{"id":20597,"date":"2026-07-09T12:56:03","date_gmt":"2026-07-09T10:56:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20597"},"modified":"2026-07-09T12:56:03","modified_gmt":"2026-07-09T10:56:03","slug":"vier-neuerscheinungen-zur-zukunft-der-arbeit","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-161\/publikation\/vier-neuerscheinungen-zur-zukunft-der-arbeit\/","title":{"rendered":"Vier Neuerscheinungen zur Zukunft der Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>Durch die Krise hindurch, hei\u00dft es bei Aristoteles, kann man zur Katharsis gelangen. In diesem Sinne ist die Krise ein Umschlagpunkt, nichts grunds\u00e4tzlich Negatives. Sie schafft die M\u00f6glichkeit, neue Horizonte zu er\u00f6ffnen, Probleme zu bew\u00e4ltigen, freilich auch grausam zu scheitern. Die Arbeitsgesellschaften westlicher Pr\u00e4gung befinden sich derzeit in einer solchen Krise. Ihr wesentlicher Vergesellschaftungsfaktor droht als \u00f6konomische Ressource mehr und mehr an Wert zu verlieren, w\u00e4hrend sein Wert als soziale Ressource zugleich inflation\u00e4r steigt. Wichtig f\u00fcr Gesellschaftsformationen nach dem Muster der westlichen Industriegesellschaften w\u00e4re aber, beides in der Balance zu halten. Ein Ungleichgewicht, wie es derzeit mit hoher Massenarbeitslosigkeit, Rationalisierung und gleichzeitigen technologischen Phantasieszenarien existiert, droht best\u00e4ndig zu politischen und sozialen Verwerfungen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Seit b\u00fcrgerliche Gesellschaften die feudalen abgel\u00f6st haben, seit die Industrialisierung einsetzte, sind die Gesellschaften der westlichen Hemisph\u00e4re als Arbeitsgesellschaften einzustufen. In ihnen sind Protestantismus und Merkantilismus eine fruchtbare und dauerhafte Ehe eingegangen. Als Arbeitsgesellschaften kann man diese Gesellschaften deshalb bezeichnen, weil das Prinzip der Erwerbsarbeit ihr dominantes gesellschaftliches Strukturelement ist. Erwerbsarbeit ist darin das vorherrschende Prinzip der Selbsterhaltung; die Verf\u00fcgung \u00fcber eine Erwerbsarbeit erweist sich als entscheidender Aspekt individueller wie auch gesamtgesellschaftlicher Generierung von Sinn; nahezu jede Geste innerhalb dieser Gesellschaften ist kulturell \u00fcber eine Analogie zur Arbeit definiert. Arbeit ist keine T\u00e4tigkeit in einem klar umrissenen sozialen Raum; sie ist in s\u00e4mtliche Lebensbereiche der Individuen vorgedrungen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist das keine wirklich neue Erkenntnis. Mit dem Marxismus ist schon im 19. Jahrhundert ein analytischer Ansatz entstanden, der Gesellschaft unter genau diesen Aspekten der Arbeit und der Warenproduktion verstanden wissen wollte. Freilich geriet die &#8222;politische \u00d6konomie&#8220; rasch zur Neuen \u00d6konomischen Politik, wodurch der Ansatz zusehends weniger anschlussf\u00e4hig an allgemeine Diskurse wurde. Zudem krankte der Marxismus generell daran, Arbeit tats\u00e4chlich ausschlie\u00dflich mit wertsch\u00f6pfender Arbeit gleichzusetzen und auf der blo\u00dfen Distributionsebene in Augenschein zu nehmen. Aspekte der Kultur, der Symbolerzeugung, einer Ordnung der Dinge schienen vernachl\u00e4ssigbar zu sein. Seit einiger Zeit ist es nunmehr mit dem Marxismus weitgehend vorbei; doch sein rein \u00f6konomischer Zugriff auf die Arbeitsgesellschaft hat sich gehalten.