{"id":9052,"date":"2012-06-04T13:08:00","date_gmt":"2012-06-04T11:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/zeitbombe-internet\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:26","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:26","slug":"zeitbombe-internet","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/215-216\/publikation\/zeitbombe-internet\/","title":{"rendered":"Zeitbombe Internet"},"content":{"rendered":"<p>Mitteilungen 215\/216 (Heft 1\/2012), S. 40f.<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4069 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2-282x450.jpg\" alt=\"Zeitbombe Internet\" width=\"282\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2-282x450.jpg 282w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2-471x750.jpg 471w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2-377x600.jpg 377w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2-212x337.jpg 212w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Buchcover2.jpg 504w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p><i>Thomas Fischermann und G&ouml;tz Hamann: <br \/>Zeitbombe Internet. <br \/>G&uuml;tersloher Verlagshaus, G&uuml;tersloh 2011. <br \/>255 Seiten. 19,90&#8364;<\/i><\/p>\n<p>Facebook, Google, Onlinebanking &#8211; das Internet geh&ouml;rt zum Nervenzentrum unserer Gesellschaft. Aber diese Entwicklung birgt auch Risiken: &#8222;<i>Die Sache wird gerade lebensgef&auml;hrlich<\/i>&#8222;, meinen die beiden Autoren Thomas Fischermann und G&ouml;tz Hamann. In ihrem rei&szlig;erisch geschriebenen Sachbuch &#8222;Zeitbombe Internet&#8220; stellen sie Datenschutz- und Sicherheitsprobleme des Internet in den Vordergrund.<\/p>\n<p>Cybercrime &#8211; Verbrechen im Internet &#8211; ist ein gro&szlig;es Gesch&auml;ft. Organisierte Kriminelle betreiben verborgene Rechnernetze, von denen Angriffe durchgef&uuml;hrt werden oder massenweise Email-Werbung versendet wird. Diese sogenannten Botnetze umfassen schon mal mehre Millionen Computer.<\/p>\n<p>Die Autoren schildern anhand zahlreicher Ereignisse der letzten Jahre diverse Sicherheitsdefizite des Internet. Die Darstellung reicht von einzelnen Hacker-Angriffen unterschiedlichster Art, &uuml;ber den Kampf gegen die organisierte Internet-Kriminalit&auml;t bis zu Computerviren mit geheimdienstlichem Hintergrund oder systematischer &Uuml;berwachung der Kommunikation der B&uuml;rger eines Landes durch dessen Staatsorgane.<\/p>\n<p>Er&ouml;rtert werden auch Sicherheitsdefizite und &Uuml;berwachungsfunktionen der &#8222;Smart Grid&#8220;, ein Bereich der sich gerade entwickelt und eine bessere Stromnutzung durch R&uuml;ckkopplung der Stromz&auml;hler mit den Stromerzeugern &uuml;ber das Internet verspricht. Wie unl&auml;ngst der Presse zu entnehmen war, l&auml;sst sich anhand der Stromverbrauchsdaten sogar ermitteln, welche Fernsehsendung gerade gesehen wird.<\/p>\n<h5>Aus Datenspuren werden Daten&shy;pro&shy;file<\/h5>\n<p>Mit der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche besitzen immer mehr Menschen &#8222;<i>ganze Taschen voller Ger&auml;te<\/i>&#8222;. Damit einhergehend werden in sozialen Netzwerken wie Facebook verst&auml;rkt pers&ouml;nliche Informationen, Fotos und Angaben &uuml;ber Beziehungen zu Freunden, Verwandten, Kommilitonen und Kollegen preisgegeben. Facebook mit inzwischen rund 900 Mio. Nutzern weltweit ist dadurch in der Lage, Datenprofile zu erstellen, an denen nicht nur die Werbebranche Interesse hat. &#8222;<i>Wer sagt, dann sollen die Leute doch auf eine Mitgliedschaft verzichten, der hat die soziale Dynamik noch nicht ganz begriffen<\/i>.&#8220; Einladungen zu Veranstaltungen und Partys werden &uuml;ber Facebook verschickt &#8211; wer nicht bei Facebook ist, wird nicht eingeladen. Diese &#8222;<i>sozialen Kosten<\/i>&#8220; werden von abgekl&auml;rten Senioren mit einem mitleidigen L&auml;cheln quittiert, sind aber f&uuml;r junge Menschen, deren soziales Umfeld anders funktioniert, inakzeptabel.<\/p>\n<p>Aber auch andere Unternehmen erstellen umfassende Datenprofile: Apple verkaufte &uuml;ber 200 Mio. iPhones und kennt nun den Alltag seiner K&auml;ufer. Bereits nach zwei Wochen wei&szlig; der Konzern &#8222;<i>Wo du lebst, wo dein Arbeitsplatz ist, wie und wann du zur Arbeit f&auml;hrst, wo du einkaufst, wen du anrufst, ob du Kinder hast und ob du sie in den Kindergarten oder in die Schule bringst<\/i>.