{"id":20692,"date":"2026-09-28T11:24:09","date_gmt":"2026-09-28T09:24:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/?post_type=publikation&#038;p=20692"},"modified":"2026-09-28T11:24:09","modified_gmt":"2026-09-28T09:24:09","slug":"die-athenische-demokratie-historisches-demokratiemodell-mit-potenzial-fuer-heute","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/die-athenische-demokratie-historisches-demokratiemodell-mit-potenzial-fuer-heute\/","title":{"rendered":"Die athenische Demokratie \u2013 historisches Demokratiemodell mit Potenzial f\u00fcr heute"},"content":{"rendered":"<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Die athenische Demokratie, deren Bl\u00fcte von 451\/50 bis 322 vor Christus datiert wird (vgl. zur Chronologie Schulz\/Walter 2022: 129-131), war in puncto B\u00fcrgerrechte au\u00dfergew\u00f6hnlich. Obwohl sie insbesondere durch die intensive Nutzung des Losens als Rahmen demokratische Orientierung bieten kann, f\u00fchrt sie heute leider abseits der Altertumsforschung ein unverdientes Schattendasein, was auch als neuzeitliche \u201eAblehnung, Missachtung und bewusste Ignoranz\u201c beschrieben wird (Croix 2025: 89f.).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote1sym\" name=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die demokratischen Errungenschaften k\u00f6nnen tats\u00e4chlich nicht genug gelobt werden, wobei nicht verschwiegen werden darf, dass das klassische Griechenland von Kriegen und Ungerechtigkeiten gepr\u00e4gt war. Es gab massenweise Unterdr\u00fcckung von Menschen: Frauen und Met\u00f6ken (in der <i>polis<\/i> lebende Fremde\/Zugezogene) hatten zwar zivile Rechte, waren aber politisch rechtlos, und es gab sehr viele Sklav*innen, sodass von \u201eeinigerma\u00dfen undemokratischen Grundlagen\u201c (Kloft 2010: 37\/48) geredet werden kann (vgl. auch Momigliano 1988: 125). Nur gut ein Viertel der erwachsenen Bev\u00f6lkerung, n\u00e4mlich die rund 30.000 bis 40.000 vollj\u00e4hrigen M\u00e4nner, deren Eltern zudem ab 451 vor Christus aus Athen stammen mussten, profitierten von den vollen B\u00fcrgerrechten. Vor diesem Hintergrund hat sich aber auch ein auf dem Gleichheitsprinzip basierendes politisches System entwickelt, dessen grundlegenden Werte und strukturellen Ideen herausragend, ja zukunftstr\u00e4chtig sind. Sie sind weiterhin ein zivilisatorischer Schatz: <i>d<\/i><i>\u00e9mos<\/i> und <i>kratos<\/i> \u2013 <i>Demokratie<\/i> \u2013 die Macht des Volkes.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote2sym\" name=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> In der athenischen Demokratie funktionierte sie im Kern un\u00fcbertroffen.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Im Folgenden sollen die Grundz\u00fcge der athenischen Demokratie gezeigt werden sowie deren nicht zu untersch\u00e4tzende Bedeutung bis heute. Wer ihre Strukturen und Werte kennt, wird die Idee der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die in Art. 20 GG als rein repr\u00e4sentative Demokratie ausbuchstabiert ist, mit anderen Augen sehen. Die athenische Demokratie kann und sollte uns als demokratischer Leitstern dienen.<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"ideen-und-institutionen-der-athenischen-demokratie\">Ideen und Insti&shy;tu&shy;ti&shy;onen der athenischen Demokratie<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Der \u00dcbergang in die athenische Demokratie gelingt unter Kleisthenes ab 508\/507 vor Christus.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote3sym\" name=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> Die horizontale Verteilung von Macht wird bei den Athenern fortan zum Fundament der neuen demokratischen <i>polis<\/i>. Kleisthenes f\u00f6rdert den gleichberechtigten Austausch von Meinungen und perfektioniert auf der institutionellen Ebene die Eind\u00e4mmung der Macht des Adels, das verfolgte Hauptziel. Im Zentrum agiert der Rat der 500 (<i>boul\u00e9<\/i>) als Wegbereiter der von der Volksversammlung (<i>ekklesia<\/i>) der B\u00fcrger direkt beschlossenen Gesetzgebung. Das Ungew\u00f6hnliche: Einmal im Jahr gehen die Athener nicht zur Wahlurne und w\u00e4hlen Kandidaten f\u00fcr den Rat aus, sondern es geschieht Mutiges und zugleich Geniales: Die Athener <i>losen<\/i> ihre Gesetzesvorbereiter und die meisten Amtstr\u00e4ger! Auf diese Weise bestimmen sie aus ihrem Kreise 500 Magistraten, die ein Jahr lang fast t\u00e4glich tagen und als Vorbereiter und Durchf\u00fchrer der Gesetze die Geschicke der <i>polis<\/i> im Grundsatz vorgeben (Ober 2017: 35-37; Bleicken 1995: 67\/312ff.). Die <i>boul\u00e9<\/i>, zwangsl\u00e4ufig in erster Linie ein Organ der \u201earbeitenden Bev\u00f6lkerung\u201c, entwirft, ber\u00e4t und erarbeitet die Gesetzesvorlagen, \u00fcber die regelm\u00e4\u00dfig im vierten Jahrhundert auf bis zu 