<\/p>\n<p>Die Untersuchung der Arbeitsgesellschaften fand allzu lange ausschlie\u00dflich durch die Industriesoziologie statt, und war dort, dem Titel zum Trotz, denkbar schlecht aufgehoben. Bis heute beschr\u00e4nkt sich die Industriesoziologie auf die Untersuchung \u00f6konomischer Zusammenh\u00e4nge, innerbetrieblicher Problemlagen, deprivativer Wirkungen von Arbeitslosigkeit. Erstaunlicherweise hat sie nie begriffen &#8211; oder unter der Erblast marxistischer Theoriebildung nie begreifen wollen -, dass sie eine Schl\u00fcsselkategorie zum Verst\u00e4ndnis der modernen Gesellschaften in H\u00e4nden hielt. Sp\u00e4testens seit Beginn der 1990er Jahre wird die Auseinandersetzung \u00fcber Genese und Konsequenzen der Moderne wieder auf das heftigste gef\u00fchrt. Aus der Industrieforschung aber fehlt bislang jeder substantielle Beitrag dazu. Es scheint, als m\u00fcsse ihr Gegenstand durch andere entdeckt werden &#8211; Kultursoziologen, Kulturwissenschaftler, Philosophen, Historiker, Politologen. Sie alle erkennen die Zeichen der Krise und suchen sie unter den Vorzeichen von Arbeit, Erwerbsarbeit, Warentausch in Beziehung zueinander zu setzen. Pl\u00f6tzlich wird wieder originell an der Arbeit gearbeitet, teilweise mit betr\u00e4chtlichem Gewinn. Akademisch k\u00f6nnte das erste Opfer der Krise der Arbeitsgesellschaften deren eigene Wissenschaft, die Industriesoziologie, werden.<\/p>\n<p>Solche Todesst\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen scheinbar kleine B\u00fccher f\u00fchren. Ein vom Organisationssoziologen und Luhmann-Sch\u00fcler Dirk Baecker herausgegebener Sammelband z.B. f\u00fchrt die disziplin\u00e4re Volte schon im Titel und proklamiert eine &#8222;Arch\u00e4ologie der Arbeit&#8220;:<\/p>\n<p><em>Dirk Baecker<\/em> (Hg.): Arch\u00e4ologie der Arbeit, Kadmos: Berlin 2002, 250 S.; ISBN 3-93165926-7; 17,50 Euro<\/p>\n<p>Baecker hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kategorie &#8222;Arbeit&#8220; wieder (und ausdr\u00fccklich jenseits der Industriesoziologie) zu einem Instrument der Gesellschaftstheorie zu machen (16). Die &#8222;Arbeit in Gesellschaft&#8220; m\u00fcsse man zum Thema machen, &#8222;weniger die Arbeit als solche&#8220;. Diesen Gedanken sollte man ernst nehmen; es ist zu w\u00fcnschen, dass viele ihm folgen werden. Sein eigener Band l\u00f6st das Versprechen in Form eines programmatischen, divergenten Manifests zum gro\u00dfen Teil ein. Am fulminantesten gelingt dies im l\u00e4ngsten Beitrag des Bandes: Werner Hamacher, Literaturwissenschaftler in Frankfurt\/Main, legt eine Theorie der Arbeit vor, die dezidiert vom Faschismus ausgeht &#8211; in der Verkn\u00fcpfung der Frage nach der Arbeit des Faschismus mit dem &#8222;endogenen Faschismus der Arbeit&#8220; (156) und jener Praxis einer &#8222;Aufarbeitung der Vergangenheit&#8220;. Wenn Arbeit, so Hamacher, die genuine Form der Selbstaneignung in modernen Gesellschaften ist, dann hat der Nationalsozialismus dies nur transformiert von einer individuellen Selbstaneignung zu der eines ganzen Volkes f\u00fcr sich selbst. Auschwitz erscheint dann als Arbeitsplatz, wo definitiv get\u00f6tet wird, was nicht das eigene (Produkt) ist. Wenn Arbeit tats\u00e4chlich die wesentliche Form der Vergesellschaftung sei, so Hamacher, dann k\u00f6nne &#8222;die Gesellschaft der Arbeit immer nur die eigene Gesellschaft sein&#8220; (168). Arbeit wie Gesellschaft verlangen Identit\u00e4t und Identifikation; Arbeit ist gekoppelt an ein eschatologisches Moment, das nur allzu leicht umschlagen kann in Gewalt. Der einzige Haken an Hamachers Entwurf ist dessen enge Bindung an einen ungeheuer konstanten Arbeitsbegriff, obwohl sich un\u00fcbersehbar ein einschneidender Strukturwandel der Arbeit vollzieht, der weder ihren Begriff, noch ihre Gesellschaft oder Objekte unangetastet l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Volkswirtschaftler und Philosoph Birger P. Priddat