{"id":20163,"date":"2025-09-15T17:00:46","date_gmt":"2025-09-15T15:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20163"},"modified":"2025-09-15T17:02:34","modified_gmt":"2025-09-15T15:02:34","slug":"verborgene-wunden-strukturelle-diskriminierung-und-die-ostdeutsche-erfahrung-im-gesamtdeutschen-diskurs","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-250\/publikation\/verborgene-wunden-strukturelle-diskriminierung-und-die-ostdeutsche-erfahrung-im-gesamtdeutschen-diskurs\/","title":{"rendered":"Verborgene Wunden: Strukturelle Diskriminierung und die ostdeutsche Erfahrung im gesamtdeutschen Diskurs"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Reaktionen auf die Frage, ob es strukturelle Diskriminierung von Ostdeutschen gibt, die ich zu Beginn meiner Recherchen f\u00fcr diesen Artikel gestellt habe, waren sehr unterschiedlich: Von Zustimmung und Best\u00e4rkung (\u201eDas ist so wichtig!\u201c) \u00fcber neutrales Schulterzucken (\u201eDas ist f\u00fcr mich kein Thema mehr.\u201c) bis hin zu Unverst\u00e4ndnis (\u201eWozu jetzt noch?\u201c) oder latenter Genervtheit (\u201eSo wird das ja nie was mit der Einheit.\u201c oder \u201eIch bin Europ\u00e4er!\u201c). Ich versuche in diesem Beitrag erstens zu zeigen, dass die Frage zu bejahen ist. Zweitens erl\u00e4utere ich, welche Perspektiven es dazu im wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskurs gibt. Ausblickend m\u00f6chte ich Ans\u00e4tze zur Diskussion stellen, die diese spannungsgeladene Debatte (Sichtbarmachen der Benachteiligung versus Relativierung\/Opfervorwurf) entsch\u00e4rfen k\u00f6nnen. Dabei geht es mir darum, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den jeweils anderen Standpunkt zu schaffen und Verst\u00e4ndigung m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"woran-zeigt-sich-strukturelle-diskriminierung-von-ostdeutschen\">Woran zeigt sich struk&shy;tu&shy;relle Diskri&shy;mi&shy;nie&shy;rung von Ostdeut&shy;schen?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Kategorie <i>Diskriminierung von Ostdeutschen<\/i> kommt weder im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) noch in der Charta der Vielfalt noch in den Fortbildungskatalogen zu Diversit\u00e4t oder Diskriminierung vor. Zu Recht? Kategorien wie Neurodiversit\u00e4t werden immer prominenter, aber Diversity beziehungsweise Diskriminierung Ost \u2013 daf\u00fcr gibt es wenig Aufmerksamkeit. Woran liegt das, und worum geht es hier <i>wirklich<\/i>? Mir geht es weder um Identit\u00e4tspolitik noch darum, in der Vergangenheit zu stochern. Der Ansatz, nach der strukturellen Diskriminierung von Ostdeutschen zu fragen, ist vielmehr <i>ein<\/i> Mosaikstein, um die aktuellen gesellschaftspolitischen Erscheinungen und Prozesse in Ostdeutschland zu verstehen und zu ver\u00e4ndern. Wo Wut, Aggressionen oder auch Schweigen sind, sind offene Wunden. Nur wenn diese gesehen und die Stimmen dazu geh\u00f6rt werden, k\u00f6nnen Wunden heilen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Um welche <i>Wunden<\/i> geht es? Der Historiker J\u00f6rg Ganzenm\u00fcller (2025) spricht von drei Erfahrungsebenen, um die Zeit der Wende bis hin zur Gegenwart zu beschreiben: Verlusterfahrungen, Entwertungserfahrungen und Ohnmachtserfahrungen. Alle drei Ebenen sind von einem Dominanzverh\u00e4ltnis gepr\u00e4gt, von einem Gef\u00fchl nicht auf Augenh\u00f6he zu sein. Dieses Gef\u00fchl hat sich tief in das kollektive Ged\u00e4chtnis vieler Ostdeutscher gegraben. Die Wucht an Erfahrungen, die von einem Gro\u00dfteil als \u00fcberfordernd und ungerecht erlebt wurde, pr\u00e4gt die heutige Gesellschaft inklusive der Nachwendegeneration.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Wenn es im Folgenden um \u201eOstdeutsche\u201c und \u201eWestdeutsche\u201c geht, geht es nicht um Aussagen \u00fcber Identit\u00e4tsaspekte einzelner Menschen, sondern um \u201estrukturelle Aussagen \u00fcber und zwischen sozialen Gruppen, die notwendigerweise analytische Abstraktionen und Generalisierungen bedeuten\u201c (Miethe 2019: 6).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"stimmungsbild-durch-umfrage\">Stimmungs&shy;bild durch Umfrage<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die zitierten Reaktionen aus meinem Umfeld sind das Ergebnis einer anonymen Online-Umfrage, die ich im Fr\u00fchjahr 2025 per Mail und Nachrichten-App verschickt habe, mit der Bitte, sie an weitere Bekannte aus ganz Deutschland weiterzuleiten. Damit konnte ich ein Stimmungsbild einfangen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Den Begriff <i>Diskriminierung<\/i> habe ich durch den weniger akademisch klingenden Ausdruck <i>Benachteiligung<\/i> ersetzt. Die Fragestellung lautete: \u201eNimmst du eine Benachteiligung Ostdeutscher wahr?\u201c Begr\u00fcndungen zur jeweiligen Antwort konnten zus\u00e4tzlich formuliert werden. Von 127 Befragten stimmten circa 60 Prozent mit \u201eJa\u201c und 40 Prozent mit \u201eNein\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Interessant ist, dass die Begr\u00fcndungen der Nein-Antworten fast ausschlie\u00dflich subjektive Empfindungen darstellten, w\u00e4hrend die Ja-Antworten fast ausschlie\u00dflich mit objektiven, strukturellen Faktoren begr\u00fcndet wurden. Au\u00dferdem waren die Ja-Begr\u00fcndungen bedeutend l\u00e4nger. Die Begr\u00fcndungen habe ich jeweils in Kategorien geclustert und quantifiziert. F\u00fcr einen Eindruck hier die Kategorien und zus\u00e4tzlich einige Begr\u00fcndungen, die so oder so \u00e4hnlich besonders h\u00e4ufig vorkamen:<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Kategorien der Ja-Begr\u00fcndungen und einige Beispiele (O-T\u00f6ne):<\/i><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Ungleichverteilung von Verm\u00f6gen, L\u00f6hnen und Renten<\/i>: \u201estaatliche Subventionen gehen haupts\u00e4chlich in Gro\u00dfunternehmen, die mehrheitlich in Westdeutschland ihren Firmensitz haben\u201c, \u201eOstdeutsche haben deutlich weniger Einkommen trotz h\u00f6heren Arbeitspensums, sie haben sehr viel weniger Verm\u00f6gen, vor diesem Hintergrund wirkt sich auch das Steuersystem (relativ hohe Besteuerung von Arbeit und relativ geringe Besteuerung von Verm\u00f6gen) nachteilig auf Ostdeutsche aus\u201d, \u201eFehlende finanzielle Ressourcen aus Familienbesitz, Gewerbe etc. (kaum Privateigentum vor der Wende, kaum Erbschaft, akkumulierter Besitz oder Finanzen, die an Folgegenerationen vererbt werden k\u00f6nnen) f\u00fchrt zu weniger Kapital im Osten, zu Benachteiligung (nach der Wende konnten ostdeutsche Personen kaum Immobilien am eigenen Wohnort erwerben, hatten kaum Startkapital, damit weniger Ressourcen um zu investieren, zu sparen, anzulegen oder zu erwerben.\u201c, \u201ekeine Anerkennung von Berufs- oder Studienabschl\u00fcssen \u2013 hei\u00dft \u2013 weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt und bei der Rentenberechnung.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">50 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Unterrepr\u00e4sentation in F\u00fchrungspositionen sowie Einfluss auf Entscheidungen<\/i>: \u201eOstdeutsche sind in allen relevanten Bereichen (Wirtschaft, Politik, Medien, Justiz und Wissenschaft) unterdurchschnittlich oft in F\u00fchrungspositionen vertreten und haben daher weniger Gestaltungs- und Einflussm\u00f6glichkeiten.