m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Wo die<em> Hierarchien und Dichotomien<\/em> der Arbeit entfallen, entfallen auch ihre dazugeh\u00f6rigen gesellschaftlichen dichotomen Einheiten und Hierarchien von Mann zu Wirtschaft, Staat, Familie, Gesellschaft, Frau etc. Deshalb ist die Wahl zwischen anarchistisch-autorit\u00e4rer Regierungsweise durch Charismatiker oder neuer Demokratisierung zu treffen.<\/li>\n<li>Wo der <em>Wandel der Geschlechterverh\u00e4ltnisse<\/em>, die vielleicht tiefgreifendste gesellschaftliche Ver\u00e4nderung \u00fcberhaupt, von den Parteien damit beantwortet wird, dass sie etwas mehr daf\u00fcr zahlen wollen, dass es in \u201eerleichterter\u201c Weise bleibt, wie es ist, werden die gesellschaftlichen Probleme der \u201eZweiten Moderne\u201c verkannt. In der nahen und mittleren Zukunft werden sich die neuen Arbeitst\u00e4tigkeiten und -weisen, die Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen, die Reintegration von Alten in die Arbeits-und Gesellschaftswelt, Bildung und fr\u00fches T\u00e4tigsein von Kindern ausbreiten. Die \u201eFrau\u201c wird als einzelne spezifische Ressource, als Teil eines Ganzen und als Synonym f\u00fcr die Arbeit am Mensch gebraucht. Die Ignoranz gegen\u00fcber dem humanen Faktor, soziale Spaltung, Ausbeutung und Ungleichheit tragen \u00f6konomisch nicht mehr, am wenigstens den traditionellen Mann. F\u00fcr ihn ist es in der neuen Welt eng geworden, er verschrumpft in sich selbst. Seine Krise belastet die Gesellschaft schwer. Herauskatapultiert aus \u201eproduktiver Funktion\u201c, Hauptern\u00e4hrerrolle, nicht n\u00f6tig als der, der die wichtigste Arbeit macht, nicht mal n\u00f6tig als Erzeuger, erst recht bar eines neuen Bildes vom Mann und bar entwickelter sozialer F\u00e4higkeiten, ist es mit seiner Exklusivit\u00e4t und seinem Vorrang vorbei. Dass die einen f\u00fcrsorgen und verbinden, die anderen trennen und Macht aus\u00fcben, ist mittlerweile pass\u00e9. Eine neue Rolle findet er nur &#8211; wie sie &#8211; als selbstbestimmter B\u00fcrger, Multi-Produzent, Sozialwesen und Lebewesen, f\u00e4hig zu vielf\u00e4ltigen, netzf\u00f6rmigen, komplexen demokratischen Beziehungen auf gleicher Wechselseitigkeit, sei es zwischen Menschen, Lebensbereichen oder Daseinsweisen. Unerl\u00e4sslich ist nun also eine Umgestaltung, die neue allgemeine Spielregeln hervorbringt.<\/li>\n<li>Der <em>Staat<\/em> kann weder \u00dcbervater noch \u00dcbermutter mehr sein, die Familie nicht seine Keimzelle. Auch kann er der Frau nicht den paternalistischen Mann und beiden nicht die traditionelle Kleinfamilie ersetzen. Er muss vielmehr Instrument einer kollektiven, reziproken, offenen Verhandlung und Garant deren Verhandlungsergebnisse werden \u2014 und zwar bezogen auf drei gesellschaftlich existentielle Aufgaben:<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>a) Er muss f\u00fcr die notwendigen allgemeinen Verkehrsregeln sorgen. Und er muss als allgemeine Grundlage ein Minimum an freien und gleichen, sozialen und politischen B\u00fcrgerrechten gr\u00fcnden, die so beschaffen sind, dass sie Selbst\u00e4ndigkeit und Selbstversorgung der B\u00fcrger in Kooperation mit anderen und demokratische Gemeinf\u00e4higkeit erm\u00f6glichen.<\/li>\n<li>b) Er muss die Steuer- und Sozialpolitik, also den Bereich abgeleiteter Wertbeziehungen und sozialer Rechte, neu gestalten und hierbei insbesondere f\u00fcr Kinder und Alte bzw. alle Nicht-Selbstversorgungsf\u00e4hige das Solidarprinzip garantieren, um individuelle Freiheit erst zu schaffen.