{"id":8567,"date":"2018-11-22T21:00:00","date_gmt":"2018-11-22T20:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1\/"},"modified":"2021-08-30T15:42:59","modified_gmt":"2021-08-30T13:42:59","slug":"jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1\/","title":{"rendered":"Jenseits der Grenze &#8211; Rechtspopulismus in Polen und Ungarn*"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg&auml;nge 224 (4\/2018), S. 57 &#8211; 75<\/p>\n<p><i>Polen und Ungarn waren 1989\/1990 Protagonisten bei der &Uuml;berwindung der illiberalen Irrwege des 20. Jahrhunderts. Doch in den Jahren danach wandelte sich das politische System in diesen Staaten zu einer rechtspopulistischen und demokratiegef&auml;hrdenden Herrschaft. Der Autor schildert detailliert diesen Weg. Er legt nicht nur die einzelnen Wahlergebnisse dar, sondern auch die sich daraus ergebenden politischen Ver&auml;nderungen in sozialpolitischer und in rechtsstaatlicher Sicht sowie die fremden- und judenfeindlichen Ressentiments. Er zeigt die Reaktionen der EU und schlie&szlig;lich die Ankn&uuml;pfungspunkte f&uuml;r die Gegenstrategien auf.<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"i-einleitung\">I. Einleitung<\/span><\/h2>\n<p>Polen und Ungarn kam im Prozess der deutschen und europ&auml;ischen Einigung ab 1988\/89 eine besondere Rolle zu. Ohne die <i>Solidarnosc<\/i>-Bewegung in Polen w&auml;ren die &Uuml;berwindung des Kalten Krieges in Europa und die deutsche Wiedervereinigung ebenso wenig m&ouml;glich gewesen wie ohne die ungarische Grenz&ouml;ffnung und die Abl&ouml;sung der sog.<i> Breschnew<\/i>-Doktrin durch die sog. <i>Sinatra<\/i>-Doktrin[1] im Zuge der Abkehr Polens und Ungarns von totalit&auml;ren Herrschaftsstrukturen.[2] Schon im R&uuml;ckblick auf die freiheitliche Vorreiterrollen dieser beiden mittel- und osteurop&auml;ischen Staaten, die entscheidend zur Entwicklung und rechtlichen Verankerung eines gemeinsamen, auf Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gest&uuml;tzten europ&auml;ischen Wertekanons &uuml;ber die &#8222;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&#8220; vom November 1990[3] bis zu Art. 2 des Vertrags &uuml;ber die Europ&auml;ische Union[4] beigetragen haben, k&ouml;nnen Gef&auml;hrdungen dieses europ&auml;ischen Wertefundaments durch rechtspopulistische Erfolge in diesen Staaten europ&auml;ische Mitb&uuml;rgerInnen im Allgemeinen und Deutsche im Besonderen nicht unbeeindruckt lassen. Aber auch die Orientierung von <i>Jaroslaw Kaczynski<\/i>, der pr&auml;genden Figur der derzeitigen polnischen Regierungspartei <i>Prawo i Sprawiedliwosc <\/i>(<i>PiS<\/i>, dt. Recht und Gerechtigkeit),[5] wie von <i>Viktor Orb&aacute;n<\/i>, Mitbegr&uuml;nder und Vorsitzender der Partei <i>Fidesz<\/i> &ndash; Ungarischer B&uuml;rgerbund sowie von 1998 bis 2002 und seit 2010 erneut ungarischer Regierungschef,[6] am Denken von <i>Carl Schmitt<\/i>, dem staatsrechtlichen Architekten autorit&auml;rer Herrschaft am Ende der Weimarer Republik,[7] muss aus deutscher Perspektive beunruhigen. Waren Polen und Ungarn im Zeitenwechsel 1989\/90 Protagonisten einer &Uuml;berwindung von illiberalen Irrwegen des 20. Jahrhunderts, so scheinen sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts Avantgarde einer Abkehr von Globalisierung und Europ&auml;isierung zu werden. Das zur Jahrtausendwende beschworene <i>&#8222;Ende der Geschichte&#8220;<\/i> (<i>Fukuyama<\/i>) i.S. eines globalen Siegeszugs der Prinzipien des Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft erf&auml;hrt transatlantisch eine rechtspopulistische Korrektur. &Ouml;konomische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Angst vor den Folgen der Globalisierung spielen hierbei ebenso eine Rolle wie die Suche nach Sicherheit in traditionellen Identit&auml;tsvorstellungen bei Ablehnung zumindest einzelner kultureller &Ouml;ffnungsprozesse. Zudem d&uuml;rfte die Sozialisation im Kreis volksdemokratischer Machtaus&uuml;bung die Orientierung von Polen wie Ungarn auf F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten mit Personenkult-Ans&auml;tzen[8] beg&uuml;nstigt haben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"ii-die-tendenz-der-verstetigung-rechtspopulistischer-machtausuebung-in-polen-und-ungarn\">II. Die Tendenz der Verste&shy;ti&shy;gung rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Macht&shy;aus&shy;&uuml;bung in Polen und Ungarn<\/span><\/h2>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"1-polen\">1. Polen<\/span><\/h2>\n<p>Bei den Parlamentswahlen in Polen am 25. Oktober 2015 errang die nationalkonservative, rechtspopulistische Partei <i>Prawo i Sprawiedliwosc <\/i>(<i>PiS<\/i>), unter Aussch&ouml;pfung des bei der Pr&auml;sidentschaftswahl im Mai 2015 gewonnenen Momentums, bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 50,9&nbsp;Prozent &ndash; Ausdruck der asymmetrischen Mobilisierung der politischen Lager in Polen &ndash; 37,6&nbsp;Prozent der Stimmen und erhielt mit 235 der 460 Mandate im <i>Sejm<\/i>, dem polnischen Unterhaus, (wie auch im polnischen Senat) eine absolute Mehrheit. Seit dem 16. November 2015 regiert (erstmals in der Geschichte der Dritten Polnischen Republik) eine von einer einzigen Partei, der <i>PiS<\/i>, allein getragene Regierung. Die Koalition aus liberalkonservativer <i>Platforma Obywatelska (PO)<\/i> und <i>Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL)<\/i> wurde nach zwei Legislaturperioden abgew&auml;hlt und hat zusammen nur noch 154 Mandate im Parlament.[9]<\/p>\n<p>Drei Jahre nach ihrer Wahl ist die Unterst&uuml;tzung der Polinnen und Polen f&uuml;r die <i>PiS <\/i>gleichbleibend hoch. Umfragen ergeben sogar, dass bei der voraussichtlich im Herbst 2019 anstehenden n&auml;chsten Parlamentswahl noch mehr W&auml;hlerinnen und W&auml;hler f&uuml;r <i>Jaroslaw Kaczynskis <\/i>politisches Lager stimmen k&ouml;nnten als 2015.[10] Diese hohe Zustimmung d&uuml;rfte weniger in den nachfolgend dargestellten, nicht nur in Polen besonders kontrovers diskutierten justiz- und medienpolitischen Ma&szlig;nahmen zur Sicherung des Machterhalts begr&uuml;ndet sein. Vielmehr d&uuml;rfte eine Kombination aus 1. sozialpolitischen Ma&szlig;nahmen wie einer gro&szlig;z&uuml;gigen Kindergeldregelung, einer Senkung des Renteneintrittsalters und einer Anhebung des Mindestlohns, 2. einer geschichtspolitisch durch Mythen aufgeladenen[11] identit&auml;ren Politik der Ausrichtung auf eine nach innen gegen&uuml;ber Nicht-Minderheiten solidarische und nach au&szlig;en stolze nationale Gemeinschaft, die auch kulturpolitisch gef&ouml;rdert wird,[12] und 3. einem Freund-Feind-Ansatz, der im Angriff auf die bisherigen Eliten die Wiederherstellung der moralischen Ordnung und der Gerechtigkeit im Staat behauptet, f&uuml;r Wahlsieg und fortdauernde Umfrageerfolge der <i>PiS<\/i> entscheidend sein. Fremdenfeindlichkeit bewegt sich dabei durchaus in einer Traditionslinie mit volksdemokratischer Rhetorik.[13] Solidarit&auml;t kann bei diesem Ansatz der <i>PiS<\/i> nur in Bezug auf &#8222;das Volk&#8220; eingefordert werden; wobei zu diesem exklusiven Kreis Menschen, die sich nicht an soziale Normen halten, wie etwa Straft&auml;ter, ebenso wenig geh&ouml;ren wie alle &#8222;Anderen&#8220;, nicht zuletzt auch Fl&uuml;chtlinge oder Nicht-Katholiken.[14]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"2-ungarn\">2. Ungarn<\/span><\/h2>\n<p>Ungarn wird seit 2010 unver&auml;ndert von Parteien des nationalkonservativen bis rechtsextremen Spektrums dominiert. In drei Parlamentswahlen 2010, 2014 und 2018 konnten diese Kr&auml;fte unter F&uuml;hrung der Fidesz parlamentarische Mehrheiten erringen und verteidigen. Bei der Parlamentswahl am 8. April 2018 gewann <i>Fidesz<\/i> in einem Wahlb&uuml;ndnis mit der KDNP (<i>Kereszt&eacute;nydemokrata N&eacute;pp&aacute;rt<\/i> &ndash; deutsch: Christlich-Demokratische Volkspartei) 49,27&nbsp;Prozent der Listen-Stimmen und mit 133 von 199 Mandaten denkbar knapp erneut eine Zweidrittelmehrheit im ungarischen Parlament. Zweitst&auml;rkste Partei wurde mit 19,06&nbsp;Prozent der Listen-Stimmen und 26 Mandaten im Parlament die rechtsextremistische <i>Jobbik<\/i>. Linke, liberale und gr&uuml;ne politische Kr&auml;fte scheiterten teilweise spektakul&auml;r mit ihren Wahlzielen.[15] In Ungarn wurden seit der Regierungs&uuml;bernahme von <i>Viktor Orb&aacute;n<\/i> 2010 die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz unterminiert, &ouml;ffentliche und private Medien drangsaliert, Fl&uuml;chtlingen die Solidarit&auml;t verweigert, NGOs als &#8222;ausl&auml;ndische Agenten&#8220; diskreditiert, Universit&auml;ten in ihrer Freiheit beschr&auml;nkt und die EU d&auml;monisiert.[16] Kritisch zur Wahl und zum Wahlausgang in Ungarn 2018 &auml;u&szlig;erten sich auch vor diesem Hintergrund Wahlbeobachter der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): Sie stellten fest, dass die Parlamentswahlen <i>&#8222;durch eine allgegenw&auml;rtige &Uuml;berschneidung zwischen den Ressourcen des Staates und der Regierungspartei (gekennzeichnet waren), die die F&auml;higkeit der Kandidaten zum Wettbewerb auf Augenh&ouml;he unterminierte. Die W&auml;hler hatten eine breite Palette von politischen Optionen, aber Einsch&uuml;chterung und fremdenfeindliche Rhetorik, Medienvoreingenommenheit und undurchsichtige Wahlkampffinanzierung schr&auml;nkten den Raum f&uuml;r eine echte politische Debatte ein und behinderten die F&auml;higkeit der W&auml;hler, eine umfassend informierte Entscheidung zu treffen&#8220;.[<\/i>17]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iii-sozialpolitik-mit-nationaler-akzentuierung-als-mitentscheidende-basis-rechtspopulistischer-erfolge\">III. Sozial&shy;po&shy;litik mit nationaler Akzen&shy;tu&shy;ie&shy;rung als mitent&shy;schei&shy;dende Basis rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge<\/span><\/h2>\n<p>Dass rechtspopulistische Erfolge in Europa nicht vorrangig oder gar ausschlie&szlig;lich &uuml;ber objektive &ouml;konomische Befunde erkl&auml;rbar sind &#8211; zumindest wenn man herrschender volkswirtschaftlicher Lehrmeinung folgt &ndash;, belegen auch die Beispiele Polens und Ungarns:<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Ungarn (0,288) und Polen (0,298) lagen beim sog. Gini-Koeffizienten[18] 2015 besser als eine Vielzahl von Staaten, in denen populistische Bewegungen bislang nicht re&uuml;ssieren konnten.