{"id":8632,"date":"2020-12-31T14:30:00","date_gmt":"2020-12-31T13:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/corona-wirkt-wie-ein-brennglas\/"},"modified":"2022-01-18T17:10:57","modified_gmt":"2022-01-18T16:10:57","slug":"corona-wirkt-wie-ein-brennglas","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/vorgaenge\/231-232\/publikation\/corona-wirkt-wie-ein-brennglas\/","title":{"rendered":"Corona wirkt wie ein Brennglas. Teilhabe und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen in der Pandemie"},"content":{"rendered":"<p>in: vorg\u00e4nge Nr. 231\/232 (3-4\/2020), S. 205-212<\/p>\n<p><i>Dass die Corona-Pandemie genauso wie die dagegen ergriffenen Hilfsma\u00dfnahmen nicht auf die Lebensverh\u00e4ltnisse aller Menschen gleicherma\u00dfen, sondern sozial selektiv wirken und bestehende Ungleichheiten verst\u00e4rken, ist inzwischen von vielen erkannt und diskutiert worden. F\u00fcr eine Gruppe stellt diese Pandemie jedoch eine besondere, weil existenzielle Herausforderung dar: f\u00fcr Menschen mit Behinderungen. Ihr Lebensrecht wird nicht nur angesichts aktueller Triage-Kriterien in Frage gestellt, auch der pl\u00f6tzliche Wegfall bestehender Assistenz- und Unterst\u00fctzungssysteme stellt ihre gesellschaftliche Teilhabe und damit ihre soziale Existenz grunds\u00e4tzlich in Frage. Der folgende Beitrag von Florian Grams schildert die Auswirkungen der Corona-Pandemie f\u00fcr diese Gruppe und verweist zugleich auf die lange Tradition jener Haltung, die diesem Umgang mit Behinderten zugrunde liegt. Es handelt sich dabei um die \u00fcberarbeitete Fassung eines Vortrags, den der Autor am 3. Dezember 2020 im Rahmen der Online-Vortragsreihe <\/i>&#8222;Behinderung in Zeiten von Corona&#8220;<i> vom Transfernetzwerk Soziale Innovation (s_inn), der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, des Bochumer Zentrums f\u00fcr Disability Studies (BODYS) und des Sozial-Wissenschaftsladens hielt.<\/i><\/p>\n<p>Es ist M\u00e4rz 2020, das neue Virus war bereits pr\u00e4sent und doch nicht recht fassbar. In den Gesch\u00e4ften wurden Toilettenpapier und Desinfektionsmittel knapp. Ich sa\u00df in einem Caf\u00e9 und wartete auf den Beginn einer Sitzung, als mich der Anruf eines Kollegen erreicht: Ich solle bis auf weiteres im Homeoffice arbeiten, bis die Ansteckungsgefahr nicht mehr so gro\u00df sei. In den folgenden Wochen gehen f\u00fcrchterliche Bilder um die Welt. Aus Italien und den USA erh\u00e4lt man den Eindruck, als z\u00f6ge ein <i>&#8222;[\u2026] verlarvter Henker, [\u2026] mit einer unsichtbaren Guillotine ambulante [\u2026]&#8220;<\/i>[1] durchs Land. Berichte aus Kliniken in Italien und den USA zeigen: \u00c4rzt*innen und Pfleger*innen waren <i>&#8222;[\u2026] zun\u00e4chst machtlos gegen die unbekannte Krankheit, ja, da sie am meisten damit zu tun hatten, starben sie auch am ehesten selbst [\u2026].&#8220;<\/i>[2] Doch anders als die Choleraepidemie in Paris 1832 oder die athenische Seuche des Jahres 430 v.u.Z., die wir nur noch aus literarischen Texten und historischen Quellen kennen und die hier beil\u00e4ufig zitiert wurden,\u00a0 hat diese Pandemie ganz konkrete Auswirkungen auf das eigene Leben.