{"id":20155,"date":"2025-09-15T15:47:29","date_gmt":"2025-09-15T13:47:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20155"},"modified":"2025-09-15T15:47:29","modified_gmt":"2025-09-15T13:47:29","slug":"die-ostdeutsche-sozialstruktur","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-250\/publikation\/die-ostdeutsche-sozialstruktur\/","title":{"rendered":"Die ostdeutsche Sozialstruktur"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die seit Mitte der 2010er Jahre wieder aufgeflammte Debatte um die Besonderheiten von \u201eOstdeutschland\u201c und den \u201eOstdeutschen\u201c (Oschmann 2023; Hoyer 2023; Mau 2024; Vogel et al. 2024; Kowalczuk 2024 etc.) zeichnet verschiedene Bilder dar\u00fcber, was Ostdeutschland ausmacht. Dahinter steht die Frage, ob es eine Angleichung an \u201eden Westen\u201c gibt. In der fr\u00fchen wissenschaftlichen Diskussion um die deutsche Einheit waren insbesondere Modernisierungstheorien prominent, die davon ausgingen, dass Konkurrenzdemokratie, Marktwirtschaft und Wohlfahrtsstaat universell f\u00fcr moderne Gesellschaften gelten und entsprechend Transformationsprozesse im Zuge der deutschen Einheit in diese Richtung zu gehen haben. Das Schlagwort der <i>nachholenden Modernisierung<\/i> pr\u00e4gte die Debatte. Als das Mittel galt der vollst\u00e4ndige Institutionentransfer. Die Herstellung eines einheitlichen Rechtssystems und Institutionengef\u00fcges, die Etablierung einer Solidargemeinschaft, die Ausbildung einer Zivilgesellschaft, die proportionale Beteiligung der Ostdeutschen an F\u00fchrungspositionen, gemeinsame Grundwerte und politische Kultur, eine gleichwertige materielle Infrastruktur, vergleichbare Gelegenheitsstrukturen von Ausbildung und Besch\u00e4ftigungschancen, \u00e4hnliche Mentalit\u00e4ten und Sozialcharaktere, kollektive Identit\u00e4ten, gleichartige Besitzverh\u00e4ltnisse und Lebensstandards (Mayer 1994: 307) galten als Messlatte f\u00fcr den Vollzug der deutschen Einheit. Politisch wurde argumentiert, dass der Modernisierungsr\u00fcckstand der DDR schnell aufgeholt werden kann. Auch die Mehrheit der ostdeutschen Bev\u00f6lkerung teilte die Losung \u201eWiedervereinigung-Wirtschaftsunion-Sozialunion-Gleichartigkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c (L\u00f6tsch 1991: 200), so \u201edass sich die ostdeutsche Sozialstruktur in vielen Sektoren weitgehend der westdeutschen anpassen wird\u201c (Gei\u00dfler 1991: 192). Allerdings verwiesen kritische Stimmen aus der Wissenschaft bereits fr\u00fch auf l\u00e4ngerfristige mentale Anpassungsprozesse (Pollack 1991), auf eine Segmentierung und Ausgrenzung von Bev\u00f6lkerungsgruppen (Zapf 1991), auf Differenzierungstendenzen durch Verwerfungen in der Einkommensstruktur, Differenzierungen im Verm\u00f6gen, eine Zunahme geschlechtsspezifischer Ungleichheit (Gei\u00dfler 1991: 178ff.) sowie Verunsicherungen und ein Gef\u00fchl des Ausgeliefertseins (Zapf 1994). Einig war man sich im wissenschaftlichen Diskurs darin, dass eine Angleichung der Lebensverh\u00e4ltnisse und sozialen Strukturen einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Aber wurden hier nur \u00dcbergangsph\u00e4nomene beschrieben? Nach nunmehr fast 35 Jahren stellt sich die Frage erneut, inwieweit sich seit dem Beitritt Ost- und Westdeutschland sozialstrukturell angen\u00e4hert haben, welche Unterschiede nach wie vor existieren sowie ob oder inwiefern diese weiterhin relevant f\u00fcr das Leben, die sozialen Identit\u00e4ten und das politische Handeln im Osten sind. Die Sozialstruktur einer Gesellschaft gibt Auskunft \u00fcber das soziale Beziehungsgef\u00fcge, die Verteilung von Ressourcen und Positionen (Einkommen, Verm\u00f6gen, Bildung, Macht), aber auch \u00fcber zentrale Normen, Werte und Handlungsmuster von Bev\u00f6lkerungsgruppen. Verbunden damit ist zugleich die Frage nach sozialer Ungleichheit in einer Gesellschaft. Gemeint ist damit, inwiefern Bev\u00f6lkerungsgruppen gleichen oder ungleichen Zugang zu sozialen Positionen und Ressourcen haben, die ihre Lebensbedingungen und Handlungsm\u00f6glichkeiten beeinflussen. Dabei ist davon auszugehen ist, dass Gleichheit weder erreichbar noch ein gesellschaftliches Ziel ist. Da es Differenzierungen immer geben wird, geht es in erster Linie um Chancengleichheit (Erlinghagen 2024; Hradil 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Sozialstrukturforschung ist ein weites Feld. Unterschiedliche Konzepte der soziologischen Sozialstrukturforschung stehen dabei nebeneinander: Klassen- und Schichtanalysen fokussieren auf unterschiedliche Lebenslagen und die Verteilung verschiedener G\u00fcter wie Bildung, Einkommen, Eigentum, Prestige, Macht und Stellung im Produktionssystem und sortieren diese nach Ober-, Mittel- und Unterschicht. Im Ansatz der sozialen Milieus werden neben gruppenspezifischen objektiven Faktoren auch subjektive Wertorientierungen untersucht und Milieus mit \u00e4hnlichen Mentalit\u00e4ten, Werthaltungen, Lebensf\u00fchrungen und Sozialkontakten identifiziert, die subkulturelle Gruppen repr\u00e4sentieren, aber durchaus mit schichtspezifischen sozialen Lagen in Verbindung stehen (Gei\u00dfler 2014; Hradil 2024). Diskutiert wird auch, inwiefern objektive Soziallagen gruppen- oder schichtspezifische Wahrnehmungen, Mentalit\u00e4ten und Handlungsorientierungen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"unterschiedliche-gesellschaftsmodelle-als-ausgangspunkte-im-vereinigungsprozess\">Unter&shy;schied&shy;liche Gesell&shy;schafts&shy;mo&shy;delle als Ausgangs&shy;punkte im Verei&shy;ni&shy;gungs&shy;pro&shy;zess<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung trafen zwei unterschiedliche Gesellschaftsmodelle aufeinander. Die Sozialstrukturforschung im Westen Deutschlands beschrieb die BRD \u2013 ausgehend von den grunds\u00e4tzlichen Prinzipien der Konkurrenzdemokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der sozialen Marktwirtschaft und des Wohlfahrtsstaats \u2013 in den 1990er Jahren als Leistungs- und Wohlstandsgesellschaft, in der zwar soziale Ungleichheiten nach wir vor existierten, aber durch den Sozialstaat abgefedert wurden. So dominierte in den 1990er Jahren das Schlagwort von einer \u201enivellierten mittelst\u00e4ndischen Gesellschaft\u201c (Zapf 1989: 19). Gleichzeitig wurden eine Individualisierung und Pluralisierung von Lebenslagen und Lebensstilen, die auch mit neuen sozialen Ungleichheiten verbunden war, sichtbar. Bildungsexpansion, neue M\u00f6glichkeiten der vertikalen Mobilit\u00e4t und ein postmaterieller Wertewandel unterst\u00fctzten neben dem wirtschaftlichen Strukturwandel den \u00dcbergang in eine \u201eterti\u00e4re Zivilisation\u201c (Zapf 1989: 29), eine postindustrielle Dienstleistungsgesellschaft.