40 Volksversammlungen pro Jahr debattiert und entschieden wird. Die vom Rat ausgearbeiteten Gesetzesvorschl\u00e4ge landen also zur Abstimmung auf der Volksversammlung (Sutter 2005: 48). Die Ratsherren k\u00f6nnen insofern nicht selbst entscheiden, sondern geben ihre erarbeiteten Vorlagen an die Volksversammlung weiter, die jedem Stimmb\u00fcrger offen steht (Onken 2015: 35-37). Bei den Volksversammlungen geht es einerseits um Masse: Denn 6000 Stimmb\u00fcrger nehmen \u00fcblicherweise an ihnen mindestens teil. Andererseits gibt es einen demokratischen Meilenstein in Bezug auf die individuellen Polisb\u00fcrger: Jeder Athener kann Antr\u00e4ge stellen und diese bei der <i>boul\u00e9<\/i> einreichen. Die B\u00fcrger sind somit Mogens Herman Hansen (1995: 276) zufolge die \u201eHauptpersonen\u201c in der athenischen Demokratie.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Dieses neue System ist eine gezielte Ma\u00dfnahme der Aufteilung von Kompetenzen, denn weder der Adel noch irgendein Mensch soll jemals wieder \u00fcber zu viel Amtsgewalt verf\u00fcgen (Bleicken 1995: 64\/294\/411). Auch innerhalb der <i>boul\u00e9<\/i> gibt es noch institutionalisierte Amtsbegrenzungen: Der Vorsitz (Prytanie), der sich um die t\u00e4glichen Regierungsgesch\u00e4fte k\u00fcmmert,<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote4sym\" name=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> wechselt bereits nach einem Zehntel des Jahres, die Sprecher sogar t\u00e4glich, und selbst die Sitzordnung wird gelost (Vorl\u00e4nder 2017: 10; Bleicken 1995: 318). Grundbaustein der mathematisch durchdachten Politarchitektur ist ein neues \u2013 anachronistisch formuliert: f\u00f6derales, wenn auch hierarchisch geordnetes \u2013 System aus zehn Phylen, k\u00fcnstlich zusammengesetzten Gebietseinheiten, die jeweils drei eigentlich nicht zusammengeh\u00f6rende Regionen (Stadt, Land, K\u00fcste) \u201erepr\u00e4sentieren\u201c (Bleicken 1995: 46). Diese sind wiederum unterteilt in selbstverwaltete Gemeinden (<i>d\u00e9mos<\/i> bedeutet auch Gemeinde), die als Ausgangspunkt der Volksherrschaft wirken (Schubert 2012: 22). Aus den zehn Phylen werden je 50 Ratsherren ausgelost. Das Ergebnis ist ein neu organisiertes Gemeinwesen und ein r\u00e4umlich proportional besetzter Rat mit 500 ausgelosten Mitgliedern. Der Gleichheitsgedanke ist in diesem demokratischen Modell weniger Voraussetzung f\u00fcr die staatliche Struktur als dessen Konsequenz (Bleicken 1995: 43f.; Schulz\/Walter 2022: 132).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">F\u00fcr Paul Cartledge (2018: 111) bedeutet die Schaffung der <i>boul\u00e9<\/i> die erstmalige Verwirklichung einer <i>partizipat<\/i><i>orischen<\/i> Demokratie, wobei ich hier einwerfen m\u00f6chte, dass dieser von Bef\u00fcrworter*innen einer Basisdemokratie genutzte Begriff sprachlich ein Pleonasmus ist, da eine Demokratie, die den Namen verdient, per se <i>egalit\u00e4r<\/i> und <i>partizipatorisch<\/i> ist.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die athenische Demokratie weist noch viel mehr ausgekl\u00fcgelte Mechanismen auf, die alle dem Ziel dienen, den Adel zu entmachten. So werden auch die Beamten per Losverfahren ermittelt. Die Stellen sind auf ein Jahr begrenzt. Hinzu kommt das Iterationsverbot, das hei\u00dft, das Verbot abermaliger Bekleidung eines Amtes nach der Absolvierung des Dienstjahres. Auch die Richter werden gelost, es gibt keine Berufsrichter (Bleicken 1995: 48\/312ff.\/397; Hansen 1995: 204-207).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote5sym\" name=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> In welchem Gerichtshof sie Dienst zu verrichten haben, entscheidet sich immer erst am Morgen des Prozesses \u2013 ebenfalls per Los (Welwei 1999: 307). Nur wenige \u00c4mter, die spezielle Erfahrungen und F\u00e4higkeiten voraussetzen, sind Wahl\u00e4mter. Dazu z\u00e4hlen \u00c4mter im Kultbereich und vor allem die zehn Strategen (Heerf\u00fchrer) im milit\u00e4rischen Bereich, die auch wiedergew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen (Bleicken 1995: 48\/53f.\/65\/399; Hansen 1995: 279).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">In der Hochphase der athenischen Demokratie gibt es 700 geloste Beamte, 1000 t\u00e4glich geloste Richter und die 500 gelosten Ratsmitglieder (Bleicken 1995: 312-315). Aristoteles sieht im Losen ausdr\u00fccklich ein geeignetes Mittel zur Beseitigung von \u00f6konomischen Unterschieden: \u201eEs gilt als demokratisch, die \u00c4mter durch Los zu besetzen, dagegen als oligarchisch, die Inhaber zu w\u00e4hlen; und demokratisch ist, dass der Zugang nicht durch eine Verm\u00f6gensqualifikation beschr\u00e4nkt wird\u201c (Arist. Pol. 1294b).