{"id":8971,"date":"2012-12-18T18:30:00","date_gmt":"2012-12-18T17:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/die-triebfedern-unseres-handelns-deutlich-machen-humanismus-und-aufklaerung\/"},"modified":"2012-12-18T12:00:00","modified_gmt":"2012-12-18T11:00:00","slug":"die-triebfedern-unseres-handelns-deutlich-machen-humanismus-und-aufklaerung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/218-219\/publikation\/die-triebfedern-unseres-handelns-deutlich-machen-humanismus-und-aufklaerung\/","title":{"rendered":"Die Triebfedern unseres Handelns deutlich machen: Humanismus und Aufkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen Nr. 218\/219 (Heft 3\/4 2012), S. 26\/27<\/p>\n<p>I.\u00a0 Der Vorschlag des Gremiums zur Namensfindung, insbesondere von Gerd Pflaumer, uns &#132;<i>Humanistische Union f\u00fcr B\u00fcrgerrechte<\/i>&#147; zu nennen, ist gut &#150; doch wie Norbert Reichling richtig bemerkt, geht es noch besser: Der Name soll nicht nur unsere Aktivit\u00e4ten zutreffend auf den Punkt bringen, sondern auch sprachlich wohlgeformt sein. Der Vorschlag &#132;<i>Humanistische Union. B\u00fcrgerrechte jetzt!<\/i>&#147; klingt attraktiv &#150; k\u00f6nnte aber falsche Erwartungen wecken. Denn so begr\u00fc\u00dfenswert aktiv die Forderung &#132;<i>B\u00fcrgerrechte jetzt!<\/i>&#147; klingt, k\u00f6nnte sie als zu deutlich aktionsorientiert aufgefasst werden. Wenn wir selbstkritisch auf die Zahl unserer Aktiven blicken: wecken wir damit nicht falsche Erwartungen? Eine immer noch gr\u00f6\u00dfere Dynamik als das &#132;<i>&#8230; f\u00fcr B\u00fcrgerrechte<\/i>&#8220; strahlt die Formulierung &#132;<i>Humanistische Union. B\u00fcrgerrechtsorganisation<\/i>&#8220; aus.<\/p>\n<p>II.\u00a0 Es ist gut, dass die Namensdebatte manches Mitglied zu Aktivit\u00e4ten ermuntert. Die Last der HU-Arbeit liegt auf viel zu wenigen Schultern. Zwar sind auch passive Mitglieder wertvoll f\u00fcr unseren Verein, denn mit ihren Beitr\u00e4gen finanzieren sie unsere Arbeit mit &#150; doch die will gemacht werden. So erfreulich es ist, in der jetzigen Diskussion manche sonst selten geh\u00f6rte Stimme zu vernehmen: w\u00e4re es nicht noch erfreulicher, sich in der inhaltlichen Arbeit zu engagieren?<\/p>\n<p>III.\u00a0 Dazu ein paar Erfahrungen von jemandem, der jetzt das Podium &#132;<i>Brauchen wir den Verfassungsschutz?<\/i>&#8220; organisiert hat, der die Reihe &#132;<i>Leitkultur Menschenrechte<\/i>&#8220; ma\u00dfgeblich mitgestaltet und daf\u00fcr gesorgt hat, dass die HU in der Presse erscheint. (Klickt doch mal auf unserer Webseite auf &#132;<i>Medienresonanz<\/i>&#147;: wer hat da f\u00fcr welches Echo gesorgt?)<\/p>\n<p>Die <i><b>Humanistische <\/b><\/i>Union Frankfurt hat hochkar\u00e4tige Spezialisten f\u00fcr ihre Veranstaltungen gewonnen &#150; und in die \u00d6ffentlichkeit gebracht. Mag sein, dass die HU nicht jedem Mitreisenden im Bahnabteil bekannt ist. Uns eilte mal ein &#132;professoraler&#147; Ruf voraus &#150; ins Positive gewendet: in der HU sammelten sich intellektuelle Kapazit\u00e4ten. Eine Massenorganisation wie &#132;Amnesty International&#8220; sind wir (noch?) nicht &#150; aber Entscheider kennen uns. Das war, ist und bleibt ein wichtiges Zielpublikum &#150; und da ist der Name &#132;HU&#147; verankert.<\/p>\n<p>IV.\u00a0 Die HU ist keine Juristenvereinigung. So wertvoll das Engagement mancher Juristen f\u00fcr die Kompetenz des Vereins ist, bleibt unser Kern das Interdisziplin\u00e4re: wir versammeln Kompetenzen aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten &#150; seit der Gr\u00fcndung 1961 und werden nicht zuletzt deshalb geh\u00f6rt.<br \/>Was ist Triebfeder unseres Engagements? Ganz schnell sind wir bei Aufkl\u00e4rung und Humanismus. Die Menschenrechte wurden nicht von Juristen erfunden, sondern von Aufkl\u00e4rungsphilosophen wie Kant, Locke, Rousseau oder Schriftstellerinnen wie Olympe de Gouges (&#132;<i>D\u00e9claration des droits de la Femme et de la Citoyenne<\/i>&#8222;, 1791) erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndungsdokumente der HU, nicht nur der Aufruf von Gerhard Szczesny, beziehen sich klar auf aufkl\u00e4rerisches und humanistisches Gedankengut. Wollen wir z.B. als &#132;<i>B\u00fcrgerrechtsunion<\/i>&#8220; (Saborowski) zum juristischen Fachverband mutieren? Oder wollen wir die Antriebsfedern unseres interdisziplin\u00e4ren Engagements auch in unserem Namen mit &#132;<i>humanistisch<\/i>&#8220; deutlich werden lassen?