{"id":9402,"date":"2007-11-29T12:51:00","date_gmt":"2007-11-29T11:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/publikation\/kein-mangel-an-buergerrechtsthemen\/"},"modified":"2021-08-30T15:40:07","modified_gmt":"2021-08-30T13:40:07","slug":"kein-mangel-an-buergerrechtsthemen","status":"publish","type":"publikation","link":"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/199\/publikation\/kein-mangel-an-buergerrechtsthemen\/","title":{"rendered":"Kein Mangel an B\u00fcrgerrechtsthemen"},"content":{"rendered":"<p>Bericht von der Delegiertenkonferenz 2007 der Humanistischen Union, Mitteilungen Nr. 199, Seite 14 &#8211; 17<\/p>\n<div><span class=\"migrated-image\"><a href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4256 size-medium\" src=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-600x341.jpg\" alt=\"Kein Mangel an B&uuml;rgerrechtsthemen\" width=\"600\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-600x341.jpg 600w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-768x436.jpg 768w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-1000x568.jpg 1000w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-1536x873.jpg 1536w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-2048x1164.jpg 2048w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-800x455.jpg 800w, https:\/\/www.humanistische-union.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/dk4a-450x256.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"news-single-imgcaption\">\n<\/div>\n<p>Die 20. Delegiertenkonferenz begann am Abend des 21. September in Hannover mit einem lebhaften Streitgespr&auml;ch zur Online-Durchsuchung. Knapp 100 Zuh&ouml;rer nahmen an der Debatte &uuml;ber den (Un)Sinn der geplanten Online-Durchsuchung privater Rechner zwischen dem Pr&auml;sidenten des Bundeskriminalamtes, J&ouml;rg Ziercke, und dem stellvertretenden Vorsitzenden der HU, Fredrik Roggan, teil. (s.S. 11)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"die-arbeit-des-bundesvorstands\">Die Arbeit des Bundes&shy;vor&shy;stands<\/span><\/h2>\n<p>Am n&auml;chsten Morgen ging es dann wesentlich sachlicher zu: Zum Auftakt der Delegiertenkonferenz gaben Rosemarie Will und die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Arbeit der vergangenen zwei Jahre und die Entwicklung des Verbandes. Die Vorsitzende schilderte die Bem&uuml;hungen des Bundesvorstandes, durch eine Ressortverteilung seine Aktivit&auml;ten auf zentrale b&uuml;rgerrechtliche Themen zu konzentrieren, zu denen l&auml;ngerfristig gearbeitet wurde. Dazu z&auml;hlten etwa das Luftsicherheitsgesetz, die Diskussion um Patientenverf&uuml;gungen und Sterbehilfe, die neuen Terrorismusgesetze, die Reform der Telefon&uuml;berwachung und die Vorratsdatenspeicherung sowie seit Beginn des Jahres auch die Online-Durchsuchung. So sei es gelungen, trotz des pers&ouml;nlich bedingten Ausscheidens von Gerd Eggers und des Auslandsaufenthaltes von Nils Leopolds eine kontinuierliche Arbeit zu erreichen. Daf&uuml;r, dass die HU nicht zu allen b&uuml;rgerrechtlich relevanten Themen pr&auml;sent sein kann, warb sie um Verst&auml;ndnis. Angesichts der enormen zeitlichen Belastung f&uuml;r die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder und der thematischen Breite der HU sei mehr nicht zu schaffen. So