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Das Herz der Demokratie ist die direkte Demokratie, die von den B\u00fcrgern auf der <i>ekklesia<\/i> ausge\u00fcbt wird (vgl. zu Verfahren und Ablauf Hansen 1995: 128-166). Jeder erwachsene B\u00fcrger darf teilnehmen. Die Volksversammlung beratschlagt und entscheidet \u00fcber die Vorbeschl\u00fcsse des Rates der 500.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote6sym\" name=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a> Als Erstes wird dabei dar\u00fcber entschieden, ob ein Antrag behandelt werden soll und dann \u00fcber etwaige \u00c4nderungen durch Streichungen oder Zus\u00e4tze (Sutter 2005: 48). Historiker*innen attestieren der <i>ekklesia<\/i> eine hohe Berechenbarkeit, einen geordneten und z\u00fcgigen Verlauf ohne Zwischenrufe und Schimpfkanonaden (vgl. Kloft 2010: 46), obgleich offensichtlich mangelnde Klugheit von Beitr\u00e4gen auch mal mit Buhrufen quittiert wird. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Tagesordnung vier bis f\u00fcnf Tage im Voraus angek\u00fcndigt wird (Bleicken 1995: 60\/134). Die offensichtlich als sehr stark wahrgenommene Glaubw\u00fcrdigkeit sorgt f\u00fcr eine hohe Identifikation und Mobilit\u00e4t der B\u00fcrger, die aus dem attischen Umland nach Athen str\u00f6men, wobei die Stadtbewohner aus logistischen Gr\u00fcnden wohl die Mehrheit der Teilnehmer ausmachen. Typische Themen in der <i>ekklesia<\/i> sind Krieg und Frieden, Vertragsschl\u00fcsse der <i>p<\/i><i>olis<\/i>, die Kontrolle von Amtstr\u00e4gern, Finanzfragen und Gesetzesbeschl\u00fcsse. Bei den Debatten stehen Sachargumente im Vordergrund (Bleicken 1995: 403). Als Erkl\u00e4rer und Redner fungieren sogenannte Demagogen, die zunehmend eine informelle Elite bilden und in dieser Rolle oft kritisch be\u00e4ugt werden. Auch hier stellt sich sukzessive ein gewollter Wandel ein: Erst treten in gr\u00f6\u00dferer Zahl Adelige als Demagogen auf, aber im Laufe der Zeit emanzipieren sich B\u00fcrger aus den unteren und mittleren Klassen \u2013 besitzlose Handwerker, Kaufleute und Bauern \u2013 und \u00fcbernehmen auch diese Funktion (Hansen 1995: 278-284). Aufgrund der Konzentration auf Sachthemen haben es Demagogen nicht immer leicht, da sie stets neue Mehrheiten gewinnen m\u00fcssen. Insofern werden wechselnde Mehrheiten im Alltag der <i>ekklesia<\/i> f\u00fcr normal gehalten (Bleicken 1995: 69\/398). Parteien gibt es keine.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote7sym\" name=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Abgestimmt wird in der Regel durch Handheben. Das Nichtheben z\u00e4hlt als Enthaltung. Die Unterlegenen akzeptieren im Regelfall die Entscheidungen, was ein wichtiger Grundpfeiler des Funktionierens der <i>ekklesia<\/i> ist. Der Grund ist einfach: Zuvor wurde die Angelegenheit ausf\u00fchrlich diskutiert, jeder kann sich somit geh\u00f6rt f\u00fchlen. Das gute Verfahren wird Egon Flaig (2018a: 158) zufolge somit als noch wichtiger angesehen als der Inhalt der Entscheidung (vgl. auch Heidenreich 2022: 234).<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Ihre Vollendung findet die Demokratie unter Perikles. Dieser ist, aus einer adeligen Familie stammend, ein begnadeter Redner und wird wegen seiner gro\u00dfen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten gesch\u00e4tzt. Insgesamt 15 Mal wird er ab 443 vor Christus zum Strategen gew\u00e4hlt. Perikles sorgt f\u00fcr die Einf\u00fchrung von Di\u00e4ten f\u00fcr geloste \u00f6ffentlich Bedienstete \u2013 ein wichtiger Schritt in der athenischen Demokratie (Schubert 2012; Bleicken 1995: 75\/380). Gerade f\u00fcr weniger Betuchte ist dies motivierend, f\u00fcr den Staat aktiv zu werden. Speziell das Richteramt findet gro\u00dfen Gefallen. Auch sorgt Perikles f\u00fcr eine Ausweitung der Losverfahren.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote8sym\" name=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a> Er fordert von seinen Mitb\u00fcrgern st\u00e4ndigen Einsatz f\u00fcr das Gemeinwesen, steht aber auch f\u00fcr die Erholung des Geistes durch Spiele und Feste (Bleicken 1995: 61). In seiner ber\u00fchmten Gefallenenrede l\u00e4sst Thukydides (II 40) ihn betonen, dass ein B\u00fcrger, der still und unn\u00fctz sei, ein \u201eschlechter\u201c B\u00fcrger sei. Wie zuvor Kleisthenes setzt Perikles auf eine starke Wir-Identit\u00e4t der B\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Eine Herrschaft der \u201eArmen\u201c wird dieses System auch etwas herablassend von Aristoteles (Pol. 1279 b 35-1280 a 7) genannt. Die Armen machen sich nach und nach in den Mittelstand auf, wobei das Zurschaustellen von Reichtum verp\u00f6nt ist (Nebelin 2018: 141-143; Vorl\u00e4nder 2015: 12; Rausch 1999: 368; Bleicken 1995: 50\/402). Nach der Zeit des Perikles bekommt jeder B\u00fcrger sogar das Recht, Beschl\u00fcsse der Volksversammlung vor Gericht auf ihre Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen (<i>graphe paranomon<\/i>). Die Macht der Volksversammlung wird ab dem Jahr 403 beschr\u00e4nkt, indem diese f\u00fcr den Erlass neuer Gesetze und von Dekreten zust\u00e4ndig blieb, aber f\u00fcr die meist von B\u00fcrgern beantragte \u00c4nderung bestehender Gesetze sogenannte Nomotheten eingesetzt wurden (Hansen 1995: 148\/157\/167-183\/213-219; Sutter 2005: 52). Aristoteles (Pol. 1278 b) \u2013 obwohl kein Verfechter der athenischen Demokratie \u2013 unterst\u00fctzte diesen starken B\u00fcrgergedanken: \u201eDie souver\u00e4ne Gewalt des Staates liegt \u00fcberall bei der B\u00fcrgerschicht, die B\u00fcrgerschicht ist daher geradezu die Verfassung. Ich meine z.B.: in den Demokratien ist der D\u00e9mos der Souver\u00e4n [\u2026].\u201c<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Josiah Ober (2017: 111) zufolge hat das Ideal der Selbstgesetzgebung und das Motto <i>Alle stehen gro\u00df<\/i> gegolten. Die alten Athener h\u00e4tten eine B\u00fcrgerw\u00fcrde gelebt, aus der Partizipationsrechte und korrespondierende faktische Mitmachpflichten abgeleitet worden seien (Ober 2017: 49\/61). Flaig (2018b: 304-307) betont den Aspekt der politischen Freiheit, die n\u00f6tig sei, um die individuelle Freiheit zu bewahren und nicht zum \u201efreien Untertanen\u201c zu werden.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote9sym\" name=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a> Jaeger (1955: 157) betonte ebenfalls diesen Bezug und die historische Einmaligkeit: \u201eNiemals sp\u00e4ter ist der Staat in h\u00f6herem Ma\u00dfe identisch gewesen mit der W\u00fcrde und dem Wert des Menschen.\u201c<\/p>\n<h3 class=\"v-zwischen&uuml;berschrift-2-western \" align=\"left\"><span id=\"bedeutung-fuer-heute\">Bedeutung f&uuml;r heute<\/span><\/h3>\n<p class=\"v-absatz-ohne-western\">Warum sollte man nicht Aristoteles\u2018 Gedanken folgen und ein weitgehendes, auf starker Teilhabe beruhendes B\u00fcrgerverst\u00e4ndnis als den wahren Anspruch der Demokratie sehen?<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote10sym\" name=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Es ist heute leider nur den Wenigsten bewusst, was die alten Griechen damals unter ihren Bedingungen geschafft haben. Die athenische Demokratie war angesichts vieler M\u00e4ngel zweifellos eine \u201ehochgradig defekte Demokratie\u201c (Schmidt 2019: 43). Sie erwies sich aber auch als erfolgreiches Experiment. Entscheidend waren neben der r\u00e4umlichen \u00dcberschaubarkeit die weitreichenden demokratischen Werte, der erhebliche Aufschwung in Bildung und Theater sowie die perfektionistisch ausge\u00fcbten Verfahrensweisen, die in der Institutionalisierung einer demokratischen \u00d6ffentlichkeit und Kultur m\u00fcndeten (Kloft 2010: 48; Meier\/Veyne 2015: 109). Im Ergebnis herrschte, so der thukydidesche Perikles, zu Recht nicht er, sondern ein freier Geist, und der entschied sich f\u00fcr eine Kombination aus Losen und W\u00e4hlen, wobei deutlich mehr gelost als gew\u00e4hlt wurde (Kloft 2010: 48f.; Momigliano 1988: 130). Interessanterweise gab es keine juristische B\u00fcrgerpflicht, \u00c4mter zu \u00fcbernehmen oder an Volksversammlungen teilzunehmen. Es geh\u00f6rte jedoch zum guten Ton, war ein b\u00fcrgerschaftlicher Habitus (Farrar 2007: 170-195). Insgesamt l\u00e4sst sich der Schluss ziehen, dass die Athener nicht nur die Demokratie erfunden, sondern sie als <i>unmittelbare<\/i> Demokratie erdacht und entwickelt haben, was noch heute Ma\u00dfst\u00e4be setzt (Oswald 2024: 52-60).<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote11sym\" name=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen die mit der Demokratie als Regierungsform oft gleichgesetzten Wahlen von politischem Personal mit Verweis auf die athenische Demokratie als blo\u00dfe Zwischenetappe der neuzeitlichen Demokratieentwicklung gesehen werden. Selbst wenn manche Althistoriker*innen \u2013 trotz der Partizipationsrechte der Athener \u2013 den insgesamt elit\u00e4ren Charakter der attischen Gesellschaft betonen, halte ich es eher mit jenen Politikwissenschaftler*innen, die den Fokus auf die einzigartig urdemokratischen Methoden der athenischen Demokratie zur Selbstgesetzgebung legen. Das Losen hilft zudem, gleiche Chancen zu schaffen. Gut durchdacht dient es insbesondere auch der Kontrolle von Macht, weshalb das Losen auch einen Beitrag zur Gewaltenteilung leisten kann.<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote12sym\" name=\"sdendnote12anc\"><sup>xii<\/sup><\/a> F\u00fcr Philip Dingeldey (2022: insb. 376-378) ist die athenische (Ur-)Demokratie die Demokratie und die gewohnte \u201erepr\u00e4sentative Demokratie\u201c, die blo\u00df eine Wahl politischer Eliten beziehungsweise eine Herrschaft von Wenigen bedeute, im strengen, urspr\u00fcnglichen Sinne keine:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eIn der Tat w\u00fcrde ein B\u00fcrger des klassischen Athens \u2013 in einem kontrafaktischen Gedankenexperiment mit \u201amodernen Demokratien\u2018 konfrontiert \u2013 diese Systeme nicht als demokratisch einstufen, da die politische Macht wesentlich bei Parlamenten und anderen politischen Eliten, aber nicht beim d\u00e9mos liegt.