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der DDR wurden die Begriffe <i>Arbeiter- und Bauern-Staates<\/i>, <i>Diktatur des Proletariats<\/i> und <i>Prinzip des demokratischen Zentralismus<\/i> politisch-ideologisch zur Selbstcharakterisierung verwendet. Das Ziel, sich durch Ann\u00e4herung der Klassen zu einer \u201eklassenlosen Gesellschaft\u201c zu entwickeln, die soziale Gleichheit in den Mittelpunkt r\u00fcckt, war ein zentrales ideologisches Argument. Wirtschaftlich galt die DDR als \u201emoderne Industriegesellschaft\u201c (Pollack 1991; Voigt 2013: 324), in welcher allerdings ein Widerspruch zwischen funktionaler Differenzierung und politisch-ideologischer Entdifferenzierung diagnostiziert wurde (Pollack 1991: 453). Sozialstrukturell wurde die DDR im Endstadium als \u201eextensive Arbeitsgesellschaft\u201c (Adler 1991: 168) oder als \u201enivellierte Gro\u00dfgruppengesellschaft\u201c (Hauser et al. 1996: 235) beschrieben. Die Lebensbedingungen waren relativ gleich. Unterschiede im Einkommen, Verm\u00f6gen und etwa den Wohnbedingungen waren gering, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und andere soziale Risiken unbekannt, aber auch Mobilit\u00e4tschancen gering. Erwerbsarbeit war die wichtigste Quelle pers\u00f6nlichen Einkommens, Arbeit und Betrieb zugleich ein zentraler Ort des Lebens (Betriebskinderg\u00e4rten, kulturelle Einrichtungen, medizinische Betreuung etc.). Innere soziale Spannungen wurden repressiv oder auch durch Kompensationsmechanismen stillgelegt und F\u00e4higkeiten zur Selbstorganisation verk\u00fcmmerten (Adler 1991: 168), sodass die politisch gewollten \u201eGleichheitsziele\u201c in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zu wirtschaftlichen Effizienzerfordernissen standen (L\u00f6tsch 1988).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"sozialstruktur-im-wandel-ein-versuch-der-rekonstruktion-von-entwicklungsverlaeufen\">Sozial&shy;struktur im Wandel: Ein Versuch der Rekon&shy;struk&shy;tion von Entwick&shy;lungs&shy;ver&shy;l&auml;ufen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">W\u00e4hrend in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Beitritt der DDR zum Bundesgebiet recht umfangreiche sozialwissenschaftliche Analysen zu den Ost-West-Unterschieden und Angleichungsprozessen durchgef\u00fchrt wurden, scheint das Thema nun weitgehend vom Tisch. Weder die offizielle Statistik noch umfangreiche sozialwissenschaftliche Studien widmen sich seit nunmehr circa zehn Jahren diesem Thema. Stattdessen ist gegenw\u00e4rtig vor allem eine Debatte um \u201eostdeutsche Identit\u00e4ten\u201c prominent. Daher k\u00f6nnen in diesem Beitrag nur einige Schlaglichter auf wesentliche besonders relevante Aspekte sozialstrukturellen Wandels geworfen werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Sozialindikatorenforschung werden verschiedene Aspekte der Lebenslagen, das hei\u00dft unterschiedliche Lebensbedingungen als Indikatoren f\u00fcr soziale Ungleichheit analysiert. Dabei geht es im Kern um die \u201eobjektiven\u201c M\u00f6glichkeiten, bestimmte Lebensziele zu erreichen. Hierbei werden eine Vielzahl von Indikatoren zu Rate gezogen: Bildung, Einkommen, Verm\u00f6gen, Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung, Wohnbedingungen etc. Betrachtet man die Einkommensentwicklung, so wurden im Ost-West-Vergleich zum Ende der 1980er Jahre gro\u00dfe Unterschiede bez\u00fcglich des Einkommens festgestellt: Betrug das Bruttomonatseinkommen in der DDR durchschnittlich 1.100 DM (ohne Berufsausbildung 863 DM, mit Hochschulabschluss 1.489 DM), so waren es in der BRD 3.561 DM (ohne Berufsausbildung 2.600 DM und mit Hochschulabschluss 5.345 DM) (Gei\u00dfler 1991: 179). Nicht nur in der H\u00f6he der Einkommen, sondern auch bez\u00fcglich der Spannbreite gab es deutliche Unterschiede. Allerdings fielen die Unterschiede zwischen den oberen und den unteren Einkommensklassen im Osten wesentlich geringer aus. Dies sprach f\u00fcr mehr \u201eGleichheit\u201c im Einkommen im Osten zu Beginn des Vereinigungsprozesses (Hauser et al. 1996: 136). Ein \u201eWohlstandsgef\u00e4lle\u201c zwischen Ost und West war die Folge, welches sich auch in der Ausstattung mit Konsumg\u00fctern, den Wohnbedingungen etc. zeigt. Die Effizienzprobleme und der Produktivit\u00e4tsr\u00fcckstand des sozialistischen Wirtschaftssystems, die ungleichen Startbedingungen nach 1945 (Reparationszahlungen, Rohstoffmangel, fehlende Schwerindustrie) und die begrenzten M\u00f6glichkeiten durch die Einbindung in das osteurop\u00e4ische Wirtschaftsb\u00fcndnis k\u00f6nnen zur Erkl\u00e4rung herangezogen werden (Gei\u00dfler 2011: 74). Dieses Wohlstandsgef\u00e4lle spiegelt sich zu Beginn der 1990er Jahre auch in der allgemeinen Lebenszufriedenheit wider. Nach dem Zusammenbruch und den ersten Ans\u00e4tzen des Umbaus der ostdeutschen Wirtschaft durch die Treuhandanstalt sahen sich verst\u00e4ndlicherweise vor allem die Arbeitslosen (meist aus der Gruppe der einfachen Arbeiter*innen) als Verlierer*innen der Vereinigung, als Gewinner*innen die Selbstst\u00e4ndigen und qualifizierte Arbeiterberufe (Landua\/Zapf 1991).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bereits Mitte der 1990er Jahre hatte sich das Bild gewandelt. Hinsichtlich des Einkommens wurde f\u00fcr Ostdeutschland eine Ausdifferenzierung festgestellt, die zu mehr Ungleichheit gef\u00fchrt hat. Die Gruppe der Einkommensarmen (gemessen am Netto\u00e4quivalenzeinkommen unter 50 Prozent) hatte sich vergr\u00f6\u00dfert, lag aber noch unter der in Westdeutschland. Besonders Haushalte, die von Arbeitslosigkeit betroffen waren, sowie Familien und Alleinerziehende mit Kindern geh\u00f6rten zu dieser Gruppe. Positiv hat sich das Einkommen von Rentner*innen entwickelt (Hauser 1995). Mitte der 2000er Jahre stellte Gei\u00dfler (2014: 87) fest: \u201e[D]ie sozialen Abst\u00e4nde zwischen oben und unten werden auf einem insgesamt h\u00f6heren Niveau gr\u00f6\u00dfer.