{"id":20689,"date":"2026-09-28T11:12:59","date_gmt":"2026-09-28T09:12:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20689"},"modified":"2026-09-28T11:12:59","modified_gmt":"2026-09-28T09:12:59","slug":"normalitaet-von-binnengrenzkontrollen-und-systemen-der-aussengrenzsteuerung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/normalitaet-von-binnengrenzkontrollen-und-systemen-der-aussengrenzsteuerung\/","title":{"rendered":"Normalit\u00e4t von Binnengrenzkontrollen und Systemen der Au\u00dfengrenzsteuerung"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"einleitung\">Einleitung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">2025 feierte der Schengenkodex 40-j\u00e4hriges Bestehen, nachdem dieser 2024 mit der Verordnung (EU) 2024\/1717 vom 13. Juni 2024 grundlegend aktualisiert worden war. Der Schengen-Raum, 1985 initiiert (Europ\u00e4ischer Rat\/Rat der Europ\u00e4ischen Union 2025), ist ein in EU-Recht festgelegter Raum oder ein Konzept, welches den freien Personenverkehr ohne systematische Kontrollen an den Binnengrenzen erm\u00f6glicht. Dies sollte zeitgen\u00f6ssisch ein Zeichen europ\u00e4ischer Integration sein. Bis heute versuchen zudem diverse L\u00e4nder, Teil dieser \u201eeurop\u00e4ischen Gemeinschaft\u201c zu werden. Erst im vergangenen Jahr wuchs diese \u201eGemeinschaft\u201c um Rum\u00e4nien und Bulgarien (Ceccoruli 2025). Neben der \u201einneren\u201c Grenzfreiheit besteht das Ideal einer gemeinschaftlich kontrollierten Au\u00dfengrenze der Europ\u00e4ischen Union (EU) und ihrer Partnerstaaten. Diverse Harmonisierungsversuche bez\u00fcglich der Einreise von Drittstaatsangeh\u00f6rigen,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a> zuletzt durch das neu eingef\u00fchrte elektronische Grenzsystem EES (Entry-\/Exit- System), bezeugen ein Interesse an kontrollierter Selektion, welche einheitlich geschehen soll. Neue Grenzkontrollen versuchen, Systeme zu vereinfachen \u2013 oft durch neue Technologien \u2013 und einen schnelleren Austausch zu f\u00f6rdern, was Migrationsbewegungen angeht.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">W\u00e4hrend die Idee eines grenzfreien \u201einternen\u201c Raumes in den 1980er Jahren Momentum erhielt und ihr ein erhebliches Potenzial f\u00fcr einen starken europ\u00e4ischen Zusammenhalt beigemessen wurde, ist sie in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich erodiert. Interne Grenzkontrollen sind der Alltag und zeugen von einer R\u00fcckbesinnung auf nationale Souver\u00e4nit\u00e4t. Gleichzeitig sind verst\u00e4rkte Anstrengungen f\u00fcr Au\u00dfengrenzkontrollen ein Zeichen f\u00fcr weitere Abschottung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Der vorliegende Beitrag skizziert die aktuelle europ\u00e4ische Grenzkontrollpraxis an den Binnengrenzen sowie Entwicklungen an den Au\u00dfengrenzen der EU, unter Ber\u00fccksichtigung der Begr\u00fcndung f\u00fcr solche Kontrollen. Hier spielen Sicherheit und die fr\u00fchzeitige Erkennung von Risiken, die politisch mobilisiert werden, eine besondere Rolle, um Kontrollen nicht nur zu legitimieren, sondern auch immer mehr auszuweiten. W\u00e4hrend an Binnengrenzen nationale Interessen gegen\u00fcber anderen Mitglied-staaten vertreten werden, sind Kontrollen an den Au\u00dfengrenzen vermehrt durch Kooperation und eine Systemvereinheitlichung gekennzeichnet. Beide Entwicklungen k\u00f6nnen durch das Konzept des \u201eBordering\u201c verstanden werden. Dieses zeigt auf, wie Binnengrenz- und Au\u00dfengrenzkontrollen nicht nur als souver\u00e4ne Handlungspraxis der Schengen-Mitgliedstaaten fungieren, welche strategische Zwecke haben, sondern dieser Art von Kontrolle auch symbolische Bedeutung beigemessen werden muss.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"rechtlicher-rahmen-von-binnengrenzkontrollen-und-der-aktualisierte-schengenkodex\">Rechtlicher Rahmen von Binnen&shy;grenz&shy;kon&shy;trollen und der aktua&shy;li&shy;sierte Schen&shy;gen&shy;kodex<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Mit dem neuen Schengener Grenzkodex oder auch Schengenkodex, der 2024 vom Rat der EU gebilligt wurde, geht die Diskussion um Binnengrenzkontrollen weiter. Kontrovers diskutiert wurden bisher besonders die Art der Grenzkontrollen sowie ihre Dauer, da diese die Idee des freien Personenverkehrs \u2013 eine der Haupterrungenschaften der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft \u2013 grunds\u00e4tzlich in Frage stellen. In einem Raum ohne Kontrollen an den Binnengrenzen sollen sich Menschen