{"id":8548,"date":"2019-07-16T21:00:00","date_gmt":"2019-07-16T19:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/fake-news-infox-trollfabriken-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:43:06","modified_gmt":"2021-08-30T13:43:06","slug":"fake-news-infox-trollfabriken-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/225-226\/publikation\/fake-news-infox-trollfabriken-1\/","title":{"rendered":"\u201eFake News\u201c, \u201eInfox\u201c, Trollfabriken"},"content":{"rendered":"<p>&Uuml;ber den Umgang mit Desinformationen in den sozialen Medien<\/p>\n<p>in: vorg&auml;nge Nr. 225\/226 (1-2\/2019), S. 97-108<\/p>\n<p>Die sozialen Medien haben sich als eigenst&auml;ndige globale Kommunikationsinfrastruktur etabliert und sind zu einer wichtigen Sph&auml;re der politischen Auseinandersetzung geworden. Auch Falschnachrichten und Desinformation haben darin einen festen Platz. Schillernde Begriffe wie &#8222;<i>Fake News<\/i>&#8220; oder &#8222;<i>Social Bots<\/i>&#8220; bestimmen wiederholt die Diskussionen um den Zustand der demokratischen &Ouml;ffentlichkeit. Der Beitrag erl&auml;utert verschiedene Erscheinungsformen und Wirkungsweisen von Desinformation sowie Regulierungs- und Selbstregulierungsoptionen. Nicht nur der Gesetzgeber geht, wie in Frankreich mit dem &#8222;<i>Gesetz gegen die Manipulation von Informationen<\/i>&#8222;, gegen Desinformation und die Verbreitung von Falschnachrichten vor. Auch die sozialen Netzwerke versch&auml;rfen ihre Gemeinschaftsstandards und bem&uuml;hen sich &#8211; insbesondere unter dem Eindruck von Aktions- und Ma&szlig;nahmepl&auml;nen auf europ&auml;ischer Ebene &#8211; um eine effektive Durchsetzung. Dies steht in einem Spannungsverh&auml;ltnis zur grundrechtlich gew&auml;hrleisteten Meinungsfreiheit.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-einleitung\">I. Einleitung<\/span><\/h2>\n<p>Desinformation und Falschmeldungen, Ger&uuml;chte und Halbwahrheiten waren schon immer ein politisches Mittel und Bestandteil politischer Prozesse. Dass politische Propaganda und Desinformationskampagnen in den sozialen Medien einen festen Platz haben (Bradshaw\/Howard 2018), ist daher nicht &uuml;berraschend. Die gro&szlig;en sozialen Netzwerke und Kommunikationsplattformen haben, was ihre Bedeutung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Meinungsbildung angeht, zu den klassischen Massenmedien aufgeschlossen.[1] Soziale Medien sind zu einer wichtigen Sph&auml;re der politischen Auseinandersetzung geworden. Es sind Orte, an denen um Einfluss und Meinungsmacht gerungen wird. Wie jede mediale Neuerung haben auch sie ihre eigenen Propagandamittel hervorgebracht (Benkler et al. 2018). Auch wenn die Auswirkungen der Verbreitung von Falschinformationen auf politische Willensbildungsprozesse und das Wahlverhalten unklar sind und die empirische Forschung vielfach erst am Anfang steht, bestimmen Begriffe wie &#8222;Fake News&#8220; (im Franz&ouml;sischen auch &#8222;Infox&#8220; genannt) oder &#8222;Social Bots&#8220; in unterschiedlichen Konjunkturen und Erregungswellen die Debatte um den Zustand der demokratischen &Ouml;ffentlichkeit. In politischen Auseinandersetzungen sind es sehr gebr&auml;uchliche, aber letztendlich auch schillernde Begriffe. Wenn man sich &uuml;ber Regulierungsm&ouml;glichkeiten und die rechtlichen Rahmenbedingungen klarer werden will, kommt es zun&auml;chst darauf an, die Erscheinungsformen von Desinformationen deutlicher zu machen. Interventionen mit dem Ziel, Falschinformationen aus den sozialen Medien herauszufiltern und eine &#8222;unverzerrte&#8220; Kommunikation zu gew&auml;hrleisten, geraten leicht in ein Spannungsverh&auml;ltnis zur Meinungsfreiheit. Das zeigt sich nicht nur in den F&auml;llen, in denen autorit&auml;re Regime Anti-&#8222;Fake News&#8220;-Gesetze dazu einsetzen, um gegen unliebsame Meinungen vorzugehen. Dies gilt auch unter den Vorzeichen demokratischer Verfassungsordnungen und nicht zuletzt f&uuml;r die Selbstregulierungsbem&uuml;hungen der sozialen Medien.&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-desinformation-in-einer-automatisierten-oeffentlichkeit\">II. Desin&shy;for&shy;ma&shy;tion in einer automa&shy;ti&shy;sierten &Ouml;ffent&shy;lich&shy;keit<\/span><\/h2>\n<p>An der Diskussion &uuml;ber Desinformation in den sozialen Medien l&auml;sst sich ablesen, wie sehr sich die Erwartungen an die Internetkommunikation ver&auml;ndert haben. Dominierten zun&auml;chst optimistische Vorstellungen einer verfl&uuml;ssigten, direkteren Kommunikation, werden sie zunehmend als Quelle von Fehlentwicklungen verstanden, die nicht zuletzt die Bedingungen einer freien &ouml;ffentlichen Meinungsbildung unterlaufen k&ouml;nnen. Unter Desinformationen werden dabei gezielt und bewusst gestreute Falschinformationen verstanden. Sie unterscheiden sich von den zirkulierenden Unwahrheiten, die ein fester Bestandteil der gesellschaftlichen Kommunikation und des demokratischen Diskurses sind. Politische Akteure k&ouml;nnen Desinformationen f&uuml;r die unterschiedlichsten Ziele einsetzen. Dies k&ouml;nnen kurzfristige strategische Ziele sein, etwa um den Ausgang politischer Entscheidungen oder die &ouml;ffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen. Die Ziele k&ouml;nnen aber auch l&auml;ngerfristiger sein und darin bestehen, das Vertrauen in das Funktionieren der demokratischen &Ouml;ffentlichkeit insgesamt zu ersch&uuml;ttern. Wie die parlamentarischen Untersuchungen zum u.s.