{"id":19649,"date":"2024-11-27T14:20:01","date_gmt":"2024-11-27T13:20:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=19649"},"modified":"2024-11-27T14:20:01","modified_gmt":"2024-11-27T13:20:01","slug":"die-grosse-trauer-verhaengt-alles-zwei-wiederbegegnungen-in-briefen-von-emigranten-und-in-deutschland-gebliebenen-nach-1945","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-163\/publikation\/die-grosse-trauer-verhaengt-alles-zwei-wiederbegegnungen-in-briefen-von-emigranten-und-in-deutschland-gebliebenen-nach-1945\/","title":{"rendered":"\u201eDie gro\u00dfe Trauer verh\u00e4ngt alles\u201c Zwei Wiederbegegnungen in Briefen von Emigranten und in Deutschland Gebliebenen nach 1945"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHeinrich Simon hat mir erz\u00e4hlt. Sie seien sch\u00f6n, K\u00fcnstlerin und J\u00fcdin, \u2014 wann kann ich Sie treffen?&#8220; (Edschmid 1999: 8) Ein Billet, geschrieben 1916, der Anfang einer Geschichte. Kasimir Edschmid schickte es an Erna Pinner.&#8216; Den Auftakt des Buches, in dem dieses Billet zu finden ist, bildet ein Vorwort von Ulrike Edschmid, in dem diese erl\u00e4utert, wie aus den \u00fcber sechshundert Briefen, die Erna Pinner und Kasimir Edschmid wechselten, ein Buch in Briefform entstand (ebd.: 7-13): Briefe hier also nicht wie \u00fcblich als historische Dokumente, die so gedruckt wurden, wie sie \u00fcberliefert sind, sondern bearbeitete Briefe, gelesen und montiert auf eine Weise, die eine besondere Form der Tradierung m\u00f6glich macht. Erinnerung wird so zur Trauerarbeit.<\/p>\n<p>Die Geschichte, die mit dem eingangs zitierten Billet beginnt, endet 1935. Im November verabschiedet sich das Paar auf dem Z\u00fcricher Bahnhof. Erna Pinner f\u00e4hrt nach London, Kasimir Edschmid kehrt nach Deutschland zur\u00fcck. Abgesehen von dem Billet und ein paar Fotos ist im Buch nichts \u00fcber das Leben einer Malerin und Photographin mit einem Schriftsteller zu erfahren, das hier zerbricht. Die Geschichte in Briefen f\u00e4ngt an, als das gemeinsame Leben unm\u00f6glich geworden ist. Im April 1946 beginnt ein Briefwechsel, der erst mit Edschmids Tod im August 1966 endet. Das Buch entwirft diese Geschichte vom Ende her. Es geht nicht einfach nur um das Scheitern einer Liebesgeschich- te; die zerbrochene Liebe erscheint fast &#8218;als Banalit\u00e4t, weil sie verwoben ist in Br\u00fcche von ganz anderen Dimensionen. Genau aus dieser Perspektive von Br\u00fcchen werden die Briefe im Buch arrangiert: \u201eWir wollen nicht mehr dar\u00fcber reden&#8220; \u2014 der Titel setzt den Ton. Es gibt etwas, wor\u00fcber nicht mehr gesprochen werden soll. Was aber ist es?<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"die-innere-und-aeussere-wandlung-des-lebens\">Die innere und &auml;u&szlig;ere Wandlung des Lebens<\/span><\/h3>\n<p>Wie viele andere Paare und Freunde mussten sich Erna Pinner und Kasimir Edschmid trennen, weil in Deutschland mit aller Gewalt ein Unterschied etabliert wurde, der das Land zerriss und zerst\u00f6rte. Erna Pinner, die \u201eJ\u00fcdin&#8220;, musste ihre Heimat fliehen, wenn sie \u00fcberleben wollte. Im 20. Jahrhundert war es nicht unbedingt der Mann, der hinaus musste ins feindliche Leben. Inzwischen sind mehrere Briefwechsel erschienen, die dieselbe Konstellation zeigen: Die Frauen verlassen das Land und wagen einen Neuanfang. Zur\u00fcck blieben die M\u00e4nner, die sich so oder so in Nazideutschland einrichteten. Erna Pinner verlor nicht nur Kasimir Edschmid, sondern auch andere Freunde, wie zum Beispiel Gottfried Benn! Elisabeth Blochmann und Hannah Arendt bauten sich in England und den Vereinigten Staaten ein neues Leben, Martin Heidegger blieb in Freiburg. So unterschiedlich die Korrespondenzen dieser Freundes- und Liebespaare auch sind, eine Gemeinsamkeit springt ins Auge: Die zur\u00fcckgebliebenen M\u00e4nner wollen nach dem Krieg mit ihren emigrierten und wiedergefundenen Freundinnen nicht dar\u00fcber sprechen, was