<\/p>\n<p>Die Frage ist keineswegs historisch &#150; sondern hochaktuell: ein Frankfurter Neumitglied (Beitritt 2011) formulierte es drastisch: &#132;<i>Eine HU ohne Humanisten ist nicht meine HU &#8230; \ud83d\ude09<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>V.\u00a0 Die HU ist keine weltanschauliche Vereinigung, da hat Gerhard Saborowski Recht. Unter &#132;<i>Humanismus<\/i>&#8220; kann viel verstanden werden &#150; und das ist gut so: Aufkl\u00e4rung reicht von den Schriften Kants, die die Kirche auf den Index gesetzt hat, bis zur &#132;<i>Justine<\/i>&#8222;, die Horkheimer \/ Adorno als Gipfelpunkt der Aufkl\u00e4rung w\u00fcrdigen. &#132;Humanistisch&#8220; reicht vom Gymnasium, das Latein und Altgriechisch anbietet, bis zum &#132;<i>evolution\u00e4ren Humanismus<\/i>&#8220; eines Michael Schmidt-Salomon: gerade weil die Begriffe unscharf verwendet werden, sind sie bestens geeignet, die Vielfalt der \u00dcberzeugungen unserer Mitglieder zu spiegeln &#150; und im Suffix &#132;<i>B\u00fcrgerrechtsorganisation<\/i>&#8220; das konkrete Anliegen auf den Punkt zu bringen.<\/p>\n<p>Unser Anspruch, &#132;<i>die Unabh\u00e4ngigkeit des Staates &#8230; sowie aller Bereiche, in denen gesamtgesellschaftliche und sachliche Aufgaben zu l\u00f6sen sind, gegen\u00fcber Machtanspr\u00fcchen konfessioneller und weltanschaulicher Gruppen zu wahren<\/i>&#8220; (Satzung, \u00a7 2 Abs. 3) w\u00fcrde sich nicht mit einem bis ins Detail konkretisierten Bekenntnis vertragen. Wohl aber gibt es gemeinsame Wurzeln in unseren \u00dcberzeugungen, gemeinsame Werte, f\u00fcr die wir uns engagieren. Die k\u00f6nnen und sollen wir benennen &#150; mit welchem Begriff w\u00e4ren sie besser zu fassen als mit &#132;<i>humanistisch<\/i>&#8222;?<\/p>\n<p>VI.\u00a0 In seinem langen Artikel &#132;<i>Humanistische Union &#150; ein Markenzeichen f\u00fcr B\u00fcrgerrechtsarbeit<\/i>&#8220; argumentiert Gerhard Saborowski zuletzt ganz formalistisch: Unter Hinweis auf &#132;<i>pacta sunt servanda<\/i>&#8220; behauptet er, aus dem Fusionsvertrag von HU und GHI folge, dass der Verein sich einen neuen Namen geben m\u00fcsse. Wenn man schon so formalistisch argumentiert, sollte man wenigstens korrekt zitieren &#150; was sich weniger auf die Lateinkenntnisse bezieht (korrekt hei\u00dft es nicht &#132;<i>versanda<\/i>&#8222;, sondern &#132;<i>servanda<\/i>&#8222;) denn auf den Vertrag: der verlangt n\u00e4mlich keine \u00c4nderung, sondern lediglich eine Abstimmung \u00fcber den Vereinsnamen &#150; und die hatte es 2010 gegeben: Vertrag erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>VII.\u00a0 Zusammenfassend: die Diskussion ist wertvoll, solange sie offen und nicht mit Scheinargumenten gef\u00fchrt wird. Gerd Pflaumers Vorschlag &#132;<i>Humanistische Union f\u00fcr B\u00fcrgerrechte<\/i>&#8220; ist gut, aber pers\u00f6nlich kann ich Norbert Reichling zustimmen: &#132;<i>Humanistische Union. B\u00fcrgerrechtsorganisation<\/i>&#8220; klingt besser: das bringt griffig auf den Punkt, wof\u00fcr wir stehen, daf\u00fcr sollten wir stimmen.<\/p>\n<p><i>Peter Menne<br \/>Vorsitzender des OV Frankfurt<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[2538,2535],"autoren":[321],"publikationen":[920],"class_list":["post-8971","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-frankfurt-vereinsdebatten","tag-vereinsname","autoren-peter-menne","publikationen-218-219"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Triebfedern unseres Handelns deutlich machen: Humanismus und Aufkl\u00e4rung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/218-219\/publikation\/die-triebfedern-unseres-handelns-deutlich-machen-humanismus-und-aufklaerung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Triebfedern unseres Handelns deutlich machen: Humanismus und Aufkl\u00e4rung - 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