\u201c (Dingeldey 2022: 10)<a class=\"sdendnoteanc\" href=\"#sdendnote13sym\" name=\"sdendnote13anc\"><sup>xiii<\/sup><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">So bitter und \u00fcberraschend es klingen mag: Die Athener sind uns mit ihrem Demokratiesinn 2300 Jahre voraus. Genau weil sie dieses seither unerreichte Ideal der gleichen Chance auf Teilhabe und Teilnahme an der Politik erkannt haben, w\u00fcnschen sich zahlreiche Wissenschaftler*innen eine st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung der Ideen in unserer heutigen Gesellschaft (vgl. Kloft 2010: 47; Oswald 2025: 54-59\/92-95). So schrieb Jochen Bleicken (1995: 495) offensichtlich gegen eine politische Apathie der gro\u00dfen Mehrheit an:<\/p>\n<blockquote class=\"western\">\n<p>\u201eAls Schreckgespenst taucht eine Ordnung auf, in der die Masse sich tr\u00e4ge vom Staat als von einer seelenlosen Maschine durchf\u00fcttern l\u00e4sst, um f\u00fcr die so erkaufte S\u00e4ttigung und Ruhe das politische Gesch\u00e4ft einer mehr oder weniger unsichtbaren Elite zu \u00fcberlassen und dabei alle politischen Ideale aufzugeben.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Josiah Ober (2017: 120\/154) bedauert, dass der Gedanke der B\u00fcrgerw\u00fcrde bis heute nicht nur nicht in unsere Gesellschaft durchgedrungen ist, sondern tendenziell \u201evernebelt\u201c wird. Dabei zeichneten sich Demokratien doch dadurch aus, dass sie in der Lage sind, immer wieder institutionelle Innovationen zu erdenken. Anders als manche Skeptiker*innen sieht er ausdr\u00fccklich eine gute Chance, das Athener Modell in abgewandelter Form auch auf eine sehr gro\u00dfe Bev\u00f6lkerung anzuwenden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Die athenische Demokratie kann bei allen Schw\u00e4chen und dem historischen Kontext geschuldeter Besonderheiten als grunds\u00e4tzliches Vorbild f\u00fcr eine Reform des Grundgesetzes dienen. Besonders interessant ist die Kombination geloster beratender Gremien (wie B\u00fcrgerr\u00e4ten) mit direkter Demokratie (B\u00fcrger- und Volksentscheide) (vgl. zum Folgenden Dingeldey et al. 2025: 11-18; Oswald 2024: 123-132). Das Grundgesetz ist offen f\u00fcr ein solches schrittweises Verfahren, sieht es doch in Art. 20 Abs. 2 S. 2 ausdr\u00fccklich Abstimmungen vor, die nach allgemeiner Ansicht gleichrangig zu Wahlen stehen, allerdings anders als diese bislang nicht weiter auf Bundesebene ausgef\u00fchrt worden sind. Hier w\u00e4re eine Grundgesetz\u00e4nderung vonn\u00f6ten, die eine Zweidrittelmehrheit br\u00e4uchte. B\u00fcrgerr\u00e4te, die nur <i>unverbindliche<\/i> Empfehlungen aussprechen und als <i>informelle<\/i> Gremien gelten, sind dagegen ohne Grundgesetz\u00e4nderung einsetzbar, wie der Deutsche Bundestag 2023\/24 durch die Einsetzung des bislang einzigen bundesweiten B\u00fcrgerrats \u2013 des B\u00fcrgerrats \u201eErn\u00e4hrung im Wandel\u201c \u2013 gezeigt hat. Grunds\u00e4tzlich sind auch entscheidungsbefugte B\u00fcrgerr\u00e4te m\u00f6glich, solange diese vom Bundestag eingesetzt werden, dieser ihnen jederzeit die Kompetenzen wieder entziehen kann und somit dessen herausgehobene Rolle als Parlament nicht in Frage gestellt wird (Berger 2025). \u00dcber diese strukturellen Entwicklungen hinaus ist mit Blick auf die athenische Demokratie auch an ein neues B\u00fcrgerrecht zu denken: das Grundrecht auf aktive politische Partizipation, das \u00fcber das W\u00e4hlen hinausreicht (Oswald 2024: 57\/146-149). Die Entwicklung dieses demokratischen Rechts steckt noch in den Kinderschuhen, k\u00f6nnte aber f\u00fcr eine Weiterentwicklung der Demokratie sorgen, die dringend einen positiven Schub, nicht nur die \u00fcblichen Verteidigungsappelle gegen rechts braucht. Die verbreitete politische Unzufriedenheit, die die athenische Demokratie nicht kannte, sollte nicht nur als Zeichen mangelnden Vertrauens gegen\u00fcber der heutigen Politik oder als Kritik an politischer Ohnmacht gesehen werden, sondern auch unbewusst als Ausdruck verletzter Sehns\u00fcchte, die in der athenischen Demokratie befriedigt wurden.