<\/li>\n<li>c) Er muss f\u00fcr Demokratisierung und Gleichheit in gesellschaftlichen Strukturen und in der Rechtssetzung sorgen, um nachhaltige Produktivit\u00e4t zu sichern. In der Vergangenheit wurde das Verh\u00e4ltnis zwischen Kapital und Arbeit und damit die Ausgestaltung der Erwerbsarbeit als ausschlaggebend betrachtet und behandelt. K\u00fcnftig wird der Ort, an dem \u00fcber diese \u00c4nderungen entschieden wird, die Wirtschaft in ihrer ganzen Komplexit\u00e4t und ihren Wertbez\u00fcgen sein. In diesem Sinne sind &#8211; nach der Atomisierung der Gesellschaft &#8211; die Orte, an denen \u201eGesellschaftsstiftung\u201c k\u00fcnftig stattfindet, neu zu erfinden. Auch wenn der Gang durch eine &#8222;reaktion\u00e4re&#8220; Phase ob zu geringen Leidensdrucks uns nicht erspart bleiben sollte, wird dieser Weg zwar teurer, aber dennoch unausweichlich bleiben.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 class=\"\"><span id=\"das-ideal-einer-neuen-grossfamilie\">Das Ideal einer neuen Gro&szlig;familie<\/span><\/h3>\n<p>Die Ursachen der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie liegen in fehlender und verfehlter Kinderbetreuung, in \u00fcberholten Berufsstrukturen, in unzureichender, weil zu wenig und nicht existenzsichernder Teilzeitarbeit, in der Unterbezahlung sozialer Arbeit, im Sozialrecht, im Machtanspruch von M\u00e4nnern, im Mangel an erwerblicher Haus- und Familienarbeit und einem r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Familienbild sowie in falscher inhaltlicher und methodischer Politik, die mit B\u00fcrokratie und Gesetzeszwang zu operieren versucht, anstatt neue Entwicklungen durch positive Anreize freizusetzen. Der Mensch ist in seiner Ganzheit zu sehen und Gesellschaft auf ihn auszurichten. Wenn ein Menschenleben heute l\u00e4nger dauert, so braucht eine Gesellschaft auch weniger Menschen zu ihrer eigenen Reproduktion. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen, k\u00f6nnen und wollen Menschen l\u00e4nger arbeiten, wenn sie \u00e4lter werden, vorausgesetzt, sie werden nicht schon zwischen dem dritten und f\u00fcnften Lebensjahrzehnt bis zum letzten Tropfen ausgepresst. Nun ist auch f\u00fcr Familien die Zeit gekommen, in der Begegnungen frei und freiwillig werden m\u00fcssen, das wird sie beleben. Nat\u00fcrlich ist es vern\u00fcnftig und human, Fremde aufzunehmen, die am Sozialprodukt mitarbeiten und neue Impulse in eine Gesellschaft bringen. Ob Frauen und M\u00e4nner die Kinder in die Welt setzen, die sie sich w\u00fcnschen, h\u00e4ngt, neben Unberechenbarem, von ihren eigenen und der Kinder Zukunftsperspektive ab. Schutzbed\u00fcrftig sind die Rechte der Kinder und all derer, die von anderen abh\u00e4ngig sind. Das k\u00fcnftige Ideal wird eine Gro\u00dffamilie neuer, offener und freierer Art sein, die sogar noch Freundinnen und Mitarbeiter mit einschlie\u00dfen kann, die jedoch nicht unter einem Dach, sondern selbst\u00e4ndig und miteinander verkn\u00fcpft leben. Familie ist so in der Tat eine soziale Ressource und Quelle von Reichtum.