-amerikanischen Pr&auml;sidentschaftswahlkampf und der Brexit-Abstimmung gezeigt haben, sind dies auch und insbesondere ausl&auml;ndische Akteure (zu den russischen Desinformationsstrategien vgl. etwa Mannteufel 2018 sowie Jamieson 2018).[2]Desinformationskampagnen werden mit den sich entwickelnden technischen M&ouml;glichkeiten subtiler. Sie zielen nicht nur auf die Verbreitung in den sozialen Netzwerken, sondern auf eine R&uuml;ckkopplung mit den klassischen Medien und die Agenda der institutionalisierten Politik. Besonders gef&auml;hrlich f&uuml;r die Integrit&auml;t einer demokratischen Kommunikationsordnung ist es, wenn sich Desinformation mit klassischer Macht verbindet. Der Politikwissenschaftler Brendan Nyhan fasst die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu &#8222;Fake News&#8220; im amerikanischen Wahlkampf folgenderma&szlig;en zusammen:<i> &#8222;The most worrisome misinformation in U.S. politics remains the old-fashioned kind: false and misleading statements made by elected officials who dominate news coverage and wield the powers of government&#8220;<\/i> (Nyhan 2019). Postfaktische Politik kann sich dabei nicht mehr in einem HobbesschenSinn ausschlie&szlig;lich auf Machtspr&uuml;che und Autorit&auml;t st&uuml;tzen (&#8222;<i>Auctoritas non veritas<\/i>&#8222;). Eine Politik, die sich von Rechtfertigungsanforderungen entkoppeln will, bedarf spezifisch medialer Strategien. Die fortlaufende Diskreditierung medialer Berichterstattung als &#8222;fake news&#8220; geh&ouml;rt dazu (Ross\/Rivers 2018). Dazu geh&ouml;ren auch die f&uuml;r die sozialen Medien typische Personalisierung, das Herausstellen von Schw&auml;chen und Individualit&auml;t sowie ein selbstbewusster Umgang mit den eigenen L&uuml;gen (Turner 2019).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"microtargeting\">Microtargeting<\/span><\/h2>\n<p>Desinformationskampagnen k&ouml;nnen an die Funktionslogik der sozialen Medien anschlie&szlig;en. Die Digitalisierung der Kommunikation und das dominierende, auf Werbeeinnahmen ausgerichtete Gesch&auml;ftsmodell der Plattformen, das starke Anreize f&uuml;r ein kontinuierliches &#8222;Monitoring&#8220; der Nutzer setzt, erm&ouml;glichen neue Formen der politischen Kommunikation und der gezielten Manipulation. Soziale Medien operieren auf der Basis einer datengetriebenen &Ouml;konomie, die das Nutzerverhalten umfassend registriert. Dies er&ouml;ffnet die M&ouml;glichkeit eines politischen &#8222;<i>microtargeting<\/i>&#8222;, also des gezielten Ansprechens von Nutzergruppen mit eigens auf sie zugeschnittenen (Des-)Informationskampagnen. Ein technisierter Wahlkampf kann an die &#8222;ausgelesenen&#8220; Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Bed&uuml;rfnisse ankn&uuml;pfen und versuchen, Stimmungen in politischer Absicht zu beeinflussen und Aufmerksamkeiten zu lenken (Zuboff 2018: 341 ff.). Microtargeting ist als solches noch nicht notwendig manipulativ oder eine spezifische Desinformationstechnik. Es erm&ouml;glicht es allerdings, verschiedene und zum Teil auch gegens&auml;tzliche Botschaften an die unterschiedlichen W&auml;hlergruppen zu senden und damit auch Falschinformationen gezielter und vielleicht auch wirkungsvoller zu verbreiten. Die Unterscheidung von manipulierter und prinzipiell freier politischer Willensbildung muss angesichts dieser M&ouml;glichkeiten noch einmal neu justiert werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"trollarmeen-bots-und-netzwerkeffekte\">Trollarmeen, Bots und Netzwer&shy;k&shy;ef&shy;fekte<\/span><\/h2>\n<p>Die vom amerikanischen Senat und dem britischen <i>House of Commons <\/i>in Auftrag gegebenen Studien haben die Bandbreite der Strategien und die Funktionsweise von automatisierter Propaganda deutlicher werden lassen. Dazu geh&ouml;ren Praktiken wie der Einsatz professioneller &#8222;Trolle&#8220; und hochautomatisierter Nutzeraccounts zur Verbreitung von Desinformation oder Hassbotschaften. Ziel ist es, die Deutungshoheit &uuml;ber bestimmte Vorg&auml;nge zu gewinnen. &#8222;Trolle&#8220; sind reale Personen (wenn auch mit m&ouml;glicherweise falschen Profilen). &#8222;Social Bots&#8220; hingegen reagieren entsprechend ihrer Programmierung automatisiert auf Kommunikation in den sozialen Medien. Unter den Kommunikationswissenschaftlern ist dabei vieles umstritten. Die Unsicherheiten reichen von den Merkmalen, an denen ein &#8222;Social Bot&#8220; als solcher erkannt wird, bis zum Ausma&szlig; der Aktivit&auml;ten, die von automatisierten Accounts tats&auml;chlich ausgehen.