verfolge die HU zwar aufmerksam die Einf&uuml;hrung der elektronischen Gesundheitskarte, die aktuellen Verfahren gegen mutma&szlig;liche Mitglieder der &bdquo;Militanten Gruppe&#8220; oder die Polizeieins&auml;tze im Umfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm, auch wenn wir dazu bisher keine Stellungnahmen abgegeben haben. Als besonderes Beispiel einer vertieften Projektarbeit verwies sie auf die Aktivit&auml;ten zur Vorratsdatenspeicherung: Hierf&uuml;r hatte die Humanistische Union erstmals Mittel einwerben k&ouml;nnen, aus denen f&uuml;r knapp ein Jahr eine kleine Projektstelle finanziert werden konnte. Die Arbeit von Miroslav Angelov zur Vorbereitung unserer Stellungnahmen, der Fachtagung und der Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung habe der fachlichen Qualit&auml;t&nbsp; unserer Arbeit in diesem Bereich sehr geholfen.<\/p>\n<p><b>HU im Wandel: <br \/>B&uuml;rgerrechtsarbeit ehrenamtlich oder professionell?<\/b><\/p>\n<p>Ankn&uuml;pfend an diese Erfahrungen mit der Projektarbeit zur Vorratsdatenspeicherung stellte Rosemarie Will in der anschlie&szlig;enden Diskussion &Uuml;berlegungen des Bundesvorstandes zu einer weiteren Professionalisierung der Arbeit der Humanistischen Union vor. Der Verband habe bisher haupts&auml;chlich vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder gelebt, deren Zeitbudget begrenzt ist. Hinzu komme, dass die an einem bestimmten Thema interessierten Mitglieder zum Teil weit verstreut leben, was die Aktivit&auml;t und Wirksamkeit von Arbeitsgruppen einschr&auml;nke. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Projekt zur Vorratsdatenspeicherung denkt der Bundesvorstand deshalb seit geraumer Zeit dar&uuml;ber nach, wie eine vermehrte projektbezogene F&ouml;rderung zu erreichen sei. Christoph Bruch brachte dazu den konkreten Vorschlag ein, f&uuml;r befristete Zeit einen Webredakteur einzustellen. Die mit einer solchen Professionalisierung verbundenen Probleme, angefangen von der Delegation politischer Arbeit an Besch&auml;ftigte, &uuml;ber die Abh&auml;ngigkeit von Geldgebern bis hin zu Vermarktungstendenzen der eigenen Arbeit, sollten nicht &uuml;bersehen werden. In der Diskussion dieses Vorschlags wurde vor allem die Notwendigkeit betont, dass f&uuml;r ein ehrenamtliches Engagement in Arbeitsgruppen realistische, projektbezogene Ziele gefunden werden sollten, die mittelfristig zu bearbeiten sind. Dabei solle geschaut werden, wie die v.a. bei j&uuml;ngeren Mitgliedern verbreiteten elektronischen Medien (Mailinglisten, Foren, Wikis) st&auml;rker f&uuml;r die Zusammenarbeit genutzt werden k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem wurde vorgeschlagen, dass der Vorstand Kriterien f&uuml;r die Einwerbung von externen Mitteln diskutieren solle. Einige der Delegierten vertraten dabei die Auffassung, dass die HU (wie bisher auch) auf eine F&ouml;rderung durch staatliche Mittel verzichten sollte. Andere gaben zu bedenken, dass eine st&auml;rkere finanzielle F&ouml;rderung der aktiven Regionalverb&auml;nde notwendig sei, deshalb m&uuml;sse eine Abw&auml;gung zwischen der personellen Aufstockung (die wahrscheinlich in der Bundesgesch&auml;ftsstelle stattfinden w&uuml;rde) und der F&ouml;rderung des ehrenamtlichen Engagements getroffen werden. Eine Entscheidung f&uuml;r oder gegen eine st&auml;rkere Professionalisierung wurde auf der Delegiertenkonferenz nicht gef&auml;llt, der neue Bundesvorstand wird das Thema aber weiter verfolgen und konkrete Vorschl&auml;ge mit den Mitgliedern diskutieren.