\u201c, \u201ebei der Besetzung hochrangiger Positionen im universit\u00e4ren Kontext, auch Uniklinikum\u201c, \u201ePolitik wird im Westen gemacht. Die Probleme der Ossis werden nur als rechts, links oder r\u00fcckw\u00e4rts gerichtet und deshalb kaum beachtet.\u201c, \u201eOstdeutsche sind unter leitenden Funktionstr\u00e4gern in Verwaltung, Ministerien, Hochschulen und gro\u00dfen Firmen deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Selbst in Ostdeutschland sind z.B. heute noch \u00fcber die H\u00e4lfte der Staatssekret\u00e4re aus Westdeutschland.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">21 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Abwertende Darstellung in den Medien oder durch \u00c4u\u00dferungen, Dialekte, Witze, Klischees<\/i>: \u201eDiffamierung als Rechtsradikale, Stasi\u201c, \u201eMan wird anders wahrgenommen, als ob man die Welt erkl\u00e4rt bekommen muss.\u201c, \u201eKulturell gelten ostdeutsche Eigenschaften und Verhaltensweisen als weniger angesehen.\u201c, \u201eWenn im \u00f6ffentlichen Raum, einschl. von Medien, \u00fcber deutsche Geschichte oder Politik und andere Themen von vor 1989 gesprochen wird, wird meist nur die westdeutsche Geschichte\/Politik\/Leben dargestellt. Dann denke ich mir h\u00e4ufig, in Ostdeutschland war das anders, das ist nicht meine Geschichte. Ich f\u00fchle mich nicht zugeh\u00f6rig und angesprochen.\u201c, \u201eMedien sind in westdeutscher Hand.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">24 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\"><i>Kategorien der Nein-Begr\u00fcndungen und einige typische Beispiele:<\/i><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Betrifft mich nicht<\/i>: \u201ebin ausreichend gut situiert.\u201c \u201eBetrifft mich nicht pers\u00f6nlich\u201c, \u201eIch werde nicht benachteiligt.\u201c \u201eda sich in den letzten Jahren sehr viel entwickelt hat. Z.B. beim Gehalt. Und daraus heraus empfinde ich auch keine Benachteiligung.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">14 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Herkunft beziehungsweise O\/W hat keine Relevanz oder ist kein Thema<\/i>: \u201e\u2026die Herkunft wurde nie zum Thema, da ich auch keinen Dialekt spreche.\u201c; \u201eSpielt im Alltag keine Rolle, woher ich komme. F\u00fchle mich auch als Gesamtdeutsche.\u201c, \u201eIch denke nicht mehr in diesen Kategorien Ost- bzw. Westdeutsch.\u201c, \u201eWeil ich in Westdeutschland lebe und ich oft gar nicht wei\u00df, wer ost- oder westdeutsch ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">10 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Chancengleichheit\/individuell<\/i>: \u201eGleiche Chancen vorhanden bei gleicher Qualifikation.\u201c, \u201eEs gibt \u00fcberall Benachteiligung, aber nicht speziell, weil man aus dem Osten stammt\u201c, \u201eOstdeutsche haben die gleichen Rechte und M\u00f6glichkeiten wie Westdeutsche. Alles andere ist rein individuell.\u201c, \u201eBenachteiligt wird, wer sich benachteiligen l\u00e4sst. Dies entsteht u.a. durch fehlendes oder kleineres Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgef\u00fchl.\u201c, \u201eJeder hat die M\u00f6glichkeit sich zu entwickeln. Die meisten Unzufriedenen wollen sich nur nicht die M\u00fche machen und suchen deshalb einfache Ausreden und geben anderen die Schuld.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">10 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Mediengemacht<\/i>: \u201eIch halte eine angebliche Diskriminierung von Medien gemacht.\u201c, \u201eIch f\u00fchle mich als Deutscher und finde die Ost-West Spaltung des Volkes durch Medien und solche Umfragen das letzte.\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">2 Mal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Etwa zwei Drittel der Befragten sind oder f\u00fchlen sich eher Ostdeutsch. Die gro\u00dfe Mehrheit derer nimmt eine Benachteiligung Ostdeutscher wahr, und begr\u00fcndet dies mit strukturellen Faktoren. Diese Texte waren im Schnitt mehr als doppelt so lang.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Anzunehmen ist, dass hinter den l\u00e4ngeren Antworten nicht nur ein Mitteilungsbed\u00fcrfnis steht, sich etwa den als ungerecht empfundenen Verh\u00e4ltnissen (Lohngef\u00e4lle bei gleicher Arbeitsleistung etc.) oder \u00fcber ungerechte Behandlung bei Bewerbungsprozessen Luft zu machen (wie Bewerbung in Stuttgarter Unternehmen mit Leipziger Adresse \u2013 abgelehnt; gleiches Bewerbungsschreiben mit Adresse der Eltern aus Bremen \u2013 erfolgreich) oder: \u201eWenn man in der Firma [in Ostdeutschland] mal anspricht, dass F\u00fchrungspositionen nur westdeutsch besetzt sind, wird mit den Augen geleiert \u2013 frei nach dem Motto: Nicht das Thema schon wieder [\u2026]\u201c. Vor allem aber l\u00e4sst sich ein Erkl\u00e4rungsbed\u00fcrfnis vermuten. Es gab viele Begr\u00fcndungen, die mehrere Abs\u00e4tze einnahmen, eine sogar anderthalb DIN-A-4-Seiten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieses Bed\u00fcrfnis nach Mitteilung oder Erkl\u00e4rung ist bei den Nein-Antworten nicht zu erkennen, sondern eher die subjektive Einsch\u00e4tzung, dass es nicht (mehr) wahrgenommen beziehungsweise eher eine indifferente Position eingenommen wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Mehr westdeutsch als ostdeutsch Sozialisierte haben mit \u201eNein\u201c geantwortet, aber auch viele Ostdeutsche (insbesondere M\u00e4nner). Und einige Westdeutsche antworteten auch mit \u201eJa\u201c. Es ist also nicht nur eine West-Ost-Unterteilung, aber die Tendenz, dass Ostdeutsche eher als Westdeutsche eine Benachteiligung sehen, ist deutlich erkennbar.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bemerkenswert waren die Reaktionen auf die Frageform zu Benachteiligung (Ja oder Nein) und vor allem auf die Entscheidungsfrage, ob sich die Person \u201eeher Ostdeutsch\u201c oder \u201eeher Westdeutsch\u201c einordnen w\u00fcrde (pers\u00f6nliche Angabe). Nicht Wenige meinten, dass sie sich weder als \u201eeher Ostdeutsch\u201c noch \u201eeher Westdeutsch\u201c f\u00fchlten oder schrieben \u00c4hnliches in die Kommentare. Bei etwa einem F\u00fcnftel l\u00e4sst sich das Bed\u00fcrfnis erkennen, nicht in das Ost-West-Schema eingeordnet zu werden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hier zeigt sich, was im \u00f6ffentlichen Diskurs momentan hei\u00df diskutiert wird \u2013 die Frage nach einer ostdeutschen Identit\u00e4t und Selbstidentifikation: Wer f\u00fchlt sich wann mit wem als Ostdeutsch? Und von welchen Akteuren wird dies gegebenenfalls instrumentalisiert? (Vgl. Spissinger et al. 2024; Mau 2024: 72f.)