diese Trennung f\u00fcr sie und f\u00fcr die Freundschaft bedeutet. Was in Deutschland und in den von Deutschland besetzten L\u00e4ndern geschah, dar\u00fcber wird nicht gesprochen, dar\u00fcber wird auch nicht im Wissen darum geschwiegen, was ungesagt bleiben muss. Es wird beiseite geschoben, verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Als Erna Pinner einen Versuch des Sprechens wagt, geht Kasimir Edschmid nicht darauf ein. Im August 1946 schreibt sie ihm aus London: \u201eVor einiger Zeit h\u00f6rte ich, da\u00df Professor Simons, mein Arzt, der mich damals an der Kinderl\u00e4hmung behandelte, in einem Konzentrationslager umgebracht wurde. Ebenso mein Vetter, der Nierenchirurg Pinner. Wie soll man solche Dinge je vergessen k\u00f6nnen oder das Grauen verlieren \u00fcber die zu Lampenschirmen verarbeiteten Menschenh\u00e4ute, die sich die diversen Frau Gauleiter in ihre Zimmer stellten?&#8220; (Edschmid 1999: 44) Die Antwort kommt verz\u00f6gert. Am 15. September antwortet Kasimir Edschmid: \u201eLiebste Erna, offen gestanden, habe ich Dir l\u00e4nger nicht geschrieben, weil ich \u00fcber einige S\u00e4tze in Deinem Brief vom 16.8. nicht hinwegkam. Wir wollen aber nicht mehr dar\u00fcber reden, und ich will keine Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse. Aber so sehr ich wei\u00df, da\u00df das deutsche Volk hundertprozentig auf den Nazismus hineinfiel \u2014 es hat doch mit den Menschenh\u00e4uten in seiner Gesamtheit so wenig zu tun wie seinerzeit mit den Untaten des Massenm\u00f6rders Hamann [sic!], der seine Lustknaben zu Wurst verarbeitete und ein ganzes Stadtviertel damit ern\u00e4hrte. Ich schreibe dies der Gerechtigkeit halber. Nichts, aber auch gar nichts kann man summarisch behandeln, weil alles seine individuellen Voraussetzungen hat.&#8220; (ebd.)<\/p>\n<p>Ein Brief wie eine Fehlleistung. Er beginnt mit dem Wunsch, nicht mehr \u201edar\u00fcber&#8220;, \u00fcber die Verbrechen der Nazis zu sprechen. \u201eNicht mehr&#8220; ist dabei ein Euphemismus, weil, noch gar kein Gespr\u00e4ch \u201edar\u00fcber&#8220; begonnen hat. Im ersten Brief, den Erna Pinner nach dem Krieg nach Deutschland richtete, war von den Spuren zerst\u00f6rter Leben die Rede: Freunde, Bekannte, Angeh\u00f6rige; Theresienstadt, Westerborg, Auschwitz (ebd.: 39; Brief vom 20.7.1946). Noch versuchte sie zu erfahren, wer \u00fcberlebte hatte, und wer nicht. Vom deutschen Volk dagegen ist in keinem ihrer Briefe die Rede. Sondern vom Grauen und davon, dass sie nicht vergessen kann. Eine scharfe Diskrepanz wird zwischen beiden Briefpartnern sichtbar: die Trauer um die toten Freunde ist nicht zu teilen. Und auch nicht das Grauen. In Edschmids Brief tut sich eine weitere Kluft auf: Indem er zur\u00fcckweist, was nicht zur Debatte stand, erschwert er auch k\u00fcnftige Gespr\u00e4che, in denen vorsichtig der Schritt von der Trauer und dem Grauen auf eine andere Ebene gewagt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"rituale-des-alltaeglichen-als-artikulationsraum-fuer-das-nichtsagbare\">Rituale des Allt&auml;g&shy;li&shy;chen als Artiku&shy;la&shy;ti&shy;ons&shy;raum f&uuml;r das Nicht&shy;sag&shy;bare<\/span><\/h3>\n<p>Am 25. September 1946 schreibt Erna Pinner: \u201eHier ist schon lange Herbst. Die gro\u00dfe Trauer verh\u00e4ngt alles. Nur die Dahlien und Herbstrosen leuchten unwahrscheinlich glutvoll.&#8220; (ebd.: 46) Erst einige Wochen sp\u00e4ter entsteht ein erneuter Versuch, mit dem fr\u00fcheren Geliebten \u00fcber das Geschehene zu sprechen: \u00fcber ihre unterschiedlichen Lebensweisen und wie sie mit der gro\u00dfen Geschichte zusammenh\u00e4ngen. W\u00e4hrend Erna Pinner seit der Flucht aus Deutschland allein lebte, hatte Kasimir Edschmid inzwischen eine um zwanzig Jahre j\u00fcngere Frau geheiratet und war Vater von zwei Kinder geworden. \u201eEs ist wohl nicht m\u00f6glich, in Zeitl\u00e4uften apokalyptischer Bedrohungen Beziehungen aufrechtzuerhalten, wenn man nicht \u2014 neben dem besten Vorsatz \u2014 auch noch die Kraft besitzt, sich \u00fcber Konflikte hinwegzusetzen, in die jeder so oder so geraten ist&#8220;, schreibt Erna Pinner im November 1946, bedauernd, dass ihr Brief vom 19. September den Freund gekr\u00e4nkt hatte. \u201eDiese Ausf\u00fchrungen werden Dir h\u00f6chstwahrscheinlich sehr theoretisch erscheinen, aber Leiden mi\u00dft sich an der Ersch\u00fctterung des Inneren und nicht an dem Sto\u00df der \u00e4u\u00dferen Dinge.