{"id":9066,"date":"2011-10-11T12:08:00","date_gmt":"2011-10-11T10:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/polizeikennzeichnung-in-berlin-und-brandenburg\/"},"modified":"2021-08-30T15:41:12","modified_gmt":"2021-08-30T13:41:12","slug":"polizeikennzeichnung-in-berlin-und-brandenburg","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/polizeikennzeichnung-in-berlin-und-brandenburg\/","title":{"rendered":"Polizeikennzeichnung in Berlin und Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p>eine HU-Erfolgsgeschichte<\/p>\n<p>Aus: Mitteilungen Nr. 214 (3\/2011), S. 10-11<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4077 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-300x450.jpg\" alt=\"Polizeikennzeichnung in Berlin und Brandenburg \" width=\"300\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-300x450.jpg 300w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-500x750.jpg 500w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-400x600.jpg 400w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848-225x337.jpg 225w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/polizei1848.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Preu&szlig;ische Polizeiuniform von 1848. Der Berliner Polizeipr&auml;sident Karl Ludwig Friedrich von Hinkeldey f&uuml;hrte damals eine Kennzeichnung f&uuml;r Polizisten ein, die jedoch kurze Zeit sp&auml;ter wieder abgeschafft wurde. (Foto: HU Berlin)<\/p>\n<p>&#8222;Polizeivollzugsbeamte tragen an ihrer Uniform deutlich sichtbar ein Namensschild&#8220; hei&szlig;t es in einem Gesetzentwurf der HU Bremen aus dem Jahr 1968. Diese oder &auml;hnliche Regelungen versuchen die verschiedenen Landesverb&auml;nde der HU seit Jahrzehnten in ihren Bundesl&auml;ndern durchzusetzen. Eine individuelle Kennzeichnung von PolizistInnen soll im Fall rechtswidrigen polizeilichen Handelns die Identifizierung des handelnden Beamten erm&ouml;glichen und damit der Aufkl&auml;rung dienen. Dadurch sollen PolizistInnen, die au&szlig;erhalb ihrer Befugnisse handeln, insbesondere unbefugte oder unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ige Gewalt gegen B&uuml;rgerInnen aus&uuml;ben, zur Verantwortung gezogen werden k&ouml;nnen. Es geht letztendlich um die Gew&auml;hrleistung transparenten staatlichen Handelns und rechtsstaatlicher Anforderungen. In Berlin und Brandenburg wurde diese Forderung nun umgesetzt.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt in Berlin war ein gewaltsamer &Uuml;bergriff von Polizisten auf einen Demonstranten bei der &#8222;Freiheit statt Angst&#8220;-Demonstration im Jahr 2009. Der Fall hatte erneut gezeigt, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen. Nach der alten Gesetzeslage waren lediglich die Polizeieinheiten mit einer Sollst&auml;rke von zehn Polizisten mit einer einheitlichen Nummer gekennzeichnet. Die Individualisierung eines konkreten Polizisten sollte &uuml;ber die sog. Legitimationspflicht gew&auml;hrleistet werden, wonach jeder Polizist dazu verpflichtet, ist auf Nachfrage seine Dienstkarte mit seiner Dienstnummer auszuh&auml;ndigen. Der Vorfall auf der Demonstration hatte die Schwachstellen dieser Regelung offenbart. Einer der sp&auml;ter gewaltt&auml;tig gewordenen Polizisten hatte die Herausgabe seiner Dienstkarte nicht nur verweigert, die Frage des sp&auml;teren Opfers nach seiner Dienstnummer hatte der Polizist vielmehr zum Anlass genommen, Gewalt gegen den Demonstranten auszu&uuml;ben. Erst sp&auml;ter &ouml;ffentlich gewordene private Videoaufzeichnungen, die von anderen Demonstranten angefertigt worden waren, konnten den Polizisten und die beteiligten Kollegen &uuml;berf&uuml;hren. Der damalige Berliner Polizeipr&auml;sident Glietsch erlie&szlig; daraufhin eine Gesch&auml;ftsanweisung, mit der PolizistInnen verpflichtet werden, ihren Namen bzw. ihre Dienstnummer an ihrer Uniform zu tragen. Ob ein Polizist seinen Namen oder seine Dienstnummer tr&auml;gt, entscheidet jeder einzelne Polizist selbst. Ausgenommen von der namentlichen Kennzeichnung sind die Einsatzeinheiten, die insbesondere auf Demonstrationen eingesetzt werden. Sie tragen eine f&uuml;nfstellige Buchstaben-\/Ziffernkombination, welche die Individualisierung erm&ouml;glicht.