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"nicht-nur-virtuelle-arbeit-bericht-der-geschaeftsfuehrung\">Nicht nur virtuelle Arbeit: Bericht der Gesch&auml;fts&shy;f&uuml;h&shy;rung<\/span><\/h2>\n<p>F&uuml;r die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen gibt es einen Wendepunkt, der sich genau datieren l&auml;sst: der 21. August 2006. An diesem Tag wurde die neue Webseite der Humanistischen Union freigeschaltet. Seitdem verzeichnet die HU einen kontinuierlichen Anstieg ihrer Neumitglieder. So konnten wir im vergangenen Jahr erstmals seit 1989 einen realen Mitgliederzuwachs erzielen, f&uuml;r das laufende Jahr hat sich dieser Trend noch verst&auml;rkt. Sicherlich haben dabei die immer aberwitzigeren Pl&auml;ne der gro&szlig;en Koalition (insbesondere von Herrn Sch&auml;uble) ihren geb&uuml;hrenden Anteil. Dennoch l&auml;sst sich anhand der stark gewachsenen Zugriffszahlen auf unsere Internetseiten erkennen, dass uns &uuml;ber dieses Medium immer mehr Menschen kennen lernen, die zuvor nie etwas von der Humanistischen Union geh&ouml;rt haben. Aufgrund der zahlreichen Neueintritte (aktuell in 2007: 151) hat sich auch die Altersstruktur unseres Verbandes erheblich verj&uuml;ngt. Die Internetseiten geben inzwischen einen wesentlich aktuelleren und breiteren &Uuml;berblick &uuml;ber die Aktivit&auml;ten der Humanistischen Union, alle Veranstaltungen werden angek&uuml;ndigt, &uuml;ber zahlreiche Veranstaltungen finden sich Berichte und Dokumentationen, dar&uuml;ber hinaus sind alle Pressemeldungen und Stellungnahmen auf den Seiten abrufbar, zu ausgew&auml;hlten Themen gibt es Sonderseiten. Aber auch f&uuml;r die Pflege der Verbandsgeschichte ist die Webseite genutzt worden, beispielsweise sind die Mitteilungen (komplett), &auml;ltere Ausgaben des Grundrechte-Reports und immer mehr Publikationen abrufbar. Dadurch werden die thematischen Traditionen, das gesammelte Wissen und die Verbandsgeschichte der HU besser sichtbar. Hinzu kommen zus&auml;tzliche Seiten f&uuml;r Regionalverb&auml;nde (Berlin, Frankfurt, Niedersachsen, S&uuml;dbayern), die einfacheren Bestellm&ouml;glichkeiten (Onlineshop) und die bessere Zug&auml;nglichkeit f&uuml;r Interessenten und Neumitglieder, aber auch f&uuml;r Journalisten, die zu unseren Themen recherchieren. Die Ende 2005 getroffene Entscheidung des Bundesvorstandes, Geld in den neuen Internetauftritt zu investieren, hat sich deshalb mehr als bew&auml;hrt, sowohl hinsichtlich der erzielten Publizit&auml;t als auch finanziell. Durch den Mitgliederzuwachs und die gestiegenen Verk&auml;ufe unserer Publikationen werden sich die Kosten der Umstellung zu Beginn des n&auml;chsten Jahres amortisieren.&nbsp; Die finanzielle Lage der Humanistischen Union ist weitgehend stabil: Die vergangenen beiden Jahre konnten jeweils mit einem leichten &Uuml;berschuss (2005: +3.300 &euro;) bzw. einem leichten Defizit (2006: -3.400 &euro;) abgeschlossen werden, so dass die R&uuml;cklagen aus dem Vereinsverm&ouml;gen praktisch nicht belastet wurden. Diese finanzielle Stabilisierung ruht nach wie vor auf zwei Voraussetzungen: einer sparsamen personellen Besetzung der Gesch&auml;ftsstelle (derzeit eine Vollzeitstelle der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung, ein Minijob f&uuml;r Buchhaltung, Mitgliederverwaltung und Bestellungen) sowie auf der Tatsache, dass wir f&uuml;r alle gr&ouml;&szlig;eren Veranstaltungen \/ Projekte Drittmittel einwerben.