[3] Nach einem Bericht der Tageszeitung <i>Die Welt <\/i>vom Ende des vergangenen Jasetzt worden sein.[4] Der Artikel beruft sich auf die Ergebnisse einer Studie, deren Methodik nicht weiter erl&auml;utert wurde und deren Aussagekraft letztendlich fragw&uuml;rdig blieb. Gleichwohl hat die Politik auf die Meldung schnell mit einer Forderung strengerer Regulierung von automatisierten Bot-Accounts reagiert.[5]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"der-einfuss-auf-die-meinungsbildung\">Der Einfuss auf die Meinungs&shy;bil&shy;dung<\/span><\/h2>\n<p>Weitgehend unklar ist auch, in welchem Ma&szlig; die verschiedenen Praktiken der Desinformation die politische Meinungsbildung und das Wahlverhalten tats&auml;chlich beeinflusst haben bzw. zu beeinflussen verm&ouml;gen. Eine Schwierigkeit der Analyse von Online-Desinformationskampagnen resultiert daraus, dass die Daten der Unternehmen auch f&uuml;r wissenschaftliche Zwecke in der Vergangenheit nur sehr bedingt zug&auml;nglich waren.[6] Die Daten, die f&uuml;r die amerikanischen Studien zur Verf&uuml;gung gestellt wurden, beziehen sich nicht auf die Reaktionen der Nutzer, die mit den Inhalten konfrontiert wurden. Die beteiligten Akteure haben ein Interesse, den Einfluss auf politische Ereignisse, Wahlen und Abstimmungen m&ouml;glichst gro&szlig; erscheinen zu lassen. Das gilt f&uuml;r die russische <i>Internet Research Agency <\/i>(IRA) genauso wie f&uuml;r Datenanalyse-Firmen wie <i>Cambridge Analytica <\/i>(vgl. dazu Nosthoff\/Maschewski 2017). Die Selbstbeschreibungen dieser Firmen sind Teil einer Inszenierung unter Marketinggesichtspunkten.[7] Dennoch wird man davon ausgehen k&ouml;nnen, dass politische Meinungsbildungsprozesse durch Praktiken dieser Art beeintr&auml;chtigt werden. Gesetzgeber und Technikunternehmen stehen hier vor komplexen Ph&auml;nomene, die auf vielf&auml;ltige Weise zusammenwirken. Entsprechend komplex sind die (Selbst-)Regulierungsaufgaben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-regulierte-selbstregulierung\">III. Regulierte Selbst&shy;re&shy;gu&shy;lie&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>Auf europ&auml;ischer Ebene hat sich eine Reihe von Akteuren dem Problem der gezielten Meinungsmanipulation in den sozialen Netzwerken angenommen (vgl. die &Uuml;bersicht bei Bradshaw et al. 2018). Dazu geh&ouml;ren die Mitgliedstaaten, wie auch die EU selbst. Die EU-Kommission hat im November 2018 einen Aktionsplan gegen Desinformation verabschiedet. Er sieht vor, dass sich die Regierungen der Mitgliedstaaten (mit Blick auf die Europawahl und dar&uuml;ber hinaus) abstimmen, um effektiv gegen Desinformationskampagnen vorzugehen.[8] Der Aktionsplan steht in einer Reihe von zun&auml;chst rechtlich unverbindlichen Ma&szlig;nahmepl&auml;nen, die die Mitgliedstaaten wie auch die sozialen Netzwerke zur Bek&auml;mpfung von Desinformation anhalten und eine intakte Kommunikation in den sozialen Medien erm&ouml;glichen sollen.[9] Die Aktions- und Ma&szlig;nahmepl&auml;ne auf europ&auml;ischer Ebene entfalten trotz ihrer rechtlichen Unverbindlichkeit Wirkung, weil sie mit der Androhung m&ouml;glicher Regulierung verbunden sind und auf diese Weise die sozialen Medien zu selbstregulatorischen Ma&szlig;nahmen anhalten.[10] Die Unternehmen haben zudem eigene Interessen daran, die Integrit&auml;t der Plattformen gegen Desinformationen zu sichern (Frau-Meigs 2018, S. 26 ff.).<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"selbstverpfichtungen-und-gemeinschaftsstandards\">Selbst&shy;ver&shy;pfich&shy;tungen und Gemein&shy;schafts&shy;s&shy;tan&shy;dards<\/span><\/h2>\n<p>Den Selbstregulierungsbem&uuml;hungen der sozialen Netzwerke kommt schon aufgrund ihres Wissens und ihrer technischen M&ouml;glichkeiten eine besondere Bedeutung zu. Als Intermedi&auml;re k&ouml;nnen sie umfassende Selbstregulierungsans&auml;tze verfolgen, die &uuml;ber das L&ouml;schen von Falschmeldungen und Fake-Accounts hinausgehen. Sie entscheiden mit ihren Formaten dar&uuml;ber, welche Inhalte angezeigt werden, wie sie zur Darstellung kommen und sichtbar werden (Gillespie 2018). Zu den Ma&szlig;nahmen, die Facebook angek&uuml;ndigt hat, geh&ouml;rt etwa die Ausweitung des Faktenpr&uuml;ferprogramms, bei dem das Unternehmen mit der Deutschen Presseagentur zusammenarbeitet.[11] Auch f&uuml;r die Wahlwerbung wurden versch&auml;rfte Regeln aufgestellt. Um den ausl&auml;ndischen Einfluss auf nationale Kampagnen zu begrenzen, verlangt Facebook, dass sich alle Werbetreibenden in dem Land, in dem sie politische Werbung kaufen wollen, registrieren.[12] Die Gemeinschaftsstandards und Nutzungsbedingungen wurden entsprechend angepasst, um gegen &#8222;<i>koordiniertes unauthentisches Verhalten<\/i>&#8220; vorgehen zu k&ouml;nnen.