{"id":9276,"date":"2009-04-30T13:33:00","date_gmt":"2009-04-30T11:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/gott-bleibt-an-berliner-schulen-fakultativ\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:32","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:32","slug":"gott-bleibt-an-berliner-schulen-fakultativ","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/204\/publikation\/gott-bleibt-an-berliner-schulen-fakultativ\/","title":{"rendered":"Gott bleibt an Berliner Schulen fakultativ"},"content":{"rendered":"<p>Ein erster Nachtrag zum Berliner Volksentscheid &#8222;Pro Reli&#8220;. Aus: Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 12<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4198 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02-417x450.jpg\" alt=\"Gott bleibt an Berliner Schulen fakultativ \" width=\"417\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02-417x450.jpg 417w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02-556x600.jpg 556w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02-312x337.jpg 312w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/proreli1_02.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Trotz massiver Unterst&uuml;tzung der Kirchen, der CDU und der FDP ist die Initiative &#8222;Pro Reli&#8220; gescheitert: Am 26. April stimmte die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner gegen den Vorschlag der Initiative, den bisher freiwilligen Religionsunterricht an &ouml;ffentlichen Schulen in Berlin zum Wahlpflichtfach heraufzustufen. Nach ersten Wahlanalysen scheiterte der Volksentscheid &#8222;Pro Reli&#8220; nicht nur an der religi&ouml;s\/weltanschaulichen Spaltung Berlins, auch zahlreiche Christen verweigerten sich am Ende dem Vorhaben.<\/p>\n<h5><span id=\"der-volksentscheid-als-medienschlacht\">Der Volks&shy;ent&shy;scheid als Medien&shy;schlacht<\/span><\/h5>\n<p>In den letzten Wochen vor dem Volksentscheid hatte der Streit um Gottes Stellung an Berliner Schulen teilweise groteske Z&uuml;ge angenommen: Dass die Initiatioren um die Gunst der BerlinerInnen werben w&uuml;rden, war zu erwarten. Ebenso war zu erwarten, dass die Kirchen die Initiative mit Geld und Personal unterst&uuml;tzen w&uuml;rden. &Uuml;berraschend war jedoch, wie enthusiastisch das &uuml;berregionale Feuilleton an der Debatte teilnahm: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung etwa wollte zur Rettung des christlichen Abendlandes beitragen, indem sie mit einer breit angelegten Artikelserie &uuml;ber alte und neue Atheisten im Allgemeinen und die Giordano-Bruno-Stiftung sowie den Humanistischen Verband im Besonderen zu Felde zog. Verschiedene Bl&auml;tter des Springer-Verlags platzierten in der hei&szlig;en Phase des Wahlkampfs &#8222;Enth&uuml;llungen&#8220; &uuml;ber angebliche Stasi-Verstrickungen des Berliner HVD-Vorsitzenden. Und selbst die sonst &uuml;ber jeden Verdacht einer sensationsl&uuml;sternen Berichterstattung erhabene Katholische Nachrichtenagentur lie&szlig; sich zu einem pseudoinvestigativen Dossier &uuml;ber Gerd Eggers als Initiator der Gegenkampagne hinrei&szlig;en &#8211; dem am Ende jedoch die Pointe fehlte. Die Zielrichtigung dieser Berichte war eindeutig: Der Humanistische Verband als einer der Tr&auml;ger der Gegenkampagne sollte diskreditiert, der gemeinsame Ethikunterricht als Fortsetzung des ostdeutschen Staatsb&uuml;rgerkundeunterrichts disqualifiziert werden.