<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch sonst spiegeln die Ergebnisse dieser Umfrage insofern den \u00f6ffentlichen Diskurs wider, als dass die unterschiedlichen Ansichten auch dort zu beobachten sind: einerseits die Akteure, die auf Benachteiligung und Abwertung aufmerksam machen und auf deren Sichtbarkeit dr\u00e4ngen; andererseits die Akteure, die sich teils dagegen, meist eher relativierend zum Sichtbarmachen in der Benachteiligungsfrage \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die in den Ja-Begr\u00fcndungen genannten Antworten und deren Kategorien finden sich auch in einschl\u00e4gigen Quellen wieder. Aus Platzgr\u00fcnden kann hier nur auf diese verwiesen werden: Foroutan (2021: 194f.) geht auf die \u00f6konomischen, sozialen und symbolischen\/kulturellen Faktoren ein und konstatiert in den Bereichen Armut, Erwerbslosigkeit, \u00dcberalterung ein deutliches Gef\u00e4lle zwischen Ost und West (vgl. auch Ganzenm\u00fcller 2025). Neueste Zahlen zur Unterrepr\u00e4sentanz in Elitenpositionen finden sich beim Forschungsprojekt Elitenmonitor 2025 (Lorenz et al. 2025) oder auch bei Kollmorgen et al. (2024). Forschungsanalysen zur westdeutsch dominierten Presselandschaft und entsprechende Deutungsmacht \u00fcber das Bild \u201eder Ostdeutschen\u201c, \u00fcber Stereotype werden in der Dokumentation <i>Es ist kompliziert. Der Osten in den Medien<\/i> (MDR 2024) dokumentiert. Weitere Analysen dazu bieten Lutz M\u00fckke (2021) und Thomas Ahbe (2024).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"was-bedeutet-strukturelle-diskriminierung\">Was bedeutet struk&shy;tu&shy;relle Diskri&shy;mi&shy;nie&shy;rung?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Um die Frage nach der strukturellen Diskriminierung Ostdeutscher beantworten zu k\u00f6nnen, braucht es einen Blick auf die verschiedenen Bedeutungen von <i>Diskriminierung<\/i>. Wenn im \u00f6ffentlichen Diskurs von Diskriminierung gesprochen wird, stecken dahinter meist unterschiedliche Konzepte. Grob zusammengefasst: Ich kann unter Diskriminierung eher Einzelereignisse verstehen, beispielsweise, wenn jemand aufgrund seiner Hautfarbe, seines Geschlechts oder Alters etc. beleidigt oder angegriffen wird, oder eher als ein komplexes Ph\u00e4nomen, das solche Einzelereignisse \u2013 auch in subtiler Form \u2013 in einem umfassenden gesellschaftlichen Kontext und prim\u00e4r unter der Pr\u00e4misse eines Herrschafts- und Machtgef\u00e4lles begreift.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Relevant wird dies f\u00fcr unsere Ausgangsfrage zum Beispiel bei der Aussage des Soziologen Steffen Mau, wenn er \u00fcber \u201eOstdeutsche Identit\u00e4t\u201c schreibt. Dort hei\u00dft es etwa: \u201eEinen \u201aOssismus\u2018 als gruppenbezogene Diskriminierung gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht.\u201c Er begr\u00fcndet dies damit, \u201edass \u201adas Ostdeutsche\u2018 kein \u00e4u\u00dferlich sichtbares Merkmal ist, auf das man gewollt oder ungewollt, immer wieder zur\u00fcckgewiesen wird\u201c (Mau 2024: 81). Trotzdem gibt es, so Mau, \u201eextrem starke Ungleichheiten, Benachteiligung oder Unterprivilegierung von Ostdeutschen\u201c (Hoffmann 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ist Diskriminierung also eine Frage der Definition? Analog zur Formulierung in meiner Umfrage wird Diskriminierung h\u00e4ufig auch synonym mit <i>Benachteiligung<\/i> benutzt: \u201eAlltagsprachlich wird unter Diskriminierung ein abwertendes Sprechen und benachteiligendes Handeln verstanden, dem negative Emotionen und Stereotype zu Grunde liegen\u201c (Scherr 2023: 18f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dem Diskriminierungsforscher Albert Scherr (2023: 19) zufolge, sind die Ursachen von Diskriminierung nicht die Vorurteile selbst. Es muss vielmehr ber\u00fccksichtigt werden, \u201ewie dies mit den jeweiligen Macht- und Ungleichverh\u00e4ltnissen verschr\u00e4nkt ist\u201c.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In den meisten Ans\u00e4tzen der Diskriminierungsforschung ist die strukturelle Ebene entscheidend. F\u00fcr Czollek et al. (2019: 803f.) nimmt sie deshalb eine zentrale Stellung ein, weil, \u201ebestimmte Menschen nicht ausschlie\u00dflich Alltagsdiskriminierung erfahren, sondern diskriminierende Praxen tief in gesellschaftlichen Feldern verankert sind\u201d. \u201eStrukturell\u201c bezeichnet im Konzept <i>Social Justice und Radical Diversity<\/i> die Verwobenheit und das Zusammenwirken der individuellen, institutionellen und kulturellen Ebene von Diskriminierung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Neben den Ebenen individuell, institutionell und strukturell verstehe ich Diskriminierung als ein komplexes Ph\u00e4nomen mit vielen offenen, subtilen und versteckten Aspekten. Zudem sind bei Diskriminierung zwei Achsen in den Blick zu nehmen: die horizontale Achse (der kulturellen Differenz) und die vertikale Achse (der strukturellen Ungleichheiten (Verm\u00f6gen, Status etc.) (Miethe 2019: 7, in Anlehnung an das Konzept der Dominanzkultur von Rommelspacher).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ob es Diskriminierung von Ostdeutschen gibt, entscheidet sich damit, wie ich <i>Diskriminierung<\/i> definiere. In der oben zitierten \u00c4u\u00dferung von Mau bezieht sich Diskriminierung prim\u00e4r auf die individuelle Ebene. Ob der Diskriminierung zwingend ein \u00e4u\u00dferlich sichtbares Merkmal zugrunde liegen muss, kl\u00e4rt sich im Abschnitt zu Intersektionalit\u00e4t, ebenso die Frage, ob \u201edie ostdeutsche Erfahrung [\u2026] gleichberechtigt ins Register anderer Diskriminierungskategorien einzutragen\u201c ist (Mau 2024: 85).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"in-welchem-masse-ist-die-strukturelle-diskriminierung-von-ostdeutschen-erforscht\">In welchem Ma&szlig;e ist die struk&shy;tu&shy;relle Diskri&shy;mi&shy;nie&shy;rung von Ostdeut&shy;schen erforscht?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">F\u00fcr die Diskriminierungsforschung kann man das <i>Handbuch Diskriminierung<\/i> f\u00fcr diese Frage heranziehen, da in ihm der aktuelle Forschungsstand in zahlreichen Kapiteln und aus zahlreichen Perspektiven abgebildet wird (Scherr et al. 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hier lassen sich allerdings nur drei Erw\u00e4hnungen zu \u201eOst\u201c\/\u201cOstdeutsch\/e\u201c finden:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">In einer Aufz\u00e4hlung von \u201everschiedenen statusniedrigen Gruppen\u201c (Alleinerziehende, Ostdeutsche, ethnische Minderheiten etc.) (El-Mafaalani et al. 2023: 207).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">Im Kapitel zu <i>Klassistischer Diskriminierung von Armen und sozial Ausgegrenzten<\/i>, wo die in Ostdeutschland im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt h\u00f6her liegenden Armuts- und SGB-II-Quote verdeutlicht wird (\u00fcbrigens neben \u201eviele[n] St\u00e4dte[n] im Ruhrgebiet, Bremen, Berlin\u201c) (Chass\u00e9 2023: 473).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">Im Kapitel zum Ansatz <i>Social Justice und Radical Diversity<\/i> (Czollek et al. 2023: 803), wo zahlreiche Diversitykategorien und entsprechende Diskriminierungsformen aufgez\u00e4hlt werden, auch \u201eDiskriminierung Ost\u201c.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Somit gibt es keine nennenswerte Auseinandersetzung mit der Kategorie Ost im Handbuch. Angesichts der Brisanz des Themas w\u00e4re eine Erweiterung um ein Kapitel dazu n\u00f6tig. Die Analyse empirisch nachweisbarer Diskriminierungseffekte, sprich der konkreten Ungleichbehandlung von Ostdeutschen im Gegensatz zu subjektiv wahrgenommener Benachteiligung, ist bisher ein Forschungsdesiderat, das bearbeitet werden muss, um Aussagen \u00fcber das Ausma\u00df von struktureller Diskriminierung f\u00fcr Ostdeutsche treffen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr den Bereich Arbeitsmarkt w\u00e4ren quantitative Studien zu Bewerbungsprozessen n\u00f6tig. Hierbei w\u00e4re die Manipulation des Geburtsorts (DDR\/Ostdeutsch) und des Vornamens (stigmatisierte ostdeutsche Vornamen) m\u00f6glich. Effekte lie\u00dfen sich auch \u00fcber Experimente wie \u201eLost Letters\u201c analysieren (Zick 2023: 44).