&#8220; Um das Profil der iPhone-Nutzer weiter zu verfeinern, werden diese Daten mit den Daten der kostenlosen Internet-Angebote aus demselben Hause, wie E-Mail-Programme, Fotospeicher und Musikangebote abgeglichen. Die Kommunikation im digitalen Raum befindet sich in der Hand weniger gro&szlig;er Unternehmen, die allein durch diese Konzentration &uuml;ber immense Datensammlungen verf&uuml;gen, kritisieren die Autoren. Neben dem ohnehin schon gegebenen Missbrauchspotential besteht auch die Gefahr, dass diese sensiblen Daten durch Sicherheitsdefizite in die H&auml;nde von Internet-Kriminellen gelangen.<\/p>\n<h5>Speku&shy;la&shy;tives Gefah&shy;rens&shy;ze&shy;nario<\/h5>\n<p>Fischermann und Hamann benennen als zentrale Ursache f&uuml;r die Probleme strukturelle Defizite in der technischen Infrastruktur des Internet. Aber auch Konzerne wie Microsoft oder Google m&uuml;ssen sich vorhalten lassen, dass ihre Produkte und Dienste viele Sicherheitsm&auml;ngel aufweisen. Die Politik wird kritisiert, weil sie vorrangig dem Wunsch der Digitalwirtschaft nach Selbstregulierung folgt. Und sogar eine Fundamentalkritik am dominierenden technikbasierten Fortschrittsdenken fehlt nicht im Buch.<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel entwickeln die Autoren L&ouml;sungsvorschl&auml;ge: Es sollten nur Computersysteme an das Internet angeschlossen werden, die nicht in lebenswichtigen Bereichen eingesetzt werden. Der wachsenden Datensammelwut setzen die Autoren eine &#8222;<i>Datendi&auml;t<\/i>&#8220; entgegen. Politische Vers&auml;umnisse m&uuml;ssen durch neue Regulierungskonzepte abgel&ouml;st werden. Die L&ouml;sungsvorschl&auml;ge der Verfasser sind jedoch nicht immer &uuml;berzeugend: Mit der provokanten Formulierung &#8222;<i>Ein neues Netz muss her<\/i>&#8220; fordern sie ein abgeschottetes Parallelnetz mit strikten Zugangsregeln. Aber wie so etwas realisiert werden k&ouml;nnte, erl&auml;utern sie nicht. Die plakative Forderung &#8222;<i>Entsch&auml;rft die Zeitbombe!<\/i>&#8220; bleibt letztlich ein pauschaler Slogan.<\/p>\n<p>Die Autoren bauen in ihrem Buch ein Gefahrenszenario auf, das oft auf spekulativen Elementen basiert. Am deutlichsten wird dies in Kapitel 7, das sich der milit&auml;rischen Kriegsf&uuml;hrung im Internet widmet (Cyberwar) und vielfach auf Schlussfolgerungen aus nicht &uuml;berpr&uuml;fbaren Quellen beruht.<\/p>\n<p>Die Autoren haben ein fesselndes Buch in leicht verst&auml;ndlicher Sprache geschrieben &#8211; beide sind als stellvertretende Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung DIE ZEIT t&auml;tig und wissen, wie so etwas funktioniert. Die technische Expertise holen sie sich aus zahlreichen Interviews mit Sicherheitsexperten und Computerwissenschaftlern.<\/p>\n<p>Die Kritik an den Sicherheitsm&auml;ngeln des Internet ist nicht neu; schon Anfang der 1990er Jahre warnten Experten vor den Folgen der strukturellen Defizite des Internet. Provokante Forderungen, wie in diesem Buch vorgebracht, tragen zwar nicht unbedingt zur L&ouml;sung der Probleme bei, aber f&uuml;hren vielleicht zu einer breiteren Sensibilisierung f&uuml;r ein Thema mit zunehmender Relevanz. Wer noch nie etwas von Botnetzen geh&ouml;rt hat oder seine Daten und Fotos freiz&uuml;gig bei Facebook einstellt oder ein iPhone verwendet, sollte dieses Buch unbedingt lesen.<\/p>\n<p><i>Die Autoren betreiben ein Blog zum Buch. Dort findet sich auch ihr Manifest: &#8222;Was wollen wir eigentlich? 6 Vorschl&auml;ge f&uuml;r ein besseres Internet&#8220; unter <\/i><a href=\"http:\/\/zeitbombeinternet.wordpress.com\/2011\/09\/13\/das-zeitbomber-manifest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>http:\/\/zeitbombeinternet.wordpress.com\/2011\/09\/13\/das-zeitbomber-manifest\/<\/i><\/a><i>.<\/i><\/p>\n<p><i>Siehe auch: Markus Beckedahl, Zeitbombe Internet: Geht&#8217;s auch eine Nummer kleiner? Rezension auf <\/i><a href=\"http:\/\/www..netzpolitik.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>www..netzpolitik.org<\/i><\/a><i> vom 13.9.2011.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":4069,"template":"","categories":[],"tags":[791],"autoren":[1596],"publikationen":[921],"class_list":["post-9052","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-rezension","autoren-uwe-sievers","publikationen-215-216"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Zeitbombe Internet - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/215-216\/publikation\/zeitbombe-internet\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Zeitbombe Internet - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitteilungen 215\/216 (Heft 1\/2012), S. 40f. 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