\u201c Daran hat sich kaum etwas ver\u00e4ndert. So verdienten Voll- und Teilzeitbesch\u00e4ftigte in Westdeutschland im Jahr 2023 durchschnittlich 24,41 Euro brutto. Ihr Verdienst lag damit um 17,7 Prozent \u00fcber dem in Ostdeutschland (Destatis\/WZB\/BiB 2024: 147). Auch der Anteil von Besch\u00e4ftigten im Niedriglohnbereich liegt im Osten mit 16,8 Prozent zwei Prozentpunkte \u00fcber dem im Westen (Destatis\/WZB\/BiB 2014: 152). Erkl\u00e4rt wird das mit dem Produktivit\u00e4tsr\u00fcckstand im Osten (86,7 Prozent im Osten gegen\u00fcber 100 Prozent im Westen). Deutliche Einkommensunterschiede werden auch bei Spitzenverdiener*innen festgestellt, die im Osten nur etwa die H\u00e4lfte erreichen (Bartels\/Neef 2024: 48). Insgesamt betrachtet haben sich die Einkommen in Ostdeutschland jedoch \u00fcber den Zeitverlauf schrittweise in allen Einkommensgruppen angen\u00e4hert und erreichen inzwischen um die 90 Prozent der Westeinkommen (Sozialbericht 2024: 209). Es finden sich aber auch Hinweise darauf, dass die soziale Ungleichheit in den \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern geringer ist als in den westlichen, allerdings ist auch der Lebensstandard im Osten niedriger und das Armutsrisiko h\u00f6her (Kiy 2024: 35). So lag die Quote hier bei 19,4 Prozent (Destatis\/WZB\/BiB 2024: 211). Ein drastischeres Bild zeigt sich bei den Verm\u00f6gen: Das ostdeutsche Nettoverm\u00f6gen erreichte 2021 43 Prozent des Durchschnitts westdeutscher Haushalte und diesbez\u00fcglich wird nur eine geringe Angleichung \u00fcber die Jahre hinweg festgestellt (Destatis\/WZB\/BiB 2024: 222). Die niedrigeren Einkommen, die ung\u00fcnstigere demografische Struktur und die historischen Enteignungen erkl\u00e4ren das.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nach Phasen der Arbeitslosigkeit, des Vorruhestandes und der R\u00fcckkehr von Frauen in die Hausfrauenrolle haben sich die Besch\u00e4ftigtenstrukturen zwischen Ost- und Westdeutschland angen\u00e4hert, so dass auch in Ostdeutschland Angestellte und Beamt*innen dominieren, aber in allen sozialen Lagen (gemessen am Einkommen und Wohneigentum) bleiben Ostdeutsche schlechter gestellt. Das wird auch in der Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage sichtbar, die insbesondere von Arbeitslosen, Vorruhest\u00e4ndler*innen und Rentner*innen als schlechter bewertet wird. \u00dcber alle sozialen Lagen hinweg wird insgesamt der Lebensstandard von Ostdeutschen seltener als gerecht eingesch\u00e4tzt. Bei einer Einordnung in eine \u201eOben-Unten-Skala\u201c sowie bei der Bewertung der allgemeinen Lebenszufriedenheit lassen sich jedoch kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen feststellen. Allerdings ist der Zukunftspessimismus in Ostdeutschland gr\u00f6\u00dfer. (B\u00fcnning 2021: 274-276).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bei der Analyse der <i>sozialen Schichtung<\/i> einer Gesellschaft wird danach gefragt, welche soziale Gruppen mit \u00e4hnlichen sozial\u00f6konomischen Lebenslagen und schichtspezifischen Lebenschancen zu identifizieren sind. 1990 stand einer individualisierten Mittelstandsgesellschaft in der BRD eine nivellierte Arbeitsgesellschaft in der DDR gegen\u00fcber. Blickt man auf einige Daten und Fakten zu Beginn der 1990er Jahre, so lassen sich nicht nur diese Einsch\u00e4tzungen belegen, sondern es werden auch die Unterschiede zu westdeutschen Schichtstrukturen deutlich. Eine Studie zur Sozialstruktur und Lebensweise in St\u00e4dten und D\u00f6rfern der DDR von 1987, die 1997 aufgearbeitet wurde (Grundmann 1997), berichtet \u00fcber eine Schichtstruktur, in der 18,3 Prozent der Oberschicht (Funktion\u00e4r*innen in Staat, Partei und Wirtschaft), 73,2 Prozent der Mittelschicht (Fachschulabsolvent*innen ohne Leitungsfunktion, Meister*innen und Facharbeiter*innen) und 8,5 Prozent der Unterschicht (ohne Berufsausbildung) zugeordnet werden. Betont wird, dass die Mittelschicht in sich differenziert war, insbesondere was die Qualit\u00e4t der Arbeitsbedingungen, Haushaltseinkommen, Besitz, Ausstattung mit Konsumg\u00fctern, Wohnqualit\u00e4t anbelangt (obgleich die Differenz eher gering war). Auch bez\u00fcglich der Gleichstellung der Geschlechter werden Differenzen festgestellt: Frauen waren in der Oberschicht unter- und in der Unterschicht \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Angestellte ohne Leitungsfunktionen waren meist Frauen. M\u00e4nner hingegen waren unter Produktionsarbeitern \u00fcberproportional vertreten (Grundmann 1997: 55f.). Allerdings war im Vergleich zu Westdeutschland der Besch\u00e4ftigungsgrad von Frauen deutlich h\u00f6her. Das betrifft ebenso das formale Ausbildungsniveau.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Schichtungsmodelle f\u00fcr die Bundesrepublik etwa zur gleichen Zeit rechnen etwa 19 Prozent der Bev\u00f6lkerung der Unterschicht, 50 Prozent der Mittelschicht und 22 Prozent der Oberschicht zu (Hradil 1987: 131). Im Vergleich scheint es so, als sei die DDR ebenso eine Mittelschichtgesellschaft gewesen. Zu vermuten ist, dass die Mehrheit der Arbeiter*innen allein auf Grund ihrer beruflichen Position der Mittelschicht zugeordnet wurde. Es hat aber in der DDR keine ausgepr\u00e4gte Unterschicht gegeben.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Studien zur subjektiven Schichteinstufung im Ost-West-Vergleich von 1991, die Auskunft \u00fcber die subjektiven Wahrnehmungen geben, zeigten ein \u00e4hnliches Bild und starke Differenzen zwischen Ost und West. So stuften sich 60 Prozent der ostdeutschen Befragten in die Unter- und Arbeiterschicht (Westdeutsche: 24 Prozent), 36 Prozent der Ostdeutschen ordneten sich gegen\u00fcber 62 Prozent der Westdeutschen der Mittelschicht zu, und nur zwei Prozent der Ost-, aber 13 Prozent der Westdeutschen sahen sich in der Oberschicht (Noll 1996: 492). \u00dcberraschend ist, dass sich Ostdeutsche subjektiv h\u00e4ufiger der Unter- und Arbeiterschicht zuordneten, was auf ein anderes Verst\u00e4ndnis von sozialer Schichtung verweist. Soziale Ungleichheit wurde von den Ostdeutschen nur mit zw\u00f6lf Prozent gegen\u00fcber den Westdeutschen mit 45 Prozent als gerecht empfunden (Noll 1996: 496).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch fast 20 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es gro\u00dfe Unterschiede bez\u00fcglich der subjektiven Schichteinstufung. So stuften sich 2018 nur f\u00fcnf Prozent der Ostdeutschen (1990: zwei Prozent) in die Oberschicht ein (Westdeutsche 2018: 14 Prozent), in die Mittelschicht 56 Prozent (Westdeutsche: 61 Prozent) und in die Arbeiterschicht 36 Prozent (Westdeutsche: 23 Prozent). Bez\u00fcglich der Unterschicht (zwei Prozent West und drei Prozent Ost) waren kaum Unterschiede festzustellen (B\u00fcnning 2021: 276). Im Vergleich zu 1990 wird beschrieben, dass wahrgenommene Aufstiege von der Arbeiterschicht in die Mittelschicht in Ostdeutschland besonders relevant sind, w\u00e4hrend in Westdeutschland kaum Ver\u00e4nderungen festgestellt wurden. Auch wenn sich 2018 Ostdeutsche \u201esubjektiv niedriger\u201c auf einer Statusleiter einstufen (Delhey et al. 2024: 10), weichen die Status\u00e4ngste kaum noch von Westdeutschen ab. Da diese Unterschiede in der Schichteinstufung nur bedingt auf soziale Lagen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, wird geschlussfolgert: \u201eEs ist vielmehr davon auszugehen, dass sich die ostdeutsche Bev\u00f6lkerung innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Schichtungsgef\u00fcges deshalb tendenziell niedriger einstuft, weil sie sich nach wie vor mit der westdeutschen vergleicht und aus dieser Perspektive Statusdefizite wahrnimmt\u201c (B\u00fcnning 2021: 277). Dies scheint ein deutlicher Verweis darauf, dass sich objektive Lagen und subjektive Wahrnehmungen unterscheiden k\u00f6nnen. Hinzu kommt, dass sich durch den politisch gewollten, aber auch aufgrund fehlender Qualifikationen und Erfahrungen notwendigen Elitentransfer aus Westdeutschland in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen der Weg Ostdeutscher in h\u00f6here gesellschaftliche Positionen versperrt blieb. Die aus dem wirtschaftlichen Umbau resultierende Unterschichtung wurde so erg\u00e4nzt durch eine \u00dcberschichtung durch westdeutsche Eliten. Daran hat sich offenbar bis heute trotz nachfolgender Generationen wenig ge\u00e4ndert. Studien, die sich auf Daten von 2019 beziehen, zeigen, dass gemessen am Bev\u00f6lkerungsanteil Ostdeutschlands von 17,8 Prozent nur 11,2 Prozent Ostdeutsche in Elitepositionen sind (Vogel 2024: 43).