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Erkenntnisreich w\u00e4re ebenso die Erforschung eventueller Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von Stereotypisierung von Dialektsprecher*innen. Drei Erkenntnisse, die den Anlass f\u00fcr eine solche Erhebung deutlich machen und die als Standards der Regio- oder Soziolektforschung gelten:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">Dialektsprecher*innen werden meist negativer bewertet als Sprecher*innen des Standarddeutschen, ihnen wird ein niedrigeres Bildungsniveau zugesprochen (Trillhaase 2021).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">S\u00e4chsisch liegt auf der Beliebtheits- oder Prestigeskala seit Jahrzehnten mit Abstand am untersten Ende (Adler\/Plewnia 2019; Hundt 2012; Anders 2010). Vor allem (ober-)s\u00e4chsisch sprechenden M\u00e4nnern werden signifikant h\u00e4ufiger Attribute wie bildungsfern und einf\u00e4ltig zugeschrieben.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">\u201eZudem k\u00f6nnten sich Stereotype zu B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern der ehemaligen DDR auf s\u00e4chsisch sprechende Personen \u00fcbertragen haben, da sich Ansichten \u00fcber das \u201aS\u00e4chsische\u2018 und \u201aOstdeutsche\u2018 teilweise \u00fcberlagern.\u201c Daraus folgt die Empfehlung: \u201eF\u00fcr das praktische Leben bedeuten die Befunde, dass sich Dialektsprecher dieser Wahrnehmungsverzerrungen bewusst sein sollten \u2013 zum Beispiel im Bewerbungsprozess oder im beruflichen Alltag. Das gelte auch f\u00fcr Personalmanagerinnen und Personalmanager, um sich vom Dialekt nicht zu Fehlurteilen verleiten zu lassen.\u201d (Terp 2021)<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch zu diesem Diskriminierungsmerkmal (S\u00e4chsisch\/Ostdeutsch als stigmatisierter Dialekt) w\u00e4ren quantitative Untersuchungen m\u00f6glich, etwa durch Experimente mit indirekten Methoden aus der Sozialpsychologie: H\u00f6rproben mit verschiedenen Dialektsprecher*innen in Bewerbungssituationen werden abgespielt; Proband*innen bewerten die H\u00f6rproben nach Kompetenz, Sympathie etc. (Brade 2010: 437f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dass Stigmatisierungen und Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt oder in Bewerbungsprozessen aufgrund ostdeutscher Stigmata (insbesondere Geburtsort, S\u00e4chsisch als Dialekt) realistisch sind, zeigen Arbeiten wie die von Liebscher (2022)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> oder Porsch (2012). Ob sie auf individueller Ebene \u2013 als Einzelereignisse im Unterschied zur strukturellen Dimension von Diskriminierung \u2013 auch tats\u00e4chlich Alltag sind, kann nur durch quantitative Erhebungen herausgefunden werden. Diese gibt es bisher kaum.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im n\u00e4chsten Schritt gehe ich deshalb auf Forschungsarbeiten ein, die die strukturelle Ebene der Diskriminierungskategorie Ostdeutsch in den Fokus nehmen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"diskriminierung-ost-als-kategorie-und-intersektionalitaet\">Diskri&shy;mi&shy;nie&shy;rung Ost als Kategorie und Inter&shy;sek&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;lit&auml;t<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Czollek et al. (2019: 118) bieten eine umf\u00e4ngliche Definition f\u00fcr die Kategorie Ostdeutsch an:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDiskriminierung Ost beschreibt die Strukturelle Diskriminierung von Menschen, die eine biographische DDR-Geschichte haben oder zugeschrieben bekommen. Ferner bedeutet sie die soziale, \u00f6konomische und kulturelle Benachteiligung von Menschen, deren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in den Neuen Bundesl\u00e4ndern liegt. Neben der materiellen Diskriminierung (Einkommen, Rente) wirkt Diskriminierung Ost \u00fcber Stereotypisierungen, die Menschen der Gruppe Herkunft Ost zuordnen und diese gesellschaftlich abwerten.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch im Konzept der <i>Dominanzkultur<\/i> mit horizontaler Differenzachse und vertikaler Hierarchieachse spielt der Einfluss der materiellen und sozio\u00f6konomischen Faktoren eine bedeutende Rolle. Miethe (2019) geht davon aus, dass nicht nur in den Kategorien Geschlecht, soziales Milieu, Migrationshintergrund etc., sondern auch im Ost-West-Vergleich eine Dominanzkultur vorliegt.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen in der Ungleichheit auf \u00f6konomischer Ebene, im ungleichen Zugang zu Elitepositionen sowie im hegemonialen westdeutschen Mediendiskurs.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">\u00dcber die soziologischen Analysen marginalisierter Gruppen hinaus werden in diesem Konzept auch die <i>psychologischen Mechanismen<\/i> herausgearbeitet, sprich die subtilen Mechanismen der Dominanz:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Leugnen der Ungleichheit und Erhaltung der Privilegierung:<\/i> Dieses Ph\u00e4nomen wird eindr\u00fccklich dokumentiert und analysiert im Beitrag des MDR (2024). Naika Foroutan stellt au\u00dferdem fest, dass Westdeutsche das \u201eDeprivationsgef\u00fchl der Ostdeutschen kaum ernst [&#8230;] nehmen\u201c und \u201edie Lage der Ostdeutschen nicht vergleichbar anerkennen. Sie ignorieren damit die Wunden der Wiedervereinigung\u201c (zit. nach Miethe 2019: 13). Neben der Leugnung gibt es auch den Mechanismus der Bagatellisierung (Miethe 2019: 14).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Problemverschiebung und Umkehrung<\/i>: Demzufolge seien das Problem \u201enicht massive Transformationsprozesse, wie sie ansonsten selten Menschen zugemutet werden, oder fehlende Wertsch\u00e4tzung und Respekt in Gesamtdeutschland, sondern die fehlende F\u00e4higkeit der Ostdeutschen, damit umzugehen. [\u2026] Der Osten und die Ostdeutschen\u201c sind das Problem, das einer L\u00f6sung bedarf \u2013 nicht das westdeutsche Wirtschaftssystem, Fehler der Vereinigung oder der Transformationsprozess.