&nbsp;Doch wo Licht ist, sind auch Schatten: Gerade angesichts der gestiegenen Publizit&auml;t der Humanistischen Union und der dadurch steigenden (Presse-)Anfragen ist der zeitliche Handlungsspielraum der Gesch&auml;ftsstelle stark begrenzt. Manche Antwort l&auml;sst l&auml;nger auf sich warten als gew&uuml;nscht, manche Aufgabe (wie die Protokolle der Vorstandssitzungen) harrt ihrer Erledigung. Auch die Webseiten der Humanistische Union l&auml;sst noch manche W&uuml;nsche offen: So ist es bisher leider nicht gelungen, die Pflege der Seite auf mehr Schultern zu verteilen, au&szlig;er den Seiten des Regionalverbandes S&uuml;dbayern (dank Wolfgang Killinger) und den Seiten zur Informationsfreiheit (dank Christoph Bruch) bleibt noch zu viel Arbeit in der virtuellen HU an der Gesch&auml;ftsstelle h&auml;ngen. So zeigen die Ergebnisse des Google-Rankings, die dar&uuml;ber Auskunft geben, auf welchem Platz die HU-Seiten bei bestimmten Suchbegriffen ausgegeben werden, dass noch vieles verbessert werden kann und wir mit unserer Webseite noch effektiver arbeiten k&ouml;nnten. (s. Bericht auf Seite 20\/21)<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"satzungsaenderungen\">Satzungs&auml;nderungen&hellip;<\/span><\/h2>\n<p>Das Anliegen des ersten Antrags, die Einordnung der Humanistischen Union in englischsprachigen Darstellungen durch einen Namenszusatz zu vereinfachen, fand eine breite Zustimmung. In Erg&auml;nzung des urspr&uuml;nglichen Antrags wurde beschlossen, k&uuml;nftig die englische Bezeichnung &bdquo;Humanist Union. The German Civil Liberties Union&#8220; zu f&uuml;hren. Einige meinten gar, man h&auml;tte die Gelegenheit nutzen und zugleich den deutschen Namen &auml;ndern sollen, um der st&auml;ndigen Verwechslungsgefahr mit humanistisch-weltanschaulichen Verb&auml;nden, der Humanistischen Partei oder anderen Namensvettern zu entgehen. Zu einem solch radikalen Namenswechsel fand sich ad hoc jedoch keine Mehrheit. <br \/>Differenzierter war dagegen das Meinungsbild bez&uuml;glich des zweiten Antrages, der vorgeschlagenen Ersetzung der&nbsp; elegiertenkonferenzen durch Mitgliederversammlungen. Gegen den Antrag wurde etwa eingewandt, dass Mitgliederversammlungen zu einer geringeren Beteiligung von einkommensschwachen Mitgliedern f&uuml;hren k&ouml;nnten und diese damit tendenziell ausgrenzten. Au&szlig;erdem wird bef&uuml;rchtet, dass bei Mitgliederversammlungen eine geringere Beteiligung zu erwarten sei, wobei auch die repr&auml;sentative Verpflichtung der Abstimmenden entfiele &#8211; jeder stimme dann nur noch f&uuml;r sich. Andere warnten davor, dass Mitgliederversammlungen gezielt zur Majorisierung genutzt werden k&ouml;nnten, wenn eine organisierte Gruppe von Mitgliedern ihre Positionen durchstimmen l&auml;sst.