{"id":9332,"date":"2008-10-30T15:47:00","date_gmt":"2008-10-30T14:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/stellungnahmen-zum-antrag-auf-satzungsaenderung\/"},"modified":"2024-12-02T15:11:32","modified_gmt":"2024-12-02T14:11:32","slug":"stellungnahmen-zum-antrag-auf-satzungsaenderung","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/202\/publikation\/stellungnahmen-zum-antrag-auf-satzungsaenderung\/","title":{"rendered":"Stellungnahmen zum Antrag auf Satzungs\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"<p>Aus: Mitteilungen Nr. 202 S. 24\/25<\/p>\n<p><b>Basisdemokratie passt zur HU<br \/>\n<\/b>F\u00fcr die Einf\u00fchrung einer Mitgliederversammlung (MV) anstelle der Delegiertenkonferenz (DK) spricht der basisdemokratische Charakter der MV. Die Humanistische Union sollte sich auch hier klar von den politischen Parteien unterscheiden, denn bei denen ist das politische Instrument der DK zur Abkopplung der Basis von den (gesteuerten) Entscheidungen der Parteispitzen bewusst gewollt. Die HU ist (leider) noch klein genug, dieses basisdemokratische Instrument ohne gr\u00f6\u00dfere Reibungsverluste zu leben. Daher stimme ich klar f\u00fcr die notwendige Satzungs\u00e4nderung, die einer Einf\u00fchrung vorausgehen muss.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i>Ulrich Seiferheld <\/i><\/p>\n<p><b>Alternativen der \u00fcberregionalen Zusammenarbeit<\/b><br \/>\nEin Argument gegen die Mitgliederversammlung anstelle einer Delegiertenversammlung m\u00f6chte ich entkr\u00e4ften und einen neuen Vorschlag in die Diskussion einbringen: Es wird von Kritikern gesagt, die Mitgliederversammlung w\u00fcrde geographische Unterschiede bei Abstimmungen hervorrufen, da nur die Mitglieder in r\u00e4umlicher N\u00e4he \u00fcber die M\u00f6glichkeit verf\u00fcgen, daran teilzunehmen. Das Problem ist tats\u00e4chlich nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn es mich nicht davon \u00fcberzeugt, an die Stelle der unmittelbaren Wahl eine mittelbare Wahl per Delegierten einzuf\u00fchren.<br \/>\nEs gibt jedoch eine Alternative dazu: Man k\u00f6nnte in jedem Regionalverband \u00fcber alle Antr\u00e4ge abstimmen. Die Mitgliederversammlung wird also (zeitgleich) an mehreren Orten durchgef\u00fchrt, z.B. Berlin, Hamburg, M\u00fcnchen, &#8230; , so dass im Endeffekt alle Mitglieder unmittelbar an der Wahl teilnehmen k\u00f6nnen. Die Ergebnisse der einzelnen Wahlen werden dann an die Zentrale \u00fcbermittelt und dort das Endergebnis festgestellt.<br \/>\nWas dabei jedoch entf\u00e4llt, ist die M\u00f6glichkeit der m\u00fcndlichen Aussprache \u00fcber die einzelnen Antr\u00e4ge. Man k\u00f6nnte jedoch alle Antr\u00e4ge vorab im Internet ver\u00f6ffentlichen und dann Stellungnahmen dazu abgeben, die dann w\u00e4hrend der (Orts-)Versammlungen vorgelesen werden. An die Stelle der m\u00fcndlichen Aussprache tritt folglich die schriftliche Stellungnahme. Somit w\u00e4ren die unterschiedlichen Standpunkte allen teilnehmenden Mitgliedern bekannt.