\u201c (Miethe 2019: 14)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Internalisierung von Dominanz und Diskriminierung<\/i>: Eine typische Umgangsstrategie von sozial stigmatisierten Gruppen besteht in der Assimilation (Miethe 2019: 16). Im Ost-West-Kontext bedeutet das die Verleugnung der eigenen DDR-Identit\u00e4t im Zusammenhang mit Scham. Das kann sich etwa im Aufgeben von eigenen Symbolen (Kleidung, Verhalten, Sprache\/Dialekt etc.) ausdr\u00fccken und mit Anpassung oder \u00dcbernahme der Symbole der dominanten Gruppe kompensiert werden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese subtilen, meist unbewussten psychologischen Mechanismen stehen im Widerspruch zu Maus oben zitierter These, dass es gruppenbezogene Diskriminierung Ostdeutscher bis auf wenige Ausnahmen nicht gibt (Mau 2024: 81). Ebenso kann Mau darin widerlegt werden, dass \u201edie ostdeutsche Erfahrung [nicht] gleichberechtigt ins Register anderer Diskriminierungskategorien einzutragen\u201c ist (Mau 2024: 85). Dem Konzept der <i>Intersektionalit\u00e4t<\/i> zufolge gibt es eine wechselseitige Beeinflussung einzelner Unterdr\u00fcckungs- und Diskriminierungskategorien, die der Dominanzkultur zugrunde liegen (Miethe 2019: 6). So k\u00f6nnen \u201eOstdeutsche als Angeh\u00f6rige der nicht-dominanten Gruppe im Verh\u00e4ltnis zu Westdeutschen als Angeh\u00f6rige der dominanten Gruppe beschrieben werden\u201c. Gleichzeitig k\u00f6nnen \u201eOstdeutsche gegen\u00fcber anderen Personengruppen, z.B. Migranten, durchaus in einer dominanten Rolle\u201c sein (Miethe 2019: 6). Das Konzept der Intersektionalit\u00e4t sagt auch aus:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eEine Person kann aus der einen Machtposition heraus diskriminiert und aus einer anderen heraus privilegiert sein. Im Kontakt mit anderen Machtachsen, etwa der von Klasse oder [\u2026] Rassismus, kann eine ostdeutsche Person Privilegien besitzen, die einer westdeutschen Person unzug\u00e4nglich sind. Das hebt die West-Ost-Machtachse [Herrschaftskategorie] zwar nicht auf, kr\u00fcmmt sie aber. So kann es zu Konstellationen kommen, in denen etwa eine ostdeutsche Frau* Macht und Privilegien gegen\u00fcber einem afrodeutschen westdeutschen Mann* hat.\u201c (Arndt 2021: 154)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Ansatz der <i>O<\/i><i>st-m<\/i><i>igrantischen Analogien<\/i> von Foroutan et al. (2019) geht in eine \u00e4hnliche Richtung: Sie vergleicht Stigmatisierungserfahrungen von (muslimischen) Migrant*innen und Ostdeutschen, betont aber auch, dass eine Gleichsetzung nicht m\u00f6glich sei, denn:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eDie Erfahrungen von Ostdeutschen und Migrant*innen \u00e4hneln sich nicht, wenn es um die Erfahrung von Rassismus geht. Im Vergleich der Strukturdaten zu Armut, Arbeitslosigkeit, Bildungsn\u00e4he, Gesundheit usw. ist die soziale Gruppe der Muslim*innen in Deutschland eindeutig und objektiv schlechter gestellt. Ostdeutsche m\u00fcssen im Vergleich dazu nicht f\u00fcrchten, von physischer Gewalt bedroht zu werden und geh\u00f6ren in weiten Teilen des Landes selbst zur Dominanzgesellschaft. [\u2026] Dennoch sind in spezifischen Stereotypen, die gegen\u00fcber beiden Gruppen existieren, Analogien erkennbar, die es lohnt, weiter in den Blick zu nehmen. Denn: Finden sich \u00c4hnlichkeiten in der Abwertung sozialer Gruppen, die maximal distinkt sind \u2013 sich also stark voneinander unterscheiden \u2013, dann kann dies ein Hinweis auf systematische Abwertungsprozesse und Privilegiensicherung von dominanten Gruppen sein.\u201c (Foroutan 2021: 191f.).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zwei zentrale Ergebnisse der Analogien sind (Foroutan et al. 2019: 37):<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">\u201eOstdeutsche sind mit \u00e4hnlichen Abwertungen konfrontiert wie Muslim*innen. Westdeutsche werfen beiden Gruppen vor, sich zum Opfer zu stilisieren, nicht genug vom Extremismus zu distanzieren und noch nicht im heutigen Deutschland angekommen zu sein, womit beide Gruppen stereotypisiert und migrantisiert werden.\u201c<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">\u201eOstdeutsche zeigen zwar Anerkennung f\u00fcr die Lage der Muslim*innen, sehen sich aber auf gleicher (unterer) Stufe wie Muslim*innen als B\u00fcrger zweiter Klasse benachteiligt und mit Leistungsh\u00fcrden und Positionsschranken konfrontiert. Westdeutsche erkennen die Lage der Ostdeutschen nicht vergleichbar an: sie ignorieren damit die Wunden der Wiedervereinigung.\u201c<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Somit geht es nicht darum, die ostdeutsche Erfahrung gleichberechtigt mit Rassismus etc. zu setzen, sondern darum, die Mechanismen von dominanten und nicht-dominanten Gruppen offen zu legen und dadurch m\u00f6glicherweise Empathie und Koalitionsm\u00f6glichkeiten der intersektionalen Praxis zu erzeugen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"diskriminierung-uneingeschraenkt-sichtbar-machen-der-gesellschaftspolitische-diskurs\">Diskri&shy;mi&shy;nie&shy;rung unein&shy;ge&shy;schr&auml;nkt sichtbar machen? Der gesell&shy;schafts&shy;po&shy;li&shy;ti&shy;sche Diskurs<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Es ist deutlich geworden, dass es unterschiedliche Perspektiven auf die Frage gibt, ob Diskriminierung und Benachteiligung Ostdeutscher vorliegt. Dies zeigt sowohl meine kleine Umfrage als auch der wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Diskurs:<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">So gibt es die deutliche Forderung vieler Autor*innen, die Benachteiligung in ihrer ganzen Wucht sichtbar zu machen, um auf systemische Strukturen und die damit zusammenh\u00e4ngenden Schwierigkeiten aufmerksam zu machen: erw\u00e4hnt wurde bereits Foroutan, die zusammen mit Hensel \u00f6ffentlich \u00fcber die \u201eGesellschaft der Anderen\u201c (2020) diskutiert hat. Engagiert schreibt auch Petra K\u00f6pping (2018), die unter anderem auf die gravierenden Folgen der Treuhandzeit aufmerksam macht und auf eine umfassende Aufarbeitung der Fehler der Transformationszeit dr\u00e4ngt<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a>; so \u00fcbrigens auch j\u00fcngere Akteure wie die Initiative #Wir sind der Osten, 3te Generation Ost oder Autorinnen wie Erler (2025) oder Zepter (2022: 163). Letztere hat \u00e4hnlich wie Oschmann (2023), allerdings aus westdeutscher Sicht, auf vermeintlich witzig gemeinte, aber verletzende Abwertungen sowie auf Alltagsdiskriminierung aufmerksam gemacht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Oschmann hat 2023 diesen Diskurs mit seinem Buch <i>Der Osten: eine westdeutsche Erfindung<\/i> in hohem Ma\u00dfe angefeuert, indem er sich in bewusst zugespitzter Weise zu den in der Einleitung erw\u00e4hnten drei Erfahrungsebenen von Verlust, Entwertung und Ohnmacht \u00e4u\u00dfert sowie auf systemische Schieflagen hinweist, die bis heute anhalten. Dies hat in den Feuilletons und unter Expert*innen eine hitzige Debatte entfacht. Zahlreiche Gegenstimmen haben reagiert. Kowalczuk bef\u00fcrchtet \u201eOstdeutscht\u00fcmelei\u201c und den Verfall der Ostdeutschen in die Opferrolle, statt in die Eigenverantwortung zu gehen (Wolf 2024). Kollmorgen (2025) mahnt unter anderem an, dass Oschmann pauschalisierend von \u201eden\u201c Ostdeutschen und \u201eden\u201c Westdeutschen spricht und all die nicht mit einbezieht, die sich nicht in das \u201eOst-West-Schema\u201c pressen lassen wollen. Und Mau (\u00e4hnlich wie Kowalczuk und Kollmorgen) benennt zwar Ph\u00e4nomene wie Benachteiligung, Unterprivilegierung und Deklassierungserfahrungen (Hoffmann 2024), stellt aber Oschmanns These um, so dass nicht der Westen den Osten als anders begreife, \u201esondern der Osten sich selbst\u201c (Mau 2024: 77), da der Westen dem Osten in einer \u201eEgalhaltung\u201c gegen\u00fcbertrete. Dies belegt Mau mit seiner Studie (Mau\/Lux\/Heide 2024), in der j\u00fcngere und \u00e4ltere Ost- und Westdeutsche nach Unterschieden und Konflikten zwischen Ost und West befragt werden. W\u00e4hrend bei j\u00fcngeren Ostdeutschen die Differenz- und Konfliktwahrnehmung \u00fcberraschenderweise ganz leicht zunimmt, nimmt sie bei j\u00fcngeren Westdeutschen deutlich ab (und ist bei Westdeutschen generell viel geringer), was Mau als Beweis sieht, dass kein <i>Othering<\/i> (und damit keine Diskriminierung aufgrund von Fremdmachung) vorliegen kann. (Mau 2024: 77f.; Mau\/Lux\/Heide 2024: 12).