unabh\u00e4ngig von ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit frei und sicher zwischen den Mitgliedstaaten bewegen k\u00f6nnen \u2013 so der Anspruch. Das Verbot von Grenzkontrollen an den Binnengrenzen bedeutet jedoch nicht, dass die Mitgliedstaaten innerhalb ihres Hoheitsgebiets \u2013 auch in Grenzregionen \u2013 keinerlei Kontrollen durchf\u00fchren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Schengen-Raum sind systematische Grenzkontrollen an Binnengrenzen zwar grunds\u00e4tzlich abgeschafft. Staaten d\u00fcrfen sie jedoch tempor\u00e4r wieder einf\u00fchren, wenn eine \u201eernsthafte Bedrohung der \u00f6ffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit\u201c vorliegt (Schengenkodex Art. 22). Kontrollen an den Binnengrenzen, \u00fcber deren Wiedereinf\u00fchrung die Europ\u00e4ische Kommission, die EU-Mitgliedstaaten und das Europ\u00e4ische Parlament im Voraus informiert wurden, d\u00fcrfen grunds\u00e4tzlich h\u00f6chstens zwei Jahre aufrechterhalten werden (Art. 50). In besonders schwerwiegenden Ausnahmesituationen ist es jedoch m\u00f6glich, diese Ma\u00dfnahmen um jeweils sechs Monate zu verl\u00e4ngern. Insgesamt kann eine solche Verl\u00e4ngerung f\u00fcr einen zus\u00e4tzlichen Zeitraum von bis zu einem Jahr erfolgen (Europ\u00e4ischer Rat\/Rat der Europ\u00e4ischen Union 2024; Schengenkodex Art. 51). Interne Kontrollen sind somit nicht aufgehoben, sondern besonders im Schengenkodex verankert.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Zudem sind nicht-systematische Kontrollen erlaubt. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Ma\u00dfnahmen von Polizei- oder Gesundheitsbeh\u00f6rden, solange diese nicht die gleiche Wirkung wie systematische Grenzkontrollen haben. Kontrollen durch nationale Beh\u00f6rden gelten daher nicht als verbotene Grenzkontrollen, wenn sie nicht prim\u00e4r der \u00dcberwachung des Grenz\u00fcbertritts dienen. Stattdessen k\u00f6nnen sie auf allgemeinen polizeilichen Erkenntnissen, Erfahrungen oder Informationen zur \u00f6ffentlichen Gesundheit beruhen. Solche Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen etwa darauf abzielen, grenz\u00fcberschreitende Kriminalit\u00e4t zu bek\u00e4mpfen, \u201eillegale\u201c Migration einzud\u00e4mmen oder die Ausbreitung von Infektionskrankheiten mit epidemischem Potenzial zu verhindern. Zur Bek\u00e4mpfung sogenannter illegaler Migration und der durch den politischen Diskurs damit verbundenen grenz\u00fcberschreitenden Kriminalit\u00e4t \u2013 Menschenhandel, Schleusung von Migrant*innen oder Dokumentenf\u00e4lschung etc. \u2013 k\u00f6nnen die Mitgliedstaaten entsprechende Ma\u00dfnahmen ergreifen, bei denen Identit\u00e4t, Staatsangeh\u00f6rigkeit oder Aufenthaltsstatus von Personen \u00fcberpr\u00fcft werden (Art. 20). Voraussetzung ist jedoch, dass diese Kontrollen klar von systematischen Personenkontrollen an Grenzen unterscheidbar sind (Art. 18-21\/25f.\/33f.). Sie k\u00f6nnen an Verkehrsknotenpunkten wie H\u00e4fen, Bahnh\u00f6fen, Busbahnh\u00f6fen oder Flugh\u00e4fen, an G\u00fcterterminals oder direkt in Verkehrsmitteln durchgef\u00fchrt werden und m\u00fcssen auf einer Risikoanalyse beruhen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dar\u00fcber hinaus kann der Einsatz moderner Technologien zur \u00dcberwachung von Verkehrsstr\u00f6men, etwa auf Autobahnen oder anderen wichtigen Verkehrsachsen, zur Wahrung der \u00f6ffentlichen Ordnung und inneren Sicherheit beitragen. Das Verbot von Grenzkontrollen an den Binnengrenzen soll daher nicht so ausgelegt werden, dass es den Mitgliedstaaten die rechtm\u00e4\u00dfige Aus\u00fcbung polizeilicher oder anderer hoheitlicher Befugnisse in Grenzregionen verwehrt. Ob jedoch genau der Unterschied zwischen systematischen und nicht-systematischen Kontrollen in der allt\u00e4glichen Praxis sichtbar wird, bleibt fraglich; schlie\u00dflich sind die Angaben im Schengenkodex eher vage. Zudem zeigt sich, dass systematische Kontrollen einfach zu etablieren sind.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western  \" align=\"left\"><span id=\"legitimierung-und-dauer-von-binnengrenzkontrollen\">Legiti&shy;mie&shy;rung und Dauer von Binnen&shy;grenz&shy;kon&shy;trollen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Auf europ\u00e4ischer Ebene werden aktuell eingesetzte systematische Grenzkontrollen als Reaktion auf Unsicherheit konstruiert. Grenzkontrollen haben so den Zweck, Sicherheit und territoriale Integrit\u00e4t zu erhalten (Europ\u00e4isches Parlament 2024; 2025). Beispiele hierf\u00fcr sind die Wiedereinf\u00fchrung von Kontrollen w\u00e4hrend der Fluchtbewegungen im Jahr 2015, w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie ab 2020 oder auch anl\u00e4sslich besonderer Ereignisse wie der Olympischen Spiele in Frankreich oder der Fu\u00dfball-Europameisterschaft in Deutschland. Als \u201eletztes Mittel\u201c sind diese also mehr oder weniger dauerhaft seit 2015 aktiv (Europ\u00e4isches Parlament 2025) und wurden seitdem mehr als 400-mal genutzt (Pace 2025; Ceccorulli 2025).