{"id":8572,"date":"2018-11-22T03:00:00","date_gmt":"2018-11-22T02:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/zwei-analysen-zur-religioesen-rechten-in-deutschland\/"},"modified":"2018-11-22T12:00:00","modified_gmt":"2018-11-22T11:00:00","slug":"zwei-analysen-zur-religioesen-rechten-in-deutschland","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/zwei-analysen-zur-religioesen-rechten-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Zwei Analysen zur religi\u00f6sen Rechten in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg\u00e4nge Nr. 224 (4\/2018), S. 100-102<\/p>\n<p><i>Alexander K\u00fchn: Christlicher Extremismus in Deutschland. Das Verh\u00e4ltnis der Partei Bibeltreuer Christen, Christliche Mitte, Priesterbruderschaft St. Pius und Zeugen Jehovas zum demokratischen Verfassungsstaat. Leipzig Universit\u00e4tsverlag 2016. 338 S. (= Diss. TU Chemnitz) 39&#128;<\/i><\/p>\n<p><i>Lucius Teidelbaum: Die christliche Rechte in Deutschland. Strukturen, Feindbilder, Allianzen. M\u00fcnster Unrast 2018. 95 S. (=unrast transparent rechter rand, 18) 7,80&#128;<\/i><\/p>\n<p>Die Dissertation von <i>Alexander K\u00fchn <\/i>untersucht das Verh\u00e4ltnis sehr unterschiedlicher Organisationen &#150; ausgew\u00e4hlt wurden zwei politische Parteien, ein religi\u00f6ser Orden und eine ganze Religionsgemeinschaft &#150; zur Verfassung. Ausgehend von einer (letztlich willk\u00fcrlich gesetzten) Erweiterung des Konstrukts eines &#132;<i>verfassungspolitischen Extremismus<\/i>&#147; durch die Schaffung der Kategorien eines &#132;weichen&#147; bzw. &#132;harten&#147; Extremismus (nach Eckhard Jesse) fragt die Arbeit zentral: &#132;<i>Welchen Grad der Extremismusintensit\u00e4t weisen die untersuchten Gruppierungen auf?&#147; <\/i>(13) Ziel der Studie ist &#132;<i>die Einordnung in eine von drei Kategorien: &#130;extremistisch&#145;, &#130;semi-extremistisch&#145; oder &#130;nicht-extremistisch&#145; &#133;<\/i>&#147; (ebd.) Abgeklopft werden jeweils die Felder Ideologie, Strategie (mit Unterpunkten &#130;Gewalt&#145; und &#130;Zusammenarbeit&#145;) und Organisation. Dadurch kommt der Verfasser zu seltsamen Ergebnissen, da die jeweiligen Befunde quasi miteinander verrechnet werden. Um ein Beispiel anzuf\u00fchren: Der Partei (inzwischen Verein) &#132;Christliche Mitte&#147;, die von der Evangelischen Zentralstelle f\u00fcr Weltanschauungsfragen als fundamentalistisch eingestuft wurde, ist laut K\u00fchn &#132;<i>ein &#130;semi-extremistisches&#145; Wesen zu attestieren, mit Tendenz zu &#130;nicht extremistisch<\/i>&#145;&#147;\u00a0(152). Zwar strebe &#132;<i>die Partei einen Gottesstaat an<\/i>&#147; und versto\u00dfe &#132;<i>in mehreren Punkten gegen das Grundgesetz<\/i>&#147;, womit ihre Ideologie &#132;<i>allerdings als &#130;extremistisch&#145; zu bewerten ist<\/i>&#147; (152). Gleichwohl k\u00f6nne aber die Partei nicht als extremistisch bezeichnet werden, da sie Gewalt ablehne (Strategie) und auch nicht mit extremistischen Gruppierungen zusammenarbeite (da sie mit niemand kooperiert). \u00c4hnlich auch die Einsch\u00e4tzung zur Pius-Bruderschaft, die trotz extremistischer Ideologie und Organisationsstruktur wegen ihrer nicht-extremistischen Strategie als &#132;&#145;<i>semi-extremistische&#145; Gruppierung zu begreifen [ist], die eine Tendenz zu &#130;extremistisch&#145; aufweist<\/i>&#147; (209).