&#8220; (ebd.: 48)<\/p>\n<p>Das \u201eLeiden&#8220; konkretisiert sich in der Folge, wenn Erna Pinner davon schreibt, wie unterschiedlich sich ihrer beider Lebensentw\u00fcrfe inzwischen gestaltet h\u00e4tten. Es habe sie viel Zeit gekostet, zu verstehen, dass Edschmids Eheschlie\u00dfung nicht nur eine \u201e\u00e4u\u00dfere Wandlung Deines Lebens&#8220;, sondern eine innere signalisiere. \u201eIn einer Zeit, in der Werte und Unwerte gleicherma\u00dfen auf den Scheiterhaufen geworfen wurden, kann ich sehr wohl verstehen, da\u00df dies f\u00fcr Dich eine gro\u00dfe Bereicherung bedeutete, eine Oase in der Gef\u00fchllosigkeit. Auch wenn ich zu dieser \u00dcberlegenheit der Einstellung nicht ohne gro\u00dfes Leid kam, so mu\u00df ich es doch als etwas f\u00fcr Dich Gutes anerkennen, da\u00df Du wenigstens in diesen bedrohten Zeitl\u00e4uften und in der schrecklichen Misere des Alltags ein \u00c4quivalent gefunden hast, das Dir helfen m\u00f6ge, Dein Leben sinnvoll zu gestalten und Deine Arbeit jener Vertiefung zuzuf\u00fchren, die das Ziel und der Trost alles Sch\u00f6pferischen ist.&#8220; (ebd.: 48f., Brief vom 19.11.1946) Die Antwort Edschmids ist sorgf\u00e4ltig und genau, doch fehlt eine entscheidende Ebene, die Erna Pinner in ihren Brief eingezogen hatte: die unaufl\u00f6sliche Verkn\u00fcpfung von \u00e4u\u00dferen Bedingungen und individuellen Entscheidungen. Er wisse um \u201edie Gr\u00f6\u00dfe Deines Ungl\u00fccks&#8220;, schreibt Kasimir Edschmid. \u201eDich aber bitte ich innigst zu begreifen, da\u00df, nachdem ich einmal die Lebensform \u00e4ndern mu\u00dfte \u2014 und ich mu\u00dfte es \u2014 ich auch dazu ja zu sagen gezwungen war.&#8220; (ebd.: 50)<\/p>\n<p>Am Anfang des n\u00e4chsten Jahres dann der Abgesang. Keine weiteren Versuche mehr, \u00fcber diese Unterschiede zu sprechen. Eine mit \u201eso\\4e1 Leid und Ungl\u00fcck geladene Zeit&#8220; mache es unm\u00f6glich, sich schriftlich n\u00e4her zu kommen. Ein letztes Mal schreibt Erna Pinner davon, \u201ewie schwer ich im Grunde lebe, wie einsam und wie verschlossen.&#8220; (ebd.: 51) Wor\u00fcber aber kann man schreiben, wenn sich ein so gro\u00dfer Bereich des Schweigens etabliert hat? Im Briefwechsel, der nach dem \u201enicht mehr dar\u00fcber reden&#8220; erst richtig beginnt, blitzt noch im Misslingen etwas Neues auf. Da es Erna Pinner gelingt, den Freund in eine Korrespondenz zur\u00fcckzuholen, k\u00f6nnen die Rituale des Allt\u00e4glichen zum Artikulationsraum f\u00fcr das Nichtsagbare und Nichtdarstellbare werden. Sc) lange wenigstens einer der beiden Schreiber um diese Diskrepanz wei\u00df, springt die Frage nach den Br\u00fcchen immer wieder auf, auch wenn sie keine Antwort findet. Die Briefe zeigen, wie man Halt gewinnen kann, auch wenn die Grundlagen daf\u00fcr zerst\u00f6rt sind. Sie zeigen, dass die Inszenierung von Kontinuit\u00e4t und Ritualen unterf\u00fcttert sein kann mit einer unstillbaren Unruhe. F\u00fcr die Briefpartner bleibt etwas unabgegolten, deutlich gerade in den Momenten, in denen sie Erinnerungspunkte fixieren wollen \u2014 an Jahreswechseln, an Geburtstagen. Dass diese Unruhe lesbar wird, haben wir Ulrike Edschmids hinh\u00f6render Lekt\u00fcre dieser Briefe zu verdanken: \u201eDer Flu\u00df der Kommunikation [&#8230;] ist in der Intimit\u00e4t zweier Menschen auch der Versuch, den Faden nicht abrei\u00dfen zu lassen und N\u00e4he, die durch den Mangel an gemeinsamer Wirklichkeit zu entgleiten droht, im imaginierten Raum wieder herzustellen. Im Anschreiben gegen das Vergessen entstehen Rituale, die sich wie Jahresringe \u00fcbereinanderlegen.