&nbsp;Am Ende fand sich f&uuml;r den Antrag zwar eine knappe Mehrheit, die jedoch nicht f&uuml;r eine Satzungs&auml;nderung ausreichte. Deshalb entschlossen sich einige Mitglieder spontan, den Antrag in einer nach der Diskussion &uuml;berarbeiteten Fassung nun als Vorschlag f&uuml;r eine Urabstimmung auf den Weg zu bringen. Dieser Weg schien vielen Beteiligten insofern angemessen, weil dann eine ausf&uuml;hrlichere Diskussion innerhalb der HU m&ouml;glich sei und die HU zugleich direkte Demokratie praktiziere. Der Aufruf f&uuml;r diese Urabstimmung findet sich auf Seite 24\/25 dieser Ausgabe.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"-und-andere-antraege\">&hellip; und andere Antr&auml;ge<\/span><\/h2>\n<p>Breite Zustimmung fand die Anregung, der Bundesvorstand solle die interne Zusammenarbeit der Mitglieder st&auml;rker ber&uuml;cksichtigen und Angebote f&uuml;r eine bessere Vernetzung der Mitglieder unterbreiten. In der Diskussion wurden kleinere, konkrete Projektangebote f&uuml;r Mitglieder, die bereits erw&auml;hnten elektronischen Kommunikationsmittel, aber auch eine interne Expertendatenbank zum einfacheren Kontakt von Fachleuten in den eigenen Reihen genannt. Der Antrag des Landesverbandes NRW wurde einstimmig angenommen. Ebensoviel Zustimmung erhielt die Anregung, die HU solle sich nach M&ouml;glichkeit in die aktuellen bildungspolitischen Diskussionen einbringen. Gerade die aktuelle Studie des UN-Berichterstatters habe gezeigt, wie selektiv das deutsche Bildungssystem ist und welch gro&szlig;e Bedeutung dem Bildungszugang f&uuml;r das sp&auml;tere Leben zukommt. Etwas mehr Diskussionen rief dagegen der Antrag zur Ausrichtung der n&auml;chsten Berliner Gespr&auml;che hervor. W&auml;hrend sich Johann-Albrecht Haupt f&uuml;r eine Konkretisierung einsetzte, warnten andere davor, dass eine thematische Festlegung zum jetzigen Zeitpunkt die Handlungsf&auml;higkeit derjenigen einschr&auml;nke, welche die Tagung letztlich vorbereiten. Au&szlig;erdem wurde darauf hingewiesen, dass die HU ungeachtet ihrer klaren Forderungen nach einer Trennung von Staat und Kirche und der Abschaffung der Staatskirchenleistungen den offenen Gespr&auml;chscharakter der Berliner Gespr&auml;che erhalten sollte. Nur so sei ein Gespr&auml;chsumfeld zu erreichen, in dem die Ziele der HU wirksam vertreten werden k&ouml;nnen. Der Antrag wurde mit einigen &Auml;nderungen mehrheitlich angenommen. Dagegen zogen die Antragsteller ihren Antrag &bdquo;Kein besonderer Schutz religi&ouml;ser Gef&uuml;hle&ldquo; nach kurzer Diskussion zur&uuml;ck, da der Aufruf als zu allgemein und wenig zielgerichtet angesehen wurde. Der Arbeitskreis und der Bundesvorstand wurden gebeten, bei evtl. Initiativen zur Versch&auml;rfung des &sect; 166 StGB im Sinne des Antrags Stellung zu nehmen.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"sterbehilfe-und-patientenverfuegungen\">Sterbehilfe und Patien&shy;ten&shy;ver&shy;f&uuml;&shy;gungen<\/span><\/h2>\n<p>Die beiden Antr&auml;ge zur Freigabe der aktiven Sterbehilfe (Antrag 7, Teil 1) bzw. zur gesetzlichen Regelung von Patientenverf&uuml;gungen (Antrag 7, Teil2 und Antrag 8) bildeten einen inhaltlichen Schwerpunkt der diesj&auml;hrigen Delegiertenversammlung. Rosemarie Will wies in der Vorstellung des Gesetzentwurfs darauf hin, dass eine gefestigte Rechtssprechung zum &bdquo;ausdr&uuml;cklichen und ernsthaften Verlangen&#8220; existiere. Diese Begriffe seien in der Rechtspraxis ausgef&uuml;llt und