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p>Alexander Bergmann<\/p>\n<p><b>Verbandsorgane m\u00fcssen dienstbar sein, nicht hinderlich<\/b><br \/>\nDer Verband befindet sich ja doch wohl in einem Umbruch, wenn nicht nur die Delegiertenkonferenz, sondern sogar der Name des Verbandes\u00a0 zur\u00a0 Diskussion steht. Wohl jeder Verband wird hin und wieder seine Satzung ver\u00e4nderten Anforderungen anpassen m\u00fcssen. Wahrscheinlich hat sich der Verband urspr\u00fcnglich eine gr\u00f6\u00dfere Breitenwirkung erhofft und hatte sie zun\u00e4chst wohl auch. Zumindest hatte er mal mehr Mitglieder als heute, obwohl die Anzahl wieder zunimmt. Die seinerzeitigen Erwartungen m\u00f6gen auch der Einrichtung von Delegiertenkonferenzen einen vern\u00fcnftigen Sinn gegeben haben. Zwar ist die Verbandsmitgliederzahl zur\u00fcckgegangen. Es sind aber zwischenzeitlich zahlreiche andere B\u00fcrgerrechtsvereinigungen entstanden. Es ist letztlich unerheblich, durch welche Organe ein Verband handelt, dessen Zweck die Festigung einer freiheitlich-demokratischen Ordnung ist.\u00a0 Der Verwirklichung dieses Zwecks m\u00fcssen seine Organe dienstbar sein, nicht hinderlich. Wenn die Delegiertenkonferenzen der Humanistischen Union seit Jahren keine satzungs\u00e4ndernden Mehrheiten mehr erreichen, dann sollten sie zweckm\u00e4\u00dfigerweise durch Mitgliederversammlungen ersetzt werden.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i>Wolfgang Zipper<\/i><\/p>\n<p><b>Mitgliederversammlungen als \u201eR\u00fcckschritt in die HU-Steinzeit&#8220;<\/b><br \/>\nIch pl\u00e4diere f\u00fcr die Beibehaltung des Delegiertensystems in der HU und damit gegen die Beschlussfassung durch Bundesmitgliederversammlungen. Die R\u00fcckkehr zur Beschlussfassung durch Mitgliederversammlungen w\u00e4re ein R\u00fcckschritt in die HU-Steinzeit!<br \/>\nWir begannen ja in den 60er und 70er Jahren \u00e4hnlich den Schweizern im Kanton Appenzell und mussten durch die damals \u00fcblichen Mitgliederversammlungen erleben, dass diejenigen Mitglieder, die nahe dem jeweiligen HU-Tagungsort wohnten, privilegiert waren: Sie konnten leicht, ohne Reiseaufwand, Mitglieder aus der N\u00e4he des Tagungsortes f\u00fcr bestimmte Themen und Wahlen mobilisieren.<br \/>\nAus Unzufriedenheit mit dem System der\u00a0 Beschlussfassung und der Wahlen via Mitgliederversammlungen haben wir in m\u00fchevoller \u00dcberzeugungsarbeit das Delegiertensystem eingef\u00fchrt, das einige jetzt un\u00fcberlegt abschaffen wollen. \u201eRin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln!&#8220; Satzungsdiskussionen sind in allen Organisationen qualvoll. Wir sollten diese Debatte schleunigst beenden.<br \/>\nDas Delegiertensystem hat sich bew\u00e4hrt, auch als Instrument zur Wahl von Vorst\u00e4nden. Bitte glauben Sie einem alten Mitglied aus der HU-Gr\u00fcndungszeit! Die Willensbildung und die Wahl von Vorst\u00e4nden vollziehen sich mit einem Delegiertensystem demokratischer und f\u00f6deralistischer, wenn n\u00e4mlich Delegierte\u00a0 analog zur Mitgliederzahl in den 16 Bundesl\u00e4ndern gew\u00e4hlt werden.<br \/>\nFazit: Nicht zur\u00fcck zu chaotischen, von geografischen Zuf\u00e4llen bestimmten Mitgliederversammlungen, sondern weiter voran mit ausgewogenen Delegiertenkonferenzen!