{"id":20691,"date":"2026-09-28T11:16:54","date_gmt":"2026-09-28T09:16:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20691"},"modified":"2026-09-28T11:16:54","modified_gmt":"2026-09-28T09:16:54","slug":"irans-seltene-chance-zur-inneren-neuvermessung-massenelend-radikalisierung-buergerkrieg-oder-stabilitaet-und-wohlstand-welche-perspektiven-wird-die-iranische-nachkriegsgesellschaft-haben","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/irans-seltene-chance-zur-inneren-neuvermessung-massenelend-radikalisierung-buergerkrieg-oder-stabilitaet-und-wohlstand-welche-perspektiven-wird-die-iranische-nachkriegsgesellschaft-haben\/","title":{"rendered":"Irans seltene Chance zur inneren Neuvermessung: Massenelend, Radikalisierung, B\u00fcrgerkrieg oder Stabilit\u00e4t und Wohlstand \u2013 welche Perspektiven wird die iranische Nachkriegsgesellschaft haben?"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der Waffenstillstand zwischen dem Iran auf der einen und Israel sowie den USA auf der anderen Seite beendet vorerst eine Phase der \u00dcberlagerung geopolitischer Eskalation und gesellschaftlicher Zerrei\u00dfproben. Seine eigentliche Bedeutung liegt nicht in der milit\u00e4rischen Pause, sondern in dem politischen M\u00f6glichkeitsraum, den sie er\u00f6ffnet. Kaum je seit der Revolution von 1979 stand die Islamische Republik vor einer vergleichbaren Konstellation: \u00e4u\u00dferer Druck, innere Ersch\u00f6pfung \u2013 und zugleich eine unerwartete innenpolitische Konsolidierung gepaart mit au\u00dfenpolitischer Bedeutungsaufwertung aufgrund der milit\u00e4rischen Patt-Situation und der Realisierung einer Kontrolle \u00fcber die Meeresstra\u00dfe von Hormus. Folgenreicher d\u00fcrften sogar die Ver\u00e4nderungen einer Gesellschaft sein, die \u00fcber Jahrzehnte gelernt hat, Hoffnung und Entt\u00e4uschung gleichzeitig zu tragen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Welche m\u00f6glichen Optionen bieten sich f\u00fcr die Fortentwicklung der iranischen Gesellschaft? Denn Millionen Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten entmutigt das Land verlassen und sich in Kanada, den USA oder europ\u00e4ischen L\u00e4ndern neue Existenzen aufgebaut. Eingewanderte aus dem Iran geh\u00f6ren in all diesen L\u00e4ndern zu denjenigen Gruppen mit den besten Erfolgsaussichten. Viele andere blieben jedoch im eigenen Land und zeigten ermutigende Innovativit\u00e4t trotz schwieriger Umst\u00e4nde im Aufbau von Unternehmen und sozialen Netzwerken. Heute finden sich im Iran moderne Unternehmen und Dienstleistungen. Technologien erneuerbarer Energien werden ebenso entwickelt wie gro\u00dfe westliche Firmen wie Amazon oder Ebay l\u00e4ngst ihre selbstgemachten iranischen \u00c4quivalente gefunden haben. Die Menschen im Iran schufen eine diversifizierte Zivilgesellschaft, die nun nach Monaten von Aufstandsversuchen, Repression, Bombardierung und nationalistischer Mobilisierung in einen neuen, gef\u00e4hrlichen Zustand eingetreten ist. Der Nachkriegsiran wird, wenn die Waffen weiterhin schweigen, ein Land extremer psychischer, sozialer und politischer Ersch\u00f6pfung sein. Darin liegt eine Unberechenbarkeit neuer Qualit\u00e4t, aber auch viel Potenzial.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"niederschlagung-der-proteste-im-januar\">Nieder&shy;schla&shy;gung der Proteste im Januar<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Schon vor dem Krieg war die Distanz zwischen Gesellschaft und politischer Herrschaft enorm. \u00dcber Jahrzehnte haben Iraner Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt und auf Kurskorrekturen gehofft \u2013 und immer wieder erleben m\u00fcssen, dass die entscheidenden Weichen anderswo gestellt wurden: in den Machtzentren des Systems, bei den Revolutionsgarden, im Sicherheitsapparat und im B\u00fcro des Obersten F\u00fchrers. Auch hat der Westen in immer neuen Runden von Sanktionen gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen torpediert. Bei Wahlk\u00e4mpfen gehen im Iran Zehntausende auf die Stra\u00dfe, um f\u00fcr diese oder jene Seite zu demonstrieren. Politisch hat die permanente Ausnahmesituation eine Kultur des Misstrauens erzeugt, psychologisch eine kollektive M\u00fcdigkeit. Viele betrachten ihren Staat und den Westen l\u00e4ngst nicht mehr durch die diskreditierte Linse offizieller Bewertung, sondern durch die Erfahrung wiederholter entt\u00e4uschter Erwartungen. Das ist vielleicht die tiefste Struktur der iranischen Gegenwart: ein Land, in dem Wahlakte m\u00f6glich sind, ohne dass daraus zuverl\u00e4ssig politische Wirksamkeit folgt; ein Land, dessen Politik Verhandlungen f\u00fchrt, ohne dass Sanktionen aufgehoben werden und sich das Leben der Menschen bessert \u2013 Sanktionen, aufgrund eines angeblichen Atomwaffenprogramms, f\u00fcr dessen Existenz seit Jahrzehnten keine belastbaren Beweise vorgelegt wurden. Dieses sollte durch den international vermittelten JCPOA-Vertrag eingehegt werden, der 2018 durch die USA einseitig aufgek\u00fcndigt wurde. Im Juni 2025 folgte schlie\u00dflich der israelisch-iranische Zw\u00f6lf-Tage-Krieg, der mit der US-amerikanischen Aussage, das iranische Atomprogramm sei zerst\u00f6rt, beendet wurde.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Seit 2018 haben Sanktionen und Inflation das Land in eine schleichende soziale Krise gef\u00fchrt. Ersparnisse wurden aufgezehrt, Arbeitspl\u00e4tze gingen verloren, ganze Branchen litten unter dem Mangel an Ersatzteilen, Rohstoffen, Medikamenten und Importg\u00fctern. Die wirtschaftliche Erosion traf nicht nur die urbanen Mittelschichten, sondern auch jene Gruppen, die traditionell als politisches Fr\u00fchwarnsystem gelten: den Basarhandel. Als jene zu Beginn dieses Jahres auf die Stra\u00dfe gingen, war das weniger ein spontaner Protest als vielmehr ein strukturelles Signal.