<\/p>\n<p>Schon ein fl\u00fcchtiger Blick auf meine eigenen Diagnosen macht mir klar, dass mein Risiko eines schweren, gar t\u00f6dlichen Verlaufs von COVID-19 nach einer Infektion nicht gering w\u00e4re. R\u00fcckzug und der Verzicht auf soziale Kontakte waren und sind die logische Folge. An der Stelle von B\u00fcroalltag, Sitzungsterminen, Vortragsreisen und Veranstaltungen stehen nun Telefonate, Videokonferenzen und Livestreams. Dabei fehlen jedoch die direkten zwischenmenschlichen Kontakte und die M\u00f6glichkeiten des informellen Austauschs \u2013 eine Onlinekonferenz ist nicht der Ort f\u00fcr Smalltalk. Vor allem aber fehlt die M\u00f6glichkeit, unbeschwert Menschen zu treffen, gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen und Spa\u00df zu haben. Diese Wahrnehmung ist jedoch eine recht privilegierte Sicht und damit zumindest unvollst\u00e4ndig. Zur Wirklichkeit geh\u00f6rt auch, dass Menschen in station\u00e4ren Wohneinrichtungen \u00fcber Wochen gleichsam eingesperrt waren und keine Gelegenheit hatten, Kontakte zu pflegen, dass Besch\u00e4ftigten der Werkst\u00e4tten der ohnehin schon schmale Lohn gek\u00fcrzt wurde und dass Sch\u00fcler* innen mit Beeintr\u00e4chtigungen notwendige Assistenzen fehlen.[3]<\/p>\n<p>Der j\u00fcngst erschienene Bericht des <i>COVID-19 Disability Rights Monitor<\/i> verzeichnet eine Vielzahl von Verst\u00f6\u00dfen gegen die Rechte von Menschen mit Behinderungen w\u00e4hrend der Pandemie. F\u00fcr Europa verzeichnet der Report vor allem einen Mangel an Kommunikation \u00fcber die Ma\u00dfnahmen und h\u00e4lt fest, dass viele Menschen in Einrichtungen gedacht h\u00e4tten, sie seien verlassen und dem Sterben \u00fcberlassen worden.[4] F\u00fcr andere Teile der Welt wird sogar konstatiert, dass die H\u00e4lfte der mit Corona in Verbindung stehenden Todesf\u00e4lle in Wohneinrichtungen gelebt haben und dass in vielen L\u00e4ndern vor allem Menschen mit Behinderungen in der Pandemie vom Zugang zu medizinischer Versorgung abgeschnitten sind.[5]<\/p>\n<p>Angesichts dieser Befunde ist man geneigt, mit Karl Marx festzustellen, dass <i>&#8222;die tiefe Heuchelei der b\u00fcrgerlichen Zivilisation und die von ihr nicht zu trennende Barbarei [\u2026] unverschleiert vor unseren Augen [liegen], sobald wir den Blick von ihrer Heimat, in der sie unter respektablen Formen auftreten, nach den Kolonien wenden, wo sie sich in ihrer ganzen Nacktheit zeigen.&#8220;<\/i>[6] Doch selbst f\u00fcr Gro\u00dfbritannien verzeichnet der Report die faktische Durchf\u00fchrung eines eugenischen Programms, da vielen \u00e4lteren Menschen mit Lernschwierigkeiten die Reanimation vorenthalten worden sei.[7] Auf den ersten Blick mag man diese Befunde noch als f\u00fcrchterliche Nebeneffekte der schnellen Reaktionen auf die f\u00fcr alle Beteiligten neue Situation einer globalen Pandemie verstehen. Doch bei genauerer Betrachtung der Diskussionen um den Umgang mit Menschen mit Behinderungen unter Corona zeigt sich, dass sich in diesen Debatten ein Menschenbild widerspiegelt, das von Pragmatismus und Utilitarismus gepr\u00e4gt ist und eine lange Traditionslinie besitzt. Diese Traditionslinie gilt es auszuloten, um einige der aktuellen Einlassungen zur drohenden Triagierung in Krankenh\u00e4usern und zur Abw\u00e4gung der notwendigen Schutzma\u00dfnahmen in der Corona-Pandemie in ihrer Tiefe ermessen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bevor man Krankheiten, Epidemien und Behinderungen als solche erkennen und behandeln konnte, bedurfte es der Einsicht in die Bedingungen ihrer Entstehung und damit auch des Abschieds von der Vorstellung, sie seien Werk oder Strafe Gottes. Insofern beginnt mit der Aufkl\u00e4rung eine neue Form des Blicks auf Krankheit und Behinderung, und es er\u00f6ffnet sich die M\u00f6glichkeit, ihre Folgen medizinisch und politisch zu bearbeiten.[8] Auf diese Weise war der Weg ge\u00f6ffnet, Krankheiten als Folge von gesellschaftlichen Bedingungen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Zugleich war damit aber auch die M\u00f6glichkeit geschaffen, Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Krankheit und Behinderung mit den Mitteln der Kontrolle und der Repression umzusetzen.