<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i>Klaus Scheunemann,<br \/>\n<\/i><i>Gr\u00fcndungsmitglied und Mitglied des Beirats der HU<\/i><\/p>\n<p><b>Verlust repr\u00e4sentativer Entscheidungen und M\u00f6glichkeiten der Manipulation<\/b><br \/>\nDer Plan, die Bundesdelegiertenkonferenz durch eine Mitgliederversammlung zu ersetzen, scheint auf den ersten Blick einiges f\u00fcr sich zu haben. Man erspart der HU die komplizierte Prozedur einer Aufstellung von Delegierten in den einzelnen regionalen Verb\u00e4nden, die Gesch\u00e4ftsstelle, der die Organisation dieser Wahlen zuf\u00e4llt, wird in ihrer Arbeit entlastet, und obendrein hat nun jedes Mitglied die M\u00f6glichkeit, stimmberechtigt auf die Entscheidungen unserer Vereinigung Einfluss zu nehmen.<br \/>\nAuf den zweiten Blick scheinen mir allerdings die Nachteile einer solchen Regelung eindeutig zu \u00fcberwiegen. Die Umwandlung der Delegiertenkonferenz in eine blo\u00dfe Mitgliederversammlung w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass Entscheidungen dieses Gremiums nun durchaus von zuf\u00e4lligen Mehrheiten, die eben nicht mehr als f\u00fcr den ganzen Verband als repr\u00e4sentativ gelten k\u00f6nnen, beschlossen werden. Das w\u00fcrde Entscheidungen, die dort getroffen werden, auch in den Augen der \u00d6ffentlichkeit entwerten. Wir sollten das Prestige, das die HU als B\u00fcrgerrechtsorganisation genie\u00dft, nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.<br \/>\nObendrein liegt dann immer auch der Verdacht der Manipulation von Mehrheiten nahe. Das mag so in vielen F\u00e4llen ein unbegr\u00fcndeter Verdacht sein, aber er l\u00e4\u00dft sich wie immer nie ganz ausr\u00e4umen und damit wird zugleich das Verh\u00e4ltnis zwischen Vorstand, der \u00fcber Ort und Termin dieser Versammlung entschieden hat, und Mitgliedschaft belastet. Ein Vorstand, der einen bestimmten Beschluss herbeif\u00fchren will, und der \u00fcber Str\u00f6mungen und Meinungen in der Mitgliedschaft unterrichtet ist, k\u00f6nnte durchaus in Versuchung sein, seine Kenntnis dieser Tendenzen in der Mitgliedschaft bei der Wahl des Ortes auszunutzen. Mit einer Wahl von Delegierten durch die Mitgliedschaft ist der Vorstand vor einem derartigen Verdacht gesch\u00fctzt.<br \/>\nDes Weiteren liegt es auch nahe, dass eine Gruppe in der Mitgliedschaft, die einen bestimmten, ihr wichtig erscheinenden Beschluss durchsetzen m\u00f6chten, zu einer Mitgliederversammlung gezielt &#8222;mobilisiert&#8220;. Das mag f\u00fcr das Anliegen dieser Gruppe kurzfristig als Vorteil erscheinen, auf l\u00e4ngere Sicht d\u00fcrfte es auch ihrem Anliegen eher schaden, weil ihm die Legitimit\u00e4t einer tats\u00e4chlich repr\u00e4sentativen Entscheidung abgeht.<br \/>\nDie Wahl von Delegierten bringt im \u00dcbrigen f\u00fcr die in dieses Amt Gew\u00e4hlten eine gewisse Verpflichtung mit sich, dann auch zur Bundesdelegiertenkonferenz zu fahren. Au\u00dferdem wissen die Mitglieder, wen sie gew\u00e4hlt haben, und k\u00f6nnen von ihren Delegierten dann Auskunft \u00fcber ihr Abstimmungsverhalten verlangen oder ihnen bestimmte Empfehlungen mitgeben. Durch das Institut der Delegiertenkonferenz ist im \u00dcbrigen ein direkter Einfluss des einfachen Mitgliedes auf die Delegiertenkonferenz nicht ausgeschlossen, da es dort in jedem Fall ein Rederecht hat.