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die rapide eskalierten Proteste im Januar 2026 hatten soziale und \u00f6konomische Ursachen, wie es mittels der Sanktionen beabsichtigt wurde. Bemerkenswert war, dass zun\u00e4chst Basarh\u00e4ndler demonstrierten, nicht nur die liberalen, st\u00e4dtischen Milieus. Ihnen folgten Teile jener kleinen Mittelschicht, die einst von der Verteilung der \u00d6leinnahmen lebte und sich durch die galoppierende Inflation \u00f6konomisch ruiniert sah. Es drohte der Verlust der sozialen Basis einer Regierung, die in der Islamischen Revolution von 1979 die Verbesserung der Lebensbedingungen \u2013 gerade der arbeitenden Schichten und kleinen Handelsfamilien \u2013 versprochen hatte. Die Proteste entwickelten eine Dynamik, die rasch \u00fcber \u00f6konomische Forderungen hinausging. In der folgenden Eskalation vermischten sich soziale Unzufriedenheit, politische Kritik und externe Einflussnahme. Berichte \u00fcber ausl\u00e4ndische Waffenlieferungen an Aufst\u00e4ndische und den Einsatz von Kommunikationsinfrastruktur wie Starlink zu ihrer Koordinierung wurden im iranischen Diskurs zu einem zentralen Deutungsmuster. Die Regierung schob die eskalierende Militanz auf Gewaltt\u00e4ter, die vom Ausland aus mit Waffen versorgt und per Satellitenkommunikation gesteuert worden seien. In der Tat wurde Anfang Februar ein niederl\u00e4ndischer Diplomat (genannt wird der Name Andr\u00e9 van Wiggen) am Imam-Khomeini-Flughafen Teheran mit drei im Iran verbotenen Starlink-Modems und sieben Telefonen aufgegriffen. Ob und in welchem Umfang solche Faktoren tats\u00e4chlich eine Rolle spielten, ist schwer zu verifizieren; entscheidend ist jedoch ihre diskursive Wirkung: Die Proteste wurden nicht mehr als rein innergesellschaftliches Ph\u00e4nomen, sondern als Teil einer geopolitischen Auseinandersetzung dargestellt. Das Ergebnis war eine Eskalation, die tausende Tote auf Seiten der Protestierenden und hunderte unter Sicherheitskr\u00e4ften forderte. Zur\u00fcck blieb eine Gesellschaft, deren bereits vorhandenes Misstrauen, Angst und wachsende Polarisierung sich noch einmal gesteigert hatte und eine Regierung, die sich auf dem Tiefpunkt des internationalen Ansehens befand. In diesem Kontext der Opfer solcher niedergeschlagenen Proteste ist daran zu erinnern, dass eine Eskalation sozialer Unzufriedenheit als Ziel der Wirtschaftssanktionen von vornherein konkret in Kauf genommen worden war und dass US-Pr\u00e4sident Trump am 5. April gegen\u00fcber Fox News behauptet hatte, dass der CIA Waffen w\u00e4hrend der Demonstrationen an kurdische Freisch\u00e4rler verteilt habe, die historisch in Spannung zur Teheraner Zentralregierung stehen. Diese wiesen die Aussage zwar zur\u00fcck, doch es bestehen Parallelen zum syrischen B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die iranische Regierung und ihr Rechts- und Sicherheitsapparat, die seit Jahren innen- und au\u00dfenpolitisch in der Kritik stehen \u2013 aufgrund des Vorwurfs von Verhaftungen, Willk\u00fcrurteilen, \u00dcbergriffen auf Frauen, Hinrichtungen von politischen Gegnern und Entf\u00fchrungen, der Unterst\u00fctzung internationalen Terrorismus\u2019 \u2013 , wurde im Januar konfrontiert mit einer m\u00f6glicherweise von au\u00dfen inspirierten Versch\u00e4rfung der politischen und sozialen Lage, die zudem angeblich mit Kommunikationsmitteln und Waffen erg\u00e4nzt wurde. Im Gegenzug heuerte die Regierung offenbar Freisch\u00e4rler aus dem arabisch dominierten S\u00fcdwesten oder irakischen Ausland an, die als Freikorps und Milizen gegen die Demonstrierenden vorgingen und angeblich auch noch vor Ort sind. Dies ist von au\u00dfen nicht zu best\u00e4tigen oder zu widerlegen und vor allem nicht zu bagatellisieren, doch bedarf eine Analyse des n\u00fcchternen Blicks auf die Fakten. Im Westen wurde die Stimmung des Landes zuletzt auf die urbane, westlich h\u00f6rbare Opposition reduziert. Der Iran ist jedoch eine vielschichtige Gesellschaft von mehr als 90 Millionen Menschen, nicht blo\u00df die Stimme der Intelligenzija in Teheran. Selbst wenn bedeutende Teile der Gesellschaft einen Wandel w\u00fcnschen, folgt daraus keineswegs, dass ein von au\u00dfen erzwungener Regimewechsel allgemein als Befreiung erlebt w\u00fcrde. Bombardements aus der Luft erzeugen keine neue Ordnung; sie k\u00f6nnten vielmehr B\u00fcrgerkrieg, Zersplitterung und langanhaltende Gewalt hervorbringen \u2013 wie einst im Irak. Dass der Westen dies in Kauf nehmen w\u00fcrde, l\u00e4sst sich an Libyen, Irak, Afghanistan und Syrien erkennen. Auch deshalb erzeugten sie eine unerwartete Reaktion der Solidarisierung breiter Teile der Bev\u00f6lkerung mit der Regierung, gegen die wenige Wochen zuvor noch demonstriert und gek\u00e4mpft worden war.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"ein-historischer-exkurs-ohne-gleichsetzung\">Ein histo&shy;ri&shy;scher Exkurs ohne Gleich&shy;set&shy;zung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die Unerbittlichkeit der Regierung gegen Menschen, die sie kritisieren oder bek\u00e4mpfen, ist seit langem bekannt und wird im Iran selbst kontrovers diskutiert. Die Ereignisse im Januar sowie die beiden Angriffskriege im Juni 2025 und Ende Februar 2026 w\u00e4hrend laufender diplomatischer Verhandlungen sowie die menschenverachtende Rhetorik US-amerikanischer und israelischer Spitzenpolitiker und die erfolgten Kollateralsch\u00e4den (unter anderem auf die Grundschule von Minab mit 168 get\u00f6teten Kindern und Lehrkr\u00e4ften) sowie beabsichtigten Angriffe auf die zivile Infrastruktur haben einen bedeutenden Wandel in der \u00f6ffentlichen Meinung verursacht. An diesem Punkt lohnt ein historischer Vergleich, nicht um Gleichheit zu behaupten, sondern