[19] Gleiches gilt f&uuml;r die relative Armut[20] in Polen (10,4&nbsp;%) und Ungarn (10,1&nbsp;%). Auch wenn man das Durchschnittseinkommen der oberen 20&nbsp;% in Verh&auml;ltnis zum Durchschnittseinkommen der unteren 20&nbsp;% setzt, weisen Polen (4,7) und Ungarn (4,5) keine markanten Unterschiede zu den insoweit bestplatzierten Staaten der EU auf.<\/p>\n<p>Allerdings stagniert seit einigen Jahren die Einkommensungleichheit im OECD-Raum auf historisch hohem Niveau. Im OECD-Schnitt hat der Gini-Koeffizient 2014 den Wert 0,318 erreicht, gegen&uuml;ber 0,315 im Jahr 2010. Dies ist der h&ouml;chste Wert seit Mitte der 1980er Jahre.[21] Gerade in Staaten wie Polen und Ungarn, deren Bev&ouml;lkerung unter realsozialistischer Herrschaft besonders auf ein Gleichheitsversprechen hin sozialisiert wurde, kann diese Entwicklungstendenz seit dem Ende der volksdemokratischen Herrschaften eine Angriffsfl&auml;che f&uuml;r rechtspopulistische Kritik an gebrochenen Versprechen des Wohlstands f&uuml;r alle liefern. Vor diesem Hintergrund lassen sich rechtspopulistische Erfolge insbesondere in diesen beiden Staaten nicht zuletzt auch auf die Wahrnehmung erheblicher Teile der jeweiligen Bev&ouml;lkerung zur&uuml;ckf&uuml;hren, dass die fr&uuml;heren, auf eine Einbindung Polens und Ungarns in europ&auml;ische und globale Vernetzungen als alternativlos setzenden Regierungen nicht in ausreichendem Ma&szlig;e auf ihre Bed&uuml;rfnisse eingegangen sind und dass das gegenw&auml;rtige System nicht wirksam genug f&uuml;r eine bessere Zukunft f&uuml;r sie selbst und ihre Kinder sorgt.[22] Daher kommt einer offensiven Sozialpolitik in Polen wie Ungarn eine besondere Bedeutung zu: Die dortigen rechtspopulistischen Regierungen versprechen gro&szlig;z&uuml;gige Sozialleistungen f&uuml;r Familien von Einheimischen und f&uuml;llen Budgetposten, bei denen progressive Vorg&auml;ngerregierungen unter wirtschaftsliberalen Spardiktaten vielfach keinen Spielraum gesehen hatten. Die antiglobalistisch-nationalistische Tendenz des ungarischen Rechtspopulismus kommt nicht zuletzt auch in den politischen Forderungen nach einer Renationalisierung des Bankensektors und einer Verringerung der Abh&auml;ngigkeit von Fremdw&auml;hrungsverschuldung zum Ausdruck.[23] Dass die betreffenden Parteien parallel hierzu soziale Teilhaberechte, Einflussm&ouml;glichkeiten zivilgesellschaftlicher Kr&auml;fte und nicht zuletzt auch Selbstbestimmungsrechte von Frauen beschneiden, scheint bei der Wahlentscheidung selbst breiter Teile der weiblichen Bev&ouml;lkerung oftmals nachrangig zu sein.[24]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"iv-abbau-der-unabhaengigkeit-von-justiz-und-medien-als-gemeinsames-instrument-zur-dauerhaften-demokratiegefaehrdenden-stabilisierung-von-herrschaft\">IV. Abbau der Unabh&auml;n&shy;gig&shy;keit von Justiz und Medien als gemeinsames Instrument zur dauerhaften, demokra&shy;tie&shy;ge&shy;f&auml;hr&shy;denden Stabi&shy;li&shy;sie&shy;rung von Herrschaft<\/span><\/h2>\n<p>In erkennbarer Parallelit&auml;t zu den illiberalen Entwicklungen im Russland <i>Wladimir Putins<\/i>,[25] die ihrerseits ideologische Parallelen zum antidemokratischen Denken <i>Carl Schmitts <\/i>aufweisen,[26] bem&uuml;hen sich die Regierungen in Polen und Ungarn um eine &#8222;Vertikale der Macht&#8220;.[27] Verfassungsrechtliche Gewaltenteilungsstrukturen im Staatsorganisationsrecht, nicht zuletzt die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz, stehen einer solchen Machtkonzentration ebenso entgegen wie unabh&auml;ngige, regierungskritische Medien. Es entspricht insoweit vertrauten Mustern autorit&auml;rer Herrschaftsaus&uuml;bung, dass in Polen wie Ungarn nicht zuletzt die Justiz- und Medienpolitik zu Feldern der Machtsicherung und -ausdehnung wurden.[28]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"1-polen-2\">1. Polen<\/span><\/h2>\n<p><b>a) Die Aush&ouml;hlung der Unabh&auml;ngigkeit des Verfassungsgerichtshofs <\/b><\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem Wahlerfolg der <i>PiS<\/i> bei den Parlamentswahlen vom 25. November 2015 brachte die neue Parlamentsmehrheit den Entwurf einer Novelle zum Gesetz &uuml;ber den Verfassungsgerichtshof ein,[29] die nach sieben Tagen verabschiedet wurde.[30] Zugleich fasste der <i>Sejm<\/i> einen Beschluss, der die fr&uuml;heren Parlamentsbeschl&uuml;sse vom Oktober 2015 zur Wahl von f&uuml;nf Richtern durch die damalige parlamentarische Mehrheit, die zun&auml;chst nicht vom der <i>PiS<\/i> zugeh&ouml;rigen Staatspr&auml;sidenten <i>Andrzej Duda <\/i>vereidigt wurden, f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rte. Das in dieser Angelegenheit durch die neue parlamentarische Minderheit angerufene Verfassungstribunal forderte das Parlament auf, die Wahl neuer Richter so lange zu vertagen, bis es zu einem Urteil in diesem Fall gekommen sei. Dennoch w&auml;hlte der <i>Sejm<\/i> zwei Tage nach dieser Entscheidung f&uuml;nf neue Richter, die der Pr&auml;sident unverz&uuml;glich vereidigte.<\/p>\n<p>Das Verfassungstribunal wurde nun wegen der <i>Sejm<\/i>-Beschl&uuml;sse angerufen, die Richterwahlen vom Oktober 2015 f&uuml;r ung&uuml;ltig zu erkl&auml;ren und neue Richter zu berufen. Anfang Dezember 2015 erkannte das Verfassungstribunal die Oktober-Wahl dreier Richter als verfassungskonform an und unterstrich die Pflicht des Staatspr&auml;sidenten, die drei Richter unverz&uuml;glich zu vereidigen, was nicht geschah.[31] Der Justizkonflikt eskalierte, als sich die polnische Ministerpr&auml;sidentin <i>Beata Szydlo <\/i>ab M&auml;rz 2016 weigerte, Urteile des Verfassungstribunals, das in einer der <i>PiS<\/i>-Parlamentsmehrheit nicht genehmen Zusammensetzung tagte, zu ver&ouml;ffentlichen. Der in einem solchen Ausma&szlig; innerhalb der EU bislang nicht bekannte Angriff auf die Unabh&auml;ngigkeit des Verfassungsgerichtes eines Mitgliedstaates durch Exekutive und Legislative dieses Mitgliedstaates veranlasste die Europ&auml;ische Kommission als H&uuml;terin der europ&auml;ischen Vertr&auml;ge, im Januar 2016 erstmalig in der EU-Geschichte einen Dialog auf der Grundlage des Rahmens zur St&auml;rkung des Rechtsstaatsprinzips aufzunehmen.[32] Die im Rahmen dieses Dialogs seitens der Europ&auml;ischen Kommission entwickelten Empfehlungen[33] wurden nachfolgend von der <i>PiS<\/i>-Regierung und ihrer Parlamentsmehrheit ebenso weithin ignoriert und abgelehnt[34] wie das Gutachten der sog. <i>Venedig-Kommission<\/i> vom M&auml;rz 2016 zur <i>PiS<\/i>-Novelle des Gesetzes &uuml;ber das Verfassungstribunal, in dem die Unvereinbarkeit dieser Novelle mit den europ&auml;ischen Standards und mit der polnischen Verfassung festgestellt wurde.[35]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"b-zusaetzliche-schritte-zum-abbau-von-rechtsstaatlichkeit-und-gewaltenteilung\">b) Zus&auml;tzliche Schritte zum Abbau von Rechts&shy;s&shy;taat&shy;lich&shy;keit und Gewal&shy;ten&shy;tei&shy;lung<\/span><\/h2>\n<p>Weitere Gesetze, die die Rechtsstaatlichkeit Polens unterh&ouml;hlen k&ouml;nnen, betreffen die Struktur der ordentlichen Gerichte, das Oberste Gericht (<i>Sad Najwyzszy<\/i>), den Landesgerichtsrat (<i>Krajowa Rada Sadownictwa <\/i>&ndash; <i>KRS<\/i>) und die Nationale Hochschule f&uuml;r Gerichtsbarkeit und Staatsanwaltschaft (<i>Krajowa Szkola Sadownictwa i Prokuratury<\/i>).[36] Die Vereinbarkeit der betreffenden Novellen namentlich mit Art.&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 der polnischen Verfassung, wonach sich die Ordnung der Republik Polen auf die Trennung und das Gleichgewicht der gesetzgebenden, der vollziehenden und der rechtsprechenden Gewalt st&uuml;tzt, wird mit guten Gr&uuml;nden in Zweifel gezogen. Auch die Vereinbarkeit dieser Regelungen mit europ&auml;ischen rechtsstaatlichen Standards wird u.a. von der Venedig-Kommission des Europarates bezweifelt.[37] Ungeachtet national wie europ&auml;isch und international ge&auml;u&szlig;erter Bedenken unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident am 24. Juli 2017 die Gesetzesnovelle &uuml;ber die Struktur der ordentlichen Gerichte. Danach war der Justizminister w&auml;hrend einer &Uuml;bergangszeit von sechs Monaten uneingeschr&auml;nkt befugt jeden Gerichtsvorsitzenden und seinen Stellvertreter abzuberufen. Seit Ablauf der &Uuml;bergangszeit ist eine negative Stellungnahme des Landesgerichtsrates hinsichtlich der Absetzung eines Vorsitzenden f&uuml;r den Minister nur dann bindend, wenn der Beschluss mit Zweidrittelmehrheit gefasst wurde. Bei der Berufung von Vorsitzenden entf&auml;llt die obligatorische Zustimmung der Richter im entsprechenden Gericht bzw. des Landesrates. Der Justizminister erh&auml;lt zudem die M&ouml;glichkeit, Richter zu bef&ouml;rdern und Gerichtsvorsitzende mit Gehaltszus&auml;tzen zu belohnen.[38] Am 21. Dezember 2017 unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident die Novelle des Gesetzes &uuml;ber das Oberste Gericht. Am 2.&nbsp;Juli 2018 hat die Europ&auml;ische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren[39] wegen dieses Gesetzes eingeleitet. Die Kommission ist der Auffassung, dass das Gesetz gegen den Grundsatz der richterlichen Unabh&auml;ngigkeit und auch der Unabsetzbarkeit von Richtern verst&ouml;&szlig;t und Polen somit seinen Verpflichtungen nach Art. 19 Abs. 1 des EU-Vertrags in Verbindung mit Art. 47 der Charta der Grundrechte der EU nicht nachkommt. Am 14. August 2018 beschloss die Europ&auml;ische Kommission, als 2. Etappe des Vertragsverletzungsverfahrens wegen dieses Gesetzes eine mit Gr&uuml;nden versehene Stellungnahme an Polen zu richten. Die polnischen Beh&ouml;rden haben nun einen Monat Zeit, die erforderlichen Ma&szlig;nahmen zu treffen, um dieser Stellungnahme nachzukommen. Ergreifen die polnischen Beh&ouml;rden keine angemessenen Ma&szlig;nahmen, kann die Kommission den Europ&auml;ischen Gerichtshof anrufen. Ebenfalls am 21.