[9] Angesichts der Tatsache, dass die sich zeitgleich vollziehende Durchsetzung kapitalistischer Produktionsverh\u00e4ltnisse<i> &#8222;[\u2026] die buntscheckigen Feudalbande [\u2026] unbarmherzig zerrissen und kein Band zwischen Mensch und Mensch \u00fcbriggelassen [hat] als das nackte Interesse, als die gef\u00fchllose &#8218;bare Zahlung'&#8220;<\/i>[10], verwundert es nicht, dass sich sehr bald eine Verbindung zwischen medizinischen Erkenntnissen und wirtschaftlichen Interessen ergeben hat.<\/p>\n<p>Idealtypisch f\u00fcr diesen Zusammenhang stehen die Positionen des Arztes Wilhelm Schallmeyer. In seiner Schrift <i>&#8222;Vererbung und Auslese im Lebenslauf der V\u00f6lker&#8220;<\/i> stellte er die These auf, dass die Forschungsergebnisse Darwins die Gesellschaft insgesamt vor die Aufgabe stellte, die sittlichen Anschauungen auf den Pr\u00fcfstand zu stellen.[11] Er ging davon aus, dass sich politische Macht vor allem \u00fcber die Herstellung guter Vererbungsm\u00f6glichkeiten in der Bev\u00f6lkerung sichern lie\u00dfe.[12] Um dieses Ziel zu erreichen, formulierte er eine Vielzahl von Forderungen an die Wehrverfassung ebenso wie an die Erziehung der Jugend oder an die \u00d6konomie des Landes. Vor allem aber auf dem Gebiet der Bev\u00f6lkerungspolitik vertrat Schallmeyer deutliche Positionen. Er konstatierte, beim vermeintlichen Kampf der V\u00f6lker um das Dasein k\u00e4me es <i>&#8222;[\u2026] nicht blos auf die Zahl, sondern auch auf die Qualit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung an und deshalb ist auch eine qualitative oder auslesende Bev\u00f6lkerungspolitik geboten.&#8220;<\/i>[13] Diese Auslese \u2013 hielt Schallmeyer fest \u2013 <i>&#8222;[\u2026] h\u00e4tte sich beim Menschen selbstverst\u00e4ndlich nicht der Vernichtung von Individuen zu bedienen [&#8230;], sondern w\u00fcrde in ihrer blo\u00dfen Fernhaltung von der Fortpflanzung zu bestehen haben.&#8220;<\/i>[14]<\/p>\n<p>Mit dieser Arbeit gewann Schallmeyer im Jahre 1900 den ersten Preis eines von Alfred Krupp ausgelobten Preisausschreibens zur Fragestellung <i>&#8222;Was lernen wir aus den Prinzipien der\u00a0Deszendenztheorie\u00a0in Beziehung auf die innenpolitische Entwicklung und Gesetzgebung des Staates?&#8220;<\/i> Es ging darum zu er\u00f6rtern, welche Konsequenzen aus der Evolutionstheorie f\u00fcr das menschliche Zusammenleben zu ziehen w\u00e4ren.[15] Die von Schallmeyer vorgetragenen Positionen waren dabei durchg\u00e4ngig von einem tief verankerten Biologismus getragen und stets der Steigerung des wirtschaftlichen und machtpolitischen Einflusses des Deutschen Reiches verpflichtet.[16] Seine Aussagen entsprachen damit in G\u00e4nze dem, was Friedrich Engels in Bezug auf die Arbeiten von Charles Darwin als <i>&#8222;[\u2026] \u00dcbertragung der Hobbesschen Lehre vom bellum omnium contra omnes und der b\u00fcrgerlich-\u00f6konomischen von der Konkurrenz [\u2026] aus der Gesellschaft in die belebte Natur&#8220;<\/i>[17] identifizierte. Mit seiner Interpretation schuf Schallmeyer eine der theoretischen Grundlagen f\u00fcr die Legitimation der bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und vor allem der Aufrechnung menschlichen Lebens gegen die \u00f6konomische Effizienz.[18] Es kann von daher kaum verwundern, dass seine Ausf\u00fchrungen das besondere Interesse des Industriellen Alfred Krupp fanden. Doch auch unabh\u00e4ngig von der Person Krupps waren und blieben seine Positionen in der Welt und behielten ihre Wirksamkeit, waren und sind sie doch den herrschenden Produktionsverh\u00e4ltnissen eingeschrieben.