&#8220; (ebd.: 13)<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"exil-wird-heimat-anneliese-riess\">Exil wird Heimat: Anneliese Rie&szlig;<\/span><\/h3>\n<p>Anneliese Rie\u00df hat in mehrfacher Hinsicht eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Autobiographie verfasst (Rie\u00df 2001).3 Eine Autobiographie schreibt man selbst, so will es der Regelkanon des Genres. Welchen Platz andere Menschen im komplexen Gef\u00fcge des eigenen Lebens zugewiesen bekommen, wie es mit dem Leben von Freunden, Geliebten und der Familie verkn\u00fcpft wird, liegt dabei ganz im Benehmen des Schreibers. Anders in diesem Buch: Es mischt die Genres, denn Anneliese Rie\u00df hat ihr Leben nicht \u201aselbst&#8216; geschrieben. Nur die eine H\u00e4lfte des Buches wurde von ihr verfasst, die andere bekam sie zugeschickt: Briefe skandieren den Fluss der Erz\u00e4hlung, Briefe, die sie l\u00e4ngst verloren glaubte und dann pl\u00f6tzlich wiederfand, und daneben Briefe, von ihr selbst sorgf\u00e4ltig aufbewahrt. Es sind Briefe aus der Kindheit der 1910 Geborenen und Briefe aus dem hohen Alter, verfasst in vielen L\u00e4ndern und von sehr unterschiedlichen Schreibern.<\/p>\n<p>So deutlich sprechen andere Stimmen in diesem Buch, dass die Geschichte eines Lebens sich \u00f6ffnet zu einer gemeinsamen Biographie von Menschen, die die Erfahrung eines Bruches teilen. Viele trifft diese gleich in den ersten Monaten des Jahres 1933. Sie verlassen Deutschland in den ersten Monaten der nationalsozialistischen Diktatur. Andere fliehen ein paar Jahre sp\u00e4ter, als deutlich wird, dass noch die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen von der Realit\u00e4t \u00fcbertroffen werden. Sie alle gehen durch L\u00e4nder, Berufe und Sprachen; sie alle versuchen, die Bruchst\u00fccke zerst\u00f6rter Existenzen wieder zu einem Leben zusammenzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Mit den in Deutschland Zur\u00fcckgebliebenen kann nach 1945 nur dann an die alten Freundschaften angekn\u00fcpft werden, wenn auch sie sich der Erfahrung eines Bruchs aussetzen. Und anders als in vielen bekannten Briefwechseln gelingt es Anneliese Rie\u00df, ihre Freunde und vor allem ihre beste Freundin wieder ins Gespr\u00e4ch zur\u00fcckzuholen, indem sie das verdr\u00e4ngende Schweigen der Zeit durchbricht.<\/p>\n<p>Ende 1947 erf\u00e4hrt sie im amerikanischen Exil, dass ihre in Deutschland zur\u00fcckgebliebene Freundin den Krieg \u00fcberlebt hatte, dass ihr \u201eMann 1942 innerhalb einer Woche an Kinderl\u00e4hmung gestorben sei. Auch h\u00e4tte sie beide Eltern verloren. Die Mutter sei bei einem Bombenangriff umgekommen und in einem Massengrab begraben. Der Vater habe den Krieg \u00fcberlebt, die Ruhr bekommen und sei verhungert. Sie h\u00e4tte zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. [&#8230;] Ich fing an zu weinen; ich konnte mich selber nicht verstehen. Wie war es m\u00f6glich, da\u00df ich nach dem, was geschehen war, mit Anna trauerte? Wie konnte ich von ihrem Ungl\u00fcck so ber\u00fchrt werden? Wurden meine alten Freundschaftsgef\u00fchle aus einem langen Schlaf geweckt? Ich \u00fcberlegte lange, ob ich ihr schreiben sollte. In mir k\u00e4mpfte der Wunsch, wieder mit ihr in Verbindung zu kommen mit der Frage, ob ich ihr je ohne Vorw\u00fcrfe begegnen k\u00f6nnte, nachdem sie das Band zwischen uns zerschnitten hatte. Schlie\u00dflich schrieb ich ihr und forderte sie auf, sich wegen ihrer Entscheidung und wegen so mancher taktlosen Bemerkung, die witzig gemeint, aber sehr kr\u00e4nkend war, zu rechtfertigen.