&nbsp;Dezember 2017 unterzeichnete der polnische Staatspr&auml;sident die Novelle des Gesetzes &uuml;ber den Landesgerichtsrat.[40] Auch wenn die unterzeichnete Gesetzes&auml;nderung die Einwirkungsm&ouml;glichkeiten der Parlamentsmehrheit auf die Wahl der Mitglieder, die in der urspr&uuml;nglichen Novelle vom 12.&nbsp;Juli 2017 vorgesehen war,[41] etwas abschw&auml;chte,[42] bleibt es bei rechtsstaatlich bedenklichen Einwirkungsm&ouml;glichkeiten der parlamentarischen Mehrheit auf die Zusammensetzung dieses Rates. Diese wurde dadurch unmittelbar wirksam, dass die Amtszeit aller bisherigen Ratsmitglieder vorzeitig endete.[43]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"c-einschraenkung-der-unabhaengigkeit-der-medien\">c) Einschr&auml;n&shy;kung der Unabh&auml;n&shy;gig&shy;keit der Medien<\/span><\/h2>\n<p>In Polen k&ouml;nnen Medien zwar frei berichten, allerdings wurden die M&ouml;glichkeiten, das parlamentarische Geschehen in Polen journalistisch zu verfolgen, seit Ende 2015 durch die <i>PiS<\/i>-Mehrheit zunehmend eingeschr&auml;nkt.[44] Nach dem Regierungswechsel ist Polen auf der Rangliste der Pressefreiheit des Vereins &#8222;Reporter ohne Grenzen&#8220; um 40 Pl&auml;tze auf Rang 58 von 180 Staaten gefallen.[45] In Bezug auf die in der polnischen Verfassung verankerte Medienaufsichtsbeh&ouml;rde, den Landesrundfunk- und -fernsehrat (<i>Krajowa Rada Radiofonii i Telewizji &ndash; KRRiT<\/i>), nahm die neue <i>PiS<\/i>-Mehrheit bereits im Dezember 2015 eine &Auml;nderung des Rundfunk- und Fernsehgesetzes vor, die eine sofortige Umbesetzung des <i>KRRiT<\/i> und damit einhergehend auch der Aufsichtsr&auml;te und der Vorst&auml;nde der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien erm&ouml;glichte. In diese Strategie der Machtsicherung f&uuml;gte sich die Gr&uuml;ndung einer neuen Beh&ouml;rde, des Nationalen Medienrates, im Juni 2016 ein. Diese Beh&ouml;rde &uuml;bernahm die Aufsicht &uuml;ber den fr&uuml;heren &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter TVP, der zum &#8222;nationalen&#8220; Medium wurde. Zu dessen Direktor wurde ein fr&uuml;herer PiS-Abgeordneter, <i>Jacek Kurski<\/i>, bestellt, der den Sender offiziell &#8222;apolitisch&#8220; ausrichten sollte, w&auml;hrend in der Praxis insbesondere im Nachrichtenangebot des Senders politische Regierungspropaganda mit pers&ouml;nlichen Attacken auf politische Gegner der <i>PiS<\/i> und deren Familien zu beobachten ist.<\/p>\n<p>Zwar nutzen selbst viele <i>PiS<\/i>-W&auml;hler statt der Regierungspropaganda mittlerweile lieber das private TVN.[46] Doch auch die Unabh&auml;ngigkeit von TVN wird nunmehr unterminiert: Ende 2016 wurde <i>KRRiT<\/i> erstmals aus der <i>PiS<\/i>-Fraktion im <i>Sejm<\/i> aufgefordert, TVN die noch bis 2021 (TVN24) und 2024 (TVN) laufenden Sendelizenzen zu entziehen.[47] Anfang Juli 2017 forderten die Steuerbeh&ouml;rden zudem von TVN umgerechnet 26 Millionen Euro f&uuml;r ein Gesch&auml;ft von 2012 nach, das zuvor vom Finanzminister und der Steuerpr&uuml;fung steuerfrei gestellt worden war. Am 11. Dezember folgte <i>KRRiT<\/i> mit einem Bu&szlig;geld von umgerechnet gut 351 000 Euro f&uuml;r eine angeblich rechtswidrige Parlaments-Berichterstattung. Bei einem wiederholten Versto&szlig; droht TVN der Lizenzentzug. Die polnische Regierung plant zudem, ausl&auml;ndischen Besitz an Medienkonzernen nach russischem und ungarischem Vorbild auf 20 Prozent zu beschr&auml;nken. Dies &ouml;ffnet den Weg f&uuml;r eine direkte oder indirekte Nationalisierung des polnischen Medienmarktes bei gesellschaftsrechtlicher Dominanz von Parteig&auml;ngern und Sympathisanten der <i>PiS<\/i>.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"2-ungarn-2\">2. Ungarn<\/span><\/h2>\n<p><i>Viktor Orb&aacute;n<\/i> hat seine parlamentarische Zweidrittelmehrheit schon in der 2010 startenden Legislaturperiode f&uuml;r eine Verfassungs&auml;nderung genutzt, die u.&nbsp;a. eine st&auml;rkere Einflussnahme der Exekutive auf das Rechtssystem und die Medien zul&auml;sst. Verbunden mit einer Ausrichtung auf eine konservativ-christliche, historisierende Rhetorik ist das am 1.1.2012 in Kraft getretene neue ungarische Grundgesetz[48] u.&nbsp;a. durch die Einschr&auml;nkung der Befugnisse des Verfassungsgerichts, die Abberufung des Datenschutzbeauftragten und des Pr&auml;sidenten des Obersten Gerichtes sowie das Recht des Chefs der ungarischen Justizverwaltung (Pr&auml;sident des Justizamtes), f&uuml;r jeden Rechtsstreit das Gericht auszuw&auml;hlen, gekennzeichnet. Eine Blockadem&ouml;glichkeit in Bezug auf eine Abkehr von der konservativen Revolution unter der <i>Fidesz<\/i>-Herrschaft stellt das Hochstufen einer Vielzahl von f&uuml;r das allt&auml;gliche Regierungsgesch&auml;ft erheblichen Gesetzen zu sogenannten Kardinalgesetzen (&#8222;<i>sarkalatos t&ouml;rv&eacute;ny<\/i>&#8222;) dar, die nach dem neuen Grundgesetz nur mit einer Zweidrittelmehrheit ge&auml;ndert werden k&ouml;nnen.[49] Eine solche Mehrheit f&uuml;r eine R&uuml;ckkehr zum demokratischen, rechtsstaatlichen und freiheitlichen <i>status quo ante <\/i>zeichnet sich mit Blick auf die Zerfaserung der politischen Oppositionskr&auml;fte nicht ab; vielmehr hatte und hat diese mangelnde Geschlossenheit des Oppositionslagers in Verbindung mit dem ungarischen Mehrheitswahlrecht gro&szlig;en Anteil an den Wahlerfolgen der Fidesz.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"3-die-reaktion-der-eu\">3. Die Reaktion der EU<\/span><\/h2>\n<p>Ausschlie&szlig;lich[50] im Gefolge der auf das polnische Justizsystem bezogenen Rechts&auml;nderungen unter Missachtung der seitens der Europ&auml;ischen Kommission ge&auml;u&szlig;erten massiven rechtsstaatlichen Bedenken unterbreitete die Europ&auml;ische Kommission am 20. Dezember 2017 dem Rat der EU erstmalig einen begr&uuml;ndeten Vorschlag zur Annahme eines Beschlusses nach Art. 7 Abs. 1 EUV.[51] Am 1.&nbsp;M&auml;rz 2018 unterst&uuml;tzte das Europ&auml;ische Parlament (EP) mit deutlicher Mehrheit (422 Stimmen bei 147 Gegenstimmen und 48 Enthaltungen) den Vorschlag der EU-Kommission, Art. 7 Abs. 1 EUV zu aktivieren und Polen aufzufordern, sich damit auseinanderzusetzen. Der Rat der EU wurde dabei aufgefordert, &#8222;im Einklang mit den Bestimmungen nach Artikel 7 Absatz 1 EUV rasch t&auml;tig zu werden&#8220;.[52] Zudem hat das EP am 12. September 2018 &#8211; wiederum mit deutlicher Mehrheit (448 Stimmen bei 197 Gegenstimmen und 48 Enthaltungen)[53] &ndash; die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, nach Art. 7 EUV festzustellen, ob Ungarn Gefahr l&auml;uft, die EU-Grundwerte zu verletzen. Damit hat das EP erstmals die Initiative ergriffen, ein Verfahren gegen einen EU-Mitgliedstaat einzuleiten, um eine systemrelevante Bedrohung der Grundwerte der EU zu verhindern. Die Bedenken des EP betreffen (1.) die Funktionsweise des Verfassungs- und des Wahlsystems, (2.) die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz, (3.) Korruption und Interessenkonflikte; (4.) Privatsph&auml;re und Datenschutz, (5.) das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung, (6.) die Wissenschaftsfreiheit, (7.) die Religionsfreiheit, (8.) die Vereinigungsfreiheit, (9.) das Recht auf Gleichbehandlung, (10.) die Rechte von Personen, die einer Minderheit angeh&ouml;ren, einschlie&szlig;lich Roma und Juden, (11.) die Grundrechte von Migranten, Asylsuchenden und Fl&uuml;chtlingen und (12.) wirtschaftliche und soziale Rechte.[54] Allerdings d&uuml;rfte es sich im Ergebnis unter den derzeitigen Bedingungen der Zusammenarbeit von Polen und Ungarn um ein stumpfes Sanktionsschwert der EU handeln: Denn die PiS-Regierung d&uuml;rfte auf die Zusicherung <i>Viktor Orb&aacute;ns <\/i>vertrauen, dass er sein Veto gegen eine Feststellung des Europ&auml;ischen Rates einlegen werde, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der in Art. 2 EUV genannten Werte durch Polen vorliegt.[55] Gleiches gilt auch umgekehrt. Da f&uuml;r die Feststellung des Europ&auml;ischen Rates nach Art. 7 Abs. 2 EUV Einstimmigkeit erforderlich ist, d&uuml;rfte das Art. 7-Verfahren unter den obwaltenden rechtspopulistischen Mehrheiten in einzelnen EU-Mitgliedstaaten ins Leere laufen. Der Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union leidet insoweit unter dem Geburtsfehler einer Blockadem&ouml;glichkeit bereits von zwei sich solidarisch verbindenden Mitgliedstaaten, die beide die Werte der EU missachten.[56] Ob diese Blockade durch ein paralleles, gemeinsames Verfahren gegen Polen und Ungarn umgangen werden k&ouml;nnte, ist rechtlich nicht gekl&auml;rt.[57] Im &Uuml;brigen d&uuml;rfte es voraussichtlich auch in weiteren Mitgliedstaaten der EU Bedenken gegen eine solche Aufweichung von eigenen politischen Einflussm&ouml;glichkeiten auf das Verfahren des Art.&nbsp;7 EUV geben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"v-mentalitaetsunterschiede-als-anknuepfungspunkte-nachhaltiger-rechtspopulistischer-erfolge-in-polen-und-ungarn\">V. Menta&shy;li&shy;t&auml;ts&shy;un&shy;ter&shy;schiede als Ankn&uuml;p&shy;fungs&shy;punkte nachhal&shy;tiger rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge in Polen und Ungarn<\/span><\/h2>\n<p>Die Ankn&uuml;pfungspunkte f&uuml;r den Erfolg der rechtspopulistischen Ideologie in Polen und Ungarn lassen sich nicht zuletzt auch bei einem Vergleich der Einstellung der Bev&ouml;lkerung zur aktuellen &ouml;konomischen und gesellschaftlichen Situation und der Erwartungshaltungen bez&uuml;glich politischer Schwerpunktsetzungen erschlie&szlig;en:[58] Die wirtschaftliche Situation des Landes wird in Polen und Ungarn (66&nbsp;% bzw. 54&nbsp;%: gut) im Fr&uuml;hjahr 2018 erneut deutlich besser eingestuft als im EU-Durchschnitt (49&nbsp;% gut). Gleiches gilt f&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Aussichten f&uuml;r die wirtschaftliche Situation des Landes in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Monaten in Polen und Ungarn (nur 16&nbsp;% bzw. 17&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung) im Vergleich zum EU-Durchschnitt (23&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung). Auch bei den Erwartungen zur Entwicklung der Besch&auml;ftigungssituation in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Monaten sind negative Erwartungen in Polen und Ungarn (nur 13&nbsp;% bzw. 16&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung) deutlich weniger ausgepr&auml;gt als im EU-Durchschnitt (20&nbsp;% erwarten eine Verschlechterung). Ansatzpunkte f&uuml;r eine Wechselstimmung in Polen und Ungarn sind damit nicht ausgepr&auml;gt.