<\/p>\n<p class=\"v-absatz-einzug-western\">Fazit: In puncto politischer Teilhabe ist die athenische Demokratie unerreicht und sollte soweit wie m\u00f6glich als historisches Vorbild f\u00fcr heutige Demokratien fungieren. Es gab in der Geschichte nach ihr weder einen derart radikaldemokratischen Nachfolger noch ein derart stark demokratisch ausgepr\u00e4gtes Partizipationsverst\u00e4ndnis. Es ist Zeit, die Kerngedanken der athenischen Demokratie wiederzubeleben (in der Bildung wie in der Politik), und f\u00fcr unsere moderne Demokratie handhabbar zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"v-autoreninfo-western\"><em><strong class=\"western\">Dr. <\/strong><strong class=\"western\">Clemens Oswald<\/strong> ist Jurist, freier Journalist und Lehrbeauftragter f\u00fcr Journalismus an der Hochschule Macromedia Hamburg. Er hat nach einem Volontariat als fester freier Mitarbeiter beim NDR-Fernsehen gearbeitet (Abteilung Innenpolitik, unter anderem bei der Redaktion Panorama). Zuvor war er Lokaljournalist (unter anderem in den USA) und Nahostkorrespondent f\u00fcr zahlreiche Printmedien und H\u00f6rfunksender. 2024 erschien sein Buch Fairfassung. So geht Demokratie! &#8211; Essay f\u00fcr eine Reform des Grundgesetzes, Norderstedt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><em>Aristoteles<\/em> 2019: Politik, \u00fcbersetzt von Sch\u00fctrumpf, Eckart, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Berger, Philip<\/em> 2025: B\u00fcrgerr\u00e4te als legitime Gestaltungsoption, in: <em>Verfassungsblog <\/em>vom 13.05.2025, <a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/buergerraete_demokratie_grundgesetz\/\">https:\/\/verfassungsblog.de\/buergerraete_demokratie_grundgesetz\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Bleicken, Jochen<\/em> 1995: Die athenische Demokratie, Paderborn.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Cartledge, Paul<\/em> 2018: Democracy: A Life, New York.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Croix, Guy F\u00e8aux de la<\/em> 2025: Die Athenische Demokratie als kritisches Potenzial, in: <em>Kritische Vierteljahresschrift f\u00fcr Gesetzgebung und Rechtswissenschaft<\/em>, Jg. 108, H. 2, S. 88-101.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dingeldey, Philip<\/em> 2022: Von unmittelbarer Demokratie zur Repr\u00e4sentation. Eine Ideengeschichte der gro\u00dfen b\u00fcrgerlichen Revolutionen, Bielefeld, <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/media\/pdf\/36\/60\/9a\/oa9783839463260BFolhjz2kRHnm.pdf\">https:\/\/www.transcript-verlag.de\/media\/pdf\/36\/60\/9a\/oa9783839463260BFolhjz2kRHnm.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Dingeldey, Philip\/Bergmann, Thore\/Hanke, Franz-Josef\/K\u00f6hler, Michael\/Oswald, Clemens\/Sanders, Andreas<\/em> 2025: Demokratisierung. Vorschl\u00e4ge zur Rettung der Demokratie, Humanistische Union, Berlin, <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Positionspapier_Broschur.pdf\">https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Positionspapier_Broschur.pdf<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Farrar, Cynthia<\/em> 2007: Power to the People, in: Raaflaub, Kurt A.\/Ober, Josiah\/Wallace, Robert W. (Hrsg.): <em>Origins of Democracy in Ancient Greece<\/em>, Berkeley, S. 170-195.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Flaig, Egon<\/em> 2018a: Wie entscheidungsf\u00e4hig sind unsere Demokratien? In: Graf, Friedrich Wilhelm\/ Meier, Heinrich (Hrsg.): <em>Die Zukunft der Demokratie<\/em>, M\u00fcnchen, S. 121-169.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Flaig, Egon<\/em> 2018b: Totalit\u00e4re Demokratie. Eine Spurenlese zum Verh\u00e4ltnis von Freiheit und Gesetz, in: Jordovi\u0107, Ivan\/Walter, Uwe (Hrsg.): <em>Feindbild und Vorbild: Die athenische Demokratie und Ihre intellektuellen Gegner<\/em>, Boston\/Berlin, S. 269-310.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Hansen, Mogens Herman<\/em> 1995: Die Athenische Demokratie im Zeitalter des Demosthenes, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Heidenreich, Felix<\/em> 2022: Demokratie als Zumutung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Jaeger, Werner <\/em>1954: Paideia. Die Formung des griechischen Menschen, 3. Aufl., Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Kloft, Hans <\/em>2010: Die athenische Demokratie. Standpunkte und Kontroversen, in: Dement\u2019eva, Vera\/Schmitt, Tassilo (Hrsg.). <em>Volk und Demokratie im Altertum<\/em>, G\u00f6ttingen, S. 31-52.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Maier, Christoph<\/em> 2010: Gewaltenteilung bei Aristoteles und in der Verfassung Athens: Keine freiheitliche Demokratie ohne multipolare Institutionenordnung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Momigliano, Arnaldo<\/em> 1988: Antike und moderne Demokratie, in: Finley, Moses I.: <em>Antike und moderne Demokratie<\/em>, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Nebelin, Marian <\/em>2018: Demokratisches Entscheiden und antidemokratische Ideologie im klassischen Athen, in: Jordovi\u0107, Ivan\/Walter, Uwe (Hrsg.): <em>Feindbild und Vorbild: Die athenische Demokratie und Ihre intellektuellen Gegner,<\/em> Boston\/Berlin, S. 109-151.