{"id":20651,"date":"2026-09-21T11:58:46","date_gmt":"2026-09-21T09:58:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20651"},"modified":"2026-09-21T12:00:19","modified_gmt":"2026-09-21T10:00:19","slug":"menschenrechte-in-lieferketten-entwicklungslinien-und-perspektiven-eines-politischen-streitthemas","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/menschenrechte-in-lieferketten-entwicklungslinien-und-perspektiven-eines-politischen-streitthemas\/","title":{"rendered":"Menschenrechte in Lieferketten \u2013 Entwicklungslinien und Perspektiven eines politischen Streitthemas"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"\"><span id=\"1-menschenrechtsschutz-als-unternehmenspflicht\">1. Menschen&shy;rechts&shy;schutz als Unter&shy;neh&shy;mens&shy;pflicht<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Nicht nur Staaten k\u00f6nnen f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sein. Auch nichtstaatliche Akteure wie Unternehmen oder ihre Zulieferer weltweit k\u00f6nnen Menschen zu gesundheitssch\u00e4digenden, unfairen oder ausbeuterischen Bedingungen besch\u00e4ftigen, Bev\u00f6lkerungsgruppen diskriminieren, zur Unterdr\u00fcckung unliebsamer Oppositionsgruppen beitragen oder die Umwelt (der Menschen) belasten oder sogar zerst\u00f6ren (Beispiele bei Mares 2008: 97ff.; Woodroffe 1999: 131).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Einige f\u00fcr Unternehmen besonders relevante Menschenrechte wurden 1966 von der UN-Generalversammlung im Internationalen Pakt \u00fcber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (englisch International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights, ICESCR) aufgef\u00fchrt. F\u00fcr Staaten wie Deutschland, die diesen Pakt ratifiziert haben,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> sind die Inhalte verbindlich, unter anderem die Regelungen zu Arbeitsentgelt und Arbeitsbedingungen (Art. 7), das Recht auf gewerkschaftliche Bet\u00e4tigung sowie das Streikrecht (Art. 8), das Recht auf soziale Sicherheit einschlie\u00dflich Sozialversicherung (Art. 9), auf Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der Gesundheit (Art. 12), auf Bildung (Art. 13) und auf Teilhabe am kulturellen Leben (Art. 15).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In privatwirtschaftlich organisierten kapitalistischen Systemen k\u00f6nnen diese Rechte nur verbindlich gew\u00e4hrleistet werden, wenn die Staaten Unternehmen und andere \u00f6ffentliche wie private Akteure entsprechend verpflichten. V\u00f6lkerrechtliche Vereinbarungen wie der ICESCR werden jedoch zwischen Staaten, gegebenenfalls unter Beteiligung internationaler Organisationen getroffen und k\u00f6nnen Unternehmen nicht unmittelbar verpflichten. Sollen verbindliche Regelungen f\u00fcr Unternehmen und andere nichtstaatliche Akteur*innen getroffen werden, so m\u00fcssen diese von Staaten \u2013 in Europa je nach Materie auch von der Europ\u00e4ischen Union (EU) \u2013 geschaffen werden. Zivilgesellschaftliche Forderungen, etwa des World Development Movement (WDM, vgl. Woodroffe 1999: 133ff.), unmittelbar verbindliche transnationale Regelungen f\u00fcr multinationale Unternehmen zu schaffen, konnten sich bisher nicht durchsetzen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bei Menschenrechten in Lieferketten kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Lieferketten k\u00f6nnen \u00fcber viele L\u00e4nder verteilt sein. Mit den Globalisierungstendenzen der zur\u00fcckliegenden Jahrzehnte haben globale Lieferketten \u00fcber lange Distanzen stark an Bedeutung gewonnen. Unternehmen in L\u00e4ndern des Globalen Nordens wissen oftmals nicht im Detail, wo die Komponenten oder Rohstoffe herkommen, die sie als Bestandteile ihrer Produkte verkaufen. Folglich wissen sie oft auch wenig dar\u00fcber, unter welchen Bedingungen die verwendeten Rohstoffe abgebaut und (Vor-)Produkte hergestellt wurden. Hier setzt die seit den 2010er Jahren etablierte Lieferkettenregulierung an: Unternehmen werden in die Pflicht genommen, ihre Lieferketten f\u00fcr sich selbst und andere transparenter zu machen und t\u00e4tig zu werden, wenn ihnen Missst\u00e4nde bekannt werden (<i>due dilligence<\/i>\/Sorgfaltspflichten). Der Sitzstaat des Unternehmens trifft hierzu Regelungen, nicht allein der Staat, in dem die Menschenrechte verletzt werden. Hier ist somit ein neuer Typus von Regelungen entstanden, dessen Reichweite \u00fcber das Territorium des gesetzgebenden Staates hinausgeht, indem Unternehmen entlang der Lieferketten indirekt mit in die Verantwortung genommen werden (<i>foreign corporate accountability<\/i>, vgl. Gustafsson et al. 2023).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein zentraler Ausgangspunkt f\u00fcr diese Sorgfaltspflichten sind die 2011 durch die Vereinten Nationen verabschiedeten UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte (Guiding Principles on Business and Human Rights, UNGP; UN 2011).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> Dieses Dokument ist allerdings kein verbindlicher v\u00f6lkerrechtlicher Vertrag, sondern f\u00fcr die beteiligten Staaten nichtverbindliches <i>soft law<\/i>. Seit der Verabschiedung der UNGP wird in vielen L\u00e4ndern dar\u00fcber diskutiert, wie die dort niedergelegten Prinzipien in verbindliche Vorgaben f\u00fcr Unternehmen weiterentwickelt werden k\u00f6nnen. In Deutschland wurde im Juli 2021 \u2013 noch von der damaligen CDU\/CSU-SPD-Regierungsmehrheit unter Bundeskanzlerin Angela Merkel \u2013 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verabschiedet. Auch Frankreich und andere europ\u00e4ische Staaten verabschiedeten verbindliche Regelungen. Im Juni 2024 folgte in der EU die Richtlinie EU 2024\/1760 \u00fcber die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD). Die Mitgliedstaaten haben die Richtlinienziele durch verbindliche Regelungen umzusetzen, bestehende Regelungen wie das LkSG m\u00fcssen entsprechend angepasst werden. Allerdings blieben die deutschen und EU-Regelungen politisch h\u00f6chst umstritten. Durch \u00c4nderungen wurden sie 2025 und 2026 vorgeblich im Interesse des B\u00fcrokratieabbaus abgeschw\u00e4cht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der vorliegende Beitrag beschreibt die wesentlichen Entwicklungslinien von freiwilligen Standards zu verbindlichen Regelungen und zur\u00fcck zu deren Abschw\u00e4chung. Darauf aufbauend zeigt er Grenzen der bisherigen Regelungsans\u00e4tze und zuk\u00fcnftige Perspektiven auf.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"2-der-lange-weg-zu-internationalen-regelungen-zum-schutz-der-menschenrechte-in-lieferketten\">2. Der lange Weg zu inter&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;nalen Regelungen zum Schutz der Menschen&shy;rechte in Liefer&shy;ketten<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die internationale Diskussion \u00fcber Unternehmenspflichten f\u00fcr den Menschenrechtsschutz entlang ihrer Lieferketten wird nicht erst seit den 2010er Jahren gef\u00fchrt. Die heutigen Kontroversen \u00fcber Unternehmenspflichten zum Menschenrechtsschutz gehen auf jahrzehntelange Debatten zu diesem Thema zur\u00fcck.