um Strukturen verst\u00e4ndlich zu machen. Die Demonstrationen des Herbstes 1989 in Leipzig und anderen St\u00e4dten der DDR gelten heute als Paradebeispiel f\u00fcr gewaltfreien politischen Wandel. Doch man kann argumentieren, dass ihr Verlauf ein anderer gewesen w\u00e4re, wenn externe Akteure \u2013 etwa ausl\u00e4ndische Geheimdienste \u2013 Waffen und moderne Kommunikation an Teile der Opposition oder angeworbene Akteure geliefert h\u00e4tten, mit denen nachfolgend \u00fcber 300 Volkspolizisten get\u00f6tet oder verletzt worden w\u00e4ren. Dann w\u00e4re aus einer friedlichen Massenbewegung rasch eine bewaffnete Konfrontation mit einer hochnerv\u00f6sen politischen F\u00fchrung geworden. Die Reaktion des Staates w\u00e4re entsprechend ausgefallen: Stasi, Betriebskampfgruppen und Grenztruppen h\u00e4tten die Proteste vermutlich niedergeschlagen, begleitet von Kommunikationssperren und massiver Repression. Als Ultima Ratio w\u00e4re m\u00f6glicherweise auf das Wachregiment Feliks Dzierzynski und herangef\u00fchrte Securitate-Einheiten des rum\u00e4nischen Bruderdienstes zur\u00fcckgegriffen worden (Gorbatschow hatte die Rote Armee zur\u00fcckgehalten). Der Vergleich verdeutlicht, wie verwundbar anwachsende Protestkulturen auf Militarisierung reagieren \u2013 und wie schnell sie ihre politische Qualit\u00e4t verlieren k\u00f6nnen. Er rechtfertigt keinen \u00dcbergriff und keinen Anschlag auf Leben und Gesundheit von Demonstranten oder Regierungseinheiten.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"die-iranische-zivilgesellschaft-waehrend-des-krieges-seit-dem-28-februar\">Die iranische Zivil&shy;ge&shy;sell&shy;schaft w&auml;hrend des Krieges seit dem 28. Februar<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Im Iran f\u00fchrte die Eskalation der Unruhen zu einer Vertiefung der bereits seit Jahren bestehenden gesellschaftlichen Spaltung. Wenige Wochen nach den Ausschreitungen setzte am 28. Februar der milit\u00e4rische Angriff Israels und der USA ein. Ausgerechnet dieser wirkte wie ein Katalysator f\u00fcr die innere Reorganisation. Selbst viele regierungskritische Gruppen waren nicht bereit, die Zerst\u00f6rung ihres Landes hinzunehmen, zumal dies unprovoziert und abermals w\u00e4hrend laufender Verhandlungen erfolgte. Die USA, von vielen Menschen im Iran lange als Hoffnungsmacht verstanden und bevorzugtes Ausreiseziel, haben sich in den Augen auch iranischer Regierungskritik politisch erheblich diskreditiert. Infrastruktur, Lebensgrundlagen und pers\u00f6nliche Zukunftsperspektiven der Menschen im Iran standen auf dem Spiel. Der typische \u201eRally around the flag\u201c-Effekt trat ein: Die Gesellschaft r\u00fcckte zusammen, nicht aus ideologischer \u00dcberzeugung, sondern existenzieller Notwendigkeit. Die Unruhen des Januars traten in den Hintergrund, \u00fcberlagert von der \u00e4u\u00dferen Bedrohung.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Diese Dynamik ist historisch nicht neu. Im Zweiten Weltkrieg verfolgten die Alliierten mit ihren Fl\u00e4chenbombardements gezielt die Strategie des \u201emorale bombing\u201c. Die Zerst\u00f6rung deutscher St\u00e4dte sollte die Zivilbev\u00f6lkerung gegen das NS-Regime aufbringen und dessen Zusammenbruch beschleunigen. Das Gegenteil trat ein. Unter dem Eindruck totaler Zerst\u00f6rung, massiver Verluste und existenzieller Bedrohung r\u00fcckte ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung enger an das Regime heran. In einer zerst\u00f6rten Lebenswelt, ohne funktionierende Strukturen und unter permanenter Bedrohung, erschien Loyalit\u00e4t als einziger verbleibender Handlungsrahmen. Die Bombardierungen st\u00e4rkten paradoxerweise genau jene Herrschaft, die sie unterminieren sollten.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein vergleichbares Muster l\u00e4sst sich auch in anderen Konflikten beobachten. In Israel etwa war die innenpolitische Lage vor dem 7. Oktober 2023 und danach von erheblichen Spannungen gepr\u00e4gt. Die Politik Benjamin Netanyahus, insbesondere im Zusammenhang mit Korruptionsvorw\u00fcrfen und der Ausweitung der Siedlerbewegung, hatte zu massiven Protesten linker Gruppen und der Friedensbewegung gef\u00fchrt. Gegen ihn selbst wurde wegen Korruption ermittelt, ein Amtsenthebungsverfahren stand im Raum. Milit\u00e4rische Operationen im Gazastreifen wurden kontrovers diskutiert. Doch unter dem Druck \u00e4u\u00dferer Angriffe verstummten auch hier viele kritischen Stimmen. Sicherheitsbedrohungen erzeugen einen Zustand, in dem gesellschaftliche Konflikte zur\u00fcckgestellt werden \u2013 zugunsten eines kollektiven \u00dcberlebensinteresses.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"zivilisatorischer-ausnahmezustand-und-gesellschaftliche-reaktion\">Zivili&shy;sa&shy;to&shy;ri&shy;scher Ausnah&shy;me&shy;zu&shy;stand und gesell&shy;schaft&shy;liche Reaktion<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Wie dramatisch die Situation zuletzt h\u00e4tte eskalieren k\u00f6nnen, zeigen die Angriffspl\u00e4ne, die unmittelbar vor dem Waffenstillstand \u00f6ffentlich diskutiert wurden. Israel k\u00fcndigte Angriffe auf Eisenbahnen an, Trump sprach von der Zerst\u00f6rung von Br\u00fccken und Kraftwerken. Was sich wie milit\u00e4rische Zielplanung liest, w\u00e4re in der Realit\u00e4t die Herstellung eines zivilisatorischen Ausnahmezustands gewesen. Eine nach UN-Definition f\u00fcr Siedlungsgebiete mit mehr als 10 Millionen Ortsans\u00e4ssigen Megacity zu nennende Stadt wie Teheran in einem permanent erdbebengef\u00e4hrdeten Gebiet ohne Schutzr\u00e4ume, Warnsirenen, Strom, funktionierende Verkehrswege und Versorgungssysteme kollabiert: ebenso Krankenh\u00e4user, Energie, Apotheken, Nachschub, Lebensmittelm\u00e4rkte, K\u00fchlung und Kommunikationsnetze. Br\u00e4nde