<\/p>\n<h5><span id=\"argumente-fehlanzeige\">Argumente &ndash; Fehlanzeige<\/span><\/h5>\n<p>Das in dieser religionsk&auml;mpferischen Atmosph&auml;re manchmal die &Uuml;bersicht verloren ging, ist nicht verwunderlich. &#8222;Pro Reli&#8220; war von vornherein auf Finten angelegt: So warb die Initiative mit dem Slogan &#8222;Wahlfreiheit&#8220;, obwohl sie gerade die freie (Ab-)Wahl des Religionsunterrichts durch einen Entscheidungszwang ersetzen wollte. Die Kampagne bediente das Klischee einer religionsfeindlichen linken Landesregierung, die angeblich den Religionsunterricht bedrohe. Dabei war es eben jene Regierung, die 2006 den Berliner Staatskirchenvertrag unterzeichnete und damit kirchliche Privilegien verankerte. An der Finanzierung und den Rahmenbedingungen des Religionsunterrichts hatte sich seit der Einf&uuml;hrung des Ethikfaches nichts ge&auml;ndert. Eben jener Ethikunterricht, gegen den &#8222;Pro Reli&#8220; so flei&szlig;ig agitierte, sollte nach dem Gesetzentwurf nicht mehr wie bisher ab dem 7. Schuljahr, sondern f&uuml;r alle &#8222;Nichtgl&auml;ubigen&#8220; bereits ab der 1. Klasse verpflichtend werden. Gegen derlei Nebelkerzen engagierte sich die Humanistische Union Berlin-Brandenburg. Mit einem Flugblatt forderten wir die Berlinerinnen und Berliner auf, am 26. April 2009 gegen das Volksbegehren &#8222;Pro Reli&#8220; zu stimmen &#8211; am Ende gl&uuml;cklicherweise erfolgreich.<\/p>\n<h5><span id=\"geld-und-zeit-als-erfolgskriterien-direkter-demokratie\">Geld und Zeit als Erfolgs&shy;kri&shy;te&shy;rien direkter Demokratie<\/span><\/h5>\n<p>Nachdem sich die Wogen um den Volksentscheid &#8222;Pro Reli&#8220; gegl&auml;ttet haben, wird es Zeit f&uuml;r eine Man&ouml;verkritik. Bei den letzten Volksentscheiden in Berlin zeigten sich einige M&auml;ngel des Berliner Verfahrens, die behoben werden sollten:<\/p>\n<p>Wie schon bei der Abstimmung &uuml;ber den Flughafen Tempelhof wurde auch die Kampagne &#8222;Pro Reli&#8220; von finanzkr&auml;ftigen Sponsoren getragen, ohne dass die Herkunft dieser Gelder offengelegt werden musste. Bei Tempelhof war von &uuml;ber einer Million Euro die Rede, Pro Reli rechnete mit etwas weniger. Mit derartigen Werbeetats l&auml;sst sich die Willensbildung in einer Stadt erheblich beeinflussen, eine transparente Finanzierung ist deshalb wichtig. Das Berliner Abstimmungsgesetz sieht vor, dass Einzelspenden ab einer H&ouml;he von 50.000&#8364; anzuzeigen sind. Die CDU und die Kirchen als &#8222;bekennende&#8220; Unterst&uuml;tzer der beiden Entscheide verstehen sich offenbar auf die Technik der Einzel&uuml;berweisung.<\/p>\n<p>Umgekehrt sollte der Einfluss der Landesregierung auf den Verlauf von Volksentscheiden begrenzt werden. Das betrifft sowohl die Verwendung von Steuergeldern f&uuml;r Anzeigen, als auch den Abstimmungstermin. Bei &#8222;Pro Reli&#8220; hatte sich der Senat geweigert, den Volksentscheid am Tag der Europawahlen abzuhalten &#8211; in der Hoffnung, dass die Initiative am n&ouml;tigen Quorum von 25% Ja-Stimmen aller Stimmberechtigten scheitere. Wie das Ergebnis beweist, h&auml;tte es dieses Tricks nicht bedurft. Bei einer gleichzeitigen Abstimmung mit der Europawahl w&auml;re die Ablehnung von Pro Reli (aufgrund der geringeren Mobilisierung der Gegner) vermutlich noch h&ouml;her ausgefallen.<\/p>\n<p><i>Sven L&uuml;ders<\/i><\/p>\n<p><i>Die Humanistische Union verteilte im &#8222;Wahlkampf&#8220; um Pro Reli ein Flugblatt mit dem nebenstehenden Text. Allen Helferinnen und Helfern, die zur Verbreitung beigetragen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":4198,"template":"","categories":[],"tags":[832,746],"autoren":[139],"publikationen":[930],"class_list":["post-9276","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-berlin-religion","tag-religion-schule","autoren-sven-lueders","publikationen-930"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gott bleibt an Berliner Schulen fakultativ - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/204\/publikation\/gott-bleibt-an-berliner-schulen-fakultativ\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gott bleibt an Berliner Schulen fakultativ - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein erster Nachtrag zum Berliner Volksentscheid &#8222;Pro Reli&#8220;. 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