<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Zeitpunkt<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><b>Ereignis<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">1966<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\" align=\"justify\">Internationaler Pakt \u00fcber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Vereinte Nationen) [in Deutschland ratifiziert 1973].<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2008<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Bericht des UN-Sonderbeauftragten f\u00fcr Unternehmen und Menschenrechte, John Ruggie, an die UN-Generalversammlung.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2011<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschrechte (UN Guid-ing Principles on Business and Human Rights).<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">24.04.2013<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Einsturz der Raza-Plaza-Textilfabriken in Bangladesh mit 1135 Toten und vielen Verletzten.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2017<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ver\u00f6ffentlichung des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte 2016 bis 2020 durch die deutsche Bundesregierung.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Juli 2021<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Verabschiedung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (Inkrafttreten Januar 2023).<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2023<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">OECD Guidelines for Multinational Enterprises on Responsible Business Conduct.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Juni 2024<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Verabschiedung der EU-Lieferketten-Richtlinie CSDDD (Richtlinie (EU) 2024\/1760) und Neuwahl des Europ\u00e4ischen Parlaments mit ge\u00e4nderten Mehrheiten.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2024<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Draghi-Report zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2025<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">\u201eOmnibus\u201c-Initiativen der Europ\u00e4ischen Kommission, unter anderem zur Lieferkettenregulierung, zum Datenschutz und zur Regulierung K\u00fcnstlicher Intelligenz.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td width=\"25%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Februar 2026<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"75%\">\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Verabschiedung der \u201eOmnibus\u201c-Regelungen f\u00fcr das Lieferkettenrecht als Richtlinie (EU) 2026\/470.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\"><i>Tab. 1: Ausgew\u00e4hlte Stationen der Entwicklung von Regelungen zum Menschenrechtsschutz in Lieferketten. Eigene Darstellung.<\/i><\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"21-die-un-leitprinzipien-fuer-wirtschaft-und-menschenrechte\">2.1 Die UN-Leit&shy;prin&shy;zi&shy;pien f&uuml;r Wirtschaft und Menschen&shy;rechte<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die UNGP umfassen die Komponenten Schutz, Achtung und Abhilfe (englisch: <i>protect, respect, remedy<\/i>). Zentral f\u00fcr die Unternehmenspflichten in Lieferketten ist das Leitprinzip Nr. 11:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eWirtschaftsunternehmen sollten die Menschenrechte achten. Dies hei\u00dft, dass sie vermeiden sollten, die Menschenrechte Anderer zu beeintr\u00e4chtigen, und dass sie nachteiligen menschenrechtlichen Auswirkungen, an denen sie beteiligt sind, begegnen sollten.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der Stil gleicht einem Appell und unterstreicht damit den <i>soft-law<\/i>-Charakter auch dieses Leitprinzips.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bereits 1974 hatten die UN eine Commission on Transnational Corporations eingerichtet. Das Vorhaben, einen Verhaltenscodex f\u00fcr transnationale Unternehmen zu etablieren, scheiterte aber letztlich am Widerstand einiger Staaten (ECOSOC 1974). 1976 legte die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) <i>Guidelines for Multinational Enterprises<\/i> vor (OECD 1976), die seither mehrfach aktualisiert wurden und bei denen Umwelt, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte zunehmend in den Fokus r\u00fcckten, so in den 2023 ver\u00f6ffentlichten <i>Guidelines for Multinational Enterprises on Responsible Business Conduct<\/i> (OECD 2023). 1977 initiierte das UN Centre for Transnational Corporations (UNCTC) einen Prozess zur Etablierung eines Codex f\u00fcr transnationale Unternehmen \u2013 dieser wurde allerdings 1992 ergebnislos aufgegeben (vgl. Bernaz 2016; Mares 2008; Voiculescu 2011: 12ff.; International Council on Human Rights Policy 2002).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Neben Akteur*innen, die hohe Schutzstandards f\u00fcr die Menschenrechte bef\u00fcrworten, unterst\u00fctzen auch manche Unternehmen Initiativen f\u00fcr verbindliche Menschenrechtspflichten im Hinblick auf den Markt, auf dem sie t\u00e4tig sind. Hier seien Pensions- und Investmentfonds genannt, die ihren Kund*innen die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards versprechen (Mares 2008: 150ff.) sowie eine Reihe von Handelsunternehmen.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> Bei vielen Initiativen ging und geht es vorrangig um die Rechte der Besch\u00e4ftigten in Lieferketten \u2013 auch die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) ist bereits seit den 1970er Jahren auf diesem Feld aktiv, so mit ihrer Tripartite Declaration of Principles concerning Multinational Enterprises and Social Policy, die sich an Regierungen, Unternehmen und Arbeitnehmendenvertretungen richtet und die seither mehrfach aktualisiert wurde (ILO 2024).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Jahr 2005 setzte die UN-Menschenrechtskommission durch Resolution 2005\/69 einen Sonderbeauftragten des Generalsekret\u00e4rs f\u00fcr Unternehmen und Menschenrechte ein. Der Politikwissenschaftler John Ruggie, der sich bereits in seiner wissenschaftlichen Arbeit mit diesem Themenfeld befasst hatte (vgl. Karp 2023), \u00fcbte diese Funktion bis 2011 aus und trug dabei ma\u00dfgeblich zur Vorbereitung der UN-Leitprinzipien bei, etwa mit seinem im April 2008 ver\u00f6ffentlichten Bericht an die UN-Generalversammlung (Ruggie 2008). Die Globalisierung f\u00fchrte seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer starken Ausweitung des weltweiten Handels mit langen Lieferketten, in denen Rohstoffe und Produkte aus dem Globalen S\u00fcden m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig in den Globalen Norden verkauft werden sollten. Multinationale Unternehmen wurden in diesem Kontext einflussreicher und m\u00e4chtiger. Ruggie (2008: 3) schrieb hierzu in seinem Bericht an die UN-Generalversammlung:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eThe root cause of the business and human rights predicament today lies in the governance gaps created by globalization &#8211; between the scope and impact of economic forces and actors, and the capacity of societies to manage their adverse consequences. These governance gaps provide the permissive environment for wrongful acts by companies of all kinds without adequate sanctioning or reparation. How to narrow and ultimately bridge the gaps in relation to human rights is our fundamental challenge.