{"id":9358,"date":"2008-08-08T08:22:00","date_gmt":"2008-08-08T06:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/gemeinsame-zukunft-zweier-buergerrechtsorganisationen\/"},"modified":"2021-08-31T10:14:20","modified_gmt":"2021-08-31T08:14:20","slug":"gemeinsame-zukunft-zweier-buergerrechtsorganisationen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/201\/publikation\/gemeinsame-zukunft-zweier-buergerrechtsorganisationen\/","title":{"rendered":"Gemeinsame Zukunft zweier B\u00fcrgerrechtsorganisationen?"},"content":{"rendered":"<p>Gustav Heinemann-Initiative und Humanistische Union diskutieren &uuml;ber Fusion. Aus: Mitteilungen Nr. 201, S. 25\/26<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4237 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-600x216.jpg\" alt=\"Gemeinsame Zukunft zweier B&uuml;rgerrechtsorganisationen?\" width=\"600\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-600x216.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-768x276.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-1000x359.jpg 1000w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-800x287.jpg 800w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu-450x162.jpg 450w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/ghihu.jpg 1116w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>B&uuml;rgerrechte sind Minderheitenrechte. Dieser Satz gilt leider nicht nur mit Blick auf diejenigen, deren Freiheiten eingeschr&auml;nkt werden. Auch jene, die die Achtung der B&uuml;rger- und Menschenrechte einfordern und sich f&uuml;r eine freiheitliche Gesellschaft einsetzen, befinden sich allzu oft in der Minderheit. Sie dringen als Einzelorganisationen im heutigen Medienmarkt mit ihren Stellungnahmen immer weniger durch. Aus diesen Erfahrungen wollen die Humanistische Union und die Gustav Heinemann-Initiative (GHI) praktisch-politische Schl&uuml;sse ziehen und durch ein Zusammengehen beider Organisationen die Voraussetzungen &ouml;ffentlicher Wirkung verbessern. Die GHI, 1977 unter dem Eindruck des &bdquo;Deutschen Herbstes&#8220; in Rastatt gegr&uuml;ndet, engagiert sich seit Jahren &ndash; wie die Humanistische Union &ndash; f&uuml;r die Bewahrung der Freiheitsrechte. Anders als in der HU, die in den vergangenen drei Jahren 300 neue Mitglieder gewinnen konnte, stagnieren bei der GHI die Mitgliederzahlen seit Jahren. Auch der 2004 gestartete Versuch, mit einer kleinen Berliner Gesch&auml;ftsstelle den Verband wieder popul&auml;rer zu machen und dadurch neue Mitstreiter zu gewinnen, brachte wenig Erfolg. Nach einer intensiven Diskussion &uuml;ber m&ouml;gliche Zukunftsoptionen sprach sich der Vorstand der GHI mehrheitlich f&uuml;r eine gemeinsame Zukunft mit der HU aus. Inzwischen hat eine Mitgliederversammlung der GHI am 23. Mai den neu gew&auml;hlten Vorstand beauftragt, mit der HU &uuml;ber eine m&ouml;gliche Fusion zu verhandeln.<\/p>\n<h5>Gemein&shy;sam&shy;keiten und Unter&shy;schiede<\/h5>\n<p>Dass die GHI bei der Suche nach einem k&uuml;nftigen Partner zu aller erst an die HU denkt, kommt nicht von ungef&auml;hr: Beide Organisationen verbindet bereits eine Vielzahl gemeinsamer Projekte. Seit 1983 geben wir gemeinsam die &bdquo;vorg&auml;nge. Zeitschrift f&uuml;r B&uuml;rgerrechte und Gesellschaftspolitik&#8220; heraus. Ebenso geh&ouml;rt die GHI von Anfang an zu den Mitherausgebern des Grundrechte-Reports. Gemeinsam haben wir uns in den vergangenen Jahren immer wieder gegen eine repressive Sicherheitspolitik engagiert, etwa mit innenpolitischen Forderungen an die erste rot-gr&uuml;ne Bundesregierung, mit Stellungnahmen zur Terrorismusgesetzgebung oder bei der Lobbyarbeit innerhalb des Forum Menschenrechte. Dar&uuml;ber hinaus verbinden HU und GHI zahlreiche weitere Anliegen, so die Forderungen nach einem freien Zugang zu Bildungschancen (Tagung und Memorandum 2003) oder die gemeinsame Kritik an der zunehmenden Militarisierung der deutschen Au&szlig;enpolitik, die im Wei&szlig;buch 2006 der Bundeswehr besonders deutlich wurde.