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Seit 2024 haben mehrere Staaten des Schengen-Raums wieder tempor\u00e4re Binnengrenzkontrollen eingef\u00fchrt oder bestehende Ma\u00dfnahmen verl\u00e4ngert. Besonders sichtbar ist dies in Deutschl<span style=\"color: #000000;\">and: Seit dem 16. September 2024 sind vor\u00fcbergehende Kontrollen grunds\u00e4tzlich an allen deutschen Landesgrenzen m\u00f6glich. Urspr\u00fcnglich waren diese bis zum 15. M\u00e4rz 2026 gedacht, eine Verl\u00e4ngerung um weitere sechs Monate wurde jedoch von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt angek\u00fcndigt (Tagesschau.<\/span><span style=\"color: #000000;\">de<\/span><span style=\"color: #000000;\"> 2026) und nun auch umgesetzt.<\/span> Als Begr\u00fcndung nennt die Bundesregierung ernsthafte Bedrohungen der \u00f6ffentlichen Sicherheit, insbesondere Risiken durch irregul\u00e4re Migration, Schleusungskriminalit\u00e4t, die Belastung des Asylsystems im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg sowie m\u00f6gliche Aktivit\u00e4ten terroristischer Gruppen, insbesondere im Kontext der Sicherheitslage in der arabischen Region (Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2024). Die Kontrollen betreffen die Landesgrenzen zu Frankreich, Luxemburg, Belgien, den Niederlanden, D\u00e4nemark, \u00d6sterreich, der Schweiz, Tschechien und Polen. Deutschland ist damit jedoch nicht allein. Auch D\u00e4nemark, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, \u00d6sterreich und Slowenien haben erneut Grenzkontrollen eingef\u00fchrt. In vielen dieser Staaten wurden die Ma\u00dfnahmen, welche 2024 in Kraft traten, bereits bis 2025 oder 2026 verl\u00e4ngert. Die Gr\u00fcnde sind \u00e4hnlich zu jenen in Deutschland. \u00d6sterreich gibt Risiken durch irregul\u00e4re Migration entlang der Balkanroute, die Belastungen des Asylsystems, den Krieg in der Ukraine sowie eine versch\u00e4rfte Sicherheitslage aufgrund terroristischer Bedrohungen in der arabischen Region als Gr\u00fcnde f\u00fcr die bis zum Sommer 2026 bestehenden Kontrollen an (Europ\u00e4ische Kommission o.D.). Betroffen sind die Grenzen zu Tschechien, Ungarn und Slowenien sowie die Landes- und Flussgrenzen zur Slowakei. In Polen bestanden zun\u00e4chst Grenzkontrollen vom 5. Oktober 2025 bis zum 4. April 2026, die inzwischen ebenso um sechs Monate verl\u00e4ngert wurden. Hintergrund ist ein anhaltender Migrationsdruck entlang der Grenzen zu Deutschland und Litauen sowie ein deutlicher Anstieg illegaler Grenz\u00fcbertritte auf polnischer Seite (Connolly\/Krupa 2025). Italien kontrolliert vom 19. Dezember 2025 bis zum 18. Juni 2026 die Grenze zu Slowenien. Als Gr\u00fcnde werden die Gefahr einer terroristischen Unterwanderung von Migrationsstr\u00f6men, die Krisen in Osteuropa und Arabien sowie erh\u00f6hte Sicherheitsanforderungen im Zusammenhang mit dem Weltjubil\u00e4um der katholischen Kirche und den Olympischen Winterspielen in Italien genannt (Europ\u00e4ische Kommission o.D.).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In den Jahren 2024 bis 2026 begr\u00fcnden die Mitgliedstaaten somit ihre Grenzkontrollen mit einer Kombination aus Migration, Sicherheitsrisiken und geopolitischen Krisen. Dazu z\u00e4hlen Migrationsbewegungen \u00fcber diverse Routen, die Schleusung von Migrant*innen, Menschenhandel sowie die Belastung der nationalen Asylsysteme durch den Ukraine-Krieg. Folglich mischen sich langfristige politische Konflikte, die als Kontrollgrund angebracht werden, mit kurzfristigen Ereignissen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die genannten Gr\u00fcnde, um die Grenzschlie\u00dfung und Kontrolle rechtlich zu legitimieren, sind entsprechend vielseitig und \u00fcberlappend. Sie sind aber vor allem strategisch zu verstehen. F\u00fcr den deutschen Kontext beispielsweise zeigen Lisa Herbig und Kolleg*innen (2025) anhand einer quantitativen Studie basierend auf Pressekonferenzen und Reden zwischen 2013 und 2023, dass politische Akteure \u2013 insbesondere