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der mit den UNGP gew\u00e4hlte Ansatz blieb umstritten, auch unter Bef\u00fcrworter*innen verbindlicher Regelungen zu den Menschenrechtspflichten von Unternehmen. Kritisiert wurde unter anderem, die UNGP seien zu sehr durch ihren Entstehungskontext in einer stark neoliberal gepr\u00e4gten Phase beeinflusst (vgl. Karp 2023). Die Bestrebungen f\u00fcr einen verbindlichen v\u00f6lkerrechtlichen Vertrag wurden nach der Ver\u00f6ffentlichung der UNGP weiter betrieben, kamen aber bisher nicht \u00fcber Entw\u00fcrfe hinaus, die weder von den USA noch von den beteiligten EU-Staaten unterst\u00fctzt wurden (vgl. de Schutter 2016; Bernaz 2021).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Immer wieder pr\u00e4gten auch schwere Ungl\u00fccksf\u00e4lle und Skandale die Diskussionen \u00fcber Menschenrechtspflichten in Lieferketten, so der schwere Unfall 1984 in einer Chemiefabrik im indischen Bhopal (vgl. Broughton 2005) sowie der Staudammbruch von Brumadinho in Brasilien im Januar 2019, der zum Austritt giftiger Bergbauabf\u00e4lle aus einer stillgelegten Mine f\u00fchrte (vgl. Scheper\/Engelhardt 2024). Besonders pr\u00e4gend f\u00fcr die j\u00fcngeren Diskussionen \u00fcber Menschenrechte in Lieferketten war der Einsturz eines Geb\u00e4udes im April 2013, in dem in Rana Plaza (Bangladesh) mehrere Textilfabriken untergebracht waren. Hierbei kamen 1.130 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt (vgl. zu den Auswirkungen auf die internationalen Diskussionen Trebilcock 2020; Steen Knudsen\/Moon\/Shabnam Rahman 2025).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> Diese und zahlreiche weitere Vorf\u00e4lle machten deutlich, dass Unternehmen mit ihren Lieferketten Ursachen f\u00fcr gravierendste Menschenrechtsverletzungen setzen k\u00f6nnen, deren Verhinderung ad\u00e4quate pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen und Verantwortung weit \u00fcber das Unternehmen hinaus erfordert, in dem die Verletzung stattfindet.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a><\/p>\n<h4 class=\"\"><span id=\"22-kopplung-von-menschenrechtsschutz-und-anderen-nachhaltigkeitszielen\">2.2 Kopplung von Menschen&shy;rechts&shy;schutz und anderen Nachhal&shy;tig&shy;keits&shy;zielen<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Menschenrechtsverletzungen im Kontext globaler Lieferketten betreffen oft, aber l\u00e4ngst nicht nur jene Menschen, die f\u00fcr die beteiligten Unternehmen arbeiten. Unzul\u00e4ngliche Produktionsanlagen und Rohstoffabbau k\u00f6nnen auch die Gesundheit der Menschen in der Umgebung und die Umwelt erheblich belasten; Unf\u00e4lle k\u00f6nnen zu Toten und Verletzten in der Umgebung von Produktions- und Minenanlagen f\u00fchren. Veraltete Produktionsanlagen und lange Lieferketten sind zudem Faktoren, die in erheblichem Ma\u00dfe Treibhausgase emittieren und damit zum globalen Klimawandel beitragen. Daher liegt es nahe, dass die Initiativen f\u00fcr Menschenrechte in Lieferketten zunehmen mit Umwelt- und Klimaschutzzielen gekoppelt wurden (vgl. Zimpelmann\/ W\u00fclbers 2025; Schilling-Vacaflor\/Gustafsson 2024).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> Auch die Entwicklung sektor\u00fcbergreifender Strategischer Entwicklungsziele (<i>Sustainable Development Goals<\/i>, SDGs) legt diese Kopplung nahe.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Allerdings ist unter zivilgesellschaftlichen Akteur*innen umstritten, ob Initiativen f\u00fcr Menschenrechte in Lieferketten thematisch enger fokussiert oder breit aufgestellt sein sollten. Denn thematisch breit aufgestellte Unternehmenspflichten erh\u00f6hen die Zahl der beteiligten Akteur*innen und der von ihnen repr\u00e4sentierten Gegeninteressen und tragen daher zu einer kompromisshaften Ausgestaltung bei (vgl. Karp 2023). Dies zeigen nicht zuletzt die erheblichen Widerst\u00e4nde gegen verbindliche Regelungen in Deutschland und in der EU sowie die zahlreichen Kompromisse, die diesen Regelungen zugrunde liegen. Diese werden im folgenden Abschnitt behandelt.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"3-der-schwierige-weg-zu-verbindlicheren-regelungen-in-deutschland-und-der-europaeischen-union\">3. Der schwierige Weg zu verbind&shy;li&shy;cheren Regelungen in Deutschland und der Europ&auml;&shy;i&shy;schen Union<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Verabschiedung der UNGP im Jahr 2011 l\u00f6ste in vielen Staaten kontroverse Diskussionen dar\u00fcber aus, wie diese Prinzipien so umgesetzt werden k\u00f6nnen, dass sie trotz ihrer fehlenden Verbindlichkeit zu praktischen Verbesserungen f\u00fchren. In einigen Staaten \u2013 darunter Deutschland \u2013 f\u00fchrte diese Diskussion zu verbindlicheren Regelungen, die allerdings auch nach ihrer Verabschiedung umstritten blieben und schnell wieder relativiert wurden (3.1), ebenso in der EU (3.2).<\/p>\n<h4 class=\"\" align=\"justify\"><span id=\"31-verbindliche-umsetzung-auf-nationaler-ebene-das-deutsche-lieferkettensorgfaltspflichtengesetz\">3.1 Verbind&shy;liche Umsetzung auf nationaler Ebene: Das deutsche Liefer&shy;ket&shy;ten&shy;sorg&shy;falts&shy;pflich&shy;ten&shy;ge&shy;setz<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">In Deutschland l\u00f6ste die Verabschiedung der UN-Leitprinzipien umfangreiche zivilgesellschaftliche Initiativen aus. Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und Umweltverb\u00e4nde betonten die Chancen verbindlicher Vorgaben und setzten sich f\u00fcr gesetzliche Regelungen ein. Viele \u2013 allerdings nicht alle \u2013 Unternehmen und ihre Verb\u00e4nde machten Bedenken geltend. Sie favorisierten freiwillige Standards und argumentierten mit Wettbewerbsnachteilen gegen\u00fcber Konkurrenten aus anderen L\u00e4ndern, in denen solche Vorgaben nicht gelten, sowie mit aus ihrer Sicht unn\u00f6tigem b\u00fcrokratischem Aufwand (vgl. zu den Akteurskonstellationen: Weihrauch\/Carodenuto\/Leipold 2023: 914).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein zentraler Schritt f\u00fcr die Umsetzung der UN-Leitprinzipien sind Nationale Aktionspl\u00e4ne (NAP). In Deutschland erarbeiteten mehrere Bundesministerien ab 2014 unter Federf\u00fchrung des Ausw\u00e4rtigen Amtes einen solchen NAP f\u00fcr die Jahre 2016 bis 2020 und legten ihn im Dezember 2016 dem Bundeskabinett vor. Er sah unter anderem eine Pr\u00fcfung vor, inwieweit deutsche Unternehmen bis 2020 auf freiwilliger Basis Ma\u00dfnahmen einleiteten, um das Risiko von Menschenrechtsverletzungen in ihren globalen Lieferketten besser in den Blick zu nehmen (Bundesregierung 2017: 28; vgl. zum politischen Kontext Weihrauch\/Carodenuto\/Leipold 2023: 914f.). Das Ergebnis war ern\u00fcchternd: Weniger als ein F\u00fcnftel der betroffenen Unternehmen hatten bis dahin geeignete Ma\u00dfnahmen eingeleitet (Ernst &amp; Young et al. 2020: 9).