{"id":8575,"date":"2018-11-22T01:30:00","date_gmt":"2018-11-22T00:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/sammelband-zu-sicherheitspolitischen-zeitfragen\/"},"modified":"2018-11-22T12:00:00","modified_gmt":"2018-11-22T11:00:00","slug":"sammelband-zu-sicherheitspolitischen-zeitfragen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/sammelband-zu-sicherheitspolitischen-zeitfragen\/","title":{"rendered":"Sammelband zu sicherheitspolitischen Zeitfragen"},"content":{"rendered":"<p>In: vorg\u00e4nge Nr. 224 (4\/2018), S. 108-110<\/p>\n<p><i>Kopke, Christoph u. K\u00fchnel, Wolfgang (Hg.): Demokratie, Freiheit und Sicherheit, Festschrift zum 65. Geburtstag von Hans-Gerd Jaschke. NOMOS, Baden-Baden 2017 (354 S., 64 Euro)<\/i><\/p>\n<p>Die Festschrift, herausgegeben von Professoren des Fachbereichs 05 Polizei und Sicherheitsmanagement der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin, versammelt Beitr\u00e4ge von Weggef\u00e4hrten und Kolleg*innen des Jubilars, eines ausgewiesenen Experten in der Rechtsextremismus- und Demokratieforschung und langj\u00e4hrigen Professors f\u00fcr Politikwissenschaft in der polizeilichen Ausbildung.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge sind in Abschnitte untergliedert, die sich mit Fragen \u00f6ffentlicher Sicherheit, Rechtsextremismus und mit der Polizei besch\u00e4ftigen. Den Beginn macht <i>Andreas Vasilache <\/i>mit einem \u00dcberblick \u00fcber sicherheitsrelevante Aspekte gegenw\u00e4rtiger Krisenph\u00e4nomene. Er stellt fest, dass die zahlreichen, miteinander verbundenen krisenhaften Prozesse der letzten Jahre ein wachsendes Unsicherheitsgef\u00fchl in der Bev\u00f6lkerung produziert haben. <i>Gudrun Hentges <\/i>untersucht das Ph\u00e4nomen Pegida unter Aspekten der Pr\u00e4vention durch politische Bildung. Die Bewegung inszeniere sich als Akteur einer demokratischen Zivilgesellschaft, w\u00e4hrend sie diese in ihren Aktionen gleichzeitig in Frage stelle.<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen guter nachbarschaftlicher Hilfe im Katastrophenfall analysiert <i>Claudius Ohder <\/i>im Rahmen einer \u00a0Studie zu nachbarschaftlichen Hilfsnetzwerken. Diese Hilfe h\u00e4nge wesentlich von den je spezifischen lokalen Bedingungen und der Qualit\u00e4t nachbarschaftlicher Kontakte ab. Erg\u00e4nzend zeigt <i>Birgitta Sticher <\/i>auf, welche psychischen Dispositionen nachbarschaftliche Hilfe beeinflussen. Sie stellt fest, dass sich Hilfeverhalten in Krisensituationen vom allt\u00e4glichen Verhalten und den allt\u00e4glichen Beziehungen ableiten l\u00e4sst. Dass das Gef\u00fchl von Sicherheit bzw. Verletzlichkeit in st\u00e4dtischen Quartieren sehr stark von dem jeweiligen individuell verf\u00fcgbaren Sozialkapital abh\u00e4nge, stellt <i>Bernhard Frevel <\/i>in seinem Beitrag fest.<\/p>\n<p>Der zweite Abschnitt wird er\u00f6ffnet mit einem Beitrag <i>Ursula Birsls<\/i>, die Verflechtungen zwischen s\u00e4kularer und religi\u00f6ser Rechten in Deutschland untersucht und eine starke Affinit\u00e4t zwischen beiden Milieus feststellt. <i>Gideon Botsch <\/i>kritisiert die Entwicklung der Rechtsextremismusforschung. W\u00e4hrend sich fr\u00fche Schriften aus den 1980er Jahren f\u00fcr eine akteursorientierte Forschung stark gemacht h\u00e4tten, habe sich seit den 1990er Jahren die &#132;<i>generische Extremismustheorie<\/i>&#147; (134) mehr und mehr durchgesetzt. Botsch pl\u00e4diert f\u00fcr eine R\u00fcckbesinnung bzw. Erg\u00e4nzung der Forschung um eine st\u00e4rkere Akteursorientierung, die Rechtsextremismus als Ausdruck politischer Praxis betrachtet. Ort dieser Forschung sei die Politikwissenschaft, mehr als andere Disziplinen.<\/p>\n<p><i>Christoph Kopke<\/i> reflektiert \u00fcber rechten Terror und rechte Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Rechtsterrorismus sei keine neuere Erscheinung, wie der NSU-Komplex vermuten lasse, sondern schon immer in der Bundesrepublik existent. Die j\u00fcngere und j\u00fcngste Entwicklung &#150; die NSU-Morde, der Aufstieg der AfD, die rassistische Hetze und Angriffe gegen Migrant*innen &#150; zeigten, wie sehr Fremdenfeindlichkeit und Ausl\u00e4nderhass in Deutschland bis in die Mitte der Gesellschaft reichen, und dass sehr viel Gewaltpotenzial mobilisierbar sei.