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> Im Zeitverlauf hat sich zwar der Anteil Ostdeutscher in der Verwaltung und Wirtschaft erh\u00f6ht, ist aber in der Politik, den Medien und der Justiz zur\u00fcckgegangen. Als Ursachen werden Prozesse der sozialen Schlie\u00dfung, Netzwerke, die Abwanderung qualifizierter Ostdeutscher, aber auch ein \u201eAnti-Elitismus\u201c und geringere Karriereambitionen der nachfolgenden ostdeutschen Generation vermutet (Kollmorgen 2024). Ob sich das \u00fcber die Zeit ausw\u00e4chst, ist eine offene Frage.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Entwicklungsverlauf seit 1990 wird deutlich, dass sich die Schichtstrukturen in beiden Gesellschaftsteilen tendenziell angen\u00e4hert haben (Lengfeld\/Ordemann 2020). Die Mittelschicht ist pr\u00e4gend f\u00fcr beide Landesteile, aber in Ostdeutschland bleibt die Oberschicht d\u00fcnn besetzt und wird eine \u201ePersistenz der gering qualifizierten Arbeiter (untere Schicht)\u201c (Lengfeld\/Ordemann: 2020: o.S.) mit etwa 20 Prozent festgestellt. Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diese hohe Zahl werden in der demografischen Struktur, der Abwanderung Qualifizierter in Richtung Westen und den wirtschaftlichen Strukturen Ostdeutschlands gesucht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bei der Analyse <i>sozialer Milieus<\/i> r\u00fccken neben den objektiven Merkmalen der Lebenslage und Schichtzuordnung vor allem gruppenspezifische Mentalit\u00e4ten, kulturelle Orientierungen und Lebensstile in den Blickpunkt, die ihren Ausdruck in einen bestimmten Habitus, Konsumgewohnheiten und Geschmacksrichtungen finden (Band\/M\u00fcller 2001; Hradil 2024). In den 1980er Jahren wird f\u00fcr die Bundesrepublik eine Differenzierung und Pluralisierung der Lebensstile und Milieus diagnostiziert, die mit einer \u201eEntschichtung\u201c, aber gleichzeitig mit einer Differenzierung nach Merkmalen wie Region, Alter, Geschlecht und Familienverh\u00e4ltnisse einhergehen (Gei\u00dfler 2014: 112ff.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In einer Studie von 1991 zu sozialen Milieus in Ostdeutschland wird argumentiert, die DDR sei ein \u201enur begrenzt verformtes Abbild der industriellen Klassengesellschaft\u201c (Vester 1995: 16) mit den Besonderheiten eines Wasserkopfes oben, einer Modernisierungsl\u00fccke in der Mitte und einer gro\u00dfen traditionellen Arbeiterklasse. 1991 werden in Westdeutschland das \u201eAufstiegsorientierte Milieu\u201c mit 24 Prozent, das \u201eKleinb\u00fcrgerliche Milieu\u201c mit 22 Prozent und Arbeitermilieus mit insgesamt 22 Prozent identifiziert. In Ostdeutschland nahmen ein \u201eTraditionsverwurzeltes Arbeiter- und Bauernmilieu\u201c mit 27 Prozent (Arbeitermilieus insgesamt: 37 Prozent) und ein \u201eKleinb\u00fcrgerlich materialistisches Milieu\u201c mit 23 Prozent den gr\u00f6\u00dften Raum ein (Vester 1995: 15). Westdeutschland wird als \u201efacettenreiche Gesellschaft\u201c, die sich immer st\u00e4rker ausdifferenziert, beschrieben. Im Osten hingegen \u201edominieren traditionelle Lebenswelten\u201c (Becker et al. 1992: 103). Daran scheint sich auch bis in die 2000er Jahre nicht viel ge\u00e4ndert zu haben, auch wenn die Benennung der Milieus differiert (und kleine Vergleiche zu Westdeutschland zu finden sind). Hofmann beschreibt, dass traditionelle Lebenswelten im Osten (Arbeitermilieus und kleinb\u00fcrgerliche Milieus) zwar von 58 auf 39 Prozent geschrumpft sind, aber immer noch 35 Prozent der Milieus der Unterschicht zugeordnet werden k\u00f6nnen, nur eine schwache b\u00fcrgerliche Mitte existiert, sich kein eigenst\u00e4ndiges Oberschichtmilieu herausgebildet hat, aber mit der j\u00fcngeren Generation ein hedonistisches Milieu entstanden ist. In der j\u00fcngeren Generation finden sich Angleichungen, aber traditionelle Lebenswelten sind \u00fcberrepr\u00e4sentiert. \u201eDie b\u00fcrgerliche Mitte, liberale, sozial-\u00f6kologische und expeditive Lebenswelten sind in Ostdeutschland eher d\u00fcnn besiedelt\u201c (Hofmann 2020: o.S.). So bleibt Ostdeutschland eher eine \u201eeinfache Arbeitsgesellschaft\u201c (Mau 2024: 22).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"sozialstrukturelle-angleichung-aber-kollektive-ostdeutsche-identitaeten\">Sozial&shy;struk&shy;tu&shy;relle Angleichung, aber (kollektive) ostdeutsche Identi&shy;t&auml;&shy;ten?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das Interesse an sozialstrukturellen Entwicklungen in Ostdeutschland \u2013 auch im Vergleich zu Westdeutschland \u2013 scheint deutlich zur\u00fcckgegangen zu sein. Diskutiert werden jedoch intensiv \u201eOstdeutsche Identit\u00e4t(en)\u201c. Der bislang dominante Rekurs auf Daten und Fakten zu Einkommen, Verm\u00f6gen, Lebenslagen, Besch\u00e4ftigtenstruktur, Wohnbedingungen, soziale Schichten und Milieus sagen offenbar relativ wenig \u00fcber das subjektive Befinden, die Wahrnehmungen, das Denken, F\u00fchlen, Handeln und die Gesellschaftsvorstellungen von Ostdeutschen, die ebenso, aber nicht nur durch objektive Bedingungen zu erkl\u00e4ren sind. Inspiriert durch mediale Diskurse, ein vom Durchschnitt abweichendes Wahlverhalten und insgesamt kritischere Einstellungen zur Demokratie (Destatis\/WZB\/BiB 2024: 352f) wird die Frage aufgeworfen, ob und warum \u201eOstdeutsche anders\u201c sind (Pollack 1998; Rippl et al. 2018; Kubiak 2020; Vogel et al. 2024). Dabei geht es in erster Linie nicht um subjektive Identit\u00e4ten, sondern darum, ob es eine kollektive ostdeutsche Identit\u00e4t gibt. Gemeinsam geteilte Sinnzusammenh\u00e4nge und Wahrnehmungen mit Folgen f\u00fcr das individuelle Handeln zeichnen solche Identit\u00e4tskonstrukte aus. Sie entstehen in Abgrenzung zu anderen sozialen Gruppen auf Basis von Selbst- und Fremdbeschreibungen. Individuen k\u00f6nnen auf diese \u201eIdentifizierungsangebote in Abh\u00e4ngigkeit von ihren Interessen und den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen reagieren\u201c (Vogel\/Leser 2020: 175). In einer umfangreichen Studie von 2004 wurden so sieben verschiedene Typen identifiziert (Vogel\/ Leser 2020: 178ff.). Hier finden sich erste Hinweise darauf, dass es \u201edie\u201c ostdeutsche Identit\u00e4t nicht gibt. Allerdings wird in den vorliegenden Studien weniger klar, ob und inwiefern tats\u00e4chlich unterschiedliche Handlungsorientierungen dominant sind. Lediglich bez\u00fcglich politischer Kulturen (Wahlverhalten, Einstellungen zur Demokratie) finden sich Hinweise. Mau (2024: 72) schl\u00e4gt daher als Minimaldefinition vor: \u201eOstdeutsche Identit\u00e4t bezieht sich auf den Osten als spezifischer Erfahrungs-, Sozial- und Kulturraum, der als subjektiv erlebter und gedeuteter kollektiver Zusammenhang zum Thema wird.