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Jahr 2019 gr\u00fcndeten die auf dem Themenfeld organisierten zivilgesellschaftlichen Organisationen die Initiative Lieferkettengesetz,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a> um gemeinsam Strategien f\u00fcr die Durchsetzung verbindlicher Regelungen zu entwickeln. Nach dem erwartbaren Scheitern freiwilliger Selbstverpflichtungen bildete sich eine ungew\u00f6hnliche Durchsetzungskoalition f\u00fcr verbindliche Vorgaben: In der letzten Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel waren nun der damalige Bundesentwicklungsminister Gerd M\u00fcller (CSU) ebenso wie das von Hubertus Heil (SPD) gef\u00fchrte Bundesministerium f\u00fcr Arbeit und Soziales f\u00fcr verbindlichere gesetzliche Regelungen. Dies war die \u201eGeburtsstunde\u201c des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG), das 2021 noch von dieser Regierungsmehrheit beschlossen wurde (vgl. Weihrauch\/Carodenuto\/Leipold 2023: 917f.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das im Januar 2023 in Kraft getretene Gesetz enth\u00e4lt verbindliche Vorschriften f\u00fcr Sorgfaltspflichten, die gr\u00f6\u00dfere Unternehmen f\u00fcr ihre Lieferketten zu beachten haben. Zun\u00e4chst fielen Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland und mindestens 3.000 Besch\u00e4ftigten (in Deutschland oder aus Deutschland ins Ausland entsandt) in den Anwendungsbereich des Gesetzes; ab 2024 wurde die Mindestzahl an Mitarbeitenden auf 1.000 gesenkt. F\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung der Einhaltung dieser Regelungen wurde im s\u00e4chsischen Borna eine neue Abteilung des Bundesamts f\u00fcr Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingerichtet, das mit risikobasierten Pr\u00fcfungen beauftragt wurde (\u00a7 14 LkSG). Betroffene k\u00f6nnen Beschwerden beim BAFA einreichen. Nichtregierungsorganisationen unterst\u00fctzen seither Betroffene aus dem Globalen S\u00fcden.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> Die von den gesetzlichen Pflichten erfassten Unternehmen hatten regelm\u00e4\u00dfig Berichte zu erstellen und zu ver\u00f6ffentlichen (\u00a7 10 LkSG). Vollzogen wurden diese Pflichten allerdings nur in ersten Ans\u00e4tzen (vgl. zu den Gesetzesinhalten und ihren Auswirkungen Beile\/Vitols 2024). Bereits die \u201eAmpelkoalition\u201c aus SPD, Gr\u00fcnen und FDP (2021 bis 2025) verschob und relativierte die Pflichten. Im Wahlkampf f\u00fcr die vorgezogenen Bundestagswahlen im Februar 2025 versprach die CDU\/CSU, die das Gesetz 2021 ma\u00dfgeblich mit eingef\u00fchrt hatte, seine Abschaffung. Die Berichtspflichten f\u00fcr Unternehmen wurden faktisch ausgesetzt; die beh\u00f6rdliche und zivilgesellschaftliche Kontrolle wurde damit geschw\u00e4cht (vgl. zur Kritik: Hoffmann\/Aden\/Kinoo 2026). Vor dem Hintergrund dieser \u201ehalbherzigen\u201c Umsetzung verwundert es nicht, dass ein 2025 von zivilgesellschaftlichen Organisationen ver\u00f6ffentlichter Bericht konstatierte, es seien erste Erfolge, aber auch erhebliche Defizite bei der Umsetzung des Gesetzes festzustellen (Br\u00fcggemann 2025).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a><\/p>\n<h4 class=\"\" align=\"justify\"><span id=\"32-verbindliche-umsetzung-in-der-europaeischen-union-die-lieferkettenrichtlinie-und-ihre-verwaesserung\">3.2 Verbind&shy;liche Umsetzung in der Europ&auml;&shy;i&shy;schen Union: Die Liefer&shy;ket&shy;ten&shy;richt&shy;linie und ihre &bdquo;Verw&auml;s&shy;se&shy;rung&ldquo;<\/span><\/h4>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Ebenso wie das LkSG geht auch die EU-Lieferkettenrichtlinie (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD) auf die UNGP zur\u00fcck. Die UN-Leitprinzipien f\u00fchrten parallel in zahlreichen Staaten zu Diskussionen \u00fcber eine verbindliche Umsetzung, so in Frankreich und weiteren EU-Mitgliedstaaten (vgl. Schilling-Vacaflor\/ Gustafsson 2024). Daher lag es nahe, dass sich die Initiativen f\u00fcr verbindliche Regelungen schnell auf die EU-Ebene ausweiteten, auch im Hinblick auf einheitliche Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr Unternehmen aus verschiedenen EU-Staaten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In ihrer urspr\u00fcnglichen Fassung verpflichtete die CSDDD die Mitgliedstaaten, verbindliche Sorgfaltspflichten f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Unternehmen einzuf\u00fchren. Diese betrafen \u00e4hnliche Themen wie das LkSG, gingen aber unter einigen Aspekten dar\u00fcber hinaus, zum Beispiel hinsichtlich der zivilrechtlichen Haftung bei einer Verletzung der Sorgfaltspflichten (Art. 29 CSDDD). Die 2026 verabschiedeten \u00c4nderungen \u00fcberlassen den Mitgliedstaaten hier allerdings weitreichende Spielr\u00e4ume (vgl. Hoffmann\/Aden\/ Kinoo 2026).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die Verabschiedung der CSDDD f\u00fchrte indes auch in der EU nicht zu einem Ende der politischen Kontroversen. Noch vor Ablauf der Frist f\u00fcr die Umsetzung der Richtlinieninhalte in das mitgliedstaatliche Recht wurde die Debatte \u00fcber die Lieferketten-Sorgfaltspflichten wieder er\u00f6ffnet. Zwei Faktoren trugen dazu bei:<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\"><i>Debatten \u00fcber die globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Wirtschaft<\/i>. Hierzu hatte die Europ\u00e4ische Kommission Mario Draghi, den fr\u00fcheren Pr\u00e4sidenten der Europ\u00e4ischen Zentralbank, mit der Erstellung eines Berichts beauftragt, der im September 2024 vorgelegt wurde. Dieser forderte weitreichende Reformen des EU-Rechts, um die Wettbewerbschancen europ\u00e4ischer Unternehmen auf globalen M\u00e4rkten zu verbessern. Der Bericht empfahl eine h\u00f6here Priorisierung der Versorgung der EU mit Rohstoffen als Thema der \u201eWirtschaftsau\u00dfenpolitik\u201c (Draghi 2025: 57). Die Berichtspflichten, so Draghi (2025: 69) sollten um ein Viertel, f\u00fcr kleinere sowie f\u00fcr mittlere Unternehmen sogar um die H\u00e4lfte reduziert werden (vgl. zur Kritik Hoffmann\/Aden\/Kinoo 2026). Die Europ\u00e4ische Kommission konkretisierte diese Vorschl\u00e4ge in einer Serie umfangreicher Gesetzesvorschl\u00e4ge, die sie als \u201eOmnibus\u201c-Initiativen bezeichnete. F\u00fcr die Lieferkettenregulierung f\u00fchren die \u201eOmnibus\u201c-\u00c4nderungen, die im Februar 2026 als Richtlinie (EU) 2026\/470 verabschiedet wurden, zu einer starken Relativierung der urspr\u00fcnglichen Regelungsziele der CSDDD. Erw\u00e4hnt sei hier insbesondere die starke Beschr\u00e4nkung der Anzahl an Unternehmen, f\u00fcr die diese Regelungen \u00fcberhaupt gelten (ge\u00e4nderter Art. 2 Abs. 1; vgl. Hoffmann\/Aden\/Kinoo 2026).