[13]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"gesetzliche-vorgaben\">Gesetzliche Vorgaben<\/span><\/h2>\n<p>Auch wenn gesetzliche Vorgaben einen anderen Grad an Verbindlichkeit als Selbstverpflichtungen der sozialen Netzwerke haben, bedeutet das nicht, dass sie das Problem der Desinformation effektiver l&ouml;sen. Trotz des erkl&auml;rten Anspruchs in der Gesetzesbegr&uuml;ndung ist das bundesdeutsche NetzDG kein effektives Instrument gegen die gezielte Verbreitung von Falschnachrichten und Desinformation.[14] Der Schwerpunkt des NetzDG liegt darauf, die Verbreitung rechtswidriger Inhalte (&sect; 1 Abs. 3 NetzDG) zu unterbinden. Desinformationen, wenn sie nicht Straftatbest&auml;nde wie Verleumdung oder &uuml;ble Nachrede erf&uuml;llen, fallen nicht in den Anwendungsbereich des Gesetzes. Gleiches gilt f&uuml;r die Nutzung falscher Profile und die Steuerung ganzer &#8222;Botarmeen&#8220;.<\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber zielt das franz&ouml;sische &#8222;<i>Gesetz gegen die Manipulation von Information<\/i>&#8220; unmittelbar darauf, die Verbreitung von Desinformation zu unterbinden.[15] Das Gesetz legt den Diensteanbietern Mitwirkungspflichten auf (vgl. insbesondere Art. 6 des Gesetzes). Die Plattformen haben u. a. ein leicht zug&auml;ngliches und effektives Beschwerdesystem (&#8222;<i>notice and take down<\/i>&#8222;) einzurichten, das es den Nutzern erm&ouml;glicht, die Diensteanbieter wie auch die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden auf Falschinformationen aufmerksam zu machen. Damit einher gehen Transparenz- und Berichtspflichten. Das franz&ouml;sische Recht kennt unabh&auml;ngig von dieser gesetzlichen Neuerung eine Reihe von Bestimmungen, die der Verbreitung von Falschinformationen Grenzen setzen. Dazu geh&ouml;ren neben der M&ouml;glichkeit, zivilrechtlich gegen falsche Behauptungen vorzugehen, sowie den strafrechtlichen Sanktionen von Verleumdungen und Beeintr&auml;chtigungen der Privatsph&auml;re auch presse- und medienrechtliche Bestimmungen, welche die Integrit&auml;t der &ouml;ffentlichen Kommunikationsordnung gew&auml;hrleisten sollen. Dem Schutz der &ouml;ffentlichen Kommunikationsordnung dienen insbesondere Bestimmungen im franz&ouml;sischen Gesetz zur Pressefreiheit, das in seinen Kapiteln IV und V die Verbreitung von falschen Nachrichten (&#8222;<i>nouvelles fausses<\/i>&#8222;, Art. 27) untersagt. Sie gehen &uuml;ber presserechtliche Sorgfaltspflichten und anerkannte journalistische Grunds&auml;tze nach bundesdeutschen Ma&szlig;st&auml;ben hinaus.[16] Nach Art. L 97 des Wahlgesetzes (<i>Code &eacute;lectoral<\/i>) ist es zudem strafbewehrt, durch falsche oder verleumderische Nachrichten oder andere betr&uuml;gerische Handlungen Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Gesch&uuml;tzt werden soll auf diese Weise neben der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung auch der politische Willensbildungsprozess. Das Gesetz gegen die Manipulation von Informationen er&ouml;ffnet jetzt die M&ouml;glichkeit, mittels einer gerichtlichen Anordnung die Verbreitung falscher Informationen zu unterbinden. Die Anordnung kann gegen&uuml;ber Host-, Content- und ggf. auch gegen&uuml;ber Internetzugangsprovidern ergehen, ohne dass die Frage der Verantwortlichkeit f&uuml;r die Verbreitung der Information gekl&auml;rt werden m&uuml;sste. Dar&uuml;ber hinaus werden Transparenzverpflichtungen in Bezug auf politische Werbung formuliert. Die franz&ouml;sische Medienaufsicht (<i>Conseil sup&eacute;rieur de l&#8217;audiovisuel <\/i>&ndash; CSA) erh&auml;lt erweiterte Befugnisse und Sanktionsm&ouml;glichkeiten. Sie kann in letzter Konsequenz auch die Ausstrahlung eines ausl&auml;ndischen Senders unterbinden, wenn dieser Falschinformationen verbreitet. Der zeitliche Rahmen, in dem die Bestimmungen greifen, ist begrenzt (3 Monate im Vorfeld einer Wahl). Es handelt sich um eine Art Sonderregime zur Sicherung der Integrit&auml;t der politischen Willensbildung, das nur im Vorfeld von nationalen Wahlen und Europawahlen Anwendung findet, also auf die Zeit des Wahlkampfes beschr&auml;nkt ist.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iv-grundrechtskonfikte\">IV. Grund&shy;rechts&shy;kon&shy;fikte<\/span><\/h2>\n<p>Die Herausforderung f&uuml;r die Regulierung der sozialen Medien besteht nicht nur darin, effektive Instrumente gegen die Verbreitung von Falschnachrichten und Desinformation zu finden. Interventionen in die Kommunikationsordnung zum Schutz der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung m&uuml;ssen auch elementaren grundrechtlichen Anforderungen gen&uuml;gen. Dazu geh&ouml;ren nicht nur die wirtschaftlichen Freiheiten der Unternehmen, sondern vor allem auch die Kommunikationsgrundrechte. Interventionen in die Kommunikation in den sozialen Netzwerken zum Schutz vor Falsch- und Desinformation k&ouml;nnen die Meinungsfreiheit unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig einschr&auml;nken. Dies gilt nicht nur f&uuml;r staatliche Gesetzgebung und gesetzlich angeordnete L&ouml;sch- und Filterpflichten. Grundrechtliche Bindungen h&ouml;ren nicht dort auf, wo der Bereich der privaten Selbstregulierung beginnt. Die gro&szlig;en sozialen Netzwerke und Kommunikationsplattformen haben &#8211; nach bundesdeutschem Grundrechtsverst&auml;ndnis &#8211; eine Verantwortung f&uuml;r die Meinungsfreiheit, die der privatautonomen Ausgestaltung &ouml;ffentlicher Kommunikationsforen Grenzen setzt.