sind nicht mehr l\u00f6schbar, versch\u00fcttete Stra\u00dfen nicht freizur\u00e4umen, Tote und Verletzte nicht zu bergen. Dann w\u00e4ren Raub, Gewalt, Vergewaltigungen, Mord und Pl\u00fcnderungen nicht Randerscheinungen, sondern binnen k\u00fcrzester Zeit strukturelle Folgen gewesen. Steigende Temperaturen erzeugen Seuchengefahr. Fl\u00fcchtende, die ihr Verm\u00f6gen angesichts der Inflation oft in Schmuck und Gold gespeichert haben, w\u00e4ren zu leichten Opfern geworden. Hochnerv\u00f6se Sicherheitskr\u00e4fte, bewaffnete Banden und Paramilit\u00e4rs h\u00e4tten jederzeit Willk\u00fcr \u00fcben k\u00f6nnen. Binnen Stunden w\u00e4ren Zust\u00e4nde entstanden, die eher an vorstaatliche Gewaltordnungen erinnern als an moderne Gesellschaften \u2013 und das ohne den Einsatz einer einzigen Massenvernichtungswaffe. Diese Aussicht auf massive soziale Verheerungen rief unvorhergesehene zivilgesellschaftliche Schutzaktionen hervor. Trotz offizieller Warnungen des Teheraner Pr\u00e4sidialamtes versammelten sich Menschen an Br\u00fccken und Kraftwerken, um sie mit ihren K\u00f6rpern zu sch\u00fctzen. Diese Form kollektiver Selbstgef\u00e4hrdung verweist auf eine gesellschaftliche Mobilisierung. Vor allem das Volk kann sich nun als Sieger empfinden. Denn es l\u00e4sst sich argumentieren, dass Bilder tausender get\u00f6teter Menschen aus der Zivilbev\u00f6lkerung an zivilen Orten f\u00fcr die USA politisch schwer vermittelbar gewesen w\u00e4ren. W\u00e4hrend Israel nach den Erfahrungen in Gaza eine andere Toleranzschwelle f\u00fcr \u201eKollateralsch\u00e4den\u201d unter der Zivilbev\u00f6lkerung entwickelt haben mag, w\u00e4re eine solche Eskalation f\u00fcr Washington vermutlich ein zu hohes Risiko gewesen. In diesem Sinne k\u00f6nnte die gesellschaftliche Reaktion im Iran selbst zur Deeskalation beigetragen haben.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"aussenpolitische-folgen-des-waffenstillstands\">Au&szlig;en&shy;po&shy;li&shy;ti&shy;sche Folgen des Waffen&shy;still&shy;stands<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Au\u00dfenpolitisch hat der Iran aus dieser Phase eine bemerkenswerte Verschiebung seiner Wahrnehmung erfahren. In vielen Teilen der islamischen Welt, aber auch bei westlichen Au\u00dfenstehenden, wird das Land zunehmend als Akteur gesehen, der unter Druck standh\u00e4lt, ohne unkontrolliert zu eskalieren. Gleichzeitig traten die USA und Israel in der \u00f6ffentlichen Kommunikation mit einer Rhetorik auf, die vielerorts als beleidigend, unw\u00fcrdig, zunehmend aggressiv und emotional herabsetzend, gar menschenverachtend wahrgenommen wurde. Diese Konstellation hat dem Iran eine Form politischer Rehabilitation verschafft, die nach den inneren Unruhen kaum vorstellbar gewesen w\u00e4re. Seine Position innerhalb der BRICS-Staaten wurde sichtbar gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Doch dieser au\u00dfenpolitische Zugewinn \u00fcberdeckt nicht die inneren Widerspr\u00fcche. Menschenrechtsverletzungen oder eine oft als willk\u00fcrlich empfundene Justiz, Korruption und rigide soziale Normen sind reale innere Probleme, die nicht durch Sympathie von au\u00dfen verschwinden. Massendemonstrationen mit Parolen wie \u201eTod f\u00fcr Amerika, Tod f\u00fcr Israel\u201c liefern au\u00dfenpolitischen kritischen Akteuren Argumente, der Iran strebe die Zerst\u00f6rung anderer L\u00e4nder an. Deshalb liegt in der aktuellen Situation eine historische Chance. Die Regierung verf\u00fcgt \u00fcber neue Legitimit\u00e4t durch Ausharren, die Gesellschaft hat neue Belastungsgrenzen erfahren und zugleich ihre Loyalit\u00e4t in einer existenziellen Situation gezeigt und kann sich als gleichberechtigter Sieger f\u00fchlen. Mit einer neuen Generation staatlicher Akteure k\u00f6nnten zudem alte Abh\u00e4ngigkeiten verschwinden, die in der Vergangenheit Entwicklungsprozesse erschwert haben.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"vertrauensverlust-und-perspektivlosigkeit\">Vertrau&shy;ens&shy;ver&shy;lust und Perspek&shy;tiv&shy;lo&shy;sig&shy;keit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Nach dem Schweigen der Waffen ist die iranische Gesellschaft zugleich staatsm\u00fcde und interventionsskeptisch. Viele Menschen hassen die staatliche Repression, ohne deshalb westlichen Angriffslogiken zu vertrauen. Das gilt umso mehr, als der Krieg w\u00e4hrend laufender Verhandlungen begonnen hat. Die Milit\u00e4roperationen haben innenpolitisch eher eine strategische Niederlage des Westens erzeugt: nicht, weil die USA und Israel keine milit\u00e4rische \u00dcbermacht h\u00e4tten oder nicht immer noch viele Menschen unzufrieden w\u00e4ren, sondern weil die Schl\u00e4ge den beabsichtigten Effekt umkehrten. Jene, die zuvor mit der Opposition sympathisierten, r\u00fccken jedoch unter dem Eindruck ausl\u00e4ndischer Bomben zusammen. Die Ernennung Mojtaba Chameneis, des Sohnes des bei den Angriffen ermordeten Staatsoberhauptes, wird vielfach als Zeichen von Kontinuit\u00e4t und H\u00e4rte dargestellt. Mojtaba, der oft als weniger verst\u00e4ndigungsbereit als sein Vater beschrieben wird und einen Teil seiner engsten Familie durch die Angriffe verloren hat, stellt sich als deren politischer Gegeneffekt dar. Er w\u00e4re unter normalen Umst\u00e4nden vermutlich nicht durchsetzbar gewesen, denn auch aus dem Klerus gab es zuvor gro\u00dfe Vorbehalte gegen ihn, da der Iran der Islamischen Revolution keine Erbdynastien wollte, wie sie der verteufelte Schah praktiziert hatte und Mojtaba die religi\u00f6se Autorit\u00e4t seines Vaters noch nicht erreicht hatte.