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Deutlich voneinander abweichend sind die Schwerpunktsetzungen in Bezug auf politische Herausforderungen: W&auml;hrend in Polen und Ungarn Fragen der Gesundheit und sozialen Sicherheit bei 38&nbsp;% (Polen) oder gar 46&nbsp;% Ungarn der Bev&ouml;lkerung zu den beiden wichtigsten Herausforderungen z&auml;hlen, ist dies im EU-Durchschnitt nur bei 23&nbsp;% der Fall. Umgekehrt z&auml;hlt die Arbeitslosigkeit, die im EU-Durchschnitt bei 25&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung zu den zwei dr&auml;ngendsten Problemen z&auml;hlt, in der polnischen Bev&ouml;lkerung nur bei 10&nbsp;% und in der ungarischen Bev&ouml;lkerung nur bei 14&nbsp;% zu den beiden dr&auml;ngendsten Problemen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Bemerkenswert ist, dass zwei Fragen aus Sicht der Polen und der Ungarn mit deutlichem Abstand zur Einsch&auml;tzung im EU-Durchschnitt die wichtigsten Herausforderungen f&uuml;r die EU bilden: Fragen der Immigration (Ungarn: 56&nbsp;% &#8211; Polen: 45&nbsp;% &#8211; EU28: 38&nbsp;%) und des Terrorismus (Polen: 42&nbsp;% &#8211; Ungarn: 38&nbsp;% &#8211; EU28: 29&nbsp;%). Gerade letzteres &uuml;berrascht, da weder Polen noch Ungarn bislang Opfer terroristischer Attacken wurden. <br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; W&auml;hrend sich im Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 68&nbsp;% f&uuml;r eine gemeinsame Migrationspolitik aussprechen, sind es in Polen lediglich 51&nbsp;% und in Ungarn sogar nur 48&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bull; Deutlicher noch sind die Reserven gegen&uuml;ber weiteren Vergemeinschaftungen im Bereich der Wirtschafts- und W&auml;hrungspolitik: w&auml;hrend sich im Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 61&nbsp;% f&uuml;r eine europ&auml;ische Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion mit einer gemeinsamen W&auml;hrung, dem Euro, aussprechen, sind es in Polen lediglich 34&nbsp;% der Bev&ouml;lkerung. Auch in Ungarn ist die Bev&ouml;lkerung mit lediglich 53&nbsp;% Zustimmung zu dieser Integrationsvertiefung deutlich kritischer als der EU-Durchschnitt eingestellt.<\/p>\n<p>Damit k&ouml;nnen rechtspopulistische Kr&auml;fte in Polen und Ungarn auf breite Zustimmung zu einer Europa-Konzeption setzen, die sich deutlich vom Mainstream westeurop&auml;ischer integrationsfreundlicher Kr&auml;fte unterscheidet.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"vi-fremden-und-judenfeindliche-ressentiments-als-naehrboden-rechtspopulistischer-erfolge\">VI. Fremden- und juden&shy;feind&shy;liche Ressen&shy;ti&shy;ments als N&auml;hrboden rechts&shy;po&shy;pu&shy;lis&shy;ti&shy;scher Erfolge<\/span><\/h2>\n<p>Rechtspopulismus lebt von der Ausgrenzung von und Schuldzuweisung f&uuml;r wirtschaftliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen an Minderheiten. In Polen kann diese Strategie nicht zuletzt auch an eine jahrhundertealte antisemitische Traditionslinie ankn&uuml;pfen. Ungeachtet des Einsatzes von <i>Johannes Paul II.<\/i> gegen dieses fatale Erbe im katholischen Volksglauben[59] lebt es in Polen trotz des Fehlens eines relevanten j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerungsanteils[60] fort,[61] ja es scheint sich sogar &ndash; auch im Verhalten zu sonstigen Minderheiten &#8211; zu verst&auml;rken: Eine Untersuchung des &#8222;Zentrums f&uuml;r das Studium von Vorurteilen&#8220; an der Universit&auml;t Warschau zeigt auf, dass binnen zwei Jahren nicht zuletzt antisemitische Hassreden zunehmend akzeptiert und im Internet und im polnischen Fernsehen immer popul&auml;rer werden.[62] Das Eindringen von Hassreden in die allgemeine &ouml;ffentliche Debatte, wie es auch in Ungarn zu beobachten ist, scheint die Ausgrenzung bestimmter sozialer Gruppen zu bef&ouml;rdern und gleichzeitig die Grundlagen einer demokratischen Zivilgesellschaft zu bedrohen. Die Desensibilisierung gegen&uuml;ber Fremden- und Minderheitenfeindlichkeit in der Adoleszenz bildet dabei einen problematischen Humus f&uuml;r die nachhaltige Akzeptanz ideologischer Versatzst&uuml;cke des Rechtspopulismus.[63] Der zunehmende Kontakt mit Anti-Einwanderer- und Anti-Fl&uuml;chtlinge-Hassrede bef&ouml;rdert zudem ein weiteres rechtspopulistisches Moment &ndash; die Unterst&uuml;tzung eines auf eine starke Exekutive ausgerichteten Staates unter allm&auml;hlicher Abschmelzung von <i>checks and balances<\/i>, nicht zuletzt in Form der rechtsstaatlichen B&auml;ndigung der Regierung.[64] Auf die gr&ouml;&szlig;te gesellschaftliche Verbreitung in Polen treffen negative oder beleidigende Aussagen gegen&uuml;ber Fl&uuml;chtlingen und Schwulen.[65] Wahrgenommene Bedrohungen und &Auml;ngste sind die Hauptursachen f&uuml;r die entsprechenden Vorurteile in der polnischen Bev&ouml;lkerung &ndash; wobei diese Bedrohungs&auml;ngste insbesondere im Internet als Raum der sozialen Enthemmung, zunehmend aber auch im regierungsseitig kontrollierten Fernsehen, aufgegriffen, best&auml;tigt und bef&ouml;rdert werden.[66] Allerdings berichten sowohl j&uuml;ngere als auch &auml;ltere Polen von einem deutlichen Anstieg der Kontakte mit hasserf&uuml;llten Aussagen in Bezug auf Juden, Muslime, Ukrainer und Schwarze auch beim &ndash; zunehmend regierungsseitig kontrollierten &ndash; Fernsehen.[67] So sind Polen z.B. zunehmend weniger bereit, Juden als Mitarbeiter, Nachbarn oder Familienmitglieder zu akzeptieren, obwohl mehr als 80&nbsp;% aller Polen noch nie einen Juden getroffen haben.[68] Dass Regierungsaktivit&auml;ten oder Aktivit&auml;ten der sie tragenden Parteien und Fraktionen, die die Bedeutung nationaler oder ethnischer Reinheit betonen oder die rassische, religi&ouml;se oder sonstige Minderheiten f&uuml;r Missst&auml;nde in der polnischen und ungarischen Gesellschaft verantwortlich machen, sehr schnell sehr gef&auml;hrlich werden k&ouml;nnen, ist nicht zuletzt aus der deutschen Vergangenheit, aber auch aus der Vergangenheit Polens und Ungarns in der Zwischenkriegszeit ein vertrautes Bild. <i>&#8222;Normen, die Minderheiten vor Angriffen sch&uuml;tzen und die viele Jahrzehnte brauchten, um geschaffen zu werden, k&ouml;nnen binnen k&uuml;rzester Zeit verschwinden, wenn zu wenige gewillt sind, sie zu verteidigen&#8220;<\/i>.[69]<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"vii-anknuepfungspunkte-fuer-eine-gegenstrategie\">VII.&nbsp; Ankn&uuml;p&shy;fungs&shy;punkte f&uuml;r eine Gegen&shy;stra&shy;tegie<\/span><\/h2>\n<p>Die anti-aufkl&auml;rerische Grundlinie der Rechtspopulisten in Ungarn und Polen ruft nicht nur aus innereurop&auml;ischen Motiven nach einer Reaktion: Denn die EU kann die Werte der Solidarit&auml;t, der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit weltweit &ndash; beispielsweise in der T&uuml;rkei, in Russland oder China &ndash; nicht &uuml;berzeugend anpreisen, wenn sie selbst nicht dazu in der Lage ist, diese Werte im Haus der EU durchzusetzen.[70] Eine erfolgversprechende Gegenstrategie wird nicht zuletzt durch Br&uuml;che in gesamteurop&auml;ischen Traditionslinien erfolgreicher, aufkl&auml;rerisch inspirierter Politikgestaltung belastet. Die Linearit&auml;t des namentlich sozialdemokratischen Fortschrittsversprechens seit der Entwicklung der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert ist dabei nicht zuletzt durch einen Bruch mit Traditionslinien des Gerechtigkeits- und Solidarit&auml;tsprojekts dieser Bewegung bedroht. Was in Deutschland mit Blick auf Umfragen droht, ist in Polen bzw. Ungarn bereits vollzogen: die Abl&ouml;sung der sozialdemokratischen Partei als Interessenvertretung klassischen sozialdemokratischen Milieus durch rechtspopulistische Kr&auml;fte in der W&auml;hlerInnengunst. Ebenso wenig wie es der DDR nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 dauerhaft gelang, mit Bert Brecht ein eigenes Volk zu begr&uuml;nden, wird es sozialdemokratischen Parteien in West wie Ost gelingen, eine eigene Anh&auml;ngerschaft zu etablieren, die in einem unter Wahl-Blickwinkel ausreichendem Umfang postmateriell und multikulturell orientiert ist. Die Suche nach einer Addition von kulturellen Minderheiten-Ansprachen als Ausgangspunkt f&uuml;r (relative) Wahl-Mehrheiten verspricht nirgendwo nachhaltigen Erfolg. Die staatlichen Bem&uuml;hungen, zivilgesellschaftliche Widerstandskraft gegen die rechtspopulistische Umformung des polnischen und ungarischen Gemeinwesens zu schw&auml;chen, sind bislang erkennbar nicht durchgehend erfolgreich. So ist z.B. die polnische Justizreform Gegenstand von nachhaltigen, wenn auch personell immer noch &uuml;berschaubaren Protesten in Polen. Kritik aus der EU an diesen Bem&uuml;hungen um eine &#8222;Vertikale der Macht&#8220; kann sich auf ein fortdauernd positives Image der EU st&uuml;tzen.[71] Es ist deshalb institutionelle wie zivilgesellschaftliche Fantasie und Kreativit&auml;t der und innerhalb der EU gefragt, um Polen wie Ungarn zu verdeutlichen, dass die Bem&uuml;hungen um eine &#8222;<i>EU &agrave; la carte<\/i>&#8220; &ndash; fortdauernde Sicherstellung &ouml;konomischer und finanzieller Vorteile aus der EU-Mitgliedschaft bei Negierung und Aush&ouml;hlung der Grundwerte des Art. 2 EUV &ndash; ein zum Scheitern verurteilter Irrweg sind.