<\/p>\n<p>Der Polizeipr&auml;sident hatte mit dieser Regelung von Anfang an Bedenken der Kennzeichnungsgegner ber&uuml;cksichtigt. Sie bef&uuml;rchten, dass Polizisten und ihre Familien durch die Preisgabe des Namens Opfer von Racheakten werden k&ouml;nnten. Dennoch leisteten die Personalvertreter der Polizisten Widerstand gegen die Gesch&auml;ftsanweisung. Sie verweigerten ihre f&uuml;r die Umsetzung erforderliche Zustimmung mehrfach. Eine vom Polizeipr&auml;sidenten angerufene Einigungsstelle entschied sich letztendlich f&uuml;r die Kennzeichnung. Gegen die seit dem 1. Januar 2011 in Berlin geltende Regelung haben nun mehrere Polizeibeamte Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Sie werden von den Polizeigewerkschaften unterst&uuml;tzt. Sie bringen gegen die Kennzeichnung vor, dass auch von der Nummernkennzeichnung eine Gefahr f&uuml;r die Sicherheit der Polizisten und ihrer Familien ausgehe. Ein Argument, das sich kaum begr&uuml;nden l&auml;sst. Zudem stelle die Polizeikennzeichnung ein Misstrauensvotum gegen&uuml;ber der Polizei dar. Dieser Einwand verkennt jedoch, dass die Kontrolle staatlichen Handelns zu den Grundpfeilern eines demokratischen Rechtsstaates geh&ouml;rt und mit einem Misstrauensvotum daher nichts zu tun hat.<\/p>\n<p>Als nicht pauschal von der Hand zu weisendes Argument wird hingegen vorgebracht, dass die Gesch&auml;ftsanweisung keine ausreichende Rechtsgrundlage f&uuml;r den mit der Kennzeichnung verbundenen Eingriff in das Allgemeine Pers&ouml;nlichkeitsrecht der Polizisten darstellt. Ob dies tats&auml;chlich der Fall ist, ist eine Abw&auml;gungsfrage. Auch die HU Berlin-Brandenburg fordert die Einf&uuml;hrung einer gesetzlichen Regelung. Damit w&uuml;rde die Polizeikennzeichnung nicht nur auf eine ausreichende gesetzliche Grundlage gestellt, es w&uuml;rden zudem auch PolizistInnen von der Kennzeichnung erfasst, die aus anderen Bundesl&auml;ndern kommen und im Wege der Amtshilfe in Berlin t&auml;tig werden. Aufgrund der vielen Gro&szlig;eins&auml;tze in Berlin kommt das h&auml;ufig vor. Solange es in anderen Bundesl&auml;ndern keine Polizeikennzeichnung gibt, ist es wichtig, diese Polizisten in die Regelung einzubeziehen.<\/p>\n<p>Einen Gesetzentwurf der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen im Berliner Abgeordnetenhaus (Drs. 16\/0225) gab es bereits. Er wurde Ende August jedoch leider wieder zur&uuml;ckgezogen.<\/p>\n<p>In Brandenburg hat hingegen der Landtag im Mai eine gesetzliche Regelung verabschiedet (GVBl I 2011 Nr. 10 v. 10.6.2011, S. 1 f.). Das Gesetz, welches eine namentliche Kennzeichnung vorsieht, tritt am 1. Januar 2013 in Kraft. Es geht auf einen Gesetzentwurf (Drs. 5\/1442) zur&uuml;ck, den die CDU-Fraktion im Juli 2010 in den Landtag eingebracht hatte. Der Entwurf wurde am 18. Mai 2011 mit einigen &Auml;nderungen vom Landtag angenommen. Der Antrag der Fraktion zur Verabschiedung des Gesetzes stie&szlig; durchaus auf einige Verwunderung, da die CDU in anderen Bundesl&auml;ndern stets als Gegnerin der Polizeikennzeichnung aufgetreten ist. In Brandenburg setzt sich die CDU hingegen nicht nur f&uuml;r die Kennzeichnung ein, ihr kommt es insbesondere darauf an, dass die PolizistInnen ihren Namen an der Uniform tragen. Dies st&auml;rke das Vertrauensverh&auml;ltnis zwischen B&uuml;rgerIn und Polizei. Zu einer b&uuml;rgernahen und b&uuml;rgerorientierten