&#8220; (ebd.: 154)<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"ich-wuensche-mir-deine-freundschaft-aber-ich-kann-sie-nur-erwidern-wenn-wir-klarheit-schaffen\">&bdquo;Ich w&uuml;nsche mir Deine Freund&shy;schaft, aber ich kann sie nur erwidern, wenn wir Klarheit schaffen&ldquo;<\/span><\/h3>\n<p>Doch der erste Brief aus dem zerst\u00f6rten Land ist eine Entt\u00e4uschung. Warum die Freundin 1939 den Kontakt zu ihr abbrach, warum sie nach dem Krieg nicht versuchte, die geflohene Anneliese Rie\u00df wiederzufinden, all dies blieb uner\u00f6rtert. Ein zweiter Versuch war n\u00f6tig, dieses Mal mit expliziten Fragen: \u201eDein Brief kam schon vor Wochen und die F\u00fclle seines Inhalts und die unsentimentale Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Du ohne Klagen Deine Sorgen hinnimmst, haben mich ger\u00fchrt und meine Bewunderung erregt. Du warst schon immer eine Lebensk\u00fcnstlerin und hast Schwierigkeiten gut gemeistert. Aber die fr\u00fcheren sind wohl kaum mit den jetzigen vergleichbar. Ich wollte Dir sofort antworten und setzte mich in der ersten ruhigen Stunde hin, um zu schreiben. Ich habe ja auch viel zu erz\u00e4hlen und den Wunsch dazu, aber es ging nicht. Ich br\u00fctete vor der Maschine, konnte nicht schreiben, \u00fcberlegte warum, fand keinen Grund, gab es auf, und habe ein paar Wochen vergehen lassen, um Klarheit zu finden. Es ist mir nicht gelungen, aber ein ungewisses Gef\u00fchl hat sich eingestellt, und ich will versuchen, dies Gef\u00fchl in mitteilbare Form zu bringen (mich davon frei zu schreiben). Vielleicht k\u00f6nnen wir auf diese Weise das aus dem Wege r\u00e4umen, was noch von meiner Seite unklar, von Deiner Seite unbewu\u00dft, den freien Flu\u00df unserer Mitteilungen hindert. Neben mir liegen zwei Briefe von Dir, einer vom Juli 1939, ein Abschiedsbrief, in dem Du Deine Freundschaft mit mir (Du wei\u00dft wem) opferst [Die Freundin hatte sich mit einem SS-Offizier verheiratet. \u2014 B.H.]. ,Es steht zu vieles zwischen uns und wir beide haben uns sicherlich ge\u00e4ndert&#8216;. Du opferst Deine Freundschaft \u201anicht nur, weil ich mu\u00df, sondern auch, weil ich \u201aihm&#8216; fast alles, was ich jetzt bin und habe, verdanke&#8216;. Du hattest einige Male schwer von mir getr\u00e4umt. Der andere ist Dein Brief von vor ein paar Wochen, fast neun Jahre sp\u00e4ter. In diesen neun Jahren sind viele gro\u00dfe Katastrophen \u00fcber die Menschheit hereingebrochen, darunter die, die der Grund zu unserer Trennung war und deren Existenz Du bis zum letzten Moment geleugnet hast. Jetzt wei\u00dft Du l\u00e4ngst, da\u00df sie 6 Millionen Juden das Leben unter qualvollsten Umst\u00e4nden gekostet hat (nicht von denen zu reden, die in der Emigration elend zugrunde gegangen sind&#8230;). Und Du erw\u00e4hnst mit keinem einzigen Worte in Deinem Brief sei es nur Deine Teilnahme an dem oder Dein Entsetzen \u00fcber das Geschehene. Mi\u00dfversteh mich nicht. Nicht Deine Stellungnahme vor dem Kriege, soweit ich sie noch selbst erlebt habe oder Du sie mir geschrieben hast, will ich widerrufen sehen. Es ist unwichtig, jetzt festzustellen, ob Du sie damals aus Angst, Opportunismus oder Unwissenheit genommen hast. Wichtig f\u00fcr mich ist, zu wissen, was Du jetzt f\u00fchlst oder denkst, ein Wort oder eine Andeutung w\u00fcrden mir hinweghelfen \u00fcber das, was mich jetzt von Dir trennt. Ich kann Dir nicht ruhig plauschend von meinem Leben erz\u00e4hlen, wenn ich Dich noch h\u00f6re: \u201aKeinem Juden, der nicht was auf dem Kerbholz hat, passiert was&#8216;. ,Da seht Ihr, wie zersetzend Ihr seid, Hitler hat ja ganz recht&#8216;. Und dergleichen mehr. Es mag Dir jetzt ebenso traumhaft unwirklich erscheinen, da\u00df Du unter dem Einflu\u00df der \u201aAtmosph\u00e4re&#8216; damals solche Dinge gesagt haben sollst. Glaube mir, Du hast. Es mag auch sein, da\u00df Du schon lang erkannt hast und annimmst, da\u00df ich wei\u00df, es kann nicht anders sein. Oder aber Du hast die ganze Sache verdr\u00e4ngt, was ich geneigt bin anzunehmen, nachdem Du zweimal in Deinem Brief Deine Minderwertigkeitskomplexe in bezug auf Schreiben k\u00f6nnen und Bildung mir gegen\u00fcber erw\u00e4hnst. Du warst von jeher eine gute Schreiberin und die Gebildetere von uns, wenn ich auch mehr Gelegenheit