\u201c Erfahrungen der symbolischen Abwertung, Gef\u00fchle der Andersartigkeit, der Inferiorit\u00e4t, des Verlustes einer kollektiven Zusammengeh\u00f6rigkeit und \u00f6konomische Deprivation sind die Ph\u00e4nomene, die am h\u00e4ufigsten als Merkmale ostdeutscher Identit\u00e4ten genannt werden. Diese werden vor allem von der \u00e4lteren Generation thematisiert. Aber J\u00fcngere nehmen die noch existierende Benachteiligungen deutlicher wahr (etwa bez\u00fcglich der Besetzung von Elitepositionen), schreiben sich selbst eine \u201eTransformationskompetenz\u201c (Kubiak 2020: 195) zu, sehen sich als \u201eQuelle alternativer Erfahrungen und Weltsichten\u201c (Vogel et al. 2024: 5) und wollen den Osten sichtbarer machen. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Vergleich verschiedener Alterskohorten sowie ost- und westdeutscher Wahrnehmungen. So wird herausgearbeitet, dass Ostdeutsche h\u00e4ufiger Unterschiede und Konflikte zwischen Ost- und Westdeutschen wahrnehmen \u2013 und das \u00fcber die Alterskohorten hinweg (Mau et al. 2024). Die soziale Lage spielt dabei keine Rolle, lediglich der Bildungsstand beeinflusst die Wahrnehmungen. H\u00f6her Gebildete nehmen weniger Unterschiede und Konflikte war. Die Autor*innen argumentieren, dass sich \u201eostdeutsche Bewusstseins- und Identit\u00e4tsformen verstetigen\u201c (Mau et al. 2024: 17). Dies begr\u00fcnde sich jedoch weniger auf Grund sozialstruktureller Unterschiede, als damit, dass sich ein \u201eeigenst\u00e4ndiger Kultur- und Deutungsraum Ostdeutschland\u201c herausgebildet hat (Mau 2024: 31). Ostdeutsche Identit\u00e4t sei \u201ealive and kicking\u201c (Mau 2024: 69), aber mit neuen und unterschiedlichen Inhalten gef\u00fcllt. Auch hier wird deutlich, dass es \u201edie eine\u201c ostdeutsche Identit\u00e4t nicht gibt und von einer \u201ekollektiven Identit\u00e4t\u201c nur bedingt die Rede sein kann, Identit\u00e4t aber als analytische Kategorie interessant ist (Vogel et al. 2024: 2). Mau weist darauf hin, dass es sich um \u201everschachtelte Identit\u00e4ten\u201c handelt, die in sich heterogen sind und wo das \u201eostdeutsch sein\u201c eine Facette unter anderen (wie \u201eeurop\u00e4isch-sein\u201c) ist und es mit unterschiedlichen Bedeutungsinhalten gef\u00fcllt wird (Heimat- und Regionalverbundenheit, Selbstvergewisserung, Trotz etc.) (Mau 2024: 73).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zur Erkl\u00e4rung werden verschiedene Hypothesen in Anschlag gebracht. Vor allem im politischen Diskurs ist die Sozialisationshypothese sehr pr\u00e4sent. Eine Sozialisation in der DDR hat demzufolge dazu gef\u00fchrt, dass Bewusstseinsformen und Orientierungen nachwirken und teils auch auf nachfolgende Generationen \u00fcbertragen werden. So wird bez\u00fcglich der Herkunft Ostdeutscher argumentiert: \u201eInnerhalb der Lebensbiografie ihrer B\u00fcrger sind in den circa 40 Jahren Wertorientierungen entstanden, die eine relative Konsistenz aufweisen und vielfach erst nach der Wende \u2013 im Vergleich zum jetzt \u201aNeuen\u2018 bewusst erlebt werden\u201c (Voigt 2013: 329f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Situationshypothese stellt auf objektive Merkmale sozialer Ungleichheit ab, eine spezifische Identit\u00e4t erscheint als Reaktion auf gegenw\u00e4rtige Problemlagen und r\u00fcckt eine relative Deprivation in den Mittelpunkt (Vogel\/Leser 2020). Argumentiert wird aber \u2013 im Unterschied zur Sozialisationshypothese \u2013 , dass den noch existierenden Ost-West-Unterschieden keine ostspezifischen Ursachen zugrunde liegen, \u201esondern sie k\u00f6nnen unter R\u00fcckgriff auf die universelle Wirkung \u00f6konomischer, sozialer und politischer Merkmale erkl\u00e4rt werden, die in Ostdeutschland lediglich h\u00e4ufiger (z.B. Arbeitslosigkeit) oder seltener (z.B. Verm\u00f6gen) vorkommen\u201c (Vogel et al. 2024: 10).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr die Othering-Hypothese steht das viel diskutierte Buch von Oschmann, indem er argumentiert, dass in einer spezifischen Weise \u00fcber den Osten geredet werde und dieser politisch, wirtschaftlich und sozial benachteiligt werde. Der Westen gelte als Ma\u00dfstab und der Osten als Abweichung (Oschmann 2023: 12). Die westdeutsche Mehrheitsgesellschaft betrachte Ostdeutsche als \u201eFremde\u201c und schreibe ihnen bestimmte Merkmale zu, sodass sich Ostdeutsche in Reaktion darauf eben als \u201eostdeutsch\u201c identifizieren. \u201eGanz unabh\u00e4ngig von tats\u00e4chlichen materiellen Lagen und \u00f6konomischer (Un-)Zufriedenheit wird hier angenommen, dass sich Ost-West-Zuschreibungen und Differenzempfindungen immer wieder erneuern\u201c (Mau et al. 2024: 7).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die These der Persistenz geht davon aus, dass sich kulturelle und soziale Formen durch \u201edie narrative Weitergabe sozialer Erfahrungen, kollektiver Bewusstseinsformen und historischer Traumata\u201c verfestigt haben und so ein \u201esoziokultureller Eigensinn\u201c weiterlebt (Mau et al. 2024: 8). Erkl\u00e4rt wird dies aber nicht nur aus einer \u201eDDR-Sozialisation\u201c, sondern auch aus den Erfahrungen im Prozess der Transformation, wobei offenbar sozialstrukturelle Faktoren nur eine untergeordnete Rolle spielen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zu entscheiden, welche dieser Hypothesen ostdeutsche Identit\u00e4ten zu erkl\u00e4ren vermag, f\u00e4llt schwer \u2013 auch weil unterschiedliche Methoden und Datens\u00e4tze herangezogen werden. Jede dieser Hypothesen scheint zur Erkl\u00e4rung beizutragen. Zu erwarten ist, dass sich Sozialisationseffekte \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum auswachsen. Ob es aber in \u00fcberschaubarer Zeit zu einer Angleichung \u00f6konomischer, sozialer und politischer Strukturen kommt, ist fraglich. Selbst