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Hinzu kommt: Ein Teil der iranischen Gesellschaft ist religi\u00f6s so entfremdet wie nie zuvor. Viele Menschen im Iran sind keineswegs islamfeindlich, sondern \u2013 wie manche selbst sagen \u2013 \u201eislam-traumatisiert\u201c: weil Religion seit Jahrzehnten staatlich instrumentalisiert wurde, weil Moralgesetzgebung und Strafrecht in den intimsten Alltag eingreifen, weil der Ruf zum Morgengebet f\u00fcr manche l\u00e4ngst nicht mehr nur Fr\u00f6mmigkeit ist, sondern die Assoziation staatlicher Gewalt tr\u00e4gt. <i>Az\u0101n<\/i>, das Gebet im Morgengrauen, wird jetzt als Zeitpunkt der Vollstreckung von Todesurteilen verstanden. In dieser Gesellschaft bekommen selbst Rituale neue Bedeutungen: Tanz bei Hochzeiten oder Beerdigungen wird zum stummen Protest, zur Form der Trauer, zur Behauptung des Lebens gegen die politische Sakralisierung des Todes. Das ist ein kultureller Tiefenwandel. Viele Moscheen sind heute leerer als w\u00e4hrend der Regierung Pr\u00e4sident Ruhanis (2013-2021) \u2013 vor den Sanktionen, als das Leben freier war und Reisen m\u00f6glich und auch die Religion weniger instrumentalisiert wirkte als heute.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ausgerechnet die Ermordung Ali Chameneis hat dieser ersch\u00f6pften religi\u00f6sen Ordnung einen neuen symbolischen Kern verliehen. Im Zw\u00f6lfer-Schiismus gibt es kein weltweites Oberhaupt nach katholischem Muster. Aber <i>Rahbar<\/i>, der Oberste F\u00fchrer des Iran, war mehr als ein Staatschef; sein gewaltsamer Tod durch einen \u00e4u\u00dferen Feind l\u00e4sst sich im schiitischen Ged\u00e4chtnis kaum anders lesen als im Schatten von Kerbela. Die M\u00e4rtyrerfigur des Imam Hussein ist der emotionale Kern schiitischer Erinnerungspolitik. Was f\u00fcr s\u00e4kulare Au\u00dfenstehende wie das Ende einer \u00c4ra aussieht, kann f\u00fcr gl\u00e4ubige, loyale oder national mobilisierte Teile der Bev\u00f6lkerung als sakralisierte Verwundung des Gemeinwesens erscheinen. Dies gibt dem neuen F\u00fchrer, trotz verbreiteter Vorbehalte gegen eine dynastische Nachfolge, einen Mobilisierungsvorteil. Als stabilster innenpolitischer Faktor gelten aktuell indes die milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Sektoren der W\u00e4chter der Revolution und ihrer Garden. Sie garantieren die Aufrechterhaltung und Versorgung der Strukturen der Macht, organisieren die allt\u00e4gliche Stabilit\u00e4t der Islamischen Republik und erm\u00f6glichen, nach dem Abtreten der Erlebnisgeneration der Revolution von 1979, den \u00dcbergang in eine Nachkriegszeit, die weniger theokratisch im traditionellen Sinn sein k\u00f6nnte als vielmehr einen milit\u00e4risch-b\u00fcrokratisch-theokratischen Hybriden darstellt, in dem die ideologische Grundlehre m\u00f6glicherweise eine nachrangigere Bedeutung erh\u00e4lt wie der Kommunismus in der Volksrepublik China, der dem Kapitalismus breiten Raum freimachte.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"potenzial-fuer-die-gesellschaftliche-entwicklung\">Potenzial f&uuml;r die gesell&shy;schaft&shy;liche Entwicklung<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Diese Konstellation er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine im Verfassungsrahmen der Islamischen Republik verbleibende kontrollierte innere Transformation. Dabei geht es nicht um einen Systemwechsel, sondern um eine Weiterentwicklung innerhalb der bestehenden Ordnung. Nationale Vers\u00f6hnung k\u00f6nnte in diesem Kontext mehr bedeuten als symbolische Gesten: Runde Tische, Wahrheitskommissionen, die \u00dcberpr\u00fcfung und Rehabilitierung fr\u00fcherer Urteile, Reformen im Strafrecht und eine konsequente Bek\u00e4mpfung von Korruption w\u00e4ren konkrete Schritte, die Staat <i>und<\/i> Gesellschaft zugute k\u00e4men und ausl\u00e4ndische Investitionen erst sinnvoll machten. Ebenso denkbar ist eine begrenzte kulturelle Liberalisierung, etwa im Umgang mit Kleidungsvorschriften.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein solcher Prozess w\u00e4re kein Bruch mit der politischen Tradition des Landes. Der schiitische Islam kennt mit dem Konzept des <i>Idschtih\u0101d<\/i> eine Praxis der Neuinterpretation religi\u00f6ser und politischer Normen. Denker wie Ali Shariati haben fr\u00fch soziale Dimensionen einer m\u00f6glichen Revolution betont, w\u00e4hrend Ayatollah Montazeri f\u00fcr eine st\u00e4rkere Einbindung plebiszit\u00e4rer Elemente pl\u00e4dierte und klerikale Macht kritisch reflektierte. Eine Reform innerhalb der bestehenden Ordnung h\u00e4tte somit ideengeschichtliche Ankn\u00fcpfungspunkte. Bemerkenswert ist, dass erste Anzeichen f\u00fcr eine Anpassung sichtbar sind. Iranische Staatsmedien zeigen zunehmend Frauen mit gelockertem Hejab oder g\u00e4nzlich ohne \u2013 was vor kurzem noch undenkbar gewesen w\u00e4re. Diese Bilder sind kein Beleg f\u00fcr eine umfassende Liberalisierung. Es sind momentan f\u00fcr die regierungsseitige Au\u00dfendarstellung wichtige Bilder von Frauen, die als Interviewpartnerinnen oder Passantinnen staatliche Positionen vor der Kamera st\u00fctzen, keine angestellten Moderatorinnen. Doch solche Bilder deuten darauf hin, dass staatliche Akteure die Notwendigkeit erkannt haben, sozialen Zusammenhalt neu zu organisieren \u2013 und die gesellschaftlichen Realit\u00e4ten anerkennen. Im Teheraner Alltag sind Hejabs oder Tschadore l\u00e4ngst nicht mehr so pr\u00e4sent wie vor 15 Jahren. Frauen w\u00e4hlen ihre Kleidung situativ. Nicht alle lehnen die Vorschriften ab; viele genie\u00dfen die Optionen, sich mal l\u00e4ssiger zu kleiden oder bei anderer Gelegenheit den Tschador zu tragen. Loyalit\u00e4t muss so nicht ausschlie\u00dflich durch Normdurchsetzung erzeugt werden.