hatte, mich zu \u201abilden&#8216; durchs Studieren. Ich glaube, Du hast da eine Verschiebung vorgenommen, die es besser ist aus dem Wege zu r\u00e4umen um der Klarheit willen. La\u00df mich noch einmal wiederholen, was ich durch meinen ersten Brief zum Ausdruck bringen wollte: ich w\u00fcnsche mir Deine Freundschaft, aber ich kann sie nur erwidern, wenn wir Klarheit schaffen. Und das war offenbar nicht m\u00f6glich, ohne die unerfreulichen Dinge der Vergangenheit ans Licht zu ziehen. Es ist keine Angelegenheit des Verstandes, der Moral oder sonst irgendeines Abstraktums, sondern eine Notwendigkeit meiner Person, ohne die ich nicht funktionieren kann. Ich hoffe, mein Wunsch nach Klarheit macht Dir meinen geraden und r\u00fccksichtslosen Angriff auf das Problem verst\u00e4ndlich, und vielleicht gibt er auch Dir eine M\u00f6glichkeit, mir Deine Stellung klar zu machen und n\u00e4her zu bringen. Ich erwarte Deine Antwort mit Ungeduld und bitte Dich, darin nach unserem alten Ideal <em>Offenheit und Ehrlichkeit<\/em> zu sprechen.&#8220; (ebd.: 155f.)<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"aber-es-muss-doch-moeglich-sein-wieder-zueinander-zu-kommen\">&bdquo;Aber es <em>mu&szlig;<\/em> doch m&ouml;glich sein, wieder zueinander zu kommen!&ldquo;<\/span><\/h3>\n<p>Dieses Mal nimmt die Freundin das Wagnis auf sich und antwortet: \u201eIch schreibe nun heute endlich, nachdem ich den Kampf ausgek\u00e4mpft habe, n\u00e4mlich ob ich eine Doktorarbeit mit Disposition, Entw\u00fcrfen, Ausfeilen und furchtbar viel Nachdenken abliefern soll, oder ob ich in meiner leichtfertigen Eintagsfliegenweise eine nicht ersch\u00f6pfende \u2014wie k\u00f6nnte man das wohl schriftlich ! \u2014 Antwort geben soll. Ich habe mich teils aus Bequemlichkeit, teils aus Zeitmangel und k\u00f6rperlicher Leistungsverminderung (An\u00e4mie und eine wochenlange Blasenentz\u00fcndung), teils wegen der Anfechtbarkeit sowohl einer tiefgr\u00fcndigen Doktorarbeit als auch einer oberfl\u00e4chlicheren Ber\u00fchrung der Probleme in schriftlicher Form \u2014 im Gegensatz zu der einzig erl\u00f6senden, kl\u00e4renden pers\u00f6nlichen Begegnung \u2014 zu Letzterem entschlossen. Du hast mit psychologischem Scharfblick richtig gesehen und mir erst richtig zu Bewu\u00dftsein gebracht: meine im vorigen (oder ersten?) Brief erw\u00e4hnten Minderwertigkeitsgef\u00fchle r\u00fchren von einem ungewissen, uneingestandenen Schuldgef\u00fchl her, oder besser: schlechten Gewissen. So ungeniert ich oft mein Schandschn\u00e4uzchen spazieren f\u00fchre, so voller Hemmungen bin ich, wenn es mir tiefernst zumute ist. Ich glaubte, da\u00df ich so etwas Selbstverst\u00e4ndliches wie Best\u00fcrzung und Besch\u00e4mung bei der Aufdeckung des den Juden angetanen Unrechts nicht erst zu erw\u00e4hnen brauchte. [&#8230;] Dadurch und durch den Tod von noch mehr Millionen unfreiwilliger \u2014 ich kenne keinen, der etwa begeistert in den Krieg gegangen w\u00e4re! \u2014 Soldaten, den Existenzverlust Tausender nur durch Dummheit, Talmi-Idealismus oder Strebertum \u201aschuldig&#8216; gewordener Pg&#8217;s, Verarmung, Elend und Hunger von Millionen Deutschen durch Luftkrieg, Eroberung und Besetzung d\u00fcrfte unsere Schuld oder Mitschuld bitter ger\u00e4cht sein. Ich w\u00e4re ja ein Unmensch, wenn ich nicht das Schicksal der Juden damals (und unser jetziges gleicherma\u00dfen) bedauern w\u00fcrde, wenn ich auch gleich hier das f\u00fcr Dich vielleicht erschreckende Gest\u00e4ndnis einf\u00fcgen mu\u00df, da\u00df die F\u00fclle und Dauer der mit angesehenen oder selbst erlebten oder berichteten Unmenschlichkeiten und Qualen meine F\u00e4higkeit zu Mitleid u.