die Othering-Hypothese ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das belegen aktuelle Debatten in den Medien und wissenschaftlichen Analysen, beispielsweise zum Wahlverhalten (Spissinger et al. 2024: 340f.). Perspektivisch sieht Mau diese Verfestigung ostdeutscher Mentalit\u00e4ten kritisch: \u201eDie Herstellung eines identit\u00e4ren und selbstbez\u00fcglichen Ostens f\u00fchrt in Sackgassen, aus denen man nicht so leicht wieder herauskommt\u201c (Spissinger et al. 2024: 88). Ob das von Mau vorgeschlagene \u201eLabor der Partizipation\u201c (Mau 2024: 125ff.) ein Ausweg aus der Sackgasse ist, bleibt offen. Die vorgeschlagenen neuen Elemente demokratischer Partizipation sind ein Ansatzpunkt, um Menschen im Osten st\u00e4rker an politische Entscheidungsprozesse zu beteiligen, das Demokratieverst\u00e4ndnis und auch das Selbstbewusstsein zu st\u00e4rken. Erg\u00e4nzt durch eine gezielte Wirtschaftsf\u00f6rderung und Infrastrukturentwicklung k\u00f6nnte dies zu einem sozialstrukturellen Wandel beitragen und \u00fcber den Osten hinaus wirken.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"fazit-annaeherung-aber-soziale-differenzen\">Fazit: Ann&auml;herung, aber soziale Differenzen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Nach nunmehr fast 35 Jahren deutscher Einheit bleibt festzuhalten, dass die institutionelle Transformation bereits Mitte der 1990er Jahre weitgehend abgeschlossen war, aber sozialstrukturelle Unterschiede nach wie vor Bestand haben. Bereits 1996 war eine Diagnose \u201eGetrennt vereint\u201c (Hauser et al. 1996: 488), und noch 2024 betitelt Mau seine Publikation mit <i>Ungleich vereint<\/i>. Im Kern haben wir es mit einer Ausdifferenzierung der ostdeutschen Gesellschaft (wenn man von einer solchen sprechen kann) und De-Egalisierung von Lebenslagen und -chancen bei gleichzeitiger Anpassung an westdeutsche Sozialstrukturen zu tun. Auch im Osten hat sich eine Mittelschicht herausgebildet, die zugleich mit sozialen Ausdifferenzierungen nach oben und unten verbunden ist. Durch die Umschichtung nach unten sind vertikale Ungleichheitsstrukturen entstanden (Gei\u00dfler 2014: 269). Neue soziale Problemgruppen werden sichtbar, und Armut bleibt in Ostdeutschland ein besonderes Problem. Auch haben sich geschlechtsspezifische Ungleichheiten verst\u00e4rkt, und Einkommensunterschiede sind nach wie vor best\u00e4ndig. Begleitet wurde eine Unterschichtung durch eine \u00dcberschichtung durch westdeutsche Eliten in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen. Insbesondere, was die Wirtschaft anbelangt, hat sich keine tragende Oberschicht ausgebildet. Auf diesem Befund basiert auch die These, dass Ostdeutschland immer noch eine arbeiterliche Gesellschaft ist und unter einer \u201eElitenschw\u00e4che\u201c (Mau 2024: 44) leidet. Auch wenn das Wohlstandsniveau insgesamt angestiegen ist, bleibt eine Best\u00e4ndigkeit von Unterschieden in Lebenslagen und Milieus, wobei nach wie vor arbeiterliche und kleinb\u00fcrgerliche Milieus wesentlich bleiben. Ebenso erkennbare Tendenzen der Pluralisierung und Individualisierung sind verbunden mit neuen M\u00f6glichkeiten der individuellen Entwicklung von Lebensstilen. Best\u00e4ndigkeit scheint es insbesondere bez\u00fcglich soziokultureller Ph\u00e4nomene in Ostdeutschland zu geben, wie die Debatte um ostdeutsche Identit\u00e4ten zeigt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Um zur Ausgangsfrage zur\u00fcckzukommen, ob es ein \u201eOstdeutschland\u201c oder die \u201eOstdeutschen\u201c noch gibt, f\u00e4llt die Antwort ambivalent aus. Zwar ist institutionell und gemessen an objektiven sozialstrukturellen Daten eine Angleichung an Westdeutschland erkennbar, aber der Blick auf soziale Schichten, Milieus, sozialen Identit\u00e4ten und die damit verbundenen Mentalit\u00e4ten und Handlungsorientierungen offenbart nach wie vor existierende Unterschiede. Allerdings muss es \u2013 abgesehen von den objektiven Lebensbedingungen \u2013 nicht in allen diesen Punkten um eine \u201eAngleichung\u201c an den Westen gehen. Unterschiedliche Mentalit\u00e4ten, Kulturen und Lebensstile zeichnen eine pluralistische Gesellschaft aus. So steht die bundesrepublikanische Gesellschaft insgesamt gegenw\u00e4rtig vor neuen Herausforderungen (wirtschaftlicher Strukturwandel, Klimapolitik, geopolitische Herausforderungen, Demokratieunzufriedenheit, demografische Probleme etc.) und nur mit Bezug auf beide Landesteile scheinen diese l\u00f6sbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. Karin Lohr<\/strong> geboren 1954, Prof. Dr. sc. oec. (APL), i. R., ehemals Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin, Institut f\u00fcr Sozialwissenschaften, Lehrbereich Soziologie der Arbeit und Geschlechterverh\u00e4ltnisse, Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Arbeits- und Organisationssoziologie, Industrielle Beziehungen, Geschlechter- und Transformationsforschung.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Adler, Frank<\/em> 1991: Ans\u00e4tze zur Rekonstruktion der Sozialstruktur des DDR-Realsozialismus; in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 1, H. 2, S. 157-176.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Band, Henri\/M\u00fcller, Hans-Peter <\/em>2001: Lebensbedingungen, Lebensformen, Lebensstile; in: Sch\u00e4fers, Bernhard\/Zapf, Wolfgang (Hrsg.): <em>Handw\u00f6rterbuch zur Gesellschaft Deutschlands<\/em>, 2. Aufl., Opladen, S. 427-435.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bartels, Charlotte\/Neef, Theresa<\/em> 2024: Einkommens- und Verm\u00f6gensunterschiede drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung: Die anhaltende wirtschaftliche Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland; in: Der Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Ostdeutschland Ost und West (Hrsg.): <em>Ost und West. Frei, vereint und unvollkommen. Bericht zum Stand der deutschen Einheit 2024<\/em>, Berlin, S. 47-53, <a href=\"https:\/\/www.publikationen-bundesregierung.de\/resource\/blob\/2277952\/2310968\/34e86346b0ef75cd501c5890e4ae8515\/zum-stand-der-deutschen-einheit-2024-download-bkamt-data.pdf?download=1\">https:\/\/www.publikationen-bundesregierung.de\/resource\/blob\/2277952\/2310968\/34e86346b0ef75cd501c5890e4ae8515\/zum-stand-der-deutschen-einheit-2024-download-bkamt-data.pdf?download=1<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Becker, Ulrich et al. <\/em>1992: Zwischen Angst und Aufbruch: Das Lebensgef\u00fchl der Deutschen in Ost und West nach der Wiedervereinigung, D\u00fcsseldorf\/Wien\/New York\/Moskau.