Polizei geh&ouml;re die M&ouml;glichkeit, den einzelnen Polizeivollzugsbeamten im t&auml;glichen Dienstgeschehen pers&ouml;nlich anzusprechen, hei&szlig;t es in der Begr&uuml;ndung. Ein Argument, das tats&auml;chlich f&uuml;r eine namentliche Kennzeichnung spricht. Aus Sicht der HU erh&ouml;ht die M&ouml;glichkeit der namentlichen Ansprache die Dialogbereitschaft zwischen den B&uuml;rgern und den Polizeivollzugsbediensteten und kann dadurch auch deeskalierend wirken. Anonymit&auml;t wirkt bedrohlich. Ein Namensschild kann dagegen den durch die besondere Situation erschwerten Kontakt entkrampfen. Zudem lenkt ein Namensschild die Aufmerksamkeit des B&uuml;rgers auf die Person hinter der Uniform und ruft auch den\/die B&uuml;rgerIn zu den &uuml;blichen Formen des Anstands auf. Tritt man daher f&uuml;r eine namentliche Kennzeichnung ein, ist es nur konsequent, diese auch f&uuml;r die geschlossenen Einheiten zu fordern. Denn gerade bei Gro&szlig;eins&auml;tzen tritt die Polizei den B&uuml;rgerInnen als anonyme Masse gegen&uuml;ber. Daher sollte auch hier die pr&auml;ventive und deeskalierende Wirkung, die von Namensschildern ausgehen kann, zum Tragen kommen. Dieses Argument hatte die HU auch dem brandenburgischen Innenausschuss vorgetragen, in den sie im Januar als Sachverst&auml;ndige geladen worden war. In das sp&auml;ter verabschiedete Gesetz wurde der &Auml;nderungsvorschlag jedoch nicht aufgenommen. Ber&uuml;cksichtigt wurde hingegen der Hinweis, dass das Gesetz, im Sinne der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit des mit der Kennzeichnung verbundenen Eingriffs in das Allgemeine Pers&ouml;nlichkeitsrecht der Polizisten, eine Ausnahme von der namentliche Kennzeichnung f&uuml;r den Fall vorsehen sollte, dass einzelne Polizisten durch die Kennzeichnung gef&auml;hrdet sind. Der in das Gesetz nun aufgenommene Ausnahmetatbestand ist in seiner Formulierung zwar sehr weit geraten, er sieht aber &#8211; und darauf kommt es an &#8211; lediglich eine Ausnahme von der namentlichen Kennzeichnung vor. Eine Ausnahme von jeglicher Kennzeichnung gibt es hingegen nicht. Die Identifizierung rechtswidrig handelnder PolizeibeamtInnen bleibt damit stets m&ouml;glich. Ma&szlig;nahmen brandenburgischer PolizistInnen werden somit ab dem Jahr 2013 deutlich transparenter werden.<\/p>\n<p>Ein Erfolg, den sich die Humanistische Union trotz seines eher &uuml;berraschenden Eintritts durchaus auf ihre Fahnen schreiben kann. Die HU ist an dem Thema &uuml;ber Jahrzehnte dran geblieben und hat ihre Forderung nach der Einf&uuml;hrung einer Polizeikennzeichnung stets erneuert. Ohne das ausdauernde Engagement w&uuml;rde es ab dem Jahr 2013 wom&ouml;glich nicht im Brandenburgischen Polizeigesetz hei&szlig;en: &#8222;Polizeivollzugsbedienstete tragen bei Amtshandlungen an ihrer Dienstkleidung ein Namensschild.&#8220;<br \/>Anja Heinrich<br \/>Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin des HU-Landesverbandes Berlin-Brandenburg<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4077,"template":"","categories":[],"tags":[741],"autoren":[201],"publikationen":[922],"class_list":["post-9066","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-polizeikontrolle","autoren-anja-heinrich","publikationen-922"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Polizeikennzeichnung in Berlin und Brandenburg - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/214\/publikation\/polizeikennzeichnung-in-berlin-und-brandenburg\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Polizeikennzeichnung in Berlin und Brandenburg - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"eine HU-Erfolgsgeschichte Aus: Mitteilungen Nr. 214 (3\/2011), S. 10-11 Preu&szlig;ische Polizeiuniform von 1848. 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