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"schwierige-grenzziehungen\">Schwierige Grenz&shy;zie&shy;hungen<\/span><\/h2>\n<p>Was die Konflikte mit der Meinungsfreiheit angeht, beginnen die Schwierigkeiten eines Vorgehens gegen Desinformationen schon bei der Definition und der Bestimmung der Voraussetzungen, unter denen ihre Verbreitung nicht mehr zul&auml;ssig sein soll. Dies hat sich mit aller Deutlichkeit im franz&ouml;sischen Gesetzgebungsverfahren gezeigt. Zu den Ver&auml;nderungen, die der Entwurf im Zuge des Gesetzgebungsprozesses erfahren hat, geh&ouml;ren nicht nur der Titel des Gesetzes, der von &#8222;<i>fausses informations<\/i>&#8220; zu &#8222;<i>manipulation de l`information<\/i>&#8220; ge&auml;ndert wurde. Mit der Akzentverschiebung von &#8222;Falschnachrichten&#8220; zu &#8222;Manipulation von Informationen&#8220; wurden auch weitere qualifizierende Tatbestandsmerkmale eingef&uuml;hrt (s. dazu Hochmann 2018). Die Definition des Regelungsgegenstandes musste dem Umstand Rechnung tragen, dass auch falsche Tatsachenbehauptungen von der Meinungsfreiheit gesch&uuml;tzt sein k&ouml;nnen (und h&auml;ufig gesch&uuml;tzt sind). Das Bundesverfassungsgericht schlie&szlig;t nur die bewusste L&uuml;ge vom Schutzbereich der Meinungsfreiheit aus. Zur Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung geh&ouml;rt es, auch Falsches behaupten zu k&ouml;nnen, ja sich nicht einmal die Frage stellen zu m&uuml;ssen, ob die Tatsachen, auf die sich eine Meinungskundgabe st&uuml;tzt, der &Uuml;berpr&uuml;fung standhalten werden.[17] Auch wenn unwahren Tatsachenbehauptungen kein besonderer Wert f&uuml;r die &ouml;ffentliche Meinungsbildung zukommt, beeintr&auml;chtigen &uuml;bersteigerte Wahrheits- und Sorgfaltspflichten die Wahrnehmung der grundrechtlichen Freiheiten. Falsche oder irref&uuml;hrende Tatsachenbehauptungen und abwegige Weltsichten sind Teil des demokratischen Diskurses, die man nicht einfach herausk&uuml;rzen kann, ohne die &ouml;ffentliche Meinungsbildung insgesamt zu besch&auml;digen. Auch humoristische oder satirische Inhalte m&uuml;ssten von vornherein vom Anwendungsbereich eines Desinformationsgesetzes ausgenommen werden.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-verantwortung-der-sozialen-netzwerke\">Die Verant&shy;wor&shy;tung der sozialen Netzwerke<\/span><\/h2>\n<p>Diese grundrechtlichen Ma&szlig;st&auml;be gelten f&uuml;r die Kommunikation in den &ouml;ffentlichen Foren der gro&szlig;en sozialen Netzwerke. Da die Grundrechte nicht lediglich (subjektive) Abwehrrechte des B&uuml;rgers gegen staatliche Interventionen sind, sondern Ausdruck einer verfassungsrechtlichen Grundentscheidung, haben sie Bedeutung f&uuml;r die Rechtsordnung insgesamt und wirken damit auch auf privatrechtliche Rechtsbeziehungen zur&uuml;ck.[18] So hat das BVerfG in mehreren Entscheidungen hervorgehoben, dass die zwar nicht unmittelbare, aber doch mittelbare Grundrechtsbindung Privater in ihrer Intensit&auml;t der Grundrechtsbindung des Staates nahe oder auch gleichkommen kann, insbesondere dann, wenn Private die Voraussetzungen des Grundrechtsgebrauchs bestimmen. F&uuml;r den Schutz der Kommunikation kommt nach der Rechtsprechung eine besondere Grundrechtsbindung insbesondere dann in Betracht, wenn private Unternehmen die Bereitstellung schon der Rahmenbedingungen &ouml;ffentlicher Kommunikation &uuml;bernehmen und damit in Funktionen eintreten, die &#8211; wie die Sicherstellung der Post- und Telekommunikationsdienstleistungen &#8211; fr&uuml;her dem Staat als Aufgabe der Daseinsf&uuml;rsorge zugewiesen waren.[19] Die Implikationen dieser Rechtsprechungslinie sind im Einzelnen unklar. Allerdings d&uuml;rfte den gro&szlig;en sozialen Netzwerken aufgrund ihrer Bedeutung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Kommunikation auch eine besondere Verantwortung f&uuml;r die Verwirklichung der Meinungsfreiheit zukommen. Trotz der privatrechtlichen Organisationsform schaffen soziale Netzwerke und Kommunikationsplattformen ein vielseitiges und offenes Kommunikationsgeflecht, das in Teilen die Charakteristika eines &#8222;<i>public forum<\/i>&#8222;, eines &ouml;ffentlichen Diskussionsraums aufweist, f&uuml;r den konsequenterweise auch &ouml;ffentlich-rechtliche Grundrechtsstandards gelten. Wenn f&uuml;r die Nutzer nicht vorhersehbar ist, mit welcher Tendenz Gemeinschaftsstandards angewandt werden, wird dies regelm&auml;&szlig;ig bereits einen Vertragsversto&szlig; darstellen. Eine diffuse L&ouml;schpraxis, wie sie zuletzt Twitter im Umgang mit &Auml;u&szlig;erungen zur Europawahl an den Tag gelegt hat, unterl&auml;uft die Erwartungssicherheit, die f&uuml;r den Gebrauch einer Kommunikationsplattform essentiell ist. Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen Selbstregulierungsma&szlig;nahmen gegen Desinformation auf der Basis privater Community-Standards elementaren Anforderungen der grundrechtlichen Meinungsfreiheit gen&uuml;gen. Die Aus&uuml;bung grundrechtlicher Kommunikationsfreiheiten kann nicht nur durch diffuse Vorgaben f&uuml;r die L&ouml;schung von Beitr&auml;gen, sondern auch durch &uuml;bersteigerte Anforderungen an die Wahrheitspflicht und das Ausschlie&szlig;en jeglicher Satire beeintr&auml;chtigt werden. Gegen Desinformationskampagnen bietet sich daher ein System des <i>Content Management <\/i>an, das nicht die Inhalte, sondern die Verhaltensmuster &uuml;berpr&uuml;ft.[20]<\/p>\n<p><b>PROF. DR. J&Ouml;RN REINHARDT<\/b> <i>ist seit 2017 Professor f&uuml;r &Ouml;ffentliches Recht an der Universit&auml;t Bremen.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"literatur\">Literatur<\/span><\/h2>\n<p><i>Benkler, Yochai; Faris, Robert; Roberts, Hal <\/i>2018: Network Propaganda: Manipulation, Disinformation and Radicalization in American Politics. Oxford.<\/p>\n<p><i>Bradshaw, Samantha; Howard, Philip N.<\/i> 2018: Challenging Truth and Trust: A Global Inventory of Organized Social Media Manipulation, abrufbar unter <a href=\"http:\/\/comprop.oii\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/comprop.oii<\/a>. ox.ac.uk\/research\/cybertroops2018\/<\/p>\n<p><i>Bradshaw, Samantha; Neudert, Lisa-Maria; Howard Philip N. <\/i>2018: Government responses to malicious use of social media, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.stratcomcoe.org\/government-responses-malicious-use-social-media\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.stratcomcoe.org\/government-responses-malicious-use-social-media<\/a>.<\/p>\n<p><i>Frau-Meigs, Divina <\/i>2018: Societal costs of &ldquo;fake news&rdquo; in the Digital Single Market, Study for the Committee on the Internal Market and Consumer Protection, Policy Department for Economic, Scientific and Quality of Life Policies, European Parliament, Luxembourg.<\/p>\n<p><i>Gillespie, Tarleton <\/i>2018: Custodians of the internet. Platforms, content moderations, and the hidden decisions that shape social media, New Haven.<\/p>\n<p><i>Hochmann, Thomas<\/i> 2018: Lutter contre les fausses informations : le probl&egrave;me pr&eacute;liminaire de la d&eacute;finition, RDLF, chron. n&deg;16, abrufbar unter: <a href=\"http:\/\/www.revuedlf.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.revuedlf.com\/<\/a> droit-constitutionnel\/lutter-contre-les-fausses-informations-le-probleme-preliminaire-de-la-definition\/.<\/p>\n<p><i>Holznagel, Bernd <\/i>2018: Ph&auml;nomen &bdquo;Fake News&ldquo; &ndash; Was ist zu tun?, <i>Multimedia und Recht<\/i>, S. 18-22.<\/p>\n<p><i>Jamieson, Kathleen Hall <\/i>2018: Cyberwar: How Russian Hackers and Trolls Helped Elect a President What We Don&rsquo;t, Can&rsquo;t, and Do Know. Oxford.<\/p>\n<p><i>Jarren, Otfried <\/i>2019: Fundamentale Institutionalisierung: Social Media als neue globale Kommunikationsinfrastruktur, <i>Publizistik<\/i>, Vol. 64, H. 2, S. 163-179.<\/p>\n<p><i>Kind, Sonja; Jetzke, Tobias; Weide, Sebastian et. al.<\/i> 2017: Social Bots. TA-Vorstudie. Berlin. Abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.tab-beim-bundestag.de\/de\/pdf\/publikationen\/berichte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.tab-beim-bundestag.de\/de\/pdf\/publikationen\/berichte<\/a> \/TAB-Horizon-Scanning-hs003.pdf.<\/p>\n<p><i>Kreiss, Daniel; McGregor, Shannon C. <\/i>2017: Technology Firms Shape Political Communication: The Work of Microsoft, Facebook, Twitter, and Google With Campaigns During the 2016 U.S. Presidential Cycle, <i>Political Communication<\/i>, S. 155-177.<\/p>\n<p><i>Limbourg, Peter; Gr&auml;tz, Ronald<\/i> (Hrsg.) 2018: Meinungsmache im Netz. Fake News, Bots und Hate Speech, G&ouml;ttingen.<\/p>\n<p><i>Mannteufel, Ingo <\/i>2018: Russland: Desinformation 2.0 als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Ziele, Methoden und Instrumente des Informationskrieges des Kremls, in: Limbourg\/ Gr&auml;tz (Hrsg.), Meinungsmache im Netz, S. 87-96.<\/p>\n<p><i>Nosthoff, Anna-Verena; Maschewski, Felix <\/i>2017: &bdquo;Democracy as Data&ldquo;? &ndash; &Uuml;ber Cambridge Analytica und die &#8222;moralische Phantasie&#8220;, Merkur Blog, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.merkur-zeitschrift.de\/2017\/02\/06\/democracy-as-data-ueber-cambridge-analytica-und-die-moralische-phantasie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.merkur-zeitschrift.de\/2017\/02\/06\/democracy-as-data-ueber-cambridge-analytica-und-die-moralische-phantasie\/<\/a><\/p>\n<p><i>Nyhan, Brendan<\/i> 2019: Why Fears of Fake News Are Overhyped, Medium (4.2.2019), abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/medium.com\/s\/reasonable-doubt\/why-fears-of-fake-news-are-overhyped-2ed9ca0a52c9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/medium.com\/s\/reasonable-doubt\/why-fears-of-fake-news-are-overhyped-2ed9ca0a52c9<\/a>.