stellten somit wirksame Kriterien gegen den bef&uuml;rchteten Missbrauch einer Sterbehilfe-Regelung dar. <br \/>Kontroverse Diskussionen gab es um die Frage, ob es einen gesetzlich vorgegebenen Vorrang der Selbstt&ouml;tung geben solle, die aktive Sterbehilfe also nur in dem Fall zul&auml;ssig w&auml;re, wenn der (assistierte) Selbstmord nicht mehr m&ouml;glich ist. W&auml;hrend die einen damit einem Missbrauch der aktiven Sterbehilfe zur gezielten T&ouml;tung vorbeugen wollten, warnten andere vor einer gesetzlichen Privilegierung der Selbstt&ouml;tung, die die freie Selbstbestimmung letztlich wieder aufweiche. Am Ende zeigte sich jedoch eine deutliche Mehrheit f&uuml;r eine allgemeine Freigabe der aktiven Sterbehilfe ohne zus&auml;tzliche H&uuml;rden. Dass die Selbstbestimmung jedoch nicht nur an gesetzlichen Strafgeboten, sondern auch von den gesundheitspolitischen Fehlentwicklungen beeintr&auml;chtigt werden, dar&uuml;ber waren sich alle einig. So wurde beschlossen, die Ver&ouml;ffentlichung des Gesetzentwurfs mit weiteren Forderungen nach einer palliativmedizinischen Grundversorgung, einer Aufhebung der 2-Klassen-Medizin und menschenw&uuml;rdigen Bedingungen in den Pflegeeinrichtungen zu verbinden. L&auml;nger diskutierten die Delegierten auch dar&uuml;ber, ob die Verbindlichkeit der Patientenverf&uuml;gung eher durch eine Regelung zur Willenserkl&auml;rung im B&uuml;rgerlichen Gesetzbuch (Antrag 8) oder im Betreuungsrecht (Antrag 7, Teil 2) festgeschrieben werden solle. Till M&uuml;ller-Heidelberg pl&auml;dierte daf&uuml;r, den strafrechtlichen Druck auf die &Auml;rzte aufrecht zu erhalten, die Konfliktl&ouml;sung von den Familiengerichten weg und hin zu den Amts- bzw. Vormundschaftsgerichten zu verlagern. Seinem Vorschlag schloss sich schlie&szlig;lich die Mehrzahl der Delegierten an.<br \/>Die sprach sich schlie&szlig;lich&nbsp; auch daf&uuml;r aus, die soeben beschlossenen Vorschl&auml;ge zur aktiven Sterbehilfe und den Patientenverf&uuml;gungen zu einem Schwerpunkt der HU-Arbeit zu machen. Begleitend zu dem Gesetzesvorschlag solle Informationsmaterial erstellt werden, um die Konsequenzen dieser Regelung zu verdeutlichen und auf die zu erwartende Kritik einzugehen,<\/p>\n<ul>\n<li>dass mit der Freigabe aktiver Sterbehilfe kein Rechtsanspruch gegen&uuml;ber Dritten auf Ausf&uuml;hrung der Sterbehilfe entstehe,<\/li>\n<li>dass mit der Beibehaltung der bisherigen Rechtslage ein Sterbehilfe-Tourismus bef&ouml;rdert wird, der die freie Entscheidung &uuml;ber das Lebensende vom Geldbeutel abh&auml;ngig mache,<\/li>\n<li>dass eine fehlende gesetzliche Regelung dubiosen Sterbehilfe-Angeboten unter unw&uuml;rdigen Bedingungen weiteren Vorschub leistet,<\/li>\n<li>dass fehlgeschlagene Selbstt&ouml;tungsversuche f&uuml;r die Betroffenen schwer zu ertragende Folgen nach sich ziehen k&ouml;nnen. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Verbreitung des HU-Vorschlags zur Sterbehilfe hat bereits begonnen: Der Regionalverband N&uuml;rnberg hat am 16. November eine Podiumsdiskussion zur Sterbehilfe angeboten, in Hamburg ist f&uuml;r den 12. Dezember eine weitere Veranstaltung geplant. Au&szlig;erdem wurde die gezielte Diskussion mit den Parlamentariern angeregt, die voraussichtlich im kommenden Jahr &uuml;ber die Gesetzentw&uuml;rfe zur Patientenverf&uuml;gung zu entscheiden haben.