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dies m\u00f6chte ich infrage stellen, insofern dass die mit einer direkten Methode abgefragte \u201eEgalhaltung\u201c, also das geringe Wahrnehmen von Unterschieden und Konflikten, nicht hei\u00dfen muss, dass auch keine Negativ-Stereotypisierung und Diskriminierung geschieht. Mir kann jemand \u201ev\u00f6llig egal\u201c sein, und gleichzeitig kann ich mich ihm \u00fcberlegen f\u00fchlen und ihn abwertend behandeln. Prominente Beispiele gibt es zuhauf. Am einflussreichsten erscheinen mir zwei Personen: Zum einen der milliardenschwere Springer-Chef Matthias D\u00f6pfner, dessen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber \u201eOssis\u201c als \u201eKommunisten oder Faschisten\u201c laut des Journalisten Hajo Schumacher kein Einzelfall sind, sondern eine westdeutsche Denkschule beschreiben (MDR 2024). Zum anderen Friedrich Merz, der abweichende Meinungen von Ostdeutschen zur Ukraine-Politik nicht als gleichwertige Stimmen sieht, sondern ihnen pauschal Wissensl\u00fccken attestiert, die er g\u00f6nnerhaft schlie\u00dfen will (Focus 2024), womit er seiner Deutungsmacht Ausdruck verleiht.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es geht also nicht um den westdeutschen Durchschnittsb\u00fcrger oder eventuelle Schuldzuschreibungen Westdeutschen gegen\u00fcber, sondern um die problematische Dynamik, in der einflussreiche Eliten tradierte negative Stereotype \u00fcber Ostdeutsche perpetuieren und diese somit als negativ anders oder abweichend stigmatisieren. Die Einw\u00e4nde gegen Oschmanns provokante Thesen, etwa die Bef\u00fcrchtung, Ostdeutsche k\u00f6nnten in die Opferrolle abdriften und ihre Eigenverantwortung vernachl\u00e4ssigen, sind einerseits verst\u00e4ndlich, gehen aber an der Sache vorbei:<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Kernpunkt ist die immense Deutungsmacht des Westens, die von politischen und medialen Influencer*innen <i>gemacht<\/i> wird. Oschmann zielt darauf ab, diese Dominanzachse sichtbar zu machen. Der Kern der Diskussion sollte daher in der Notwendigkeit liegen, die realen Ereignisse und gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse ungesch\u00f6nt darzustellen und systemische Probleme offen zu legen. Dieses Sichtbarmachen der Missst\u00e4nde ist essenziell, bildet aber nur den ersten Schritt. Daran anschlie\u00dfend ist es unabdingbar, einen konstruktiven Dialog zu f\u00f6rdern. Die Herausforderung liegt darin, die Erfahrungen und politischen Perspektiven Ostdeutscher vollst\u00e4ndig anzuerkennen, statt sie unter Verweis auf die Wende als Gl\u00fcck und Freiheitsgewinn zu relativieren.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> Die dahinterstehenden Bef\u00fcrchtungen \u2013 eine Verfestigung der Opferrolle, Verst\u00e4rkung von Ressentiments und die politische Instrumentalisierung von Ostalgie \u2013 sollten ernst genommen werden, aber nicht dazu f\u00fchren, notwendige Diskurse zu vermeiden oder zu d\u00e4mpfen. Bei Menschen, die sich marginalisiert f\u00fchlen, sto\u00dfen solche Relativierungen und Verweise auf taube Ohren, mehr noch: Es verst\u00e4rkt die Reaktanz.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ausblick\">Ausblick<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wie kann man Menschen, die sich marginalisiert f\u00fchlen, zumindest auf kommunikativer Ebene erreichen? Dazu m\u00fcssen die Perspektiven von Ostdeutschen, die sich benachteiligt oder deklassiert sehen, diskursiv anerkannt werden. Dies muss uneingeschr\u00e4nkt geschehen, auch wenn man die Perspektive wom\u00f6glich nicht teilt. Vor allem braucht es eine offenere und multiperspektivische Streitkultur (vgl. Fla\u00dfp\u00f6hler 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Konkret gibt es daf\u00fcr erprobte Dialogformate, die nach dem Prinzip des offenen Sprechens und bewertungsfreien Zuh\u00f6rens sogar in Kommunen, etwa in Brandenburg, umgesetzt werden (Mehr Demokratie 2025). Dort kommt das Thema Ost-West immer wieder zur Sprache und wird in Dialogveranstaltungen umgesetzt. In kleineren Gruppen werden diese tiefen pers\u00f6nlichen und kollektiven Erfahrungs- und Aufarbeitungsprozesse auch in der Bildungs-, Traumaarbeit oder in Erz\u00e4hlcaf\u00e9s durchgef\u00fchrt (momentan in Th\u00fcringen in der Pilotphase; auch beschrieben bei Miethe 2014).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Uneingeschr\u00e4nkt Perspektiven anerkennen hei\u00dft auch, das Bed\u00fcrfnis nach Aufarbeitung der als schmerzhaft und ungerecht empfundenen Transformationszeit ernst zu nehmen und zu erforschen, und zwar auch hier nicht relativierend oder in Konkurrenz zur historischen und individuellen Aufarbeitung der DDR-Geschichte (wie bei Mau 2024: 84), sondern im Prinzip des \u201eSowohl als auch\u201c. Soziohistorische Gro\u00dfprojekte, wie das gerade im Entstehen begriffene Zukunftszentrum f\u00fcr Deutsche Einheit und Europ\u00e4ische Transformation in Halle haben nur eine Chance tats\u00e4chlich zukunftsweisend zu sein, wenn sie die Vielzahl an Geschichts- und Gegenwartsnarrativen zulassen und m\u00f6glichst wertfrei nebeneinander stehen lassen. Eine besondere Rolle kommt dabei auch den \u00f6ffentlich-rechtlichen und Leitmedien zu, mit Berichten, die sowohl die Probleme als auch die vorhandenen (geschichtlichen) Errungenschaften des Ostens beinhalten, idealerweise erz\u00e4hlt von Journalist*innen, die die spezifischen Narrative und Perspektiven von Ostdeutschen gleichwertig darstellen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wenn \u201eder Osten\u201c also merkt, dass \u201eder Westen\u201c seine Wunden und Errungenschaften anerkennt, dann gibt es eine reelle Chance, dass Ostdeutsche ihre Ressentiments nicht nur Westdeutschen, sondern auch anderen marginalisierten Gruppen gegen\u00fcber abbauen. Aber das ist eine andere Geschichte \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Julia Brade<\/strong> leitet das Th\u00fcringer Zentrum f\u00fcr Interkulturelle \u00d6ffnung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind diversit\u00e4tsorientierte Personal- und Organisationsentwicklung (Beratung, Coaching, Training, Moderationen, Workshops und Seminare).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Adler, Astrid\/Plewnia, Albrecht<\/em> 2019: Die Macht der gro\u00dfen Zahlen. Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland, Mannheim.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ahbe, Thomas<\/em> 2024: Warum wandelt sich das Bild vom Osten kaum? Die identit\u00e4tsstiftenden Narrative der alten Bundesrepublik als Konstante bei der diskursiven Konstruktion Ostdeutschlands und der Ostdeutschen, in: Roth, Kersten S.\/Pappert, Steffen (Hrsg.): <em>Ost-West-Konflikte. Interdisziplin\u00e4re Perspektiven auf den Diskurs \u00fcber Deutschland und die Welt<\/em>, Hamburg, S. 51-71.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Anders, Christina A.<\/em> 2010: Wahrnehmungsdialektologie. Das Obers\u00e4chsische im Alltagsverst\u00e4ndnis von Laien, Berlin\/New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Arndt, Susan<\/em> 2021: Ostdeutschland inmitten intersektioneller Zuk\u00fcnfte, in: Kowalczuk, Ilko-Sascha et al. (Hrsg.): <em>Ostdeutschlands Weg. Teil II: Gegenwart und Zukunft<\/em>, Bonn, S. 149-169.