[72]<\/p>\n<p>Erfolgreiche Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Polen und Ungarn k&ouml;nnen anti-populistische Kr&auml;fte in diesen Mitgliedstaaten im politischen Kampf gegen das Konzept der Rosinenpickerei st&auml;rken: So hat die Europ&auml;ische Kommission im Streit &uuml;ber die Umverteilung von Fl&uuml;chtlingen im Dezember 2017 beschlossen, Polen und Ungarn wie auch Tschechien vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH) zu verklagen,[73] nachdem der EuGH zuvor im September 2017 deutlich die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Umverteilungsmechanismus bei der Bew&auml;ltigung der Fl&uuml;chtlingskrise betont hatte.[74] Allerdings w&auml;re es auch f&uuml;r die Eind&auml;mmung und Zur&uuml;ckdr&auml;ngung rechtspopulistischer Tendenzen in Polen und Ungarn vorteilhaft, wenn im europ&auml;ischen und im transnationalen Diskurs st&auml;rker als bislang anerkannt w&uuml;rde, dass viele Menschen ungeachtet abstrakter Wachstumsraten wirklich zu k&auml;mpfen haben und dass einige der Vorw&uuml;rfe gegen die sp&auml;testens seit den 1990er Jahren feststellbaren Akzentverschiebungen im und Abschiede vom klassischen Modell sozialstaatlich geb&auml;ndigter Marktwirtschaft durchaus gerechtfertigt sind. Nur wer auch im transnationalen Dialog bereit ist, die Gef&auml;hrdungen durch Globalisierung und europ&auml;ische Integration ebenso in den Blick zu nehmen wie deren Chancen, d&uuml;rfte f&auml;hig sein, in f&uuml;r rechtspopulistische Parolen offenen gesellschaftlichen Milieus Geh&ouml;r zu finden.[75] Dazu z&auml;hlt, sich rechtspopulistischer Themen wie insbesondere dem Streben nach innerer, sozialer und kultureller Sicherheit mit eigenen Antworten anzunehmen.[76] Zu einer solchen Re-Politisierung geh&ouml;rt auch der &ouml;ffentliche Diskurs nicht nur &uuml;ber das &#8222;wie&#8220;, sondern auch &uuml;ber das &#8222;ob&#8220; einer vertieften europ&auml;ischen Integration. Auch in Polen und Ungarn erscheint ein solcher Wettbewerb zwischen integrations- und globalisierungsfreundlichen &#8222;Kosmopoliten&#8220; und nationalstaatsorientierten &#8222;Kommunitaristen&#8220;[77] mit Blick auf eine Durchbrechung rechtspopulistischer Filterblasen hilfreich.[78] Denn dem rechtspopulistischen Euroskeptizismus d&uuml;rfte man mit einer europapolitischen TINA-Strategie[79] kaum erfolgversprechend begegnen k&ouml;nnen.[80]<\/p>\n<p>Um ihrer Verantwortung als H&uuml;ter des Gemeinwohls gerecht zu werden, m&uuml;ssen nicht zuletzt die kulturellen und politischen Anh&auml;ngerInnen einer auf ein f&ouml;derales, staatsrechtlich verdichtetes Europa ausgerichteten Europa-Konzeption transnationale Formate und Formeln finden, um bei unterschiedlichen Bev&ouml;lkerungsgruppen &#8211; einschlie&szlig;lich der bisherigen Anh&auml;nger rechtspopulistischer Bewegungen in Polen und Ungarn &ndash; so schwer dies auch sein mag, mehr konstruktives Engagement zu erreichen.[81] In diesen Diskursen, die die weitere Entwicklung einer europ&auml;ischen &Ouml;ffentlichkeit bef&ouml;rdern k&ouml;nnten, sollte allerdings offen und offensiv bekannt werden, dass das Bashing von Minderheiten weder unter dem Blickwinkel des gemeinsamen Wertefundaments noch unter dem Blickwinkel volkswirtschaftlicher Rationalit&auml;t eine &uuml;berzeugende Antwort auf die Krise des Wohlstandsversprechens f&uuml;r alle sein kann und ist.<\/p>\n<p>Auch im Verh&auml;ltnis zu Polen und Ungarn verspricht unter normativen wie &ouml;konomischen Aspekten ein <i>Containment<\/i> des Rechtspopulismus um so eher zu gelingen, je nachhaltiger eine Politik auf nationaler polnischer und ungarischer Ebene eingefordert und auf EU-Ebene bef&ouml;rdert wird, die Wohlstand, wirtschaftliche und soziale Sicherheit und W&uuml;rde f&uuml;r alle gleichzeitig anstrebt und f&ouml;rdert.[82] Eine fortdauernde Mitgliedschaft rechtspopulistischer Parteien in demokratischen europ&auml;ischen Parteienfamilien gef&auml;hrdet einen solchen Politikansatz.[83] Auch in Polen und Ungarn muss k&uuml;nftig zudem der Eindruck vermittelt werden k&ouml;nnen, dass die Errungenschaften des demokratischen Sozialstaates nicht nur in nationalstaatlichen Strukturen, sondern auch im europ&auml;ischen Staatenverbund bewahr- und ausbaubar sind. Eine deutlichere Betonung sozialstaatlicher Errungenschaften &uuml;ber die EU wie z.B. der Lohngleichheit und Gleichbehandlung von M&auml;nnern und Frauen[84] sowie der Antidiskriminierungspolitik auch aus nicht geschlechtsbezogenen Gr&uuml;nden[85] k&ouml;nnte hierzu einen wichtigen, aber sicherlich keinen hinreichenden Beitrag leisten. Eine solche Politik verspricht um so mehr Erfolg, je mehr sie auch personell glaubw&uuml;rdig verk&ouml;rpert wird. Parteien, die in der Zusammensetzung ihrer F&uuml;hrungsschicht[86] wie auch in deren Auftreten elit&auml;r wirken, haben weder diesseits noch jenseits der Grenzen eine realistische Chance, massenkompatibel zu bleiben oder wieder zu werden. Es bedarf deshalb in Polen wie Ungarn Kandidaten, die f&auml;hig sind, den Polen und den Ungarn jeweils eine alternative &#8222;politische Erz&auml;hlung&#8220; zu der von <i>Kaczynski<\/i> bzw. <i>Orb&aacute;n<\/i> mit einer neue Vision vom &#8222;guten Leben&#8220; in diesen Staaten anzubieten.[87] Parallelen zur Situation in Deutschland sind insoweit kaum &uuml;bersehbar.<\/p>\n<p><b>DR. J&Ouml;RG UKROW<\/b><i>&nbsp;&nbsp; war viele Jahre lang Rundfunkreferent in der Saarl&auml;ndischen Staatskanzlei sowie als Lehrbeauftragter am Europa-Institut, Sektion Rechtswissenschaft, t&auml;tig. Seit 2003 ist er stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) sowie seit 2017 gesch&auml;ftsf&uuml;hrendes Vorstandsmitglied des Instituts f&uuml;r Europ&auml;isches Medienrecht (EMR).<\/i><\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"anmerkungen\">Anmerkungen:<\/span><\/h2>\n<p>* Der Beitrag ist in Liebe und Dankbarkeit meinem verstorbenen Vater Siegfried Ukrow gewidmet.<\/p>\n<p>1 Der Begriff geht auf <i>Gennadi Gerassimow<\/i>, den damaligen Pressesprecher des sowjetischen Au&szlig;enministers <i>Eduard Schewardnadse<\/i> zur&uuml;ck, der am 25. Oktober 1989 w&auml;hrend eines Besuchs in Helsinki gegen&uuml;ber Journalisten ausf&uuml;hrte: &#8222;You know the Frank Sinatra song, I Did It My Way? Poland and Hungary are now doing it their way. I think the &#8218;Brezhnev Doctrine&#8216; is dead. We now have the Sinatra Doctrine.&#8220; Vgl. <i>Gaddis<\/i>, The Cold War, 2005, S. 247 f.<\/p>\n<p>2 Vgl. z.B. <i>Hofmann<\/i>, Polen und Deutsche, 2011, S. 291 ff.; <i>R&ouml;dder<\/i>, Deutschland einig Vaterland, 2009, S. 50 ff.<\/p>\n<p>3 Bulletin, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Nr. 137 v. 24.11.1990, S. 1409 ff.<\/p>\n<p>4 Nach Art. 2 EUV sind <i>&#8222;(d)ie Werte, auf die sich die Union gr&uuml;ndet, &#8230; die Achtung der Menschenw&uuml;rde,Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschlie&szlig;lich der Rechte der Personen, die Minderheiten angeh&ouml;ren. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarit&auml;t und die Gleichheit von Frauen und M&auml;nnern auszeichnet.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>5 Vgl. <i>Vetter<\/i>, Nationalismus im Osten Europas, 2017, S. 55 f.; <i>Pilawski\/Politt<\/i>, Polens Rolle r&uuml;ckw&auml;rts, 2016, S. 73 ff.<\/p>\n<p>6 Vgl. <i>Koenen<\/i>, Feinde, &uuml;berall Feinde. Die Welt, wie sie Viktor Orb&aacute;n sieht, in: Quo vadis, Hungaria? Kritik der ungarischen Vernunft, 2011 [= OSTEUROPA, 12\/2011], S. 105 ff.; <i>T&oacute;th<\/i>, Macht statt Recht.<br \/>Deformation des Verfassungssystems in Ungarn, OSTEUROPA, 63. Jg., 4\/2013, 21 (24)<\/p>\n<p>7 Vgl. <i>Schmitt<\/i>, Der Begriff des Politischen, 1932; <i>ders<\/i>., Legalit&auml;t und Legitimit&auml;t, 1932; hierzu z.B. <i>Mehring<\/i>, Carl Schmitt, 2009, S. 247 ff.<\/p>\n<p>8 Vgl. <i>Kurski<\/i>, Dampfwolke des Absurden, 22.03.2017(<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polen-dampfwolke-des-absurden-1.3428064\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polen-dampfwolke-des-absurden-1.3428064<\/a>).<\/p>\n<p>9 Vgl. <i>Bachmann<\/i>, Zur Entwicklung der polnischen Demokratie, APuZ 10-11\/2018, 9 (9)<\/p>\n<p>10 Vgl. <a href=\"http:\/\/badaniawyborcze.pl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/badaniawyborcze.pl\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/dorzeczy.pl\/kraj\/69120\/Sondaz-dla-DoRzeczypl-PiSznow\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/dorzeczy.pl\/kraj\/69120\/Sondaz-dla-DoRzeczypl-PiSznow<\/a>&#8211;<br \/>zyskuje-Nowoczesna-wraca-do-Sejmu.html<\/p>\n<p>11 Zu diesen geschichtspolitischen, vielfach mythenumrankten Determinanten des <i>PiS<\/i>-Erfolgs z&auml;hlen nicht zuletzt der Kampf um die Deutungshoheit &uuml;ber die Jahre des &Uuml;bergangs von volksdemokratischer<br \/>Diktatur zu Demokratie in Polen sowie die Legendenbildung um den Flugzeugabsturz von Smolensk 2010, bei dem der damalige Staatspr&auml;sident und Bruder des PiS-Vorsitzenden ums Leben<br \/>kam; vgl. hierzu z.B. <i>Kerski<\/i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11\/2018, 4 (4); <i>Michalski<\/i>, Der Mythos in der polnischen Politik nach 1989, 2017 (<a href=\"http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen210.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen210.pdf<\/a>, S. 2 ff.)<\/p>\n<p>12 Vgl. <i>Kaluza<\/i>, Stolz auf Polen. Das Ringen um das patriotische Narrativ in Polens Kulturpolitik nach 2015, 2018 (<a href=\"http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen219.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen219.pdf<\/a>, S. 2 ff.)<\/p>\n<p>13 Vgl. <i>Kerski<\/i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11\/2018, 4 (5).<\/p>\n<p>14 Vgl. Gdula\/D bska\/Trepka, Dobra zmiana w Miastku. Neoautorytaryzm w polskiej polityce z perspektywy malego miasta, 2017; Sutowski, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &#8211; und wie<br \/>weiter?, APuZ 10-11\/2018, S. 15 ff.