<br \/>\nDie Ersetzung der Bundesdelegiertenkonferenz durch eine bundesweite Mitgliederversammlung f\u00fchrt zu mehr Anonymit\u00e4t und zu gr\u00f6\u00dferer Beliebigkeit, nicht zu mehr Demokratie in unserer Vereinigung. Wir sollten an dem bew\u00e4hrten Modell der Bundesdelegiertenkonferenz, auf der jedes Mitglied sich zu Wort melden kann, auch f\u00fcr die Zukunft festhalten.<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p>Theodor Ebert<\/p>\n<p><b>Mitgliederversammlungen als Demokratieabbau<br \/>\n<\/b>Die Humanistische Union ist eine demokratische Vereinigung. Mehr noch: Die Humanistische Union verteidigt die Einhaltung der B\u00fcrgerrechte und der Demokratie in unserem Land. Und nun will sie Abschied nehmen von einem St\u00fcck Demokratie in ihrer eigenen inneren Struktur!<br \/>\nIm Folgenden beziehe ich mich auf die Begr\u00fcndung zum Antrag 2 (s. Mitteilungen Nr. 198, S. 12 ff). Der zeitliche Aufwand alle zwei Jahre Wahlunterlagen zu verschicken und die eingegangenen Stimmen auszuz\u00e4hlen, kann so gro\u00df nicht sein im Verh\u00e4ltnis zu den anderen Leistungen der Gesch\u00e4ftsstelle. Wir sollten bei einer \u201eangemessenen regionalen Repr\u00e4sentation der Mitgliedschaft&#8220; bleiben, auch wenn der jetzige Bundesvorstand eine gezielte massenhafte Einflussnahme auf eine umstrittene Entscheidung, wie in den 1960er Jahren geschehen, \u201eheute nicht sehen kann&#8220;. Schon morgen k\u00f6nnte es aber wieder anders sein!<br \/>\nWenn eine satzungs\u00e4ndernde Mehrheit bei weniger als 34 anwesenden Delegierten nicht erreichbar ist (und dies oft vorkommt), dann k\u00f6nnte man ja dahingehend die Satzung \u00e4ndern, statt der seitenlangen angegebenen \u00c4nderungen (S. 12 ff). Das ist wohl allemal besser, als wenn \u2013 wie es der Antrag vorsieht \u2013 eine Versammlung von zuf\u00e4llig zusammengekommenen Mitgliedern, \u201eunabh\u00e4ngig von der Anzahl&#8220; beschlussf\u00e4hig sein wird.<br \/>\nGerne w\u00fcrde ich die auf der Delegiertenkonferenz schon vorgebrachten Argumente, n\u00e4mlich: demokratische Aktivierung der Mitgliedschaft durch die Wahlen, Gefahr der lokalen Majorisierung durch Zufallsmehrheiten und die Gefahr der Ausgrenzung \u00e4rmerer Mitglieder, (s. Mitteilungen Nr. 199, S. 24) noch erl\u00e4utern, aber das w\u00fcrde wohl zu lang. Wenn wir auf allen Gebieten von Anderen Demokratie einfordern, sollten wir selbst diese Demokratie beispielhaft vorleben!<br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i>Helgrid Hinze<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[770],"autoren":[],"publikationen":[932],"class_list":["post-9332","publikation","type-publikation","status-publish","hentry","tag-verbandsnachrichten","publikationen-932"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Stellungnahmen zum Antrag auf Satzungs\u00e4nderung - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/202\/publikation\/stellungnahmen-zum-antrag-auf-satzungsaenderung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Stellungnahmen zum Antrag auf Satzungs\u00e4nderung - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Aus: Mitteilungen Nr. 202 S. 24\/25 Basisdemokratie passt zur HU F\u00fcr die Einf\u00fchrung einer Mitgliederversammlung (MV) anstelle der Delegiertenkonferenz (DK) spricht der basisdemokratische Charakter der MV. 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