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>B\u00fcnning, Mareike<\/em> 2021: Soziale Lagen und soziale Schichtung; in: Statistisches Bundesamt (Destatis)\/Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB)\/Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung (BiB) (Hrsg.): <em>Datenreport 2021. Ein Sozialbericht f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland<\/em>, Bonn, S. 271-285, <a href=\"https:\/\/www.bib.bund.de\/Publikation\/2021\/pdf\/Datenreport-2021-Ein-Sozialbericht-fuer-die-Bundesrepublik-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">https:\/\/www.bib.bund.de\/Publikation\/2021\/pdf\/Datenreport-2021-Ein-Sozialbericht-fuer-die-Bundesrepublik-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Delhey, Jan et al. <\/em>2024: Die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit; in: B\u00f6hnke, Petra\/Konietzka, Dirk (Hrsg.): <em>Handbuch Sozialstrukturanalyse<\/em>, Wiesbaden, S. 1-31.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Erlinghagen, Marcel <\/em>2024: Sozialstruktur; in: Kopp, Johannes\/Steinbach, Anja (Hrsg.): <em>Grundbegriffe der Soziologie<\/em>, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 471-474.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gei\u00dfler, Rainer<\/em> 1991: Transformationsprozesse in der Sozialstruktur der neuen Bundesl\u00e4nder; in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 1, H. 2, S. 177-194.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gei\u00dfler, Rainer <\/em>2011: Die Sozialstruktur Deutschlands, 6. Aufl., Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gei\u00dfler, Rainer<\/em> 2014: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Zwischenbilanz zur Vereinigung, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Grundmann, Siegfried<\/em> 1997: Die Sozialstruktur der DDR. Versuch einer Rekonstruktion auf Basis einer 1987 durchgef\u00fchrten soziologischen Untersuchung, Berlin, <a href=\"https:\/\/bibliothek.wzb.eu\/pdf\/1997\/iii97-402.pdf\">https:\/\/bibliothek.wzb.eu\/pdf\/1997\/iii97-402.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hauser, Richard <\/em>1995: Die Verteilung der Einkommen in den neuen Bundesl\u00e4ndern wird ungleicher, in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg.5, H. 4, S. 463-474.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hauser, Richard et al.<\/em> 1996: Ungleichheit und Sozialpolitik. Berichte zum sozialen und politischen Wandel in Ostdeutschland, Opladen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hoffmann, Michael<\/em> 2020: Soziale Strukturen in Ostdeutschland, in: <em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> vom 04.02.2020, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-einheit\/lange-wege-der-deutschen-einheit\/303482\/soziale-strukturen-in-ostdeutschland\/#node-content-title-1\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-einheit\/lange-wege-der-deutschen-einheit\/303482\/soziale-strukturen-in-ostdeutschland\/#node-content-title-1<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hradil, Stefan<\/em> 1987: Sozialstrukturanalyse in einer fortgeschrittenen Gesellschaft. Von Klassen und Schichten zu sozialen Milieus, Opladen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hradil, Stefan<\/em> 2023: Alte und neue Ungleichheiten. Zum gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Wandel in den letzten Jahrzehnte; in: <em>sozialpolitik.ch<\/em>, Jg. 9, H. 8, S. 1-16.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hradil, Stefan<\/em> 2024: Milieus, soziale; in: Kopp, Johannes\/Steinbach, Anja (Hrsg.): <em>Grundbegriffe der Soziologie<\/em>, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 361-366.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hoyer, Katja<\/em> 2023: Diesseits der Mauer. Eine neue Geschichte der DDR 1949-1990, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kiy, Manfred<\/em> 2024: Soziale Ungleichheit in Deutschland: Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung, <a href=\"https:\/\/epb.bibl.th-koeln.de\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/2851\/file\/Kiy_Soziale_Ungleichheit.pdf\">https:\/\/epb.bibl.th-koeln.de\/frontdoor\/deliver\/index\/docId\/2851\/file\/Kiy_Soziale_Ungleichheit.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kollmorgen, Raj<\/em> 2024: Die Unterrepr\u00e4sentation von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund in den Eliten. Eine Einf\u00fchrung; in: Kollmorgen, Raj et al. (Hrsg.): <em>Ferne Eliten: Die Unterrepr\u00e4sentation von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund<\/em>, Wiesbaden, S. 1-68.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kowalczuk, Ilko-Sascha <\/em>2024: Freiheitsschock. Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kubiak, Daniel<\/em> 2018: Der Fall Ostdeutschland, in: <em>Zeitschrift f\u00fcr Vergleichende Politikwissenschaft<\/em>, Jg. 12, H. 1, S. 25-42.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kubiak, Daniel<\/em> 2020: Ostdeutsche Identit\u00e4t im Wandel der Zeiten. 30 Jahre und noch kein Ende, in: Becker, S\u00f6ren\/Naumann, Matthias (Hrsg.): <em>Regionalentwicklung in Ostdeutschland. Dynamiken, Perspektiven und der Beitrag der Humangeographie<\/em>, Wiesbaden, S. 189-198.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Landua, Detlef\/Zapf, Wolfgang<\/em> 1991: Deutschland nach der Wiedervereinigung: zwei Gesellschaften, eine Nation: zum Stand des gesellschaftlichen Transformationsprozesses; in: <em>Informationsdienst Soziale Indikatoren<\/em>, H. 6, S. 10-13.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lengfeld, Holger\/Ordemann, Jessica<\/em> 2020: Soziale Schichtung und die Entwicklung der gesellschaftlichen Mitte in Ost- und Westdeutschland nach 1990, in: <em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> vom 14.09.2020, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-einheit\/lange-wege-der-deutschen-einheit\/314255\/soziale-schichtung-und-die-entwicklung-der-gesellschaftlichen-mitte-in-ost-und-westdeutschland-nach-1990\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-einheit\/lange-wege-der-deutschen-einheit\/314255\/soziale-schichtung-und-die-entwicklung-der-gesellschaftlichen-mitte-in-ost-und-westdeutschland-nach-1990\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>L\u00f6tsch, Manfred<\/em> 1988: Sozialstruktur der DDR \u2013 Kontinuit\u00e4t und Wandel, in: <em>Aus Politik und Zeitgeschichte<\/em>, H. 32, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/archiv\/534551\/sozialstruktur-der-ddr-kontinuitaet-und-wandel\/\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/archiv\/534551\/sozialstruktur-der-ddr-kontinuitaet-und-wandel\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>L\u00f6tsch, Manfred<\/em> 1991: Konturen einer Theorie der Sozialstruktur, in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 1, H. 2, S. 195-202.