\u00e4. einfach abgestumpft haben. Wirklich innerlich ber\u00fchren k\u00f6nnen mich \u2014 heute \u2014 nur Fragen meiner und meiner Kinder Existenz und die sogenannten \u201aEwigkeitswerte&#8216;. Da\u00df es die wirklich gibt, das hat mir jedenfalls die Apokalypse \u201aenth\u00fcllt&#8216;. Nie habe ich aufgeh\u00f6rt, mit Trauer und Mitgef\u00fchl an die in der Emigration zu denken. [&#8230;] Mein Abschiedsbrief vom Juli 39 lag mir die ganzen Jahre schwer auf der Seele. [&#8230;] Der dumme Satz, den ich \u2014 besonders bemerkenswert bei meinem Ged\u00e4chtnisschwund! \u2014 sehr wohl behalten habe (mit dem \u201averdanken% h\u00e4tte entweder gar nicht geschrieben werden sollen oder die Hintergr\u00fcnde, warum ich ihn damals schreiben zu m\u00fcssen glaubte, mit aufgef\u00fchrt und gekl\u00e4rt werden. Sachlich spricht \u2014 auch unter heutiger Perspektive \u2014 noch einiges f\u00fcr seine Berechtigung. Wahrscheinlich bin ich weder ersch\u00f6pfend noch deutlich genug in diesem Brief und gebe Dir unz\u00e4hlige Anl\u00e4sse zu Widerspruch, Emp\u00f6rung oder gar Verletztf\u00fchlen. Aber anders kann ich gar nicht. Ich habe ja nichts zu verbergen, h\u00f6chstens einiges zu bereuen. Und f\u00fcr dies alles, was Du mir vielleicht auf Grund dieses Briefes und noch von fr\u00fcher her vorwerfen zu k\u00f6nnen glaubst (Deine Berechtigung dazu mag ein H\u00f6herer entscheiden, der mehr wei\u00df als Du und ich), bitte ich Dich von ganzem Herzen um Verzeihung. Ich habe gro\u00dfe Furcht, da\u00df wir uns etwa durch diese briefliche Diskussion auseinander reden und zum zweitenmal verlieren k\u00f6nnten. Schreiben ist eine gef\u00e4hrliche Sache. Und ohnedies ist eine Verst\u00e4ndigung zwischen uns beiden wegen des so v\u00f6llig verschiedenen Milieus des letzten Jahrzehnts etwas erschwert. Aber es mu\u00df doch m\u00f6glich sein, wieder zueinander zu kommen! Instinktiv habe ich den Weg der Plauderbriefe gew\u00e4hlt; es liegt in meiner Wesensart, sowohl Schwierigkeiten zu umgehen und Unsch\u00f6nes zu \u00fcbersehen als auch vom \u00c4u\u00dferlichen ins Innerliche zu dringen, Du dagegen warst schon immer ernster und innerlicher veranlagt, Du mu\u00dft eben erst die innerlichen Grundlagen schaffen. Ich danke Dir \u00fcbrigens auch sehr, da\u00df Du diesen ersten Schritt getan hast, auch mir ist es gleich wichtig (n\u00e4mlich, da\u00df Du wieder Vertrauen hast), blo\u00df meine Methode ist eine andere. [&#8230;] Ich mu\u00df jetzt schlie\u00dfen, bin ganz ersch\u00f6pft, nicht etwa weil mir das Schreiben schwer fiele, sondern wegen der inneren Anteilnahme. Ich bin n\u00e4mlich recht ,zum Umpusten&#8216; \u2014 innerlich!&#8220; (ebd.: 156-158)<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"ein-briefliches-netzwerk-gegen-die-zerstoerung-deutsch-juedischer-kultur\">Ein briefliches Netzwerk gegen die Zerst&ouml;rung deutsch-j&uuml;&shy;di&shy;scher Kultur<\/span><\/h3>\n<p>Eine ungew\u00f6hnliche Debatte in Briefen. Sie ist der Auftakt einer erneuerten Freundschaft, die bis zum Tod der Freundin in den 1990er Jahren gepflegt wurde. In Anneliese<br \/>\nRie\u00df&#8216; Buch ist davon zu lesen, wie der Bruch mit einem Land, einer Kultur und einer Sprache nicht zu heilen, sondern produktiv zu bearbeiten ist. Daf\u00fcr braucht man Freunde; das kann niemand allein. Anneliese Rie\u00df schreibt \u00fcber die, die ebenso wie sie aus Europa kamen und dort Freunde und Familienmitglieder zur\u00fccklassen mussten. Gleichzeitig gibt sie ihnen den Raum, mit ihren eigenen Stimmen auf das hinzuweisen, was in einem \u00e4hnlichen Schicksal nicht aufgeht. Jede, jeder hat etwas anderes dort dr\u00fcben verloren und etwas anderes im neuen Land gewonnen. Sie schreibt \u00fcber die Freunde, die in Deutschland blieben und die sie nach 1945 suchte und wiederfand. Auch ihnen wird eine Stimme gegeben f\u00fcr das, was ihnen inzwischen widerfahren ist. So werden \u00c4hnlichkeiten und Gemeinsamkeiten immer neu umgeschrieben und in Bewegung gehalten. Das \u201eeigene&#8220; Leben bekommt dadurch einen neuen Akzent: Es ist auch das, was Freunde erm\u00f6glichen und bereiten. Das Leben, von dem wir in diesem Buch lesen, ist ganz au\u00dferordentlich von Freundschaften gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Seit sechzig Jahren lebt Anneliese Rie\u00df in den Vereinigten Staaten. Ihr Buch hat sie auf deutsch, in ihrer Muttersprache geschrieben. Es ist daher nicht nur ein Buch, das<br \/>\nBriefe enth\u00e4lt, sondern es ist selbst wie ein Brief strukturiert, zur\u00fcckadressiert an das Land, das ihr damals keinen Raum zum Leben gab. Im R\u00fcckgriff auf das alte Medium Brief gelingt es, ein Netzwerk zu kn\u00fcpfen, das der Zerst\u00f6rung deutsch j\u00fcdischer Kultur widersteht. Nicht im Sinne einer Rettung, sondern in der Erinnerung an das, was man einmal w\u00fcnschte und wollte.