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"wirtschaftliche-entwicklung-im-licht-von-reformfaehigkeit\">Wirtschaft&shy;liche Entwicklung im Licht von Reform&shy;f&auml;&shy;hig&shy;keit<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die wirtschaftliche und soziale Dimension bleibt entscheidend f\u00fcr die Akzeptanz allen staatlichen Handelns. Kann der Staat nicht f\u00fcr einen menschenw\u00fcrdigen Alltag sorgen, bleibt seine Legitimation gering. Eine Lockerung der Sanktionen w\u00fcrde jedoch dann nachhaltige Effekte f\u00fcr das Land entfalten, wenn sie auf eine Gesellschaft trifft, die Vertrauen in ihre Zukunft hat. Wirtschaftlicher Aufschwung erfordert nicht nur Kapital, sondern auch Motivation und die Bereitschaft zur Mitgestaltung. Ohne sie sind Innovation und Leistungsbereitschaft nicht m\u00f6glich. Ein Staat, der seine Gesetze achtet, aber die Verbundenheit mit den B\u00fcrgern als konstruktive W\u00e4hrung versteht und der ihren Einsatz w\u00e4hrend dieses Krieges als Vertrauensbasis annimmt, kann selbstbewusst Flexibilit\u00e4t gestatten, ohne seine Ideale und Grundlagen zu verraten. Solche gesellschaftliche Flexibilit\u00e4t w\u00fcrde Dynamik zulassen. Gerade hier k\u00f6nnte zudem die R\u00fcckkehr von Menschen aus dem Exil eine zentrale Rolle spielen \u2013 seit Jahrzehnten leidet das Land unter der Auswanderung zuvor gut Ausgebildeter. Ihre Identifikation mit der Heimat bleibt auch nach Generationen hoch und nicht alle sind harte Gegner der Islamischen Republik. Sie haben im Ausland Kontakte und Verm\u00f6gen erworben und w\u00e4ren vielfach bereit zur R\u00fcckkehr \u2013 vorausgesetzt, der Staat schafft glaubw\u00fcrdige Rahmenbedingungen f\u00fcr die \u00f6konomische und individuelle Entwicklung und neue Freiheiten. Das Verh\u00e4ltnis zum Ausland allerdings wird auch durch Massendemonstrationen beeintr\u00e4chtigt, auf denen Vernichtungsfantasien ge\u00e4u\u00dfert werden. Sind diese ernst gemeint, oder handelt es sich vor allem um gruppendynamische Prozesse und m\u00f6glichst drastische Losungen f\u00fcr die Massen? W\u00fcnschen die Demonstrierenden wirklich den Tod jedes Menschen in den USA oder Israel, oder geht es ihnen um etwas anderes? Fordern sie in schiitischer Entschiedenheit vor allem eine andere Politik und Respekt gegen\u00fcber ihrem eigenen Land? Dann k\u00f6nnten sie auf Demonstrationen aus ihrer Sicht zentrale Probleme des Irans mit diesen L\u00e4ndern ansprechen, ohne mit Todesfl\u00fcchen westliche Abwehrreaktionen zu erzeugen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"welche-gesellschaft-entsteht-unter-solchen-bedingungen\">Welche Gesell&shy;schaft entsteht unter solchen Bedin&shy;gun&shy;gen?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Vier Szenarien zur Frage, welches Gesellschaftssystem sich unter solchen Bedingungen im Iran herausbilden k\u00f6nnte, sind momentan denkbar.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das erste Szenario ist die <i>verh\u00e4rtete Festung<\/i>: Das System bleibt bestehen, \u00f6ffnet sich kaum, erkl\u00e4rt Oppositionelle zu Agenten der Angreifer und beschafft sich \u2013 wie viele Au\u00dfenstehende erwarten \u2013 neue \u00dcberwachungstechnik, wom\u00f6glich aus China. Der Verfall der Infrastruktur, die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen und die fortgesetzte Einmischung \u00e4u\u00dferer M\u00e4chte w\u00fcrden einen Teufelskreis aus sozialer Instabilit\u00e4t, politischer Abh\u00e4ngigkeit, gesellschaftlichem Misstrauen und staatlicher Repression bilden. Es w\u00e4re das Szenario des langsamen Niedergangs.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Zweite w\u00e4re die <i>nationale Vers\u00f6hnung<\/i>: Nicht Revolution oder Umsturz der Staatsform, sondern ein kontrollierter, aber realer innerer Umbau im Rahmen der Verfassungsordnung der Islamischen Republik und auf Basis der j\u00fcngsten gesellschaftlichen Solidarit\u00e4tsbekundungen findet statt: Runde Tische, Wahrheitskommissionen, Rehabilitierungen, Reform des Strafrechts, Aufhebung ungerechter Urteile, Sichtbarmachung von Korruption und Machtmissbrauch \u2013 und zugleich eine begrenzte kulturelle Liberalisierung, etwa beim Hejab, beim Singen oder bei den Alltagsfreiheiten. Ein solches Modell w\u00e4re weder westliche Demokratiekopie noch blo\u00dfe Systemkosmetik. Es w\u00e4re der Versuch, die politische Form zu erhalten, aber ihre soziale Grundlage neu zu legitimieren. Angeh\u00f6rige exiliranischer Gruppen und ihr Auslandsverm\u00f6gen s\u00e4hen ersten Anlass zur\u00fcckzukehren. Dies ist das schwierigste, aber f\u00fcr die Stabilit\u00e4t vielleicht produktivste Szenario. Sie ist f\u00fcr die schiitische Staatskonzeption auch nicht ohne Vorbild: <i>Idschtih\u0101d<\/i>. Im weiteren Verlauf k\u00f6nnte nationale Vers\u00f6hnung \u00fcber soziale und politische Grenzen sowie zwischen den Geschlechtern m\u00f6glich werden. Auch hierf\u00fcr gibt es ein historisches Vorbild: W\u00e4hrend des Irak-Iran-Krieges ersetzten Frauen vielfach die zur Armee einberufenen M\u00e4nner und genossen eine Zunahme an beruflichen und edukativen M\u00f6glichkeiten gegen\u00fcber der vorrevolution\u00e4ren Zeit. Jetzt gewonnene Freiheiten und gezeigte Solidarit\u00e4t k\u00f6nnten erhalten bleiben und die Gesellschaft innovativ beeinflussen. Das ist gewiss kein westlich erwartetes Demokratiewunder, aber ein Hinweis auf Anpassungsf\u00e4higkeit. Es w\u00e4re m\u00f6glicherweise zudem ein Signal: Der Staat hat verstanden, dass Zusammenhalt heute anders produziert werden muss als noch vor zehn Jahren. Wenn Loyalit\u00e4t nicht mehr ideologisch erzwungen werden kann, wird sie \u00e4sthetisch und atmosph\u00e4risch organisiert.