beschreibt diesen Prozess am Beispiel der Etablierung kurzfristiger Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die gleichzeitig an enorme normative Anforderungen gekoppelt sind. Angestellte wie Arbeiter w\u00fcrden heute zu intrapreneurs, kleinen Unternehmern, deren Vertragsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber dem Markt zun\u00e4chst ausgebaut werde (73). Arbeiten bedeute prinzipiell, ein Wagnis einzugehen; der Unterschied zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Auch der Historiker Rolf Peter Sieferle wendet sich Transformationsprozessen zu und arbeitet heraus, dass Arbeit als Mittel individueller Selbstbestimmung im Kontext agrarischer Gesellschaften vollkommen unvorstellbar war. Die Verkn\u00fcpfung beider Faktoren ist erst in einer technisierten Gesellschaft m\u00f6glich, die ein Bild vom &#8222;Fortschritt&#8220; hat, worin das Potential der Selbstbestimmung dann aber freilich durch ordres der Disziplin begrenzt werden muss. Baecker selbst spannt den Begriff der Arbeit in seinem Beitrag zwischen \u00dcberdetermination und Unbestimmtheit. Arbeit, f\u00fchrt er aus, wird in dem Moment sozial von Belang, wo sie dynamisch wird und soziale wie auch r\u00e4umliche Mobilit\u00e4t erm\u00f6glicht. Von der warenproduzierenden Gesellschaft will Baecker rigoros abstrahieren. Erstens lasse sich der Arbeitsbegriff kaum auf die Arbeitnehmer begrenzen, zweitens greife unter dieser Pr\u00e4misse die Kategorie der Arbeitsgesellschaft viel zu kurz. Diese Kategorie meine n\u00e4mlich nicht die soziale Dominanz \u00f6konomischer Arbeit, sondern dass in einer solchen Gesellschaft einfach alles als Arbeit begriffen werde, was &#8222;mit einem Aufwand verbunden ist&#8220; (221).<\/p>\n<p>Auch in einem weiteren Sammelband findet sich eine Ansammlung empirischer und theoretischer \u00dcberlegungen zu den aktuellen &#8222;Formver\u00e4nderungen der Arbeit&#8220;, in der \u00fcber den Begriff der Arbeit nachgedacht wird. Sie bleibt gegen\u00fcber dem Band von Baecker aber reichlich schal:<\/p>\n<p><em>Detlev Claussen\/Oskar Negt\/Michael Werz<\/em> (Hg.): Transformation der Arbeit, Neue Kritik (Hg.): Frankfurt\/Main 2001, 181 S., ISBN 38015-0358-5; 15 Euro<\/p>\n<p>Zwar sind die Herausgeber sichtlich bem\u00fcht, die ganze Spannbreite an Ph\u00e4nomenen abzudecken, die einem ad hoc zum Thema &#8218;Krise der Arbeitsgesellschaften&#8216; einfallen &#8211; New Economy, Flexibilisierung, Arbeitslosigkeit, Arbeitsrecht, Arbeit und Krieg. Aber genau hier k\u00f6nnte auch das Problem liegen. Dieses Buch ist ein hervorragendes Beispiel f\u00fcr eine Art von angestrengter Kritik, die sich Originalit\u00e4t genauso verbietet wie disziplin\u00e4re und analytische Breite. Dabei h\u00e4tte das dargelegte Material durchaus einiges zu bieten. Zum Beispiel konstatiert die Sozialpsychologin Christine Morgenrotte in ihrem Beitrag \u00fcber depressive Dynamiken in der Arbeitslosigkeit, Arbeitende in zeitlich befristeten, auch prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen t\u00e4ten so, &#8222;als ob der Arbeitsplatz auch langfristig sicher w\u00e4re&#8220; (141). Aber statt daran eine Analyse dieses Tatbestandes anzuschlie\u00dfen, wird das Referat des Datenmaterials schon selbst als Analyse ausgegeben. Auch Achim Seiferts rechtswissenschaftliche Darstellung des Arbeitsrechts als eines disparaten Gegenstandes, das sowohl Aufgaben der Deregulierung des Arbeitsmarktes als auch Regulierungsfunktionen wahrnehmen muss, bleibt deskriptiv ein Oberfl\u00e4chendiskurs. Hier wurden jede Menge Themen verschenkt.