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\" align=\"justify\">Die ungew\u00f6hnliche \u00c4nderung einer EU-Richtlinie wurde bereits im laufenden Umsetzungsprozess <i>durch die ge\u00e4nderten Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Europ\u00e4ischen Parlament seit den Wahlen von 2024 erm\u00f6glicht<\/i>. Nicht nur die CSDDD-\u00c4nderungen zeigen eine gewachsene Bereitschaft der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP), ihre Anliegen gemeinsam mit den rechtsextremen Fraktionen im Parlament durchzusetzen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die CSDDD ist bereits in ihrer Grundkonzeption so angelegt, dass ihre Wirkung \u00fcber die EU hinausreicht. Bei dieser Form von <i>corpororate external accoutability <\/i>(Gustafsson et al., 2023; vgl. Hoffmann\/Aden\/Kinoo 2026) wird verantwortliches Handeln nicht nur von den erfassten Unternehmen innerhalb der EU erwartet, sondern auch von ihren Lieferanten weltweit. Insofern ist die Lieferkettenregulierung eine spezifische Variante dessen, was seit einigen Jahren als der \u201eBr\u00fcssel-Effekt\u201c (Bradford 2020) diskutiert wird: Die EU erl\u00e4sst Regeln auf Feldern wie Datenschutz, K\u00fcnstliche Intelligenz und hier zu den Menschenrechten in Lieferketten, die beanspruchen, auch f\u00fcr Firmen aus Drittstaaten verbindliche Wirkung zu entfalten, wenn sie Kund*innen oder Abnehmer*innen in der EU haben. Inwieweit ein solcher \u201eBr\u00fcssel-Effekt\u201c eintritt, h\u00e4ngt allerdings auch davon ab, wie stark die jeweiligen Firmen darauf angewiesen sind, ihre Produkte oder Dienstleistungen auch auf dem EU-Markt zu verkaufen. K\u00f6nnen sie ihre Produkte ebenso gut in andere Weltregionen verkaufen, in denen keine entsprechenden Regelungen gelten, so laufen die europ\u00e4ischen Vorschriften m\u00f6glicherweise ins Leere (vgl. Bastos Lima\/Schilling-Vacaflor 2024 am Beispiel brasilianischer Sojabohnen).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Mit den \u201eOmnibus\u201c-Initiativen und den damit verbundenen weniger weitreichenden und weniger ambitionierten Regelungsinstrumenten schw\u00e4cht die EU ihren weltweiten Einfluss. Ob dies am Ende Firmen aus der EU in ihrer Wettbewerbsposition st\u00e4rkt, ist zu hinterfragen. Denn die Bindung an hohe rechtliche Standards kann auch ein Qualit\u00e4tsausweis und damit ein Wettbewerbsvorteil gerade f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen sein, nicht nur auf den M\u00e4rkten innerhalb der EU. Mit Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Menschenrechte l\u00e4sst sich zwar nicht unmittelbar Geld verdienen \u2013 Firmen, die dies als Verpflichtung oder freiwillig tun, k\u00f6nnen damit aber durchaus Vorteile erzielen, von einem Reputationsgewinn bei (potentiellen) Kund*innen bis zur St\u00e4rkung solider Lieferbeziehungen und damit verl\u00e4sslicherer Lieferungen auch in Krisenzeiten.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"4-der-weite-weg-zu-einem-effektiven-menschenrechtsschutz-in-globalen-lieferketten\">4. Der weite Weg zu einem effektiven Menschen&shy;rechts&shy;schutz in globalen Liefer&shy;ketten<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die bisherigen Initiativen f\u00fcr den Schutz der Menschenrechte in Lieferketten auf der Basis der UN-Leitprinzipien UNGP zeigen, dass der Weg bis zu einem effektiven und umfassenden Menschenrechtsschutz in allen Lieferketten noch weit ist. Der folgende Abschnitt diskutiert einige zentrale Ursachen hierf\u00fcr.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein Ursachenb\u00fcndel f\u00fcr die Langsamkeit der Entwicklung liegt in der <i>St\u00e4rke von ablehnenden Interessengruppen<\/i>. Gegenl\u00e4ufige Interessen und das \u201eErbe\u201c kolonialistischer Herrschaftsstrukturen pr\u00e4gen die Weltwirtschaft und damit auch den Schutz von Menschenrechten in Lieferketten. Auf kurzfristige Gewinne ausgerichtete Unternehmen und sie unterst\u00fctzende Akteur*innen der politischen Systeme haben ein prim\u00e4res Interesse an kosteng\u00fcnstigen Lieferungen von Rohstoffen und Produkten aus dem Globalen S\u00fcden. Vorkehrungen f\u00fcr die Einhaltung von Menschenrechten, eine menschenw\u00fcrdige Bezahlung der Besch\u00e4ftigten und hohe Umweltschutz-Standards sind in dieser Perspektive st\u00f6rende Kostenfaktoren. Gerade die gro\u00dfen Unternehmen, die von der Lieferkettenregulierung erfasst werden, richten ihre Gesch\u00e4ftsstrategien oftmals eher auf kurzfristige Gewinne als auf die langfristige und nachhaltige Sicherung ihres Unternehmens aus. Die Dominanz gro\u00dfer Unternehmen bei der Abnahme von G\u00fctern aus dem Globalen S\u00fcden verursacht zudem strukturelle Machtasymmetrien in den Lieferbeziehungen.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote11sym\" name=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a> In dieser Perspektive f\u00fchrt das heutige System globaler Lieferketten Abh\u00e4ngigkeits- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, die teils auf die Zeit des Kolonialismus zur\u00fcckgehen, in abgewandelter Form fort. Existenzsichernde L\u00f6hne in den Ursprungsl\u00e4ndern von Rohstoffen und Produkten bleiben dabei ein zentrales Thema und oftmals ein nicht eingel\u00f6stes Versprechen. Der Klimawandel und die Anforderungen der sozial-\u00f6kologischen Transformation sind als Herausforderungen hinzugekommen (vgl. Zimpelmann\/W\u00fclbers 2025).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein weiteres Ursachenb\u00fcndel f\u00fcr die Langsamkeit der Entwicklung liegt in der <i>Fragmentierung der Schutzregelungen<\/i> f\u00fcr die Menschenrechte in Lieferketten. Ein umfassender Menschenrechtsschutz besteht aus zahlreichen Einzelaspekten: Neben Arbeitsbedingungen entlang globaler Lieferketten, die den Besch\u00e4ftigten zumindest ein menschenw\u00fcrdiges Leben erm\u00f6glichen, z\u00e4hlen hierzu insbesondere Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und auf die Umwelt. Neben der CSDDD gibt es in der EU (und in der Folge auch in Deutschland und den anderen EU-Staaten) Regelungen zu zahlreichen weiteren Themen mit Auswirkungen auf die Menschenrechte in Lieferketten, wie die Verordnung (EU) 2024\/3015 \u00fcber ein Verbot von in Zwangsarbeit hergestellten Produkten, die Verordnung (EU) 2024\/1252 zur sicheren und nachhaltigen Versorgung mit Rohstoffen und die ebenfalls stark umstrittene Verordnung (EU) 2023\/1115 gegen Entwaldung und Waldsch\u00e4digung. Die EU-Gesetzgebung ist nicht nur thematisch, sondern auch hinsichtlich der dahinterstehenden Akteur*innen und Interessen fragmentiert. Bei der Europ\u00e4ischen Kommission sind teils unterschiedliche Generaldirektionen zust\u00e4ndig, in den Mitgliedstaaten unterschiedliche Ministerien und in den Parlamenten verschiedene Aussch\u00fcsse. Je nach Themenfeld melden sich andere Interessengruppen mit Bedenken zu Wort. Initiativen f\u00fcr einen verbesserten Menschenrechtsschutz f\u00fcr einzelne Branchen, Lieferketten oder Unternehmen tragen ebenfalls zu dieser Fragmentierung bei. So gibt es beispielsweise Dialogstrukturen f\u00fcr Branchen und Vereinbarungen mit einzelnen Unternehmen (vgl. etwa BMAS 2022 zur Automobilindustrie; B\u00fcndnis Nachhaltige Textilien 2018 und Steen Knudsen\/Moon\/Shabnam Rahman 2025 zur Textilindustrie). Diese Fragmentierung ist einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass der Weg hin zu einem umfassenden Menschenrechtsschutz auf diesem Feld noch weit ist. Zugleich bietet die Fragmentierung allerdings auch Chancen, neue Instrumentarien zu erproben und exemplarisch f\u00fcr bestimmte Lieferketten, Branchen oder Unternehmen zu zeigen, dass mehr getan werden kann und sollte als in der Vergangenheit.