<\/p>\n<p>Die enge Verbindung von HU und GHI tritt vor allem an der Zeitschrift vorg&auml;nge zutage. Die Zeitschrift, 1961 von Gerhard Szczesny als &bdquo;Kulturpolitische Korrespondenz&#8220; begr&uuml;ndet, hat sich &uuml;ber die Jahrzehnte zu einem bedeutenden b&uuml;rgerrechtlichen Periodikum etabliert. Die Wirkung der vorg&auml;nge besteht dabei vor allem nach Au&szlig;en: Sie werden nicht nur von den &bdquo;&uuml;blichen Verd&auml;chtigen&#8220; innerhalb der Herausgeberorganisationen, sondern vor allem in einer breiteren, politisch interessierten &Ouml;ffentlichkeit wahrgenommen. Die Sicherung der Zeitschrift wird deshalb von HU wie GHI gleicherma&szlig;en hoch eingesch&auml;tzt. Beide Herausgeber finanzieren die vorg&auml;nge durch einen j&auml;hrlichen Zuschuss in H&ouml;he von 2.000 &euro;, daneben erhalten alle Mitglieder der GHI die Zeitschrift in einem Abonnement, welches aus Vereinsmitteln finanziert wird. Die Frage nach der Zukunft der GHI stellt sich deshalb auch als eine Frage nach der Zukunft der vorg&auml;nge.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit zwischen HU und GHI findet jedoch nicht nur &bdquo;im Gro&szlig;en&#8220; und zu bundespolitischen Themen statt, sondern wird besonders in Berlin auf einer ganz allt&auml;glichen Ebene praktiziert: So bestreiten HU und GHI gemeinsam das OneWorld-Festival mit menschenrechtlichen Filmen, wir besuchen gemeinsam Veranstaltungen oder treten &ndash; wie im Forum Menschenrechte &ndash; gemeinsam auf. Und nicht zuletzt teilen sich HU und GHI seit 2004 ein B&uuml;ro.<\/p>\n<p>Bei allen Gemeinsamkeiten sollten jedoch die Unterschiede in Herkunft und Hintergrund der Mitglieder von HU und GHI nicht &uuml;bersehen werden: F&uuml;r viele Mitglieder der Humanistischen Union ist die Forderungen nach einer strikten Trennung von Staat und Kirche, ein konsequentes Verst&auml;ndnis von Religion als Privatangelegenheit, ein zentrales Anliegen. In der HU finden sich deshalb neben Christen und nicht religi&ouml;s gebundenen auch viele &uuml;berzeugte atheistische Mitglieder. Dagegen verortet sich die Mehrheit der GHI-Mitglieder in einem linksliberalen, protestantischem B&uuml;rgertum.<\/p>\n<h5>Wie geht es weiter?<\/h5>\n<p>Eine engere Kooperation der beiden Verb&auml;nde k&ouml;nnte helfen, die politischen und personellen Ressourcen zu b&uuml;ndeln: W&auml;hrend sich die Arbeit der HU in den letzten Jahren vor allem auf Fragen der Innen- und Rechtspolitik sowie des Datenschutzes konzentriert, sind unter den aktiven GHI-Mitgliedern andere Themen, die traditionell auch Anliegen der HU sind, st&auml;rker vertreten. Die letzten Tagungen der GHI widmeten sich Themen wie den sozialen Grundrechten, der Integration und der Friedenspolitik sowie M&ouml;glichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung.<\/p>\n<p>Der Bundesvorstand der Humanistischen Union war deshalb sehr erfreut, als er vom Interesse der GHI an einer gemeinsamen Zukunft erfuhr. Auf seiner Sitzung im M&auml;rz diesen Jahres diskutierte er mit dem Sprecher der GHI, Werner Koep-Kerstin, &uuml;ber m&ouml;gliche Fusionsmodelle. Die Vereinigung von HU und GHI soll jedoch nicht nach dem Modell des deutsch-deutschen Einigungsvertrages (&bdquo;Anschluss&#8220;) stattfinden, vielmehr wird eine m&ouml;glichst breite verbandsinterne Diskussion &uuml;ber das F&uuml;r und Wider angestrebt. Auch die HU sollte den Zusammenschluss als eine Chance nutzen, um ihre verbandspolitische Aufstellung, ihre Agenda und ihren Namen zu pr&uuml;fen.<\/p>\n<p>Mit einem Zusammengehen der beiden Vereine w&auml;re zun&auml;chst einmal der Bestand der vorg&auml;nge gesichert. Nachdem die HU ein Abonnement f&uuml;r alle ihre Mitglieder vor zwei Jahren aus finanziellen Gr&uuml;nden ablehnen musste (es entst&uuml;nden j&auml;hrliche Kosten von ca. 20.000 &euro; f&uuml;r die HU), wurde im Rahmen der Vorgespr&auml;che vereinbart, nach einer Fusion die bisherigen vorg&auml;nge-Abonnements f&uuml;r GHI-Mitglieder beizubehalten. Alle HU-Mitglieder sollen die M&ouml;glichkeit erhalten, die Zeitschrift optional &uuml;ber den Verein abonnieren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Welche weitergehende Bedeutung die Fusion auch f&uuml;r die HU bekommt, h&auml;ngt unter anderem davon ab, wie die bisher noch offenen Fragen einer Fusion beantwortet werden:<\/p>\n<p>&bull;&nbsp;Welchen Namen tr&auml;gt die neue Organisation? Mitglieder