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bildet der Beitrag des in Deutschland nach wie vor viel zu unbekannten Moishe Postone. Als Vertreter einer &#8222;kritischen Theorie von Marx&#8220; (15) legt der Historiker an der University of Chicago dessen Vorstellung von der zentralen Stellung der Arbeit in der Gesellschaft aus und verdeutlicht erneut, dass Arbeit (leider bei ihm ganz undefiniert) eine historisch spezifische Form sozialer Vermittlung organisiere &#8211; n\u00e4mlich den Kapitalismus. Postone versucht, die Schw\u00e4chen des &#8222;traditionellen Marxismus&#8220; im Umgang mit der postliberalen Gesellschaft auszub\u00fcgeln: Wenn man von Arbeit im Kapitalismus spreche, so Postone, k\u00f6nne man nicht blo\u00df von technischen Prozessen sprechen. Wichtig hingegen sei, den Kapitalismus als &#8222;eine abstrakte Herrschaftsform zu kennzeichnen&#8220; (26), die auf grundlegende gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse ausgreife &#8211; ohne dabei in eine haneb\u00fcchene Basis-\u00dcberbau-Legende zur\u00fcckzufallen. Freilich, das bleibt Marxismus in nuce, aber es handelt sich um einen anschlussf\u00e4higen Marxismus, der durchaus etwas zur zeitgen\u00f6ssischen Gesellschaftsanalyse beitragen kann.<\/p>\n<p>Ein konstanter Beitr\u00e4ger hingegen gerade zu den Problemen der Arbeitsgesellschaft ist der Philosoph und Soziologe Oskar Negt, ebenfalls aus der Denkfabrik der Frankfurter Schule stammend. Er hat ein dickleibiges Werk vorgelegt, das augenzwinkernd und rot statt blau an die alten MEW-Ausgaben erinnert:<\/p>\n<p><em>Oskar Negt<\/em>: Arbeit und menschliche W\u00fcrde, Steidl: G\u00f6ttingen 2001, 747 S., ISBN 3-88243786-3; 29 Euro<\/p>\n<p>Negt versucht sich in vielem gleichzeitig. Eine theoretische Einkreisung des Gegners &#8222;Arbeitsgesellschaft&#8220;, die er ein f\u00fcr alle mal transparent machen will; eine Zuf\u00fchrung zu politischem Handeln sogar, das er in kleinen Exkursen am eigenen Beispiel heranzitiert; ein Res\u00fcmee seiner bisherigen Arbeit, auf die er immer wieder anekdotisch verweist &#8211; das alles legt er mit diesem Buch vor. Am Ende der Lekt\u00fcre ist man um viele Anregungen und Entt\u00e4uschungen reicher. Seinen Tiefpunkt erreicht das Buch, wenn Negt noch einmal die rein \u00f6konomische Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Nationalsozialismus und f\u00fcr Auschwitz herausholt, vom Antisemitismus jedoch nicht spricht. Auschwitz ist in diesem Buch vor allem deshalb eine negative Angelegenheit, weil es verunm\u00f6glicht, &#8222;den Arbeitsbegriff aus seinen t\u00f6dlichen und entw\u00fcrdigenden Umklammerungen zu l\u00f6sen&#8220; (474). Und auch Negts ans Ende des Buches gesetzte Abrechnung mit Giddens und Beck kann nicht wirklich \u00fcberzeugen, sondern referiert vor allem alte H\u00fcte, die in der Frage gipfeln, ob die Risikogesellschaft nicht doch &#8222;eine modifizierte Klassengesellschaft&#8220; sei (603). Schlie\u00dflich wehrt Negt sich verzweifelt gegen einen erweiterten Arbeitsbegriff, h\u00e4lt strikt am Erwerbsarbeitsbegriff mitsamt den zugeh\u00f6rigen gesellschaftlichen und theoretischen Paradigmen fest, fragt sich aber dennoch, weshalb es wohl sinnvoll ist, daran noch festzuhalten (129). Hier zeigt sich, wie sehr Negt der politischen \u00d6konomie verpflichtet bleibt. Die Arbeit in der Gesellschaft vermag er nicht sehen, blo\u00df Konstellationen von Produzenten. Trotzdem ist diese Anstrengung, einen definitiv umfassenden \u00dcberblick \u00fcber den Zustand der Arbeitsgesellschaft zu geben, beeindruckend, der von der Globalisierung \u00fcber die Arbeitszeitpolitik (schon immer ein Steckenpferd Negts), die Rolle der Gewerkschaften und der New Economy, das Bildungswesen und