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ober, Josiah <\/em>1991: Mass and Elite in Democratic Athens. Rhetoric, Ideology, and the Power of the People, Princeton.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Ober Josiah<\/em> 2017: Demopolis: Oder was ist Demokratie? Darmstadt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Onken, Bj\u00f6rn<\/em> 2015: Die attische Polis, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Oswald, Clemens<\/em> 2024: Fairfassung. So geht Demokratie! &#8211; Essay f\u00fcr eine Reform des Grundgesetzes, Norderstedt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Oswald, Clemens<\/em> 2025: Das Grundrecht auf aktive politische Partizipation: Starke subjektive Teilhaberechte \u2013 ein Fall f\u00fcr das Grundgesetz? In: Mitteilungen der Humanistischen Union Nr. 256 = H. 4, S. 32-37, <a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/mitt-256\/publikation\/das-grundrecht-auf-aktive-politische-partizipation-starke-subjektive-teilhaberechte-ein-fall-fuer-das-grundgesetz\/\">https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/mitt-256\/publikation\/das-grundrecht-auf-aktive-politische-partizipation-starke-subjektive-teilhaberechte-ein-fall-fuer-das-grundgesetz\/<\/a>.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Raaflaub, Kurt A.<\/em> 2006: Democracy, in: Kinzl, Konrad H. (Hrsg.): <em>A Companion to the classical Greek World<\/em>, Malden, S. 387-415.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Rausch, Mario <\/em>1999: Isonomia in Athen, Wien.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Russell, Bertrand<\/em> 1946: History of Western Philosophy and its Connection with Political and Social Circumstances from the Earliest Times to the Present Day, London.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Schmidt, Manfred G.<\/em> 2019: Demokratietheorien. Eine Einf\u00fchrung, Wiesbaden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Schubert, Charlotte <\/em>2012: Perikles, Stuttgart.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Schulz, Raimund\/Walter, Uwe<\/em> 2022: Griechische Geschichte ca. 800-322 v. Chr., Bd. 1: Darstellung, Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Sutter, Patrick<\/em> 2005: Die politische Ordnung Athens, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Thukydides <\/em>1991: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, \u00fcbersetzt von Landmann, Georg P., M\u00fcnchen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Vorl\u00e4nder, Hans <\/em>2017: Grundz\u00fcge der athenischen Demokratie, in: <em>Informationen zur politischen Bildung<\/em> Nr. 332 = H. 1, S. 6-13.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>Welwei, Karl-Wilhelm<\/em> 1999: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt.<\/p>\n<h3 class=\"\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen<\/span><\/h3>\n<div id=\"sdendnote1\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote1anc\" name=\"sdendnote1sym\">i <\/a>Der Autor bedankt sich bei Prof. Dr. Martin Dreher f\u00fcr das Gegenlesen einer fr\u00fcheren, l\u00e4ngeren Fassung.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote2\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote2anc\" name=\"sdendnote2sym\">ii <\/a>Ober (2017: 26) betont, dass <i>k<\/i><i>ratos<\/i> auch positiv als <i>F\u00e4higkeit<\/i> und <i>St\u00e4rke<\/i> des Volkes zu lesen ist.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote3\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote3anc\" name=\"sdendnote3sym\">iii <\/a>Zuvor hatte der Archon Solon die Grundlagen geschaffen, indem er durch einen gro\u00dfz\u00fcgigen Schuldenerlass f\u00fcr ein Ende der verbreiteten Schuldknechtschaften sorgte und als erster damit begann, die B\u00fcrger aktiv auf die neue Ordnung zu verpflichten, die fortan als Menschenwerk, nicht mehr als g\u00f6ttliche Ordnung zu betrachten war und dessen R\u00fcckgrat neue institutionelle Strukturen waren. Solon war noch kein Demokrat. Eher wollte er durch die Neuordnung einer weiteren Tyrannenherrschaft vorbeugen. Seine Reformen bereiteten jedoch den Weg in die Demokratie. (Vgl. Bleicken 1995: 66\/75\/401; Onken 2015: 24-29.)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote4\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote4anc\" name=\"sdendnote4sym\">iv <\/a>Die <i>boul\u00e9<\/i> bestimmte, wann welche Fragen in der Volksversammlung diskutiert wurden, empfing aber auch ausl\u00e4ndische Gesandte und kontrollierte die Beamtenschaft, insbesondere die milit\u00e4rische Verwaltung und die Finanzverwaltung (vgl. Sutter 2005: 43).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote5\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote5anc\" name=\"sdendnote5sym\">v <\/a>Pro Gerichtshof waren \u2013 je nach Bedeutung des Deliktes \u2013 201 bis 1501 Richter erforderlich (Onken 2015: 40; Ober 1991: 141ff.).