<\/p>\n<p>Gut zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter \u2013 nach einem Weltkrieg und einer steckengebliebenen Revolution[19] \u2013 legten der Psychiater Alfred Hoche und der Jurist Karl Binding ein Werk mit dem unmissverst\u00e4ndlichen Titel <i>&#8222;Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens \u2013 Ihr Ma\u00df und ihre Form&#8220;<\/i> vor. In dem 1920 erschienen Buch radikalisierten die Autoren Schallmeyers Ans\u00e4tze und votierten offen f\u00fcr die T\u00f6tung von Menschen, die sie als bl\u00f6dsinnig \u2013 mithin &#8222;geistig tot&#8220; \u2013 deklarierten, da ihr Tod <i>&#8222;[\u2026] f\u00fcr sie eine Erl\u00f6sung und zugleich f\u00fcr die Gesellschaft und den Staat insbesondere eine Befreiung von einer Last ist, deren Tragung [\u2026] nicht den kleinsten Nutzen stiftet.&#8220;<\/i>[20] Schon diese Formulierung l\u00e4sst keinen Zweifel zu, dass es beim Nutzen hier um eine \u00f6konomisch quantifizierbare Gr\u00f6\u00dfe geht. Noch deutlicher wird dies, wenn ausgef\u00fchrt wird, dass der Aufwand f\u00fcr &#8222;Ballastexistenzen&#8220; in einer Krisensituation <i>&#8222;[\u2026] bei welcher die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Leistungsf\u00e4higkeit Aller die unerl\u00e4\u00dfliche Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen der Unternehmung bedeutet, und bei der kein Platz ist f\u00fcr halbe, Viertels- und Achtelskr\u00e4fte.&#8220;<\/i>[21] Zu Recht gilt dieses Werk als Wegbereiter des faschistischen Behindertenmordes. Die Aussagen von Binding und Hoche folgten jedoch vollst\u00e4ndig der Logik der Steigerung der \u00f6konomschen Effizienz. Der deutsche Faschismus hat diese Logik entsprechend der Formel <i>&#8222;Behinderung = Arbeitsunf\u00e4higkeit = Vernichtung&#8220;<\/i>[22] weiter radikalisiert. Auch in dieser Hinsicht zeigte sich die Herrschaft in Deutschland zwischen 1933 und 1945 als ein B\u00fcndnis zwischen der faschistischen Partei und den Spitzen der kapitalistischen Wirtschaft, die sich nicht nur in diesem menschenfeindlichen Interesse trafen.[23]<\/p>\n<p>Mit der Befreiung vom Faschismus endeten die Behindertenmorde. Der Blick, der Menschen trifft und ihnen das Lebensrecht abspricht, blieb jedoch wirksam \u2013 nicht zuletzt, weil viele Mediziner, Juristen und politisch Verantwortliche in der Bundesrepublik weiter Karriere machen konnten.[24] Der Auschwitz-\u00dcberlebende Primo Levi beschrieb diesen Blick eindrucksvoll als von einem Verstand geleitet, der das Gegen\u00fcber mit der folgenden Feststellung taxieren kann: <i>&#8222;Dieses Dingsda vor mir geh\u00f6rt einer Spezies an, die auszurotten selbstverst\u00e4ndlich zweckm\u00e4\u00dfig ist.&#8220;<\/i>[25] Nach wie vor wurden Menschen mit Behinderungen nach ihrer Leistungsf\u00e4higkeit bewertet, wie sich sp\u00e4testens mit der Ver\u00f6ffentlichung des Buches <i>&#8222;Praktische Ethik&#8220;<\/i> des australischen Bioethikers Peter Singer im Jahre 1979 zeigte. Singer distanzierte sich eindeutig von faschistischen Mordaktionen, bestand jedoch darauf, dass die Auffassung von der Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens \u00fcberholt und angesichts der aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen durch eine rationale Ethik zu ersetzen sei. Im Rahmen dieser Ethik sei es notwendig, lebenswertes und lebensunwertes Leben zu unterscheiden und das lebensunwerte zu vernichten.[26] In <i>&#8222;Praktische Ethik&#8220;<\/i> stellte Singer \u00dcberlegungen an, wie die T\u00f6tung von Menschen mit Behinderungen auch emotional zu legitimieren sei und argumentierte mit der Summe des Gl\u00fccks. Zwar gab er zu, dass sich Gl\u00fcck vermindert, wenn ein Leben beendet wird, doch gebe der Tod eines behinderten Menschen einem gesunden Kind die Chance, anstelle des toten Kindes in die Familie geboren zu werden. Da Behinderung immer mit Leid und also Ungl\u00fcck konnotiert sei, sei die Summe des Gl\u00fccks bei der Geburt des zweiten \u2013 gesunden \u2013 Babys aber insgesamt gr\u00f6\u00dfer als h\u00e4tte das behinderte Kind \u00fcberlebt.