die Kultur bis hin zur Atomtechnologie und dem Ende der DDR wahrlich nichts ausl\u00e4sst. Bleiben wird von diesem Buch der zentrale Begriff der &#8222;Erosionskrise&#8220;, den Negt erfolgreich gepr\u00e4gt hat. Die Erosionskrise ist jene Krise, die die Gesellschaft in einen Zustand der Transformation wirft, worin die alten Institutionen erodieren und in der es eine Katharsis kaum wird geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn der Kapitalismus die &#8222;Gesellschaft des Spektakels&#8220; (Guy Debord) ist, dann k\u00f6nnte man versucht sein, aus diesem Spektakel eine Waffe der Kritik zu machen. Nicht weniger ist im Mai 2001 an der Berliner Volksb\u00fchne geschehen, als Arbeitslose, Intellektuelle, Pastoren u.a. zu einem Themenwochenende zur &#8222;Zukunft der Nichtarbeit&#8220; und dem &#8222;Recht auf Faulheit&#8220; luden.<\/p>\n<p><em>Michael J\u00e4ger\/Andrea Koschwitz\/Gerburg Treusch-Dieter<\/em> (Hgg.): Recht auf Faulheit. Zukunft der Nichtarbeit, Edition Freitag: Berlin 2001, 180 S., ISBN 3-936252-00-9; 12 Euro<\/p>\n<p>Die Veranstaltung selbst mag gelungen gewesen sein, es zeigt sich aber, dass nicht jede Dokumentation ihren Zweck erf\u00fcllt. Schon in seiner Einleitung straft Michael J\u00e4ger die Intention des Bandes l\u00fcgen, wenn er wohlfeil erkl\u00e4rt, &#8222;angeblich Faule&#8220; h\u00e4tten sich da als &#8222;Leute entpuppt, die mit Flei\u00df in bestimmten T\u00e4tigkeiten engagiert sind&#8220; (6). Das ist allzu bieder und l\u00e4sst die beabsichtigte Rehabilitierung der Faulheit gegen den Erwerbsarbeitszwang vollst\u00e4ndig vermissen. Doch auch sonst ist bei der Lekt\u00fcre nicht viel Gewinn zu machen. Es reicht eben nicht aus, einen Text, der Hegels Herr\/Knecht-Kapitel paraphrasiert und der auf der B\u00fchne vielleicht noch unterhalten mag, genauso in ein Buch zu drucken. Da bleibt nichts mehr \u00fcbrig als Phrasendrescherei. Nicht anders verh\u00e4lt es sich mit weiteren szenischen Texten und dem Kabarett des im vergangenen Jahr verstorbenen Matthias Beltz. Ren\u00e9 Talbots &#8222;Proklamation des Jahrhunderts der Parasiten&#8220; bringt das Dilemma der Veranstaltung schlie\u00dflich auf den Punkt. Wird einerseits mit gro\u00dfer Geste die \u00e4tzendste Kritik an den herrschenden Verh\u00e4ltnissen ge\u00fcbt, so besteht andererseits ein grandios naiver Glaube daran, &#8222;eigene Lebensentw\u00fcrfe und Selbstbestimmung&#8220; (45) verwirklichen zu k\u00f6nnen. Da kommt das Denken doch zu kurz. Wohltuend dagegen Hans-Dieter Bahrs Interpretation von Castorfs Inszenierung der &#8222;Weber&#8220;. Bahr ordnet auch die Nicht-Arbeit in den Kontext der Arbeit ein, da sie als &#8222;passive Beschr\u00e4nkung der Aktivit\u00e4t ein konstitutives Moment des Arbeitens selbst sei&#8220; (117). So zeigt er den Veranstaltern die beschr\u00e4nkte Reichweite ihrer vermeintlichen Provokation \u2014 der Arbeit entkommt so schnell niemand.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"autoren":[2279],"publikationen":[1209],"class_list":["post-20597","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","autoren-joern-ahrens","publikationen-vorg-161"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Vier Neuerscheinungen zur Zukunft der Arbeit - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-161\/publikation\/vier-neuerscheinungen-zur-zukunft-der-arbeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Vier Neuerscheinungen zur Zukunft der Arbeit - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Durch die Krise hindurch, hei\u00dft es bei Aristoteles, kann man zur Katharsis gelangen. 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