<\/p>\n<p>Wer eine solche Familie st\u00fctzen will, darf nicht Wunschdenken und Kitsch folgen, sondern der ergreift im gro\u00dfen Stil folgende Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n<ol>\n<li>Er muss &#8211; neben einem guten \u00f6ffentlichen Bildungswesen &#8211; ein fallweise privatwirtschaftliches, zivilgesellschaftliches, betriebliches, konfessionelles oder staatliches, jedenfalls \u00f6ffentliches Kinderwesen schaffen, das rundum Lebensorte schafft und jene Bildung wie menschlichen Beziehungen erm\u00f6glicht, die Kinder brauchen, vom erreichbaren Vater bis zu Gef\u00e4hrten, erwachsenen Sippschaften, Erziehern und Lehrern- und das f\u00fcr\/\u00fcber den ganzen Tag.<\/li>\n<li>Er muss eine Dienstleistungswirtschaft schaffen, die bisherige private Haus- und Familienarbeit in allen Facetten und Qualit\u00e4tsanforderungen durch neue Erwerbsm\u00f6glichkeiten auf dem Markt ersetzt.<\/li>\n<li>\u00a0Er muss \u201eArbeit f\u00fcr Andere\u201c, Kinder, Alte, Kranke, und soziale Beziehungsverantwortlichkeit steuerlich f\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Er muss L\u00f6hne f\u00fcr traditionell \u201eweibliche\u201c Arbeiten, ob in der Familie oder sonstwo, sowie die Entgelte f\u00fcr soziale und kreative Leistungen radikal erh\u00f6hen.<\/li>\n<li>Er muss ein eigenst\u00e4ndiges Existenzminimum bzw. steuerfreies Grundeinkommen und konsequent eigenst\u00e4ndige Sozialsicherungsstrukturen f\u00fcr jede und jeden &#8211; egal welchen Alters und welchen Erwerbsstandes &#8211; garantieren.<\/li>\n<li>Er muss auf eine Lebensl\u00e4nge neue Arbeitszeitsysteme mit neuen durchschnittlichen Mindest- und H\u00f6chstgrenzen an Entgelten und Zeitverausgabungen schaffen, die im \u00fcbrigen f\u00fcr jede und jeden Zeit f\u00fcr soziale Beziehungspflege und soziales Lernen schaffen.<\/li>\n<li>Demjenigen muss vollkommen egal sein, welche Verbindungen Menschen eingehen und in welcher Form sie leben, w\u00e4hrend er die \u00dcbernahme sozialer Verantwortung belohnen muss.<\/li>\n<li>Er muss sich an neuen sozialen Werten und Normen orientieren &#8211; an einem Halbe-Halbe zwischen den Geschlechtern wie generell zwischen sich selbst und anderen. Dann kommen neben M\u00fcttern auch V\u00e4ter heraus.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[3359,3817,3821,818,3557,3820,3818,3819,3077,680,667],"autoren":[3816],"publikationen":[1210],"class_list":["post-19546","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-arbeit","tag-familie","tag-familienpolitik","tag-frauen","tag-geschlecht","tag-geschlechterrolle","tag-ideologie","tag-ideologiekritik","tag-kapitalismus","tag-pluralismus","tag-vorgaenge-artikel","autoren-mechtild-jansen","publikationen-vorg-160"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Familie zwischen neuer Ideologie und gesellschaftlicher Realit\u00e4t: Eine Polemik - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-160\/publikation\/die-familie-zwischen-neuer-ideologie-und-gesellschaftlicher-realitaet-eine-polemik\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Familie zwischen neuer Ideologie und gesellschaftlicher Realit\u00e4t: Eine Polemik - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Pl\u00f6tzlich war sie wieder da: Die \u201eFamilie\u201c wurde im Bundestagswahlkampf 2002 f\u00fcr alle Parteien zum zentralen Thema. \u201eKinder\u201c war bei allgemeiner D\u00fcsternis in Wirtschaft und Weltpolitik das einzige positive Stichwort, von dem sich die Parteistrategen R\u00fchrung der W\u00e4hler und W\u00e4hlerinnen erhofften. 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