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote6\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote6anc\" name=\"sdendnote6sym\">vi <\/a>Es handelt sich hier um das \u201eprobuleumatische Verfahren\u201c, das hei\u00dft, die (Vor-)Beschl\u00fcsse der <i>boul\u00e9<\/i> durften nicht \u00fcbergangen werden. Die meisten Beschl\u00fcsse waren wohl Routineangelegenheiten. Oft waren die Beschl\u00fcsse offen formuliert, so dass die Volksversammlung offen dar\u00fcber debattieren und entscheiden konnte. Ein konkretes Probuleuma konnte von der Volksversammlung zugunsten eines alternativen Antrags abgelehnt werden, so dass die Politik in erster Linie von der Volksversammlung gemacht wurde (Hansen 1995: 142-144).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote7\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote7anc\" name=\"sdendnote7sym\">vii <\/a>Hansen (1995: 288-289) und Bleicken (1995: 398) zufolge gab es keine einheitlichen oder stabilen politischen Gruppierungen. Dagegen habe die Offenheit der Volksversammlung mit ihren wechselnden F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten und Anh\u00e4ngerschaften gewirkt (Hansen 1995: 289), wodurch die Willensbildung viel weniger formalisiert und daher weniger berechenbar gewesen sei: \u201eDie Volksversammlung bleibt wirklicher Souver\u00e4n und entartet nicht zu einer reinen Addiermaschine anderswo gefa\u00dfter Beschl\u00fcsse.\u201c (Bleicken 1995: 398)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote8\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote8anc\" name=\"sdendnote8sym\">viii <\/a>Aufgrund seiner rhetorischen F\u00e4higkeit sind sich Historiker*innen \u00fcber die Person Perikles uneinig (vgl. zur Kontroverse Schubert 2012: 209f.; Flaig 2018a: 134; Raaflaub 2006: 399).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote9\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote9anc\" name=\"sdendnote9sym\">ix<\/a>Vgl. auch Aristoteles (Pol. 1317 a 40-b 17): \u201eEin Aspekt von Freiheit ist, da\u00df man abwechselnd sich regieren l\u00e4\u00dft und regiert.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote10\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote10anc\" name=\"sdendnote10sym\">x <\/a>\u00c4hnlich Bleicken (1995: 396), demzufolge die politische Aktivit\u00e4t der Athener ein \u201ekonstitutives\u201c Element der Demokratie war.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote11\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote11anc\" name=\"sdendnote11sym\">xi <\/a>\u00c4hnlich schon Russell (1946: 95), demzufolge das Losverfahren der athenischen Volksherrschaft \u201edemokratischere Z\u00fcge\u201c verleihe, als sie heute zu finden seien.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote12\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote12anc\" name=\"sdendnote12sym\">xii <\/a>Christoph Maier (2010) sieht in der athenischen Staatsstruktur ausdr\u00fccklich einen \u201egewaltenteilenden Institutionenorganismus\u201c, obgleich <i>Gewaltenteilung<\/i> f\u00fcr Athen anachronistisch klingen mag.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdendnote13\">\n<p class=\"sdendnote-western\"><a class=\"sdendnotesym\" href=\"#sdendnote13anc\" name=\"sdendnote13sym\">xiii <\/a>Konsequent schreibt Dingeldey (2022: ins. 377f.), dass \u201erepr\u00e4sentative Demokratie\u201c ein Oxymoron sei, da es sich bei ihr nicht um eine Demokratie (Volksmacht) im strengen und urspr\u00fcnglichen Sinne der athenischen \u201eDemokratie klassischen Antlitzes\u201c handele.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[21],"tags":[4713,4712,4068,682,4401,667],"autoren":[4003],"publikationen":[4668],"class_list":["post-20692","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-demokratisierung","tag-athen","tag-athenische-demokratie","tag-buergerraete","tag-demokratisierung","tag-politische-partizipation","tag-vorgaenge-artikel","autoren-clemens-oswald","publikationen-vorg-254"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die athenische Demokratie \u2013 historisches Demokratiemodell mit Potenzial f\u00fcr heute - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/vorg-254\/publikation\/die-athenische-demokratie-historisches-demokratiemodell-mit-potenzial-fuer-heute\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die athenische Demokratie \u2013 historisches Demokratiemodell mit Potenzial f\u00fcr heute - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die athenische Demokratie, deren Bl\u00fcte von 451\/50 bis 322 vor Christus datiert wird (vgl. zur Chronologie Schulz\/Walter 2022: 129-131), war in puncto B\u00fcrgerrechte au\u00dfergew\u00f6hnlich. 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