<\/p>\n<p>15 Die sozialdemokratische <i>Magyar Szocialista P&aacute;rt <\/i>(MSZP) verlor mit 13,66 % mehr als die H&auml;lfte ihrer Listen-Stimmen und ihre Stellung als zweitst&auml;rkste Partei mit nur noch 11,91 % der Stimmen und 20 Parlamentssitzen. Die sozialliberale <i>Demokratikus Koal&iacute;ci&oacute; <\/i>(DK), die sich 2011 vom MSZP abgespaltet hat, errang mit 5,37 % Listen-Stimmanteil 9 Mandate. Die gr&uuml;ne <i>Lehet M&aacute;s a Politika <\/i>(LMP) errang mit 7,06 % der Listen-Stimmen 8 Mandate. Vgl. zum Ganzen <a href=\"http:\/\/www.valasztas.hu\/dyn\/pv18\/szavossz\/hu\/orszlist.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.valasztas.hu\/dyn\/pv18\/szavossz\/hu\/orszlist.html<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.valasztas.hu\/dyn\/pv18\/szavossz\/hu\/l22.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.valasztas.hu\/dyn\/pv18\/szavossz\/hu\/l22.html<\/a> sowie<br \/>Gdula\/Debska\/Trepka, Dobra zmiana w Miastku. Neoautorytaryzm w polskiej polityce z perspektywy malego miasta, 2017; Sutowski, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &#8211; und wie weiter?, APuZ 10-11\/2018, S. 15 ff.<\/p>\n<p>16 Vgl. z.B. ein Interview der Bertelsmann-Stiftung mit <i>Viviane Reding<\/i>, MdEP, fr&uuml;here EU-Kommissarin f&uuml;r Justiz, Grundrechte und B&uuml;rgerschaft, <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/layer\/themen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/layer\/themen\/<\/a><br \/>aktuelle-meldungen\/2017\/september\/rechtsstaat-in-polen-und-ungarn-unter-beschuss-unseregrundwerte-werden-angegriffen\/.<\/p>\n<p>17 S. <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/odihr\/elections\/hungary\/377410?download=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.osce.org\/odihr\/elections\/hungary\/377410?download=true<\/a>.<\/p>\n<p>18 Der <i>Gini<\/i>-Koeffizient (auch <i>Gini<\/i>-Index) ist ein statistisches Ma&szlig; zur Darstellung von Ungleichverteilungen (vorliegend) im Einkommen. entwickelt wurde. Er bewegt sich zwischen einem Wert von 0 (bei einer gleichm&auml;&szlig;igen Verteilung) und 1 (wenn nur eine Person das komplette Einkommen erh&auml;lt, d.h. bei maximaler Ungleichverteilung); vgl. <i>Atkinson<\/i>, Ungleichheit, 2015, S. 27 ff.<\/p>\n<p>19 Zu diesen und den folgenden Werten vgl. <a href=\"https:\/\/www.compareyourcountry.org\/inequality?lg=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.compareyourcountry.org\/inequality?lg=de<\/a><\/p>\n<p>20 Ber&uuml;cksichtigt wird hier der Anteil der Bev&ouml;lkerung mit weniger als 50 % des mittleren Einkommens (Median) im jeweiligen Land.<\/p>\n<p>21 Vgl. <a href=\"https:\/\/www.compareyourcountry.org\/inequality?lg=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.compareyourcountry.org\/inequality?lg=de<\/a>; OECD, Divided We Stand, 2011, S. 22(<a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/els\/soc\/49499779.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.oecd.org\/els\/soc\/49499779.pdf<\/a>)<\/p>\n<p>22 Vgl. <i>Duss<\/i>, &raquo;Trump sieht die Welt als Nullsummenspiel&laquo;, FES Info 1\/2018, 6<\/p>\n<p>23 Vgl. <i>Stadler<\/i>, BayernLB-Research &#8211; L&auml;nderanalyse Ungarn, 16.12.2016 (<a href=\"https:\/\/www.internationalesgeschaeft.de\/SK-Passau\/download\/laenderinformationen\/Laenderinformation_Ungarn.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.internationalesgeschaeft.de\/SK-Passau\/download\/laenderinformationen\/Laenderinformation_Ungarn.pdf<\/a>)<\/p>\n<p>24 Vgl. <i>Menge<\/i>, W&uuml;tende wei&szlig;e Frauen? &Uuml;ber das weibliche Gesicht des Rechtspopulismus in Europa, FES Info 1\/2018, 8 (9).<\/p>\n<p>25 Vgl. <i>Mommsen<\/i>, Putins &#8222;gelenkte Demokratie&#8220;: &#8222;Vertikale der Macht&#8220; statt Gewaltenteilung, in: Buhbe\/Gorzka (Hrsg.), Russland heute, 2007, S. 235 ff.<\/p>\n<p>26 Vgl. z.B. <i>Kurylo<\/i>, Russia and Carl Schmitt: the hybridity of resistance in the globalised world, 2016(<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/palcomms201696.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.nature.com\/articles\/palcomms201696.pdf<\/a>); <i>Lewis<\/i>, Carl Schmitt in Moscow: Counter-Revolutionary Ideology and the Putinist State, 2017, S. 13 ff. (<a href=\"http:\/\/www.laender-analysen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.laender-analysen<\/a>.<br \/>de\/russland\/rad\/pdf\/Russian_Analytical_Digest_211.pdf).<\/p>\n<p>27 Vgl. <i>Kr&ouml;kel<\/i>, Rechtspopulismus in Polen: Kaczynskis Kampf gegen angebliche postkommunistische Eliten, 6.1.2017 (<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtspopulismus\/239926\/rechtspopulismus-in-polen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtspopulismus\/239926\/rechtspopulismus-in-polen<\/a>)<\/p>\n<p>28 Zu den herrschaftsstabilisierenden Ma&szlig;nahmen der PiS geh&ouml;rten neben der Eingrenzung unabh&auml;ngiger Gewalten auf der zentralen Staatsebene nicht zuletzt auch eine Re-Zentralisierung der Herrschaft in Polen sowie M&ouml;glichkeiten der Einwirkungen auf die Freiheit und Gleichheit der Wahl durch die Zusammensetzung der Wahlkommission, die &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Wahlen wacht; vgl. Bachmann, Zur Entwicklung der polnischen Demokratie, APuZ 10-11\/2018, 9 (11 f.).<\/p>\n<p>29 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Doering<\/i>, Demontierte Justiz, 18.07.2017 (<a href=\"https:\/\/www.freiheit.org\/demontierte-justiz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.freiheit.org\/demontierte-justiz<\/a>); <i>Machinska<\/i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (42ff.)<\/p>\n<p>30 Ustawa z dnia 19 listopada 2015 r. o zmianie ustawy o Trybunale Konstytucyjnym, abrufbar &uuml;ber <a href=\"http:\/\/dziennikustaw.gov.pl\/du\/2015\/1928\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/dziennikustaw.gov.pl\/du\/2015\/1928\/1<\/a><\/p>\n<p>31 Vgl. die die &Auml;nderungen des Gesetzes &uuml;ber den Verfassungsgerichtshof betreffenden Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofs vom 3. und 9. Dezember 2015, <a href=\"http:\/\/trybunal.gov.pl\/en\/hearings\/judgments\/art\/8748-ustawa-o-trybunale-konstytucyjnym\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/trybunal.gov.pl\/en\/hearings\/judgments\/art\/8748-ustawa-o-trybunale-konstytucyjnym\/<\/a> sowie <a href=\"http:\/\/trybunal.gov.pl\/en\/hearings\/judgments\/art\/8792-nowelizacja-ustawy-o-trybunale-konstytucyjnym\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/trybunal.gov.pl\/en\/hearings\/judgments\/art\/8792-nowelizacja-ustawy-o-trybunale-konstytucyjnym\/<\/a>.<\/p>\n<p>32 Zum Verlauf dieses Dialogs vgl. European Commission &#8211; Fact Sheet &#8211; Commission action on the Rule of Law in Poland: Questions &amp; Answers, 20.12.2017 (<a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_MEMO\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_MEMO<\/a>&#8211;<br \/>17-5368_en.htm).<\/p>\n<p>33 Empfehlung (EU) 2016\/1374 der Kommission v. 27.7.2016 zur Rechtsstaatlichkeit in Polen (ABl. EU 2016 L 217\/53); Empfehlung (EU) 2017\/146 v. 21.12.2016 (ABl. EU 2017 L 22\/65), Empfehlung (EU)<br \/>2017\/1520 v. 26.7.2017 (ABl. EU 2017 L 228\/19) und Empfehlung (EU) 2018\/103 v. 20.12.2017 (ABl. EU 2018 L 17\/50). Diese Empfehlungen betrafen u.a. die vollst&auml;ndige Vollstreckung der Urteile des Verfassungstribunals in Bezug auf die Richterwahlen, die Bekanntmachung und vollst&auml;ndige Vollstreckung der Urteile des Verfassungstribunals sowie die Garantie der automatischen Bekanntmachung zuk&uuml;nftiger Urteile, unabh&auml;ngig von den Entscheidungen der Exekutive oder Legislative, die Garantie der &Uuml;bereinstimmung aller Gesetzesnovellen zum Verfassungstribunal mit den Urteilen dieses Verfassungsgerichts sowie das Unterlassen von T&auml;tigkeiten und &ouml;ffentlichen Aussagen, die die Legitimierung und das wirksame Handeln des Verfassungstribunals untergraben k&ouml;nnten.<\/p>\n<p>34 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Machinska<\/i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (4 ff.). Der polnische Premierminister <i>Morawiecki <\/i>erkl&auml;rte am 4. Juli 2018 vor dem Europ&auml;ischen Parlament, Polen verbitte sich Belehrungen zu Struktur und Arbeitsweise seines Justizwesens. Dies sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes. Schlie&szlig;lich r&auml;ume man doch mit dem kommunistischen Erbe innerhalb der Richter-&#8222;Kaste&#8220; auf; vgl. <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/sides\/getDoc.do?pubRef=-\/\/EP\/\/TEXT+CRE+20180704+ITEM-004+DOC+XML+V0\/\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.europarl.europa.eu\/sides\/getDoc.do?pubRef=-\/\/EP\/\/TEXT+CRE+20180704+ITEM-004+DOC+XML+V0\/\/<\/a><br \/>DE; <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/polen-will-ein-anderes-europa\/a-44525873\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dw.com\/de\/polen-will-ein-anderes-europa\/a-44525873<\/a>.<\/p>\n<p>35 <i>Venice Commission<\/i>, Opinion on amendments to the Act of 25 June 2015 on the Constitutional Tribunal of Poland, adopted by the Venice Commission at its 106th Plenary Session (Venice, 11-12 March 2016), CDL-AD(2016)001-e (<a href=\"http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD(2016\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD(2016<\/a>)<br \/>001-e). Nicht nur die Europ&auml;ische Kommission und die Venedig-Kommission des Europarates, sondern u.a. auch der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen, die Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Menschenrechtskommissar des Europarats sowie Vertreter der Justiz aus ganz Europa (darunter das Netz der Pr&auml;sidenten der obersten Gerichtsh&ouml;fe der Europ&auml;ischen Union und das Europ&auml;ische Netz der R&auml;te f&uuml;r das Justizwesen) kritisierten die polnischen Justizreformen; vgl. <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-17-5367_de.