Regierungen \u2013 Binnengrenzkontrollen strategisch als politisches Instrument einsetzen, das \u00fcber eine rein administrative Ma\u00dfnahme hinausgeht. Regierungen nutzen interne Grenzma\u00dfnahmen nicht nur als Reaktion auf objektive Ereignisse wie Migration oder Sicherheitsbedrohungen, sondern bewusst als kommunikative Strategien, um diese Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit und politischen Gegnern zu rechtfertigen und zu legitimieren (Wille 2025). Dabei bedienen sich Entscheidungstr\u00e4ger*innen mehrerer Strategien. Sicherheitsnarrative stellen Kontrollen als unverzichtbare Reaktion auf \u00e4u\u00dfere oder innere Bedrohungen dar. Solche Sicherheitsframes helfen, harte Ma\u00dfnahmen als notwendig erscheinen zu lassen. Zus\u00e4tzliche Wirksamkeitserwartungen dieser Kontrollen helfen zudem, Vertrauen in der Bev\u00f6lkerung zu st\u00e4rken und aktives Handeln zu zeigen (Herbig et al. 2025). Rechtliche Legitimierungsstrategien sind zudem gebr\u00e4uchlich, um die politische Akzeptanz von Kontrollen zu erh\u00f6hen, werden diese doch von diversen Akteuren weiterhin kritisch betrachtet. Der Europ\u00e4ische Rechnungshof (ERH) beispielsweise kritisierte die Europ\u00e4ische Kommission daf\u00fcr, keine Vertragsverletzungsverfahren bez\u00fcglich der langfristigen Grenzkontrollen, die bereits vor der Pandemie eingef\u00fchrt wurden, eingeleitet zu haben (Thaidigsmann 2022). Das Auditing f\u00fcr 2020 und 2021 ergab ebenfalls, dass in den 150 Antr\u00e4gen auf Grenzkontrollen nicht gen\u00fcgend Belege geliefert wurden, um eine Notwendigkeit dieser Kontrollen nachzuweisen. Zudem argumentieren Mitgliedstaaten mit einer mangelnden Solidarit\u00e4t anderer Mitgliedstaaten sowie deren \u201eInkompetenz\u201c, ihre Au\u00dfengrenzen gen\u00fcgend zu sichern, um entsprechende innere Kontrollen zu legitimieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Insgesamt zeigt sich, dass tempor\u00e4re Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums seit einigen Jahren deutlich h\u00e4ufiger eingesetzt werden. W\u00e4hrend sie urspr\u00fcnglich als kurzfristige Ausnahme vorgesehen waren, sind sie in mehreren Staaten inzwischen zu einem regelm\u00e4\u00dfig verl\u00e4ngerten Instrument der Sicherheits- und Migrationspolitik geworden. Besonders seit dem \u201eSommer der Migration\u201c 2015 scheinen Binnengrenzkontrollen daher eher eine Normalit\u00e4t als eine Ausnahme.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"technologisierte-kontrollen-der-eu-aussengrenzen\">Techno&shy;lo&shy;gi&shy;sierte Kontrollen der EU-Au&shy;&szlig;en&shy;grenzen<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">\u00c4hnliche Diskurse zeigen sich auch in der Regulierung der EU-Au\u00dfengrenzen. Mit der Einf\u00fchrung des elektronischen Grenzsystems EES im Jahr 2025 antwortet die Europ\u00e4ische Kommission auf das Bed\u00fcrfnis der Mitgliedstaaten, Nicht-EU-B\u00fcrger*innen umfassender digital zu erfassen. Es betrifft visumsbefreite und -pflichtige Drittstaatsangeh\u00f6rige, die durch ein automatisiertes IT-Ein- und -Ausreisesystem registriert werden. Der Schritt vom manuellen Stempeln von P\u00e4ssen hin zu biometrischer Registrierung von Fingerabdr\u00fccken und Gesichtern zielt auf ein weniger fehleranf\u00e4lliges System ab, in dem technologische Systeme irregul\u00e4re Migration weiterhin reduzieren oder verunm\u00f6glichen sollen (Trauttmansdorff\/Loschi 2025).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Auch hier spielen Sicherheit und Risikoabw\u00e4gung eine Rolle (Tagesschau.de 2025). Weitere Ziele sind die Bek\u00e4mpfung von Identit\u00e4tsbetrug und eine striktere \u00dcberwachung der Aufenthaltsdauer eingereister Personen. Die Ein- und Ausreise werden durch das EES automatisch aufgenommen und dadurch ein \u201eillegaler\u201c Aufenthalt oder \u201eOverstay\u201c verhindert. Gleichzeitig soll das EES zur Gefahrenabwehr und zu Strafverfolgungszwecken nutzbar gemacht werden.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a><\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"neue-grenzkontrollen-und-bordering\">&bdquo;Neue Grenz&shy;kon&shy;trollen&ldquo; und Bordering<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Das Konzept des Bordering beschreibt in der aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschung weit mehr als die physische Abgrenzung von Staatsterritorien. Dabei sind Grenzen kein rein lineares, geografisches Ph\u00e4nomen, das territoriale R\u00e4ume voneinander trennt (Houtum\/Naerssen 2002). Grenzen sind \u00f6rtliche Barrieren, aber auch komplexe soziale, politische und rechtliche Prozesse, die in Gesellschaften hineinwirken (Brambilla 2015).