[27] Auf diese Weise werden in dieser Ethik sogar Gef\u00fchle zu Zahlen, die gegeneinander aufgerechnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Franz Christoph \u2013 ein Aktivist der Kr\u00fcppelbewegung \u2013 hielt dem Australier entgegen, sein Leben sei nicht leidvoller als das Leben anderer Menschen, er lebe vielmehr sehr intensiv. Leid entst\u00fcnde ihm umso mehr bei der Vorstellung, dass Menschen Menschen aufgrund von Behinderungen umbringen wollten, anstatt Barrieren abzubauen und das Leben von Menschen mit Handicap zu erleichtern.[28] In der Diskussion um die so genannte Bioethik Peter Singers formulierte die Kr\u00fcppelbewegung den Grundsatz <i>&#8222;Unser Lebensrecht ist nicht diskutierbar!&#8220;<\/i> und forderte Lebensqualit\u00e4t statt Qualit\u00e4tskontrolle behinderten Lebens.[29] Die Behindertenbewegung insistierte darauf, dass Behinderungen stets Ausdruck eines sozialen Verh\u00e4ltnisses seien, das Menschen die Entfaltung ihres h\u00f6chstm\u00f6glichen Entwicklungsstandes erm\u00f6glicht oder sie an dieser Entwicklung hindert.[30]<\/p>\n<p>Im Kampf der Behindertenbewegung gegen die Infragestellung des Lebensrechts, f\u00fcr Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe sind etliche Erfolge errungen worden &#8211; so die Aufnahme des Diskriminierungsverbotes aufgrund von Behinderung ins Grundgesetz und die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009. In ihr ist endlich verbrieft, dass Menschen mit Behinderungen die gleichen Rechte genie\u00dfen wie alle Menschen \u2013 auch ein undiskutierbares Recht auf Leben.[31] Zugleich fand das Schlagwort von der Inklusion Eingang in die Leitbilder s\u00e4mtlicher Behinderteneinrichtungen \u2013 freilich nur als Ideal von dem man zugibt, dass es zu keiner Zeit und an keinem Ort wirklich sein wird; das in der Zukunft liegt und zugleich im Nirgendwo.[32] Auf diese Weise wird die Idee von der Inklusion umstandslos in das bestehende Aussonderungssystem integriert und ihr so auch die rebellische Spitze genommen.[33]<\/p>\n<p>Die aktuelle Corona-Pandemie wirft ein grelles Licht auf die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderungen. Zwar wird die Notwendigkeit ihres Schutzes allenthalben postuliert, allein es fehlt an Schutzkonzepten, die auch ihre gesellschaftliche Teilhabe sichern w\u00fcrden. Vielmehr erlebten die Betroffenen \u2013 neben dem Einschluss in ihre Wohnungen und Wohneinrichtungen, dem Zusammenbruch vieler Assistenzsysteme und mangelnder Kommunikation[34] \u2013 auch eine gesellschaftliche Diskussion, in der wieder die Frage nach ihrem Lebensrecht aufgeworfen wurde. Wenn etwa ein ehemaliger Investmentbanker im Handelsblatt fragt, ob es gerechtfertigt sei, dass zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung geschont,<i> &#8222;[\u2026] 90 Prozent samt der gesamten Volkswirtschaft aber extrem behindert werden [\u2026]&#8220;<\/i>,[35] dann meint man dahinter die Stimmen von Binding und Hoche zu h\u00f6ren, die geschrieben hatten, in Krisensituationen sei die F\u00fcrsorge f\u00fcr die Schwachen nicht statthaft.[36] Die Abw\u00e4gung von Menschenleben gegen \u00f6konomische Kennziffern feierte in der Pandemie fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd.<\/p>\n<p>Versteckter und doch vergleichbar verlief die Diskussion \u00fcber die Frage, welchen Patient*innen \u2013 im Falle ersch\u00f6pfter intensivmedizinischer Ressourcen \u2013 die Behandlung vorzuenthalten sei. Im Fr\u00fchjahr legten acht medizinische Fachgesellschaften klinisch-ethische Empfehlungen f\u00fcr die Zuteilung der intensivmedizinischen Ressourcen vor. Darin hielt man fest, dass ein Behandlungsabbruch nicht aufgrund einer vorliegenden Behinderung oder des kalendarischen Alters vorgenommen werden d\u00fcrfe.[37] Zugleich wurde jedoch empfohlen, den Allgemeinzustand der Patient*innen anhand ihrer Gebrechlichkeit zu bewerten.[38] In der klinischen Praxis wird mit diesem Instrument aus der Altenmedizin erhoben, wie viel Unterst\u00fctzung Patient*innen im Alltag ben\u00f6tigen.[39] Legt man diesen Ma\u00dfstab nun f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Gew\u00e4hrung lebensrettender Behandlungen an, f\u00fchrt dies dazu, dass Menschen mit Behinderungen, Einschr\u00e4nkungen und Assistenzbedarf automatisch schlechtere Aussichten auf eine Behandlung haben als Menschen ohne Einschr\u00e4nkungen. \u00dcber den Umweg einer vermeintlich objektiven Skala brach auch in diese Debatte die Kategorie einer unterschiedlichen Wertigkeit menschlichen Lebens ein. Menschen laufen damit Gefahr, aussortiert zu werden, weil sie nicht fit genug sind.[40]<\/p>\n<p>Mit Catalina Devandas \u2013 der ehemaligen UN-Sonderberichterstatterin f\u00fcr die Rechte von Menschen mit Behinderungen \u2013 ist festzuhalten, dass die Corona-Pandemie eine Bedrohung f\u00fcr Menschen mit Behinderungen darstellt, die sie hart trifft und sowohl historische als auch strukturelle Diskriminierungen n\u00e4hrt und vertieft.[41] Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben Menschen mit Behinderungen erneut vor Augen gef\u00fchrt, wie d\u00fcnn der Firnis ihrer Teilhabem\u00f6glichkeiten ist und wie schnell auch ihr Lebensrecht wieder in Frage gestellt wird, sobald Ressourcen knapp werden. Es wurde einmal mehr sichtbar, dass Abwertung und Ausgrenzung nach wie vor wirksam sind. Neben und hinter den sch\u00f6nen Worten von Inklusion und Teilhabe stehen noch immer die eiskalten Ideologien und Praxen des Utilitarismus und des Aufrechnens \u2013 weil sie eine Widerspiegelung der vorherrschenden \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse sind. Die hier wirkenden Widerspr\u00fcche hat die Pandemie wie ein Brennglas geb\u00fcndelt.<\/p>\n<p>Gegen die benannten Gefahren bedarf es des entschiedenen Eintretens f\u00fcr die volle gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen und auch f\u00fcr die Absicherung der notwendigen Assistenz- und Unterst\u00fctzungsangebote. Es gilt, allen Menschen gute Lebensqualit\u00e4t zu garantieren, statt Menschen auszusortieren. Dazu geh\u00f6rt zum einen die Abwehr konkreter Bedrohungen \u2013 wie sie aktuell in der anh\u00e4ngigen Verfassungsbeschwerde gegen die Regelungen zur Zuteilung der intensivmedizinischen Ressourcen stattfindet \u2013 zum anderen aber auch das Beharren auf der M\u00f6glichkeit und der Notwendigkeit einer nicht ausgrenzenden und solidarischen Gesellschaft. In dieser Auseinandersetzung kann unter anderem auf die Erfahrungen der Kr\u00fcppelbewegung zur\u00fcckgegriffen werden, die zu Recht darauf bestanden hat, dass ein Leben mit Behinderung ein wertvolles und sch\u00f6nes Leben ist.[42]<\/p>\n<p><b>FLORIAN\u00a0GRAMS<\/b>\u00a0\u00a0 <i>Jahrgang 1974, ist Historiker, Publizist und Aktivist. Er studierte in Hannover. Langj\u00e4hriger Lehrbeauftragter an der Hochschule Hannover in der Ausbildung von Sozialarbeiter*innen und Sozialp\u00e4dagog*innen; mehrere Buch- und Zeitschriftenver\u00f6ffentlichungen. Er engagiert sich in der selbstbestimmten Behindertenbewegung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte der Arbeiterbewegung und die Bildungsgeschichte.