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-17-5367_de.htm<\/a>.<\/p>\n<p>36 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Machinska<\/i>, Das polnische Justizwesen, Polen-Analysen Nr. 204, 2017, 2 (4 ff.)<\/p>\n<p>37 Vgl. <i>Venice Commission<\/i>, Poland &#8211; Opinion on the Draft Act amending the Act on the National Council of the Judiciary; on the Draft Act amending the Act on the Supreme Court, proposed by the Presi &#8211;<br \/>dent of Poland, and on the Act on the Organisation of Ordinary Courts, adopted by the Commission at its 113th Plenary Session (Venice, 8-9 December 2017), CDL-AD(2017)031-e (<a href=\"http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD(2017)031-e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.venice.coe.int\/webforms\/documents\/?pdf=CDL-AD(2017)031-e<\/a>)<\/p>\n<p>38 Am 20. Dezember 2017 beschloss die Europ&auml;ische Kommission, das Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen wegen Versto&szlig;es gegen EU-Recht durch das Gesetz &uuml;ber die ordentlichen Gerichte in die n&auml;chste Phase &uuml;berzuleiten und vor dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union Klage gegen Polen zu erheben. Vgl. &#8222;Rechtsstaat in Polen bedroht: EU-Kommission l&ouml;st Artikel 7-Verfahren aus&#8220;, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20171220-polen_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20171220-polen_de<\/a><\/p>\n<p>39 Auch die Vereinbarkeit der Novelle mit Art. 180 Abs. 1 und Art. 183 Abs. 3 der polnischen Verfassung ist h&ouml;chst fraglich: Nach der erstgenannten Verfassungsnorm sind die polnischen Richter unabsetzbar, nach der zweitgenannten Norm wird der Erste Pr&auml;sident des Obersten Gericht vom Pr&auml;sidenten der Republik Polen f&uuml;r eine 6-j&auml;hrige Amtszeit berufen.<\/p>\n<p>40 Diese Einrichtung ist nach Art. 186 Abs. 1 der polnischen Verfassung berufen, die Unabh&auml;ngigkeit der Gerichte und der Richter zu sch&uuml;tzen. Soweit Normativakte die Unabh&auml;ngigkeit der Gerichte und der Richter ber&uuml;hren, kann der Rat nach Art. 186 Abs. 2 der Verfassung beim Verfassungstribunal die &Uuml;berpr&uuml;fung ihrer Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit beantragen.<\/p>\n<p>41 Dieser sah zun&auml;chst eine Wahl mit einfacher Mehrheit vor.<\/p>\n<p>42 Der zust&auml;ndige Sejm-Ausschuss legt nunmehr eine Liste aus 15 Kandidaten fest. Sollte bei der anschlie&szlig;enden Wahl im Sejm keine qualifizierte Dreif&uuml;nftel-Mehrheit erreicht werden, erfolgt die Wahl mit absoluter Mehrheit.<\/p>\n<p>43 Auch die Novelle des Gesetzes &uuml;ber die Nationale Hochschule f&uuml;r Gerichtsbarkeit und Staatsanwaltschaft begegnet rechtsstaatlichen Bedenken. Der KRS stellte fest, dass die vorgeschlagenen<br \/>Neuerungen &#8222;nicht der St&auml;rkung der Garantie des Rechts auf ein faires Verfahren, sondern allein der Erweiterung der Befugnisse des Justizministers in Bezug auf das Funktionieren des allgemeinen<br \/>Gerichtswesens dienen&#8220;. Auch laut Gutachten der Europ&auml;ischen Kommission wird die durch die Novelle bef&ouml;rderte Abh&auml;ngigkeit der Gerichtsassessoren vom Justizminister negativen Einfluss auf Unabh&auml;ngigkeit und Effizienz des Gerichtswesens haben.<\/p>\n<p>44 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Gasior\/Wnuk<\/i>, Poland: tracking the shrinking space for press and media freedom, 20.3.2018 (<a href=\"https:\/\/ecpmf.eu\/news\/threats\/poland-tracking-the-shrinking-spacefor-press-freedom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ecpmf.eu\/news\/threats\/poland-tracking-the-shrinking-spacefor-press-freedom<\/a>); <i>Hassel<\/i>, Polens Regierung will Fernsehsender kontrollieren, 18.12.2017 (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polen-polens-regierung-will-fernsehsender-kontrollieren-1.3795562\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polen-polens-regierung-will-fernsehsender-kontrollieren-1.3795562<\/a>) sowie <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/polen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/polen\/.<\/a><\/p>\n<p>45 Vgl. <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/polen\/alle-meldungen\/meldung\/immer-mehr-hetzegegen-journalisten-in-europa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/polen\/alle-meldungen\/meldung\/immer-mehr-hetzegegen-journalisten-in-europa\/<\/a>.<\/p>\n<p>46 Dessen Abendnachrichten &#8222;Fakty&#8220; sind die mit Abstand meistgesehene Nachrichtensendung Polens. Auch im Internet ist die TVN24-Seite eins der popul&auml;rsten Angebote.<\/p>\n<p>47 In einer konzertierten Aktion wurde daraufhin die Regulierungsbeh&ouml;rde mit 12.000 Antr&auml;gen auf Lizenzentzug &uuml;bersch&uuml;ttet.<\/p>\n<p>48 Vgl. hierzu und zum Folgenden <i>Jakab\/Sonnevend<\/i>, Kontinuit&auml;t mit M&auml;ngeln: Das neue ungarische Grundgesetz, Za&ouml;RV 72 (2012), 79 (79 f., 83 ff., 93 ff.)<\/p>\n<p>49 Nach dem Grundgesetz werden u.a. der Schutz der Familie (Art. L Abs. (3) GG), die Anforderungen an die Bewahrung und den Schutz des nationalen Verm&ouml;gens und an die verantwortliche Bewirtschaftung des nationalen Verm&ouml;gens sowie die Bestimmung des ausschlie&szlig;lichen Eigentums des Staates und seiner ausschlie&szlig;lichen wirtschaftlichen T&auml;tigkeit und die Beschr&auml;nkungen und Voraussetzungen zur Ver&auml;u&szlig;erung nationalen Verm&ouml;gens von aus volkswirtschaftlicher Sicht gesteigerter Bedeutung (Art. 38 GG), die grundlegenden Regeln der Tragung &ouml;ffentlicher Lasten und des Altersrentensystems (Art. 40 GG) sowie die detaillierten Regeln der T&auml;tigkeit des Haushaltsrats (Art. 44 Abs. 5 GG), der seinerseits einer &uuml;ber die laufende Legislaturperiode weit hinausreichenden faktischen Kontrolle durch die Fidesz zug&auml;nglich gemacht wurde, durch Kardinalgesetz geregelt.<\/p>\n<p>50 <i>Reporter ohne Grenzen <\/i>bedauerte es vor diesem Hintergrund, <i>&#8222;dass die Europ&auml;ische Kommission die Angriffe der polnischen Regierung auf die Medienfreiheit ignoriert und das Strafverfahren nur mit Gefahren f&uuml;r<br \/>die Unabh&auml;ngigkeit der Justiz begr&uuml;ndet. Die st&auml;ndigen Angriffe der polnischen Regierung auf die Pressefreiheit und die Unabh&auml;ngigkeit der Medien d&uuml;rfen nicht folgenlos bleiben&#8220;<\/i>, <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohnegrenzen.de\/polen\/alle-meldungen\/meldung\/eu-ignoriert-angriffe-auf-die-medienfreiheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.reporter-ohnegrenzen.de\/polen\/alle-meldungen\/meldung\/eu-ignoriert-angriffe-auf-die-medienfreiheit\/<\/a>.<\/p>\n<p>51 Vgl. Vorschlag f&uuml;r einen Beschluss des Rates zur Feststellung der eindeutigen Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der Rechtsstaatlichkeit durch die Republik Polen, COM (2017) 835<br \/>(<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=COM:2017:0835:FIN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=COM:2017:0835:FIN<\/a>) Nach Artikel 7 Abs. 1 EUV kann der Rat mit der Mehrheit von vier F&uuml;nfteln seiner Mitglieder feststellen, dass die eindeutige Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der in Artikel 2 EUV verankerten gemeinsamen Werte durch einen Mitgliedstaat besteht. Im Ergebnis dieses Verfahrens k&ouml;nnen letztlich die<br \/>Stimmrechte dieses Mitgliedstaates im Rat ausgesetzt werden.<\/p>\n<p>52 <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20180226IPR98615\/rechtsstaatlichkeit-inpolen-parlament-will-eu-massnahmen-unterstutzen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20180226IPR98615\/rechtsstaatlichkeit-inpolen-parlament-will-eu-massnahmen-unterstutzen<\/a><\/p>\n<p>53 Ob damit die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreicht wurde, ist mit Blick auf die Behandlung der Stimmenthaltungen umstritten.<\/p>\n<p>54 <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20180906IPR12104\/rechtsstaatlichkeit-inungarn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/press-room\/20180906IPR12104\/rechtsstaatlichkeit-inungarn<\/a>&#8211;<br \/>parlament-fordert-rat-zum-handeln-auf<\/p>\n<p>55 <i>Kurski<\/i>, Dampfwolke des Absurden, 22.03.2017(<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polendampfwolke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/polendampfwolke<\/a>&#8211;<br \/>des-absurden-1.3428064).<\/p>\n<p>56 Zur Einordnung des Einstimmigkeitserfordernisses vgl. auch <i>Tr&auml;bert<\/i>, Sanktionen der Europ&auml;ischen Union gegen ihre Mitgliedstaaten, 2010, S. 361 ff.<\/p>\n<p>57 Zu diesem Ansatz vgl. <i>Scheppele<\/i>, Can Poland be Sanctioned by the EU? Not Unless Hungary is Sanctioned Too, 2016 (<a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/can-poland-be-sanctioned-by-the-eu-not-unlesshungary-is-sanctioned-too\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/verfassungsblog.de\/can-poland-be-sanctioned-by-the-eu-not-unlesshungary-is-sanctioned-too\/<\/a>); <i>Thiele<\/i>, Art. 7 EUV im Quadrat? Zur M&ouml;glichkeit von Rechtsstaats-Verfahren gegen mehrere Mitgliedsstaaten, 2017 (<a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/art-7-euv-im-quadratzur-moeglichkeit-von-rechtsstaats-verfahren-gegen-mehrere-mitgliedsstaaten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/verfassungsblog.de\/art-7-euv-im-quadratzur-moeglichkeit-von-rechtsstaats-verfahren-gegen-mehrere-mitgliedsstaaten\/<\/a>)<\/p>\n<p>58 Vgl. f&uuml;r die nachfolgenden Angaben <i>European Commission<\/i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Hungary. Spring 2018, <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index.cfm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index.cfm\/<\/a><br \/>ResultDoc\/download\/DocumentKy\/83569; <i>European Commission<\/i>, Standard Eurobarometer 89. Thekey indicators. Poland. Spring 2018, <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index<\/a>.<br \/>cfm\/ResultDoc\/download\/DocumentKy\/83579<\/p>\n<p>59 Vgl. <i>Weigel<\/i>, Zeuge der Hoffnung, 2. Aufl. 2003, S. 868 ff.