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das dritte Szenario w\u00e4re die Transformation in eine <i>s\u00e4kulare Republik<\/i> unter dem Eindruck milit\u00e4rischer Schw\u00e4che. Dieses sehr westliche Wunschmodell ignoriert die traditionellen kulturellen und religi\u00f6sen Bedingungen. Dessen Realisierung w\u00e4re nur dann nicht katastrophal, wenn es ohne Dem\u00fctigung, Rachelogik und Zerfall des Landes gel\u00e4nge. Genau das erscheint derzeit am unwahrscheinlichsten. Zu tief sind die Lager verfeindet, zu pr\u00e4sent die Waffen, zu verf\u00fchrerisch ist die ethnische Karte, die insbesondere in Strategiedebatten von au\u00dfen l\u00e4ngst wieder aufgerufen wird. Die Gefahr einer Fragmentierung des Iran in kleine, gegeneinander ausgespielte Einheiten ist real und gro\u00df. Was in westlichen Planspielen nach \u201epostrevolution\u00e4rer Neuordnung\u201c klingt, k\u00f6nnte sich als Weg in einen verheerenden B\u00fcrgerkrieg erweisen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr den Moment spricht manches auch f\u00fcr ein viertes <i>hybrides Modell<\/i>: Es findet sein Vorbild im unmittelbar postsowjetischen Russland. Einflussreiche Mitglieder der politischen Elite und jener der Sicherheitsapparate machen sich Zug\u00e4nge zu im In- und Ausland lagernden finanziellen Mitteln und \u00f6konomischen Einfluss zunutze und schaffen Firmenkonglomerate \u2013 eine Schicht sehr reicher Oligarchen entsteht. Ihr Wohlstand zieht gr\u00f6\u00dfere exiliranische Auslandsverm\u00f6gen an, die unideologisch und kritiklos investiert werden. Eine schmale gesellschaftliche Schicht profitiert enorm, die Mittelschicht bleibt unterentwickelt, die meisten Menschen geh\u00f6ren einer \u00f6konomisch und politisch impotenten und quantitativ starken Unterschicht an. Im ersten Schritt bedeutet dies noch eine begrenzte kulturelle Lockerung bei gleichzeitiger politischer H\u00e4rte. In diesem Kontext lie\u00dfe sich sogar eine R\u00fcckkehr zur Monarchie vorstellen, die jedoch kaum eine Volksmonarchie, sondern eine solche des Kapitals sein w\u00fcrde und wohl innenpolitisch vergleichbar repressiv agierte wie das Schahsystem bis 1979 \u2013 oder das postsowjetische Russland. Zun\u00e4chst w\u00fcrden daher die gesellschaftlichen Ungleichheiten massiv zunehmen. Mit allen politischen Unw\u00e4gbarkeiten.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"die-rolle-des-westens-gestaltung-oder-sabotage\">Die Rolle des Westens: Gestaltung oder Sabotage?<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der Westen wiederum wird sich fragen m\u00fcssen, welchen Anteil er an Verh\u00e4rtung oder Lockerung haben wird. Wer Verhandlungen f\u00fchrt und gleichzeitig milit\u00e4rische Optionen vorbereitet, zerst\u00f6rt nicht nur diplomatisches Vertrauen, sondern st\u00e4rkt im Gegner jene Kr\u00e4fte, die behaupten, dass allein H\u00e4rte sch\u00fctzt. Die Schw\u00e4cheperiode Irans nach der Konstitutionellen Revolution 1905 wurde seitens Russland und England ausgenutzt, um das Land in Einflusszonen aufzuteilen, ohne die Bev\u00f6lkerung zu konsultieren. Es muss auch daran erinnert werden, dass selbst die US-Geheimdienstgemeinschaft 2025 weiter davon ausging, der Iran baue keine Atombombe. Zudem ist auf die ab 2003 entwickelte Fatwa zu verweisen, die Chamenei 2010 bekr\u00e4ftigte und in der er die Atombombe als \u201eunislamisch\u201c ablehnte. Im Westen, dessen politisch Handelnde teils innerhalb eines langen Satzes gleich mehrfach l\u00fcgen, ist die Bindekraft einer Fatwa vielleicht unvorstellbar. Gerade deshalb wirkt der Angriff w\u00e4hrend laufender Gespr\u00e4che auf viele Menschen im Iran und dar\u00fcber hinaus wie die Best\u00e4tigung ihrer tiefsten politischen Angst: dass mit dem Westen geredet werden kann, ohne dass er zuh\u00f6rt, dass man Zusagen erh\u00e4lt, ohne auf deren Einhaltung hoffen zu d\u00fcrfen. Der Iran wird seine Zukunft selbst gestalten m\u00fcssen \u2013 aber l\u00e4sst der Westen dies zu? Behindert oder unterl\u00e4uft er offen oder verdeckt sogar dessen Reformbem\u00fchungen?<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die iranische Nachkriegsgesellschaft wird nicht einfach offener oder geschlossener sein. Sie wird widerspr\u00fcchlicher sein: vermutlich weniger gl\u00e4ubig im traditionellen Sinn, aber empf\u00e4nglicher f\u00fcr M\u00e4rtyrersymbolik, extremer in der Sprache, skeptischer gegen\u00fcber Ideologien, verletzter im sozialen Vertrauen, zugleich pragmatischer in den t\u00e4glichen Bed\u00fcrfnissen. Arbeit, Sicherheit, Nahrung, die Zukunft der Kinder \u2013 diese Grundfragen werden jede gro\u00dfe Erz\u00e4hlung besiegen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Vielleicht ist das die n\u00fcchternste Prognose: Die Entwicklung der Islamischen Revolution, wie vielfach ausgerufen, kommt nicht als sauberer Bruch an einen Endpunkt. Sie schreitet fort als langsame Erosion oder vielleicht Transformation, begleitet von Gegenmobilisierungen, kultureller Verfl\u00fcssigung, m\u00f6glicherweise politischer Brutalit\u00e4t, vielleicht einer neuen staatlichen Elastizit\u00e4t. Der Iran nach dem Krieg wird vermutlich kein freies Land nach westlichen Vorstellungen sein. Zerst\u00f6rungen und Wiederaufbau sowie Sicherheitstechnik erzwingen neue Abh\u00e4ngigkeit von alten Partnern wie China oder Russland. Aber er k\u00f6nnte ein anderes Land werden. Ob es st\u00e4rker, milder und souver\u00e4ner wird \u2013 oder nur h\u00e4rter, misstrauischer und noch abh\u00e4ngiger von Gewalt \u2013, entscheidet sich nicht nur in Washington, Jerusalem oder Berlin, sondern vor allem in der F\u00e4higkeit seiner eigenen Gesellschaft, aus Ersch\u00f6pfung Politik zu machen. Und darin, Kritik und Widerstand als Beitrag zum Diskurs aufzugreifen, nicht als Vers\u00fcndigung gegen Gott, die mit harten Strafen bedroht wird.