<\/i><\/p>\n<h5>Anmerkungen:<\/h5>\n<p>1 Heine, Heinrich: Franz\u00f6sische Zust\u00e4nde. In: Ders., Werke Band 3 \u2013 Schriften \u00fcber Frankreich. Frankfurt\/M. 1968, S. 135.<\/p>\n<p>2 Thuk 2,48 \u2013 Thukydides war griechischer Geschichtsschreiber (geboren um 460 v.u.Z.).<\/p>\n<p>3 Vgl. R\u00f6hling, Lisa-Maria: Schulassistenzen m\u00fcssen um ihre Existenz f\u00fcrchten. In Weser-Kurier vom 14.04.2020, <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bremen-stadt_artikel%2C-schulassistenzen-muessen-um-ihre-existenz-fuerchten-_arid%2C1907994.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bremen-stadt_artikel,-schulassistenzen-muessen-um-ihre-existenz-fuerchten-_arid,1907994.html<\/a> (Letzter Zugriff: 30.12.2020)<\/p>\n<p>4 Vgl. Coordinating Group of the COVID-19 DRM (Hg.): Disability rights during the pandemic \u2013 A global report on findings of the COVID-19 Disability Rights Monitor. o.O. 2020, S. 26.<\/p>\n<p>5 Vgl. ebenda, S. 41.<\/p>\n<p>6 Marx, Karl: Die k\u00fcnftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien. In: MEW Bd. 9. Berlin 1972, S. 225.<\/p>\n<p>7 Vgl. Coordinating Group of the COVID-19 DRM (Hg.): Disability rights during the pandemic \u2013 A global report on findings of the COVID-19 Disability Rights Monitor. o.O. 2020, S. 42.<\/p>\n<p>8 Vgl. Foucault, Michel: Die Geburt der Klinik \u2013 Eine Arch\u00e4ologie des \u00e4rztlichen Blicks. Frankfurt\/M. 2016, S. 11.<\/p>\n<p>9 Vgl. ebenda, S. 42.<\/p>\n<p>10 Marx, Karl; Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW Bd. 4. Berlin 1959, S. 464.<\/p>\n<p>11 Vgl. Schallmeyer, Wilhelm: Vererbung und Auslese im Lebenslauf der V\u00f6lker \u2013 Eine staatswissenschaftliche Studie auf Grund der neueren Biologie. Jena 1903, S. X.<\/p>\n<p>12 Vgl. ebenda, S. 381.<\/p>\n<p>13 Ebenda, S. 336.<\/p>\n<p>14 Ebenda, S. 337.<\/p>\n<p>15 Vgl. Weiss, Sheila Faith: Race hygiene and national Effciency \u2013 The eugenics of Wilhelm Schallmeyer. Berkeley 1987, S. 74.<\/p>\n<p>16 Vgl. ebenda, S. 85.<\/p>\n<p>17 Engels, Friedrich: Schreiben an Pjotr Lawrowitsch Lawrow vom 12.-17. November 1875. In: MEW Bd. 34. Berlin 1973, S. 170. (\u00dcbersetzung des lateinischen Satzes: &#8222;Krieg Aller gegen Alle&#8220;.)<\/p>\n<p>18 Vgl. Weiss, Sheila Faith: Race hygiene and national Effciency \u2013 The eugenics of Wilhelm Schallmeyer. Berkeley 1987, S. 88.<\/p>\n<p>19 Zum Begriff der &#8222;steckengebliebenen Revolution&#8220; vgl. Kolb, Eberhard: 1918\/19: Die steckengebliebene Revolution. In: Stern, Carola; Winkler, August (Hg.), Wendepunkte deutscher Geschichte 1848-1990. Frankfurt\/M. 2001, S. 123.<\/p>\n<p>20 Binding, Karl; Hoche, Alfred: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens \u2013 Ihr Ma\u00df und ihre Form. Leipzig 1922, S. 28.<\/p>\n<p>21 Ebenda, S. 55.<\/p>\n<p>22 Jantzen, Wolfgang: Sozialgeschichte des Behindertenbetreuungswesens. M\u00fcnchen 1982, S. 156.<\/p>\n<p>23 Vgl. K\u00fchnl, Reinhard: Formen b\u00fcrgerlicher Herrschaft: Liberalismus \u2013 Faschismus. Reinbek 1971, S. 138.<\/p>\n<p>24 Vgl. Klee, Ernst: Was sie taten \u2013 was sie wurden: \u00c4rzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. Frankfurt\/M. 1986, S. 14.<\/p>\n<p>25 Levi, Primo: Ist das ein Mensch? Frankfurt\/M. 1961, S. 111.<\/p>\n<p>26 Vgl. Klees, Bernd: Der gl\u00e4serne Mensch im Betrieb \u2013 Genetische Analyse bei ArbeitnehmerInnen und ihre Folgen. Berlin 1990, S. 70.<\/p>\n<p>27 Vgl. Singer, Peter: Praktische Ethik. Stuttgart 1994, S. 238.<\/p>\n<p>28 Vgl. Christoph, Franz: Kr\u00fcppelschl\u00e4ge \u2013 Gegen die Gewalt der Menschlichkeit. Reinbek 1983, S. 35.