<\/p>\n<p>In Anlehnung an das US-amerikanische Konzept der &#132;<i>hate crimes<\/i>&#147; tritt <i>Marc Coester<\/i> daf\u00fcr ein, dass deutsche Forschungs\u00e4quivalent der sogenannten &#132;Vorurteilskriminalit\u00e4t&#147; in den wissenschaftlichen Diskurs bzw. als Element des polizeilichen Tatbestands der &#132;<i>politisch motivierten Kriminalit\u00e4t<\/i>&#147; aufzunehmen.<\/p>\n<p><i>Michael Minkenberg<\/i> untersucht Strategien und Wirkungen repressiver staatlicher Ma\u00dfnahmen gegen Rechtsradikalismus und rechte Gewalt und ihre widerspr\u00fcchliche Wirkung. Er formuliert als zentrale Hypothese: &#132;<i>Staatliche Repression, vor allem Parteien- und Vereinsverbote, f\u00fchrt ceteris paribus zu einem Anwachsen von Militanz und Gewaltbereitschaft. In rechtsradikalen Milieus bewirkt sie weder eine signifikante Abwendung von rechtsradikalen Positionen noch einen dauerhaften Abbau von Organisationsstrukturen und Mobilisierungsbem\u00fchungen<\/i>&#147; (188).<\/p>\n<p><i>Esther Lehnert<\/i> analysiert unter Bezugnahme auf aktuelle Forschungsliteratur die Bedeutung von Geschlecht und Geschlechterrollen im modernen Rechtsextremismus. Auch hier h\u00e4tten sich die Geschlechterrollen zwar einerseits modifiziert, andererseits traditionelle, patriarchale Geschlechterverh\u00e4ltnisse als wesentliches Element nationalistischer Volksideologie erhalten. Fabian Virchow behandelt das Verst\u00e4ndnis der Rechten von Medien und Medienmacht sowie deren Interpretation technologischen Wandels der Kommunikationsmittel. Die Rechte kritisiere zwar einerseits die Macht der Medien, die sie als staatlich gelenkte Agenten mit ideologischem Auftrag betrachte, wolle aber gleicherma\u00dfen diese Kommunikationsmittel zur Beeinflussung der Massen verwenden.<\/p>\n<p><i>Hartmut Adens<\/i> Beitrag er\u00f6ffnet den dritten Abschnitt. Er wirft ein Auge auf die europ\u00e4ische Dimension polizeilicher Arbeit und zeigt, dass es sich um einen Sonderfall innerhalb der europ\u00e4ischen Verwaltungen handelt. Im Unterschied zur Art der Zusammenarbeit in vielen anderen Bereichen dominierten bei der polizeilichen Zusammenarbeit informelle, horizontale und pers\u00f6nliche Netzwerke sowie binationale Zusammenarbeit gegen\u00fcber einer vertikalen strukturellen Zusammenarbeit. Auf EU-Ebene finden sich zwar Agenturen (Europol, Frontex, Eurojust, EU-Lisa), doch stellen diese eher Serviceagenturen f\u00fcr die Mitgliedsstaaten dar.<\/p>\n<p><i>Rafael Behr <\/i>setzt sich mit Diskriminierungs- und Rassismusvorw\u00fcrfen gegen die Polizei als Institution sowie gegen einzelne Beamte auseinander und fragt, inwieweit Vorw\u00fcrfe wie <i>Racial Profiling <\/i>berechtigt sind. Vorurteile seien einerseits zu erkl\u00e4ren aus der Tatsache, dass Polizeiarbeit wesentlich auf subjektiven Erfahrungen beruhe und es erst ein weiterer Schritt sei, diese Erfahrungen auch angemessen zu interpretieren. Was oftmals in der \u00d6ffentlichkeit als absichtsvolle Diskriminierung wahrgenommen werde, sei keine bewusste, absichtsvolle, sondern dem polizeilichen Problem sinnvoller und effektiver Arbeit geschuldet. Es gebe au\u00dferdem einen Unterschied zwischen einer daraus sich ergebenden latenten Diskriminierungshaltung und einer tats\u00e4chlichen, gewollten. Schlie\u00dflich sei das eigentliche Problem diskriminierender Polizeiarbeit nicht &#132;<i>Racial<\/i>&#147; sondern &#132;<i>Social Profiling<\/i>&#147;.