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brade, Julia<\/em> 2010: (Sprach)einstellungen in Mexiko. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, in: Krefeld, Thomas\/Pustka, Elissa (Hrsg.): <em>Perzeptive Variet\u00e4tenlinguistik<\/em>, Frankfurt am Main, S. 431-455.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Chass\u00e9, Karl August<\/em> 2023: Klassistische Diskriminierung von Armen und sozial Ausgegrenzten, in: Scherr, Albert\/Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin (Hrsg.): <em>Handbuch Diskriminierung<\/em>, Wiesbaden, S. 459-482.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Czollek, Leah C. et al.<\/em> 2019: Praxishandbuch Social Justice und Diversity, Weinheim.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Czollek, Maximilian et al.<\/em> 2023: Social Justice and Radical Diversity, in: Scherr, Albert\/Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin (Hrsg.): <em>Handbuch Diskriminierung<\/em>, Wiesbaden, S. 799-818.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>El-Mafaalani, Aladin et al. <\/em>2023: Tats\u00e4chliche, messbare und subjektiv wahrgenommene Diskriminierung, in: Scherr, Albert\/Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin (Hrsg.): <em>Handbuch Diskriminierung<\/em>, Wiesbaden, S. 195-213.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Erler, Laura<\/em> 2025: Eine ostdeutsche Herkunft darf kein Karrierenachteil sein, in: <em>Neue Narrative<\/em>, H. 23, <a href=\"https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/eine-ostdeutsche-herkunft-darf-kein-karrierenachteil-sein\/#fn2\">https:\/\/www.neuenarrative.de\/magazin\/eine-ostdeutsche-herkunft-darf-kein-karrierenachteil-sein\/#fn2<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Focus <\/em>2024: Nach erstem Satz von ARD-Frau f\u00e4ngt Friedrich Merz an, herzlich zu lachen. Interview mit Friedrich Merz, in: <em>Focus<\/em> vom 09.05.2024, <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino-tv\/in-den-tagesthemen-nach-erstem-satz-von-ard-frau-faengt-friedrich-merz-an-herzlich-zu-lachen_id_259917809.html\">https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino-tv\/in-den-tagesthemen-nach-erstem-satz-von-ard-frau-faengt-friedrich-merz-an-herzlich-zu-lachen_id_259917809.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Fla\u00dfp\u00f6hler, Svenja<\/em> 2024: Streiten, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Foroutan, Naika <\/em>2021: Sind Ostdeutsche auch Migranten? \u00dcber Sinnhaftigkeit und Grenzen des Vergleichs von Ostdeutschen und Migrant*innen in Deutschland., in: Kowalczuk, Ilko-Sascha et al. (Hrsg.): <em>Ostdeutschlands Weg. Teil II Gegenwart und Zukunft<\/em>, Bonn, S. 191-205.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Foroutan, Naika et al.<\/em> 2019: Ost-Migrantische Analogien I. Konkurrenz um Anerkennung. Unter Mitarbeit von Daniel Kubiak und Sabrina Zajak, Berlin; <a href=\"https:\/\/www.dezim-institut.de\/publikationen\/publikation-detail\/ost-migrantische-analogien-i\/\">https:\/\/www.dezim-institut.de\/publikationen\/publikation-detail\/ost-migrantische-analogien-i\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Foroutan, Naika\/Hensel, Jana<\/em> 2020: Die Gesellschaft der Anderen, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ganzenm\u00fcller, J\u00f6rg<\/em> 2025: Lebensweltliche Umbr\u00fcche in der Vereinigungsgesellschaft. Die erfahrungsgeschichtliche Dimension der Transformation Ostdeutschlands nach 1990, in: Ganzenm\u00fcller, J\u00f6rg (Hrsg.): <em>Transformationserfahrungen. Lebensweltliche Umbr\u00fcche in Ostdeutschland nach 1990<\/em>, K\u00f6ln, S. 11-33.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hoffmann, Tim<\/em> 2024: Bestseller-Autor Steffen Mau: Der Osten wird nicht diskriminiert &#8211; er ist unterprivilegiert, Interview mit Steffen Mau, in: <em>Freie Presse<\/em> vom 26.06.2024; <a href=\"https:\/\/www.freiepresse.de\/kultur\/bestseller-autor-steffen-mau-der-osten-wird-nicht-diskriminiert-er-ist-unterprivilegiert-artikel13427329\">https:\/\/www.freiepresse.de\/kultur\/bestseller-autor-steffen-mau-der-osten-wird-nicht-diskriminiert-er-ist-unterprivilegiert-artikel13427329<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hundt, Markus<\/em> 2012: Warum gibt es eigentlich beliebte und unbeliebte Dialekte? In: H\u00fcnecke, Rainer\/Jakob, Karlheinz (Hrsg.): <em>Die obers\u00e4chsische Sprachlandschaft in Geschichte und Gegenwart<\/em>, Heidelberg, S.175-222.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kollmorgen, Raj<\/em> 2025: Zerrbilder. Dirk Oschmanns Erfindung des Ostens. Eine Entgegnung, in: <em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> vom 01.02.2025; <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/558993\/zerrbilder-dirk-oschmanns-erfindung-des-ostens-eine-entgegnung\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/558993\/zerrbilder-dirk-oschmanns-erfindung-des-ostens-eine-entgegnung\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kollmorgen, Raj et al.<\/em> (Hrsg.) 2024: Ferne Eliten. Die Unterrepr\u00e4sentation von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>K\u00f6pping, Petra<\/em> 2018: Integriert doch erstmal uns! Eine Streitschrift f\u00fcr den Osten, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Liebscher, Doris<\/em> 2022: Ethnizit\u00e4t oder Klassismus? Von den Schwierigkeiten und M\u00f6glichkeiten, die Benachteiligung Ostdeutscher antidiskriminierungsrechtlich zu fassen, in: Aleksander, Karin et al. (Hrsg.) <em>Feministische Visionen vor und nach 1989: Geschlecht, Medien und Aktivismen in der DDR, BRD und im \u00f6stlichen Europa<\/em>, Opladen et al., S. 315-332.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Lorenz, Astrid\/Kollmorgen, Raj\/Vogel, Lars\/Reiser, Marion<\/em> (Hrsg.) vls 2025: Die Unterrepr\u00e4sentation Ostdeutscher in Spitzenpositionen. Muster, Ursachen, Handlungsm\u00f6glichkeiten, Wiesbaden; <a href=\"https:\/\/research.uni-leipzig.de\/elitenmonitor\/\">https:\/\/research.uni-leipzig.de\/elitenmonitor\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mau, Steffen<\/em> 2024: Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mau, Steffen\/Lux, Thomas\/Heide, Julian<\/em> 2024: Ost- und Westdeutsche f\u00fcr immer? Zu Wahrnehmungen von Unterschieden und Konflikten zwischen Ost- und Westdeutschen, in: <em>K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie<\/em>, Jg. 76, H. 1, 1-23; <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11577-024-00949-z\">https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11577-024-00949-z<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>MDR <\/em>2024: Es ist kompliziert. Der Osten in den Medien, in: <em>MDR <\/em>vom 10.10.2024; <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/mdr-dok\/es-ist-kompliziert-der-osten-in-den-medien\/mdr\/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MC80NzEyNjItNDUxNTY1\">https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/mdr-dok\/es-ist-kompliziert-der-osten-in-den-medien\/mdr\/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MC80NzEyNjItNDUxNTY1<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mehr Demokratie<\/em> 2025: Sprechen und Zuh\u00f6ren, in: <em>YouTube<\/em> vom 27.01.2025; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LMmod29KiS0&amp;t=10s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LMmod29KiS0&amp;t=10s<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Miethe, Ingrid<\/em> 2014: Dominanz und Hierarchien begegnen. Interkulturelle Dimensionen deutsch-deutscher Biografiearbeit, in: Ernst, Christian (Hrsg.): <em>Geschichte im Dialog? \u201aDDR-Zeitzeugen\u2018 in Geschichtskultur und Bildungspraxis<\/em>, Schwalbach am Taunus, S. 128-141.