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein drittes Ursachenb\u00fcndel f\u00fcr die Langsamkeit und Begrenztheit des Menschenrechtsschutzes in globalen Lieferketten geht darauf zur\u00fcck, dass <i>regulatorische Ans\u00e4tze nur die Wirtschaft<\/i><i>sbereiche<\/i><i> erfassen, die der jeweilige Staat auch beeinflussen kann<\/i>. Informelle \u00d6konomie in Form von \u201eSchwarzarbeit\u201c und anderen Varianten der Schattenwirtschaft sowie kriminellen Aktivit\u00e4ten gibt es auch im Globalen Norden. In manchen Staaten des Globalen S\u00fcdens ist der informelle Sektor deutlich gr\u00f6\u00dfer als der formelle \u2013 etwa in Indien.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote12sym\" name=\"sdendnote12anc\"><sup>xii<\/sup><\/a> Ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung geht weitgehend nicht regulierten, quasi-selbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeiten nach. Nationale und internationale Regelungen zu Menschenrechten, etwa das Verbot von Kinderarbeit, laufen hier weitgehend ins Leere (vgl. zur Ambivalenz im indischen Kontext: Bhattacharya\/Kesar 2020).<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"5-perspektiven-fuer-einen-besseren-menschenrechtsschutz-in-lieferketten-schlussfolgerungen-und-ausblick\">5. Perspek&shy;tiven f&uuml;r einen besseren Menschen&shy;rechts&shy;schutz in Liefer&shy;ket&shy;ten: Schluss&shy;fol&shy;ge&shy;rungen und Ausblick<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Zusammenschau der Faktoren, die einen verbesserten Menschenrechtsschutz in globalen Lieferketten erschweren, f\u00fchrt schlussfolgernd zur Frage, ob die bisherigen Initiativen nicht nur ein Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein sind und damit der \u00fcberwiegende Teil der Menschenrechtsdefizite unbearbeitet bleibt. Selbst wenn diese Vermutung wahrscheinlich zutrifft, liefert sie allerdings kein triftiges Argument gegen die bisherigen Initiativen. Vielmehr best\u00e4tigt dies, dass der Weg zu hohen Standards f\u00fcr den Menschenrechtsschutz in globalen Lieferketten weit ist und die Initiativen als Beitrag \u201ezum Bohren dicker Bretter\u201c angesehen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Wie lang der Weg ist, bleibt somit auch davon abh\u00e4ngig, welches politische Gewicht Bef\u00fcrworter*innen hoher Menschenrechtsstandards und ihre Argumente haben. Der weitere Auf- und Ausbau einer regelbasierten internationalen Ordnung mit einem weithin respektierten V\u00f6lkerrecht w\u00fcrde die Durchsetzung von Menschenrechten in globalen Lieferketten erleichtern. Insofern h\u00e4ngt auch auf diesem Themenfeld die weitere Entwicklung von gr\u00f6\u00dferen geopolitischen Trends ab. Selbst wenn allerdings k\u00fcnftig die europ\u00e4ischen und anderen Staaten, die eine regelbasierte internationale Ordnung bef\u00fcrworten, wieder an Gewicht und Einfluss gewinnen sollten, wird dies nicht automatisch zu hohen Menschenrechts-Schutzstandards in Lieferketten f\u00fchren. Denn diese setzen zus\u00e4tzlich ein Mindestma\u00df an Bereitschaft der ma\u00dfgeblichen Akteur*innen des Globalen Nordens voraus, Reichtum fair mit den Menschen im Globalen S\u00fcden zu teilen und sie zugleich wirksam vor den Auswirkungen des Klimawandels und anderen Risiken zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Hartmut Aden<\/strong> ist Jurist und Politikwissenschaftler. Er ist Professor f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht, Europarecht, Politik- und Verwaltungswissenschaft am Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin), stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts f\u00fcr \u00d6ffentliche und Private Sicherheit (F\u00d6PS Berlin) und Sprecher des HWR-Forschungskompetenzzentrums Challenges and Resilience of Global Supply and Value Chains. Seit 2014 geh\u00f6rt er der Redaktion der <b>vor<\/b>g\u00e4nge an. Webseite: <a href=\"http:\/\/www.hwr-berlin.de\/prof\/hartmut-aden\">www.hwr-berlin.de\/prof\/hartmut-aden<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.gsvc-research.org\/\">https:\/\/www.gsvc-research.org\/<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Bastos Lima, Mairon G.\/Schilling-Vacaflor, Almut<\/em> 2024: Supply chain divergence challenges a \u2018Brussels effect\u2019 from Europe\u2019s human rights and environmental due diligence laws, in: <em>Global Policy<\/em>, Jg. 15, S. 260\u2013275.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Beile, Judith\/Vitols, Katrin<\/em> 2024: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Einfluss und Auswirkungen von Mitbestimmung auf Due Diligence in der Lieferkette (= Working Paper Forschungsf\u00f6rderung Nr. 320, Hans-B\u00f6ckler-Stiftung), D\u00fcsseldorf; <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/283001\/1\/1880415577.pdf\">https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/283001\/1\/1880415577.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bernaz, Nadia<\/em> 2016: Business and Human Rights: History, Law and Policy &#8211; Bridging the Accountability Gap, London; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4324\/9781315626055\">https:\/\/doi.org\/10.4324\/9781315626055<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bernaz, Nadia<\/em> 2021: Conceptualizing Corporate Accountability in International Law: Models for a Business and Human Rights Treaty, in: <em>Human Rights Review<\/em>, Jg. 22, S. 45\u201364; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s12142-020-00606-w\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s12142-020-00606-w<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bhattacharya, Snehashish\/Kesar, Surbhi<\/em> 2020: Precarity and Development: Production and Labor Processes in the Informal Economy in India, in: <em>Review of Radical Political Economics<\/em>, Jg. 52, H. 3, S. 387\u2013408; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0486613419884150\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/0486613419884150<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>BMAS (Bundesministerium f\u00fcr Arbeit und Soziales)<\/em> 2022: Die Achtung der Menschenrechte entlang der globalen Liefer- und Wertsch\u00f6pfungsketten der deutschen Automobilindustrie: Handlungsanleitung zum Kernelement Grundsatzerkl\u00e4rung, Berlin; <a href=\"https:\/\/www.csr-in-deutschland.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/NAP\/Branchendialoge\/handlungsanleitung-grundsatzerklaerung.pdf;jsessionid=011F074F4A9795F47442DB29BC002FA8.delivery1-master?