<\/p>\n<p>\u00dcber das problematische Verh\u00e4ltnis der Polizei zu Fremden diskutiert <i>Robert Chr. van Ooyen<\/i> unter R\u00fcckgriff auf neuere Literatur. Rassismus und Diskriminierung in der Polizei seien entgegen der h\u00e4ufigen Rechtfertigung seitens der Polizeibeh\u00f6rden keineswegs Einzelf\u00e4lle. Wolfgang K\u00fchnel besch\u00e4ftigt sich mit den Widerspr\u00fcchen in der Umsetzung von Diversity bei der Integration von Migrant*innen in der Berliner Polizei. Auf der Basis eigener Befragungen von Migrant*innen unter den Anw\u00e4rter*innen der Berliner Polizei konstatiert er, dass trotz einiger Erfolge spezifische Probleme wie beispielsweise ein instrumentelles Verh\u00e4ltnis zu dieser Gruppe seitens der Beh\u00f6rde weiterhin stark pr\u00e4sent sind. Der politische Anspruch, Diversit\u00e4t in der Beh\u00f6rde herzustellen, sei nach wie vor mit erheblichen Problemen konfrontiert.<\/p>\n<p><i>Clemens Arzt<\/i> analysiert die verfassungs- und polizeirechtlichen Besonderheiten des indischen Staates. Das indische Polizei- und Strafrecht sei ein vorkonstitutionelles, da es sich bis heute in wesentlichen Teilen aus dem kolonialen britischen Polizeigesetz (<i>British Police Act<\/i> von 1861) ableite &#150; also in der Tradition des anglo-amerikanischen <i>Common Law<\/i> stehe, das zwischen polizeilichen Aufgaben und polizeilicher Macht (und somit Machteinschr\u00e4nkungen) kaum unterscheide. Es habe zwar in der Vergangenheit seit der Unabh\u00e4ngigkeit des indischen Staates immer wieder Versuche gegeben, die gesetzlichen Grundlagen im Sinne eines demokratischen Staates und Rechts zu reformieren, doch seien diese Reformen immer wieder an Grenzen gesto\u00dfen, die ihre Ursachen in der Traditionsorientierung der Polizei oder der Angst vor exekutivem Machtverlust auf politischer Ebene in einzelnen Bundesstaaten h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ein typisches Problem der polizeilichen Ausbildung besch\u00e4ftigt <i>Martin H.W. M\u00f6llers<\/i> in seinem Beitrag \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis und die Notwendigkeit wissenschaftlichen Arbeitens. Er fordert, dass das Erlernen der F\u00e4higkeit, selbstst\u00e4ndig wissenschaftlich zu arbeiten, eine herausgehobene Bedeutung in der polizeilichen Ausbildung haben m\u00fcsse, da die damit verbundene &#132;Lesekompetenz&#147; eine basale F\u00e4higkeit insbesondere f\u00fcr (polizeiliche) F\u00fchrungskr\u00e4fte darstelle &#150; trotz oder gerade aufgrund der Tatsache, dass Wissenschaftsarbeit und Polizeiarbeit sich grunds\u00e4tzlich darin unterscheiden, dass erstere von allt\u00e4glichen Erfahrungen abstrahiere, w\u00e4hrend letztere sich vor allem mit dem Alltag auseinandersetze. Die F\u00e4higkeit wissenschaftlichen Arbeitens werde aber durch die gegenw\u00e4rtige Dominanz formalen Erlernens von Wissen in den akademischen Ausbildungseinrichtungen der Polizeibeh\u00f6rden in Frage gestellt. Polizist*innen sollten dagegen lernen, wissenschaftlich zu denken und zu arbeiten, um das &#132;<i>widerspr\u00fcchliche Alltagswissen<\/i>&#147; (327) angemessen einordnen und interpretieren zu k\u00f6nnen. Dies sollte ein wesentlicher Teil ihrer beruflichen Sozialisation darstellen.<\/p>\n<p>Abgeschlossen wird der Band schlie\u00dflich mit einer umfangreichen Liste der Ver\u00f6ffentlichungen von <i>Hans-Gerd Jaschke<\/i>.<\/p>\n<p><i>Dr. Florian Fl\u00f6rsheimer ist Lehrbeauftragter f\u00fcr Sozialwissenschaften am FB Polizei und Sicherheitsmanagement der Berliner HWR.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[791,667],"autoren":[1516],"publikationen":[879],"class_list":["post-8575","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-rezension","tag-vorgaenge-artikel","autoren-dr-florian-floersheimer","publikationen-879"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Sammelband zu sicherheitspolitischen Zeitfragen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/224\/publikation\/sammelband-zu-sicherheitspolitischen-zeitfragen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Sammelband zu sicherheitspolitischen Zeitfragen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In: vorg\u00e4nge Nr. 224 (4\/2018), S. 108-110 Kopke, Christoph u. 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