<\/p>\n<p><i>Reinhardt, J&ouml;rn<\/i> 2018 : Les conflits de droit entre personnes priv&eacute;es: de l&rsquo;&laquo; effet horizontal indirect &raquo; &agrave; la protection des conditions d&rsquo;exercice des droits fondamentaux, in: Hochmann\/ Reinhardt (Hrsg.), L&rsquo;effet horizontal des droits fondamentaux, Paris, S. 149&ndash;176.<\/p>\n<p><i>Ross, Andrew S.; Rivers, Damian J. <\/i>2018: Discursive Deflection: Accusation of &#8222;Fake News&#8220; and the Spread of Mis- and Disinformation in the Tweets of President Trump, <i>Social Media + Society<\/i>, H. 4, S. 1-12.<\/p>\n<p><i>Turner, Fred <\/i>2019: Machine Politics. The rise of the internet and a new age of authoritarianism, Harper&lsquo;s Magazine, H. 1, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/harpers.org\/archive\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/harpers.org\/archive\/<\/a> 2019\/01\/machine-politics-facebook-political-polarization\/<\/p>\n<p><i>Zuboff, Shoshana <\/i>2018: Das Zeitalter des &Uuml;berwachungskapitalismus, Frankfurt\/ New York.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h2>\n<p>1 Sie haben sich als eigenst&auml;ndige globale Kommunikationsinfrastruktur etabliert (vgl. Jarren 2019) und pr&auml;gen damit zunehmend auch die politische Kommunikation (Kreiss, McGregor 2017).<\/p>\n<p>2 Im Fokus der parlamentarischen Untersuchungen in Gro&szlig;britannien und den USA standen die Aktivit&auml;ten der russischen <i>Internet Research Agency <\/i>(IRA), die auf den amerikanischen Wahlkampf und die britische Brexit-Entscheidung Einfluss zu nehmen versuchten. Amerikanische und britische Wissenschaftler untersuchten f&uuml;r das <i>Senate Select Committee on Intelligence <\/i>(SSCI) das Ausma&szlig; der Aktivit&auml;ten und die Art der Kampagnen. Zu den Desinformationskampagnen der russischen IRA siehe die Studien von New Knowledge unter <a href=\"https:\/\/www.newknowledge.com\/articles\/the-disinformation-report\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.newknowledge.com\/articles\/the-disinformation-report\/<\/a> und den Bericht des Computational Propaganda Research Projects <a href=\"https:\/\/comprop.oii.ox.ac.uk\/research\/ira-political-polarization\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/comprop.oii.ox.ac.uk\/research\/ira-political-polarization\/<\/a>. Zu den Untersuchungsergebnissen des britischen House of Commons s. <a href=\"https:\/\/publications.parliament.uk\/pa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/publications.parliament.uk\/pa\/<\/a> cm201719\/cmselect\/cmcumeds\/1791\/179102.htm).<\/p>\n<p>3 Zu Social Bots s. die TA-Vorstudie von Kind et al. 2017. Das Thesenpapier des TAB zur Wirkungsweise von Social Bots ist abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/blob\/488564\/4a87d2d5b867\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.bundestag.de\/blob\/488564\/4a87d2d5b867<\/a> b0464ef457831fb8e642\/thesenpapier-data.pdf.<\/p>\n<p>4 Der Artikel &#8222;Roboter mobilisieren gegen Migrationspakt&#8220; erschien am 10.12.2018, abrufbar unter <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus185205592\/Social-Bots-Roboter-mobilisieren-gegen-den-Migrationspakt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus185205592\/Social-Bots-Roboter-mobilisieren-gegen-den-Migrationspakt.html<\/a>.<\/p>\n<p>5 Vgl. zur Diskussion <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2018\/ein-bot-allein-macht-keine-revolte-und-auch-keine-migrationsdebatte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/netzpolitik.org\/2018\/ein-bot-allein-macht-keine-revolte-und-auch-keine-migrationsdebatte\/<\/a>.<\/p>\n<p>6 Dies zeigte sich auch in den Berichten f&uuml;r den amerikanischen Kongress. Der Gro&szlig;teil des (belastbaren) Wissens beruht auf den von den Unternehmen zur Verf&uuml;gung gestellten Daten: &#8222;<i>Most of what we know of Russia&#8217;s social media campaigns against voters in democracies comes from the small amounts of data released by the major social media firms<\/i>&#8220; (S. 4). Um die Struktur und Reichweite der IRA Aktivit&auml;ten zu verstehen, bedarf es gro&szlig;er Datenmengen.<\/p>\n<p>7 Ein Hang zur &Uuml;berh&ouml;hung l&auml;sst sich aber auch bei den politischen Akteuren beobachten. Das disruptive Potential, das sozialen Medien und Kommunikationstechnologien eigen ist, wird exzessiv in Anspruch genommen, um gesellschaftliche Problemlagen zu erkl&auml;ren. Komplexe Zusammenh&auml;nge wie das Erstarken des Populismus oder das Aufkommen sozialer Bewegungen lassen sich nicht einfach als Epiph&auml;nomene der Plattform&ouml;konomie und der digitalisierten Kommunikation begreifen, politische und gesellschaftliche Probleme nicht durch Social-Media-Regulierung l&ouml;sen. Dabei handelt es sich um vordergr&uuml;ndige Entlastungsstrategien.<\/p>\n<p>8 S. JOIN (2018) 36 final.