__blob=publicationFile\">https:\/\/www.csr-in-deutschland.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/NAP\/Branchendialoge\/handlungsanleitung-grundsatzerklaerung.pdf;jsessionid=011F074F4A9795F47442DB29BC002FA8.delivery1-master?__blob=publicationFile<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bradford, Anu<\/em> 2020: The Brussels Effect. How the European Union rules the World, Oxford.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Broughton, Edward<\/em> 2005: The Bhopal disaster and its aftermath: a review, in: <em>Environmental Health: A Global Access Science Source<\/em>, Jg. 4, H. 1; doi:10.1186\/1476-069X-4-6.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Br\u00fcggemann, Annabell<\/em> (unter Mitarbeit von Armin Paasch, Lisa Pitz, Maren Leifker, Miriam Saage-Maa\u00df und Viktoria Schmidt) 2025: Zwei Jahre Lieferkettengesetz: Ein Erfahrungsbericht (European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR); Brot f\u00fcr die Welt; Misereor), Berlin\/Aachen; <a href=\"https:\/\/www.ecchr.eu\/fileadmin\/Publikationen\/20250512_2JahreLkSG_FINAL.pdf\">https:\/\/www.ecchr.eu\/fileadmin\/Publikationen\/20250512_2JahreLkSG_FINAL.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bundesregierung<\/em> 2017: Nationaler Aktionsplan: Umsetzung der VN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte 2016\u20132020, Berlin; <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/297434\/8d6ab29982767d5a31d2e85464461565\/nap-wirtschaft-menschenrechte-data.pdf\">https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/297434\/8d6ab29982767d5a31d2e85464461565\/nap-wirtschaft-menschenrechte-data.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>B\u00fcndnis f\u00fcr nachhaltige Textilien<\/em> 2018: Ein effektives Monitoringsystem f\u00fcr die eigene Lieferkette aufsetzen: Sorgfaltspflichten verstehen und umsetzen, Bonn; <a href=\"https:\/\/textil-mode.de\/media\/documents\/BnT_Ein_effektives_Monitoring-System_f%C3%BCr_die_eigene_Lieferkette_aufsetzen_\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/textil-mode.de\/media\/documents\/BnT_Ein_effektives_Monitoring-System_f%C3%BCr_die_eigene_Lieferkette_aufsetzen_<\/a> 10-2018.pdf.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>De Schutter, Oliver<\/em> 2016: Towards a New Treaty on Business and Human Rights, in: <em>Business and Human Rights Journal<\/em>, Jg. 1, H. 1, S. 41-67; doi:10.1017\/bhj.2015.5.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Draghi, Mario<\/em> 2025: The future of European competitiveness. Part A: A competitiveness strategy for Europe (September 2024), Luxembourg; <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/topics\/competitiveness\/draghi-report_en\">https:\/\/commission.europa.eu\/topics\/competitiveness\/draghi-report_en<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>ECOSOC (United Nations Economic and Social Council)<\/em> 1974: The impact of transnational corporations on the development process and on international relations. (5 December 1974), E\/RES\/1913(LVII).<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ernst &amp; Young\/adelphi\/systain\/focus right<\/em> 2020: Abschlussbericht: Monitoring des Umsetzungsstandes der im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte 2016-2020 beschriebenen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Unternehmen, <a href=\"https:\/\/www.csr-in-deutschland.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/NAP\/nap-monitoring-abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile\">https:\/\/www.csr-in-deutschland.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/NAP\/nap-monitoring-abschlussbericht.pdf?__blob=publicationFile<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Gustafsson, Maria-Therese\/Schilling-Vacaflor, Almut\/Lenschow, Andrea<\/em> 2023: Foreign corporate accountability: The contested institutionalization of mandatory due diligence in France and Germany, in: <em>Regulation &amp; Governance<\/em>, Jg. 17, H. 4, S. 891\u2013908; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/rego.12498\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/rego.12498<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hoffmann, Jelena\/Aden, Hartmut\/Kinoo, Bhaviska<\/em> 2026: Reporting Obligations in Supply Chain Regulation: Tensions between Accountability, Transparency and Bureaucracy, in: <em>Proceedings of the EURAM 2026<\/em> (European Academy of Management) Conference;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/407296669_Reporting_Obligations_in_Supply_Chain_Regulation_Tensions_between_Accountability_Transparency_and_Bureaucracy\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/407296669_Reporting_Obligations_in_Supply_Chain_Regulation_Tensions_between_Accountability_Transparency_and_Bureaucracy<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>ILO (International Labour Organization)<\/em> 2024: Tripartite Declaration of Principles concerning Multinational Enterprises and Social Policy (MNE Declaration), <a href=\"https:\/\/www.ilo.org\/about-ilo\/organizational-structure-international-labour-office\/ilo-department-sustainable-enterprises-productivity-and-just-transition\/tripartite-declaration-principles-concerning-multinational-enterprises-and\">https:\/\/www.ilo.org\/about-ilo\/organizational-structure-international-labour-office\/ilo-department-sustainable-enterprises-productivity-and-just-transition\/tripartite-declaration-principles-concerning-multinational-enterprises-and<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>International Council on Human Rights Policy<\/em> 2002: Beyond Voluntarism. Human rights and the developing international legal obligations of companies, Versoix.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Karp, David Jason<\/em> 2023: Business and Human Rights in a Changing World Order: Beyond the Ethics of Disembedded Liberalism, in: <em>Business and Human Rights Journal<\/em>, Jg. 8, S. 135\u2013150; doi:10.1017\/bhj.2023.10.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Mares, Radu<\/em> 2008: The Dynamics of Corporate Social Responsibilities, Leiden\/Boston.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development)<\/em> 1976: Guidelines for Multinational Enterprises, Paris; <a href=\"https:\/\/jusmundi.com\/en\/document\/rule\/en-oecd-organisation-for-economic-co-operation-and-development-guidelines-for-multinational-enterprises-1976-oecd-guidelines-for-multinational-enterprises-1976-monday-21st-june-1976\">https:\/\/jusmundi.com\/en\/document\/rule\/en-oecd-organisation-for-economic-co-operation-and-development-guidelines-for-multinational-enterprises-1976-oecd-guidelines-for-multinational-enterprises-1976-monday-21st-june-1976<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development)<\/em> 2023: OECD Guidelines for Multinational Enterprises on Responsible Business Conduct, Paris; <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/content\/dam\/oecd\/en\/publications\/reports\/2023\/06\/oecd-guidelines-for-multinational-enterprises-on-responsible-business-conduct_a0b49990\/81f92357-en.pdf\">https:\/\/www.oecd.org\/content\/dam\/oecd\/en\/publications\/reports\/2023\/06\/oecd-guidelines-for-multinational-enterprises-on-responsible-business-conduct_a0b49990\/81f92357-en.