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mau, Steffen<\/em> 2024: Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mau, Steffen et al.<\/em> 2024: Ost- und Westdeutsche f\u00fcr immer? Zu Wahrnehmungen von Unterschieden und Konflikten zwischen Ost und Westdeutschen, in: <em>K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 76, S. 1-23.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mayer, Karl-Ulrich<\/em> 1994: Vereinigung soziologisch: Die soziale Ordnung der DDR und ihre Folgen; in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 4, H. 3, S. 307-321.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Noll, Heinz-Herbert<\/em> 1996: Ungleichheit der Lebenslagen und ihre Legitimation im Transformationsprozess: Fakten Perzeption und Bewertungen, in: Clausen, Lars (Hrsg.): <em>Gesellschaften im Umbruch. Verhandlungen des 27. Kongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie in Halle an der Saale 1995<\/em>, Frankfurt am Main\/New York, S. 488-503.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Oschmann, Dirk<\/em> 2023: Der Osten: eine westdeutsche Erfindung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pickel, Susanne\/Gert Pickel<\/em> 2023: The Wall in the Mind \u2013 Revisited Stable Differences in the Political Cultures of Western and Eastern Germany; in: <em>German Politics<\/em>, Jg. 32, H. 1, S. 20-42.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pollack, Detlef<\/em> 1991: Von der Organisationsgesellschaft zur Risikogesellschaft. Soziologische \u00dcberlegungen zu den gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Ostdeutschland, in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 1, H. 3, S. 451-455.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pollack, Detlef<\/em> 1998: Ostdeutsche Identit\u00e4t \u2013 ein multidimensionales Ph\u00e4nomen: in: Meulemann, Heiner (Hrsg.): <em>Werte und nationale Identit\u00e4ten im vereinten Deutschland<\/em>, Wiesbaden, S. 301-318.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rippl, Susanne et al.<\/em> 2018: Ostdeutsche Identit\u00e4t. Zwischen medialen Narrativen und eigenem Erleben, in: <em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> vom 16.05.2018, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/269349\/ostdeutsche-identitaet\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/269349\/ostdeutsche-identitaet\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Spissinger, Florian et al.<\/em> 2024: Das Ringen um die Ostdeutschen \u2013 \u00fcber die Beharrlichkeit einer Identit\u00e4tskonstruktion; in: Vogel, Lars et al. (Hrsg.): <em>Ostdeutschland. Identit\u00e4t, Lebenswelt oder politische Erfindung?<\/em> Wiesbaden, S. 337-353.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Statistisches Bundesamt (Destatis)\/Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB)\/Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung (BiB)<\/em> 2024: Sozialbericht 2024. Ein Datenreport f\u00fcr Deutschland, Bonn, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf\">https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/Sozialbericht_2024_bf_k2.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vester, Michael<\/em> 1995: Milieuwandel und regionaler Strukturwandel in Ostdeutschland; in: Vester, Michael et al. (Hrsg.): <em>Soziale Milieus in Ostdeutschland: Gesellschaftliche Strukturen zwischen Zerfall und Neubildung<\/em>, K\u00f6ln, S. 7-50.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vogel, Lars\/Leiser, Julia<\/em> 2020: Ostdeutsche Identit\u00e4t(en) im Wandel? Perspektiven f\u00fcr Intra- und Interkohortenvergleiche; in: <em>Zeitschrift f\u00fcr Vergleichende Politikwissenschaft<\/em>, Jg. 14, H.3, S. 171-197.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vogel, Lars et al.<\/em> 2024: Ostdeutschland als umstrittene analytische Kategorie und kollektive Identit\u00e4t; in: Vogel, Lars et al. (Hrsg.): <em>Ostdeutschland: Identit\u00e4t, Lebenswelt oder politische Erfindung?<\/em> Wiesbaden, S. 1-26.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vogel, Lars<\/em> 2024: Ausma\u00df und Persistenz personeller Unterrepr\u00e4sentation in den Eliten Deutschlands; in: Kollmorgen, Raj et al. (Hrsg.): <em>Ferne Eliten: Die Unterrepr\u00e4sentation von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund<\/em>, Wiesbaden, S. 107-148.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Voigt, Peter<\/em> 2013: Gesellschaft der deutschen Demokratischen Republik (DDR) von 1949-1990; in: Mau, Steffen\/Sch\u00f6neck, Nadine M. (Hrsg.): <em>Handw\u00f6rterbuch zur Gesellschaft Deutschlands<\/em>, 3. Aufl., Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zapf, Wolfgang<\/em> 1989: Sozialstruktur und gesellschaftlicher Wandel in der Bundesrepublik; in: Weidenfeld, W.\/Zimmermann, H. (Hrsg.): <em>Deutschland Handbuch<\/em>, Bonn.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zapf, Wolfsgang<\/em> 1991: Die DDR 1989\/1990 \u2013 Zusammenbruch einer Sozialstruktur? In: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 1, H 2, S. 147-155.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zapf, Wolfgang<\/em> 1994: Die Transformation in der ehemaligen DDR und die soziologische Theorie der Modernisierung; in: <em>Berliner Journal f\u00fcr Soziologie<\/em>, Jg. 4, H. 3, S. 295-305.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Viel diskutiert wird in der Forschung allerdings, wie eigentlich \u201eostdeutsch\u201c zu definieren ist. Das Geburtsjahr, der Geburtsort, der Sozialisations- und Erfahrungsraum oder auch die Identifikation mit Ostdeutschland werden als Kriterien angef\u00fchrt (vgl. Kollmorgen 2024).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":20143,"template":"","categories":[2973,47,7],"tags":[3583,4316,4317,667],"autoren":[4315],"publikationen":[4298],"class_list":["post-20155","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-armut","category-lebensweisen-pluralismus","category-sozialpolitik","tag-ostdeutschland","tag-sozialstruktur","tag-sozialstrukturanalyse","tag-vorgaenge-artikel","autoren-karin-lohr","publikationen-vorg-250"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die ostdeutsche Sozialstruktur - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-250\/publikation\/die-ostdeutsche-sozialstruktur\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die ostdeutsche Sozialstruktur - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die seit Mitte der 2010er Jahre wieder aufgeflammte Debatte um die Besonderheiten von \u201eOstdeutschland\u201c und den \u201eOstdeutschen\u201c (Oschmann 2023; Hoyer 2023; Mau 2024; Vogel et al. 2024; Kowalczuk 2024 etc.) zeichnet verschiedene Bilder dar\u00fcber, was Ostdeutschland ausmacht. 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