<\/p>\n<p>Der Rezensent mag nicht erkennen, welchen gro\u00dfartigen Erkenntnisgewinn wir aus der Zuordnung der Organisationen in dieses Raster ziehen k\u00f6nnen. Letztlich verdeckt die zentrale Frage der Arbeit die vielen interessanten Ergebnisse dieser Dissertation. Denn Alexander K\u00fchn arbeitet die politisch-ideologischen Grundpositionen der einzelnen Gruppierungen gut heraus und f\u00fchrt diese Ergebnisse auch in seinem Vergleichskapitel zusammen. So hei\u00dft es bspw. zu den &#132;\u00dcberschneidungen&#147; in der Ideologie: &#132;<i>Hierzu z\u00e4hlen die Schriftgl\u00e4ubigkeit; der Hang zu Verschw\u00f6rungstheorien; das christliche Ehe- und Familienbild, das misogyne Rollendenken; die Vorschriften zur sexuellen Orientierung, Pornografie und Prostitution; die Ablehnung des Gender-Mainstreaming; die Verurteilung der Legalit\u00e4t von Abtreibungen; das theokratische Prinzip; das dichotomische Weltbild; die Annahme einer Apokalypse, nach der das Paradies eintrete; [&#133;]&#147; <\/i>Alle Organisationen sehen ihre Positionen &#132;<i>in ihrem dogmatischen Absolutheits- und exklusiven Erkenntnisanspruch begr\u00fcndet<\/i>.&#147; (309)<\/p>\n<p>Als Einstieg in das Thema &#132;christliche Rechte&#147; empfiehlt sich das schmale B\u00e4ndchen, das <i>Lucius Teidelbaum <\/i>unl\u00e4ngst im M\u00fcnsteraner unrast Verlag vorgelegt hat. Er benutzt &#132;Christliche Rechte&#147; als Ersatzbegriff f\u00fcr &#132;Fundamentalismus&#147; und als eine Art \u00dcberbegriff. &#132;<i>Trotz diverser inhaltlicher und personeller \u00dcberschneidungen<\/i>&#147; k\u00f6nne die christliche Rechte nicht einfach &#132;<i>der konservativen oder extremen Rechten zugeordnet werden<\/i>&#147;. Als interessantes Alleinstellungsmerkmal f\u00fchrt Teidelbaum an, dass f\u00fcr die christliche Rechte bestimmte Positionen (z.B. Ablehnung jeglicher Schwangerschaftsabbr\u00fcche) nicht verhandelbar sind, ihr also jene &#132;Flexibilit\u00e4t&#147; fehle, die etwa der Rechtspopulismus aufweise (14).<\/p>\n<p>In seinem Hauptteil pr\u00e4sentiert der Verfasser die zentralen Themen und \u00dcberzeugungen dieses politischen Lagers, widmet sich den Feindbildern, der Gewaltfrage, den Strukturen und aktuellen Entwicklungen. Zwar bleibe der &#132;<i>aktuelle Einfluss der christlichen Rechten<\/i>&#147; gering, gleichwohl k\u00f6nne &#150; auf noch niedrigem Niveau &#150; &#132;<i>in der Bundesrepublik in den letzten Jahren eine zunehmende politische Mobilisierung der christlichen Rechten beobachtet werden<\/i>.&#147;\u00a0(92) Abschlie\u00dfend pl\u00e4diert der Verfasser f\u00fcr eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit gegen\u00fcber der christlichen Rechten. Dies schlie\u00dfe ausdr\u00fccklich die Unterst\u00fctzung fortschrittlicher Christinnen und Christen ein, die in den Amtskirchen gegen einen wachsenden Einfluss nicht liberaler Str\u00f6mungen ringen.<\/p>\n<p><i>Dr. Christoph Kopke\u00a0ist Politologe und lehrt seit 2015 als Professor f\u00fcr Politikwissenschaft und Zeitgeschichte an der Berliner Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht (HWR).<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[791,667],"autoren":[1515],"publikationen":[879],"class_list":["post-8572","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-rezension","tag-vorgaenge-artikel","autoren-dr-christoph-kopke","publikationen-879"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zwei Analysen zur religi\u00f6sen Rechten in Deutschland - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/zwei-analysen-zur-religioesen-rechten-in-deutschland\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zwei Analysen zur religi\u00f6sen Rechten in Deutschland - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg\u00e4nge Nr. 224 (4\/2018), S. 100-102 Alexander K\u00fchn: Christlicher Extremismus in Deutschland. 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