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ruggie, John<\/em> 2008: Protect, Respect and Remedy: A Framework for Business and Human Rights: Report of the Special Representative of the Secretary-General on the issue of human rights and transnational corporations and other business enterprises (A\/HRC\/8\/5); <a href=\"https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/625292?v=pdf\">https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/625292?v=pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scheper, Christian\/Engelhardt, Anne<\/em> 2024: Neue Sorgfaltspflichtengesetze in Europa: Effektive Regulierung von Nachhaltigkeit und Menschenrechten in globalen Lieferketten? (Global Governance Spotlight, Nr. 1, Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF)), Bonn; <a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/300082\/1\/1894418417.pdf\">https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/300082\/1\/1894418417.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Schilling-Vacaflor, Almut\/Gustafsson, Maria-Therese <\/em>2024: Towards more sustainable global supply chains? Company compliance with new human rights and environmental due diligence laws, in: Environmental Politics, Jg. 33, H. 3, S. 422\u2013443; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/09644016.2023.2221983\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/09644016.2023.2221983<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Steen Knudsen, Jette\/Moon, Jeremy\/Shabnam Rahman, Sharmin<\/em> 2025: Worker voice initiatives in the post Rana Plaza Bangladesh garments industry: collective and individual approaches, in: Olsen, Tricia D.\/Schrempf-Stirling, Judith\/Van Buren III, Harry J. (Hrsg.): <em>A Research Agenda for Business and Human Rights<\/em>, Cheltenham, S. 37-55.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Trebilcock, Anne<\/em> 2020: The Rana Plaza disaster seven years on: Transnational experiments and perhaps a new treaty? In: <em>International Labour Review<\/em>, Jg. 159, H. 4, S. 545-568; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/ilr.12183\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/ilr.12183<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>UN (United Nations)<\/em> 2011: Guiding Principles on Business and Human Rights. Implementing the United Nations \u2018Protect, Respect and Remedy\u2019 Framework, Geneva.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Voiculescu, Aurora<\/em> 2011: Human rights and the normative ordering of global capitalism, in: Voiculescu, Aurora\/Yanacopulos, Helen (Hrsg.): <em>The Business of Human Rights. An Evolving Agenda for Corporate Responsibility<\/em>, London\/New York, S. 10-28.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Weihrauch David\/Carodenuto, Sophia\/Leipold, Sina<\/em> 2023: From voluntary to mandatory corporate accountability: The politics of the German Supply Chain Due Diligence Act, in: <em>Regulation &amp; Governance<\/em>, Jg. 17, H. 4, S. 909-926.<\/p>\n<p align=\"justify\">Woodroffe, Jessica 1999: Regulating Multinational Corporations in a World of Nation States, in: Addo, Michael K. (Hrsg.): <em>Human Rights Standards and the Responsibility of Transnational Corporations<\/em>, Den Haag, S. 131-142.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Zimpelmann Beate\/W\u00fclbers, Shazia<\/em> 2025: Unternehmen im Spannungsfeld internationalen Wettbewerbs und sozial-\u00f6kologischer Anforderungen, in: Zimpelmann Beate\/W\u00fclbers, Shazia\/Eichner, Tobias (Hrsg.): <em>Von Freiwilligkeit zur Verpflichtung. Sozial-\u00f6kologische Transformation in den Lieferketten der deutschen Industrie?<\/em> Wiesbaden, S. 207-221.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Von Deutschland ratifiziert durch Gesetz vom 23.11.1973, BGBl. 1973, II, S. 1569.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Deutschsprachige Fassung: <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/266624\/b51c16faf1b3424d7efa060e8aaa8130\/un-leitprinzipien-de-data.pdf\">https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/266624\/b51c16faf1b3424d7efa060e8aaa8130\/un-leitprinzipien-de-data.pdf<\/a>; englischsprachige Fassung: <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/publications\/guidingprinciplesbusinesshr_en.pdf\">https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/publications\/guidingprinciplesbusinesshr_en.pdf<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Siehe hierzu den Beitrag von Daniel Sch\u00f6nfelder in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Zum Fall Rana Plaza siehe auch den Beitrag von Gisela Burckhardt in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Zu dieser Kritik siehe auch den Beitrag von Maximilian Pichl in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Siehe hierzu auch den Beitrag von Roxana Zimmermann et al. in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a><a href=\"https:\/\/www.lieferkettengesetz.de\/\">https:\/\/www.lieferkettengesetz.de\/<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>F\u00fcr Beispiele siehe auch die Beitr\u00e4ge von Gisela Burckhardt und Steffen Vogel in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix <\/a>Zu diesem Befund siehe auch den Beitrag von Gisela Burckhardt in diesem Heft sowie f\u00fcr eine optimistischere Beurteilung den Beitrag von Daniel Sch\u00f6nfelder.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x <\/a>Zur Kritik an der \u00c4nderung des CSDDD siehe auch die Beitr\u00e4ge von Stefanie Lorenzen und Maximilian Pichl in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote11\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote11anc\" name=\"sdendnote11sym\">xi <\/a>Zu dieser Machtasymmetrie siehe auch den Beitrag von Petra D\u00fcnhaupt et al. in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote12\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote12anc\" name=\"sdendnote12sym\">xii <\/a>Zur Schattenwirtschaft in Indien und deren Rolle in globalen Lieferketten siehe auch den Beitrag von Petra D\u00fcnhaupt et al. in diesem Heft.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":20652,"template":"","categories":[37],"tags":[3188,663,4672,3836,4669,4671,4673,3211,667,4670],"autoren":[138],"publikationen":[4668],"class_list":["post-20651","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-europa-internationales","tag-eu","tag-europa","tag-globaler-sueden","tag-globalisierung","tag-lieferketten","tag-lksg","tag-sorgfaltspfrlichtgesetze","tag-soziale-menschenrechte","tag-vorgaenge-artikel","tag-wertschoepfungsketten","autoren-hartmut-aden","publikationen-vorg-254"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - 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