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Miethe, Ingrid<\/em> 2019: Dominanzkultur und deutsche Einheit, in: <em>Berliner Debatte Initial<\/em>, Jg. 30 H. 4, S. 5-19.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>M\u00fckke, Lutz<\/em> 2021: 30 Jahre staatliche Einheit \u2013 30 Jahre mediale Spaltung: Schreiben Medien die Teilung Deutschlands fest? Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Oschmann, Dirk<\/em> 2023: Der Osten: eine westdeutsche Erfindung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Porsch, Peter<\/em> 2012: Warum die s\u00e4chsische Sprache laut einem Gerichtsurteil kein K\u00fcndigungsgrund sein darf? Zu den politischen Dimensionen eines bundesrepublikanischen Sprachkonflikts, in: H\u00fcnecke, Rainer\/Jakob, Karlheinz (Hrsg.): <em>Die obers\u00e4chsische Sprachlandschaft in Geschichte und Gegenwart<\/em>, Heidelberg, S. 341-361.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rehberg, Karl-Siegbert <\/em>2006: Ost-West, in: Lessenich, Steffen\/Nullmeier, Frank (Hrsg.): <em>Deutschland \u2013 eine gespaltene Gesellschaft<\/em>, Frankfurt am Main\/New York, S. 209-233.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scherr, Albert\/Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin <\/em>(Hrsg.) 2023: Handbuch Diskriminierung, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scherr, Albert<\/em> 2023: Soziologische Diskriminierungsforschung, in: Scherr, Albert \/ Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin 2023: <em>Handbuch Diskriminierung<\/em>, Wiesbaden., S. 17-42.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Spissinger, Florian et al.<\/em> 2024: Das Ringen um \u201adie Ostdeutschen\u2018 \u2013 \u00fcber die Beharrlichkeit einer Identit\u00e4tskonstruktion, in: Vogel, Lars\/Lorenz, Astrid\/Pates, Rebecca (Hrsg.): <em>Ostdeutschland. Identit\u00e4t, Lebenswelt oder politische Erfindung?<\/em> Wiesbaden, S. 337-357.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Terp, Stefanie <\/em>2021: Dialekte beeinflussen die Wahrnehmung der Pers\u00f6nlichkeit, in: <em>IDW <\/em>vom 09.08.2021; <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/en\/news775384\">https:\/\/idw-online.de\/en\/news775384<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Trillhaase, Kerstin<\/em> 2021: Der Einfluss der deutschen Dialekte Obers\u00e4chsisch und Mittelbairisch auf die Wahrnehmung der Pers\u00f6nlichkeit, in Sendlmeier, W. (Hrsg.): <em>M\u00fcndliche Kommunikation<\/em>, Bd. 11, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wolf, Tobias <\/em>2024: Historiker zu Wahlergebnissen: \u201eMehrheit der Ostdeutschen tut so, als w\u00fcrden sie unentwegt untergebuttert und ausgebeutet\u201c. Interview mit Ilko-Sascha Kowalczuk, in: <em>Freie Presse<\/em> vom 13.06.2024; <a href=\"https:\/\/www.freiepresse.de\/nachrichten\/sachsen\/historiker-zu-wahlergebnissen-mehrheit-der-ostdeutschen-tut-so-als-wuerden-sie-unentwegt-untergebuttert-und-ausgebeutet-artikel13411457\">https:\/\/www.freiepresse.de\/nachrichten\/sachsen\/historiker-zu-wahlergebnissen-mehrheit-der-ostdeutschen-tut-so-als-wuerden-sie-unentwegt-untergebuttert-und-ausgebeutet-artikel13411457<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zepter, Nicole <\/em>2022: Wer lacht noch \u00fcber Zonen-Gaby? Ein Vorschlag zur Vers\u00f6hnung, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zick, Andreas <\/em>2023: Sozialpsychologische Diskriminierungsforschung, in: Scherr, Albert\/Reinhardt, Anna C.\/El-Mafaalani, Aladin 2023: <em>Handbuch Diskriminierung<\/em>, Wiesbaden, S. 43-68.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Liebscher geht auf mehrere Diskriminierungsf\u00e4lle von Menschen mit DDR-Biografie ein; etwa auf den Fall einer Klage, wo eine Bewerberin in Stuttgart aufgrund ihrer DDR-Biografie abgelehnt wurde (Randnotizen in der Bewerbung: Minus-Zeichen hinter \u201eOssi \u2013 \u201c, sowie die Notiz \u201eDDR\u201c). Auch die darauffolgende Klage \u00fcber die Kategorie \u201eEthnische Herkunft\u201c im AGG wurde in mehreren Instanzen abgewiesen. Liebscher diskutiert, wie die Benachteiligung Ostdeutscher unter Rechtsschutz gestellt werden k\u00f6nnte, ob \u00fcber das AGG oder offene Listen von Diskriminierungskategorien (soziale Herkunft; Weltanschauung), wie es bereits im Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes erm\u00f6glicht wurde (Liebscher 2022).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Miethes Argument f\u00fcr eine Ost-West-Kategorie respektive ihr Ansatz, dass Hierarchie- und Machtverh\u00e4ltnisse einen bedeutenden Einfluss haben, werden im Gro\u00dfen und Ganzen auch von den hier zitierten Autor*innen geteilt. Sie alle besch\u00e4ftigen sich haupts\u00e4chlich mit Diskriminierungskategorien wie Soziales Milieu, Migrationshintergrund, Geschlecht etc. und widmen sich in einzelnen Aufs\u00e4tzen der Diskriminierungsachse Ost-West (Liebscher 2022; Miethe 2019; Arndt 2021). Foroutan (2021) und Kolleg*innen hatten mit Ost-migrantischen Analogien ein gro\u00df angelegtes Forschungsprojekt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Zur Rolle der Treuhand in Bezug auf Abwertungsprozesse und Empfindungen siehe auch den Beitrag von Paul Seibicke in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Bereits 2001 machte Merz mit negativen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Ostdeutsche auf sich aufmerksam und wollte nach den Wahlerfolgen der PDS \u201edem trotzig-pubert\u00e4ren L\u00fcmmelvolk im Osten das Taschengeld entziehen\u201c (Rehberg 2006: 223).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Kowalczuk: \u201eViele tun so, als w\u00e4ren ihre Erfahrungen einzigartig, als w\u00e4re nur ihnen etwas geschehen. Dabei hatten die Ostdeutschen vor allem Gl\u00fcck. Sie sind in einem der reichsten und einem der zehn freiesten L\u00e4nder der Welt ohne eigenes Zutun wach geworden und sozial abgefedert wie 95 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung es nicht sind. Und trotzdem tut eine Mehrheit von ihnen immer so, als wenn sie unentwegt untergebuttert und ausgebeutet w\u00fcrden.\u201c (Wolf 2024)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":20143,"template":"","categories":[47,16],"tags":[3249,4301,3031,3540,3309,3583,4337,667,3251],"autoren":[4336],"publikationen":[4298],"class_list":["post-20163","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-lebensweisen-pluralismus","category-rechtspolitik","tag-ddr","tag-deutsche-einheit","tag-diskriminierung","tag-identitaet","tag-intersektionalitaet","tag-ostdeutschland","tag-strukturelle-diskriminierung","tag-vorgaenge-artikel","tag-wiedervereinigung","autoren-julia-brade","publikationen-vorg-250"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Verborgene Wunden: Strukturelle Diskriminierung und die ostdeutsche Erfahrung im gesamtdeutschen Diskurs - 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