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ein Punkt erscheint dabei bitter: Von au\u00dfen l\u00e4sst sich dieser Prozess nicht erzwingen, aber leicht ruinieren. Der Iran findet im Westen keine Gespr\u00e4chspartner mehr. Wenn Deutschland und Europa in dieser Lage \u00fcberhaupt eine Rolle haben, dann nicht als moralische Lautsprecher oder einseitige Bef\u00fcrworter milit\u00e4rischer Eskalation, sondern als potenzielle Begleiter von inneriranischen Befriedungsprozessen. Die Voraussetzung ist, dass sie mit allen Seiten sprechen. Wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit, wissenschaftliche Exzellenz, kulturelles Interesse, Gespr\u00e4chsf\u00e4higkeit waren einmal die St\u00fctzen des deutschen Ansehens im Iran. Stets gab es Kommunikationskan\u00e4le zu politischen und Strukturen des Sicherheitsapparats in Teheran, die auch bei Entf\u00fchrungen oder drohenden Anschl\u00e4gen genutzt werden konnten. Im Augenblick ist davon wenig \u00fcbrig. Deutschland erweist sich nicht mehr als kritischer, aber verl\u00e4sslicher Partner, sondern hat sich ohne offenkundige Not auf die Seite der Aggressoren gestellt. Es ist nicht bekannt, dass Israel oder die USA deutscherseits die \u00dcbernahme von deren Rhetorik gew\u00fcnscht oder n\u00f6tig h\u00e4tte. Servilit\u00e4t ist das Merkmal gegenw\u00e4rtiger deutscher Au\u00dfenpolitik statt fr\u00fcherer \u201eScheckbuchdiplomatie\u201c. Gestaltungswille scheint unterentwickelt \u2013 trotz tragf\u00e4higer historischer Verbindungen. Dies ist ein neues Ph\u00e4nomen der deutschen Au\u00dfenpolitik und zeigte sich schon im Umgang mit Russland. Dabei w\u00e4re gerade Deutschland aufgrund seiner Erfahrungen der innerdeutschen Aufarbeitung von DDR-Unrecht und osteurop\u00e4ischen Auss\u00f6hnung sowie des hohen Ansehens im Iran besser geeignet f\u00fcr Dialoge als manches andere Land.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \"><span id=\"ein-zipfel-des-mantels-der-geschichte\">Ein Zipfel des Mantels der Geschichte<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der Iran steht gegenw\u00e4rtig vor einer seltenen historischen Konstellation. Die Urheberschaft des Krieges ist vielen Analysen zufolge eindeutig, ebenso wie die Erfahrung jahrelanger externer Zuschreibungen und politischer Narrative. Daraus erw\u00e4chst eine neue M\u00f6glichkeit, die eigene Position nach innen und nach au\u00dfen zu definieren. Entscheidend wird sein, ob diese Gelegenheit genutzt wird, um nicht nur geopolitisch, sondern auch gesellschaftlich neue Handlungsoptionen zu gewinnen. So wie im Wendeherbst die beiden deutschen Gesellschaften schnell zusammenfanden, nach jahrzehntelanger Teilung und ideologischer Frontstellung, k\u00f6nnten Menschen im und aus dem Iran au\u00dfenpolitische Chancen und innenpolitische Freir\u00e4ume nutzen, um mit ihren erheblichen finanziellen M\u00f6glichkeiten und unbelasteten Auslandskontakten ihr Land zu einer bestimmenden Kraft im Verbund der BRICS zu entwickeln. Auch wenn historische und geografische sowie politische Vergleiche immer hinken: Die DDR war 1989 ideologisch und wirtschaftlich ausgezehrt, w\u00e4hrend die BRD, die am Ziel der Wiedervereinigung festgehalten hatte, reich war. Im Iran k\u00e4me bei einer \u00d6ffnung den teils sehr wohlhabenden iranischen Auslandspopulationen vielleicht eine vergleichbare Rolle zu. Das Beispiel Deutschland zeigt aber auch, dass gesellschaftliche Spaltung lange anhalten kann, zumal das politische System des Iran grundlegende Transformationen zun\u00e4chst legislativ vorbereiten oder absichern muss. Aber selten lagen Risiko und Chance f\u00fcr die iranische Gesellschaft so nah beieinander. Die tempor\u00e4re Aussetzung gesellschaftlicher Kritik angesichts \u00e4u\u00dferer Bedrohung hat zu neuer Solidarit\u00e4t gef\u00fchrt, die hoffentlich best\u00e4ndig ist und seitens der politisch Handelnden als Chance begriffen wird. Gerade darin k\u00f6nnte die produktivste Kraft dieses Moments liegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Prof. Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Dr. Stefan Piasecki<\/strong> ist Professor f\u00fcr Soziologie und Politikwissenschaft an der Hochschule f\u00fcr \u00f6ffentliche Verwaltung (HSPV) NRW. Seine Forschungsschwerpunkte sind (Inter-)Kulturen des Popul\u00e4ren und Medienp\u00e4dagogik und -geschichte, Gesellschaftliche Wandlungsprozesse, Extremismus und Sicherheitspolitik sowie Formen praktischer Religiosit\u00e4t.<\/em><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[37,6],"tags":[678,4711,3802,3226,4709,656,4710,3650,667,3742],"autoren":[4708],"publikationen":[4668],"class_list":["post-20691","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-europa-internationales","category-frieden","tag-frieden","tag-hormus","tag-iran","tag-israel","tag-nachkriegsordnung","tag-religion","tag-theokratie","tag-usa","tag-vorgaenge-artikel","tag-widerstand","autoren-stefan-piasecki","publikationen-vorg-254"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Irans seltene Chance zur inneren Neuvermessung: Massenelend, Radikalisierung, B\u00fcrgerkrieg oder Stabilit\u00e4t und Wohlstand \u2013 welche Perspektiven wird die iranische Nachkriegsgesellschaft haben? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/irans-seltene-chance-zur-inneren-neuvermessung-massenelend-radikalisierung-buergerkrieg-oder-stabilitaet-und-wohlstand-welche-perspektiven-wird-die-iranische-nachkriegsgesellschaft-haben\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Irans seltene Chance zur inneren Neuvermessung: Massenelend, Radikalisierung, B\u00fcrgerkrieg oder Stabilit\u00e4t und Wohlstand \u2013 welche Perspektiven wird die iranische Nachkriegsgesellschaft haben? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Waffenstillstand zwischen dem Iran auf der einen und Israel sowie den USA auf der anderen Seite beendet vorerst eine Phase der \u00dcberlagerung geopolitischer Eskalation und gesellschaftlicher Zerrei\u00dfproben. 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