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"noch-mehr-inhalte-demokratieexport-und-europa\">Noch mehr Inhalte: Demokra&shy;tie&shy;ex&shy;port und Europa<\/span><\/h2>\n<p>In einem Impulsreferat stellte Khatira Paywand aus Hamburg ihre Kritik an der These eines m&ouml;glichen Demokratieexports in islamische L&auml;nder vor. Sie kritisiert das Klischee vom Islam als einem Demokratiehemmnis. F&uuml;r die Entwicklung demokratischer Strukturen in islamischen Staaten sei entscheidend, dass dem diskursiven Recht eine gegen&uuml;ber der Religion &uuml;bergeordnete Rolle zur sozialen Regulierung einger&auml;umt werde. Dieser Prozess m&uuml;sse aber in diesen L&auml;ndern ausgetragen werden, das Modell einer von au&szlig;en aufgesetzten Demokratisierung funktioniere nicht. Der Entwicklung breiter Bildungschancen komme dabei eine besondere Funktion zu, Bildung sei eine Voraussetzung f&uuml;r Demokratisierungsprozesse.<br \/>Mit einem weiteren Referat fasste Bj&ouml;rn Schreinermacher die in der letzten Ausgabe der Mitteilungen angek&uuml;ndigte Initiative zu einer europ&auml;ischen Ausrichtung der B&uuml;rgerrechtsarbeit zusammen. Durch die zunehmende Verlagerung nationaler Rechtssetzungsprozesse auf die europ&auml;ische Ebene m&uuml;ssten national orientierte B&uuml;rgerrechtsorganisationen wie die HU einen &bdquo;Entzug&#8220; ihres klassischen Einflusses auf nationale Rechtssetzungsprozesse bef&uuml;rchten. Seine Anregungen stie&szlig;en auf offene Ohren. In der Diskussion wurden m&ouml;gliche Verb&uuml;ndete und Kontakte auf der europ&auml;ischen Ebene benannt, die die HU ansprechen sollte.<\/p>\n<h2 class=\"auto-created\"><span id=\"und-zum-schluss\">Und zum Schluss&hellip;<\/span><\/h2>\n<p>war wie immer zu wenig Zeit, um alle Antr&auml;ge und viele weitere Themen zu diskutieren. Den Rest muss der neu gew&auml;hlte Bundesvorstand erledigen, der sich &uuml;ber jede Form der Unterst&uuml;tzung freut.<\/p>\n<p>Sven L&uuml;ders<\/p>\n<p><i>Das Beschlussprotokoll der Delegiertenkonferenz sowie die Berichte des Vorstands, der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung sowie der Regionalverb&auml;nde k&ouml;nnen Mitglieder in der Bundesgesch&auml;ftsstelle abrufen. Die Materialien sind ebenfalls im internen Mitgliederbereich der Webseite verf&uuml;gbar.<\/i><\/p>\n","protected":false},"featured_media":4256,"template":"","categories":[2639],"tags":[809],"autoren":[139],"publikationen":[937],"class_list":["post-9402","publikation","type-publikation","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-delegiertenkonferenz","tag-verband-delegiertenkonferenz","autoren-sven-lueders","publikationen-937"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Kein Mangel an B\u00fcrgerrechtsthemen - Humanistische Union<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.humanistische-union.de\/publikationen\/mitteilungen\/199\/publikation\/kein-mangel-an-buergerrechtsthemen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Kein Mangel an B\u00fcrgerrechtsthemen - Humanistische Union\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Bericht von der Delegiertenkonferenz 2007 der Humanistischen Union, Mitteilungen Nr. 199, Seite 14 &#8211; 17 Die 20. 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