der HU wie der GHI teilen &ndash; wenn auch aus verschiedenen Gr&uuml;nden &ndash; ein gewisses Unbehagen an ihrem Verbandsnamen. Die Humanistische Union sieht sich h&auml;ufig mit weltanschaulichen Verb&auml;nden (wie dem Humanistischen Verband) oder sektiererischen Gruppen (wie der Humanistischen Partei) verwechselt, was insbesondere ihre Positionen zur Trennung von Staat und Kirche in einem falschen Licht erscheinen l&auml;sst. Dagegen k&ouml;nnen j&uuml;ngere Menschen kaum etwas mit dem Namen Gustav Heinemanns verbinden, dass sie zu politischem Engagement anstiftet. Die Fusion w&auml;re deshalb eine gute Gelegenheit, f&uuml;r die gemeinsame Organisation einen neuen Namen zu finden. Dieser k&ouml;nnte sich an den englischen Namenszusatz der HU &ndash; German Civil Liberties Union &ndash; anlehnen. Allerdings gibt es sowohl in der HU wie der GHI viele Mitglieder, die sich mit den bisherigen Namen identifizieren. Und nicht zuletzt sollte auch der Aufwand, der mit der Etablierung eines neuen Namens verbunden ist, nicht untersch&auml;tzt werden. Deshalb wurde bereits angeregt, die bisherigen Bezeichnungen als Namenszus&auml;tze beizubehalten.<\/p>\n<p>&bull;&nbsp;In welcher Weise kann sichergestellt werden, dass Vertreter\/innen der GHI in dem gemeinsamen Verein hinreichend repr&auml;sentiert sind? Zur Diskussion steht hier ein Quorum f&uuml;r ehemalige GHI-Mitglieder in den ersten beiden Vorstandsperioden.<\/p>\n<p>&bull;&nbsp;Wie wird mit den unterschiedlichen Mitgliedsbeitr&auml;gen in HU und GHI verfahren? Der j&auml;hrliche Normalbeitrag bei der GHI betr&auml;gt derzeit 55,- &euro;, w&auml;hrend die HU einen Normalbeitrag von 90,- &euro;\/Jahr vorsieht. Hier wurde vorgeschlagen, die Beitr&auml;ge der GHI-Mitglieder zumindest f&uuml;r eine &Uuml;bergangszeit in ihrer derzeitigen H&ouml;he zu belassen.<\/p>\n<p>Diese und weitere mit einer Fusion auftretende Fragen sollen nun in Verhandlungen zwischen den Vorst&auml;nden gekl&auml;rt werden. Der HU-Vorstand hat Till M&uuml;ller-Heidelberg gebeten, die Verhandlungen von Seiten der HU zu f&uuml;hren &ndash; er hat dieses Mandat &uuml;bernommen. Die Fusionsverhandlungen sollen bis Anfang n&auml;chsten Jahres abgeschlossen werden. Die Ergebnisse st&uuml;nden dann auf getrennten Mitgliederversammlungen (GHI) bzw. Delegiertenkonferenzen\/Mitgliederversammlungen (je nach Ausgang der Urabstimmung in der HU &ndash; siehe Seite 30) zur Abstimmung, das Zusammengehen beider Vereine k&ouml;nnte im Herbst 2009 vollzogen werden.<\/p>\n<p><i>Sven L&uuml;ders<br \/>ist Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Humanistischen Union<\/i><\/p>\n<p>Weiterf&uuml;hrende Informationen:<br \/>Einen &Uuml;berblick zu den Arbeitsschwerpunkten der GHI gibt deren Webseite: <a href=\"http:\/\/www.gustav-heinemann-initiative.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.gustav-heinemann-initiative.de<\/a>.<\/p>\n<p>Dieter Wunder: Perspektiven der Gustav Heinemann-Initiative. Eine kritische Selbstbesinnung. vorg&auml;nge Nr. (Heft 2\/2002), S. 140 &#8211; 145<\/p>\n<p>Gustav Heinemann-Initiative, Humanistische Union und Komitee f&uuml;r Grundrechte und Demokratie: Gemeinsame Erkl&auml;rung zu den &bdquo;vorg&auml;ngen&#8220;. vorg&auml;nge Nr. 62\/63 (Heft 2-3\/1983), S. 19 &#8211; 21<\/p>\n<p>Alexander Cammann: Zur Zukunft der vorg&auml;nge, Mitteilungen Nr. 190 (Heft 3\/2005), S. 17<\/p>\n","protected":false},"featured_media":4237,"template":"","categories":[],"tags":[770],"autoren":[139],"publikationen":[934],"class_list":["post-9358","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-verbandsnachrichten","autoren-sven-lueders","publikationen-934"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gemeinsame Zukunft zweier B\u00fcrgerrechtsorganisationen? - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/201\/publikation\/gemeinsame-zukunft-zweier-buergerrechtsorganisationen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gemeinsame Zukunft zweier B\u00fcrgerrechtsorganisationen? - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gustav Heinemann-Initiative und Humanistische Union diskutieren &uuml;ber Fusion. 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