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> Sie werden dabei nicht nur von staatlicher Seite \u201egesetzt\u201c, sondern in Praktiken, Institutionen und Diskursen produziert, reproduziert und verhandelt (Borrelli 2021). Diese Prozesse werden unter dem Begriff <i>Bordering<\/i> gefasst, der sowohl physische Kontrollen als auch weitverzweigte gesellschaftliche Grenzpraktiken beschreibt. Diese umfassen eine Exklusion durch Grenzziehung sowie eine Selektion (Scott 2018) und Hierarchisierung von Personengruppen (Borrelli 2021), welche besonders bei selektiven Kontrollen an Binnengrenzen und der Registrierung Drittstaatsangeh\u00f6riger an Au\u00dfengrenzen sichtbar werden. Es entsteht ein Gef\u00e4lle zwischen erw\u00fcnschten und nicht erw\u00fcnschten Migrant*innen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine Analyse aktueller Grenzkontrollen und -regime durch Bordering-Prozesse erlaubt ein Verst\u00e4ndnis davon, wie Grenzen internalisiert werden. Grenzregime sind zunehmend in den Alltag, in soziale Institutionen und in administrative Prozesse integriert, wodurch Grenzen in Gesellschaften selbst wirksam werden. In diesem Verst\u00e4ndnis beeinflusst Bordering soziale Normen, politische Legitimation, rechtliche Verfahren und allt\u00e4gliche Interaktionen. Schaut man auf die Rechtfertigung von Binnengrenzkontrollen, ist genau diese Transgression sichtbar. Politisch motivierte Kontrollen werden mithilfe gesellschaftlicher \u00c4ngste legitimiert beziehungsweise schaffen \u00c4ngste, auf die dann weitere Ausweitungen von Kontrollen folgen. Es findet ein Spiel mit Unsicherheiten statt (Bigo 2002). Migration wird politisch und institutionell zunehmend als Sicherheitsproblem dargestellt, nicht prim\u00e4r als soziales oder humanit\u00e4res Thema. Dadurch wird sie mit Themen wie Kriminalit\u00e4t, Terrorismus und Grenzschutz verkn\u00fcpft. In diesem Diskurs verschwimmen die Grenzen zwischen innerer und \u00e4u\u00dferer Sicherheit. Eine immigrierende Person wird symbolisch zu einer Figur, die verschiedene Bedrohungen verk\u00f6rpert. Es geht nicht mehr nur um Grenzkontrollen an physischen Schnittstellen, sondern um praktische Mechanismen und Politiken innerhalb des Staatsgebietes, durch die Menschen anhand rechtlicher, sozialer oder \u00f6konomischer Kriterien klassifiziert, \u00fcberwacht und kontrolliert werden. Das umfasst Prozesse, durch die soziale Gruppen in Kategorien wie \u201elegal\/illegal\u201c oder \u201ew\u00fcrdige\/unw\u00fcrdige\u201c Migrant*innen eingeordnet werden. Diese Zuordnungen werden im rechtlichen und \u00f6ffentlichen Diskurs wie auch in allt\u00e4glichen Praktiken reproduziert und manifestieren sich als differenzierende Mechanismen, die soziale Inklusion und Exklusion stabilisieren.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die wiederholte Einf\u00fchrung tempor\u00e4rer Binnengrenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums und die gleichzeitige Einf\u00fchrung technologisierter Au\u00dfengrenzkontrollen wie das EES lassen sich als Ausdruck des umfassenden Prozesses des Bordering verstehen. W\u00e4hrend Binnengrenzkontrollen physisch an den Landesgrenzen stattfinden, sind sie zugleich rechtlich, politisch, sozial und symbolisch wirksam: Sie dienen nicht nur der \u00dcberwachung von Migration oder der Pr\u00e4vention krimineller Aktivit\u00e4ten, sondern markieren auch staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t, demonstrieren Handlungsf\u00e4higkeit und erzeugen eine narrative Legitimation mittels Sicherheits- und Gef\u00e4hrdungsszenarien. Jede Wiedereinf\u00fchrung tempor\u00e4rer Kontrollen signalisiert, dass Grenzen auch innerhalb des Schengen-Raums nicht neutral sind, sondern als instrumentelle und symbolische Kategorien funktionieren, die Mobilit\u00e4t regulieren, Zugeh\u00f6rigkeit definieren und Unsicherheit sozial verhandeln.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Parallel dazu erweitern moderne Technologien an den Au\u00dfengrenzen die Wirksamkeit von Grenzkontrollen, indem sie Bewegungen digital erfassen, Risiken klassifizieren und Informationen institutionalisieren. Das EES beispielsweise erfasst biometrische Daten von Nicht-EU-B\u00fcrger*innen und erm\u00f6glicht eine kontinuierliche \u00dcberwachung der Ein- und Ausreisen. Seine biometrische Registrierung von Fingerabdr\u00fccken und Gesichtsdaten erweitert die Kontrolle \u00fcber die Mobilit\u00e4t \u00fcber das physische Grenzgebiet hinaus und internalisiert Grenzen innerhalb der Institutionen sowie administrativen Routinen (Trauttmansdorff\/Loschi 2025; Tagesschau.de 2025). Dieses erweiterte Verst\u00e4ndnis von Bordering zeigt, dass Grenzpolitik heute nicht nur an den Staatsgrenzen stattfindet, sondern vielmehr in Institutionen, Rechtssystemen, allt\u00e4glichen Interaktionen und politischen Aushandlungen lebendig ist.