<\/p>\n<p>9 &#8222;Verhaltenskodex zur Bek&auml;mpfung von Desinformation im Internet&#8220; COM (2018) 236, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/code-practice-disinformation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/code-practice-disinformation<\/a><\/p>\n<p>10 So zeigte sich die Kommission zun&auml;chst unzufrieden mit den Bem&uuml;hungen der sozialen Netzwerke und Intermedi&auml;re im Umgang mit Desinformation und falschen Accounts, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/first-monthly-intermediate-results-eu-code-practice-against-disinformation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/first-monthly-intermediate-results-eu-code-practice-against-disinformation<\/a>. Vgl. auch den Entwurf der Kommission f&uuml;r eine Verordnung zur Verhinderung der Verbreitung terroristischer Online-Inhalte, COM(2018) 640 final, der die Unternehmen dazu verpflichten w&uuml;rde, innerhalb einer Stunde terroristische Inhalte auf beh&ouml;rdliche Anordnung zu entfernen.<\/p>\n<p>11 Vgl. dazu die Mitteilung von Facebook, abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/de.newsroom.fb.com\/news\/2019\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.newsroom.fb.com\/news\/2019\/<\/a> 03\/dpa_faktenpruefer\/.<\/p>\n<p>12 F&uuml;r Wahlwerbung und Werbung zu Themen von nationaler Relevanz hat Facebook einen Autorisierungsprozess eingef&uuml;hrt, vgl. dazu die Mitteilung <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/business\/help\/167\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.facebook.com\/business\/help\/167<\/a> 836590566506.<\/p>\n<p>13 S. <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/fb\/EuropeanElections\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.facebook.com\/fb\/EuropeanElections<\/a>.<\/p>\n<p>14 Zum Anspruch vgl. BT-Drs. 18\/12356, S. 1.<\/p>\n<p>15 Loi organique et loi ordinaire relatives &agrave; la lutte contre la manipulation de l&rsquo;information (22.12.2018) 2018-773 DC und 2018-774 DC.<\/p>\n<p>16 Zu den Sorgfaltspflichten der Presse vgl. etwa &sect; 6 PresseG Bremen sowie zu den journalistischen Grunds&auml;tzen &sect; 10 RStV und &sect; 54 Abs. 2 RStV.<\/p>\n<p>17 Zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vgl. BVerfG, Beschluss v. 10.11.1998, 1 BvR 1531\/96 &#8211; Helnwein. Bei &Auml;u&szlig;erungen, die einen Beitrag zu &ouml;ffentlichen Meinungsbildung darstellen, besteht eine Vermutung f&uuml;r die Freiheit der Rede (st&auml;ndige Rechtsprechung seit BVerfGE 7, 198&nbsp;&#8211; L&uuml;th). Der Wahrheitsgehalt einer &Auml;u&szlig;erung und das Einhalten von Sorgfaltspflichten fallen bei der Abw&auml;gung ins Gewicht.<\/p>\n<p>18 Nach Art. 1 Abs. 3 GG binden die Grundrechte die Hoheitsgewalt als unmittelbar geltendes Recht. Einen entsprechenden Ausgangspunkt w&auml;hlt auch die Europ&auml;ische Grundrechtecharta, vgl. Art. 51 Abs. 1 GRCh. Das private Unternehmen wie Facebook nicht unmittelbar wie der Staat an die Grundrechte gebunden sind, bedeutet nicht, dass sie keinen grundrechtlichen Bindungen unterliegen. Allerdings sind Art und vor allem Ausma&szlig; der Bindung erl&auml;uterungsbed&uuml;rftig; vgl. zum Ganzen Reinhardt 2018.<\/p>\n<p>19 BVerfG, Urteil vom 22.2.2011, 1 BvR 699\/06 &#8211; <i>Fraport<\/i>, Rn. 59. Die Frage nach der Reichweite der mittelbaren Grundrechtsbindung von marktbeherrschenden sozialen Netzwerken wird von den Fachgerichten bisher uneinheitlich beantwortet. W&auml;hrend bspw. OLG Stuttgart, Beschl. v. 6.9.2018, 4 W 63\/18 davon ausgeht, dass Facebook Beitr&auml;ge auch unterhalb der Strafbarkeitsschwelle unter Hinweis auf Gemeinschaftsstandards l&ouml;schen kann, gehen andere Oberlandesgerichte von einer der staatlichen vergleichbaren Bindung des sozialen Netzwerks aus (vgl. OLG M&uuml;nchen, Beschl. v. 24.8.2018, 18 W 1294\/18). Eine h&ouml;chstrichterliche Entscheidung steht bisher noch aus.<\/p>\n<p>20 Vgl. zu dieser Vorgehensweise auch die Mitteilung von Facebook v. 6.5.2019, <a href=\"http:\/\/humanistische-union.de\/https%3A\/newsroom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/newsroom<\/a>. fb.com\/news\/2019\/05\/more-cib-from-russia\/.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1506],"publikationen":[878],"class_list":["post-8548","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joern-reinhardt","publikationen-225-226"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>\u201eFake News\u201c, \u201eInfox\u201c, Trollfabriken - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/225-226\/publikation\/fake-news-infox-trollfabriken-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"\u201eFake News\u201c, \u201eInfox\u201c, Trollfabriken - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"&Uuml;ber den Umgang mit Desinformationen in den sozialen Medien in: vorg&auml;nge Nr. 225\/226 (1-2\/2019), S. 97-108 Die sozialen Medien haben sich als eigenst&auml;ndige globale Kommunikationsinfrastruktur etabliert und sind zu einer wichtigen Sph&auml;re der politischen Auseinandersetzung geworden. 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