<\/p>\n<p>29 Vgl. Siebert Annerose: Wahn der Vollkommenheit? Bioethikkonvention, Euthanasie und Menschenbild. M\u00fcnster 1999, S. 59.<\/p>\n<p>30 Vgl. Degener, Theresia; K\u00f6bsell, Swantje: &#8222;Hauptsache es ist gesund&#8220;? Weibliche Selbstbestimmung unter humangenetischer Kontrolle. Hamburg 1992, S. 93.<\/p>\n<p>31 Vgl. Art. 4 des Abkommens der Vereinten Nationen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention).<\/p>\n<p>32 Vgl. Hacks, Peter: Lyrik bis Mitterwurzer. In: Ders., Die Ma\u00dfgaben der Kunst I (Hacks-Werke Bd.<br \/>\n13). Berlin 2003, S. 235.<\/p>\n<p>33 Vgl. Sierck, Udo: Budenzauber Inklusion. Neu-Ulm 2013, S. 41.<\/p>\n<p>34 Vgl. Coordinating Group of the COVID-19 DRM (Hg.): Disability rights during the pandemic \u2013 A global report on findings of the COVID-19 Disability Rights Monitor. o.O. 2020, S. 28.<\/p>\n<p>35 Tuma, Thomas: Investor Dibelius: &#8222;Shutdown der Wirtschaft macht mir mehr Angst als das Virus&#8220;. Handelsblatt vom 23.03.2020, <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/anlagestrategie\/trends\/interview-investor-dibelius-shutdown-der-wirtschaft-macht-mir-mehr-angst-als-das-virus\/25671192.html?ticket=ST-20723275-9JPYapb7Pfj0q1AfxGiX-ap1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/anlagestrategie\/trends\/interview-investor-dibelius-shutdown-der-wirtschaft-macht-mir-mehr-angst-als-das-virus\/25671192.html?ticket=ST-20723275-9JPYapb7Pfj0q1AfxGiX-ap1<\/a> (Letzter Zugriff: 30.12.2020).<\/p>\n<p>36 Vgl. Binding, Karl; Hoche, Alfred: Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens \u2013 Ihr Ma\u00df und ihre Form. Leipzig 1922, S. 55.<\/p>\n<p>37 Vgl. Deutsche Interdisziplin\u00e4re Vereinigung f\u00fcr Intensiv- und Notfallmedizin (Hg.): Entscheidungen \u00fcber die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie \u2013 Klinisch-ethische Empfehlungen (2. Fassung vom 17.04.2020). o.O. 2020, S. 5.<\/p>\n<p>38 Vgl. ebenda, S. 7.<\/p>\n<p>39 Vgl. Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Geriatrie (Hg.) Clinical Frailty Scale, <a href=\"https:\/\/www.dggeriatrie.de\/images\/Bilder\/PosterDownload\/200331_DGG_Plakat_A4_Clinical_Frailty_Scale_CFS.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dggeriatrie.de\/images\/Bilder\/PosterDownload\/200331_DGG_Plakat_A4_Clinical_Frailty_Scale_CFS.pdf<\/a> (Letzter Zugriff: 30.12.2020)<\/p>\n<p>40 Vgl. Tolmein, Oliver: Triage oder inklusive Intensivmedizin?, Blog-Beitrag v. 13.4.2020, <a href=\"https:\/\/www.tolmein.de\/bioethik\/details\/artikel\/triage-oder-inklusive-intensivmedizin-1373.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.tolmein.de\/bioethik\/details\/artikel\/triage-oder-inklusive-intensivmedizin-1373.html<\/a> (Letzter Zugriff: 30.12.2020).<\/p>\n<p>41 Vgl. Coordinating Group of the COVID-19 DRM (Hg.): Disability rights during the pandemic \u2013 A global report on findings of the COVID-19 Disability Rights Monitor. o.O. 2020, S. 46.<\/p>\n<p>42 Vgl. Steiner, Gusti: Entwurf eines neuen Selbstbewu\u00dftsein. Von einem Behinderten geschrieben. In: Klee, Ernst: Behindertsein ist sch\u00f6n. Unterlagen zur Arbeit mit Behinderten. D\u00fcsseldorf 1974, S. 125.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[2949,2939],"tags":[667],"autoren":[1536],"publikationen":[893],"class_list":["post-8632","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","category-corona","category-coronakriste-und-grundrechte","tag-vorgaenge-artikel","autoren-florian-grams","publikationen-231-232"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Corona wirkt wie ein Brennglas. 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