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Bordering an Binnengrenzen schafft ein Gef\u00e4lle zwischen den EU-Mitgliedstaaten \u2013 eine Hierarchie von schw\u00e4cheren und st\u00e4rkeren Akteuren, die sich gegen Migration abschotten k\u00f6nnen. Verantwortlichkeiten werden ausgehandelt, Schuld (f\u00fcr zu schwache Kontrollen) und Kompetenzfragen wurden in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt diskutiert und genutzt, um bestimmte Praktiken an bestimmten Grenzen zu legitimieren. Gleichzeitig wird die gemeinsame Kontrolle der Au\u00dfengrenzen praktiziert, um sich geschlossen gegen Dritte zu stellen. Betroffene Migrant*innen sind jedoch weitestgehend Drittstaatsangeh\u00f6rige und somit die \u201eAnderen\u201c, die in das Visier der Kontrollen geraten.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"fazit\">Fazit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Zusammen betrachtet zeigen Binnengrenzkontrollen und technologische Au\u00dfengrenzkontrollen, dass Grenzen nicht nur geografische Linien sind, sondern als soziale Praktiken, administrative Routinen und politische Diskurse in den Alltag hineinwirken. Sie sind zentrale Instrumente des Bordering, weil sie physische Bewegungen, digitale Kontrolle, rechtliche Verfahren und symbolische Darstellungen von Sicherheit und Souver\u00e4nit\u00e4t miteinander verbinden und so den Schengen-Raum als kontinuierlich \u00fcberwachten und regulierten sozialen Raum gestalten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Beide Arten der Kontrolle bergen erhebliche menschenrechtliche Konsequenzen. Bez\u00fcglich der Binnengrenzkontrollen erstarken Bef\u00fcrchtungen, dass die Freiz\u00fcgigkeit weiter eingeschr\u00e4nkt wird und Praktiken wie Pushbacks oder racial profiling normalisiert werden (Danish Refugee Council 2025). Die vorgeschobenen Momente des \u201eAusnahmezustandes\u201c (vgl. auch Agamben 2004) werden zu einem neuen Alltag, in dem die dauerhafte Kontrolle gerechtfertigt wird. Zudem birgt die umfassende Datenerfassung und -vernetzung des EES Risiken f\u00fcr Datenschutz, Privatsph\u00e4re und andere Grundrechte (Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte 2025). Au\u00dfengrenzkontrollen schaffen weiterhin ein Gef\u00fchl von Abschottung gegen\u00fcber Gefahren von \u201eau\u00dferhalb\u201c, welche durch Monitoring und Aufzeichnungen mobiler Personen reduziert werden sollen. Was mit den Daten geschieht und wie diese Art von Kontrolle durch technische Infrastrukturen gepr\u00e4gt wird, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. Lisa Marie Borrelli,<\/strong> Jahrgang 1988, studierte Sozialwissenschaften mit Nebenfach Sozialpsychologie an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln und habilitierte in der Kulturanthropologie an der Universit\u00e4t Basel. Seit 2025 ist sie ordentliche Professorin am Institut f\u00fcr Soziale Arbeit der Fachhochschule und H\u00f6heren Fachschule HES-SO Siders.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Agamben, Giorgio<\/em> 2004: Ausnahmezustand, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bigo, Didier <\/em>2002: Security and Immigration: Toward a Critique of the Governmentality of Unease, in: <em>Alternatives<\/em>, Jg. 27, H. 1, S. 63-92.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Borrelli, Lisa Marie<\/em> 2021: The Border Inside \u2013 Organizational Socialization of Street-level Bureaucrats in the European Migration Regime, in: <em>Journal of Borderlands Studies<\/em>, Jg. 36, H. 4, S. 579\u2013598; DOI: 10.1080\/08865655.2019.1676815.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Brambilla, Chiara<\/em> 2015: Exploring the Critical Potential of the Borderscapes Concept, in: <em>Geopolitics<\/em>, Jg. 20, H. 1, S. 14-34; DOI: 10.1080\/14650045.2014.884561.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/em> 2024: Grenzkontrollen bei der Einreise nach Deutschland, in: <em>Dies.