<\/p>\n<p>60 Das organisierte j&uuml;dische Leben in Polen d&uuml;rfte auf ca. 10.000 Mitglieder j&uuml;discher Gemeinden gest&uuml;tzt sein &ndash; was nur 0,02 Prozent der polnischen Bev&ouml;lkerung entspricht; vgl. <a href=\"http:\/\/humanistische-union.de\/https%3A\/forward\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/forward<\/a>.<br \/>com\/news\/world\/360967\/anti-semitism-spikes-in-poland-stoked-by-populist-surge-against-refugees\/.<\/p>\n<p>61 Beg&uuml;nstigt wird dies durch eine nationalistische Radikalisierung von Teilen der katholischen Kirche, insbesondere durch den wachsenden, seitens der Amtskirche vielfach unterst&uuml;tzten Einfluss von <i>Tadeusz Rydzyk<\/i>, dessen Medien einen enormen Einfluss auf viele Gl&auml;ubige haben. Vgl. hierzu <i>Kerski<\/i>, Polnische Widerspr&uuml;che, europ&auml;ische Widerspiegelungen: Was uns trennt, verbindet uns, APuZ 10-11\/2018, 4 (4); <i>Mechtenberg<\/i>, Das Verh&auml;ltnis zwischen Kirche und Staat unter der PiS-Regierung, 2018 (<a href=\"http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen213.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.laender-analysen.de\/polen\/pdf\/PolenAnalysen213.pdf<\/a>, S. 2 ff.)<\/p>\n<p>62 2016 gab die H&auml;lfte der jungen Polen zu, Hassreden zu benutzen. Vgl. <i>Winiewski, Hansen <\/i>et al., Mowa nienawissci, mowa pogardy. Raport z badania przemocy werbalnej wobec grup mniejszossciowych,<br \/>2017, S. 6(<a href=\"http:\/\/www.batory.org.pl\/upload\/files\/pdf\/MOWA_NIENAWISCI_MOWA_POGARDY_INTERNET\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.batory.org.pl\/upload\/files\/pdf\/MOWA_NIENAWISCI_MOWA_POGARDY_INTERNET<\/a>.<br \/>pdf).<\/p>\n<p>63 Vgl. a.a.O., S. 135<\/p>\n<p>64 Vgl. a.a.O., S. 133<\/p>\n<p>65 Vgl. a.a.O., S. 31 ff.<\/p>\n<p>66 Vgl. a.a.O., S. 43 ff.<\/p>\n<p>67 Vgl. a.a.O., S. 47 ff.<\/p>\n<p>68 Mehr als die H&auml;lfte der Polen &ndash; fast 56 % &ndash; war 2016 nicht bereit, einen Juden als Familienmitglied zu akzeptieren &ndash; &uuml;ber 10 % mehr als in 2014. Ein Drittel der Polen (32,2 %) war 2016 nicht gewillt, einen Juden als Nachbarn akzeptieren (2014: 26,7 %). Und 15,1 % wollten 2016 einen Juden als Mitarbeiter nicht akzeptieren (2014: 10 %).<\/p>\n<p>69 Duss, &raquo;Trump sieht die Welt als Nullsummenspiel&laquo;, FES Info 1\/2018, 6<\/p>\n<p>70 Vgl. hierzu auch ein Interview der Bertelsmann-Stiftung mit <i>Viviane Reding<\/i>, MdEP, fr&uuml;here EUKommissarin f&uuml;r Justiz, Grundrechte und B&uuml;rgerschaft, <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/<\/a><br \/>layer\/themen\/aktuelle-meldungen\/2017\/september\/rechtsstaat-in-polen-und-ungarn-unter-beschuss-unsere-grundwerte-werden-angegriffen\/<\/p>\n<p>71 Polen (positiv: 50 % &#8211; negativ: 12 %) haben ein deutlich besseres Bild von der EU als der Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28 (positiv: 40 % &#8211; negativ: 21 %). 80 % der polnischen Bev&ouml;lkerung<br \/>empfindet sich als europ&auml;ische B&uuml;rgerInnen &ndash; im Vergleich zu 70 % im Durchschnitt der EU-28. Polen empfinden die Vorteile der EU-Integration durchgehend intensiver als der Durchschnitt der<br \/>Bev&ouml;lkerung der EU-28 &ndash; nicht zuletzt im Zusammenhang mit den M&ouml;glichkeiten der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit, von denen Polen zudem auch deutlich intensiver Gebrauch gemacht habe als der<br \/>Durchschnitt der Bev&ouml;lkerung der EU-28. In letzterem unterscheidet sich die Situation in Polen im &Uuml;brigen deutlich von der Situation in Ungarn: Hier liegt die Wahrnehmung pers&ouml;nlicher Vorteile aus der Freiz&uuml;gigkeit innerhalb der EU unterhalb der Durchschnittswerte in der EU-28; vgl. <i>European Commission<\/i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Hungary. Spring 2018, <a href=\"http:\/\/humanistische-union.de\/http%3A\/ec\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/ec<\/a>.-<br \/>europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index.cfm\/ResultDoc\/download\/DocumentKy\/83569;<br \/><i>European Commission<\/i>, Standard Eurobarometer 89. The key indicators. Poland. Spring 2018,<br \/><a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index.cfm\/ResultDoc\/download\/Document\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/ec.europa.eu\/commfrontoffice\/publicopinion\/index.cfm\/ResultDoc\/download\/Document<\/a><br \/>-Ky\/83579<\/p>\n<p>72 Die Europ&auml;ische Kommission hat bereits deutlich gemacht, dass k&uuml;nftig Strukturbeihilfen f&uuml;r Polen und andere Staaten daran gekn&uuml;pft werden k&ouml;nnten, ob die Empf&auml;ngerstaaten alle rechtsstaatlichen<br \/>Kriterien erf&uuml;llen. Auch diese Drohung mit dem Haushalt hat allerdings einen Haken: Polen m&uuml;sste dieser Regelung im Zuge der Haushaltsverhandlungen zustimmen, s. <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europarat-r%FCgt-polen-erneut-wegen-justizreform\/a-43183456\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dw.com\/de\/europarat-r&uuml;gt-polen-erneut-wegen-justizreform\/a-43183456<\/a><\/p>\n<p>73 <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20171207-vertragsverletzungen-kommission-verklagt-tschechische\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20171207-vertragsverletzungen-kommission-verklagt-tschechische<\/a>&#8211;<br \/>republik-ungarn-und-polen_de.<\/p>\n<p>74 EuGH, Urteil vom 06.9.2017 in den verbundenen Rechtssachen C-643\/15 und C-647\/15, <i>Slowakei und Ungarn \/ Rat<\/i>, ECLI:EU:C:2017:631<\/p>\n<p>75 Vgl. <i>H&ouml;pner<\/i>, Wacht endlich auf aus dem linksliberalen Schlaf!, 17.8.2018 (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/gruende-fuer-die-sammlungsbewegung-aufstehen-der-linken-15741233.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/gruende-fuer-die-sammlungsbewegung-aufstehen-der-linken-15741233.html<\/a>)<\/p>\n<p>76 Vgl. <i>Painter<\/i>, Der Irrweg der Zeigefinger-&Uuml;berzeuger. Gegen Populismus braucht es Argumente, keinen Moralismus, 14.4.2014 (<a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunkt-des-monats\/populismus-ineuropa\/artikel\/detail\/der-irrweg-der-zeigefinger-ueberzeuger-349\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunkt-des-monats\/populismus-ineuropa\/artikel\/detail\/der-irrweg-der-zeigefinger-ueberzeuger-349\/<\/a>)<\/p>\n<p>77 Vgl. zu diesen Kategorien <i>Hillebrand<\/i>, Zeit der Populisten? Die Frage nach der Rolle des Nationalstaats birgt reichlich Z&uuml;ndstoff, FES Info 1\/2018, S. 3<\/p>\n<p>78 Bestandteil eines solchen Wettbewerbs k&ouml;nnte auch die Frage sein, ob der Anwendungsbereich der Grundrechte-Charta der EU (einschlie&szlig;lich ihrer verfahrensrechtlichen Absicherungen) dahin erweitert wird, dass sie auch geltend gemacht werden kann, wenn die EU-Mitgliedstaaten nicht ausschlie&szlig;lich Recht der EU anwenden.<\/p>\n<p>79 Abk. f&uuml;r &#8222;There is no alternative&#8220;.<\/p>\n<p>80 Vgl. <i>Gerrits<\/i>, Populismus in Europa. Weshalb die praktizierte Entpolitisierung der europ&auml;ischen Integration den Populisten in die H&auml;nde spielt, 7.4.2014 (<a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunktdes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.ipg-journal.de\/schwerpunktdes<\/a>&#8211;<br \/>monats\/populismus-in-europa\/artikel\/detail\/populismus-in-europa-338\/)<\/p>\n<p>81 Vgl. <i>Anheier<\/i>, Wie man mit Populisten streitet, 19.7.2018 (<a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/political-polarization-debate-populists-1968-by-helmut-k--anheier-2018-07\/german\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/political-polarization-debate-populists-1968-by-helmut-k&#8211;anheier-2018-07\/german<\/a>)<\/p>\n<p>82 Vgl. <i>Hillebrand<\/i>, Die populistische Herausforderung &ndash; Eine Einf&uuml;hrung, in: ders. (Hrsg.), Rechtspopulismus in Europa. Gefahr f&uuml;r die Demokratie?, 2015, 7 (10 f.).<\/p>\n<p>83 Vgl. kritisch j&uuml;ngst auch <i>Roth\/Naidoo<\/i>, Wo stehen Europas Christdemokraten?, FAZ v. 7.9.2018, S. 8 sowie bereits <i>Ukrow<\/i>, W&auml;chst Europa an seinen rechtspopulistischen Feinden?, vorg&auml;nge Nr. 216<br \/>(2016), 47 (51).<\/p>\n<p>84 Vgl. <i>Epiney\/Freiermuth <\/i>Abt, Das Recht der Gleichstellung von Mann und Frau in der EU, 2003; <i>Langenfeld<\/i>, Die Gleichbehandlung von Mann und Frau im Europ&auml;ischen Gemeinschaftsrecht, 1990.<\/p>\n<p>85 Vgl. Agentur der EU f&uuml;r Grundrechte (FRA)\/Europ&auml;ischer Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte\/Europarat, Handbook on European non-discrimination law, 2. Aufl. 2018 (abrufbar &uuml;ber <a href=\"http:\/\/fra.europa.eu\/en\/publication\/2018\/handbook-european-law-non-discrimination\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/fra.europa.eu\/en\/publication\/2018\/handbook-european-law-non-discrimination<\/a>)<\/p>\n<p>86 Vgl. zur Problemlage <i>Hartmann<\/i>, Die Abgehobenen, 2018; <i>Walter<\/i>, Libert&auml;rer Schein der Lifestyle-Linken, DER SPIEGEL 26\/23.6.2018, 38 (39).<\/p>\n<p>87 Vgl. <i>Gdula<\/i>, Nowy Autorytaryzm, 2018; <i>Sutowski<\/i>, &#8222;Guter Wandel&#8220; zum &#8222;neuen Autoritarismus&#8220; &ndash; und wie weiter?, APuZ 10-11\/2018, 15 (17 f.).<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[667],"autoren":[1514],"publikationen":[879],"class_list":["post-8567","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-vorgaenge-artikel","autoren-joerg-ukrow","publikationen-879"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Jenseits der Grenze - Rechtspopulismus in Polen und Ungarn* - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/jenseits-der-grenze-rechtspopulismus-in-polen-und-ungarn-1\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Jenseits der Grenze - Rechtspopulismus in Polen und Ungarn* - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg&auml;nge 224 (4\/2018), S. 57 &#8211; 75 Polen und Ungarn waren 1989\/1990 Protagonisten bei der &Uuml;berwindung der illiberalen Irrwege des 20. 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