<\/p>\n<ol>\n<li>Erna Pinner wurde am 12. Januar 1890 in Frankfurt am Main geboren. Von 1906 bis 1914 studierte sie Kunst, zuerst in Frankfurt, dann bei Lovis Corinth in Berlin und schlie\u00dflich in Paris. 1914 begann sie, lebensgro\u00dfe Puppen herzustellen. 1921 erschien<em> Das Puppenbuch<\/em>, 1922 <em>Das Schweinebuch<\/em> mit eigenen Texten und Illustrationen. Seit 1925 unternahm sie l\u00e4ngere Reisen mit Kasimir Edschmid nach Italien, Frankreich, Spanien, Marokko und \u00c4gypten, Afrika und Lateinamerika. 1935 emigrierte sie nach England; 1947 wurde sie britische Staatsb\u00fcrgerin. Sie arbeitete als Wissenschaftsjournalistin, Illustratorin und Autorin. Ihr Werk umfa\u00dft knapp sechzig B\u00fccher. Am 5. Mai 1987 verstarb Erna Pinner in London.<\/li>\n<li>Erna Pinners Briefe an Gottfried Benn wurden bislang nicht publiziert. Im ersten Brief, den der Schriftsteller nach dem Krieg an seine geflohene Freundin schreibt, hei\u00dft es ebenso vage wie lapidar: \u201eEs ist unendlich nett von Dir, Dich meiner nach so vielen und so dunklen Jahren zu erinnern, aber auch ich habe oft Deiner gedacht.&#8220; Kein sp\u00e4terer Brief bringt Licht in dieses \u201eDunkel&#8220; (Benn 1957: 106; Brief vom 20.11.1946).<\/li>\n<li>Anneliese Rie\u00df wurde 1910 in Hamburg geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie \u2014der Vater war Kaufmann \u2014 nach Berlin. Sie studierte in Berlin und Freiburg, seit 1933 in Rom Arch\u00e4ologie. Nach der Promotion lie\u00df sie sich in der Schweiz zur Kinderkrankenschwester ausbilden. 1939 floh sie nach New York, wo sie seither lebt. Sie arbeitete als <em>baby nurse<\/em>, sp\u00e4ter bei dem Psychoanalytiker und Spezialisten f\u00fcr Kinderanalyse Rend Spitz. Am New Yorker City College studierte sie Psychologie, worin sie sp\u00e4ter promovierte. Bis vor wenigen Jahren war sie als Psychologin t\u00e4tig.<\/li>\n<\/ol>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p><em>Benn, Gottfried<\/em> 1957: Ausgew\u00e4hlte Briefe, hg. von Max Rychner, Wiesbaden<br \/>\n<em>Edschmid, Ulrike<\/em> 1999: Wir wollen nicht mehr dar\u00fcber reden. Erna Pinner und Kasimir Edschmid. Eine Geschichte in Briefen, M\u00fcnchen<br \/>\n<em>Rie\u00df, Anneliese<\/em> 2001: Exil wird Heimat. Erinnerungen. Mit einem Nachwort von Barbara Hahn, Hamburg<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[3319,3913,3912,3858,667],"autoren":[3905],"publikationen":[1207],"class_list":["post-19649","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-antisemitismus","tag-deutsch-juedische-kultur","tag-emigration","tag-judentum","tag-vorgaenge-artikel","autoren-barbara-hahn","publikationen-vorg-163"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u201eDie gro\u00dfe Trauer verh\u00e4ngt alles\u201c Zwei Wiederbegegnungen in Briefen von Emigranten und in Deutschland Gebliebenen nach 1945 - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-163\/publikation\/die-grosse-trauer-verhaengt-alles-zwei-wiederbegegnungen-in-briefen-von-emigranten-und-in-deutschland-gebliebenen-nach-1945\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eDie gro\u00dfe Trauer verh\u00e4ngt alles\u201c Zwei Wiederbegegnungen in Briefen von Emigranten und in Deutschland Gebliebenen nach 1945 - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eHeinrich Simon hat mir erz\u00e4hlt. 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