<\/em> vom 25.09.2024, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/552491\/grenzkontrollen-bei-der-einreise-nach-deutschland\/\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/552491\/grenzkontrollen-bei-der-einreise-nach-deutschland\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ceccorulli, Michela<\/em> 2025: Schengen bittersweet anniversary: EU integration and the persistence of internal border controls, in: <em>Journal of European Integration<\/em>, Jg. 47, H. 4, S. 621\u2013627; DOI: 10.1080\/ 07036337.2025.2491858.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Connolly, Kate\/Krupa, Jakub<\/em> 2025: Poland begins controls on borders with Germany and Lithuania, in: <em>The Guardian<\/em> vom 17.07.2025, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/jul\/07\/poland-begins-controls-on-borders-with-germany-and-lithuania\">https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2025\/jul\/07\/poland-begins-controls-on-borders-with-germany-and-lithuania<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Danish Refugee Council<\/em> 2025: Schengen Border Code reform threatens individual rights and freedom of movement, says new report by human rights NGOs, in: <em>Danish Refugee Council<\/em> vom: 05.02.2025, <a href=\"https:\/\/drc.ngo\/en\/news\/schengen-border-code-reform-threatens-individual-rights-and-freedom-of-movement-says-new-report-by-human-rights-ngos\/\">https:\/\/drc.ngo\/en\/news\/schengen-border-code-reform-threatens-individual-rights-and-freedom-of-movement-says-new-report-by-human-rights-ngos\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte <\/em>2025: EES: Einsatz an EU-Grenz\u00fcberg\u00e4ngen birgt grund- und menschenrechtliche Risiken, in: <em>Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte<\/em> vom: 13.10.2025, <a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/aktuelles\/detail\/ees-einsatz-an-eu-grenzuebergaengen-birgt-grund-und-menschenrechtliche-risiken\">https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/aktuelles\/detail\/ees-einsatz-an-eu-grenzuebergaengen-birgt-grund-und-menschenrechtliche-risiken<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Europ\u00e4ische Kommission<\/em> o.D.: Temporary Reintroduction of Border Control, in: <em>European Commission<\/em>, <a href=\"https:\/\/home-affairs.ec.europa.eu\/policies\/schengen\/schengen-area\/temporary-reintroduction-border-control_en\">https:\/\/home-affairs.ec.europa.eu\/policies\/schengen\/schengen-area\/temporary-reintroduction-border-control_en<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Europ\u00e4isches Parlament<\/em> 2024: MEPs give green light to a reformed Schengen Borders Code, in: <em>Europ\u00e4isches Parlament<\/em> vom 24.04.2024, <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20240419IPR20558\/meps-give-green-light-to-a-reformed-schengen-borders-code\">https:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20240419IPR20558\/meps-give-green-light-to-a-reformed-schengen-borders-code<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Europ\u00e4isches Parlament<\/em> 2025: Schengen: Europa ohne Grenzkontrollen, in: <em>Europ\u00e4isches Parlament<\/em> vom 28.05.2025, <em><a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/topics\/de\/article\/20190612STO54307\/schengen-europa-ohne-grenzkontrollen\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.europarl.europa.eu\/topics\/de\/article\/20190612STO54307\/schengen-europa-ohne-grenzkontrollen<\/a><\/em>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Europ\u00e4ischer Rat\/Rat der Europ\u00e4ischen Union <\/em>2025: Erl\u00e4uterungen zum Schengen-Raum, in: <em>Ders.<\/em> vom 16.06.2025, <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/schengen-area\/\">https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/schengen-area\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Europ\u00e4ischer Rat\/Rat der Europ\u00e4ischen Union<\/em> 2024: Schengen-Raum: Rat nimmt Aktualisierung des Schengener Grenzkodex an, in: Ders. vom 24.05.2024, <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/press\/press-releases\/2024\/05\/24\/schengen-area-council-adopts-update-of-schengen-borders-code\/\">https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/press\/press-releases\/2024\/05\/24\/schengen-area-council-adopts-update-of-schengen-borders-code\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Herbig, Lisa\/Eisele, Olga\/Gattermann, Katjana\/Kuhn, Theresa<\/em> 2025: Justifying European border policies: a quantitative content analysis of German government communication 2013-2023, in: <em>Journal of European Public Policy<\/em>, Jg. 33, S. 1\u201336; DOI: 10.1080\/13501763.2025.2599361.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Houtum, Henk Van\/Naerssen, Tom van<\/em> 2002: Bordering, Ordering and Othering, in: <em>Tijdschrift voor Economische en Sociale Geografie<\/em>, Jg. 93, H. 2, S. 125-136.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Pace, Michelle<\/em> 2025: Border controls in Europe undermine the Schengen Area and the EU itself, in: <em>Chatham House<\/em> vom 16.09.2025, <a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/2025\/09\/border-controls-europe-undermine-schengen-area-and-eu-itself.\">https:\/\/www.chathamhouse.org\/2025\/09\/border-controls-europe-undermine-schengen-area-and-eu-itself.<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Scott, James W.\/Brambilla, Chiara\/Celata, Filippo\/Coletti, Raffaella<\/em> 2018: Between crises and borders: Interventions on Mediterranean Neighbourhood and the salience of spatial imaginaries, in: <em>Political Geography<\/em>, Jg. 63, S. 174-184; DOI: 10.1016\/j.polgeo.2017.07.008.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Tagesschau.de<\/em> 2025: Start f\u00fcr das neue Ein- und Ausreisesystem der EU, in: <em>Dies.<\/em> vom 12.010.2025, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/eu-ein-ausreise-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/eu-ein-ausreise-100.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Tagesschau.de<\/em> 2026: Innenminister Dobrindt verl\u00e4ngert Grenzkontrollen, in: <em>Dies.<\/em> vom 16.02.2026, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/dobrindt-grenzkontrollen-110.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/dobrindt-grenzkontrollen-110.html<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Trauttmansdorff, Paul\/Loschi, Chiara<\/em> 2025. Interoperability and the multiple modes of ordering in Europe&#8217;s digital border regime, in: <em>International Migration<\/em>, Jg. 63, H. 3, S. 1-17. DOI: 10.1111\/imig. 70022.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Wille, Christian<\/em> 2025: Vom Schengen-Spirit zum Border-Spirit. Beobachtungen aus Sicht der Grenzforschung, in Brodowski, Dominik\/Dittel, Julia\/Weber, Florian (Hrsg.): <em>40 Jahre Schengener \u00dcbereinkommen. Europa und seine inneren Grenzen<\/em>, Baden-Baden, S. 149-175; DOI: 10.5771\/9783748960683-149.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Drittstaatsangeh\u00f6rige sind Reisende aus Nicht-Schengen-Mitgliedstaaten, die weder die Staatsangeh\u00f6rigkeit der Schweiz, eines Landes der EU noch die Staatsangeh\u00f6rigkeit Islands, Liechtensteins oder Norwegens besitzen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Siehe die Verordnung (EU) 2017\/2226 \u00fcber ein Einreise-\/Ausreisesystem zur Erfassung der Daten von Nicht-EU-B\u00fcrger*innen an den Au\u00dfengrenzen der EU und die Verordnung (EU) 2017\/2225 zur \u00c4nderung des Schengener Grenzkodex in Bezug auf die Nutzung des Einreise-\/Ausreisesystems.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Brambilla (2015) erweitert dieses Konzept durch den Begriff <i>Borderscapes<\/i> um drei Aspekte: den politisch-\u00e4sthetischen Nexus, Zeitaspekte von Grenzen und Borderscaping als politische Methode. F\u00fcr die Komplexit\u00e4t des Argumentes in diesem Beitrag ist jedoch der Begriff <i>Bordering<\/i> sinnvoll, da ich die Schaffung von Selektion, Ausgrenzung und Eingrenzung in den Vordergrund r\u00fccke.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[3004,37],"tags":[691,4706,3188,663,4214,4707,667],"autoren":[4076],"publikationen":[4668],"class_list":["post-20689","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-asylpolitik","category-europa-internationales","tag-asyl-migration","tag-bordering","tag-eu","tag-europa","tag-grenzkontrollen","tag-grenzregime","tag-vorgaenge-artikel","autoren-lisa-marie-borrelli","publikationen-vorg-254"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Normalit\u00e4t von Binnengrenzkontrollen und Systemen der Au\u00dfengrenzsteuerung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/normalitaet-von-binnengrenzkontrollen-und-systemen-der-aussengrenzsteuerung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Normalit\u00e4t von Binnengrenzkontrollen und Systemen der Au\u00dfengrenzsteuerung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Einleitung 2025 feierte der Schengenkodex 40-j\u00e4hriges Bestehen, nachdem dieser 2024 mit der Verordnung (EU) 2024\/1717 vom 13. 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